• Accueil
  • > Recherche : gemeinsamkeiten verdi und wagner

Résultats de la recherche pour ' gemeinsamkeiten verdi und wagner '

Parsifal light

P1270482 P1270485
Cord Garben mit dem Orchester Roma Tre nach der Aufführung (Foto: Christa Blenk)

Cord Garben dirigiert in Rom einen Parsifal « light »

Ohne Sänger, Dauer 90 Minuten, nur 25 Musiker, kammermusikalische Version, Aufführung in Rom mit einem nicht sehr bekannten Orchester. Seltsame Zusammenstellung aber anregend  und merkwürdig genug, um am Freitag Abend das Viertel La Garbatella heimzusuchen, und im Teatro Palladium diese Welturaufführung – die so ganz ohne das Wissen der Welt passierte – mitzuerleben.

Für und über und von Wagner ist spätestens seit dem Jubiläumsjahr 2013 alles gemacht und gesagt worden, denkt man! Von wegen, immer wieder entdeckt ein erfinderischer und mutiger Pionier in einer unteren verschlossenen Schublade eine kleine Preziose und die von Informationen überrollte Welt kann ihren Musikhorizont noch ein wenig erweitern.

Anlässlich des Wagner-Jubiläums 2013 hatte Cord Garben Den RING für das Teatro Colón (Buones Aires)  auf die Hälfte gekürzt und mit der Pianistin Ana-Marija Markovina die Version des Spätromantikers Engelbert Humperdinck (1854-1921)  in zwölf Tonsätzen zu vier Händen eingespielt. Nun war natürlich dieses Parsifal-Arrangement für die puristischen Wagner-Verfechter untragbar, da ein andächtig-erhaben-religiös-mystisches Klangerlebnis wie es der Wagner-Apostel im Ohr hat, so nicht gebracht werden kann.

Dieses Jahr hat Cord Garben nochmals auf ein Humperdinck-Nebenprodukt seiner Wagnerassistentenzeit zurückgegriffen und eine unvollendete und eine nie aufgeführte Kammermusikversion (entstanden 1885, das ist aber auch schon alles was man darüber weiß, außer einem Hinweis über den Instrumenteneinsatz)  von diesem Wagner-Schüler und Assistenten für kleines Kammermusikorchester einstudiert und dies mit dem römischen Orchester Roma Tre gestern Abend im Teatro Palladium als fast-Privataufführung auf die Bühne gebracht. Garbens kammermusikalisches Bühnenweihfestspiel ist in acht Szenen (mit Zwischenbildern) – die anschaulich über der Bühne dargestellt werden – unterteilt: Prelude, Amfortas, Gurnemanz und das Heiligtum, Einzug in die Gralsburg, Schwanensee,  Liebesmahl, Klingsor und Parsifal, Blumenmädchen, Karfreitagszauber, Titurels Begräbnis, Erlösungsfinale. Garben selber hat die letzten Takte der beiden Klaviere, die nur ruhige Akkorde enthielten, den Holzbläsern zugewiesen.

Einblicke

Die Werke der großen sinfonischen Literatur wurden von den Komponisten in der Notation aus einer Keimzelle von zwei oder drei Systemen entwickelt: Klavierauszug (2 Notensysteme) oder Particell (3 bis vier) enthalten die erste Strukturierung der musikalischen Ideen. Hier werden Motive und Themen verarbeitet und in ihren Abläufen festgelegt. Der Komponist hat zu diesem Zeitpunkt längst eine Vorstellung davon, welchen Orchesterinstrumenten er später die musikalischen Bausteine zuordnet, die dann im Prozess der Instrumentierung zum klanglichen Endergebnis führen. Selbst die Seite einer großen Wagnerpartitur mit ihren bis zu 30 Notensystemen hat ihren Anfang in wenigen Notenzeilen.

Wenn sich nun ein mit dem Handwerk vertrauter Dirigent oder Komponist daran macht, die Partituren großer wagnerscher Musikdramen für den Vortrag auf dem Klavier „einzurichten“, so kehrt er den Entstehungsprozess um: nun gilt es, die im Theater erlebten Klangwirkungen mit rein klavieristischen Mitteln neu entstehen zu lassen.

Für den Hörer wird jetzt aus dem scheinbaren Nachteil, den das Fehlen der Klangcharakteristika der Instrumente des Orchesters zur Folge hat, quasi ein Vorteil. In der Reduzierung auf die Klangwelt des Klaviers erfährt er die Struktur des Werkes und dessen harmonische Grammatik unmittelbar. Dank des so gewonnen tieferen Blickes in die inneren Abläufe wird er das gewaltige Klangmaterial, das ihn, wieder im Theater, in seinen Bann zieht, nun mit anderen Ohren hören. (Zitat: Cord Garben)

Gewöhnungsbedürftig war es natürlich, aber die Motivanordnung und die Kompositionstechnik kamen gut zur Geltung und wurden durch eine Reihe von symbolistischen Parsifal-Illustrationen aus dem 19. Jahrhundert unterstützt. Lautmalerisch, spielerisch, romantisch und sehr leicht kam es beim Zuhörer an. Es hatte etwas von einer Schulstunde, aber eine in die wir gerne gehen. Durch die vielen Kürzungen kamen die typischen Leitmotive natürlich sehr viel öfter dran und das mystisch-religiöse hat der Theatralik und dem  Erzählerischen Platz gemacht, unterstützt teilweise von Wagners eingeblendeten Regieanweisungen. Eine Art „Bilder einer Ausstellung“. Die Rolle der Sänger hat Garben dem Fagott zugeteilt, sagte er nach der Vorstellung. Vielleilcht war das nicht genug! Ein schöner und einfacher Wagner, eigentlich eine perfekte Wagner-Initiations-Lektüre, wozu die einführenden Worte und Erklärungen beigetragen haben. Um sich an Wagner heranzutasten oder um Wagner einem Publikum zu präsentieren, das keine 5 Stunden aushalten kann,  ist es auf jeden Fall perfekt.

Bisher ist also dieser abgespeckte und delikate Kammermusik-Mini-Parsifal noch nicht aufgeführt worden. Unglaublich eigentlich und unverzeihlich, dass die Presse davon nichts wusste, weil dieses Konzert einfach nicht gut angekündigt war. Vier Tage hat Garben mit den jungen Musikern vom  Roma Tre Orchester geprobt und bis auf einen verpatzten Einsatz der Streicher gegen Ende waren er und das Publikum auch recht zufrieden. Anfangs schienen die nur 25 Musiker etwas zu schwächeln, das hat sich aber sehr schnell gelegt.  Vielleicht lag es aber auch an unseren nicht auf so etwas vorbereiteten Ohren. Die Bläser waren sehr gut und dem ersten Geiger würde ein wenig Bescheidenheit ganz gut tun!

Aber wie kam diese Parsifal-Version ausgerechnet in das von Giuseppe Verdi besetzte Rom?

