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Italienische Kunst vor dem Ersten Weltkrieg

 gnam-foto
Eingang GNAM mit Ausstellungplakat von Boccioni

Zwischen Sezession und Avantgarde

Aufbruch in Rom: Ära Giolitti

Vor hundert Jahren ist der Erste Weltkrieg ausgebrochen. Die Galleria Nazionale d’Arte Moderna (GNAM) in Rom hat im Gedenken daran eine Ausstellung über die mannigfaltigen Kunstbewegungen zwischen 1905 und 1915 organisiert. Ein sehr anspruchsvolles und ausschweifendes Unterfangen.

Das Ende des sogenannten Dekadentismus wurde mit brodelnden Umstürzen – nicht nur in der Kulturszene- eingeleitet. Kunsttendenzen gaben sich im Staffellauf die Hand, verliefen parallel oder lösten sich in Lichtgeschwindigkeit ab: Jugendstil, Symbolismus, Orientalismus, Konstruktivismus, Futurismus, Expressionismus, Fauvismus und Kubismus auf der einen Seite und ein ständiges Fortsetzen der ranzigen und verpöhnten Traditionen , der Landschafts- und Portraitmaler oder Impressionisten auf der anderen.

Der italienische Dichter Edoardo Sanguineti (1930-2010) sagte einmal über die Avantgarde: Sie wäre eine heroische und pathetische Aspiration eines unberührten künstlerischen Produktes …. eine Ware, die fähig wäre mit einer überraschenden und tollkühnen Geste die ausgemergelte und stagniernde Konkurrenz zu besiegen.

Die Industrialisierung und die daraus resultierende Armut oder Ausweglosigkeit setzten wahre Völkerwanderungen in Gang. Träger melancholischer Weltschmerz und Kulturpessimismus trieften hier und führten dort zu einer flitzenden Zukunftseuphorie. Faszination von Tod und Vergänglichkeit brachten Leichtlebigkeit, Frivolität und Dekadenz mit sich. Eine Epoche ging unweigerlich zu Ende.

Zwischen 1876 und 1915 wanderten schätzungsweise 14 Millionen Italiener nach Amerika oder Südamerika aus, um dort ihr neues Glück zu suchen. Allein 1913 verließen 870 000 Italiener ihre Heimat. Dandy, Snob, Bohemiens stellten sich gegen die Kleinbürger, Philister und Spießer. Ein rauschenes Durcheinander sondergleichen, das sich nach dem Krieg noch bis Ende der 20er Jahre fortsetzen sollte.

Mit dem Ende der Barockzeit, verfiel das Kunstland Italien in eine Schaffensdepression, daraus resultierend landeten die früheren Kunstmetropolen Venedig, Florenz, Rom und Neapel plötzlich am Rande des Geschehens und Bella Italia blieb nur deshalb in aller Munde, weil sich europäische Meister hier auf der Suche nach der Antike tummelten (wie z.B. die Nazarener oder die Pre-Raffaeliten). Der Übergang vom 19. ins 20. Jahrhundert brachte allerdings einen radikalen Wandel mit sich und Italien katapultierte sich wieder mit großem Selbstbewusstsein in die erste Liga.

struck - sündeFranz von Stuck (Die Sünde)

Vom mittel-europäischen Sezessions-Trend (München um 1892, in Berlin um 1898 und Wien um 1897) angesteckt aber auch um eine Gegenströmung zur Biennale di Venezia zu erwirken, schlossen sich in Rom und Venedig (Ca’Pesaro) die Künstler zu einer Sezession zusammen. Sie manifestierten ihre Bedürfnisse nach Reformation oder Erneuerung allerdings eher schüchtern und moderat im Gegensatz zu den radikaleren Futuristen. Die Biennale di Venezia hatte ebenso eine Vorreiterrolle und war extrem ausschlaggebend, damit Italien wieder aus dem Dornröschenschlaf erwachte. Schon 1893 beschloss der Stadtrat von Venedig im zweijährigen Rhythmus die italienische Kunst zu präsentieren. Im April 1895 wurde dann die erste internationale Kunstausstellung der Stadt Venedig eröffnet – in Anwesenheit des italienischen Königspaares Umberto I und Margherita di Savoia. Sie war sofort ein großer Publikumserfolg und erreichte eine Besucherzeit von knapp 230 000.

Umberto Boccioni und Giacomo Balla wandten sich vom bukolischen Landschaftsmalereien-Pfad schon 1905 ab und starteten eine Suche nach Neuem, stellten Müll im römischen Theater Costanzi, der heutigen Oper, aus und konziepierten eine neue Strömung, die sie Futurismus nannten. Mit der Schönheit der Geschwindigkeit brachten sie den Kubismus in Bewegung.

In München gründeten Kandinsky und Marc den Blauen Reiter und die Brücke-Künstler zogen sich zur Meditation zurück. In Paris malte Marcel Duchamps seine „nackte Frau die Treppe herabsteigend“ und Picasso, zum viertal Mal in Paris, lernte Gertrude Stein und Matisse kennen.

ballaneuGiacomo Balla – Manifesto per la mostra alla sala Arte Angeletti (Entwurf 1915)

