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Eugen Onegin

Eisschmelze

 

Lyrische Szenen in drei Aufzügen hat Tschaikowskij dieses Werk genannt. Komponiert wurde die Oper 1878 – nach einem Versroman von Puschkin; sie kam 1879 im Moskau zur Uraufführung und zwar durch die Schüler des Moskauer Konservatoriums. Tschaikowski wollte unverbrauchte und unaffektierte Sänger für sein Werk. Die erste Aufführung vor großem Publikum kam erst zwei Jahre später und wurde ein großer Erfolg.

Lenskij ist ein junger, romantischer Dichter und in die freche, lebenslustige Olga verliebt. Deren Schwester Tatjana ist genau das Gegenteil: schüchtern und romantisch, liest sie Tag für Tag Liebesromane und wartet auf den Auserwählten. Den scheint sie gefunden zu haben, als  Lenskij seinen Freund und Dandy Eugen Onegin ins Landhaus der Gutsbesitzerin Larina mitbringt. Er macht sofort großen Eindruck auf Tatjana. Sie verliebt sich in ihn und schreibt ihm einen Brief. Er weist sie vornehm aber entschieden zurück. Tatjanas Geburtstag wird  mit einem großen Ball gefeiert und Onegin macht Olga den Hof und provoziert seinen Freund Lenskij. Es kommt zum Äußersten und Lenskij wird bei dem Duell getötet.  Onegin flüchtet ins Ausland. Jahre später kommt er zurück und merkt, dass Tatjana seinen älteren Freund, den Fürsten Gremin, geheiratet hat. Tatjana, nun eine selbstsichere Frau, weist Onegins Leidenschaft – die nun seinerseits erwacht ist – zurück und bittet ihn zu gehen. Sie entscheidet sich für ihren Mann.

Geschmeidig und romantisch Nicole Car als Tatjana. Für die Briefszene sitzt sie im Schneidersitz am Boden. Ein ihr ebenbürtiger Partner ist Etienne Dupuis mit seinem wohltönenden Bariton und verhaltener Arroganz, dem man die Wandlung vom Dandy zum leidenden Liebenden abnimmt. Matthew Newlin ist der feinfühlige und sensible Dichter Lenskij. Durch die Bank waren die Sänger sehr gut und perfekt für ihre Rolle.

Diese 50. Vorstellung seit der Premiere 1996 in der Deutschen Oper Berlin hat am 10. März 2019 Alexander Vedernikov dirigiert. Chor und Ballett meisterten wie immer großartig die schönen Choreinlagen und schwungvollen Tänze.

23 Jahre ist diese Produktion von Götz Friedrich alt und füllt immer noch das Haus. Die vorherrschenden Farben sind Weiß – Schwarz – Rot. Minimale und sehr schöne Bühnenbilder werden von rauschenden Ballszenen abgelöst. Ein Klassiker die Kirschplückszene mit dem Chor auf den Leitern.

cmb

 

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L’histoire du soldat

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„Man soll zu dem, was man besitzt, begehren nicht, was früher war. Man kann zugleich nicht der sein, der man ist und der man war. Man kann nicht alles haben. Was war, kehrt nicht zurück.“ (aus Geschichte des Soldaten)

 

Vor gut 100 Jahren wurde Igor Strawinskys (1882-1917)  „L’Histoire du Soldat“  (Die Geschichte des Soldaten) in Lausanne uraufgeführt. Zu diesem Zeitpunkt war er schon recht bekannt. Strawinsky kam 1910 nach Paris, brachte ein Jahr später das Ballett Petruschka auf die Bühne und wieder zwei Jahre später, 1913, das Skandalstück Le Sacre du Printemps.

Im Jahre 1918 lebt Strawinsky im Schweizer Exil und der einheimische Dichter Charles Ferdinand Ramuz schreibt ihm einen Text für ein Wanderbühnenstück für einen Vorleser und zwei Schauspieler, eine Tänzerin und sieben Musiker. Der Erzähler ist der Soldat und der Teufel, die Tänzerin ist die Königstochter.

Der Text wird in Gedichtform vorgelesen und von der Musik rhythmisch begleitet. Die erste deutsche Nachdichtung verfasste Hans Reinhart, seines Zeichens Bruder des Musikmäzens Werner Reinhart, der die Uraufführung im September 1918 in Lausanne ermöglichte. Dirigiert hat die Aufführung seinerzeit Ernest Ansermet. Kurze Zeit später hat Strawinsky die Geschichte des Soldaten für Geige, Klarinette und Klavier bearbeitet.

Krumme Töne, permanenter Rhythmenwechsel und Kindertrompeten assoziieren Zirkuszelt-Ambiente wie wir sie aus dem  Ballett Petruschka kennen. Der Komponist bedient sich hier bei Heimatmelodien, integriert Jazztöne, Walzer oder Tangofragmente. Das Stück hat nichts an Aktualität eingebüßt. Ein Miniatur-Faust mit ganz großer Wirkung. Ernst Bloch nannte das Stück einen „verlumpten Faust“.

Der Manegenzauber dieser Musik lässt aber trotzdem die Kriegsgeräusche des Ersten Weltkrieges nachklingen. 1918 waren unzählige Soldaten auf  dem Weg nach Hause und viele gingen dabei durch die Hölle, ohne dem Teufel zu begegnen.

Strawinskys Soldat begegnet und verfällt ihm: Der Soldat hat 14 Tage Urlaub und macht sich auf den Weg nach Hause zu seiner Mutter und seiner Braut, deren Foto er bei sich trägt. Unterwegs wird er vom Teufel in Gestalt eines alten Mannes angehalten und von ihm überredet seine Geige gegen ein Buch einzutauschen, das ihm Ruhm und Reichtum verspricht. Die einzige Bedingung ist, drei Tage im Hause des Teufels zu bleiben und ihm das Geigenspiel beizubringen. Er wird gut bewirtet und untergebracht und merkt nicht, dass die drei Tage drei Jahre werden. Kommt schließlich nach Hause wo ihn Alle für ein Gespenst halten und seine Braut Mann und zwei Kinder hat. Was tun? Jetzt kommt das Buch ins Spiel und der Soldat wird dadurch mächtig und reich aber unglücklich. Er irrt durch die Welt und kommt an einen Königshof, dort will er die kranke Tochter mit seinem Geigenspiel heilen. Er macht den Teufel betrunken und gewinnt beim  Kartenspiel die Geige zurück, heilt die Tochter und bekommt sie zur Braut. Nach Hause darf er aber nicht mehr. Dann kommt natürlich die Verlockung ins Spiel, seine Braut will sehen wo er herkommt. Ungern gibt er nach und auf dem Weg dorthin holt ihn wohl der Teufel!

Gestern Abend im Rahmen eines Strawinsky Festivals im Konzerthaus dauerte das Stück 75 Minuten. Der Schauspieler war Uwe Topmann, die Königstochter Isa Weiss. Am Pult Miguel Pérez Iñesta. Das Ganze eine Produktion des PODIUM Esslingen.

Interessante Aufführung.

cmb

 

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Le Passage du Gois

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Le terme « Gois« , vient du mot « goiser » qui signifie en patois local: « marcher en mouillant ses sabot »

Le passage du Gois est une route submersible d’un peu moins de 5 km dans la baie de Bourgneuf. Elle n’est praticable qu’à la période de basse mer. Il relie l’ile de Noirmoutier au continent. A marée haute, la mer recouvre la route sur une hauteur qui peut atteindra quatre mètres. Lorsque la mer monte, les flots encerclent l’île de Noirmoutier.

Il y a plus de mille ans, la rencontre de deux courants marins opposés qui contournent l’île de Noirmoutier, donnent naissance à un banc de hauts-fonds sableux qui s’ancrent sur des écueils rocheux. Les marins le nomment le Pé, mot emprunté au latin podium, hauteur. Au commencement du 18ème siècle ce passage reliant le continent à l’île est pour la première fois mentionné sur une carte géographique.  En 1766,  selon la tradition orale, Pierre Gauvrit aurait traversé à cheval pour la première fois le Gois. Pendant la Révolution, les royaliste se sont réfugiés sur l’île lors de la guerre de Vendée.

Vers 1840, une ligne régulière est assurée par une voiture à cheval. En 1930, l’ingénieur Louis Brien fait élever trois balises à hunes et six balises, dites « mâts de perroquet »  (tous les cinq cents mètres) comme sécurité aux piétons comme aux automobilistes surpris par la marée. Aujourd’hui, malgré de très nombreux panneaux indiquant les horaires de marée, il y a chaque année des incidents, mais très rarement mortels.

Les pêcheurs à pied garent leur voiture en empruntant ce passage s’ils ne veulent pas abîmer leur moyen de locomotion ou s’enliser. Le Gois est une partie de l’ancienne route nationale 148 qui reliait Noirmoutier à Limoges, devenue aujourd’hui la départementale 948. Depuis 1942 le Gois et ses dépendances sont inscrites à l’inventaire des monuments historiques.

cmb

Text über den Gois in deutscher Sprache

 Palourdes vom Gois

Salz von Noirmoutier

 

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Fernand Khnopff im Pariser Petit Palais

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 Ausstellungsplakat vor dem Petit Palais

 

Le maître de l’énigme (Meister der Rätsel)

Der „Décadentisme“ oder die „Fin-de-siécle“-Bewegung entstand um 1880 als Widerstand gegen die nüchternen Errungenschaften der Wissenschaft und den technischen Fortschritt; beide raubten der Welt ihre Geheimnisse und Mysterien. Die impressionistische Malerei ging in die Natur, verließ intime Innenräume, die Musik erlebte um 1900 radikale, klangliche und rhythmische Erweiterungen  und die naturalistische Literatur besann sich darauf, die Leiden der nicht-privilegierten Gesellschaftsschichten zu beschreiben. Überall bewegte man sich auf Glatteis und Errungenschaften des Adels und gebildeten Bürgertums schienen nicht mehr zu gelten. Bewusster Realitätsverlust sollte verträumte, kitschige Stimmungen und die Vergangenheit wieder aufleben zu lassen. Es entstanden Gruppen wie die Präraffaeliten oder die Nabis.

1886 veröffentlichte der Franzose Jean Moréas das „Symbolistische Manifest“. Der Symbolismus breitete sich in Europa, vor allem aber in Belgien schnell aus, während in Österreich Klimts Jugendstil das Sagen hatte.  Kunst sollte nur Schöpfung oder Kreation und nur sich selbst verpflichtet sein. Als Muse wurde der französische Dichter Charles Baudelaire erkoren und dessen Werk  „Die Blumen des Bösen“ (Les fleurs du Mal) wurde zur Bibel. Weltschmerz und Zukunftseuphorie im ausgehenden 19. Jahrhundert waren nahe beieinander wie Tod und Leben. Der Mann wurde zum frivolen Dandy und die Frau zur dämonischen femme fatale.

Fernand Khnopff (1858-1921), Dandy, Snob, Abkömmling einer gut bürgerlichen Juristen-Familie aus Brügge, schwamm und träumte mittendrin. Bis zu Beginn des Ersten Weltkriegs der Traum wirklich zum Alptraum wurde.

Khnopff könnte durchaus im Frack an der Staffelei gestanden haben. In Brüssel hat er sich eine Art Heiligenschrein bauen lassen, seinen „Tempel des Ich“, wo er seinem Lieblingsgott, Hypnos, huldigen konnte.

Die Werkschau will die Atmosphäre der Villa Khnopff in Brüssel wiedergeben. So betritt der Besucher die Ausstellung durch das nachgebildete Portal dieses palastähnlichen, egozentrischen Hauses. Man weiß nicht sehr viel über ihn oder sein Leben – er hat es verstanden, auch daraus ein Geheimnis zu machen. Fasziniert war er von den Schriftstellern wie Mallarmé oder Rodenbach. Letzterer bekannt für das chef-d’oeuvre des Symbolismus: „Bruges-la-Morte“.  Auf Rodenbachs Wunsch hat Khnopff 1892 den Einband für das Buch entworfen. Er zeigt eine Ophelia mit langen, romantischen Haaren. Im Hintergrund ist eine Brücke über einen Kanal und Bürgerhäuser zu sehen. Der Komponist Erich Wolfgang Korngold hat über 25 Jahre später die Oper „Die tote Stadt“ aus diesem Stoff  komponiert.

