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George Condo. Confrontation

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Ausstellungsplakat am Museum Berggrün

 

George Condo. Confrontation

Wie ein Picasso oder ein Matisse oder doch lieber Mickey Mouse?

Das Museum Berggrün präsentiert sich zurzeit ein wenig anders als gewohnt. Zwischen all die Meisterwerke der Moderne, die der Sammler Heinz Berggrün (1914-2007) in seinem langen Leben zusammentragen konnte, hat sich nun ein bei uns relativ unbekannter Künstler, der Amerikaner George Condo (*1957), eingeschlichen.

Es ist das erste Mal, dass im Museum Berggrün ein zeitgenössischer Künstler ausgestellt wird, wobei Condo nur deshalb zeitgenössisch genannt wird, weil er zurzeit arbeitet. Seine Arbeiten sind ansonsten dem Neo-Expressionismus zuzurechnen, sie sind manchmal von der Pop Art dominiert, dann wieder zeigen sie Comic Aspekte. George Condo ist der Meinung, dass in der Kunst alles gesagt und gemalt wurde und man nichts mehr erfinden kann oder muss – aber dass alles neu interpretiert werden darf und soll. Nun ja, das ist seine Meinung. Jetzt hängt er zwischen all den Größen der Moderne und man fragt sich, ob er dessen würdig ist und ob er sich damit einen Gefallen tut.

An Ego scheint es ihm jedoch nicht zu fehlen, in einem Saal stehen zwei in 2016 für die Ausstellung entstandene Bronze Skulpturen Nude on Wine Crates 1 und 2, im Hintergrund ein Bild auf dem Condo steht das den Titel The Great Schizoid (1984) trägt. Rechts oben, erhöht, zart und elegant, Giacomettis Katze. Hiermit konfrontiert er sich auch mit sicher selber!

The Return of Madame Cezanne (2002). Cezanne hat sein bekanntes Portrait 1895 gemalt, Es ist Hortense Fiquet, Ehefrau und Modell. Cezanne hat schon kubistische Bilder gemalt, da war der Kubismus noch gar nicht erfunden. Er suchte eine neue Ästhetik in dem er die Natur durch Kugel, Kegel und Zylinder beobachten wollte, was seinen Werken dieses für ihn so typisch Geometrische gibt. Condo hat seine Madame Cezanne nicht nur mit Cezanne sondern auch mit Picasso konfrontiert, in dem er ihr eine Picasso-Frisur verabreicht!

Weiter auf unserem gewöhnungsbedürftigen aber doch lustigen Spaziergang kommen wir zu Matisse. 1940 fing dieser mit seinen Scherenschnitten an (Découpages), Arbeiten aus koloriertem Papier, die er wieder zu abstrakten Formationen zusammenfügte. Condo zitiert ihn hier mit seiner Arbeit aus 1989 Telepoche Cut-Out und es braucht nur eine Sekunde, um es als Matisse-Hommage zu erkennen. Condo, der in den 80er Jahren in Paris lebte, referiert hier über die Fernsehzeitschrift Télépoche und natürlich über die US Pop Künstler sowie Andy Warhol. 

Anschließend werden die Besucher mit einer Klee-Inflation und mit Condo konfrontiert. Paul Klee hat viele sehr schöne und aussagekräftige Bilder gemalt aber auch viele, die langweilig oder nichtssagend sind, wahrscheinlich hat er einfach zu viel gemalt. Die meisten sind sehr kleinformatig und verlangen eine große physische Annäherung, die immer gleich den Alarm auslöst und deshalb nicht stattfinden kann. Hier fühlt Condo sich groß. Während er bei den Matisse oder Cezanne Geenüberstellungen oft schüchtern dazwischen hängt, dominiert er die Klee-Säle durch großformatige Arbeiten. Ein Klee-Lieblingsmotiv ist der Vogel. Für Klee symbolisierten Vögel und Fische die Annäherung an Kosmos und Unendlichkeit. Condo hat hier aus dem Vollen geschöpft. Fantasy Bird (1989) ist ein Riesenvogel und klatscht die anderen Klees an die Wand. Paul Klees versteckte gerne Buchstaben in seinen Bildern, die den Titel des Bildes beschreiben sollten. Condo macht seinen Namen zum Bildhauptgegenstand, wie man im ersten Giacometti-Saal sehen konnte.

