Archives pour la catégorie Tanz



Looking forward to FFF – Fast Forward Festival

fff

 

Die Oper Rom goes contemporary

Schon die Saisoneröffnung 2015/2016 mit Hans-Werner Henzes Bassariden kündigte eine Änderung der römischen Opern-Programmplanung an und es weht ein anderer, frischer, Wind.

Am 27. Mai ist es soweit und das Internationale Festival für Theater und Zeitgenössische Musik an der Oper Rom: FFF – Fast Forward Festival wird aus der Wiege gehoben.

Kurator Giorgio Battistelli, Römer und seines Zeichens künstlerischer Leiter an der Oper Rom sowie erfolgreicher italienischer Avantgarde-Komponist, hat ein Zehn-Tages-Programm zusammengestellt, das sich wirklich sehen lassen kann.

Vier Musiktheaterwerke, fünf Instrumental-Theaterstücke und ein Ballett werden an unterschiedlichen Orten u.a. an der Oper Rom selber, im Teatro Argentina, im Auditorium Parco della Musica oder in der Villa Medici aufgeführt. Der Intendant der Oper Rom will damit sein Haus und die ewige Stadt mit neuen Ideen und mehr Aufgeschlossenheit in den internationalen zeitgenössischen Musik-Mittelpunkt rücken und Rom in eine Reihe mit anderen europäischen Kulturzentren wie Berlin, Paris, Barcelona oder Wien stellen. Und wer könnte das besser als der künstlerischer Leiter der Oper, Giorgio Battistelli (*1953). Oper und Musiktheater sind Begriffe und Definitionen, die sich durch die Erfahrung der unterschiedlichen Möglichkeiten des Musiktheaters in unserer Zeit aufgelöst haben, sagt er über sein neues Festival-Projekt.

 
Schwarz auf Weiss_Composizione e regia di Heiner Goebbels_Credit Christian Schafferer
Schwarz auf Weiss_Composizione e regia di Heiner Goebbels_Credit Christian Schafferer

Mit Heiner Goebbels (*1952) Komposition Schwarz auf Weiss / Black on White (1996) wird das Festival am 27. Mai eröffnet. Dazu kommt das Ensemble Modern aus Frankfurt ins schöne Teatro Argentina. La Passion selon Sade hat der Italiener Sylvano Bussotti (*1931) im Jahre 1965 komponiert und es wird am Tag darauf im Auditorium Teatro Studio Borgna aufgeführt. Am 29. Mai tritt im Teatro India das Aleph Ensemble mit dem instrumentalen Theaterwerk Vie de Famille auf, das Georges Aperghis (*1945) 1999komponierte. Der darauf folgende Tag ist dem Ballett gewidmet. Angelin Preljocaj hat zu John Cages Tonkreation Empty Moves 1-2-3 die Choreografie entworfen. Am 31. Mai wird die Kammeroper des jungen Belgiers Michael van der Aa Blank Out (2016) im zur Oper gehörenden Teatro Nazionale aufgeführt. In der französischen Akademie, der Villa Medici, findet am 2. Juni gleich ein Doppelabend statt: Um 19.00 Uhr gastiert das Ensemble Dedalus mit dem elektronischen Musik-Spektakel Inevitable Music #5, das Sébastian Roux (*1977) nach Zeichnungen von Sol Lewitt in Töne umsetzte und im Anschluss, um 21.00 Uhr, spielt das ausgezeichnete italienische Ars Ludi Ensemble Werke von Maurizio Kagel, Francesco Filidei und John Cage. Jean Pierre Drouets One Man Show wird am 3. Juni im Teatro India mit Musik u.a. von Kagel, Aperghis und auch vom Kurator des Festivals, Giorgio Battistelli, zu hören und zu sehen sein. Francesco Prodes Miroirs / Ravel Projekthingegen findet im Teatro de Villa Torlonia am 4. Juni statt. Die letzten zwei Tage (am 7./8.6.) dieses noch ganz junge Festivals, betreitet Wolfgang Rihms (*1952) 8. Oper Proserpina. Rihm hat sie 2009 komponiert und Hans Neuenfels hat sie seinerzeit für Schwetzingen inszeniert.

 
bozzeto Proserpina - (c) Teatro dell'Opera di Roma
 Bozzeto Proserpina Regia Valentina Carrasco (c) Teatro dell’Opera di Roma

Neben den abwechslungsreichen Aufführungen sind Vorträge und Konferenzen mit den Komponisten sowie Meisterkurse geplant.

Die Programmgestaltung fand in Zusammenarbeit mit dem Goethe Institut Rom und der Villa Medici statt.

Der Kurator und Iniziator dieses Festivals, Giorgio Battistelli, war von 1993 bis 1996 künstlerischer Leiter des Cantiere Internazionale d’Arte in Montepulciano. 2002 hat er am Nationaltheater Mannheim Ernst Jüngers Auf den Marmorklippen musikalisch inszeniert und damit viel Aufmerksamkeit erregt. Aber vor allem bekannt wurde er mit dem Experimentum Mundi (Uraufführung in Rom 1981) – hier hat er die Alltagsgeräusche von Handwerker oder Bauarbeiten in die zeitgenössische Musik mit eingebunden.

Das lässt auf einen sehr spannenden musikalischen Frühsommer hoffen. Noch ein Grund mehr, Ende Mai/Anfang Juni nach Rom zu fahren!

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

Carmen – mal anders – Orchestra Piazza Vittorio

Nicht für Puristen geeignet!

L’Orchestra di Piazza Vittorio interpretiert die Carmen als klamaukige Volksoper im Teatro Olimpico in Rom

Stellen Sie sich vor: Pedro Almodovar und Emir Kusturica entwickeln gemeinsam ein Projekt. Dazu sucht Eric Rohmer die Schauspieler aus, die Coen Brüder führen Regie, im Buena Vista Social Club in La Havana wird – mit Edith Piaf und Woody Allen in den Hauptrollen – eine Bollywood-Neuinszenierung von Tristan und Isolde gedreht, zu der Frank Castorf das Bühnenbild entwirft.

Die Oper Carmen gehört nicht zu meinen Lieblingsopern, mehr noch, ich finde sie abgesehen von  ein paar mittlerweile zum Gassenhauer gewordenen Arien am Anfang und zum Schluss unsäglich langweilig und langatmig; obendrein singt der Chor immer – wie vom Libretto vorgegeben natürlich  - Toreador (meistens auch noch ohne gerolltes R),  Torrero lässt sich halt nicht so leicht zu dieser Melodie singen.  Und seit einer entsetzlichen Carmen-Aufführung in Taormina im Sommer, wollte ich mir diese Oper nie wieder antun.

Aber dann kam das Orchester Piazza Vittorio. Wir sind mit gemischten Gefühlen in die vorletzte – komplett ausverkaufte – Vorstellung und haben uns – meistens – köstlich amüsiert.

Reduziert auf einige der bekanntesten Arien, dauert diese Carmen gerade mal 1 ½ Stunden.

Carmen ist Mama Marjas, sie ist ein Naturtalent, aufregend und aufreizend. Sie ist die einzige, die in französischer Sprache  singt und tut das  mit einem ganz tiefen Bariton; Marjas ist eigentlich eine Reggae-Tänzerin; Don José ist Evandro ist Don José, er ist Komponist und spielt viele Instrumente, singen kann er eher nicht, tut das aber, ein wenig schwächelnd, in portugiesischer Sprache. Er ist der vom Heimweh getriebene Looser, der sein Leben nicht in den Griff bekommt. Micaela ist Elsa Birgé, sie muss hier von weither anreisen, um Don José von der Mutter einen Brief zu bringen und ihn heimzuholen; aber sie kommt zu spät, denn er ist schon der Carmen verfallen; Birgé  ist frankophon und kommt aus einer Musikerfamilie, ist aber selber Trapezkünstlerin und sonst mit „le vrai-faux mariage de la caravane passe“ auf Tournée. Die Albanerin Hersjana Matmuja (sie hat übrigens ihr Land beim Eurovision Song Contest 2014 vertreten) und der Italiener Dario Ciotoli sind wohl die einzig ausgebildeten Sänger und spielen das einen einsamen Platz suchende Liebespaar, das permanent über dem Lillas  Pastias das Geschehen beobachtet. Der Torrero Escamillo ist Houcine Ataa, er singt seine Arien auf Arabisch. Dann haben wir noch den Gendarmen Zuniga, den Carlos Paz Duque auf Spanisch singt. Die beiden ausgesprochen genialen Tänzer, die gleich am Anfang eine Art Flamenco-Schuhplattler mit Salsa-Elementen hinlegen sind Ovidiu Toti und Adam Jozsef und Manuela ist Ashai Lombardo Arop.

Jetzt haben Sie hoffentlich eine Idee bekommen, wie sich das angehört hat. Witzig und genial, abgesehen von einer zu langen schwunglosen Stelle in der Mitte, bis gewaltige Perkussionsbasstöne Carmens Tod begleiten und einer nach dem anderen auf die Bühne tanzt wo  Elsa Birgé schon steht und  „The man I love“ singt.

Piazza Vittorio ist ein multiethnisches Ensemble das 2002 entstand. Der Italiener Mario Tronco hatte die Idee, unter den Bewohnern mit Migrationshintergrund  vom Senegal bis Argentinien die um die Piazza Vittorio Emanuele (Esquilin) wohnen – die Italiener sind dort in der Minderheit – nach Künstlern, Musikern, Tänzern oder Sängern zu suchen. Ihr erster Auftritt war beim Romaeuropa Festival 2002. Jeder ist auf seine Art ein Künstler oder Interpret aber er tut nicht unbedingt das, was er am besten kann. Die Idee ist wunderbar und das  Gesamtprojekt unbedingt gelungen.

Mal sehen was sie sich als Nächstes ausdenken.

Mario Tronco hat die künstlerische Leitung und Regie, zusammen mit Leandro Piccioni hat er auch die musikalischen Arrangement ausgearbeitet. Von Serge Valletti stammt das Libretto,  Lino Fiorito zeichnet für das Bühnenbild und Katia Marcanio für die  Kostüme.  Giorgio Rossi hat die wunderbare Choreografie entwickelt, er hat u.a. bei Kantor, Bausch und Brook gelernt und das sieht man. Die Choreografie war das Beste an der ganzen Carmen! Dann wirken noch die Musiker El Hadji “Pap” Yeri Samb aus dem Senegal (Djembe, DumDum), Ernesto “El Kiri” López Maturell aus Kuba (Batterie, Congas) der Italiener Pino Pecorelli (Konterbass, und elektronischer Bass) ,der Argentineir Raúl “Cuervo” Scebba (Marimba, Congas und Perkussion), der Tunesier Ziad Trabelsi (Laute) der italienische Gitarrist Emanuele Bultrini , die ausgezeichnete koreanische Cellistin  Kyung Mi Lee,  Marian Serban, und Saria Convertino mit und der Rumäne Ion Stanescu an der Geige sorgte für den Zigeuner Effekt .

