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I Tre Gobbi – Teatro La Fenice

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Acqua Alta in Venedig

 

Der große italienische Komödienschreiber Carlo Goldoni (1707-1793) schrieb das Libretto zu Vincenzo Legrenzio Ciampis Intermezzo musicale „La favola de tre gobbi“ (Die Geschichte der drei Buckeligen). Das Werk entstand 1749 in Venedig.

Michele Modesto Casarin (der auch selber mitspielt) und Alberto Maron haben in einer gemeinsamen Produktion des Teatro La Fenice, der venezianischen Theaterkompagnie Pantakin Commedia und dem Woodstock Teatro eine Bearbeitung in Anlehnung an die Musik von Ciampi ausgearbeitet und diese mit Ilenia Tosatto (Sopran), Andrea Biscontin (Tenor) sowie dem Ensemble Harmonia Prattica im November 2018 in der Sale Apollinee aufgeführt. Kostüme und Masken sind von Licia Lucchese und Roberta Bianchini.

Alessia D’Anna, Claudio Colobmo, Davide Dolores, Michele Modesto Casarin haben hier die  Commedia dell’Arte wieder aufleben lassen und mit viel Witz, Humor, Slapstick, Begeisterung und schöner Musik ein permanentes Lächeln auf die Gesichter der glücklichen Zuschauer gezaubert, das noch ganz lange in den Abend hinein angehalten hat.  

Zur Geschichte: Carlo Goldoni ist nicht gut drauf. Leicht angetrunken torkelt er auf die Bühne, er hat eine Schaffenskrise und vor allem Schulden, die fällig werden. Die Geldeintreiber Beccaferro und Tagliacarne, zwei trottelige Gesellen, stehen vor seiner Tür und drohen damit, seine Fußsohlen abzuschneiden, wenn er nicht endlich die Schulden, die er beim venezianischen Edelmann Grimani hat, zu begleichen. Da er aber nicht bezahlen kann, verspricht er, etwas zu schreiben und schindet so noch drei Tage Aufschub heraus. Seine Dienerin, Catte (großartig Alessia D’Anna), rät ihm, das Theater doch endlich sein zu lassen,  versorgt ihn aber vor dem wichtigen Projekt noch mit Rosolio. Goldoni, voller Schaffenseifer, widmet sich aber mehr dem Alkohol als den Wörtern und schläft die drei Tage durch, spricht: er verschläft seine Chance. Catte weckt ihn, als die Zwei wieder auftauchen. Eine wilde und köstlich gespielte Jagd beginnt und schließlich bekommt er nochmals eine Galgenfrist bis zum Abend. Catte erzählt ihm die Geschichte der drei Buckeligen und er schreibt sie direkt den Darstellern (die beiden Geldeintreiber und er selber) auf den Leib. So wird sein Schreibzimmer zur Bühne und Catte zu der vornehmen Madame Vezzosa, in die sich die drei Buckeligen verlieben. Dichtung, Realität und Komödie vermischen sich und Catte träumt von einer Karriere als Schauspielerin. Zum Schluss schlägt Goldoni vor, die Musik von Ciampi komponieren zu lassen.

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Mehr kann man von Volkstheater nicht verlangen!
Bravi.

Christa Blenk

 

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Von Feen und Zauberern

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Die Bretagne ist die größte Halbinsel Frankreichs und der westlichste Ausläufer des europäischen Festlands, nördlich der Iberischen Halbinsel. Armorica haben die Gallier dieses Land genannt, was so viel wie Land am Meer bedeutet. Vor allem wegen ihrer faszinierenden und wunderschönen Küsten ist die Bretagne beliebt und bekannt, sei es die Côte de Granit Rose im Norden der Bretagne, seien es die Glenan Inseln oder die wilde Pointe du Raz im Südwesten oder sei es das milde, fast tropische Klima am Golf von Morbihan. Traumhafte Sandstrände die eher an die Karibik als an den Atlantik erinnern zwischen steilen Kliffen.

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Quelle von Barenton, Hotie de Viviane

 Nicht weit weg von Rennes, im Innern der Bretagne, im Wald von Brocéliande, hat angeblich  der Zauberer Merlin sein Unwesen getrieben. Sein Grab jedenfalls kann man dort besuchen und überall wo man hinkommt, trifft man auf ihn. Sein Konterfei ziert Kaffeetassen oder T-Shirts und manche Besucher verkleiden sich sogar als Merlin und spazieren mit Bart und Spitzhut durch den Wald. An der Quelle von Barenton, die man sehr gut zu Fuß erreichen kann, hat er sich in die schillernde Fee Viviane verliebt und ihr gleich ein Glasschloss am See von Comper errichtet. Nur geladene Besucher von Viviane sollen es sehen können. Die Quelle hat aber noch viele andere Qualitäten, sie heilt Krankheiten, kann sogar Regen hervorrufen und jungen Mädchen zu einem Ehemann verhelfen, man muss nur die richtige Formel kennen.

Der Wanderweg durch den Laubwald, vorbei an plätschernden Quellen und Rinnsalen, über Stock und Stein, begleitet vom singenden Wind, ist wirklich zauberhaft. Hier soll der sagenumwobene König Artus mit seinen Rittern zahlreiche Abenteuer geplant haben und natürlich wurde auch hier nach dem Heiligen Gral gesucht, der sich wohl immer noch in den Wäldern der Bretagne versteckt hält. Dieses Zaubergefäß soll die Form einer Schale oder eines Kelches, vielleicht aus Stein, haben und wird in einer unwirtlichen und unzugänglichen Burg von Gralsrittern bewacht. Ewige Jugend und Wohlstand soll er bringen, aber das haben wir ja alles schon bei Indiana Jones gelernt.

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Ein weiterer, nicht zu missender Ausflug, führt in das Tal ohne Wiederkehr (Val sans Retour). Hier wütete eine andere Fee, Morgane. Ihren untreuen Liebhaber entkamen dem Tal nicht, davor sorge ein Drache. Erst der Tafelritter Sir Lancelot besiegte den Drachen und verhalf so unzähligen eingeschlossenen Männern zur Freiheit. Über diesen berühmtesten Ritter der Tafelrunde, der als Kind schon von der Fee Viviane im Schloss am See behütet wurde, gibt es auch ganz unterschiedliche Geschichten. Vor allem bekannt ist uns seine Liebe zu Guinevere oder Gwenhwyfer, Königs Artus Gattin. Diese Liebe macht ihn dann aber unwürdig, weiter nach dem Gral zu suchen.

Auch Parzival, der reine Tor, der sein Zuhause verlässt um Ritter am Hof von König Artus zu werden, gehört zu den Gral-Suchern. Über ihn und sein Umfeld gibt es so viele Varianten wie es Kelche gibt und die Literatur und Musik greift immer wieder auf dieses Thema zurück. Am bekanntesten ist hier Wagners Bühnenweihfestspiel von 1882  oder die Rolle des Grals im Lohengrin.

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Der französische Dichter Chrétien de Troyes hat schon im 12. Jahrhundert darüber berichtet. Bei uns war es Wolfram von Eschenbach, der um 1200 Chrétens Roman übersetzte und mit anderen Quellen ausgeweitet hat.

Am besten schlägt man sein Quartier in Paimpol auf, dieser Ort liegt mitten im Wald, dort befindet sich auch die Pforte der Geheimnisse (La Porte des Secrets) in der man sich über alles bestens informieren  und den Wald schon mal virtuell erforschen kann. Es ist ein wenig kitschig, aber durchaus unterhaltsam. Später kann man dann mit organisierten Touren auf einer vierstündigen Wanderung alle bedeutenden Plätze besuchen. Wenn man einen guten Conteur (Erzähler) erwischt, erfährt man auch unzählige Bretagne-Mythen und Legenden.

Feste Schuhe und eine Flasche Wasser sind unbedingte Voraussetzung.

PS die US-Schweizerische Künstlerin June Papineau würde sich hier in ihrem Element finden.

Christa Blenk

Fotos: (c) Christa Blenk

 

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Lohengrin an der Deutschen Oper Berlin

Deutsche Oper Lohengrin

LOHENGRIN von Richard Wagner, Deutsche Oper Berlin,
Premiere am 15. April 2012, copyright: Marcus Lieberenz

 

Die größte Ehre, die man einem Menschen antun kann, ist die, dass man zu ihm Vertrauen hat. (Matthias Claudius)

Um Vertrauen und wodurch sich die Liebe definiert geht es auch bei Lohengrin.  Für die US Kolumnistin Joyce Brothers war es ganz klar denn sie meinte einmal „Der beste Beweis der Liebe ist Vertrauen“.  Aber wie wir ja alle wissen, hat Wagner dieses Zitat nicht gekannt und sich gegen das Vertrauen und für die Kenntnis entschieden. Dementsprechend lässt er dann auch Elsa die zerstörerische Frage nach Namen und Art fragen und wischt das „Nie sollst Du mich befragen“  einfach weg und damit auch Glück und Liebe.

Aber nur das reicht natürlich nicht für vier Stunden, da braucht es noch Kriege, Intrigen und Böses. Dieses durchkomponierte, musikalische Drama von Wagner kommt nur ab und zu noch auf die altbewährte Form der Soloarien zurück, wenn Elsa ihren Traum erzählt zum Beispiel oder Lohengrin sich als Gralsritter outet.

Die Geschichte spielt im frühen Mittelalter, genauer gesagt in der Mitte des 10. Jahrhunderts. Wagner hat die Handlung nach Antwerpen verlegt, weil er die Gestalt des Schwanenritter einbauen wollte, der ursprünglich vom Niederrheinischen kommt. Brabant gab es damals natürlich auch noch nicht.  Wagner hat den Streit der ostfränkischen Stämme in seine Zeit der liberal—demokratischen Nationalbewegung gelegt und wenn er Heinrich den deutschen König nennt, dann ist das seiner blühenden Phantasie entsprungen und durch ein Vermischen von Sagen, Mythen und geschichtlichen Ereignissen entstanden.  Das Scheitern der Hauptprotagonisten ist stellvertretend für das Scheitern politischer Utopien in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Die Ouvertüre bietet ein tristes after-war-Szenario. Die Bühne ist übersäht von leblosen Körpern, Kriegsopfer wohl, und Frauen suchen nach ihren Männern, finden sie tot danieder liegend und brechen zusammen. Dann fällt der Vorhang und der Name LOHENGRIN steht in großen Buchstaben auf dem schwarzen Vorhang.

Sehr martialisch und laut wird herum gedonnert bis das Erscheinen der reinen, zarten Elsa Musik und Bühne erhellt.  Der glänzende Schwanenritter kommt zwar ohne Schwan dafür aber mit Flügel daher, die ihn schon direkt als Beschützer von Brabant definieren, noch bevor er Telramund besiegen wird.  Die Brabanter sind ein opportunistischer Mob, der sofort sein Fähnchen in den Wind hängt und umgehend den geheimnisvollen Lohengrin verehrt. Die Frauen kommen sowieso nicht gut bei ihm weg. Sie sind unschuldig, dumm, neugierig oder  bösartige und heimtückische Personen, die permanent die falschen Entscheidungen treffen. Ortrud, die Hexe, schürt und intrigiert und schon der Hochzeitsmarsch am Anfang des dritten Aktes steht unter einem bösen Stern.

Die Premiere dieser Produktion fand im April 2012 statt. Nur Klaus Florian Vogt in seiner Paraderolle und Petra Lang sind bei der letzten Aufführung in dieser Saison noch mit dabei. Anja Harteros übernahm die Rolle der Elsa und das hat sie großartig gemacht. Textverständlich und sicher waren sie Alle. Am Pult stand nicht Donald Runnicles. Axel Kober dirigiert das gute Orchester der DOB  – übersichtlich und fast minimal lässt er den Sängern viel Raum, sich auszubreiten.

Die Inszenierung von Kasper Holten passt gut zur schnörkellosen Leitung von Kober. Die hochgestreckte Faust in politisch nicht ganz korrekter Manier hat uns kurz schlucken lassen, aber ansonsten eine Inszenierung wie man sie sich wünscht und die die Musik in die erste Reihe stellt. Der kleine Gottfried, den Elsa in ihren Armen hereinbringt und ihn auf das weiße Marmorgrab legt das gerade noch ihr blütenweißes Hochzeitsbett war,  ist nur ein blutiger Fetzen. Ortruds Zauberstab waren grüne LED-Fäden.

Steffen Aerfing hat die Kostüme entworfen. Die Lichteffekte waren von Jesper Kongshaug.

Richard Wagner selber war bei der Premiere im August 1850 in Weimar, die Franz Liszt dirigierte, gar nicht anwesend, da er sich zu dieser Zeit schon im Exil in der Schweiz aufhielt und steckbrieflich gesucht wurde.

Christa Blenk

KULTURA EXTRA hat zweimal darüber berichtet:

Premiere

und drei später später mit Waltraud Maier

 

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Hauskonzert in Zehlendorf

 
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 Man-Yi Guo, Daniel Pacitti, Shih-Cheng Liu

 

Das kleine Sternbild Kreuz des Südens (Cruz del Sur) war schon in der Antike von großer Bedeutung  und wohl im Alten Griechenland noch vom Mittelmeer aus zu sehen. Die europäischen Seefahrer und Eroberer nannten es das Kreuz des christlichen Glaubens, und weil man in der südlichen Hemisphäre den Polarstern nicht sehen kann war das Cruz del Sur ein unverzichtbares Instrument, um sich am Südhimmel zu orientieren.  

Am Rio de la Plata, wo die Flüsse Rio Paraná und Rio Uruguay in den Atlantik fließen gibt es sehr heiße Sommer und wenn man es drinnen gar nicht mehr aushalten kann, verbringt man die Nacht einfach im Freien – unter den Sternen. Und dort hat Daniel Pacitti als Fünfjähriger zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem Kreuz des Südens gemacht. Seitdem begleitet ihn dieses Sternbild des Südhimmels und hat jetzt mit der originellen Komposition La Cruz del Sur auch Einzug in seine Musik gefunden. Gestern Abend wurde es zum zweiten Mal aufgeführt.

Das Stück La Cruz del Sur entstand 2016 und ist eine Suite für Flöte und Klavier, eine Bearbeitung wiederum von Pacittis Werk gleichen Namens für Stimme, Chor und Ensemble. Die Suite besteht aus sechs Sätzen: Copla-Baguala beginnt mit viel temperamentvoller Landschaft und unterschiedlichen Rhythmen, ein Dialog, der immer wieder auf einen Punkt zurückkommt. Er wird abgelöst von dem leicht jazzigen Saya. Der dritte Satz ist ein verführerischer Tanz auf einer Kirmes und heißt Bailecito y Rito. Er beginnt mit Walzertakten und geht dann über zu Tangorhythmen. Die Querflöte von Shih-Cheng Liu bringt plötzlich Trompetentöne hervor und man wartet gespannt bis die Karusselmusik einsetzt oder Jemand auf den  „Hau den Lukas“ hinweist. Aber es endet wohl mit einer Hochzeit!

Nach der Pause geht es weiter mit Malambo, hier tanzt die Querflöte mit den Händen der Pianistin um die Wette. Vidalista wird sentimental und ein wenig melancholisch und mit Zamba und Culto geht die Reise temperamentvoll und delikat zu Ende. Die Rhythmen verändern sich wie sich der Sternenhimmel im Verlauf der Nacht verschiebt und immer ein anderer Stern oder Rhythmus die erste Geie spielen darf. Manchmal meinen wir sogar Töne der Peking-Oper heraus zu hören.

Pacitti ist ein Gratwanderer und hat mit La Cruz del Sur den kompletten südamerikanischen Kontinent eingefangen. Ein fröhlich-melancholisches Leben, Tanzen, Träumen, Spielen und Verführen. Die Musik erzählt von der Begegnung mit den Sternen, kommt aber immer wieder zurück zu der Erdverbundenheit der südamerikanischen Rhythmen, von denen es so unglaublich viele gibt. Plötzlich donnert der Iguazú herunter, es rauscht und poltert bis es leise in das Flötenspiel des Schäfers Pan mündet. Dann und wann deutet Pacitti die Musik des 20. Jahrhunderts an, kommt aber gleich wieder zurück zu den traditionellen argentinischen und südamerikanischen Tönen.

Eingeleitet wurden die beiden Konzertteile jeweils mit den bezaubernden Querflötenstücken Andinas para Flauta Nr. 1 und Nr. 2. Shih-Cheng Liu begibt sich hier direkt unter das Firmament!

Der Komponist und Dirigent Daniel Pacitti ist in Argentinien von italienischen Eltern geboren. Studierte in Buenos Aires, Mailand und Paris. Er verehrt Ravel und Bach und baut ständig Brücken zur Musik seiner Heimat. Pacitti  spielt selber ganz wunderbar eigene und traditionelle Tangos am Bandoneon. Vor ein paar Monaten wurde hier in Berlin sein Luther-Oratorium „Wie sind Bettler“ in der Philharmonie uraufgeführt.

Die beeindruckenden und virtuosen Interpreten Shih-Cheng Liu (Querflöte) und Man-Yi Guo (Piano) kommen beide aus Taiwan, leben und arbeiten aber zurzeit in Berlin und Chemnitz.  Shih-Cheng-Liu verwächst mit seiner werbenden Querflöte, wird zum betörenden Ton und verzaubert das Publikum mit seiner Interpretation der argentinischen Musik. Vielleicht spielt hier Jungs kollektives Unbewusste eine Rolle, schließlich kamen Shih-Cheng Lius Cousins vor vielen Jahren über die Beringstraße an den Rio de la Plata und haben vielleicht – wie Daniel Pacitti – das Kreuz des Südens in heißen Sommernächten gesehen.

Ein wunderbares Geschenk dieser Konzertabend im kleinen Kreis. 

 Daniel Pacitti
Daniel Pacitti und sein Bandoneon

Mehr: Kreolischer Tangoabend

Mehr: Wir sind Bettler

Christa Blenk

 

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Nederlands Dans Theater

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Installation Guillermo Lledó (Plaza para un hombre solo)

 

Vor zwei Jahren triumphierte das Nederlands Dans Theater (NDT) im Haus der Berliner Festspiele. Jetzt sind sie zurückgekommen mit einem ausgewählten, klassisch-zeitgenössischen und sehr unterschiedlichen Programm, darunter zwei Werke aus 2016.

