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Orgelkonzert zum Jahresausklang

Musik.in.Sophien

Beim traditionellen Silvester-Orgelkonzert in der Sophienkirche am 31.12.2018 spielte dieses Jahr der junge Organist Daniel Tappe und kam mit einem anspruchsvollen und abwechslungsreichen Programm daher.

Mit einer Chaconne von Raymond Davelay (1926-2016) bis hin zum Capriccio sopra la bassa Fiamenga von Girolamo Fresocbaldi (1583-1643) stellte er seine große Bandbreite und Virtuosität unter Beweis. Von Max Reger (1873-1916) spielte er das Ave Maria op. 80, Nr. 5. Zwei Werke von J.S. Bach,  Präludium und Fuge GDur BMV 550 und Kommst Du nun, Jesu, vom Himmel herunter, BWV 650 gehörten natürlich auch zum nachweihnachtlichen Konzertprogramm. Weiterhin standen zwei Werke des Franzosen Jean Langlais (1907-1991), Thème et Variations sur un thème par Frescobaldi und Fête auf dem Programm sowie ein wunderbares Stück vom Olivier Messiaen (1908-1992) Prière après la communion.

Daniel Tappe studierte zunächst in Lübeck Kirchenmusik und Orgel bei Martin Haselböck, anschließend am renommierten Oberlin Conservatory of Music in Ohio/USA Orgel bei James David Christie, historische Tasteninstrumente, historische Aufführungspraxis und Musikgeschichte. Seine Studien schloss er 2007 mit dem Bachelor und Master of Music ab. Im gleichen Jahr erhielt er den Selby Harlan Houston Prize für besondere Leistungen in den Fächern Orgel und Musiktheorie. Während des Studiums wirkte Daniel Tappe als Organist und Chorleiter an der Christ Church in Oberlin und trat regelmäßig als Organist und Cembalist mit diversen Ensembles auf.  Nach Deutschland zurückgekehrt,  legte 2009 das Konzertexamen für Orgel bei Pier Damiano Peretti ab. 2007 und 2008 erlangte Daniel Tappe erste Preise bei internationalen Orgelwettbewerben in Biarritz (Grand Prix André Marchal) und Bad Homburg vor der Höhe (FUGATO Festival).   Zahlreiche Meisterkurse bei den großen Namen der Orgelwelt, wie zum Beispiel Olivier Latry, Marie-Louise Langlais und Harald Vogel, runden seine Ausbildung ab. Quelle: Konzertprogramm

cmb

 

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Der Barbier von Sevilla in der Deutschen Oper

Sommer, Sonne und ein Theaterwagen

Die Premiere dieser Produktion der Deutschen Oper Berlin von Gioacchino Rossinis Oper „Der Barbier von Sevilla“ fand schon 2009 statt und wurde kurz vor Jahresende 2018 zum 65. Male aufgeführt. Katharina Thalbachs Inszenierung hat nichts an Frische und Genialität verloren.

Gioachino Rossini (1792-1868) hat im Jahre 1805 seine erste und 1839 seine letzte Oper geschrieben. Dazwischen entstanden 39 Opern im Schnellverfahren. Rossini war eine Produktionsmaschine und sah sich nicht als genialen Komponisten sondern als Kunsthandwerker. Die einen schnitzten Kochlöffel oder Möbel und er komponierte eben Opern. Dieser Zustand war aber bis Anfang des 20. Jahrhundert  gar nicht unüblich und der Grund, warum immer wieder Musikpartien, Ouvertüren oder Arien, die sich schon mal bewährt hatten, erneut in andere Werke aufgenommen wurden. So reaktivierte er die Ouvertüre für den Barbier zum dritten Mal, nachdem sie sowohl bei „Aureliano in Palmira“ und bei  „Elisabetta, Regina d’Inghilterra“, dem Publikum gefielen. Er hatte außerdem nur ein paar Wochen Zeit, die Oper fertig zu stellen. Das Teatro Argentina in Rom erteilte dem 23-jährigen Rossini diesen Auftrag. Im Dezember unterschrieb er den Vertrag, mit dem er sich verpflichtete,  für die kommende Karnevalsaison eine komische Oper zu liefern. Weder gab es zu dieser Zeit ein  Libretto noch hatte man sich über die Sänger Gedanken gemacht. Den geplanten und vertraglich festgelegten Uraufführungstag am  5. Februar 1816 schaffte Rossini zwar nicht, aber am 20. Februar war es dann soweit!  Rossini selber stand am Pult und musste miterleben, wie diese Aufführung in einem Fiasko ausartete. Das Publikum, lachte, applaudierte, spottete, einer der Sänger fiel während der Vorstellung  aufs Gesicht, eine Katze lief zwischen den Sängern herum und jemand ging unter eine Leiter durch. Professionelle, bezahlte Störer unterbrachen die Sänger und randalierten. Katharina Thalbach hat auch diese Anekdote mit aufgenommen und lässt einen Demonstranten mit einem Schild über die Bühne laufen, auf dem dieser anbietet, schon  für 19 Euro stören zu können.

„Il barbiere di Siviglia“ oder „Der Barbier von Sevilla“ heißt im Originaltitel „Almaviva oder die nutzlose Vorsicht“. Das Libretto hat Cesare Sterbini auf der Grundlage des gleichnamigen Schauspiels von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais geschrieben. Für den Musikkritiker Charles Osborne ist das Werk eines der besten komischen Opern überhaupt.

Die Commedia dell’Arte war immer ein beliebter und umfangreicher Ideengeber für die Opera buffa, bei der es ebenfalls meist drei Kategorien von Protagonisten gab:

Da waren zum einem die « innamorati » (die Verliebten) – diese trugen generell keine Masken. Dann die « vecchi » (die Alten) – hierzu gehörten der dottore oder der capitano. Letztere waren dazu verdonnert, von den « zanni » (den schlauen Dienstboten – in der Commedia dell’Arte wären das Colombina oder Harlekin) betrogen und ausgenutzt zu werden, um den „innamorati“ zu helfen.  Die „vecchi“ und die „zanni“  trugen traditionell Masken.  Erst Carlo Goldoni wollte dieser Art Theater entgegentreten und seriöse, richtige Stücke zu schreiben. Sein Gegenspeiler war Gozzi.

Der rasante Musik- und Handlungsaufbau, großartige Belcanto-Verzierungen und schwierige Koloraturen verlangen viel von den Sängern und dem Orchester. Wunderbar Jana Kurucová (Rosina), Noel Bouley (Bartolo), umwerfend Samuel Dale Johnson (Figaro), Mathew Newlin (Graf Almavia), Flurina Stucki (Berta) und James Platt (Basilio). Sie brachten großartige Stimmen, schauspielerisches Talent, Witz und Temperament und die nötige Situationskomik mit und haben sich mindestens so wie das Publikum amüsiert. Guido Maria Kretschmer hat sie allesamt in wunderbare, zum Teil auch an die Commedia dell’Arte angelehnte, Kleider gewandet.

Katharina Thalbach hat die Handlung an einen spanischen Badeort verlegt. An den Nebenschauplätzen tummeln sich Touristen in den Cafés und sonnen sich im Bikini auf Strandtüchern. Der obligatorische Esel samt Bauer torkelt über die Bühne. Im Hintergrund werden gerade die Café-Tische im Freien aufgebaut, Souvenirläden öffnen ihre Läden und bieten Zeitungen oder Schwimmflügel zum Kauf an.  Ein Luxusauto fährt auf die Bühne und blockiert den Traktor, der von der anderen Seite kommt und den Handlungsort, Bartolos Haus, auf die Bühne bringt. Und dort wird sich dann auch fast alles abspielen. Die Bewohner der Häuser im Hintergrund beschweren sich manchmal über den Lärm, als Graf Almaviva  in Begleitung einer zwielichten Gruppe von Straßenmusikanten sein Leid über seine unerfüllte Liebe zu Rosina klagt. Bartolo ist Rosinas Vormund. Er will sie bald heiraten und lässt sie deshalb nicht auf die Straße. Der einzige Mann, der ins Haus darf ist Basilio, denn bei ihm bekommt Rosina, sie scheint auch Schauspielerin zu sein, Gesangsunterricht. Mit Hilfe von Figaro, dem Barbier, überlistet Graf Almaviva  den Alten und dann passieren bis zum lieto fine eine Reihe von lustigen Verwirrungen und genialen Entwirrungen, die mit originellen und witzigen Einfällen sängerisch, tänzerisch und schauspielerisch präsentiert werden.

Katharina Thalbach hat diese Produktion voll im Geist der Commedia dell’Arte inszeniert und daraus eine moderne SITCOM gemacht, angefüllt mit einfallsreicher Situationskomik, feinem Witz und zahlreichen Überraschungen.

Dieser Abend verspricht Spaß und gute Laune pur.

cmb

 

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GUTEN RUTSCH – Bonne Année – Happy New Year

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Allen Leserinnen und Lesern ein gesundes und frohes 2019!

