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Paul Delvaux zu Gast in Train World

delvaux

 

 Paul Delvaux im Brüsseler Train World  für KULTURA EXTRA

Mit der Fusion von Eisenbahn und Malerei beschäftigt sich zurzeit das Brüsseler Museum Train World, Station Schaerbeek. Dort hängen seit Mitte Oktober ca. 50 Werke des belgischen Surrealisten Paul Delvaux (1897-1994) zwischen romantischen Dampflokomotiven, königlichen Zugabteilen, Bahnhofsuhren, Bahnsteigen und Hochgeschwindigkeitszügen. Warum gerade dort, wird man sich fragen? Delvaux liebte Züge, und eine schönere Hommage zu seinem 25. Todestag hätte die SNCB dem Künstler nicht anbieten können.

Die Werbung greift immer noch und immer wieder auf die Abbildung von Frauen zurück, wenn es darum geht, schnelle Autos oder sonstige fahrbare Untersätze zu vermarkten. Die Modelle räkeln sich in gestellten Posen auf dem glänzenden, teuren Metall oder stützen lässig ihre Hand auf die offene Autotür. Bei den Bildern von Paul Delvaux ist keine Werbung im Spiel, bei ihm ist es pure Leidenschaft für alles, was mit weißem Dampf, Lokomotiven, Schienen, Bahnhofsgebäuden und Gepäck auf Bahnsteigen zu tun hat – mit Fortbewegung.

Paul Delvaux hat fast 100 Jahre gelebt und eine rasende Veränderung in der Eisenbahngeschichte miterlebt. Diese Evolution allerdings sieht man seinen Bildern nicht an. Sie haben die Epoche der IC oder ICC nicht erreicht.  Die Frauen von Delvaux sind emotionslos, unbeteiligt, meist unbekleidet und unerotisch. Sie stehen oder liegen neben oder meist vor blankpolierten Zugelementen, Bahnhofshallen oder Eisenschien und blicken mit großen Augen nicht mal auf die Züge. Die mysteriöse, verhaltene Erotik der Delvaux-Frauen erinnert an Manets Olympia, an Ingres Odaliske oder an die surreal-naiven Landschaften des Douanier Rousseau. Die gleichgültige, tickende Kälte ist dem Surrealismus seines Landsmannes René Magritte und der metaphysischen Malerei des Italieners Giorgio de Chirico geschuldet. Beide waren es, die ihn zur Malerei und 1920 mit dem Zug nach Brüssel brachten.
Train World hat seine Türen für die Öffentlichkeit erst 2015 geöffnet. Der belgische Comic-Künstler François Schuiten hat das Museum mitkonzipiert und seine Handschrift hinterlassen. Den königlichen Wagon mit seinem plüschigen Wohnzimmer kann man nur durch das Fenster betrachten, alle anderen Züge oder Loks dürfen betreten und begangen werden. Koffer und Holzschier warten auf dem Bahnsteig, und das Werbeplakat der Bahn verspricht den geneigten Sportler an einem Tag in die oberbayerischen Bergen zu bringen oder in drei Stunden an die Nordsee. Eisenbahnromantik zum Anfassen wie der Wagon, der unmittelbar an Agatha Christies Klassiker Mord im Orient-Express denken lässt. Und für die zukünftigen, jungen Lokführer gibt es sogar einen Fahrsimulator.

Im 1. Stock soll man vor dem Betreten der dunklen Eisenbahnhallen die vorbereitenden Zeichnungen oder Aquarelle von Delvaux besichtigen, immer wieder sieht man den Gare du Luxembourg, wo er vor knapp 100 Jahren ankam; heute ist das der Bahnhof direkt neben dem Europäischen Parlament, von dem aus die EU Beamten schnell zum Flughafen kommen, allerdings nicht mehr mit einer Dampflok!
Die Schau Paul Delvaux. De man die van treinen hield [dt.: Der Mann, der Züge liebte] zeigt u.a. Meisterwerker wie Le voyage légendaire (1974), La gare forestière (1960) oder L’âge de fer (1951) und kam durch die Kooperation mit Train World und der Stiftung Paul Delvaux zusammen, die die weltweit größte Sammlung des Surrealisten besitzt. Viele dieser Exponate sind sonst in Sint-Idesbald bei Koksijde an der belgischen Küste zu betrachten.

Auf dem Platz vor dem Bahnhof von Schaerbeek steht ein Güterzuggepäckwagen vom Type Flamme, den Paul Delvau mehrmals in seinen Werken abbildete. | Foto: Christa Blenk
Der Besuch dieses Museums ist großer Spaß, auch wenn man sich nicht für Malerei interessiert – oder umgekehrt. Der Eintritt kostet 12 Euro und schon mit dem Erwerb eines Tickets betritt man eine andere Welt.

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Christa Blenk

 

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