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Stabat Mater von Pergolesi

 

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vor und nach dem Konzert am 15. April in der Ahlbecker Kirche

 

Stabat Mater ist das Meisterwerk des italienischen Komponisten Giovanni Battista Pergolesi (1710-1736). Die betrübte, verlassene Mutter Maria liegt in tiefer Trauer zu Füßen des Gekreuzigten und teilt der Welt offen, trostlos, emotional und  leiderfüllt ihren Schmerz mit. Sie ist eine Gottesmutter wie Caravaggio sie gemalt hätte, menschlich, anfassbar; keine unantastbare und entfernte Raffael-Madonna.

Man geht davon aus, dass der Text aus dem 13. Jahrhundert von einem Franziskanermönch stammt. Schon ab dem 14. Jahrhundert wurde das Leiden der Gottesmutter um ihren Sohn von umherziehenden Flagellanten verbreitet. Die erste Vertonung entstand bereits um 1500. Regelmäßig bis ins 21. Jahrhundert befassten sich Komponisten mit diesem Text und Thema.

Die berühmteste und auch bezauberndste Vertonung jedoch hat der 26 jährige Giovanni Battista Pergolesi sozusagen auf dem Todesbett mit nur 25 Jahren als Auftragswerk der adeligen Bruderschaft von den Sieben Schmerzen Mariens aus Neapel komponiert. Die Bruderschaft wollte etwas Anderes, Moderneres, Neues für den Freitag vor dem Palmsonntag, es sollte das bis dahin gesungene Stabat Mater von Alessandro Scarlatti ablösen, sich aber trotzdem an die herrschenden Vorgaben halten und beschränkt auf eine Sopranstimme, eine Altstimme und Streicher sein.

Was Pergolesi in Pozzuoli (in der Nähe von Neapel) – dorthin hat ihn ein Franziskanermönch eingeladen in der Hoffnung, die gute Luft würde seiner fortgeschrittenen Tuberkulose gut tun – geschaffen hat, hat ihn direkt in die erste Liga der zukünftigen Kirchenmusiker katapultiert. Mit einer Folge von Duetten und Arien, geprägt von aktuellen italienischen kirchlichen Ausdrucksmitteln, lombardischen Rhythmen, melodischen, fast tanzbaren, Passagen, dynamischen Kontrasten und verzierten Echo-Effekten und Halbschlusskadenzen, gepaart mit mutigen, einfallsreichen und melodiösen Farbkontrasten und originellen Tempiwechsel ist ihm mit diesem Stabat Mater ein absolutes Meisterwerk gelungen, das ihn in seiner berauschenden Einfachheit über sich selbst hinauswachsen hat lassen. Dieser geschmeidige Zauber passiert immer einen Meter über der Erde.

Das ist kein Requiem für ein Totenbett, diese Musik war eine Revolution und so ist sie natürlich nicht bei Allen auf Zustimmung und Akzeptanz gestoßen.  Den strengen Kirchenvätern war sie zu unkirchlich, zu frivol opernhaft, zu wenig leidend und zu melodiös. Für Pater Martini hat Pergolesi sich zu sehr an seinem anderen Meisterwerk, an das zwei Jahre früher entstandene La Serva Padrona, orientiert. Er wollte über diese ausbalancierte Hängebrücke zwischen Oper und Gottesfürchtigkeit nicht gehen. Hinzu kam, dass im Heiligen Jahr Papst Clemens IX der römischen Gesellschaft eine musikalische Abstinenz in Form eines totales Opernverbotes dekretierte, das sich in den folgenden Jahren aus politischen Gründen und aufgrund eines Erdbebens halten würde. Aus einer Konsequenz daraus entstanden kurzerhand opernhafte, an Kirchenmusik erinnernde Oratorien. Händels schönste Arbeiten sind um 1708/09 in Rom entstanden, einiges davon verkleidet als Oratorium oder Kirchenkantate.

Aber der Siegeszug war natürlich nicht aufzuhalten und während man das Werk im 19. Jahrhundert gerne mit großem Orchester und Chor aufführte, kommt man heutzutage wieder auf die ursprünglich kleine Besetzung zurück.

Alle großen Sängerinnen oder Barockensembles haben Pergolesis Stabat Mater in ihrem Repertoire und deshalb hängt hier die Latte sehr hoch.

Die Aufführung am Karsamstag Nachmittag in der kleinen Kirche von Ahlbeck (Usedom) ohne internationale Stars hat aber diese Latte mühelos erreicht und die Zuhörerschaft auf diesen Meter über der Erde mitgenommen.

Der Chorleiter Clemens Kolkwitz hat mit den Mitgliedern des Usedomer Kantatenchores und dem  opus5 Barockorchester natürlich nicht die großen Stimmen der Weltbühnen, aber sie haben das wettgemacht mit einfühlsamer Präzision, rauschender Begeisterung und makelloser Interpretation. Man hat fast nicht gewagt zu applaudieren, um die Magie nicht zu unterbrechen. Clemens Kolkwitz hat auf viel Gleichberechtigung geachtet und die Solistinnen (Sopran: Sylvia Schulz, Vanessa Wiese, Sandra Grüning, Beate Kempf-Beyrich; Alt: Colette Kaliebe, Katharina Dulke, Elisabeth Walter) abwechselnd Soloparts singen lassen. Besonders beeindruckend, eine Altistin, die mit ihrer warmen, satten und klaren Stimme das Publikum voll in ihren Bann gezogen hat. Immer herrschte Ausgewogenheit zwischen Instrument und Stimme. Großartige Leistung und viel Arbeit! Abgerundet durch die ausgezeichnete Begleitung des opus5 Barockorchesters (Andreas Pfaff, Susanne Walter, Chang-Yun Yoo, Christian Raudszus, Robert Grahl, Sebastian Glöckner an der Orgel und großartig Tabea Höfer (erste Geige). Sie hat auch vor ein paar Jahren das opus5 Barockorchester gegründet.

Ausgedehnt auf siebzig Minuten wurde das Programm mit der Bachkantate Christ lag in Todesbanden. Johann Sebastian Bach hat diese frühe Kantate – wohl für seine Bewerbung als Organist in Mühlhausen – um 1710 für den Ostersonntag geschrieben zu einem Text von Martin Luther. Der Chor wurde hier ergänzt durch die Tenöre Matthias Helterhoff und Tobias Liesong und durch den Bass, Paul Wiese. Das opus5 Barockensemble kommt aus Berlin/Uckermark und hat auch die Sonate f-moll für Streicher und Continuo von Georg Philipp Telemann gespielt. Mitglieder des Usedomer Kantatenchores haben das Konzert mit einem anonymen a cappella Lied aus dem 17. Jahrhundert O Traurigkeit, o Herzeleid eingeleitet.

Fabelhaftes Karsamstagskonzert!

Christa Blenk

 

 

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