Fasziniert sein Leben lang vom chthonischen, griechischen Schlafgott Hypnos, ist Khnopff der Meister der traumdeuterischen Malerei geworden. Für ihn war der Schlaf „das Perfekteste was unsere Existenz zu bieten hatte“. Es geht hier um den betörenden, geborgenen und behüteten Schlaf, jedenfalls auf den ersten Blick, ob daraus allerdings ein Nachtmahr voller Chimären werden sollte, bleibt dem Betrachter überlassen.

Khnopp, eigentlich Student der Rechtswissenschaften, kam in Brüssel über Galerie- und Salonbesuche zur Malerei. Weiterhin beeinflussten ihn Odilon Redon, Ingres, Delacroix oder James Ensor und natürlich Gustav Klimt. Mit ihm und Josef Hoffmann arbeitete er zu Beginn des 20. Jahrhunderts am Palais Stoclet in Brüssel im Stil der Wiener Secession. Seine großen Vorbilder waren allerdings die englischen Präraffaeliten Edward Burne-Jones und Dante Gabriel Rossetti, deren Arbeiten er auf der Pariser Weltausstellung 1878 entdeckte. Sicher kannte er die Arbeiten der deutschen Nazarener-Gruppe, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Wien und Rom die Renaissance-Vergangenheit heraufzubeschwören versuchte .

Um 1600 ist seine Familie von Wien in die südlichen Niederlande gekommen. Erst mit 20 Jahren schrieb sich Khnopff an der Brüsseler Kunstakademie ein. Die ersten Werke waren naturalistische Landschaften oder Portraits.  1884 nahm er zum ersten Mal auf dem Pariser Salon teil und wurde sofort zum Liebling der Bourgeoisie. In den Jahren bis 1890 malte er 34 Portraits, immer wieder stand ihm seine Schwester Modell, mit ihr wohnte er auch bis zu seiner Heirat zusammen.

Vor 40 Jahre waren Khnopffs Arbeiten zum letzten Mal in Paris zu sehen. In Deutschland so gut wie gar nicht.  2004 gab es eine umfangreiche Ausstellung in Brüssel und Salzburg. Viele seine Werke sind in Privatsammlungen und aufgrund der Empfindlichkeit dieser ist es schwierig, sie zu transportieren. Eines seiner Hauptwerke und überhaupt eines seiner größten Arbeiten, das Gemälde  „Memories“ ist aus diesem Grund nicht nach Paris gekommen, es wird aber umfangreich und hinlänglich besprochen und mit Skizzen, Zeichnungen und Fotos dokumentiert.  Hier ist der Einfluss der gerade um sich greifenden Fotografie erkennbar, obwohl Khnopp diesen bei seinen Werken gerne geleugnet hat.  „Memories“ entstand 1889. Sieben junge Frauen der besseren Gesellschaft haben wohl gerade ihr Tennisspiel beendet. Die Lichtverhältnisse vermitteln eine Spät- Nachmittags-Stimmung. Sie stehen teilnahmslos und unabhängig einfach nur so auf dem Rasen, mit dem Tennisschläger in der Hand. Sie kommunizieren nicht miteinander, besprechen nicht freudig den Tag im Freien, das Erlebte oder feiern die Gewinnerin. Nein, ihre großen, kantigen Gesichter blicken ins Leere, ihre Hände oder Körper berühren sich nicht. Sie stehen da, wie eine Ballettgruppe, die auf den Choreografen wartet, um zu erfahren in welche Richtung sie sehen oder gehen oder was sie tun sollen. Vielleicht warten sie aber auch, in Teams eingeteilt zu werden und fangen gerade erst an zu spielen. Ein Ball ist nicht zu sehen und die Schläger wirken wie Dekor. Nicht einmal besonders sportlich sehen sie aus und ähneln Puppen, die nur unterschiedlich gekleidet sind: kein Wunder, seine Schwester hat für alle Sieben Modell gestanden. Ferdinand Hodler hat auch solche Gruppenbilder gemalt, bei denen kein Zusammenhang zwischen den Personen zu vernehmen ist.

Memories hängt im Musées Royeux des Beaux-Arts in Brüssel  und ist eigentlich auch nur wieder das Portrait einer Person. Personen, allein und verloren  im Bild, waren seine Lieblingsmotive.

 „I lock my door upon myself“ (ich schließe mich in mich selbst ein) entstand 1891. Es gehört der Neuen Pinakothek München. Khnopff, der ein großer Bewunderer des Aesthetic movement war, hat es nach einem Gedicht von Cristina Rossetti – die Schwester des Mitbegründers der Gruppe gleichen Namens – gemalt. Das Bild ist eine Allegorie der Einsamkeit inmitten von verdorrten Blumen. Es hat etwas morbides, verdorbenes, unheimlich trauriges und beschreibt den feinfühligen Defätismus, der Khnopff umgab. Eine Untergangsstimmung, die in vielen seiner Werke zu finden ist. Das bekannteste Bild von ihm  „L’art ou Des caresses“ (Kunst oder Die Liebkosungen) entstand fünf Jahre später. Darauf umarmt ein liebliches, androgynes Mädchen einen hermaphroditischen Geoparden mit gelocktem Frauen-Rotschopf. Beide Köpfe ähneln sich. Das Bild hängt im Musée Royeux des Beaux Arts Brüssel und ist eines der wenigen großflächigen Bilder, bei dem Körperkontakt besteht und das Bild des Symbolismus schlechthin.

Ab 1890  war Khnopff regelmäßig in London und mit dem Aesthetic Movement in Berührung. Die neuen Kunsttendenzen zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind an ihm vorbeigelaufen. Er hat sich nicht wecken lassen, weder vom Kubismus noch vom Futurismus und auch nicht von den Expressionisten.

Wie hypnotisiert und vom Schlafgott Hypnos eingefangen  blicken die Frauen aus den Bildern mit großen Gesichtern. Man bekommt den Eindruck, dass er sich nie entscheiden konnte, ob er einen Mann oder eine Frau malen sollte.  Die Frauen oder Personen auf seinen Bildern blicken mit Nosferato-Augen wie durch eine Nebelschicht aus dem Bild heraus – frontal direkt auf den Betrachter gerichtet aber durch ihn hindurch.  Nebelschleier waren in Flandern sicher an der Tagesordnung und sorgen für diese entfernte Stimmung, oder das eingeschlossene der Gesichter, wie zu eng geratene Bilderrahmen. Bei Klimt oder von Stuck ist dies auch zu erkennen. Für Le Masque au rideau noir stand auch Schwester Marguerite Modell. Es ist 26,5 x 17 cm groß und aus einer Privatsammlung. Wie ein  Gespenst irrlichtet sie durch Khnopffs Werk. Auch nach seiner Hochzeit bleibt sie sein Gesicht. Er hat sie idealisiert. 1887 hat er von ihr ein Ganzkörperportrait erstellt. Dort steht sie wie eine weiße Karyatide, eingezwängt in einen Türrahmen mit verschobener Perspektive. Was wohl Freund hierzu gesagt hätte (der Wiener Tiefenpsychologe befasste sich in dieser Zeit vor allem mit der Hypnose)?

Das Triptychon Solitude besteht aus drei ca 150 x 45 cm großen Frauenkörpern: In der Mitte unnahbar, kalt, androgyn, schwarz gekleidet mit einem Schwert Solitude, flankiert von zwei Figuren aus dem Gedicht „The Faerie Queene“ von Edmund Spenser (1590). Auf der einen Seite Britomart, die keusche Kriegerin in einer Rüstung und auf der anderen Seite Acrasia, lockende, schöne Verführerin, nackt nur vom roten Haar oder einem transparenten Schleier entkleidet. Das Triptychon ist nur hier in der Ausstellung zusammen, ansonsten sind die Drei getrennt. Die Gemälde entstanden zwischen 1890 und 1892 und hängen im Musée Royaux des Beaux-Art de Belgique (Acrasia), in der Sammlung der Fondation Neumann, Gingins (Solitude) und in einer Privatsammlung (Britomart).

Auch aus der Mythologie bediente Khnopff sich gerne. „Sleeping Medusa“ (1896) zeigt den Kopf eine schlafenden Frau auf einem Adlerkörper; zwei Jahre später nahm er mit Le Sang de Médusedas Medusa-Thema nochmals auf. Diesmal sieht man nur Medusas Kopf mit Schlangenhaar, wieder sind ihre Augen geschlossen und ihr Kopf nimmt 2/3 des Bildes ein (21,2 x 13,4 cm). Die Gelb- und Grautöne werden nur von der goldenen Explosion unten rechts unterbrochen, als Pegasus aus dem Blut der Medusa entsteht.   

Khnopffs Landschaften erzählen von früher, sind Erinnerungen, vor allem an seine Ferien in Fosset oder die Kindheit in Brügge.  Auf ihnen erkennt man seine Bewunderung für die alten Flamen wie Memling, aber auch ein Einfluss von Vermeer kann nicht verleugnet werden.

Ein Bild heisst „Schumann hörend“ und zeigt den Schmerz und Kummer der in sich versunkenen Zuhörerin – dieses Mal war seine Mutter das Modell.  Es gibt ein ähnliches Bild von James Ensor „La musique russe“ das zwei Jahre vorher entstand und ihm wohl als Inspirationsquelle diente. Ensor war darüber nicht gerade beglückt und bezeichnete Khnopff als Plagiator, zumal die Bilder gleichzeitig im avantgardistischen Salon  XX – den beide mitbegründeten – gezeigt wurden. Die Beziehung der ehemaligen Freunde war für immer zerstört.

 

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 Portrait von Marguerite (hier steht sie als Karyatide in der Eingangshalle des Petit Palais),
 Ausstellungsraum und Eingang zur Ausstellung

 

Fernand Khnopff kannte keine Berührungsängste, arbeitete auch als Journalist und Dichter, Bilderhauer und Bühnenbildner.  1903 entwarf er die Kulissen für das Rodenbach Stück Le Mirage im Auftrag des Deutschen Theaters Berlin unter der Regie von Max Reinhardt.

Khnopff zählt zu den belgischen und europäischen Hauptvertretern des Symbolismus. Zu sehen sind meist zarte Arbeiten, ruhige, melancholische Landschaften, einsame Portraits, Traumwelten seiner Jugend oder Urlaubserinnerungen. Er selber wohnte lange bei seiner Mutter und seine Schwester Marguerite war sein Lieblingsmodell. Er hat bis zu seiner späten Heirat mit ihr gelebt, hat sie verkleidet, drapiert und idealisiert.  Ob die Beziehung der Beiden inzestuös war, weiß man nicht.  

Mit dem Pariser Petit Palais hat man einen perfekten Ort für diese Ausstellung mit ca. 150 Exponaten gefunden. Bis zum 17. März ist sie noch zu sehen. 

Die Schau entstand in Kooperation mit den Königlichen Museen der Schönen Künste in Brüssel. Michel Draguet, Direktor des Musées royaux des Beaux-Arts de Belgique, Christophe Leribault, Direktor des Petit Palais und Dominique Morel vom Petit Palais haben diese sehr informative und umfangreiche Werkschau über Leben und Wirken des Künstlers zusammen gestellt. Die Exponate kommen aus Brüssel, anderen europäischen Museen oder (belgischen) Privatsammlungen. Sehenswert auf jeden Fall!.

Christa Blenk

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Symbolismus-Ausstellung in Mailand

Präraffaeliten

 

 

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Martha Argerich und Daniel Barenboim in der Philharmonie

Das V Abonnementkonzert am 25. Februar 2019 wurde von Martha Argerich und  Daniel Barenboim bestritten und sorgte – wie soll es auch anders sein – für ein volles  Haus. Das Programm war so zusammengesetzt, dass immer ca. 100 Jahre zwischen den jeweiligen Werken lagen, die  – wie Zeitzeugen das tun – die jeweilige Welt erklären und beschreiben.