Den Anfang der Ausstellung bildet das kürzlich extra für die Ausstellung restaurierte und noch nie ausgestellte Fries „Italien triumphiert mit Härte und Intelligenz“, das Edoardo Gioia für den italienischen Hauptpavillon der Weltausstellung 1911 in Turin fertigte. Titel und Inhalt des Kunstwerkes lassen bereits eine angestrebte italienische Hegemonie und den kommenden Faschismus erahnen. Im Laufe der Ausstellung werden dann immer wieder die Eckpfeiler der Ausstellung, nämlich die Futuristen Boccioni, Severini und Balla präsentiert u.a. mit Ballas Portrait von Tolstoj 1911 oder Boccionis Eigenportrait das irgendwo zwischen Pointillismus und pittura-metafisica hängt. Balla war Boccionis Lehrer und kam 1901, in Paris wo er sich mit divisionistischen Techniken befasste; Boccioni hingegen interessierte sich eher für die Impressionisten und Neo-Impressionisten. Er war 1902 in Paris. Balla hielt sich außerdem zwischen 1912 und 1914 öfter in Düsseldorf auf, um dort ein Auftrags-Wandbild zu fertigen. Nach dem Krieg würde er für Djagilew und das Ballet Russe arbeiten. Ausgestellt ist auch Ballas Entwurf von 1915 des  « Manifesto per la mostra alla sala Arte Angeletti » . Kreischend fordert es « Tod für Deutschland » und « Tod für Österreich » – hier dürften wohl auch noch Reminiszensen aus dem Risorgimento zu hören sein. Mit einem Augenzwinkern auf die Wiener beziehungsweise Münchner Sezession hängen da zwei Bilder von Klimt und Schiel und die Sünde von Franz von Stuck. Im Raum daneben dominiert ein großes Gemälde vom Symbolisten Hodler (Die Empfindung VI, 1911). Zwischendrin wird man wieder runter gerissen mit weniger interessanten Werken von den italienischen Nachahmern. Zwei wunderbare Werke von Kees van Dongen (darunter „Finger an der Wange“ aus Rotterdam) versöhnen uns dann wieder mit dieser Ausstellung. Ein dreidimensionales Werk aus der Tänzerinnen-Serie von Gino Severini, er hatte 1906 in Paris Modigliani und die Kubisten kennen gelernt. Alexandra Exter, Egon Schiele, Archipenko sogar ein Van Gogh. Die Liste der ausgestellten Künstler will gar nicht aufhören. Viele Exponate kommen aus dem eigenen Keller oder sind sonst sowieso dort ausgestellt. Eine Impressionistenecke mit einem echten Bonnard und seine italienischen Jünger. Hierbei handelt es sich aber eher um eine Weiterentwicklung als um etwas Bahnbrechendes. Bonnard und Matisse als die großen Vorbilder, ihre Werke wurden erst durch die Ausstellung von Ardengo Soffici in Florenz 1910 in Italien bekannt.  Durchaus auch Exponat aus europäischen Museen.  Ein halber Raum ist Ballas Kinderzimmer gewidmet, dann wieder Landschaften, Büsten von Medardo Rosso, ein De Chirico, Giorgio Morandi und eine Großzahl von Werken, nicht immer wertvollen, von Carlo Carrà, der sich ebenfalls dem Futurismus anschloss. Muranovasen von Hans Stoltenberg Lerche und Projekte für die Gestaltung von eleganten Salons, zum Teil kitschiger Schnick-Schnack aus Elfenbein und bemaltem Holz oder ein Fächer des Landschaftsmaler Giovanni Segantini.

 
2014-10-30 19.05.59Severini
Balla (linena di velocità + vortice, 1914), Severini (Tänzerin, 1915) – die Hauptprotagonisten des Futurismus

Die Hängung der Bilder erscheint etwas chaotisch, repräsentiert aber die Vielseitigkeit und das künstlerische und politische Durcheinander das herrschte, wobei konventionelle Kunst überwiegt. Zu fast jedem ausgestellten Werk findet sich ein Pendant in der deutschen oder französischen Malerei. Zeitgeist und Plagiat? Der San Sebastiano (1912) von Aroldo Bonzagni sieht wie ein Gemeinschaftswerk von Otto Müller und Otto Dix aus. Bonzagni war ein Freund von Boccioni und hat das erste Manifest der futuristischen Maler schon 1910 unterschrieben. Er ist schon 1918 an der spanischen Grippe verstorben. Viele Werke von Felice Casorati, die ähnlich wie Matisse von Orientalismus und Symbolismus fasziniert war.

Mit all diesen Stimmungen, Strömungen und Tendenzen konfrontiert uns diese Ausstellung und hinterlässt doch ein Chaos im Kopf.

Natürlich kann man nicht vom Futurismus sprechen, ohne den selbstverliebten und brillanten italienischen Schriftsteller und Politiker Tommaso Marinetti zu erwähnen. Marinetti, in Ägypten von italienischen Eltern geboren, genoss eine französische Erziehung und kam um die Jahrhundertwende nach Paris, wo es sich auf die Suche nach einer „Neuen Formel der Kunst-Aktion“ machte. 1909 fand er sie und konfrontierte – unmittelbar umjubelt – die Welt mit seinem Futuristischen Manifest. Futurismus steht für etwas, das in der Gegenwart noch nicht angekommen ist und auf das man im rasenden Zug sitzend zusteuerte. Mit flammenden Zitaten wie „Wir wollen den Krieg verherrlichen, diese einzige Hygiene der Welt“ schockierte er. Die Welt war definitif bereit für Gewalt. Die Natur war verpönt. Boccione, der wichtigste Vertreter der Futuristen, verunglückte übrigens während seines Militärdienstes 1916 und zeigte so die andere, hässliche, Seite des Krieges. Sein „Idolo Moderno „ entstand 1911 und ist dem Fauvismus zuzuordnen. Es ist auch das Titelbild der Ausstellung.

