29 mai 2026 0 Commentaire

Caspar David Friedrich – Krähenbaum und Porträt von C.Bardua

für KULTURA EXTRA

Schlangenartig wuselt sich abgebrochenes und halb verrottetes Baum- und Wurzelwerk links und rechts einer bizarr und nackt in den Himmel ragenden knorrigen, versteinerten Eiche. Die fall-resistenten Blätter sind an einer Hand abzuzählen. Die kahlen Äste und Zweige werden zu verlängerten Armen und großen Händen, die nach Unsichtbarem greifen wollen, wegflattern. Das scheint die Krähen aber nicht zu beunruhigen. Einige sitzen auf einem Ast. Sie warten auf Verstärkung, und der Schwarm ist auch schon im Anflug. Die Wurzeln des Baumes liegen am Fuß eines Landstreifens, auf dem früher ein prähistorisches Denkmal stand. Ein Hünengrab oder ein Dolmen. Das können wir nicht wissen, aber Friedrich hat es auf der Rückseite des Bildes vermerkt. Der Baum reckt sich in den Abendhimmel. Die Sonne geht gerade unter und taucht diese makabre Szene in warmes, sentimentales Licht, das schon lange Schatten wirft. Ein breiter, gelber Lichtstreifen unterbricht in der Mitte das Bild. Eine Armee von untereinander kommunizierenden Fabeltieren bildet das Fallholz auf dem Boden neben einem gefällten oder umgefallenen Stamm. Vereinzelte, tote, verwelkte Blätter versinken, werden eins mit dem herbstlichen Boden.

Der Krähenbaum ist eine ausdrucksstarke und symbolträchtige Meditation über Leben, Tod, Zeit. Schönheit und Grausamkeit liegen ganz nahe beieinander, reichen sich die Hände. Genauso wie das Hell und das Dunkel und dann die pastellfarbene Hoffnung. Sanfte Nuancen in rosa, lila, beige vermischen sich mit dem orangefarbenen Himmel, der durch die weit verzweigten, blätterlosen Äste gut zu sehen ist. Links verlässt der windschiefe Baum das Bild. Friedrich dehnt so seinen Sakralbezirk, diese Fusion von Natur und Konstruktion, in die Endlichkeit aus. Ganz weit hinten, in der Ferne sieht man das Meer und hohe Klippen. Es sind die Kreidefelsen von Rügen. Ein beliebtes Motiv von Caspar David Friedrich.

und Besprechung des Porträts von Friedrich von der Künstlerin Carolina Bardua

Die deutsche Künstlerin, Porträtmalerin und Salonnière Caroline Bardua (1781-1864) war eine der ersten Frauen aus dem höheren Mittelstand, die es schaffte, sich eine Existenz als freie, bildende Künstlerin aufzubauen. 1810 malte sie das bekannte Porträt Caspar David Friedrich mit Trauerbinde.

Sie porträtiert den Künstler vor einem Hintergrund à la Friedrich, einer romantisch-melancholischen Landschaft. Auf den ersten Blick ist man versucht, das Gemälde dem Porträtierten selbst zuzuordnen, denkt an dessen Rügen-Bilder. Friedrich ist zu diesem Zeitpunkt 35 Jahre alt, die Künstlerin 29. Mit den Bildern Mönch am Meer und Abtei im Eichwald hat er gerade die ersten, bedeutenden Erfolge erzielen können. Friedrich hat einen Suizid-Versuch hinter sich, war länger schwer krank und litt immer wieder an Depressionen. Seine Schwester Dorothea verstarb im Dezember 1808, sein Vater im November 1809. All das fängt Caroline Bardua in dem Porträt ein:

 

cmb

 

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