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Salomé

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SALOME, Regie: Claus Guth, Deutsche Oper Berlin,
Premiere am 24. Januar 2016, copyright: Monika Rittershaus

 

Gutbürgerliche (s) Familien (drama) – Mutter – Tochter – Stiefvater

Der Vorhang hebt sich und wir befinden uns bei Madame Tussauds, nur dass die Puppen keine Wachsfiguren sondern Kleiderpuppen sind, männliche Kleiderpuppen für maßgeschneiderte Anzüge. Salomés Welt scheint erstickend konservativ zu sein, 50er Jahre. Behütet ist sie wohl aufgewachsen und doch ist eine Art unglückliches und von den guten Geistern verlassenes Monster aus ihr geworden. Kein Wunder, ihr Stiefvater ist der mächtige Herodes und dieser nimmt sich was er will. Dazu gehört auch Salomé. Claus Guth hat Salomé als Beobachterin in das Stück gestellt. Sie singt und observiert, sie ist eine erwachsene Frau, die rückblickend versucht, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Dazu braucht sie sechs weitere Salomés unterschiedlichen Alters die auftauchen und wieder verschwinden inmitten der männlichen Puppen. Zuckend die Musik, zuckend und bedrohlich auch die Bewegungen dieser zum Leben erwachten und noch unsicher gehenden Golems.

Und dann aus der Tiefe die Prophezeiungen von Jochanaan. Salomé ist fasziniert und schockiert, intrigiert und berührt und will ihn unbedingt sehen. Sie verführt den Wächter Narraboth mit Worten solange, bis er ihn ihr bringen lässt. Jochanaan kriecht aus einem Haufen ausgesonderter (wohl nicht mehr Mode) Kleider hervor und ist nackt. Er wird von den kleineren Salomés angekleidet, bis er in die 50er Jahre gut gekleidete und gut angesehene Bürgerwelt passt. Narraboth ist sozusagen das erste Opfer, er begeht Selbstmord, als er merkt wie Salomé auf diese Begegnung mit Narraboth reagiert. Jochanaan wird in der Regie von Guth immer mehr ein Doppelgänger von Herodes und sie verlangt seinen Kopf, um sich vom bösen Vater zu befreien, heraus aus der abgestandenen Luft des falschen Geborgenseins, endlich erlöst zu sein.

Wer allerdings einen erotisch-orientalisch und rauschenden Sieben-Schleiertanz erwartet, wird enttäuscht sein. Ich bin bereit Tetrach, ist ganz anders. Der Tanz findet ohne Salomé statt. Die sieben Salomes – stellvertretend für die sieben Schleier – unterschiedlicher Größe versuchen zuerst, die Eltern miteinander tanzen zu lassen, vielleicht eine Möglichkeit den Übergriffen zu entgehen. Der Tanz, ein Gemeinschaftsbewegungsprojekt mit Vater, Mutter, sieben Kindern, bleibt aber ein hoffnungsloses Unterfangen –  Herodes schickt die Kleinen nach und nach zu den Kunden, und lässt sie die neue Krawatten- oder Hutkollektion in Herodes Herrenboutique für die Reichen und Schönen vorführen. Die Mädchen fühlen sich belästigt, berührt und unsicher und Salomé versucht verzweifelt, ihre Mutter auf die Zustände aufmerksam zu machen, diese füllt aber nur erneut ihr Whisky Glas, dreht den Kopf weg und setzt eine dunkle Brille auf. Fast wie im richtigen Leben!

Doch Herodes hat Angst vor dem Propheten, denn dieser ist ein heiliger Mann. Das hat er gehört! Und genau seinen Kopf will sie, die Stieftochter, als Dank für den Tanz haben. Diese Szene ist sehr gelungen, der Kampf und das Überreden, doch sein halbes Königreich zu nehmen und seine Resignation sind unglaublich eindringlich und aufregend. Salomé hat erkannt, dass das einzige, was ihrem Vater Panik bereitet, ihr Wunsch ist, Jochanaas Kopf zu bekommen. Als sie ihm schließlich selber den Kopf abreißt, hat dieser die Züge ihres Stiefvaters und küssen kann sie ihn auch nicht, weil er sie schon wieder nicht ansieht!