 

Celis / Eyal – Staatsballet Berlin

Genesis und biologische Roboter

Nach dem vorzeitigen Rücktritt von Nacho Duato hat der Schwede Johannes Öhman, die Leitung des Staatsballetts Berlin im Herbst 2018 übernommen. 2019 kommt Sasha Waltz als Ko-Direktorin dazu.

Die Premiere seines ersten Auftritts hat am 7. September mit der Doppelproduktion Celis – Eyal stattgefunden. Es handelt sich hier zwar nicht um Neuproduktionen, aber um zwei  interessante, sehr unterschiedliche Aufführungen.

Das erste Stück des Belgiers Stijn Celis „Your passion is pure joy to me“ entstand bereits 2009. Er hat es für das Theater Göteborg entwickelt. Sieben Tänzer befinden sich auf einer religiösen Sinn- und Beziehungssuche zur Musik vor allem von Nick Cave, Pierre Boulez, Gonzalo Rubalcaba und Krzysztof Penderecki. Celis bezieht sich beim Titel auf einen Choral von J.S. Bach. Großartige Leistung der Tänzer.

Die zweite Performance nach der Pause „Half Life“ hat die kraftvolle und sehr expressive Produktion des Belgiers Celis einfach ausgeknipst. Während die Musik zu „Your passion is pure joy to me“ nicht unbedingt die Bewegungen der Tänzer begleitet, sie nicht unterstreicht – das hat er wohl auch nicht gewollt –  eine andere sein könnte, ist für Eyals Stück „Half Life“ die Trommel-Techno-Musik von Ori Lichtik lebensnotwendig, um die Androiden Armee in Bewegung zu setzten.

Die Tänzer-Protagonisten kommen vielleicht von einem anderen Planeten, der sich auf etwas Unheimliches vorbereitet. Es könnte sich aber auch um eine Art „letztes Gericht“ handeln,  um die Vertreibung aus dem Paradies oder um ein Zurückkommen zur Urzeit, mit der Auflage, das Böse zu vertreiben, handeln. Eyal zitiert den expressionistischen Stummfilm, die Kunst der Renaissance und die des 21. Jahrhunderts (Stefania Fabrizi hat im römischen MAAM eine solche Armee an die Wände einer ehemaligen Fabrik gemalt, die später zu einer Art Kunstraum umgewandelt wurde).

Eine Stromwelle verbindet die Tänzer mit unsichtbaren, aber flexiblen Ketten. Ekstase und Rhythmus, Kraft und Eleganz wechseln sich ab. Sind es Menschen die Roboter imitieren oder Roboter, die lernen möchten, wie Menschen zu sein. Großartig und beunruhigend, diese tanzende, stampfende  Fehde. Die Tänzer tragen transparente Un-Kleidung, fleischfarbene Lendenschurze oder Bikini-Oberteile und wirkten von Weitem nackt. Sie blickten finster und irritierend aus der Zukunft auf die Welt herab und sind gesteuert von einer finstern und überirdischen, göttlich-teuflischen Intelligenz. Ein Bühnenbild gibt es Gott-sei-Dank nicht. Man hätte keine Gelegenheit, es wahrzunehmen, so sehr vereinnahmt das Geschehen.

Zwei Körper, die gefühlte 10 Minuten immer wieder dieselben Bewegungen wiederholen, kündigen an, dass Eyal das Publikum an deren Grenzen bringen will. Seine Gesten sind obszön, während die Frau mit großer Eleganz und schönen Bewegungen auf der Stelle marschiert, Arme und Beine unterschiedlich einsetzt. Sie ist eine martialisch, unterkühlte, leidenschaftslose Modepuppe, die irgendwo ankommen muss. Immer wenn man meint, dass nun eine Änderung der Bewegungsabläufe angebracht wäre,  geht es wieder einfach nur so weiter, bis dann doch minimale Veränderungen auszumachen sind. Im  Hintergrund bildet sich eine Menschenformation, die sich tanzend in die Mitte der Bühne zuckt. Großartige Bilder entstehen und immer wieder kommen die Tänzer auf die Anfangssituation zurück, marschieren weiter ohne vom Fleck zu kommen und tanzen sich um den Verstand.

Zusammen mit Gai Behar leitet Sharon Eyal  die L-E-V Dance Company und hat 2017 „Half Life“ für das Königlich Schwedische Ballett Stockholm entwickelt.

Hier ist nun eine neue Ära des zeitgenössischen Tanzes angebrochen. Mehr kann man nicht erwarten. Dieses Stück ist jetzt schon Tanzgeschichte.

„Half Life“ bekommt auch bei der 11. Vorstellung am 29. Dezember 2018 Standing ovations und viele Vorhänge!

cmb

 

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Hänsel und Gretel

Märchen sind grausam

Eigentlich sollte es nur Musik für ein Puppenspiel als Geschenk für seine Schwester werden. Heute zählt Engelbert Humperdincks Werk zu den beliebtesten Opern, die vor allem um die Weihnachtszeit jedes Jahr unzählige Kinder mit der Musik bekannt macht. Die Uraufführung fand 1893 in Weimar statt.

Spielerisch leicht hört es sich an, zumal wir alle diese samtig-geistreichen Ohrwürmer  auch schon im Kindergarten gehört und gesungen haben, dann wird es aber wieder theatralisch-grüblerisch und phantasiereich.  Eine Mischung aus einfachem Kinder-Sing-Sang und pastoraler Sinfonie-Romantik. Farbenfroh und angsteinflößend. Immer wieder lehnt er sich an Wagners Musik an, zitiert ihn. Er selber hat sein Werk ein Kinderstuben-Weihfestival genannt, welches Humperdinck den Opern-Durchbruch möglich machte.

Es funkelt und leuchtet, spiegelt und glitzert. Am Ende der Bühne lassen verschiebbare Bäume den Dirigenten sehen, der sich dankend verbeugt. Achim Freyer hat Elemente aus der Staatsopern-Zauberflöte und Katharina Wagners Meistersinger-Inszenierung vereint, und Hänsel und Gretel mit Pappmaché Köpfen ausgestattet. Hier zollt Humberdinck über Freyer seinem Lehrer Wagner eine hommage. So winken und nicken sich die beiden mit ihren übergroßen Köpfen über die Bühne, tanzen, spielen und singen.

Die naschende Katze wie auch der Hunger-Koch, der als große, weiße Gestalt mit Augen- und Bauchloch herumläuft, sind sehr gelungen. Die Hexe ist ein Mann, nicht buckelig und hat einen wurstigen Mund und Kuchenaugen, eine Kaffeetasse auf dem Kopf und eine geschmacklos lange Salami-Nase. Das Hexenhaus ist viel zu klein und der stibitzte Lebkuchen darf auch kein rotes Herz sein. Ansonsten tummeln sich witzige Fantasiefiguren über die Bühne. Aber warum steht da Revolution am Ende?

Das Märchenspiel in drei Bildern von Engelbert Humperdinck entstand 1893 nach einer Dichtung von Adelheid Wette, basierend auf dem Märchen der Gebrüder Grimm. Bei Original setzen die armen Eltern ihre Kinder Hänsel und Gretel im Wald aus, weil es nicht genug Essen zu hause gibt.

Bei Humperdinck werden die egoistischen Kinder von der Mutter zum Erdbeerenpflücken geschickt, weil sie wieder mal böse waren und beim Spiel den Kochtopf zerbrochen haben. Nachdem sie den selbt-gepfückten Erdbeeren für die Mutter nicht widerstehen können und sie allesamt vertilgen, ist es Nacht und sie finden den Weg nicht mehr nach Hause. Der Sandmann kommt und singt sie in den Schlaf. Die Kinder träumen vom Zirkus und von Akrobaten und anderen schönen Dingen bis sie aufwachen und vor dem Lebkuchen-Haus der Hexe vom Ilsenstein stehen. « Knusper, Knusper, Knäuschen, wer knappert an meinem Häuschen » ? « Der Wind, der Wind, das himmlische Kind ». Zuerst fällt die Hexe darauf herein aber schließlich landen die beiden  doch hinter Gittern und werden von der Hexe gemästet, damit sich diese bald ein Festmahl gönnen kann. Das ist Kannibalismus pur. Aber Hänsel ist schlau, und streckt der Hexe immer ein Holzstäbchen anstatt seinem Finger hin, denn er will einfach nicht zunehmen.

Zum Schluss gibt es ein Happy End. Die Kinder töten die böse, gefräßige Hexe und finden nach Hause, wo sie von glücklichen Eltern empfangen werden.

