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Reaching out for the future

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Im dritten Stock des Bröhan Museum geht es um das Zukunftsbild oder die Zukunftssehnsucht  zu Beginn des 20. Jahrhunderts!

Der Beginn des Modernismus, des Maschinenzeitalters, die Industrialisierung und ein Vormarsch der Technik haben nicht nur den Mond sondern auch die Unterwelt von Jules Verne näher gebracht.  Plötzlich waren Expeditionen zum Mond, die Erforschung der Ozeane oder das Wohnen auf einem anderen Planeten nicht mehr so unvorstellbar. Von Zeitschriften und von der Filmwelt wurde diese Thema voll ausgeschlachtet. Georges Méliès « Le voyage dans la lune » kam 1902 in die Kinos. Zeichner und Karikaturisten folgten mit futuristischen Zeichnungen und Sammelbildern in Zigaretten – oder Schokoladenpackungen aber auch Plakate zu Fritz Langs Film « Frau im Mond » sind zu sehen.

Und wie wir sehen können, war auch Frau Bärs Flugtaxi damals schon Gesprächsthema.

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Ausstellungsplakat Bröhan Museum
« Une excursion à Rouen » um 1909 Postkarte Lederer & Popper, Prag Sammlung Peter Weiss, www.www.postcard-museum

Die kleine aber interessante Ausstellung geht noch bis 27. Oktober 2019.

Christa Blenk

 

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Skandal! Mythos! Moderne! Die Vereinigung der XI in Berlin

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1892 entstand in Berlin der Vereinigung der XI, eine Künstlergruppe nach dem Vorbild der Münchner Sezession, der französischen Gruppe Nabis – die schon seit 1888 gegen die Historienmalerei rebellierte – und der Brüsseler Gruppe Les Vingt. Die Gruppe hielt sich nur ein paar Jahre und wurde 1898 von der Berliner Secession abgelöst. Ihre Mitglieder waren:  Jacob Alberts (1860–1941), Hans Herrmann (1858–1942), Ludwig von Hofmann (1861–1945), Walter Leistikow (1865–1908), George Mosson (1851–1933), Konrad Müller-Kurzwelly (1855–1914), Hugo Schnars-Alquist (1855–1939), Friedrich Stahl (1863–1940), Hugo Vogel (1855–1934) und Max Liebermann (1847–1935) sowie Franz Skarbina (1849–1910). Ein paar Jahre später nach Ausscheiden von drei Mitgliedern schlossen sich kurzfristig Max Klinger (1857–1920), Dora Hitz (1856–1924) und  Martin Brandenburg (1870–1919) an. Aber die Zahl XI wurde nie überschritten. Böcklin war Ehrenmitglied.

Auslöser dafür war vor allem die Ablehnung einer Kunstentwicklung von Kaiser Wilhelm II, der über den Historismus nicht hinaus kommen wollte. Die meisten der Maler sind heute so gut wie unbekannt.

„Freie Vereinigung zur Veranstaltung von künstlerischen Ausstellungen“ nannte sich diese Gruppierung zuerst und Ziel war es, nicht etablierte Kunstwerke der Öffentlichkeit zu präsentieren und die Berliner Kunstwelt zu revolutionieren. Im April 1892 fand die erste Ausstellung im Kunstsalon von Eduard Schulte in Berlin statt. Später sollte Walter Leistikow darüber sagen:„Was uns zusammenführte, war allein der Wunsch, eine kleine gemeinsame Ausstellung zu arrangieren, in der jeder frei und ungeniert, ohne Rücksicht auf Wünsche und Liebhabereien des kaufenden Publikums, ohne ängstliches Schielen auf Paragraphen der Ausstellungsprogramme sich geben konnte. … Von dieser Idee versprachen wir uns Vergnügen und der Kunst der Hauptstadt … nun ja, vielleicht ein bisschen Erfrischung, ein bisschen Erregung – und damit: Leben.“ Auch die heftige Ablehnung des norwegischen Malers Munch spielte hier eine Rolle. Much stellte 1892 im Verein Berliner Künstler aus. Die Ausstellung, die insgesamt 55 Werke umfasste, musste aber nach nur sieben Tagen unter großem Protest wieder geschlossen werden.

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Ausstellungsplakat Bröhan Museum

Verschwörerisch und geheimnisvoll hört sich der Name der Gruppe „Vereinigung der XI“ an. Dem Impressionismus und dem Symbolismus wurden so die Berliner Türen geöffnet und die des Naturalismus teilweise geschlossen.  Schon ein Jahr nach der Gründung bewies ein Kommentar der Berliner Zeitung, dass das Berliner Publikum reif war für eine Veränderung: „ Zum dritten Male treten diese Künstler, die anfänglich als der Ausbund naturalistischer  Geschmacklosigkeit und dekadenter  Modernität verschrien wurden, vor das Publikum, das in der Ausstellung der „Elf“ ein Hauptereignis der jährlichen Berliner Kunstbewegung zu sehen begonnen hat. Es ist chic geworden, der Eröffnung dieser Ausstellung beizuwohnen, bei der es so Ungeheuerliches zu erwarten gib.“

Ein Leserbrief an „Das Atelier“ von 1894 beinhaltete folgendes: „Die Ausstellung der „Elf“ hat gerade begonnen. Das Publikum strömt mit ziemlich verdutzten Gesichtern durch die Räume, es sind noch keine Kritiken veröffentlicht und man weiß noch nicht, was man schön und was man lächerlich finden soll„. (Schon 1872 hat Monets sein  „Impression soleil levant“ gemalt.) Hodlers Symbolismus-Bilder entstanden um 1900.  Vor allem der Symbolist Ludwig von Hoffmann war Vorreiter der Neuen Sachlichkeit. Sehr interessant die Farb- und Flächengebung von Walter Leistikow. Sein Gemälde „Grunewaldsee“ wurde von der Jury der Großen Berliner Kunstausstellung zurückgewiesen.

Im Bröhan Museum sind noch bis 15. September an die 100 Exponate ausgestellt, die in dieser Zeit durch diese Gruppe entstanden sind.  Teilweise werden historische Ausstellungen rekonstruiert. Alte Pressemeldungen berichten von dieser Stimmung und den Schwierigkeiten, sich durchzusetzen.

Christa Blenk

 

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Orgelkonzert auf der neuen Vleugels-Orgel in Deggendorf

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Seit Pfingsten 2019 hat die älteste Kirche in Deggendorf, die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, eine neue Orgel. Teile der Kirche wurden im 15. Jahrhundert an das alte romanische Kirchenschiff angebaut.  Mitte des 17. Jahrhunderts entstand das barocke Langhaus und Ende des 19. Jahrhunderts erhielt die Kirche ihren Vorbau.

Fünf Jahre hat es gedauert, bis aus den Plänen der Kirchenverwaltung eine neue Orgel zu erwerben, Realität wurde. Im Mai 2019 schließlich konnte die Vleugels-Orgel durch Bischof Dr. Rudolf Voderholzer eingeweiht werden. Die Hauptorgel verbirgt sich hinter dem bereits vorhandenen, ausgesprochen schönen, barocken Brandenstein-Gehäuse aus dem Jahre 1749 und hat 41 Register auf drei Manualwerken und Pedal. Dazu kommt eine elektrisch angesteuerte Chororgel, die mit 18 klingenden Registern und drei Extensionen den klangstilistischen Radius der Hauptorgel erweitert und trotzdem als eigenständiges Instrument sehr gut daher kommt. Finanziert wurde dieses neue Instrument durch Spenden, Zuschüsse, Patenschaften und einer Erbschaft.

Der Kirchenmusiker und Orgelprofessor Norbert Düchtel hat am 21. Juli 2019 ein sehr exquisites und fein abgestimmtes Konzert gegeben. Auf dem Programm stand eine Bearbeitung von Norbert Düchtel und Alexandre Guilmant der Sinfonia aus der Bach-Kantate „Wir danken Dir, Gott, wir danken Dir“. Weiter ging es mit antante sostenuto aus Consolation op. 65 Nr. 4 von Max Reger (1873-1916). Reger hat das interessante Werk 1902 komponiert. In diese Zeit fällt seine Heirat mit der geschiedenen Protestantin Elsa von Bercken, die seine unmittelbare Exkommunikation zur Folge hatte. Dem Stück merkt man eine gewisse Zerrissen- und Hin- und Hergerissenheit an. Reger wurde vor allem durch Orgel-Kompositionen bekannt und war ein großer Anhänger von protestantischen Chorälen und von den Werken von Johann Sebastian Bach. Consolation trägt den Fin de siècle in sich und erinnert an Debussy, Mahler und Strawinski. Düchtel kann hier perfekt die dynamischen und klangfarbigen Vorgaben des Komponisten zum Ausdruck bringen und alle Erwartungen mehr als erfüllen. Interpret und Instrument verschmelzen geradezu miteinander. Neue Hörspektren erklangen aber auch beim anschließenden allegro moderatio aus der 1. Sonate G-Moll op 29. Ein spätromantisch anmutendes und sehr melodiöses Werk von Josef Renner jun. (1868-1934). Renners kirchenmusikalische Werke wurden zu seiner Zeit viel gespielt, und nicht nur in in seiner Heimat. Der gebürtige Regensburger war ab 1894 im Regensburger Dom Organist, dort wirkte übrigens auch Norbert Düchtel von 1979-2015.

Als letztes Orgelsolostück hat sich Düchtel für Improvisation“ Des-Dur op 174 aus „Miscellaneen“ op. 174 von Josef G. Rheinberger (1839-1901) entschieden. Auch Rheinberger war vor allem durch seine Orgelwerke bekannt geworden, obwohl sie nur ein Viertel seines Gesamtwerkes ausmachen. Seine Orgelsonaten nach dem Vorbild derer von Mendelssohn – geplant waren 24 in allen Tonarten, allerdings kam bei der 20. leider der Tod dazwischen -  stellen einen wichtigen Teil in der Orgelmusikgeschichte dar. Der gebürtige Liechtensteiner kam mit 12 Jahren nach München, um eine seinem Talent gerechte Ausbildung zu bekommen. Dort sollte er auch sein Leben lang bleiben. Rheinberger war schon sehr jung ein gefragter Lehrer. Zu seinen Schülern zählen u.a. Engelbert Humberdinck, Richard Strauss, Max Bruch oder Josef Renner.

Ergänzt wurde diese anspruchsvolle Konzertstunde durch zwei Vokalwerke gesungen von der Chorgemeinschaft Mariä Himmelfahrt und der Novacappella Regensburg unter Leitung von KMD Hermann Wellner. Das Ensemble hat das ansprechende „Gloria“ aus der Missa in C für Chor und konzertante Orgel von Franz X. Schnizer (1740-1785) mitgebracht. Ein ganz besonderes Schmankerl, da Schnizers Werke zum Teil nur fragmentarisch erhalten und ein wenig in Vergessenheit geraten sind. Von Schnizer gibt es immer noch nicht veröffentlichte Kompositionen. Den Abschluss bildete das „Te Deum Landamus“ op 50 für Chor und Orgel vom Rheinberger-Schüler Josef Renner (1868-1934).

Vorzügliches Konzert!

Christa Blenk

 

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Der Rosenkavalier

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Komödie für Musik in drei Aufzügen

Die Wiederaufnahme dieser wunderbaren Produktion des „Rosenkavaliers“ hat im Juni die Saison der Komischen Oper abgeschlossen. Andreas Homoki hat dieses Meisterwerk der Operngeschichte 2006 entwickelt. 2013 wurde es erneut auf den Spielplan genommen und dieses Frühjahr nochmals viermal aufgeführt.  Bei der 42. Aufführung seit der Premiere am 8. Juni war das Haus fast voll.

Das eher kahle, weiße Bühnenbild verwandelt sich im Verlauf der über vier Stunden in eine Art Kriegsschauplatz in Schieflage, Kriegs-Bomben Donnerlärm eingeschlossen. Nichts ist mehr so wie es war: die guten alten Zeiten sind endgültig vorbeigezogen, wie es auch das Leben tun! « Philosophier Er nicht, Herr Schatz, und komm’ Er her. Jetzt wird gefrühstückt. Jedes Ding hat seine Zeit. » – singt die Marschallin im ersten Akt.
Dies betrifft nicht nur die Puderperücke, auch mit der Aristokratie scheint es zu Ende zu gehen. Das Geld liegt nun bei den Neureichen und was dem Adel bleibt ist der Titel! Dies ist der Beginn und das Ende der Geschichte. Der nicht enden wollende Walzer im dritten Akt erzählt davon. Ochs muss klein beigeben, nimmt das aber sportlich.

Das Bühnenbild von Frank Philipp Schlößmann im ersten Akt besteht – abgesehen von einem zerwühlten Bett – nur aus Kostümen. Die Marschallin und Chinquin alias Octavian sind glücklich, wälzen sich in jugendlicher Unbeschwertheit auf dem Boden. Dann ist Besuch im Anmarsch. Es ist aber nicht der Mann der Marschallin, der früher von der Jagd zurück kommt, sondern ein Verwandter von Marie Theres, der verarmte Baron Ochs von Lerchenau, der sich mit seinen ungezogenen Hofstab fast gewaltsam Eintritt verschafft. Chinquin (außergewöhnlich Karolina Gumos)  versteckt sich in Cherubino-Manier hinter oder vor einem Sofa und verwandelt sich später in das tollpatschige Mariandl.  Ochs will, dass die Marschallin ihm einen Rosenkavalier empfiehlt, denn er möchte um die Hand der reichen, aber titellosen Sophie Faninal anhalten. Zuvor aber noch kurz das Mariandl verführen, was ihm später zum Strick werden sollte. Die Rolle des Octavian ist großartig. Sie wird von einer Frau gesungen, der einen Mann spielt, der sich zweimal als Frau verkleidet!

