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Oceane – Deutsche Oper Berlin

Vendée2013-März 112
La Vendee – Atlantik

 

Grau-schwarze Melancholie, Hoffnungslosigkeit, dekadente Vergänglichkeit – Fin de Siècle-Stimmung und tosendes Meer, Liegestühle im Gegenlicht.

Die neue Oper „Oceane“ von Detlev Glanert, ein Auftragswerk der Deutschen Oper Berlin, hatte Ende April 2019 eine gefeierte Premiere. Alle weiteren Abende waren ausverkauft.

Oceane von Parceval ist eine Novelle von Theodor Fontane, die um 1880 entstand – mehr oder weniger pünktlich zur Belle Epoque. Hans-Ulrich Treichel hat daraus das Libretto geschrieben. Ein Sommerstück für Musik in zwei Akten ist dabei herausgekommen. Dabei geht es hier eigentlich eher um eine Spätsommer-Stimmung, um das Absinken der Sonne, die schon deutlich zu spürende Verkürzung der Tage, die frischen Abende kurz vor dem Herbsteinfall.

Die Geschichte spielt an der Ostsee, in einem Hotel, das schon bessere Tage gesehen hat. Die Besitzerin Madame Louise und ihr treuer Diener George (Doris Soffel und Stephen Bronk) singen davon mehrere Lieder und bedauern das langsame Dahinsiechen des einst eleganten Hotels. Man braucht einen Privatkredit und den soll Oceane von Parceval gewähren, die dort gerade logiert, aber eigentlich nicht wirklich mitspielt, sie bleibt am Rande, unberührt, reich, schön – aber der junge Baron Martin von Dircksen (Nikolai Schukoff), der in Begleitung seines Freundes Felgentreu (Christoph Pohl) ebenfalls dort einquartiert ist, verliebt sich trotzdem in die attraktive, seltsame Melusine. Während Felgentreu und Oceanes Kammerfräulein Kristina (Nicole Haslett) recht schnell zusammen finden, gestaltet sich die Beziehung von Oceane und Martin sehr schwierig.

Gefühle kann Oceane trotz Anstrengung nicht zeigen und ihre Indifferenz anlässlich der Konfrontation mit einem toten Fischer am Strand macht sie zum Opfer des barbarischen, religiösen Mobs, der – vor Allem was fremd und unverständlich ist – Angst hat. Angeführt und aufgestachelt von Pfarrer Baltzer (großartig der eindringliche Bass von Albert Pesendorfer) wird sie praktisch verstoßen. Die Doppelverlobung kommt nicht zustande. Maria Bengstsson als Oceane ist hell, schön und unterkühlt, immer weit entfernt, weltfremd und irgendwie teilnahmslos. Zum Schluss geht sie einfach weg – allerdings nicht ins Wasser. Sie ist die Traumbesetzung für diese Rolle. 

Die Musik von Detlef Glanert (*1960) ist nicht gerade zeitgenössisch oder revolutionär und erinnert an Henze-Opern, Glanert war auch sein Schüler. Klangmässig bringt das Werk nichts Neues und die Musik ist nachvollziehbar, verständlich und beschreibend, schön. Auch Henze hat mit seiner Ballett-Gestalt Udine ein Wesen aus dem Meer beschrieben und mit der Oper Elegie für junge Liebende auch eine Naturoper geschrieben, nur waren bei letzterer die Berge die Protagonisten und nicht das Meer.  

Robert Carsons Inszenierung ist mehr als gelungen. Er hat diese dekadente Endzeitstimmung perfekt und einfühlsam auf die Bühne gebracht. Das omnipräsente und nie ruhende Meeresvideo tut das ihre dazu. Am Pult bei der letzten 5. Vorstellung in dieser Saison Stephan Zillas. Großes Lob an den Chor und seinen Leiter Jeremy Bines.  

am Atlantik

Christa Blenk

 

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Der Prinz von Homburg

handschuh
 Cover Programm Staatsoper Stuttgart

 

Der Antiheld ist  ein Träumer, vielleicht auch ein moderner Weltverbesserer. Er sitzt auf einer Leiter und ist nicht ansprechbar, er ist woanders. Seine rote Sommerhose passt nicht in den Krieg. Aber auch mit den anderen Protagonisten tut man sich schwer, sie sich im Kampf oder in einer Schlacht vorzustellen. Sie üben an der Ballettstange und man vermutet, das sie wenigstens mit den Tanzeinlagen „bella figura“ zu machen hoffen. Tanzt hier der Kongress oder haben sich die preußischen Tugenden in der Tür geirrt?  Den  Ballettsaal,  den Ort der Handlung, hat Katja Haß eiskalt, blitz-blank und blütenweiß eingerichtet. Hier könnte es sich aber auch um eine Industrie-Schlachterei handeln. Farbe kommt erst dann ins Spiel, wenn sich die Kämpfer selber mit Blut beschmieren. So sprechen wenigsten ihre Kleider von heftigen Kämpfen und es fällt nicht gleich auf, dass sie eigentlich träumen und nicht kämpfen. Oder ist das jetzt wieder Traum?

Die Oper « Der Prinz von Homburg » von Hans Werner Henze wird nicht sehr oft gespielt. Stephan Kimmig hat sie nun für Stuttgart neu inszeniert. Sie hat nichts an Zeitgeist eingebüßt und wirkt frisch und aktuell.

Der Handschuh ist das wichtigste Relikt im Stück. Er stellt die Verbindung zwischen Traum und Realität her und ist das einzige – außer seiner Erinnerung – was der Prinz vom Traum in die Wirklichkeit mitnimmt. Beim Erwachen hält er einen Boxhandschuh in der Hand.  Den zweiten entdecken wir später bei seiner Verlobten, der Prinzessin Natalie von Oranien. Das verunsichert ihn, denn es zeigt ja wohl, dass sein Traum Realität war oder die Realität ein Traum? Jedenfalls macht ihn dies stark und er erteilt Befehl zum Angriff, ohne auf die Order des Kurfürsten zu warten. Obwohl er die Schlacht gewinnt, kommt er ins Gefängnis, denn ohne Befehl von oben zählt der beste Gewinn halt nichts. Das war früher auch schon so.

Die militärische Kriegsmaschinerie kommt nicht sehr gut weg und der einzige Disziplinierungs-Drill  passiert an den Ballettstangen. Eine Art midlife-fitness-Programm.  Die Uniformen hat man deshalb auch gleich ganz weg gelassen, mehr noch: die Soldaten und Generäle, auch der Kurfürst,  müssen die Hosen herunterlassen oder stehen – peinlich und pathetisch  –  in Unterhosen da.  Das Gefängnis ist ein Glaskäfig, transparent und begehbar und auch des Prinzen Todesangst ist nicht wirklich echt. Zum Schluss siegt dann doch die Freiheit und das kann man auf den  T-Shirt der Anwesenden lesen.

Dann werden die Türen schon kurz vor Ende geöffnet. Soll hier frische Luft ins Geschehen oder nochmal eine zweideutige Illusion hervorgerufen werden?

Gespielt wird die überarbeitete, kürzere Fassung von 1991, große Chor- und Orchesterpassagen fallen weg.  Die Premiere hat der neue Generalmusikdirektor Cornelius Meister dirigiert. Die zweite Vorstellung am 6.4. der junge  Dirigent Thomas Guggeis.

Robin Adams mit seinem kantigen Bariton ist ein großartiger Prinz. Man kauft ihm das Hin- und Her zwischen Traum und Wirklichkeit jederzeit ab. Für die erkrankte Vera-Lote Böcker sang Vida Mikneviciute aus Litauen an der Seite die Rolle der Natalie; gespielt hat die Rolle die Stuttgarter Regieassistentin Anika Rutkofsky. Eine großartig umgesetzte Notlösung! Helene Schneidermann sang die Kurfürstin, Stefan Margita den Kurfürsten.

Luchino Visconti hatte Hans Werner Henze seinerzeit auf den Stoff von Kleist als mögliche Opernvorlage hingewiesen und Ingeborg Bachmann als Librettistin vorgeschlagen. Hans Werner Henze, der sich nach Italien zurückgezogen und dem Darmstädter Serialismus den Rücken zugekehrt hatte, hat sich mit dieser Oper über vieles hinweggesetzt und wandelt zwischen Zwölfton-Sequenzen und Belcanto-Arien hin und her. Die Jazz-Elemente, die zwischendurch ertönen, erhellen das Ganze.

Sehr gute Aufführung, ausgezeichnet und sehr textverständlich gesungen und musikalisch einwandfrei!

Christa Blenk

 

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Fernand Khnopff im Pariser Petit Palais

khnopff plakat
 Ausstellungsplakat vor dem Petit Palais

 

Le maître de l’énigme (Meister der Rätsel)

Der „Décadentisme“ oder die „Fin-de-siécle“-Bewegung entstand um 1880 als Widerstand gegen die nüchternen Errungenschaften der Wissenschaft und den technischen Fortschritt; beide raubten der Welt ihre Geheimnisse und Mysterien. Die impressionistische Malerei ging in die Natur, verließ intime Innenräume, die Musik erlebte um 1900 radikale, klangliche und rhythmische Erweiterungen  und die naturalistische Literatur besann sich darauf, die Leiden der nicht-privilegierten Gesellschaftsschichten zu beschreiben. Überall bewegte man sich auf Glatteis und Errungenschaften des Adels und gebildeten Bürgertums schienen nicht mehr zu gelten. Bewusster Realitätsverlust sollte verträumte, kitschige Stimmungen und die Vergangenheit wieder aufleben zu lassen. Es entstanden Gruppen wie die Präraffaeliten oder die Nabis.

1886 veröffentlichte der Franzose Jean Moréas das „Symbolistische Manifest“. Der Symbolismus breitete sich in Europa, vor allem aber in Belgien schnell aus, während in Österreich Klimts Jugendstil das Sagen hatte.  Kunst sollte nur Schöpfung oder Kreation und nur sich selbst verpflichtet sein. Als Muse wurde der französische Dichter Charles Baudelaire erkoren und dessen Werk  „Die Blumen des Bösen“ (Les fleurs du Mal) wurde zur Bibel. Weltschmerz und Zukunftseuphorie im ausgehenden 19. Jahrhundert waren nahe beieinander wie Tod und Leben. Der Mann wurde zum frivolen Dandy und die Frau zur dämonischen femme fatale.

Fernand Khnopff (1858-1921), Dandy, Snob, Abkömmling einer gut bürgerlichen Juristen-Familie aus Brügge, schwamm und träumte mittendrin. Bis zu Beginn des Ersten Weltkriegs der Traum wirklich zum Alptraum wurde.

Khnopff könnte durchaus im Frack an der Staffelei gestanden haben. In Brüssel hat er sich eine Art Heiligenschrein bauen lassen, seinen „Tempel des Ich“, wo er seinem Lieblingsgott, Hypnos, huldigen konnte.

Die Werkschau will die Atmosphäre der Villa Khnopff in Brüssel wiedergeben. So betritt der Besucher die Ausstellung durch das nachgebildete Portal dieses palastähnlichen, egozentrischen Hauses. Man weiß nicht sehr viel über ihn oder sein Leben – er hat es verstanden, auch daraus ein Geheimnis zu machen. Fasziniert war er von den Schriftstellern wie Mallarmé oder Rodenbach. Letzterer bekannt für das chef-d’oeuvre des Symbolismus: „Bruges-la-Morte“.  Auf Rodenbachs Wunsch hat Khnopff 1892 den Einband für das Buch entworfen. Er zeigt eine Ophelia mit langen, romantischen Haaren. Im Hintergrund ist eine Brücke über einen Kanal und Bürgerhäuser zu sehen. Der Komponist Erich Wolfgang Korngold hat über 25 Jahre später die Oper „Die tote Stadt“ aus diesem Stoff  komponiert.

Fasziniert sein Leben lang vom chthonischen, griechischen Schlafgott Hypnos, ist Khnopff der Meister der traumdeuterischen Malerei geworden. Für ihn war der Schlaf „das Perfekteste was unsere Existenz zu bieten hatte“. Es geht hier um den betörenden, geborgenen und behüteten Schlaf, jedenfalls auf den ersten Blick, ob daraus allerdings ein Nachtmahr voller Chimären werden sollte, bleibt dem Betrachter überlassen.

Khnopp, eigentlich Student der Rechtswissenschaften, kam in Brüssel über Galerie- und Salonbesuche zur Malerei. Weiterhin beeinflussten ihn Odilon Redon, Ingres, Delacroix oder James Ensor und natürlich Gustav Klimt. Mit ihm und Josef Hoffmann arbeitete er zu Beginn des 20. Jahrhunderts am Palais Stoclet in Brüssel im Stil der Wiener Secession. Seine großen Vorbilder waren allerdings die englischen Präraffaeliten Edward Burne-Jones und Dante Gabriel Rossetti, deren Arbeiten er auf der Pariser Weltausstellung 1878 entdeckte. Sicher kannte er die Arbeiten der deutschen Nazarener-Gruppe, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Wien und Rom die Renaissance-Vergangenheit heraufzubeschwören versuchte .

Um 1600 ist seine Familie von Wien in die südlichen Niederlande gekommen. Erst mit 20 Jahren schrieb sich Khnopff an der Brüsseler Kunstakademie ein. Die ersten Werke waren naturalistische Landschaften oder Portraits.  1884 nahm er zum ersten Mal auf dem Pariser Salon teil und wurde sofort zum Liebling der Bourgeoisie. In den Jahren bis 1890 malte er 34 Portraits, immer wieder stand ihm seine Schwester Modell, mit ihr wohnte er auch bis zu seiner Heirat zusammen.