Sängerisch und musikalisch sehr schön und einwandfrei.  Am Pult am 27. Dezember 2018 Christopher Moulds. Katrin Wundsam sing Hänsel und Adriane Queiroz Gretel. Arttu Kataja und Marina Prudenskaya sind die Eltern und Jürger Sacher die Knsuperhexe.

cmb

 

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London 1938 – Mit Kandinsky, Liebermann und Nolde gegen Hitler

„Banned Art“ sollte die Ausstellung, die 1938 in London als Antwort auf die Ausstellung „Entartete Kunst“ in München organisiert wurde, ursprünglich heißen. Um ihr aber das Politische zu nehmen, nannte man sie schließlich nur  « Twentieth Century German Art« . Angeblich sollen über 300 Exponate für diese Schau nach London geschickt worden sein. Gezeigt werden konnten – aus Platzgründen – schließlich nur 270 Werke. Eine so große und bedeutende Ausstellung deutscher moderner Kunst  hatte es bis dahin in England noch nicht gegeben.

In kurzer Zeit wurde diese spektakuläre Schau von den Galeristen Noel „Peter“ Norton aus London und der Züricherin Irmgard Burchard auf die Beine gestellt, unterstützt von verschiedenen Sammlern und Galeristen, deutsch-jüdischen Unternehmen, liberalen Politikern und Künstlern im Exil wie Beckmann oder Klee. Auch der in Paris im Exil lebende Kunstkritiker Paul Westheim wirkte mit, schied allerdings wieder aus dem Projekt aus, als man den Titel Banned Art durch Twentieth Century German Art ersetzte, sie wurde  ihm dadurch zu unpolitisch. Schirmherren waren u.a. Picasso und Virginia Woolf und obwohl die Ausstellung viele Besucher verzeichnen konnte, wurden nur wenig Bilder verkauft, zum Teil war das Publikum auch mit diesen starken und modernen Bildern überfordert.

Allein von Max Liebermann waren 22 Arbeiten in der Londoner Ausstellung zu sehen, dafür sorgte schon seine Witwe Martha Liebermann. Sie schickte das Porträt von Albert Einstein nach London, dies war auch eines der wenigen Werke, die verkauft werden konnten.

Zu sehen sind in der Berliner Ausstellung vor allem Werke von Max Liebermann, aber auch Bilder von Max Slevogt, Lovis Corinth, Emil Nolde, Paul Klee, Paula Modersohn-Becker, und Wassili Kandinsky. Oskar Kokoschkas „Selbstbildnis eines entarteten Künstlers“ ist ebenfalls ausgestellt (allein von ihm wurden im Jahre 1937 an die 400 Werke aus deutschen Museen verbannt oder beschlagnahmt). Die Werke sind aus unterschiedlichen Museen und Privathäusern in die Villa Liebermann an den Wannsee gekommen und sind Zeugnis für die Vielfältigkeit der damaligen Kunst, die vor 80 Jahren in London gezeigt wurde.  Fast alle dort vertretenen Künstler waren sie auch in München bei der Ausstellung „Entartete Kunst“ vertreten.

Diese kleine aber feine Ausstellung in der Liebermann-Villa entstand in Zusammenarbeit mit der Wiener Library in London und wird von der Kulturstiftung des Bundes gefördert. Sie versucht mit nur 30 Werken die Londoner Ausstellung zu rekonstruieren und ist mit viel Hintergrundinformationsmaterial zu den Leihgebern der Werke eine interessante und sehenswerte Ausstellung, die noch bis  zum 14. Januar 2019 in der Villa Liebermann zu sehen sein wird.

cmb

 

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Die Drei Schwestern

Olga, Mascha und Irina, drei Schwestern, kultiviert und gebildet, gehörten einst der besseren Moskauer Gesellschaft an, bis sie mit ihrem Vater, dem General, vom lebendigen, kulturellen Moskau in die Provinz versetzt werden und dort auch nach dem Tod des Vater hängenbleiben. Moskau ist für sie das unerreichbare Paradies, dorthin fliehen sie in Gedanken, um dem öden Alltag, der Hoffnungslosigkeit zu entfliehen. Der vierte im Bunde ist ihr schwacher und spielsüchtiger Bruder, der obendrein eine Frau ins Haus bringt, die sich sogleich als Oberhaupt aufführt. Tschechow hat mit diesem Frauenstück den Abgrund einer lebensunfähigen Gesellschaft beschrieben.

Karin Henkel hat das Stück nun neu und geschlechterlos interpretiert. Die Hauptrollen werden von Männern in Frauenkleider und Masken interpretiert, die aber jeweils ebenso  den Partner/Partnerin spielen. Im Verlauf der Geschichten, werden die Masken immer minimaler und die Masken werden nicht mehr konsequent übergezogen. Das eh komplexe Werk wird dadurch noch komplexer, aber nicht unverständlicher!

Meist wird nur ganz schnell ein Mantel übergeworfen und schon ist der Soldat wieder Olga oder Mascha. . Irina ist gleichzeitig Nikolai und später – wenn die Vergangenheit zur Gegenwart wird, übernimmt Angela Winkler die Rolle der älteren Irina. Ein knisterndes Kofferradio stellt immer wieder die Verbindung zur Welt her und die Kippbühne verstärkt den Eindruck des Schwindels und des Vergehens. „Wie die Zeit wegtickt“ sagt Andrej. Sie nimmt Hoffnung und Wohlstand mit und lässt Unzufriedenheit und Frust zurück.

Felix Goeser spielt Andrej und seine  raffgierige, unzufriedene Frau Natascha. Bernd Moss spielt Olga, die ältere Schwester, die vernünftige, die Schuldirektorin werden soll, aber das alles gar nicht mehr schafft. Er/Sie bringt die Erschöpfung, die Aussichtslosigkeit auf die Bühne und wenn er den Frauenrock auszieht, ist er plötzlich Oberstleutnant Werschinin, wie Michael Goldberg immer zwischen Mascha und Kulygin hin und her pendelt. Manchmal mit dann wieder ohne Perücke. Und dann Irina, die kleine, schöne Schwester, die noch mehr als die anderen nach Moskau will. Bernjamin Lillie ist die junge Irina und Tusenbach, der ihr ständig ein besseres Leben verspricht, das dann Angela Winkler als ältere Irina aus den Augen verliert

Die Drei Schwestern wurde 1901 in Moskau uraufgeführt.

cmb

 

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Der Kaukasische Kreidekreis im Berliner Ensemble

Minimales Bühnenbild und Elektroguitarre

Michael Thalheimer hat Brechts „Kaukasischen Kreidekreis“ am Berliner Ensemble, sehr minimal inszeniert. Weggefallen ist nicht nur das komplette  Bühnenbild sondern auch der Text musste Federn lassen, so gab es z.B. das komplette Vorspiel in einem georgischen, fruchtbaren Tal nicht.

Dafür gibt es eine weinende und klagende Elektroguitarre, die irgendwo zwischen Hendrix und Cohen, die Dramatik, die Einsamkeit, die Hoffnungslosigkeit unterstreicht und einen Vorredner am Rand der Bühne. Die Schauspieler halten sich im hinteren Teil der Bühne auf und warten auf ihren Auftritt.

Grusche (beeindruckend Stefanie Reinsperger), die Magd ist fast immer dran, abgerissen und blutverschmiert, ein wenig linkisch ist sie permanent hin und hergerissen zwischen Mitleid und Angst, wächst aber – allein gelassen von der Gesellschaft und ihrem feigen Bruder – an ihrer Aufgabe und kümmert sich so selbstlos, dass sie dabei ihr eigenes Glück verliert. Die Rolle des Richters ist hier schwer einzuschätzen, war er ursprünglich ein Mönch? Ist er wirklich ein Fürsprecher der Armen? Kann man ihn überhaupt ernst nehmen? Den Kreisekreis zieht er mit dem Blut, mit dem er vor Grusche übergossen wird. Grusche, die blonde Magd, bleibt zum Schluss allein mit dem ihr zugesprochenen Kind zusammengerollt und verlassen auf einem Stuhl liegen.

Berthold Brecht hat den Kaukasischen Kreisekreis 1954 anlässlich der Übernahme des Hauses am Schiffbauerdamm inszeniert. Stefanie Reinsperger ist großartig und braucht auch keine Dekoration. Der Sänger/Erzähler Ingo Hülsmann ist brillant, ebenso Tilo Nest als Richter Azdak oder Horrorclown.

cmb

 

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Die tote Stadt

Erich Wolfgang Korngold (1897-1957)  galt als Wunderkind und für den großen Puccini war er die neue Hoffnung am europäischen Musikhimmel. Schon mit 11 Jahren komponierte der das pantomimische Ballett „Der Schneemann“. Irgendwo zwischen Spätromantik und moderner Klassik, brachte ihm seine Hauptoper „Die tote Stadt“ 1920 viel Ruhm ein. 1934 ging er aus politischen Gründen und auf Einladung von Max Reinhardt nach Hollywood und komponierte von dieser Zeit an vor allem sehr erfolgreich Filmmusik. In Los Angelos starb er dann auch im Alter von 60 Jahren und konnte zu dieser Zeit mehrere Oscars und Nominierungen für Filmmusik vorweisen.

Im Dezember hatte die  Komische Oper Berlin sein frühes Meisterwerk Die tote Stadt auf dem Spielplan. Entstanden ist dieses Werk nach dem Roman von George Rodenbach „Bruge la morte“.