Anfangs verweisen nur die gepuderte Perücke der Marschallin auf das 18. Jahrhundert, denn in diesem Jahrhundert lassen Strauss und Hofmannsthal die Geschichte spielen. Der Walzer spielt darin eine nicht unbedeutende Rolle – obwohl es ihn in dieser Zeit noch gar nicht gab! Genauso wenig gab es den Brauch des Rosenkavaliers oder die seltsame, wienerische Sprache. Alles Erfindungen von Hugo von Hofmannsthal.

Die genialste Szene ist sicher die Begegnung von Sophie und Octavian. Hier fällt die komplette Gesellschaft auf der Bühne in eine Art Gefrierstarre, die nur ein paar Momente dauert. Hofmannstahl  selber sagte dazu „Mich dünkt, es ist nicht die Umarmung, sondern die Begegnung die eigentliche entscheidende erotische Pantomime. Es ist in keinem Augenblick das Sinnliche so seelenhaft, das Seelenhafte so sinnlich als in der Begegnung. Hier ist alles möglich, alles in Bewegung, alles aufgelöst“.

Im letzten Akt gehört der Marschallin wieder die volle Aufmerksamkeit, sie verändert sich optisch nicht – obwohl das in der Oper ihr Hauptproblem ist – und steht immer noch in ihrem Reifen-Kleid auf der Bühne, über das Vergehen der Zeit philosophierend, während Sophie und Octavian aus dem Off singen.

Liebe und Vergänglichkeit – ein Spiel zwischen einer älteren Liebenden, einem Rabauken und zwei jung verliebten. Karolina Gumos bringt ihre verzweifelte Entscheidungsunfähigkeit so großartig herüber und schließlich ist es die Marschallin, die sich für das junge Glück und gegen ihre eigene Liebe entscheidet und bestimmt, wie es weiter zu gehen hat. Viel Würde ist hier im Spiel und Mitleid kommt nicht auf – eher Bewunderung.

Der neue Generalmusikdirektor der Komischen Opern,  Ainārs Rubiķis am Pult (bei der Premiere 2006 war es Kirill Petrenko) einfühlsam und rücksichtsvoll. Sängerisch kann es besser nicht sein. Karoline Gumos ist der perfekte Octavian. Optisch wirkt sie wie ein frecher junger Bursche, mal unsicher, mal verwegen und immer so sympathisch. Seine „siebzehn“ Jahr“ bezweifelt niemand. Ihr wunderbarer, warmer und sicherer, zu großen Höhen fähiger, Mezzosopran unterstreicht das. Sie ist der Star des Abends ohne Zweifel. Neben ihr die Feldmarschallin Fürstin Werdenberg. Johanni van Oostrum verwandelt sich von der jungen Frau, die mit Quinquin im ersten Akt verliebt über die Bühne rollt oder um das Frühstückskipferl kämpft zu einem würdigen Vorbild und wenn sie sagt „Mein lieber Hippolyte, heut’ haben Sie ein altes Weib aus mir gemacht!“, dann fühlt man mit ihr. Sie ist der Rolle der gedemütigten, aber alles verzeihenden, großzügigen Dame unbedingt gewachsen.

Vera-Lotte Böcker ist eine großartige Sophie. Mit ihrem hellen und klaren lyrischen Sopran leuchtet sie über die Bühne und leistet – wie die anderen – auch schauspielerisch großartiges. Jeans Larsen ist der Baron Ochs von Lerchenau. Seine Manieren sich grobschlächtig und ungezogen-unverschämt. Er ist ein arroganter has been, der sich nur noch durch die Heirat mit einer titellosen aber reichen Frau retten kann. In seinem Fahrwasser ständig sein besoffener und unschicklicher Hofstaat. Einen mächtigen Bass hat er und gibt auch physisch alles her, was diese Rolle braucht.

Christoph Spätz und Michaela Selinger spielen und singen das italienische Paar Valzacchi und Annina. Adrian Strooper ist der Wirt und Tom Erik Lee der Herr von Faninal.

Christa Blenk

 

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Eine spanische und italienische (musikalische) Nacht

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Das Sommerkonzert 2019 des Abonnentenorchesters – DSO Berlin fand am 22. Juni 2019 im Militärhistorischen Museum, Flughafen Berlin-Gatow statt. Auf dem Programm standen Ouvertüren, Operetten-Arien, Märsche und Walzer von George Bizet, Chopin, Augustin Lara, Carl Zeller, Julius Fučík, Johann Strauss, Manuel de Falla und anderen. Der mexikanische Tenor Enrique Ambrosio schmetterte Arien wie « Erinnerung an Sorrento », « O sole mio » oder « Granada« . Ambrosio gastierte an vielen deutschen und europäischen Opernhäusern und war erster Tenor am Landestheater Linz. Die vorzügliche Sopranistin und Studentin der Hanns-Eisler Hochschule für Musik, Birgit Pehnert wurde in Caputh/Potsdam geboren und sang   »Frühling in San Remo » oder « Meine Lippen, sie küssen so heiß ».  Birgit Pehnert hat auch die Rollen der Pamina, Gilda, Susanna oder Adele im Repertoire und tritt u.a.  an der Oper Leipzig, an der Prager Staatsoper und am Aalto Theater in Essen auf. Mit der Arie von Carl Zeller « Schenkt man sich Rosen in Tirol » sangen sich die beiden Vokalsolisten im Duett in die Herzen der Konzertbesucher. Am Pult mit viel Energie Heinz Radzischewski, der mit dem Orchester die schwierige Akustik des Militärhistorischen Museums Berlin-Gatow vorzüglich meisterte.

Die Mitglieder dieses Orchester sind keine Berufsmusiker und haben ganz unterschiedliche Berufe. Jeden Montagabend treffen sie sich im Probensaal des DSO, um gemeinsam zu musizieren und die drei jährlichen Konzerte einzustudieren. Der stellvertretende Solo-Trompeter des DSO, Heinz Radzischewski, leitet dieses von hohem Niveau geprägte Amateur-Ensemble.

Das Weihnachtskonzert wird mit Werken von Bach, Humperdinck und Tschaikowsky am 30. November in der Jesus-Christus-Kirche in Dahlem stattfinden; das Frühjahrskonzert am 7. März im Großen Sendesaal des Haus des Rundfunks mit Werken von Beethoven und Wagner.

Großartige Stimmung und wunderbares Ambiente an diesem heißen Sommerabend in Kladow.

Christa Blenk

 

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Zehlendorfer Hauskonzerte

Cesar Borja - Virtual Gallery - N°4

Cesar Borja – Virtual Gallery – N°4

Musik kennt keine Grenzen, braucht kein Visa – sagt der indische Sänger ARKO MUKHAERJEE und nimmt das Publikum im Zehlendorfer Wohnzimmer auf eine Reise von Indien bis nach Afrika und von Bangladesch bis zum Mississippi mit. Von sanftem free-Jazz oder folkloristischer Romantik zu jahrhundertealten Texten aus seiner Heimat wird er im Laufe des Abends auch zum modernen Minnesänger, zum Griot, einem westafrikanischen Dichter, Sänger und Musiker, der in epischer Manier Geschichten von der Vergangenheit und der Gegenwart erzählt, sich darum kümmert, Informationen und Bräuche zu bewahren, zu verbreiten und vorm Aussterben schützen. Auch Arko erzählt zwischendurch Geschichten und philosophiert über das Leben und die Musik. Obwohl er dann und wann auch laut wird, bleibt es ein ruhiges, entspannendes Konzert. Sein Handwerkszeug sind Instrumente wie die Mandoline oder die Dotara, ein folkloristisches, bengalisches Streichinstrument.

Begleitet wird er vom Gitarristen NISHAD PANDEY.  Die beiden Musiker sind ein echtes « dream team » und es ist uns nicht immer ersichtlich, wer wen kontrolliert oder wer die Richtung vorgibt, wo die Reise hingehen soll. Denn abgesprochen wird ganz wenig. Nishad liebt die Überraschung, sagt Arko. Letzterer hat eine schöne, für den klassischen Gesang geschulte, Stimme. Die Liebe zum Gesang hat er von seinen Eltern, die bei jeder Gelegenheit gesungen haben, erzählt er uns in der Pause.  Arko ist 1983 in Kalkutta geboren, war 2008 Musikdirektor und Songwriter in der Bollywood Film Industrie und lebt seit ein paar Jahren in Frankreich, daher kommt wohl auch der westafrikanische Einfluss in seiner Musik. Als einer der wenigen indischen Künstler hat er in Frankreich auch an « Blues Festivals » teilgenommen.

Nishad Pandey wurde ebenfalls in Indien geboren, lebte in Japan, Großbritannien, den USA und in Australien. Von überall hat er Klänge und Techniken im Gepäck mitgebracht. Er ist Mitglied der experimentellen Weltpop-Band Hatchlings, des Jazz-Klavier-Gitarrenduos Tinctures, der indischen Klassik-Fusion-Band Calcutta Chronicles und der Band von Bengal nach Bayern, einem akustischen Trio, in dem Volksrepertoire aus Indien und Deutschland ein Vehikel für zeitgenössische Improvisation bietet. Außerdem hat er einen Bachelor in Jazz Performance. Heute lebt Nishad  in Berlin, wo er als freischaffender Gitarrist, Komponist und Lehrer arbeitet.

Dieses ungewöhnliche und brückenschlagende Konzert war das letzte vor den Sommerferien. Auch die laue Sommerluft im Garten während der Pause hat dies angekündigt.

Wir freuen uns auf den Herbst und die kommenden musikalischen Delikatessen in Zehlendorf!

Christa Blenk

 

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Pelléas und Mélisande

pelleas und melisande
Pelléas et Mélisande
Dominic Barberi (Arzt, Hirte), Marianne Crebassa (Mélisande), Michael Volle (Golaud) und Wolfgang Schöne (Arkel)
Credits: Tatjana Dachsel

 

Claude Debussys (1862-1918) Meisterwerk „Pélleas et Mélisande“ wurde 1902 in Paris an der Opéra Comique uraufgeführt. Der Text basiert auf einem Schauspiel von Maurice Maeterlinck (1862-1949). Debussy hatte schon nach einem Theaterbesuch 1893 (bei dem Sarah Bernhardt die Mélisande spielte) ein Auge auf dieses Stück geworfen. Damals gab Maeterlinck aber sein Einverständnis (noch) nicht, es zu einer Oper zu verarbeiten. Dieses kam ein paar Jahre später und  Debussy konnte sein Projekt aufnehmen.

In fünf Akten und zwölf Bildern durchkomponiert entstanden die nachdenklichen Orchesterzwischenspiele – auf Wunsch des Intendanten der Pariser Oper – erst später. Bis zu seinem Tod hat der Komponist an dieser Oper herum gefeilt. Arien im Sinne von herkömmlich Gewohntem gibt es darin nicht. Meist sind es gesungene Dialoge. Die neuen, unbekannten Rhythmen und Takte stießen vielerorts auf Unverständnis und Kritik. Und als Mélisande sang „Ich bin nicht glücklich“ konterte das Publikum „Wir auch nicht“. Nur dank des Durchhaltevermögens des Dirigenten wurde die Generalprobe nicht abgebrochen, aber ständig unterbrochen von Tumulten, Pfiffen und Buh-Ruhen – allerdings darf man nicht vergessen, dass hier vor allem Maeterlinck-Freunde saßen. Die Premiere hatte es dann etwas leichter.  Zumal das Publikum Debussy Musik durch andere Werke kannte, wie z.B. „l’apres-midi d’un faune“ – welches acht Jahre vorher uraufgeführt worden war.

Maeterlinck selber, der übrigens 1911 den Nobelpreis für Literatur erhielt, hatte sich zwischendurch mit Debussy überworfen, weil der belgische Schriftsteller die Hauptrolle der Primadonna Georgette Leblanc, seiner frisch angetrauten Frau,  übertragen wollte. Die Rolle der Mélisande bekam aber schließlich die Engländerin Mary Garden. Das war auch der Grund, war Maeterlinck die Aufführung erst 1920 – nach dem Tode von Debussy – zu sehen bekam. Anschließend war er allerdings mehr als begeistert, bei so einem Schlüsselwerk der zeitgenössischen Musik mit an Bord gewesen zu sein. 

1889 fand in Paris die Weltausstellung statt. Dort stieß Debussy auf ein japanisches Gamelan-Ensemble und war fasziniert davon. Immer wieder sollten diese asiatischen Fragmente auch in seine Musik Eingang finden. Weitere Einflüsse kamen von Mussorgsky oder auch Wagner. Bei Pelléas und Mélisande spielte diese transparent, zarte Tonsprache eine große Rolle.