Vor 40 Jahre waren Khnopffs Arbeiten zum letzten Mal in Paris zu sehen. In Deutschland so gut wie gar nicht.  2004 gab es eine umfangreiche Ausstellung in Brüssel und Salzburg. Viele seine Werke sind in Privatsammlungen und aufgrund der Empfindlichkeit dieser ist es schwierig, sie zu transportieren. Eines seiner Hauptwerke und überhaupt eines seiner größten Arbeiten, das Gemälde  „Memories“ ist aus diesem Grund nicht nach Paris gekommen, es wird aber umfangreich und hinlänglich besprochen und mit Skizzen, Zeichnungen und Fotos dokumentiert.  Hier ist der Einfluss der gerade um sich greifenden Fotografie erkennbar, obwohl Khnopp diesen bei seinen Werken gerne geleugnet hat.  „Memories“ entstand 1889. Sieben junge Frauen der besseren Gesellschaft haben wohl gerade ihr Tennisspiel beendet. Die Lichtverhältnisse vermitteln eine Spät- Nachmittags-Stimmung. Sie stehen teilnahmslos und unabhängig einfach nur so auf dem Rasen, mit dem Tennisschläger in der Hand. Sie kommunizieren nicht miteinander, besprechen nicht freudig den Tag im Freien, das Erlebte oder feiern die Gewinnerin. Nein, ihre großen, kantigen Gesichter blicken ins Leere, ihre Hände oder Körper berühren sich nicht. Sie stehen da, wie eine Ballettgruppe, die auf den Choreografen wartet, um zu erfahren in welche Richtung sie sehen oder gehen oder was sie tun sollen. Vielleicht warten sie aber auch, in Teams eingeteilt zu werden und fangen gerade erst an zu spielen. Ein Ball ist nicht zu sehen und die Schläger wirken wie Dekor. Nicht einmal besonders sportlich sehen sie aus und ähneln Puppen, die nur unterschiedlich gekleidet sind: kein Wunder, seine Schwester hat für alle Sieben Modell gestanden. Ferdinand Hodler hat auch solche Gruppenbilder gemalt, bei denen kein Zusammenhang zwischen den Personen zu vernehmen ist.

Memories hängt im Musées Royeux des Beaux-Arts in Brüssel  und ist eigentlich auch nur wieder das Portrait einer Person. Personen, allein und verloren  im Bild, waren seine Lieblingsmotive.

 „I lock my door upon myself“ (ich schließe mich in mich selbst ein) entstand 1891. Es gehört der Neuen Pinakothek München. Khnopff, der ein großer Bewunderer des Aesthetic movement war, hat es nach einem Gedicht von Cristina Rossetti – die Schwester des Mitbegründers der Gruppe gleichen Namens – gemalt. Das Bild ist eine Allegorie der Einsamkeit inmitten von verdorrten Blumen. Es hat etwas morbides, verdorbenes, unheimlich trauriges und beschreibt den feinfühligen Defätismus, der Khnopff umgab. Eine Untergangsstimmung, die in vielen seiner Werke zu finden ist. Das bekannteste Bild von ihm  „L’art ou Des caresses“ (Kunst oder Die Liebkosungen) entstand fünf Jahre später. Darauf umarmt ein liebliches, androgynes Mädchen einen hermaphroditischen Geoparden mit gelocktem Frauen-Rotschopf. Beide Köpfe ähneln sich. Das Bild hängt im Musée Royeux des Beaux Arts Brüssel und ist eines der wenigen großflächigen Bilder, bei dem Körperkontakt besteht und das Bild des Symbolismus schlechthin.

Ab 1890  war Khnopff regelmäßig in London und mit dem Aesthetic Movement in Berührung. Die neuen Kunsttendenzen zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind an ihm vorbeigelaufen. Er hat sich nicht wecken lassen, weder vom Kubismus noch vom Futurismus und auch nicht von den Expressionisten.

Wie hypnotisiert und vom Schlafgott Hypnos eingefangen  blicken die Frauen aus den Bildern mit großen Gesichtern. Man bekommt den Eindruck, dass er sich nie entscheiden konnte, ob er einen Mann oder eine Frau malen sollte.  Die Frauen oder Personen auf seinen Bildern blicken mit Nosferato-Augen wie durch eine Nebelschicht aus dem Bild heraus – frontal direkt auf den Betrachter gerichtet aber durch ihn hindurch.  Nebelschleier waren in Flandern sicher an der Tagesordnung und sorgen für diese entfernte Stimmung, oder das eingeschlossene der Gesichter, wie zu eng geratene Bilderrahmen. Bei Klimt oder von Stuck ist dies auch zu erkennen. Für Le Masque au rideau noir stand auch Schwester Marguerite Modell. Es ist 26,5 x 17 cm groß und aus einer Privatsammlung. Wie ein  Gespenst irrlichtet sie durch Khnopffs Werk. Auch nach seiner Hochzeit bleibt sie sein Gesicht. Er hat sie idealisiert. 1887 hat er von ihr ein Ganzkörperportrait erstellt. Dort steht sie wie eine weiße Karyatide, eingezwängt in einen Türrahmen mit verschobener Perspektive. Was wohl Freund hierzu gesagt hätte (der Wiener Tiefenpsychologe befasste sich in dieser Zeit vor allem mit der Hypnose)?

Das Triptychon Solitude besteht aus drei ca 150 x 45 cm großen Frauenkörpern: In der Mitte unnahbar, kalt, androgyn, schwarz gekleidet mit einem Schwert Solitude, flankiert von zwei Figuren aus dem Gedicht „The Faerie Queene“ von Edmund Spenser (1590). Auf der einen Seite Britomart, die keusche Kriegerin in einer Rüstung und auf der anderen Seite Acrasia, lockende, schöne Verführerin, nackt nur vom roten Haar oder einem transparenten Schleier entkleidet. Das Triptychon ist nur hier in der Ausstellung zusammen, ansonsten sind die Drei getrennt. Die Gemälde entstanden zwischen 1890 und 1892 und hängen im Musée Royaux des Beaux-Art de Belgique (Acrasia), in der Sammlung der Fondation Neumann, Gingins (Solitude) und in einer Privatsammlung (Britomart).

Auch aus der Mythologie bediente Khnopff sich gerne. „Sleeping Medusa“ (1896) zeigt den Kopf eine schlafenden Frau auf einem Adlerkörper; zwei Jahre später nahm er mit Le Sang de Médusedas Medusa-Thema nochmals auf. Diesmal sieht man nur Medusas Kopf mit Schlangenhaar, wieder sind ihre Augen geschlossen und ihr Kopf nimmt 2/3 des Bildes ein (21,2 x 13,4 cm). Die Gelb- und Grautöne werden nur von der goldenen Explosion unten rechts unterbrochen, als Pegasus aus dem Blut der Medusa entsteht.   

Khnopffs Landschaften erzählen von früher, sind Erinnerungen, vor allem an seine Ferien in Fosset oder die Kindheit in Brügge.  Auf ihnen erkennt man seine Bewunderung für die alten Flamen wie Memling, aber auch ein Einfluss von Vermeer kann nicht verleugnet werden.

Ein Bild heisst „Schumann hörend“ und zeigt den Schmerz und Kummer der in sich versunkenen Zuhörerin – dieses Mal war seine Mutter das Modell.  Es gibt ein ähnliches Bild von James Ensor „La musique russe“ das zwei Jahre vorher entstand und ihm wohl als Inspirationsquelle diente. Ensor war darüber nicht gerade beglückt und bezeichnete Khnopff als Plagiator, zumal die Bilder gleichzeitig im avantgardistischen Salon  XX – den beide mitbegründeten – gezeigt wurden. Die Beziehung der ehemaligen Freunde war für immer zerstört.

 

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 Portrait von Marguerite (hier steht sie als Karyatide in der Eingangshalle des Petit Palais),
 Ausstellungsraum und Eingang zur Ausstellung

 

Fernand Khnopff kannte keine Berührungsängste, arbeitete auch als Journalist und Dichter, Bilderhauer und Bühnenbildner.  1903 entwarf er die Kulissen für das Rodenbach Stück Le Mirage im Auftrag des Deutschen Theaters Berlin unter der Regie von Max Reinhardt.

Khnopff zählt zu den belgischen und europäischen Hauptvertretern des Symbolismus. Zu sehen sind meist zarte Arbeiten, ruhige, melancholische Landschaften, einsame Portraits, Traumwelten seiner Jugend oder Urlaubserinnerungen. Er selber wohnte lange bei seiner Mutter und seine Schwester Marguerite war sein Lieblingsmodell. Er hat bis zu seiner späten Heirat mit ihr gelebt, hat sie verkleidet, drapiert und idealisiert.  Ob die Beziehung der Beiden inzestuös war, weiß man nicht.  

Mit dem Pariser Petit Palais hat man einen perfekten Ort für diese Ausstellung mit ca. 150 Exponaten gefunden. Bis zum 17. März ist sie noch zu sehen. 

Die Schau entstand in Kooperation mit den Königlichen Museen der Schönen Künste in Brüssel. Michel Draguet, Direktor des Musées royaux des Beaux-Arts de Belgique, Christophe Leribault, Direktor des Petit Palais und Dominique Morel vom Petit Palais haben diese sehr informative und umfangreiche Werkschau über Leben und Wirken des Künstlers zusammen gestellt. Die Exponate kommen aus Brüssel, anderen europäischen Museen oder (belgischen) Privatsammlungen. Sehenswert auf jeden Fall!.

Christa Blenk

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Symbolismus-Ausstellung in Mailand

Präraffaeliten

 

 

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Göteborger Symphoniker mit Alice Sara Ott

Das Schwedische Nationalorchester gab am vergangenen Dienstag (19.02.2019)  in der Philharmonie ein Gastkonzert.

Auf dem Programm stand eine neue und sehr wuchtige Komposition von Daniel Nelsen « Steampunk Blizzard ». Das Orchesterstück dauert sieben Minuten und ist rhythmisch auf jeden Fall eine große Herausforderung. 5er und 7er Takte wechseln sich ab. Spannend und mitreißend entstand Steampunk Blizzard als Auftragswerk für das Orchestre National d’île de France. Es wurde im Januar 2017 in Paris uraufgeführt.  Er vereinigt hier zwei Begriffe, die die Industrialisierung beschreiben, vor allem die Erfindung der Elektrizität und so hört es sich auch an. Eine Mischung aus Vergangenheit und Science Fiction und wie die Räder bei großen Maschinen ineinander greifen sind es hier unterschiedliche melodisch-rhythmische Muster, die sich komplex verzahnen.

Nach einem kurzen Umbau schwebt die junge Pianistin Alice Sara Ott in einem langen Traumkleid auf die Bühne. Sie spielt (barfuß) Maurice Ravels (1875-1937) Klavierkonzert G-Dur. Hinreißend und mit großer Perfektion, sehr sensibel und luftanhaltend. Pianisten lieben es, dieses virtuose und schöne 20-Minuten-Stück, mit dem herausragende Musiker immer gerne brillieren und Alica Sara Ott hat bewiesen, dass sie das kann. Die melodisch-satten Pianissimi im langsamen zweiten Satz spielt sie so, dass man sie gerade noch hören kann. Der Stück beginnt und endet mit einem Knall, wird fröhlich und sehr unterhaltsam, fordert  besonders die Bläser heraus und bringt außer Jazz-Elementen und Musikstile der 1920er Jahre auch Klänge aus seiner baskischen Heimat hervor. Vor allem aber erinnert es an Gershwins ein paar Jahre vorher entstandene bahnbrechende  Rhapsody in Blue. Dieses Klavierkonzert in G-Dur gehört zu Ravels letzten Kompositionen, über zwei Jahre hat er daran herumgefeilt – gleichzeitig war er mit der Komposition für sein Klavierkonzert für die linke Hand beschäftigt. Der einarmige Pianist Paul Wittgenstein hatte es bei ihm in Auftrag gegeben.  Ravel konnte allerdings sein Klavierkonzert G-Dur nicht mehr selber am Klavier vortragen, da er unter einen langsam fortschreitenden Lähmung seiner Hände litt. Er dirigierte aber die Pariser Uraufführung 1932 (am Klavier Marguerite Long).

Das Publikum hat ihr dann noch eine Zugabe von Eric Satie abgerungen.

Nach der Pause schließlich Jean Sibelius (1865-1957) Sinfonie Nr. 5 Es Dur. Dirigiert vom finnischen Pultstar Santtu-Matias Rouvali. Der junge Dirigent bringt zu jedem Konzert eine Botschaft aus seiner skandinavischen Heimat mit. Für ihn steckt die Musik von Sibelius voller Geschichten, über die Natur, das Klima und die Politik. In einem Interview in München hat er die Verzweiflung seines Volkes zu Zeiten von Sibelius erwähnt  und bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen, dass die UN 2018 die Finnen zum glücklichsten Volk der Welt erklärt hat.

Viel Applaus!

cmb

 

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Franz Trio zu Gast in Zehlendorf

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Seemannsgarn und Landabenteuer oder Winkelmesser und Metronom

Vor knapp einem Jahr war das fabelhafte Franz Trio schon einmal zu Gast bei den Zehlendorfer Hauskonzerten. Damals spielten sie Werke von  Zoltán Kodály, Jean Françaix  und Franz Schubert.  Auch für das gestrige Konzert haben die Drei wieder ein ganz besonderes Schmankerl ausgegraben und nach der sehr frei interpretierten heiter-verwegenen Serenade op 8 von Beethoven aus dem Jahre 1797 ein eindrucksvolles und sehr aufregendes Werk von Jean Cras (1879-1932) im Wohnzimmer zur Aufführung gebracht.

