2 juin 2026 0 Commentaire

Ercole amante – von Antonia Bembo in der Bastille

Ercole amante von Antonia Bembo

Gift und Gegengift

Herkules hat seinen Glanz mit den Jahren eingebüßt. Die Abenteuer sind alle überstanden und abgehakt. Er steht vor einer saftigen Midlifecrisis, will seine Frau Dejanira für die junge, schöne Iole verlassen. Sie will ihn aber nicht und er beklagt sich über die Launen Amors („Ah Cupido io non so già“). Es läuft nicht so wie geplant. Mindestens zwei Gründe unterminieren sein Vorhaben: Einmal ist Iole die Freundin seines Sohnes Hyllo und zum anderen hat er, Herkules, seinerzeit Ioles Vater getötet. Zwei Hauptgöttinnen stehen dem Halbgott gegenüber. Venus, die Göttin der Liebe. Sie will ihm helfen, seine Liebe auszuleben, während Juno, die Gattin von Jupiter, auf Seiten von Iole steht. Juno hat einen begründeten Hass auf Herkules, ist er doch einer der vielen unehelichen Söhne ihres untreuen Gatten. Merkur, im Auftrag von Venus verpasst also Iole Liebesspritzen und sie fängt auch schon an, zu schwächeln, bis Juno daherkommt, den Bann mit Hilfe von Sonno bricht und den alten Herkules in einen tiefen Schlaf versetzt, während das Volk im grünen Labyrinth Tennisbälle verschlägt.

Dejanira trauert um ihren Sohn Hyllo, den Herkules aufs weite Meer verbannt hat („Ahi che pena è gelosia“). Sie kann nicht wissen, dass Juno mit ihren göttlichen Beziehungen Neptun beauftragt hat, Hyllo aus den Wogen zu retten. Iole, die nun doch wieder vor der Hochzeit steht, beauftragt eine Gruppe von Opferpriestern, den Geist ihres Vaters heraufzubeschwören, der auch prompt aus den Tiefen hervorrumpelt. Sie will ihn um Verzeihung bitten, seinen Mörder zu heiraten. Dann kommt die sehr gelungene Hochzeitsszene. Aber kurz darauf stirbt Herkules an dem Gift der Tunika.

Ende gut alles gut. Herkules, der doch nicht tot ist, bekommt Bellezza, die hier eine maßgeschneiderte Roboter-Geliebte ist, die schnell das Zepter übernimmt. Hyllo wird mit Iole vereint und sogar Venus und Juno werfen sich wohlwollende Blicke zu. Im letzten Akt preist ein Chor von Planeten das himmlische Brautpaar und Bellezza und Herkules verheißen, dass einst am Ufer der Seine ein gallischer Ercole eine iberische Schönheit heiraten werde („Quel grand’eroe, che già laggiù tanto penò sposo della beltà“).

Die Einflüsse der sieben Planeten steigen tanzend auf die Bühne herab, gefolgt von einem Chor aus Sternen.

Nach seinem großen Erfolg vor ein paar Jahren mit Les Indes Galantes kommt Leonardo García Alarcón an die Bastille-Oper zurück und führt mit seiner Cappella Mediterranea die Oper von Antonia Bembo „Ercole amante“ (Der verliebte Herkules) auf.  Für Garcia Alarcon ist dieses Werk eine Kreuzung der Welten, italienisches, gesungenes Theater mit starken Rezitativen und virtuosen Arien und die Farben der französischen, lyrischen Tragödie.

1707 komponierte Antonia Bembo diese wunderbare Barockoper in Paris am Hof von Ludwig XIV. Jetzt, 2026, wird dieses Barock-Juwel schließlich hier in der Pariser Bastille Oper aufgeführt, nachdem die französische Nationalbibliothek auf einer Auktion 1937 das Manuskript erwerben konnte. Außer einer konzertanten Aufführung in Stuttgart 2023 und einer weiteren in San Francisco wurde das Stück bis jetzt nicht gespielt.