Ruth Berghaus hat das Werk 1991 für die Staatsoper inszeniert und gestern wurde es zum 40. Mal vor vollem und begeistertem Haus aufgeführt. Kein Wunder, denn das hier ist ein Rund-um-Meisterwerk, eine Sternstunde des Musiktheaters. Die Optik scheint aus den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts entliehen zu sein. Choreografie und  Kostüme erinnern an Oskar Schlemmers Triadisches Ballett. Das Bühnenbild kommt direkt aus dem deutschen expressionistischen Film, begleitet von Lionel Feiningers synthetisch-kubistischen Architekturbildern. Die manieristisch-symbolischen Bewegungen sind Rolando Villazón auf den Leib geschrieben. Impressionistische Turner-Farben an den Wänden, die Halbkugel in der Mitte und dann die großartige, steile Himmelstreppe, gelb ausgeleuchtet, bei der man das Ende nicht sieht. Mehr kann man sich von einem Opernabend nicht wünschen.

Zum Schluss sind außer dem Großvater und dem Neugeborenen so gut wie alle tot.  Mélisande schreitet langsam die Treppe hinauf in ein besseres Leben und die schwarz-gekleidete Trauergemeinde installiert sich schräg und gefährlich auf unsicheren Stühlen auf der Halbkugel-Bühne bereit, den griechischen Trauergesang einzuleiten.

Niemand soll es bequem haben in dieser Inszenierung. Kein Rückzug in Wohlfühloasen ist möglich. Beklemmung und die Sorge, nicht zu fallen. Trotzdem sind die Bilder herausragend schön, die Dialoge berührend und brillant begleitet von der Staatskapelle. Weichheit und Gewalt liegen nah beieinander und alles ist umgeben von unlogisch dunklen, unsicheren und beklemmenden, bedrohlichen Gefühlen. Niederschmetternd, traurig-schöne Nebelschleier durchstreifen das von Eifersucht und Tod geprägte Werk.

Luca Pisaroni ist Golaud. Schleichend installiert sich Misstrauen in seiner Seele und es bringt ihn soweit, sogar seinen Sohn Yniold  (ein Solist des Tölzer Knabenchors) zum Spion und Komplizen zu machen, wenn er über seine Augen seinem Voyeurismus frönt. Die Szene auf der gelben, steilen Treppe ist umwerfend.

Die Französin Marianne Crebassa ist Mélisande. Zart, kindlich, klar, sehr sicher tritt sie auf, auch schauspielerisch hat sie Großes geleistet.

Rolando Villazón ist Pelleas. Es ist keine 20 mehr, kein Fast-Kind, wie die Oper das verlangt und trotzdem nimmt man ihm das Kindliche ab. Seine Bewegungen sind jung und frisch, manchmal wirkt er wie ein unbekümmerter Clown, um gleich darauf wieder in Gedanken und Weggehplänen zu versinken.  Er hält Mélisande fest, als sie fast komplett im Brunnen der Blinden verschwindet, um den Ring wieder herauszufischen, der ihr beim kindlichen Spiel mit verbundenen Augen dort hineingefallen war. Es war Golauds Ring, der seinerseits nicht kapiert was er anstellt, indem er sie wegschickt, um – mit Hilfe von Pelleas – den Ring zu suchen. Ab hier ist das Drama nicht mehr aufzuhalten. Die langen Haare, die in dem Stück eine wichtige Rolle spielen, sind bei Berghaus nur eine Kurzhaarperücke. Mélisande nimmt sie ab und spielt mit ihr, sobald das Thema Haare aufs Parkett kommt. Surreal und komisch diese Szene.

Arkel ist Wolfgang Schöne, Geneviève Katharina Kammerloher. David Ostrek ist der Arzt und Hirt.

Am Pult vor der wunderbaren Staatskapelle Maxime Pascal. Die Kostüme sind von Hartmut Meyer. Die Choreinstudierung ist von Anna Milukowa.

Der einzige Wermutstropfen vielleicht: Textverständlichkeit war nicht eine herausragende Qualität der Aufführung. Die Untertitel gab es in englischer und deutscher Sprache. Nur französisch-sprechende Zuhörer haben dementsprechend wenig verstanden.

Bei der Premiere 1991 war Simon Rattle am Pult und Magdalena Kózená sang die Mélisande – zwei Weltstar-Debüts an der Staatsoper unter den Linden.

Wenn das Stück in der nächsten Spielzeit wieder aufgenommen wird, dann nichts wie hin!

Christa Blenk

 

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Lynn Chadwick im Kolbe Museum

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Dance V , 1955 (Eisen, Gips und Eisenspäne) – Folkwang Museum Essen

   

Biester der Zeit und zeitlose hybride Kreaturen! (für KULTURA EXTRA)

Seit den 1950er Jahren gestaltet Lynn Chadwick (1914-2003) diese herrlichen und unverdorbenen, braven Biester. Sie sind allesamt Zufallskreationen, entstanden ursprünglich aus Mobile, wie wir sie von Alexander Calder kennen. Nach und nach hat er diese zarten Metallgeflechte aus- und aufgefüllt. Hierfür benutzte er „Stolit“, ein eisenhaltiges Zementgemisch. Seine so entstandenen,  aleatorischen Wesen wurden alsdann in die Welt geschickt – manche vielleicht auch auf den Mond. Mit ein wenig Phantasie  erinnern sie an ein Raumfahrzeug wie das LEM, das bei der Apollo-Mondlandung  eingesetzt wurde.  Wieder andere gelangten in die Hände von Franz Kafka, der dann sogleich eine Geschichte über sie schrieb und die restlichen scheinen beim Science Fiction Film einen Job gefunden zu haben. Chadwick hat seine eigene Verkleidungs- und Verschweiß-Technik entwickelt und so sind seine Arbeiten unverwechselbar und originell.

Lynn Chadwick war ursprünglich Architekt  und im Zweiten Weltkrieg als Pilot eingesetzt. Auf der einen Seite erinnern seine Kreaturen an auch schon mal an Bauwerke aus einer anderen Zeit und auf der anderen an Leonardo da Vincis Flugmaschinen  – in 3-D. Über 40 Jahre hat ihn diese lustig-schwebend und kriechende Tierwelt beschäftigt. Ein besonderes Exemplar der Biest- Skulpturen-Serie hat ich ins Haus am Waldsee verirrt und steht in einem Raum mit einem filigranen Vogelwesen seines fast-Zeitgenossen Hans Uhlmann (1900-1975) und so verstehen wir, warum gerade er ihm an die Seite gestellt wurde.  Chadwicks „Beast“  hat zwei riesige Alien-Kristallaugen!   Uhlmann teilte seine Vorliebe für Flügelwesen und die Freiheit, die damit einhergeht.

Neben Werken von Uhlmann sind auch Plastiken der jungen Berliner Künstlerin  Katja Blomberg (*1970) im Haus am Waldsee ausgestellt. Schwerelose Borkenkäfer, Insekten,  gefallende Ikarusse, Totems oder Flugmaschinen stehen hier in Konkurrenz zu den technischeren, glatten und zeitlosen Arbeiten von Uhlmann und Blomberg. Letzteren fehlt die faltige, lebendige und humorvolle Poesie und der gemächliche, aleatorische Entstehungsprozess.  Katja Strunz  große Plastik Enthüllung (2008) aus Baustahl, Pulverbeschichtung und patinierter Bronze ist ein Riesenflügel, der auch  Chadwicks Viecher in die Luft bringen könnte.

In den 1960er Jahren entsteht eine Serie aus Zeichnungen und Skulpturen, die Chadwick  „Moon of Alabama“ tauft. Ein Sammelsurium von Kokons, Larven oder zackigen Hüllen. Vielleicht hat er sie ja auch Kurt Weill und Berthold Brecht gewidmet. Beweise dafür gibt es allerdings nicht. Figurative Skulpturen baut er ab den 1970er Jahren. Meist Paare, stehend auf  erschreckend, unsicheren, dünnen Beinen und oft nebeneinander, im Dialog, sich festhaltend. Eine Gratwanderung der Schwerkraft zwischen Raum und Zeit. Ab 1980 arbeitet er mit geschweißten Edelstahlplatten. Diese glatten, sauberen Tafeln allerdings lassen seine gewohnte Lyrik ein wenig vermissen, dafür rufen sie Assoziationen mit den  präzisen  japanischen Origami -Spielen hervor. „Beast Alerted I » (1990) dominiert im Garten im Haus am Waldsee, eine Leihgabe des Estate of Lynn Chadwick and Blain|Southern.

1958 kauft Chadwick ein Anwesen in Gloucestershire und renoviert es, baut es  nach und nach um, bis es Wohnhaus und Atelier unter einem Dach vereint. Bemerkenswert  vor allem ist der Skulpturengarten. Lypiatt Park beherbergt heute den Nachlass des Künstlers und wird von Eva und Sarah Chadwick verwaltet.

Lynn Chadwick arbeitete als Zeichner in verschiedenen Londoner Architekturbüros und erst nach dem Zweiten Weltkrieg fing er an, als selbstständiger Designer Möbel und Textilien zu entwerfen, bis er später von der Plastik in Bann gezogen wird. Schon 1952 stellte er im britischen Pavillon der Biennale in Venedig aus und erhielt 1956 den „Biennale Grand Prix für Bildhauerei“.  Auch auf der documenta Kassel war es des Öfteren vertreten.

Neben Henry Moore und Barbara Hepworth zählt Lynn Chadwick  heute zu den bedeutendsten britischen Bildhauer des 20. Jahrhunderts.

Die Schau  „Biester der Zeit“ Lynn Chadwick, Katja Strunz, Hans Uhlmann ist seit Mitte Mai im Haus am Waldsee und im Georg Kolbe Museum zu sehen. Man kann die elf Kilometer, die zwischen beiden Häusern liegen, mit dem Fahrrad zurücklegen, das man an beiden Orten ausleihen und zurückgeben kann. Es empfiehlt sich, beim Kolbe Museum anzufangen und dann ca. 40 Minuten durch den Grunewald zu radeln!

Eine großartige Ausstellung haben die beiden Häuser hier auf die Beine gestellt. An die 70 Exponate, Plastiken, Zeichnungen und Lithografien, beherbergt diese einmalige Retrospektive von Chadwick. Im Georg Kolbe Museum beschreibt die Schau seine Werkentwicklung, während im Haus am Waldsee die Arbeiten der drei Künstler Lynn Chadwick (1914 – 2003), Hans Uhlmann (1900 – 1975) und Katja Strunz (*1970) gegenübergestellt und Parallelen gesucht und gefunden werden. Die Ausstellung läuft noch bis zum 25. August 2019.

 

 

P1080333P1080291P1080316P1080306katja StrunzChadwick und Uhlmann
Moon of Alabama, Raumansicht, Biester, « Enthüllung » von Katja Strunz, ganz rechts Chadwicks « Biest » mit zwei Kristallaugen im Hintergrund, vorne  Hans Uhlmann « Vogelwesen » von 1952 

 Christa Blenk

 

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Händel – Festspiele Halle 2019 – Eröffnungsabend

Händel Festspiele 2019

 

Eröffnung der Händel-Festspiele in Halle 2019  für KULTURA EXTRA

Julius Cäsar in Ägypten

« Die Kunst erzieht uns » sagt Peter Konwitschny, der für die diesjährige Premiere der Händel Festspiele den „Julius Caesar“ inszeniert hat. Am 31. Mai war Premiere in der Oper von Halle mit viel Hurra aber auch heftigen Buh-Rufen! „Das Theater müsse etwas in der Gesellschaft bewirken“, hätte Konwitschny von Bertholt Brecht gelernt. „Reifer und klüger und empfindungsfähiger soll sie uns machen, die Kunst“. Aber warum macht er dann aus Händels Giulio Cesare in Egitto eine deutsche Slapstick-Komödie? Macht es uns wirklich empfindungsfähiger, wenn er uns zum Lachen bringt, weil die Vorkoster vergiftet zu Tode stürzen – auch wenn sie sich wie Figuren aus der „Als die Bilder laufen lernten-Zeit“ benehmen? Gerade Konwitschny kritisiert zuweilen die Oberflächlichkeit des Publikums, dessen Ignoranz und Arroganz. War diese Produktion dann ein Racheakt von ihm? Man hat sich entschieden, die Oper in deutscher Sprache aufzuführen, um sie dem Publikum näher zu bringen, um sie verständlicher zu machen!