Die Sinfonie in h-Moll Nr. 8 – „ Unvollendete“ von Franz Schubert (1797-1828) leitete das Konzert ein. Sie entstand 1822. Es werden generell nur zwei Sätze gespielt, da von den anderen nur minimale Ansätze oder Fragmente erhalten sind.

Sergej Prokofjew (1891-1953) komponierte das  Klavierkonzert Nr. 3 zwischen 1917-1921. In diesem Jahr fand auch die Uraufführung in Chicago statt. Es gilt als Prokofjews übersichtlichstes Klavierwerk, ist voller musikalischer Inspirationen, weich und brillant und sehr beliebt. In Chicago kam es nicht gleich zum großen Durchbruch, dieser  kam dafür ein Jahr später in Paris mit dem Maestro selber am Klavier.

Martha Argerich und Daniel Barenboim sind fast gleichaltrig, ihre Mütter waren befreundet und sie kennen sich schon über 50 Jahre – aus der Argentinien-Zeit. Gemeinsam haben sie als Kinder Celibidache vorgespielt. Und gemeinsam spielen tun sie immer noch gerne, wie auch gestern Abend, als sich zusammen für die Zugabe ans Klavier setzten und etwas aus der Bizet Suite „Kinderspiele“ vortrugen. In der Philharmonie ist dieses Musiker-Paar schon öfters gemeinsam aufgetreten.

Nach der Pause ging es weiter mit Jörg Widmanns (*1973) – Babylon Suite für großes Orchester.

Jörg Wittmann ist vor allem als Klarinettist bekannt und hat schon mit vielen großen Dirigenten auf der Bühne gestanden. Darunter Kent Nagano, Christoph Eschenbach, Simon Rattle  oder Daniel Barenboim. Komposition studierte er u.a. bei Hans-Werner Henze und Wolfgang Rihm.

Die Babylon-Suite entstand nach seiner 2012 entstandenen Oper « Babylon » (diese wird im März in der Staatsoper aufgeführt) nach einem Libretto von Peter Sloterdijk. Die Bayerische Staatsoper brachte sie 2014 zu Uraufführung. In sieben Bildern wird die sagenumwobene Stadt Babylon beschrieben und ein großartiges Sprachen- bzw. Notenwirrwarr ist dieses Werk allemal. Hier tummeln sich die bekannten Musikstile oder Rhythmen und Widmann scheut nicht zurück, sich von allem zu bedienen. Es ist ein cross-over von Welten, Kulturen und Religionen neben- über- und untereinander: Zeitgeist pur! Die Zahl 7 spielt dabei auch eine Rolle.

Das Grafenegg Festival hat die Suite 2014 in Auftrag gegeben. Die Zutaten aus der Oper finden sich hier wieder (Bilder 1,3,5,6 und 7). Widmann hat allerdings die Übergänge und Zusammenschnitte neu gestaltet. Im Großen geht es um die babylonische Priesterin Inanna und Tammus Liebe zu ihr. Inanna ist frivol, leichtlebig und  sie lockt durch Vibraphon oder Glockenspiel, Tammu zaudert, sie macht sich lustig über ihn, belächelt ihn. Dann kommt das melodische Liebeslied das – von den Trommeln eingeleitet – in einen deftigen Bayerisch-babylonischen Marsch übergeht und Oktoberfest-Gefühle hervorruft. Eine gewollte Motivwiederholung mündet in ausgelassene Karnevalsmusik, die zu Jazzrhythmen übergeht und dann exotisch-orientalisch wird, bis ein Walzer Inanna in die Unterwelt wirbelt. Die Geschichte endet aber dann doch positiv und ein neuer Vertrag soll das Zusammenleben von Menschen und Göttern gerechter und unparteiisch regeln.

Man kommt gar nicht mit, so schnell ändern sich Stimmungen, Musik und Rhythmen. Es macht großen Spaß dies zu hören und jetzt freut man sich noch mehr auf die Oper in drei Wochen. 

cmb

 

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Haußmanns Staatssicherheitstheater

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Mit Haußmanns Staatssicherheitstheater gräbt Leander Haußmann den „Schrebergarten der Stasi“ um, inszeniert eine Komödie über den Verrat, die große Stunde der Dilettanten, den Wert der Kunst und die Stasi als verlängerten Arm der kleinbürgerlichen Mittelmäßigkeit. Nach Hauptmanns Einsame Menschen, Plenzdorfs Legende von Paul und Paula und Ibsens Schloss Rosmersholm kehrt Leander Haußmann mit dieser Uraufführung zurück an die Volksbühne. (Quelle: Volksbühne).

Das Bühnenbild (sehr gelungen) von Lothar Holler ist ein dreistöckiges Haus ohne Wände und alles was passiert, wird festgehalten: sei es  über Video oder Tonband. Es gibt ein Büro (das von Erich), eine Kneipe, ein Schlafzimmer, ein Wohnzimmer, Treppen rauf und runter  und eine Dachterrasse auf der Wäsche zum Trocknen hängt – und das Publikum ist immer mit dabei. Einmal sieht es sich sogar auf dem Bildschirm selber.

Der Schriftsteller Ludger Fuchs outed sich dem Publikum gegenüber als unverbesserlicher und chronischer Lügner, während seine Frau Ramona zu Hause in der Stasi-Akte außer alten Fotos auch Liebesbriefe von ihm an eine Andere findet, die er schon kurz nach der Hochzeit geschrieben hat. Er kommt nach Hause, sie zetert und da hilft ihm auch seine langjährige Lügenerfahrung nicht mehr aus der Patsche und er resümiert:  „Da schafft es die Stasi nun doch noch, uns auseinanderzubringen.“

Dann geht es zurück in die Stasi-Vergangenheit. Es wird viel herumgebrüllt und monologisiert.

Die Bohème am Prenzlauer Berg um das Viertel LSD (Lychener/Schliemann-/Dunckerstraße), gerät immer mehr aus den Fugen und aus den Griffen des Ministeriums für Staatssicherheit. Sie sind nicht mehr zu kontrollieren und schaffen unerklärliche Kunst.  So wird kurzerhand eine Sondereinheit gegründet und bewährte (oder nicht bewährte) Mitarbeiter werden zu Künstlern geschult und werden selber zur Avantgarde. Das passiert in lauwarmen déjà-vu slapstick Szenen und bewährten Lacheinlagen. Zwischendurch wird immer wieder gesungen, manchmal auch gut, aber der Abend zieht sich lange hin.

Im autobiografischen Programmheft erfahren wir von einer dokumentierten IM-Denunziationen von 1987 aus dem Theater Gera, über ihn und seine Schauspielfreunde, die im Stück auch eine Rolle spielen.

Mit: Uwe Dag Berlin, Antonia Bill, Waldemar Kobus, Horst Kotterba, Matthias Mosbach, Christopher Nell, Silvia Rieger, Eric Spiering, Norbert Stöß und Lennart Hillmann, Karl Schaper, Daniel Felix Adolf (Studenten der Hochschule für Schauspielkunst « Ernst Busch »), sowie Sir Henry (Piano), Herman Herrmann (Gitarre), Elise Brehmer (Cello), Oscar Stöß (Trompete)

Die Uraufführung fand  am 14. Dezember 2018 statt.

cmb

 

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Foodcolour and Art – Nadine Ajsin

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Nadine Ajsin in der Galerie Makowski bei ihrer ersten Einzelausstellung
mit dem Bild „The Guitar“  - © Christa Blenk
 

Artikel für KULTURA EXTRA

Himbeer-Regenbogen in der Labor-Küche

„Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende“ (Demokrit um 400 v.C. )

Nadine Ajsin hat vor zwei Jahren ihr Leben und Künstlerleben komplett umstellen müssen, als sie nach einer schwerwiegenden Kohlenmonoxid-Vergiftung chronische Allergien auf  Acryl- und Ölfarben, Duftstoffe oder sonstige Chemikalien, die eine Künstlerin für ihre Arbeit braucht, entwickelte. Die zweifache Mutter, die mit ihrer Familie in der Nähe von Mannheim lebt und in Heidelberg Kunst studiert, kann nur mit Atemmaske am öffentlichen Leben teilnehmen. Aber: Not macht erfinderisch!  So entstand die Idee, mit Lebensmittelfarben zu malen. Da diese aber recht schnell vergammeln oder Schimmel ansetzen, musste sie eine Lösung finden, ihre Arbeiten haltbar zu machen. Jetzt kommt ihre Spiegelreflex ins Spiel. Die Künstlerin fotografiert also ihre essbaren Kunstwerke und lässt sie anschließend großformatig als Echtfotoabzug in Ultra HD auf Alu Dibond drucken. Allerdings legt sie großen Wert darauf, dass jedes Bild – trotz dieser Technik –  ein Unikat ist; auf dem Computer bessert sie höchstens mal einen Farbton nach oder korrigiert die Schärfe.

Das alles hat vor weniger als einem Jahr begonnen. Die Kunstwelt hat auf ihre mutige und einfallsreiche Idee recht positiv reagiert und Ajsin ist seitdem zu verschiedenen internationalen Kunstmessen eingeladen worden. So waren ihre Werke auf der Art Fair Zürich oder auf der Kunstmesse Leipzig zu sehen. Auf der Red Dot in Miami war sie mit zwei großen Werken vertreten.    

Ihre Küche wird zum Labor-Atelier und die Zaubersprüche findet sie auf einem Marmeladenbrot, Wassereis oder im Nudelwasser. Denn wenn dieses übersprudelt, entstehen individuelle, aleatorische und nicht reproduzierbare, flüchtige Formen die entschwinden, sobald der Wischlappen zum Einsatz kommt. Aber die Künstleraugen haben die Formen registriert und so entstehen knallige, gegenstandslose Arbeiten. Diese spontane und zufällige Formauflösung lässt nur noch Farben zu. Ajsin ist ein action painter mit einem Hauch Art brut und muss sich weder an Regeln, vorherrschende Stile oder Protokolle halten, wie das auch schon die Maler zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht getan haben.  Ein leeres Blatt erobert sie sich, in dem sie persönliche Stimmungen oder Gefühle einfach aus sich heraus sprudeln lässt. Erst wenn sie entscheidet, dass das Werk fertig ist,  kann sie aus dem Raum gehen und sich anderen Dingen zuwenden. Deshalb fühlt sie sich auch zu Künstlern wie Dietmar Brixy oder dem Künstlerduo Herakut hingezogen aber auch Branskys provokative Schredder-Aktion fasziniert sie.

Ihre Farbpalette riecht nicht nach Ölfarben oder Spiritus sondern nach Himbeeren, Zitronen oder Pflaumen. Die Zutaten für ihre Gemälde holt sie sich nicht aus einem Künstlerzubehörgeschäft sondern aus dem Bioladen oder aus dem Supermarkt. . Lebensmittelfarben sind unkompliziert und lassen sich ganz leicht mischen. Mit Pinsel unterschiedlicher Größen oder auch mit ihren Fingern trägt sie die Azo-freien Lebensmittelfarben auf große Geschirrplatten, Obstteller oder andere glatte Oberflächen auf. Die meisten Werke sind gegenstandslos. Das Bild The Guitar (150 cx 100 cm) hingegen ist eines ihrer wenigen Bilder im Längsformat; sie hat es  für einen Musikerfreund entworfen.

Nadine Ajsin ist naturverbunden und sieht und riecht überall bunte Blumen. Ihre Allergien verhindern praktisch größere Reisen. Sie lernt die Welt durch ihre Arbeiten kennen und wenn ein Bild von ihr in Miami ausgestellt wird, dann ist sie in Gedanken mit dabei. Natur, Freiheit, Ursprung, Unendlichkeit sind ihre Maxime. Sie ist eine lebensbejahende Optimistin und drückt das mit den Knallfarben aus, obwohl die leidenschaftlichen Blüten nicht nur an Georgia O’Keefes nahsichtige Blumenmotive sondern auch an fleischfressende Gewächse denken lassen, die sie paradoxerweise mit essbaren Farben malt. Das Begehen von unbekannten Wegen bedeutet für Ajsin auch eine Reise ins Vertrauen. Nadine Ajsin ist eine Frau, die – um mit Fontanes Worten zu sprechen – ein Dutzend Austern bestellt, in der Hoffnung, sie mit der Perle, die sie darin findet, bezahlen zu können.