Bis hierher war es ganz ok. Was aber gar nicht geht, ist das Zusammenleben mit Picasso und zwar mit den Picasso Werken aus seiner Glanzzeit von Anfang des 20. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg. Picasso und die Blaue oder Rosa Periode, seine Frauenportraits von Dora, der Beginn des Kubismus oder seine Auseinandersetzung mit dem Theater. Neben Picasso wirkt er nur noch tollpatschig, was er ja will. Und das haben sicher viele von Picasso vor 100 Jahren auch gesagt oder gedacht. Picasso ist 1973 verstorben; Condo, der 1979 vom Hinterland nach New York zog, hat im MoMA seine erste Picasso Ausstellung gesehen und war sicher von der Vielfältigkeit tief beeindruckt. Er lässt in seine Werke die gesamte Kunstgeschichte eintreten. Seine Figure with Red Cape entstand 2006 und ist vor allem eine Referenz an einen anderen Spanier. Er zitiert hier den Barockmaler Velazquez, vor dem Picasso sich ebenfalls des öfteren verbeugte (ohne dies natürlich zuzugeben), gibt ihm aber die Nase eines Clowns mit einem Otto-Dix-Blick. Velazquez stand auch Pate bei George Condos Study for a Clown aus 2009.  

Jetzt kann man natürlich sagen, dass Condo genau das suchte, was Picasso 1907 wollte. Eine Erneuerung des Vorhandenen, der Figuration! 1907 gab es einen Riesenskandal als Picasso seine Demoiselles d’Avignon präsentierte und dabei für die damalige Ästhetik unschön gemalte afrikanische Masken aus dem Jeu de Paume als Gesichter malte. Es war der Beginn einer neuen Ära. Das kann man bei George Condo nicht erkennen. Er macht es sich doch leicht, alles was schon mal war zu re-interpretieren, Manches zu verplumpen, um den Betrachter zum Schmunzeln zu bringen – was bisweilen durchaus funktioniert. Eine Verbeugung vor den Meistern ist es trotzdem und deshalb sehenswert, zumal das Ausstellungskarussell in Berlin zur Zeit sich recht langsam dreht. 

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George Condo – Cardinal (1993)

 

Picasso tritt hier nicht das erste Mal mit anderen Künstlern in einen Dialog. 2008 hat der Pariser Louvre Delacroix, Velazquez und Manet Picasso gegenübergestellt und es hat prächtig funktioniert. Allerdings sind diese vier hier Genannten künstlerisch gesehen eher auf demselben Niveau.

Condo ist nur teilweise ein verspäteter Neo-Expressionist. Bei ihm fließen auch noch Pop-Tendenzen, Film, Kino oder Comic-Figuren ein. Manche Bilder könnte man sogar der Art Brut zurechnen. Ähnlich wie bei seinem Vorbild Picasso – ist die menschliche Figur der Hauptprotagonist.

In den 80er Jahren verbrachte Condo ein Jahr in Köln, welches in der Zeit der Dreh- und Angelpunkt für Kunst in Deutschland war. Seine Bilder zeigen zweifelsohne Einflüsse der Karneval-Fratzen, den er dort sicher erlebt hat. Anschließend ging er nach Paris, wo er 10 Jahre lebte und sich voll in die klassische Moderne stürzte. Auch wenn Paris in den 80er Jahren nicht mehr das Zentrum der Kunst war, die Erbstücke aus seiner Glanzzeit hängen immer noch dort und man kommt an der Moderne nicht vorbei. Ensors Karnevalsmasken oder gruselige und schonungslose Bilder von Chaim Soutine, Condo hat sie alle gesehen natürlich.

