28 juin 2020 0 Commentaire

Die Steinreihen von Carnac

für KULTURA EXTRA

 

Carnac ist eine kleine Stadt an der französischen Atlantikküste im Süden der Bretagne. Der Ort in der Nähe vom Golf von Morbihan hat wunderschöne Strände, das Wasser ist kristallklar, der Sand ist fein, und im Hinterland blühen Heidekraut und Stechginster auf duftenden Pinienhügeln. Das ist aber nicht der Grund, warum Carnac bekannt ist. Man fährt vor allem wegen der geheimnisvollen Alignements de Carnac, den Steinreihen aus dem Neolithikum, die sich kilometerlang hinziehen und zwischen 5000 und 3000 v.Chr entstanden sind, dorthin. Dieser Steinwald in Carnac ist die größte Anordnung von Hinkelsteinen weltweit.

Das Wort « Hinkelstein » ist – so sagt man – der schlampig-faulen Aussprache im rheinhessischen Volksmund des Wortes « Hünenstein » geschuldet. 1866 hat man in der Nähe von Monsheim ein Gräberfeld entdeckt, welches von einem zwei Meter hohen Menhir bewacht wurde. Der Begriff « Hinkelsteinkultur » bezieht sich vor allem auf die Jungsteinzeit um 5000 v.Chr. in Südwestdeutschland.

Idealerweise sollte der Besuch am Informationszentrum von Carnac, dem Maison des Mégalithes, starten. Dort kann man sich mit Material versorgen und seinen Tag verplanen. Führungen in mehreren Sprachen werden ebenfalls angeboten. Im gesamten Departement Morbihan macht man aber auch so permanent Bekanntschaft mit Dolmen und Menhiren, diesen aufrecht stehenden großen Steinen. Je nachdem, wo der Wind herkommt, kann man das Meer riechen und hören, während man zwischen den Steinreihen herumgeht, und vom künstlich angelegten Tumulus St. Michel kann man es sogar sehen. Seit 1960 ist der Ort für den Tourismus erschlossen.

Steinreihen Carnac

 

Auf den ersten Blick wirken diese in verschiedenen zeitlichen Bauphasen parallel aufgestellten Menhire aus Granit in unterschiedlicher Höhe wie ein zeitgenössisches Landart-Projekt, das sich auf drei Alleen über eine Länge von fast vier Kilometern zum Atlantik hinzieht. Die wichtigsten Stätten sind Ménec und Kermario. In Menec stehen 1.050 Menhire in 11 Reihen angeordnet auf einer Länge von tausend Metern. Der Kermario-Komplex im Osten der Stadt ist der meistbesuchte. Dort begegnet man 1.029 Menhiren, die in 10 Reihen stramm stehen. Einige der Steine haben im Laufe der Jahre Gesichter und Positionen von Besuchern angenommen wie der Menhir in Kermario, Balzac genannt. Man kommt nicht umhin, Rodin zu beschuldigen, hier heimlich Steine bearbeitet zu haben. Nicht weit weg davon liegt die Quadrilatère du Manio. Die meterhohen Granitblöcke im Viereck sollen früher einen Grabhügel eingefasst haben. Der « Riese von Manio » ist mit sechs Metern der größte Menhir von Carnac. Ein Cromlech (ein geometrischer Steinkreis) aus 39 Menhiren befindet sich am Ende des Feldes. Das kleinere Steinfeld in Kerlescan mit 555 Steinen auf 13 Reihen ist das am besten erhaltene.

