Archives pour la catégorie Theater



Romaeuropa Festival – Emma Dante – Operetta burlesca

emmadante
vor der Aufführung

 

Vom 20.10. bis 1.11-2015 wird im Teatro Vittoria Emma Dantes « Opera Burlesca » aufgeführt. Wieder mal hat sich Emma Dante hier mit dem Thema Homosexualität und Transvestiten befasst.

Auf der Bühne hängen vier elegant und pompös bekleidete große Plastikpuppen; den Bühnenrand zieren diverse Stöckelschuhe und Accessoirs. Alles Dinge die man braucht, um eine schöne Frau zu werden. Musik aus der Konserve begleitet die vier Protagonisten, die Vater, Mutter, Pietro, Pietro als Frau und Pietros Schwarm interpretieren. Die Darsteller schaffen es nicht, sich zu identifizieren oder sich zu finden. Sie sind verloren. Eine Mischung aus Dragi-Komödie und Boulevard-Theater.

Pietro ist der erwachsene Sohn eines sizilianischen Tankstellenbesitzers, der mit seinen Eltern nach Neapel zieht. Pietro (Roberto Galbo) merkt, dass er eigentlich eine Frau sein will. Im Stück wird sie von Viola Carinci dargestellt. Er muss die Schule unterbrechen und an der Zapfstelle arbeiten.  Dann geht es 50 Minuten darum, wer welche Kleider anzieht und dass Pietro sich verliebt, von seiner Mutter (oder Vater) gewarnt wird, weggeht und wieder kommt, als sein neuer Partner ihm gesteht, dass er eigentlich eine Frau und zwei Kinder hat. Die letzte Szene zeigt ihn / sie dann als glückliche und tanzende Frau. Alle Puppen sind ausgezogen und die Personen tanzen nackt und eng über die Bühne. Die Kleider liegen verstreut herum.

Emma Dante ist so eine Art Botschafterin der italienischen Homo-Ehe. Sie setzt sich permanent für die  gleichgeschlechtliche Partnerschaft ein und nimmt dieses Thema auch immer wieder in ihren Produktionen auf. Das letzte Mal 2010 mit « Le pulle ». Sie ist definitiv ein Schuh-Fetischist.

Die Opera Burlesca war aber letztendlich dann nur lautes und eher flaches Boulevard-Theater; bekam aber viel Applaus.

Da meistens Sizilianisch gesprochen wurde, haben wir allerdings wenig verstanden und deshalb kein Recht, eine echte Kritik anzubringen.

Christa Blenk

 

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Romaeuropa

 

Vortex Temporum

 P1260547
nach der Vorstellung – Tänzer und Solisten

Vortex Temporum –Strudel der Zeit – ist einer der Beiträge der belgischen Choreografin Anne Teresa de Keersmaekers beim diesjährigen Romaeuropa Festival.

Sechs Instrumentalsolisten, Klavier, Klarinette, Flöte, Violine, Viola, Violoncello,  kommen auf eine mit unterschiedlichen weißen Kreisen markierte Bühne und beginnen mit dem Vortrag dieses spannenden und chromatischen Spätwerk des 1998 mit 52 Jahren verstorbenen französischen Komponisten Gérard Grisey. Das Werk für Klavier und fünf Instrumente an sich dauert ca. 35 Minuten und ist zwei Jahre vor seinen Tod entstanden.  Einzelne Teiltöne werden um einen Viertelton nach oben oder nach unten verschoben und verfremden so die Gesamtharmonie.

Der erste Satz findet  ohne Tänzer statt und endet mit einem Klaviersolo. Die Musiker verlassen die Bühne und die 6 Tänzer übernehmen, d.h. sie stehen erstmals (gefühlt)  nur einfach da.  Nach ein paar Minuten hat sich ihre Position aber doch verändert und dann beginnen sie einer nach dem anderen ihre Bewegungsabläufe. Es beginnt ein unruhiges und nervöses Herumirren, eine Suche, ein Kreisen, irgendetwas das wohl von einem anderen Stern kommen soll? Zeit oder besser gesagt das Vergehen und das Ausweiten dieser, spielt eine zentrale Rolle und eine Art Vortänzer oder Tonangeber schreit in unregelmäßigen Abständen Zahlen. Die nun sieben Tänzer bewegen sich ohne Töne, bis dann nach und nach die Musiker wieder hereinkommen und mit dem zweiten Satz beginnen, dieser ist sehr klavierlastig und endet aggressiv, in dem der letzte Tänzer den Pianisten vom Hocker stößt.

Im dritten Satz sind schließlich Musiker und Tänzer gleichzeitig aktiv und vereinen sich immer mehr zu einer schrägen Harmonie. Ein gefühlt (sicher bewusst) unorganisiertes und zum Himmel betendes perfektes Herumgerenne setzt ein. Manchmal tauchen die tanzenden Bilder von Matisse flüchtig auf, aber die unsichere Suche – jeder auf seine Art – nach dem Ausweg oder dem Schild „Exit“  aus diesem Strudel geht weiter. Immer wenn die Musik stoppt, müssen auch die Tänzer abrupt innehalten und in der Position verbleiben, die sie gerade eingenommen hatten. Und so wie es scheint, haben sie es am Ende auch gefunden. Die komplette Aufführung dauert 65 Minuten – 30 davon ohne Musik. Ein wenig zu lange!

Griseys interessante spektrale Musik wurde von den wirklich hervorragenden Instrumentalisten Jean-Luc Plouvier (Klavier); Chryssi Dimitriou (Flöte); Dirk Descheemaeker (Klarinette); Igor Semenoff (Violine); Jeroen Robbrecht (Viola); Geert De Bièvre Disegno (Cello) des Ensemble Ictus vorgetragen. Die musikalische Leitung hatte Georges-Elie Octors.

1960 ist Anne Teresa De Keersmaeker in Mechelen (Belgien) geboren und gehört schon seit den 90erJahren zu den bedeutungsvollsten und innovativsten Choreografinnen. Sie nimmt sich  immer wieder der zeitgenössischen Musik an. Bei Maurice Béjart in Brüssel und in New York hat sie studiert und 1983 ihre eigene Kompanie „Rosas“ gegründet. Die ausgezeichneten Tänzer  in Rom waren Boštjan Antoncic, Carlos Garbin, Marie Goudot, Cynthia Loemij, Julien Monty, Michaël Pomero, Igor Shyshko.

Die Uraufführung von Vortex Temporum fand 2013 bei der Ruhrtriennale stand.

Am 4. Oktober ist Keersmaekers mit „Verklärte Nacht“ nochmal dabei.

plakat-Keersmaekers

Christa Blenk

 

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Romaeuropa Festival 2015 : 887 – Robert Lepage

lepage
Robert Lepage vor seinem Puppenwohnhaus 
in der 887 Murray Street, Quebec
 

Lost Highway – Lost Horizon – Paradise lost

Ich erinnere mich …

Robert Lepage in einer beeindruckenden autobiografischen Ein-Mann-Show

Mit seinem Stück „887“ eröffnet der kanadische Bühnenbildner und Regisseur Robert Lepage (*1957) das Romaeuropa Festival 2015.  Erinnerungstheater, bei dem Lepage selber der (einzige) Hauptprotagonist ist.

Er kommt auf die Bühne und fängt an zu reden – auf Italienisch (später wechselt er immer zwischen Italienisch und Französisch). Wir wissen gar nicht, ob das schon zum Stück gehört oder ob es eine Einleitung zum Werk wird. Lepage referiert über die Schwierigkeit des Auswendig lernen, genauer gesagt über das Auswendig lernen des Gedichtes „Speak White“, ein legendäres Gedicht von Michéle Lalonde,  welches er anlässlich des 40. Jahrestages der Kreation des Literaturfestival von Montreal vortragen soll. Die Bühne ist schwarz.

Das erste an das er sich erinnerte, war seine damalige Telefonnummer: 681 5031. Dann hat es wohl doch schon angefangen. Plötzlich dreht sich die Bühne und ein vierstöckiger Wohnblock rollt herein. Wir erfahren, dass es sich hierbei um den Appartment-Block in der  887 Murray Avenue in Quebec handelt. Dort hat Lepage als Kind mit seinen Eltern, drei Geschwistern und einer an Alzheimer erkrankten Oma gewohnt. Er  beschreibt in der Folge die acht Parteien, die um die Familie Lepage herum (sie hatten das Appartement 5) wohnten und spezifiziert, dass zwei  Familien immerhin englischsprachig waren, die anderen sechs frankophon. Und obwohl er nur erzählt wie sie hießen, was sie machten, wie sie lebten, sind wir alle gespannt, wie es weitergeht. Es hat etwas von nostalgischem Voyeuristisches, wie wir da in Miniatur das Leben dieser acht Parteien hinter den beleuchteten Fenstern verfolgen!

Dann ein Sprung in die Gegenwart. Lepage ruft seinen Freund Fred an um ihn zu bitten, mit ihm das Gedicht zu lernen. Er bietet ihm Geld an. Es läuft aber nur der Anrufbeantworter und nach drei Anrufen ist der Speicher voll und er kann nicht mal mehr seine Telefonnummer hinterlassen. Diese Sequenz war ausgesprochen witzig und zeitgerecht. Fred kommt aber später dann doch vorbei und Lepage erfährt, dass Fred für die Nachrufe im Radio  zuständig ist und aufgehört hat zu trinken und zu koksen. Während er also dem nicht mehr trinkenden Fred Roiboos Tee kocht will er unbedingt wissen, ob für ihn, Lepage, den großen Theatermann auch schon ein Nachruf bereit liegt und vor allem was drin steht. Später bekommt er ihn von Fred zugeschickt und kommuniziert uns seine Wut damit. Das Gedicht kann er aber immer noch!

Er schiebt eine Wand, schließt eine Tür, öffnet ein anderes Fenster und manchmal fährt sein Vater, der früher der schönste Mann in der Stadt gewesen sein soll, mit dem Miniatur-Taxi vorbei und Legape winkt ihm vom dritten Stock aus zu. Wir sehen sein schönstes Weihnachten bei seiner Tante, die den reichsten Mann der Stadt geheiratet hat und in einem mehrstöckigen Haus wohnt. Den Weihnachtsbaum und die Einrichtung dieser Luxushütte zeigt ihr uns deshalb von oben. Robert bekommt vom Onkel einen Mini-Lincoln geschenkt und schon sind wir bei Abraham Lincoln und dem Mord an John F. Kennedy angekommen. Kettenreaktionsmäßig führt ein Gedanke zum anderen, begleitet von den sich immer wandelnden Bildern und Räumen. Geniales Puppentheater mit Riese!