Jean Cras ist bei uns eher unbekannt und seine Werke werden leider so gut wie nie aufgeführt. Dabei ist das Trio für Streicher ein kurioses Ereignis. Der Komponist gab sich außer seiner Leidenschaft zur Musik, die er von seiner Mutter hatte, einer zweiten Leidenschaft hin: der See. Sein Vater war Marinearzt und so machte auch der Sohn bei der Marine Karriere, was ja für einen Bretonen nicht gerade unüblich ist!  Als 13-Jähriger trug er öffentlich seine erste Komposition am Klavier vor; mit 17 trat er in die Marineschule ein. Um 1900 befasste er sich – auf Rat seines Komponistenfreundes Henri Duparc – mit der Analyse von Beethovens Streichquartetten. Er bekam sogar eine Auszeichnung, weil er wohl im Ersten Weltkrieg ein U-Boot versenkt hat.

Jean Cras hat ein Navigationsinstrument erfunden und bei ruhigem Seegang Musik komponiert. Zu diesem Zwecke befand sich immer ein Klavier an Bord. Dieses Trio ist eine großartige Mischung aus Heimat und Ferne, Land und Wasser, Traum und Wirklichkeit. Stilvielfalt und Freiheit zeichnen es aus, geprägt von Einfällen und Ideen, die bei seiner Rückkehr an Land aus seinem salzigen Gepäck sprudelten. Brest, seine Heimatstadt, hat ihm dafür ein Denkmal errichtet.

Das Streichertrio entstand 1926 und will weder die Spätromantik noch Debussys Hauptwerk „La Mer“  verbergen. Aber nicht nur Jean Françaix hat Music pour le plaisir komponiert! Bei Jean Cras spürt man sie auch, die lautmalerische Leidenschaft mit Tönen von Riesenkraken oder tausend-armigen Seeungeheuern zu erzählen. Die Freude von Jean Cras am Komponieren und die Begeisterung der ausgezeichneten Solisten des Franz Trio Avigail Bushakevitz (Geige), Ernst-Martin Schmidt (Bratsche) und Constance Ricard (Cello) am Interpretieren dieses fabelhaften Werkes ist direkt auf die Zuhörer übergesprungen.

Das Streichertrio besteht aus vier Sätzen, die eigentlich nicht zusammen hängen und ein originelles Eigenleben haben. Während man im ersten Satz die Bretagne zu hören vermeint, das Rauschen, die drohenden, rauhen Winde, die Wellen, die sich an den Felsen brechen und das plötzlich zur Ruhe kommende Meer, das sanft glitzernde Karibikfarben hervorbringt, lässt Cras im zweiten Satz sein Heimweh durch das Cello ausdrücken. Hier geht er an Land, in Nordafrika oder Asien vielleicht und erfreut sich an geometrisch plätschernden Springbrunnen und Arabesken. Die hitzigen Pizzicati klirren wie die Segelmasten im Wind und rufen ihn wieder an Bord zurück, vielleicht erzählen sie aber auch von einer aufgeregten Vorfreude, bald wieder heim zu kehren. Im dritten Satz, Animé, legt er einen Zahn zu und schickt galoppierende Pferde durch sonnige Jazzelemente in den Wilden Westen, wo sein schwermütiges Banjo zur sehnsüchtigen Balalaika wird, um gleich darauf im vierten Satz, très animé, vollkommen auszurasten. Kältere, irisch-bretonische Klänge werden zu einem ausgelassenen  Square Dance bis das Abenteuer mit dampfendem Rauch zu Ende geht. 

Das ausgezeichnete Franz Trio hat sich sehr wohl mit dieser flammend-dynamischen See-Land-Weltreise gefühlt und tiefe, eleusinische und unerklärliche  Klänge aus den Instrumenten und Noten hervorgeholt, die man gar nicht vermuten konnte.

Avigail Bushakevitz hat mit ihrem Ehemann, dem Bratschisten Ernst-Martin Schmidt und der Cellistin Constance Ricard vor ein paar Jahren das Franz-Trio gegründet. Das Musikerehepaar lebt seit ein paar Jahren in Berlin und ist u.a. Mitglied des Konzerthausorchesters Berlin. Constance Ricard wurde in Paris geboren und lebt ebenfalls seit 2012 in Berlin, wo sie ihre Zeit zwischen dem Orchesterspiel und verschiedenen Kammermusikgruppen aufteilt. Sie wird demnächst in Zehlendorf ein Solo-Cellokonzert geben.

pesca

Christa Blenk

 

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Violetter Schnee

Zeitgenössisches Opern-Highlight vor einem bruegelschen Meisterwerk

Fast hört es sich an wie der aktuelle Wetterbericht in Bayern und Österreich nach den Weihnachtsferien. Schnee und noch mehr Schnee und alle, die nicht in dieser Schneelandschaft wohnen, wollen hin, um diesen Ausnahmezustand mitzuerleben, wollen eingeschneit sein, um später darüber reden zu können.

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(c) Sebastian Blenk

Im Auftrag der Staatsoper Berlin hat der Schweizer Komponist Beat Furrer „Violetter Schnee“ nach einem Text von Händl Klaus basierend auf einer Vorlage von Vladimir Sorokin komponiert. Mitte Januar 2019 fand die Welturaufführung in der Staatsoper statt.

Die Welt befindet sich in einer Art Endzeit, die Apokalypse naht. Fünf Menschen, zwei sehr unterschiedliche Paare und Jacques, sind von ihr abgeschnitten, irgendwo in den Bergen vielleicht, und es hört einfach nicht auf zu schneien. Das Zeitgefühl geht verloren, die Flocken rieseln leise durch die ungemütliche Stille auf die Welt. Ein « Viaggio a Reims » im Schnee. Es geht um Schweigen, um Trennung, um Verlust, um Fremdsein und Fremdwerden – aber immer piano, nur die Musik tobt mit eisigen, klirrenden Klängen dazu, keine Wohlfühloase, obwohl durchaus leichter aufzunehmende Arien unterbrechen.

Die Geschichte passiert im und vor Bruegels Bild „Die Jäger im Schnee“,  es entstand 1565 und hängt im Wiener Kunsthistorischen Museum.  Am Anfang entsteht es im Großformat vor der Bühne, wird erkenntlich, dann langsam transparent, bis man hinter dem Bild Menschen im Museum vor dieser berühmten Schneelandschaft stehen sieht, die es gerade betrachten.

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(c) Agi Blenk

Während Martina Gedeck fast hilflos einzelne Szenen auf dem Gemälde beschreibt, dabei nach Wörtern sucht, singen die fünf Darsteller in unterschiedlichen Gemütszuständen und  in 1950er Jahre Kostüme von Ursula Kudrna gewandet, vor sich hin. Das Gemälde ist viel mehr als eine Schneelandschaft. Die Farben Weiß und Grau dominieren, Wolken verdecken die Sonne, alles ist zu- oder eingefroren. Die Jäger kommen mit ihren Hunden und einer Beute nach Hause, eine alte Frau sammelt Reisig, Kinder laufen Schlittschuh. Claus  Guth hat das Bild fragmentiert und jede Szene zum Leben erweckt. So müssen sich immer wieder einzelne Personen aus dem Bild in das phlegmatische Geschehen mischen, ohne dass es jemand wahrnimmt. Unbeteiligt bewegen sie sich in Zeitlupe von einer Seite der Bühne zur anderen. Zwei Parallelgeschichten passieren hier. Dann bewegt sich die Bühne nach oben, ins Freie, dort hadert Jacques auf einer Bank, er erkennt die Sprecherin Tanja als seine verstorbene Ehefrau. Träume werden eingeblendet und wir erfahren, wie sich seine Frau am Rande einer fröhlichen Geburtstagsfeier das Leben nimmt.

Das Ende näher sich ganz langsam, sprachlos eigentlich und die Flocken wirken gar nicht bedrohlich, das bedrohliche ist die Stille, die Langsamkeit,  die Sprachlosigkeit. Zum Schluss eine kalte Sonne oder irgend ein anderer Planet – immer weiter weg, unerreichbar und verloren im Universum.

Großartige Solisten wie Anna Prohaska, Elsa Dreisig, Gyula Orendt, Georg Nigl und Otto Katzameier leisten übermenschliches. Bei dieser Musik gibt es kein Netz oder keine Melodie, an der sie sich orientieren können. Die letzte Vorstellung in dieser Spielsaison am 31. Januar hat Furrer selber dirigiert.

Rasender Applaus.

Schnee
(c) Philipp Blenk

Christa Blenk

 

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Celis / Eyal – Staatsballet Berlin

Genesis und biologische Roboter

Nach dem vorzeitigen Rücktritt von Nacho Duato hat der Schwede Johannes Öhman, die Leitung des Staatsballetts Berlin im Herbst 2018 übernommen. 2019 kommt Sasha Waltz als Ko-Direktorin dazu.

Die Premiere seines ersten Auftritts hat am 7. September mit der Doppelproduktion Celis – Eyal stattgefunden. Es handelt sich hier zwar nicht um Neuproduktionen, aber um zwei  interessante, sehr unterschiedliche Aufführungen.

Das erste Stück des Belgiers Stijn Celis „Your passion is pure joy to me“ entstand bereits 2009. Er hat es für das Theater Göteborg entwickelt. Sieben Tänzer befinden sich auf einer religiösen Sinn- und Beziehungssuche zur Musik vor allem von Nick Cave, Pierre Boulez, Gonzalo Rubalcaba und Krzysztof Penderecki. Celis bezieht sich beim Titel auf einen Choral von J.S. Bach. Großartige Leistung der Tänzer.

Die zweite Performance nach der Pause „Half Life“ hat die kraftvolle und sehr expressive Produktion des Belgiers Celis einfach ausgeknipst. Während die Musik zu „Your passion is pure joy to me“ nicht unbedingt die Bewegungen der Tänzer begleitet, sie nicht unterstreicht – das hat er wohl auch nicht gewollt –  eine andere sein könnte, ist für Eyals Stück „Half Life“ die Trommel-Techno-Musik von Ori Lichtik lebensnotwendig, um die Androiden Armee in Bewegung zu setzten.

Die Tänzer-Protagonisten kommen vielleicht von einem anderen Planeten, der sich auf etwas Unheimliches vorbereitet. Es könnte sich aber auch um eine Art „letztes Gericht“ handeln,  um die Vertreibung aus dem Paradies oder um ein Zurückkommen zur Urzeit, mit der Auflage, das Böse zu vertreiben, handeln. Eyal zitiert den expressionistischen Stummfilm, die Kunst der Renaissance und die des 21. Jahrhunderts (Stefania Fabrizi hat im römischen MAAM eine solche Armee an die Wände einer ehemaligen Fabrik gemalt, die später zu einer Art Kunstraum umgewandelt wurde).

Eine Stromwelle verbindet die Tänzer mit unsichtbaren, aber flexiblen Ketten. Ekstase und Rhythmus, Kraft und Eleganz wechseln sich ab. Sind es Menschen die Roboter imitieren oder Roboter, die lernen möchten, wie Menschen zu sein. Großartig und beunruhigend, diese tanzende, stampfende  Fehde. Die Tänzer tragen transparente Un-Kleidung, fleischfarbene Lendenschurze oder Bikini-Oberteile und wirkten von Weitem nackt. Sie blickten finster und irritierend aus der Zukunft auf die Welt herab und sind gesteuert von einer finstern und überirdischen, göttlich-teuflischen Intelligenz. Ein Bühnenbild gibt es Gott-sei-Dank nicht. Man hätte keine Gelegenheit, es wahrzunehmen, so sehr vereinnahmt das Geschehen.

Zwei Körper, die gefühlte 10 Minuten immer wieder dieselben Bewegungen wiederholen, kündigen an, dass Eyal das Publikum an deren Grenzen bringen will. Seine Gesten sind obszön, während die Frau mit großer Eleganz und schönen Bewegungen auf der Stelle marschiert, Arme und Beine unterschiedlich einsetzt. Sie ist eine martialisch, unterkühlte, leidenschaftslose Modepuppe, die irgendwo ankommen muss. Immer wenn man meint, dass nun eine Änderung der Bewegungsabläufe angebracht wäre,  geht es wieder einfach nur so weiter, bis dann doch minimale Veränderungen auszumachen sind. Im  Hintergrund bildet sich eine Menschenformation, die sich tanzend in die Mitte der Bühne zuckt. Großartige Bilder entstehen und immer wieder kommen die Tänzer auf die Anfangssituation zurück, marschieren weiter ohne vom Fleck zu kommen und tanzen sich um den Verstand.

Zusammen mit Gai Behar leitet Sharon Eyal  die L-E-V Dance Company und hat 2017 „Half Life“ für das Königlich Schwedische Ballett Stockholm entwickelt.

Hier ist nun eine neue Ära des zeitgenössischen Tanzes angebrochen. Mehr kann man nicht erwarten. Dieses Stück ist jetzt schon Tanzgeschichte.

„Half Life“ bekommt auch bei der 11. Vorstellung am 29. Dezember 2018 Standing ovations und viele Vorhänge!

cmb

 

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Hänsel und Gretel

Märchen sind grausam

Eigentlich sollte es nur Musik für ein Puppenspiel als Geschenk für seine Schwester werden. Heute zählt Engelbert Humperdincks Werk zu den beliebtesten Opern, die vor allem um die Weihnachtszeit jedes Jahr unzählige Kinder mit der Musik bekannt macht. Die Uraufführung fand 1893 in Weimar statt.

Spielerisch leicht hört es sich an, zumal wir alle diese samtig-geistreichen Ohrwürmer  auch schon im Kindergarten gehört und gesungen haben, dann wird es aber wieder theatralisch-grüblerisch und phantasiereich.  Eine Mischung aus einfachem Kinder-Sing-Sang und pastoraler Sinfonie-Romantik. Farbenfroh und angsteinflößend. Immer wieder lehnt er sich an Wagners Musik an, zitiert ihn. Er selber hat sein Werk ein Kinderstuben-Weihfestival genannt, welches Humperdinck den Opern-Durchbruch möglich machte.