Ein rauschendes Gefährt, das wie eine Gewehrkugel daherkommt ist schöner als die Nike von Samothrake, sagte Marinetti. Der Schriftsteller und Politiker kokettierte zuerst mit den Anarchisten und wusste anfangs wohl selber nicht, wo er eigentlich stehen wollte – endete aber schließlich nach dem Ersten Weltkrieg bei den Faschisten und der kalten (Gebrauchs-)Kunst, wie De Chirico oder Sironi. Mit seinem Schlachtruf kam Marinetti 1909 auf die Titelseite des Pariser „Figaro“

-„Legt Feuer an die Regale der Bibliotheken, … Leitet den Lauf der Kanäle um, um die Museen zu überschwemmen! … Ergreift die Spitzhacken, die Äxte und die Hämmer und reißt nieder, reißt ohne Erbarmen die ehrwürdigen Städte nieder!“

Damit sprach Marinetti alle gewaltbereiten Gruppen auf der rechten und linken Schiene incl. die Anarchisten an und mit dieser Glorifizierung von Maschinen, Gewalt und Krieg, mit der Ablehnung von Kultur und Natur, musste diese Stimmung unweigerlich zum Kulturpessimismus, ja zum in den Faschismus führen. Fortschritt, Ausbeutung, Geschwindigkeit, Gefühllosigkeit bewegten ihn.

Ein Jahr später entstand das Manifest der futuristischen Malerei: Die Maler Umberto Boccioni, Carlo Carrà, Gino Severini und Giacomo Balla sowie der Architekt Enrico Prampolini und der Musiker Luigi Russolo gehörten dazu. Alles fließt, nichts steht still, Bewegung überall.

Jetzt sind natürlich so große Mammutausstellungen, von denen man einige – vielleicht gut so – noch nie zu sehen bekam, immer sehr schwierig zu beherrschen und kann schnell ein Kraut- und Rübensalat, in dem der rote Faden verloren geht, werden. Viele zweitklassige Werke verschwinden unter den guten Bildern. Unbekannte Künstler lernt man durch ein ausgestellten Werk außerdem eh nicht kennen. Einige der wichtigen Werke hängen sonst auch in der GNAM – bis auf ein paar Ausnahmen wie Boccionis Ausstellungsplakat aus London. Nur werden sie jetzt mit europäischen Meisterwerken wie mit denen von van Dongen zusammengebracht. De Chirico, der in dieser Zeit seine pittura metafisica entwickelte, ist nur mit einem Werk vertreten, obwohl von ihm das Museum eine große Anzahl besitzt. Wie gesagt, weniger wäre mehr gewesen.

Trotzdem eine sehenswerte Ausstellung und durchaus eine Auseinandersetzung damit wert. Kombiniert mit dem Besuch der Sironi- Ausstellung versteht man diese ausufernde und dramatische Zeit ein wenig mehr.

1871 wurde Rom  die Hauptstadt von Italien. Die GNAM wurde 1883 erbaut mit dem Ziel, einen Ausstellungsort für die zeitgenössischen noch lebenden Künstler zu schaffen.

Kuratiert hat diese ausschweifende Ausstellung Stefanie Frezzotti, sie umfasst  an die 200 Exponate, die in insgesamt 15 Räumen hängen und von über 60 Künstlern sind, die man gar nicht alle hier erwähnen braucht und kann.

Christa Blenk

 

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Rodin – der Marmor, das Leben

 

Die war es, wo der heißbegehrte Mund / von solchem Liebenden geküsst wurde,/ da küsste dieser hier, der nie von mir / getrennt sein wird, erbebend mir den Mund….
(Dante, Göttliche Komödie, Hölle, 5. Vers – Dante trifft hier auf zwei Seelen, die miteinander durch die  Luft  schweben. Vergil erlaubt ihm, sie heranzurufen. Es sind Francesca da Rimini und ihr Geliebter Paolo Malatesta).

Seit Ende Februar ist es endlich so weit. Rodins lang erwartete Ausstellung ist die nächsten Monate in den römischen Diokletian-Thermen zu Gast und die 60 Marmorskulpturen geben die Geheimnisse über den ästhetischen und künstlerischen Fortgang dieses französischen Bildhauers preis und erzählen von seinem Kampf, den er zwischen 1880 und 1917 mit sich und den Elementen austrug, was in der Folge zur Revolution der Bildhauerei führte.

Der Kuss, dieses weltbekannte, übergroße und relativ konventionelle  Skulpturenpaar ist das Hauptexponat der Show (obwohl es meiner Meinung nach nicht zu seinen interessantesten Werken gehört) und zieht die Besucher gleich am Eingang in seinen Bann. Als Ergebnis seiner Konfrontation mit Dantes Göttlicher Komödie begann Rodin 1886 mit der Ausarbeitung seines „Höllentors“. Der Kuss (wie auch Der Denker) sollten ursprünglich Teile davon sein. Rodin änderte aber später seine Meinung und präsentierte das Skulpturenpaar als individuelles Werk. Es fand so großen Anklang beim Pariser Publikum, dass Rodin es in Bronze und Marmor und in verschiedenen Größen anfertigte (bzw. anfertigen ließ).