Wenn man die Ausstellung verlässt, bleibt nicht wirklich ein bleibender Eindruck von Condos Werken zurück; was bleibt ist der wunderbare Picasso Harlequin Sitting on a Red Couch, 1905 aus der rosa Periode, das hervorragende Portrait von Dora mit den grünen Fingernägeln, Mme Cézanne oder die zarte Giacometti-Katze. 

Wie hätte wohl Heinz Berggrün dazu gestanden? Er selber sagte ja von sich, den absoluten Blick gehabt zu haben! – Wir glauben ihm das, wenn wir durch seine Sammlung spazieren.

Heinz Berggrün musste 1936 wegen seiner jüdischen Abstammung Deutschland verlassen und ging in die USA. Im Krieg kam er als US Soldat nach Europa, arbeitete danach kurz bei einer Münchner Kunstzeitschrift bis er sich Ende der 40er Jahre in Paris niederließ, um bei der UNESCO zu arbeiten. In der Pariser Rue de l’Univeristé gründete er eine Galerie und damit das Standbein seiner Sammlung. Picasso, Matisse, Klee, Cezanne, Chagall oder Miró, unfassbar, was er alles zusammen getragen hat. Erst in den 90er Jahren kehrte er nach Berlin zurück und verkaufte der Stadt Berlin – als Geste der Versöhnung – diese bemerkenswerte Sammlung bestehend aus 200 Kunstwerken der klassischen Moderne.

Die meisten Arbeiten von George Condo sind aus seiner eigenen Sammlung und werden zum ersten Mal gezeigt. Die Ausstellung ist noch bis zum 12. März 2017 im Museum Berggrün zu sehen. Udo Kittelmann und Felicia Rappe haben die mutige Schau kuratiert. Der Schriftsteller Daniel Kehlmann hat übrigens eine Erzählung, inspiriert durch Condos Kunst, herausgegeben.

 

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Picasso und Condo blaue Periode; Picasso und Condo rosa Periode; Condo macht Matisse « Hands » (1997)

 

Christa Blenk

 

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« Impressionen »-Highlights in 2013

Favoriten – Ausstellungen – Konzerte – Lesungen und Entdeckungen!

Hier also ein kunst-musikalisches Pot-Pourri! Hinter jedem Foto liegt der Text bzw. im Begleittext sind verweisende links eingebaut.

Blicke  auf Rom, vom Big Bamboo,  ins Mittelmeer (Ravello), von den Wolken (Cerro), auf den Atlantik (Gois), auf die Antike (Montemartini)

bigbamboo3P1120803Ravello 028nubeP1110863P1090926

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Der große Maestro Hans-Werner Henze ist am 27. Oktober 2012 in Dresden verstorben. Dort hielt er sich gerade auf, um bei der Aufführung von „Wir erreichen den Fluss“ dabei zu sein. Sein letztes Werk „Ouvertüre zu einem Theater“ wurde am 20.10.2012 in Berlin uraufgeführt! Pappano hat diese kleine Komposition dem Publikum  im Auditorium vor kurzem vor der Aufführung der  „Petite Messe“ seines Requieums im Auditorium in Rom am 10. März 2013 geschenkt.

Auch Geburtstag feierte Benjamin Britten mit Curlew River und in Florenz mit der Schändung der Lukrezia. Und natürlich Verdi und Wagner. Eine große Cellistin und Expertin für Zeitgenössische Musik ist Ulrike Brand.

Auditorium 007 Henze Requien im AuditoriumVersione italiana

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Projektkünstler Hannsjörg Voth hat in der Wüste von Marokko (Marha Ebene) drei faszinierende Großwerke in 20 Jahren errichtet. (Text Portrait Christa Blenk). Der Katalogtext von Emanuel Borja existiert in 5 Spachen.