Das diesjährige Festival steht unter dem Motto „Händels starke Frauen“. Das sind Cleopatra und Cornelia auf jeden Fall. Konwitschny hat aber aus der edlen, tragisch-trauernden Pompeo-Witwe Cornelia ein blondes Marylin Monroe Gift gemacht. Ihre wunderschönen Arien oder das berührende Lamento im Duett mit Sesto „Son nata a lagrimar“ sind hinter den Pyramiden verschwunden. Oder die facettenreiche Cleopatra, die mit ihren acht Arien die ganze Gefühlspalette abdecken soll, wirkt wie eine junge, zu Streichen aufgelegte Schülerin. Dabei muss sie bangen, leiden, lieben, siegen und verlieren. Sie  muss ständig im Bikini um die Papp-Palmen und Pyramiden rennen. Dabei hat Vanessa Waldhart das ganz großartig gemacht! Sextus, eine Kastratenrolle, wird durch das Kind Benjamin Schrade ersetzt, das ständig „Mutti“  rufend und Schwert fuchtelnd über die Bühne rennt (auch er war sehr gut). Im Verlauf des Abends ist er zum mutigen Mörder und Rächer geworden und durfte deshalb im U-Boot mit nach Rom fahren. Das freut das Publikum und selbst beim zehnten „Mutti“-Ruf gibt es noch Lacher. Den genusssüchtigen, unberechenbaren, kaltblütigen und opportunistischen Ptolomeo, der nur ein paar Arien hat, mochte Händel wohl schon beim Komponieren nicht. Diese Figur ist Konwitschny aber noch am besten gelungen und die Harems-Szene mit der Marylin-Cornelia als Racheengel im Hintergrund ist gelungen. Die neue deutsche Textfassung von Werner Hintze verhindert, dass die Sänger mit ihren Arien brillieren. Caesar (Grga Peros) schwächelt ziemlich am Anfang, wird mit der Zeit aber besser. Großartig Jake Arditti als singender Kopf des Pompejus, er hat auch einige der Sextus-Arien gesungen. Komik als Brücke zur Tragik oder: auch Macht vermag es nicht, die Protagonisten davor zu bewahren, Leid und Niederlage zu erfahren.

Aber die giftgrünen Palmen, das lächerliche Pyramidenlaufen, Cäsars Wiederauferstehen im Plisseerock und Algengirlanden wären alle hinnehmbar gewesen: nur die Sprache hätte man beibehalten sollen. Halle ist so stolz auf seinen Händel. Es grenzt an Verrat an ihm, wenn man diese Oper, die für die italienische Sprache geschrieben wurde, in deutscher Sprache aufführt. Der schwere deutsche Text war gar nicht zu bewältigen und hat alle Verzierungen vor vorneherein ausgeschlossen. Das Erfolgsteam Konwitschny/Brade hat hier einfach zu viel über die Stränge geschlagen. Wer eine lustige Operette sehen will, geht nicht in Händels markantestes Meisterwerk einer Heldenoper. Aber leichte Kost war es dann schon!
Nach der Pause blieben einige Sessel im Parkett trotzdem leer.

Das Händel-Festspielorchester unter Gastdirigent und Händel-Spezialist Michael Hofstetter hat Großartiges geleistet und viel Applaus bekommen. Farbenprächtig und feinfühlig haben sie das nuancenreiche Meisterwerk interpretiert.

Der Musikschriftsteller Charles Burney hat  Händels Oper „Giulio Cesare in Egitto“ als „eine Oper, die Schönheit aller Art im Überfluss bietet“ bezeichnet. In Halle stand die Musik eindeutig nicht an erster Stelle. Darüber konnte auch das gelungene Duett von Cornelia und Cleopatra „Da uns das Glück belog, ist alle Hoffnung tot, sie kehrt nie mehr zurück“ (!!) schon vor geschlossenem Vorhang gesungen nicht hinwegtrösten. Der Trost kam dann am Samstag gleich zweimal: einmal bei der Verleihung des Händel-Preises der Stadt Halle an Prof. Dr. Silke Leopold mit Musikeinlagen durch die Sopranistin Margriet Buchberger und dem Ensemble Il Giratempo und abends beim Festkonzert mit der großartigen Vivica Genaux im Duett mit Lawrence Zazzo begleitet von der Lautten Compagney Berlin in der Händel-Halle!

Christa Blenk

***
Textfassung von Werner Hintze in deutscher Sprache. Musikalische Leitung: Michael Hofstetter / Inszenierung: Peter Konwitschny / Ausstattung: Helmut Brade / Dramaturgie: Bettina Bartz / Solisten: Grga Peroš (Julius Cäsar), Vanessa Waldhart (Cleopatra), Svitlana Slyvia (Cornelia), Jake Arditti (Kopf des Pompejus – Partie des Sesto), Michael Zehe (Tolomeo), David Pichlmaier / Ki-Hyun Park (Achilla), Maik Gruchenberg (Nirenus), Benjamin Schrade / Fabian Waclawchzyk (Sesto). Chor und Statisterie der Oper Halle / Händel-Festspielorchester Halle

 

 

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Oceane – Deutsche Oper Berlin

Vendée2013-März 112
La Vendee – Atlantik

 

Grau-schwarze Melancholie, Hoffnungslosigkeit, dekadente Vergänglichkeit – Fin de Siècle-Stimmung und tosendes Meer, Liegestühle im Gegenlicht.

Die neue Oper „Oceane“ von Detlev Glanert, ein Auftragswerk der Deutschen Oper Berlin, hatte Ende April 2019 eine gefeierte Premiere. Alle weiteren Abende waren ausverkauft.

Oceane von Parceval ist eine Novelle von Theodor Fontane, die um 1880 entstand – mehr oder weniger pünktlich zur Belle Epoque. Hans-Ulrich Treichel hat daraus das Libretto geschrieben. Ein Sommerstück für Musik in zwei Akten ist dabei herausgekommen. Dabei geht es hier eigentlich eher um eine Spätsommer-Stimmung, um das Absinken der Sonne, die schon deutlich zu spürende Verkürzung der Tage, die frischen Abende kurz vor dem Herbsteinfall.

Die Geschichte spielt an der Ostsee, in einem Hotel, das schon bessere Tage gesehen hat. Die Besitzerin Madame Louise und ihr treuer Diener George (Doris Soffel und Stephen Bronk) singen davon mehrere Lieder und bedauern das langsame Dahinsiechen des einst eleganten Hotels. Man braucht einen Privatkredit und den soll Oceane von Parceval gewähren, die dort gerade logiert, aber eigentlich nicht wirklich mitspielt, sie bleibt am Rande, unberührt, reich, schön – aber der junge Baron Martin von Dircksen (Nikolai Schukoff), der in Begleitung seines Freundes Felgentreu (Christoph Pohl) ebenfalls dort einquartiert ist, verliebt sich trotzdem in die attraktive, seltsame Melusine. Während Felgentreu und Oceanes Kammerfräulein Kristina (Nicole Haslett) recht schnell zusammen finden, gestaltet sich die Beziehung von Oceane und Martin sehr schwierig.

Gefühle kann Oceane trotz Anstrengung nicht zeigen und ihre Indifferenz anlässlich der Konfrontation mit einem toten Fischer am Strand macht sie zum Opfer des barbarischen, religiösen Mobs, der – vor Allem was fremd und unverständlich ist – Angst hat. Angeführt und aufgestachelt von Pfarrer Baltzer (großartig der eindringliche Bass von Albert Pesendorfer) wird sie praktisch verstoßen. Die Doppelverlobung kommt nicht zustande. Maria Bengstsson als Oceane ist hell, schön und unterkühlt, immer weit entfernt, weltfremd und irgendwie teilnahmslos. Zum Schluss geht sie einfach weg – allerdings nicht ins Wasser. Sie ist die Traumbesetzung für diese Rolle. 

Die Musik von Detlef Glanert (*1960) ist nicht gerade zeitgenössisch oder revolutionär und erinnert an Henze-Opern, Glanert war auch sein Schüler. Klangmässig bringt das Werk nichts Neues und die Musik ist nachvollziehbar, verständlich und beschreibend, schön. Auch Henze hat mit seiner Ballett-Gestalt Udine ein Wesen aus dem Meer beschrieben und mit der Oper Elegie für junge Liebende auch eine Naturoper geschrieben, nur waren bei letzterer die Berge die Protagonisten und nicht das Meer.  

Robert Carsons Inszenierung ist mehr als gelungen. Er hat diese dekadente Endzeitstimmung perfekt und einfühlsam auf die Bühne gebracht. Das omnipräsente und nie ruhende Meeresvideo tut das ihre dazu. Am Pult bei der letzten 5. Vorstellung in dieser Saison Stephan Zillas. Großes Lob an den Chor und seinen Leiter Jeremy Bines.  

am Atlantik

Christa Blenk

 

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Zehlendorfer Hauskonzerte – Noga Quartett

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Noga Quartett im Quintett mit Eve Wickert

 

Das großartige Noga-Quartett ist regelmäßig zu Gast im Zehlendorfer Wohnzimmer. Gestern Abend hat es dort, im Musikhaus, wie der Bratschist so treffend sagte, seinen 10. Geburtstag gefeiert. Mit einem außergewöhnlichen und sehr langen Hauskonzert wurde hier natürlich vor allem das Publikum beschenkt.

Seit 10 Jahren spielen die vier Musiker Simon Roturier und Lauriane Vernhes (Violine), Avishai Chameides (Bratsche) und Joan Bachs (Cello) miteinander und das sieht und spürt man. Sie sind perfekt aufeinander eingespielt und oft braucht es nur ein Blinzeln, um sich zu verstehen.

Das Programm eröffnet an diesem (Wahlsonntag)-Abend mit dem Streichquartett Nr. 2 in F Dur von Reynaldo Hahn (1874-1947). Hahn hat insgesamt zwei Streichquartette geschrieben und ist bei uns eher unbekannt. Sein Gesamtwerk besteht hauptsächlich aus Musik zum Singen. Entstanden ist das Quartett ungefähr gegen Ende des Zweiten Weltkrieges in Südfrankreich, wohin sich Reynaldo Hahn kriegsbedingt zurückgezogen hatte. Hahns Musik ist eigentlich konservativ und hat die Moderne nicht wirklich erreicht. Diese Komposition ist wie ein zauberhafter Frühlings-Spaziergang, ein Flanieren, durch Paris.

Das Streichquartett besteht aus vier Sätzen und beginnt mit einem temperamentvollen und leidenschaftlichen Allegro, geht über in einen nervös summenden Satz, der von einem besinnlich, samtigen und dialogisierenden Andante  lento abgelöst wird um dann in ein hektisch stürmisches Finale überzugehen. Man mag sich gerne hier einen Tanz über die großen Boulevards vorstellen.

Hahns Familie kam aus Venezuela. Spanisch-baskischer Abstammung seine Mutter, ein jüdischer Kaufmann aus Hamburg sein Vater. Schon vor seiner Geburt allerdings siedelte die Familie 1878 von Venezuela nach Paris um, wo Reynaldo 1885 im Conservatoire de Paris aufgenommen wurde. Schüler von Jules Massenet und Mitschüler von Maurice Ravel. Hahn war bekannt dafür, dass er in den Pariser Salons seine eigenen Melodien sang und sich selber am Klavier begleitete. Im Salon von Madeleine Lemaire lernte er 1894 auch Marcel Proust kennen, mit dem er bis zu seinem Tode zusammen bleiben sollte. Hahns Opern waren um die Jahrhundertwende durchaus bekannt und wurden gerne aufgeführt, zum Teil in der Opéra Comique de Paris. Anlässlich einer Bildungsreise besuchte er Hamburg, die Heimtstadt seines Vaters, kam nach Bukarest, Rom und London. Hahn schrieb Musik für Diaghilev und sein Ballet russe, wurde 1912 Franzose und nahm freiwillig am Ersten Weltkrieg teil. Nach dem Krieg bekam er eine Professur an der Ecole Nationale de Musique de Paris. Dort traf er auf Pablo Casals und Nadia Boulanger und es begann eine Operetten-Zeit. Erst viel später sollte er sich der Kammermusik widmen. In den 1930er Jahren war er ebenfalls als Musikkritiker tätig. Seine jüdische Herkunft brachte ihn 1930 zuerst nach Cannes und dann nach Monte-Carlo. 1945, wieder zurück in Paris, wurde er Direktor der Pariser Oper.

Nach einer kurzen Instrumenten-Pause geht es weiter mit dem Streichquartett Nr. 5 von Bela Bartok (1881-1945). Es entstand ungefähr 10 Jahre vor dem Hahn-Quartett, ist aber wesentlich moderner und revolutionärer. Bartok hat hier folkloristische Tradition mit Natur und Rhythmus verbunden. Sein Streichquartett besteht aus fünf Sätzen, wobei der erste und der fünfte Satz dissonant, finster und ärgerlich daherkommen und sich immer wieder neu erfinden, während der zweite Satz wie eine schmerzhafte trillernde Symphonie klingt und parallel dazu im vierten Satz versucht, das Durcheinander vom Scherzo mit viel Humanismus zu zerpflücken, dabei aber immer wieder ins Jammerthema mit gezupften Halbtönen abfällt. In der Mitte thront – wie gesagt – das Scherzo, verrückt, rasend und durchgeschnallt stürmt es auf einem bulgarischen, unregelmäßigen Rhythmus mitten ins unentwirrbare Chaos, um dann mit ein paar melodischen Noten zu enden. Hier ist vor allem die Bratsche gefragt, und so hat der Bratschist vor dem Stück einiges darüber erzählt.

Bartok hat dieses wunderbare 30-minütige Werk 1934 komponiert, als Auftragswerk einer amerikanischen Pianistin und Mäzenin, die sich für zeitgenössische Kammermusik interessierte. Es wurde – gemeinsam mit neuen Werken von Schoenberg, Webern und Britten -  in Washington im Coolidge Auditorium uraufgeführt.