Der Kanadier Robert Carson hat das Werk als  psychologisches Hollywood Epos inszeniert und zitiert den amerikanischen Glamour der Tanzmusicals mit Ginger Rogers oder Rita Hayworth der 40er und 50er Jahre aber auch Alfred Hitchcock. Durchaus nachvollziehbar, wenn man an Korngolds Hollywood-Karriere denkt.

Im Pult feierte der neue GMD Ainārs Rubiķis seinen Einstand und ging mit dieser heftigen Musik gut um, obwohl die Sänger sich dann und wann die Bühne vom groß besetzten Orchester zurückerobern mussten. Celesta und Harfe kamen aus den oberen Seitenlogen dazu.

Paul hat sich nach Brügge zurückgezogen, um sich dort nach dem Tod seiner geliebten Frau nur noch ihrem Andenken zu widmen. Seine  »Kirche des Gewesenen« ist ein Schrein der Erinnerung. Er lebt in einer unrealistischen Vergangenheit, umsorgt nur von seiner Magd Brigitta. Eines Tages begegnet  er auf der Straße der Tänzerin Marietta. Sie sieht seiner Frau zum Verwechseln ähnlich und Paul verfällt ihr sofort. Er erkennt die Chance, die tote Geliebte ins  Leben zurück zu holen. In der Folge vermischen sich Traum und Wirklichkeit. Gequält von Eifersucht nach einem Hollywood-Auftritt Mariettas mit ihren Kollegen-Verehren – darunter auch sein Freund Frank – erwürgt er Marietta mit  den Haaren der Verstorbenen.

Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Warum ist seine Frau verstorben und hat er Marietta wirklich getötet?

Carson hat die Anfangsszene in ein gut bürgerliches, mit kostbaren Möbeln ausgestattetes Schlafzimmer verlegt, dort befinden sich auch der Schrein, unzählige Fotos der Toten und deren Haare.  Für die Beerdigung mit schwarzen Regenschirmen öffnet sich der Raum nach draußen. Dann schwebt Marietta von oben auf einem Leuchter sitzend auf die Bühne herab und vermischt sich mit einer glitzernden Tanzgruppe. Sehr schöne Choreografie von Rebecca Howell, vor allem die Probe des dritten Aktes von Meyerbeers „Robert der Teufel“ , die in das Werk eingebaut ist. Beeindruckend die Prozession im dritten Akt mit zehn Madonnenfiguren, die das Blau von Maries/Mariettas Schal aufnehmen. Im letzten Akt erdrosselt Paul die sehr provozierende Marietta, aber auch dies nur ein Traum?

In der Schlussszene kommen Pauls Freund Frank und Brigitta in weißen Ärztekitteln in den Raum und fordern ihn auf, sie doch zu begleiten und die Stadt zu verlassen. Vielleicht begleiten sie  ihn aber auch in eine psychiatrische Einrichtung!

Textverständliches Singen hat man etwas vermisst. Marietta/Marie (Sara Jakubiak) war großartig in der Rolle einer femme fatale und hat das schauspielerische mit dem sängerischen mit großer Natürlichkeit vereint. Sehr sauber Aleš Briscei (Tenor) als Paul. Marie Fiselier singt Brigitta und Günter Papendell ist Frank.

cmb

 

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Weihnachtskonzert in der Sophienkirche

Am 23. Dezember 2018 organisierte die Akademie für Alte Musik Berlin ein Konzert in der Sophienkirche in Berlin. Konzertmeister Bernhard Forck präsentierte ein ansprechenden Programm mit wunderbaren Musikern.

Von Georg Friedrich Händel (1685-1759) spielte das ausgezeichnete Ensemble zwei Concerti grossi (Nr. 6,3 und 6,11), zwei Concerti (von Antonio Vivaldi (1678-1741)  und das Concerto grosso f-Moll von Pietro Antonio Locatelli (1695-1764).

Händel komponierte zwei Serien von concerti grossi. Opus 6 besteht aus zwölf Konzerten. Sie entstanden im Herbst 1739 in Windeseile, geprägt von neuartigen Stilelemente und Vorbereiter der ankommenden Klassik. Hermann Hesse hat in seinem Steppenwolf das Concerto grosso in F-dur übrigens als Göttermusik bezeichnet.

cmb

 

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Weihnachtsoratorium 2018

Zwischen 1734 und 1735 in der Weihnachtszeit wurde das Weihnachtsoratorium (BWV 248) abwechselnd  in der Nikolaikirche und der Thomaskirche  in Leipzig zum ersten Mal aufgeführt. Sechsteilig für Soli, gemischten Chor und Orchester wird es seitdem in der Weihnachtszeit – oft in Teilen – gespielt und gesungen.  Es beruht auf der Geburt Jesu Christi in Bethlehem, die Anbetung der Hirten und dem Besuch der drei Weisen. Eine Kantate pro Weihnachtsfeiertag, eine für Neujahr und für Epiphanie.

Bach hat sich für sein Oratorium selbst kopiert und schon vorhandene Musik dafür erneut bearbeitet und benutzt. Dies war aber in der damaligen Zeit durchaus üblich und nicht verpönt. Oft hatte es auch den Hintergrund, schöne Partien nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, aufnehmen konnte man die Musik ja nicht.

Am 22.12. führte die Berliner Bach Akademie unter Leitung von Heribert Breuer Teil I und II im Kammermusiksaal der Philharmonie auf. Ergänzt durch die Echo-Arie aus dem Weihnachtsoratorium Teil IV – Flösst mein Heiland und einer Streicher Fantasie in G-Dur. Die ausgezeichneten Solisten waren Catalina Bertucci (Sopran), Britta Schwarz (Alt), Daniel Johannes (Tenor) und Philipp Jekal (Bass).

 

 

cmb

 

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Hippolyte et Aricie – in der Staatsoper

Erboste Götter und nachtragende Frauen im Star Wars Himmel

Es funkelt, glitzert und Spiegel vervielfältigen jedes Bild. Während Laserstrahlen das Theater durchqueren, breitet sich Rauch über den Zuschauern aus, der von Groll und Blitzen begleitet wird.  Im Versailles zu Zeiten der Könige Ludwig XIV und XV gehörten Spezialeffekte unbedingt dazu und die verwöhnten französischen Barockkönige hätten die Inszenierung dieser Rameau Aufführung sicher befürwortet, denn extravagant und außergewöhnlich mussten die Unterhaltungen der Herrscher sein.

Die Gefangenen im Hades tragen vergitterte Laserkugeln auf den Häuptern und Diana hat sich einfach eine  Satellistenschüssel auf den Rücken gebunden, um ihre Köcher aufzubewahren während Phädra als Prisma über die Bühne schreitet.

Eine Spätfassung von Jean Philippe Rameaus erster Oper „Hippolite et Aricie“ , die 1757 entstand (Urfassung ist aus dem Jahre 1733) war der Höhepunkt der Barocktage Berlin. Die Oper zählt zu den Klassikern der französischen Barockmusik  und brachte hier hohes musikalisches Niveau auf die Bühne. Am Pult Simon Rattle mit dem Freiburger Barockorchester. Der Konzept-Künstler Olafur Elliasson entwarf die Lichtinstallation; Aletta Collins Regie und Choreographie. Reinoud Van Mechelen (Hippolyte), Anna Prohaska (Aricie), Magdalena Kožená (Phèdre), Elsa Dreisig (Diane), Roman Trekel (Tisiphone) .

Diese Spätfassung ist ein wenig stringenter und  kürzer und verzichtet auf  langweiliges Beiwerk. Die  im französischen Barock sehr wichtigen Tanzeinlagen kamen aber auch hier nicht zu kurz, wobei Collins das Niveau nicht bis zum Schluss durchhalten konnte und es an Ideen mangelte. Die Premiere fand am 25.11.2018 statt.

Magdalena Kožená war eine rachsüchtige und bösartige  Phädra, Anna Prohaska – leicht erkältet am 2.12. – als Aricie stilsicher und kuschelig warm, Reinoud Van Merchelen als Hippolite überzeugend und als einziger textverständlich singend.  Und das Freiburger Barockorchester ist bei der Alten Musik in Deutschland eh nicht zu übertreffen.

Nur ein Teil des Publikums konnte mit der Uraufführung 1733 etwas anfangen. Für die konservativen „Lully-Liebhaber“ war Rameau einfach zu modern. Außerdem war die Oper zu lang  und schwer verständlich für weite Teile der damaligen Gesellschaft. Das  Libretto hat Abbé Simon-Joseph Pellegrin verfasst und sich vor allem auf die Liebesgeschichte von Hippolytos und Arikia aus der griechischen Mythologie konzentriert. Racine hat das Thema nach Euripides später behandelt.