Manche ihrer Arbeiten bewegen sich weg von der berauschenden, farbenprächtigen karibischen oder asiatischen Flora und Fauna. Einige ihrer Werke wirken wir Riesen-Vergrößerungen eines Mikroorganismus, den man  durch ein Reagenzglas in Vergrößerung betrachtet. Es sind ungehemmte Farbkombinationen und Klekse unter dem Mikroskop. Vielleicht spielt ihr hier das Unterbewusstsein einen Streich, denn bedingt durch ihre Allergien, hat sie so einige Krankenhausaufenthalte hinter sich. Aber auch diese Bilder vermitteln keine dramatischen Situationen, es sind eher fröhlich tanzende und sich amüsierende Einzeller, bunte Organismen.   Ahmt hier die Kunst das Leben nach oder das Leben die Kunst. Diese Frage hat sich Oscar Wilde schon gestellt.

Wenn man ihre Kunstwerke einem Stil zuordnen möchte dann wäre das ein individueller, abstrakter, informeller Neo-Expressionismus. Die Farben fließen wie zarte Rinnsale ineinander, trennen sich und vereinen sich schließlich zu wuchtigen, kompakten Farbflächen. Sie fängt den Zauber mit ihrer Farbpalette ein und wer weiß – ihre Kinder essen himbeerfarbenen Spinat vielleicht genauso gerne wie Eis am Stiel.

Nadine Ajsins Kunst ist noch ganz am Anfang, aber das Potential, den Mut und die Kraft einer originellen Künstlerin hat sie allemal.

Beyond The Horizon titelt ihre erste Solo-Show in Berlin, zu der sie mit ihrer Familie im Zug angereist ist. Die Schau ist noch bis zum 7. März 2019  in  der Galerie Makowski in der Friedrichstraße zu sehen. Anschließend werden einige ihrer Bilder zur Art Fair nach Bath reisen, dann nach New York und schließlich von dort zur Asia Contemporary Art Show nach Hong Kong. Nadine Ajsin wird  in Gedanken mit dabei sein.

 

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Besucher in der Galerie Makowski am Tag der Vernissage

 

Christa Blenk

 

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Bunte Steine – Kolbe Museum

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Garten im Kolbe Museum

Seit dem 23. Februar 2019 stellt das Kolbe Museum drei lebende Künstler aus drei Generationen vor, die sich mit dem Konzept « Stein » befassen. Der britische Bildhauer William Tucker (*1935) formt Bronzekörper, die wie riesige Steine oder Felsbrocken aussehen. Sie heißen « Ikarus », « Golem » oder « Homage to Rodin » und sind in den 1990er Jahren entstanden.

William Tucker wurde in Kairo geboren und lebt und arbeitet  heute in New York. In den 1970er Jahren gehörte er der Gruppe „New Generation“ an, die eine wichtige Wegbereiter-Rolle bei der abstrakten Skulptur inne hatte. 1968 war er Teilnehmer an der documenta IV. Seine Arbeiten sind wuchtig-poetisch und lassen Figuration auf jeden Fall erahnen. Als Ganzes sind die Werke abstrakt aber voller Ecken und Kurven, die die Phantasie ankurbeln.  Tuckers Steinbrocken sehen aus, als ob die Natur so geschaffen hätte, die Namensgebung spricht aber von seiner Intervention. Naturverbundene Figuration, menschliche Torso- oder Kopf-Formen.

Mit Glas arbeitet der Berliner Künstler Kai Schiemenz (*1966). Er experimentiert mit farbigem Glas. Die hier gezeigten  Arbeiten erinnern an die transparenten Fenster in Treppenhäusern oder in modernen Kirchen. Während er früher  Skulpturen schuf, die begehbar waren, haben seine bunten Glassteine  etwas körperlich-architektonisches. Diese eher ready mades wirken trotzdem kalt und stehen im krassen Gegensatz zu den natürlichen, anfassbaren Skulpturen von Tucker.

Der Dritte im Bunde ist der in der Schweiz geborene und in Leipzig arbeitende Maler Stefan Guggisberg (*1980). Guggisberg befasst sich in seinen Bildern mit Mauern, Menschen oder Steinen. Die Formen auf seinen hier ausgestellten blauen (Meeres)Bildern sehen aus wie Muscheln oder Meerestiere aus Kapitän Nemos « Nautilus ».

Es ist nicht leicht, die Verbindung zwischen den Skulpturen und den Bildern herzustellen und Tuckers Werke verlieren an Kraft in Verbindung mit den anderen gezeigten Arbeiten.

 

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Ausstellungsräume (Schiemenz, Guggisberg und Tucker)

 

Die beiden Kuratorinnen der Ausstellung, Katherina Perlongo und Dr. Elisa Tamaschke, haben sich bei diesem Konzept an die Steinsammlung von Adalbert Stifter angelehnt. 1853 erschien sein Geschichtenband « Bunte Steine »; in ihm tauft er seine Erzählungen mit Steinnamen wie Granit, Bergkristall oder Turmalin. 30 Arbeiten sind zu sehen und die Ausstellung läuft noch bis zum 1. Mai 2019.

Im Keller des Museums sind derzeit Kolbes Köpfe zu sehen.

Das Café K lohnt ebenfalls immer einen  Ausflug ins Westend.

cmb

 

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Göteborger Symphoniker mit Alice Sara Ott

Das Schwedische Nationalorchester gab am vergangenen Dienstag (19.02.2019)  in der Philharmonie ein Gastkonzert.

Auf dem Programm stand eine neue und sehr wuchtige Komposition von Daniel Nelsen « Steampunk Blizzard ». Das Orchesterstück dauert sieben Minuten und ist rhythmisch auf jeden Fall eine große Herausforderung. 5er und 7er Takte wechseln sich ab. Spannend und mitreißend entstand Steampunk Blizzard als Auftragswerk für das Orchestre National d’île de France. Es wurde im Januar 2017 in Paris uraufgeführt.  Er vereinigt hier zwei Begriffe, die die Industrialisierung beschreiben, vor allem die Erfindung der Elektrizität und so hört es sich auch an. Eine Mischung aus Vergangenheit und Science Fiction und wie die Räder bei großen Maschinen ineinander greifen sind es hier unterschiedliche melodisch-rhythmische Muster, die sich komplex verzahnen.

Nach einem kurzen Umbau schwebt die junge Pianistin Alice Sara Ott in einem langen Traumkleid auf die Bühne. Sie spielt (barfuß) Maurice Ravels (1875-1937) Klavierkonzert G-Dur. Hinreißend und mit großer Perfektion, sehr sensibel und luftanhaltend. Pianisten lieben es, dieses virtuose und schöne 20-Minuten-Stück, mit dem herausragende Musiker immer gerne brillieren und Alica Sara Ott hat bewiesen, dass sie das kann. Die melodisch-satten Pianissimi im langsamen zweiten Satz spielt sie so, dass man sie gerade noch hören kann. Der Stück beginnt und endet mit einem Knall, wird fröhlich und sehr unterhaltsam, fordert  besonders die Bläser heraus und bringt außer Jazz-Elementen und Musikstile der 1920er Jahre auch Klänge aus seiner baskischen Heimat hervor. Vor allem aber erinnert es an Gershwins ein paar Jahre vorher entstandene bahnbrechende  Rhapsody in Blue. Dieses Klavierkonzert in G-Dur gehört zu Ravels letzten Kompositionen, über zwei Jahre hat er daran herumgefeilt – gleichzeitig war er mit der Komposition für sein Klavierkonzert für die linke Hand beschäftigt. Der einarmige Pianist Paul Wittgenstein hatte es bei ihm in Auftrag gegeben.  Ravel konnte allerdings sein Klavierkonzert G-Dur nicht mehr selber am Klavier vortragen, da er unter einen langsam fortschreitenden Lähmung seiner Hände litt. Er dirigierte aber die Pariser Uraufführung 1932 (am Klavier Marguerite Long).

Das Publikum hat ihr dann noch eine Zugabe von Eric Satie abgerungen.

Nach der Pause schließlich Jean Sibelius (1865-1957) Sinfonie Nr. 5 Es Dur. Dirigiert vom finnischen Pultstar Santtu-Matias Rouvali. Der junge Dirigent bringt zu jedem Konzert eine Botschaft aus seiner skandinavischen Heimat mit. Für ihn steckt die Musik von Sibelius voller Geschichten, über die Natur, das Klima und die Politik. In einem Interview in München hat er die Verzweiflung seines Volkes zu Zeiten von Sibelius erwähnt  und bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen, dass die UN 2018 die Finnen zum glücklichsten Volk der Welt erklärt hat.

Viel Applaus!

cmb

 

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Franz Trio zu Gast in Zehlendorf

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Seemannsgarn und Landabenteuer oder Winkelmesser und Metronom

Vor knapp einem Jahr war das fabelhafte Franz Trio schon einmal zu Gast bei den Zehlendorfer Hauskonzerten. Damals spielten sie Werke von  Zoltán Kodály, Jean Françaix  und Franz Schubert.  Auch für das gestrige Konzert haben die Drei wieder ein ganz besonderes Schmankerl ausgegraben und nach der sehr frei interpretierten heiter-verwegenen Serenade op 8 von Beethoven aus dem Jahre 1797 ein eindrucksvolles und sehr aufregendes Werk von Jean Cras (1879-1932) im Wohnzimmer zur Aufführung gebracht.

Jean Cras ist bei uns eher unbekannt und seine Werke werden leider so gut wie nie aufgeführt. Dabei ist das Trio für Streicher ein kurioses Ereignis. Der Komponist gab sich außer seiner Leidenschaft zur Musik, die er von seiner Mutter hatte, einer zweiten Leidenschaft hin: der See. Sein Vater war Marinearzt und so machte auch der Sohn bei der Marine Karriere, was ja für einen Bretonen nicht gerade unüblich ist!  Als 13-Jähriger trug er öffentlich seine erste Komposition am Klavier vor; mit 17 trat er in die Marineschule ein. Um 1900 befasste er sich – auf Rat seines Komponistenfreundes Henri Duparc – mit der Analyse von Beethovens Streichquartetten. Er bekam sogar eine Auszeichnung, weil er wohl im Ersten Weltkrieg ein U-Boot versenkt hat.

Jean Cras hat ein Navigationsinstrument erfunden und bei ruhigem Seegang Musik komponiert. Zu diesem Zwecke befand sich immer ein Klavier an Bord. Dieses Trio ist eine großartige Mischung aus Heimat und Ferne, Land und Wasser, Traum und Wirklichkeit. Stilvielfalt und Freiheit zeichnen es aus, geprägt von Einfällen und Ideen, die bei seiner Rückkehr an Land aus seinem salzigen Gepäck sprudelten. Brest, seine Heimatstadt, hat ihm dafür ein Denkmal errichtet.

Das Streichertrio entstand 1926 und will weder die Spätromantik noch Debussys Hauptwerk „La Mer“  verbergen. Aber nicht nur Jean Françaix hat Music pour le plaisir komponiert! Bei Jean Cras spürt man sie auch, die lautmalerische Leidenschaft mit Tönen von Riesenkraken oder tausend-armigen Seeungeheuern zu erzählen. Die Freude von Jean Cras am Komponieren und die Begeisterung der ausgezeichneten Solisten des Franz Trio Avigail Bushakevitz (Geige), Ernst-Martin Schmidt (Bratsche) und Constance Ricard (Cello) am Interpretieren dieses fabelhaften Werkes ist direkt auf die Zuhörer übergesprungen.