Nach einer größeren Pause, die wir im launigen Garten und Gesprächen mit den Musikern verbringen dürfen, geht es weiter mit dem Streichquintett Op. 87 von Felix Mendelssohn (1809-1847). Hierzu kommt die Bratschistin Eve Wickert mit auf die Bühne.

Dieses Streichquintett entstand 1845 im Taunus, wo Mendelssohn mit seiner Frau Cécile Jeanrenaud den Sommer verbrachte. Erschienen ist das Werk allerdings erst posthum, da Mendelssohn immer wieder noch am Finale arbeiten wollte, bis es dann zu spät war.

Gefüllt mit Energie startet der erste Satz, wird überschattet von dunklen Gedanken, Triolen und Tremoli wechseln sich ab, bis das Hauptthema wieder zum Reden kommt. Es ist ein großartiges Kammermusikwerk, ein Hin- und her zwischen eleganter Bedrohung, blankem Argwohn der letzten Lebensjahre und einem optimistischen Aufblitzen. Ein abwechslungsreiches, rhythmisches Zurückfallen ins Moll und Großeinsatz für die zweite Bratsche. Dieses unruhige Einmischen findet in einem hektischen Finale dann doch noch eine harmonische Auflösung, in die alle Instrumente nach und nach eingebunden werden.  Mendelssohn hat es übrigens 19 Jahre nach seinem 1. Streichquintett komponiert.

Einwandfrei und zauberhaft die Interpretation!

Alles Gute zum Geburtstag, liebes Noga-Quartett and many happy returns!

noga

 

Das Berliner Noga-Quartett hat übrigens schon so einige Preise gewonnen, darunter die Melbourne Chamber Music Competition 2015. Ihr Repertoire geht u.a. von Haydn und Mozart über Beethoven, Brahms, Schumann hin zu Ligety und Schönberg etc.

Noga Quartett 2018 in Zehlendorf

Zehlendorfer Hauskonzert - Gesang

Zehlendorfer Hauskonzerte – Klavier

Zehlendorfer Hauskonzerte - Franz Trio

u.v.m.

Christa Blenk

 

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M – Eine Stadt sucht einen Mörder – Oper

Römische Nacht
 das Foto hat mit der Inszenierung nichts zu tun

 

Warte, warte nur ein Weilchen …

Deutschland ist das Land der Krimis. Wahrscheinlich werden nirgendwo sonst auf der Welt so viele Krimiserien produziert, Krimis gelesen oder gedruckt wie bei uns. Die einen spielen in Frankreich, die anderen in Italien, wieder andere im hohen Norden. Jede größere Stadt hat außerdem ein Tatort-Team oder eine Soko und es wimmelt von Kommissaren und Hilfskommissaren und klugen Assistentinnen.

Der Regisseur Fritz Lang hat 1931 seinen ersten Tonfilm  « M – eine Stadt sucht einen Mörder »  gedreht. Inspiriert dazu haben ihn unterschiedliche Serienmörder, die in der Weimarer Republik im Land ihr Unwesen trieben und schließlich gefasst werden konnten. Sogar unregelmäßigen Kinogängern ist der Streifen ein Begriff und man braucht kein Liebhaber des deutschen expressionistischen Films zu sein, um ihn schon einmal gesehen zu haben.

Nun hat Moritz Eggert im Auftrag der Komischen Oper Berlin aus diesem schwierigen Stoff einen Opernkrimi gemacht. Die Oper, oder vielleicht sollte man eher das Musical sagen, löst sich zwar ein wenig vom Film, hält sich aber an die Zugaben oder Eckpfeiler, darunter der gepfiffene Ohrwurm aus Peer Gynt, Elsie Beckmann, der dicke Lohmann, der Luftballon und der blinde Verkäufer oder die Bonbon-Tüte. Auch die Texte in Dialekt gesprochen sind übernommen. Deshalb erwartet man auch hier Spannung oder Nervenkitzel: beides vermag der alte schwarz-weiß-Film immer noch hervorzurufen.  Es passiert aber nicht und man bleibt immer neben der Handlung stehen. Erschwerend für die Oper kommt hinzu, dass die Hauptperson, der Mörder, in der ersten Hälfte des Films so gut wie nicht auftaucht und vor allem nicht spricht. Der Mörder wird im Film anfangs nur in kurzen Einblendungen wahrgenommen, erscheint in Zeitungsberichten und Steckbriefen was eine aufkommende Massenhysterie nach sich zieht. Alle sprechen über ihn und die Greueltaten, aber keiner kennt ihn. Das Misstrauen unten der Bevölkerung wächst. Der verschlagene Bösewicht erscheint erst aktiv auf der Bildfläche, als die zweigeteilte Jagd beginnt. Auf der einen Seite ist dies die mit Hochdruck allen Spuren folgende Polizei und  auf der anderen eine großartig organisierte Mobilisierung der gesammelten Gauner- und Bettlerschaft, die es leid ist, nicht mehr in Ruhe „arbeiten“ zu können und die wegen einem Außenseiter ihren „guten Ruf“ verlieren wird.

Der im Film so großartig gelungene Prozess der Unterwelt in der alten Fabrik, das Plädoyer der Verteidigung gegen die Todesstrafe oder das Verlangen von Verständnis für den psychisch Kranken wird in der Oper nur angedeutet. Die Rolle des Triebmörders, der den Stimmen in seinem Kopf folgen muss und am Schluss zum Opfer wird oder die Frage der Schuldfähigkeit werden in Eggerts Werk nicht gut genug herausgestellt. Das « Kann nicht, muss » von Peter Lorre, sein Augenaufschlag, sein über die Schulter schauen und seine großen, vor Schreck geweiteten Augen, sind nicht reproduzierbar.

In der Oper ist der Mörder immer auf der Bühne, singt, ist verzweifelt und springt dann fröhlich wie ein Kind durch das an den Film angelehnte schwarz-weiße Schatten-Bühnenbild. Er verteilt eigenhändig Flugblätter auf denen  « Wer ist der Mörder » steht und die 10 000 Mark Belohnung versprechen. Das Publikum beobachtet durch seine Augen, wie man ihm auf die Sprünge kommt, wie er gefasst wird. Manchmal vermittelt er den Eindruck, dass er selber nicht weiß, wie es nun weiter gehen soll.

Eggerts Musik ist hauptsächlich elektronisch verstärktes Orchester, Akkordeon und E-Gitarre. Die unterschiedlich eingesetzten Geräusche schaffen es nur leidlich, Verzweiflung, Trostlosigkeit oder Panik zu erzeugen. Eggert vertonte für sein Werk Gedichte des Berliner Satirikers und expressionistischen Dichters Walter Mehring, kombiniert und vervollständigt mit Kinderliedern aus den 1920er Jahren. Der Mörder ist der einzige Erwachsene,  die Polizei, die Bevölkerung, die Lumpen und Schurken sind klein, es sind Kinder, die mit großen Papp-Köpfen zu Erwachsenen gemacht werden. Was die jugendlichen, in schwarz gekleideten, Darsteller für eine Rolle hatten, hat sich mir nicht erschlossen.

Scott Hendricks spielt und singt den Mörder. Er meistert seine schwierige Rolle sehr gut und hat es nicht leicht, muss immer präsent sein. Alle anderen Darsteller gehören dem Kinderchor und dem Kinderkomparserie der Komischen Oper Berlin an. Sie machen ihre Sache sehr gut und amüsieren sich sorglos und angstfrei bei Hüpfspielen wie Paradiesspiel, Himmel und Hölle oder Reise zum Mond, wie man sie früher in der Hofeinfahrt oder auf dem Schulhof während der Pause spielen durfte. Hierfür zeichnen sie gleich zu Beginn mit Kreide Kästchen auf den Boden.

Das Libretto haben Barrie Kosky und Ulrich Lenz geschrieben. Am Pult vor dem Orchester der Komischen Oper Berlin ist Ainārs Rubiķis.  Tobias Barthel und Anne Kuhn sind für die gelungenen Masken verantwortlich

Jetzt muss man unbedingt den Film nochmals sehen.

Christa Blenk

 

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Zehlendorfer Hauskonzerte – Pierre Chastel und Daniel Gerzenberg

Linossi - Fels in der Brandung 
Fotoarbeit (c) Christa Linossi

 

Das Zehlendorfer Hauskonzert am 10. Mai war zu einem großen Teil Heinrich Heine gewidmet. Dafür haben der Bassbariton Pierre Chastel und der Pianist Daniel Gerzenberg  ein anspruchsvolles und sehr unterhaltsames Programm zusammengestellt und auch bewiesen, dass sie Berührungsängste nicht kennen.

Das Konzert beginnt mit Robert Schumanns (1810-1856) „Dichterliebe“ . Von den 16 Liedern dieser Serie haben die Beiden fünf Lieder vorgetragen, u.a. „Im wunderschönen Monat Mai“, „Ich grolle nicht“ oder „Die Alten, bösen Lieder“. Dieser Zyklus entstand 1840 nach Gedichten von Heinrich Heine und  zählt zu Schumanns Lied-Hauptwerken.

„Wer sich der Einsamkeit ergibt, Ach! Der ist bald allein“ ist der Beginn von Hugo Wolfs’ (1860-1903) Lied „Der Harfenspieler I, II und III“.  Wolf in ein paar Monaten zwischen Oktober 1888 und Februar 1889 an die 50 Gedichte von Goethe vertont. Mit  Unterstützung einer amerikanischen Mäzenin, die Wolf in Bayreuth kennengelernt hatte, konnten sie 1890 gedruckt werden. Wolf war sonst immer bemüht Gedichte zu verarbeiten, die noch nicht von anderen Komponisten vertont worden waren. Mit Wilhelm Meister haben sich auch Schubert und Schumann auseinandergesetzt.  Harfenspieler I bis III steht zusammen mit Mignon am Anfang seiner Sammlung. Klagen, Armut, Elend, Einsamkeit und Erlösung sind Inhalt des Gedichtes und Harfner muss sie erleiden oder ertragen. Wolf hat hier alles was er an profunder Ausdruckskraft, verhaltener Anklage und geballter Eindringlichkeit  geben konnte gegeben und das hat Pierre Chastel mit seinem ruhigen, fast bewegungslosen Auftritt ebenfalls getan.

Weiter geht es Franz Schuberts (1797-1828) Schwanengesang. Schubert hat den Zyklus im Sommer/Herbst 1828 nach Gedichten u.a. von Heinrich Heine komponiert. Schwanengesang  heißt es, weil es sich hier um Schuberts letzte Werke handelt, die postum veröffentlicht wurden. „Atlas“  wird im Zehlendorfer Wohnzimmer einmal ganz anders vorgetragen. Der Pianist Gerzenberg, der seit 2016 an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin studiert,  hat außer dem  Klavierstudium auch Theater,  Schauspiel und Dramaturgieunterricht genommen. Dies kommt bei der großartigen, originellen, gesprochenen und gezupften Improvisation von  « Atlas » zur Geltung. Mit « Ihr Bild » finden die beiden Interpreten gleich wieder zum klassischen Kunstlied-Vortrag zurück. Der immer wieder schauernde Doppelgänger schließt den Schubert-Teils ab. Der Doppelgänger kommt aus dem Buch der Lieder „Die Heimkehr“ und heißt dort « Still ist die Nacht“.

Zwei kleine Leider von  Maurice Ravel  « Kaddish – Deux mélodies hébraïques » schließen und runden das Konzert ab.  Es handelt sich bei Kaddish um die  Textvertonung eines jüdischen Freitags-Liedes, aber auch um einen Totengesang, der am Grab  – in aramäischer Sprache – vorgetragen wird. Minimal die Klavierbegleitung. Ravel, der sich Inspirationsquellen gerne bei anderen Kulturen suchte, hat die Stücke 1914 in Saint-Jean-de-Luz geschrieben und in diesem Jahr wurden sie auch noch uraufgeführt, gesungen von Alvina Alvi, Ravel selber am Piano. 1919 hat er eine Orchesterfassung erstellt. Yehudi Menuhin hat die zwei miteinander verbundenen Lieder für die Geige verweigt. Auch die  Version von Daniel Hope, Menuhin gewidmet, ist sehr bekannt.

Mit der „Ständchen“-Zugabe ging dieses bezaubernde Konzert und musikalische Ereignis zu Ende.

Pierre Chastel war als Schlagzeuger schon öfters zu Gast in Zehlendorf. Als Sänger war dies am Freitag Abend seine Premiere. Seit 2016 studiert er an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Gesang bei Professor Scot Weir, nachdem ihm jemand sagte, dass er mit so einer Stimme eigentlich singen müsse.  Jazz hat er in Deutschland und Frankreich studiert. Seit 2018 tritt er als Sänger auf, u.a. war er Solist bei Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium in der Berliner Sophienkirche. Sein Bassbariton ist ein kräftiger, warmer, cremiger. Mit diesem Potenzial könnte er durchaus einmal ein Heldenbariton für Wagner-, Rossini- oder Puccini-Rollen werden. Sein ruhiger Liedvortrag ist feierlich und natürlich, gestenlos, gelöst vom Zwang, die Wörter mit seinen Händen zu unterstützen. Alle Emotionen – und es gibt  viele -  überlässt er seiner schönen Stimme.  Das offene Klavier bewältigt er ohne die geringsten Probleme. Mit dem Hamburger Pianisten Daniel Gerzenberg hat er die perfekte Begleitung gefunden. Souverän und sicher geht Gerzenberg auf jede Stimmung ein, folgt und leitet, ruhig und verlässlich, so wie man Lieblingsstücke spielt! Nicht umsonst ist er ein viel gefragter Liedbegleiter.