Warum und wie diese insgesamt fast 3.000 Hinkelsteine dorthin gekommen sind und wer sie konzipiert und aufgestellt hat, bleibt nach wie vor ein Mysterium. Vom Himmel gefallen sind sie sicher nicht. Die architektonisch-mathematische Anordnung ist geplant und durchdacht, jeder Stein und jede Position hatte einen Sinn und eine Funktion. Konnten die einfachen Bauern oder Fischer um 5000 v.Chr. solch geometrisch durchdachte Anlagen bauen oder vermessen? Was man heute noch sehen kann, ist nur die Hälfte der Steinreihen. Forscher gehen davon aus, dass diese ursprünglich doppelt so lang waren. Die ersten Steinreihen sind lange vor Stonehenge, das um 3000 v.Chr. datiert ist, entstanden. Aber nicht nur der Aufbau, auch der Transport dieser Granit-Steinblöcke bleibt ein Rätsel. Das Rad wurde erst um 3500 v.Chr. erfunden. Moderne Archäologen gehen davon aus, dass die Beförderung der Steine auf einer Straße aus gefällten Baumstämmen erfolgt sein könnte. Der Granit kommt aus der Gegend, musste aber trotzdem vom Steinbruch zu den Anlagen. Andere sprechen von einem Transport auf Flößen. Man bedenke aber, dass einige Steine bis zu 20 Meter lang sind und gut und gerne 300 Tonnen auf die Waage bringen.

Bis ins 20. Jahrhundert hat man in Carnac eine Tempelanlage vermutet. Heute geht man eher davon aus, dass es sich um Stätten für einen religiösen Totenkult handelte. Unter unzähligen Vermutungen gibt es auch die Theorie der Verteidigungslinien. Wollten sich die dortigen Bewohner vor 7000 Jahren vor außerirdischen Gefahren schützen oder dem tosenden Atlantik trotzen? Diese Armee aus Steinen lässt immer noch viel Interpretationsspielraum zu, und wenn die Wissenschaft keine Erklärung mehr bieten kann, entstehen Legenden, Geschichten und Verschwörungstheorien. Eine der schönsten Legenden ist die vom Heiligen Cornelius, der im Jahre 253 von den Römern gezwungen wurde, dem Kriegsgott Mars ein Opfer zu bringen. Als Gläubiger musste er das natürlich ablehnen, und so blieb ihm nur die Flucht in die Bretagne. Einer der römischen Kaiser – im Jahre 253 gab es vier davon – hatte nichts Besseres zu tun, als ihm eine Armee hinterher zu schicken. Diese hat Gott auf Bitten von Cornelius in Steinkrieger verwandelt. Aber Außerirdische könnten natürlich auch eine Rolle hier gespielt haben. Von der Luft aus betrachtet, könnte man einige Formen durchaus als Landebahn benutzen.

Während der Sommersonnenwende finden normalerweise esoterische Ateliers zwischen den Steinformationen statt, und angeblich kommt man dann dem Himmel ganz nahe. Kosmische Kräfte vereinen sich mit herum schwebenden irdischen Energien, die den Eintritt in eine andere Welt ermöglichen könnte. Sollte dem so sein, dann ist dieser Eingang bis jetzt allerdings noch nicht entdeckt worden. Vielleicht sind ja die Pilger mit ihrer Wünschelrute auf der Suche danach, denn Wasser gibt es in der Bretagne eigentlich genug.

Die nationalsozialistische Archäologie hat sich während der Besatzung im Zweiten Weltkrieg für die Steinreihen in Carnac interessiert und dort sogar Zeichen einer « Indogermanisierung » entdeckt. Die topografischen Untersuchungen Ende 1940 mit Unterstützung der Luftwaffe führten zur Freilegung eines Tumulus 1941 in Kerlescan. Der Krieg hat aber später weitere Forschungen unmöglich gemacht. Einige dieser Funde sind heute im Museum von Carnac zu besichtigen.

Seit 1996 zählt Carnac zum UNESCO-Weltkulturerbe. Der Heilige Zauber dort soll sogar Insekten zum Schweigen bringen. Das wäre uns jetzt nicht aufgefallen und ist vielleicht nur im Winter so. Aber blühende Legenden und mysteriöse Geschichten scheinen in der Bretagne noch schneller und intensiver zu gedeihen als anderswo.

cmb

 

 

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