Die separatistische Intellektuelle Michèle Lalonde hat „Speak White“ 1968 geschrieben und damit  die Problematik der Unabhängigkeitsbewegung im Quebec bzw. den Wunsch der französisch-sprachigen Bevölkerung nach Souveränität in den 60er und 70er  Jahren dokumentiert und auf den Widerstand gegen die englischen Autoritäten, die schon seit der Boston Tea Party 1773 Staat und Gesellschaft beherrschten, hingewiesen. Die Aktivitäten der terroristischen FLQ waren Ende der 60er Jahre an einem Höhepunkt angelangt. Lepage stellt damals erfolgte tödliche Bombenanschläge nach und wir spüren den Rauch nach der Explosion. Später lässt er dann eine Puppe die Worte De Gaulles „Vive Montreal, Vive le Quebec, Vive le Quebec libre, Vive le Canada francais, vive la France“ wiederholen, die dem damaligen französischen Präsidenten viel Ärger mit Kanada einbrachten. „Speak White“ wurde damals apodiktisch denjenigen entgegen geschleudert, die offen Französisch sprachen bzw. sich zur französischen Minderheit bekannten, zu der Lepage auch gehörte. Die Befassung mit diesem Gedicht also rief bei ihm ein come back der Kindheit. (Lepage ist 1957 geboren) und diese heikle Brandfackel des damaligen Sprachen- und Gesellschaftskampfes loderte wieder auf.

Er ist einfach genial, wie er über zwei Stunden lang alleine die Bühne beherrscht und das Publikum ohne große Mühe wie es scheint auf diese Reise mitnimmt bzw es in die Problematik mit einbezieht. Seine fabelhaften Modellpuppenhaus-Bilder verweben sich ineinander und schaffen ein kompaktes und stabiles Gesamtwerk.

Zum Schluß trägt er das Gedicht dann einwandfrei vor,  obwohl er die Reihenfolge der Dichter  „Milton – Byron – Shelly – Keats“ nicht einhält. Er hat das mit Fred geübt und sich BMSK  versucht zu merken. Es scheint aber niemanden gestört zu haben.

Dann hört sein Vater in der Garage nochmals den Song „Bang Bang“ von Nancy Sinatra, aber auf französisch und Applaus.

1957 ist Lepage im französische-sprachigen Quebec geboren; seit 30 Jahren spielt er in der  ersten Liga der Theaterwelt mit. Mit 887 hat ist er dieses Jahr zum Internationalen Edinburgh Festival gereist, zuvor wurde es aber in Toronto uraufgeführt.

Christa Blenk

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Impressionen Highlights 2014

Musik-Theater-Kunst-Highlights in Rom und anderswo - 2014

 

Isadora DuncanmercierPoseidon-TempelsalzP1140617Andante 2008- Óleo-lienzo 40×47 cm.bigbamboo3cellist-palazzo farneseTrabi goes MarcellomonduebervillaadrianathermepicknickKlagemauer

Cristina Crespo hat sich die tanzenden Musen vorgenommen, die Ausstellung dazu wird Anfang April in der Casa della Civetta stattfinden, während JN gleich selber die  zeitgenössische Topf-Symphonie dirigiert und dabei eine wirklich « bella figura » macht. In Paestum wird im Sommer 2015 zum ersten Mal ein Musik-Festival stattfinden (mehr wird noch nicht verraten). Ein Aufenthalt im bretonischen Salzland war genauso interessant wie der Besuch im Studio von Antonio Passa. Während « Andante » ihren Kopf nach unten steckt (oder in den Sand) steht der Big Bamboo immer noch und lädt ein, die Höhen zu erklimmen. Der italienische Cellist spielte die Bach Suite, die Rostropovic vor 25 Jahren an der Mauer spielte und der Trabi fuhr direkt durch das Teatro Marcello. In der Villa Adriana konnten wir unter unglaublichem Vollmond und vor alten Mauern das NDT mit erleben. Die Mauer der durch häusliche Gewalt getöteten Frauen steht auch noch, obwohl sie ihre Reinheit durch unschöne Schmierereien verloren hat. JN hat für eines seiner Fotos von der Mauer sogar einen Preis beim Goethe Institut Wettbewerb « Helden wie wir » gewonnen ……..

aber sehen Sie selber!

P1130230 2014 habe ich mich intensiver mit dem #neuen Rom beschäftigt und dazu EUR einen Besuch abgestattet. Im Laufe der ersten Monate 2014 ist daraus dann ein langer Artikel über die #zeitgenössische Architekturin Rom geworden, was mich später zu einer Serie Rom-Spaziergänge und im einzelnen über #Bernini, #Borromini und die #Renaissance in Rom animiert hat. Weitere werden folgen. Die meisten Bernini Skulpturen in Rom stehen in der Galleria Borghese und diese hatte ihnen für eine Zeitlang #Giacometti gegenüber gestellt. 2014 bekam Rom außerdem zwei neue #Stolpersteine .

GG_nb_06 Das Wagner- Jahr ging zwar 2013 zu Ende; die Oper Regensburg hat aber trotzdem oder deswegen im Januar 2014 eine sehr spektakuläre und witzige #Aufführung der Feen inszeniert. Mit Feen und Waldgeistern hatte sich 2013 auch #June Papineau befasst. Im Frühjahr 2014 zivilisierte sie ihre Laubfrauen und Moorgeister und brachte den #Great Goyesque nach Lausanne in eine Galerie. #Jean-Noel Pettit ha fait une traduction de cet article.

ex_passa Eine Entdeckung 2014 war der italienische Künstler  #Antonio Passa. Sein Ri-tratto di Antonio wurde von #Riccardo Santoboni vertont und daraus entstand eine Art mathematisch-malerische Symphonie, die er bei der Aufführung der Vernissage auch mit vier Musikern aufführte. Überhaupt gab es in diesem zu Ende gehenden Jahr viele Konzerte und Veranstaltungen, die sich mit zeitgenössischer oder elektronischer Musik auseinandersetzten, wie z.B. das #Controtempo Festival in der Villa Medici. Auch die Veranstaltungen des #CRM (Centro Ricerche Musicali) waren immer sehr spannend und anregend. Eine Ausstellung im Macro, #OASI,  brachte elektonische Musik und Kunst zusammen, bei #Feed Drum war es elektronische Musik und Tanz.

P1150956 Ein Expositions-highlight in 2014 war natürlich die lang erwartete #Frida Kahlo Ausstellung in den Scuderien. #Rodin war in den Diokletian-Thermen zu sehen. Aber auch die anderen Museen oder Galerien konnte durchaus mithalten. Es gab im ersten Halbjahr die #Impressionisten aus Washington in Ara Pacis, #Andy Warhol auf dem Corso, #Simon Hantai in der Villa Medici, Rodin in den Diokletian-Thermen und dann #Alma Tadema und die ästhetische Bewegung.

phantabrass-mit Schiaffini und Schiavoni Etwas ganz besonders und außergewöhnlich interessant war die Anwesenheit bei einer Live-Übertragung im Radio RAI3  Gebäude in Prati  die #Performance einer Anti-Kriegs-Kantate, gesungen und vorgetragen von #Silvia Schiavoni zur Musik von Giancarlo Schiaffini mit dem Orchester Phantabrass. Auch interessant war das Abschlusskonzert der Villa Massimo im Auditorium mit zwei Uraufführungen. Ein anderes « barockes » Highlight war Scarlattis  #La Giuditta » durch das Concerto Romano.

Parajes nuncios de Infinito (1999-2009) Nube von Carlos de Gredos – Foto Christa Blenk Im Frühjahr und Sommer  standen auch einige Reisen auf dem Programm. Die eine führte uns auf die Spuren von Jean Luc Bannalec auf die #Glenan Inseln und später dann in das Salzland der #Bretagneund der Vendee. Leider sind die beiden Fernsehfilme über diese Krimi-Geschichten total unansehbar und billig. Madrid stand im Mai auf dem Programm und damit verbunden ein aussergewöhnlicher Besuch bei #Carlos de Gredos in seinem Cerro Gallinero und eine dritte – sehr persönliche – Reise der Erinnerung ging nach San José und zum #Cabo de Gata. In Madrid habe ich außerdem die Künstler #Gerardo Aparicio und #Guillermo Lledó näher betrachtet. Im umgebauten Reina Sofia Museum fand gerade eine Ausstellung von Hanne Darboven statt, die mir die Künstlerin dann doch ein wenig näher gebracht hat.

vulkan4 Im   Sommer hat es uns außerdem auf den #Stromboli getrieben. Der Aufstieg sowie das Zurückkommen um Mitternacht war ein ziemlich unvergessliches Erlebnis und auf jeden Fall eines der Italien-Höhepunkte. Daraufhin haben wir uns dann gleich für das nächste Jahr die Ätna-Besteigung vorgenommen.

P1190873  Musikmässig war auch ganz schön was los im Frühjahr. Die Oper Rom traute sich an zwei #Ravel-Stücke, und es gab zwei sehenswerte Aufführungen von #Little Match Girl Passion und von #Brundibàr. Die #Ars Ludi beeindruckten uns wieder gegen die Zeit in einem der schönen #Aula Magna Konzerte. Die Saison im Auditorium Parco della Musica ging #swingend zu Ende. Darunter fällt auch ein Glanzauftritt der Mexikaner und wir haben gelernt, dass der Danzón mindestens so aufregend wie ein Tango sein kann. Brasilien hat auch zwei seiner besten Musiker nach Rom kommen lassen zu einem #bezaubernden Barockkonzert für Cembalo und Querflöte kurz vor Weihnachten.

P1200125  #Paola Romoli Venturi, die wir schon im letzten Jahr im #MAAM kennen gelernt haben, wir hier genauer betrachtet. Weitere neue Künstlerinnen auf dem blog sind #Christa Linossi und #Schirin Fatemi. Cristina Crespo arbeitet gerade an einer langen Geschichte über #Musen und Tanz, die hier genauer beleuchtet wird.

P1170074 Im Sommer fand wieder der Festival in der Villa Adriana statt. Wir haben uns Vorstellungen von #Martha Graham und dem #NDT angesehen. Auch in der Nähe von Rom, in Albano, fand dieses Jahr zum ersten Mal ein kleineres Festival statt, bei dem wir zwar ziemlich gefroren aber uns sehr gut bei der Cavalleria Rusticana unterhalten haben.  Auch open air war eine Veranstaltung in der spanischen Akademie vor dem bezaubernden Bramante Tempel. #Aire von Javier Moreno.

Unsicker-Chorus Assisi hat eine sehr umfangreiche Ausstellung über die Mauer-Kunst # »no more walls » organisiert. Wir sind hingefahren, um sie uns anzusehen. Auf dem Rückweg sind wir dann ein wenig durch Umbrien und  haben, Spoleto, Spell0, Perugia und  Gubbio besichtigt. Ansonsten haben wir viele kleine Orte in der Nähe von Rom besucht, meistens Tagesausflüge und alle sehr sehenswert wie #Calcata, Civitta di Bagnoreggio oder Grottaferrata und natürlich unser #Viertel San Lorenzo richtig kennen gelernt. Und dann kam im #November Paestum!

P1180729 Nach der Sommerpause wurden dann nach und nach viele interessante Ausstellungen eröffnet wie z.B. #Escher, Mario Sironi, Sander und Lerski in der Villa Massimo, ein Besuch in der Villa Medici lohnte sich auch wieder, #Memling ist noch bis zum 18. Januar 2015 in den Scuderien zu sehen so ist #Normann Rockwell. Die GNAM macht einen Rundumschlag zwischen Sezession und Avantgarde und:

jamieMcdermottinRom Das Romaeuropa Festival begann mit einer fantastischen Aufführung in der Villa Medici # »Il ballo delle Ingrate ».Wir haben auch einen Liederabend mitgemacht, der #Benjamin Britten gewürdigt hat sowie eine weniger gute Aufführung von King Arthur. Der Höhepunkt war die #Carmen mit Dada Masilo.