Valerio Vicari vom Roma Tre Orchester hat Garbens Wagner-CD mit Salonorchester entdeckt und ihn daraufhin kontaktiert, dann begannen die Proben und Rom hatte – zwei Jahre nach dem großen Jubiläum – seine Wagner-Welturaufführung. Wunderbar, solche Ereignisse und Verbindungen!

Nach dem Konzert bildeten sich unterschiedliche Gruppen, man kommentierte und redete und ging nicht gleich weg, so als ob man noch etwas Wichtiges verpassen würde, begebe man jetzt nach Hause. Die Zuhörer hatten trotz umfangreicher Einführung durch einen Dramaturgen noch Erklärungsbedarf und das Interesse war groß.

Mit dem neuen Hambuger GMD Kent Nagano plant Garben, sein Parsifal-Projekt außerhalb des Staatsoperngebäudes in die Reihe des Kammerorchesters der Staatsoper einzubauen.

Zu Dante Alighieris 750. Geburtstag hat er das „AnDante“-Projekt konzipiert.  Es beinhaltet Liedvertonungen von Dante-Gedichten für eine Altstimme und Klavier  und eine Aufführung der Dante-Sinfonie von Franz Liszt in der Fassung für zwei Klaviere, die von Gustave Dorés fantastischen Radierungen begleitet wird. Im Februar 2016 wird es zum ersten Mal in Pinneberg beim Kulturverein aufgeführt werden.

Zur Parsifal-Geschichte:

Vor 170 Jahren befand sich Richard Wagner (1813-1883) auf Kur in Marienbad mit Wolfram von Eschenbachs Parzival im Gepäck. Die feudale Kuratmosphäre dort hat den für Luxus empfänglichen Wagner wohl inspiriert, denn in Marienbad sind schon in früheren Jahren  Fragmente des Lohengrin und der Meistersinger entstanden. Auch 1845 erfuhr Wagner zwischen Kurschatten und Kuranwendung wieder eine Art Inspirationserlebnis und es entstand das Gerüst für den Parsifal. Erst 12 Jahre später sollte er aber das Thema wieder aufnehmen, nämlich im Züricher Asyl an einem friedlichen Karfreitagsnachmittag. Licht schält sich durch die vom Frühling gerade erwachenden Bäume und lässt die Sonnenstrahlen durchblinken. Erst 20 Jahre später machte er sich an die echte Arbeit und dann ging die Saat sehr schnell auf. Schon im April 1877 lag die vollständige Prosa-Dichtung vor und der Parzival wurde zum Parsifal, Wagner wollte die Aussprache so nahe wie möglich an das altpersische « fal parsi » (der törichte Reine) heranholen. Zum Frühherbst begann er mit der Musik und um Weihnachten desselben Jahres ging das Libretto in Druck. Dann war erstmal die Luft raus und Wagner geriet in eine Schaffenskrise, vor allem beim « lichtlosen » dritten Akt. 1880, also 3 Jahre später, fuhr Wagner  nach Italien und blieb fast ein Jahr und Parsifal wieder in der Schublade. Als der Maestro aber die Kuppel vom Sienaer Dom sah wusste er, wie sein Gralstempel auszusehen hatte. In Ravello, über der Amalfiküste, entdeckte er schließlich im Palazzo Rufolo das, was später Klingsors Zaubergarten werden sollte. Als er 1881 aus Italien zurückkehrte war Wagner bereit, die Komposition zu vollenden und es entstand der 1. und der  2. Akt bis er – diesmal auf der Flucht vor dem Winter – wieder nach Italien reiste. In Palermo vollendete er im Januar 1882 die Partitur. Aufgeführt werden sollte sein Parsifal im Sommer in Bayreuth, dirigiert von Hermann Levi. Ein Jahr später starb Richard Wagner in Venedig.

Nur noch wenige Leitmotive und die Instrumente werden in Gruppen eingesetzt, was die religiöse Stimmung dieses Bühnenweihfestspiels (frei übersetzt vom spanischen Begriff « auto sacramental » und nach Calderón) unterstreichen sollte. Es sollte ursprünglich nur in Bayreuth aufgeführt werden und ein Applaus-Verbot die angestrebte Etablierung einer Kunstreligion hervorheben.  1903 gab es aber in New York eine (erste) nicht autorisierte Aufführung, die als  echter Gralsraub in die Musikgeschichte einging, den der Nicht-Beitritt der USA zur Konvention zum Schutz der Urheberrechte ermöglichte. Als 1914 die 30-jährige Frist erlosch, stand die Welt bereits  in den Startlöchern und es schossen gleich an die 50 Neuinszenierungen aus dem Boden. An die Vorgaben von Wagner hielt man sich dabei nicht mehr. Unterschiedliche und auch kritische Interpretationen beschäftigten sich mehr oder weniger erfolgreich mit der Kernbotschaft des Werkes, nämlich: die Ethik des Mitleids dem jeweiligen Publikum zu vermitteln.

Engelbert Humperdinck hat diese gestern im Teatro Palladium aufgeführte kammermusikalische Version, als eine Art Leitfaden durch die Partitur, erstellt. Er kann sich das erlauben, war er schließlich 1881 Assistent von Richard Wagner in Bayreuth und hat an der Uraufführung mitgearbeitet. Er durfte sogar teilweise Wagners Sohn Siegfried unterrichten.

Cord Garben (*1943) ist Pianist und Dirigent.

Christa Blenk

s. auch Artikel über Verdi und Wagner

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

 

 



							

« Impressionen »-Highlights in 2013

Favoriten – Ausstellungen – Konzerte – Lesungen und Entdeckungen!

Hier also ein kunst-musikalisches Pot-Pourri! Hinter jedem Foto liegt der Text bzw. im Begleittext sind verweisende links eingebaut.

Blicke  auf Rom, vom Big Bamboo,  ins Mittelmeer (Ravello), von den Wolken (Cerro), auf den Atlantik (Gois), auf die Antike (Montemartini)

bigbamboo3P1120803Ravello 028nubeP1110863P1090926

***

Der große Maestro Hans-Werner Henze ist am 27. Oktober 2012 in Dresden verstorben. Dort hielt er sich gerade auf, um bei der Aufführung von „Wir erreichen den Fluss“ dabei zu sein. Sein letztes Werk „Ouvertüre zu einem Theater“ wurde am 20.10.2012 in Berlin uraufgeführt! Pappano hat diese kleine Komposition dem Publikum  im Auditorium vor kurzem vor der Aufführung der  „Petite Messe“ seines Requieums im Auditorium in Rom am 10. März 2013 geschenkt.

Auch Geburtstag feierte Benjamin Britten mit Curlew River und in Florenz mit der Schändung der Lukrezia. Und natürlich Verdi und Wagner. Eine große Cellistin und Expertin für Zeitgenössische Musik ist Ulrike Brand.