Phädra war die kleine Schwester der Ariadne, jene, die den König von Athen Theseus seinerzeit mit dem berühmten Faden ausstattete, damit er den Weg aus dem Labyrinth heraus wieder finden konnte, in welches er sich begab, um den Minotaurus zu töten.
Bei dieser Gelegenheit hat Theseus wohl Phädra kennen gelernt und sie zu seiner zweiten Frau gemacht. Dieser findet aber eher Gefallen an ihrem Stiefsohn. Als sich nun Theseus wieder auf ein Abendteuer begibt, um seinen Freund Peirithous aus der Unterwelt – dort wird dieser festgehalten, weil er Proserpina, die Frau des Hades, entführen wollte -  zu befreien, beschließt Phädra die Gelegenheit zu nutzen, und Hippolyte zu verführen. Hierbei stand ihr natürlich Aricie, die Tochter des getöteten Königs Pallas, im Wege und musste vom Hof verbannt werden. Aricie, die Hippolite liebt und er sie,  kommt in den Tempel der keuschen Diana-Priesterinnen.
Phädra liegt gerade mit Hippolite im Clinch als Theseus wider Erwarten aus der Hölle zurückkommt – er hat hierfür den zweiten Wunsch eingelöst (Neptun hatte ihm drei Wünsche zugesagt) – und ist entsetzt, versteht nun aber, warum Pluto ihm androhte, zurück aus der Hölle eine andere Hölle zu Hause vorzufinden. Da Theseus aber nicht seinen Sohn töten möchte, bittet er Neptun darum, dies zu übernehmen der prompt ein großes Seemonster schickt. Erschüttert durch das was sie getan hat, gesteht Phädra nun, dass nicht Hippolite sie verführen wollte sondern umgekehrt. Und nun tritt Diana wieder auf das Parkett. Sie, die Jagdgöttin, die Hippolite vor dem Tode bewahrt hatte,  macht ihn zum König der Wälder und gibt ihm seine geliebte Aricie zurück.

Christa Blenk

PS Auch Hans Werner Henze hat sich mit dem Thema beschäftigt. Seine Konzertoper « Phädra » wurde 2007 mit dem Ensemble Modern und einem großen Staraufgebot in der Staatsoper Berlin uraufgeführt. Auch hier übernahm Olafsur Eliason das Bühnenbild und die Spiegelgeschichte hat er 2018 wiederholt.

I Tre Gobbi – Teatro La Fenice

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Acqua Alta in Venedig

 

Der große italienische Komödienschreiber Carlo Goldoni (1707-1793) schrieb das Libretto zu Vincenzo Legrenzio Ciampis Intermezzo musicale „La favola de tre gobbi“ (Die Geschichte der drei Buckeligen). Das Werk entstand 1749 in Venedig.

Michele Modesto Casarin (der auch selber mitspielt) und Alberto Maron haben in einer gemeinsamen Produktion des Teatro La Fenice, der venezianischen Theaterkompagnie Pantakin Commedia und dem Woodstock Teatro eine Bearbeitung in Anlehnung an die Musik von Ciampi ausgearbeitet und diese mit Ilenia Tosatto (Sopran), Andrea Biscontin (Tenor) sowie dem Ensemble Harmonia Prattica im November 2018 in der Sale Apollinee aufgeführt. Kostüme und Masken sind von Licia Lucchese und Roberta Bianchini.

Alessia D’Anna, Claudio Colobmo, Davide Dolores, Michele Modesto Casarin haben hier die  Commedia dell’Arte wieder aufleben lassen und mit viel Witz, Humor, Slapstick, Begeisterung und schöner Musik ein permanentes Lächeln auf die Gesichter der glücklichen Zuschauer gezaubert, das noch ganz lange in den Abend hinein angehalten hat.  

Zur Geschichte: Carlo Goldoni ist nicht gut drauf. Leicht angetrunken torkelt er auf die Bühne, er hat eine Schaffenskrise und vor allem Schulden, die fällig werden. Die Geldeintreiber Beccaferro und Tagliacarne, zwei trottelige Gesellen, stehen vor seiner Tür und drohen damit, seine Fußsohlen abzuschneiden, wenn er nicht endlich die Schulden, die er beim venezianischen Edelmann Grimani hat, zu begleichen. Da er aber nicht bezahlen kann, verspricht er, etwas zu schreiben und schindet so noch drei Tage Aufschub heraus. Seine Dienerin, Catte (großartig Alessia D’Anna), rät ihm, das Theater doch endlich sein zu lassen,  versorgt ihn aber vor dem wichtigen Projekt noch mit Rosolio. Goldoni, voller Schaffenseifer, widmet sich aber mehr dem Alkohol als den Wörtern und schläft die drei Tage durch, spricht: er verschläft seine Chance. Catte weckt ihn, als die Zwei wieder auftauchen. Eine wilde und köstlich gespielte Jagd beginnt und schließlich bekommt er nochmals eine Galgenfrist bis zum Abend. Catte erzählt ihm die Geschichte der drei Buckeligen und er schreibt sie direkt den Darstellern (die beiden Geldeintreiber und er selber) auf den Leib. So wird sein Schreibzimmer zur Bühne und Catte zu der vornehmen Madame Vezzosa, in die sich die drei Buckeligen verlieben. Dichtung, Realität und Komödie vermischen sich und Catte träumt von einer Karriere als Schauspielerin. Zum Schluss schlägt Goldoni vor, die Musik von Ciampi komponieren zu lassen.

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Mehr kann man von Volkstheater nicht verlangen!
Bravi.

Christa Blenk

 

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Die Sache Makropulos

Alt werden wollen oder jung bleiben müssen oder umgekehrt – das ist hier die Frage.

Die Unsterblichkeit samt ihrer Tücken ist und war für die Bühne immer ein dankbares Motiv. Leo Janácek hat sich mit seinem Spätwerk „Die Sache Makropulos“ auch damit befasst, beeindruckt und inspiriert von einem damals ganz neuen Theaterstück von Karel Capek.

Emilia Marty ist also 337 Jahre alt und macht immer noch alle Männer verrückt. Bei ihr waren es allerdings nicht die Errungenschaften der Medizin, die ihr das immer noch jugendliche Aussehen bescherten, sondern ein Zaubertrunk ihres Vaters Hieronymus Makropulos, seines Zeichens Leibarzt am Hof von Kaiser Rudolf II. Mitte des 16. Jahrhunderts. Für den sollte er nämlich eine Zaubertinktur entwickeln, die ihm ewiges Leben schenken würde. Da Rudolf aber nicht das Risiko einer Testperson eingehen wollte, wurde das Gebräu kurzerhand an des Zauberers 16-jähriger Tochter Elina Makropulos ausprobiert. Diese fiel direkt in eine längere Ohnmacht und der Doktorvater in den Kerker. Elina kommt aber nach einiger Zeit wieder zu sich und lebt seitdem, meist als gefeierte Sängerin und Femme fatale, durch die Jahrhunderte, bis sie 1922 in der Zeit der Neuen Sachlichkeit in Prag ankommt und dort wieder eine gefeierte Sängerin ist. Diese nicht alternde Heldin in Leos Janáceks Oper nimmt allerdings mit den Jahren einen kalten, menschenverachtenden Zynismus an, sie ist allein, denn alle ihre Freunde und Liebhaber sterben ständig weg und kann einfach von nichts mehr überrascht werden. Christof Hetzer hat Emilia Marty gekleidet, als ob sie gerade aus einem Bild von Georg Grosz oder Otto Dix gestiegen wäre. Die E.M.s aus früheren Jahren sind zeitweise auch gleichzeitig auf der Bühne anwesend, immer in ein prächtiges Kostüm der jeweiligen Epoche gewandet.

Aber eigentlich geht es mit einem fast 100-jährigen Prozess los, der in einem Büro stattfindet, das eher an eine Anstalt erinnert. Die Familien Prus und Gregor liegen in einem Rechtsstreit. Die Lebensgeschichte von E.M. (denn all ihre Pseudonyme über die Jahre hinweg hatten diese Initialen) kommt dabei so peu à peu ans Tageslicht. Es geht um einen Erbprozess, zu dem sie wichtige Insider-Informationen beitragen kann. E.M hat aber ein anderes Problem,  ihre Zeit läuft ab und sie braucht unbedingt die Notizen Ihres Vaters, um jung und fit weiter leben zu können. Dieses Geheimrepezt befindet sich aber in einer Kommode im Haus von Prus. Als sie es schließlich in den Händen hält, ist aber die Luft raus und sie will es nicht mehr und versucht, es – erfolglos – an die Nachwuchssängerin Krista weiter zu reichen. Die fünf anderen E.M.s verschlingen gierig das Papier mit der Formel und aus.