Woke Up Blind (Marco Goecke, 2016) setzt sich mit Gefühlen und Verlust auseinander, mit der Liebe. Begleitet werden die Tänzer bei ihren schleppend und brennenden Marionetten-Roboter-Bewegungen von zwei Liedern des schon verstorbenen Rockmusikers Jeff Buckley („You and I“ und „The way young lovers do“). Sieben Tänzer (zwei Tänzerinnen und fünf Tänzer)  kriechen mit roten Samthosen in die sentimentale Musik und versuchen mit ihr Schritt zu halten. Goecke setzt hier auf kontrollierte und sehr anspruchsvolle  Bewegungsabläufe – nur ein Stern steht am Bühnenhimmel unter dem die Tänzer wie Fotomodelle daher staksen.

Nach einer kurzen Umbaupause geht es weiter mit The Statement (Crystal Pite, 2016). Hier hat sich Pite ganz klar an Kurt Jooss „Grünem Tisch“ orientiert. Das Stück hat der Ballettdirektor des Essener Opernhauses 1932 kurz nach seiner Flucht vor den Nazis in Paris uraufgeführt und es geht darin um Verhandlungen zwischen Krieg, Tod und Vertreibung bzw. Aufteilung – und darum geht es auch in dieser Choreografie: Vier Tänzer in Business-Kleidung aus der Leitungsetage müssen ein Statement produzieren, das moralisch Verantwortung übernimmt und eine Krise bewältigen kann. So wie es aussieht, ein Ding der Unmöglichkeit und dementsprechend geht es sehr hektisch und theatralisch-aggressiv zu. Jeder versucht zuerst seinen eigenen Kragen zu retten und die Angelegenheit schön zu reden bzw. sie zu minimisieren. Zu den großartig getakteten Bewegungen unter manieristischem Licht um und auf dem Konferenztisch, läuft ein sehr realistischer und politischer Dialog (Skript von Jonathon Young). Die Kostüme hier hat ebenfalls Crystal Pite mit Joke Visser entworfen, das Bühnenbild stammt von Jay Gower Taylor. Das beste der vier Stücke an diesem Abend und man will ein da capo!

Nach der Pause geht es weiter mit dem 25 Minuten Stück The missing door  (Gabriela Carrizo, 2013). Sind die sieben Türen Eingang oder Ausgang? Wollen die Protagonisten hinein oder ausbrechen? Es klopft, also will Jemand herein, aber die Tür geht nicht auf. Ein Tauziehen zwischen Realität und Fiktion. Wird hier der Traum Wirklichkeit oder die Wirklichkeit zum Traum – das bleibt dem Betrachter überlassen. 

Ein Kameramann geht mit seinem Theater- Scheinwerfer auf die Darsteller zu, die alle ihre Arbeit verrichten. Der eine putzt, der andere ist betrunken, eine Frau zieht sich hochhackige Schuhe an und ein Dienstmädchen bringt Gegenstände und Getränke. Irgendwie gehören sie zusammen und doch nicht. Es klopft, also will Jemand herein. Sie bewegen sich Richtung Tür, diese will aber nicht aufgehen. Andere Türen öffnen sich daher quietschend und rostig von selber. Wahrscheinlich sind wir in einer Kneipe, in der es blutigen Streit gab, der gefilmt wird – vielleicht wird ja gerade ein Hitchkock-Film gedreht oder eine neue Blaubart-Inszenierung erfunden. Theater, Tanz und Kunst verschmelzen hier. Mit einer Portion slapstick wird die aufkommende Dramatik immer wieder durch Lacher unterbrochen und gibt der Sequenz eine symbolistisch-gruselige Kurzweiligkeit. The Missing Door war die erste Arbeit von Gabriela Carrizo für das NDT

Die letzte Performance dauert 33 Minuten und ist die klassischste – eine Schwarz-weiß-Welt . Die weiße Mauer auf der Bühne dreht sich ohne Unterbrechung. Sie trennt Tod und Leben. Safe as Houses haben die Haus- Choreografen des NDT Sol León & Paul Lightfoot entwickelt und sich  vom Buch der Wandlungen (I-Ging) dazu inspirieren lassen. Es ist sehr ästhetisch und passiert zu Bach-Musik. Ohne Bach könnte wahrscheinlich das zeitgenössische Ballet gar nicht stattfinden und alle haben das erkannt..  Es gibt vier weiße Tänzerpaare, die sich nacheinander mit eleganten und schönen Bildern in die Geschichte tanzen und drei schwarze Tänzer, die den Tod herbeitanzen oder ihn wegtanzen möchten. Safe as Houses feierte 2001 in Den Haag Premiere.

Eine durch und durch ausgezeichnete Performance. Mit physischer Aussagekraft und großartiger Sensibilität tanzt sich das NDT an die Weltspitze.  Mitreißend, spannend, fabelhaft und surreal-manieristisch die Geschichten, die mit allergrößer Perfektion erzählt und getanzt werden. 

Mehr kann man von einem Balletabend nicht erwarten. 

Christa Blenk

 

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L’Invisible – Aribert Reimann an der Deutschen Oper

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L’INVISIBLE von Aribert Reimann, Deutsche Oper Berlin,
Uraufführung: 8.10.2017, copyright: Bernd Uhlig

L’Invisible – Trilogie lyrique nach Maurice Maeterlinck
Unsichtbarer Tod
Am  8. Oktober fand die Uraufführung von Aribert Reimanns neuerster Oper L’invisible (Das Unsichtbare) in der Deutschen Oper statt. Am Pult Donald Runnicles. Für die Deutsche Oper – zu recht – der Triumph der Saison!Drei kurze Theaterstücke des symbolistischen, belgischen Dichters Maurice Maeterlinck ( 1862-1949) hat Aribert Reimann (*1936) zu einem nicht zusammengehörenden Werk , das durch das Thema Tod zusammen wächst, verbunden und somit für  90 spannende, beunruhigende  und nachdenkliche Minuten gesorgt.  Dreimal hat er hier ganz unterschiedlich lautmalerisch den Tod behandelt, immer anhand von Personen, die noch viel zu jung dafür waren.Im ersten Stück « L’Intruse » (Der Eindringling) sitzt die gut bürgerliche Familie beim Abendessen. Sie singen nervös durcheinander, um das sich ankündigende Drama zu vertuschen, denn die Mutter liegt im Nebenzimmer und hat sich noch nicht von der Geburt ihres Kindes erholt. Außer dem blinden Großvater wissen alle anderen, dass sie das auch nicht mehr tun wird.  Mit ihrem letzten Atemzug gibt das Neugeborene endlich einen Laut von sich und tritt ins Leben ein. Der Übergang zum nächsten Stück „Intérieur“ geht nahtlos; eine Tür geht auf und zwei Männer kommen herein, der eine noch ganz nass und wir erfahren erst später, dass er jemanden aus dem Wasser ziehen wollte. Im Hintergrund sehen wir ein Wohnzimmer, in dem eine glückliche Familie gerade den Weihnachtsbaum schmückt. Die beiden Männer  wissen nicht, wie sie der Familie den Selbstmord ihres Kindes beibringen sollen.

Teil drei „Tintagiles Tod“ – ist das komplizierteste und schönste Stück im Werk. Hier wird ein kleiner Junge zwischen Alptraumvisionen und Bilderbüchern vom Tod geholt, so wie es aussieht, durch einen Autounfall. Überall herrscht deprimierte Unausweichlichkeit und wütende Unvermeidbarkeit. Keine List kommt gegen den Tod an. Alle drei gehören sie ihm. Es ist eine Art unabwendbarer und symbolischer Existenzialismus, der die Bühne beherrscht. Die Hintergründe der Geschichten werden anhand von Scherenschnitten und Schattenspielen an den Wänden erzählt.

Manchmal rutschen die Geschichten ein wenig ins Pathetische ab, das nimmt ihnen  aber nichts weg, mehr, es kann gar nicht anders sein.

Aribert Reimann (*1936) hat jede Szene mit den passenden Tönen begleitet und auch hier wieder Weltliteratur ins Spiel gebracht, ähnlich wie er das bei Garcia Lorcas „Bernarda Albas Haus“ auch getan hat. Mit dem russischen Regisseur Vasily Barhkatov hat er sich einen neuen Regie-Star für die Inszenierung ausgesucht.

Großartig die Sänger, die in verschiedenen  Rollen und unterschiedlichen Instrumentationen auftraten. Einmal sind es die Streicher, die den anschleichenden Tod herbei holen;  im zweiten Teil begleiten die Holzbläser die Ankündigung des Selbstmordes. Und im dritten Teil verhindert das sich aufbauende komplette Orchester die Rettung des Kindes. Die Countertenöre Tim Severloh, Matthew Shaw und Martin Wölfel treten als unerbittliche  Todesboten auf. Die Sopranistin Rachel Harnisch singt dreimal die weibliche Hauptrolle. Sie hat schon öfter mit Reimann gearbeitet.   Auch Stephen Bronk hat unterschiedliche Rollen wie den blinden Großvater. Weiter dabei waren Seth Carico und  Thomas Blondelle sowei Ronnita Miller in der Rolle der Dienerin und die Mezzosopranistin Annika Schlicht als Marthe und als Bellangére, die ihren Bruder Tintagiles nicht retten kann.

L’invisible  ist Aribert Reimans neunte Oper. Vier davon hat er als Auftragswerk für die Deutsche Oper geschrieben.

Christa Blenk

 

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Elektra – Deutsche Oper

Die Premiere dieser Elektra-Produktion der Deutschen Oper fand schon im November 2007 statt. Die Aufführung am 19.10. dirigierte Ulf Schirmer für den erkrankten Donald Runnicles.

« Wo bleibt Elektra? » Fragt die Magd, gekleidet wie alle anderen Mägde, mit einem kleinen Schwarzen! Elektra wohnt im Müllkeller, und um das zu verdeutlichen, fallen ab und zu schwarze Klumpen durch den Müllschlucker und die Protagonisten waten durch die Schweinestreu.

Bei diesem Einakter geht es vor allem um drei Frauen.  Um Klytämnestra, die Mutter und ihre zwei Töchter, Elektra und Chrysothemis. Die Geschichte stammt aus der griechischen Mythologie. Der Vater ist Agamemnon, der König von Mykene, der von seiner Frau und deren Geliebten erschlagen wurde. Elektra kann das nicht verzeihen und sinnt auf (Blut)Rache. Besessen und trauerunfähig vor Hass, will sie Vergeltung.  Um diese zu vollziehen, muss sie auf die Rückkehr von Orestes warten. Während die jüngere Schwester nicht ihre Jugend und Schönheit, wie Elektra, verlieren will, sondern davon träumt eine Familie zu gründen, kennt Elektra nur Rache und Tod. So geht es auch Orest, der durch das Orakel von Delphi nach Hause geschickt wird, um die Blutrache an Klytämnestra und Aegisth zu vollziehen. Diese  tiefenpsychologische Handlung endet mit einem seltsamen Triumphtanz, den der Regisseur hier auf viele Tänzerinnen verteilt, die sich alle im Schlamm wälzen, hinfallen und wieder aufstehen.

Kirsten Harms hat diese Elektra in eine Art Abfallraum verfrachtet und so fallen auch dann und wann schwarze  Klumpen durch den Müllschlucker auf sie herunter – das nimmt sie aber gar nicht zur Kenntnis.  Die Wände sind große graue Stahlplatten, die sich an den Seiten öffnen lassen, damit die anderen das Gefängnis verlassen können. Elektra trägt ein weißes Hemdchen unter einer schmutzigen, verwahrlosten Jacke, ihre Schwester ein schwarzes Cocktailkleid und Klytämnestra (Doris Soffel), sieht wie eine alt gewordene Drag Queen aus; sie trägt als einzige Farbe und spielt ihre Rolle hervorragend. Die Männer tragen zu große Anzüge. Elektra (Catherine Foster) ist immer präsent und bringt auch schauspielerisch eine großartige Leistung. Klar und immer auf den Punkt schmettert sie ihren Frust in die Welt, unbeugsam und existenziell. Aber auch die Schwester Chrysothemis (Allison Oakes) hat kein Problem sich gegen die große, gewaltige Musik, von Schirmer dirigiert, durchzusetzen. Aegisth ist Clemens Bieber und Orest Tobias Kehrer.

Die Uraufführung dieses vielseitigen und virtuosen, hochdramatischen, musikalischen Krimis, fand im Januar 1909 in Dresden statt. Hugo von Hofmannsthal (1864-1949) hat das Libretto dazu geschrieben.

 

griechisches Theater

 

Christa Blenk

 

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Jakob Lenz

Jakob lenz

 

Jakob Michael Reinhold Lenz (1751-1792) war ein deutscher Schriftsteller des Sturm und Drang, der als Dichter seiner Zeit voraus war und ein schwieriges bzw. schräges Leben führte. Georg Büchner hat einen Teil von Lenz’ Leben – den Besuch bei dem evangelischen Pfarrer Oberlin  in den Vogesen -  zu einem Drama verarbeitet, welches wiederum Quelle für Wolfgang Rihms Jugendwerk Jakob Lenz war. Wolfgang Rihm (*1952) hat die Oper Jakob Lenz 1978, 26-jährig, komponiert. Sie wurde 1979 uraufgeführt und zählt mittlerweile fast schon zu den Klassikern der zeitgenössischen Oper.

Andrea Breth hat das Werk 2014 bildgewaltig und expressiv  für Stuttgart inszeniert – als Koproduktion mit der Staatsoper Berlin und mit La Monnaie/De Munt (Brüssel).

Drei Protagonisten und ein sechsstimmiges Vokalensemble kommen zum Einsatz sowie ein Kammerorchester. Rihms Oper füllt sich mit vielen unterschiedlichen Musikstilen und läuft in 13 Bildern ins Verderben. Die Übergänge von einem Bild zum anderen werden durch einen Gauschleier vor der Bühne vollzogen, der wieder entschwindet, um die nächste Szene aus dem tristen Daseins von Lenz zu erzählen. Anfangs keimt immer wieder Hoffnung auf, die aber dann gleich wieder von der psychotischen Hölle verschlungen wird.

Jakob Lenz flüchtet vor unheimlichen Stimmen in eine unwirtliche Felsenlandschaft. Der brave Seelsorger und Psychologe Pfarrer Oberlin (Henry Waddington) nimmt den suizidgefährdeten Lenz bei sich auf – auf Anraten von Kaufmann. Lenz wird von Alpträumen verfolgt und immer wieder kommt die Erinnerung an Friederike auf, eine Frau, um die er gemeinsam mit Goethe warb. Lenz verliert sich immer mehr und es taucht Kaufmann auf. Er ist streng und kalt, und will ihn mit Disziplin auf den rechten, gesunden Weg zurückbringen. Er verwickelt ihn in ein ernstes Gespräch über Kunst und überbringt ihm die Botschaft seines Vaters, doch nach Hause zurückzukehren. Lenz kann nicht, will nicht, will lieber getröstet werden und flüchtet erneut ins Gebirge. Oberlin und Kaufmann dringen nicht mehr zu ihm durch und als er vergeblich versucht, ein totes Mädchen zum Leben zu erwecken, stürzt er endgültig in die geistige Umnachtung.  Er hört Stimmen, die Friederikes Tod ankündigen. Neonlampen verstärken die Trostlosigkeit.

Hoffnungslos verlassen ihn Beide und Lenz bleibt allein, in Zwangsjacke, verdreckt und verlassen auf einem Krankenbett zurück mit dem Wort konsequent auf den Lippen..

Hören Sie denn nichts, hören Sie denn nicht die entsetzliche Stimme der Stille, die um den ganzen Horizont schreibt, und die man gewöhnlich die Stille heißt“ (Büchner, Lenz, 1839)

Unterstrichen  und gestützt wird die Handlung von einer grandiosen Inszenierung, die Musik und Handlung hervorhebt. Es gibt keine Farben, nur grau, schwarz, weiß und manieristische Lichteinfälle. Überhaupt durchziehen viele Gemälde der letzten Jahrhunderte das Geschehen. Einmal liegt Lenz da zu Füßen von Oberlin wie eine flämische Grababnahme. In einer andereren Szene muss man an einen Passionsweg denken, den Caravaggio hätte malen können.

Michael Fröhling hat das Libretto nach Büchners Erzählung geschrieben.  Der hervorragende Bariton Georg Nigl (Lenz) gibt alle Töne von sich, die ein Mensch hervorbringen kann. Sprechen, Schreien, Flüstern, Quietschen, Lyrik in allen Lagen. Die Zuschauer werden permanent zwischen  Panik, Schrecken, Hoffnung, Mitleid, Milde, Wahnwitz und Widerwille hin – und hergerissen.  Übertreibung wird von Pathos und Gleichgültigkeit abgelöst.  Die Landschaft ist wildromantisch, felsig, schwierig zu bewältigen. Es ist dunkel oder Halbdunkel, Spiegel auf der Bühne betonen dieses Unwohlsein, und man stellt sich die Frage, wer wo ist und wo die Zerstörung gerade wütet. 

Großartige Aufführung und großartige Darbietung der Protagonisten. Am Pult vor nur einer Handvoll Musikern Franck Ollu. Das Bühnenbild hat Martin Zehetgruber gemacht.

Jakob Lenz ist ein Meisterwerk und dauert nur 80 Minuten sehr intensive Minuten die uns schon an die Grenzen kommen lassen.

 

lenz

Christa Blenk

 

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Piedad y terror en Picasso

PICASSO-Guernica

 

Piedad y terror en Picasso – El camino a Guernica

Pablo Picassos größtes und wohl bedeutendstes Werk ist das Antikriegsbild Guernica. Ein verzweifelter Aufschrei auf knapp 30 Quadratmetern, ein Synonym für Kriegsgräuel und eine Parabel für Leid, Krieg, Zerstörung.

 1936 wird der in Paris lebende spanische Maler Picasso (1881-1973) von der republikanischen spanischen Regierung zum Direktor des Prado Museums ernannt und bekommt anschließend von ihr den Auftrag, ein repräsentatives Bild für den spanischen Pavillon anlässlich der Weltausstellung 1937 in Paris zu malen.