Pierre Chastel wird in diesem Monat noch im Bröhan Museum auftreten und im November im Kammermusiksaal der Philharmonie mit dem Weihnachtsoratorium von J.S.Bach.

mehr:

Dichterliebe

Karfreitagskonzert

Christa Blenk

 

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Der Barbier von Sevilla in der Staatsoper

Dottore Bartolo hat ein Mündel und die ist reich. Deshalb will er sie schnellstmöglich heiraten, vor allem als er merkt, dass der  Graf Almaviva in die Schöne verliebt ist. Hier ist guter Rat teuer, zumal der böse Bartolo die arme Rosina sozusagen hinter Schloss und Riegel versteckt. Jetzt muss Figaro, seines Zeichens Barbier und Stadt-Faktotum, her. Denn überall weiß man, dass er immer eine Lösung findet. Seine List besteht also aus diversen Verkleidungen. Einmal schleust er Almaviva als betrunkenen Soldat in das Haus ein und als dies schief geht, kommt Almaviva aka Lindoro als gläubiger Musiklehrer für den angeblich erkrankten Basilio ins behütete Musikzimmer. Nach viel Hin- und her, slapstick und Gags, gibt es natürlich ein lieto fine und einen Hochzeitsvertrag,

Das Bühnenbild fördert das Stehgreiftheater, bei dem die Schauspieler « aus dem Stegreif » spielen sollten. Entwickelt hat sich diese Aufführungsart aus der Commedia dell’arte in der italienischen Renaissance, wo die Kostümen eine Hauptrolle zugewiesen wird. Ruth Berghaus hat deshalb nur ein paar Vorhänge – alles in weiß-beige – auf die Bühne gebracht, diese werden dann auf und zugezogen und dienen als Versteckt, wenn es sein muss. Dafür sind die Kostüme umso prächtiger. So gibt es praktisch nichts, was vom Singen und Hören ablenkt.

Björn Bürger hat den Figaro schon 2016/2017 beim Glyndebourne Festival gesungen. Er versprühte auch gestern viel  Charme und Witz und bewies schauspielerisches Talent. Er könnte sich mehr bewegen und sitzt für einen Figaro zu viel auf dem Boden. Aber sein Bariton ist sehr beweglich, verlässlich und warm und voller List.

Graf Almaviva ist der russische Tenor und Rossini-Sänger Maxim Mironov. Er posiert – obwohl unglücklich verliebt -  in Siegermanier vor dem Publikum und wird  im Verlauf des Abends immer besser. Als verkleideter Musiklehrer ist er unschlagbar.

Die Französin Marianne Crebassa ist wunderbar als Rosina und wurde vom Publikum zu recht sehr verehrt. Temperamentvoll und frech schwebt sie – gar nicht üppig, wie im Libretto vorgesehen – ganz leicht über die Bühne. 

Bartolo ist Bruno de Simone, der im ersten Akt manchmal etwas schwach herüber kommt, aber die Rolle als böser Vormund, der sich immer wieder lächerlich macht, meistert er großartig.

Der Musiklehrer und etwas gierig-bigotte Basilio ist Grigory Shkarupa. Er besticht mit seinem dunklen, starken Bass.

Adriane Queiroz singt eine etwas trampelhafte Berta, die ihren schönen Sopran über die Bühne strahlen lässt.  

Vom Staatsopernchor sind hier ja nur die Männer gefragt, die einmal eine Bande von geldgierigen Musikanten spielen und dann eine Truppe von Soldaten.

Julien Salemkour am Pult vor der Staatskapelle bekommt zu Recht viel Applaus.

Wenn man bedenkt, dass diese Inszenierung schon über 50 Jahre alt ist – die Premiere hat am 21. November 1968 stattgefunden – und schon 378 Mal gespielt wurde, kann man nur noch staunen, wie gut sie sich gehalten hat und wie zeitlos sie ist.

Der Barbier von Sevilla oder die nutzlose Vernunft entstand 1816  und ist ein geniales Verwechslungs- und Verwandlungs pasticcio. Gioachino Rossini hat diese Opera buffa nach einem Libretto von Cesare Sterbini nach Pierre Augustin Caron de Beaumarchais als Auftragsarbeit für das Teatro Argentina in Rom komponiert. Die Oper sollte in der Karnevalssaison 1816 aufgeführt werden. Nur 23  Jahre war Rossini zu diesem Zeitpunkt alt und 400 Scudi hat er dafür bekommen. Alles musste sehr schnell gehen, es gab Probleme mit den Sängern, den Verträgen und dem Budget für das Ballett.

Gestern war die letzte Vorstellung in dieser Saison und das Haus war voll.

Christa BLenk

hier geht es zu einem Bericht über die Barbiere in der Deutschen Oper

 

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Flucht in die Bilder ? – Brücke Museum

brücke

 

Flucht in die Bilder? – Die Künstler der Brücke im Nationalsozialismus

Die Ausstellung im Brücke Museum Berlin  „Flucht in die Bilder?“  befasst sich mit den Brücke-Künstlern in der Zeitspanne zwischen 1905 – Gründungsjahr der Künstlergruppe Die Brücke  – , der Zeit vor und während des Nationalsozialismus bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Sie zeigt, wie sich die Kunst der Brücke-Gründer aufgrund politischer Gegebenheiten angepasst, verändert oder deren Leben beeinflusst hat.

Als sich Anfang des 20. Jahrhunderts, im Jahre 1905, die angehenden Künstler und Architekturstudenten Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff  (1906 kamen Max Pechstein und Emil Nolde hinzu) in Dresden in der Künstlergruppe „Die Brücke“ zusammenschlossen um die Malerei zu revolutionieren, haben sie damit einen wichtigen, wegbereitenden Schritt in die klassische Moderne getan. Der deutsche Expressionismus war geboren. Die Bezeichnung « Die Brücke » nicht nur eine solche in Dresden, sollte auch eine Metapher dafür sein, wie Konventionen zu überwinden waren, um einen Weg ans andere Kunst-Ufer zu finden. Die Künstler wussten, wovon sie weg wollten, hatten aber ansonsten kein klares Ziel vor Augen. Das Programm von Kirchner wurde 1906 auf einem seiner Holzschnitte präsentiert. Kontrastreich und farbig sollte diese Kunst sein, auf Details verzichten, kantig und mutig, angelehnt an den französischen Fauvismus, aber aussagekräftiger, mutiger, waghalsiger und psychologischer. Nach und nach zog es die Künstler zwischen 1906 und 1912 nach Berlin, auch um näher an Galerien, die ihre Kunst annehmen würden, zu sein. Die bevorzugten Motive waren Mensch, Natur, Vergnügen und Großstadt. Aufgenommen von der Bevölkerung wurde diese neue Kunst mit viel Polemik und Geschrei.

Schon 1912 kriselte es aber in der Gruppe, u.a. auch weil Pechstein – entgegen der ungeschriebenen Vorschriften nicht individuell sondern nur in der Gruppe auszustellen – dies trotzdem tat, und an der Berliner Secession teilnahm. Emil Nolde hatte die Künstlergruppe ebenfalls aufgrund von Streitigkeiten mit den anderen bereits vorher wieder verlassen. Als 1913  als „Die Brücke“  auseinander fiel, stand der Erste Weltkrieg schon vor der Tür.  Nolde, der immer wieder bei den Nazis « bella figura » machen wollte, sollte später seinen ehemaligen Brücke-Kollegen Pechstein als „Juden“ anzeigen, so dass dieser schon 1933 den Arier-Nachweis vorweisen musste.

Bevor die Maler sich aber nach der Auflösung der Brücke neuen Projekten widmeten, trennten sich erstmals auch physisch ihre Wege. Der eine ging in den Süden, der andere nach Ostpreußen. Pechstein reiste durch Italien und Heckel an die Flensburger Förde. Kirchner ging auf die Ostseeinsel Fehrmann und besucht den Sommer über seinen Freund Otto Mueller. Wieder zurück in Berlin entstanden seine bekannten Straßen- und Barszenen.

Viele der Bilder haben eine interessante Geschichte, wie Kirchners bekanntes Bild « Artistin ». Es hing von 1917-1937 im Kunstverein Jena, wurde dort 1937 beschlagnahmt und ab Sommer 1938 im Schloss Schönhausen gelagert. 1940 erwarb es Ferdinand Möller vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda im Rahmen eines Tauschvertrages. Bis 1997 blieb es im Besitz des Galeristen und seiner Erben und wurde im selben Jahr durch Mittel der Deutschen Klassenlotterie Berlin für das Brücke Museum erworben.  

Die Schau im Brücke Museum nimmt nun die Maler Kirchner, Heckel, Pechstein, Schmitt-Rottluff  unter die Lupe. Bis jetzt waren diese Künstler vor allem als  „entartet“ bekannt und gingen so in die Kunstgeschichte ein. Nach dem Besuch dieser Ausstellung stimmt das zwar immer noch, aber die Ausstellung zeigt, wie sie sich an die Vorgaben des Regimes in den 1930er Jahren anpassten und wie aus den knallbunten, verzerrten Menschen bravere Bilder wurden. Hier geht es nicht unbedingt um Antisemitismus wie bei Nolde, eher um Anpassung, Bequemlichkeit und vielleicht Verrat an der Kunst. Pechstein malte seinen Sohn mit kurzen Hosen und strammen Haarschnitt. Da tauchte schon mal ein Hakenkreuz auf einem Bild auf, Heckel, der als einziger kein Malverbot erhielt, malte ein Triptychon mit blonden, deutschen Jungen beim Sport und unterschrieb außerdem 1934 – zusammen mit anderen Intellektuellen oder Künstlern wie Ernst Barlach, Mies van der Rohe, Richard Strauß und Wilhelm Furtwängler – das Treuegelöbnis zu Adolf Hitler. Schmidt-Rottluff durfte  – wie Nolde – bis 1941 arbeiten. Alle Brücke-Künstler waren bei der Münchner Ausstellung über entartete Kunst trotzdem prominent und mit vielen Werken vertreten, wurden aber mehr oder weniger geduldet und verbleiben – ohne größeren Belästigungen ausgesetzt gewesen zu sein – die komplette Vorkriegs- und Kriegszeit in Deutschland und malten Landschaften oder kitschige Stillleben. Mit Ausnahme von Ernst Ludwig Kirchner, der schon früh in die Schweiz ging und sich dort 1938 das Leben nahm.  

Flucht in die Bilder? wird von Prof. Dr. Aya Soika (Bard College Berlin), Dr. Meike Hoffmann (Freie Universität Forschungsstelle Entartete Kunst) und Lisa Marei Schmidt (Brücke-Museum) kuratiert. Ein umfassender Katalog erscheint im Hirmer Verlag in deutscher und englischer Sprache.

Bis zum 11. August 2019 ist diese Ausstellung noch im Brücke Museum zu sehen.

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 Impressionen aus der Austellung

 

Christa Blenk

 

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Die Verlobung im Kloster

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Verlobung im Kloster oder eine Therapie für Opernjunkies

Willkommen in der « Gemeinschaft anonymer Opernabhängiger (Opera Addicts Anonymous): 

Acht Personen treffen sich in einem Therapieraum, ausgestattet nur mit Opernsitzen und einer Schiefertafel. Sie hoffen, ihrer Sucht nach der Oper Herr zu werden. Im Therapieplan steht, dass eine Oper erfunden werden soll. Der Moderator schreibt gerade die Namen der Teilnehmer an die Tafel, als sich der Vorhang hebt.

Zuerst werden die Seminar-Teilnehmer aber vorgestellt. Stefan z.B. geht jeden Abend in die Oper und seine Ehe steht auf dem Spiel, dabei zugrunde zu gehen, während Aida versucht, ihre Verliebtheit in Jonas Kaufmann unter Kontrolle zu bekommen. Der Dritte hält sich für den besten Bariton der Welt und nervt alle mit seinem Gesang, während ein anderer Teilnehmer die Kleider einer ehemaligen Starsängerin ersteigert, die selber auch am Seminar teilnimmt, weil sie mit dem langsamen Abstieg nicht zurecht kommt.

Eines haben alle Teilnehmer jedoch gemeinsam: Musik und vor allem Oper sind die Ursache ihrer Leiden und man will sich davon heilen.

Der Moderator beginnt mit der Rollenverteilung und dann kann es losgehen mit der „Verlobung im Kloster“. Die Teilnehmer legen nun ihre echten Namen ab und schlüpfen in die jeweilige Rolle. Während der drei Stunden Spielzeit halten sich immer alle  Opernkranken im Raum auf. Zuerst läuft es nicht so gut an und der Lehrer es eher unzufrieden, ja verlässt sogar die Gruppe. Aber die Teilnehmer nehmen ihr Glück oder ihren Erfolg selber in die Hand und sie fangen an, sich zu amüsieren. Das Happy-End ist eine dreifache Hochzeit, zu der alle wichtigen Opernfiguren in großen Kostümen – sei es Carmen oder Brunhilde, die Königin der Nacht, der Vogelhändler oder Madame Butterfly geladen sind. Gelungener Gag!