 P1270255
Text über dem Bühnenbild: Vor vielen tausend Jahren machten sich die Zigeuner aus Indien kommend auf einen legendären Weg durch Asien nach Europa. Innerhalb eines Jahrhunderts haben sie bei den meisten Europäern den Ruf bekommen Wahrsager, Nomaden, Musiker, Sänger, Tänzer, Bettler und Diebe zu sein.

Agostino Ferrente hat einen Dokumentarfilm über dieses Ensemble, dem zur Zeit 20 Künstler angehören, gedreht. Sie kommen aus 11 unterschiedlichen Ländern und sprechen neun verschiedene Sprachen. Einige Mitglieder des Orchesters gehen wieder weg, Neue kommen dazu. Sie machen eine Art nicht  einzuordnende Weltmusik die durch die ethnische Musik aus den jeweiligen Ländern in einer geglückten Fusion mit Rock, Pop, Reggae und Klassik entsteht. Abgesehen davon, besteht auch die richtige Carmen von Bizet zu einem Großteil aus Flamenco- oder Zigeunermusik-Elementen. Vielleicht auch die Oper der Zukunft.

Die Oper Carmen von Georges Bizet wurde 1875 in Paris in der Opera Comique  uraufgeführt. Carmen wird als eine Art Vorläufer-Oper des Verismus gehandelt.

P1270264
Piazza Vittorio nach der Carmen

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

Romaeuropa Festival: Emma Dante – Io, Nessuno e Polifemo

P1270225 
 Bühnenbild mit dem Schiff von Odysseus

Wie interviewt man einen Kyklopen?

Ich, Niemand und Polyphem

Darf man eintreten, fragt die Interviewerin Emma Dante vor Polyphems Felsen. Er reagiert erst gar nicht und dann sauer, er hat keine Lust gestört zu werden – nicht schon wieder, das hier ist Privatbesitz, verschwinden Sie, wirft er ihr an den Kopf.

Warum sprechen Sie eigentlich Neapolitanisch, Herr Polyphem, und nicht Sizilianisch. Ich komme mir hier vor wie in einer Komödie von Eduardo. Schließlich liegt die Höhle von Polyphem ja in Sizilien, genauer gesagt vor der Küste des Ätna. Das war das Stichwort für die Ein-Frau-Band wieder mit schrecklichen Geräuschen auf sich aufmerksam zu machen. Was ist das, fragt die Interviewerin. Der Ätna rumort, kommt lapidarisch die Antwort des Kyklopen.

Im Hintergrund sitzen die drei Sirenen-Rheintöchter, die vorher – sozusagen stereo – noch einen wilden Marionettentanz mit genauso aussehenden Holzpuppen aufgeführt haben. Später werden sie zu einer Art Dreifaltigkeits-Penelope, die einen nicht enden wollenden Ballen transparent-gewebten Stoffes über sich hinweg bewegen müssen und davon völlig erschöpft niedersinken. Leider setzt dann wieder die viel zu laute und einfach nicht interessante Musik ein und man hat schon wieder das Gefühl, dass es nicht genug zu sagen gibt in diesen 60 Minuten ( „If they can take it for 10 minutes, then we play  it for 15. That’s our policy. Always leave them wanting less“, soll Andy Warhol 1967 gesagt haben, als er unverdauliche Musik schrieb oder schreckliche Filme drehte).  Irgendwann werden die Rheintöchter dann zu glitzernden vampigen Discoqueens die mit Odysseus um die Wette tanzen; das Wachs scheint er diesmal vergessen zu haben, aber eigentlich verfallen sie eher ihm als umgekehrt. Der unsympathische Polyphem gewährt Odysseus‘ Gefährten kein Gastrecht, verständlich, schließlich sind sie bei ihm eingedrungen und haben seinen Käse gegessen. Die Szene in der Polyphem ganz nach Voodoo-Art die Puppen zerbricht, was die Sirenen-Marionetten zucken und zappeln und wahrscheinlich dahinscheiden lässt,  ist originell. Aber Odysseus‘ Rache ist bitter, wie wir wissen sticht er ihm das Auge aus, denn Kyklopen haben von der Geburt an nur eines. Ohne Erinnerung sind wir niemand, sagt „Niemand“-Polyphem als Antwort auf die Frage, warum er das Angebot auf Unsterblichkeit der bezaubernd-lockenhaarige Calypsos verschmähte. Aber Odysseus will endlich heim zu Penelope..

Früher habe ich Männer bevorzugt, als Mahlzeit natürlich, sagt Polyphem und blickt zu der ihn interviewenden Emma hin, aber seit Odysseus in meinen Kopf ist, geht das nicht mehr.

Und was sie ihr denn zum Abschied noch mitgeben könnten, was sonst keiner hätte. Nun ja, ein Rezept, ein originelles neapolitanisches Rezept.

Das Thema ist durchaus originell und die Darsteller, vor allem die drei Tänzerinnen (Federica Aloisio, Viola Carinci, Giusi Vicari, Choreographie Sandro Maria Campagna)  sind nicht zu kritisieren. Aber warum Emma Dante gerade diese viel zu laute Diskomusik (Serena Ganci hat sich wirklich voll verausgabt) ausgewählt hat, kann man sich nur dadurch erklären, dass Odysseus ja auch von dem Geschrei der Sirenen fast wahnsinnig geworden ist.

Emma Dante selber war die Interviewerin und Salvatore D’Onofrio und Carmine Maringola waren Polyphem und Odysseus.

P1270227
Interviewerin mit Odysseus und Polyphem

Christa Blenk

 

Mehr zu Emma Dante – Operetta Burlesca und Gisela

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

 

Romaeuropa Festival – Emma Dante – Operetta burlesca

emmadante
vor der Aufführung

 

Vom 20.10. bis 1.11-2015 wird im Teatro Vittoria Emma Dantes « Opera Burlesca » aufgeführt. Wieder mal hat sich Emma Dante hier mit dem Thema Homosexualität und Transvestiten befasst.

Auf der Bühne hängen vier elegant und pompös bekleidete große Plastikpuppen; den Bühnenrand zieren diverse Stöckelschuhe und Accessoirs. Alles Dinge die man braucht, um eine schöne Frau zu werden. Musik aus der Konserve begleitet die vier Protagonisten, die Vater, Mutter, Pietro, Pietro als Frau und Pietros Schwarm interpretieren. Die Darsteller schaffen es nicht, sich zu identifizieren oder sich zu finden. Sie sind verloren. Eine Mischung aus Dragi-Komödie und Boulevard-Theater.

Pietro ist der erwachsene Sohn eines sizilianischen Tankstellenbesitzers, der mit seinen Eltern nach Neapel zieht. Pietro (Roberto Galbo) merkt, dass er eigentlich eine Frau sein will. Im Stück wird sie von Viola Carinci dargestellt. Er muss die Schule unterbrechen und an der Zapfstelle arbeiten.  Dann geht es 50 Minuten darum, wer welche Kleider anzieht und dass Pietro sich verliebt, von seiner Mutter (oder Vater) gewarnt wird, weggeht und wieder kommt, als sein neuer Partner ihm gesteht, dass er eigentlich eine Frau und zwei Kinder hat. Die letzte Szene zeigt ihn / sie dann als glückliche und tanzende Frau. Alle Puppen sind ausgezogen und die Personen tanzen nackt und eng über die Bühne. Die Kleider liegen verstreut herum.

Emma Dante ist so eine Art Botschafterin der italienischen Homo-Ehe. Sie setzt sich permanent für die  gleichgeschlechtliche Partnerschaft ein und nimmt dieses Thema auch immer wieder in ihren Produktionen auf. Das letzte Mal 2010 mit « Le pulle ». Sie ist definitiv ein Schuh-Fetischist.

Die Opera Burlesca war aber letztendlich dann nur lautes und eher flaches Boulevard-Theater; bekam aber viel Applaus.

Da meistens Sizilianisch gesprochen wurde, haben wir allerdings wenig verstanden und deshalb kein Recht, eine echte Kritik anzubringen.

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

Romaeuropa

 

Vortex Temporum

 P1260547
nach der Vorstellung – Tänzer und Solisten

Vortex Temporum –Strudel der Zeit – ist einer der Beiträge der belgischen Choreografin Anne Teresa de Keersmaekers beim diesjährigen Romaeuropa Festival.

Sechs Instrumentalsolisten, Klavier, Klarinette, Flöte, Violine, Viola, Violoncello,  kommen auf eine mit unterschiedlichen weißen Kreisen markierte Bühne und beginnen mit dem Vortrag dieses spannenden und chromatischen Spätwerk des 1998 mit 52 Jahren verstorbenen französischen Komponisten Gérard Grisey. Das Werk für Klavier und fünf Instrumente an sich dauert ca. 35 Minuten und ist zwei Jahre vor seinen Tod entstanden.  Einzelne Teiltöne werden um einen Viertelton nach oben oder nach unten verschoben und verfremden so die Gesamtharmonie.

Der erste Satz findet  ohne Tänzer statt und endet mit einem Klaviersolo. Die Musiker verlassen die Bühne und die 6 Tänzer übernehmen, d.h. sie stehen erstmals (gefühlt)  nur einfach da.  Nach ein paar Minuten hat sich ihre Position aber doch verändert und dann beginnen sie einer nach dem anderen ihre Bewegungsabläufe. Es beginnt ein unruhiges und nervöses Herumirren, eine Suche, ein Kreisen, irgendetwas das wohl von einem anderen Stern kommen soll? Zeit oder besser gesagt das Vergehen und das Ausweiten dieser, spielt eine zentrale Rolle und eine Art Vortänzer oder Tonangeber schreit in unregelmäßigen Abständen Zahlen. Die nun sieben Tänzer bewegen sich ohne Töne, bis dann nach und nach die Musiker wieder hereinkommen und mit dem zweiten Satz beginnen, dieser ist sehr klavierlastig und endet aggressiv, in dem der letzte Tänzer den Pianisten vom Hocker stößt.

Im dritten Satz sind schließlich Musiker und Tänzer gleichzeitig aktiv und vereinen sich immer mehr zu einer schrägen Harmonie. Ein gefühlt (sicher bewusst) unorganisiertes und zum Himmel betendes perfektes Herumgerenne setzt ein. Manchmal tauchen die tanzenden Bilder von Matisse flüchtig auf, aber die unsichere Suche – jeder auf seine Art – nach dem Ausweg oder dem Schild „Exit“  aus diesem Strudel geht weiter. Immer wenn die Musik stoppt, müssen auch die Tänzer abrupt innehalten und in der Position verbleiben, die sie gerade eingenommen hatten. Und so wie es scheint, haben sie es am Ende auch gefunden. Die komplette Aufführung dauert 65 Minuten – 30 davon ohne Musik. Ein wenig zu lange!