Palabras Die Casa di Goethe hat die Serie der Aktivitäten fortgesetzt und nach Grünbein und Lewitscharoff ging es mit Dichterlesungen , incontro Romani und Ausstellungen wie zB. mit der  Sammlung von Erdmannsdorff oder Portraits von Isolde Ohlbaum weiter. Ein Abend war Tischbein gewidmet. Und hier mache ich mal einen kleinen Exkurs ins Kino und stelle den besten Film in 2014 vor: nämlich #Grand Hotel Budapest.

cellist-palazzo farnese Und natürlich wurde auch der Mauerfall vor 25 Jahren hier gefeiert. Einmal mit einem #zeitgenössischen Konzert in der französischen Botschaft mit dem Titel « Jenseits der Grenzen ». Ein italiensicher Cellist spielte die Bach Suite wie dies  Rostropovic an der Mauer 1989 tat. P1190162-sepia-  petiteUnd zweimal war eine ganze Nacht lang der Trabi am Teatro Marcello antreffen.

imageEs gab auch wieder Gästebeiträge in 2014. Birgit Käppeler hat über ein deutsch-Italienisches Theaterprojekt in Zusammenarbeit mit dem St. Pauli Theater  in San Guzné in der Toskana berichtet. Blutige Aprikosen hieß das Stück, das in dem kleinen Ort mit Laiendarstellern auf die Bühne gebracht wurde.  Das Fenster in die Toskana ist vom lokalen Künstler Lorenzo Vanni.

Jean Noël Pettit hat den Artikel über « The Little Match Girl Passion » ins Französische und Brigitte Meyer hat das Portrait über Tiziana Morganti ins Italienische übersetzt.  Außerdem hat Brigitte Meyer das Portrait von Antonio Passa und die Musikbeschreibung von Riccardo Santoboni dazu ins Italienisch übertragen .

Vielen Dank!

borjaprimordial 011Als Zugabe gibt es dieses Jahr die Projekte, Aquarelle und Zeichnungen von Emanuel Borja, dessen Seite dieses Jahr ein wenig zu kurz kam. Was sich aber ändern soll. Die kleinen Holzskulpturen

proyectos realizados
Album : proyectos realizados
esculturas primordiales de los años 80 (gracias a Peter Jäger - que ha hecho el trabajo de scanear los diapositivas)
23 images
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 waren Modelle für sehr große Holzarbeiten, die aber – bis auf eine – beim Umzug von Rabat nach Rom leider zerstört wurden. Die Aquarelle
Acuarelas y naturaleza
Album : Acuarelas y naturaleza
Aquarelas de recuperación © Emanuel Borja/Christa Blenk
20 images
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 hingegen sind in Bonn entstanden, als er sich von seiner ersten Operation erholte; die Zeichnungen
dibujos
Album : dibujos
dibujos de E.Borja en su diario © Emanuel Borja/Christa Blenk
20 images
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 immer wieder zwischen durch. Ich habe sie aus seinen Tagebüchern eingescannt. So auch die Primordial-Projekte
Primordial
Album : Primordial
trabajos de los años 70 y 90 © Emanuel Borja/Christa Blenk
28 images
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P1190162-sepia-  petite Wer über die Feiertage einen kleinen Ausflug in Rom-Nähe machen möchten. Auf Artmore gibt es viele Vorschläge für Tagesausflüge. Gute Fahrt im Neuen Jahr 2015 wünsche ich und freue mich wieder auf Euren Besuch hier auf den blog mit Geschichten und Berichten aus Italien und mehr.

Vielen Dank an die treuen Leser, die interessanten Kommentare und das positive Feedback! Vielleicht möchte Jemand ja auch seine persönlichen Highlights mitteilen!

Bilderreise 2014

Christa Blenk

 

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Romaeuropa Festival 2014: Letizia Renzini

Loggia Villa Medici

Loggia und Aufführungsort (teilweise) – Villa Medici Rom

 

Mit einer Barock-Theater-Video-Oper-Skype-Show eröffnete Letizia Renzini das diesjährige Festival Romaeuropa.

Gebrauchsanleitung-balloingrate 
Gebrauchsanleitung und Programm des Abends

Il Ballo delle Ingrate (Der Tanz der spröden Damen) ist eine Oper von Claudio Monteverdi, die Claudio il Divino 1608 anlässlich der Hochzeit von Francesco Gonzaga, dem Sohn seines Auftraggebers in Mantua komponierte. Letizia Renzini und ihre Truppe inszenierten diese Barockoper auf eine sehr eigenwillige Weise und brachten viel Bewegung in den Ablauf: im wahrsten Sinne des Wortes. Auf der von den Künstlern eigens angefertigten Skizze, die wir anstatt eines Programms ausgehändigt bekamen, waren u.a. die Aktionspunkte vermerkt.

Wir mussten alle unten an der schönen Treppe warten, bis uns eine antik-gekleidete Dame nach oben zur Loggia brachte. Dort wurden wir  mit Schellen, Pauken und Trompeten (und Ohrschutz für die Ausruferinnen) empfangen, die vielleicht die Hochzeit angekündigten; oder war es die Aufforderung von Pluto, der an der Decke hing und grölte, an die schon verblichenen und spröden, in seine Unterwelt verbannten Damen, sich doch nochmal schnell nach oben zu wagen, um sich nach einem Mann umzusehen? Eine Stimme gab zwischendurch gute Ratschläge, wie man es als Frau nicht machen soll, wenn man einen Mann haben und auf der Erde bleiben möchte. Sitzplätze gab es keine. Kurz darauf wurden wir in den Hauptsaal geleitet und durften uns um das Geschehen platzieren. Hier lagen ca. 50 Kissen verstreut am Boden, aber es wahrend sicher doppelt so viele Zuschauer.

Jetzt verstanden wir auch, warum die Cafeteria geschlossen war. Ganz à la Giorgio Battistelli, wurde direkt neben uns massenhaft,  sehr laut und leidenschaftlich Geschirr zerschmettert.  Das war natürlich das notwendige Klappern zu Ehren der Storchengöttin für Liebe und Kindersegen zu sorgen,  hatte aber auch etwas von  einem Polterabend (dieser ist sicher auch aus diesem Grunde entstanden!). Wir waren, stehend, sehr glücklich positioniert  und konnten mit dem rechten Auge im Nebenraum live die Geschirr-werfenden Damen erleben und mit dem Linken das auf eine transparente Leinwand projizierte Video verfolgen. Nachdem wieder Ruhe eingekehrt war, spielten hinter der Leinwand zwei Musiker auf alten Instrumenten Monteverdis zauberhafte Musik bis schließlich Venus erschien Venus und zu singen anfing. Herzzerreißend ihre Arie, während sie wie bei einem gigantischen Tetris-Spiel ganz langsam eingemauert wurde, was das Publikum wieder über eine große Leinwand mit verfolgen konnte.  Diese Szene war umwerfend und wir vergaßen, dass wir stehen mussten und es ziemlich stickig im Raum war. Plötzlich sagte eine Stimme auf Französisch, dass das 19. Jahrhundert vorbei wäre  und wir hörten den Skype-Ton, der das Singen über den PC einleitete. Die Musiker wechselten in unsere Richtung und es wurde zeitgenössischer. Venus, die ebenfalls hinter uns auf  eine Leiter stieg, bleib bei ihren Monteverdi-Lamenti, und gab ihre Ratschläge nun von oben herab. Drei weißgekleidete junge Frauen zogen zeitgleich unsere Aufmerksamkeit auf sich, als sie hinter dem transparenten Vorhang zu tanzen anfingen:  eine von ihnen ist kurz vorher tanzend aus dem Kamin gestiegen. Die eingemauerte Sängerin auf der Leinwand wurde in der Folge von Buchstabenreihen abgelöst, die sich zu Sätzen wie „Cupid is no longer blind, non longer young…“ formten.

Nach diesem information overflow  durften wir wieder an die frische Luft auf die Loggia, auf der uns schon Amor erwartete, der mühsam zuerst sich und dann seinen Bogen hochzuheben versuchte. Dark Vader Schwerte leuchteten ihm dabei. Wie vorherzusehen, gelang es ihm aber nicht, also legte er hoffnungslos den Bogen wieder auf die Erde und verschwand traurig und niedergeschlagen im Garten.

Rasender, verdienter Applaus. Einfallsreich, witzig und originell.

Die Idee dazu war von Letizia Renzini. Sabina Meyer übernahm die musikalische Leitung und auch die Sopranrolle. Die Choreografie hat Marina Giovannini entwickelt, die Kamintänzerin.  Valentina  Nicolai spielte die Viola da Gamba und Andreas Arendt die Theorbe. Die zwei anderen Tänzerinnen waren Vanessa Geniali und Lisa Pazzagli.

Es wurde leider nur dreimal (zweimal am Donnerstag und einmal am Freitag) aufgeführt, sonst würden wir heute Abend nochmals hingehen.

Christa Blenk

 

P1180633 Während vor der Villa Medici gigantisch die Sonne unterging, fand innen ein gigantisches Spektakel statt

 

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Anfiteatro Festival di Albano

p1170567 Vom 27.7. bis 16.8.2014 findet zum dritten Mal das Anfiteatro Festival di Albano im Amphitheater von Albano Laziale (Nähe Rom) unter der künstlerischen Leitung von Maestro Renzo Renzi statt. Das Festival ist dieses Jahr sehr vielseitig und hat von Klassik, Jazz, Latino-Musik und Theater alles auf dem Programm.

Die Solisti Veneti eröffneten unter Maestro Claudio Scimone mit einem Programm, das von Vivaldi über Paganini zu Rossini ging. Das meist erwartete Spektakel dürfte allerdings am 14.8. stattfinden. Dann ist die italienische Theater-Ikone und der Shakespeare Start Giorgio Albertazi mit dem Kaufmann von Venedig zu erleben – und er wird Shylock sein.

Wir haben uns auch noch für eine Aufführung der Cavalleria Rusticana zwei Tage vorher, am 12.8., entschieden. Gianluca Zampiere, Paola Di Gregorio, Stefano Meo und Stefania Scolastici werden das einstündige Hauptwerk von Pietro Mascagni aufführen.

Wer aber viel Zeit und Lust hat kann sich auch die Gruppe con Compay Segundo mit einem Programm aus dem Film „Buena Vista Social Club“ anhören oder La Bohème (die in Caracalla musste ja leider ausfallen), den Pianisten Michele Campanella oder das Tanzspektakel Carmen und Carmina Burana bis dann am 16.8. ein Konzert mit den Sorelle Marinetti das Festival beendet.

Über die Aufführungen Cavalleria Rusticana und Den Kaufmann von Venedig wird es dann extra-Berichte geben.