 

Das Libretto ist von Francesco Buti. Antonia Bembos Lehrer, Francesco Cavalli, hatte es 40 Jahre vorher anlässlich der Hochzeit des Sonnenkönigs mit der Österreicherin Maria Theresia schon einmal in Musik gesetzt. Die beiden Versionen sind musikalisch sehr unterschiedlich. Bembo hat französische Musik geschrieben und mit der üblichen sechsteiligen Ouvertüre dem Roi Soleil gehuldigt, während Cavallis frühere Version mit einer Sinfonietta begann. Antonia Bembo selbst flüchtete seinerzeit vor ihrem brutalen Ehemann von Vendig nach Paris, sang dem Sonnenkönig vor und dieser nahm sie direkt unter seine Fittiche. Antonia Bembo räumt den weiblichen Rollen eine große Bedeutung zu, hat sie ja selber so einen Tyrannen in Venedig zurückgelassen. Schmerz, Wut, Determination definieren die Arien der unterschiedlichen Frauen in der Oper.

Die Britin Netia Jones – auch keine Unbekannte an der Bastille – präsentiert unglaublich ästhetische und immer nachvollziehbare Bilder, die durch Video und Lichtinstallationen sehr kreativ verstärkt werden. Sie schafft eine Spannung zwischen Mythos und Moderne auf einer Spiegelbühne. Die Götter sind viel mehr als nur allegorische Figuren, sie erwachen zum reellen Leben, werden menschlich.

Ellen Ruge ist für die Beleuchtung verantwortlich.

Und dann die Sänger, durch die Bank großartig und immer sich in ihren Rollen zuhause fühlend in dem drei Stunden-Opus.

Andreas Wolf ist ein hervorragender, lüsterner und doch unsicherer Herkules, der sich zwischen Hyllo und Iole (Alasdair Kent und Ana Vieira Leite) drängen will. Deepy Johnny ist eine verzweifelte Dejanira und Julie Fuchs eine sehr elegante und würdige Juno. Sandrine Piau ist Venus in leidenschaftlichem Rot. Mercel Beekmann spielt und singt wunderbar die Rolle des Licco, Vertrauter von Dejanira.

Dominanz, Verführung, Verlust und Gewinn hat auch Maud Le Pladec mit wunderbaren Ballett- und Tanzeinlagen – typisch für die französische Barockoper – umgesetzt.

Die Cappella Mediterranea und ihr Leiter Leonardo García-Alarcón wurden am 30. Mai minutenlang bejubelt, ebenso der Kammerchor von Namur unter Leitung von Thibaut Lenaerts.

Sicherlicht das Highlight dieser und der nächsten Opernsaison.

Nachklapp: Die Pause nach 100 sehr schnell vergangenen Minuten, begann mit einem Höllenlärm und es dauerte ein wenig, bis wir den Grund erkannten. Auf der Place Bastille feierten die Fußballfans den Sieg der Champions League mit unerlaubtem Feuerwerk und viel Lärm und Geschrei. Nach Ende der Vorstellung wurde das Publikum gebeten, noch so lange im Saal zu bleiben, bis ein sicheres Verlassen des Opernhauses gewährleistet werden konnte. Das dauerte. Schließlich durften 2700 Opern-Besucher das Gebäude über einen Seitenausgang verlassen. Vielleicht hat aber Netia Jones auch das in ihre Inszenierung eingebaut. Die Federfall spielenden Halbgötter im Versailles-Labyrinth zwischen Götterstatuen jedenfalls sind ein Augenzwinkern an das gerade stattfindende Roland Garros Tennis-Turnier.  

Christa Blenk

auch für KULTURA EXTRA

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

Laisser un commentaire

LES PEINTURES ACRYLIQUES DE... |
ma passion la peinture |
Tom et Louisa |
Unblog.fr | Annuaire | Signaler un abus | L'oiseau jongleur et les oi...
| les tableaux de marie
| création