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El Siglo de Oro. Die Ära Velázquez

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El Siglo de Oro. Die Ära Velázquez: Katalog-Cover

 

El Siglo de Oro. Die Ära Velázquez

Hochmut kommt vor dem Fall

Dunkel und furchterregend ist sie, die Malerei dieses Goldenen Zeitalters in dem herrschsüchtigen, strengen und selbstsicheren Spanien, wo es nicht viel zu lachen gab. Die Protagonisten auf den Bildern dieses kulturell so starken Jahrhunderts strahlen keine Freude oder Leichtigkeit aus. Direkt aus dem Manierismus herausgerissen, überbetont, streng ist sie noch lauernd vorhanden, la Santa Inquisición(die heilige Inquisition).

Sevilla, Valencia, Toledo und Madrid bildeten ein produktives Kunstdreieck, während das Land (und die Monarchie) politisch und wirtschaftlich langsam aber unaufhaltbar in den Untergang rutschte.

1492 schickten die Katholischen Könige Christoph Kolumbus in die Neue Welt, China sollte er erforschen, landete aber auf einer Bahamas-Insel. Diese Entdeckung Amerikas (den Namen gab letztendlich der Seefahrer und Kaufmann Amerigo Vespucci) katapultierte Spanien an die politische und wirtschaftliche Spitze Europas. Mit dem Gold aus der neuen Welt konnten Kriege und Eroberungen finanziert werden und eine geschickte Heiratspolitik tat den Rest. Die schönen Künste, Malerei und Literatur, florierten und der offene und optimistische Weltmann Karl V vergrößerte sein Reich vom Pferd aus, auf dem er sein Leben verbrachte. Ganz im Gegensatz zu seinem Sohn. Philipp II war er ein unfreundlicher, religiöser Mystiker, der sein Schloss, El Escorial, so gut wie nie verließ, ein sehr strenges Hofprotokoll verordnete und viel betete! Sein Tod leitete den Barock und das sog. Goldene Zeitalter ein.

Philipp III war ein Dummkopf und Philipp IV ein Verschwender, beide wollten oder konnten nicht sehen, wo es auf der Iberischen Halbinsel krankte. Schon 1601 gab es eine Inflation und mehr Münzen wurden geprägt. Das Land war praktisch bankrott, die Monarchie ignorierte dies und stürzte sich in weitere Kriege. Die Pest wütete und schlechte Ernten ließen das Volk leiden, die Einnahmen aus der neuen Welt wurden weniger und der immer stärker werdende Protestantismus machte dem erzkatholischen Land ebenfalls zu schaffen. 150 Jahre nach dem Fall von Granada wurden immer noch zwangskonvertierte Muslime vertrieben und know how ging verloren. Es ist kein fröhlicher Spaziergang durch dieses schwarz-goldene, stolze Spanien des 17. Jahrhunderts.

Velazquez, Zurbarán und Ribera sind alle drei um die Jahrhundertwende geboren, El Greco 50 Jahre früher und gehörte so eigentlich nicht recht in dieses Zeitalter.

Bartolomé Esteban Murillo (1618-1682) war der letzte dieser Malergenies. Er gründete die Schule von Sevilla. Murillo portraitierte das Leben, volkstümliche Genreszenen wie wir sie aus der flämischen Malerei kennen. Sie verwischen sich schon auch mal mit seinen Heiligengeschichten.Pastetenesser ist ein Spätwerk; er hat es um 1670 gemalt. Hier vereinigt er die Kunst des Stilllebens mit einer volkstümlichen Szene. Es zeigt zwei armselig gekleidete Kinder mit einem Hund, welcher sehnsüchtig auf einen Jungen blickt der sich gerade etwas in den Mund stopft. Im Vordergrund ein reich bestückter Picknickkorb, der irgendwie gar nicht zur Aufmachung der Kinder passt. Das Gemälde ist sonst in München in der Alten Pinakothek zu hause.

Fast 100 Jahre früher hat der aus Kreta stammende El Greco (1541-1614) das hier ausgestellte Bild Christus am Kreuz mit zwei Stiftern gemalt. Dunkelgrau und bedrohlich, spielt der Gründer der Schule von Toledo mit den Farben Schwarz und Weiß. Der weltliche Stifter betend mit weißer Halskrause auf schwarzem Umhang rechts stellt das Gleichgewicht zum kirchlichen Stifter mit schwarzem Priesterkragen auf weißem Gewand links her; gleiches passiert mit den Wolken, die sich auf beiden Seiten des Gekreuzigten bauschen und El Grecos spitze, schmal-leidende Gesichter einrahmen.

In Valencia arbeitete der ursprünglich aus Italien stammende José (Jusepe) de Ribera (1591-1652). Ribera war neben Caravaggio der bedeutendste Naturalist der Schule von Neapel. Sein chiaro-scuro ging tiefer als das von Caravaggio und seine knochigen, alten und ausgemergelten Modelle, die meist aus den Armenvierteln kamen, sind mitleidserregend und noch dramatischer. „Lo Spagnoletto“ (der kleine Spanier) nannte man ihn. Meisterhaft und bestechend und sehr modern ist seine hier gezeigte Zeichnung Kopf mit Verband, die um 1630 entstand. Sie lässt an die Nachkriegsszenen von Otto Dix denken. De Ribera war außerdem einer der ganz großen Druckgraphiker, der später nur noch von Goya übertroffen wurde. Viele Radierungen von ihm sind allerdings nicht erhalten. Man nimmt an, dass er sie vorallem fertige, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, als er noch in Italien lebte. Einige davon sind permanent im Berliner Kupferkabinett.