 Die baskische Kleinstadt Guernica (Gernika) wird im April 1937 von der Luftwaffeneinheit der deutschen Wehrmacht im spanischen Bürgerkrieg, der Legion Condor, bombardiert und komplett zerstört. Picasso erfährt durch die französisch-kommunistische Zeitung L‘Humanité von dieser brutalen Aktion, verwirft sein bereits konzipiertes, „unpolitisches“ Pavillon-Konzert Maler und Modell und macht sich an eine Arbeit, die einerseits Anklage und andererseits Aufarbeitung dieses Kriegsaktes sein wird. So entsteht eines der Schlüsselwerke der bildenden Kunst des 20. Jahrhunderts.

 Das Riesenformat des Gemäldes, es misst knapp 350 x 780 cm, wurde durch den katalanischen Architekten des Pavillons, Josep Luis Sert (1902-1983) vorgegeben. 27 Quadratmeter müssen erst einmal gefüllt werden. Ein schwieriges Unterfangen für Picasso, der am liebsten Portraits nach Modell (meist die Frau, mit der er gerade lebt) oder Stillleben malt, auf jeden Fall eher kleinformatige Innenraumszenen. Und dementsprechend passiert auch sein Guernica in einem geschlossenen Raum ohne Wälder, Wiesen, Berge und so gut wie ohne Farbe.

 Von rechts nach links geht die symbolträchtige Legende, konform des vorgegebenen Weges durch den Pavillon. Defragmentierte Figuren und Figurengruppen füllen das Bild fast komplett aus. Picasso hat hier einen Raum gemalt, dessen Wände nicht durchbrochen werden können und die Handlung nicht entkommen kann, so wie auch das Volk von Guernica nicht entkommen konnte. Frauen flüchten vor züngelnden Flammen, schreiende, weinende Gesichter, durcheinander liegende Gliedmaßen, Köpfe, Pferde schweben schwerelos dahin und stoßen permanent an eine Mauer. Auf der linken Seite eine Pietà. Ein Speer, der von oben in das Pferd eintritt, symbolisiert den Bombenfall. Das einzig hoffnungsvolle Detail in dem Bild ist ein Olivenzweig, der aus der Faust eines Kriegers wächst und baldigen Frieden vorhersagen möchte. Picassos Inspirationen sind die Triptychen von Dix oder Beckmann, aber auch Delacroix, Goya oder die Passionsikonografie der katalanischen Malerei sowie der Altar von Isenheim sind hier zitiert. Raserei, Aktion, Gewalt, Grausamkeit, Angst und Schmerz bestimmen das Bild, in dessen Zentrum nur noch ein unglücklicher Trümmerhaufen auszumachen ist. Fünf intensive Wochen arbeitet Picasso an dieser Schwarz-Graublau-Weiß-Sinfonie, dessen Figuren aufgrund fehlender Perspektive auf die Betrachter zu fallen scheinen. 46 Einzelstudien vorbereiten und begleiten das  Guernica-Epos. 

Der Kubismus ist allerdings in den 1930er Jahren längst obsolet und Picasso selber befindet sich nach der Begegnung mit André Breton in einer Surrealismusphase. Monströse Fratzen, Disharmonien oder Widrigkeiten, die die Begriffe Humanität und Zivilisation in Frage stellen sollten, sind durchaus schon in einigen Arbeiten der 1920er Jahre zu erkennen. Auch der Minotaurus erscheint schon lange vor Guernica. Picasso war ein begeisterter Stierkampfanhänger und hat 1935 – also zwei Jahre vor Guernica seine Minotauromachie frei nach Goya veröffentlicht. Auch hier geht es um Gewalt und Tod. Das Genie steht mitten in einer Krise, seine neue Freundin, die sehr junge Marie-Thérèse Walter bekommt ein Kind von ihm (Maya), er lernt Dora Maar kennen und seine Frau Olga verlangt die Scheidung (wozu Picasso – wohl  aus wirtschaftlichen Gründen – nie einwilligte und so war Olga bis zu ihrem Tod 1955 Mme Picasso).  

 1925 entsteht das Bild Drei Tänzerinnen – es gehört der Tate London. Picasso setzt sich darin schon mit der Figurenbildung und deren Zerstörung auseinander, wie er dies – mitten in seiner blauen und rosa Periode – vor allem bei seinem 1907 entstandenen Meisterwerk Les Demoiselles d’Avignon tut: In Guernica vereint er diese Technik mit einer kubistisch, surrealistischen Historienmalerei.

 Weitere bedeutende Exponate kommen aus dem Guggenheim Museum New York wie Mandoline und Gitarre (1924) oder die Sich kämmende Frau (1940) aus dem Pariser Picasso Museum, noch im Guernica Stil.  Das Stillleben mit Totenkopf, Lauch und Krug kommt aus San Francisco. Picasso hat es 1945 gemalt und es kündigt seine zukünftige Farbgebung an.

 In der Zeit der Guernica-Serie entstehen außerdem eine Reihe von Radierungen, die Picasso Traum und Lüge Francos nennt. Dem leidenschaftlichen Künstler, der zwar dann und wann von Paris aus mit den Kommunisten kokettiert aber dennoch eher unpolitisch vor sich hin malt und lebt, geht der Bürgerkrieg in seinem Heimatland dennoch sehr unter die Haut.

 Guernica ist ein Passionsweg, eine griechische Tragödie, die nach Ende der Weltausstellung eine lange Odyssee antreten sollte. Nach der Pariser Weltausstellung 1937 geht das Gemälde erstmals wieder in den Besitz von Picasso über. Im Rahmen einer Wanderausstellung kommt es 1938 nach Skandinavien und nach London bis es 1939 schließlich New York erreicht, wo es 47 Jahre auf seine Rückkehr nach Spanien warten sollte. Diese passierte erst 1981, denn Picasso hatte verfügt, dass Guernica erst in ein durch und durch demokratisches Spanien zurückkehren dürfe!

Picasso selber wendet sich nach dem zweiten Weltkrieg wieder seinen  Frauen-Portraits zu – eine Dramatik wie bei Guernica hat er hingegen nicht wiederholt.  

 Zum 80. Geburtstag der Entstehung von Guernica haben die Kuratoren Timothy James Clark und Anne M. Wagner für das Madrider Museo Reina Sofia die Ausstellung Erbarmen und Terror in Picassos Werk: Der Weg zu Guernica organisiert. 

 180 Exponate – wovon 150 permanent im Museum Reina Sofia zu sehen sind – werden miteinander in Verbindung gebracht und beschreiben Picassos Entwicklung und Stilveränderung ab den 1920er Jahren hin zu Guernica und die Zeit danach. Es ist eine Brücke von einer hoffnungsvollen Zeit bis nach dem Zweiten Weltkrieg mit Guernica in der Mitte.

 Die Ausstellung ist noch bis zum 4. September 2017 im Madrider Museo Reina Sofia zu sehen.

 Christa Blenk

 

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Colombian Youth Philharmonic erfindet Strawinsky neu

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Mit der Colombian Youth Philharmonic unter Leitung von Andrés Orozco Estrada wurde gestern Abend im Konzerthaus das Festival Young Euro Classic 2017 eröffnet. Für das noch junge Orchester – es wurde vor sieben Jahren gegründet – eine Station auf ihrer ersten Europa-Tournee.

Der humorvolle, junge, charismatische und mit allen Weltbühnen vertraute kolumbianische Dirigent Andrés Orozco Estrada hat sich für diese Tournee etwas ganz Besonderes ausgedacht und mit einer spektakulären choreografischen  Aufführung von Strawinskys Le Sacre du Printemps das Publikum in Begeisterungsstürmen ausbrechen lassen. Musiker und Instrumente wurden zum Ballett.

Es war dunkel im Raum und still. Dann eine Cello-Note, die sich alle zwei oder drei Sekunden wiederholte. Die Musiker bewegten sich im Trauermarsch, einen Kontrabass tragend,  auf die Bühne zu und nahmen dort Platz. Hintereinander knipsten sie alle ihre Pultlichter an bis das Feuer auf die Leinwand hinter der Bühne übersprang und zu flackern anfing. Das Rascheln mit Gold-Metallpapier erzeugte knisternde und  knackende Feuergeräusche. Man fühlt sich fast wie in einer Ballettaufführung von Pina Bausch.

Großartiger Effekt, der sich während der kompletten Aufführung wiederholte. Abwechselnd fanden choreografische Bewegungen von Musikern und Instrumenten statt. Geigenbögen wurden zu Schwertern, Perkussionsinstrumente zu Donnerwerkzeugen und Blechinstrumente zu szenischen  Feuerspielen. Die Musiker spielten und schauspielerten auf das Finale zu und wurden von donnerndem Applaus abgelöst.

Vor der Pause sang die in Frankfurt lebenden kolumbianische Sopranistin Juanita Lascarro die Straußlieder „Morgen“ op. 27 Nr. 4 (1894); „Traum durch die Dämmerung“ op. 29 Nr. 1 (1895), „Liebeshymnus“ op. 32 Nr. 3 (1897), „Cäcilie“ op. 27 Nr. 2 (1897) und drei Lieder von Jaime León „la calle está desierta“, „Cuano lejos, muy lejos“, „Algún día in spanischer Sprache.

Begonnen hat das Konzert  mit einer interessanten Komposition des jungen peruanischen Komponisten Jimmy Lopez (*1978)  „América Salvaje“ (2006). Hier kamen drei traditionelle südamerikanische oder peruanische Instrumente, wie die Okarina-Flöte oder eine Wasserpfeife, zum Einsatz und das Publikum wurde in den tiefsten Amazonas  umschwärmt von Mücken und Dschungelgeräuschen transportiert. López zählt schon zu den bedeutendsten Nachwuchskomponisten und ist vielfacher Preisträger. Im Jahre 2000 hat er sich in Helsinki nieder gelassen, auch um dort seine Studien fortzusetzen.

Der in Wien lebende Andrés Orozco-Estrada wurde 1977 in Medellin/Kolumbien geboren. Er ist Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters.  Sein Schwerpunkt liegt auf der Wiener Klassik, obwohl sein Interesse an zeitgenössischer Musik sehr groß ist – genau das hat das Programm gestern Abend auch bestätigt.

Juanita Lascarro ist auch Kolumbianerin und seit 2002 festes Ensemblemitglied  der Frankfurter Oper. Nach einem Biologiestudium hat sie in Köln Gesang studiert.  Lascarro war als Liedsängerin Artist in Residence und Special Guest beim Bath Chamber Music Festival und hat ein sehr umfangreiches Repertoire.

Schon heute - während des Publikum immer noch nachschwärmt – machen sich  die 120 Musiker des Ensembles auf dem Weg nach Graz, wo der leidenschaftliche Dirigent Andres Orozco Estrada übrigens debütierte. In Graz wird das bestechende Programm gleich zwei Tage hintereinander aufgeführt. 

Mehr kann man von einem Konzertabend nicht erwarten.!

Christa Blenk

 

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Zwischen Ostsee und Achterwasser

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Blick vom Garten auf Leiter, Boot und Achterwasser

 

Nur knapp 300 Meter Land, ein wenig mehr als ein Steinwurf, liegen dort Ostsee und Achterwasser. Auf dieser engsten Stelle der Insel Usedom steht ein S-Bahn-Wagen. Der Maler Otto Niemeyer-Holstein (1896-1984) hat ihn im Jahre 1932 für 60,50 Mark in Berlin-Rummelsburg gekauft und ihn 1933 (ohne Räder, denn diese hat jemand anderes gekauft) unter großem finanziellen und technischen Aufwand und mit viel Phantasie an diesen sandigen Fleck gebracht. 1932 legt er dort – aus Berlin kommend – mit seinem Segelboot Lütter an. Außer einem großen Schuppen, einem holprigen Pflastersteineeg, ein wenig Ried und krumme Weiden gibt es sonst dort nichts. Genau was er sucht, nur ein paar Meter zum Strand. „Hier will ich leben, hier will ich sterben“, ruft er und geht an Land. Niemeyer hat sein Paradies, sein Refugium, das ihm für den Rest seines Lebens Geborgenheit, Schutz und Inspiration werden sollte, gefunden. Sein Segler „Lütter“ sollte auch dem Ort Lüttenort den Namen geben.

Der Maler Niemeyer, der eigentlich Gärtner werden wollte, hat im Laufe der Zeit einen Skulpturen-Zaubergarten um den Wagen herum angelegt, wie ihn Klingsor nicht schöner hätte erträumen können. Jahrelang waren er und seine Familie Selbstversorger. Im Obstgarten lehnt immer noch die lange Leiter am Baum und lädt zur Ernte ein. Weiter weg entdeckt man eine leicht überwucherte Getreidemühle und eine große Schiffsglocke. In einer anderen Ecke – im japanischen Garten – gibt es China-Wacholder und allerlei Sträucher und ein wenig weiter liegt der  Kastanienhof sowie ein Quittengarten  und von fast allen Plätzen aus kann man auf eine Lagune des Peenestromes, das Achterwasser, blicken. Dort liegt noch ein Boot und der Wind streift leise über die Schilfgräser, vertreibt die Wolken und lässt die Konturen überdurchschnittlich scharf hervortreten. Alles ist sehr gepflegt und doch ist hier die Natur kein bisschen beschnitten.

 

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« Paar » Wolf-Eike Kuntsche; Waldemar Grzimek « Torso »; Wieland förster « Große Stehende »

 

31 Skulpturen von Künstlerfreunden wie Waldemar Grzimek, Sabina Grzimek, Sabine Teubner, Wolf-Eike Kuntsche, Werner Stötzer und viele mehr beleben den Garten, verstecken sich und stehen miteinander im Dialog. Niemeyer hat sie entweder geschenkt bekommen oder sie gegen seine Bilder eingetauscht. Auch die Kopie eines römischen Augustus‘ ist darunter. Zweige ringen sich um seinen Fuß, fast wie bei Berninis Daphne. Dieser Garten gehört sicher zu den schönsten Skulpturengärten, die ab den 1960er Jahren fast überall in Europa wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Ich denke da an das Kröller-Müller Museum/Otterlo, die Skulpturenmeile in Hannover oder die Museumsinsel Hombroich. Ein Tor aus alten Schiffsbalken führt auf der Rückseite zum Achterwasser. Eine Zeitlang ist auch allerlei Viehzeugs dort rumgelaufen, das dann später auf den Tisch kam. Die Not war oft groß, denn erst ab den 1960er Jahren hat Niemeyer-Holstein gut vom Verkauf seiner Bilder leben können. Unter der recht einfachen Einrichtung sticht das Kieler Zimmer besonders heraus. Niemeyer hat es aus seinem großbürgerlichen Elternhaus in Kiel auf die Insel transportieren lassen. Das einzige was ihm aus der Zeit geblieben ist.

 

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Griechische Skulptur mit Blick auf das Haus

 

Das was man heute dort sieht erinnert nur noch ganz entfernt an das unwirtliche, kleine Stück Moorland. Der Boden ist befestigt und der Garten gewachsen, wie dies auch die Bäume und Sträucher taten. Sogar der S-Bahn-Wagen bekommt nach und nach ein Obergeschoss mit Schlafräumen, die über eine ganz steile Hühnerleiter zu erreichen sind, und links und rechts gibt es jetzt kleine Anbauten. Von außen erkennt man den Wagen nur noch, wenn man weiß, dass er die Basis dieser originellen Behausung bildet. Tritt man aber ein, ist man überrascht, wie breit so ein öffentliches Transportmittel doch ist. Erst viele Jahre später kann Niemeyer sich ein gemütliches und sehr schönes Atelier in der Nähe des Wagen-Hauses errichten. Dorthin zieht er sich auch zurück, wenn ihm die Besucher einmal zu viel werden. Tabu steht an der Tür und daneben hat der ehemalige starke Raucher handschriftlich einen Hinweis auf das herrschende Rauchverbot angebracht.

 

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ONHs Weg zum Strand und Wellenbrecher

 

Hier ist die Zeit stehen geblieben. Es fehlt nur noch, dass plötzlich der Wasserkessel zu pfeifen anfängt und uns der Duft eines selbst gebackenen Marmorkuchens in die Nase steigt. Sogar der Fellmantel, den er immer trug, wenn er im Winter Bahn und Straße  überquerend zum Meer ging, hängt noch dort und macht ihn unsterblich.

1896 wird Niemeyer als Kind eines international bekannten und recht wohlhabenden Völkerrechtlers geboren. Schon mit knapp 10 Jahren schenken ihm seine Eltern das Segelboot Lütter, mit dem er 25 Jahre später Usedom erreichen sollte. 1914 meldet er sich freiwillig zu den Husaren und kehrt verletzt wieder nach Hause zurück. Um sich zu erholen, schicken ihn die Eltern in die Schweiz und dort fängt er an zu malen – aus Langeweile und als Autodidakt wie er selber sagte. Fundamental für seine Künstlerkarriere ist die Begegnung mit Alexej von Jawlensky und dessen Partnerin Marianne von Werefkin. Der Bohemien-Lebensstil der Beiden liegt ihm, dem gutbürgerlichen Kieler Kind zwar nicht, auch war ihm Jawlenskys schriller Expressionismus zu kompliziert und zu weit hergeholt aber Niemeyer lernt, wie wichtig es für einen Künstler ist, eine eigene Handschrift zu haben. Er weiß nun, was er will: nämlich malen, was sein Auge wahrnimmt, nicht mehr und nicht weniger. Mit 24 heiratet er Hertha Langwara, eine sensible und weltfremde Sängerin. Die beiden bekommen einen Sohn. Herthas Bildnis entsteht 1920; es lässt den Einfluss von Jawlensky erkennen. Das Portrait hängt im Museum in Lüttenort und ist sicher eine seiner interessantesten Arbeiten.

 

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 Tor zum Achterwasser

Lyonel Feininger lernt er 1923 kennen und gründet mit anderen Malern kurz darauf die Künstlergruppe Der Große Bär in Ascona/Italien. Es gibt ein Bild von ihm in Anzug und Weste in den Schweizer Bergen wo er eher wie ein Fremdkörper in der Landschaft steht und als Maler nicht zu identifizieren ist. Ein Jahr später lässt er sich von Hertha scheiden. Seine zweite Ehe mit der gebildeten Annelise Schmidt sollte sein Leben lang halten. Aber auch Begegnungen mit Otto Manigk oder Herbert Wegehaupt, der sich übrigens auch auf der Insel Usedom niederließ,  waren wichtige Ereignisse in seinem Leben.

