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Ikonen der Stille - Icone del silenzio (Katalogtext auf Deutsch) vernissage-tiziana-065-150x150

Ikonen der Stille

Ruinen aus roten Ziegeln unter maritimen Pinien. Eine römische Straße, Regina viarum, mit den für ein Mosaique nötigen Steinbrocken. Villen, wie die wunderschöne „Quintili“, die am Horizont der Felder auferstehen. Klöster, die sich im delikaten Licht-Schatten-Spiel verändern.

Die Zeit steht still, unbestimmbares Licht, ist es morgens, oder mittags oder sogar schon die Dämmerung? Genauso wie sich die Jahreszeiten geheimnisvoll ankündigen, umwickeln bleierne Himmel gespenstische Monumente, ist es das Frühlingsgrün der Wälder, das glänzt oder sind es die rot-gelblichen Herbstfarben. Die Landschaften von Tiziana beschreiben ein von Nostalgie verhülltes andächtiges Warten und sind trotzdem ein unerklärbares Wunder. Die Tafeln sind klein, einige – rund –  sind konzentriertes Feuer, die sich überraschend wiederspiegeln. Mikrokosmen, die die Natur und die Geschichte heraufbeschwören, aber vor allem setzen sie die innere Welt ins Bild. Tiziana ist das Ebenbild ihrer Biografie, ihre Emotionen offenbaren sich in dichten Suggestiv-Konstruktionen, in Bedeutungen, Anspielungen, die in ein subtiles Empathiespiel verwickeln. Vor unseren Augen ziehen still die Jahreszeiten vorüber, metaphysische Betrachtungen, surrealistische Verwirrungen.  Tiziana lässt antike Impressionen wieder auferstehen, setzt Gefühle frei, wie sie bei der Geburt der naturgetreuen Malerei entstehen. Die römische Kampagne animiert zu Reflexionen über Claude Lorrain und natürlich über die Nazarener und die Ansicht des Schlosses von Schwerin ist eine apodiktische Huldigung der Poetenseele des Johann Friedrich Overbeck.  Es sind die Geburtsorte der idealen Landschaft. Fabeln wohnen in dieser Wildheit und alles atmet Mythos.

Die Idee einer linearen Zeit, unser selbstverantwortlicher Geist, erlebt eine zyklische Vision die zum „eterno ritorno“ führt. Die Spuren der römischen Welt, die etruskische Epoche, sie vibrieren im Gleichklang mit den Landschaften, wie in der Stadt der Stille von Max Ernst. Die Natur verführt, weil sie von Träumen bewohnt ist, ihre Üppigkeit gibt dem Mythos Stoff.  Die Cascate delle Marmore, in Grün getaucht wie unbewegliche Lava, und der Pastor Velino, der sich in den Strudel wirft um die Nyphme Nera zu verfolgen, die von der eifersüchtigen Juno  in einen Strom verwandelt wurde. Es scheint, dass das Reißen des Wassers  die Hoffnungslosigkeit des Unterfangen unterstützt. Der unbewegliche See von Capodacqua (in der Nähe von Capestrano, im Herzen des Gran Sasso Parkes)  ist eine weitere Wasserfabel und erzählt ungläubig von den Wellen die Windmühlen verschlingen, um zu Energie zu werden. Auf der Oberfläche bleibt als Metapher der Malerei nur die Farbfabrik stehen. Weitere Visionen der „grand tour“ tragen uns in die Umgebung von Alatri: die Grancia di Tecchiena und die Badia di San Sebastiano. Eine Bildergalerie, die sich, wie durch Zauber, aus dem Strom der Geschichte hervorhebt: Die Abtei wird ein phantastisches Objekt, mit größter Sorgfalt umrissen im Flechtwerk der unübertrefflichen Linien, jeder Stein ist wichtig, die vom Licht gestreichelten Mauern sorgen für die Lichtverbreitung; dann tritt man in das Mysterium der Klöster ein, umgeben vom diskreten Echo genießen wir den Schatten des Taufbeckens, wir begeben uns unter die spitzen Bögen, wo preziöse farbige Glasfenster paradiesisches Licht hervorrufen.  Die Kirchenfassaden und die Innenräume der Klöster strahlen die gleiche spirituelle Spannung aus; und das Kloster „Santa Chiara a Subiaco“ flüstert ein Gebet. Wie die klassischen Ruinen, sind sie Ikonen einer Vergangenheit, die weiter lebt und durch unsere Betrachtung ständig neu erschaffen und erfahrbar wird: die geduldige Kunst von Tiziana scheint das Werk der mittelalterlichen Miniaturen fortzusetzen, beleuchtet ihre Denkmäler,  umschließt sie mit sanfter Melancholie. Und der stille Zauber der Bauten erinnert an die Perspektiven und die elegante Stereometrie: die etruskischen Statuen, der Helm der Kavallerie, der barocke Umhang, rigoros wie ein Theorem, der staunende Engel von Francesco Mochi in Orvieto.

Die Wirkung ist sogar noch beeindruckender wenn diese Ikonen im Universum des täglichen wohnen, Palasttore oder Stadtveduten. Wunderbar die Engelsbrücke über den Tiber, erstarrt, eine metaphysische Vedute, die Roms Seele aufdeckt.

So zieht die Kraft der Visionen an den Beunruhigungen der Modernität kohärent vorbei. Tiziana verlässt nun die einst so geliebte Geografie, ihren Traum von Arkadien, und erkundet nüchterne Bauten, blendend in ihrem Glanz, läuft sich durch beleuchtete Atrien und verfolgt deren Entfaltung über eine Wendeltreppe,  sie durchschreitet stumme Flure, sie rastet in verlassenen Innenhöfen, wo sich zwei Stühle und eine Marmormuschel in der Wand hervortun wie eine traumhafte Scharade. Tiziana durchschaut die Geheimnisse der Paläste, zieht auf irreellen Wegen weiter und wundert sich über die rigorose Kreativität und sammelt tiefe Eindrücke der Stadt, der klaustrophobischen Ängste ihres unterirdischen Lebens: der rote Tunnel wie eine offene Wunde, die Galerie und die Metrotreppe, der Zug in der Düsternis.

Die Reise geht weiter und die „miniaten“ Visionen verfolgen den Weg, zeichnen Seelenpassagen vor, in einer Molekularoptik eingefangene Atmosphäre, die sich nicht auf das Erscheinen von Sachen beschränkt, sondern die Form zerlegt und die Essenz erforscht: wie Vermeer die Ziegel von Delft abbildete oder Klimt die Kraft der übersprudelnden Blumen am Ufer der Attersees preiste. Die Verwunderung lässt die intimen Kordeln des Malers und Beobachteteers vibrieren, jeder Filter löst sich auf, verschwindet.  Weiter kommuniziert sie über die Barriere des Wahrnehmbaren hinaus, setzt Impulse frei und die traumatischen Felder rücken zusammen. Dennoch: der Blick der Künstlerin fixiert sich jeden Konflikt, distanziert sich von der Angst und überträgt die Bewegung in einen geheimen Garten, die alchemistische Arbeit der Kreation macht den Existenzschmerz erträglich.

Filippo Maria Ferro

Übersetzt von Christa Blenk und Fiorella Pavan

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