Griseys interessante spektrale Musik wurde von den wirklich hervorragenden Instrumentalisten Jean-Luc Plouvier (Klavier); Chryssi Dimitriou (Flöte); Dirk Descheemaeker (Klarinette); Igor Semenoff (Violine); Jeroen Robbrecht (Viola); Geert De Bièvre Disegno (Cello) des Ensemble Ictus vorgetragen. Die musikalische Leitung hatte Georges-Elie Octors.

1960 ist Anne Teresa De Keersmaeker in Mechelen (Belgien) geboren und gehört schon seit den 90erJahren zu den bedeutungsvollsten und innovativsten Choreografinnen. Sie nimmt sich  immer wieder der zeitgenössischen Musik an. Bei Maurice Béjart in Brüssel und in New York hat sie studiert und 1983 ihre eigene Kompanie „Rosas“ gegründet. Die ausgezeichneten Tänzer  in Rom waren Boštjan Antoncic, Carlos Garbin, Marie Goudot, Cynthia Loemij, Julien Monty, Michaël Pomero, Igor Shyshko.

Die Uraufführung von Vortex Temporum fand 2013 bei der Ruhrtriennale stand.

Am 4. Oktober ist Keersmaekers mit „Verklärte Nacht“ nochmal dabei.

plakat-Keersmaekers

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

 

Terra e Motus

P1210669

Nando Citarella und seine Gruppe « I Tamburi del Vesuvio » im Auditorium Paco della Musica am 21.02.2015

Die meisten Mitglieder seiner großen Musik-Familie gehören  sicher schon seit 1994, seit der Gründung seines Ensembles, mit dazu. Jedenfalls vermitteln sie den Eindruck, dass sie Ihr Leben und Ihre Kunst miteinander verbringen.

1959 ist Nando Citarella in der Provinz von Salerno geboren, in Kampanien, und dort beginnt auch die Reise, auf die er uns einlädt, ihn zu begleiten. Es geht von Neapel  durch Kampanien, Kalabrien, Sizilien, Italien und Sardinien, über das Meer nach Afrika und in die ganze Welt – vielleicht sogar ins Universum! Er hat keine Berührungsängste die unterschiedlichsten Rhythmen und Klänge zu fusionieren und: sie passen immer zusammen.

P1210675

Antike Lieder und neue Einflüsse gehen ineinander über. Der Sound der südafrikanischen Djembe passt genau so gut zum Klang eines Dudelsackes wie die Geige zum Klavier. Die Tänzerinnen (wunderbar und beeindruckend Anna Cirigliano) wurden vom Klang der Instrumente und vom Rhythmus getrieben und wenn es nicht so perfekt gewesen wären, hätte man es als pure Improvisation ansehen können, so frei und gelöst und glücklich schienen sie.

Neapel, Kalabrien und Sizilien haben eine italienisch-französisch-spanisch-arabische Vergangenheit  (nicht nur musikalisch gesehen) und dementsprechend ist die Volksmusik in Süditalien geprägt. Sehr beeinflusst vom spanischen Flamenco, der gewisse arabische Wurzeln nicht verleugnen kann, von der Musik aus der „Neuen Welt“ wie Brasilien,  Kuba oder Indien und natürlich von den genialen afrikanischen Trommeln. In diese religiös-pagane und rituelle Mittelmeerraum-Welt schleicht sich noch die Musik der Renaissance ein und wenn dieser explosive und rauschende Cocktail dann um den Vesuv herum mit seinen beunruhigenden Eruptionsgeräuschen und Pulsationen gemischt wird, reicht das Wort Enthusiasmus nicht mehr aus um zu beschreiben, was gestern Abend im Auditoirum Parco della Musica veranstaltet wurde.

Diese Großfamilie, mit Nando Citarella als Motor, ist auf der permanenten Suche nach neuen und alten Musik-Tendenzen und Rhythmen, sammelt und saugt  Melodien auf und verbindet diese mit modernen Klängen und Experimenten. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, die populäre Musik zu erhalten, zu erneuern und zu verbreiten. Gestern Abend jedenfalls mit einem riesigen Erfolg. Trommeln und Perkussion in allen Varianten, ein Dudelsack, eine Laute, eine Maultrommel, klassische Instrumente, Sänger und Tänzer und ein Zeremonienmeister, der eine sehr eigenwillige Art zu dirigieren hatte.  Dabei sah alles so leicht aus und aus diesem Grunde hat das Publikum auch ohne Probleme mitgespielt (ich bin aber sicher, dass die meisten der Anwesenden aus Süditalien kamen und diese Tänze schon einmal selber getanzt oder wenigstens gesehen hatten).  Irgendwann hat sich das Publikum nicht mehr halten können und hat ebenfalls angefangen zu tanzen. Es war unglaublich  natürlich und so sympathisch!

Gestern  mit von der Partie waren: Nando Citarella – Gabriella Aiello – Valerio Perla – Carlo »Olaf »Cossu, Pietro Cernuto – Claudio Monteleoni – Pietro Pisano, Raffaella Coppola – Nathalie Leclerc als Sänger und Tänzer und außerdem  Badù ‘Ndiaje – Massimo Carrano, Giovanni Imparato, Arnaldo Vacca, Umberto Vitiello, Valerio Perla, Raniero Bassano, Andrea Caroselli, Ernesto ‘o duttore,  Roberto Giummarra, Gabriele Gagliarini, Simone Pulvano, U Papadia, Micaela Bernardini, Paolo Modugno, Maurizio Trippitelli, Les Cymbaluse und viele mehr.

Der Musiker, Schauspieler und Fachmann für traditionelle und populäre Musik  Nando Citarella hat u.a. auch bei Linsday Kemp und Dario Fo gelernt und mit ihnen zusammen gearbeitet.  Aber was er hat, kann man nicht lernen – so wird man geboren!

Fast drei Stunden Rhythmus, Energie und Lebensfreunde. Zum Schluss artete das Ganze in ein Gemeinschaftsprodukt mit dem tobenden Publikum aus! Wir haben uns selten so amüsiert.

P1210667 das Publikum tanzt mit

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

 

 

Le chant du Rossignol und Carmina Burana in der Oper Rom

 Le chant du rossignol_Cor.Lorca Massine_Un momento del balletto_©Yasuko Kageyama-Opera Roma 2014-15_0242
 Le chant du rossignol_Cor.Lorca Massine_Un momento del balletto_©Yasuko Kageyama-Opera Roma 2014-15_0242
 

Le Chant du Rossignol und Carmina Burana an der Oper Rom

Die Oper Rom, die jedes Jahr wenigstens ein selten gespieltes Werk aufgreift, hat nun zwischen einem Rigoletto (im Januar 2015) und der Tosca (im März 2015) Strawinskys kurzes Nachtigallen-Ballet inszeniert und dieses mit Orffs Carmina Burana kombiniert.

Sehr erfolgversprechend: Carmina Burana ist ein Dauerbrenner und seit der Uraufführung 1937 in Frankfurt/Main von wiederholtem Erfolg gekrönt.

Igor Strawinsky 1882-1971) hat sich 1908 für das Libretto seiner ersten Oper beim Andersen-Märchen Nattergallen (1843) bedient, das er als Kind vielleicht schon kannte. Manchmal kündigt sich hier noch blitzhaft der Einfluss eines Spätwerkes seines Lehrers Rimski Korsakov „Der Goldenen Hahn“, an. Auf Bitten von Diaghilev, ließ er diese Komposition nach dem ersten Akt liegen und machte sich an die Musik für das Ballett Der Feuervogel die Diaghilev für Paris wollte.  Es entstanden außerdem Petrouchka und das Skandalerfolgsstück Le Sacre du Printemps und Strawinsky dachte nicht mehr an seinen „altmodischen“ Rossignol. 1913, auf Bitten des Moskauer Freien Theaters (wohl aus finanziellen Gründen) willigste Strawinsky ein, das Stück zu vollenden. Mit Petrouchka und dem Sacre im Gepäck, konnte er natürlich den Stil von 1908 nicht wieder aufnehmen  und so stehen sich die konventionellen Naturszenen, beeinflusst von Debussy und dem spätromantischen Impressionismus und der Post-Sacre-Strawinsky krass gegenüber. Es beginnt dementsprechend wie ein spätromantisches Märchen und endet als unpsychologisches und nicht idealisierendes Experiment und wie schon beim Frühlingsopfer zerrüttelte und überforderte er die Zuhörer mit einem permanenten Rhythmuswechsel,  zwischendurch versetzt mit orientalischen Gong-Elementen.

Strawinsky sagte einmal über seine Musik: Naturgemäss kann Musik nichts erklären: weder Emozionen, noch Ansichten, weder Gefühle, noch Naturphänomene. Sie erklärt nur sich selber.

Wir hatten gestern Abend das Glück eine Aufführung zu sehen, die auf einem ursprünglichen Projekt von Serge Diaghilev und Léonide Massine basiert. Sie haben es 1917 für das Ballet Russe in Zusammenarbeit mit dem italienischen Futuristen Fortunato Depero entwickelt.

Und das kam so: Diaghilev besuchte 1916 Rom und sah eine Goldoni-Scarlatti-Tommasini Aufführung, inszeniert von Giacomo Balla, die ihn dermaßen beeindruckte, dass er sofort Feuer und Flamme für diese neue Kunstrichtung war und eine Bearbeitung des Rossignol mit den Futuristen, vor allem mit dem Balla-Schüler Depero, aufnahm. Leider kam diese Inszenierung aber nie zur Aufführung.

Rom hat nun das Bühnenbild und die Kostüme nachgebildet und den Sohn von Léonide Massine, den Amerikaner Lorca Massine verpflichtet, die Choreografie zu übernehmen. Es war umwerfend, diese romantische Nachtigallenstory kombiniert mit den mechanischen Bewegungen und futuristischen Farben (die Entscheidung des Kaiser dem mechanischen Vogel den Vorrang zu geben, dürfte ganz im Sinne der „es-leben-die Maschinen-Philosophie der Futuristen gewesen sein). Ein Spaziergang durch die Futuristenabteilung im hiesigen Museum für Moderne Kunst, bei dem man ab und zu eine Figur aus dem Triadischen Ballet traf.

Die Geschichte ist ganz einfach: Der Kaiser von China hört den wunderbaren Gesang einer Nachtigall, bekommt vom japanischen Kaiser aber einen mechanischen Zaubervogel geschenkt, dem er den Vorzug gibt. Die echte Nachtigall schmollt und zieht sich traurig zurück. Der Tod erscheint und will den Kaiser holen, der mechanische Vogel gibt den Geist auf was den Kaiser noch kränker werden lässt. Aber auf die Natur kann man sich halt verlassen und irgendwann tänzelt die lebendige Nachtigall wieder aufs Parkett und bezirzt zuerst den Tod mit ihrem Gesang  bis dieser verzückt abzieht, um in der Folge den Kaiser ins Leben zurückzuholen.