« Der hat mir interessiert, aber ick hab’n noch ‘n kleen’ Stups jegebn. Aus dem wird wat, denn der klaut sich de Farben aus’m Meer » (der Berliner Maler Max Liebermann über Niemeyers Malversuche in den 1920er Jahren)

Hin und wieder macht Niemeyer einen Anlauf und schreibt sich in einer Kunstakademie als Student ein, muss aber nach kurzer Zeit feststellen, dass ihn der dort gepredigte Akademismus nicht weiter bringen wird und bricht ab. Otto Niemeyer-Holstein, der seine Bilder mit ONH signierte, war und blieb ein Autodidakt, geprägt von Menzel und Morandi, den großen Franzosen des 19. Jahrhunderts wie Cezanne oder Gauguin, aber auch von den Malern der Brücke, von Heckel oder Otto Müller. Paula Modersohn-Beckers Farben tauchen immer wieder auf und einige seiner Akte erinnern an Picassos blaue und rosa Periode. Mit der Zeit wird aber die Ostsee sein Modell. Tagein, tagaus besucht er sie und malt die täglichen Stimmungen, die Wasserveränderungen, die Wellenbrecher, Eisberge am Strand oder den Weg dorthin. Die permanente Suche, die Ostsee zu verstehen, sie festzuhalten,  hat ihn zum Künstler gemacht. Bildnisse nennt er seine Portraits. Sie sind neben Landschafts- und Naturbildern der Hauptbestandteil seines künstlerischen Werkes.

Die Niemeyers leben zwar zurückgezogen, aber nicht isoliert. Dafür hatten sie viel zu viele sehr interessante Freunde auch aus der wilden Berliner Zeit in den 1920er Jahren. Man führt ein offenes Haus und ständig kommen Freunde oder andere Künstler zu Besuch, es herrscht reger künstlerischer Austausch. Seefahrer aus dem Ort bringen ihm afrikanische Masken und Skulpturen von ihren Reisen mit und bekommen Bilder dafür.

Das Werkeverzeichnis des Museums ist ein unglaublicher Spaziergang durch die Moderne. Angezogen vom Expressionismus und von der Neuen Sachlichkeit, kümmern ihn Tendenzen oder Moden trotzdem eher weniger.

Anfangs waren es nur ausgedehnte Sommer, die die Familie auf Usedom verbringt. Ab 1939 wird das Refugium zum permanenten Wohnsitz. Peenemünde ist nur knapp 30 km von Lüttenort entfernt und der Krieg bringt so einige kritische Momente. Ab 1940 versteckt er aber trotzdem seine jüdische Schwiegermutter dort. Hin und wieder fallen Bomben in die angrenzenden Wiesen und in den letzten Kriegsmonaten wurde das Land um ihn herum vermint, aber die geplante Sprengung 1945, die diese engste Stelle auf der Insel, wo sein Haus steht, fluten sollte, wird nur ganz knapp verhindert, weil sowjetische Truppen die Insel besetzen.

Vor dem Krieg waren seine Werke von den Nazis „nicht erwünscht“ (allerdings wird Niemeyer nur in wenig Museen vertreten und so konnte auch nur ganz wenig verschwinden) und nach dem Krieg, in den 1950er Jahren gerät ONH in den Kunststreit der DDR. Eine Ausstellung in Dresden findet ohne seine Bilder statt. ONH malt Lenin-Ikonen  für öffentliche Gebäude. Er darf dann aber doch 1954 in Mannheim ausstellen. In den 1960er Jahren reist Neumeyer nach China, Taschkent, Samarkand und Buchara und wird 1963 Präsident der internationalen Ostsee-Biennale in Rostock. Erst ab den 1970er Jahren häufen sich seine Ausstellungen, auch in Italien und Norwegen. 1981 wird sein Gesamtkunstwerk in Rostock gezeigt und der Fernsehfilm „Und der Strand ist meine Geliebte“ gedreht. Ein einfühlsamer, langsamer Film mit vielen Sprechpausen. Er läuft im Museum und ist wirklich sehenswert. ONH sagt ganz wichtige Dinge so en passant, als ganz persönliche Reflexion. Er hätte kein Talent, er müsse sich alles erarbeiten. Aber das sei gut so. Künstler mit viel Talent sind mit 25 Jahren fertig.. 86jährig lernt er immer noch täglich etwas hinzu. 1984 stirbt Otto Neumeyer-Holstein und ein paar Monate später folgt ihm seine Frau Annelise.

 

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 Eingang zu seinem Atelier

 

Schon ein Jahr nach seinem Tod, also 1985, wird Lüttenort Museum und Ort der Begegnung -ganz nach seinem Wunsch. Dort finden jetzt regelmäßig Konferenzen und Konzerte statt und abwechselnd auch Ausstellungen mit Werken von seinen Malerfreunden. Das Museum wird 2001 nahe am Atelier errichtet. Ein kleines Paradies, bei dem die vielen Bäume den Lärm der Schnellstraße fast komplett auffangen.

Otto Neumeyer-Holstein hat an die 5000 Arbeiten (Zeichnungen, Aquarelle, Ölgemälde oder Radierungen) hinterlassen. Ein Großteil gehört dem Museum. Die Bilder hängen aber auch in  Museen in Berlin, Leipzig, Rostock, Dresden, Ascona, Kiel, Oberhausen, Mannheim oder im Folkwang Essen zu sehen. An die 500 sind in Privatbesitz, die meisten dokumentiert und in einem sagenhaften Werkeverzeichnis aufgeführt.

Christa Blenk

Fotos Christa Blenk

 

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Combattimento x 2

combattimento Chiaroscuro Consort Ensemble
Chiaroscuro  Consort Ensemble

Zwischen Gebet und Tod oder: was hat eine Wrestler-Arena mit Monteverdi zu tun?

Nach dem ersten Regieprojekt von HfM Hanns Eisler Berlin und der Neuköllner Oper im Februar 2016, bei dem sich drei Regisseurinnen in je unterschiedlichen Produktionen mit der Zauberin Armida befasst hatten, fand an diesem Wochenende die zweite Nacht der Talente in der Neuköllner Oper statt. Auch dieses Jahr nach einem Epos von Torquato Tasso.

Combattimento x 2 ist das diesjährige Projekt von Tristan Braun (Trauma) und Marielle Sterra (Catch3000), beide aus dem Masterstudiengang Musiktheaterregie der HfM. Braun und Sterra setzen sich auf ganz unterschiedliche Weise mit Claudio Monteverdis dramatischen, achtenMadrigal nachTorquato Tassos Epos “das befreite Jerusalem“auseinander, das wiederum als Grundlage für Monteverdis bahnbrechendes und richtungsweisendes Kriegsdrama“Ilcombattimento di Tancredi e Clorinda“herhielt. Das Madrigal-Drama wurde im Jahre 1624 während des Karnevals im Palast von GirolamoMocenigo in Venedig uraufgeführt.

I: Trauma

Der traumatisierte, christliche Kreuzfahrer Tancredi (Georg Drake) wirft achtlos den leblosen Körper von Clorinda (Isabel Reinhard) auf die Bühne. Er kann es nicht glauben, dass er im Zweikampf seine als Krieger verkleidete Geliebte, die Sarazenin Clorinda, getötet hat. Er dreht, wendet und faltet sie zu Monteverdis schön-rasender Musik, er versucht sie wiederzubeleben, aber ohne Erfolg natürlich. Denn die Geschichte will ja, dass sie stirbt. Verzweifelt wickelt er sie in einen durchsichtigen Plastiksack, den schwarze Hände hinter den Vorhangziehen, dieser öffnet sich und ein minimales Feldlager kommt zum Vorschein.

Um sein Trauma zu verarbeiten, muss er in der Zeit zurückgehen und das Vorher und Nachher beleuchten. Clorinda steht nun einem Heer von wütenden Christen in Springerstiefeln, die ihr Christentum mit vor der Brust gekreuzten Hosenträgern zur Schau stellen, gegenüber, verliert den Kampf, will aber wenigstens das Paradies gewinnen und lässt sich – jedenfalls bei Tasso – kurz vor ihrem Tode noch schnell taufen.

Monteverdis Combattimentodauert nur knapp zwanzig sehr intensive Minuten. Braun hat deshalb weitere Monteverdi-Madrigale und eine Passacaille von Luigi Rossi eingebaut und verlegt die Geschichte kurzerhand ins Paradies, wo eine wütende Clorinda mindestens 1 kg Äpfel zum Tremolo und Pizzicato der MontevediMusik zerquetscht.

Musikalisch ausgezeichnet begleitet vom ChiaroscuroConsort Ensemble.

Trauma
Trauma

 

II: Catch3000

„Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie Shawn im Matsch zu ihm „I’msorry, I loveyou, sagte und ihn dann unter Tränen pinnte.“(Peter NastkeSpecial Guest)

Der Zeremonienmeister und Schiedsrichter verteilt beim Betretender Arena Namensschilder. Wir nehmen unseren Platz ein und sehen uns nun gegenüber auf der Leinwand sitzen und werden somit zu Zuschauern der Zuschauer.

Beim Wrestling geht es um Schmerz, um Niederlage, um Mut und um Gerechtigkeit, offenbart die Managerin von TancrediThe Tankvor dem entscheidenden Match an. Die Bühne ist nun eine Kampfarena, und dort spielt sich Marielle SterrasCombattimentoab. Hier geht es nicht nur um den Kampf zwischen Christen und Muslimen oder Griechen und Trojanern, hier geht es um den Kampf zwischen den Geschlechtern. Eine Kamera ist live dabei, begleitet Kämpfer und Aktion. Der Zeremonienmeister, Schiedsrichter und Erzähler Testo(Aciel Pol)brieft uns vor dem Gefecht und übt mit uns die Ahs, Ohs und Buhs! Unter christlicher Beweihräucherung und aufgestachelt von den Managern Schrappe (Dennis Depta) und Katchy(Kara Schröder) ziehen die Krieger Quicksilver (Eva Hüster) und The Tank (Felix Witzlau) mit furchterregenden Masken in die Manege und wir halten euphorisch und jubelnd unsere Anfeuerungsplakate hoch. Der Kampf beginnt. Als TancrediThe Tankallerdings feststellt, dass es sich bei seinem Gegenüber um Clorinda Quicksilverhandelt, gibt er auf und verlässt die Arena. Er will kein Trauma, wie wir es im ersten Teil erleben mussten.

Das darauf folgende Match wird von Achill und der Amazonenkönigin Penthesilea ausgetragen und wird eher ein Verbales. Die Managerin tritt frustriert ab und der Schiedsrichter bedankt sich beim Publikum fürs Kommen. Hier wird es kein Blut mehr geben, aber dafür wohnen wir einem waschechtes Waterbording (stellvertretend für die Taufe) bei, aus dem schließlich Clorinda / Penthesilea als Siegerin hervortritt. Eine Glanzleistung von Felix Witzlau und Eva Hüster, die zwischen den kurzen Momenten wo sie den Kopf gerade nicht im Wasser haben aber den Kopf des Antagonisten dafür gerade reindrücken, immer noch schön singen oder rezitieren können.

Musikalisch begleitet durch La Flute (MarinelleDell’Eva) am Cembalo.

Catch3000 (1)
Catch3000

 

Brillante Ideen die großartig umgesetzt und interpretiert wurden. Beide Abende waren übrigens ausverkauft!

Die HfM Hanns Eisler Berlin gehört zu den bedeutendsten Musikhochschulen in Europa. Aus ihr kamen u.a. bekannte Absolventen wie Sol Gabetta, Isabelle Faust, Vladimir Jurowski oder Roman Trekel.

Christa Blenk

 

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Pierre Boulez Saal – Vortrag von Jörg Widmann

 
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Am dritten Tag der Eröffnungswoche des Pierre Boulez Saales in Berlin kommt der Münchner Komponist und Klarinettist Jörg Widmann und spricht über die „Schönen Stellen“ in der Musik, besser gesagt über seine „schönen Stellen“ in der Musik. Er zitiert dabei einen Aufsatz von Theodor W. Adorno aus 1965 und erzählt, dass Adorno dem Publikum vorwarf, nur  wegen der Schönen Stellen die Konzerthäuser aufzusuchen. Um sich das ganze aber zu relativieren, zitiert er am Schluss seine Liebensstellen in der Musik.

Jörg Widmann holt die großen Komponisten wie Beethoven, Mozart, Alban Berg, Schönberg, Brahms, Lachenmann, Stockhausen, Schumann und Carl Maria von Weber auf die Bühne und erklärt anhand von Beispielen, die er con brio und sehr animato auf dem Klavier spielt, warum gerade diese Stelle eine Schöne ist.

Er spricht über seine erste Begegnung mit Pierre Boulez und verrät, dass er ohne diese Entdeckung ein ganz anderer Musiker geworden wäre. Pierre Boulez wäre begeistert von diesem Raum, fährt er fort, denn ein Großteil  seiner Musik sei für Raumsituationen geschrieben worden, die eine solche Klangfreiheit bieten.

Seine schönen, oder verrufenen Stellen beziehen sich immer auf den Mut des jeweiligen Komponisten, plötzlich etwas anderes, etwas Unerwartetes zu versuchen und das bisher gekannte und praktizierte tonale System einfach zu brechen. Hier zitiert er Beethovens Erste, Mozarts Cosí fan Tutte oder Schumann überhaupt um uns kurz darauf den Walzer aus dem Freischütz vorzuspielen. Er schwärmt von Ausnahmen, von « fast » gefährdeter Schönheit, die sich durch den Überraschungseffekt einer ihr vorher gehenden Dissonanz in die Reihe der schönen Stellen einordnen wird. Hier wird Lachenmann mit Mozart und Stockhausen mit Brahms in Verbindung gebracht. Er versichert, dass atonale Musik wie tonale klingen kann – je nach Orchester und Annäherung und zitiert Peter Handke, Baudelaire und Hölderlins Heilig nüchternes Wasser.

Besonders angetan haben es ihm Schumanns Fieberkurven, die am besten mit Humor vorgetragen werden sollen und, getrieben durch ein stetiges presto possibile, davon rennen. Er lobt die Verrückungen, die durch diese Fieberkurven entstehen. Widmann ist mehr als appassionato, wenn er allein aber trotzdem a quattro mani , con forza e fuocoso ganze Orchesterpassagen am Klavier vorführt. Con furore haut er in die Tasten, um immer wieder zu sagen „Aber Mozart hat das nicht so gemacht“ ….. Con grandezza und Bescheidenheit den alten Meistern gegenüber wird er selber zu einem der großen jungen Meistern, der die komplette Musikgeschichte auf Befehl abrufen kann und ihm  « fällt schon wieder ganz viel ein“! (Hier spricht er über Brahms. Unreife Kritiker haben das Anfangsthema der vierten Sinfonie mit den Worten « Ihm fällt schon wieder nichts mehr ein » abgetan. Das zum Thema Musik-Rezension!).

Zum Schluss hat er sich und uns gewünscht, dass wir in Zukunft vielleicht ein wenig anders in die Musik hinein hören werden!

Lieber Herr Widmann, das hat funktioniert. Dieser Einführungs- und Vorführabend seiner « schönen Stellen » war für die Anwesenden sicher ein Highlight in dem noch ganz jungen Pierre Boulez Saal! Der stürmische Applaus hat das bestätigt.

Der Abend, assai armonioso und vivacissimo, mit dem Komponisten und Klarinettisten Jörg Widmann gleicht einem Traum, der alla marcia, animato und con brio, andantino, ma non troppo  an uns vorüberzieht. Bis zum  al fine halten wir den Atem an, um ja nichts von ihm zu verpassen oder zu überhören!

Wir haben nur einen Wunsch:  da capo!

Vielen Dank, Maestro!

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Und nun noch ein paar Worte zum Saal und zu seiner Entstehungsgeschichte:

Daniel Barenboim gründete 1999 zusammen mit dem palästinensischen Literaturwissenschaftler Edward Said das West Eastern Divan Orchestra. 2015 entstand die Barenboim-Said Akademie, die nun im ehemaligen Intendanz- und Magazingebäude der Staatsoper Berlin untergekommen ist. Dazu gehört der Pierre Boulez Saal mit 650 Sitzplätzen. Der große Architekt Frank Gehry hat diesen ellipsoiden Innenraum entworfen. Das Auf und Ab ist wie leichter Seegang, nüchtern, mit hellem Holz. Das Konzept dieses Saales passt ganz wunderbar zur experimentellen Musik des großen Komponisten, der dem Saal seinen Namen gegeben hat: Pierre Boulez

Christa Blenk

 

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Cy Twombly – Retrospektive im Centre Pompidou

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 Saalansicht, im  Vordergrund die Reise von Sonnengott
Ra auf seinem Sonnenschiff

 

Die Schönheit der Schiefertafel

Seinen  40. Geburtstag feiert das Pariser Centre Pompidou u.a. mit einer umfangreichen und einzigartigen Retrospektive über den amerikanischen Künstler Cy Twombly ( 1928-2011); die Schau deckt 60 Jahre seines Künstlerlebens ab.

Es ist nicht das erst Mal, dass Twombly in Paris zu sehen ist: auch schon zum 20. Jubiläum 1988 konnten die Pariser sich an einer Twombly-Retrospektive erfreuen.

140 Exponate hat der Kurator der Ausstellung Jonas Storsve nach Paris geholt, konfrontiert Werke miteinander, die sich noch nie getroffen haben und präsentiert Bilder, Skulpturen, Zeichnungen oder Fotos, die zum ersten Mal in Europa zu sehen sind. Er will mit dieser Ausstellung vor allem Twomblys Obsession nachgehen: Serien und Zyklen. Und so basiert diese umwerfende Schau auf drei Reihen, die wiederum anderen Serien sowie Früh- und Alterswerken gegenüber stehen.