#Mehr über den netten Ort

Christa Blenk

 

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Nederlands Dans Theater

thermepicknick 
Große Therme in der Villa Adriana, Tivoli (Foto: Christa Blenk)

Gastspiel des NDT 2 beim Festival Villa Adriana

Es ist 20.00 Uhr, die Besucher sitzen auf den Ruinen (was man eigentlich gar nicht darf) und essen ein mitgebrachtes Tramezzino oder sitzen locker und gelöst, trotzdem ab und zu einen Blick gen Himmel werfend,  zwischen den Ruinen an kleinen Tischen beim Spritz. Vor 20 Minuten hat ein blauer Himmel den Wolkenbruch abgelöst, der uns die 30 Minutenfahrt von Rom nach Tivoli erschwert hat und dafür verantwortlich ist, dass wir nun einen riesigen Regenschirm mit uns herumtragen. Der Abend ist gerettet und bis zu Beginn der Vorstellung um 21.00 Uhr laut Programm (21.30 Uhr reell) werden auch die Sitze wieder trocken sein und wir können unbeschwert dem dritten Tanz-Highlight – das auch das heimliche  Highlight des Festivals der Villa Adriana ist – entgegen sehen. Nach Martha Graham am 25.6. und Carolyn Carlson am 3.7. gastierte am 10. und 11. Juli  das Nederlands Dans Theater 2  (NDT 2) in der Großen Therme der Sommerresidenz von Kaiser Hadrian.

Vier unzusammenhängende und ganz unterschiedliche Choreografien hat das niederländische Ensemble nach Rom mitgebracht und damit die unglaubliche Spannweite ihres Repertoires unter Beweis gestellt. Die Bühnenbildutensilien reduzierten sich auf eine größere Anzahl von table-dance Lichtpfosten, einen roten Teppich, auf 16 weiße quadratische Podeste und einen kreativen Einsatz von Licht.

I new then ist der Titel des ersten Stückes, das der Schwede Johan Inger choreografiert hat. Begleitet von Van Morrisons Country-Musik (Madame George, The way young lovers do, I’ll be your lover too und crazy love) sind die Tänzer auf der Suche nach ihrer Identität und ihrem Weg, der irgendwo im Wilden Westen beginnt. Prüde, gewagt und sich vortastend finden sich Paare, um aus der vorherrschenden Langeweile auszubrechen ohne sich zu verraten. Manchmal wird auch gesprochen und das, was sich hinter den Lichtpfosten abspielt, kritisiert. Die Tänzer tragen alle Straßenkleidung und sind keiner gewissen Schicht zuzuordnen.

NDT2Kurzer Umbau bis zum Vier-Minuten-Stück  Shutters Shut (2003), auf das wir schon sehr gespannt waren. Die Kunst- und Literaturikone Gertrude Stein hat dieses surrealistisch-kubistische Gedicht If I told him: a completed portrait of Picasso 1923 geschrieben und damit die Poesie neu erfunden. Sol León und Paul Lightfoot haben die Choreografie hierzu entworfen. Ein Pas de deux im Dominoanzug (ein Tänzer in weiß/schwarz, der andere in schwarz/weiß). Der Originalton von Gertrude Stein begleitet die Bewegungen oder umgekehrt? Und wer dem englischen Text nicht folgen konnte, hat ihn von der Gestik der beiden fantastischen Solisten ablesen können. Mit elf Jahren ist das Stück fast schon ein Klassiker, der immer aktuell bleiben wird – so wie #Gertrude Steins Gedicht.

Anschließend wird ein quadratischer, ca. 50 qm großer roter Teppich, hereingerollt. Er ist die wichtigste Requisite für  Subject to change. Wieder eine Choreografie von Sol León und Paul Lightfoot (was für ein perfekter Name für einen Choreografen!).  Zu Schuberts  Der Tod und das Mädchen in der Orchesterversion von Gustav Mahler (1894), rollen vier schwarz gekleidete geschlechterlose Personen vor einem fünften Tänzer den roten Teppich aus, springen drüber und lassen ihn liegen. Ein Mädchen, das ein weißes Toten-Spitzenhemd trägt, tanzt sich über den Teppich, wird mit ihm gedreht, der Mann kommt dazu, sie tanzen gemeinsam, sie flieht, sie kommt wieder. Voller Emotionen und Eleganz diese beiden, immer eingerahmt von den vier schwarzen Personen. Es ist ein geniales Werk und besser könnten Musik, Choreografie und Optik nicht zusammen arbeiten. 2003 hat dieses Stück den Zwaan Award für die beste Produktion gewonnen.

monduebervillaadriana Während der kurzen Pause können wir einem zweiten Spektakel folgen. Als  Effekt des Fast-Vollmondes und der Beleuchtung rund um die Bühne beobachten wir auf der Mauer hinter der offenen Bühne wie riesige gespensterhafte Schatten tragen etwas von links nach rechts oder umgekehrt tragen. Später lernen wird, dass es Kakteen in unterschiedlichen Größen und Formen waren, die zum Einsatz kamen.   Alexander Ekman hat hier die Choreografie, das Bühnenbild und die Kostüme für Cacti entwickelt. Hier kommen die vorher erwähnten weißen ca. 2 qm großen Podeste und alle 16 Tänzer zum Einsatz. Jeder steht in einer anderen Pose auf seinem Podest. Der erste Eindruck versetzt uns direkt in die Centrale Montemartini, ein Skulpturenmuseum in einem alten E-Werk in Rom. Cacti ist viel mehr als nur Tanz. Es ist auch Theater, Slapstick und Kino (die letzte Sequenz hat mich an die fotografischen Bewegungsabläufe von  Eadweard Muybridge erinnert). Irgendwann werden die Legobausteine zu einer Art Bauhaus- oder Stummfilm-Konstruktion zusammengestellt.  Vor diesem Bau nun fängt ein Pärchen an, die schwierigen Bewegungen und Posen für Cacti nochmals zu proben. Sie animieren sich gegenseitig und analysieren  Schwachstellen, machen sich aber auch ein wenig lustig über sich selber und das Stück.  Ein geniales Zwischenspiel, bis dann wieder alle tanzen und die Kakteen auf die Bühne bringen, die in der Folge in den Ablauf mit einbezogen werden. Ekman will uns wohl davon überzeugen, dass Tanz auf keinen Fall trocken und stachelig sein muss. 2010 wurde er für den Zwaan Award nominiert. Die Musik zu dieser Kreation ist von Haydn, Beethoven und wieder Schubert. Mit ihrer hautfarbenen Oberkörperbekleidung wirken sie auf den ersten Blick nackt und wie kleine flinke Aliens – befremdend und faszinierend-betörend. Vollkommen sind sie, unverwechselbar-anmutig und natürlich-perfekt.

taenzerndt1 Ob die Tänzer absichtlich anonym blieben oder das Programm nur schlampig gemacht war, habe ich nicht herausgefunden. Den Solisten wurde jedenfalls kein Name zugeordnet; nicht mal beim Pas de Deux von Shutters Shut. Ist auch nicht unbedingt tragisch, weil sie alle genial waren und eine große Tanzzukunft vor sich haben werden. Zur Zeit besteht aus Ensemble jedenfalls  aus :  David Ledger, Dévi Selly, Clara Villalba, Olivier Coeffard,  Chuck Jones, Fernando Troya, Spencer Dickhaus, Clement Haenen, Imre van Opstal, Casia Vengoechea, Richel Wieles, Xanthe van Opstal, Violet Broersma, Daan van der Laar, Luke Cinque-White, Gregory Lau, Luna Mertens, Yukino Takaura, Katarina van den Wouwer.

Standig ovations und nicht enden wollender rasender Applaus für diese einzigartigen und außergewöhnlichen Tänzer, die federleicht, elegant und mit spielerischer, stressfreier und hochkonzentrierter Perfektion über die Bühne huschten. Permanent und immer wieder aufs Neue überrascht folgten wir ihnen, wie sie sich faltend, rollend, auf das Podest trommelnd, von einer Ecke in die andere schmissen.

Das Nederlands Dans Theater wurde schon 1959 gegründet, u.a. von Hans van Manen, der lange Jahre dessen Leiter war bis 1975 Jiri Kilián für 20 Jahre die Regie übernahm. Das NDT 2 entstand 1978 als Sprungbrett auf das Welt-Tanzparkett für besonders junge und begabte Tänzer und Hochschulabsolventen (die jüngsten sind 17 Jahre, die ältesten 22).  John Lightfoot und Sol Léon haben 2001 die künstlerische Leitung des NDT 2 übernommen.

Das Nederlands Dans Theater wird übrigens die Internationalen Tanzwochen in Neuss 2014/15 eröffnen.

Christa Blenk

 

 

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Martha Graham Dance Company in Kaiser Hadrians Sommerresidenz

Villa Adriana Villa Adriana

 

2011 stand das damals gerade mal fünf Jahre junge Festival Internazionale di Villa Adriana schon wieder vor dem Aus – zum großen Bedauern Aller. Dann taten sich aber die Fondazione Musica per Roma und die Regione Lazio zusammen und eröffneten am 18. Juni 2014 die 6. Ausgabe dieses Festivals. Und: Das auf zeitgenössischen Tanz ausgerichtete Programm kann sich wirklich sehen lassen.

Den gestrigen, vierten Abend also gestaltete die Martha Graham Dance Company, die mit drei Klassikern und einem Stück von Nacho Duato das Publikum in den Ruinen der großen Therme der Hadrian Villa bei Tivoli begeisterte.

Diversion of Angels“ ist eine Choreografie von Martha Graham aus dem Jahre 1948 und es geht hier um Liebe: um romantische, jugendliche und reife Liebe. Ein fast schwereloses malerisch-pittoreskes Stück zu einer Musik von Norman Dello Joio. Drei Paare stellen verschieden Epochen im Leben einer Frau dar (das rote Paar steht für Ekstase, das Weiße für reife, gewachsene Liebe und das gelbe Paar für Flirt und Teenager-Verliebtheit). Ein Bild von Wassily Kandinsky hat sie dazu inspiriert und die rote Frau (Mariya Dashina Maddux) die knisternd über die Bühne wirbelt und ihr kurzes Stolpern so elegant meisterte, dass man es fast nicht bemerkte, tanzt direkt aus dem Gemälde heraus!

Kurzer Umbau für „Errand into the Maze“. Graham hat diesen Pas de Deux 1947 zu einer Musik von Gian Carlo Menotti entwickelt. Hier – wie auch beim ersten Stück – zeichnete Isamu Noguchi für die Originalfassung in der Martha Graham mit Mark Ryder tanzte. Ihr Interesse für griechische Mythologie hat sie hier wieder mal ausgelebt. Es ist die Geschichte von Theseus und dem Minotaurus. Theseus und Ariadne sind eine (weibliche) Person. Sie tanzt sich leicht, hänselnd und sich vortastend in das Labyrinth, und gewinnt nach langem Hin und Her den Kampf gegen das böse Mensch-Stier-Geschöpf, der auf geniale Weise mit nur einem Stock zwischen den über dem Kopf gekreuzten Armen an Picassos Minotauren erinnert. Geniale Choreografie und Blakeley White-McGuire und Ben Schultz waren fantastisch und unschlagbar.