Die Balletversion dauert nur knappe 30 wundervolle Minuten und ist wie ein Wettstreit zwischen Technik und Leben, zwischen Oboe und Querflöte. Allerdings hat das Orchester dies meiner Meinung nach nicht gut genug herausgeholt. Die Tänzer waren großartig.

 

Nach der Pause kam Carmina Burana

Gut 20 Jahre nach der dritten Fassung der Nachtigall, also 1936, entstand Carmina Burana. Carl Orff (1895-1982) entdeckte 1934 durch einen glücklichen  Zufall (deshalb heißt wohl die Hauptperson und Zeremonienmeisterin auch Fortuna) in einem Würzburger Antiquariatskatalog eine Handschrift aus dem 12. Jahrhundert (Cantoribus et choris cantandae comitantibus instrumentibus atque imaginibus magicis)und fühlte sich sofort von dem mysteriösen Namen Carmina Burana und vom Thema überhaupt angezogen: Schon 1935 machte er sich mit einem Studenten an das Libretto in Latein und Mittelhochdeutsch und Altfranzösisch, wählte 24 Verse aus und so entstand dieses monumentale Opus über Wein, Weib und Gesang. In dieser Neukomposition nach Stilmerkmalen des Mittelalters geht es um Weltlich-Paganes: Glück, Wohlstand, Frühling und dessen Freuden, Wein, Völlerei, Spiel und die Frauen natürlich. Das Werk ist zeitlos und weder Oper, noch Oratorium noch Kantate.  Orff war der einzige von den bekannten Komponisten, der – warum auch immer – Atonaltes oder Schräges nicht in seine Musik einbezog. Er hat seine eigene farblose Ästhetik entwickelt und so – vor allem durch Carmina Burana – Weltruhm erlangt.

Der Chor in griechischer Theater-Manier, ist links und rechts der Bühne angeordnet (an die 100 Sänger). Im Hintergrund ein graues, simples Eisengerüst aus dem die Tänzer sich – manchmal sehr lüstern – herausschälten. Die schwarzen Männer im Obergeschoß der Struktur gaben dem Ganzen etwas Martialisches. Fortuna war seltsamerweise auch in schwarz gekleidet. An Farben gab es außer grau-schwarz/weiß nur hautfarbene Töne, die eine Nacktheit vortäuschen sollten, vor allem bei den Paarungs-Versen, bis dann mit der Verführung das Blutrote hinzukam. Außer ein paar weißen Hockern, die aber vor allem Accessoires der Tänzer waren, gehörte die Bühne den Tänzern und Sängern.  Das ganze Spektakel war beeindruckend und mitreißend.

Der Belgier Micha van Hoecke (*1944)  hat diese Carmina inszeniert – für Chor, Ballet und Solisten. Es ist nicht seine erste Carmina Burana aber diese hier ist anders, sie stützt sich sehr auf individuelle Darsteller und Solisten. Und er hat sich seinen Traum erfülllt, mit dem Modeschöpfer Emanuel Ungaro zusammen zu arbeiten. Van Hoecke hat bei Maurice Bejart gelernt und ist nicht das erste Mal in Italien. In den letzten Jahren  hat u.a. Choreografien für die Scala entwickelt und eine weitere Carmina Burana für Pisa.

Es geht – wie auch sonst – bombastisch los. Fortuna taucht auf und kündigt das Ankommen des Frühlings an was ein Synonym für das Erwachen der Liebe (und Leidenschaft) ist. Die Geschichte artet in einem deftigen Saufgelage aus bis die Liebesstunde gekommen ist. Eingepackt ist diese banale Handlung in  gewaltige Chorarien zu Ehren Fortunas, die für das Schicksal der Erdenbürger zuständig ist.

Orff ging sehr frei mit der Handhabung der Verse oder Strophen um, holte Personen hier weg um sie dort einzubauen. Die schöne Helena wird in einem Atemzug mit Blanziflor, eine Gestalt aus einer altfranzösischen Rittersage erwähnt. Konventionell, traditionell und gewaltig-archaisch die Musik und der Chor.

Die Sopranistin Kathleen Kim, Filippo Mineccia, Countertenor und der Bariton Jonathan McGovern waren die drei Solisten, wobei es Fortuna mit den Männern nicht immer gut meinte, ihnen fehlte es manchmal an Kraft. Aber bei eine Tanzfassung hört man auch die Musik anders. Kim war ziemlich gut.

Van Hoecke fuhr mit allem auf, was die römische Oper zu bieten hat, der ganz große Aufmarsch von Chor, Orchester und Ballet des Teatro dell’Opera di Roma. Am Pult David Coelman, manchmal etwas zaghaft; der Chorleiter ist Roberto Gabbiani.

Wenn man bedenkt, dass die Oper Rom im Sommer für ein paar Wochen ihr Haus aus Geldmangel schließen musste und Vorstellungen ausfielen oder nur mit Klavierbegleitung stattfanden, war das ein Teil eines ziemlich guten Neuanfanges!  

Carmina Burana_Cor.Micha van Hoecke_Un insieme,a sinistra Jonathan McGovern, a destra Kathleen Kim_©Yasuko Kageyama-Opera Roma
 Carmina Burana_Cor.Micha van Hoecke_Un insieme,a sinistra Jonathan McGovern, a destra Kathleen Kim_©Yasuko Kageyama-Opera Roma

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

 

Gisela! Oder: die merk- und denkwürdigen Wege des Glücks

gisela3

« Gisela! oder: Die merk- und denkwürdigen Wege des Glücks“

Augenzwinkernder, testamentarischer Abschiedsstreich!

Oper, sagte Henze, ist eine besonders künstliche Kunstform, bei der nichts den Tatsachen entspricht und die Musik für die Glaubwürdigkeit auch der seltamsten und ungewöhnlichsten Seelenzustände geradestehen muss. Sie muss ihre Hörer betören, verzaubern, verschrecken, beschwören, verführen, unterhalten, bei der Hand nehmen und in nächtliche Zaubergärten einlassen oder in gleissendes Tageslicht stoßen (aus Reisebilder und Böhmische Quinten). Dann sagt er weiter: « meine Musik lebt von ihren Widersprüchen, steckt voller Dornengestrüpp, Stacheln und Unannehmlichkeiten. Sie ist giftig wie Schlangenbisse, ihre Umarmungen können gefährlich werden, sich als Betrug Herausstellungen, den Erwartungen nicht entsprechen (das schrieb er 1991). 

Das großartige Teatro Massimo in Palermo hat die Saison 2015 mit Hans Werner Henzes « Gisela! oder: Die merk- und denkwürdigen Wege des Glücks“ eröffnet. Dieses „Musiktheaterstück für Sänger, Mimen, Ballett, kleinen gemischten Chor und Instrumente ist Henzes letztes großes Werk. Er hat es ganz bewusst nicht „Oper“ genannt. Zur Mozarts Zeiten hätte es die Bezeichnung „Singspiel“ bekommen. Ein großes und humorvoll-besinnliches Abschiedsgeschenk. 

Der Vorhang ist noch zu und doch beginnt beim Reingehen schon das Rätseln. Soll das ein weißer Vesuv sein oder eine Art mutiertes Riesenei? Jedenfalls bricht es plötzlich auf und Pulcinella (Gennaro) schießt heraus, um sich  in italienischer Sprache (der Rest des Werkes wurde natürlich in deutscher Sprache aufgeführt) dem Publikum vorzustellen. Dann hebt sich der Vorhang und die Reisegruppe aus Oberhausen kann am Bahnhof in Neapel ankommen. Sie sind gut gelaunt und tragen Sommerkleidung. Der Reiseleiter Gennaro, unser Pulcinella in geklonter, vielfacher Ausfertigung, begrüßt die Gruppe und bietet seine Dienste an. Gisela (man bemerke das Ausrufezeichen im Titel) mit ihren schönen hochhackigen roten Schuhen will dann auch gleich ins Nationalmuseum und Angelikas Kaufmanns Bilder bestaunen. Während der Vulkanologe Hanspeter Schluckebier, bieder, deutsch, ernst, gewissenhaft, mit grüner Jeans und Jackett sich schon auf den Vesuv freut, um ihn, in Humboldt-Manier, gründlich zu erforschen fiebern die restlichen Mitreisenden in Vorfreude dem Trip zur Amalfiküste entgegen. „Nicht weit von hier ist der Parsifal entstanden.  Richard Wagner war glücklich in Ravello“!. Allgemeinplätze werden verkündet und verbreitet und, ähnlich wie bei den Personen der Commedia dell’Arte, vermischen sich Realität mit Fiktion genau so schnell, wie man die schwarze Augenmaske aufsetzen und wieder abnehmen kann. 

Aber zuerst führen uns Henze und Dante zu einer neapolitanischen Prozession und gleich im Anschluss zu einem neapolitanischen Spektakel mit Tanz und Klamauk, eine Parodie à la Laurel und Hardy, bei der nicht nur die roten Kostüme eine Hommage an Strawinkys „Sacré du Printemps“ verkünden. Gisela und Gennaro kommen sich näher und Hanspeter wird eifersüchtig,  symbolisiert  mit gelben Rosenstöcken. Diese Szene ist herrlich und sieht so leicht und spritzig aus wie sie, laut Gennaro/Pulcinella Marcello Nardis schwierig für die Sänger war. Hunderte von diesen, fast personengroßen Rosenstöcken werden vom Pulcinella-Stamm so bewegt, dass sie zuerst den Weg von Gisela ins Glück markieren, dann zwei getrennte Zimmer andeuten, in denen die beiden  sich zur Ruhe legen können, bis die  frisch Verliebten gemeinsam die Blumenmauer einreissen und sich vereinen. Gennaros (wetterbedingte) Bedenken mit Gisela nach Oberhausen zu gehen, wischt sie kurzerhand weg „bei uns regnet es zwar oft, aber jeder hat einen Regenschirm!“  Dem kann er natürlich nichts mehr entgegensetzen. Derweil Hanspeter immer noch an die bevorstehende Hochzeit mit Gisela denkt und die Menü-Vorbereitungen anlaufen, verkündet eine andere Reiseteilnehmerin, dass Gisela und Gennaro abgereist seien. Ist es Traum oder Wirklichkeit! Der erste Akt endet grau in grau und die beiden Liebenden tanzen in grauen Trench gekleidet unter zwei grauen Regenschirmen und von der farbenprächtigen Neapelstimmung bleiben nur noch Giselas rote Schuhe und die Musik!