Pace Barón ist ein landart-Künstler der anderen Art. Ein weiterer « hors série » Künstler war Marcel Duchamps – seine ready mades sind immer noch in der GNAM zu bewundern.

voth  Hannsjörg Voth und drei Projekte in der Marha Ebenetexte francaisversion españolaEnglish version of text –   Versione italiana

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QNG ist keine Abkürzung einer neuen internationalen Organisation oder ein Tippfehler, sondern steht für « Quartet New Generation » und so originell wie ihr Titel ist auch ihre Musik. Heide Schwarz, Susanne Fröhlich, Petra Wurz und Inga Klaucke kamen auf Einladung des Goethe Instituts nach Italien und nach einem Auftritt in Palermo und Neapel, standen sie am Samstag Abend in Rom in der Via Savoia auf der Bühne. Auch mit Flöte befasste sich ein Happening im Auditorium.

Flöte 006QNG Flötenkonzert – Phantasie und Symmetrie

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You can’t, you won’t, you don’t stop. Immer höher! Vor diesem Kunstwerk steht kein « bitte nicht anfassen »-Schild! Im Gegenteil: man soll dieses leicht transparente Geflecht sogar berühren und wenn man sich traut, darf man das hohe kolossale Monster – nach Unterschrift eines Haftungsausschlusses – sogar erklimmen. Wir haben den Berg, trotz Anfangszweifel, bis ganz oben bezwungen! Im MACRO wirden außerdem jedes Jahr der « Artist of the Year » der Deutschen Bank präsentiert. Um nicht mehr entkommen können geht es auch bei Blaubarts Burg.

bigbamboo2 025Big Bambou im MACRO Testaccio

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Die US-schweizerische Installationskünstlerin June Papineau, verbringt seit 2004 viel Zeit mit ihren Bäumen im Etournel. Umgeben von Elfen und Baumgeistern arbeitet sie an ihren « tree skins » bis sie abtransportiert und ausgestellt werden. Der nächste – great goyesco – wir 2014 in Lausanne zu sehen sein. Ein Besuch mit ihr in diesem Moor-Biotop war ein Abenteuer der ganz besonderen Art. Und Paola Romoli befasst sich mit den Mägen der großen Meeresbewohner.

Auch mit einer Nase hat sich Schostakowitsch beschäftigt. Seine Oper wurde in Rom – Regie Peter Stein – aufgeführt. Eine weitere starke Amerikanerin war Louise Nevelson.

etournel 043 Great Goyesco – Zwischen Moorgeistern und Laubfrauen

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Helena Aikin ist fasziniert von Labyrinthen und ihren Geschichten und baut sie in verschiedenen Größen und Plätzen der Welt nach. Eines ihrer Werke ist im Kunst- und Naturpark Cerro Gallinero in der Nähe von Avila in Spanien zu begehen.

evora1Walkable Labyrinths

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Faszinierende Ausstellung der Werke von Pierre Soulages in der Villa Medici in Rom. Die französische Akademie organisiert ausserdem Konzerte meistens mit zeitgenössischer Musik wie dieses Portrait des XXI Jahrhundets z.B. Das Romaeuropa Festival hat auch in der Villa Medici stattgefunden. Ein Abend für Stockhausen.

Theatermässig war das Festival ebenfalls sehr aktiv u.a.mit den Wohlgesinnten, Hedda und dem Kulturquizz  The power of theatrical madness. Mit Theater befasst sich auch Isabelle Huchet

Soulages2 002Soulages in der Villa Medici

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Der italienische Tenor Marcello Nardis singt die Wesendonck Lieder in Ravello und verzaubert in Klingsors Garten das Publikum – am Klavier wunderbar Laura de Fusco.Vor kurzem hat er hier in Rom die « Winterreise » vorgetragen. Hier gibt es mehr Infos über Marcello Nardis.

Pina Bausch in Neapel rundete die Ravello Reise ab.

Ravello 067 Marcello Nardis a Ravello

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Eugen Ruge schreibt ein Buch über Cabo de Gata und hat damit alte Erinnerungen geweckt. César Borja hat zum Cabo auch eine besondere Beziehung. Eine andere Lieblingsecke von mir ist am Atlantik – der Gois und dort gibt es eine Besonderheit: die Barrieren in der Vendée.

SAN2 Cabo de Gata -  Buchbesprechung Eugen Ruge

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Tizian ist der Größte, die Ausstellung in den Scuderien del Quirinale in Rom hat das wieder einmal gezeigt. Samson und Dalila hat er auch einmal gemalt. Aber hier geht es um Musik.