Das Streichertrio besteht aus vier Sätzen, die eigentlich nicht zusammen hängen und ein originelles Eigenleben haben. Während man im ersten Satz die Bretagne zu hören vermeint, das Rauschen, die drohenden, rauhen Winde, die Wellen, die sich an den Felsen brechen und das plötzlich zur Ruhe kommende Meer, das sanft glitzernde Karibikfarben hervorbringt, lässt Cras im zweiten Satz sein Heimweh durch das Cello ausdrücken. Hier geht er an Land, in Nordafrika oder Asien vielleicht und erfreut sich an geometrisch plätschernden Springbrunnen und Arabesken. Die hitzigen Pizzicati klirren wie die Segelmasten im Wind und rufen ihn wieder an Bord zurück, vielleicht erzählen sie aber auch von einer aufgeregten Vorfreude, bald wieder heim zu kehren. Im dritten Satz, Animé, legt er einen Zahn zu und schickt galoppierende Pferde durch sonnige Jazzelemente in den Wilden Westen, wo sein schwermütiges Banjo zur sehnsüchtigen Balalaika wird, um gleich darauf im vierten Satz, très animé, vollkommen auszurasten. Kältere, irisch-bretonische Klänge werden zu einem ausgelassenen  Square Dance bis das Abenteuer mit dampfendem Rauch zu Ende geht. 

Das ausgezeichnete Franz Trio hat sich sehr wohl mit dieser flammend-dynamischen See-Land-Weltreise gefühlt und tiefe, eleusinische und unerklärliche  Klänge aus den Instrumenten und Noten hervorgeholt, die man gar nicht vermuten konnte.

Avigail Bushakevitz hat mit ihrem Ehemann, dem Bratschisten Ernst-Martin Schmidt und der Cellistin Constance Ricard vor ein paar Jahren das Franz-Trio gegründet. Das Musikerehepaar lebt seit ein paar Jahren in Berlin und ist u.a. Mitglied des Konzerthausorchesters Berlin. Constance Ricard wurde in Paris geboren und lebt ebenfalls seit 2012 in Berlin, wo sie ihre Zeit zwischen dem Orchesterspiel und verschiedenen Kammermusikgruppen aufteilt. Sie wird demnächst in Zehlendorf ein Solo-Cellokonzert geben.

pesca

Christa Blenk

 

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Hochschule für Musik – Hanns Eisler

 

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Kammermusikkonzert im Krönungskutschensaal Marstall, Berlin

Auf dem Programm standen am 16. Februar 2019  folgende Werke – allesamt meisterhaft interpretiert von Studenten der Hanns Eisler Musikhochschule

Ludwig van Beethoven Klaviertrio B-Dur op. 11 “Gassenhauer”

Emma Portier (Flöte), Wen-Teng Chang (Violoncello), Jianing Zhao (Klavier) interpretierten dieses « Gassenhauer » Trio von Beethoven. Es besteht aus drei Sätzen: Beethoven hat hier so etwas wie Unterhaltungsmusik komponiert, ein wenig deftig und einen wirklichen Gassenhauer vom damals beliebtesten Wiener Opernkomponisten Joseph Weigl als Musikthema ausgewählt. Angeblich hat er dies später bereut, hat ihm und seinen klassischen Zeitgenossen doch dieser Weigl viel Konkurrenz gemacht mit seiner seichten Musik. Ein leichter Dialog zwischen Cello, Klavier und Flöte.

Dem Berion gehören  Trio Sihyun Lee (Violine), Hye Jun Byun (Violoncello), Chul Kyu Jung (Klavier) an. Sie interpretierten Friedrich Smetanas Klaviertrio g-Moll op. 15 mit viel Hingabe und Sensibilität.

Dieses bewegende aber doch temperamentvolle Stück ist im Moment großer Trauer entstanden. Smetana selber, durch eine Syphillis-Infektion taub geworden, musste im Herbst 1855 seine zwei Tochter zu Grabe tragen. Barock-farbiger Lamentobass und spätromantische Rhythmen wechseln sich im ersten Satz ab. Das Klavier begleitet und treibt an. Smetanas Tränen sind zu Noten gefroren. Der zweite Satz wird auch scherzo doloroso genannt und soll ein Portrait von Friederike sein. Das Finale ist ein wilder und kompromissloser Totentanz oder Trauermarsch.

Johannes Brahms Streichquartett B-Dur op.67  interpretierten die Musiker Seiji Okamoto, Issei Kobayashi (Violine), Tomohiro Arita (Viola), Jonas Palm (Violoncello)

Es hat vier Sätze (Vivace -  Andante -  Agitato (Allegretto non troppo) – Poco Allegretto con Variazioni). Robert Schumann hat Brahms Streichquartette als « verschleierte Sinfonien » bezeichnet. Brahms hat wiederholt Streichquartette geschrieben, die direkt in die Tonne wanderten. Dieses Opus widmete er dem Arzt Dr. Engelmann, Er hat es ganz im Stil von Vater Haydn geschrieben. Interessant der Stellenwert der Bratsche im dritten Satz; keck und lässig-wienerisch geht es zu Ende.

Das letzte Stück auf dem Programm entstand 1900, direkt zu Beginn einer neuen Zeit: George Enescus Oktett C-Dur op. 7 -  großartig interpretiert von Louisa Staples, Anne Maria Wehrmeyer, Lily Higson-Spence, Inga Gaustad (Violine), Albin Uusijärvi, Jungahn Shin (Viola), Grace Sohn, Alexander Wollheim (Violoncello).

Der Altersgenosse von Bartok, Geroge Enescu (1881-1955),  wurde in Rumänien geboren und ging mit knapp 15 Jahren nach Paris, wo er Kompositionsschüler von Fauré und Massenet wurde.  Bevor er sich als Komponist einen Namen machen konnte, war er als Geiger sehr erfolgreich; Enescu war u.a.  der Lehrer von Yehudi Menuhin. In seiner Musik vereint er Melodien des Balkans mit den Einflüssen, denen er in Paris um die Jahrhundertwende ausgesetzt war, hinzu kam seine Wiener Prägung.

Enesco  war 19 Jahre alt, als er dieses Oktett komponierte. Es dauert 40 Minuten und verlangt nach so viel Klassik und Romantik so einiges vom Zuhörer. Hier wird die neue Welt beschrieben, eine moderne, industrialisierte. Paris um 1900,  die großen, lebendigen Boulevards, Eile und Hektik einer Weltmetropole, die Weltauststellung, der Konkurrenzkampf in Kunst und Musik – gemütliches Flanieren war gestern.

Vier Sätze, die ineinander übergehen, königlich beginnen, einen wilden, chaotischen Verlauf nehmen, kurz dem Impressionismus verfallen und walzerisch aufhören. Enesco selber sagte dazu:: “Man sollte bei der Aufführung nicht allzu sehr auf gewissen kontrapunktischen Kunstgriffen beharren, um den wesentlichen thematischen und melodischen Elementen Raum zur Entfaltung zu lassen.”

 

Vielen Dank!

cmb

 

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Gäste der Berliner Philharmoniker

Yannik Nézet-Séguin

Am 13./14. und 15. Februar 2019 ist der kanadische Dirigent  Yannick Nézet-Séguin zu Gast in der Philharmonie und besticht mit einen russisch-französischen Programm. Dazu bringt er Werke von Ravel, Debussy und Prokofjew auf die Bühne.

Yannik Nézet-Séguin ist zurzeit Musikdirektor des Philadelphia Orchestra und der Metropolitan Opera in New York sowie Künstlerischer Direktor und Chefdirigent des Orchestra Metropolitan de Montreal. Außerdem hat er diverse Verpflichtungen als Ehrendirektor. Dies alles kann nur ein leidenschaftliches Energiebündel wie er miteinander vereinigen. Der Kanadier Nézet-Séguin ist erst knapp über 40 und gehört schon zu den Stars am Dirigentenhimmel.  2008 wurde die Musikwelt anlässlich seines Gounod Debütkonzerts Roméo et Juliette während der Salzburger Festspiele auf ihn aufmerksam. Seitdem gastiert er an allen großen Konzerthäusern, von London, Mailand oder Berlin bis New York. Musik von Messiaen, Berlioz und Prokofjew hat der Maestro auch bei seinem ersten Konzert mit den Berliner Philharmonikern 2010 gespielt und wurde dafür umjubelt – so wie auch am vergangenen Mittwoch.

Federnd, temperamentvoll und dynamisch tritt er auf und so dirigiert er auch die Philharmoniker. Claude Debussys impressionistischem Schlüsselwerk La Mer gibt er ein komplett anders Gesicht. Er lockt diesem symphonischen Triptychon Urelemente hervor und man versteht mehr als sonst Paul Dukas Worte über die Brust des Ozeans und den Atem der Wellen. Hier hört man nicht das gewohnte Ebbe-und-Flut-Spiel, hier kommen existentielle, pastellfarbene und schwarze Sinneseindrücke und bedrohlich heranrollende Wellenbrecher, die einen Tsunami mit sich bringen könnten, ins Spiel.

Das zweite Stück vor der Pause ist Maurice Ravels kurzes und gefälliges Menuet Antique. Es entstand bereits 1895 als Klavierstück und Ravel selber hat es 1929 für  Orchester umgeschrieben. Uraufgeführt wurde dieses im Jahre 1930.

Nach der Pause dann der Höhepunkt dieses Konzertabends. Sergej Prokofjews Fünfte Symphonie. Die Uraufführung in Moskau 1945 – die wegen Artilleriesalben unterbrochen werden musste – wurde zu einem großen Erfolg:  auch im Ausland.
Für Prokofjew ist sie auch deshalb so bahnbrechend, weil er nach 15 Jahren Symphonie-Abstinenz gleich so einen Volltreffen landen konnte. Ein »Lied auf den freien und glücklichen Menschen anstimmen, seine schöpferischen ­Kräfte, seinen Adel, seine innere Reinheit« wollte er mit ihr anstimmen.

Nézet-Séguin hat das ambivalente und mehrdeutige dieser Komposition immer wieder hervorgehoben – man weiß nie, in welche Richtung sich die Musik entwickelt oder wo sie hinschielt. Die viersätzige Symphonie gilt als Meisterstück der Symphonik. Sie beginnt mit einem schüchternen, fast schwermütigen Andante und wird im ersten Satz immer schneller. Der zweite Satz ist ein Frage- und Antwortspiel zwischen verschiedenen Instrumentalgruppen und artet in einem Konkurrenzkampf der Bläser aus bis das Stück mit einer brillanten, wilden Jagd dem Ende entgegenstürmt und alles umreißt.

Großartiger Konzertabend!

cmb

 

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Don Giovanni in der Staatsoper

Winter

 

Wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht …

Claus Guth hat diesen Giovanni schon 2008 für die Salzburger Festspiele inszeniert und steckt alle Beteiligten von Anfang bis Ende in den Wald und weil man sich nach einiger Zeit auf keine neuen Inszenierungsabenteuer mehr einstellen muss, kann man sich mit Muse den Protagonisten widmen. Guth ist es gelungen, aus jeder Rolle eine Hauptrolle zu machen.  Nebenrollen hat dieser Giovanni nicht. Allerdings kommen dann schon mal Sonntag-Abend-Tatort-Gefühle auf, denn gewalttätig ist er, dieser Don Giovanni.

Donna Anna ist dem feinfühligen aber etwas weltfremd-langweiligen Don Ottavio versprochen und das geht ganz gut, bis die Schöne das Pech hat, auf den Draufgänger und Frauenheld Don Giovanni zu treffen. Und natürlich kann sie ihm nicht widerstehen und selbstverständlich wird auch sie gleich wieder fallen gelassen, wie all die anderen ca. 2000 Frauen vor ihr. Das erklärt später Leporello der ebenfalls verlassenen und verletzten Donna Elvira. Aber zuerst muss Don Giovanni Annas Vater töten, wobei er selber auch verletzt wird und den Rest der Vorstellung mit einem blutenden Bauchschuss rumläuft.