« Dem heiligen Januarius, durch das Wunder seines Blutes vor Hunger, Krieg, Pest und dem Feuer des Vesuvs gerettet, Neapel, seinem Mitbürger, Patron, Beschützer. » (Spruch im Dom)

Im zweiten Akt wird diese Graustimmung fortgesetzt und weist uns und die Protagonisten den  merk- und denkwürdigen Weg zum Glück und so etwas geht natürlich nur im Traum! Ironische Tutu-Balletteinlagen purzeln durch eine farbige Grimmsche Märchenwelt. Die sieben Zwerge beschützen Schneewittchen vor der bösen mann-artigen Königin, bis dann ein Jäger auftaucht und nacheinander alle bedroht, das Gewehr ständig den Besitzer wechselt und der Traum kurzzeitig zum Alptraum wird, oder sind wir vielleicht doch im Ruhrgebiet? Ein beklemmend-fröhliches Durcheinander, wie es nur in einer Scheinwelt existieren kann inklusive dem erleichterten Erwachen. Dann ist der Traum anscheinend zu Ende (oder auch nicht) und  man legt wieder die hell-fröhlichen Commedia dell’Arte- Gewänder, die ein wenig an Derwische erinnern, an. Oberhausener Regenschirme und Grau verschwinden und „Frei und glücklich“ bewegt sich das deutsch-italienische Paar Hand in Hand auf den feurigen Vesuv zu, der mittlerweile im Hintergrund rumort. „Oh, du schöner Vesuv, du bist Zeuge: Freiheit und Tugend werden immer mit uns sein“. Gennaro scheint aber Neapel dann doch nicht vor dem Ausbruch bewahrt zu haben. Ein Happy End ist es allemal, sonst hätte Henze ja nicht auf die merk- und denkwürdigen Wege zum Glück verwiesen. Emma Dante hat das jedenfalls verstanden. 

michael und Marcello ein sichtlich gerührter Michael Kerstan (er hat zusammen mit Christian Lehnert das Libretto geschrieben)  mit dem « Gennero »-Darsteller  Marcello Nardis bei der Generalprobe (Foto: Claudia Bilotti Augsdörfer)

Während der erste Akt spritzig, schnell und leidenschaftlich ist, wird die Musik im zweiten Akt langsamer, auch ernster und ist nun mehr denn je gespickt mit meisterhaften Referenzen an alle Komponisten, die für Henzes Musik und Leben wichtig waren. Immer wieder Bach-Zitate, unterbrochen von Mozart, Hindemith, Mahler, Strawinsky, ja sogar Wagner und neapolitanischer Volksmusik und natürlich Rückblicke auf sein eigenes so umfangreiches Werk.

In Neapel war er glücklich und noch als 70-jähriger schreibt Henze, wie sehr er die Neapelzeit vermisse. Das Ende ist der Anfang und der Beginn der Suche nach dem Glück. Henze der Romantiker, er hat nach schwerer Krankheit 2006/2007 nochmals 3 wichtige Werke geschrieben – unglaublich!

„Gisela“ ist ein großes zitatenreiches und symbolisches Abschiedsgeschenk aber nicht unbedingt ein Alterswerk, gedacht für junge Musiker und Sänger. Die romantische und sensible Kunststudentin Gisela Geldmaier ist sicher ein Gedanke an Henzes beste Freundin, Ingeborg Bachmann, mit der er lange Jahre in Neapel lebte. Gisela Geldmaier kommt aus Oberhausen, das liegt  um die Ecke seines Geburtsortes und seine Mutter hieß mit Mädchennamen Geldmacher.  Vielleicht war es aber auch eine Hommage an Margot Fonteyn, die Henze verehrte und die er zum ersten Mal in „Giselle“ in den 50er Jahren hat Tanzen sehen. Giselas Verlobter heißt Hanspeter, fast so wie er selber. Hanspeter ist ein gewissenhafter und akkurater Westfale, eher schüchtern im Umgang, wie Henze sein Leben lang unter einem Provinzkomplex (seine Worte) gelitten hat. Gennaro ist der Schutzheilige von Neapel, nur er kann verhindern, dass der Vesuv wieder ausbricht (was er laut Emma Dante dann aber doch tut!). Er ist draufgängerisch, hitzig und wahrscheinlich eher oberflächlich. Die beiden sind so gegensätzlich wie es das grau-schwarze Oberhausen im Vergleich zum stürmischen Vulkanausbruch eines Vesuv nur sein kann.

Henze war in den 50er Jahren selber auf  einer merk- und denkwürdigen Suche nach dem Glück und vor allem auf der Suche nach seiner Musik, nachdem er sich den Dogmen der Darmstädter Ferienkurse nicht unterwerfen wollte. In Deutschland konnte er weder atmen noch seinen späteren  „Henze-Stil“ finden. Er wurde von Stockhausen gemieden und Luigi Nono (Gigi), den er verehrte und respektierte, verließ bei der Premiere zu « Elegy for Young Lovers » das Theater schon vor der Pause (Henze berichtet darüber in seinen « Reisebildern und Böhmische Quinten »).  Schon 1953 kam er auch deshalb  nach Ischia wo er u.a. auf das Paar Wystan Hugh Auden und Chester Kallmann, mit denen er später einige Projekte durchführen würde, traf. 1956 zog er nach Neapel und schrieb fast leidenschaftliche Briefe an die Bachmann, um sie nach Neapel zu holen (wie am 15. April 1957 ein Telegramm „BITTE DICH ZU KOMMEN AUCH NUR FUER WENIGE TAGE = HANS“). Anfang der 60er Jahre ging er schließlich mit seinem langjährigen Partner Fausto nach Rom und ließ sich definitiv in Marino, in den Albaner Bergen, in der Nähe von Nemi, nieder (hier sollte später, 2006,  seine Phädra eine wichtige Rolle bekommen).

Emma Dante hat ihn verstanden und ging sehr frei und kreativ mit dem Libretto um. Sie ist in Palermo geboren und aufgewachsen. Die Mütze von Pulcinella/Gennaro sieht aus wie das Füllhorn im Oratorio di San Lorenzo oder wie ein Teil der Dachdekoration der Kirche des Hl. Giovanni. Alles greift ineinander über und alles ist im allem verbunden.

1950, in Wiesbaden, arbeitete Henze an einem Stück von Moliere « Jack Pudding ». Es kam nie zur Aufführung, erst 1995  holte er es wieder hervor, machte aus dem Pierrot einen Pulcinella, verlegte die Geschichte in die farbige und leidenschaftliche Welt von Neapel und nannte es « Pulcinella alla ricerca della Fortuna per le strade die Napoli » (Pulcinella auf der Suche nach dem Glück in den Straßen von Neapel) - ist die Gisela vielleicht hieraus entstanden? Pulcinella und Schluckebier, allein schon die Namen sprechen von seinen beiden Seelen, der westfälischen und der italienischen. In Neapel war er sehr glücklich und dort lässt er nun sein letztes Werk spielen.

gisela5

Das Libretto haben Christian Lehnert und Michael Kerstan geschrieben.  Die außergewöhnliche Akkustik in diesem  Theaters unterstrich nochmals das Können der Sänger und das Publikum  wurde von der Euphorie, die die Protagonisten untereinander hatten, angesteckt. Constantin Trinks hat das Hausorchester und die Solisten wunderbar durch diesen bunten seltsamen Traum geführt. Vanessa Goikoetxea (wir haben sie gesehen und sie war zauberhaft, verträumt und doch entschieden und bewegte sich mit großer Grazie in ihren hochhackigen roten Schuhen) und Arianna Vendittelli sangen Gisela, Lucio Gallo  und Szymon Komasa waren Hanspeter und Gennaro Esposito wurde abwechselnd von Roberto De Biasio (im Bild – auch er war ein verführerischer und charmanter Pulcinello-Reiseleiter) und Marcello Nardis gesungen. Das sind dann auch schon die drei Hauptpersonen, die allerdings so gut wie immer präsent sind (vor allem Gisela und Gennaro). Die originellen Kostüme hat Vanessa Sannino entworfen, die Choreografie Sabino Civilleri und Manuela Lo Sicco. 

„Genau so hätte der Maestro sich seine Gisela gewünscht!“   Diesen Satz gab einer der Librettisten, Michael Kerstan, nach der Generalprobe von sich.

Als gemeinsames Auftragswerk der Ruhrtriennale und der Semperoper Dresden wurde Gisela 2010 kurz hintereinander in unterschiedlichen Versionen aufgeführt. Der damals 84jährige Henze hat für die Dresdner-Version  noch am Tag der Premiere per Email Änderungen geschickt! Typisch für Henze, der im Laufe seines Lebens, sehr oft ein Stück wieder und wieder umgeschrieben hat. 

Das Teatro Massimo in Palermo, das übrigens die drittgrößte Bühne aller europäischen Theater hat und die beste Akkustik aufgrund einer Konstruktion der Bühne, die dem Maul einer griechischen Theatermaske entspricht,  hat sich nun daran gewagt und ist stolz darauf, hat doch der Maestro den Großteil seines Lebens im Süden von Italien verbracht. 

Schade ist nur, dass man diese Version nicht ein wenig auf die Reise schicken kann! Es kommt einer Verschwendung gleich, diese Ideen und Einfälle wieder wegzusperren.

Christa Blenk

Fotos: Christa Blenk

Nachklapp: Am nächsten Morgen hatten wir dann das große Glück und wurden vom Stage Director Ludovico Rajata durch das Theater geführt und konnten beim Abbau von « Gisela » ein wenig – fast bedauernd es nicht nochmals sehen zu können - dabei sein.

abbau giselaHier sieht man noch den Verlobungskuchen (der ja nicht gegessen wurde weil die Verlobung nicht stattgefunden hat) und im Hintergrund die religiösen Prozessionsfiguren, mit denen am Anfang des Singspiels die  ankommenden Ruhrgebietler gleich mit dem religiös-paganen Neapel konfrontiert wurden. Der ganze Zauber dieses Opernhauses sprang hier auf uns über als auf der einen Seite « Gisela » verschwand und im nächsten Raum schon für die nächste Veranstaltung geprobt wurde oder die Tänzer für Orpheus und Euridice von Gluck probten (es wirde Ende Februar aufgeführt). Treppen rauf, Treppen runten kommen wir in den Keller und dann in die Königsloge. Dank an den Stage Direktor Ludovico Rajata, der uns netterweise durch das Theater geführt hat.