Es funkelt und leuchtet, spiegelt und glitzert. Am Ende der Bühne lassen verschiebbare Bäume den Dirigenten sehen, der sich dankend verbeugt. Achim Freyer hat Elemente aus der Staatsopern-Zauberflöte und Katharina Wagners Meistersinger-Inszenierung vereint, und Hänsel und Gretel mit Pappmaché Köpfen ausgestattet. Hier zollt Humberdinck über Freyer seinem Lehrer Wagner eine hommage. So winken und nicken sich die beiden mit ihren übergroßen Köpfen über die Bühne, tanzen, spielen und singen.

Die naschende Katze wie auch der Hunger-Koch, der als große, weiße Gestalt mit Augen- und Bauchloch herumläuft, sind sehr gelungen. Die Hexe ist ein Mann, nicht buckelig und hat einen wurstigen Mund und Kuchenaugen, eine Kaffeetasse auf dem Kopf und eine geschmacklos lange Salami-Nase. Das Hexenhaus ist viel zu klein und der stibitzte Lebkuchen darf auch kein rotes Herz sein. Ansonsten tummeln sich witzige Fantasiefiguren über die Bühne. Aber warum steht da Revolution am Ende?

Das Märchenspiel in drei Bildern von Engelbert Humperdinck entstand 1893 nach einer Dichtung von Adelheid Wette, basierend auf dem Märchen der Gebrüder Grimm. Bei Original setzen die armen Eltern ihre Kinder Hänsel und Gretel im Wald aus, weil es nicht genug Essen zu hause gibt.

Bei Humperdinck werden die egoistischen Kinder von der Mutter zum Erdbeerenpflücken geschickt, weil sie wieder mal böse waren und beim Spiel den Kochtopf zerbrochen haben. Nachdem sie den selbt-gepfückten Erdbeeren für die Mutter nicht widerstehen können und sie allesamt vertilgen, ist es Nacht und sie finden den Weg nicht mehr nach Hause. Der Sandmann kommt und singt sie in den Schlaf. Die Kinder träumen vom Zirkus und von Akrobaten und anderen schönen Dingen bis sie aufwachen und vor dem Lebkuchen-Haus der Hexe vom Ilsenstein stehen. « Knusper, Knusper, Knäuschen, wer knappert an meinem Häuschen » ? « Der Wind, der Wind, das himmlische Kind ». Zuerst fällt die Hexe darauf herein aber schließlich landen die beiden  doch hinter Gittern und werden von der Hexe gemästet, damit sich diese bald ein Festmahl gönnen kann. Das ist Kannibalismus pur. Aber Hänsel ist schlau, und streckt der Hexe immer ein Holzstäbchen anstatt seinem Finger hin, denn er will einfach nicht zunehmen.

Zum Schluss gibt es ein Happy End. Die Kinder töten die böse, gefräßige Hexe und finden nach Hause, wo sie von glücklichen Eltern empfangen werden.

Sängerisch und musikalisch sehr schön und einwandfrei.  Am Pult am 27. Dezember 2018 Christopher Moulds. Katrin Wundsam sing Hänsel und Adriane Queiroz Gretel. Arttu Kataja und Marina Prudenskaya sind die Eltern und Jürger Sacher die Knsuperhexe.

cmb

 

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Die tote Stadt

Erich Wolfgang Korngold (1897-1957)  galt als Wunderkind und für den großen Puccini war er die neue Hoffnung am europäischen Musikhimmel. Schon mit 11 Jahren komponierte der das pantomimische Ballett „Der Schneemann“. Irgendwo zwischen Spätromantik und moderner Klassik, brachte ihm seine Hauptoper „Die tote Stadt“ 1920 viel Ruhm ein. 1934 ging er aus politischen Gründen und auf Einladung von Max Reinhardt nach Hollywood und komponierte von dieser Zeit an vor allem sehr erfolgreich Filmmusik. In Los Angelos starb er dann auch im Alter von 60 Jahren und konnte zu dieser Zeit mehrere Oscars und Nominierungen für Filmmusik vorweisen.

Im Dezember hatte die  Komische Oper Berlin sein frühes Meisterwerk Die tote Stadt auf dem Spielplan. Entstanden ist dieses Werk nach dem Roman von George Rodenbach „Bruge la morte“.

Der Kanadier Robert Carson hat das Werk als  psychologisches Hollywood Epos inszeniert und zitiert den amerikanischen Glamour der Tanzmusicals mit Ginger Rogers oder Rita Hayworth der 40er und 50er Jahre aber auch Alfred Hitchcock. Durchaus nachvollziehbar, wenn man an Korngolds Hollywood-Karriere denkt.

Im Pult feierte der neue GMD Ainārs Rubiķis seinen Einstand und ging mit dieser heftigen Musik gut um, obwohl die Sänger sich dann und wann die Bühne vom groß besetzten Orchester zurückerobern mussten. Celesta und Harfe kamen aus den oberen Seitenlogen dazu.

Paul hat sich nach Brügge zurückgezogen, um sich dort nach dem Tod seiner geliebten Frau nur noch ihrem Andenken zu widmen. Seine  »Kirche des Gewesenen« ist ein Schrein der Erinnerung. Er lebt in einer unrealistischen Vergangenheit, umsorgt nur von seiner Magd Brigitta. Eines Tages begegnet  er auf der Straße der Tänzerin Marietta. Sie sieht seiner Frau zum Verwechseln ähnlich und Paul verfällt ihr sofort. Er erkennt die Chance, die tote Geliebte ins  Leben zurück zu holen. In der Folge vermischen sich Traum und Wirklichkeit. Gequält von Eifersucht nach einem Hollywood-Auftritt Mariettas mit ihren Kollegen-Verehren – darunter auch sein Freund Frank – erwürgt er Marietta mit  den Haaren der Verstorbenen.

Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Warum ist seine Frau verstorben und hat er Marietta wirklich getötet?

Carson hat die Anfangsszene in ein gut bürgerliches, mit kostbaren Möbeln ausgestattetes Schlafzimmer verlegt, dort befinden sich auch der Schrein, unzählige Fotos der Toten und deren Haare.  Für die Beerdigung mit schwarzen Regenschirmen öffnet sich der Raum nach draußen. Dann schwebt Marietta von oben auf einem Leuchter sitzend auf die Bühne herab und vermischt sich mit einer glitzernden Tanzgruppe. Sehr schöne Choreografie von Rebecca Howell, vor allem die Probe des dritten Aktes von Meyerbeers „Robert der Teufel“ , die in das Werk eingebaut ist. Beeindruckend die Prozession im dritten Akt mit zehn Madonnenfiguren, die das Blau von Maries/Mariettas Schal aufnehmen. Im letzten Akt erdrosselt Paul die sehr provozierende Marietta, aber auch dies nur ein Traum?

In der Schlussszene kommen Pauls Freund Frank und Brigitta in weißen Ärztekitteln in den Raum und fordern ihn auf, sie doch zu begleiten und die Stadt zu verlassen. Vielleicht begleiten sie  ihn aber auch in eine psychiatrische Einrichtung!

Textverständliches Singen hat man etwas vermisst. Marietta/Marie (Sara Jakubiak) war großartig in der Rolle einer femme fatale und hat das schauspielerische mit dem sängerischen mit großer Natürlichkeit vereint. Sehr sauber Aleš Briscei (Tenor) als Paul. Marie Fiselier singt Brigitta und Günter Papendell ist Frank.

cmb

 

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I Tre Gobbi – Teatro La Fenice

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Acqua Alta in Venedig

 

Der große italienische Komödienschreiber Carlo Goldoni (1707-1793) schrieb das Libretto zu Vincenzo Legrenzio Ciampis Intermezzo musicale „La favola de tre gobbi“ (Die Geschichte der drei Buckeligen). Das Werk entstand 1749 in Venedig.

Michele Modesto Casarin (der auch selber mitspielt) und Alberto Maron haben in einer gemeinsamen Produktion des Teatro La Fenice, der venezianischen Theaterkompagnie Pantakin Commedia und dem Woodstock Teatro eine Bearbeitung in Anlehnung an die Musik von Ciampi ausgearbeitet und diese mit Ilenia Tosatto (Sopran), Andrea Biscontin (Tenor) sowie dem Ensemble Harmonia Prattica im November 2018 in der Sale Apollinee aufgeführt. Kostüme und Masken sind von Licia Lucchese und Roberta Bianchini.

Alessia D’Anna, Claudio Colobmo, Davide Dolores, Michele Modesto Casarin haben hier die  Commedia dell’Arte wieder aufleben lassen und mit viel Witz, Humor, Slapstick, Begeisterung und schöner Musik ein permanentes Lächeln auf die Gesichter der glücklichen Zuschauer gezaubert, das noch ganz lange in den Abend hinein angehalten hat.  

Zur Geschichte: Carlo Goldoni ist nicht gut drauf. Leicht angetrunken torkelt er auf die Bühne, er hat eine Schaffenskrise und vor allem Schulden, die fällig werden. Die Geldeintreiber Beccaferro und Tagliacarne, zwei trottelige Gesellen, stehen vor seiner Tür und drohen damit, seine Fußsohlen abzuschneiden, wenn er nicht endlich die Schulden, die er beim venezianischen Edelmann Grimani hat, zu begleichen. Da er aber nicht bezahlen kann, verspricht er, etwas zu schreiben und schindet so noch drei Tage Aufschub heraus. Seine Dienerin, Catte (großartig Alessia D’Anna), rät ihm, das Theater doch endlich sein zu lassen,  versorgt ihn aber vor dem wichtigen Projekt noch mit Rosolio. Goldoni, voller Schaffenseifer, widmet sich aber mehr dem Alkohol als den Wörtern und schläft die drei Tage durch, spricht: er verschläft seine Chance. Catte weckt ihn, als die Zwei wieder auftauchen. Eine wilde und köstlich gespielte Jagd beginnt und schließlich bekommt er nochmals eine Galgenfrist bis zum Abend. Catte erzählt ihm die Geschichte der drei Buckeligen und er schreibt sie direkt den Darstellern (die beiden Geldeintreiber und er selber) auf den Leib. So wird sein Schreibzimmer zur Bühne und Catte zu der vornehmen Madame Vezzosa, in die sich die drei Buckeligen verlieben. Dichtung, Realität und Komödie vermischen sich und Catte träumt von einer Karriere als Schauspielerin. Zum Schluss schlägt Goldoni vor, die Musik von Ciampi komponieren zu lassen.

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Mehr kann man von Volkstheater nicht verlangen!
Bravi.

Christa Blenk

 

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Von Feen und Zauberern

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Die Bretagne ist die größte Halbinsel Frankreichs und der westlichste Ausläufer des europäischen Festlands, nördlich der Iberischen Halbinsel. Armorica haben die Gallier dieses Land genannt, was so viel wie Land am Meer bedeutet. Vor allem wegen ihrer faszinierenden und wunderschönen Küsten ist die Bretagne beliebt und bekannt, sei es die Côte de Granit Rose im Norden der Bretagne, seien es die Glenan Inseln oder die wilde Pointe du Raz im Südwesten oder sei es das milde, fast tropische Klima am Golf von Morbihan. Traumhafte Sandstrände die eher an die Karibik als an den Atlantik erinnern zwischen steilen Kliffen.

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Quelle von Barenton, Hotie de Viviane

 Nicht weit weg von Rennes, im Innern der Bretagne, im Wald von Brocéliande, hat angeblich  der Zauberer Merlin sein Unwesen getrieben. Sein Grab jedenfalls kann man dort besuchen und überall wo man hinkommt, trifft man auf ihn. Sein Konterfei ziert Kaffeetassen oder T-Shirts und manche Besucher verkleiden sich sogar als Merlin und spazieren mit Bart und Spitzhut durch den Wald. An der Quelle von Barenton, die man sehr gut zu Fuß erreichen kann, hat er sich in die schillernde Fee Viviane verliebt und ihr gleich ein Glasschloss am See von Comper errichtet. Nur geladene Besucher von Viviane sollen es sehen können. Die Quelle hat aber noch viele andere Qualitäten, sie heilt Krankheiten, kann sogar Regen hervorrufen und jungen Mädchen zu einem Ehemann verhelfen, man muss nur die richtige Formel kennen.

Der Wanderweg durch den Laubwald, vorbei an plätschernden Quellen und Rinnsalen, über Stock und Stein, begleitet vom singenden Wind, ist wirklich zauberhaft. Hier soll der sagenumwobene König Artus mit seinen Rittern zahlreiche Abenteuer geplant haben und natürlich wurde auch hier nach dem Heiligen Gral gesucht, der sich wohl immer noch in den Wäldern der Bretagne versteckt hält. Dieses Zaubergefäß soll die Form einer Schale oder eines Kelches, vielleicht aus Stein, haben und wird in einer unwirtlichen und unzugänglichen Burg von Gralsrittern bewacht. Ewige Jugend und Wohlstand soll er bringen, aber das haben wir ja alles schon bei Indiana Jones gelernt.

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Ein weiterer, nicht zu missender Ausflug, führt in das Tal ohne Wiederkehr (Val sans Retour). Hier wütete eine andere Fee, Morgane. Ihren untreuen Liebhaber entkamen dem Tal nicht, davor sorge ein Drache. Erst der Tafelritter Sir Lancelot besiegte den Drachen und verhalf so unzähligen eingeschlossenen Männern zur Freiheit. Über diesen berühmtesten Ritter der Tafelrunde, der als Kind schon von der Fee Viviane im Schloss am See behütet wurde, gibt es auch ganz unterschiedliche Geschichten. Vor allem bekannt ist uns seine Liebe zu Guinevere oder Gwenhwyfer, Königs Artus Gattin. Diese Liebe macht ihn dann aber unwürdig, weiter nach dem Gral zu suchen.