Zur Zeit zeigen die Scuderien die Ausstellung über Augustus und Cleopatra. Dazu passt dann ein Besuch beim Centrale Montemartini.

Tizian in den Scuderien – Großausstellung in Rom

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Sibylle Lewitscharoff las in der Casa di Goethe aus ihrem Buch « Blumenberg » vor und alle wünschten sich anschließend auch einen Löwen! Sie ist 2013 Stipendiatin der Villa Massimo – die Musikstipendiaten dieses Jahr waren ebenfalls sehr aktiv und Casa di Goethe hat nun eine Reihe mit Dichterlesungen begonnen. Giuliana Morandini lebt zwar nicht über Berlin – schreibt aber am liebsten über Mitteleuropa. Und die wunderbaren Holzskulpturen sind Werke von Emanuel Borja.

borjaprimordial 011Blumenberg – Lesung Casa Goethe

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The Cast im MAXXI. Clemens von Wedemeyer befasst sich mit dem italienischen Kino und entführt uns ins besetzte Teatro Valle und nach EUR. Dort hat schon des öfteren Tiziana Morganti ausgestellt. Von Wedemeyer  ist dieses Jahr ebenfalls Stipendiat der Villa Massimo. Ebenfalls im MAXXI die Ego-Reise Stigmata.

P1120848The Cast im MAXXIversione italiana

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Der russische Pianist Mikhail Rudy hat in der Aula Magna die  Originalversion von 1928  für Piano und synchronisierter Videoinstallation vorgetragen. Ein akkustisches und visuelles Erlebnis. Das Programm der Aula Magna ist aber auch sonst immer aufregend und speziell, so gab es eine Reise mit Steve Reich, ein  Konzert zu Ehren Luciano Berio und Paul Angus mit Zauberei und Mythos.

Kandinsky Musorgsky con pianoforteInspirationen: Hartmann – Mussorgsky – Kandinsky

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Entdeckung

Spurensuche Wohin 2013 KopieDie Entdeckung in der Künstlerszene ist die Fotokünstlerin  Christa Linossi und ihre Spuren kann sie ab jetzt nicht mehr verwischen. Auch entdeckt haben wir die Sammlung Netter und natürlich die DVD der neuen Oper von Elzbieta SikoraMadame Curie!

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und als Special

Vernissage-Tiziana 075natürlich die Vernissage Tiziana Morganti im Juni

Portrait für KULTURA EXTRA

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Aber nicht nur über Veranstaltungen in Rom und Italien wurde berichtet. In Paris gibt es  eine Ausstellung über Poliakoff, über den flämischen Maler Jordanes und über die wunderbare Ausstellung Renaissance und der Traum.

In München wurde die Neue Pinakothek wieder eröffnet,

Paris 1900 André Boudreaux

Ende der Highlights

Vielen Dank an Brigitte Mayer, Jean Noel Pettit, Irmi und Dan Feldman, sie haben an den verschiedenen Übersetzungen gearbeitet.

Kommentare über Ihre persönlichen Highlights sind herzlich willkommen!

Christa Blenk

Modigliani, Soutine e gli artisti maledetti

Bericht (gekürzt) über die Ausstellung für KULTURA EXTRA

 

La Belle Epoque oder Die Legende von Montparnasse

 

Modigliani, Soutine e gli artisti maledetti: Die Jonas Netter-Sammlung

Letztes Jahr gingen die 120 Meisterwerke der Sammlung Netter zum ersten Mal auf Reisen und nach einem Riesenerfolg 2012/2013 in Paris und Mailand, ist diese faszinierende Kollektion seit November 2013 in der Fondazione Roma Museo – Palazzo Cipolla in Rom zu bestaunen. Allesamt Gemälde, die in den „verrückten Jahren“ (les années folles) und zwischen den zwei Kriegen im Zentrum der Avantgarde in Montparnasse entstanden sind.