Auditorium 007 Henze Requien im AuditoriumVersione italiana

***

Projektkünstler Hannsjörg Voth hat in der Wüste von Marokko (Marha Ebene) drei faszinierende Großwerke in 20 Jahren errichtet. (Text Portrait Christa Blenk). Der Katalogtext von Emanuel Borja existiert in 5 Spachen.

Pace Barón ist ein landart-Künstler der anderen Art. Ein weiterer « hors série » Künstler war Marcel Duchamps – seine ready mades sind immer noch in der GNAM zu bewundern.

voth  Hannsjörg Voth und drei Projekte in der Marha Ebenetexte francaisversion españolaEnglish version of text –   Versione italiana

***

QNG ist keine Abkürzung einer neuen internationalen Organisation oder ein Tippfehler, sondern steht für « Quartet New Generation » und so originell wie ihr Titel ist auch ihre Musik. Heide Schwarz, Susanne Fröhlich, Petra Wurz und Inga Klaucke kamen auf Einladung des Goethe Instituts nach Italien und nach einem Auftritt in Palermo und Neapel, standen sie am Samstag Abend in Rom in der Via Savoia auf der Bühne. Auch mit Flöte befasste sich ein Happening im Auditorium.

Flöte 006QNG Flötenkonzert – Phantasie und Symmetrie

***

You can’t, you won’t, you don’t stop. Immer höher! Vor diesem Kunstwerk steht kein « bitte nicht anfassen »-Schild! Im Gegenteil: man soll dieses leicht transparente Geflecht sogar berühren und wenn man sich traut, darf man das hohe kolossale Monster – nach Unterschrift eines Haftungsausschlusses – sogar erklimmen. Wir haben den Berg, trotz Anfangszweifel, bis ganz oben bezwungen! Im MACRO wirden außerdem jedes Jahr der « Artist of the Year » der Deutschen Bank präsentiert. Um nicht mehr entkommen können geht es auch bei Blaubarts Burg.

bigbamboo2 025Big Bambou im MACRO Testaccio

***

Die US-schweizerische Installationskünstlerin June Papineau, verbringt seit 2004 viel Zeit mit ihren Bäumen im Etournel. Umgeben von Elfen und Baumgeistern arbeitet sie an ihren « tree skins » bis sie abtransportiert und ausgestellt werden. Der nächste – great goyesco – wir 2014 in Lausanne zu sehen sein. Ein Besuch mit ihr in diesem Moor-Biotop war ein Abenteuer der ganz besonderen Art. Und Paola Romoli befasst sich mit den Mägen der großen Meeresbewohner.

Auch mit einer Nase hat sich Schostakowitsch beschäftigt. Seine Oper wurde in Rom – Regie Peter Stein – aufgeführt. Eine weitere starke Amerikanerin war Louise Nevelson.

etournel 043 Great Goyesco – Zwischen Moorgeistern und Laubfrauen

***

Helena Aikin ist fasziniert von Labyrinthen und ihren Geschichten und baut sie in verschiedenen Größen und Plätzen der Welt nach. Eines ihrer Werke ist im Kunst- und Naturpark Cerro Gallinero in der Nähe von Avila in Spanien zu begehen.

evora1Walkable Labyrinths

***

Faszinierende Ausstellung der Werke von Pierre Soulages in der Villa Medici in Rom. Die französische Akademie organisiert ausserdem Konzerte meistens mit zeitgenössischer Musik wie dieses Portrait des XXI Jahrhundets z.B. Das Romaeuropa Festival hat auch in der Villa Medici stattgefunden. Ein Abend für Stockhausen.

Theatermässig war das Festival ebenfalls sehr aktiv u.a.mit den Wohlgesinnten, Hedda und dem Kulturquizz  The power of theatrical madness. Mit Theater befasst sich auch Isabelle Huchet

Soulages2 002Soulages in der Villa Medici

***

Der italienische Tenor Marcello Nardis singt die Wesendonck Lieder in Ravello und verzaubert in Klingsors Garten das Publikum – am Klavier wunderbar Laura de Fusco.Vor kurzem hat er hier in Rom die « Winterreise » vorgetragen. Hier gibt es mehr Infos über Marcello Nardis.

Pina Bausch in Neapel rundete die Ravello Reise ab.

Ravello 067 Marcello Nardis a Ravello

***

Eugen Ruge schreibt ein Buch über Cabo de Gata und hat damit alte Erinnerungen geweckt. César Borja hat zum Cabo auch eine besondere Beziehung. Eine andere Lieblingsecke von mir ist am Atlantik – der Gois und dort gibt es eine Besonderheit: die Barrieren in der Vendée.

SAN2 Cabo de Gata -  Buchbesprechung Eugen Ruge

***

Tizian ist der Größte, die Ausstellung in den Scuderien del Quirinale in Rom hat das wieder einmal gezeigt. Samson und Dalila hat er auch einmal gemalt. Aber hier geht es um Musik.

Zur Zeit zeigen die Scuderien die Ausstellung über Augustus und Cleopatra. Dazu passt dann ein Besuch beim Centrale Montemartini.

Tizian in den Scuderien – Großausstellung in Rom

***

Sibylle Lewitscharoff las in der Casa di Goethe aus ihrem Buch « Blumenberg » vor und alle wünschten sich anschließend auch einen Löwen! Sie ist 2013 Stipendiatin der Villa Massimo – die Musikstipendiaten dieses Jahr waren ebenfalls sehr aktiv und Casa di Goethe hat nun eine Reihe mit Dichterlesungen begonnen. Giuliana Morandini lebt zwar nicht über Berlin – schreibt aber am liebsten über Mitteleuropa. Und die wunderbaren Holzskulpturen sind Werke von Emanuel Borja.

borjaprimordial 011Blumenberg – Lesung Casa Goethe

***

The Cast im MAXXI. Clemens von Wedemeyer befasst sich mit dem italienischen Kino und entführt uns ins besetzte Teatro Valle und nach EUR. Dort hat schon des öfteren Tiziana Morganti ausgestellt. Von Wedemeyer  ist dieses Jahr ebenfalls Stipendiat der Villa Massimo. Ebenfalls im MAXXI die Ego-Reise Stigmata.

P1120848The Cast im MAXXIversione italiana

***

Der russische Pianist Mikhail Rudy hat in der Aula Magna die  Originalversion von 1928  für Piano und synchronisierter Videoinstallation vorgetragen. Ein akkustisches und visuelles Erlebnis. Das Programm der Aula Magna ist aber auch sonst immer aufregend und speziell, so gab es eine Reise mit Steve Reich, ein  Konzert zu Ehren Luciano Berio und Paul Angus mit Zauberei und Mythos.

Kandinsky Musorgsky con pianoforteInspirationen: Hartmann – Mussorgsky – Kandinsky

***

Entdeckung

Spurensuche Wohin 2013 KopieDie Entdeckung in der Künstlerszene ist die Fotokünstlerin  Christa Linossi und ihre Spuren kann sie ab jetzt nicht mehr verwischen. Auch entdeckt haben wir die Sammlung Netter und natürlich die DVD der neuen Oper von Elzbieta SikoraMadame Curie!