 Als letztes Stück vor der Pause präsentierte die Company eine ganz frische Choreografie vom derzeitigen Leiter des Berliner Staatsballetts, Nacho Duato. Er hat es für die Graham Company entwickelt und vor drei Monaten wurde es in New Tork uraufgeführt. Wir sind erst das dritte Publikum, das dieses Werk zu Sehen bekommt, sagt uns die künstlerische Leiterin ganz zu Anfang der Vorstellung. Sie verrät auch, dass Duato für „Depak Ine“ von Darwins Evolutionstheorie angeregt wurde. Die Musik, genauso mystheriös und gespensterhaft wie die Choreografie, ist von Arenije Jovanovic und John Talabot. Ein rituelles, primordiales Erlebnis, furchterregendes und Funken sprühendes schnelles Stück, das unsere ganze Aufmerksamkeit erforderte, um nichts zu verpassen. Halbunkel, ein wahrscheinlich totes, sehr junges Mädchen liegt dekorativ am Rande der Bühne, bekleidet nur mit einem fleischfarbenen Body. Nacheinander kommen die Mitglieder diverser Stämme oder Gemeinschaften auf die Bühne und versuchen miteinander zurecht zu kommen. Irgendwann sieht man dann wie sich diese Arme, Beine, Rücken zu einem Knäuel fusionieren und die tot Geglaubte langsam ins Leben zurückholen. Stille, die Musik verändert sich, Vögel singen. Sie wird von drei Männern hin- und hergeschoben oder geworfen bis sie böse und agressiv. Zum Schluss nimmt sie wieder ihren Platz als Tote am Boden ein. Die erste Szene wird dann wiederholt, aber diesmal zieht sich der Guru eine Mütze über den Kopf und verschwindet in der Dunkelheit.

 Beeindruckend, kraftvoll, schön und eine perfekte Vorbereitung für das „Frühlingsopfer“, bei dem sich ein Mädchen zu Tode tanzen soll, um den Frühling hervorzulocken. PeiJu Chien-Pott ist sagenhaft; aber auch die anderen Tänzer dieser bunten Truppe wie Tadej Brdnik, Natasha Diamond-Walker, Abdiel Jacobson, Lorenzo Pagano, Ben Schultz, Ying Xin und Blakeley White McGuire – ich konnte sie leider nicht identifizieren – waren umwerfend, wie sie sich knochenlos und kraftvoll miteinander verbanden.

Nach der Pause also dann Igor Strawinskys Skandalwerk „Le Sacre du Printemps“. Martha Graham hat es 1984 aus einem Frühwerk von 1930 entwickelt, als sie sicherlich schon die Skandalaufführung aus Paris kannte. Hier hat natürlich Pina Bausch die Latte sehr hoch gehängt mit ihrer in den 70er Jahren entstandenen und eigentlich nicht zu übertreffenden Choreografie. Diese hier, ein wenig schwerfälligere, hat zeitweise eher an die Diaghilev Inszenierung erinnert. Der Einzug der Mädchen und der Jünglinge ist überrumpelnd, hämmernd und genial, die Auswahl des Opfers trifft bei Graham nur ein Hohepriester (Ben Schultz) und sie geht schnell von statten (bei Pina Bausch ist das eine der wichtigsten Szenen, da man bis zum Schluss in Atem gehalten wird, wer wohl das Opfer werden wird). Nach ein paar kleinen Längen und ein wenig hoffnungsloser Unsicherheit, wohin denn das Opfer nun tanzen soll, kam aber das Rituelle und das Pagane mit voller Kraft wieder zurück. PeiJu Chien-Pott, die auch schon das tote Mädchen beim Nacho Duato Stück tanzte, hat uns sehr beeindruckt.

Faszinierend und aufregend, eine so ganz andere Version vom Frühlingsopfer zu erleben.

 Viele Déjà-vu-Erlebnisse gab es an diesem Abend und man erkannte immer wieder die Bewegungsabläufe und Körperformationen, die Martha Graham ihren unzähligen Schülern, die auch fast alle Weltrang erlangten, wie Merce Cunningham,z.B., mitgegeben hat. Alles, was der moderne und zeitgenössische Tanz heutzutage noch zu bieten hat, hat Graham irgendwann schon mal gebracht oder wenigstens angeregt. Interessant auch die Programmauswahl, zwischen diesen doch zum Teil älteren Choreografien (immerhin sind zwei davon fast 70 Jahre alt) eine so Aktuelle zu sehen. Sie bewegten sich manchmal weit voneinander weg, gehörten aber trotzdem zusammen – und die Frische in den Graham-Stücken hat durch die Konfrontation mit der aktuellen genialen Choreografie von Nacho Duato nicht gelitten, im Gegenteil!

 Dance is the hidden language of the Soul (Tanz ist die verborgene Sprache der Seele) – das sagte Martha Graham 1985; da war sie 90 Jahre alt und leitete immer noch die von ihr Ende der 20er Jahre gegründete Martha Graham Dance Company. Fünf Jahre später, im Alter von 96, ist sie an einer Lungenentzündung verstorben als sie gerade über ein Projekt für die Barcelona-Olympiade reflexierte.

 Spät für eine Tänzerin, erst mit 18 Jahren, hat die 1894 in Pennsylvania geborene Tochter eines Psychiaters zu Tanzen angefangen. Mit 75 Jahren gab sie ihre letzte Vorstellung. Vom Time Magazine wurde sie zur Künstlerin des Jahrhunderts erkoren. Martha Graham spielte in der gleichen Liga wie die anderen Pioniere des 20. Jahrhundert: Picasso, Strawinski oder James Joyce.

 Die Ikone, Tänzerin, Choreografin und Tanzpädagogin Graham ging 1926 von Los Angelos, wo sie ihre Ausbildung absolvierte, nach Manhattan zurück und gründete die Martha Graham School of Contemporary Dance. Sie hat das Ballet vom Krinolinen-Korsett befreit und in den trotz „Prohibition“ vergnügungssüchtigen und vom Charleston und Foxtrott tanzenden „Roaring Twenties“ den Modern Dance erfunden. Mit ihren revolutionären und innovativen Choreografien hat sie ihr Publikum ziemlich oft überfordert. Die künstlerische Leiterin Janet Eilber sagte einmal, dass es Martha Graham genügte, wenn nur eine Person im Publik ihre Choreografie verstand. Bei Martha Graham flossen Malerei und Literatur genauso in ihre Arbeit ein wie monotheistische und pagane Kulte, indianische Erzählungen und griechische Mythologie. Die Bewegungsabläufe wecheln von kernig-bodenständigen zu dyamisch-rythmischen Bewegungen. Ihre Kreationen sind kraftvoll, einfühlsam oder gefühlsbetont, ruckartig, unerwartet, aufgebracht und rasend, angriffslustig und manchmal auch unschön, wie griechisches Theater. Graham war fasziniert von der griechischen Tragödie und der Mythologie. Immer wieder griff sie auf die alten Griechen zurück: Wie Errand of the Maze, Klytemnestra 1958, was für sie den endgültigen Durchbruch brachte oder Phaedra 1962, ihr Beitrag zur sexuellen Revolution (es wurde sogar vom Kongress beinahe verboten). Eine Landschaft des Herzens (ihre Worte) wollte sie zeichnen. Die Musik zu ihren Stücken hat sie sich m meisten von ihren Zeitgenossen geholt, aber zuweilen auch von Händel oder Bartok.

Als sie Ende der 20er Jahre dann ihre Dance Campany gründete, waren erstmals nur Frauen dabei. Erst 1938 kam ein Mann, Erick Hawkins, in ihre Company. Ihn hat sie später auch geheiratet aber nach ein paar Jahren haben sich die beiden wieder getrennt. Knapp 200 Stücke hat diese politische Tanzpädagogin ausgearbeitet und aufgeführt und wurde dafür mit vielen Preisen ausgezeichnet. Aber nicht nur Balletttänzer zog es zu ihr: Madonna, Woody Allen und Gregory Peck z.B. liessen sich ebenfalls in ihren Schule ausbilden und lernten, wie man sich zu bewegen hat.

Die künstlerische Leiterin Janet Eilber hat die Regie über die Kompanie nach Grahams Tod übernommen und auch mit Vorsicht das Repertoire erneuert ohne Verrat an Martha Graham Geist und Philosophie zu begehen. Sie trainiert die Fortgeschrittenen und hält Sommerkurse über die Graham Technik, kurz: Die Verbindung von Körperlichkeit und Emotionalität, von Spannung und Entspannung. Sie war ein vollkommenes Theatergeschöpf. Es war ihr völlig bewusst, welchen Einfluss und welche Auswirkungen sie auf andere hatte. Das Einzigartige an ihr war, dass sie an der Körpersprache Gefühle und Gedanken ablesen konnte. Deshalb konnte sie jeden sehr leicht manipulieren. Martha Graham begriff den Tanz als pulsierenden Rhythmus des Lebens. Den natürlichen Atemfluss nutzte sie als Energie für ihre Choreografien (Eibars Worte).

Die Sommerresidenz von Kaiser Hadrian liegt kurz vor Tivoli, ca. 30 km von Rom entfernt. Er hat sie vor ca. 2000 Jahren erbauen lassen. Eine beeindruckende Anlage mit Bibliotheken, Thermen, Theatern und kleinen Seen, die auch einen Besuch lohnt, wenn es kein Festival gibt. An der Organisation krankt es wie immer ein wenig. Die Aufführung fing erst 45 Minuten später als geplant an, also kurz vor 22.00 Uhr, das hatte zur Folge, dass man den ca. 15 minütigen etwas matschigen Rückweg durch die Ruinen und alten Olivenhaine gegen Mitternacht nur unter den Sternen zurücklegen musste, weil die Kerzen durch die enorme Verspätung schon abgebrannt waren. Aber immerhin kam nach einem regnerischen Tag zwei Stunden vor Beginn der Aufführung die Sonne raus und wir saßen im Trockenen. Schade für alle Tanzfreunde, die das verpasst haben.

Als nächstes Highlight gibt es dann das Nederlands Dans Theater und Carolyn Carlson.

 Christa Blenk

VillaAdriana - klaus und Luis 010

 

ARTMORE – Rom aktuell

auf

Artmore – Impressionen2

findet Ihr Anregungen und Berichte über die aktuellen Ereignisse in Rom:

Am Tiber

 

 

 

roma-tiber 027roma-tiber 005Am TiberAm Tiberpalazzo borgia romaromnov2012 024ForumromanumPini RomaniPiniRomani 001

Christa Blenk

« Impressionen »-Highlights in 2013

Favoriten – Ausstellungen – Konzerte – Lesungen und Entdeckungen!

Hier also ein kunst-musikalisches Pot-Pourri! Hinter jedem Foto liegt der Text bzw. im Begleittext sind verweisende links eingebaut.

Blicke  auf Rom, vom Big Bamboo,  ins Mittelmeer (Ravello), von den Wolken (Cerro), auf den Atlantik (Gois), auf die Antike (Montemartini)

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Der große Maestro Hans-Werner Henze ist am 27. Oktober 2012 in Dresden verstorben. Dort hielt er sich gerade auf, um bei der Aufführung von „Wir erreichen den Fluss“ dabei zu sein. Sein letztes Werk „Ouvertüre zu einem Theater“ wurde am 20.10.2012 in Berlin uraufgeführt! Pappano hat diese kleine Komposition dem Publikum  im Auditorium vor kurzem vor der Aufführung der  „Petite Messe“ seines Requieums im Auditorium in Rom am 10. März 2013 geschenkt.