 Reisebericht

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

 

 

Impressionen Highlights 2014

Musik-Theater-Kunst-Highlights in Rom und anderswo - 2014

 

Isadora DuncanmercierPoseidon-TempelsalzP1140617Andante 2008- Óleo-lienzo 40×47 cm.bigbamboo3cellist-palazzo farneseTrabi goes MarcellomonduebervillaadrianathermepicknickKlagemauer

Cristina Crespo hat sich die tanzenden Musen vorgenommen, die Ausstellung dazu wird Anfang April in der Casa della Civetta stattfinden, während JN gleich selber die  zeitgenössische Topf-Symphonie dirigiert und dabei eine wirklich « bella figura » macht. In Paestum wird im Sommer 2015 zum ersten Mal ein Musik-Festival stattfinden (mehr wird noch nicht verraten). Ein Aufenthalt im bretonischen Salzland war genauso interessant wie der Besuch im Studio von Antonio Passa. Während « Andante » ihren Kopf nach unten steckt (oder in den Sand) steht der Big Bamboo immer noch und lädt ein, die Höhen zu erklimmen. Der italienische Cellist spielte die Bach Suite, die Rostropovic vor 25 Jahren an der Mauer spielte und der Trabi fuhr direkt durch das Teatro Marcello. In der Villa Adriana konnten wir unter unglaublichem Vollmond und vor alten Mauern das NDT mit erleben. Die Mauer der durch häusliche Gewalt getöteten Frauen steht auch noch, obwohl sie ihre Reinheit durch unschöne Schmierereien verloren hat. JN hat für eines seiner Fotos von der Mauer sogar einen Preis beim Goethe Institut Wettbewerb « Helden wie wir » gewonnen ……..

aber sehen Sie selber!

P1130230 2014 habe ich mich intensiver mit dem #neuen Rom beschäftigt und dazu EUR einen Besuch abgestattet. Im Laufe der ersten Monate 2014 ist daraus dann ein langer Artikel über die #zeitgenössische Architekturin Rom geworden, was mich später zu einer Serie Rom-Spaziergänge und im einzelnen über #Bernini, #Borromini und die #Renaissance in Rom animiert hat. Weitere werden folgen. Die meisten Bernini Skulpturen in Rom stehen in der Galleria Borghese und diese hatte ihnen für eine Zeitlang #Giacometti gegenüber gestellt. 2014 bekam Rom außerdem zwei neue #Stolpersteine .

GG_nb_06 Das Wagner- Jahr ging zwar 2013 zu Ende; die Oper Regensburg hat aber trotzdem oder deswegen im Januar 2014 eine sehr spektakuläre und witzige #Aufführung der Feen inszeniert. Mit Feen und Waldgeistern hatte sich 2013 auch #June Papineau befasst. Im Frühjahr 2014 zivilisierte sie ihre Laubfrauen und Moorgeister und brachte den #Great Goyesque nach Lausanne in eine Galerie. #Jean-Noel Pettit ha fait une traduction de cet article.

ex_passa Eine Entdeckung 2014 war der italienische Künstler  #Antonio Passa. Sein Ri-tratto di Antonio wurde von #Riccardo Santoboni vertont und daraus entstand eine Art mathematisch-malerische Symphonie, die er bei der Aufführung der Vernissage auch mit vier Musikern aufführte. Überhaupt gab es in diesem zu Ende gehenden Jahr viele Konzerte und Veranstaltungen, die sich mit zeitgenössischer oder elektronischer Musik auseinandersetzten, wie z.B. das #Controtempo Festival in der Villa Medici. Auch die Veranstaltungen des #CRM (Centro Ricerche Musicali) waren immer sehr spannend und anregend. Eine Ausstellung im Macro, #OASI,  brachte elektonische Musik und Kunst zusammen, bei #Feed Drum war es elektronische Musik und Tanz.

P1150956 Ein Expositions-highlight in 2014 war natürlich die lang erwartete #Frida Kahlo Ausstellung in den Scuderien. #Rodin war in den Diokletian-Thermen zu sehen. Aber auch die anderen Museen oder Galerien konnte durchaus mithalten. Es gab im ersten Halbjahr die #Impressionisten aus Washington in Ara Pacis, #Andy Warhol auf dem Corso, #Simon Hantai in der Villa Medici, Rodin in den Diokletian-Thermen und dann #Alma Tadema und die ästhetische Bewegung.

phantabrass-mit Schiaffini und Schiavoni Etwas ganz besonders und außergewöhnlich interessant war die Anwesenheit bei einer Live-Übertragung im Radio RAI3  Gebäude in Prati  die #Performance einer Anti-Kriegs-Kantate, gesungen und vorgetragen von #Silvia Schiavoni zur Musik von Giancarlo Schiaffini mit dem Orchester Phantabrass. Auch interessant war das Abschlusskonzert der Villa Massimo im Auditorium mit zwei Uraufführungen. Ein anderes « barockes » Highlight war Scarlattis  #La Giuditta » durch das Concerto Romano.

Parajes nuncios de Infinito (1999-2009) Nube von Carlos de Gredos – Foto Christa Blenk Im Frühjahr und Sommer  standen auch einige Reisen auf dem Programm. Die eine führte uns auf die Spuren von Jean Luc Bannalec auf die #Glenan Inseln und später dann in das Salzland der #Bretagneund der Vendee. Leider sind die beiden Fernsehfilme über diese Krimi-Geschichten total unansehbar und billig. Madrid stand im Mai auf dem Programm und damit verbunden ein aussergewöhnlicher Besuch bei #Carlos de Gredos in seinem Cerro Gallinero und eine dritte – sehr persönliche – Reise der Erinnerung ging nach San José und zum #Cabo de Gata. In Madrid habe ich außerdem die Künstler #Gerardo Aparicio und #Guillermo Lledó näher betrachtet. Im umgebauten Reina Sofia Museum fand gerade eine Ausstellung von Hanne Darboven statt, die mir die Künstlerin dann doch ein wenig näher gebracht hat.

vulkan4 Im   Sommer hat es uns außerdem auf den #Stromboli getrieben. Der Aufstieg sowie das Zurückkommen um Mitternacht war ein ziemlich unvergessliches Erlebnis und auf jeden Fall eines der Italien-Höhepunkte. Daraufhin haben wir uns dann gleich für das nächste Jahr die Ätna-Besteigung vorgenommen.

P1190873  Musikmässig war auch ganz schön was los im Frühjahr. Die Oper Rom traute sich an zwei #Ravel-Stücke, und es gab zwei sehenswerte Aufführungen von #Little Match Girl Passion und von #Brundibàr. Die #Ars Ludi beeindruckten uns wieder gegen die Zeit in einem der schönen #Aula Magna Konzerte. Die Saison im Auditorium Parco della Musica ging #swingend zu Ende. Darunter fällt auch ein Glanzauftritt der Mexikaner und wir haben gelernt, dass der Danzón mindestens so aufregend wie ein Tango sein kann. Brasilien hat auch zwei seiner besten Musiker nach Rom kommen lassen zu einem #bezaubernden Barockkonzert für Cembalo und Querflöte kurz vor Weihnachten.

P1200125  #Paola Romoli Venturi, die wir schon im letzten Jahr im #MAAM kennen gelernt haben, wir hier genauer betrachtet. Weitere neue Künstlerinnen auf dem blog sind #Christa Linossi und #Schirin Fatemi. Cristina Crespo arbeitet gerade an einer langen Geschichte über #Musen und Tanz, die hier genauer beleuchtet wird.

P1170074 Im Sommer fand wieder der Festival in der Villa Adriana statt. Wir haben uns Vorstellungen von #Martha Graham und dem #NDT angesehen. Auch in der Nähe von Rom, in Albano, fand dieses Jahr zum ersten Mal ein kleineres Festival statt, bei dem wir zwar ziemlich gefroren aber uns sehr gut bei der Cavalleria Rusticana unterhalten haben.  Auch open air war eine Veranstaltung in der spanischen Akademie vor dem bezaubernden Bramante Tempel. #Aire von Javier Moreno.

Unsicker-Chorus Assisi hat eine sehr umfangreiche Ausstellung über die Mauer-Kunst # »no more walls » organisiert. Wir sind hingefahren, um sie uns anzusehen. Auf dem Rückweg sind wir dann ein wenig durch Umbrien und  haben, Spoleto, Spell0, Perugia und  Gubbio besichtigt. Ansonsten haben wir viele kleine Orte in der Nähe von Rom besucht, meistens Tagesausflüge und alle sehr sehenswert wie #Calcata, Civitta di Bagnoreggio oder Grottaferrata und natürlich unser #Viertel San Lorenzo richtig kennen gelernt. Und dann kam im #November Paestum!

P1180729 Nach der Sommerpause wurden dann nach und nach viele interessante Ausstellungen eröffnet wie z.B. #Escher, Mario Sironi, Sander und Lerski in der Villa Massimo, ein Besuch in der Villa Medici lohnte sich auch wieder, #Memling ist noch bis zum 18. Januar 2015 in den Scuderien zu sehen so ist #Normann Rockwell. Die GNAM macht einen Rundumschlag zwischen Sezession und Avantgarde und:

jamieMcdermottinRom Das Romaeuropa Festival begann mit einer fantastischen Aufführung in der Villa Medici # »Il ballo delle Ingrate ».Wir haben auch einen Liederabend mitgemacht, der #Benjamin Britten gewürdigt hat sowie eine weniger gute Aufführung von King Arthur. Der Höhepunkt war die #Carmen mit Dada Masilo.

Palabras Die Casa di Goethe hat die Serie der Aktivitäten fortgesetzt und nach Grünbein und Lewitscharoff ging es mit Dichterlesungen , incontro Romani und Ausstellungen wie zB. mit der  Sammlung von Erdmannsdorff oder Portraits von Isolde Ohlbaum weiter. Ein Abend war Tischbein gewidmet. Und hier mache ich mal einen kleinen Exkurs ins Kino und stelle den besten Film in 2014 vor: nämlich #Grand Hotel Budapest.

cellist-palazzo farnese Und natürlich wurde auch der Mauerfall vor 25 Jahren hier gefeiert. Einmal mit einem #zeitgenössischen Konzert in der französischen Botschaft mit dem Titel « Jenseits der Grenzen ». Ein italiensicher Cellist spielte die Bach Suite wie dies  Rostropovic an der Mauer 1989 tat. P1190162-sepia-  petiteUnd zweimal war eine ganze Nacht lang der Trabi am Teatro Marcello antreffen.

imageEs gab auch wieder Gästebeiträge in 2014. Birgit Käppeler hat über ein deutsch-Italienisches Theaterprojekt in Zusammenarbeit mit dem St. Pauli Theater  in San Guzné in der Toskana berichtet. Blutige Aprikosen hieß das Stück, das in dem kleinen Ort mit Laiendarstellern auf die Bühne gebracht wurde.  Das Fenster in die Toskana ist vom lokalen Künstler Lorenzo Vanni.

Jean Noël Pettit hat den Artikel über « The Little Match Girl Passion » ins Französische und Brigitte Meyer hat das Portrait über Tiziana Morganti ins Italienische übersetzt.  Außerdem hat Brigitte Meyer das Portrait von Antonio Passa und die Musikbeschreibung von Riccardo Santoboni dazu ins Italienisch übertragen .