***

und als Special

Vernissage-Tiziana 075natürlich die Vernissage Tiziana Morganti im Juni

Portrait für KULTURA EXTRA

 ***

Aber nicht nur über Veranstaltungen in Rom und Italien wurde berichtet. In Paris gibt es  eine Ausstellung über Poliakoff, über den flämischen Maler Jordanes und über die wunderbare Ausstellung Renaissance und der Traum.

In München wurde die Neue Pinakothek wieder eröffnet,

Paris 1900 André Boudreaux

Ende der Highlights

Vielen Dank an Brigitte Mayer, Jean Noel Pettit, Irmi und Dan Feldman, sie haben an den verschiedenen Übersetzungen gearbeitet.

Kommentare über Ihre persönlichen Highlights sind herzlich willkommen!

Christa Blenk

Rienzi an der Oper in Rom

Rienzi an der Oper in Rom dans Musique anna-040-150x150 Ausschnitt Marc Aurel Säule an der Piazza Colonna

Rienzi kehrt nach Rom zurück
« Die Freiheit Roms sei das Gesetz, ihr untertan sei jeder Römer; bestraft sei streng Gewalt und Raub und jeder Räuber Roma Feind! » (1. Akt, 4. Auftritt)
Lug, Betrug, Verrat, Intrige, Untergang : und das 100 Jahre vor Machiavelli!
Im Wagner- und Verdi Jahr 2013 wurde zum ersten Mal „Rienzi – der letzte der Tribunen“ in Rom in deutscher Sprache aufgeführt – fast um die Hälfte gekürzt. Vor der Premiere entstand erst mal eine kurze Panik, da ein angekündigter Streik diese gefährdete. Aber Italien ist ja ein Land der Improvisation und so wurde die Premiere kurzerhand verschoben.

sockeltrajansaule-150x150 dans Musique Sockel Trajan Säule

Sacrum romanum imperium in der Mitte des 14. Jahrhunderts (Exkurs: Papstsitz war Avignon und der aus einfachen Verhältnissen stammende Notar und Gelehrte Cola di Rienzo war gerade wieder aus Avignon zurückgekehrt um – wie wir wissen vergeblich – den (französischen) Papst Clemens VI  dazu zu bewegen, nach Rom zurückzukehren):  Rienzi taucht auf, macht einen Versuch – mit Unterstützung des Klerus – Rom von der Gewaltherrschaft der Patrizierfamilien Colonna und Orsini zu befreien („Erstehe, hohe Roma, neu“)  und es den Römern zurückzugeben. Die wankelmütige Meute hält zuerst zu ihm, jubelt ihm zu, er zieht ins Kapitol, begnadigt auf Bitten seiner Schwester Irene und deren Geliebten Adrian (Sohn des Colonna), die Adeligen, die ihn ermorden wollten. Diese Tat verzeihen ihm die blutrünstigen Lumpen nicht und wenden sich von ihm ab, um sich einem anderen Schreier zuzuwenden. Adrian Colonna, liebt Irene aber mehr noch seinen Clan und muss ausserdem seinen von Rienzis Leuten getöteten Vater rächen. Irene zweifelt, bleibt beim geliebten Bruder, geht mit ihm in den Kerker und Rom brennt! Ob Rienzi ein idealistischer Befreier oder ein Tyrann war, bleibt unserer Fantasie überlassen?

Der 28-jährige Wagner hat sich gleich nach der Lektüre von Edward Bulwer Lytton’s Roman entschieden, aus dem Rienzi-Stoff eine „Grand Opéra“ zu komponieren – er brauchte einen Erfolg. Meyerbeer und Auber mussten übertroffen werden; ich denke er hat das geschafft. Wagners musikalische Dramaturgie ist perfekter und genialer durchkomponiert als die französische Oper des 19. Jahrhunderts – sie war nur viel zu lang und trotz Meyerbeer’s Fürsprache wurde sie in Paris abgelehnt. Die Uraufführung fand dann 1842 in Dresden statt.

forumromanum-150x150 Forum Romanum

Vor vollem Haus triumphierte Richard Wagners dritte Oper Rienzi, eben weil sie gekürzt war, weil es kein Nibelungen-Thema war – wie die hiesige Presse vermerkte – , weil es in Rom spielt, weil es die römische Oper schlechthin sein könnte (wie Hugo de Ana erklärte) und weil die Musik so klingt wie eine Verdi-Oper. Dementsprechend wurde auch jedes Mal nach einer „belcanto Arie“ heftig applaudiert und somit sind dann aus den geplanten 3 ½  Stunden doch fast 4 geworden. Mit Rienzi hat Wagner zum ersten Mal Erfolg gehabt. Das Thema gibt Wagner viele Möglichkeiten zu bombastischen und wuchtigen Arien und Melodien, Märschen und Drohpartien – es ist fast immer laut, er haut auf die Pauke! (und wenn es mal zart und lieblich wird wie bei Adrians Arie „Gerechter Gott, so ist’s entschieden schon!“), dann wickelt garantiert ein Nachbar grad ein Hustenbonbon aus oder jemand geht raus oder ruft seine emails ab etc – das ist auch Rom).
Der Musikwissenschaftler Egon Voss sagte 1983 folgendes über den Rienzi: … So gelang Wagner mit dem „Rienzi“ erstmals ein Werk eigener Prägung … erstmals ist das spezifisch Wagnersche Idiom hörbar, das in Werken wie „Die Feen“ und „Das Liebesverbot“ weitgehend fehlt. Dennoch: Wagners Rienzi ist über weite Strecken eher eine italienische als eine deutsche Oper; Wagners Vorliebe und Begeisterung für Bellini hat sich keiner seiner Partituren so eingeprägt wie dem Rienzi …

Verständlich, dass die Oper in den 30er Jahren ständig aufgeführt wurde und zum Repertoire aller wichtigen Opernhäuser gehörte. Das hat sich nach dem Kriege geändert, Rienzi war als „profaschistisch verschrieen und wurde so gut wie nicht mehr aufgeführt. In Rom konnte man diesen „Jugendstreich“ von Wagner 1969 als „versione ritmica italiana“ mit Arrigo Boito unter Oliviero De Fabritiis sehen – seit dem nicht mehr.