Auch Parzival, der reine Tor, der sein Zuhause verlässt um Ritter am Hof von König Artus zu werden, gehört zu den Gral-Suchern. Über ihn und sein Umfeld gibt es so viele Varianten wie es Kelche gibt und die Literatur und Musik greift immer wieder auf dieses Thema zurück. Am bekanntesten ist hier Wagners Bühnenweihfestspiel von 1882  oder die Rolle des Grals im Lohengrin.

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Der französische Dichter Chrétien de Troyes hat schon im 12. Jahrhundert darüber berichtet. Bei uns war es Wolfram von Eschenbach, der um 1200 Chrétens Roman übersetzte und mit anderen Quellen ausgeweitet hat.

Am besten schlägt man sein Quartier in Paimpol auf, dieser Ort liegt mitten im Wald, dort befindet sich auch die Pforte der Geheimnisse (La Porte des Secrets) in der man sich über alles bestens informieren  und den Wald schon mal virtuell erforschen kann. Es ist ein wenig kitschig, aber durchaus unterhaltsam. Später kann man dann mit organisierten Touren auf einer vierstündigen Wanderung alle bedeutenden Plätze besuchen. Wenn man einen guten Conteur (Erzähler) erwischt, erfährt man auch unzählige Bretagne-Mythen und Legenden.

Feste Schuhe und eine Flasche Wasser sind unbedingte Voraussetzung.

PS die US-Schweizerische Künstlerin June Papineau würde sich hier in ihrem Element finden.

Christa Blenk

Fotos: (c) Christa Blenk

 

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Lohengrin an der Deutschen Oper Berlin

Deutsche Oper Lohengrin

LOHENGRIN von Richard Wagner, Deutsche Oper Berlin,
Premiere am 15. April 2012, copyright: Marcus Lieberenz

 

Die größte Ehre, die man einem Menschen antun kann, ist die, dass man zu ihm Vertrauen hat. (Matthias Claudius)

Um Vertrauen und wodurch sich die Liebe definiert geht es auch bei Lohengrin.  Für die US Kolumnistin Joyce Brothers war es ganz klar denn sie meinte einmal „Der beste Beweis der Liebe ist Vertrauen“.  Aber wie wir ja alle wissen, hat Wagner dieses Zitat nicht gekannt und sich gegen das Vertrauen und für die Kenntnis entschieden. Dementsprechend lässt er dann auch Elsa die zerstörerische Frage nach Namen und Art fragen und wischt das „Nie sollst Du mich befragen“  einfach weg und damit auch Glück und Liebe.

Aber nur das reicht natürlich nicht für vier Stunden, da braucht es noch Kriege, Intrigen und Böses. Dieses durchkomponierte, musikalische Drama von Wagner kommt nur ab und zu noch auf die altbewährte Form der Soloarien zurück, wenn Elsa ihren Traum erzählt zum Beispiel oder Lohengrin sich als Gralsritter outet.

Die Geschichte spielt im frühen Mittelalter, genauer gesagt in der Mitte des 10. Jahrhunderts. Wagner hat die Handlung nach Antwerpen verlegt, weil er die Gestalt des Schwanenritter einbauen wollte, der ursprünglich vom Niederrheinischen kommt. Brabant gab es damals natürlich auch noch nicht.  Wagner hat den Streit der ostfränkischen Stämme in seine Zeit der liberal—demokratischen Nationalbewegung gelegt und wenn er Heinrich den deutschen König nennt, dann ist das seiner blühenden Phantasie entsprungen und durch ein Vermischen von Sagen, Mythen und geschichtlichen Ereignissen entstanden.  Das Scheitern der Hauptprotagonisten ist stellvertretend für das Scheitern politischer Utopien in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Die Ouvertüre bietet ein tristes after-war-Szenario. Die Bühne ist übersäht von leblosen Körpern, Kriegsopfer wohl, und Frauen suchen nach ihren Männern, finden sie tot danieder liegend und brechen zusammen. Dann fällt der Vorhang und der Name LOHENGRIN steht in großen Buchstaben auf dem schwarzen Vorhang.

Sehr martialisch und laut wird herum gedonnert bis das Erscheinen der reinen, zarten Elsa Musik und Bühne erhellt.  Der glänzende Schwanenritter kommt zwar ohne Schwan dafür aber mit Flügel daher, die ihn schon direkt als Beschützer von Brabant definieren, noch bevor er Telramund besiegen wird.  Die Brabanter sind ein opportunistischer Mob, der sofort sein Fähnchen in den Wind hängt und umgehend den geheimnisvollen Lohengrin verehrt. Die Frauen kommen sowieso nicht gut bei ihm weg. Sie sind unschuldig, dumm, neugierig oder  bösartige und heimtückische Personen, die permanent die falschen Entscheidungen treffen. Ortrud, die Hexe, schürt und intrigiert und schon der Hochzeitsmarsch am Anfang des dritten Aktes steht unter einem bösen Stern.

Die Premiere dieser Produktion fand im April 2012 statt. Nur Klaus Florian Vogt in seiner Paraderolle und Petra Lang sind bei der letzten Aufführung in dieser Saison noch mit dabei. Anja Harteros übernahm die Rolle der Elsa und das hat sie großartig gemacht. Textverständlich und sicher waren sie Alle. Am Pult stand nicht Donald Runnicles. Axel Kober dirigiert das gute Orchester der DOB  – übersichtlich und fast minimal lässt er den Sängern viel Raum, sich auszubreiten.

Die Inszenierung von Kasper Holten passt gut zur schnörkellosen Leitung von Kober. Die hochgestreckte Faust in politisch nicht ganz korrekter Manier hat uns kurz schlucken lassen, aber ansonsten eine Inszenierung wie man sie sich wünscht und die die Musik in die erste Reihe stellt. Der kleine Gottfried, den Elsa in ihren Armen hereinbringt und ihn auf das weiße Marmorgrab legt das gerade noch ihr blütenweißes Hochzeitsbett war,  ist nur ein blutiger Fetzen. Ortruds Zauberstab waren grüne LED-Fäden.

Steffen Aerfing hat die Kostüme entworfen. Die Lichteffekte waren von Jesper Kongshaug.

Richard Wagner selber war bei der Premiere im August 1850 in Weimar, die Franz Liszt dirigierte, gar nicht anwesend, da er sich zu dieser Zeit schon im Exil in der Schweiz aufhielt und steckbrieflich gesucht wurde.

Christa Blenk

KULTURA EXTRA hat zweimal darüber berichtet:

Premiere

und drei später später mit Waltraud Maier

 

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Hauskonzert in Zehlendorf

 
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 Man-Yi Guo, Daniel Pacitti, Shih-Cheng Liu

 

Das kleine Sternbild Kreuz des Südens (Cruz del Sur) war schon in der Antike von großer Bedeutung  und wohl im Alten Griechenland noch vom Mittelmeer aus zu sehen. Die europäischen Seefahrer und Eroberer nannten es das Kreuz des christlichen Glaubens, und weil man in der südlichen Hemisphäre den Polarstern nicht sehen kann war das Cruz del Sur ein unverzichtbares Instrument, um sich am Südhimmel zu orientieren.  

Am Rio de la Plata, wo die Flüsse Rio Paraná und Rio Uruguay in den Atlantik fließen gibt es sehr heiße Sommer und wenn man es drinnen gar nicht mehr aushalten kann, verbringt man die Nacht einfach im Freien – unter den Sternen. Und dort hat Daniel Pacitti als Fünfjähriger zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem Kreuz des Südens gemacht. Seitdem begleitet ihn dieses Sternbild des Südhimmels und hat jetzt mit der originellen Komposition La Cruz del Sur auch Einzug in seine Musik gefunden. Gestern Abend wurde es zum zweiten Mal aufgeführt.

Das Stück La Cruz del Sur entstand 2016 und ist eine Suite für Flöte und Klavier, eine Bearbeitung wiederum von Pacittis Werk gleichen Namens für Stimme, Chor und Ensemble. Die Suite besteht aus sechs Sätzen: Copla-Baguala beginnt mit viel temperamentvoller Landschaft und unterschiedlichen Rhythmen, ein Dialog, der immer wieder auf einen Punkt zurückkommt. Er wird abgelöst von dem leicht jazzigen Saya. Der dritte Satz ist ein verführerischer Tanz auf einer Kirmes und heißt Bailecito y Rito. Er beginnt mit Walzertakten und geht dann über zu Tangorhythmen. Die Querflöte von Shih-Cheng Liu bringt plötzlich Trompetentöne hervor und man wartet gespannt bis die Karusselmusik einsetzt oder Jemand auf den  „Hau den Lukas“ hinweist. Aber es endet wohl mit einer Hochzeit!

Nach der Pause geht es weiter mit Malambo, hier tanzt die Querflöte mit den Händen der Pianistin um die Wette. Vidalista wird sentimental und ein wenig melancholisch und mit Zamba und Culto geht die Reise temperamentvoll und delikat zu Ende. Die Rhythmen verändern sich wie sich der Sternenhimmel im Verlauf der Nacht verschiebt und immer ein anderer Stern oder Rhythmus die erste Geie spielen darf. Manchmal meinen wir sogar Töne der Peking-Oper heraus zu hören.

Pacitti ist ein Gratwanderer und hat mit La Cruz del Sur den kompletten südamerikanischen Kontinent eingefangen. Ein fröhlich-melancholisches Leben, Tanzen, Träumen, Spielen und Verführen. Die Musik erzählt von der Begegnung mit den Sternen, kommt aber immer wieder zurück zu der Erdverbundenheit der südamerikanischen Rhythmen, von denen es so unglaublich viele gibt. Plötzlich donnert der Iguazú herunter, es rauscht und poltert bis es leise in das Flötenspiel des Schäfers Pan mündet. Dann und wann deutet Pacitti die Musik des 20. Jahrhunderts an, kommt aber gleich wieder zurück zu den traditionellen argentinischen und südamerikanischen Tönen.

Eingeleitet wurden die beiden Konzertteile jeweils mit den bezaubernden Querflötenstücken Andinas para Flauta Nr. 1 und Nr. 2. Shih-Cheng Liu begibt sich hier direkt unter das Firmament!

Der Komponist und Dirigent Daniel Pacitti ist in Argentinien von italienischen Eltern geboren. Studierte in Buenos Aires, Mailand und Paris. Er verehrt Ravel und Bach und baut ständig Brücken zur Musik seiner Heimat. Pacitti  spielt selber ganz wunderbar eigene und traditionelle Tangos am Bandoneon. Vor ein paar Monaten wurde hier in Berlin sein Luther-Oratorium „Wie sind Bettler“ in der Philharmonie uraufgeführt.

Die beeindruckenden und virtuosen Interpreten Shih-Cheng Liu (Querflöte) und Man-Yi Guo (Piano) kommen beide aus Taiwan, leben und arbeiten aber zurzeit in Berlin und Chemnitz.  Shih-Cheng-Liu verwächst mit seiner werbenden Querflöte, wird zum betörenden Ton und verzaubert das Publikum mit seiner Interpretation der argentinischen Musik. Vielleicht spielt hier Jungs kollektives Unbewusste eine Rolle, schließlich kamen Shih-Cheng Lius Cousins vor vielen Jahren über die Beringstraße an den Rio de la Plata und haben vielleicht – wie Daniel Pacitti – das Kreuz des Südens in heißen Sommernächten gesehen.

Ein wunderbares Geschenk dieser Konzertabend im kleinen Kreis. 

 Daniel Pacitti
Daniel Pacitti und sein Bandoneon

Mehr: Kreolischer Tangoabend

Mehr: Wir sind Bettler

Christa Blenk

 

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Nederlands Dans Theater

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Installation Guillermo Lledó (Plaza para un hombre solo)

 

Vor zwei Jahren triumphierte das Nederlands Dans Theater (NDT) im Haus der Berliner Festspiele. Jetzt sind sie zurückgekommen mit einem ausgewählten, klassisch-zeitgenössischen und sehr unterschiedlichen Programm, darunter zwei Werke aus 2016.

Woke Up Blind (Marco Goecke, 2016) setzt sich mit Gefühlen und Verlust auseinander, mit der Liebe. Begleitet werden die Tänzer bei ihren schleppend und brennenden Marionetten-Roboter-Bewegungen von zwei Liedern des schon verstorbenen Rockmusikers Jeff Buckley („You and I“ und „The way young lovers do“). Sieben Tänzer (zwei Tänzerinnen und fünf Tänzer)  kriechen mit roten Samthosen in die sentimentale Musik und versuchen mit ihr Schritt zu halten. Goecke setzt hier auf kontrollierte und sehr anspruchsvolle  Bewegungsabläufe – nur ein Stern steht am Bühnenhimmel unter dem die Tänzer wie Fotomodelle daher staksen.

Nach einer kurzen Umbaupause geht es weiter mit The Statement (Crystal Pite, 2016). Hier hat sich Pite ganz klar an Kurt Jooss „Grünem Tisch“ orientiert. Das Stück hat der Ballettdirektor des Essener Opernhauses 1932 kurz nach seiner Flucht vor den Nazis in Paris uraufgeführt und es geht darin um Verhandlungen zwischen Krieg, Tod und Vertreibung bzw. Aufteilung – und darum geht es auch in dieser Choreografie: Vier Tänzer in Business-Kleidung aus der Leitungsetage müssen ein Statement produzieren, das moralisch Verantwortung übernimmt und eine Krise bewältigen kann. So wie es aussieht, ein Ding der Unmöglichkeit und dementsprechend geht es sehr hektisch und theatralisch-aggressiv zu. Jeder versucht zuerst seinen eigenen Kragen zu retten und die Angelegenheit schön zu reden bzw. sie zu minimisieren. Zu den großartig getakteten Bewegungen unter manieristischem Licht um und auf dem Konferenztisch, läuft ein sehr realistischer und politischer Dialog (Skript von Jonathon Young). Die Kostüme hier hat ebenfalls Crystal Pite mit Joke Visser entworfen, das Bühnenbild stammt von Jay Gower Taylor. Das beste der vier Stücke an diesem Abend und man will ein da capo!