Umgeben ist Emilia – außer von Krista – die ganze Zeit nur von Männern, die alle etwas von ihr wollen:

Die großartige Evelyn Herlitzius singt die Emilia Marty der 1920er Jahre, glaubwürdig und überzeugend und ständig auf der Bühne. Die Kritiken nach der Premiere 2016 waren sich allesamt einig, dass ihr dieser Part auf den Leib geschneidert ist. In Sekundenschnelle schlüpft sie von der Rolle eines gefühllosen Ungeheuers zu einer gerissenen oder sentimentalen Lebedame. Wie in einer Kriminalgeschichte wird so ganz nebenbei ihr Inkognito gelüftet. Wichtigstes Beweisstück ist ein Autogramms, das sie der jungen Krista gibt. Und geistig springen und schnell lesen muss man auch, um nicht den Faden zu verlieren, wenn dann wieder von Elian MacGregor oder der Zigeunerin Eugenia die Rede ist. Die Oper hat sehr viel Text und gesungen wird in tschechischer Sprache

David Hermann und Christof Hetzer haben schlichte, kalte Bilder entworfen, die meist im Gegensatz zu den opulenten Kostümen der Renaissance und Barockzeit stehen. Ein wenig dekadenter Stuck, abblätternde Farbe an den Wänden oder kalte Bauhaus-Liegen bilden die Kulisse. Die Wände flimmern und signalisieren, dass die Zeit vergeht..

Am Pult vor dem Orchester der Deutschen Oper Berlin stand am 22.11.2018 Marko Letonja.

Uraufführung fand 1926 in Brünn statt.

cmb

 

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Pergamon virtuell

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Seit dem 17. November 2018 ist die  Ausstellung « Pergamon. Meisterwerke der antiken Metropole und 360° Panorama » gegenüber vom Bode-Museum zu sehen. Der Künstler Yadegar Asisi hat sie konzipiert und sein bereits 2011 präsentiertes Projekt  mit dem aktuellen Stand der Forschungen ergänzt.

Ausgestellt sind 80 Objekte aus den Beständen der Antikensammlung. Vor allem Frauen-Statuen, unterschiedlich angeleuchtet,  oder hochwertige Portraitköpfe. Die  Prometheus-Gruppe aus dem Athena-Heiligtum hat er auf eine abstrakte Gold-Landschaft montiert. Ausgestellt ist auch das Papageienmosaik aus dem Palast und das Telephos-Fries des Pergamonaltars. Der Fries der Giganten ist als grandiose Multimedia-Installation in diesen Bau gekommen,  denn es durfte das Museum aus konservatorischen Gründen nicht verlassen.  Entwickelt wurde dieses nüchtern wirkende, faszinierende  Modell des Pergamon-Alters von an der BTU Cottbus unter Dominik Lengyel.

Das 360° Grad Panorama ist in einem Gasometer, der von außen eher wie ein Industrie-Silo aussieht, untergebracht und erinnert  an die Centrale Montemartini in Rom, dort sind in diesem ehemaligen Elektrowerk seit ein paar Jahren Skulpturen aus den Kapitolinischen Museen untergebracht.

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30 Meter ist die Rotunde hoch und der Besucher kann sich auf einem 15 Meter Aussichtsturm in der Mitte der Anlage auf vier Etagen  und  3100 gigantischen Quadratmetern aus der Vogelperspektive ein lebendiges Bild von Pergamon, seinen Theatern, Häusern, Märkten und der Gegend machen. Zu Ehren des Gottes Dionysos richtete man hier im Jahre 129 n.C. ein großes Fest aus, zu dem der römische Kaiser  Hadrian sein Kommen angekündigt  hatte. 40 000 Menschen sollen in Pergamon gelebt haben. Wie in einem Gemälde von Bosch, werden hier unzählige Geschichten erzählt. Es herrscht überwiegend Festtagsstimmung und gute Laune, Opfer werden gebracht, Feuer, Blut und Versammlungen. Asisi hat die einzelnen Situationen auf Zeichnungen vervollständigt und das 3D-Modell entwickelt.

Die Installation ist ein Son et Lumière-Spiel, die Beleuchtung manchmal übertrieben und gibt dem Ganzen eine kleine Kitsch-Note. Die Nachtansicht ist von Tierlauten und Wassergeräuschen begleitet, auf die Musik, die den Tag begleitet, könnte man verzichten.

Pergamon, das achte Weltwunder für viele,  war eine Stadt in der griechischen Antike (Bergama) und liegt in der heutigen Türkei, nicht weit weg von Izmir. Ca 200 Jahre v.C. war die auf einem Berg gelegene Stadt Pergamon die Hauptstadt des Pergamenischen Reichs, das sich über das westliche Kleinasien ausbreitete. Die Attaliden-Dynastie strebte ein neues Athen an. Angeblich wurde auch das Pergament dort erfunden. Die Gründung Pergamons geht auf Telephos zurück. Er war ein Sohn des Herakles. In den griechischen Mythen wird diese Geschichte so nicht erwähnt und angeblich soll sein Sohn im Trojanischen Krieg auf der Seite der Trojaner gekämpft haben. Die Attaliden machten ihn zum Gründer der Stadt – dies wird auf dem kleinen Fries des Pergamonaltars erzählt.

Entdeckt wurde Pergamon 1864 von dem deutschen Ingenieur Carl Humann. 1871 kam Ernst Curtius mit einer Expedition bei ihm vorbei und anschließend wurden die ersten Friese zur Begutachtung nach Berlin geschickt. Alexander Conze übernahm 1877 die Abteilung für antike Skulpturen der königlichen Museen zu Berlin und von da an wurden die Ausgrabenden intensiviert. Ab 1907 konnten die Reliefs in Berlin – mit Genehmigung des osmanischen Reichs – im neu eröffneten Pergamon Museum gezeigt werden.  Dann kam der erste Weltkrieg und die Grabungen mussten eingestellt werden, weiter ging es erst wieder 1927 bis der Zweite Weltkrieg eine zweite Unterbrechung forderte. Erst 1957 wurde wurden die Grabungsarbeiten wieder aufgenommen – bis jetzt.

Der österreichische Künstler und Architekt Yadegar Asisi lebt zurzeit in Berlin und baut die größten 360° Panoramen der Welt.

Bis das Pergamon-Museum wieder eröffnet werden kann, wird noch ein paar Jahre dauern.

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cmb

 

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Der Diktator von Ernst Krenek

Ernst Krenek’s Einakter-Oper „Der Diktator“ dauert nur ca 30 Minuten. Die Neuköllner Oper hat daraus  eine 60-Minuten-Produktion gemacht, die sich sehen und hören lassen kann.

Beim Betreten der Studio-Bühne sind alle Protagonisten bereits auf der Bühne und singen oder reden sich an. Das Geschehen findet auf  zwei Ebenen statt: Da ist im Vordergrund ein großes Schaukelbrett, auf dem die Personen hin- und herwippen. Diese unkontrollierten Bewegungsabläufe assoziieren Unsicherheit und Unentschiedenheit, Schwäche und Dominanz. In einer Ecke im hinteren Teil der Bühne steht ein weißer Wachturm. Dieser mag einem Gefängniswärter dienen, einen Todesstreifen bewachen oder der Schiedsrichterplatz bei einem Tennismatch  sein – und sehr sportlich sieht auch Maria aus. Dort oben halten sich meist der Diktator und Charlotte auf, seine geltungssüchtige und zickige Frau. Beide befinden sich gerade in der Schweiz in Erholungsurlaub.

Maria und ihr blinder Offiziersmann, die gekommen sind, um den Diktator zu töten, sind entweder unter der Bühne fast unsichtbar oder huschen auf der Wippe hin- und her; unsicher und wackelig. Maria hat eine Waffe. Ab und zu begibt sich auch Charlotte  auf die große Schaukel und einmal fällt sie sogar von ihr, kriecht aber ansonsten mit schönen, spinnenhaften Metamorphosen-Gebärden darüber oder gibt sich ein Augenduell mit der rot gekleideten Maria. Charlotte ist in kaltes Blau gekleidet und könnte genauso aus dem Raumschiff Enterprise herunter gebeamt worden sein, während der Diktator aufgebrezelt in weiß, blond und blau leidenschaftliche Reden in Deutsch, Englisch und Italienisch hält oder ist er vielleicht gerade aus dem Kinderzimmer einer Horde arischer Barbi-Puppen entkommen?

Es geht um Macht, Leidenschaft, Eifersucht, Manipulation und verräterische Liebe.  Zum Schluss tötet nicht Maria den Diktator, dem sie ganz schnell verfällt sondern die berechnende Charlotte schnappt sich die Waffe und erschießt Maria und deklariert die Tat ganz schnell als Selbstmord. Der blinde Offizier ruft suchend nach Maria.

Charlotte manipuliert, bestimmt was passiert und sie trägt zum Schluss den weiten, langen Diktatorenmantel und das letzte Wort hat sich auch. Dies ist allerdings nicht Kreneks Entscheidung gewesen, sondern gehört zu den Zusätzen, die der Komponist Jörg Gollasch und die Regisseurin  Ariane Kareev dem Werk hinzugefügt haben.

Kreneks Musik überspannt viele Bögen und nimmt unzählige  Musikstile auf. Verismus-Arien und elektronische Musik, Jazz-Rhythmen und Zwölfton-Elemente, ja sogar Romantik wechseln sich ab. Geschrieben hat er die Oper 1926 als eine Art Warnung vor dem aufkommenden Faschismus.