Leporello ist nicht nur der Diener von Don Giovanni, er scheint auch zu dealen, vielleicht um seine Zukunft zu sichern, denn er will den Aristokraten und Egoisten Don Giovanni so bald wie möglich verlassen. Er ist es leid, nach ihm immer die Scherben aufsammeln zu müssen und tröstet sich mit einer Dose Bier und einem Schuss. Leporello trägt einen langen schwarzen Stoffmantel, eine dunkle Brille und eine schwarze Mütze. Wir befinden uns definitiv im Heute und im Funkloch Brandenburg. Das begreifen wir spätestens, als Don Ottavio nach der Ermordung des Komtur Hilfe per Handy rufen will, aber kein Netz bekommt – wir sind ja schließlich im tiefsten Wald.  Die Bühne dreht sich ständig, und ab und zu erscheint zwischen den dunklen Kiefern eine Bushaltestelle, aber auch der Bus kommt natürlich nicht pünktlich und Donna Elvira muss warten, bis sie endlich wegkommt bzw. ankommt, denn sie ist auf der Suche nach dem Schurken Don Giovanni. Somit wären es schon Drei mit Rachegedanken, die sich auf eine Art roadmovie durch den Wald begeben: Donna Anna, Don Ottavio und nun auch noch Donna Elvira. Der verletzte Don Giovanni schafft es aber trotzdem immer wieder zu entkommen und aufs Dach zu klettern, zu flirten und gleich wieder mit der jungen Braut Zerlina anzubandeln. Die ist gar nicht so abgeneigt und schickt ihren Bräutigam Masetto erst mal weg. Wer kann auch schon einem reichen, aristokratischen Schönling widerstehen, der einem die Welt verspricht.  Alle Personen treffen sich permanent irgendwo im Wald und manchmal verliert man den Überblick und weiß nicht genau wer was jetzt tun soll. Als Donna Anna und Don Ottavio eine Autopanne haben, versucht Don Giovanni sogar, dieses zu reparieren, um bei  ihr Eindruck zu schinden.  Claus Guth nimmt diesem Don Giovanni die Hierarchie der Personen.

Der Wald scheint wohl Don Giovannis Jagdrevier zu symbolisieren. Im Wald hat man Angst, ist unsicher, dort kann man sich verlaufen und schnell auf den falschen Weg geraten, aber man kann sich auch gut verstecken in ihm. Der Wald steckt außerdem voller Gefahren, unserer hier beherbergt sogar einen Wolf. So passen sie alle irgendwie dorthin, denn jeder einzelne hat etwas zu verbergen oder zu vertuschen.

Wenn zum Schluss ein Baumstamm auf einer Lichtung zum Abendmahltisch wird, dann passt das plötzlich doch. Die Schlussdramatik ist bewegend und berührend. Don Giovanni zeigt keine Reue und lässt sich lieber vom Teufel holen, als dass er sich ändert.

Der junge Lahav Shani am Pult bekommt viel Applaus. Er holt dunkle und geheimnisvolle Wärme aus der Staatskapelle heraus und geht es ziemlich langsam an. Er ist sicher ein upcoming Star am Dirigentenhimmel. In Berlin hat er an der Hanns Eisler Hochschule für Musik studiert und sich von Barenboim coachen lassen. Viele große Orchester wie das Israel Philharmonic Orchestra oder das Los Angeles Philharmonic Orchestra hat er bereits dirigiert, darunter auch die Staatskapelle Berlin in die Wiener Philharmoniker.  Als designierter Nachfolger von Zubin Mehta wird er ab 2020 die Israel Philharmonic Orchestra übernehmen. Seit einem Jahr lebt er in Berlin.

Der österreichische Bariton Markus Werba ist ein spritziger und akrobatischer Don Giovanni, der seiner Rolle unbedingt gewachsen ist. Werba ist auch ein Mozartsänger und hat ebenso den Grafen Almaviva oder Guglielmo im Repertoire. Er singt an allen großen Opernhäusern weltweit – von den Salzburger Festspielen bis zur MET.

David OŠTREK ist Leporello. Er kam über südslawische Volksmusik und E-Gitarre zum Gesang. Dass er auch Jazz und Rock singt, hat ihm bei dieser Rolle viel geholfen, denn Leporello ist eigentlich ein rockender Drogendealer und Zeremonienmeister.  2015/16 hat er den Don Giovanni im Schlosstheater Schönbrunn gesungen.

Die kroatische Sopranistin Evelin Novak in eine ernste, sehr frische und mit viel Klangvolumen auftretende Donna Anna. Sie gehört seit 2011 zum Solisten-Ensemble der Staatsoper und singt u.a. auch die Pamina.

Don Ottavio singt Dovlet Nurgeldiyev. Er gehört dem Hamburger Ensemble an und hat noch andere Mozartrollen im Repertoire. Der sonst eher langweiligen Rolle des Don Ottavio hat er viel Farbe und Anmut gegeben.

Reinhard Hagen ist der Komtur.  Über 10 Jahre sang er zu Zeiten Götz Friedrichs an der Deutschen Oper Berlin. Seit 2011 gastiert er an großen Häusern mit bedeutenden Dirigenten. Hagen ist ein sehr feierlich-dramatischer Komtur, der unter die Haut geht.

Die irische Mezzosopran Tara Erraught ist eine schneidende Donna Elvira. Sie hat die richtige Mischung zwischen selbstsicherer Wut und schwindender, hysterischer Hoffnung, wenn sie versucht, über den Schuft hinwegzukommen, die beiden anderen zu warnen und selbst ihm wieder zu verfallen. Sie war lange an der Bayerischen Staatsoper, als Gastsängerin an der Wiener Staatsoper und an der MET, singt in Glyndebourne und in Salzburg und kann ein großes Mozart-Repertoire vorweisen.

Zum Schluss noch Grigory Shkarupy als Masetto und Narine Yeghiyan als Zerlina, die bei dieser Inszenierung auch Hauptrollen inne haben und viel Bühnen- und Stimmpräsenz beweisen. Shkarupy ist seit 2015 festes Ensemblemitglied der Staatsoper und Yeghiyan seit 2013. Zu ihrem Repertoire gehört u.a. die Rolle der Barbarina.

Rundherum ein großartiger Mozart-Abend mit jungen, beeindruckenden Solisten, die ständig über Stock und Stein krabbeln mussten, um wieder eine Lichtung im dunklen Wald zu finden.

Christa Blenk

 

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Lied-Recital

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Lieder von Gustav Mahler, Johannes Brahms, Igor Strawinsky und Enrique Granados zum Thema Sehnsucht, Traum, Verlust  und Hoffnung waren die Protagonisten wines Liederabends im Apollo Saal der Staatsoper.

Die Mezzosopran Marina Prudenskaya, die seit 2013 zum Ensemble der Staatsoper gehört, wurde von Matthias Samuil am Piano begleitet. Sie sang in Deutsch, Russisch und Spanisch.

Gustav Mahler hat die Lieder eines Fahrenden Gesellen zwischen 1884 und 1885 geschrieben – als Reaktion auf eine unerwiderte Liebe zu der Sängerin Johanna Richter. Und so begibt er sich auf den Leidensweg, den auch Schubert durchmachen musste und aus der Die Winterreise und den Wanderer entstand. Mahler begibt sich in eine Traumwelt, um dem Leid zu entfliehen. Um Opfer  und Hoffnung geht es in den zwei Liedern von Igor Strawinsky (Deux Mélodies op. 6). Auch Johannes Brahms hat unerfüllte Liebe und optimistischer Hoffnung bis hin zu qualvoller Entmutigung beschrieben und hierfür Texte von Christoph Hölty, Robert Reinick und Friedrich Daumer als Vorlage benutzt.

Enrique Granados (1867 bis 1916)  Spanische Tänze für Klavier sind wohl ein Jugendwerk. Die Tonadillas en Estilo Antiguo entstanden hingegen um 1912 und gehören heute zu den wichtigen spanischen Lied-Zyklen, zu vergleichen mit Manuel de Fallas Siete canciones populares.  Granados hat sich in Goyas Malerei verliebt und dessen Farbpalette auf die Tonadillas übertragen und so wimmelt es von majos und majas (Schönlingen und Schönen) in diesen Liedern, bei denen er  zum Teil auch kein bereits existierendes Gedicht vertonte, sondern auf eigene Notizen zu majas und majos zurückgegriffen hatte.

Marina Prudenskaya hat sechs Lieder daraus gesungen (La maja dolorosa Nr. 1 und 3, El tra-la-la y el punteado, La maja de Goya, El mirar de la maja und El majo discreto.). Auch hier geht es wieder um Verlust, Liebe und Schmerz. Prudenskayas warmer Mezzosopran ist wie geschaffen für diesen leidvollen und intensiven Gesang. Als Zusage gab es eine  Carmen-Arie.

Der spanische Komponist Enrique Granados starb übrigens im Ärmelkanal, als ein deutsches U-Boot 1916 die französische Kanalfähre Sussex torpedierte. Granados selber, schon gerettet, stürzte sich nochmals in Meer, um seine Frau herauszuholen. Beide sind ertrunken. Auf Einladung des US Präsidenten Woodrow Wilson waren sie auf dem Weg in die USA, um im Weißen Haus einen Klavierabend zu geben.

 

cmb

 

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Farbe und Licht – Henri-Edmond Cross

Im Museum Barberini sind noch bis zum 17. Februar 2019 Gemälde des Neoimpressionisten Henri-Edmond Cross zu sehen.

Henri-Edmond  Cross (1856-1910) zählt zu den bekanntesten französischen Neo-Impressionistsen, eine Bewegung, die  ab 1890 mit anderen Maltechniken experimentierte. Wichtige Komponente hierfür war das Licht und davon gibt es in Südfrankreich viel. Der Kritiker Félix Féneón prägte den Begriff Neo-Impressionismus 1886 , um die Bilder von Seurat oder Signac von den Impressionisten zu unterscheiden. Wir kennen diese Stilrichtung auch als Pointillismus oder Post-Impressionismus.

Bei Cross’ Bildern tauchen  die Farben des Fauvismus auf und einige Bilder zeigen  in einen naiven Symbolismus wie das Bild « Das Haar » von 1892 oder ein Bild aus der National Gallery Washington « Calanque des Antibois ».

100 Bilder, zum Teil aus Privatsammlungen, sind zu sehen.

Die Ausstellung wurde vom Musée des Impressionnismes Giverny in Zusammenarbeit mit dem Museum Barberini organisiert – unterstützt vom Musée d’Orsay, Paris und ist durchaus sehenswert.

cmb

 

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Candide an der Komischen Oper

Lederhosen, Reifröcke, Rettungswesten, Federboas und eine Weltkugel

Auf der Suche nach der besten Welt!

Im 17./18. Jahrhundert war der Anspruch von Leibniz in der „Besten aller möglichen Welten“ zu leben Teil der philosophischen Diskussion. Dieser Lehrsatz geriet auch mit dem Erdbeben von Lissabon ins Wackeln und wurde von Voltaire heftig mit Gegenargumenten belegt, dazu gehörte eben auch sein scharfzüngiger Roman Candide oder der Optimismus. Ein Absurdum, das es zu zerlegen galt.

Hier lässt er den jungen, unschuldigen Westfalen Candide – einen reinen Tor – auf eine Initiations-Weltreise gehen, d.h. er wird vom Vater seiner Liebsten Kunigunde in die Welt gejagt, besteht unzählige Abenteuer, übersteht Todesurteile, Kriege, Seuchen und sogar die Inquisition. Begleitet wird er auf seiner wirren Reise von seinem ehemaligen Lehrer und unverbesserlichen Philosophen Dr. Pangloss, teilweise von einem Kapitän und einer alten Frau, die auch mal aus besseren Verhältnissen in die Armut abgerutscht ist. Manchmal reich, manchmal arm und mittellos, verliert Candide nie den Mut, zweifelt allerdings manchmal und immer öfter am Guten im Menschen und wird selbst zum Mörder des heuchlerischen Großinquisitors, der Kunigunde als Liebessklavin gefangen hält. Candide sucht unermüdlich nach Kunigunde, die ihrerseits verschleppt und verkauft von Montevideo, Surinam, Venedig über Holland und Bulgarien unterwegs ist und immer mehr dem Glamour zu verfallen scheint. Irgendwann nach vielen Irrungen und Wirrungen finden sie sich wieder, doch die Liebe ist nur noch Illusion, Kunigunde trachtet nach Geld und Gold, bleibt aber dann bei ihm, um gemeinsam den Garten zu bestellen und Brot zu backen.