Auch Geburtstag feierte Benjamin Britten mit Curlew River und in Florenz mit der Schändung der Lukrezia. Und natürlich Verdi und Wagner. Eine große Cellistin und Expertin für Zeitgenössische Musik ist Ulrike Brand.

Auditorium 007 Henze Requien im AuditoriumVersione italiana

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Projektkünstler Hannsjörg Voth hat in der Wüste von Marokko (Marha Ebene) drei faszinierende Großwerke in 20 Jahren errichtet. (Text Portrait Christa Blenk). Der Katalogtext von Emanuel Borja existiert in 5 Spachen.

Pace Barón ist ein landart-Künstler der anderen Art. Ein weiterer « hors série » Künstler war Marcel Duchamps – seine ready mades sind immer noch in der GNAM zu bewundern.

voth  Hannsjörg Voth und drei Projekte in der Marha Ebenetexte francaisversion españolaEnglish version of text –   Versione italiana

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QNG ist keine Abkürzung einer neuen internationalen Organisation oder ein Tippfehler, sondern steht für « Quartet New Generation » und so originell wie ihr Titel ist auch ihre Musik. Heide Schwarz, Susanne Fröhlich, Petra Wurz und Inga Klaucke kamen auf Einladung des Goethe Instituts nach Italien und nach einem Auftritt in Palermo und Neapel, standen sie am Samstag Abend in Rom in der Via Savoia auf der Bühne. Auch mit Flöte befasste sich ein Happening im Auditorium.

Flöte 006QNG Flötenkonzert – Phantasie und Symmetrie

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You can’t, you won’t, you don’t stop. Immer höher! Vor diesem Kunstwerk steht kein « bitte nicht anfassen »-Schild! Im Gegenteil: man soll dieses leicht transparente Geflecht sogar berühren und wenn man sich traut, darf man das hohe kolossale Monster – nach Unterschrift eines Haftungsausschlusses – sogar erklimmen. Wir haben den Berg, trotz Anfangszweifel, bis ganz oben bezwungen! Im MACRO wirden außerdem jedes Jahr der « Artist of the Year » der Deutschen Bank präsentiert. Um nicht mehr entkommen können geht es auch bei Blaubarts Burg.

bigbamboo2 025Big Bambou im MACRO Testaccio

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Die US-schweizerische Installationskünstlerin June Papineau, verbringt seit 2004 viel Zeit mit ihren Bäumen im Etournel. Umgeben von Elfen und Baumgeistern arbeitet sie an ihren « tree skins » bis sie abtransportiert und ausgestellt werden. Der nächste – great goyesco – wir 2014 in Lausanne zu sehen sein. Ein Besuch mit ihr in diesem Moor-Biotop war ein Abenteuer der ganz besonderen Art. Und Paola Romoli befasst sich mit den Mägen der großen Meeresbewohner.

Auch mit einer Nase hat sich Schostakowitsch beschäftigt. Seine Oper wurde in Rom – Regie Peter Stein – aufgeführt. Eine weitere starke Amerikanerin war Louise Nevelson.

etournel 043 Great Goyesco – Zwischen Moorgeistern und Laubfrauen

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Helena Aikin ist fasziniert von Labyrinthen und ihren Geschichten und baut sie in verschiedenen Größen und Plätzen der Welt nach. Eines ihrer Werke ist im Kunst- und Naturpark Cerro Gallinero in der Nähe von Avila in Spanien zu begehen.

evora1Walkable Labyrinths

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Faszinierende Ausstellung der Werke von Pierre Soulages in der Villa Medici in Rom. Die französische Akademie organisiert ausserdem Konzerte meistens mit zeitgenössischer Musik wie dieses Portrait des XXI Jahrhundets z.B. Das Romaeuropa Festival hat auch in der Villa Medici stattgefunden. Ein Abend für Stockhausen.

Theatermässig war das Festival ebenfalls sehr aktiv u.a.mit den Wohlgesinnten, Hedda und dem Kulturquizz  The power of theatrical madness. Mit Theater befasst sich auch Isabelle Huchet

Soulages2 002Soulages in der Villa Medici

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Der italienische Tenor Marcello Nardis singt die Wesendonck Lieder in Ravello und verzaubert in Klingsors Garten das Publikum – am Klavier wunderbar Laura de Fusco.Vor kurzem hat er hier in Rom die « Winterreise » vorgetragen. Hier gibt es mehr Infos über Marcello Nardis.

Pina Bausch in Neapel rundete die Ravello Reise ab.

Ravello 067 Marcello Nardis a Ravello

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Eugen Ruge schreibt ein Buch über Cabo de Gata und hat damit alte Erinnerungen geweckt. César Borja hat zum Cabo auch eine besondere Beziehung. Eine andere Lieblingsecke von mir ist am Atlantik – der Gois und dort gibt es eine Besonderheit: die Barrieren in der Vendée.

SAN2 Cabo de Gata -  Buchbesprechung Eugen Ruge

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Tizian ist der Größte, die Ausstellung in den Scuderien del Quirinale in Rom hat das wieder einmal gezeigt. Samson und Dalila hat er auch einmal gemalt. Aber hier geht es um Musik.

Zur Zeit zeigen die Scuderien die Ausstellung über Augustus und Cleopatra. Dazu passt dann ein Besuch beim Centrale Montemartini.

Tizian in den Scuderien – Großausstellung in Rom

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Sibylle Lewitscharoff las in der Casa di Goethe aus ihrem Buch « Blumenberg » vor und alle wünschten sich anschließend auch einen Löwen! Sie ist 2013 Stipendiatin der Villa Massimo – die Musikstipendiaten dieses Jahr waren ebenfalls sehr aktiv und Casa di Goethe hat nun eine Reihe mit Dichterlesungen begonnen. Giuliana Morandini lebt zwar nicht über Berlin – schreibt aber am liebsten über Mitteleuropa. Und die wunderbaren Holzskulpturen sind Werke von Emanuel Borja.

borjaprimordial 011Blumenberg – Lesung Casa Goethe

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The Cast im MAXXI. Clemens von Wedemeyer befasst sich mit dem italienischen Kino und entführt uns ins besetzte Teatro Valle und nach EUR. Dort hat schon des öfteren Tiziana Morganti ausgestellt. Von Wedemeyer  ist dieses Jahr ebenfalls Stipendiat der Villa Massimo. Ebenfalls im MAXXI die Ego-Reise Stigmata.

P1120848The Cast im MAXXIversione italiana

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Der russische Pianist Mikhail Rudy hat in der Aula Magna die  Originalversion von 1928  für Piano und synchronisierter Videoinstallation vorgetragen. Ein akkustisches und visuelles Erlebnis. Das Programm der Aula Magna ist aber auch sonst immer aufregend und speziell, so gab es eine Reise mit Steve Reich, ein  Konzert zu Ehren Luciano Berio und Paul Angus mit Zauberei und Mythos.

Kandinsky Musorgsky con pianoforteInspirationen: Hartmann – Mussorgsky – Kandinsky

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Entdeckung

Spurensuche Wohin 2013 KopieDie Entdeckung in der Künstlerszene ist die Fotokünstlerin  Christa Linossi und ihre Spuren kann sie ab jetzt nicht mehr verwischen. Auch entdeckt haben wir die Sammlung Netter und natürlich die DVD der neuen Oper von Elzbieta SikoraMadame Curie!

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und als Special

Vernissage-Tiziana 075natürlich die Vernissage Tiziana Morganti im Juni

Portrait für KULTURA EXTRA

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Aber nicht nur über Veranstaltungen in Rom und Italien wurde berichtet. In Paris gibt es  eine Ausstellung über Poliakoff, über den flämischen Maler Jordanes und über die wunderbare Ausstellung Renaissance und der Traum.

In München wurde die Neue Pinakothek wieder eröffnet,

Paris 1900 André Boudreaux

Ende der Highlights

Vielen Dank an Brigitte Mayer, Jean Noel Pettit, Irmi und Dan Feldman, sie haben an den verschiedenen Übersetzungen gearbeitet.

Kommentare über Ihre persönlichen Highlights sind herzlich willkommen!

Christa Blenk

RomaeuropaFestival Special – Hedda Gabler

RomaeuropaFestival Special  - Hedda Gabler dans Theater 05102013-034-150x150 GNAM Eingang (Foto: cmb)

Ich wollte etwas schreiben was allen gefällt“. Dieser Satz von Ejlert Løvborg  ist wohl für Thomas Ostermeier der wichtigste Satz in dem Stück. Und so hat er es auch  inszeniert, so dass es allen gefällt. Sauber, Brav, schön, durchsichtig, tragi-komisch. Jeder kommt auf seine Kosten. Bei dieser Inszenierung kann einfach nichts schief gehen.

Vor uns auf der Bühne der Nachbau einer Mies-van-der-Rohe Villa, eine große Glas-Schiebetür, die permanent auf- und zugemacht wird und auf der Regen herabprasselt und dann rieselt. September in Oslo. Das einzig nicht transparente ist eine weiße Wand, hinter der die Schauspieler dann und wann verschwinden, aber nur von der Bildfläche, nicht aus unseren Augen. Die großen Spiegel über der Bühne sorgen dafür, dass nichts verheimlicht wird. Die Pistolen von General Gabler sind in einem kleinen Köfferchen aufbewahrt und die Hüttenschuhe bzw. Pantoffel vom Professor in spe Jørgen Tesman werden ihm in Zeitungspapier gewickelt von Tante Julle übergeben. Ein Film läuft im Hintergrund, wie sich das heutzutage im Theater auch so gehört. Die Bühne dreht sich und wir bekommen das luxuriöse Wohnzimmer von allen möglichen Blickwinkeln zu sehen. Nichts wirklich Neues, aber durchaus gelungen und ansprechend das Bühnenbild.

