28 mars 2020 0 Commentaire

Raffael im virtuellen Museum

Juli2013 146
Villa Farnesina in Rom

Wir feiern Raffael für KULTURA EXTRA

Sanfte, dunkelbraune Augen, gerade, feine Nase, sinnlicher Mund, dunkle Haare, weißes Gesicht, schwarze Mütze, schwarzer Mantel.  Raffael hat sein bekanntestes Autoportrait in Florenz 1506 gemalt. Anmutig, ernst und verträumt blickt der 26-Jährige Künstler in die Welt und bereitet sich auf das Abenteuer Rom vor. Das Portrait steht für den Beginn einer beispiellosen Karriere.  Raffael wird mit Da Vinci, Dürer oder Michelangelo den Kunst-Kanon der westlichen Welt und die zukünftigen Maler prägen.

„Mit welch großmütiger Freigebigkeit der Himmel bisweilen über einen einzigen Menschen den ganzen Reichtum seiner Schätze, alle Talente und hervorragenden Fähigkeiten ausschüttet, die er sonst im Lauf eines langen Zeitraums auf viele zu verteilen pflegt, zeigt sich deutlich an Raffael Sanzio von Urbino…“  so begeistert schreibt der bekannte Maler und Künstlerbiograph Giorgio Vasari (1511-1574), der bei Raffaels (1483-1520) Tod gerade mal 9 Jahre alt war.

Museen werden weltweit nach und nach geschlossen. Da kommt diese digitale Ausstellung von „musement“ anlässlich des 500.Todestages von Raffael Sanzio gerade zum richtigen Zeitpunkt. Knapp 150 Werke des italienischen Renaissancekünstlers sind in diesem virtuellen Museum zu erleben. Um die jeweiligen Originale zu sehen, müsste man eine Weltreise machen.

Schon Walter Benjamin hatte sich seinerzeit mit dem Thema „das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“  befasst und sich gefragt,  wie die neuen technischen Medien die Kunst verändern werden. Er dachte dabei an die Fotografie und den Film. Heute werden Ausstellungen mit hochwertigen Reproduktionen in Originalgröße organisiert und digitale Museums- und Ausstellungsbesuche einem breiten Publikum zur Verfügung gestellt.  Indem man Details heran zoomen oder gar ausschneiden kann, ist eine Veränderung der Wahrnehmung des Kunstwerkes nicht von der Hand zu weisen. Originalität, Einmaligkeit und Echtheit gehen verloren, sagt Benjamin. Niemand bewegt sich mehr, weder das Kunstwerk noch der Betrachter. Alles kann direkt zuhause in alle Ruhe und ohne Sicherheitsabstand zum Bild am PC passieren und über die lauten Gruppenführungen muss man sich auch nicht ärgern. Die Debatte Kunstgegenstand versus Kultgegenstand und teilweiser Verlust der Aura um das Kunstwerk ist trotzdem ausgelöst und die Frage, ob ein digitaler Museumsbesuch, und sei er noch so gut gemacht, den direkten Besuch ersetzten kann, steht im Raum.

Die virtuelle Ausstellung  mit Raffaels Werken beginnt in Italien. Dort und im Vatikanstaat hängt ein Großteil  seiner Werke.  Mit einem kleinformatigen Portrait des Perugino, seines Lehrmeisters, beginnt die Schau. Der Unterricht in Perugia bei Il Perugino reichte ihm irgendwann nicht mehr aus und Raffael ging nach Florenz, um die alten Meister zu studieren. Zwischen Madonnen in dem bekannten Raffael-Dreiklang (rot, blaut, hell) und  Portraits von Adel und Kirche hängt auch das von seinem Gönner Papst Julius II.   „La Fornarina“ (die kleine Bäckerin) hieß Margherita Luti, war Raffaels Lieblingsmodell und wohl auch seine Geliebte, davon spricht ihr blauer Armreif um den linken Oberarm mit der Signatur RAPHAL URBINAS. Es könnte sogar ein Hochzeitsbild sein und angeblich hat er ihr viel Geld hinterlassen.  Mit entblößtem Oberkörper, ein Tuch im Haar, blickt sie keck und selbstbewusst aus dem Bild auf uns. Und, ganz selten bei Raffael, ihr Mund scheint lächeln zu wollen. Dieses kleine Meisterwerk entstand kurz vor seinem Tod um 1519/1520 und hängt in der Nationalgallerie in Rom. Ein weiteres Hauptwerk ist  das Fresko „Triumpf der Galatea“. Mit den Ausmaßen von 225 x 295 ziert es die bezaubernde Renaissance Villa Farnesina in Trastevere.  Der wohlhabende Agostino Chigi hat es in Auftrag gegeben. Aber hier wird nicht die Flucht der schönen Nereide Galatea vor Polyphem gezeigt sondern ein Triumpf der Liebe. Umgeben von Liebenden, Pfeile schießenden Amoretten,  Zentauren und Seejungfrauen  lässt sie sich gut gelaunt von Delphinen ziehen und denkt gar nicht mal an den einäugigen Riesen.

