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Zehlendorfer Hauskonzerte – Noga Quartett

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Noga Quartett im Quintett mit Eve Wickert

 

Das großartige Noga-Quartett ist regelmäßig zu Gast im Zehlendorfer Wohnzimmer. Gestern Abend hat es dort, im Musikhaus, wie der Bratschist so treffend sagte, seinen 10. Geburtstag gefeiert. Mit einem außergewöhnlichen und sehr langen Hauskonzert wurde hier natürlich vor allem das Publikum beschenkt.

Seit 10 Jahren spielen die vier Musiker Simon Roturier und Lauriane Vernhes (Violine), Avishai Chameides (Bratsche) und Joan Bachs (Cello) miteinander und das sieht und spürt man. Sie sind perfekt aufeinander eingespielt und oft braucht es nur ein Blinzeln, um sich zu verstehen.

Das Programm eröffnet an diesem (Wahlsonntag)-Abend mit dem Streichquartett Nr. 2 in F Dur von Reynaldo Hahn (1874-1947). Hahn hat insgesamt zwei Streichquartette geschrieben und ist bei uns eher unbekannt. Sein Gesamtwerk besteht hauptsächlich aus Musik zum Singen. Entstanden ist das Quartett ungefähr gegen Ende des Zweiten Weltkrieges in Südfrankreich, wohin sich Reynaldo Hahn kriegsbedingt zurückgezogen hatte. Hahns Musik ist eigentlich konservativ und hat die Moderne nicht wirklich erreicht. Diese Komposition ist wie ein zauberhafter Frühlings-Spaziergang, ein Flanieren, durch Paris.

Das Streichquartett besteht aus vier Sätzen und beginnt mit einem temperamentvollen und leidenschaftlichen Allegro, geht über in einen nervös summenden Satz, der von einem besinnlich, samtigen und dialogisierenden Andante  lento abgelöst wird um dann in ein hektisch stürmisches Finale überzugehen. Man mag sich gerne hier einen Tanz über die großen Boulevards vorstellen.

Hahns Familie kam aus Venezuela. Spanisch-baskischer Abstammung seine Mutter, ein jüdischer Kaufmann aus Hamburg sein Vater. Schon vor seiner Geburt allerdings siedelte die Familie 1878 von Venezuela nach Paris um, wo Reynaldo 1885 im Conservatoire de Paris aufgenommen wurde. Schüler von Jules Massenet und Mitschüler von Maurice Ravel. Hahn war bekannt dafür, dass er in den Pariser Salons seine eigenen Melodien sang und sich selber am Klavier begleitete. Im Salon von Madeleine Lemaire lernte er 1894 auch Marcel Proust kennen, mit dem er bis zu seinem Tode zusammen bleiben sollte. Hahns Opern waren um die Jahrhundertwende durchaus bekannt und wurden gerne aufgeführt, zum Teil in der Opéra Comique de Paris. Anlässlich einer Bildungsreise besuchte er Hamburg, die Heimtstadt seines Vaters, kam nach Bukarest, Rom und London. Hahn schrieb Musik für Diaghilev und sein Ballet russe, wurde 1912 Franzose und nahm freiwillig am Ersten Weltkrieg teil. Nach dem Krieg bekam er eine Professur an der Ecole Nationale de Musique de Paris. Dort traf er auf Pablo Casals und Nadia Boulanger und es begann eine Operetten-Zeit. Erst viel später sollte er sich der Kammermusik widmen. In den 1930er Jahren war er ebenfalls als Musikkritiker tätig. Seine jüdische Herkunft brachte ihn 1930 zuerst nach Cannes und dann nach Monte-Carlo. 1945, wieder zurück in Paris, wurde er Direktor der Pariser Oper.

Nach einer kurzen Instrumenten-Pause geht es weiter mit dem Streichquartett Nr. 5 von Bela Bartok (1881-1945). Es entstand ungefähr 10 Jahre vor dem Hahn-Quartett, ist aber wesentlich moderner und revolutionärer. Bartok hat hier folkloristische Tradition mit Natur und Rhythmus verbunden. Sein Streichquartett besteht aus fünf Sätzen, wobei der erste und der fünfte Satz dissonant, finster und ärgerlich daherkommen und sich immer wieder neu erfinden, während der zweite Satz wie eine schmerzhafte trillernde Symphonie klingt und parallel dazu im vierten Satz versucht, das Durcheinander vom Scherzo mit viel Humanismus zu zerpflücken, dabei aber immer wieder ins Jammerthema mit gezupften Halbtönen abfällt. In der Mitte thront – wie gesagt – das Scherzo, verrückt, rasend und durchgeschnallt stürmt es auf einem bulgarischen, unregelmäßigen Rhythmus mitten ins unentwirrbare Chaos, um dann mit ein paar melodischen Noten zu enden. Hier ist vor allem die Bratsche gefragt, und so hat der Bratschist vor dem Stück einiges darüber erzählt.

Bartok hat dieses wunderbare 30-minütige Werk 1934 komponiert, als Auftragswerk einer amerikanischen Pianistin und Mäzenin, die sich für zeitgenössische Kammermusik interessierte. Es wurde – gemeinsam mit neuen Werken von Schoenberg, Webern und Britten -  in Washington im Coolidge Auditorium uraufgeführt.

Nach einer größeren Pause, die wir im launigen Garten und Gesprächen mit den Musikern verbringen dürfen, geht es weiter mit dem Streichquintett Op. 87 von Felix Mendelssohn (1809-1847). Hierzu kommt die Bratschistin Eve Wickert mit auf die Bühne.

Dieses Streichquintett entstand 1845 im Taunus, wo Mendelssohn mit seiner Frau Cécile Jeanrenaud den Sommer verbrachte. Erschienen ist das Werk allerdings erst posthum, da Mendelssohn immer wieder noch am Finale arbeiten wollte, bis es dann zu spät war.

Gefüllt mit Energie startet der erste Satz, wird überschattet von dunklen Gedanken, Triolen und Tremoli wechseln sich ab, bis das Hauptthema wieder zum Reden kommt. Es ist ein großartiges Kammermusikwerk, ein Hin- und her zwischen eleganter Bedrohung, blankem Argwohn der letzten Lebensjahre und einem optimistischen Aufblitzen. Ein abwechslungsreiches, rhythmisches Zurückfallen ins Moll und Großeinsatz für die zweite Bratsche. Dieses unruhige Einmischen findet in einem hektischen Finale dann doch noch eine harmonische Auflösung, in die alle Instrumente nach und nach eingebunden werden.  Mendelssohn hat es übrigens 19 Jahre nach seinem 1. Streichquintett komponiert.

Einwandfrei und zauberhaft die Interpretation!

Alles Gute zum Geburtstag, liebes Noga-Quartett and many happy returns!

noga

 

Das Berliner Noga-Quartett hat übrigens schon so einige Preise gewonnen, darunter die Melbourne Chamber Music Competition 2015. Ihr Repertoire geht u.a. von Haydn und Mozart über Beethoven, Brahms, Schumann hin zu Ligety und Schönberg etc.

Noga Quartett 2018 in Zehlendorf

Zehlendorfer Hauskonzert - Gesang

Zehlendorfer Hauskonzerte – Klavier

Zehlendorfer Hauskonzerte - Franz Trio

u.v.m.

Christa Blenk

 

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