Nine Discourses on Commodus entsteht 1963 als Reaktion auf die Ermordung von Präsident John F. Kennedy, die den Künstler bestürzt und prägt. Mit diesen großflächigen, an zäh fließendes, klebriges Blut erinnernden Bilder zieht er eine Parallele zwischen dem Attentat auf den US Präsidenten und der grausam-blutrünstigen Herrschaft des römischen,  größenwahnsinnigen Tyrannen Commodus (161 – 192), der am letzten Tag des Jahres 192  einem Komplott zu Opfer fiel und von seiner Konkubine Marcia und dem Athleten Narcissus erwürgt wurde. Diese Tat leitete das Ende der Antoninischen Dynastie  ein und machte Platz für eine Reihe von Kaisern, die zum Teil nur ein paar Wochen am Leben waren, bevor sie Mordanschlägen zum Opfer fielen. Jacky Kennedy trägt in Dallas ein rosa Kostüm, einen rosa Hut und hält einen Strauß roter Rosen im Arm; Twombly wütet einer griechischen Tragödie gleich in Rosa- und Rottönen über die diskreten Bleistiftstriche, die unter der Farbkatharsis auszumachen sind. 1964 werden diese Arbeiten bei Leo Castelli in New York mit viel Polemik und heftiger Ablehnung der Kritik ausgestellt. Zum einen, weil die 60er Jahre der Minimal Art gehören, eine Tendenz, die eine emotionslose,  rationale Reduktion auf die Primärfarben und auf simple Geometrieformen verlangt und zum anderen, weil Twombly damit das Ende einer Ära andeutet. Er hat die Bilder damals nicht verkauft, sie wurden später von einem Italiener erworben und seit 2007 gehört dieser Zyklus dem Guggenheim Museum Bilbao.  

 

Twombly - Saalansicht; Bilder aus dem Zyklus  Nine Discourses on Commodus - Foto (c) JNPettit
Saalansicht – Nine Discourses on Commodus

 

Philadelphia hat den 10-teiligen Zyklus 50 Days at Iliam ausnahmsweise ausgeliehen.  Die hier gezeigte Serie entsteht in den Sommern 1977/78 und beschreibt zehn Kapitel der Iliada. Kleeblatt-förmige Schatten-Farbflecken definieren die Protagonisten von Troja: Grau für Hektor, Blau-Grau für Patrokles und Rot für Achilles, stellvertretend für das geflossene Blut (Shades of Achilles, Patroclus and Hector, partie VI, 300 x 492 cm). 1978 waren die Bilder in New York zu sehen und wurden  dann wieder in den Kisten verstaut bis das Philadephia Museum of Art sie 1989 erwarb.

Twomblys Lektüre von Homer wird ihn sein Leben lang und in allen Malphasen beschäftigen und schon 14 Jahre vor 50 Days at Iliam befasst er sich mit den Helden von Troja.  Zwei in den 60er Jahren entstandene Meisterwerke sind ebenfalls ausgestellt. Achilles Mourning the death of Patroclus misst 259 x 302 cm, die untere Hälfte ist unbemalt, leer. Über der Trennlinie (aus Bleistift) fliegen zwei unterschiedlich große, mit einer Schnur verbundene Wollknäuel aus dem Bild gen Himmel. Patrokles stirbt und lässt den Faden los! Mit verhaltener Leidenschaft stellt Twombly Achilles‘ Weinen um seinen Freund und Waffenbruder Patrokles seiner Rache gegenüber. The vengeance of Achilles (1962, Öl und  Bleistift auf Leinen) ist ein drei Meter hohes A (Achilles!), ein sich zuspitzender Dolch mit blutroter Spitze, vereinzelt sind weiter unten auf der Kapuze noch Blutspritzer zu entdecken. Auf den ersten Blick erinnert es an eine Arte povera Installation von Mario Merz oder an geheimnisvolle, grausame Rituale. Das Kunsthaus Zürich hat es ausgeliehen.

Die dritte Säule der Schau ist der Zyklus Coronation of Sesotris  (2000). Er fantasiert über die Reise des ägyptischen Sonnengottes  Ra auf seinem Sonnenschiff über das Firmament. Diese Arbeiten sind lichtdurchflutet, transparent, befreit und leicht. Und natürlich haben auch sie wieder einen poetischen Hintergrund: die Dichterin der Antike, Sappho, und die zeitgenössische Poetin Patricia Waters waren hier seine Inspirationsquellen.  Die Bilder gehören der Pinault Collection.

 

Twombly - Coronation of Sesostris -Saalansicht Foto (c) JNPettit
Saalansicht – Coronation of Sesotris

 

Begleitet und ergänzt werden diese Serien von unzähligen unabhängigen Arbeiten wie die vierteilige Gruppe Quattro Stagioni (vier Jahreszeiten) aus der Tate London. Twombly hat sie zwischen 1993-1995 nach seiner Lektüre von John Keats Ode für eine griechische Urne gemalt. Hier wird die Vergänglichkeit und die Wiedergeburt beschrieben: jede Jahreszeit hat die für sie typische Charakteristik: zaghaft und hoffnungsvoll der Frühling, leuchtendes, fröhliches Gelb für den Sommer. Weiß und Tannenbaum-Grün der Winter, aber am kräftigsten ist der Herbst. Das einzige Bild der Vier in dem er geschrieben hat: l‘Autunno (Herbst) steht mit großen Buchstaben im oberen Teil des Bildes: melancholisch und lebensbejahend ist dieser großartige Zyklus. Cy Twombly hat hier schon den Weg zu seiner knallig, farbenfrohen Altersmalerei betreten. Rätselhafte oder leicht verwehte Spuren, minimale Punkte- und Strichemalereien, piktogrammhafte Figuren werden zu Farbe pur, so dass man plötzlich mitten in der Sonne zu stehen scheint.

Die ruhigen und kleinformatigen, für ihn atypischen, Stillleben Black Mountain College (ca 43 x 28 cm) die 1951 noch in den USA entstehen und an die Poesie von Giorgio Morandis  Flaschen erinnern oder seine Minimalphase in den 60er Jahren, in der er große Schiefertafeln minimal bearbeitet, karg, spartanisch grau/schwarz, in sich gekehrt im permanenten Lernprozess, sind Ruhepole.

Twombly hat uns die Schönheit einer schlampig abgewischten Schiefertafel erklärt.

Seine Bilder sind leise und leidenschaftliche Geschichten und Gedichte, eine Gratwanderung zwischen unscheinbar, göttlich, schüchtern und selbstbewusst, obsessive Kundgebungen aus Hieroglyphen und  Piktogrammen, kindlichen  Kritzeleien, großartige Kompositionen entstanden durch große Bildung: ‚Als ich ein Kind war, habe ich wie Rafael gezeichnet, aber ich habe ein Leben lang gebraucht, um wie ein Kind zu zeichnen‘, das hat Picasso einmal gesagt.

Kurz vor seinem Tod entstehen die (blutenden) Rosenbilder nach Gedichten von Ingeborg Bachmann und Rainer Maria Rilke – eine Hommage an Monets Seerosen (Blooming, 2001-2008). Blooming ist auch das Ausstellungsplakat und kommt aus einer Privatsammlung!

 

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Blooming, 2001-2008

 

Twomblys Skulpturen wären gerne unsichtbar. Allesamt sind sie in schmutziges Weiß gehüllt, fast denkt man an Beuys? Die Gegenstände erinnern an Totems oder primitive Gebrauchsgegenstände aus Holz oder Stoff, die er von seinen Reisen mitbrachte und grob mit Nägeln oder Fäden verbindet. Wie sie dort im Pompidou Museum präsentiert werden wirken sie ganz modern, stehen da im Einklang mit der Struktur des Raumes vor einem sagenhaften Blick auf Paris: schon deshalb lohnt sich der Besuch dort!

Geboren in Virginia, kommt er mit Mitte 20 und einem Stipendium  nach Europa. Alles was Cy Twombly erlebt, findet direkten Einzug in seine Bilder, sei es die 17000 Jahre alte Höhlenmalerei von Lascaux, die er in den 50er Jahren studiert, sei es ein Marabu auf dem Bild Volubilis; diese römische Ruine in der Nähe von Fez in Marokko besucht Twombly mit seinem Freund und Studienkollegen Robert Rauschenberg während einer Nordafrikareise in den 1950er Jahren. Hier knallen nicht nur auf seinem Bild zwei Kulturen aufeinander; außer schwarzen und grauweißen Beigetönen gibt es keine anderen Farben. Eine Fata Morgana, die man in der flirrenden Hitze nur mit zusammen gekniffenen Augen wahrnehmen kann.

 

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Saalansicht – Volubilis und Ouarzazate

 

Im umtriebigen Künstlerpool der 50er Jahre von Franz Klines action paintings, von Rothkos Farbflächen oder Jackson Pollocks Schlaufenmalerei, von Barnett Newman, Willem de Kooning und Robert Motherwell lernt er schwimmen. Ohne Rettungsring oder Schwimmweste taucht er ein in die Faszination des alten Kontinents, der Philosophie der Antike und fusioniert mit den amerikanischen Tendenzen der 1950er Jahre; die vermeintlich gedankenlosen Kritzeleien, sein Graffiti, stehen manchmal im Widerspruch zum potenten abstrakten Expressionisten.

Ohne intellektuelle Auseinandersetzung wird man ihn nicht verstehen. Verlassen turnen zerlegte Mythen und die Helden der Antike über die Leinwand, immer wieder krakelt er Notizen darauf und sprenkelt Farbe darüber, rote Blumen werden zu Blutstropfen. Wer führt denn hier den Pinsel? Seine Hand oder seine Erinnerung an so Vieles was er irgendwann einmal aufgenommen hat oder täglich vervollkommnet? Träume, Geschichte, Wissen, Farbe und Licht vermengen sich.

Es gibt ein Foto von ihm das 1961 in Rom entstand. Twombly hält einen kleinen Pinsel in der Hand und steht vor einer großen Leinwand, irgendwie zaghaft, so als ob er es nicht wagen kann, sein Bilderbuch mit noch einer kryptischen Figur oder einer kalligrafischen Linie zu ergänzen. Seine Haltung vermittelt eher den Eindruck, dass es hier nur etwas auszubessern gibt, fast schüchtern und voller Respekt nähert er sich seinem Werk.

Tagelang steht er manchmal vor der weißen Leinwand, bevor eine scheue Annäherung die Panik der Leere überwinden sollte.

Viele Jahre hat Cy Twombly im italienischen Gaeta gelebt. Der Ort liegt zwischen Rom und Neapel und wird schon von Vergil in der Aeneas zitiert. Gaeta war Kurort der Römer, sogar  Cicero besaß eine Villa dort. Jeder Stein an dieser Küste hat Geschichten aus der Antike zu erzählen: archaische, barbarische oder ewig junge Tragödien.

Bis zum 24. April 2017 ist diese einmalige und exklusive Ausstellung  mit Exponaten aus bedeutenden Museen oder Privatsammlungen eines bedeutenden Vertreters des abstrakten Expressionismus und intellektuellen Individualisten noch im Centre Pompidou in Paris zu sehen. Sie wurde  in Zusammenarbeit mit der Cy Twombly Foundation und mit Unterstutzung seines Sohnes Alessandro organisiert und wird nicht weiterwandern!

 

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 Saalansicht – Camino Real

Camino Real (2010)

Christa Blenk, Fotos: JNPettit

 

 

 

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Les Contes d’Hoffmann – Hoffmanns Erzählungen

 
Hoffmann
 Uwe Schönberg (Hoffmann 1) Foto: (c) Monika Ritterhaus

 

Komische, romantische Oper mit viel Schuss!

Hoffmann 1 sitzt im Dunkeln, von unzähligen leeren Flaschen umgeben und in Schräglage. Definitiv eine Kneipe kurz vor der Sperrstunde und die verbrauchten Flaschen warten schon auf die Entsorgung im umweltfreundlichen Glascontainer!

Da kann man sich schon denken, wohin uns Barrie Kosky führen will. Sein Hoffmann säuft sich um Verstand, Kopf und Spiegelbild, hier geht es um mehr als um das fröhlich-feuchte Zusammensein. Die kommenden Stunden stürzt Hoffmann von einem Alptraum ins nächste Delirium tremens und damit ihm das nicht zu viel wird, gibt es ihn gleich dreimal.

Hoffmann 1, Schauspieler, Hoffmann 2, Tenor und Hoffmann 3, Bariton, wechseln sich ab – wobei Nummer Drei eigentlich so ist, wie Jacques Offenbach (1819-1880) ihn vorgesehen hatte. Die Rolle war eigentlich für einen Bariton geschrieben, da das Pariser Theater aber kurz vor der Premiere in Konkurs ging und Offenbach seine letzte, große Oper nur mit einer Tenorrolle an den Mann bzw. ans Theater bringen konnte, wird sie seitdem in Tenorlage gesungen! Da er aber die Oper sowieso nicht fertig schreiben konnte, weil der Tod ihm zuvor kam, hat jeder Regisseur viel Spielraum, um sich richtig auszutoben – was der Chef der Komischen Oper Barrie Kosky auch tat und alle sich ihm bietenden Möglichkeiten ausschöpfte,  um diese  grotesk-sonderbare und bizarre Geschichte von ETA Hoffmann zu erzählen.

Es gibt eine Sängerin für alle vier Frauenrollen, dafür aber den Hoffmann – wie gesagt – gleich dreimal.

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Nicole Chevalier (Olympia) + Hoffmann 2 /Dominik Köninger
Foto: (c) Monika Ritterhaus

 

Hoffmann 1 sitzt also in seinem 80er Jahre Künstler-Gewand unter seinen Flaschen und erzählt nuschelnd von seiner Liebe zu Stella, der Donna Anna in Mozarts Don Giovanni. Eine temperamentvolle und recht gelungene Zauberlehrling-Klein-Zack-Szene leitet – mit  dem Auftreten von Olympia – in ein lustiges Operettentreiben über.

Das physikalische Kabinett von Spalanzanis gleicht einer Schneiderwerkstatt in der Industrialisierung. Eifrigst wird erfunden und zusammen gesetzt. Hände und Köpfe werden durch die Gegend getragen. Und dann wird sie vorgestellt! Olympia: eine Schönere und Originellere hat es sicher noch nie gegeben. Inspiriert von den Schachrobotern, die im 19. Jahrhundert sehr in Mode waren, zuckt und ruckt sie durch den Biedermeiermenschenautomat, bei dem immer wieder Schubladen aufgehen oder gewaltsam zugemacht werden, aus dem tanzende Hände, lange Arme oder meterweit Rapunzelhaare hervorgeholt werden. Die ausdrucksstarke und wunderbare Nicole Chevalier (sie ist übrigens eine Urenkelin von Maurice Chevalier) gehört  – zum großen Glück für die Oper und für uns – seit ein paar Jahren zum festen Ensemble dieser. Sie zieht das Publikum – musikalisch wie schauspielerisch – voll in ihren Bann! Als Antonia singt sie sich rührselig, bedauernswert und umgeben von vielen schwarz-gekleideten Müttern zu Tode und als Giulietta muss sie Hoffmann sein Spiegelbild und damit seine Seele rauben. Mittlerweile ist Hoffmann aber so betrunken, dass er eh nichts mehr mitbekommt. Olympias Erbauer, Spalanzani, der Augenverkäufer Coppelius, Dapertutto oder Doktor Mirakel tummeln sich mit verpfuschten Erfindungen auf der Bühne oder durch die Kneipenlandschaft und sorgen für Chaos. Gut eingesetzter Slapstick und nie Zuviel aufgetragen.  Und immer wieder die vergeblichen Rettungsversuche der eleganten Muse durch diese fantastische Alptraum-, Frauen- und industrialisierten Alkohol-Welt.

Die Suche nach der idealen Frau oder einfach nur zu viel Promille, hohes Fieber, Wahnsinn oder verblendete Liebe. Hoffmann selber sucht das in immer anderen Frauen, zuerst Stella, der Mozart-Sängerin, dann Olimpia, dem Roboter, Antonia, der kranken Sängerin, oder Giulietta, der Seelen-raubenden, verwegenen Kurtisane. Hoffmann selber verzehrt sich immer wieder aufs Neue für die Neue. Da kann ihn dann auch seine Muse nicht mehr aufhalten.

Uwe Schönbeck spielt den Hoffmann 1, den Schauspieler, der den ganzen Abend über anwesend ist und Hoffmann 2 und Hoffmann 3 ablöst, vorschickt, aber auch berät bis er im fünften Akt wieder allein ist.

Nicole Chevalier war Stella/Olympia/Antonia und Giulietta und eine Traumbesetzung, hell, strahlend und bezaubernd hat sie vier ganz unterschiedliche Personen gespielt und gesungen – mit unterschiedlicher Hingabe und Temperament, farbenfroh und stilsicher. Mehr kann man sich nicht wünschen. Sehr gut auch die Muse, Karolina Gumos und auch die drei Hoffmanns (Uwe Schönbeck, Dominik Köninger, Alexander Lewis) haben bestanden.  Dimitry Ivashchenko und Ivan Tursic hatten ebenfalls mehrere Rollen, die sie mit Bravour meisterten.

Die Chorsolisten und Komparsen der Komischen Oper Berlin sowie das Orchester der Komischen Oper Berlin gaben ebenfalls überzeugt; am Pult mitreißend Stefan Soltesz.

Geschickt wird hier Horror mit Humor verbunden. Die drei Geschichten in der Oper beziehen sich auf drei Erzählungen von E.T.A. Hoffmann (Der Sandmann, Rat Krespel, Die Geschichte vom verlorenen Spiegelbild). Alle drei Protagonisten dieser Geschichten sind immer Hoffmann. Aufgeführt wurde die Opéra fantastique in fünf Akten von 1881 in französischer und deutscher Sprache. Das Libretto hat Jules Barbier nach dem gleichnamigen Drama von Jules Barbier und Michel Carré verfasst.

Der Australier Barrie Kosky zeichnet für die originelle und ansprechende Regie, die zwar doch dann und wann die Geschichte ein wenig hilflos verzerrte. Er lebt seit ein paar Jahren in Berlin, war vier Jahre am Wiener Schauspielhaus Codirektor was zu seinem internationalen Durchbruch als Opernregisseur im deutschsprachigen Raum führte. Er inszenierte für die Staatsoper und am Deutschen Theater Berlin und arbeitete von 2009- 2011 an seinen Ring-Zyklus in Hannover. Bis er nach Produktionen in Münschen und Frankfurt schließlich in der Spielzeit 2012/13 an die Komische Oper Berlin kam und Andreas Homoki ablöste.  Schon in der ersten Spielzeit  wurde die Komische Oper Berlin mit ihrem Programm zum „Opernhaus des Jahres“ gewählt.

2014 hat ihn Katharina Wagner für die Inszenierung von Richard Wagners Meistersinger von Nürnberg bei den Bayreuther Festspielen 2017 verpflichten können.

Viel verdienter Applaus und viel Spaß!

Christa Blenk

 

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King Arthur

 

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Mythen-Pasticcio 

Ein abgestürztes britisches Kampfflugzeug auf der Bühne! Na sowas, das war doch noch gar nicht erfunden!