Für die Vatikanischen Museen muss man sich ein wenig Zeit nehmen. Vasari berichtet, dass Raffaels Landsmann Bramante ihn nach Rom holte. Letzter stand in Diensten von Papst Julius II. Der Ausbau des Vatikans brachte viele Maleraufträge mit sich.  Als Raffael in Rom ankam, waren einige der Stanzen schon ausgemalt und viele bekannte Künstler tummelten sich vor Ort. Raffael begann in der Stanza della Segnatura mit einem großen Bild. Nach Julius II Tod führte er im Auftrag von Papst Leo X  ab 1508 die Arbeit in den Stanzen fort. Das Fresco der „Schule von Athen“  ist mit 7,70 Meter Breite eines seiner größten Werke. Wissenschaftler, Gelehrte und Philosophen von der Antike bis zur Renaissance scharen sich vor einer antiken Architekturkulisse mit perfekter Zentralperspektive um  Platon und Aristoteles.  Letzterer hält die „Ethik“ in der Hand. In der Mitte auf der Treppe räkelt sich Diogenes. Er ist – im Vergleich zu den anderen – nachlässig gekleidet. Unter den Protagonisten sind Größen wie Sokrates mit grünem Mantel und Bart. Links und rechts unten haben sich die Mathematiker und Astrologen mit ihren Instrumenten zusammen getan. Der Herzog von Mantua im Kreise von  Averroes, dem schreibenden Pythagoras,  Parmenides und Heraklit (verkörpert durch Michelangelo).  Ptolemäus und Zarathustra halten je eine Himmelskugel in der Hand und ganz am Rand steht Kopernikus. Raffael  hat sich selber auch ganz rechts ins Bild gemalt. Die Kunsthistoriker sind sich aber nicht immer einig, wer genau wen darstellt. Vasari erwähnt auch die schönen Gesichter der Evangelisten und ist begeistert von der besten Ordnung und Harmonie, die in dem Bild herrscht.  Die Philosophie gehörte damals neben Recht, Medizin und Theologie zu den vier wissenschaftlichen Fakultäten. Nicht weit weg davon hängt ein weiteres sehenswertes Fresko:  „Parnass“  –  der Musenberg mit Apollon in der Mitte. Umgeben von Dichtern der Antike bis zur Renaissance in Gesellschaft der Schutzherrinnen der Künste. Vergil, Ovid, Petrarca oder Dante, auch der blinde Homer ist unter ihnen und die Dichterin Sappho.  Vasari beschreibt die Szene voller Bewunderung und kann sogar sehen, wie die kleinen grünen Blätter sich im leichten Wind bewegen. Er war definitiv verliebt in Raffaels Malerei.  Nur über Michelangelo hat er mehr geschrieben!

Einige Fresken und Gemälde wurden beim Sacco di Roma 1527 von protestantischen Landsknechten schwer beschädigt d.h. es wurden Inschriften eingeritzt. Sie konnten aber im Laufe der Jahrhunderte wieder ziemlich gut restauriert werden.

Die virtuelle Reise geht weiter und führt uns nun in den Pariser Louvre. In der reellen Welt bleiben dort die meisten Besucher vor der Glaswand der Mona Lisa hängen, aber ein Bild wie

„Der heilige Georg im Kampf mit dem Drachen“ (1505) lohnt unbedingt einen Abstecher in die Raffael-Räume. Dieses Thema hat Raffael  später nochmals aufgenommen. Die zweite, andere  Version hängt in Washington. Über den Kanal geht es zu den Meisterwerken, die in Großbritannien zu finden sind wie „Die Madonna mit den Nelken“, ein Werk aus der Florentiner Zeit. Auch in dieser Zeit entstanden die kleine und die große Cowper Madonna, die heute in Washington zu Hause sind. In Wien hängt die „Madonna im Grünen“.

In seiner nimmermüden Suche nach Perfektion und Inspiration hat der italienische Hochrenaissancekünstler Raffael neben den Fresken, Gemälden und Madonnen eine große Zahl von Federzeichnungen oder spontanen Skizzen hinterlassen. Sie dienten ihm vor allem als Vorbereitung auf seine Fresken oder Ölbilder.  Die Zeichnungen fehlen im virtuellen Museum.

Raffaels Leben war kurz, arbeitsreich und intensiv. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere, starb er nach zwei Wochen Fieber mit knapp 37 Jahren.  Er ist auf eigenen Wunsch im Pantheon in Rom begraben.

Zeit scheinen Viele von uns ja im Moment wieder zu haben. Für diesen Besuch sollte man sich ein wenig davon nehmen und nicht durch die Seiten rasen. Der Funkte springt nämlich nicht so schnell über wie bei der Betrachtung eines Originals. Das virtuelle Museum ist aber sehr gut gemacht. Nach Land und Entstehungsjahr sortiert ist jedes Bild gekennzeichnet mit Titel und Ausmaßen.

Christa Blenk

 

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