Jørgen und Tante Julle sitzen im luxuriösen Wohnzimmer, überall stehen Blumen in großen Vasen (eine davon wird Hedda später mit ihrer Pistole kaputt schießen), und während er auf seinem Apple arbeitet, erzählt er Tante Julle von seiner 6-monatigen Hochzeitsreise (für ihn war sie allerdings eher eine Forschungsreise und für Hedda ein Grauen). Tante Julle (Lore Stefanek) will hören, wie es war mit der schönen Hedda, er aber erzählt nur von Bibliotheken, alten Schriften und von der bevorstehenden Ernennung zum Professor. « Ich hab Dir doch alles schon am Telefon erzählt ». Hedda Gabler Tesman taucht auf, im Schlafanzug. Sie gibt der Tante höflich die Hand, weigert sich allerdings, sie so zu nennen. Sogleich bekommt die Arme auch schon die erste Spitze: « die Putzfrau taugt nichts, sie hat ihr schreckliches altes Käppi liegen lassen », sagt sie. Tante Julle hatte es sich extra gekauft, um Hedda zu beeindrucken. Die Tante tritt leicht verlegen ab und Thea Elvsted erscheint. Sie ist eine ehemalige Verflossene von Tesman und bittet diesen, Ejlert Løvborg der in der Stadt sei, anzurufen. Løvborg, ein Freund und Konkurrent von Tesman, hat gerade ein erfolgreiches Buch herausgebracht « Du brauchst es nicht zu lesen, es taugt nichts, ich habe es so geschrieben, dass es Allen gefällt » würde er später zu Jørgen sagen. Mit Hilfe von Thea, mit der er wohl ein Verhältnis hat und die die Frau seines Arbeitgebers ist (er gibt seinen Kindern Nachhilfe), arbeitet er an einem zweiten Buch und dieses würde der Hit werden. Tesman ruft ihn auf Drängen von Hedda an (er war vor längerer Zeit intensiv mit ihr liiert) und lädt ihn für den Abend ein. Brack taucht auf, er hat sich um die Einrichtung und Herrichtung des teuren Bungalows gekümmert (mit Tante Julles Rente als Bürgschaft) und scheint der Hausinformant zu sein. Er erinnert Tesman an den Männerabend. Tesman lehnt ab mit der Begründung, dass er gerade Ejlert Løvborg zum Abendessen eingeladen habe. Brack bezweifelt sein Kommen und erzählt, dass Løvborg ein Konkurrent für die Professorenstelle sein könnte, da dieser Posten dieses Mal wohl ausgeschrieben werden solle. Großes Drama. Hedda, die bis jetzt ganz brav war, horcht auf und plant. Als die beiden Männer gerade gehen wollen, kommt Løvborg. Kaltschnäuzig und arrogant tritt er auf. Er sieht gut und gepflegt aus und hat aufgehört zu trinken. Hedda provoziert ihn und Thea so lange, bis er doch zum Champagner greift und kurzentschlossen nun zum Herrenabend mitgeht. Thea bleibt bei Hedda zurück. Sie schlafen auf dem Sofa ein und werden morgens um 4 Uhr wach. Weder Tesman noch Løvborg, der um 22.00 Uhr Thea abholen wollte, sind nach Hause gekommen. Thea geht ins Gästezimmer, Tesmann erscheint mit der Aktentasche von Løvborg in der sich der PC mit dem neuen Buch befindet. Hedda nimmt es ihm weg. Er geht schlafen, sie zerstört mit dem Hammer den PC und verbrennt den Rest auf dem Grill « Jetzt töte ich Theas Kind », sagt sie. Ihrem Mann wird sie später erzählen, diesen Vandalismus nur für ihn und seine Karriere begangen zu haben. Woraufhin Tesman von Wut und Enttäuschung in Bewunderung und Zärtlichkeit für seine Frau übergeht. Als sie ihm auch noch von der Schwangerschaft erzählt, ist sein Leben wieder perfekt. Er ist wirklich ein Jammerlappen und eigentlich ist er der bad guy. Løvborg taucht auf und erzählt Hedda und Thea heulend, er hätte die Tasche ins Meer geworfen. Das Buch sei weg. Hedda bleibt mit ihm alleine und gibt ihm – bevor er geht – eine ihrer Pistolen mit dem Hinweis, doch bitte würdevoll abzutreten. Brack taucht auf und erzählt vom Tode Løvborgs. Hedda ist glücklich über ihr Werk, als sie aber erfährt, dass er sich nicht in den Kopf geschossen hat sondern in einem Puff in den Bauch geschossen wurde, gibt sie sich auch die Kugel. Das Blut läuft über die Notizen von Løvborg an der Wand, die Thea und Jorgen gerade neu ordnen, um das Buch zu retten. Thea will dieses Mal Tesman inspirieren. Als die beiden den Schuss hören, sagt Tesman nur « jetzt hat sie sich erschossen », lächelt und sortiert weiter. Im Hintergrund singen die Beach Boys « God only knows what I’d be without you ».

Cesar BorjaCesar-009-150x150 dans Theater

Thomas Ostermeier und Marius von Mayenburg haben in das Ibsen-Drama viele sichere Lacher eingebaut. Eine echte Dramatik wird nicht aufgebaut und Heddas Selbstmord erscheint unlogisch. Katharina Schüttler spielt eine ungezogene, unzufriedene, anorexische und existenzialistische Hedda, die sich schrecklich aufregt, wenn ihr Mann erzählt, sie hätte zugenommen. Sie steht sich selbst im Wege und sucht nur nach Anerkennung und hat außer ihren Pistolen nichts hat auf der Welt. Einmal möchte ich Macht über einen anderen Menschen haben“ und „alles was ich anfasse endet billig“ sagt sie zu sich selber. All ihre Versuche, beachtet zu werden, scheitern, also bringt sie sich um. Eine wirklich böse und berechnende Hedda hätte erstmals das gerade neu entstehende Paar Thea und Jorgen getötet. Lars Eidinger ist Tesman, er ist ein mediokrer, amoralischer Opportunist. Auch er sucht Anerkennung und sei es mit den Aufzeichnungen eines anderen « Du ziehst bei Julle ein und ich komme jeden Abend zu Dir rüber, dann können wir am Buch arbeiten » sagt er zu Thea und zu Brach (Jörg Hartmann) « Sie kümmern sich doch um Hedda, nicht wahr », nichtsahnend, dass Brack bereits versucht hat Hedda zu erpressen, weil er ihre Pistole erkannt hat. « Ich werde es aber nicht ausnützen », versichert er ihr. Er ist nicht wirklich ein Erpresser, sondern eher ein bigotter fast gutmütiger Kerl, dem es Spaß macht, schlechte Nachrichten zu verbreiten. Annelore Bauer ist Thea, sie ist ebenfalls frustriert und sieht sich als Muse. Ihr Glück ist es, andere zu inspirieren. Und dann noch Kay Bartholomäus Schulze, als Løvborgs, ein brillanter Kerl, der alle verachtet, der aber seine Exzesse nicht im Griff hat und vom Zyniker zur Heulsuse wird. „Ich werde mit der Veröffentlichung des Buches warten, bist Du die Professur bekommen hast“ verspricht er ihm. „Ich will Dich nur in der öffentlichen Meinung besiegen“ sagt er vor allen anderen. Tesman macht das glücklich.

Ostermeier hat Hedda wie einen Film von Tarantino oder den Brüder Coen inszeniert. Es ist dramatisch, überall Blut und Tod und das Publikum lacht!

Christa Blenk

 

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Romaeuropa Festival Special – Die Wohlgesinnten

Romaeuropa Festival Special - Die Wohlgesinnten dans Theater sanlorenzo2-010-150x150Album  Street Art (fotos: © christa blenk)

Die Wohlgesinnten

Krieg ist Krieg und Schnaps ist Schnaps

Barockmusik und griechische Mythologie: Ein Stück für drei Schauspieler und einen Sänger.

Im Hintergrund läuft ein großflächiges Video. Wir sehen eine Wald-Wiesen-heile-Welt Landschaft, in der ab und zu ein Spaziergänger auftaucht. Das Vogelgezwitscher bilden wir uns – wie auch das Picknick – ein.

p1120667-150x150 dans Theater foto: cmb (Bühnenbild)

In der Mitte steht ein großer Scheinwerfer. Rechts ein umgekipptes Piano. Verschieden große Klavierhocker liegen rum, die dann im Laufe der dreieinhalb stündigen Aufführung ständig bewegt und umgedreht werden, oder als Möbelstück Verwendung finden. Links von uns ein Mikrofon, ein Tisch und ein Sessel.

Der italienische Countertenor Maurizio Rippa bewegt den blendenden Scheinwerfer – zum Verhör rufend und immer auf die Kabel achtend – auf uns zu und zwingt uns, erst einmal wegzusehen. Will Antonio Latella damit auf die Wegseher und Mitläufer anspielen? Die drei Protagonisten tragen übergroße Sackos. Una (Barbara Horvath) liegt verquer auf dem Pianodeckel. Thomas Hauser (Steffen Höld) sitzt, eine Zigarette rauchend, und verhört Maximilian Aue (Thiemo Strutzenberger) zu dem Zwischenfall auf der Brücke: einem wohlbekannten Homo-Treff in Berlin.

sanlorenzo2-008-150x150 Thomas und Max repräsentieren die zwei Seiten des Bösen. Kür wird zur Pflicht und umgekehrt. Ein Ober- oder Hauptbösewichti wird nicht definiert und beide sind  nur Handlanger. Ein Mythos der deutschen Disziplin „jemand muss es tun“. Thomas der Macher, Opportunist und Wendehals und Max der feige, pseudo-intellektuelle Mitläufer und Pflichttuer „der Zuschauer ist genauso schuldig wie der Täter“. Man versteht nicht genau, warum Latella auf das altbewährte Beeindruckungs-Mittel zurückgreift und ihn ständig schreien lässt. Im Buch ist Aue ein eiskalter, unbeteiligter und zynischer Existenzialist, alles nur kein Humanist, Mitglied der Sicherheitsdiensts und SS-Offizier, der über den deutschen Vernichtungsfeldzug in Osteuropa aus der Sicht des Täters referiert, der bei Massenexekutionen wegsieht, aber nicht aus Mitleid, sondern weil es sein Magen nicht gut verträgt. Obendrein geht durch das Geplärre viel Text verloren. Thomas hingegen verzeihen wir seinen Ausbruch, wenn er über die Wehrmacht herzieht, er ahnt hier schon, welche Vorwürfe ihm in ein paar Jahren gemacht werden würden. Vielleicht beschließt er hier schon, sich abzusetzen, sobald eine Niederlage abzusehen sein wird (ich habe mir die Kleidung eines französischen Arbeiters besorgt, wird er später sagen). Immer Fiktion und Realität mischend, oder auch nicht! Pylades schickt Orest in das Grauen, folgt ihm aber und taucht immer dann auf, wenn Orest am Boden liegt. Mit Schnaps und den richtigen Worten richten sie sich wieder auf und bekräftigen sich gegenseitig, dass es nur diese Lösung gibt. Dann marschieren sie weiter, in dem sie intensiv und gewaltig sitzend die Füße im Schritt bewegen. Barbara Horvath ist besonders gut darin. Sie macht Extremsport.

Nach der Pause geht es fast nur noch um die Inzestgeschichte mit seiner Zwillingsschwester Una (Elektra), die mit ihrem Mann in einem großen Haus in Pommern lebt und von all dem eh nichts mitkriegt « Uns geht es gut », sagt sie. Dieser Teil ist entschieden zu lang und das Publikum klinkt sich ein wenig aus. Sehr gelungen allerdings die Szene, in der Max mit einem feindlichen perfekt deutsch-sprechenden General zum intellektuellen Schlagabtausch in einem Zimmer eingeschlossen ist (er spielt genial zwei Personen, die sich nur durch Beine überschlagen unterscheiden) und Thomas für uns mitzählt, wie oft Max lächelt. Barbara Horvath sitzt im schicken hell-beigen Hosenanzug neben ihm und bewegt nur den Kopf, je nachdem wer von den beiden gerade redet oder lächelt.

Zwischendurch darf Maurzio Rippa schöne Barockarien singen (aus der Heros CD von Andreas Scholl). Dieses fügt sich gut in die Aufführung ein und wir erholen uns ein wenig vom Geschrei. Schließlich heissen Littells Kapitel: Toccata, Allemande, Courante, Sarabande, Menuett, Air, Gigue. Einmal sagt Thomas sogar „ich würde gerne mal wieder französische Musik hören, vielleicht Rameau: bei uns gibt es immer nur Wagner, ich hasse ihn.“

Jonathan Littell hat sich den Titel Die Wohlgesinnten aus der Orestie von Aischylos ausgeliehen. Die Rachegöttinnen, die Erinyen, bekommen darin den Namen der Eumeniden (Die Wohlgesinnten), und sollen beschwichtigen. Wen? Den Leser, die Opfer, die Nazis? Nachdem alles vorbei ist, nimmt Max Gebrauch von seiner französischen Staatsbürgerschaft, wird braver Bürger und leitet eine Spitzenfabrik, heiratet eine Frau aus guter Familie und bekommt Zwillinge. Immer ohne einen Hauch von Emotionen.

