Die Feen – Theater Regensburg

Mcdonald, Google-Earth und Hirschkuh

Das Theater Regensburg hat das inzwischen ausgestandene und ausgepowerte Wagner-Jubiläumsjahr auf 13 Monate ausgedehnt und nun Die Feen, Wagners erste « vollendete » Oper, aufgeführt. Eine mutige Entscheidung, wenn man bedenkt, dass diese Oper eigentlich niemand hören oder sehen will und sie als « schlechteste Oper des 19. Jahrhunderts » und als « eine Schande » bezeichnet wurde [von wem eigentlich? Anm.d.Red.]

Das Orchester versucht einen gemeinsamen Anfang zu finden, während sich die Jugendbüste Wagners – überschattet von einem goldenen umgedrehten McDonalds-M – um ihre eigne Achse dreht. Sogleich zieht Google Earth den Haupteingang auf dem Grünen Hügel so nahe heran bis es die Premierenbesucher im Visier hat und wir die Wagner-Familie, die Mitglieder des deutschen Kabinetts (aktuelle und ehemalige), Rudolf Mooshammer und sonstige Menschen, die sich in langen Kleidern und mit sichtlicher Vorfreude aufs Ereignishafte tummeln, identifizieren können. Blechfanfaren rufen zum Einzug der Gäste.

Prinz Arindal/Wagner (Charles Kim) – denn wir lernen im Verlauf der Abends, dass Inszenierer Uwe Schwarz ihm diese Doppelrolle zugedacht hat – darf mit seinen Feen aber nicht hinein und klopft vergebens an die Tür, die vor seiner Nase (zweimal) zugeknallt wird.

Königssohn Arindal ist in die Fee Ada (Michaela Schneider) verliebt und darf sie nur unter der einzigen Bedingung, sie acht lange Jahre nicht nach ihrer Identität zu befragen, heiraten und so ins Feenland geleiten. Diese doch erträgliche Auflage – immerhin hätte Psycho ihren Amor nie ansehen dürfen – scheint ihm allerdings zu umständlich, deshalb stellt er kurz vor Ablauf der Frist die verbotene Frage und – aus der Traum. Interessanterweise ist es hier der Mann, der die Neugier nicht bezwingen kann. Symbolisch trägt er im Verlauf des Abends dann eine Stofftier-Hirschkuh herum, die dann von Ada prompt erwürgt wird.

Die Bühne (Ausstattung von Dorit Lievenbrück) dreht sich, und man verlässt das Feenland stellvertretend für Bayreuth. Arindal-Wagner sitzt am Klavier, um sein Schicksal zu beweinen und kompensiert mit Noten seine Pein. Dreht es sich um die Feen, die vielleicht doch noch nicht ganz fertig sind, oder ist die Musik eventuel verbesserungsfähig? Im ersten Akt hört man zauberflötenhaften Mozart und Lohengrin‘sches Frageverbot heraus, Trios, Quartette und der Auftritt von Harald erinnern an den Comendatore aus Don Giovanni.

Auf Drängen seiner Freunde macht sich Arindal auf den Weg nach Hause, um nach dem Tod seines Vaters sein Land zu retten, das im Moment nur durch seine Schwester Lore (Viktorija Kaminskaite) verteidigt wird.

Auch Ada verliert ihren Vater und erscheint ihm im Traum. Beim Erwachen nimmt sie ihm den verhängnisvollen Schwur ab, den er natürlich später auch in den Sand setzt und das Vertrauen verliert, als sie eine Wunderkerze in den Kinderwagen wirft und sie – so wie es scheint – tötet.

Im zweiten Akt herrscht Krieg, und Lore macht den Kriegern Mut. Sie ist eine echte « Marianne », lässt Waffen und Fahnen verteilen bis Arindal endlich erscheint, sich aber als Waschlappen entpuppt.

Als dann Harald (Seymur Karimov) auch noch erzählt, dass Ada seine Leute verraten hätte, verliert er das Vertrauen und stürzt sich in den Wahnsinn. Der zweite Akt ist Wagner pur und wohl der interessanteste. Fließende Übergänge und unendliche Melodien sowie Erinnerungsmotive lassen den späteren Wagner eindeutig erkennen. Ada läuft zur Hochform auf und singt die schwierigen Rollen mit Bravour!

Der gekürzte dritte Akt ist musikalisch und auch sonst ziemlich chaotisch. Der Vorhang hebt sich, und nun kommt Uwe Schwarz’ dezente Nazi-Referenz anhand von Lederhosen tragenden Hitler-Jugendlichen und Schwarzwaldmädeln ans Tageslicht.

Es ist Frieden, und außer dem Wahnsinn von Arindal und der Versteinerung von Ada ist die Welt wieder in Ordnung. Lora und Morald (Adam Krużel) regieren. Arindal-Wagner-Siegfried kämpft um Ada und komponiert das entscheidende Lied, das dann wie ein Schubert-Ständchen mit einer Harfe vorgetragen wird. Im Hintergrund kämpfen zwei als Walküren verkleidete Feen miteinander.

Uwe Schwarz hebt ständig die Parallelen zwischen Arindal und Wagner hervor. Arindal trägt den Wagner-Wams und das Wagner-Käppie. Verlust – Krieg – Intrigen – Vertrauen – Frauenprobleme – Unsterblichkeit (künstlerische)… eigentlich geht es nur darum. Mythologie und Wirklichkeit prallen aufeinander.

Zum Schluss stehen sie alle wieder vereint und bereit zum Familienfoto vor dem Bayreuther Haupteingang. Wagner mit der Partitur der Feen in der Hand, Zemina-Katharina, Wolfgang, Lore-Winnifred. Unsterblich Arindal-Wagner und Ada – das umgedrehte M von McDonald kehrt zurück!

Auch bei diesem Erstlingswerk hat Wagner schon enorm hohe Ansprüche an die Sänger gestellt. Arindal ist ein Heldentenor, und Charles Kim hat sich gut geschlagen; vielleicht war er am Ende ein wenig müde. Michaela Schneider hingegen ist immer besser geworden. Bei « Aus meinen Banden mich befreien » hat das Publikum mitten in die Aufführung hinein applaudiert. Hehr, strahlend und schön ihre dramatische mühelose Stimme. Sie war eindeutig der Star des Abends. Viktorija Kaminskaite war eine verlässliche und beeindruckend Lore. Das Orchester unter Leitung von Arne Willimcuzik wirkte eher zurückhaltend und hat den Sängern also den Vortritt gelassen.

Uwe Schwarz berichtet vom Erfolg der Vereinbarkeit verschiedener Welten und hat Arindal-Wagner so lange nebeneinander gestellt, bis wir am Ende sagten « der Wagner hat wirklich gut gesungen »… Der Chor (Einstudierung: Alistair Lilley) war hervorragend!

* * *

Viel Applaus im vollen Theater und erfreute und glückliche Gesichter der Besucher beim Verlassen des Hauses. Ich denke, wenn diese romantische Oper ein Anderer geschrieben hätte, würde sie sicher öfter aufgeführt…

Christa Blenk

regensburgRegensburg im Schnee (Feen) Tempel

auf KULUTRA EXTRA : mehr:  → DIE FEEN

Fotos: christa Blenk

 

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