Jahrelang gehörte sie ihm alleine. Nun hat sich Jonas Netters Sohn, Gérard, im Alter von 86 Jahren schließlich entschlossen, die Sammlung seines Vaters der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Viele der nun ausgestellten Exponate wurden seit 1933 nicht mehr gezeigt, darunter Werke von Derain, Modigliani, Soutine, Utrillo, Valadon, Vlaminck, Kisling sowie Arbeiten von weiteren Vertretern der ersten Schule von Paris.

Jonas Netter gehörte zu den zahlreichen Elsässern, die nach dem Krieg 1870/71 das deutsch gewordene Elsass verließen, um sich in Paris niederzulassen. Aber wie kam dieser nicht sehr wohlhabende Handelsvertreter nun dazu, eine dermaßen große Kunstsammlung anzulegen? Seine Geschichte hört sich fast wie eine Legende an: Netter musste in Paris seine Papiere erneuern lassen, begab sich zur Präfektur und wurde von Kommissar Zamaron in dessen Büro empfangen. Hinter seinem Schreibtisch hing ein Bild von Utrillo, für den der Kommissar schwärmte. Netter, der eigentlich lieber Impressionisten gesammelt hätte, aber nicht genug Geld dafür hatte, war sofort fasziniert von dem Werk und, anstatt über Papiere zu reden, sprachen sie über Kunst und Montparnasse und Kommissar Zamaron brachte Netter schließlich zu einem polnischen Exil-Poeten, Leopold Zborowski, der sich als Kunsthändler sein Auskommen suchte und all diejenigen Künstler vertrat, die sonst keiner haben sollte. Das warder Beginn einer wunderbaren und fruchtbaren Freundschaft » und legte den Grundstein für eine der wichtigsten Sammlungen die zwischen den zwei Kriegen entstanden ist.

Ob Netter seine Papiere bekommen hat, wissen wir nicht, man kann aber wohl davon ausgehen!

Netter war Zborowskis bester Kunde und kaufte so gut wie alles von ihm. Schon während des Ersten Weltkrieges erwarb er Bilder von Utrillo und von dessen Mutter Suzanne Valadon, von Modigliano und Soutine. Alles Maler, für die sich der große Sammler Paul Guillaume nicht interessierte. Der Amateur Netter besaß den Mut und hatte das Vertrauen in sich selber, auch von völlig Unbekannten zu kaufen, und wenn ihm ein Maler gefiel, erwarb er alles von ihm! Die Sammlung dokumentiert wunderbar und pur das Werden und Leben einer Kunstsammlung in der auch mal Werke aufgenommen werden, weil der Sammler den Maler mochte. Nicht alles ist wirklich gut und viele seiner Künstler gingen nicht in die Kunstgeschichte ein, umso spannender ist aber dieser Fundus.

Am Eingang hängt ein Ganzportrait von Jonas Netter, gemalt von Moise Kisling. Es zeigt einen eher bürgerlichen Mann mit Krawatte, bescheiden und melancholisch sitzt er da. Er war ein Epikureer“ sagt sein Sohn „Er liebte die kleinen Freuden des Lebens, ohne von jemandem zu profitieren“.

