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19041019271.jpg Atelier von Helena Aikin

DVD Besprechung von Madame Curie

Zum Ende des Jahres der Chemie trumpfte die UNESCO nochmals mit der Welturaufführung der Oper „Madame Curie“ von Elzbieta Sikora auf. Im großen Saal der UNESCO, dem Saal I, gibt es sehr viele und sehr unterschiedliche Veranstaltungen. Cultural diversity ist hier das Thema: die 195 Mitgliedstaaten der UNESCO versuchen, ihre Welt und Kultur den anderen nahezubringen. Man kann dort von asiatischen Tanzaufführungen, Konferenzen über lateinamerikanische Dichter und europäischen Musikveranstaltungen alles erleben. Madame Curie war seit der Theater-Opern-Aufführung „Experimentum Mundi“ von Giorgio Battistelli im letzten Jahr mit Abstand die interessanteste und spannendste Veranstaltung.  Der große Raum I im Fontenoy-Gebäude ist sicher nicht ein idealer Ort für Konzerte oder Opern; aber das Ensemble hat bewiesen, dass es geht.

Schon vor zwei Jahren hat die polnische Komponistin Elzbieta Sikora – die in den 60er Jahren nach Paris kam und seitdem hier lebt und arbeitet – mit der Arbeit an Madame Curie begonnen. Dass diese Oper in ihrer Wahlheimat Paris zum Ende des Jahres der Chemie uraufgeführt werden konnte,  war vielleicht geplant, aber auf jeden Fall für die UNESCO und für die Zuschauer ein Gewinn. Das Libretto stammt von Agata Miklaszeweska -  sie hat die Psychologie und die menschlichen Probleme von Marie Curie in den Vordergrund gestellt. Was sie im Endeffekt entwickelt oder entdeckt hat, war Nebensache. Entscheidend waren der Tod ihres Mannes, ihre Affaire mit Paul Langevin, ihr Problem mit der französischen Gesellschaft (vor allem der männlichen), ob sie zur Preisverleihung reist oder nicht, ihre Ambitionen, Amerika etc.

Freud, Leid, Neid, Tod, Vorhersehung: Griechisches Theater pur. Am Pult stand Wojciech Michniewski und dirigierte die Baltische Oper von Danzig. Instrumentalisten, Chor, konzertierendes Klavier (manchmal), große Solistenarien. Bühnenbildnerische Visionen begleitet von einer Musik  die sich ständig verändert, die erzählt.

In Madame Curie hat Elzbieta Sikora zum Teil ihre bei Pierre Schaeffer gemachten Erfahrungen mit der elektronischen Musik eingebracht – hat aber die Klassik nicht herausgehalten. Bewusst, wie sie sagt. Zauberhafte Arien vor allem für Marie Curie, interessante Solopartien wie das Klarinettensolo das Lois Fuller begleitet, wunderbare Choreinlagen – überhaupt spielt der Chor vor allem ab der Mitte des Stückes eine wichtige Rolle, die Stelle z.B. als die Geräusche des zeitungslesenden Chor in die Musik eingreifen oder das Tassen-Duo (eine ähnliche Stelle gibt es bei den « Drei Schwestern » von Peter Eötvös – aber diese ist fast gelungener)  der beiden Töchter von Marie Curie, die die Aufmerksamkeit ihrer Eltern erzwingen wollen. (Ich hoffe sehr, dass Bernard Jourdain mit seiner Opera Côté Choeur sich Madame Curie annehmen wollen).

Einordnen kann man die Musik eher schwer –Elzbieta Sikora bestätigt dies in ihrem Interview.

Sie hat sich sehr viel mit Marie Curie beschäftigt, ihre Biographien gelesen, und sich mit Chemie und Physik befasst. Vielleicht ist ihr deshalb solch ein kompaktes und packendes Werk gelungen – lyrisch, und zeitgenössisch, poetisch. Es gibt nicht viele Komponisten-Frauen. Ob sie auch Autobiografisches darin verarbeitet hat, weiß man nicht – aber durchgekämpft hat sie sich sicherlich. Beide Frauen kamen aus Polen und haben Paris zu ihrer Wahlheimat gemacht. 1981 bekam Elzbieta Sikora beim Wettbewerb für Komponistinnen in Mannheim den ersten Preis. Chantal Cazeaux hat in ihrer französischen Kritik auf die „Tote Klasse“ von Kantor verwiesen – vielleicht nicht nur wegen der puppenähnlichen Choristen.

Musiktheater oder Oper? 30 erzählte Bilder. Das Bühnenbild verändert sich so gut wie nie. In der Mitte – vor dem Orchester – ein großer Tisch, dahinter Anna Mikolajeczyk, die eine wunderbare Marie Curie abgibt, mit ihrem grauen Labormantel, die Haare leicht zerzaust – eher ungepflegt. Auf jeder Seite der Bühne befindet sich eine Tribüne für den Chor. Dieser ist das Publikum und von dieser Tribüne aus wird Marie bewundert, gelobt, beschimpft, verachtet. Die Klangbilder haben die Geschichte erzählt, die man dann über dem Geschehen (die Oper war in polnischer Sprache) lesen konnte.

Die Leute kommen und gehen – Marie ist immer da. Auf dem Tisch liegt zuerst ihr Mann Pierre nach dem tödlichen Unfall und anschließend Loie Fuller, die wunderbare Tänzerin, die fast schwebend die Bühne betritt – unschuldig, zerbrechlich mit einem weißen Nachthemd, dann kurz mit Marie tanzt und anschließend auf dem Tisch landet und wohl stirbt – auch Opfer des Radium? Die amerikanische Tänzerin Loie Fuller kam in der Belle Epoque nach Paris und erregte großes Aufsehen mit ihren prächtigen Choreographien. Einmal bat sie die Curies sogar um etwas Radium für eines ihrer Kostüme. Ich weiß aber nicht, ob sie es bekommen hat. Im Libretto von Frau  Miklaszeweska ist die Antwort ja.

Die Opern der Gegenwart haben oft nur ein kurzlebiges Dasein. Sie werden geschaffen, einmal aufgeführt und verschwinden dann ganz oft wieder in den Archiven. Das wird Madame Curie sicher nicht passieren.

Als die Ankündigung zu der Aufführung kam, habe ich mich auf ein sehr schwer zu hörendes Stück vorbereitet und mit großer Vorfreude der Veranstaltung entgegen gesehen. Es war dann ganz anders – ich musste bei der Aufführung an die Werke von Henze denken aber auch wieder nicht. Am liebsten würde ich das ganze nun nochmals erleben. Leider war es mir nicht möglich, bei den Aufführungen letzte Woche in Danzig  dabei zu sein.

Christa Blenk

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