Vielen Dank!

borjaprimordial 011Als Zugabe gibt es dieses Jahr die Projekte, Aquarelle und Zeichnungen von Emanuel Borja, dessen Seite dieses Jahr ein wenig zu kurz kam. Was sich aber ändern soll. Die kleinen Holzskulpturen

proyectos realizados
Album : proyectos realizados
esculturas primordiales de los años 80 (gracias a Peter Jäger - que ha hecho el trabajo de scanear los diapositivas)
23 images
Voir l'album
 waren Modelle für sehr große Holzarbeiten, die aber – bis auf eine – beim Umzug von Rabat nach Rom leider zerstört wurden. Die Aquarelle
Acuarelas y naturaleza
Album : Acuarelas y naturaleza
Aquarelas de recuperación © Emanuel Borja/Christa Blenk
20 images
Voir l'album
 hingegen sind in Bonn entstanden, als er sich von seiner ersten Operation erholte; die Zeichnungen
dibujos
Album : dibujos
dibujos de E.Borja en su diario © Emanuel Borja/Christa Blenk
20 images
Voir l'album
 immer wieder zwischen durch. Ich habe sie aus seinen Tagebüchern eingescannt. So auch die Primordial-Projekte
Primordial
Album : Primordial
trabajos de los años 70 y 90 © Emanuel Borja/Christa Blenk
28 images
Voir l'album

P1190162-sepia-  petite Wer über die Feiertage einen kleinen Ausflug in Rom-Nähe machen möchten. Auf Artmore gibt es viele Vorschläge für Tagesausflüge. Gute Fahrt im Neuen Jahr 2015 wünsche ich und freue mich wieder auf Euren Besuch hier auf den blog mit Geschichten und Berichten aus Italien und mehr.

Vielen Dank an die treuen Leser, die interessanten Kommentare und das positive Feedback! Vielleicht möchte Jemand ja auch seine persönlichen Highlights mitteilen!

Bilderreise 2014

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

 

 

La voce, il soffio, l’anima (Stimme, Odem, Seele)

P1200078JN vor einer Musikinstallation

Im Rahmen des 51. Festivals « Nuova Consonanza » fand gestern abend in der Casa delle Cultura Villa De Sanctis eine Performance für Stimme, Flöten, elektronische Töne und Tanz statt. Auf der Casilina stadtauswärts bei der Hausnummer 645 verlässt man diese seelenlose Straße und tritt in eine Art Zaubergarten, in dem nach hinten versetzt, dieses Kulturzentrum seinen Sitz hat.

Die fantastische und einzigartige Silvia Schiavoni trugt die von ihr ausgewählten und bearbeiteten Texte aus verschiedenen Teilen der Bibel vor. Sie war  Sängerin, Sprecherin, Klagefrau, Priesterin und Predigerin und hat wieder mal durch ihre außergewöhnliche Expressionsfähigkeit bestochen. Beeindruckend auch Gianni Trovalusci, der sie  dabei an verschiedenen Flöteninstrumenten mit viel Pusten begleitete. Isabella Schiavoni hat die Choreografie entwickelt und auch selber getanzt.

P1200085 Die Komponisten mit den Künstlern – Silvia Schiavoni in der Mitte

Die drei unten erwähnten Kompositionen – alles Uraufführungen – wurden als Gemeinschaftswerk aufgeführt und es war eigentlich nicht zu erkennen, welcher Teil von wem war.

Loredana Arcaro (*1969) – F for G#_T_Studio_n° 3* (2014) per flauto basso e supporto digitale

Giorgio Nottoli *1969) – Percorso incrociato (2004) per voce femminile ed elettronica

Laura Bianchini (*1954) – Luna doppia (2014) per voce, tubo sonoro, suoni elettronici

 

 Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

 

 

FEED-DRUM

Feedback und Resonanz heisst das neueste Spektakel von Michelangelo Lupone, das gestern im Rahmen des Romaeuropafestival im MACRO Testaccio, La Pelanda, aufgeführt wurde.

« Corpi Risonante – duo per danza, percussioni e risonanze die corpi »

P1190883Die Bühne ist schwarz, ungleiche weiße Bewegungsstreifen (Sensoren) sind zu sehen. Die Tänzerin ist in einen schwarzen Gymnastikanzug gekleidet, der ebenfalls weiße Streifen hat, konform denen auf der Bühne. Sie hat feuerrote lange lockige Haare. Kafkaesk verwinkelt liegt sie schon auf der Bühne als wir reinkommen. Das Licht geht aus und mit ihren langsamen, zeitlupenerinnernden und  fast Nicht-Bewegungen kommen die Töne über die Sensoren zu den drei Feed-Drums hinter ihr und zu uns.  Einmal ist es wie Walfischgesänge, dann wieder wie ein sich entfernender Vogelschwarm bis geigenähnliche Töne erzeugt werden, unberechenbare Zufallsmomente spielen auch eine Rolle.  Und obwohl sie sich eigentlich nicht vom Platz bewegt, ist sie doch plötzlich immer wieder woanders. Sie ist unglaublich großartig und ihre Hände und Füße sind überall und austauschbar. Irgendwann kommt dann Gianluca Ruggeri zu ihr auf die Bühne. Es beginnt eine Spiel zwischen Mann und Frau, eine opernähnliche Verführungsszene und die Klänge verändern sich durch die Gesten beider. Eine visuelle und tastende Suche nach dem Klang. An Baron Münchhausen erinnernd, will sie sich an ihren eigenen Haaren vom Boden hochzuziehen, bis sie steht und frei ist .

So habe ich mir immer Kafkas Verwandlung in einen Käfer vorgestellt, nur dass bei ihr der Prozess umgekehrt von Statten geht, denn sie steht zum Schluss.

Lupone spielt hier mit dem Larsen Effekt bzw. mit der akustischen Rückkoppelung, die hörbare tiefe und hohe Resonanzen hervorbringt. Kein Laut im Publikum und angespannte Stimmung. Es war ziemlich anstrengend.

P1190888Anschließend ein kurzes Stück « Canto di Madre » für Computer und als Abschluss « Feedback – für drei Feed Drum - Elektronisches Medium und  Video ». Die  drei ausgezeichneten Drummer von Ars Ludis präsentieren in der Folge  auf den drei Feed Drums, die Lupone 2002 entwickelte, ein ungeheures Happening. Energie und die Macht darüber. Sie gegeben sie ab und holen sie sich auf der anderen Seite wieder. Während sie über die Riesentrommel streichen, klopfen, schlagen, sie dann wieder streicheln und sich fast auf sie werfen, wird über ihnen alles als Doppelvideo projiziert.  Zeit und Raum relativieren sich.

Musik Michelangelo Lupone, Choreografie Alessandra Cristiani. Drummer: Antonio Caggiano, Gianluca Ruggeri, Rodolfo Rossi.

P1190890Das FEED-DRUM  ist ein neues elektroakustisches Perkussionsinstrument, das Michelangelo Lupone entwickelt hat – für sein Werk Feedback. Hierbei wird ein Signal produziert beim Ausreizen des Trommelbezugs (Leder)  zu einer Art akkustischem Druck. Das Ergebnis ist eine unendliche Verlängerung des Klanges.

Es kamen so viele Besucher, dass die Letzten auf Kissen vor der Bühne platziert wurden. Wenn wir das gewusst hätten!

mercierBegleitet wird die Aufführung von einer Ausstellung von akustischen interaktiven Installationen gleich daneben, wie z.B.  « Balançoire » von Veacleslav Druta oder die Tontopf Klanginstallation « Le Damassama » von Léonore Mercier (hier dirigiert gerade JN die « 9. Sonate für diverse Töpfe »).

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

 

 

Romaeuropa Festival: Dada Masilo – Carmen

dadamasilo
 

Verführung und Tod – Nicht für Puristen geeignet

Seit sie 2012 beim Romaeuropa Festival an der Seite von William Kentridge in dem Stück „Refuse the hour“ triumphierte und im letzten Jahr das römische Publikum mit ihrer neuen „Schwanensee“-Produktion in den Tanzhimmel schickte, wurde der Auftritt von  Dada Masilo und ihrer Truppe beim diesjährigen Romaeuropa Festivals, das jedes Jahr von Ende September bis Ende November in Rom in verschiedenen Theatern stattfindet, mit Sehnsucht erwartet.

Die südafrikanische Tänzerin Dada Masilo hatte dieses Jahr „Carmen“ im Gepäck. Diese Bizet-Oper ist seit der Premiere in Wien 1875 ein Dauerbrenner und schon 1915 drehte Cecil B. DeMille den ersten Stummfilm über das Werk. Lubitsch, Feyder, Saura und Aranda kamen nach. Es gibt sogar eine Carmen on Ice Revue. 

Die Bühne ist leer. Carmen betritt in einem roten Kleid die Szene. Nur eine rote Akazie ziert ihren kahlgeschorenen Kopf. Still und leise – ohne Musik – fängt sie zu tanzen an, dann ruft sie „Fuck the shit“ und tritt ab. Kurz darauf stürmen alle Tänzer auf die Bühne – die Soldaten und die Tabakfrauen – und die Habanera wird zum Flamenco, der dann plötzlich in einem afrikanischen Ritualtanz ausartet. Das geht so schnell und ist so genial inszeniert, dass wir den Übergang erst wahrnehmen, als sich schon die nächste Phase ankündigt. Manchmal fliegen Wörter in Afrikaans oder Siswati durch die Luft. Micaela, im goldenen Kleid, und Carmen, erotisch und verletzlich, selbstsicher und mutig, kreischen sich an und wirbeln durch die Gegend oder werden von den Männern hin und her geworfen, fast wie Spielbälle. Don José verschmäht Carmen und hängt sich an Micaela. Plötzlich fliegt Escamillo mit -oder auf – einem Torero-Umhang auf die Bühne (herrliche, blitzschnelle Szene) und sein Interesse an Carmen treibt Don José unweigerlich und endgültig zu ihr, die ihn nun nicht mehr will. Dada Masilo greift jetzt in die Handlung ein. Don José muss die unwillige, abweisende Carmen brutal vergewaltigen und die gesamte Tänzerschaft, jetzt im schwarz-weißen Bürodress, baut sich theatralisch-anklagend im Halbkreis um ihn auf bis Escamillo erscheint und Carmen im Zweikampf mit José rächt. Don José bleibt tot am Boden liegen, während sich Carmen langsam wieder aufrichtet. Hierzu ertönt ein Auszug aus den Lamentate von Arvo Pärt.

Charisma und Perfektion von Dada Masilo und ihrer Truppe lassen sie unbedingt gleichberechtigt neben allen Weltklasse-Tänzern stehen!