Das Fehlen von Zeichnungen und Bronzen in dieser Ausstellung von Rodins Marmorarbeiten mit dem schönen Titel „der Marmor, das Leben“, zeigt den französischen Pionier in einem ganz anderen Licht. Jedes kleine Stück Marmor lebt und vibriert und die eingeschlossenen Personen schreien förmlich, endlich von der Nabelschnur befreit zu werden. Er holt sie, soweit möglich und trotz größter Resistenz, aus dem Steingefängnis heraus, und deklariert dabei das passiv Verbleibende zum Teil des Kunstwerkes. Nicht-Gebrauchtes und Überflüssiges wird einfach weggemeisselt. Er setzt seine Werkzeuge von allen Seiten ein und je nach dem wo man steht, sieht man eine unterschiedliche Lebensphase seines Modells. Faszinierende Erfahrung, bei diesem „work in progress“ dabei zu sein. Die Sklaven von Michelangelo  – die dieser gewaltige Renaissance-Bildhauer aus dem Carrarablock ausbrechen ließ -  haben ihn sicher bestärkt, diesen Weg des non-finito zu beschreiten. Es war ein mutiger und revolutionärer, aber zugleich auch der einfachere Weg!

Hände verwandeln sich in Arm- und Beingewinde, in Personenlandschaften oder allegorische Paare und Köpfe bersten aus den Felsen. Rodins Modelle mussten bisweilen ausgesprochen manieristische und fast unakzeptable Posen einnehmen – zumuten konnte er das nur seinen Musen, Geliebten und eventuell noch Tänzerinnen! Er hat seine verquere Phantasie einfach laufen lassen, sie nie gezügelt oder versucht sie zu kontrollieren.

Danaide, die Schwester des Ikakus, Victor Hugo, Lady Sackville (1914-1916) sind Beispiele seines Umgangs mit dieser persönlichen Unabhängigkeit. Lady Sackville z.B. war nie zufrieden mit ihrem Aussehen und saß ihm immer wieder Modell. Die damals 50jährige sieht beim Betrachten von vorne wie ein junges Mädchen aus, geht man aber um die Skulptur herum und am Schal vorbei, ist sie plötzlich zur alten Frau geworden. Dann die Hand Gottes, die zum schmorenden Inferno wird. Und so geht das weiter – Reihe und Reihe bis man am Ende zu den Portraits kommt und auf einen faszinierenden Vicotr Hugo stösst.

François-Auguste-René Rodin (1840-1917), dieser Trendsetter und Vorkämpfer der Moderne, leitete ein neues Zeitalter der Bilderhauerei ein.  Von 1875-76 ging er auf Studienreise nach Italien, um das „Geheimnis Michelangelos zu entschlüsseln“. Er erschuf und etablierte einen neuen Schönheitsbegriff und setzte andere Maßstäbe auf dem Gebiet der Skulptur im ständigen Kampf gegen den Akademismus. Wobei die Franzosen mit ihm sehr viel gnädiger waren, als mit den meisten Malern oder Musikern, die auf ihrem Gebiet das 20. Jahrhundert neu gestalten wollten. Alles Idealisierende lehnte er kategorisch ab – er war ein expressionistischer Brückenbauer von der Antike über Donatello und Michelangelo ins beginnende 20. Jahrhundert. Das Non-finito ist ein typisches Stilmerkmal seiner Arbeit.

P1140643-1 Diokletian Thermen mit Santa Maria degli Angeli e Martiri

Der erste Revolutionär der Bildhauer, nämlich Michelangelo, war für Rodins Ausbildung enorm wichtig und ist von seinem Schaffensprozess nicht wegzudenken. Rodins Arbeiten zeugen immer wieder von den Studien in der Sixtinischen Kapelle, den Sklaven oder vom überwältigenden Moses in der Kirche San Pietro in Vincoli (meine Lieblingsskulptur). Allerdings brauchte Rodin viel Selbstvertrauen und Mut einfach an einem bestimmten Punkt den Meißel fallen zu lassen (vielleicht wusste er aber auch einfach manchmal nicht, wie es weitergehen könnte – und hat aus der Not eine Tugend gemacht! Who knows?

Michelangelo hat vor ca 450 Jahren auch seine Spuren in den Diokletian Thermen hinterlassen. Im Herz dieser antiken „Thermal-Badeanstalt“ ließ er die Basilica di Santa Maria degli Angeli e dei Martiri Cristiani errichten. Erbaut hat sie schon Kaiser Diokletian zwischen 284-305 (mit 380 x 360 m sind sie übrigens um einiges größer als die Caracalla Thermen, die 90 Jahre älter sind).

Eine wunderbare Ausstellung an diesem magischen Ort auf jeden Fall! Vor Rom war sie mit großen Erfolg in Mailand zu sehen. Kuratiert von Aline Magnien aus dem Rodin Museon in Paris und Flario Arensi. Bis 25. Mai 2014 ist sie zu sehen.

Mit den bezaubernden Modiglianis der Netter Sammlung, den Giacomettis in den Galleria Borghese und den Meisterwerken aus dem Musée d’Orsay ist ein kleiner Teil der Paris-Attraktionen nach Rom gekommen – für ein paar Wochen!

weitere ExponateBildergalerie

Christa Blenk

 

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Count Down läuft – Ausstellungen die zu Ende gehen

Ausstellungen in Rom

Einige der großen wichtigen Ausstellungen 2013/2014 gehen im Februar zu Ende!

Was Sie nicht verpassen sollten:

duchamp 026P1090956P1120944

hier nochmals die links zu den Beschreibungen : bitte klicken ↓

Die Netter-Sammlung im Palazzo Cipolla

Augustus und Cleopatra in den Scuderien bzw. Chiostro Bramante

Cezanne und die Italiener des 900

Marcell Duchamps in der GNAM

Mostri, Gorgonen und Co. im Palazzo Massimo

 

loca Gerardo Aparicio  Andante 2008- Óleo-lienzo 40×47 cm.