Guth hat viel Symbolismus – ganz im Sinne der Zeit, in der das Stück entstand – eingebaut. In einer Szene sehen wir Salomé, hochgehoben von konvulsivischen Frankenstein-Kleiderpuppen oder Kunden im Geschäft, hängt sie da, ans Kreuz genagelt.

Ein Familiendrama ersten Grades und eine interessante Art, der Salomé einen anderen Fokus zu geben!

Oscar Wilde hat Salomé in französischer Sprache 1891 geschrieben. Im Zeichen der „Decadence“ und Maeterlinck wollte er etwas Symbolistisches schaffen. Es sollte eigentlich in London mit Sarah Bernhard uraufgeführt werden. Die Briten beriefen sich aber auf das Gesetzt, nachdem biblische Stoffe nicht auf die Bühne gebracht werden konnten und Sarah Bernhard reiste wieder ab. Erst 1896 – da war Wilde selber allerdings gerade im Gefängnis wegen Unsittlichkeit – kam es schließlich in Paris zur Uraufführung.

Richard Strauss wurde durch den Wiener Dichter Anton Lindner 1901 auf Wildes Salomé aufmerksam, hat sich aber dann entschlossen, das Libretto doch selber zu schreiben – und zwar basierend  auf der Übersetzung von Hedwig Lachmann – aus dem Englischen allerdings! Den Wortlaut hat er nur wenig angetastet. Salomé gilt als eine der ersten Literaturopern einerseits und mit seinen Dissonanzen, seiner musikalischen Kakophonie als Brücke zur neuen Musik andererseits. 1905 war er fertig und Salomé kam begleitet von vielen  Problemen im Vorfeld am 9. Dezember an der Dresdner Hofoper (Strauß war zwar Direktor der Hofoper in Berlin, hatte sich aber vorgenommen, dort keine Uraufführung mehr zu machen) unter Ernst von Schuch zur erfolgreichen Uraufführung. In Wien konnte es erst sehr viel später gezeigt werden, trotz Gustav Mahlers Bemühungen. Die Wiener wollten es wegen „die Sittlichkeit beleidigender Handlung“  die auf der Hofbühne nichts verloren hätte, nicht haben. Zusammen mit seinem Freund Romain Rolland erstellte Strauss sehr bald eine französische Fassung der Oper und zwar passend zu Oscar Wildes Originaltext. Diese Version kam 1907 in Paris und Brüssel zur Aufführung.

Die durchkomponierte sinnliche, schwüle, aufpeitschende und trunkene Musik enthält alle möglichen Orchestereffekte, wird zum Teil auch von Leitmotiven bestimmt und steht noch in der Tradition von Wagner; doch ging Strauß über die Wagnersche Sehnsucht nach Schönheit oder romantischer Harmonik hinaus. Es gibt drei Tote im Werk und viel todesverheissende Musik dementsprechend.

Sehr ansprechende Aufführung. Stefan Blunier am Pult peitschte das Orchester durch den Abend aber immer auf die Sänger achtend. Thomas Blondelle ist ein tyrannischer aber manchmal (gewollt) unsicherer Herodes, seine Whiskey trinkende Frau Herodias ist Jeanne-Michèle Charbonnet. Allison Oakes ist eine fantastische Salomé, hell und aussagekräftig. Jochanaan ist John Lundgren und er schafft es wirklich, dass man zu gleichen Teilen Angst und Respekt vor ihm hat. Narraboth ist Attilio Glaser.

Die Premiere war schon am 24. Januar 2016!

Christa Blenk

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