Die Vier Solisten Sotiris Charalampous, Lawrence Halksworth, Eva Maria Nikolaus und Isabel Reinhard haben mir ihren Stimmen (und ihrer Schauspielerei) beeindruckt.

Am Klavier spielte Walewein Witten; Maria Franz (Cello) und Jan-Einar Groh (Perkussion).

Ernst Krenek (1900 – 1991) ist in Österreich geboren und in USA verstorben. Er war 1924 ein paar Monate mit Gustav Mahlers Tochter Anna verheiratet und eine zeitlang von Strawinskys Musik beeinflusst, ging aber dann in alle Richtungen. Seine Oper « Jonny spielt auf » war einer der großen Hits der 1920er Jahre obwohl es Hanns Eisler 1927 als « langweiliges und geistloses » Stück eines doch sehr begabten Komponisten bezeichnet hatte. Ab 1933 galt Krenek als entarteter Künstler. 1937 reist er in die USA und wurde bereits 1945 Amerikaner.

cmb

 

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Blaubart in der Komischen Oper

Den 200. Geburtstag von Jacques Offenbach (1819 – 1880) feierte die Komische Oper mit einer neuen Produktion seiner Oper „Blaubart“ . Stefan Herheim wurde mit der Regie betraut. Weil es aber immer schwer ist, einer Kult-Inszenierung, und das ist Felsensteins Erfolgsproduktion Blaubart, die zwischen 1963 und 1992 knapp 400 Mal zur Aufführung kam, zu folgen, hat er sich einfach an sie gehalten, wenigstens was Blaubarts Fantasiekostüm angeht. Für Herheim nach Xerxes seine zweite Arbeit für die Komische Oper.

Der Vorhang hebt sich:  Das Bühnenbild scheint nicht fertig geworden zu sein.  Dann betritt Cupido (großartig Rüdiger Frank) schleppend und ausgelaugt, einen schweren Theaterwagen hinter sich herziehend, die Bühne. Dieser Planwagen wird gelenkt vom Tod, der den Liebesgott mit der Peitsche anfeuert (beeindruckend und überzeugend Wolfgang Häntsch).

Amor und Tod eröffnen also diesen Blaubart,  sehr trefflich, wissen wir doch Alle,  dass Blaubart seine Frauen zuerst liebt und sie dann dem Tod übergibt. Dieser Pandora-Wunderkammer-Wagen ist die Bühne und aus ihm kommen die Teilnehmer und in ihm verschwinden sie auch wieder. Zwischendurch – als kleine Anspielung an Berliner Bausünden – dominiert das Schloss in Form von Bildern auf der Bühne.

Dann erscheinen sie alle nacheinander, Fleurette, die bezaubernde Tochter (wahrscheinlich) von König Bobèche (Bobèche kommt von Bobo, das heißt im Französischen so etwas wie verblödet) der  sie als Kleinkind in einen Korb auf dem Wasser ausgesetzt hat, ihr Geliebter,  der schöne Schäfer Daphnis, der wiederum Prinz Saphir ist. Danach rauscht Boulotte, die unzüchtige, schöne Bäuerin, auf die Bühne. Sie will Daphnis, bekommt aber Blaubart, nachdem der Alchimnist von Blaubart, Popolani, eine Verlosung organisiert bei der Bobèches Scherge, der Minister Graf Oscar, die Glücksfee spielt. Die Geschichte spielt sich weiterhin auf dieser „Bühne auf der Bühne“ ab.

Cupido und Tod streiten sich ständig, um das Leben, den Tod, aber vor allem um den Sinn und Zweck des Theaters überhaupt und Cupido zitiert aus dem Faust.  „Die Pfosten sind, die Bretter aufgeschlagen/ Und jedermann erwartet sich ein Fest.“

Die Geschichte nimmt ihren Lauf und in den ersten zwei Stunden, spricht nach zwei Akten, ist  immer noch nicht das Geheimnis um die plötzlich und unerwartet verstorbenen Gattinnen von Blaubart gelüftet worden. Auch die verheerende Neugierde der Frauen, bei der es um Blaubart sonst geht, kam auch noch nicht zur Sprache.

Im dritten Akt schließlich führt uns die Geschichte endlich in Blaubarts dunkles Verlies, wo Popolari nun Blaubarts sechste Frau, Boulotte, vergiften soll, um das halbe Dutzend endlich voll zu machen. Denn Blaubart hat schon Nummer Sieben auserkoren, nämlich des Königs schöne Tochter, die aber ihn nicht will, weil sie ja ihren Schäfer/Prinzen ehelichen möchte. Es stellt sich aber nun heraus, dass all die anderen Verflossenen gar nicht tot sind, Popolani hat es nämlich nicht übers Herz gebracht, sie ins Jenseits zu befördern (wie auch Graf Oscar die Geliebten von Bobèches Frau Clémentine von verschont hat). Das große Happy-End (oder auch nicht) findet in Form einer Massenhochzeit statt, die der Tod dirigiert und sie paarweise –  denn er will nur noch Paare nehmen in Zukunft – dort wieder hineinschickt. Als letztes Paar verschwinden Blaubart und Boulotte im Wagen, das tun sie mit den mechanischen Bewegungen von Hoffmanns Puppe Olympia und zur Leierkasten Musik vom Gevatter Tod. Klappe zu, Affe tot und aus die Maus. Mit einer Verfolgungsjagd von Gevatter Tod und Cupido fällt der Vorhang.

Das Hinzufügen der Rollen von Cupido und dem Tod, hat der Geschichte gut getan, musikalisch waren Aufführung und Sänger ausgezeichnet. Kurzerhand (zwei Tage vorher) musste die Rolle des Daphnis umbesetzt werden, David Zimmer (singend) und Esteban Muñoz (spielend) teilten sich den Part und bekamen zu recht viel Applaus dafür.

Der Kuriositäten-Wagen gleicht manchmal einem Bild von Georg Grosz oder Hieronymus Bosch oder Brechts Mutter Courage Gefährt, manchmal erinnert er aber auch an die vorgedruckten Blumenbilder, die man früher ins Poesiealbum klebte.

Ritter Blaubart ist Wolfgang Alblinger- Sperrhacke, der den Bösewicht mit viel Leichtigkeit singt. Sarah Ferede ist umwerfend mit ihren roten langen Haaren und erinnert eher an Carmen als an das, was man sich unter Boulotte vorstellt (Boulotte bedeutet nämlich „Pummelchen“). Popolari ist Tom Eri Lie, den dämlichen und gemeinen König Bobèche singt und spielt Peter Renz und Fleurette/Hermia ist die eine temperamentvolle Vera-Lotte Böcker. Christiane Oertel ist Königin Clémentine. Die vielen Sprachpartien hat man nicht immer gut verstanden. Am Pult bei der letzten Aufführung 2018 Ivo Hentschel.

Esther Bialas hat die Kostüme entworfen und das Bühnenbild ist von Christoph Hetzer.

Offenbachs schwungvolles Werk ist voller Witz und Einfälle und die knapp 3 ½ Stunden verfliegen im Nu. Herheim hat das Stück als eine Art Massenorgie inszeniert und ihm schon ein wenig das elegant-feine von Offenbach genommen. Die satirisch-spöttischen, kritischen Anspielungen auf die Regime-Zeit von Napoleon III wurden hier kurzerhand auf die heutige Zeit übertragen. Zeitlos sind sie allemal.

cmb

 

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Ballon – Film

Die besten Geschichten und Fluchten schreibt das Leben selber.

Der Film Ballon basiert auf einer wahren Begebenheit und kam Ende September 2018 in die deutschen Kinos. Sechs Jahre hat der Regisseur und Produzent Michael Herbig daran gearbeitet und mit einzelnen Familienmitgliedern oder Hauptprotagonisten gesprochen. Der Film beschreibt die Flucht 1979  in einem selbst gebauten Heißluftballon von  der DDR in den Westen: an Bord die Familien Strelzyk und Wetzel.

Es geht weniger um Politik als um action. Der Thriller erzählt die Vorbereitung  und die Durchführung einer dramatischen, atemberaubenden und spektakulären Flucht in einem selbstgenähten Ballon, für den 2000 Meter wasserdichter Stoff besorgt werden mussten.

Zur Handlung:

Es ist Sommer 1979 in Pößneck, einem Ort in Thüringen. Die beiden befreundeten Familien Strelyzk und Wetzel beschließen, mit einem selbstgebauten Heißluftballon aus der DDR in den Westen zu fliehen. Wichtig dafür ist der perfekte Nordwind. Familie Wetzel macht kurz vor dem ersten Versuch einen Rückzieher, die Strelyzks fahren alleine und der Ballon fällt kurz vor der Grenze auf den Boden. In einer abenteuerlichen Nachtwanderung gehen sie zu ihrem Auto zurück und beschließen, einen größeren Ballon zu nähen und die Flucht erneut zu wagen.