Christa Blenk

 

 

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« Impressionen »-Highlights in 2013

Favoriten – Ausstellungen – Konzerte – Lesungen und Entdeckungen!

Hier also ein kunst-musikalisches Pot-Pourri! Hinter jedem Foto liegt der Text bzw. im Begleittext sind verweisende links eingebaut.

Blicke  auf Rom, vom Big Bamboo,  ins Mittelmeer (Ravello), von den Wolken (Cerro), auf den Atlantik (Gois), auf die Antike (Montemartini)

bigbamboo3P1120803Ravello 028nubeP1110863P1090926

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Der große Maestro Hans-Werner Henze ist am 27. Oktober 2012 in Dresden verstorben. Dort hielt er sich gerade auf, um bei der Aufführung von „Wir erreichen den Fluss“ dabei zu sein. Sein letztes Werk „Ouvertüre zu einem Theater“ wurde am 20.10.2012 in Berlin uraufgeführt! Pappano hat diese kleine Komposition dem Publikum  im Auditorium vor kurzem vor der Aufführung der  „Petite Messe“ seines Requieums im Auditorium in Rom am 10. März 2013 geschenkt.

Auch Geburtstag feierte Benjamin Britten mit Curlew River und in Florenz mit der Schändung der Lukrezia. Und natürlich Verdi und Wagner. Eine große Cellistin und Expertin für Zeitgenössische Musik ist Ulrike Brand.

Auditorium 007 Henze Requien im AuditoriumVersione italiana

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Projektkünstler Hannsjörg Voth hat in der Wüste von Marokko (Marha Ebene) drei faszinierende Großwerke in 20 Jahren errichtet. (Text Portrait Christa Blenk). Der Katalogtext von Emanuel Borja existiert in 5 Spachen.

Pace Barón ist ein landart-Künstler der anderen Art. Ein weiterer « hors série » Künstler war Marcel Duchamps – seine ready mades sind immer noch in der GNAM zu bewundern.

voth  Hannsjörg Voth und drei Projekte in der Marha Ebenetexte francaisversion españolaEnglish version of text –   Versione italiana

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QNG ist keine Abkürzung einer neuen internationalen Organisation oder ein Tippfehler, sondern steht für « Quartet New Generation » und so originell wie ihr Titel ist auch ihre Musik. Heide Schwarz, Susanne Fröhlich, Petra Wurz und Inga Klaucke kamen auf Einladung des Goethe Instituts nach Italien und nach einem Auftritt in Palermo und Neapel, standen sie am Samstag Abend in Rom in der Via Savoia auf der Bühne. Auch mit Flöte befasste sich ein Happening im Auditorium.

Flöte 006QNG Flötenkonzert – Phantasie und Symmetrie

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You can’t, you won’t, you don’t stop. Immer höher! Vor diesem Kunstwerk steht kein « bitte nicht anfassen »-Schild! Im Gegenteil: man soll dieses leicht transparente Geflecht sogar berühren und wenn man sich traut, darf man das hohe kolossale Monster – nach Unterschrift eines Haftungsausschlusses – sogar erklimmen. Wir haben den Berg, trotz Anfangszweifel, bis ganz oben bezwungen! Im MACRO wirden außerdem jedes Jahr der « Artist of the Year » der Deutschen Bank präsentiert. Um nicht mehr entkommen können geht es auch bei Blaubarts Burg.

bigbamboo2 025Big Bambou im MACRO Testaccio

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Die US-schweizerische Installationskünstlerin June Papineau, verbringt seit 2004 viel Zeit mit ihren Bäumen im Etournel. Umgeben von Elfen und Baumgeistern arbeitet sie an ihren « tree skins » bis sie abtransportiert und ausgestellt werden. Der nächste – great goyesco – wir 2014 in Lausanne zu sehen sein. Ein Besuch mit ihr in diesem Moor-Biotop war ein Abenteuer der ganz besonderen Art. Und Paola Romoli befasst sich mit den Mägen der großen Meeresbewohner.

Auch mit einer Nase hat sich Schostakowitsch beschäftigt. Seine Oper wurde in Rom – Regie Peter Stein – aufgeführt. Eine weitere starke Amerikanerin war Louise Nevelson.

etournel 043 Great Goyesco – Zwischen Moorgeistern und Laubfrauen

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Helena Aikin ist fasziniert von Labyrinthen und ihren Geschichten und baut sie in verschiedenen Größen und Plätzen der Welt nach. Eines ihrer Werke ist im Kunst- und Naturpark Cerro Gallinero in der Nähe von Avila in Spanien zu begehen.

evora1Walkable Labyrinths

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Faszinierende Ausstellung der Werke von Pierre Soulages in der Villa Medici in Rom. Die französische Akademie organisiert ausserdem Konzerte meistens mit zeitgenössischer Musik wie dieses Portrait des XXI Jahrhundets z.B. Das Romaeuropa Festival hat auch in der Villa Medici stattgefunden. Ein Abend für Stockhausen.

Theatermässig war das Festival ebenfalls sehr aktiv u.a.mit den Wohlgesinnten, Hedda und dem Kulturquizz  The power of theatrical madness. Mit Theater befasst sich auch Isabelle Huchet

Soulages2 002Soulages in der Villa Medici

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Der italienische Tenor Marcello Nardis singt die Wesendonck Lieder in Ravello und verzaubert in Klingsors Garten das Publikum – am Klavier wunderbar Laura de Fusco.Vor kurzem hat er hier in Rom die « Winterreise » vorgetragen. Hier gibt es mehr Infos über Marcello Nardis.

