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Bellissima – l’Italia dell’Alta Moda 1945-1968

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Made in Rome – wer hat der kann! (auch auf KULTURA EXTRA)

„Bellissima“ heißt der Film von Visconti mit Anna Magnani als intensive ehrgeizige Mutter, die ihre Tochter unbedingt in Cinecittà unterbringen will. Das war 1951. „Bellissima“ beschreibt aber auch die schönen Frauen, die sich der Mode unterwerfen dürfen, müssen oder sie sich leisten können und so bekam diese Ausstellung über die römische Mode in der Nachkriegszeit diesen Titel.

Dass Mode und Film zusammengehören bestätigt sich jedes Jahr bei Oskar- oder Berlinale-Verleihungen wenn die beautiful rich people mit umwerfenden und teuren Kreationen die Preise entgegen nehmen. Zeitlos sind diese zum Teil wirklich hinreißenden Kreationen, die in der von Kriegsschäden noch geprägten Zeit nach dem zweiten Weltkrieg entworfen und getragen wurden. Rom war damals ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt in der Mode aber auch im Filmbusiness. Valentino, Ferragamo und Co. schneiderten Abendroben, Cocktailkleider und Prêt-á-Porter–Modelle für die Kennedy Witwe Onassis, Ava Gardener, Elisabeth Tayler, Audrey Hepburn, Sofia Loren oder Anna Magnani. Zwischen römischen Ruinen und solchen, die der zweite Weltkrieg hinterlassen hat, wurden diese Modelle vorgeführt oder fotografiert.

Die Valentino, Fendi, Sorelle Fontana, Galitzine, Pucci, Mila Schön oder Gattinoni tragenden kopflosen Puppen auf dem Catwalk aus grauen Lüftungsschächten, der sich durch das Obergeschoss des MAXXI schlängelt, dialogisieren direkt und unverkennbar mit Künstlern wie Alberto Burri, Giuseppe Capogrossi, Carla Accardi oder Lucio Fontana. Die Prêt-à-Porter-Reihe erinnert an ein Morandi-Gemälde, aber auch die römische Antike hat ihren Platz darin bekommen. Angereichert ist die Schau mit Hüten, Bulgari-Geschmeiden und den dazu passenden Schuhen. Hatte Marilyn Monroe wirklich so kleine, zierliche Füße?

pret-a-porter-a-la-Morandi

Wie wichtig für Rom das Kino im Neorealismus war und wie sehr man diesen verlorenen Ruhm beklagt, kommt immer wieder ans Tageslicht. Für die bellissima Ava Gardner schneiderten die Sorelle Fontana ein Priestergewand, wie Anita Ekberg eines in Fellinis „La Dolce Vita“ trug, als sie grad dümmlich lächelnd an der Seite von Marcello Mastroianni ihren blöden Hut dem Wind übergibt. An der Seite des Laufstegs hängen Bildschirme, auf denen die Filme aus dieser Zeit auszugsweise zu sehen sind. Rosselinis „Viaggio in Italia“ (1953), Viscontis “Vaghe stelle dell’Orsa“ (1965), Antonionis „Cronaca di un amore“ (1950) und die gesamte Palette des italienischen Neorealismus läuft hier mit über den catwalk. Die Dokumentarfilme über die Salons und die Modenschauen lassen aber auch an Luis Bunuels „diskreten Charme der Bourgeoisie“ denken. Mit den politischen Wirren 1968 fand dann auch diese Zeit ein Ende und die Alta Moda hat sich in Mailand angesiedelt; geblieben sind nur die Ruinen.

Das kurvige und futuristisch anheimelnde Museum des 21. Jahrhunderts (MAXXI) schwingt mit den Röcken der exklusiven Modelle oder dem outfit von Vivi Bach im Raumschiff Orion um die Wette. Einen adäquateren Ort als das Obergeschoss des MAXXI-Museum, das – natürlich umstritten wie alles Zeitgenössische in Rom – Zaha Hadid vor ein paar Jahren in diesem Viertel von Rom zwischen Ponte Milvio und Piazza del Popolo errichtete, hätte man für diese Schau deshalb nicht finden können. In den Nachkriegsjahren wurde beschlossen, diese bis dahin benachteiligte Gegend aufzuwerten und das Olympische Dorf für die Olympiade 1960 dort gebaut, damals ein ziemlich prestigeträchtiges Architekturprojekt und neben dem „Palazzetto dello Sport“ von Pierluigi Nervi hat Renzo Piano im Jahre 2000 seinen Musikkomplex, das Auditorim Parco della Musica angesiedelt.

Organisiert wurde die Schau von Maria Luisa Frisa, Anna Mattirolo und Stefano Tonchi. Sie ist noch bis 3. Mai 2015 im MAXXI zu sehen. Der Katalog kann natürlich auch nur luxuriös und verschwenderisch sein und kostet 48 Euro.

Christa Blenk

Info: Im unteren Stockwerk wird das bunte, fröhliche und frivole Nachkriegsgeschehen relativiert und zeigt eine schwarz-weiße Ausstellung über die Architekten und Designer weltweit, die das zweite Weltkriegsdrama „entwarfen“ und aufbauten bzw. umrüsteten. Speer und Co sozusagen. Architettura in Uniforme – progettare e costruire durante la Seconda Guerra Mondiale. Vorbei an den Nürnberger Prozessen und dem Poster « After total war can come total living » nimmt man dann den Aufzug und landet genau dort wo 1945 das Konsumdenken und der Luxus entstand und dazu gehören diese Kollektionen. Waren es bis zu 40% der Menschen die vor und während des Krieges mit der Kriegsführung und dessen Vorbereitung befasst waren, dürfte es sich bei den Käufern dieser hier präsentierten Modelle höchstens um 1% der Betroffenen handeln. Jean Louis Cohen hat diese Schau kuratiert.

maxxi 059 MAXXI von Zaha Hadid

Fotos : Christa Blenk

 

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