Die neue Produktion von Bernsteins Comic Operetta „Candide oder der Optimismus“ ist vielseitig, schrill und einfallsreich, auch wenn Barry Kosky durchaus mal auf Einfälle oder Gags zurückgreift, die sich schon bei anderen, früheren  Produktionen als erfolgreich hervorgetan haben. Kosky hat für diese Produktion das Kostüme-Arsenal der Komischen Oper geplündert, dafür wenig sonstige Dekoration auf die Bühne gestellt.

Der bissige und zynische Voltaire schrieb die roadmovie-Aufklärungs-Satire Candide 1759 als Kritik an den deutschen, weltbejahenden Philosophen. Bernsteins Musik dazu nach einer Idee von Lillian Hellmann entstand fast gleichzeitig wie der Boadway-runner West Side Story, als eine Art  Hommage an die europäische Musikgeschichte.

Seit dem Jahre 2000 liegt nun endlich eine Fassung vor, die Voltaires Brillanz einigermaßen auffängt oder sich an ihr messen kann.

Das Böse existiert, mehr noch, es gehört zum Leben wie ein Vanilleeis oder ein Stück Butterkuchen. Bernstein brauchte ja nur jeden Tag die New York Times aufzuschlagen, um dies immer wieder bestätigt zu bekommen. Musste er doch selber zeitweise während der McCarthy Zeit auf seinen Pass verzichten. Musikalisch springt er auch hier von einem Stil zum anderen und kaum hat man sich an den schnulzigen Walzer gewöhnt, poppen Tango-Töne oder Jazz-Elemente hervor. Über 30 Jahre hat sich Bernstein mit dem Candide-Thema befasst. Die Uraufführung 1956 im New York City Theater war ein ziemlicher Reinfall, vor allem wegen Lillian Hellmanns Libretto, die es nicht schaffte, Voltaires satirisches Niveau aufleben zu lassen. Viele Jahre später wurde die Operette in ein Musical verwandelt. Dieses Mal konnte die Premiere am Broadway große Erfolge vorweisen mit dem neuen Libretto von Hugh Wheeler von 1982.
Musikalisch verlangt Candide so allerhand von den Sängern, vor allem Kunigundes Koloratursopran ist sehr anspruchsvoll. Bernstein hat seinerzeit die Rolle für Christa Ludwig geschrieben.

Voltaire selber begleitet die Reise und kommentiert die Geschehnisse – zwischendurch wird er immer mal zu Dr. Pangloss. Franz Hawlata, verfällt ins Österreichische sobald er die Voltaire Perücke abnimmt und ist sehr überzeugend. Nicole Chevalier ist eine großartige Kunigunde, leicht, tanzend und singend. Wunderbar auch Allan Clayton als Candide, der beeindruckende Tanzszenen aufs Parkett legt und sich zum Schluss bei Kosky über die körperliche Anstrengung beschwert.  Chor, Solisten und Ballett einwandfrei bei der Aufführung am 3.2.2019.

Die Deutsche Fassung von Martin G. Berger entstand 2017.

Christa Blenk

Siehe auch:

 

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Violetter Schnee

Zeitgenössisches Opern-Highlight vor einem bruegelschen Meisterwerk

Fast hört es sich an wie der aktuelle Wetterbericht in Bayern und Österreich nach den Weihnachtsferien. Schnee und noch mehr Schnee und alle, die nicht in dieser Schneelandschaft wohnen, wollen hin, um diesen Ausnahmezustand mitzuerleben, wollen eingeschneit sein, um später darüber reden zu können.

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(c) Sebastian Blenk

Im Auftrag der Staatsoper Berlin hat der Schweizer Komponist Beat Furrer „Violetter Schnee“ nach einem Text von Händl Klaus basierend auf einer Vorlage von Vladimir Sorokin komponiert. Mitte Januar 2019 fand die Welturaufführung in der Staatsoper statt.

Die Welt befindet sich in einer Art Endzeit, die Apokalypse naht. Fünf Menschen, zwei sehr unterschiedliche Paare und Jacques, sind von ihr abgeschnitten, irgendwo in den Bergen vielleicht, und es hört einfach nicht auf zu schneien. Das Zeitgefühl geht verloren, die Flocken rieseln leise durch die ungemütliche Stille auf die Welt. Ein « Viaggio a Reims » im Schnee. Es geht um Schweigen, um Trennung, um Verlust, um Fremdsein und Fremdwerden – aber immer piano, nur die Musik tobt mit eisigen, klirrenden Klängen dazu, keine Wohlfühloase, obwohl durchaus leichter aufzunehmende Arien unterbrechen.

Die Geschichte passiert im und vor Bruegels Bild „Die Jäger im Schnee“,  es entstand 1565 und hängt im Wiener Kunsthistorischen Museum.  Am Anfang entsteht es im Großformat vor der Bühne, wird erkenntlich, dann langsam transparent, bis man hinter dem Bild Menschen im Museum vor dieser berühmten Schneelandschaft stehen sieht, die es gerade betrachten.

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(c) Agi Blenk

Während Martina Gedeck fast hilflos einzelne Szenen auf dem Gemälde beschreibt, dabei nach Wörtern sucht, singen die fünf Darsteller in unterschiedlichen Gemütszuständen und  in 1950er Jahre Kostüme von Ursula Kudrna gewandet, vor sich hin. Das Gemälde ist viel mehr als eine Schneelandschaft. Die Farben Weiß und Grau dominieren, Wolken verdecken die Sonne, alles ist zu- oder eingefroren. Die Jäger kommen mit ihren Hunden und einer Beute nach Hause, eine alte Frau sammelt Reisig, Kinder laufen Schlittschuh. Claus  Guth hat das Bild fragmentiert und jede Szene zum Leben erweckt. So müssen sich immer wieder einzelne Personen aus dem Bild in das phlegmatische Geschehen mischen, ohne dass es jemand wahrnimmt. Unbeteiligt bewegen sie sich in Zeitlupe von einer Seite der Bühne zur anderen. Zwei Parallelgeschichten passieren hier. Dann bewegt sich die Bühne nach oben, ins Freie, dort hadert Jacques auf einer Bank, er erkennt die Sprecherin Tanja als seine verstorbene Ehefrau. Träume werden eingeblendet und wir erfahren, wie sich seine Frau am Rande einer fröhlichen Geburtstagsfeier das Leben nimmt.

Das Ende näher sich ganz langsam, sprachlos eigentlich und die Flocken wirken gar nicht bedrohlich, das bedrohliche ist die Stille, die Langsamkeit,  die Sprachlosigkeit. Zum Schluss eine kalte Sonne oder irgend ein anderer Planet – immer weiter weg, unerreichbar und verloren im Universum.

Großartige Solisten wie Anna Prohaska, Elsa Dreisig, Gyula Orendt, Georg Nigl und Otto Katzameier leisten übermenschliches. Bei dieser Musik gibt es kein Netz oder keine Melodie, an der sie sich orientieren können. Die letzte Vorstellung in dieser Spielsaison am 31. Januar hat Furrer selber dirigiert.

Rasender Applaus.

Schnee
(c) Philipp Blenk

Christa Blenk

 

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Tannhäuser

Kirsten Harms hat diesen Tannhäuser für die Deutsche Oper inszeniert. Die Aufführung am 20. Januar 2019 war bereits die 45. seit der Premiere am 30.11.2008. Zu diesem Zeitpunkt war Harms noch Intendantin und Hausherrin der DOB.  Bei der  Aufführung am 20.1. war das Publikum eher wohlwollend und spendierte viel Applaus.

Wallendes Botticelli-Blondhaar, mal offen mal aufgesteckt, je nachdem ob Allison Oakes die lockend-lüsterne Venus oder die keusch-heilige Elisabeth singt und spielt. Sie bewerkstelligt diese anspruchsvolle und fordernde Doppelrolle ziemlich gut und textverständlich.  Stimmsicher trällert sie die Tonleiter rauf und runter. (Bei der Premiere hat Nadja Michael gesungen).

Die Ouvertüre wird von einem von oben auf die Bühne schwebenden Metallritter begleitet. Der Blechmann schwebt in eine Art Jungbrunnen mit geklonten, blonden Schönheiten, die immer wieder rheingoldmässig auf- und untertauchen. Eine komplette blaue, glitzernde  Blechritter-Armee soll von nun an die Vorstellung begleiten. Sie sind irgendwie immer präsent, auch wenn sie keine Rolle spielen und verbreiten kalten Anti-Minnesänger-Minimalismus. Passend dazu schwerfällige und kompakte  Pferde aus glitzerndem Stahl, die entweder nach Rom reisen oder zur Jagd gehen.

Der Lazarett-Saal, in dem die kranken Pilger vor sich hin sterben, erinnert an Herheims Bayreuth Parzifal. Elisabeth irrt zwischen den Betten hin und her, als suchte sie jemanden. Bis sie selber unter so einem weißen Laken endet, um sich kurz darauf als lockende Venus aus den weißen Linnen zu schälen.

Peter Seiffert, der an diesem Abend anstelle von Simon O’Neill den Tannhäuser sang, war ein Glückstreffer. Elegante, weiche Samtheit und mächtige Bühnenpräsenz zeichnen ihn aus. Seine Karriere hat eben mit Tannhäuser an der DOB begonnen. Ante Jerkunica ist Landgraf Hermann, Markus Brück singt Wolfram von Eschenbach und Attilio  Glaser Walther von der Vogelweide.

Der Chor wie immer großartig und perfekt. Am Pult mit dem Orchester der Deutschen Oper Berlin Sebastian Weigle.

Die Uraufführung der Dresdner Fassung fand am 19. Oktober 1845 in Dresden statt, nachdem Wagner in Paris mit seinem Tannhäuser bei der Premiere durchfiel und es deshalb nur zu 4 Vorstellungen kam. Dies hatte er u.a. seiner Eitelkeit zu verdanken, weil er sich weigerte den obligatorischen  Ballet-Akt um 22.00 Uhr einzubauen (im zweiten Akt – so gerade nach dem Abendessen, wenn dann die Mitglieder des bourgeoisen aber eher unkultivierten « Jockey Club » die Oper betreten um nette Balletmädchen zu sehen). Wagner trotzt,  bringt die Balleteinlage schon im ersten Akt und sorgt auch noch dafür, dass der Club davon erfährt.  Dies sollte sich als großer Fehler herausstellen, denn der Jockey Club rächte  sich bitterlich. Die Oper wird ausgepfiffen und als « Reinfall » abgestempelt, obwohl kultiviertere Kreise dies anders sahen.

Jacques-Gabriel Prod’homme weist in seinem Aufsatz « Le Wagnérisme en France » auf eine Erwähnung in der « Revue musicale de Paris » vom 25. Mai 1833 hin:  »Leipzick: Les nouveautés les plus importantes qui ont été entendues dans les concerts des souscription sont: …. et une symphonie par M. Richard Wagner, dans laquelle on a trouvé un mérite remarquable, quoique l’auteur soit à peine âgé de vingt ans » (sonst ist er auch schon mal Robert Wagner, M. Wagener  genannt worden). 

Trotz dieser Niederlage gilt das Jahr des Tannhäuser-Skandals, 1861, als die Geburtsstunde des französischen « Wagnérisme ». Auf der einen Seite wurden seine Aufführungen boykottiert, während auf der anderen die Wagner-Euphorie ständig wuchs.

Christa Blenk

s.a. Artikel über Wagner und Verdi

 

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Highlights 2018

Liebe Leserinnen und Leser,

Wie schon in den vergangenen Jahren kommt hier ein Rückblick auf die kulturellen Highlights 2018 in Berlin und anderswo.

Begleitet und illustriert werden die Berichte dieses Mal von Fotos der französischen Atlantikküste.

 

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 Le Gois 

 

Mehr als 300.000 Menschen von Berlin bis Neuseeland haben Barrie Koskys amüsant-absurde und gewöhnungsbedürftige Produktion für die Komische Oper von Mozarts Zauberflöte in der Inszenierung der britischen Theatergruppe 1927 gesehen und diese Mischung  aus Zeichentrick- und Action-Stummfilm meist gemocht, obwohl sie Mozarts große Oper auch ein wenig verrät!   2017 war von dieser Gruppe Petruschka hier in Berlin auf der Bühne zu erleben.