In Madrid brillierte der Hofmaler von Philipp IV, Diego Velázquez (1599-1660). Olivares, von dem auch ein Portrait zu sehen ist, holte ihn im Auftrag des König Philipp IV aus Sevilla nach Madrid, weil es Velázquez u.a. auch verstand, die Anzeichen der Dekadenz der spanischen Monarchie auf den königlichen Gemälden zu vertuschen. Philipp IV wusste das zu schätzen und machte Velazquez zu einem hochbezahlten Kultur-Beamten. Pinselstrich, Farbpalette, Motiv, Licht und Luft auf Velázquez‘ Werk sind nicht zu übertreffen. Leider sind von ihm nicht viele Meisterwerke gekommen. Die Dame mit der Hand am Stuhl, die uns recht kalt, aber unsicher-arrogant direkt ansieht, ist sonst auch in der Berlin zu sehen. Makellos vollendet ihr Kleid mit Goldbordüren, der Hintergrund wie von Turner gemalt. An Turner denkt man bei Veláquez‘ Bildern sowie immer wieder. Auch das Portrait aus dem Prado von Francisco Pacheco, Velázquez‘ Schwiegervater, hat es in sich. Hier entblößt der Meisterschüler die Seele seines strengen Lehrers. Die Halskrause ist ein vollkommenes Kunstwerk an sich. Weiß-grau-bläulich unterbricht sie die schwarzen Haare, das braune Bauerngesicht und das schwarze Kleid. Es entstand um 1620.

Veláquez‘ müder und in Philosophenpose sitzender Mars entstand 1641 und kam aus dem Madrider Prado nach Berlin. Das Bild ist so unvelazquisch und zeigt durchaus Rubens-Charakter. 1628 kam Rubens nach Madrid und war für ein paar Monate Gast am spanischen Hof. Rubens hat Veláquez zwar nicht unbedingt beeindruckt, aber seinen Wunsch, die großen Italiener kennen zu lernen, bestärkt. Ein Jahr später, 1629, gewährte ihm der König dann bezahlten Urlaub und Velázquez machte sich mit großem Gefolge auf nach Italien und lernte die Bilder von Raffael, Michelangelo, Tizian und Tintoretto kennen.

Von Francisco de Zurbarán (1598-1664) hängt das Schweißtuch der Veronica in der Ausstellung, es ist ein minimales Meisterwerk. Zurbaráns Motive waren meist Mystiker oder Heilige mit verklärtem Blick, die Hintergründe oft düster und verschwommen und Details aufs minutiöseste ausgearbeitet. Die Heilige Margarete von Antiochien entstand um 1635 und kam aus der Londoner National Gallery nach Berlin.

Das Bücherstillleben entstand 1635 in der Madrider Schule und gehört zum Bestand der Gemäldegalerie; es ist eines der wenigen Zeugen, die auf die auch so blühende Literatur und Theaterlandschaft zu Beginn des 17. Jahrhunderts hinweisen. Die Bücher sind im Gebrauch, sie wurden oft aufgeschlagen und umgeblättert, gierig, lernfreudig. Fast tut es uns leid, dass sie so zerlesen sind. Ein Federkiel und eine Sanduhr als Symbol der Vergänglichkeitsind ebenfalls zu sehen.

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El Siglo de Oro. Die Ära Velázquez
Ausstellungsansicht – © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Achim Kleuker

Von Büchern umgeben ist auch Velázquez‘ Hofnarr Diego de Acedo (1635). Aus dem Prado kam es nach Berlin und ist eines der Meisterwerke, von denen man gern noch mehr gesehen hätte. Schwarz-grünlich das Gemälde, Lichtfokus sind die weißen Blätter der Wälzer. Hilflos-traurig schaut er schräg nach unten, in die leere Velázquez-Luft.

Es geht hier schließlich um das Zeitalter von Miguel de Cervantes, Francisco de Quevedo, Lope de Vega oder Luis Gongora.1605 erschien der erste Teil von Cervantes‘ Don Quijote, nur 10 Jahre später der Zweite. Schon 1621 begann man mit einer deutschen Übersetzung, die ersten 23 Kapitel sind schließlich 1648 erschienen. Die Tieck-Übersetzung gab es dann erst 150 Jahre später.

Auch die Skulptur des 17. Jahrhunderts ist mit beeindruckenden Werken vertreten, darunter eine schmerzensreiche Mutter von Pedro Roldán. Die Madonna weint Glasperlentränen, die aus von Trauer verschleierten Augen fließen. Die Skulptur entstand 1670 und beschloss das Ende dieser segensreichen Periode, dem Siglo de Oro!

Nach dem Tod 1665 von Philipp IV kam sein Sohn Karl II an die Macht. Inzuchtgeschädigt und gesundheitlich sowie geistig schwer angegriffen starb dieser im Jahre 1700 ohne Nachfolger; die Person Karl II hat Dichter und Komponisten immer wieder inspiriert und bewegt. Mit ihm erstarb auch das Habsburgergeschlecht in Spanien und die französischen Borbonen übernahmen das Zepter.

An die 150 zum Teil bemerkenswerte Exponate aus großen Museen aber auch viel aus dem Berliner Fundus sind in der Ausstellung zu sehen, nicht nur von den fünf Großen. Man lernt auch einige weniger oder unbekannte Maler und Bildhauer kennen. Manche Leihgaben waren zum ersten Mal in Deutschland.

Und trotz Zurückgreifen auf die beachtliche Sammlung spanischer Kunst in der Gemäldegalerie hat die Spanierin Maria Lopez-Fanjulvier Jahre für diese Ausstellung gearbeitet.

Bis zum 30. Oktober ist sie noch zu sehen.

Christa Blenk

 

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