Die Stasi entdeckt den kaputten Ballon und bemerkt den Fluchtversuch. Anhand von Medikamenten, die Frau Strelyzk im Ballon gelassen hat, werden die Flüchtigen identifiziert und es beginnt ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Oberstleutnant Seidel, der allerdings immer ein paar Meter hinterher hinkt. Die Familien kaufen abwechselnd immer nur kleine Mengen Stoff im Umkreis ihres Wohnortes und Günther Wetzel näht Tag und Nacht. Der zweite Versucht gelingt – sehr knapp und dann kommt der historische Satz: „Ist das hier der Westen“?,“Nein, das ist Oberfranken“.

Der Film endet 10 Jahre später. Die beiden Familien sitzen vorm Fernseher und erleben,  wie die Grenze sich öffnet.

Karoline Schuch, Friedrich Mücke, Alicia von Rittberg, David Kross und Jonas Holdenrieder  spielen die Hauptrollen. Das Drehbuch haben Kit Hopkins und Thilo Röscheisen geschrieben.

 

cmb

 

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Georg Grosz

Georg Grosz – Bröhan Museum

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Kunst der Apokalypse

Nach der gelungenen Ausstellung „Berliner Realismus“ hat das Bröhan Museum nun dem bedeutendsten und provokativsten Satiriker der 1920er Jahre, dem Maler Georg Grosz (1893-1959), eine umfassende Retrospektive gewidmet.

Mehr als 200 Exponate aus dem Berliner Nachlass, aus Berliner Museen sowie aus Privatsammlungen beschreiben diese belebte, wahnsinnige, dunkle, von Krieg und Ungerechtigkeit, Angst und wüsten Vorahnungen belastete Zeit, die in einen neuen Krieg münden sollte. Nichts war ihm heilig und seine Aufgabe sah Grosz darin, die Missstände in seinem Land anzuprangern und aufzudecken. So einige Anzeigen und Anklagen hat ihm das eingebracht. Weder Reichswehr noch Kirche waren vor seiner Kunst sicher. Grosz malte das Hässliche, so wie er es sah und voraussah und oft noch schrecklicher als die Realität. Er war so etwas wie eine Kassandra. Seine Bilder sprechen von einer prophezeienden, brutalen Sensibilität, wie zum Beispiel die Zeichnung „Siegfried Hitler“  von 1923. Eckig und zackig, hart sind seine Protagonisten. Dicke Männer mit gemeinen Gesichtern trinken und essen, während im Hintergrund rohe Gewalt regiert. Das Titelbild zeigt zwei undurchsichtige Gestalten, die sicher ein krummes Geschäft vorhaben. „Brillantenschieber“ entstand 1920.

Ein Nervenzusammenbruch 1917 war die Ursache, dass er aus dem Kriegsdienst entlassen wurde. Schonungslos und gnadenlos sezierte er in der Folge mit sarkastischem Spott Militär, Kirche, Justiz, Wohlstand, Bürgertum, Industrie oder Politiker. Seine Mittel waren Stift und beißender Hohn, Krimis und Western haben ihn zu allererst inspiriert und zu dieser Verrohung seiner Kunst beigetragen. Grosz war kurze Zeit Kommunist, trat aber nach einem Russland-Aufenthalt wieder aus der Partei aus und reagierte sich mit satirischem Sarkasmus an der Welt und am Establishment ab.

Seine produktivste Zeit war die Mappen-Zeit in den 1920er Jahren, während ihn Alfred Flechtheim in seine Galerie holte; der Publizist Wieland Herzfelde, Gründer des Malik-Verlages – brachte sämtliche Mappen von Grosz heraus. Einige, darunter „Die Räuber“, sind in der Ausstellung zu betrachten. Hier kritisiert er die Ausbeutung der Kapitalisten. Die Titel der Blätter sind Zitate aus Schillers „Räuber“. Für die Radierung Jesus am Kreuz mit Gasmaske und Militärstiefel wurde er angezeigt und musste eine Geldstrafe zahlen. Das war auch die Zeit, in der er für das Theater Bühnenbilder entwarf, die  Bühnenskizzen und Kostüme zu Erwin Piscators „Soldaten Schweijk“ sind ebenfalls in der Schau zu sehen.

1930 nahm Georg Grosz an der Biennale von Venedig teil und seine Präsenz dort brachte ihm direkt eine Einladung als Dozent nach New York ein. Ausgereist ist er 1932; gerade noch rechtzeitig, denn er stand schon seit längerer Zeit unter Beachtung der SA, die kurz nach seiner Abreise seine Wilmersdorfer Wohnung stürmte.

Trotz großem Bekanntheitsgrad konnte er in den USA nicht von seiner Kunst leben. Grosz konnte allerdings weiterhin als Dozent an der renommierten Art Students Leage of New York unterrichten. James Rosenquist und Jackson Pollock zählten übrigens zu seinen Schülern. Weitere bekannte Maler dieser Schule waren Robert Rauschenberg, Jasper Johns oder Robert Indiana.

1936 fand in Berlin die Olympiade statt. Grosz war zu dieser Zeit schon im amerikanischen Exil. Es entstanden apokalyptische Bilder wie  « The Last Bataillon » : ausgemergelte Soldaten in zerfetzten Uniformen versuchen sich mit seltsamen Waffen durchzuschlagen. Aber an ihren Beinen hängen schon die Ratten. Eines der letzten Bilder in der Schau ein weiteres Amerika-Zeit-Bild  « Kain oder Hitler in der Hölle« . Blutrot der Himmel, blutrot Dantes Höllenfeuer. Kain-Hitler in Übergröße wischt sich über die müde, heiße Stirn vor einem erschreckend großen Skeletthaufen, von denen einige an seinen Beinen hochklettern wollen. Während Abel auf dem Bauch im Maul eines Drachens liegt. Nun war die Gefahr für Grosz eine andere geworden: nämlich die nukleare Bedrohung.

Irgendwann kam er dann wieder darauf zurück, was er ganz früher sein wollte, nämlich Landschaftsmaler. Die Dünen von Cape Cod zeigen aber auch diesen beunruhigenden Grosz-Stil und beruhigen  nicht wirklich.

Seine Werke wurden von den Nationalsozialisten aus den Museen entfernt oder vernichtet. Kurz vor seinem Tod 1959 ist Grosz nach Berlin zurückgekehrt.

Dr. Tobias Hoffmann, Ralph Jentsch, Inga Remmers haben die sehr interessante Ausstellung kuratiert, die noch bis zum 6. Januar 2019 ist diese sehenswerte Ausstellung noch  im Museum Bröhan zu sehen ist.

Christa Blenk

 

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Der Trafikant – Film

Der Trafikant

Robert Seethaler hat seinen gleichnamigen Roman 2012 veröffentlicht. Nun wurde Der Trafikant von Nikolaus Leytner verfilmt mit Simon Morzé als Franz Huchel, Bruno Ganz als Sigmund Freud und Johannes Krisch als Otto Trsnjek.

Der 17-jährige Franz Huchel wird vor Beginn des Zweiten Weltkriegs von seiner Mutter nach Wien geschickt. Sie kann ihn nicht mehr alleine durchbringen, nachdem Ihr Gönner Alois beim Baden vom Blitz erschlagen wurde. „Es stinkt hier, wahrscheinlich die Kanalisation“ sagt er zu einer Lotterieverkäuferin gleich nach Ankunft am Bahnhof in der österreichischen Hauptstadt. „Das ist nicht die Kanalisation, das ist die Zeit, die stinkt“, antwortet sie ihm.  Franz ist naiv aber lernfähig und kommt zu Otto Trsnjek. Dieser, ein Kriegsinvalide aus dem Ersten Weltkrieg, besitzt einen Trafik in Wien, bei dem Sigmund Freud seine Zeitungen und seine Zigarren kauft. Franz verliebt sich auf einem Rummel in die Tänzerin Aniezka und kommentiert mit Freud seinen Liebeskummer. Buch und Film spielen vor dem Hintergrund von Österreichs Anschluss an Deutschland im Nazionalsozialismus. Hauptthema ist die enge Freundschaft zwischen dem 82jährigen Freud und Franz, kurz bevor Freud im Juni 1938 nach London emigriert.

Der Film ist sensibel und traurig, theaterhaft bewegt er sich langsam durch ein fast idyllisches Wien und am Ende werden sowohl Otto als auch Franz von den Schergen abgeholt. Man mag es nicht glauben – aber eine Rettung ist nicht möglich.
cmb

 

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Berlin

Berlin

Aktuelles in Berlin

Auszug aus dem Berliner Kunstleben und Musikleben - *** MANTEGNA und BELLINI - Gemäldegalerie bis 30.06. - Flucht in die Bilder? Brücke Museum - Bunte Steine - seit dem 22.2. im Kolbe Museum - Hamburger Bahnhof - Emil Nolde - Pergamon-Panorama Angaben ohne Gewähr!

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eborja

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