Wagner selbst hat seinen Rienzi später vergessen wollen. Er nannte das Werk einen „Schreihals“. Während Eduard Hanslick, der ja Wagner kritisierte wo er nur konnte, den  Rienzi sehr positiv bewertete, vielleicht gerade deshalb! Auf Wunsch von Wagner wird sie in Bayreuth nicht aufgeführt.
Aber jetzt zur Aufführung:

Andreas Schlager ist der päpstliche Notar Cola di Rienzo, er ist – wie der Chor – ständig präsent und in rot-braunes Leder gewandet. Im ersten Akt schlicht, später dann mit einem pompösen kardinalroten Umhang – unter diesem deutet sich dann zum Schluss auch ganz dezent das „zweite“ Thema, der Inzest Rienzi-Irene an. Schlager übersteht diese sehr schwierige Rolle mit Auszeichnung. Die intensive und grandiose und sehr textverständlich singende Angela Denoke ist eine würdige Nachfolgerin von Wilhelmine Schröder-Devrient, die die Hosenrolle des Adrian bei der Uraufführung am 20. Oktober 1842 in Dresden inne hatte. Sie trägt  auch Leder, aber dunkelgrau. Gut auch Manuela Uhl die Rienzis Schwester und Adrians Geliebte Irene singt. Obwohl sie viel auf der Bühne ist, hat sie eher eine kleine Rolle. Roman Astakhov ist Stefano Colonna und Ljubomir Puskaric ist Paolo Orsini, Milcho Borovinhov übernimmt die Rolle des Rienzi-Vertrauten Raimondo.
Der Argentiner Hugo de Ana hat sich an die „Peplum“- Inszenierung von 1969 angelehnt: mit Säulen, Reiterdenkmäler à la Marc Aurel auf dem Kapitol, stehenden und umgestürzten Monumenten, z.T. aufwendigen Kostümen. Angereichert hat er seine Version – zu unserem (deutschen) Leidwesen – mit schwarzen Fahnen mit  Adler-Aufdruck, die Soldaten hatten Gewehre mit Bajonettenaufsatz und trugen Stahlhelme, die aufgestachelte Meute war grau. Diese Inszenierung war eine Mischung aus einem „Schwert- und Sandalen“ Schinken, einer Reportage aus dem Ersten Weltkrieg und einem Film von Leni Riefenstahl. Teilweise durchaus gelungen, aber nicht sehr originell. Cinecittà in der Oper. Minimal kann man dieses Werk ohnehin nicht inszenieren, weil die Bühne ständig voller Menschen sein muss.  Aber de Ana hat den einfachen Weg gewählt.
Am Pult Stefan Soltesz, er ist ein control freak und hat das ganz korrekte Orchester der Oper Rom sehr „belcantig“ dirigiert und es ausgezeichnet durch die komplexe Partitur gebracht. Großes Lob – auch für den omni-präsenten Chor unter Leitung von Roberto Gabbiani.
Christa Blenk
Zusatzinfo:
Im heutigen Rom kennt man Cola di Rienzo vor allem als lange schicke Einkaufsstraße in Prati auf der „Trastevere“-Seite von Rom, gleich hinterm Vatikan und die Palazzi von Colonna und Orsini öffnen am Samstag ihre Türen für Touristen und zeigen ihre Reichtümer und fantastischen Sammlungen.
Info zu Wagner-Aufführungen in Italien: Das großartige und imposante « Teatro Massimo » in Palermo  hat – leider – die für den Herbst geplanten Aufführungen von Siegfried und Götterdämmerung (Rheingold und Walküre waren dieses Frühjahr dran)  aus finanziellen Gründen « auf unbestimmte Zeit » verschieben müssen.

Wagner und Verdi

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

Verdi und Wagner – Rivalitäten und Gemeinsamkeiten

Verdi und Wagner - Rivalitäten und Gemeinsamkeiten dans Musique gill11-150x150  artist: Gilles Ghez – « à la poursuite de la Gloire » (auf der Jagd nach Ruhm)

Geboren sind sie beide im Jahre 1813 (der eine, Wagner, im Mai, der andere, Verdi, im Oktober).

In Europa wütet Krieg, Napoleon marschiert nach Rußland, Preußen erklärt Frankreich den Krieg bis dann später – im Oktober – die Leipziger Schlacht die große Vorherrschaft der Franzosen beendet. Rossini feiert mit « Tancredi »  seinen ersten großen Erfolg und Luigi Cherubini triumpfiert in Paris mit « Les Abencérages » (ganz im Trend der Spanien-Mode). Es ist übrigens auch das Geburtsjahr von Hebbel und Büchner und das Todesjahr des Dichters Wieland. Jane Austen schreibt « Pride and Prejudice » und Goethe den « Totentanz ». Dänemark erklärt Staatsbankrott und der Brite Davy  erfindet den « Lichtbogen ». Ein wichtiges Jahr, das Geburtsjahr der beiden! Aber weder Deutsche noch Italiener haben eine Vorstellung von ihrer jeweiligen Nation und Leipzig schaut viel mehr nach Italien als nach Berlin und spricht weiterhin französisch und italienisch.

In dieses Länder-, Dialekt- und Sprachendurcheinander werden die beiden also hineingeboren, Wagner in Leipzig und Verdi im Herzogtum Parma.

Vom Süden bis in den Norden ist Musik die einzig gemeinsame Sprache – sie versteht jeder. Italien ist die « musikalische » Weltmacht schlechthin, Cherubini arbeitet in Paris, Spontini in Berlin, Vivaldi in Wien etc.

Im Geburtsjahr von Verdi ist Busseto (Herzogtum Parma), noch französisch (man sagt, dass er jahrelang sein Geburtsjahr mit 1814 angab, um nicht Franzose zu sein). Während Verdi sehr schnell viel Erfolg hat und ziemlich gut verdient, ist Wagner ständig auf der Flucht u.a. auch vor Gläubigern.

Treffen tun die beiden sich nie – was aber durchaus möglich gewesen wäre, da sie sich desöfteren fast am gleichen Orten zur gleichen Zeit aufhalten. Beide reisen nicht wenig durch Europa, vor allem nach Paris und Venedig. Wagner ist zwischen 1839 und 1867 zehn mal nach Paris gereist (manchmal nur sehr kurz aber einmal ist er drei Jahre geblieben). Paris war der Brennpunkt des Musiklebens der ganzen Welt. Ohne Paris ging gar nichts.

ausflugbracciano-017-150x150 dans Musique Lago di Bracciano

Während die Pariser den Italiener feiern, fällt Wagners « Tannhäuser » bei der Premiere durch (und setzt das Stück nach 4-5 Aufführungen ab). Seine Eitelkeit und auch sein Perfektionismus verbieten es ihm, den obligatorischen  Ballet-Akt um 22.00 Uhr einzubauen (im zweiten Akt – so gerade nach dem Abendessen, wenn dann die Mitglieder des bourgoisen « Jockey Club » die Oper betreten um nette Balletmädchen zu sehen), dafür baut Wagner schon im ersten Akt eine Balleteinlage ein und sorgt auch noch dafür, dass der Club davon erfährt. Tödlich für ihn, denn der Jockey Club rächt sich bitterlich und die Oper wird ausgepfiffen und ein « Reinfall » – aber nur oberflächlich. In den kultivierten Kreisen (zu dem der Jockey Club sicher nicht gehört) hat er schon einen Ruf. Jacques-Gabriel Prod’homme weist in seinem Aufsatz « Le Wagnérisme en France » auf eine Erwähnung in der « Revue musicale de Paris » vom 25. Mai 1833 hin: « Leipzick: Les nouveautés les plus importantes qui ont été entendues dans les concerts des souscription sont: …. et une symphonie par M. Richard Wagner, dans laquelle on a trouvé un mérite remarquable, quoique l’auteur soit à peine âgé de vingt ans » (sonst ist er auch schon mal Robert Wagner, M. Wagener  genannt worden). Trotz dieser Niederlage gilt das Jahr des Tannhäuser-Skandals, 1861, als die Geburtsstunde des « Wagnérisme ». Auf der einen Seite wurden seine Aufführungen boykottiert, während auf der anderen die Wagner-Euphorie ständig wuchs.