Im ersten Saal drei Gemälde von André Derains, darunter „Les grandes Baigneuses“ von 1907, seit 1945 war es in der Öffentlichkeit nicht mehr zu sehen. Es ist eines seiner Hauptwerke und wird von den Kunstexperten als seine „Demoiselles d’Avingnons“ betrachtet. Eine Anzahl von Werken von gänzlich unbekannten Malern wie Hayden, Feder, Paresce, Lagar-Arroyo, Zawadowski, Ebiche oder Landau folgt in den nächsten zwei Räumen. Einiges sehenswert, auf andere könnte man verzichten. Ein weiterer Raum ist Utrillos « weißer Periode » gewidmet, er hat – wenn er gerade mal nicht betrunken war – eher Postkartenlandschaften gemalt, die kunsthistorisch weniger interessant sind. Gleich weiter kommen wir zu seiner sehr viel interessanteren Mutter, Suzanne Valadon, herausragend die „Drei Akte auf der Wiese“. Netter war verliebt in sie und hat deshalb beide – Mutter und Sohn – sehr unterstützt. Im großen Mittelraum der Ausstellung lernen wir, dass wir eben nicht alles von Modigliani kennen. 15 Hauptwerke werden hier gezeigt, darunter ein Portrait von Jeanne Hébuterne, seiner Gefährtin. Mit roten Haaren sitzt sie leicht gebeugt da, der ganze Körper incl. der Haare ist in die Länge gezogen. Die Bäckerstochter wollte unbedingt Malerin sein, hatte aber leider kein Talent und obwohl sie hart arbeitete, haben ihre Werke immer etwas stümperhaftes. Modigliani nennt man auch den Botticelli der Moderne. Restellini, der Kurator, schwärmt geradezu davon « Das Bild ist wunderbar, pathetisch, von einer unglaublichen Schönheit, im Profil ». Von Zborowksi hat Modigliani 1916 auch ein fabelhaftes Bild gemalt. Ein junger Mann ohne Kragen, mit offenem Hemd, die Augen fast geschlossen. Zwei weitere seiner Meisterwerke hängen gleich daneben « das Mädchen mit dem weißen Kragen » und « das Mädchen in Gelb » (1917). Der nächste Saal ist Soutine gewidmet. Der wilde Weißrusse Chaim Soutine, kam – fast zu Fuß – 1913 in Paris an. Er ist der expressionistischste von allen. Man könnte ihn zwischen Van Gogh und Francis Bacon ansiedeln, aber radikaler und verzweifelter und hungriger. Am liebsten malte er rohes Fleisch – so lange bis es verdorben und nicht mehr essbar war. Die Sammlung Netter beinhaltet allerdings vor allem Portraits von Soutine. Zwei Fisch-Stillleben sind unter den 19 hier gezeigten Werken. Außer in der Orangerie in Paris habe ich nie mehr Soutines von dieser Qualität und Quantität gesehen.

Der Parcours endet mit zwei abstrakten Kompositionen aus 1930 von Jean Hélion, die eigentlich gar nicht in die Sammlung passen, aber Netters Aufgeschlossenheit und Courage nochmals beweisen.

Leopold Zborowskiwar ein polnischer Literaturprofessor, der ebenfalls Anfang des 20. Jahrhunderts in Paris, in der Hoffnung hier als Poet überleben zu können, ankam. Laut Marc Restellini war er eine etwas undurchsichtige Person, charmant und unehrlich.

Netter war das genaue Gegenteil, ehrlich und anständig, er zahlte allen seinen „Malern“ eine kleine monatliche Rente. So bekam der bürgerliche Norditaliener Amedeo Modigliani, der schon 1906 nach Paris kam, 500 Franken pro Monat. Dafür durfte Netter die Bilder als erster sehen und konnte frei wählen welche er haben wollte. Die verbleibenden gehörten Zborowski, der Modigliani ebenfalls etwas zu zahlen hatte. Zborowksi ging dabei auch ein Risiko ein, einerseits verfiel Modigliani immer mehr dem Alkohol und produzierte dann gar nichts , andererseits war der Italiener so etwas wie ein « enfant terrible ». Sollte sich doch mal eine Galerie bereit erklärten seine Werke auszustellen, musste regelmäßig die Polizei einschreiten, da die rebellierenden Franzosen darauf bestanden, die Nackten aus dem Schaufenster zu entfernen. Das Vertrauen sollte sich allerdings lohnen. Kurze Zeit nach Modiglianis Tod 1920 waren seine Werke schon das dreifache wert. Der andere große Sammler, Barnes, der sich anfangs nicht an diese Wilden heranwagte, kaufte kurz vor dem „Black Friday“ von Netter einige Bilder von Soutine.