Dieser Satz sollte im Verlauf des Abends öfters ausgesprochen werden. In dem neuen King Arthur der Staatsoper im Schillertheater wird viel geredet. Es ist ein hin- und her zwischen den 1940er Jahren, der Zeit Purcells und der Epoche der Gründung von Britannien durch den sagenumwobenen und legendären König und Englandgründer Arthur im Mittelalter. Aber es geht auch um Liebe, um eine schöne blinde Prinzessin und um Arthurs persönlichen Streit mit dem Sachsenkönig Oswald wegen und um Emmeline! Der große König ist von Nebenhandlungen und Parallelgeschehnissen umgeben, die ihn immer wieder von seinem prominenten Platz vertreiben. Und diese schon durch Purcell und Dryden eingebauten Nebenhandlungen haben den Regisseuren Sven-Eric Bechtolf und Julian Crouch noch nicht gereicht, deshalb haben sie eine weitere Haupt-Rahmengeschichte eingebaut. Und hier ist der Protagonist auch Arthur und dieser hat seinen Vater im Zweiten Weltkrieg verloren.

Arthur, das Kind, hat also Geburtstag und bekommt von seinem, im Rollstuhl sitzenden, grantigen Großvater ein Buch (und zwei Marionetten)  geschenkt. Dieses Buch, aus dem  ihm Großvater oder Mutter abwechselnd vorlesen, ist die Drehscheibe in der Geschichte. Hier steht die schönste Sage um König Artus. Und Arthur verliert sich in seinen Tag-Träumen und in allem was er kennt und weiß oder noch nicht weiß und schickt seine Fantasie auf eine Traumwelt-Reise – wir sind dabei.

 

Gerardo Aparicio
Gerardo Aparicio

König Arthur, ein wenig lächerlich und gespreizt, trägt eine Rüstung, die an C-3PO (so hieß der Begleiter von R2D2 bei Star Wars) denken lässt – obwohl Star Wars noch nicht erfunden war! Zauberer und böse Erdgeister hoppeln als Quasimodos über die Bühne, bräuchten dringend ein Bad und benehmen sich schlecht. Wotan wird mit fantasievollen Bräuchen gehuldigt „We have sacrificed“. Wagner mit einer allerschönsten Rheintochter-Szene zitiert und die Schäfer-und Schäferinnenszene „How blest are Shepherds“ wird von Rollstuhlfahrern und Kriegsverletzten gesungen und gerollt. Cupido fliegt durch Lully-Lüfte à la Benjamin Lazar; der wankelmütige Luftgeist Philidel kommt ebenfalls von oben, wie es sich für ihn gehört. Er landet als Fallschirmspringer in einem barocken Wald und versucht verzweifelt in einer bezaubernden Szene, die richtige Richtung zu zeigen, um den Verfolgern zu entkommen „Hither this way bend“ . Der Kampf des starwar-Arthur gegen seinen Widersacher um Emmeline wird von sizilianischen Pupi ausgetragen, diejenigen, die Arthur zum Geburtstag bekam. Einfach alles wie im Märchen. Nymphen, verführerische Sirenen und immer wieder moralische und pazifistische Botschaften werden in den Raum gestellt – aber zum Schluss muss der kleine Arthur doch in das Flugzeug seines Vaters steigen, dass aber diesmal mit der Schnauze nach oben da steht, um die Heldentradition diese higher middle class family fortzuführen oder um sich auf den Krieg vorzubereiten!

 

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Dazu viel Slapstick und eingebaute Gags, dass man es einfach nicht ernst nehmen wollte.

In den Hauptrollen dieser Sprechtheater-Opern-Aufführung waren nicht nur Sänger, sondern eben auch Schauspieler wie Michael Rehberg oder Michael Rotschopf, ja, mehr noch: die Hauptrollen gehören den Schauspielern. Die Solisten hatten alle mehrere Nebenrollen, weil das Stück eigentlich aus Nebensollen besteht! So hat Purcell das schon gewollt. Das gesamte Ensemble hat auch den schnellen Kleider- und Rollenwechsel ausgezeichnet gemeistert.

Wunderbare Arien hat Philidel (hell und klar Annett Frisch) und so hat sie sie auch gesungen, getanzt und gespielt. Die Frost Szene (wegen der wahrscheinlich 75% in der Oper saßen) war weniger gelungen als erhofft, was aber daran lag, dass der kleine Arthur den als Raumschiffpilot verkleideten Cold Genius ständig am Fuß packte, was diese sonst feierliche Szene irgendwie entweihte. Dafür umso besser das Zitterlied vom Chor direkt danach „We chatter and tremble.“ Emmeline (Meike Droste) ist sehr unschuldig sehend geworden, hat sich aber als alles andere als schüchtern entpuppt. Sie hat viel rumgezickt und sich nichts gefallen lassen.

Bechtolf, der vom Theater kommt, hat John Drydens Text modifiziert und gekürzt und ihn um witzige Passagen und Gags ergänzt und viele Lacher produziert (aber nicht alle waren immer amused).

Erwartungsgemäß hat René Jacobs am Pult vor der Akademie für Alte Musik Berlin bella figura gemacht und Purcells Musik plastisch und farbenfroh hervorgezaubert – ganz passend zu dem umwerfend bunten und originellen Bühnenbild und den Kostümen. Hervorragend der Chor. 100 Minuten Musik gibt es bei King Arthur  – gedauert hat das Ganze allerdings 150 Minuten -  Jacobs hat auf andere Melodien und Trinklieder von Purcell zurückgegriffen und einige Sprechstellen waren sogar mit dezenter Musik unterlegt. Das kann man mögen oder nicht!

Die Uraufführung fand 1691 mit mäßigem Erfolg  in London statt, wurde aber später zu Purcells größtem Erfolg überhaupt. Das Libretto hat John Dryden geschrieben, damals einer der renommiertesten Dichter und Poet auf Hofe von Charles II,  der im Land Frieden herstellte. Eine Nationaloper zu seinem 25 jährigen Jubiläums sollte es werden – aber es sollte noch Jahre dauern, bis es endlich soweit war. Dryden hotel Jahre später – von Geldnot getrieben – das Projekt wieder aus der Schublade und musste er erst einmal den politischen Umständen anpassen und erst zu diesem Zeitpunkt kam Purcell ins Spiel, der von Dryden eine singbarere Umarbeitung einforderte.

Henry Purcell (1659-1695) hat die Oper 1690 komponiert, sie trägt den Untertitel „The British Worthy“ (der britische Held). King Arthur ist eine Semi-Oper in fünf Akten. Die Hauptrollen gehören nicht den Sängern sondern den Schauspielern, die Musik hat eigentlich nur Begleit- und Untermalfunktion und gehört den Nebenrollen. Eine durchaus typische Musikgattung im England des 17. Jahrhunderts, bei der Gesang, Text und Tanz ziemlich gleichberechtigt waren – ganz dem französischen Vorbild folgend.

 

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Christa Blenk

 

 

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Hieronymus Bosch – Vision Alive

Zwischen Aberglaube und Alptraum und zwischen Schuld und Sühne

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Alte Münze

In Italien war gerade die Renaissance im Gange als Hieronymus Bosch (1450-1516) 1510 den Garten der Lüste malte. Das Gemälde misst 220 x 195 cm und hängt im Prado in Madrid (wie viele andere wichtige Gemälde von ihm). Pflanzliches, Fleischliches, Geometrisches, Verbotenes fügt Bosch immer wieder in unterschiedlichen Formationen und Stellungen im Garten der Lüste zusammen (Heinrich III von Nassau hat es übrigens in Auftrag gegeben). Unter den ausufernden Rätseln, Thesen und Legenden um Bosch gibt es auch eine Mutmaßung, in der man ihn als Mitglied einer ketzerischen und sexuell ausschweifenden Sekte bezichtigte. Hat er sich mit seinem Jüngsten Gericht, das um 1505 entstand, schon im Vorfeld die Hölle vor Augen geführt, in die er sicherlich nach der Schaffung des Garten der Lüste verdammt wurde. Die Außenflügel zeigen Hölle und Paradies wie das Jüngste Gericht und erinnern an den 1500 entstandenen Heuwagen. Aber ein Rätsel nach dem anderen gibt er auf, dieser Garten der Lüste. Von frevelhafter Sündhaftigkeit bis zu einer surrealen Utopie der Zukunft der Menschen ist alles dort vorhanden. Stundenlang muss man das Gemälde betrachten und immer wieder taucht etwas noch nicht Gesehenes auf. Nackte Paare tummeln sich im Liebesspiel und essen sündhafte Früchte und es wimmelt nur so von Symbolen.

 

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Seltsame Fisch-Vogelkreaturen sausen von Messern geteilt über die Leinwand und werden von pendelnden Füßen verdrängt, die irgendwo im grünlich-blauen Jungbrunnen enden und von Monstern und hässlichen Gnomen gezogenen Luftblasen-Kugelbooten untergetaucht werden. Aber Qual war ja vielleicht Lust bei ihm, eine Art Masochismus, ein Himmel auf Erden oder eine Hölle im Himmel oder umgekehrt! Will er uns warnen vor der Todsünde, oder uns mitteilen, was es alles am Rande des Lebens noch so gibt? Ein Moralist war er sicher nicht, vielleicht aber ein Provokateur, ein Surrealist vor der Zeit.

In der Multimedia-Ausstellung in der Alten Münze in Berlin, kann man zwar die einzelnen Szenen über animierte Videoprojektionen auf Großleinwand sehen und seine persönliche Apokalypse en detail studieren, aber berühren wie die Originale tun diese Bilder nicht. Es ist eher ein Bosch-Jahrmarkt, auf dem man sich – wie auf einer echten Kermes – seinen Kopf in ein Boschgemälde einbauen kann, um ihn sich zuhause übers Bett zu hängen oder als nächste Weihnachtskarte zu verschicken.

Bosch selber hat seine Bilder nicht kommentiert und es gibt sehr wenig Informationen über ihn und sein Werk, dafür wurde es in unzähligen Doktorarbeiten interpretiert und erklärt.

Vor genau 500 Jahren ist er verstorben und ein Geheimnis bleibt er immer noch. Unzählige Künstler haben ihn kopiert und sich inspiriert, angefangen von Dali, den Dadaisten und den Surrealisten.

Die Ausstellung wurde verlängert und ist noch bis 31. Januar 2017 in der Alten Münze in Berlin zu sehen. Aber für echte Kunstliebhaber ist das nicht das Richtige!

Christa Blenk

 

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Blog Highlights 2016 : Musik und Kunst im Rückblick

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Labyrinthe, Geburtstage, unheimliche Träume und Alpträume, eine Kirche in der Toscana, eine bretonische Insel, ein Atlantis in der Nordsee, eine Rhein-Reise, schräge Musik und andere, Tim Burton und Torten, Theater unterm Dach und Off Off, mexikanische Totentänze und römische Geschichte, zwar nicht postfaktische aber postidentische Zustände, ein Elch-Blues und ein Umzug …… und um noch viel mehr geht es in den Highlights 2016!

Aber sehen Sie selber.

 

Enzo Fililetti Mit einem außergewöhnlichen Konzert zum 111. Geburtstag von Giacinto Scelsi hat der Januar das neue Jahr eingeleitet. Das wunderbare kammermusikalische Hauskonzert in Anwesenheit der vier zeitgenössischen italienischen Komponisten, Giorgio Nottoli, Mauro Cardi, Giuseppe Silvi  und Michelangelo Lupone  fand in der  Scelsi Villa in Rom statt. Wir sind eher durch einen glücklichen Zufall darauf aufmerksam geworden. Der Saxophonist Enzo Filippetti (Foto) spielte u.a. Werke von Scelsi, aber auch von anderen zeitgenössischen Italienern. Was für ein Abend!

helenaerklärt Zerebrale Geoden, Pentagramme, Labyrinthe und primordiale Fruchtbarkeitssymbole stellte Helena Aikin im  Januar 2016 im Museum für populäre Kunst im Madrider Altstadtviertel La Latina in einer ehemaligen Corrala (dort wo vor 100 Jahren die Zarzuelas aufgeführt wurden) aus. Die Sammlung dieser faszinierenden Labyrinthe, die sie in den letzten Jahren gesammelt, konzipiert und nachgebaut hat wurde übrigens  später  im Jahr – ebenfalls mit großem Erfolg -  in der UNO in Genf gezeigt.

Abgesehen davon, dass sich Madrid schon deswegen lohnt weil dort die Künstler Cesar Borja, Gerardo Aparicio und Guillermo Lledo wohnen und es immer ein Vergnügen ist, ihre letzten Areiten zu entdecken, war er Ausflug in der Welt der Labyrinthe sehr spannend. Die Königin der Radierungen, Natividad Gutierrez, ist leider dieses Jahr verstorben. In Natis Werken vereinen sich auf der einen Seite die Vegetation ihrer Heimat, der Karibik, sowie ein Licht, das es nur in Madrid gibt.

In der Serie My Virtual Gallery gibt es außerdem Kurzportraits von vielen anderen Künstlern.

IngresEin Besuch im Prado darf natürlich bei einem Madrid-Aufenthalt nicht fehlen. Dort fand gerade eine sehr umfangreiche und sehenswerte Ausstellung von Ingres Gemälden statt.. Gegenüber auf der Madrider Museumsmeile, im Thyssen Museum, gab es eine umfangreiche Expo mit Gemälden von  Munch zu sehen.

P1280537Emma Dante, die wir im letzten Jahr mit Henzes Kurzoper Gisela in Palermo erlebt haben,  inszenierte eine Cenerentola und wie immer bei ihr ist man vollkommen perplex und überrascht. Diesmal waren die Kleider der Darsteller  mit kleinen Sahneschnittchen zu verwechseln.  Die Oper Rom hat Rossini aber noch ein zweites Mal  gehuldigt mit  einem sehr gewöhnungsbedürftigen Barbier von Sevilla in Form von Grusel-Ideen à la Tim Burton. Ausgezeichnete Sänger und viel Applaus. Vor 200 Jahren wurde Rossinis Barbier im Teatro Argentina in Rom uraufgeführt.

Die Oper Bonn hingegen glänzte mit einer witzigen Cosi fan tutte.

Traviata-Dorothée Lorthiois Auch mit großer Oper beschäftigte sich das französische Ensemble Opera Coté Choer in Paris. La Traviata, mutig und ganz anders. Brechend voll der Espace Pierre Cardin und es gab viele Vorhänge. Die Übersetzung von Jean-Noel Pettit folgt hier: La Traviata (version française).

 P1280710 Auch in Paris gab es eine Mammutausstellung von Anselm Kiefer im Centre Pompidou. Allein schon wegen dieser Schau hätte sich die Reise nach Paris gelohnt. Einfach großartig! Kiefer ist ein großartiger und einzigartiger Künstler, der immer ein wenig weiter geht als die anderen!

Ostia teatro Beeinflusst von Jean Cocteaus Antigone (so gesehen die Fortsetzung der Geschichte nach dem Ende von Ödipus), befasste sich der  große Igor Strawinsky zehn Jahre nach dem Sacre du Printemps-Skandal ebenfalls mit der griechischen Tragödie und arbeitete ab 1925 am Oedipus Rex.  Arien, Duette und Choreinlagen wechseln sich ab. Die Texte sind in Latein und die erklärenden Passagen wurden von einem Sprecher vorgetragen.

goethe-josefstiehler1828 Die Italienreise von Goethe ist vor 200 Jahren zum ersten Mal veröffentlicht worden (30 Jahre nach seiner Reise!). Die Casa di Goethe hat aus diesem Anlass eine Veranstaltung der Serie Incontri romani dem Geheimrat vom Corso gewidmet. Mario Fortunato und Jan Koneffke haben dazu aus ihren Geschichten über und für Goethe vorgelegen.  Unter diesem Motto haben noch viele andere interessante Abende dort stattgefunden.

Mit Rom und Italien beschäftigt sich auch die  Künstlerin Schirin Fatami. Sie lebt in Rom und in Hannover und man sieht es ihren Arbeiten an, wo sie entstanden sind.

image001 Der kolumbianische Maler Botero ist sehr bekannt aber längst  nicht Jedermanns Sache – auch meine nicht! Vor ein paar Jahren hat er sich nun den Kreuzweg Christi vorgenommen. Dieser war im Frühjahr im Palazzo delle Esposizione in Rom zu sehen. Botero via crucis

Paula Modersohn-Becker wurde im Frühjahr im Pariser Museum für Moderne Kunst gezeigt. Die ausgezeichnete Schau mit über 120 Bildern und Zeichnungen dokumentiert acht oder neun sehr intensive Jahre auf einem (vorzeitigen und rasenden) Weg in die Moderne. Die Briefe aus Paris an die Familie, an Ottos Eltern oder an ihren Mann Otto Modersohn, sind eine einzige Liebeserklärung an Paris.

P1300056 Einen Geburtstagswalzer, einen Tango und noch mehr gab es im österreichischen Kulturinstitut in Rom, welches schon einmal Hans-Werner Henzes 90. Geburtstag am 1. Juli vorfeierte. Das  Cimarrón Ensemble Duo , Christina Schorn und Ivan Mancinelli,  interpretierten u.a. Werke von Hans-Werner Henze (1926-2012), Luca Lombardi  (*1945) und Astor Piazzola (1921-1992).  Miriam Meghnagi hat im selben Kulturinstitut ein paar Wochen später  sehr bewegende Lieder aus Theresienstadt vorgetragen.

La sete di Christo
La sete di Christo ist eine CD des römischen Ensemble Concerto Romano und hat  Anfang Februar 2016 den klassischen Musikmarkt erneut um ein vor-barockes und seltenes Schmankerl bereicherte. Außerdem gab es später im Jahr eine glanzvolle Aufführung von Stradellas San Giovanni Battista, eine wunderbare barocke Preziose, die Stradella selbst wohl als sein bestes Werk bezeichnete. Kein Wunder also, dass Händel und die späteren Zeitgenossen stark beeindruckt waren und in diesem Stil weiter machten. Aber auch das Luther Reformationsjubiläum haben sie sich zum Thema gemacht und eine interessante CD herausgebracht. Klang der ewigen Stadt zu Luthers Zeiten.