Auch wenn wir ein wenig genervt nach knapp vier Stunden das Theater verlassen, verdienen die drei Schauspieler auf jeden Fall unseren Respekt, sie haben – auch physisch – eine enorme Leistung erbracht. Die Reaktion des Publikums war aber eher lauwarm. Es hat erst richtig applaudiert, als Latella auf die Bühne kam, schießlich sind wir ja in Rom. Die Untertitel waren nicht immer text-konform und jemand, der das Buch nicht gelesen hatte, war sicher ein wenig verloren!

Der Italiener Antonio Latella hat im Oktober 2013 Die Wohlgesinnten für das Schauspielhaus Wien inszeniert und brachte das Stück zum Romaeuropa Festival 2013. Der italienische Text ist von Federico Bellini.

p1120665-150x150 Plakat der Wiener Aufführung

Christa Blenk

 

 

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Romaeuropa Festival Special

Am 26.09.2013 in Auditorium Conciliazione

im vierten Jahr kam Emanuel Gat mit seiner Truppe – The GOLDLANDBERGS – nach Rom!

Super Performance vor fast vollem Haus. 8 starke Künstler (3 Tänzerinnen, 5 Tänzer) mit einer sehr komplizierten Choreographie, die zu Bach’s Goldberg Variationen komplizierte Skulpturen à la Laokoon formten. 52 Minuten voller Einsatz und ein sehr begeistertes Publikum.

Im Anschluss fand noch ein Gespräch mit Emanuel Gat statt.

Eine Koproduktion mit dem Festival Montpellier Danse 2013 und den Thêatre de la Villa Paris.

2014 gehen sie damit nach New York in das Lincoln Center

Mehr: romaeuropa.net

Romaeuropa Festival Special dans Theater borja013-150x150 Emanuel Borja (Serie Primordial)

 

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Disgrace (Schande)

Mit « Disgrace » von Kornel Mundruzcó (*1975) ging – diesmal im Teatro Vascello – das Romaeuropa-Festival 2012 zu Ende. Der junger ungarische Theatermann hat sich als Grundlage das  Buch von J.M. Coetzee (« Schande ») geholt – also es wird ein harter Theaterabend!

Disgrace (Schande) dans Theater romnov2012-002-150x150  Mensch – Hund – Hundemensch – Menschenhund – der Hund im Mensch – der Mensch im Hund?!

Die Bühne ist ein Saustall – überall liegt Dreck, es herrscht große Unordnung, alles ist vergammelt -  No Future! Auf beiden Seiten der Bühne sitzen oder liegen Personen, die sich alle im Laufe des Abends ständig ausziehen und dann wieder anziehen. Über der Bühne – sozusagen als 1. Stock – ein großer Maschendrahtkäfig, in dem sich ein (Stoff)Hund befindet. Exkurs: Ich denke sofort an den letzten Theaterabend im Pariser Odeon – eine Inszenierung der « Kameliendame » von Frank Castorf (ich bin – wie fast alle – in der Pause gegangen)!  Mundruzcó hat sicherlich bei ihm ein Praktikum gemacht.. Im Hintergrund laute Musik, Lucy wacht auf, zündet sich eine Zigarette an und hört ihren Anrufbeantworter ab, es bellt ein Hund und vier Schwarze (sie sind weiß tragen aber eine schwarze Lockenperücke) kommen ins Haus und vergewaltigen auf brutalste Weise Lucy, die sich dagegen wehrt, dafür kommt sie dann in einen Hundekäfig und dem Hund, der vorher drin war, wird der Kopf abgeschnitten. Der Verlust der Würde wird im Stück dann zum wichtigsten Thema.

Ende dieser Szene – alle kommen auf die Bühne und singen ein Lied – diesmal brave Schüler, die sich necken – dann kommt David und hält eine langweilige Vorlesung. Wir erfahren kurz die Geschichte von seiner Affaire mit Melanie und erleben seinen Austieg aus der Universität. Die einzige nicht brutale Szene ist eine Blumen-Bestellung. Im Laufe des Stücks, das voller Brutalität, Vergewaltigung, Raub, Angst, Apartheid etc. ist – machen sich die Schauspieler selber zwischendurch über alles lustig und bringen uns dazu, uns zu schämen, weil wir hingesehen haben. Schrecklich.
Irgendwann ist David dann bei seiner Tochter auf dem Land – jene Lucy die vergewaltigt wurde, weil er sie nicht beschützt hat  – und versucht ein neues Leben anzufangen. Dann kommen die Hunde ins Spiel, die die Schauspieler an uns, das Publikum verkaufen wollen, d.h. zuerst nur Mischka, später dann auch die anderen, damit sie nicht getötet werden müssen. Kurz drauf sehen wir alles nochmals auf der Leinwand – bis kurz vor der Vergewaltigung: « Hier können wir unterbrechen, das habst ihr ja schon gesehen » sagt Petrus und einer der Schauspieler singt  « Nessun dorma » – das Publikum lacht.

Später verstecken sich Lucy und David  dann im Käfig, während drunten ihr Haus vollkommen ausgeräumt wird. Petrus will Lucy, die nun schwanger ist, heiraten um sie zu beschützen. Lucy fragt aber zuerst das Publikum, ob die sie evtl. beschützen können – da kommt aber nichts, also sagt sie ja. Überall  Blumen – die Rosen die David für Melanie bestellt hat – und seltsamer Rauch kommt aus der Erde, der aus den Menschen dann endgültig Hunde macht (und uns zum Husten bringt), diese bellen (sehr gut zum Teil) und werden dann auch persönlich vorgestellt und zum Kauf angeboten. Es will sie aber niemand! « Natürlich » sagt die Hunde-Verkäuferin (sie ist wohl auch Ärztin). Zum Schluss will sie dann dass ein Zuschauer in der ersten Reihe die Spritze – die die Hunde töten soll – nimmt.  « Warum muss ich immer alleine die Tiere töten? » – fragt sie.

sanlorenzo2012-012-150x150 dans Theater Street Art

Das Stück war schon bei den Wiener Festwochen und in Avignon, wurde in ungarischer Sprache mit italienischen Untertiteln aufgeführt.

Ab und zu hat ein Zuschauer das Theater verlassen und die meisten waren sicher froh, als es zuende war!

Christa Blenk

 

Antigone in San Giovanni (Roma)

Antigone in San Giovanni (Roma) dans Theater sanlorenzo2012-036-150x150 Mauer

Antigone oder das Recht auf Widerstand gegen die Staatsgewalt!

Familiendrama und hohe Politik – sehr frei nach Sophokles im Teatro Duse.

Ein kleines Theater in San Giovanni. Die Karten konnte man nicht so einfach kaufen, man musste vorher erst einmal Mitglied in der Assoziation werden  und ein Formular ausfüllen. Vielleicht waren deswegen so wenig Leute im Saal!

napoli2012-063-150x150 dans TheaterKreon

Botta Giovan Bartolo, der das Stück inszeniert und auch die Rolle des Kreon übernommen hat, ist mit dem Text sehr frei umgegangen. Er hat sich gleich am Anfang über das  Publikum, das wegen einer klassischen Aufführung gekommen ist, lustig gemacht.  Seine Antigone spielt im heutigen Italien, im Zeitalter der Wirtschaftskrise, Kabinettssitzungen, Handys und von Facebook. Kreon ist der Staatschef. Er ist schwach, unentschieden, feige, voller Komplexe, und will eigentlich nur seine Ruhe haben. Außerdem ist er in Antigone verliebt, was ihm Eurydice (Isabella Carle), seine Frau, auch vorhält. Ihr wäre es sowieso lieber, wenn ihr Sohn Haimon Ismene (auch Isabella Carle) heiraten würde. Sie ist „leichter zu manipulieren“ und nicht so „unberechenbar und stolz“.  Krzysztof Bulzacki Bogucki ist Teiresias, Haimon und der Wächter (den spielt er am besten), der Antigone erwischt.  Er interessiert sich nicht für die oberflächliche, egoistische Ismene, die nur Ausgehen, Telefonate mit ihren Freunden und Facebook im Kopf hat, sondern will nur Antigone (Luigia Pigliacelli).  Die Rolle des Chors wird vom Publikum (das aber nicht sehr aktiv ist, auch schon deswegen, weil nur 12 Plätze von den 50 besetzt waren) übernommen und zum Teil von Isabella Carle. Antigone, Tochter des unglücklichen Königs von Theben,  Ödiopus,  verachtet Kreon und das weiß er auch. Er ist ihr verbal nicht gewachsen. Sie sieht auf ihn herab, vergleich ihn ständig mit ihrem Vater und genießt sein Leid, weil er sie in den Tod schicken muss. Kreon schaut fast flehentlich ins Publikum und erwartet Zuspruch, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, schließlich hat  Eteokles nur sein Reich vor dem Rebellen Polyneikes verteidigt, sagt er, es sei doch wohl normal und richtig, dass er vier Wochen als abschreckendes Beispiel auf der Strasse verfaulen soll. Bei Haimon vermissen wir seine großen demokratischen Reden an die Vernunft, er ist auch schwach, und bringt nicht einen guten Satz zusammen. Seine Mutter hat ihn wohl als Kind missbraucht und das macht ihm zu schaffen; jedenfalls deutet Giovan Bartolo Botta das in seiner Version an. Ismene ist  verwöhnt und eitel, will aber zum Schluß unbedingt an der Ehre, den Bruder Polyneikes bestattet haben, teilhaben. Dieses lässt Antigone aber nicht zu. Teiresias hat keinen Auftritt zum Schluß (oder wir haben es nicht mitbekommen)  – er kündigt nur ganz am Anfang den Untergang an. Es wird oft sehr laut in dem Stück und die vier Darsteller schreien sich fast ständig und sehr intensiv an. Plötzlich sprang Isabella Carle (Ausrufer) auf und verkündige bzw. ratterte – begleitet von einem brasilianischen Klangholz (Claves) das Kreon bedient hat – das Verdikt herunter (beeindruckend – wenn auch schwierig zu verstehen) und plötzlich war es dann zu Ende, darauf musste uns Kreon aufmerksam machen. Adesso e finito! Ein klassisches griechisches  Drama war es nicht.  Interessant und mitreißend war es aber trotzdem und die kleine Truppe hat es gut geschafft, die Zeitlosigkeit dieses Theaterstücks wieder einmal hervorzuheben.

Das letzte Mal haben wir Antigone im Frühjahr 2012 in Paris gesehen. Eine Aufführung des Palästinensischen Nationaltheaters im „Théâtre des Quartiers d’Ivry“ die sowieso nicht zu toppen ist. Es war eine klassische Aufführung in arabischer Sprache  – mit französischen Untertiteln.

Christa Blenk

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