Pina Bausch in Neapel rundete die Ravello Reise ab.

Ravello 067 Marcello Nardis a Ravello

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Eugen Ruge schreibt ein Buch über Cabo de Gata und hat damit alte Erinnerungen geweckt. César Borja hat zum Cabo auch eine besondere Beziehung. Eine andere Lieblingsecke von mir ist am Atlantik – der Gois und dort gibt es eine Besonderheit: die Barrieren in der Vendée.

SAN2 Cabo de Gata -  Buchbesprechung Eugen Ruge

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Tizian ist der Größte, die Ausstellung in den Scuderien del Quirinale in Rom hat das wieder einmal gezeigt. Samson und Dalila hat er auch einmal gemalt. Aber hier geht es um Musik.

Zur Zeit zeigen die Scuderien die Ausstellung über Augustus und Cleopatra. Dazu passt dann ein Besuch beim Centrale Montemartini.

Tizian in den Scuderien – Großausstellung in Rom

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Sibylle Lewitscharoff las in der Casa di Goethe aus ihrem Buch « Blumenberg » vor und alle wünschten sich anschließend auch einen Löwen! Sie ist 2013 Stipendiatin der Villa Massimo – die Musikstipendiaten dieses Jahr waren ebenfalls sehr aktiv und Casa di Goethe hat nun eine Reihe mit Dichterlesungen begonnen. Giuliana Morandini lebt zwar nicht über Berlin – schreibt aber am liebsten über Mitteleuropa. Und die wunderbaren Holzskulpturen sind Werke von Emanuel Borja.

borjaprimordial 011Blumenberg – Lesung Casa Goethe

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The Cast im MAXXI. Clemens von Wedemeyer befasst sich mit dem italienischen Kino und entführt uns ins besetzte Teatro Valle und nach EUR. Dort hat schon des öfteren Tiziana Morganti ausgestellt. Von Wedemeyer  ist dieses Jahr ebenfalls Stipendiat der Villa Massimo. Ebenfalls im MAXXI die Ego-Reise Stigmata.

P1120848The Cast im MAXXIversione italiana

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Der russische Pianist Mikhail Rudy hat in der Aula Magna die  Originalversion von 1928  für Piano und synchronisierter Videoinstallation vorgetragen. Ein akkustisches und visuelles Erlebnis. Das Programm der Aula Magna ist aber auch sonst immer aufregend und speziell, so gab es eine Reise mit Steve Reich, ein  Konzert zu Ehren Luciano Berio und Paul Angus mit Zauberei und Mythos.

Kandinsky Musorgsky con pianoforteInspirationen: Hartmann – Mussorgsky – Kandinsky

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Entdeckung

Spurensuche Wohin 2013 KopieDie Entdeckung in der Künstlerszene ist die Fotokünstlerin  Christa Linossi und ihre Spuren kann sie ab jetzt nicht mehr verwischen. Auch entdeckt haben wir die Sammlung Netter und natürlich die DVD der neuen Oper von Elzbieta SikoraMadame Curie!

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und als Special

Vernissage-Tiziana 075natürlich die Vernissage Tiziana Morganti im Juni

Portrait für KULTURA EXTRA

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Aber nicht nur über Veranstaltungen in Rom und Italien wurde berichtet. In Paris gibt es  eine Ausstellung über Poliakoff, über den flämischen Maler Jordanes und über die wunderbare Ausstellung Renaissance und der Traum.

In München wurde die Neue Pinakothek wieder eröffnet,

Paris 1900 André Boudreaux

Ende der Highlights

Vielen Dank an Brigitte Mayer, Jean Noel Pettit, Irmi und Dan Feldman, sie haben an den verschiedenen Übersetzungen gearbeitet.

Kommentare über Ihre persönlichen Highlights sind herzlich willkommen!

Christa Blenk

Modigliani, Soutine e gli artisti maledetti

Bericht (gekürzt) über die Ausstellung für KULTURA EXTRA

 

La Belle Epoque oder Die Legende von Montparnasse

 

Modigliani, Soutine e gli artisti maledetti: Die Jonas Netter-Sammlung

Letztes Jahr gingen die 120 Meisterwerke der Sammlung Netter zum ersten Mal auf Reisen und nach einem Riesenerfolg 2012/2013 in Paris und Mailand, ist diese faszinierende Kollektion seit November 2013 in der Fondazione Roma Museo – Palazzo Cipolla in Rom zu bestaunen. Allesamt Gemälde, die in den „verrückten Jahren“ (les années folles) und zwischen den zwei Kriegen im Zentrum der Avantgarde in Montparnasse entstanden sind.

Jahrelang gehörte sie ihm alleine. Nun hat sich Jonas Netters Sohn, Gérard, im Alter von 86 Jahren schließlich entschlossen, die Sammlung seines Vaters der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Viele der nun ausgestellten Exponate wurden seit 1933 nicht mehr gezeigt, darunter Werke von Derain, Modigliani, Soutine, Utrillo, Valadon, Vlaminck, Kisling sowie Arbeiten von weiteren Vertretern der ersten Schule von Paris.