Giovanni Battista Pergolesis (1710-1736) Stabat Mater gehört sicher zu den meist gespielten Kirchenmusikstücken überhaupt. Viele große Stars und Musikensembles haben es gesungen und gespielt und die Erwartungshaltung des Publikums ist dementsprechend groß. Concerto Italiano hat es im März aufgeführt und es gab keine Enttäuschung!

Symbolismus Anfang März hat es in Mailand zwei Tage ohne Unterbrechung geregnet und wir haben viel Zeit in Museen verbracht. Mit dabei natürlich das letzte Abendmahl (Cenacolo) und die Pieta Rondanini sowie eine  umfangreiche Ausstellung über den Symbolismus. Für die Ausstellung Alphonse Mucha war die Schlange zu lang, diese konnten wir aber ein paar Wochen später in Rom sehen.

Im April hat der große Pappano Tschaikowskys Fünfte und Strawinskys Psalmensymphonie im Auditorium dirigiert; sowie eine überarbeitete Fassung von Riccardo Panfilis l’Aurora probabilmente. Panfili hat dieses kurze, aber sehr heftige und aufregende Opus posthum dem großen deutschen Komponisten Hans-Werner Henze (1926-2012) gewidmet.

P1300463 Paola Romoli Venturi ist eine außergewöhnliche römische Künstlerin. Ihre happenings haben wir nie verpasst! Im April in Trastevere hat sie ihre neuesten Arbeiten präsentiert. Ad pineam - Licht und Wind kamen wie bestellt und ließen ihre zarten Tücher tanzen. Auch auf eine weitere Veranstaltung mit ihr und weiteren italienischen Künstlern möchte ich gerne hinweisen.  TraNsfusioni#4 (das ist die italienische Version)

P1300712 Der grüne Traum ist ein deutsch-italienisches Wanderprojekt, an dem sich Künstler, Musiker und Dichter beteiligen. Dieses Jahr waren das u.a. Silvia Stucky, Beate von Essen, Lello Torchia, Maria Semmer  und  viele andere  die in der bezaubernden Villa Gregoriana bei Tivoli ihre Arbeiten zwischen Ruinen und Vegetation installierten, die man bei einem Spaziergang durch den Park entdecken konnte.

Mit Natur befasste sich auch eine Ausstellung im Archäologischen Museum in Neapel. Mito e Natura behandelte Mensch und Natur anhand von umwerfenden Fresken von Lustgärten oder Episoden aus der griechischen Mythologie.

P1320594 Ein anderer Entdeckungspaziergang führte uns zum Lungotevere, wo sich William Kentrich mit seinen Mammutfresken  “Triumphs and Laments” verewigte.  In sechs Monaten hat der südafrikanische Künstler und Theatermann William Kentridge auf über 500 Meter am Tiberufer zwischen Ponte Sisto und Ponte Mazzini (Piazza Tevere) die Geschichte Roms in 80 übergroßen Figuren wild durch die Jahrhunderte portraitiert. Später, im Sommer in Berlin, gab es passend dazu die Ausstellung No it is im Gropius Bau.

Mit dem Rhein hat sich sich eine Ausstellung in Bonn beschäftigt. Eine europäische Flußbiografie hat die Bundeskunsthalle aufgezeichnet und der Besucher  reist von der Quelle bis zur Nordseemündung dieses stolzes Stromes.

fff Das Fast Fortward Festival fand dieses Jahr zum ersten Mal statt. Zeitgenössische Musik wurde hier zwei Wochen lang aufs intensivste aufgeführt und präsentiert – in allen bedeutenden Theatern Roms. Eröffnet wurde es mit Heiner Goebbels Schwarz auf Weiß  das  er vor über 20 Jahren für und mit dem Ensemble Modern konzipierte. Deshalb kann es auch nur von diesem Orchester aufgeführt werden.  Bis jetzt kam es ca. 100 Mal zur Aufführung u.a. in Berlin, Brüssel. Dresden, Paris, Sevilla, Luzern, Taipeh, Moskau, Wien, Prag, München und Salzburg und fast alle Beteiligten sind schon seit der Uraufführung 1996 im Frankfurter Bockenheimer Depot mit dabei. Es ist Nacht und die Sieben sitzen in einem hohen Saale in der Stadt Ptolemais. Es wird zwar nicht extra erwähnt, aber wir wissen es trotzdem: sie können nicht entkommen, sie sind isoliert. Einer von ihnen, der junge Zoilus, ist schon tot.

Proserpina von Wolfgang Rihms war ebenfalls Teil dieses Festivals. Rihm kam extra dafür nach Rom und begleitete diesen großartigen Ausklang des ersten aber schon recht erfolgreichen Festivals. Hoffentlich wird es weitergehen.

P1320737 Die Stipendiatin der Casa Baldi in Olevano Romano, Antonia Low, präsentierte im Frühjahr im Palazzo Altemps in Rom ihre Installation « Status of Lost Imagery ». Hierbei ging es um die Bombardierung des Palmyra-Museum. Low hat ein Zeitungsfoto von der Verwüstung des archäologischen Museums vergrößert und dieses gepixelte Bild auf Stoff gedruckt.  Mit Schutzschuhen durfte  man die Ruinen betreten, das heisst sich über und in  ihnen bewegen. Spannende Ruinenbegehung!

Isabella Ambrosini hat mit dem Orchestra Roma Tre im Mai die  Cavalleria Rusticana im Palladium aufgeführt. Dieser Artikel ist in italienischer Sprache. 

P1000187 Dido und Aeneas in Montepulciano  war eines der großen Ereignisse oder vielleicht sogar das Hauptereignis dieses Jahr beim Cantiere in Montepulciano. Regie führte  Michael Kerstan. Mit wenig Mitteln und ausgezeichneten Solisten, unterstützt von einem perfekten Chor und dem diskreten Modus Ensemble Roma unter Mauro Marchetti, haben die Protagonisten das Publikum im Tempio di San Biagio – der übrigens auf einen Bauplan von Bramante zurückgeht und ein perfektes Beispiel einer römischen Basilika ist – regelrecht verzaubert.

Und dann hieß es:

Addio Roma (hinter den links verbergen sich drei Rom-Spaziergänge)

mauer in Rombernini-vierstromebrunnen11201171_448806971964877_8353486730606813120_n

und Hallo Berlin

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Hier hat  uns nicht nur italienische Sonne empfangen sondern auch eine  Velazquez Ausstellung!

 

csm_42_ESDO_Katalog_b88a2f60afEl Siglo de Oro. Die Ära Velázquez – Dunkel und furchterregend ist sie, die Malerei dieses Goldenen Zeitalters in dem herrschsüchtigen, strengen und selbstsicheren Spanien, wo es nicht viel zu lachen gab. Die Protagonisten auf den Bildern dieses kulturell so starken Jahrhunderts strahlen keine Freude oder Leichtigkeit aus. Direkt aus dem Manierismus herausgerissen, überbetont, streng ist sie noch lauernd vorhanden, la Santa Inquisición(die heilige Inquisition).

blick in den GartenDer August hat sich von seiner besten Seite gezeigt und das Einleben in Berlin recht leicht gemacht. Ein  Ausflug an den Wannsee, wo sich der Maler Liebermann einen Sommersitz errichtet hatte, war gerade richtig: Max Liebermann (1847-1935) gehört zu den wichtigsten deutschen Wegbereitern der Moderne. Von Anfang an hat er gegen die Akademiker gekämpft und mit der Gründung der Berliner Secession, bei der er eine wichtige Rolle gespielt hat, die Hauptstadt in den künsterlischen und kulturellen Vordergrund gerückt – er selber ist dann aber irgendwo auch zwischen Biergärten und Portraits stecken geblieben. Geboren im Zentrum von Berlin wo heute das Liebermann-Haus steht (in dem eine Ausstellung über Harry Graf Kessler zu sehen war) hat er sich 1909 ein Sommerhaus am Wannsee bauen lassen. Sein „Schloss am See“, wie er es nannte. Mit Anfang 60 hat er sich gerne hierher in die Ruhe zurück gezogen und über 200 Gemälde sind dort entstanden. Ab 1914 bis zu seinem einsamen Tod 1935 verbrachte er viele Monate dort. Von den Nationalsozialisten verfemt, zwangen diese seine Witwe Martha 1940 zum Verkauf des Hauses. Sie entzog sich 1943 durch Selbstmord einer Deportation. Nach dem Krieg allerdings ging das Haus an die Erben zurück, die es an die Stadt Berlin verkauften.

P1000285Emil Nolde – Der Maler  – Aufdringliche Farben und Nordlicht. Emil Nolde (1867 – 1956) malte mit den Fingern und Händen, ein Pinsel reichte nicht, um diese grelle Leidenschaft auf die Leinwand zu bringen. Ein krasser Gegensatz zu der weiten und unendlichen nicht immer farbigen Welt an der Frieslandküste. Naturgewalt, Einsamkeit, Legenden und gruselige, übertriebene Bauern- und Seemanns-Geschichten, die man sich nach Sonnenuntergang mit Gänsehaut zu erzählen pflegte, hat Nolde auf die Leinwand gebracht und uns ins Gesicht geschleudert.

P1000585 Wolfgang Rihm hatten wir ja beim FFF in Rom mit Proserpina gehört und erlebt. Da war es natürlich klar, dass wir uns Tutuguri nicht entgehen lassen würden. Das Berliner Musikfest wurde damit eröffnet.  Alles muss haargenau in eine tobende Ordnung gebracht werden (Antonin Artaud 1947) . Französischer Surrealist trifft auf mexikanische Totentänze und Rihm macht die Musik dazu. Das klang gut und verheißungsvoll: aber es ist noch viel viel mehr! Es ist ein Erdbeben, ein musikalischer Horror-Tsunami, ein götterdämmernder Phönix-Weltuntergang!

P1010069 Die Kantorin der Kirche zur frohen Botschaft in Berlin-Karlshorst, Beate Kruppke, dachte sich zum 150. Geburstag von Eric Satie und zum 25. Todestag von Olivier Messiaen etwas ganz besonderes aus. Sie stellte ein ungewöhnliches Orgelprogramm zur Ehren der französischen Freigeister und  zur Aufführung auf der Amalienorgel in Karlshorst zusammen. Der Dritte im Bunde war ein weiterer Franzose, der Komponist César Franck (1822-1890).

postidentischeslebenGroßartig der erste Besuch in der Neuköllner Oper . EINE SPEKULATION ÜBER DIE FREIHEIT. Welcome to the office for postidentical living - Shape – edit – customize: Der Erfolgreiche muss sich optimieren, sich abgrenzen, besser sein, fit sein, digital sein, angepasst-unangepasst sein, seine personelle Identität pflegen und diese ausbauen, um vielleicht in einer kollektiven Identität heimlich Unterschlupf zu finden. Unsere Identität unterscheidet uns von den anderen, macht uns einmalig. Aber wozu brauchen wir das? Was brauchen wir überhaupt? Wissen wir was wir wollen? Stylen, shapen, bloggen, sich selfen, bewundert werden. Wie anstrengend, diese permanente Überforderung dem uns gebotenen information overflow gerecht zu werden: Nur wer das alles nicht (mit)machen muss, kann frei sein.

P1000693Das Büro für postidentisches Leben hat also die Antworten und Lösungen. Aber KAP HOORN, eine witzige Aufführung im Theaterdiscounter, vermittelt den  Jahrmarkt der Wünsche und Träume .  Aber was hat Napoleon mit Aschenputtel zu tun? Sehen Sie selber!

Ausstellungsplakat Der Golem, diese berühmteste Legendenfigur der Kabbala, ist ein seelenloses Wesen aus Lehm oder Sand. Er wird durch Rituale oder geheime Buchstabenkombinationen von einem Menschen zum Leben erweckt und ist mit übermenschlicher Kraft ausgestattet. Das Jüdische Museum hat ihm eine sehr interessante Ausstellung gewidmet.

P1010005Die Stadt Weimar war 1999 Europäische Kulturhauptstadt. Das war für den derzeitigen Chef des Berliner Staatsballetts, Nacho Duato, die Gelegenheit, Johann Sebastian Bach zu huldigen. Mit Vielfältigkeit. Formen von Stille und Leere hat er auf ganz besondere Weise Person und Werk dieses einzigartigen Komponisten gewürdigt. Er hat Bach auf die Bühne und ins Zentrum des Geschehens geholt.

P1000911 Siegfried Lenz ist 1926 als  Sohn eines Zollbeamten in Ostpreußen geboren. Mit 42 Jahren hat er seinen wichtigsten und einen der bedeutendsten deutschen Nachkriegsromane, Deutschstunde, veröffentlicht. Bei Deutschstunde geht es um Pflicht, Schuld, Macht, Freundschaft und Verlust und um das Nichtentkommen der Geschichte. Das Ensemble hat es aufgeführt. Aber auch die traditionelle Peymannsche Mutter Courage und ihre Kinder hat uns sehr gut gefallen.

Mauer-cmb-klein Traum, Nacht, Alptraum – Ian Bostridge erzählt von  Kriegen, Nachteulen und Meeresungeheuern. Mit Träumen, Natur und Illusionen hat sich in diesem Jahr auch die österreichische Künstlerin Christa Linossi beschäftigt.

100 Stuehle (1)Am 1. November 2016 feiert der Hamburger Bahnhof seinen 20. Geburtstag. Er entstand als  weiteres Haus der Nationalgalerie und dort werden während der Umbauarbeiten der Neuen Nationalgalerie abwechselnd Werke des deutschen Expressionismus – wie zurzeit Ernst Ludwig Kirchner HIEROGLYPHEN  – gezeigt.   Eine der besten Ausstellungen überhaupt mit Arbeiten von Carl André war 2016 im Hamburger Bahnhof zu sehen. Aber auch das Thema Kapital hat das Museum beschäftigt. Hier der Bericht.
AusstellungsplakatUnheimlich war der Titel der Ausstellung im Kunstmuseum in Bonn, die zur Zeit noch in Bonn zu sehen ist (bis Januar 2017). Unheimlich bedeutet schauerlich, gruselig oder furchterregend. Der Titel ist deshalb nicht sehr aussagekräftig, denn hier geht es auch viel um Angst und Einsamkeit, um Unwohlsein, um Hinweise auf Gewalt, versteckte und offensichtliche und um Traum und Wirklichkeit. Kein Entkommen, Dinge, Totenhaus, Alpträume, Einsamkeit, die Anderen,  Verschwinden, Tatorte sind die Schlagwörter und in diese ist die Ausstellung unterteilt.

P1040281 Bei der Geisterbraut ging es auch unheimlich zu. Diese  opernhafte und selten aufgeführte spätromantisch-wagnerianische Ballade von Antonín Dvořák (1841-1904) wurde  aus Anlass des 175. Geburtstags  dieses böhmischen Komponisten von der Berliner Singakademie und dem Konzerthausorchester unter Achim Zimmermann im Konzerthaus in Berlin aufgeführt. Isabelle Faust hat mit Werken von Luigi Nono  in der Philharmonie ebenfalls bella figura gemacht.

P1010413Der Britische Blick: Deutschland – Erinnerungen einer Nation. Mit dem Deutschlandbild der Briten hat sich diese Ausstellung beschäftigt, die auch uns so einiges über uns beigebracht hat. Deutschland? Aber wo liegt es? Ich weiß das Land nicht zu finden(Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller, Xenien, 1796)

maulwerk Maulwerker -  Lautdichtungen und Sprechduette hat sich in einer Veranstaltung organisiert durch KONTRAKLANG im Heimathafen präsentiert. Gerhard Rühm, der bei der gestrigen Performance im Heimathafen Neukölln persönlich anwesend war, ist einer der bedeutendsten Künstler, ein Tausendsassa oder Wunderwurzi wie die Österreicher sagen. Er ist Schriftsteller, Lyriker, Schauspieler, Komponist, Performancekünstler, Maler und Poet. Er Gedichte oder Lautdichtungen aus seinem Repertoire vorgetragen – allein und Sprechduette er mit seiner Frau, der Musikpublizistin Monika Lichtenfeld. Dass er 86 Jahre alt ist würde man nicht vermuten. Temperamentvoll und witzig, ein einfallsreicher Sprachkünstler und Grenzgänger zwischen Noten, Buchstaben und Sprachexperimenten.   Kontraklang hab ein paar Wochen später das anstrengende aber sehr interessante Konzerthappening « Nach Kagel » - auch wieder im Heimathafen Neukölln organisiert. Und hier ging es um Sprechmusik, Peinlichkeit, Heilkräuter und um einen heiseren Wanderer! Lesen Sie selber!

P1010457Terpsichore, Liebesgötter und kalte Schönheiten. Der italienische neoklassizistische Künstler Antonio Canova (1757-1822) zählt zusammen mit dem Dänen Thorvaldsen zu den bedeutendsten Bildhauern seiner Zeit. Das Bode-Museum hat ihm diese Ausstellung über den Tanz ausgerichtet – mit dem schönen Titel:  Canova und der Tanz!

P1010502 Il Triunfo dem Tempo e del disinganno von Georg-Friedrich Händel zählt schon seit langem zu meinen Lieblings-Händel-Kompositionen. In diesem Stück hat er sich auch eine Rolle gegeben und deshalb wird er zur Sonata im ersten Teil er als anmutiger Jüngling an der Orgel (Thomas Guggeis) begleitet von Corelli an der Geige (Wolfram Brandl) ins Restaurant geschoben. Wunderbare Aufführung im Schillertheater! Viel Applaus für alle aber vor allem für das Vergnügen!

P1010637 Reden ist nicht immer die Lösung - meint Omer Fast in seiner im Rahmen des Programms „Immersion. Analoge Künste im digitalen Zeitalter“ im Martin-Gropius Bau organisierten Ausstellung, bei der sieben Filmprojekte von ihm gezeigt wurden. Der israelisch-amerikanische Videokünstler verarbeitet in seinen Projekten Krieg, Gewalt, Sex, Erziehung und Zusammenleben.  Und hier erwähnte ich Clemens von  Wedemeyer ; der  so ähnliche Geschichten in Hamburg erzählte.

P1010662 Die Europäische Akademie für Musik und Darstellende Kunst Palazzo Ricci ist ein bedeutendes deutsches Kulturprojekt in Italien, das sich vor allem der Musik widmet.  Seit dem Jahre 2000 sitzt die Hochschule für Musik und Tanz Köln in diesem Palast, der nach umfangreichen Renovierungsarbeiten im Jahre 2001 als Europäische Akademie wieder eröffnet wurde. Und damit sind wir auch schon beim Anlass des gestrigen Abends: das 15-jährige Jubiläum. Die Akademie feierte ihren Geburtstag mit einem Konzert, das  mit einem ganz besonders sorgfältig ausgesuchten Programm am Gendarmenmarkt im Berliner Konzerthaus bestach.