Entdeckt hatten wir die Zehlerdorfer Hauskonzerte schon 2017. Aber auch im vergangenen Jahr brachte die Hausherrin von der Glasharfe bis zu Schubert ganz unterschiedliche Künstler zu sich in das musikalische Wohnzimmer und überraschte das Publikum mit ihrem Programm immer wieder.

 

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Bildhauerinnen der Moderne war der Titel  einer Ausstellung im Kolbe Museum, welches immer wieder die spannendsten Kombinationen in den schönen Ausstellungsräumen am Berliner Stadtrand zusammenstellt. Die  Ausstellung Zarte Männer in der Skulptur der Moderne läuft noch bis Februar 2019. Die Ausstellungsszene in Berlin ist ja sonst eher mager und das Angebot an Ausstellungen ist sehr verbesserungsfähig. Das Bröhan Museum brachte im ersten Halbjahr eine Sammelausstellung « Berliner Realismus » und nach dem Sommer eine Schau über  Georg Grosz  - beides durchaus erwähnenswert. Der Hamburger Bahnhof versuchte mit einer kleinen Ausstellung über Otto Müller  das Fehlen (Umbau immer noch nicht fertig) der Neuen Nationalgalerie aufzufangen. Diese Ausstellung läuft noch bis März 2019. Erwähnenswert auf jeden Fall die Ausstellung Leben ist Glühn mit Bildern des deutschen Expressionisten Fritz Ascher (1893-1970), die in der Berliner Villa Oppenheim und im Museum Potsdam zu sehen waren.

Ansonsten ist hier das Portrait über die Künstlerin Schirin Fatemi für KULTURA EXTRA zu lesen und ein langer Bericht über eine großartige Ausstellung im Grand Palais in Paris über Kupka.

„Banned Art“ sollte die Ausstellung, die 1938 in London als Antwort auf die Ausstellung „Entartete Kunst“ in München organisiert wurde, ursprünglich heißen. Um ihr aber das Politische zu nehmen, nannte man sie schließlich nur  « Twentieth Century German Art« . Angeblich sollen über 300 Exponate für diese Schau nach London geschickt worden sein. Gezeigt werden konnten  – aus Platzgründen – schließlich nur 270 Werke. Eine so große und bedeutende Ausstellung deutscher moderner Kunst  hatte es bis dahin in England noch nicht gegeben. Die Villa Liebermann am Wannsee hat mit sehr viel weniger Werken aber guten Texten, die Ausstellung nochmals aufleben lassen.

 

Vendée2013-März 430

 

Mit Das Wunder der Heliane und Die tote Stadt  gab es von dem in Österreich geborenen Komponisten Erich Wolfgang Korngold  gleich zwei sehenswerte Produktionen in Berlin. Korngold ist aber heutzutage vor allem wegen seiner vielen Preise für Filmmusik in Hollywood bekannt.

Aus der Begegnung im Jahre 2009 von Robert Wilson und Arvo Pärt im päpstlichen Wartesaal in Rom ist Adams Passion entstanden. Nacho Duato war 2018 schon auf dem Sprung das Staatsballett vorzeitig zu verlassen. In der Komischen Oper wurde nochmals eine seiner besten Produktionen « Herrumbre » aufgeführt.

Abgelöst wurde er im Sommer 2018 von Johannes Öhmann. Sasha Waltz wird in diesem Jahr die Ko-Direktion übernehmen. Öhmann Einstieg hätte besser nicht sein können mit der Doppelproduktion Celis – Eyal. Rauschender Applaus und viel Vorfreude auf Zukünftiges – vor allem von Eyal!

 

Vendée2013-März 145

 

Die Premiere von Benjamin Britten « The turn of the screw  fand schon vor fünf Jahren in der Staatsoper statt und kann seitdem immer wieder das Haus füllen. Britten komponierte die Oper 1954  nach einer Erzählung von Henry James. Hans Werner Henze fühlte sich ein wenig als kleiner Bruder von Britten. Ein großartiges Erlebnis im Herbst war die Aufführung von Hans Werner Henzes  Werk « El Cimarron » in Gelsenkirchen in einer Produktion von Michael Kerstan, das im Rahmen der Konzertreihe „Musik erzählt von Freiheit“  im Kulturraum Die Flora in Gelsenkirchen aufgeführt wurde. Diese Reise von Berlin ins Ruhrgebiet hat sich allemal gelohnt.

Im März verzauberte das Freiburger Barockorchester mit Pergolesis Intermezzo la serva padrona“ das Berliner Publikum. Passend dazu gab es in der Fenice in Venedig « I tre Gobbi » - Commedia dell’arte pur. Auch Rossini liebte es, sich bei der Commedia dell’arte zu bedienen und das hat Katharina Thalbach mit dem Barbier von Sevilla sehr ernst genommen.  Der Theaterregisseur Jan Bosse legte mit Rossinis « Il viaggio a Reims » in der Deutschen Oper eine Punktlandung, bei der fast alles stimmte, hin. Eine geniale Interpretation des Wartens!

 

Vendée2013-März 653
 Austernsteg in der Vendee

Aber um Warten ging es auch bei Salvatore Sciarrinos neuer Oper « Ti vedo ti sento mi perdo » . Harrte man aber in Reims geduldig aus, um endlich von einem Ort wegzukommen, so lässt Sciarrino die Künstler während der Generalprobe einer Stradella-Oper im Palazzo Colonna  auf den Maestro selber warten.

Auf eine eine Heimweh-Reise schickte uns der argentinische Komponist und Bandeonist Daniel Pacitti mit einem gelungenen Konzert in der Philharmonie « Viaggio in Argentina ». Im Vorjahr brachte er das Luther Oratorium « Wir sind Bettler » als Auftragsarbeit auf die Bühne.

Die Neuköllner Oper enttäuscht eigentlich nie. Mit  « Welcome to Hell »  hat sie den umstrittenen G 20 Gipfel von Hamburg aufgearbeitet und mit Wolfskinder  das Humperdinck Märchen Hänsel und Gretel neu erzählt. Das Original dieser Kinder-Erwachsenen Oper wurde im pünktlich zur Weihnachtszeit und alle Jahre wieder in der Staatsoper aufgeführt. Eine weitere beeindruckende Produktion war Kreneks Oper Der Diktator.

 

Vendée2013-März 112

 

Olafur Eliasson ließ erboste Götter und nachtragende Frauen über einen Star Wars Himmel donnern und zauberte so ein modernes Versailles für Rameaus Hippolythe et Aricie. Ein französisches Opern Pasticcio präsentierte mit « Les beaux jours de l’amour » (die schönen Tage der Liebe) der französische Dirigent Raphael Pichon mit einem Programm aus Opern von Rameau und Gluck .

Den 200. Geburtstag von Jacques Offenbach (1819 – 1880) feierte die Komische Oper mit einer neuen Produktion der Oper „Blaubart“ . Stefan Herheim führte Regie und versuchte, die Kult-Inszenierung von Felsensteins wieder aufleben zu lassen, die  zwischen 1963 und 1992 knapp 400 Mal zur Aufführung kam.

 

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 Salzland

Marie Bäumer spielt Romy Schneider bei einem Kurzaufenthalt in der Bretagne. Drei Tage in Quiberon heisst das Opus. Auch der Film Transit spielt in Frankreich, aber während des Krieges, und diese Zeit ist auch Protagonist bei dem sehr gelungenen Film Der Trafikant.  Ballon basiert auf einer wahren Begebenheit und kam Ende September 2018 in die deutschen Kinos. Sechs Jahre hat der Regisseur und Produzent Michael Herbig daran gearbeitet und mit einzelnen Familienmitgliedern oder Hauptprotagonisten gesprochen. Der Film beschreibt die Flucht 1979  in einem selbst gebauten Heißluftballon von  der DDR in den Westen: an Bord die Familien Strelzyk und Wetzel.

Die Beelitzer Heilstätten animieren dazu, erneut den Zauberberg zu lesen. Ein Besuch über die Glienicker Brücke zur Villa Schöningen hingegen bringt den Spion der aus der Kälte kam wieder auf den Nachttisch. Wer Thomas Mann und John le Carre aber nicht mehr lesen mag, kann sich mit der Hauptstadt  von Robert Menasse vergnügen, hier wird die Europa-Hauptstadt Brüssel aufs Korn genommen.

In der Villa Schönigen waren 2018 übrigens auch die Kostüme für den Bayreuther Lohengrin zu sehen, die das Künstlerpaar Rosa Loy & Neo Rauch entworfen hatte.

Leo Janácek hat sich mit seinem Spätwerk „Die Sache Makropulosmit dem Thema « Alt werden oder Jung bleiben müssen » befasst, beeindruckt und inspiriert von einem damals ganz neuen Theaterstück von Karel Capek

Michael Thalheimer hat Brechts „Kaukasischen Kreidekreis“ am Berliner Ensemble, mit großartigen Darstellern  inszeniert und minimalisiert. So ganz ohne Bühnenbild und viel Elektro-Guitarre.  Beeindruckend auch Karin Henkels  geschlechterlose Interpretation der Drei Schwestern.

Zum Dezember gehört auch das Weihnachtsoratorium  und besinnliche Kirchenkonzerte wie sie sie zum Beispiel die  Gemeinde der Sophienkirche organisiert.

 

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Dies ist nur eine Auswahl unter vielen anderen Artikeln und Beobachtungen! Und jetzt kann das neue Jahr mit vielen neuen Ausstellungen und Musikveranstaltungen beginnen.

Alles Gute!

cmb

Fotos (c) Christa Blenk

hier die links zu den blog-Highlights der vergangenen Jahre

Highlights 2017

Highlights 2016

Highlights 2015

Highlights 2014

 

 

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Concerto Italiano im Pierre Boulez Saal

Am 6. Januar 2019 gab das Concerto Italiano unter Leitung von Rinaldo Alessandrini ein Gastkonzert im Pierre Boulez Saal.

Thema war das « Vielstimmige Liebeslied » und auf dem Programm  standen italienische Madrigale zwischen Marenzio und Monteverdi.

Die Solisten Monica Piccinini und Sonia Tedla (Sopran), Andres Montilla (Alt), Luca Cervoni und Raffaele Giordani (Tenor) und Gabriele Lombardi (Bass) und die Instrumentalisten  Craig Marchitelli und Udo di Giovanni (Theorbe) spielten und sangen  in gewohnter Perfektion und Einfühlsamkeit Werke von norditalienischen Komponisten, die um 1600 fast ausschließlich in Mantua und Ferrara gewirkt hatten. Denn dort saßen die großen Herrscherfamilien Gonzaga und Ferrara, deren Ehrgeiz es war, Dichter, Musiker und Philosophen an ihren Hof zu holen und zu fördern. Sie alle übten sich in der hohen Kunst der Madrigale. Neben dem großen Claudio Monteverdi (1567-1643) wurden Werke von hier nicht so bekannten Komponisten und Musikern wie  Luca Marenzi, Giaches de Wert, Pomponio Nenna, Luzzasco Luzzaschi und Sigismondo d’India aufgeführt.

Giaches de Wert hebt sich hervor, denn er  kam nicht wie die anderen aus Italien sondern aus Flandern und gelangte über Rom und Mailand nach Mantua an den Hof der Gonzaga. Dort wirkte er 30 Jahre als Kapellmeister. 230 fünfstimmige Madrigale liegen von ihm vor.

Den Schluss dieses ruhigen und so schönen Konzertes bildete Claudio Monteverdi, er kompononierte geistliche und weltliche Musik und eine der ersten Opern « L’Orfeo » überhaupt.

Rinaldo Alessandrini gründete den Ensemble Concerto Romano 1984 und bei der Interpretation von alter Musik und historischer Aufführungspraxis steht das Ensemble ganz vorne in der Rangliste. Unzählige Werke aus der Renaissance- und Barockmusik hat Alessandrini ausgegraben und  zur Aufführung gebracht. Die Musikwelt verdankt ihm vieles!

cmb

 

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