Nach der Pause geht es weiter mit dem 25 Minuten Stück The missing door  (Gabriela Carrizo, 2013). Sind die sieben Türen Eingang oder Ausgang? Wollen die Protagonisten hinein oder ausbrechen? Es klopft, also will Jemand herein, aber die Tür geht nicht auf. Ein Tauziehen zwischen Realität und Fiktion. Wird hier der Traum Wirklichkeit oder die Wirklichkeit zum Traum – das bleibt dem Betrachter überlassen. 

Ein Kameramann geht mit seinem Theater- Scheinwerfer auf die Darsteller zu, die alle ihre Arbeit verrichten. Der eine putzt, der andere ist betrunken, eine Frau zieht sich hochhackige Schuhe an und ein Dienstmädchen bringt Gegenstände und Getränke. Irgendwie gehören sie zusammen und doch nicht. Es klopft, also will Jemand herein. Sie bewegen sich Richtung Tür, diese will aber nicht aufgehen. Andere Türen öffnen sich daher quietschend und rostig von selber. Wahrscheinlich sind wir in einer Kneipe, in der es blutigen Streit gab, der gefilmt wird – vielleicht wird ja gerade ein Hitchkock-Film gedreht oder eine neue Blaubart-Inszenierung erfunden. Theater, Tanz und Kunst verschmelzen hier. Mit einer Portion slapstick wird die aufkommende Dramatik immer wieder durch Lacher unterbrochen und gibt der Sequenz eine symbolistisch-gruselige Kurzweiligkeit. The Missing Door war die erste Arbeit von Gabriela Carrizo für das NDT

Die letzte Performance dauert 33 Minuten und ist die klassischste – eine Schwarz-weiß-Welt . Die weiße Mauer auf der Bühne dreht sich ohne Unterbrechung. Sie trennt Tod und Leben. Safe as Houses haben die Haus- Choreografen des NDT Sol León & Paul Lightfoot entwickelt und sich  vom Buch der Wandlungen (I-Ging) dazu inspirieren lassen. Es ist sehr ästhetisch und passiert zu Bach-Musik. Ohne Bach könnte wahrscheinlich das zeitgenössische Ballet gar nicht stattfinden und alle haben das erkannt..  Es gibt vier weiße Tänzerpaare, die sich nacheinander mit eleganten und schönen Bildern in die Geschichte tanzen und drei schwarze Tänzer, die den Tod herbeitanzen oder ihn wegtanzen möchten. Safe as Houses feierte 2001 in Den Haag Premiere.

Eine durch und durch ausgezeichnete Performance. Mit physischer Aussagekraft und großartiger Sensibilität tanzt sich das NDT an die Weltspitze.  Mitreißend, spannend, fabelhaft und surreal-manieristisch die Geschichten, die mit allergrößer Perfektion erzählt und getanzt werden. 

Mehr kann man von einem Balletabend nicht erwarten. 

Christa Blenk

 

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L’Invisible – Aribert Reimann an der Deutschen Oper

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L’INVISIBLE von Aribert Reimann, Deutsche Oper Berlin,
Uraufführung: 8.10.2017, copyright: Bernd Uhlig

L’Invisible – Trilogie lyrique nach Maurice Maeterlinck
Unsichtbarer Tod
Am  8. Oktober fand die Uraufführung von Aribert Reimanns neuerster Oper L’invisible (Das Unsichtbare) in der Deutschen Oper statt. Am Pult Donald Runnicles. Für die Deutsche Oper – zu recht – der Triumph der Saison!Drei kurze Theaterstücke des symbolistischen, belgischen Dichters Maurice Maeterlinck ( 1862-1949) hat Aribert Reimann (*1936) zu einem nicht zusammengehörenden Werk , das durch das Thema Tod zusammen wächst, verbunden und somit für  90 spannende, beunruhigende  und nachdenkliche Minuten gesorgt.  Dreimal hat er hier ganz unterschiedlich lautmalerisch den Tod behandelt, immer anhand von Personen, die noch viel zu jung dafür waren.Im ersten Stück « L’Intruse » (Der Eindringling) sitzt die gut bürgerliche Familie beim Abendessen. Sie singen nervös durcheinander, um das sich ankündigende Drama zu vertuschen, denn die Mutter liegt im Nebenzimmer und hat sich noch nicht von der Geburt ihres Kindes erholt. Außer dem blinden Großvater wissen alle anderen, dass sie das auch nicht mehr tun wird.  Mit ihrem letzten Atemzug gibt das Neugeborene endlich einen Laut von sich und tritt ins Leben ein. Der Übergang zum nächsten Stück „Intérieur“ geht nahtlos; eine Tür geht auf und zwei Männer kommen herein, der eine noch ganz nass und wir erfahren erst später, dass er jemanden aus dem Wasser ziehen wollte. Im Hintergrund sehen wir ein Wohnzimmer, in dem eine glückliche Familie gerade den Weihnachtsbaum schmückt. Die beiden Männer  wissen nicht, wie sie der Familie den Selbstmord ihres Kindes beibringen sollen.

Teil drei „Tintagiles Tod“ – ist das komplizierteste und schönste Stück im Werk. Hier wird ein kleiner Junge zwischen Alptraumvisionen und Bilderbüchern vom Tod geholt, so wie es aussieht, durch einen Autounfall. Überall herrscht deprimierte Unausweichlichkeit und wütende Unvermeidbarkeit. Keine List kommt gegen den Tod an. Alle drei gehören sie ihm. Es ist eine Art unabwendbarer und symbolischer Existenzialismus, der die Bühne beherrscht. Die Hintergründe der Geschichten werden anhand von Scherenschnitten und Schattenspielen an den Wänden erzählt.

Manchmal rutschen die Geschichten ein wenig ins Pathetische ab, das nimmt ihnen  aber nichts weg, mehr, es kann gar nicht anders sein.

Aribert Reimann (*1936) hat jede Szene mit den passenden Tönen begleitet und auch hier wieder Weltliteratur ins Spiel gebracht, ähnlich wie er das bei Garcia Lorcas „Bernarda Albas Haus“ auch getan hat. Mit dem russischen Regisseur Vasily Barhkatov hat er sich einen neuen Regie-Star für die Inszenierung ausgesucht.

Großartig die Sänger, die in verschiedenen  Rollen und unterschiedlichen Instrumentationen auftraten. Einmal sind es die Streicher, die den anschleichenden Tod herbei holen;  im zweiten Teil begleiten die Holzbläser die Ankündigung des Selbstmordes. Und im dritten Teil verhindert das sich aufbauende komplette Orchester die Rettung des Kindes. Die Countertenöre Tim Severloh, Matthew Shaw und Martin Wölfel treten als unerbittliche  Todesboten auf. Die Sopranistin Rachel Harnisch singt dreimal die weibliche Hauptrolle. Sie hat schon öfter mit Reimann gearbeitet.   Auch Stephen Bronk hat unterschiedliche Rollen wie den blinden Großvater. Weiter dabei waren Seth Carico und  Thomas Blondelle sowei Ronnita Miller in der Rolle der Dienerin und die Mezzosopranistin Annika Schlicht als Marthe und als Bellangére, die ihren Bruder Tintagiles nicht retten kann.

L’invisible  ist Aribert Reimans neunte Oper. Vier davon hat er als Auftragswerk für die Deutsche Oper geschrieben.

Christa Blenk

 

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Elektra – Deutsche Oper

Die Premiere dieser Elektra-Produktion der Deutschen Oper fand schon im November 2007 statt. Die Aufführung am 19.10. dirigierte Ulf Schirmer für den erkrankten Donald Runnicles.

« Wo bleibt Elektra? » Fragt die Magd, gekleidet wie alle anderen Mägde, mit einem kleinen Schwarzen! Elektra wohnt im Müllkeller, und um das zu verdeutlichen, fallen ab und zu schwarze Klumpen durch den Müllschlucker und die Protagonisten waten durch die Schweinestreu.

Bei diesem Einakter geht es vor allem um drei Frauen.  Um Klytämnestra, die Mutter und ihre zwei Töchter, Elektra und Chrysothemis. Die Geschichte stammt aus der griechischen Mythologie. Der Vater ist Agamemnon, der König von Mykene, der von seiner Frau und deren Geliebten erschlagen wurde. Elektra kann das nicht verzeihen und sinnt auf (Blut)Rache. Besessen und trauerunfähig vor Hass, will sie Vergeltung.  Um diese zu vollziehen, muss sie auf die Rückkehr von Orestes warten. Während die jüngere Schwester nicht ihre Jugend und Schönheit, wie Elektra, verlieren will, sondern davon träumt eine Familie zu gründen, kennt Elektra nur Rache und Tod. So geht es auch Orest, der durch das Orakel von Delphi nach Hause geschickt wird, um die Blutrache an Klytämnestra und Aegisth zu vollziehen. Diese  tiefenpsychologische Handlung endet mit einem seltsamen Triumphtanz, den der Regisseur hier auf viele Tänzerinnen verteilt, die sich alle im Schlamm wälzen, hinfallen und wieder aufstehen.

Kirsten Harms hat diese Elektra in eine Art Abfallraum verfrachtet und so fallen auch dann und wann schwarze  Klumpen durch den Müllschlucker auf sie herunter – das nimmt sie aber gar nicht zur Kenntnis.  Die Wände sind große graue Stahlplatten, die sich an den Seiten öffnen lassen, damit die anderen das Gefängnis verlassen können. Elektra trägt ein weißes Hemdchen unter einer schmutzigen, verwahrlosten Jacke, ihre Schwester ein schwarzes Cocktailkleid und Klytämnestra (Doris Soffel), sieht wie eine alt gewordene Drag Queen aus; sie trägt als einzige Farbe und spielt ihre Rolle hervorragend. Die Männer tragen zu große Anzüge. Elektra (Catherine Foster) ist immer präsent und bringt auch schauspielerisch eine großartige Leistung. Klar und immer auf den Punkt schmettert sie ihren Frust in die Welt, unbeugsam und existenziell. Aber auch die Schwester Chrysothemis (Allison Oakes) hat kein Problem sich gegen die große, gewaltige Musik, von Schirmer dirigiert, durchzusetzen. Aegisth ist Clemens Bieber und Orest Tobias Kehrer.

Die Uraufführung dieses vielseitigen und virtuosen, hochdramatischen, musikalischen Krimis, fand im Januar 1909 in Dresden statt. Hugo von Hofmannsthal (1864-1949) hat das Libretto dazu geschrieben.

 

griechisches Theater

 

Christa Blenk

 

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Jakob Lenz

Jakob lenz

 

Jakob Michael Reinhold Lenz (1751-1792) war ein deutscher Schriftsteller des Sturm und Drang, der als Dichter seiner Zeit voraus war und ein schwieriges bzw. schräges Leben führte. Georg Büchner hat einen Teil von Lenz’ Leben – den Besuch bei dem evangelischen Pfarrer Oberlin  in den Vogesen -  zu einem Drama verarbeitet, welches wiederum Quelle für Wolfgang Rihms Jugendwerk Jakob Lenz war. Wolfgang Rihm (*1952) hat die Oper Jakob Lenz 1978, 26-jährig, komponiert. Sie wurde 1979 uraufgeführt und zählt mittlerweile fast schon zu den Klassikern der zeitgenössischen Oper.

Andrea Breth hat das Werk 2014 bildgewaltig und expressiv  für Stuttgart inszeniert – als Koproduktion mit der Staatsoper Berlin und mit La Monnaie/De Munt (Brüssel).

Drei Protagonisten und ein sechsstimmiges Vokalensemble kommen zum Einsatz sowie ein Kammerorchester. Rihms Oper füllt sich mit vielen unterschiedlichen Musikstilen und läuft in 13 Bildern ins Verderben. Die Übergänge von einem Bild zum anderen werden durch einen Gauschleier vor der Bühne vollzogen, der wieder entschwindet, um die nächste Szene aus dem tristen Daseins von Lenz zu erzählen. Anfangs keimt immer wieder Hoffnung auf, die aber dann gleich wieder von der psychotischen Hölle verschlungen wird.

Jakob Lenz flüchtet vor unheimlichen Stimmen in eine unwirtliche Felsenlandschaft. Der brave Seelsorger und Psychologe Pfarrer Oberlin (Henry Waddington) nimmt den suizidgefährdeten Lenz bei sich auf – auf Anraten von Kaufmann. Lenz wird von Alpträumen verfolgt und immer wieder kommt die Erinnerung an Friederike auf, eine Frau, um die er gemeinsam mit Goethe warb. Lenz verliert sich immer mehr und es taucht Kaufmann auf. Er ist streng und kalt, und will ihn mit Disziplin auf den rechten, gesunden Weg zurückbringen. Er verwickelt ihn in ein ernstes Gespräch über Kunst und überbringt ihm die Botschaft seines Vaters, doch nach Hause zurückzukehren. Lenz kann nicht, will nicht, will lieber getröstet werden und flüchtet erneut ins Gebirge. Oberlin und Kaufmann dringen nicht mehr zu ihm durch und als er vergeblich versucht, ein totes Mädchen zum Leben zu erwecken, stürzt er endgültig in die geistige Umnachtung.  Er hört Stimmen, die Friederikes Tod ankündigen. Neonlampen verstärken die Trostlosigkeit.