P1010682 Good Bait (guter Köder) ist das aktuelle und neuestes Standard-Programm der Quartett-Jazzband die den Beinamen … die flexible Einsatztruppe  bestehend aus dem Saxophonisten und Gründer der Truppe Markus Ehrlich, dem gerade aus New York zurückgekehrten Pianisten Johannes von Ballestrem, dem Bassisten Tom Berkmann und dem Schlagzeuger Philipp Schaeper. Dann haben wir noch den Piano Salon Christophori entdeckt – hier kann man alles hören – meist klassisch, aber es steht durchaus auch mal dann und wann ein Jazzabend an. Im Jazzclub Zig Zag in Berlin ist die Gruppe Subtone aufgetreten, die vor allem eigene Kompositionen gespielt haben. Schöner Club!   Der bekannte schwedische Posaunist und Sänger  Nils Landgren, alias Mr Redhorn, trifft beim diesjährigen Young Euro Classic Festival auf das junge Ensemble Olivinn, das die türkische Komponistin und Pianistin gegründet hat. Hier wurde Jazz mit Klassik verbunden und formell in einem Konzerthaus aufgeführt. 

P1010522 Die Stadt“ hat Theodor Storm sie ganz schlicht genannt. Zu seiner Zeit hat er wohl auch noch  durch die Stille las Meer brausen gehört. Das ist jetzt nicht mehr so, aber die Möwen, die Luft, das Salz darin, das Ebbe und Flut Spiel, das den Hafen hebt und senkt, ist immer noch so.   Jan Christophersen hat über diese so ganze andere Welt den Roman « Schneetage » geschrieben. Hier die Rezension!

Eine andere ganz besondere Reise ging in die Bretagne. Fünfzehn Kilometer vom Festland entfernt liegt sie, eine der größeren bretonischen Atlantikinseln: Belle-Île-en-Mer. 45 Minuten dauert die Überfahrt mit der Fähre von Quiberon nach Le Palais, der Hauptstadt von Belle-Île mit ungefähr 2600 Einwohnern. Hier verbrachte die Schauspielerin Sarah Bernhardt viel Zeit zwischen Felsen, Wind und Einsamkeit.

George Grosz - Grauer Tag Die Neue Nationalgalerie ist noch immer wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Deshalb zeigen die anderen « Filialen » abwechselnd Werke aus dieser umwerfenden Sammlung der Kunst Anfang des 20. Jahrhunderts. Im Hamburger Bahnhof ist immer noch  Kirchner zu sehen und im Scharf-Gerstenberg Museum noch bis zum 23. April 2017 die Ausstellung « Surreale Sachlichkeit » Werke der 1920er- und 1930er Jahre aus der Nationalgalerie.

P1010830 Zarzuela ist spanisches Musiktheater vom Feinsten. Spitzbubenhafte Komödie, Folklore und populäre Romanzen verbunden mit spritziger Musik, opernähnlichen Arien, Temperament und guten Geschichten. Sie entstand im 19. Jahrhundert und wurde sowohl in Spanien als auch in Südamerika, vor allem in Argentinien, Mexiko aber auch in Kuba mit großem Publikumserfolg aufgeführt. In der Berliner Bibliothek des lateinamerikanischen Institut gegenüber der Gemäldegalerie wurde im Dezember eine Ausstellung über die Zarzuela eröffnet. Zur Eröffnung haben  zwei glänzende Interpreten Kostproben vorgetargen.

P1010868 Vor 500 Jahren, 1517, hat Martin Luther (1463-1546 in Eisleben), Mönch und Theologieprofessor  seine 95 Thesen zum Ablasswesen an die Schlosskirche zu Wittenberg genagelt. Dort, im Wittenberger Kloster, kam ihm auch die Erleuchtung. Sein Turmerlebnis sollte die Welt, nicht nur die gläubige, verändern und die Reformation auslösen.  Ein Jahr später ist er dann auch gleich nach Rom vorgeladen worden. Schon  1516 hatte Luther öffentlich gegen die Ablasspraxis gepredigt. Über Musik in der Zeit Luther in Rom hat Concerto Romano im letzten Jahr eine wunderbare CD herausgebraucht.

P1020013  Zauberwald, Pemplum und Kuschel-Riesenplüschtiere. Die Premiere dieser Inszenierung von August Everding mit einem Bühnenbild von Fred Berndt nach den herausragenden Entwürfen der grandiosen Sternenkuppel (die Tassen und Geschirrtücher ziert) oder den ersten Auftritt der Königin der Nacht auf der Mondsichel vom Berliner Architekten und Baumeister Karl Friedrich Schinkel für die Berliner Königlichen Schauspiele 1816 fand schon 1994 statt. Sie gehört heute zu den am meisten gespielten Zauberflöten in Berlin und sorgt jedes Jahr wieder für ein volles Haus.

P1020021 Kindl ist vor allem Biertrinkern ein Begriff. Die ehemalige Brauerei in Neukölln wurde vor ein paar Wochen als neues zeitgenössisches Kulturzentrum in Berlin eröffnet. Ein Besuch ist hier beschrieben. Zur Zeit sind zwei Künstler dort ausgestellt.

 

Ein frohes, glückliches, beschwingtes, kulturelles und gesundes Jahr 2017 wünsche ich allen blog Besucher/innen.

Christa Blenk

 

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Street Art in Berlin

 

 

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Husum und Rungholt

Husum

 

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Am Hafen (Fotos: (c) Christa Blenk)

„Die Stadt“ hat Theodor Storm sie ganz schlicht genannt. Zu seiner Zeit hat er wohl auch noch  durch die Stille las Meer brausen gehört. Das ist jetzt nicht mehr so, aber die Möwen, die Luft, das Salz darin, das Ebbe und Flut Spiel, das den Hafen hebt und senkt, ist immer noch so.

„Doch hängt mein ganzes Herz an dir, du graue Stadt am Meer“.  (T.Storm)

Grau ist sie auch nicht; die Innenstadt ist farbenfroh und freundlich.

 

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 die ältete Straße von Husum (Fotos: (c) Christa Blenk)

Skandinavien, Schleswig und Friesland vermischen sich hier. Husum bedeutet „zu den Häusern“. 1597 ist die Stadt in einer Sage  beschrieben worden, aber schon 1409 wurde der Name zum ersten Mal erwähnt und 1640, nur sechs Jahre nach der zweiten großen Sturmflut, der Buchardiflut, entstand die „Chronica der Stadt Husum“. Händler und Seefahrer waren sie, die Bewohner, Vieh, Getreide und Salz waren ihre wichtigsten Güter.

Als die bedeutende Händlerhochburg Rungholt 1362 von einer Sturmflut  vernichtet wurde, begann der Aufstieg von Husum. Schon im Jahre 1603 erhielt der Ort Stadtrechte und die Stadt wuchs. Ende des 18. Jahrhunderts wohnten hier knapp 3500 Personen, im Deutschen Kaiserreicht stieg die Einwohnerzahl auf knapp 10 000, im ersten Weltkrieg waren es um die 15 000 Einwohner und nach dem zweiten Weltkrieg, aufgrund von Flüchtlingen und Vertriebenen die aus dem Osten kamen, wuchs Husum auf 25 000; heute sind es wieder ein paar weniger.

 

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 Im Museum – mit dem Buchhändler und Verleger Detlev Auvermann (Fotos: (c) Christa Blenk)

 

Prominent und stolz steht er dort, der Sturmflut-Pfahl am Binnenhafen und dominiert die Stadt; die Bewohner zeugen ihm Respekt, denn er zeigt die Wasserstände nach den wuchtigsten Fluten an, die den Ort maßgeblich prägten und prägen. Über die zwei großen Sturmfluten berichtet gerade eine sehr gut gemachte und informative Ausstellung im Museum.

»Heut bin ich über Rungholt gefahren, die Stadt ging unter vor sechshundert Jahren…« Der Satz ist vom Dichter Detlev von Liliencron, der  in seiner Ballade von 1883„Trutz, blanker Hans“? die große, alles mit sich reißende Sturmflut von 1634, die Grote Mandränke, beschreibt. Sie hat die vor Husum gelegene Insel Nordstrand verwüstete.

Rungholt ist das sagenumwobene und geheimnisvolle Atlantis der Nordsee. Irgendwo zwischen Pellworm und Nordstrand soll es ganz tief begraben liegen mit vielen Kirchtürmen und Gütern von wohlhabenden Händlern. Die Ebbe bringt dann und wann wieder etwas an die Oberfläche. Nach der Sturmflut von 1362 konnten sich die nordfriesischen Inseln und Halligen wieder etwas erholen und den Handel einigermaßen etablieren; die Große Mandränke 1634 vernichtete allerdings komplett und definitiv den Ort und seit dem sind  Forscher und Dichter, Künstler und Abenteurer gleichsam fasziniert und besessen, Zeitzeugen oder Schätze ans Tageslicht zu holen oder gerade am richtigen Ort zu sein, wenn das Meer wieder etwas zurückgibt. Über die Flut von 1634 gibt es Schilderungen von Augenzeugen, während man von der im 14. Jahrhunderts so gut wie nichts weiß. Über 8000 Menschen sind umgekommen. Von Brunsbüttel bis Tondern tobte die Flut und irgendwo da draußen im Watt hat es gelegen…. Rungholt!“

 

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 Schloss vor Husum (Fotos: (c) Christa Blenk)

 

In der gut gemachten und didaktischen Ausstellung über den Mythos Rungholt werden zum ersten Mal wichtige Neufunde und Forschungsergebnisse vorgestellt, darunter das Modell eines Rungholter Schädels, hergestellt an der Flensburger Universität. Der Forscher Andreas Busch hat ihn 1925 im Watt gefunden. Man erfährt über den Deichbau und über das Torfstechen, die Salz- und Landgewinnung und den Küstenschutz. Die Wohnkultur auf den nordfriesischen Halligen wird erklärt und die Tierwelt im dortigen Wattenmeer dokumentiert. Über Hörstationen kann sich der Besucher selber ein Bild machen und die Phantasie zum blühen bringen.

Das Museum besitzt aber auch sonst sehenswerte Gegenstände und Kunstwerke und erzählt über den Museumsstifter Ludwig Nissen, der in Amerika reich wurde.

Interessant ist auch ein Besuch im Schloss vor Husum; es ist das Kulturzentrum der Westküste Schleswig-Holsteins; hier ist auch das Puppentheater Museum untergebracht, in dem reichlich an Storms Pole Poppenspäler erinnert wird. Wunderbare Marionetten, Puppen und Theaterrequisiten sind dort zu sehen. Ein Traum für Groß und Klein. Es heißt vor Husum, weil es außerhalb der ehemaligen Stadtgrenzen lag und wurde im 16. Jahrhundert von Herzog Adolf von Schlwesig-Holstein-Gottorf erbaut. Im 17. Jahrhundert war es Witwensitz für die Herzoginnen Augusta und Maria Elisabeth. Im 18. Jahrhundert rettete es König Friedrich V von Dänemark vor dem Verfall.

Der Buchhändler und Verleger Detlev Auvermann, der seit 40 Jahren zwischen Husum und Pellworm lebt, hat dem Museum und dem Schloß so einige Leihgaben und Schenkungen überlassen.

 

Mehr über Rungholt und die Schatzsuche hier

Christa Blenk

 

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Unheimlich – Innenräume von Edvard Munch bis Max Beckmann

Ausstellungsplakat
Ausstellungsplakat zwischen Bonner Straßen

 

Unheimlich – Innenräume von Edvard Munch bis Max Beckmann

Gemütlicher Schauder

Unheimlich ist der Titel der Ausstellung im Kunstmuseum in Bonn, die seit 20. Oktober 2016 zu sehen ist. Unheimlich bedeutet schauerlich, gruselig oder furchtregend. Der Titel ist deshalb nicht sehr aussagekräftig, denn hier geht es auch viel um Angst und Einsamkeit, um Unwohlsein, um Hinweise auf Gewalt, versteckte und offensichtliche und um Traum und Wirklichkeit.

Kein Entkommen, Dinge, Totenhaus, Alpträume, Einsamkeit, die Anderen,  Verschwinden, Tatorte sind die Schlagwörter und in diese ist die Ausstellung unterteilt.

Der Impressionismus hat die Maler auf die Straße und in die Landschaft geschickt, um das Licht zu suchen, zu verstehen, zu kopieren und zu interpretieren. Die Sonne durchflutet Land und Leute und die Farbe Schwarz verschwindet fast gänzlich. Die Gegen- oder Folgebewegungen, angefangen mit den Nabis-Vertretern wie Edouard Vuillard, und Strömungen vor allem in den nordischen Ländern suchten wieder das Dunkle, das Unheimliche, das Zurückgezogene, das Abgeschlossene und damit sind wir auch schon bei der Ausstellung. Dänemark, Norwegen, Belgien, Frankreich und Deutschland sind die Protagonisten. Die im Winter sonnenarmen Gegenden, deren Bewohner verpflichtet sind, sich ins eigene Heim zurückzuziehen, was paradoxerweise aber nicht gleichbedeutend mit gemütlich ist. Und diese Stimmungen, die klammen, feuchten, finsteren, befremdlichen und unbehaglichen werden in der Ausstellung analysiert. Es spukt und es fremdelt und man friert.

Der Untertitel Innenräume von Edvard Munch bis Max Beckmann relativiert ein wenig den Ausstellungtitel Unheimlich. Aber das macht ihn dann auch wieder unheimlich! Und bei Auguste Chabrauds Hotelflur (1907) könnte man durchaus an Psycho denken.

Die Treppe vom Genter Maler Eugène Laermans  (1896) ruft Assoziationen an die Radierungen von Hugo Steiner-Prags Golem-Illustrationen hervor. Steiner-Prag fehlt leider in der Ausstellung. Höchstens Goya oder das Kino übertreffen ihn, wenn es darum geht, Angst in Räumen zu erzeugen. Athanasius Pernath kann ein Lied davon singen.

In der Zugluft hängende Kleider können zu Gespenstern werden und das Zwielicht Möbel in Bewegung setzen. Man ist diesen Geschehnissen hilflos ausgeliefert und kann sie nicht verhindern. Der dunkle Raum ist geschlossen und bekommt nur noch etwas Licht von draußen, von der leichten und gefahrfrei- hellen Freiheit.

James Ensors Pierrot und Skelett zeigt einen gedeckten Tisch; zwischen Weinkrug und Brotkorb thronen ein Totenkopf und der lustige Kasperl. James Ensor ist sowieso prominent vertreten in der Ausstellung, wie viele seiner belgischen Landsleute. Ensor war ein Meister des Versteckten und hat all das was man nicht sehen kann in seine Bilder gepackt.

Eine große Bereicherung für die Schau und eine Entdeckung überhaupt sind die Werke der belgisches Surrealisten Léon Spillaert (1881-1946). Das Selbstportrait 3, entstand 1908 und ist das Ausstellungsplakat. Es ist mit Aquarell, Farbkreide und Tinte gemalt, 50 x 65 cm groß und kommt aus einer Privatsammlung. Spillaert sitzt, irgendwie ertappt, in einem grau-braun-schwarzen Raum oder Vorraum blickt schräg auf uns und hat wohl eine blonde, auftoupierte Perücke oder ein Haarteil auf dem Kopf. Was er genau macht oder wo er genau ist kann man nicht feststellen. Von diesem Künstler hängen einige interessante Werke in der Ausstellung, darunter auch das Aquarell Allein (1909). Es zeigt ein kleines fast gesichtsloses Mädchen mit blauem Kleid und gelben Haaren in einem seltsam verwinkelten Raum. Sie schaut uns an und tut uns leid, aber wir wissen nicht warum. Der Stuhl auf dem sie sitzt kippt oder hat ein fehlendes Stuhlbein.

 

Raum der Einsamkeit
Raum der Einsamkeit – E.Munch (Foto: jnp)

 

Und natürlich immer wieder Munch, der Traurigste von Allen. Seine Bilder sind nicht unbedingt unheimlich, sie berühren durch Einsamkeit und soviel Gram, dass man wegsehen muss. Munch hatte keinen Schutzengel, nichts Helles in seinem Umfeld.  In dem Bild Leichengeruch malt er den Geruch des Todes. Munchs Familie ist fast komplett der Tuberkulose zum Opfer gefallen und immer liegt irgendjemand im Bett und stirbt gerade, so auch bei Tod im Krankenzimmer (1893) aus dem Munch Museum in Oslo. Befremdend dafür am Ende der Ausstellung unter dem Thema Tatorte Munchs Mord (1906) Hier scheint keine Trauer zu herrschen. Die Wände um den Toten sind Van Gogh-Gelb und fast fröhlich und nur der rote Fleck auf dem Hemd des Darniederliegenden spricht von Tod. Sonst könnte man auch einen Siesta-haltenden Mann vermuten. In der Ausstellung geht es jedenfalls der Gemütlichkeit und des Geborgenheitsgefühls im eigenen Heime kräftig an den Kragen, was sicher von Allen nachvollzogen werden kann! Denn wer kennt nicht die plötzliche Panik wenn ein Luftzug die Vorhänge bewegt, man früher eine finstere Kellertreppe runter gehen musste oder ungewohnte Geräusche sich nachts in den Halbschlaf mischen. Der deutsche expressionistische Film oder natürlich Alfred Hitchcock haben solche Ideen und Situationen bis zum Letzten ausgeschöpft.

Über 100 Gemälde, Zeichnungen und Drucke von u.a. Munch, Beckmann, Ensor, Spilleart,  Vuillard, Redon, Hammershoi, Kubin, Heckel, Hofer aus zahlreichen internationalen und nationalen Museen oder Privatsammlungen zwischen Ende des 19. bis in die Hälfte das 20. Jahrhunderts sind zu sehen. Die Künstler gehörten zu den Metaphysikern, dem Symbolismus oder dem Expressionsmus oder der Nabis-Gruppe an.

Bis zum 29. Januar 2017 ist die Ausstellung noch zu sehen. Sie wird gefördert durch die Hans-Fries-Stiftung, das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW, den Landschaftsverband Rheinland und Jürgen Hall.

Christa Blenk

 

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