winter2012-017-150x150

Eitel ist Verdi auch, eher ein Tiefstapler, er liebt es, sich in schöne Stoffe zu kleiden und in guten Restaurants zu essen, besteht aber immer darauf, ein Mann aus dem Volk zu sein und es auch bleiben zu wollen. Mit nur 55 kauft er sich ein großes Landgut in der Region Parma. Sein Mitmischen in der Politik ist allerdings oberflächlicher, angepasster, obwohl er auch mit Mazzini kokettiert (er lässt sich sogar eine Vollbart wachsen) und in Italien Mitte des 18. Jahrhunderts auch die Hölle los ist. Beide sind ganz erpicht darauf,  in allen aktuellen und angebrachten Salons in Paris zu verkehren. Gerade die Niederlage seines « Tannhäusers » in Paris 1861 macht Wagner aber interessant. Während er, als Intellektueller, als visionärer Komponist, Sozialreformer und denkender Dramaturg stigmatisiert wird, ist Verdi der Gassenhauer-Komponist, ein Massenproduzent, geliebt von der Masse, belächelt von den Intellektuellen. Er steckt fest und fühlt sich – jedenfalls am Anfang – ganz wohl dabei. Und obwohl Verdi angeblich nie eine Note von Wagner gelesen hat – beide vertreten den Standpunkt, dass Opern nicht über das Lesen oder das Studium verstanden werden können sondern nur über Augen (Inszenierung) und Ohren (Klang) – wird ihm unterstellt, dass sein « Don Carlos » Wagnermusik ist. Bizet sagte sogar, « Verdi sei nun kein Italiener mehr – er mache Wagner »! Giuseppe Mazzini wiederum dürfte das freuen, er ist für die Vereinigung der individualisierten italienischen Melodie mit der systematischen Harmonie (das spätere Leitmotif) der Deutschen (Straub). Ganz im Sinne von Overbecks deutsch-römischen Allegorie von 1828! Mazzini ist ein echter Rossini-Gegner. Mozart (vor allem Don Giovanni) hingegen sieht er als Vorläufer dieser Vereinigung. Dieses hat er gemein mit Verdi und Wagner, die beide diese Oper ebenfalls sehr bewundern und beide Mozart als ihre wichtigsten Vorgänger betrachten. Wagner interessiert sich auch für Mazzini, der, wie er, ein Europäer ist. Der erste musikalische Europäer allerdings ist dann Meyerbeer, er vereint deutsche, italienische und französische Tendenzen meisterhaft, Wagner und Verdi erkennen das auch und bewundern (mit Neid) ihn dafür. Sie wollen es ihm gleich tun und europäische Musik schaffen. (Wagner mehr als Verdi).

Wagner kennt sich gut bei den italienischen Dichtern wie Dante und Ariost aus, während Verdi leidenschaftlich Schiller in Übersetzung liest, Grillparzer mag und Schlegels Vorlesungen zum Europäischen Theater kennt. Und während Wagner Italien bereist (er liebt im Gegensatz zu Verdi Sizilien), reist Verdi nach Wien, besucht Berlin und Köln. Beide halten sich öfter in Paris auf, eben weil sich beide als Weltbürger sehen. Verdi verlegt einige seiner Opern sogar nach Deutschland, während Wagner eher nach Märchen und Mythen sucht. Beide trachten nach der reinen, nackten Darstellung. Beide streben im Einverständnis mit Schiller nach einem Drama, das Vergnügen mit Unterricht, Ruhe mit Anstrengung und Kurzweil mit Bildung zusammenbringt (sagt Straub). Das Ziel dieser dramatischen Kunst war erreicht, « wenn Menschen aus allen Kreisen und Zonen und Ständen, abgeworfen jede Fessel der Künstelei und der Mode, herausgerissen aus jedem Drange des Schicksals durch eine allwebende Sympathie verbrüdert, in ein Geschlecht wieder aufgelöst ihrer selbst und der Welt vergessen und ihrem himmlichen Ursprung sich nähern. Jeder Einzelne geniesst die Entzückungen aller, die verstärkt und verschönert aus hundert Augen auf ihn zurückfallen und seine Brust gibt jetzt nur einer Empfindung Raum – es ist diese: ein Mensch zu sein ».

Verdi verteidigt die konventionelle Art Musik zu schreiben, 1871 scheibt er « Kehren wir zu den Alten zurück » fast so wie Wagner in seinem Meistersinger « Verachtet mir die Meister nicht ». Und wenn man bedenkt, dass alle wichtigen Opernhäuser um 1840 österreichisch sind – Mailand, Venedig, Triest und Wien, dann hat er spätestens mit dem Bibel-Freiheits-Epos Nabucco sein Ziel erreicht. Ein voller Erfolg auf der ganzen Linie, ohne « political incorrect » zu sein. Der Orient ist sowieso seit Napoleon und Ägypten in Mode (man sagt, dass sogar die Bauarbeiter bei den Proben aufgehört haben zu arbeiten, als der Chor das « Va pensiero » gesungen hat).

IMG_2642

Mit der Eröffnung der Bayreuther Festspiele 1876 hat es dann Wagner auch endgültig geschafft, seinen Werken einen festen Platz in den europäischen und amerikanischen Opernhäusern zu sichern. Wagner ist sein Leben lang auf Verdi eifersüchtig – finanziell wenigstens  – obwohl Verdi in jungen Jahren sehr auf die Unterstützung seines Gönners und Schwiegervaters angewiesen war, während dieser vor Neid fast platzt, wenn er an Wagners intellektuellen Stellenwert denkt. Als er von Wagners Tod erfährt, hat er auch nichts besseres als « Traurig, traurig, traurig » zu sagen – sehr öffentlichkeitswirksam allerdings.