Jonas Netter gehörte zu den zahlreichen Elsässern, die nach dem Krieg 1870/71 das deutsch gewordene Elsass verließen, um sich in Paris niederzulassen. Aber wie kam dieser nicht sehr wohlhabende Handelsvertreter nun dazu, eine dermaßen große Kunstsammlung anzulegen? Seine Geschichte hört sich fast wie eine Legende an: Netter musste in Paris seine Papiere erneuern lassen, begab sich zur Präfektur und wurde von Kommissar Zamaron in dessen Büro empfangen. Hinter seinem Schreibtisch hing ein Bild von Utrillo, für den der Kommissar schwärmte. Netter, der eigentlich lieber Impressionisten gesammelt hätte, aber nicht genug Geld dafür hatte, war sofort fasziniert von dem Werk und, anstatt über Papiere zu reden, sprachen sie über Kunst und Montparnasse und Kommissar Zamaron brachte Netter schließlich zu einem polnischen Exil-Poeten, Leopold Zborowski, der sich als Kunsthändler sein Auskommen suchte und all diejenigen Künstler vertrat, die sonst keiner haben sollte. Das warder Beginn einer wunderbaren und fruchtbaren Freundschaft » und legte den Grundstein für eine der wichtigsten Sammlungen die zwischen den zwei Kriegen entstanden ist.

Ob Netter seine Papiere bekommen hat, wissen wir nicht, man kann aber wohl davon ausgehen!

Netter war Zborowskis bester Kunde und kaufte so gut wie alles von ihm. Schon während des Ersten Weltkrieges erwarb er Bilder von Utrillo und von dessen Mutter Suzanne Valadon, von Modigliano und Soutine. Alles Maler, für die sich der große Sammler Paul Guillaume nicht interessierte. Der Amateur Netter besaß den Mut und hatte das Vertrauen in sich selber, auch von völlig Unbekannten zu kaufen, und wenn ihm ein Maler gefiel, erwarb er alles von ihm! Die Sammlung dokumentiert wunderbar und pur das Werden und Leben einer Kunstsammlung in der auch mal Werke aufgenommen werden, weil der Sammler den Maler mochte. Nicht alles ist wirklich gut und viele seiner Künstler gingen nicht in die Kunstgeschichte ein, umso spannender ist aber dieser Fundus.

Am Eingang hängt ein Ganzportrait von Jonas Netter, gemalt von Moise Kisling. Es zeigt einen eher bürgerlichen Mann mit Krawatte, bescheiden und melancholisch sitzt er da. Er war ein Epikureer“ sagt sein Sohn „Er liebte die kleinen Freuden des Lebens, ohne von jemandem zu profitieren“.

Im ersten Saal drei Gemälde von André Derains, darunter „Les grandes Baigneuses“ von 1907, seit 1945 war es in der Öffentlichkeit nicht mehr zu sehen. Es ist eines seiner Hauptwerke und wird von den Kunstexperten als seine „Demoiselles d’Avingnons“ betrachtet. Eine Anzahl von Werken von gänzlich unbekannten Malern wie Hayden, Feder, Paresce, Lagar-Arroyo, Zawadowski, Ebiche oder Landau folgt in den nächsten zwei Räumen. Einiges sehenswert, auf andere könnte man verzichten. Ein weiterer Raum ist Utrillos « weißer Periode » gewidmet, er hat – wenn er gerade mal nicht betrunken war – eher Postkartenlandschaften gemalt, die kunsthistorisch weniger interessant sind. Gleich weiter kommen wir zu seiner sehr viel interessanteren Mutter, Suzanne Valadon, herausragend die „Drei Akte auf der Wiese“. Netter war verliebt in sie und hat deshalb beide – Mutter und Sohn – sehr unterstützt. Im großen Mittelraum der Ausstellung lernen wir, dass wir eben nicht alles von Modigliani kennen. 15 Hauptwerke werden hier gezeigt, darunter ein Portrait von Jeanne Hébuterne, seiner Gefährtin. Mit roten Haaren sitzt sie leicht gebeugt da, der ganze Körper incl. der Haare ist in die Länge gezogen. Die Bäckerstochter wollte unbedingt Malerin sein, hatte aber leider kein Talent und obwohl sie hart arbeitete, haben ihre Werke immer etwas stümperhaftes. Modigliani nennt man auch den Botticelli der Moderne. Restellini, der Kurator, schwärmt geradezu davon « Das Bild ist wunderbar, pathetisch, von einer unglaublichen Schönheit, im Profil ». Von Zborowksi hat Modigliani 1916 auch ein fabelhaftes Bild gemalt. Ein junger Mann ohne Kragen, mit offenem Hemd, die Augen fast geschlossen. Zwei weitere seiner Meisterwerke hängen gleich daneben « das Mädchen mit dem weißen Kragen » und « das Mädchen in Gelb » (1917). Der nächste Saal ist Soutine gewidmet. Der wilde Weißrusse Chaim Soutine, kam – fast zu Fuß – 1913 in Paris an. Er ist der expressionistischste von allen. Man könnte ihn zwischen Van Gogh und Francis Bacon ansiedeln, aber radikaler und verzweifelter und hungriger. Am liebsten malte er rohes Fleisch – so lange bis es verdorben und nicht mehr essbar war. Die Sammlung Netter beinhaltet allerdings vor allem Portraits von Soutine. Zwei Fisch-Stillleben sind unter den 19 hier gezeigten Werken. Außer in der Orangerie in Paris habe ich nie mehr Soutines von dieser Qualität und Quantität gesehen.

Der Parcours endet mit zwei abstrakten Kompositionen aus 1930 von Jean Hélion, die eigentlich gar nicht in die Sammlung passen, aber Netters Aufgeschlossenheit und Courage nochmals beweisen.

Leopold Zborowskiwar ein polnischer Literaturprofessor, der ebenfalls Anfang des 20. Jahrhunderts in Paris, in der Hoffnung hier als Poet überleben zu können, ankam. Laut Marc Restellini war er eine etwas undurchsichtige Person, charmant und unehrlich.