Hoffnungslos verlassen ihn Beide und Lenz bleibt allein, in Zwangsjacke, verdreckt und verlassen auf einem Krankenbett zurück mit dem Wort konsequent auf den Lippen..

Hören Sie denn nichts, hören Sie denn nicht die entsetzliche Stimme der Stille, die um den ganzen Horizont schreibt, und die man gewöhnlich die Stille heißt“ (Büchner, Lenz, 1839)

Unterstrichen  und gestützt wird die Handlung von einer grandiosen Inszenierung, die Musik und Handlung hervorhebt. Es gibt keine Farben, nur grau, schwarz, weiß und manieristische Lichteinfälle. Überhaupt durchziehen viele Gemälde der letzten Jahrhunderte das Geschehen. Einmal liegt Lenz da zu Füßen von Oberlin wie eine flämische Grababnahme. In einer andereren Szene muss man an einen Passionsweg denken, den Caravaggio hätte malen können.

Michael Fröhling hat das Libretto nach Büchners Erzählung geschrieben.  Der hervorragende Bariton Georg Nigl (Lenz) gibt alle Töne von sich, die ein Mensch hervorbringen kann. Sprechen, Schreien, Flüstern, Quietschen, Lyrik in allen Lagen. Die Zuschauer werden permanent zwischen  Panik, Schrecken, Hoffnung, Mitleid, Milde, Wahnwitz und Widerwille hin – und hergerissen.  Übertreibung wird von Pathos und Gleichgültigkeit abgelöst.  Die Landschaft ist wildromantisch, felsig, schwierig zu bewältigen. Es ist dunkel oder Halbdunkel, Spiegel auf der Bühne betonen dieses Unwohlsein, und man stellt sich die Frage, wer wo ist und wo die Zerstörung gerade wütet. 

Großartige Aufführung und großartige Darbietung der Protagonisten. Am Pult vor nur einer Handvoll Musikern Franck Ollu. Das Bühnenbild hat Martin Zehetgruber gemacht.

Jakob Lenz ist ein Meisterwerk und dauert nur 80 Minuten sehr intensive Minuten die uns schon an die Grenzen kommen lassen.

 

lenz

Christa Blenk

 

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Piedad y terror en Picasso

PICASSO-Guernica

 

Piedad y terror en Picasso – El camino a Guernica

Pablo Picassos größtes und wohl bedeutendstes Werk ist das Antikriegsbild Guernica. Ein verzweifelter Aufschrei auf knapp 30 Quadratmetern, ein Synonym für Kriegsgräuel und eine Parabel für Leid, Krieg, Zerstörung.

 1936 wird der in Paris lebende spanische Maler Picasso (1881-1973) von der republikanischen spanischen Regierung zum Direktor des Prado Museums ernannt und bekommt anschließend von ihr den Auftrag, ein repräsentatives Bild für den spanischen Pavillon anlässlich der Weltausstellung 1937 in Paris zu malen.

 Die baskische Kleinstadt Guernica (Gernika) wird im April 1937 von der Luftwaffeneinheit der deutschen Wehrmacht im spanischen Bürgerkrieg, der Legion Condor, bombardiert und komplett zerstört. Picasso erfährt durch die französisch-kommunistische Zeitung L‘Humanité von dieser brutalen Aktion, verwirft sein bereits konzipiertes, „unpolitisches“ Pavillon-Konzert Maler und Modell und macht sich an eine Arbeit, die einerseits Anklage und andererseits Aufarbeitung dieses Kriegsaktes sein wird. So entsteht eines der Schlüsselwerke der bildenden Kunst des 20. Jahrhunderts.

 Das Riesenformat des Gemäldes, es misst knapp 350 x 780 cm, wurde durch den katalanischen Architekten des Pavillons, Josep Luis Sert (1902-1983) vorgegeben. 27 Quadratmeter müssen erst einmal gefüllt werden. Ein schwieriges Unterfangen für Picasso, der am liebsten Portraits nach Modell (meist die Frau, mit der er gerade lebt) oder Stillleben malt, auf jeden Fall eher kleinformatige Innenraumszenen. Und dementsprechend passiert auch sein Guernica in einem geschlossenen Raum ohne Wälder, Wiesen, Berge und so gut wie ohne Farbe.

 Von rechts nach links geht die symbolträchtige Legende, konform des vorgegebenen Weges durch den Pavillon. Defragmentierte Figuren und Figurengruppen füllen das Bild fast komplett aus. Picasso hat hier einen Raum gemalt, dessen Wände nicht durchbrochen werden können und die Handlung nicht entkommen kann, so wie auch das Volk von Guernica nicht entkommen konnte. Frauen flüchten vor züngelnden Flammen, schreiende, weinende Gesichter, durcheinander liegende Gliedmaßen, Köpfe, Pferde schweben schwerelos dahin und stoßen permanent an eine Mauer. Auf der linken Seite eine Pietà. Ein Speer, der von oben in das Pferd eintritt, symbolisiert den Bombenfall. Das einzig hoffnungsvolle Detail in dem Bild ist ein Olivenzweig, der aus der Faust eines Kriegers wächst und baldigen Frieden vorhersagen möchte. Picassos Inspirationen sind die Triptychen von Dix oder Beckmann, aber auch Delacroix, Goya oder die Passionsikonografie der katalanischen Malerei sowie der Altar von Isenheim sind hier zitiert. Raserei, Aktion, Gewalt, Grausamkeit, Angst und Schmerz bestimmen das Bild, in dessen Zentrum nur noch ein unglücklicher Trümmerhaufen auszumachen ist. Fünf intensive Wochen arbeitet Picasso an dieser Schwarz-Graublau-Weiß-Sinfonie, dessen Figuren aufgrund fehlender Perspektive auf die Betrachter zu fallen scheinen. 46 Einzelstudien vorbereiten und begleiten das  Guernica-Epos. 

Der Kubismus ist allerdings in den 1930er Jahren längst obsolet und Picasso selber befindet sich nach der Begegnung mit André Breton in einer Surrealismusphase. Monströse Fratzen, Disharmonien oder Widrigkeiten, die die Begriffe Humanität und Zivilisation in Frage stellen sollten, sind durchaus schon in einigen Arbeiten der 1920er Jahre zu erkennen. Auch der Minotaurus erscheint schon lange vor Guernica. Picasso war ein begeisterter Stierkampfanhänger und hat 1935 – also zwei Jahre vor Guernica seine Minotauromachie frei nach Goya veröffentlicht. Auch hier geht es um Gewalt und Tod. Das Genie steht mitten in einer Krise, seine neue Freundin, die sehr junge Marie-Thérèse Walter bekommt ein Kind von ihm (Maya), er lernt Dora Maar kennen und seine Frau Olga verlangt die Scheidung (wozu Picasso – wohl  aus wirtschaftlichen Gründen – nie einwilligte und so war Olga bis zu ihrem Tod 1955 Mme Picasso).  

 1925 entsteht das Bild Drei Tänzerinnen – es gehört der Tate London. Picasso setzt sich darin schon mit der Figurenbildung und deren Zerstörung auseinander, wie er dies – mitten in seiner blauen und rosa Periode – vor allem bei seinem 1907 entstandenen Meisterwerk Les Demoiselles d’Avignon tut: In Guernica vereint er diese Technik mit einer kubistisch, surrealistischen Historienmalerei.

 Weitere bedeutende Exponate kommen aus dem Guggenheim Museum New York wie Mandoline und Gitarre (1924) oder die Sich kämmende Frau (1940) aus dem Pariser Picasso Museum, noch im Guernica Stil.  Das Stillleben mit Totenkopf, Lauch und Krug kommt aus San Francisco. Picasso hat es 1945 gemalt und es kündigt seine zukünftige Farbgebung an.

 In der Zeit der Guernica-Serie entstehen außerdem eine Reihe von Radierungen, die Picasso Traum und Lüge Francos nennt. Dem leidenschaftlichen Künstler, der zwar dann und wann von Paris aus mit den Kommunisten kokettiert aber dennoch eher unpolitisch vor sich hin malt und lebt, geht der Bürgerkrieg in seinem Heimatland dennoch sehr unter die Haut.

 Guernica ist ein Passionsweg, eine griechische Tragödie, die nach Ende der Weltausstellung eine lange Odyssee antreten sollte. Nach der Pariser Weltausstellung 1937 geht das Gemälde erstmals wieder in den Besitz von Picasso über. Im Rahmen einer Wanderausstellung kommt es 1938 nach Skandinavien und nach London bis es 1939 schließlich New York erreicht, wo es 47 Jahre auf seine Rückkehr nach Spanien warten sollte. Diese passierte erst 1981, denn Picasso hatte verfügt, dass Guernica erst in ein durch und durch demokratisches Spanien zurückkehren dürfe!

Picasso selber wendet sich nach dem zweiten Weltkrieg wieder seinen  Frauen-Portraits zu – eine Dramatik wie bei Guernica hat er hingegen nicht wiederholt.  

 Zum 80. Geburtstag der Entstehung von Guernica haben die Kuratoren Timothy James Clark und Anne M. Wagner für das Madrider Museo Reina Sofia die Ausstellung Erbarmen und Terror in Picassos Werk: Der Weg zu Guernica organisiert. 

 180 Exponate – wovon 150 permanent im Museum Reina Sofia zu sehen sind – werden miteinander in Verbindung gebracht und beschreiben Picassos Entwicklung und Stilveränderung ab den 1920er Jahren hin zu Guernica und die Zeit danach. Es ist eine Brücke von einer hoffnungsvollen Zeit bis nach dem Zweiten Weltkrieg mit Guernica in der Mitte.

 Die Ausstellung ist noch bis zum 4. September 2017 im Madrider Museo Reina Sofia zu sehen.

 Christa Blenk

 

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Colombian Youth Philharmonic erfindet Strawinsky neu

columbian

 

Mit der Colombian Youth Philharmonic unter Leitung von Andrés Orozco Estrada wurde gestern Abend im Konzerthaus das Festival Young Euro Classic 2017 eröffnet. Für das noch junge Orchester – es wurde vor sieben Jahren gegründet – eine Station auf ihrer ersten Europa-Tournee.

Der humorvolle, junge, charismatische und mit allen Weltbühnen vertraute kolumbianische Dirigent Andrés Orozco Estrada hat sich für diese Tournee etwas ganz Besonderes ausgedacht und mit einer spektakulären choreografischen  Aufführung von Strawinskys Le Sacre du Printemps das Publikum in Begeisterungsstürmen ausbrechen lassen. Musiker und Instrumente wurden zum Ballett.

Es war dunkel im Raum und still. Dann eine Cello-Note, die sich alle zwei oder drei Sekunden wiederholte. Die Musiker bewegten sich im Trauermarsch, einen Kontrabass tragend,  auf die Bühne zu und nahmen dort Platz. Hintereinander knipsten sie alle ihre Pultlichter an bis das Feuer auf die Leinwand hinter der Bühne übersprang und zu flackern anfing. Das Rascheln mit Gold-Metallpapier erzeugte knisternde und  knackende Feuergeräusche. Man fühlt sich fast wie in einer Ballettaufführung von Pina Bausch.

Großartiger Effekt, der sich während der kompletten Aufführung wiederholte. Abwechselnd fanden choreografische Bewegungen von Musikern und Instrumenten statt. Geigenbögen wurden zu Schwertern, Perkussionsinstrumente zu Donnerwerkzeugen und Blechinstrumente zu szenischen  Feuerspielen. Die Musiker spielten und schauspielerten auf das Finale zu und wurden von donnerndem Applaus abgelöst.

Vor der Pause sang die in Frankfurt lebenden kolumbianische Sopranistin Juanita Lascarro die Straußlieder „Morgen“ op. 27 Nr. 4 (1894); „Traum durch die Dämmerung“ op. 29 Nr. 1 (1895), „Liebeshymnus“ op. 32 Nr. 3 (1897), „Cäcilie“ op. 27 Nr. 2 (1897) und drei Lieder von Jaime León „la calle está desierta“, „Cuano lejos, muy lejos“, „Algún día in spanischer Sprache.

Begonnen hat das Konzert  mit einer interessanten Komposition des jungen peruanischen Komponisten Jimmy Lopez (*1978)  „América Salvaje“ (2006). Hier kamen drei traditionelle südamerikanische oder peruanische Instrumente, wie die Okarina-Flöte oder eine Wasserpfeife, zum Einsatz und das Publikum wurde in den tiefsten Amazonas  umschwärmt von Mücken und Dschungelgeräuschen transportiert. López zählt schon zu den bedeutendsten Nachwuchskomponisten und ist vielfacher Preisträger. Im Jahre 2000 hat er sich in Helsinki nieder gelassen, auch um dort seine Studien fortzusetzen.

Der in Wien lebende Andrés Orozco-Estrada wurde 1977 in Medellin/Kolumbien geboren. Er ist Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters.  Sein Schwerpunkt liegt auf der Wiener Klassik, obwohl sein Interesse an zeitgenössischer Musik sehr groß ist – genau das hat das Programm gestern Abend auch bestätigt.

Juanita Lascarro ist auch Kolumbianerin und seit 2002 festes Ensemblemitglied  der Frankfurter Oper. Nach einem Biologiestudium hat sie in Köln Gesang studiert.  Lascarro war als Liedsängerin Artist in Residence und Special Guest beim Bath Chamber Music Festival und hat ein sehr umfangreiches Repertoire.

Schon heute - während des Publikum immer noch nachschwärmt – machen sich  die 120 Musiker des Ensembles auf dem Weg nach Graz, wo der leidenschaftliche Dirigent Andres Orozco Estrada übrigens debütierte. In Graz wird das bestechende Programm gleich zwei Tage hintereinander aufgeführt. 

Mehr kann man von einem Konzertabend nicht erwarten.!