Verdis Eltern sind Kleinbürger, die aber seine Begabung rasch erkennen und sich seine Ausbildung etwas kosten lassen. Er lernt Latein und bekommt Privatunterricht, was ihn sehr schnell vom Bauer wegbringt, er kokettiert allerdings sein Leben lang damit. Er legt sich im Laufe seines Lebens eine große Bildung zu, aber kommt nie auf den Stand von Wagner, dessen Eltern « Bildungsbürger » sind, zum Teil mit akademischem Hintergrund und – für Wagner sehr wichtig – sein Onkel Adolf aus Leipzig. Dieser Theologe und Philosoph, spricht fünf Sprachen, kennt sich in Kunst und Literatur aus.Von ihm erfährt Wagner über Dante, Tasso, Goldoni und Calderón und das Theater. So kommt er auch zur Mythologie, die sein Werk ganz einschneidend prägen soll. Wagner kommt über das Theater zur Musik und hatte als Dirigent gar keinen so schlechten Ruf; Verdi ist eher  ein mittelmässiger Dirigent aber ein recht guter Organist. Während in Norditalien Mazzini & Co versuchen, die Welt zu ändern, kommt Wagner 1830 – das Jahr der Juli Revolution – durch seinen Onkel wiederum, zur Politik und beteiligt sich an diversen Demonstrationen der Studenten. Leipzigs Universität zählt zu den besten in Deutschland, das Gewandhausorchester gibt es schon und über 30% aller deutschen Bücher werden in Leipzig verlegt. Wagner schreibt für die « Neue Zeitschrift für Musik », die eine der besten in Europa ist (hier kann man auch schon Kritiken über Verdis erste Oper lesen) und die Oper in Dresden ist so gut wie Wien oder Mailand. Der Perfektionist Wagner erträgt es nicht, wenn Sänger nicht « verständlich » sprechen oder singen. Gerade das aber verschafft ihm schon einen Ruf als Dirigent, bevor er etwas komponiert.  « Die Feen » entsteht 1834, das « Liebesverbot » 1836; zu diesem Zeitpunkt hat Verdi noch nichts geschaffen. Seine erste Oper « Oberto » entsteht 1839. Allerdings werden beide Opern von Wagner abgelehnt und so gut wie nie aufgeführt. Dabei lernt er Minna Planer kennen, die mit ihm nach Paris geht. Dort entsteht 1842 « Rienzi », die Oper aber erst bei seiner widerwilligen Rückkehr nach Dresden aufgeführt werden wird. « Ich habe keine Vorliebe in geographischer Hinsicht, und mein Vaterland, seine schönen Hügelketten, Täler und Wälder beiseite gestellt, ist mir sogar zuwider. Das ist ein verfluchtes Volk, diese Sachsen – schmierig, plump, faul und grob – was habe ich mit Ihnen zu tun ». Nachdem er 1843 zum Hofkapellmeister auf Lebenszeit ernannt wird, sieht er es als seine Verpflichtung an, Dresden auf Pariser Niveau zu bringen. Der « fliegende Holländer » (1843 uraufgeführt) sollte den Anfang machen. Die Geschichte dazu entdeckt er durch Heine in Paris und angereichert wird sie mit allen möglichen Ideen und Übersetzungen seines Onkels. Tannhäuser kommt dann 1845. Verdi bringt ab 1839 so gut wie jedes Jahr eine Oper heraus (Nabucco, Hernani, Due Foscari etc.). Verdi geht 1847 nach Paris und stürzt sich gleich in die PR Arbeit – unterstützt von seiner Geliebten, der Sängerin Giuseppina Strepponi (die sich als Gesanglehrerin schnell in die französische Gesellschaft eingliedert) – und auf Meyerbeer, den er unbedingt übertrumpfen will. Paris ist die wichtigste Musikstadt in Europa und Verdi muss sich anpassen, genauer werden, perfekter. (Das europaweite Revolutionsjahr 1848 steht vor der Tür, das scheint aber das Musikgeschehen nicht weiter zu stören). Wieder zurück in Italien, erobert er dann mit « Rigoletto », « Il Trovatore » und « La Traviata » die europäischen Bühnen und « Les vêpres siciliennes » wird sogar die Eröffnungsoper der Weltausstellung in Paris 1855. Damit ist nun Meyerbeer endgültig von seinem Platz verdrängt.

gilles4-150x150 artist: Gilles Ghez

Wagner muss 1849 nach Zürich fliehen und bekommt in Deutschland keinen Fuß mehr auf die Beine. Auch er strebt nach Paris. Paris und Frankreich haben es ihm wirklich angetan (er sagt  sogar schon die deutsch-französische Freundschaft vorher). Meyerbeer ist auch sein Dorn im Auge und Verdi tummelt sich ebenfalls dort. London, das auch noch in Frage kommt, da die Engländer seit Händel ganz versessen auf deutsche Komponisten sind, wird von Mendelssohn beherrscht. Wagner reist dann schließlich nach Italien wo er mit der Arbeit am « Rheingold » beginnt. Man kann sich vorstellen, wie wütend ihn Verdis Erfolg in Paris macht. Zürich liegt ihm gar nicht und deshalb entschließt er sich 1852 ganz nach Paris auszuwandern. Ab 1859 schafft er es dann auch, dort Fuß zu fassen und darf in der « belle société » mitmischen. Der französische « Wagnerisme » entsteht als geistig-ästhetische Bewegung. Ab 1860 erscheinen « Der fliegende Holländer » und « Tristan » auch auf französisch. Dennoch kommt es dann zum Tannhäuser-Skandal, der eher ein politisch-gesellschaftlicher Skandal ist, und ihn endgültig – wenigstens in Frankreich – berühmt macht. Der « Tristan » wird aber trotzdem vorerst nicht aufgeführt (das passiert dann erst Anfang des 20. Jahrhunderts).

Wagner muss wieder weg nach langem Hin- und Her (Berlin ist ihm verhasst und Meyerbeer-treu; Leipzig und Dresden findet er provinziell, Zürich langweilt ihn und in Italien ist man Verdi ergeben) also geht er nach Wien, damals musikalisch zwar auch voll in italienischer Hand, aber erstmal kein Konkurret in Sicht. Ab 1857 werden dann dort auch seine Werke (« Lohengrin » und « Tannhäuser ») aufgeführt. Die Wiener zeigen  Berlin damit,dass man in Wien doch liberaler als in Deutschland ist. In Wien trifft er auch auf den Kritiker Eduard Hanslick, von dem er aber absolut nichts wissen will. Er war – darin wie Verdi – überzeugt davon, dass nicht die Kritik, sondern das Publikum über den Erfolg entscheide. Eine Anekdote erzählt, dass Verdi einen Musikkritiker ein wenig aus dem Trovatore vorgespielt hat und dieser das ganz schrecklich fand, Verdi war darüber sehr glücklich « vielen herzlichen Dank, ich habe eine Oper für die Menschen von Italien scheiben wollen, wenn Sie sie, ein angesehener und vornehmer Kritiker, diese Oper gemocht hätten, hätte sie wahrscheinlich niemand anderem gefallen. Aber weil Sie sie nicht mögen, wird der Rest der Welt von ihr begeistert sein ».