Prokofjew hat das Libretto einer 200 Jahre alten Geschichte selber geschrieben und dann eine lyrische Oper voller Verwechslungen in neun Bildern daraus gemacht. Auf die Idee gebracht dazu hat ihn seinerzeit Mira Mendelsohn, die seine zukünftige Frau werden sollte. Die Oper ist etwas langatmig – vor allem im ersten Akt – hat aber durchaus komische Momente. Der Regisseur Tscherniakov hat mit der Verlegung der Geschichte in einen Therapieraum das Publikum herausgefordert und so mancher Zuhörer hätte sich einen etwas konventionelleren Umgang mit dem Stoff aus der Mozart-Zeit gewünscht.

Die ausgezeichneten Sänger und die fast leichte, stilistisch überhaupt nicht in der Mitte des 20. Jahrhunderts passende Musik, haben dies Langatmigkeit und den Anachronismus aber wett gemacht.  

Entstanden ist das Werk 1940 und wurde zum letzten Mal vor 60 Jahren an der Staatsoper aufgeführt. Die Uraufführung fand 1946 statt.

Ausgezeichnet Stephan Rügamer in der Rolle des Don Jerome. Er ist der Zeremonienmeister, unterstützt wird er von Violeta Urmana als Duenna. Die Tochter Luisa ist die wunderbare Aida Garifullina. Anna Goryachovachs ist Clara und ein interessantes, stimmliches Gegenüber zu Luisa mit Ihrem runden Mezzosopran.

Daniel Barenboim am Pult vor der ausgezeichneten Staatskapelle lässt sich nach der Aufführung feiern.

Christa Blenk

 

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Händels Kammeroper Poros in der Komischen Oper

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Bild von Nestor Boscoscuro

 

Mogli im Dschungelbuch

2002 hat der frühere Chefregisseur der Komischen Oper Berlin, Harry Kupfer, das letzte Mal für die Oper gewirkt. In knapp 20 Jahren hat er über 30 Produktionen hinterlassen. Nun ist er nach vielen Jahren  auf Einladung von Berry Kosky als Gast zurückgekehrt und hat sich einen Jugendwunsch erfüllt, nämlich: Händels Oper „Poros“ auf die Bühne zu bringen. 1956 hat er als junger Regieassistent  diese Oper für das Halle Festival mit inszeniert. Mit ins Boot dafür hat er sich Hans Schavernoch, seinen langjährigen Bühnenbildner, sowie den Kostümbildner Yan Tax geholt.  Entstanden ist ein Peplum-Urwald-Produkt bestehend aus Skulpturen, Bildern und virtuellen Tempelanlagen, aufgelockert von britischen Kolonialuniformen, Tropenhelmen und herrlichen indischen Gewändern sowie einem großen Buddha, und um ihn herum passieren die Haupthandlungen. Farbenprächtig allemal aber einfach nicht genug Abwechslung für drei Stunden.

Die Geschichte des Librettisten Pietro Metastasio hat Kupfer ins 18. Jahrhundert,  in die englische Kolonialzeit verlegt – in die Zeit der „East India Company“. Es gibt keinen Chor in der Oper und keine Balletteinlagen. Die Bühne dreht sich langsam und nötigt die Protagonisten, damit Schritt zu halten.

Auch die Stimmlagen hat Kupfer leider geändert. Im Original werden die Inder Poros und Gandharta mit Altisten (Kastraten) besetzt und Alexander der Große musste ein Tenor sein. Bei der neuen Produktion der Komischen Oper haben die Inder die dunklen, männlichen Stimmen und Sir Alexander, so heißt Alexander der Große bei Kupfer, ist ein schüchterner, zarter Countertenor, dem man den Frauenverführer gar nicht so recht abnimmt und weshalb man auch Poros heißblütige und ihn auffressende  Eifersucht gar nicht nachvollziehen kann.

Der junge Dirigent und Experte für Alte Musik Jörg Halubek geht flott an die Musik heran und lässt keine Applauspausen zu, in dem er immer schnell von den rezitativi zu den Arien überleitet  – dies ist eine gute Sache ist. Ganz leicht führt er das Orchester der Komischen Oper, selber am Cembalo. Er bekommt dafür viel Applaus.

Die Aufführung in deutscher Sprache nimmt der Oper die musikalische Leichtigkeit und lässt Verzierungen nur sehr schwer zu. Die Arien sind viel zu textlastig und obwohl die Nachdichtung von Felicitas Wolf die Geschichte verständlicher macht, ist dies schade.

« Poros » ist eine Kammeroper für nur sechs Solisten und es geht gar nicht um Krieg oder Kolonialismus, sondern eigentlich nur um Liebe und Eifersucht, Vertrauen und Misstrauen und religiöses Vergeben. König Poros hat deshalb auch viel mehr Angst vor dem Verführer Alexander als vor dem Eroberer. Er fürchtet, dass der Brite ihm seine schöne Braut ausspannen will. Alle gefährlichen oder kriegerischen Situationen entstehen deshalb aus falsch interpretierter Eifersucht.

 Der Countertenor Eric Jurena singt den Allen verzeihenden und Alles verstehenden Sir Alexander, sein Vertrauter und Verräter, der Grieche Timagenes,  ist Joao Fernandes. Philipp Meierhöfer singt den treuen Gandharta, Poros Schwester Nimbavati ist Idunnu Münch mit ihrer warmen Alt-Stimme, die vielleicht nicht leicht genug für Händel-Arien ist. Ruzan Mantashyan ist die schöne Königin und Geliebte Mahamaya, die im Original Cleofide heißt, strahlend und floral versucht sie die ganze Zeit über Poros davon zu überzeugen, dass sie nur ihn liebt.  Sie ist im Verlauf des Abends immer besser geworden. Poros ist der Bariton Dominik Köninger, der sich gleich zu Anfang auf einer Liane, kräftig und viril, auf die Bühne herunterlässt. Aufbrausend und extrem eifersüchtig, temperamentvoll und jugendlich unkontrolliert meistert er die Titelpartie und den ewig zweifelnden König, der ständig seine Rolle als Vorbild vergisst.

Eine Spannung zwischen den beiden so unterschiedlichen Kulturen allerdings entsteht an diesem Abend zu keinem Zeitpunkt, die Briten bleiben blass und langweilig und die Inder gleichgültig und undifferenziert. Schade auch, dass hier die Stimmrollen ausgetauscht wurden. Ein Countertenor passt nicht zu Alexander. Und alle guten Vorsätze, dass man nur Gutes hier tun will, werden widerlegt, wenn zum Schluss Waffenkisten der „East India Company“ auf die Bühne gehievt werden und die Männer darauf Platz nehmen.  Und um dem Ganzen noch eins Drauf zu setzen, wird anstelle eines Vorhangs der Union Jack von oben auf die Bühne gelassen und man denkt natürlich „Brexit“ – manchen rutscht es sogar über die Lippen!

Aber ein wenig enttäuschend (und langweilig) war der Opernabend dann doch!

 Christa Blenk

 

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MUSIK.IN.SOPHIEN

SanLorenzo Street Art
Street Art Rom

 

Karfreitagskonzert in der Sophienkirche

Der Organist und Leiter des Ensembles Maximilian Schnaus beginnt den Konzertnachmittag mit einem Auszug aus dem Orgelwerk „Zeichen“, das Dominik Susteck (*1977) 2016 komponierte.  Das komplette Werk dauert 31 Minuten und ist eine Auftragskomposition des Bistums Essen für die Bischöfliche Kirchenmusikschule. Zeichen besteht aus den Sätzen:  Morse – Funkfeuer – Schatten – Echos – Signal – Geister. Schnaus hat die Teile Schatten und Echos daraus gespielt.  

Der Komponist selber sagt darüber:
Der „Schatten“ ist mehrdeutig. Huschende Töne, Tonballungen oder hängende Töne bilden sich. Nach den tiefen, geräuschhaften Tönen zu Beginn entwickelt sich die Musik zu einem strahlenden, insistierenden Akkord.
Die „Echos“ stellen eine Suche nach einem Gegenüber dar. Es entsteht ein motivischer Dialog zwischen Hauptwerk und Schwellwerk. Manchmal verhalten sich die Töne in freier Variation zueinander. An anderer Stelle ordnen sie sich als Wiederholung ein.

Dann verlässt Schnaus seinen Platz an der Orgel und übernimmt die Leitung für Arvo Pärts großartige Komposition „Stabat Mater“. Es ist ein delikates, sehr zartes und sehr hohes Werk, tiefgründig, transzendent und religiös. Manchmal mutet Pärts Musik wie aus dem Mittelalter kommend an, in dieser Epoche entstand auch das anonyme Gedicht „Stabat Mater“. Es beschreibt den Schmerz, den die Mutter Jesu um den gekreuzigten Sohn empfindet. Es gibt unterschiedliche Versionen des Textes und unzählige Vertonungen dieses Werkes. Eines des bekanntesten und meist gespielten ist das Stabat Mater von Pergolesi.

Das ausgezeichnete Amateur-Streicherensemble „Cappella am Weinberg“  geht in Pärts spiritueller Musik auf, lässt ihn sprechen und als dann die Sopranistin plötzlich einsetzt, gleicht das einem überraschenden Ur-Schrei, der lange zurückgehalten worden war und nun endlich raus darf. Jetzt kann sich niemand mehr dem Bann entziehen. Das Stück verlangt viel Einfühlungsvermögen der Musiker und der Solisten (Rachel Fenlon, Sopran; Corinna Scheurle, Mezzo; Joseph Schnurr, Tenor). Sie haben das vorzüglich gemeistert.

Der Text des Stabat Mater besteht aus zehn Strophen. Vier Textgruppen des liturgischen Gedichtes werden durch instrumentale Zwischenspiele von einander abgesetzt. Umrahmt ist das Werk von einem langen Amen am Anfang und am Ende des Stückes.  Mehr kann man nicht geben, als die Interpreten dies gestern getan haben. Man wird mitgerissen, taucht ein in diese Pärt-Karfreitags-Welt. Gänsehaut überall. Schnaus hält am Ende die Stille sehr, sehr lange und das Publikum wartet geduldig. Dann Applaus!

1985 entstand Pärts Stabat Mater als Auftragswerk der Alban Berg Stiftung. Diese gab aus Anlass des 100. Geburts- und 50. Todesjahres Alban Bergs zehn Streichtrios in Auftrag. Pärt schlug eine Vokalkomposition für drei Vokalisten und Streichtrio vor und konnte es umsetzen. Am 30. Oktober 1985 wurde das Werk in Wien uraufgeführt. Es dauert knapp 25 Minuten. Würdig, tief und erschütternd kommt es wie ein Dialog zwischen Sängern und Streichern daher. 2008 hat Pärt eine weitere Version für gemischten Chor und Orchester erstellt.

Der Este Arvo Pärt (*1935) ist ein Vertreter der neuen Einfachheit. Pärts musikalische Erziehung begann bereits mit sieben Jahren. Mit 14 schrieb er seine erste Komposition. Nach seinem Musikstudium arbeitete er als Tonmeister beim estnischen Rundfunk. Anschließend lebte er als freischaffender Komponist in Tallinn. Sein Frühwerk ist von der russischen Musiktradition geprägt, später sollte er sich davon aber absetzen, Pärt erste Zwölftontechnik-Musik entstand 1961 und stieß – ebenso wie seine stark religiös geprägten Werke, auf Kritik, vor allem bei den Musikverantwortlichen in der früheren Sowjetunion. Nach einer Pause Ende der 1960er Jahre begann er, sich für die Musik des Mittelalters zu interessieren. Ein paar Jahre später konvertierte der ehemalige Lutheraner zur russisch-orthodoxen Kirche. 1980 ging er ins Ausland, nach Wien, und wurde Österreicher, später nach Berlin. Die Spirituelle, geistlicher Musik der Gegenwart ist ohne ihn gar nicht denkbar.

Die junge Sopranistin, Pianistin und Komponistin  Rachel Fenlon ist Absolventin des Young Artist-Programm der Vancouver Opera und des Rossini Opera Festivals in Pesaro und gastiert an vielen Opernhäusern. Bei Liederabenden begleitet sie sich gerne selber am Klavier.

Die Mezzosopranistin Corinna Scheurle ist Mitglied im Opernstudio der Staatsoper unter den Linden und wechselt in der kommenden Spielzeit zum Ensembles der Bayerischen Staatsoper. 2017 war sie Preisträgerin des Gasteig Musikpreises.

Der Tenor Joseph Schnurr studierte u.a. an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“. Er tritt auf verschiedenen Bühnen weltweit und als Evangelist im Weihnachtsoratorium und den großen Passionen Bachs auf.

Die Cappella am Weinberg wurde 2015 gegründet. Ihr Repertoire besteht vor allem aus Kirchenmusik aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die Leitung haben Anne Sommer-Bloch und Maximilian Schnaus.

Christa Blenk

 

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Emil Nolde – Eine deutsche Legende

Nolde im Hamburger Bahnhof

 

Die Freuden der Pflicht

Schon der Schrifttyp des Ausstellungsplakats zeigt, worum es hier eigentlich geht.