Eric Satis Musik begleitet uns durch die Ausstellung. Er war auch einer der zahlreichen Liebhaber von Suzanne Valadon. Sie war, abgesehen von der gutherzigen, eher talentlosen Modigliani-Gefährtin und Lieblingsmodell Jeanne Hébuterne, die einzige Malerin in der Gruppe. Als Jeanne von Modiglians Tod erfuhr, stürzte sie sich – im 9. Monat schwanger – vom 5. Stock auf die Straße und war sofort tot, ebenso ihr ungeborenen Kind. Modigliani wurde auf dem Friedhof Père Lachaise, Montmatre, begraben. Soutine hingegen, der sich als Jude jahrelang von einem Versteckt zum anderen schleppte, starb 1943 und fand auf dem Künstlerfriedhof Montparnasse seine letzte Ruhestätte.

Paco BarondibujosPaco 009dibujosPaco 020 Zeichnungen Paco Barón, nicht teil der Sammlung

Die Montparnos!

Sie trafen sich im Café Dôme oder in der Rotonde. Montparnos, so nannten sich die Bohèmiens und Künstler von Montmatre, die allesamt Picasso folgten und den nächsten Berg (Mont) eroberten. Montparnasse, der Berg der griechischen Götter in der Antike, ist heute ein Kinoviertel und der größte Bahnhof von Paris. Von ca. 1905 – Mitte der 20er Jahre war das Viertel Treffpunkt der Künstler der „Belle Epoque“. Picasso, dem durch die Bekanntschaft mit dem Kunsthändler Kahnweiler und den Geschwistern Stein plötzlich der Erfolg lachte, konnte es sich leisten vom Vorort in die Stadt umzuziehen. Der gesamte Tross der Erfolglosen folgte ihm!

Es waren aber nicht nur Spanier wie Picasso oder Italiener wie Modigliani die sich in Paris ansiedelten. Aus dem Osten kamen Polen, Russen, Slawen und nach dem ersten Weltkrieg war das brodelnde Paris, in dem es keine Tabus gab, für die Amerikaner „the place to be“. Scharenweise kamen sie über den Atlantik und sahen sich als Maler, Dichter oder Schriftsteller. Zuhause hatten sie jemanden, der ihnen monatlich ein paar Dollars schickte, genug für ein Leben mit täglichen Exzessen und Feiern – am Rande der Pariser Bourgeoisie. Die Amerikanerin Gertrude Stein, die schon 1903 endgültig nach Paris übersiedelte und eine der größten Kunstmäzenin überhaupt werden würde, versammelte sie in ihrem wöchentlichen Salon in der Rue de Fleurus 27. Sie und ihr Bruder Leo konnten es sich leisten, diese Horde von interessanten Künstlern und Mitläufern durchzufüttern, hatten sie doch ihren Bruder Michel und seine Frau Sarah, die reich genug für alle waren. Nicht wegzudenken aus der Gruppe ist der italienisch-polnisch-französische Poet Guillaume Apollinaire. Er stieß 1905 über Picasso zu den Avantgarde-Künstlern und begleitete sie forthin und wurde ihr Kunstkritiker.

Mit dem Wall Street Crash von 1929 sind dann allerdings die Zahlungen aus der Heimat ausgeblieben und tausende von Amerikanern mussten wieder zurück in die Depression, viele begingen Selbstmord. Nur Josephine Baker ist geblieben, Französin geworden. Sie würde sich später in der Résistance organisieren. Hemingway ging nach Spanien und kämpfte von 1936-1939 im spanischen Bürgerkrieg und schrieb anschließend „Wem die Stunde schlägt“.

Modigliani, Soutine, und die anderen „verdammten“ Künstler gehörten also zu den Rotonde-Besuchern, aber zur anderen Fraktion, zu denen, die den Kubismus ablehnten und ihren eigenen Weg gingen. Ihre Diskussionen drehten sich um die Frage « Was ist Schönheit » ? « Wer kann schon im Vornherein festlegen, dass Dinge schön oder hässlich sind? Man muss lernen, das zu lieben, was man bislang hässlich fand. Ihre Demarche war, die Ästhetik der Dinge neu zu erfinden bzw. deren Betrachtungsweise zu verändern. 

Bis zum 6. April 2014 ist die Ausstellung noch zu sehen.

Christa Blenk

 

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