dscf1247.vignetteVon Wien aus reist er immer öfter nach Italien und Venedig. Verdi komponiert weiterhin fast jedes Jahr eine Oper. 1864 muss er wieder mal – aus finanziellen Gründen – Wien ganz schnell verlassen und kommt so nach München zu Ludwig II. Seine Geldprobleme sind damit erstmals gelöst, seine sozialen nicht. Die Münchner verurteilen ihn wegen seines Verhältnisses zu Cosima von Bülow. Sie hat damit kein Problem und tritt selbstbewusst als seine Managerin auf. Auch Verdi Geliebte, die ehemalige Sängerin und Lehrerin, kümmert sich um sein gesellschaftliches Leben und führt ihm ihre Gesangsschülerinnen aus der besseren Gesellschaft zu. 1865 muss er aber schon wieder weg und geht diesmal nach Luzern. Während Verdi seit 1861 eine internationale Berühmtheit (man sagt, dass Briefe nur mit der Angabe  « Maestro Verdi Italien » bei ihm ankamen) erringt, 1861 sogar in die Politik geht und den « Maskenball », « Don Carlos » und die « Macht des Schicksals » komponiert, arbeitet Wagner unermüdlich an seinem « Tristan », der 1865 in München einen großen Erfolg erlangt, sowie an den « Meistersingern » und am « Ring ». Eduard Hanslick beschreibt sie dann 1870 als « ein denkwürdiges Kunsterlebnis, wenn auch keines von jenen, deren edler Schönheitssegen uns beglückend und läuternd durchs Leben begleitet. Ihm fehle die Melodie, die ihm ein melodiespinnendes Orchester nicht ersetzen könne, die Melodie der Singstimme war jederzeit in der Konzeption des Tondichters das Erste und Bestimmende. Diese Regel stürze Wagner mit seinem Experiment um, einer interessanten musikalischen Abnormität. Als Regel gedacht, würde sie das Ende der Musik bedeuten« . Mit Verdi ist er aber nicht gnädiger. Über den Ernani schreibt er « Massen von Stimmen, die wild mitsammen schreien, Massen von Instrumenten, die dazu hämmern, blasen, pfeifen, schnarren ..(..) Massen von Rhythmen ohne Zweck, von Tonarten ohne Verbindung, von Figuren ohne Bedeutung – kurz, Massen von dem, was der schlechte Geschmack irregeführt anbetet ». « Verdis roher Ungeschmack, er verstehe nichts vom Gesang » (etc).

gilles1-150x150 artist: Gilles Ghez

So gesehen haben Verdi und Wagner recht, nichts auf die Kritiker zu geben. Wagners Feinde sind deshalb aber längst nicht Verdis Freunde oder umgekehrt! 1875 triumphierte Verdi mit « Aida » auch in Wien. Dort sieht er auch den « Tannhäuser », aber einen nicht von Wagner einstudierten und Wagner hört Verdis « Requiem » von Hans Richter dirigiert. Cosima urteilt: « worüber nicht zu sprechen, entschieden das Beste ist ». So werden also Wagner und Verdi Ehrenmitglieder der Wiener Gesellschaft der Musikfreunde und bilden eine Zweierherrschaft in der Österreich-ungarischen Zweiermonarchie. Verdi reist aber kein zweites Mal nach Wien – aus Angst, dort auf Wagner zu treffen. Er hält sich lieber an Paris. Wagner wird dafür Ehrenbürger von Bologna und schreibt am « Parsifal ». Verdi reagiert mit Unwohlsein auf den Zuspruch, den Wagner in Italien findet und wird von seinem Publikum nicht verstanden, die weiterhin Rigolettos und Aidas wollen und ihm vorwerfen, Musik wie Wagner zu schreiben, weil auch er nicht mehr ausschließlich Melodien komponieren wollte. 1871 hörte er sich in Bologna den « Lohengrin » an – ganz im Hintergrund ohne aufzufallen – notiert er sich auf seinem Klavierauszug zum ersten Akt « zu laut, unverständlich, schön, doch schwer erträglich wegen der ständigen hohen Noten der Violinen, hässlich, schlecht, schlecht gesungen ». Er findet die Oper schleppend und langweilig. Sein « Requiem » allerdings findet überall in Deutschland großen Beifall und wird dort häufiger als in Italien aufgeführt.

Ins Kino haben es die beiden auch geschafft (zum 100. Geburtstag gab es z.B. zwei Stumm- Filmveranstaltungen in Bielefeld:  den « Fliegenden Holländer » und « Aida »). Francis Ford Coppola hat in seinem Vietnam Blogbuster « Apocalypse Now » den Walkürenritt auch allen Nicht-Wagnerianern nahegebracht und die Marx Brothers haben den « Trovatore » zu ihrem Markenzeichen gemacht.

Eine weitere Gemeinsamkeit der beiden: Wagner rief 1876  sein eigenes Festspiel in Bayreuth ins Leben, mit dem Streben, Aufführungen ganz nach seinem Willen zu produzieren. Er komponiert die Musik und bestimmt, wer welches Kostüm trägt und wann wer sich wohin bewegen darf. Minutiös.Verdi versuchte auch im Opernbetrieb bedingungslos seine Vorstellungen einer Inszenierung durchzusetzen. Beide sind sie sozusagen Theater-Tyrannen – unerträglich wahrscheinlich irgend etwas mit ihnen zu unternehmen.1869 schreibt Verdi an seinen Librettisten Camille du Locle « Sie werden das einigermaßen tyrannisch finden und das ist es auch, aber wenn das ganze Werk aus einem Guss ist, ist es eben nach einer Idee geformt, und alle müssen bestrebt sein, diese Einheit Ereignis werden zu lassen« . Wenn das nicht Wagners Wunsch für Bayreuth ist!

Kurz vor Wagner Tod weilt auch Verdi  in Venedig und beschliesst, ihn zu besuchen. Er kam aber zu spät!

gilles3-150x150 artist: Gilles Ghez

Wagner stirbt im Februar 1883 in Venedig; Verdi im Januar 1901 in Mailand.

Christa Blenk

Dank an Gilles Ghez (Ausstellung « Theater in the Box »)!  (ich bin sicher, Wagner hätte ihn als Bühnenbildner verpflichtet)

siehe dazu auch: Rienzi in der Oper Rom

Die Feen im Theater Regensburg

 

 

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

Bühne

Seite:  Hans-Werner Henze

 

Bühne opera21

La Mer

La Mer

Aktuelles in Berlin

- Kolbe Museum - Bildhauerinnen der Moderne - 1917 -Revolution - Historisches Museum - Irving Penn - Fotografie - Bröhan Museum - BERLINER REALISMUS. VON KÄTHE KOLLWITZ BIS OTTO DIX

Archives

Visiteurs

Il y a 1 visiteur en ligne

Instagram

Suivez-nous

Besucher


LES PEINTURES ACRYLIQUES DE... |
ma passion la peinture |
Tom et Louisa |
Unblog.fr | Créer un blog | Annuaire | Signaler un abus | L'oiseau jongleur et les oi...
| les tableaux de marie
| création