Netter war das genaue Gegenteil, ehrlich und anständig, er zahlte allen seinen „Malern“ eine kleine monatliche Rente. So bekam der bürgerliche Norditaliener Amedeo Modigliani, der schon 1906 nach Paris kam, 500 Franken pro Monat. Dafür durfte Netter die Bilder als erster sehen und konnte frei wählen welche er haben wollte. Die verbleibenden gehörten Zborowski, der Modigliani ebenfalls etwas zu zahlen hatte. Zborowksi ging dabei auch ein Risiko ein, einerseits verfiel Modigliani immer mehr dem Alkohol und produzierte dann gar nichts , andererseits war der Italiener so etwas wie ein « enfant terrible ». Sollte sich doch mal eine Galerie bereit erklärten seine Werke auszustellen, musste regelmäßig die Polizei einschreiten, da die rebellierenden Franzosen darauf bestanden, die Nackten aus dem Schaufenster zu entfernen. Das Vertrauen sollte sich allerdings lohnen. Kurze Zeit nach Modiglianis Tod 1920 waren seine Werke schon das dreifache wert. Der andere große Sammler, Barnes, der sich anfangs nicht an diese Wilden heranwagte, kaufte kurz vor dem „Black Friday“ von Netter einige Bilder von Soutine.

Eric Satis Musik begleitet uns durch die Ausstellung. Er war auch einer der zahlreichen Liebhaber von Suzanne Valadon. Sie war, abgesehen von der gutherzigen, eher talentlosen Modigliani-Gefährtin und Lieblingsmodell Jeanne Hébuterne, die einzige Malerin in der Gruppe. Als Jeanne von Modiglians Tod erfuhr, stürzte sie sich – im 9. Monat schwanger – vom 5. Stock auf die Straße und war sofort tot, ebenso ihr ungeborenen Kind. Modigliani wurde auf dem Friedhof Père Lachaise, Montmatre, begraben. Soutine hingegen, der sich als Jude jahrelang von einem Versteckt zum anderen schleppte, starb 1943 und fand auf dem Künstlerfriedhof Montparnasse seine letzte Ruhestätte.

Paco BarondibujosPaco 009dibujosPaco 020 Zeichnungen Paco Barón, nicht teil der Sammlung

Die Montparnos!

Sie trafen sich im Café Dôme oder in der Rotonde. Montparnos, so nannten sich die Bohèmiens und Künstler von Montmatre, die allesamt Picasso folgten und den nächsten Berg (Mont) eroberten. Montparnasse, der Berg der griechischen Götter in der Antike, ist heute ein Kinoviertel und der größte Bahnhof von Paris. Von ca. 1905 – Mitte der 20er Jahre war das Viertel Treffpunkt der Künstler der „Belle Epoque“. Picasso, dem durch die Bekanntschaft mit dem Kunsthändler Kahnweiler und den Geschwistern Stein plötzlich der Erfolg lachte, konnte es sich leisten vom Vorort in die Stadt umzuziehen. Der gesamte Tross der Erfolglosen folgte ihm!

Es waren aber nicht nur Spanier wie Picasso oder Italiener wie Modigliani die sich in Paris ansiedelten. Aus dem Osten kamen Polen, Russen, Slawen und nach dem ersten Weltkrieg war das brodelnde Paris, in dem es keine Tabus gab, für die Amerikaner „the place to be“. Scharenweise kamen sie über den Atlantik und sahen sich als Maler, Dichter oder Schriftsteller. Zuhause hatten sie jemanden, der ihnen monatlich ein paar Dollars schickte, genug für ein Leben mit täglichen Exzessen und Feiern – am Rande der Pariser Bourgeoisie. Die Amerikanerin Gertrude Stein, die schon 1903 endgültig nach Paris übersiedelte und eine der größten Kunstmäzenin überhaupt werden würde, versammelte sie in ihrem wöchentlichen Salon in der Rue de Fleurus 27. Sie und ihr Bruder Leo konnten es sich leisten, diese Horde von interessanten Künstlern und Mitläufern durchzufüttern, hatten sie doch ihren Bruder Michel und seine Frau Sarah, die reich genug für alle waren. Nicht wegzudenken aus der Gruppe ist der italienisch-polnisch-französische Poet Guillaume Apollinaire. Er stieß 1905 über Picasso zu den Avantgarde-Künstlern und begleitete sie forthin und wurde ihr Kunstkritiker.

Mit dem Wall Street Crash von 1929 sind dann allerdings die Zahlungen aus der Heimat ausgeblieben und tausende von Amerikanern mussten wieder zurück in die Depression, viele begingen Selbstmord. Nur Josephine Baker ist geblieben, Französin geworden. Sie würde sich später in der Résistance organisieren. Hemingway ging nach Spanien und kämpfte von 1936-1939 im spanischen Bürgerkrieg und schrieb anschließend „Wem die Stunde schlägt“.

Modigliani, Soutine, und die anderen „verdammten“ Künstler gehörten also zu den Rotonde-Besuchern, aber zur anderen Fraktion, zu denen, die den Kubismus ablehnten und ihren eigenen Weg gingen. Ihre Diskussionen drehten sich um die Frage « Was ist Schönheit » ? « Wer kann schon im Vornherein festlegen, dass Dinge schön oder hässlich sind? Man muss lernen, das zu lieben, was man bislang hässlich fand. Ihre Demarche war, die Ästhetik der Dinge neu zu erfinden bzw. deren Betrachtungsweise zu verändern. 

Bis zum 6. April 2014 ist die Ausstellung noch zu sehen.

Christa Blenk

 

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