Christa Blenk

 

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Zwischen Ostsee und Achterwasser

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Blick vom Garten auf Leiter, Boot und Achterwasser

 

Nur knapp 300 Meter Land, ein wenig mehr als ein Steinwurf, liegen dort Ostsee und Achterwasser. Auf dieser engsten Stelle der Insel Usedom steht ein S-Bahn-Wagen. Der Maler Otto Niemeyer-Holstein (1896-1984) hat ihn im Jahre 1932 für 60,50 Mark in Berlin-Rummelsburg gekauft und ihn 1933 (ohne Räder, denn diese hat jemand anderes gekauft) unter großem finanziellen und technischen Aufwand und mit viel Phantasie an diesen sandigen Fleck gebracht. 1932 legt er dort – aus Berlin kommend – mit seinem Segelboot Lütter an. Außer einem großen Schuppen, einem holprigen Pflastersteineeg, ein wenig Ried und krumme Weiden gibt es sonst dort nichts. Genau was er sucht, nur ein paar Meter zum Strand. „Hier will ich leben, hier will ich sterben“, ruft er und geht an Land. Niemeyer hat sein Paradies, sein Refugium, das ihm für den Rest seines Lebens Geborgenheit, Schutz und Inspiration werden sollte, gefunden. Sein Segler „Lütter“ sollte auch dem Ort Lüttenort den Namen geben.

Der Maler Niemeyer, der eigentlich Gärtner werden wollte, hat im Laufe der Zeit einen Skulpturen-Zaubergarten um den Wagen herum angelegt, wie ihn Klingsor nicht schöner hätte erträumen können. Jahrelang waren er und seine Familie Selbstversorger. Im Obstgarten lehnt immer noch die lange Leiter am Baum und lädt zur Ernte ein. Weiter weg entdeckt man eine leicht überwucherte Getreidemühle und eine große Schiffsglocke. In einer anderen Ecke – im japanischen Garten – gibt es China-Wacholder und allerlei Sträucher und ein wenig weiter liegt der  Kastanienhof sowie ein Quittengarten  und von fast allen Plätzen aus kann man auf eine Lagune des Peenestromes, das Achterwasser, blicken. Dort liegt noch ein Boot und der Wind streift leise über die Schilfgräser, vertreibt die Wolken und lässt die Konturen überdurchschnittlich scharf hervortreten. Alles ist sehr gepflegt und doch ist hier die Natur kein bisschen beschnitten.

 

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« Paar » Wolf-Eike Kuntsche; Waldemar Grzimek « Torso »; Wieland förster « Große Stehende »

 

31 Skulpturen von Künstlerfreunden wie Waldemar Grzimek, Sabina Grzimek, Sabine Teubner, Wolf-Eike Kuntsche, Werner Stötzer und viele mehr beleben den Garten, verstecken sich und stehen miteinander im Dialog. Niemeyer hat sie entweder geschenkt bekommen oder sie gegen seine Bilder eingetauscht. Auch die Kopie eines römischen Augustus‘ ist darunter. Zweige ringen sich um seinen Fuß, fast wie bei Berninis Daphne. Dieser Garten gehört sicher zu den schönsten Skulpturengärten, die ab den 1960er Jahren fast überall in Europa wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Ich denke da an das Kröller-Müller Museum/Otterlo, die Skulpturenmeile in Hannover oder die Museumsinsel Hombroich. Ein Tor aus alten Schiffsbalken führt auf der Rückseite zum Achterwasser. Eine Zeitlang ist auch allerlei Viehzeugs dort rumgelaufen, das dann später auf den Tisch kam. Die Not war oft groß, denn erst ab den 1960er Jahren hat Niemeyer-Holstein gut vom Verkauf seiner Bilder leben können. Unter der recht einfachen Einrichtung sticht das Kieler Zimmer besonders heraus. Niemeyer hat es aus seinem großbürgerlichen Elternhaus in Kiel auf die Insel transportieren lassen. Das einzige was ihm aus der Zeit geblieben ist.

 

griechischer Kämpfer _ kopie
Griechische Skulptur mit Blick auf das Haus

 

Das was man heute dort sieht erinnert nur noch ganz entfernt an das unwirtliche, kleine Stück Moorland. Der Boden ist befestigt und der Garten gewachsen, wie dies auch die Bäume und Sträucher taten. Sogar der S-Bahn-Wagen bekommt nach und nach ein Obergeschoss mit Schlafräumen, die über eine ganz steile Hühnerleiter zu erreichen sind, und links und rechts gibt es jetzt kleine Anbauten. Von außen erkennt man den Wagen nur noch, wenn man weiß, dass er die Basis dieser originellen Behausung bildet. Tritt man aber ein, ist man überrascht, wie breit so ein öffentliches Transportmittel doch ist. Erst viele Jahre später kann Niemeyer sich ein gemütliches und sehr schönes Atelier in der Nähe des Wagen-Hauses errichten. Dorthin zieht er sich auch zurück, wenn ihm die Besucher einmal zu viel werden. Tabu steht an der Tür und daneben hat der ehemalige starke Raucher handschriftlich einen Hinweis auf das herrschende Rauchverbot angebracht.

 

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ONHs Weg zum Strand und Wellenbrecher

 

Hier ist die Zeit stehen geblieben. Es fehlt nur noch, dass plötzlich der Wasserkessel zu pfeifen anfängt und uns der Duft eines selbst gebackenen Marmorkuchens in die Nase steigt. Sogar der Fellmantel, den er immer trug, wenn er im Winter Bahn und Straße  überquerend zum Meer ging, hängt noch dort und macht ihn unsterblich.

1896 wird Niemeyer als Kind eines international bekannten und recht wohlhabenden Völkerrechtlers geboren. Schon mit knapp 10 Jahren schenken ihm seine Eltern das Segelboot Lütter, mit dem er 25 Jahre später Usedom erreichen sollte. 1914 meldet er sich freiwillig zu den Husaren und kehrt verletzt wieder nach Hause zurück. Um sich zu erholen, schicken ihn die Eltern in die Schweiz und dort fängt er an zu malen – aus Langeweile und als Autodidakt wie er selber sagte. Fundamental für seine Künstlerkarriere ist die Begegnung mit Alexej von Jawlensky und dessen Partnerin Marianne von Werefkin. Der Bohemien-Lebensstil der Beiden liegt ihm, dem gutbürgerlichen Kieler Kind zwar nicht, auch war ihm Jawlenskys schriller Expressionismus zu kompliziert und zu weit hergeholt aber Niemeyer lernt, wie wichtig es für einen Künstler ist, eine eigene Handschrift zu haben. Er weiß nun, was er will: nämlich malen, was sein Auge wahrnimmt, nicht mehr und nicht weniger. Mit 24 heiratet er Hertha Langwara, eine sensible und weltfremde Sängerin. Die beiden bekommen einen Sohn. Herthas Bildnis entsteht 1920; es lässt den Einfluss von Jawlensky erkennen. Das Portrait hängt im Museum in Lüttenort und ist sicher eine seiner interessantesten Arbeiten.

 

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 Tor zum Achterwasser

Lyonel Feininger lernt er 1923 kennen und gründet mit anderen Malern kurz darauf die Künstlergruppe Der Große Bär in Ascona/Italien. Es gibt ein Bild von ihm in Anzug und Weste in den Schweizer Bergen wo er eher wie ein Fremdkörper in der Landschaft steht und als Maler nicht zu identifizieren ist. Ein Jahr später lässt er sich von Hertha scheiden. Seine zweite Ehe mit der gebildeten Annelise Schmidt sollte sein Leben lang halten. Aber auch Begegnungen mit Otto Manigk oder Herbert Wegehaupt, der sich übrigens auch auf der Insel Usedom niederließ,  waren wichtige Ereignisse in seinem Leben.

« Der hat mir interessiert, aber ick hab’n noch ‘n kleen’ Stups jegebn. Aus dem wird wat, denn der klaut sich de Farben aus’m Meer » (der Berliner Maler Max Liebermann über Niemeyers Malversuche in den 1920er Jahren)

Hin und wieder macht Niemeyer einen Anlauf und schreibt sich in einer Kunstakademie als Student ein, muss aber nach kurzer Zeit feststellen, dass ihn der dort gepredigte Akademismus nicht weiter bringen wird und bricht ab. Otto Niemeyer-Holstein, der seine Bilder mit ONH signierte, war und blieb ein Autodidakt, geprägt von Menzel und Morandi, den großen Franzosen des 19. Jahrhunderts wie Cezanne oder Gauguin, aber auch von den Malern der Brücke, von Heckel oder Otto Müller. Paula Modersohn-Beckers Farben tauchen immer wieder auf und einige seiner Akte erinnern an Picassos blaue und rosa Periode. Mit der Zeit wird aber die Ostsee sein Modell. Tagein, tagaus besucht er sie und malt die täglichen Stimmungen, die Wasserveränderungen, die Wellenbrecher, Eisberge am Strand oder den Weg dorthin. Die permanente Suche, die Ostsee zu verstehen, sie festzuhalten,  hat ihn zum Künstler gemacht. Bildnisse nennt er seine Portraits. Sie sind neben Landschafts- und Naturbildern der Hauptbestandteil seines künstlerischen Werkes.

Die Niemeyers leben zwar zurückgezogen, aber nicht isoliert. Dafür hatten sie viel zu viele sehr interessante Freunde auch aus der wilden Berliner Zeit in den 1920er Jahren. Man führt ein offenes Haus und ständig kommen Freunde oder andere Künstler zu Besuch, es herrscht reger künstlerischer Austausch. Seefahrer aus dem Ort bringen ihm afrikanische Masken und Skulpturen von ihren Reisen mit und bekommen Bilder dafür.

Das Werkeverzeichnis des Museums ist ein unglaublicher Spaziergang durch die Moderne. Angezogen vom Expressionismus und von der Neuen Sachlichkeit, kümmern ihn Tendenzen oder Moden trotzdem eher weniger.

Anfangs waren es nur ausgedehnte Sommer, die die Familie auf Usedom verbringt. Ab 1939 wird das Refugium zum permanenten Wohnsitz. Peenemünde ist nur knapp 30 km von Lüttenort entfernt und der Krieg bringt so einige kritische Momente. Ab 1940 versteckt er aber trotzdem seine jüdische Schwiegermutter dort. Hin und wieder fallen Bomben in die angrenzenden Wiesen und in den letzten Kriegsmonaten wurde das Land um ihn herum vermint, aber die geplante Sprengung 1945, die diese engste Stelle auf der Insel, wo sein Haus steht, fluten sollte, wird nur ganz knapp verhindert, weil sowjetische Truppen die Insel besetzen.

Vor dem Krieg waren seine Werke von den Nazis „nicht erwünscht“ (allerdings wird Niemeyer nur in wenig Museen vertreten und so konnte auch nur ganz wenig verschwinden) und nach dem Krieg, in den 1950er Jahren gerät ONH in den Kunststreit der DDR. Eine Ausstellung in Dresden findet ohne seine Bilder statt. ONH malt Lenin-Ikonen  für öffentliche Gebäude. Er darf dann aber doch 1954 in Mannheim ausstellen. In den 1960er Jahren reist Neumeyer nach China, Taschkent, Samarkand und Buchara und wird 1963 Präsident der internationalen Ostsee-Biennale in Rostock. Erst ab den 1970er Jahren häufen sich seine Ausstellungen, auch in Italien und Norwegen. 1981 wird sein Gesamtkunstwerk in Rostock gezeigt und der Fernsehfilm „Und der Strand ist meine Geliebte“ gedreht. Ein einfühlsamer, langsamer Film mit vielen Sprechpausen. Er läuft im Museum und ist wirklich sehenswert. ONH sagt ganz wichtige Dinge so en passant, als ganz persönliche Reflexion. Er hätte kein Talent, er müsse sich alles erarbeiten. Aber das sei gut so. Künstler mit viel Talent sind mit 25 Jahren fertig.. 86jährig lernt er immer noch täglich etwas hinzu. 1984 stirbt Otto Neumeyer-Holstein und ein paar Monate später folgt ihm seine Frau Annelise.

 

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 Eingang zu seinem Atelier

 

Schon ein Jahr nach seinem Tod, also 1985, wird Lüttenort Museum und Ort der Begegnung -ganz nach seinem Wunsch. Dort finden jetzt regelmäßig Konferenzen und Konzerte statt und abwechselnd auch Ausstellungen mit Werken von seinen Malerfreunden. Das Museum wird 2001 nahe am Atelier errichtet. Ein kleines Paradies, bei dem die vielen Bäume den Lärm der Schnellstraße fast komplett auffangen.

Otto Neumeyer-Holstein hat an die 5000 Arbeiten (Zeichnungen, Aquarelle, Ölgemälde oder Radierungen) hinterlassen. Ein Großteil gehört dem Museum. Die Bilder hängen aber auch in  Museen in Berlin, Leipzig, Rostock, Dresden, Ascona, Kiel, Oberhausen, Mannheim oder im Folkwang Essen zu sehen. An die 500 sind in Privatbesitz, die meisten dokumentiert und in einem sagenhaften Werkeverzeichnis aufgeführt.

Christa Blenk

Fotos Christa Blenk

 

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Händel in Halle

Händel in Halle

Händel-Festspiele im Juni in Halle

Aktuelles in Berlin

Auszug aus dem Berliner Kunstleben und Musikleben - * MANTEGNA und BELLINI - Gemäldegalerie bis 30.06. - Lynn Chadwick im Kolbe Museum und Haus am Waldsee *** nicht verpassen und Fahrrad mieten ! - Hamburger Bahnhof - Emil Nolde - Brücke Museum - Beiwerk zu Nolde Ausstellung Angaben ohne Gewähr!

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eborja

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