Dass der Maler Emil Nolde nicht zum Widerstand gehörte, war immer klar. Klar war auch, dass er in der Partei war und nie mit dem Gedanken spielte, Nazi-Deutschland zu verlassen.  Auch seine Sympathie für das Regime war bekannt, obwohl er zu den Künstlern gehörte, die am meisten den Stempel „entartet“ aufgedruckt bekamen und er mit einem sogenannten Malverbot belegt wurde.  All diese Informationen wurden in der letzten Zeit  verstärkt und gefestigt, da seit dem Jahre 2013  ein Archiv in Seebüll den Zugang zu knapp 30.000 Dokumenten aus dem Nolde Nachlass ermöglichte, was eine intensive Auswertung seiner Person und Kunst und eine Änderung seiner Biografie mit sich brachte.  Einer der größten deutschen Expressionisten war ein Antisemit und ein Vorkämpfer gegen die angebliche jüdische Dominanz in der deutschen Kunst.

Die Ausstellung im Hamburger Bahnhof zeigt nicht nur viele weniger bekannte Werke, zum Teil als Reproduktionen, sie dokumentiert auch anhand von Briefen und Fotos einen verbissenen, unsympathischen und opportunistischen Nolde und wirft die Frage auf , wie  das Nazi-Deutschland seine Kunst veränderte bzw. beeinflusste.

 

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Das Bild in der Münchner Ausstellung (Foto in der Ausstellung)

 

Im ersten Saal hängt das Gemälde „Verlorenes Paradies„. Es entstand 1921, misst 106 x 157 cm und gehört der Nolde Stiftung Seebüll. Ein großartiges Hauptwerk. Farbenprächtig, primitiv, ironisch und dümmlich blicken Adam und Eva aus der « nackten » Wäsche. Sie sitzen – wohl vor dem Paradies – links und rechts einer grün-lila züngelnden Schlange und verbreiten eine „no future“ Stimmung.  Im Hintergrund ein fletschender Löwe. Das Bild ist ein Paradebeispiel für Entartung in der Kunst. Auch das heftige Gemälde „Die Sünderin“ (1926) ist zu sehen. Es zeigt seinen harten, sehr eigenwilligen Expressionismus. Dieses umwerfende, biblische, Bild gehört der Berliner Nationalgalerie. In dieser Zeit malte Nolde mehrere religiöse Bilder und griff immer wieder auf Bibelmotive zurück. Dies änderte sich schlagartig 1934. Ab dieser Zeit malte er primitive Wikinger und blonde Krieger aus altdeutschen Legenden oder mythische Opferszenen, auch um den Nazis zu gefallen. Dass die Nazis diese primitiven, blonden Anti-Helden nicht mochten, hätte er eigentlich erkennen oder wissen  müssen. Dass er sie trotzdem gemalt hat zeigt, dass er eben doch, dass er ein großartiger Künstler war, der wenigstens seinen künstlerischen Werdegang nicht verleugnen konnte. Das Aquarell „Gaut der Rote“ entstand in der Zeit des Malverbots und wird mit anderen Werken aus der Serie in der Ausstellung gezeigt. Aus Seebüll kam auch das Aquarell „Altes Bauernpaar“ (1942). Es misst nur knapp 22 x 16,5 cm und strahlt Armut und hartes Landleben aus. Das Aquarell „Herrin und Fremdling“  diente ihm wohl als Vorlage für das Gemälde  „Nordische Menschen“.

Seine ungemalten Bilder, kleinformatige Aquarelle, hat er angeblich nach dem Malverbot heimlich gemalt. So genau stimmte das aber nicht, denn schon vor 1934 entstanden große Gemälde auf der Basis von Aquarellen.

Am Schluss der Ausstellung hängt das Bild « Brecher“. Ein beeindruckendes, wildes, tosendes Wellenbild in grau-blau mit brennendem Nolde-Himmel.  Es hing bis vor kurzem im Bundeskanzleramt.

Seine persönliche Legendenbildung begann dann auch gleich nach dem Krieg. Nolde wurde zum Opfer und seine Ideologien heruntergespielt. Unterstützt hat dies der Roman von Siegfried Lenz‘ Roman „Deutschstunde“, der 1968 erschien und aus Nolde einen Dissidenten, einen Geschädigten machte, der nicht mehr malen durfte und dies vom Dorfpolizisten überwacht werden musste. Nolde selber frisierte seine Biografie und entfernte alles was « politisch nicht korrekt » war. Bemerkungen über den Galeristen Paul Cassirer oder mit Max Liebermann zeigten seinen Antisemitismus schon früh, lange bevor die Nazis an die Macht kamen.

Ein wichtiger Teil der Ausstellung ist die Nachbildung von Noldes Bilderzimmer in Seebüll. Die Werke hängen genau so, wie der Künstler sie 1941 selber angebracht hatte. In diesem Jahr wird Seebüll an der dänischen Grenze der Hauptwohnsitz der Noldes, auch weil in Berlin immer mehr Luftangriffe stattfinden. Viele religiöse Bilder aus den Jahren bis zum Ende des ersten Weltkrieges fehlen, dafür ist die nordische Thematik gut vertreten.

 

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Nachbildung seines Bilderraumes in Seebüll

 

Diese Werkschau setzt eine Reihe von Ausstellungen mit Werken der Neuen Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof fort. So wurden seit 2015 Werke von Kirchner, Belling und Mueller gezeigt, denn auf Grund der langwierigen Umbauarbeiten des Mies van der Rohe-Baus, liegen all diese Schätze im Keller.

Nolde trat 1906 der Künstlergruppe Brücke bei und lernte dort Kirchner, Heckel und Schmidt-Rottluff kennen und später auch Munch in Berlin. Ein Streit mit Schmidt-Rottluff ließ ihn ein Jahr später schon wieder austreten. Profitieren konnte er auch von seiner Mitgliedschaft in der Berliner Secession 1909. Kurz darauf entstanden die ersten religiösen Bilder und Nolde konnte schon früh Erfolge vorweisen. Als Zeichner durfte er in den Jahren 1913-1914 an der medizinisch-demographischen Deutsch-Neuguinea Expedition teilnehmen und erweiterte sein Farbenspektrum aber entdeckte auch seinen Rassismus, denn die „Wilden“ auf die er dort traf, hielt er für minderwertig. Ab 1926 verbrachte er die Sommermonate mit seiner Frau Ada in Seebüll.

Obwohl Goebbels und Speer ihn anfangs förderten wurde sein Gemälde Leben Christi in der Ausstellung Entartete Kunst 1937 präsentiert. Beschlagnahmungen und Zwangsverkäufe folgten. Nolde konnte das gar nicht fassen und fühlte sich missverstanden, ja versuchte sogar die Nationalsozialisten davon zu überzeugen, dass seine Kunst gegen die Überfremdung der deutschen Kunst eine wichtige Rolle spiele.

1956 ist Emil Nolde in Seebüll verstorben. Nach dem Krieg malte er noch über 100 Bilder, allerdings mehr und mehr eingeschränkt durch seine Parkinson-Krankheit. Nachdem er fast 20 Jahre auf biblische Themen verzichtet hatte, greift er 1951 mit « Jesus und die Schriftgelehrten » wieder darauf zurück. Dieses Bild gleich vom Aufbau her « Der Sünderin ».

1955 wurde er zur  documenta 1 eingeladen; posthum nahm nochmals 1959 und 1964 teil.

Die Ausstellung Emil Nolde – Eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus wurde durch die Freunde der Nationalgalerie ermöglicht unterstützt durch die Friede Springer Stiftung  in Zusammenarbeit mit der Nolde Stiftung Seebüll. Kuratiert haben sie Bernhard Fulda, Christian Ring und Aya Soika.

Die Ausstellung ist noch bis zum 15.09.2019 im Hamburger Bahnhof zu sehen. Sehenswert ist die Ausstellung auf jeden Fall, allerdings muss man eine lange Schlange in Kauf nehmen.

Christa Blenk

 

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Der Prinz von Homburg

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 Cover Programm Staatsoper Stuttgart

 

Der Antiheld ist  ein Träumer, vielleicht auch ein moderner Weltverbesserer. Er sitzt auf einer Leiter und ist nicht ansprechbar, er ist woanders. Seine rote Sommerhose passt nicht in den Krieg. Aber auch mit den anderen Protagonisten tut man sich schwer, sie sich im Kampf oder in einer Schlacht vorzustellen. Sie üben an der Ballettstange und man vermutet, das sie wenigstens mit den Tanzeinlagen „bella figura“ zu machen hoffen. Tanzt hier der Kongress oder haben sich die preußischen Tugenden in der Tür geirrt?  Den  Ballettsaal,  den Ort der Handlung, hat Katja Haß eiskalt, blitz-blank und blütenweiß eingerichtet. Hier könnte es sich aber auch um eine Industrie-Schlachterei handeln. Farbe kommt erst dann ins Spiel, wenn sich die Kämpfer selber mit Blut beschmieren. So sprechen wenigsten ihre Kleider von heftigen Kämpfen und es fällt nicht gleich auf, dass sie eigentlich träumen und nicht kämpfen. Oder ist das jetzt wieder Traum?

Die Oper « Der Prinz von Homburg » von Hans Werner Henze wird nicht sehr oft gespielt. Stephan Kimmig hat sie nun für Stuttgart neu inszeniert. Sie hat nichts an Zeitgeist eingebüßt und wirkt frisch und aktuell.

Der Handschuh ist das wichtigste Relikt im Stück. Er stellt die Verbindung zwischen Traum und Realität her und ist das einzige – außer seiner Erinnerung – was der Prinz vom Traum in die Wirklichkeit mitnimmt. Beim Erwachen hält er einen Boxhandschuh in der Hand.  Den zweiten entdecken wir später bei seiner Verlobten, der Prinzessin Natalie von Oranien. Das verunsichert ihn, denn es zeigt ja wohl, dass sein Traum Realität war oder die Realität ein Traum? Jedenfalls macht ihn dies stark und er erteilt Befehl zum Angriff, ohne auf die Order des Kurfürsten zu warten. Obwohl er die Schlacht gewinnt, kommt er ins Gefängnis, denn ohne Befehl von oben zählt der beste Gewinn halt nichts. Das war früher auch schon so.

Die militärische Kriegsmaschinerie kommt nicht sehr gut weg und der einzige Disziplinierungs-Drill  passiert an den Ballettstangen. Eine Art midlife-fitness-Programm.  Die Uniformen hat man deshalb auch gleich ganz weg gelassen, mehr noch: die Soldaten und Generäle, auch der Kurfürst,  müssen die Hosen herunterlassen oder stehen – peinlich und pathetisch  –  in Unterhosen da.  Das Gefängnis ist ein Glaskäfig, transparent und begehbar und auch des Prinzen Todesangst ist nicht wirklich echt. Zum Schluss siegt dann doch die Freiheit und das kann man auf den  T-Shirt der Anwesenden lesen.

Dann werden die Türen schon kurz vor Ende geöffnet. Soll hier frische Luft ins Geschehen oder nochmal eine zweideutige Illusion hervorgerufen werden?

Gespielt wird die überarbeitete, kürzere Fassung von 1991, große Chor- und Orchesterpassagen fallen weg.  Die Premiere hat der neue Generalmusikdirektor Cornelius Meister dirigiert. Die zweite Vorstellung am 6.4. der junge  Dirigent Thomas Guggeis.

Robin Adams mit seinem kantigen Bariton ist ein großartiger Prinz. Man kauft ihm das Hin- und Her zwischen Traum und Wirklichkeit jederzeit ab. Für die erkrankte Vera-Lote Böcker sang Vida Mikneviciute aus Litauen an der Seite die Rolle der Natalie; gespielt hat die Rolle die Stuttgarter Regieassistentin Anika Rutkofsky. Eine großartig umgesetzte Notlösung! Helene Schneidermann sang die Kurfürstin, Stefan Margita den Kurfürsten.

Luchino Visconti hatte Hans Werner Henze seinerzeit auf den Stoff von Kleist als mögliche Opernvorlage hingewiesen und Ingeborg Bachmann als Librettistin vorgeschlagen. Hans Werner Henze, der sich nach Italien zurückgezogen und dem Darmstädter Serialismus den Rücken zugekehrt hatte, hat sich mit dieser Oper über vieles hinweggesetzt und wandelt zwischen Zwölfton-Sequenzen und Belcanto-Arien hin und her. Die Jazz-Elemente, die zwischendurch ertönen, erhellen das Ganze.

Sehr gute Aufführung, ausgezeichnet und sehr textverständlich gesungen und musikalisch einwandfrei!

Christa Blenk

 

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Local Histories

Local Histories

Hamburger Bahnhof - noch bis zum 29. September 2019

Aktuelles in Berlin

Auszug aus dem Berliner Kunstleben und Musikleben - Ost-Berlin - Emphraim Palais - Hamburger Bahnhof - Emil Nolde - Brücke Museum - Beiwerk zu Nolde Ausstellung - Gropius Bau - Vorschau: Purcells Dido und Aeneas ab Ende August in der Staatsoper (Sascha Waltz) Angaben ohne Gewähr!

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eborja

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