Mit sechszehn Jahren hat Masilo den Film von Mats Eks gesehen und seitdem spukt das Carmen-Bild in ihrem Kopf herum. Carmen ist dermaßen böse und ist all das wovor die Mutter immer gewarnt hat, sagt sie. Carmen ist so, wie man nicht sein sollte. Diese „crossover-Produktion“ ist alles andere als oberflächlich. Hier geht es um Eros und Thanatos, um Manipulation, Schmerz, Ambition und Rache – kurz um griechisches und Welttheater.

Im Frühjahr 2014 wurde diese flammende Fusion zwischen klassischem Ballett, afrikanischem Tanz und Flamenco-Habanero-Rhythmen auf der Tanzbiennale in Lyon uraufgeführt.

Zwölf Tänzer und Tänzerinnen ließen 70 elektrisierende Minuten gerade mal wie 20 erscheinen! Funken sprühen durch das Theater und – sogar die Römer – hielten die Luft an.

radierung-muereespanola 30x20cm
  »Muerte española » (spanischer Tod) Gerardo Aparicio

Ironisch-witzig, aufmüpfig-trotzig, profund und frei geht Masilo mit den Klischeevorstellungen dieser Oper um. Ein bisschen Bizet, dann wieder Auszüge aus den Lamentate von Arvo Pärt und Fragmente aus der Carmen Suite von Rodion Schchedrin: „I searched for Bizet and found Shchedrin“ (Dada Masilo).

Im township Soweto/Johannesburg ist Masilo geboren und hat klassisches Ballett studiert. Die afrikanischen Schritte und Rhythmen reihten sich langsam aber sicher und humorvoll in ihre Produktionen ein und geben den klassischen Tutu-Sätzen etwas archaisch primordiales. Das hat man schon bei der provozierenden Produktion von Schwanensee im letzten Jahr erfahren. Ihre Lieblingsheldinnen sind Ophelia, Julia, Odette und Carmen und immer verstecken sich politische Botschaften zu Homosexualität, Rassismus, Gewalt und Homophobie in ihrem Land (aber nicht nur) dahinter.

Genial! So hat man Carmen noch nie gesehen. Uns bleibt nur abzuwarten, mit welcher Heldin sie im nächsten Jahr antanzen wird.

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

Romaeuropa Festival 2014: Letizia Renzini

Loggia Villa Medici

Loggia und Aufführungsort (teilweise) – Villa Medici Rom

 

Mit einer Barock-Theater-Video-Oper-Skype-Show eröffnete Letizia Renzini das diesjährige Festival Romaeuropa.

Gebrauchsanleitung-balloingrate 
Gebrauchsanleitung und Programm des Abends

Il Ballo delle Ingrate (Der Tanz der spröden Damen) ist eine Oper von Claudio Monteverdi, die Claudio il Divino 1608 anlässlich der Hochzeit von Francesco Gonzaga, dem Sohn seines Auftraggebers in Mantua komponierte. Letizia Renzini und ihre Truppe inszenierten diese Barockoper auf eine sehr eigenwillige Weise und brachten viel Bewegung in den Ablauf: im wahrsten Sinne des Wortes. Auf der von den Künstlern eigens angefertigten Skizze, die wir anstatt eines Programms ausgehändigt bekamen, waren u.a. die Aktionspunkte vermerkt.

Wir mussten alle unten an der schönen Treppe warten, bis uns eine antik-gekleidete Dame nach oben zur Loggia brachte. Dort wurden wir  mit Schellen, Pauken und Trompeten (und Ohrschutz für die Ausruferinnen) empfangen, die vielleicht die Hochzeit angekündigten; oder war es die Aufforderung von Pluto, der an der Decke hing und grölte, an die schon verblichenen und spröden, in seine Unterwelt verbannten Damen, sich doch nochmal schnell nach oben zu wagen, um sich nach einem Mann umzusehen? Eine Stimme gab zwischendurch gute Ratschläge, wie man es als Frau nicht machen soll, wenn man einen Mann haben und auf der Erde bleiben möchte. Sitzplätze gab es keine. Kurz darauf wurden wir in den Hauptsaal geleitet und durften uns um das Geschehen platzieren. Hier lagen ca. 50 Kissen verstreut am Boden, aber es wahrend sicher doppelt so viele Zuschauer.

Jetzt verstanden wir auch, warum die Cafeteria geschlossen war. Ganz à la Giorgio Battistelli, wurde direkt neben uns massenhaft,  sehr laut und leidenschaftlich Geschirr zerschmettert.  Das war natürlich das notwendige Klappern zu Ehren der Storchengöttin für Liebe und Kindersegen zu sorgen,  hatte aber auch etwas von  einem Polterabend (dieser ist sicher auch aus diesem Grunde entstanden!). Wir waren, stehend, sehr glücklich positioniert  und konnten mit dem rechten Auge im Nebenraum live die Geschirr-werfenden Damen erleben und mit dem Linken das auf eine transparente Leinwand projizierte Video verfolgen. Nachdem wieder Ruhe eingekehrt war, spielten hinter der Leinwand zwei Musiker auf alten Instrumenten Monteverdis zauberhafte Musik bis schließlich Venus erschien Venus und zu singen anfing. Herzzerreißend ihre Arie, während sie wie bei einem gigantischen Tetris-Spiel ganz langsam eingemauert wurde, was das Publikum wieder über eine große Leinwand mit verfolgen konnte.  Diese Szene war umwerfend und wir vergaßen, dass wir stehen mussten und es ziemlich stickig im Raum war. Plötzlich sagte eine Stimme auf Französisch, dass das 19. Jahrhundert vorbei wäre  und wir hörten den Skype-Ton, der das Singen über den PC einleitete. Die Musiker wechselten in unsere Richtung und es wurde zeitgenössischer. Venus, die ebenfalls hinter uns auf  eine Leiter stieg, bleib bei ihren Monteverdi-Lamenti, und gab ihre Ratschläge nun von oben herab. Drei weißgekleidete junge Frauen zogen zeitgleich unsere Aufmerksamkeit auf sich, als sie hinter dem transparenten Vorhang zu tanzen anfingen:  eine von ihnen ist kurz vorher tanzend aus dem Kamin gestiegen. Die eingemauerte Sängerin auf der Leinwand wurde in der Folge von Buchstabenreihen abgelöst, die sich zu Sätzen wie „Cupid is no longer blind, non longer young…“ formten.

Nach diesem information overflow  durften wir wieder an die frische Luft auf die Loggia, auf der uns schon Amor erwartete, der mühsam zuerst sich und dann seinen Bogen hochzuheben versuchte. Dark Vader Schwerte leuchteten ihm dabei. Wie vorherzusehen, gelang es ihm aber nicht, also legte er hoffnungslos den Bogen wieder auf die Erde und verschwand traurig und niedergeschlagen im Garten.

Rasender, verdienter Applaus. Einfallsreich, witzig und originell.

Die Idee dazu war von Letizia Renzini. Sabina Meyer übernahm die musikalische Leitung und auch die Sopranrolle. Die Choreografie hat Marina Giovannini entwickelt, die Kamintänzerin.  Valentina  Nicolai spielte die Viola da Gamba und Andreas Arendt die Theorbe. Die zwei anderen Tänzerinnen waren Vanessa Geniali und Lisa Pazzagli.

Es wurde leider nur dreimal (zweimal am Donnerstag und einmal am Freitag) aufgeführt, sonst würden wir heute Abend nochmals hingehen.

Christa Blenk

 

P1180633 Während vor der Villa Medici gigantisch die Sonne unterging, fand innen ein gigantisches Spektakel statt

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

Anfiteatro Festival di Albano

p1170567 Vom 27.7. bis 16.8.2014 findet zum dritten Mal das Anfiteatro Festival di Albano im Amphitheater von Albano Laziale (Nähe Rom) unter der künstlerischen Leitung von Maestro Renzo Renzi statt. Das Festival ist dieses Jahr sehr vielseitig und hat von Klassik, Jazz, Latino-Musik und Theater alles auf dem Programm.

Die Solisti Veneti eröffneten unter Maestro Claudio Scimone mit einem Programm, das von Vivaldi über Paganini zu Rossini ging. Das meist erwartete Spektakel dürfte allerdings am 14.8. stattfinden. Dann ist die italienische Theater-Ikone und der Shakespeare Start Giorgio Albertazi mit dem Kaufmann von Venedig zu erleben – und er wird Shylock sein.

Wir haben uns auch noch für eine Aufführung der Cavalleria Rusticana zwei Tage vorher, am 12.8., entschieden. Gianluca Zampiere, Paola Di Gregorio, Stefano Meo und Stefania Scolastici werden das einstündige Hauptwerk von Pietro Mascagni aufführen.

Wer aber viel Zeit und Lust hat kann sich auch die Gruppe con Compay Segundo mit einem Programm aus dem Film „Buena Vista Social Club“ anhören oder La Bohème (die in Caracalla musste ja leider ausfallen), den Pianisten Michele Campanella oder das Tanzspektakel Carmen und Carmina Burana bis dann am 16.8. ein Konzert mit den Sorelle Marinetti das Festival beendet.

Über die Aufführungen Cavalleria Rusticana und Den Kaufmann von Venedig wird es dann extra-Berichte geben.

#Mehr über den netten Ort

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

 

Nederlands Dans Theater

thermepicknick 
Große Therme in der Villa Adriana, Tivoli (Foto: Christa Blenk)

Gastspiel des NDT 2 beim Festival Villa Adriana

Es ist 20.00 Uhr, die Besucher sitzen auf den Ruinen (was man eigentlich gar nicht darf) und essen ein mitgebrachtes Tramezzino oder sitzen locker und gelöst, trotzdem ab und zu einen Blick gen Himmel werfend,  zwischen den Ruinen an kleinen Tischen beim Spritz. Vor 20 Minuten hat ein blauer Himmel den Wolkenbruch abgelöst, der uns die 30 Minutenfahrt von Rom nach Tivoli erschwert hat und dafür verantwortlich ist, dass wir nun einen riesigen Regenschirm mit uns herumtragen. Der Abend ist gerettet und bis zu Beginn der Vorstellung um 21.00 Uhr laut Programm (21.30 Uhr reell) werden auch die Sitze wieder trocken sein und wir können unbeschwert dem dritten Tanz-Highlight – das auch das heimliche  Highlight des Festivals der Villa Adriana ist – entgegen sehen. Nach Martha Graham am 25.6. und Carolyn Carlson am 3.7. gastierte am 10. und 11. Juli  das Nederlands Dans Theater 2  (NDT 2) in der Großen Therme der Sommerresidenz von Kaiser Hadrian.

Vier unzusammenhängende und ganz unterschiedliche Choreografien hat das niederländische Ensemble nach Rom mitgebracht und damit die unglaubliche Spannweite ihres Repertoires unter Beweis gestellt. Die Bühnenbildutensilien reduzierten sich auf eine größere Anzahl von table-dance Lichtpfosten, einen roten Teppich, auf 16 weiße quadratische Podeste und einen kreativen Einsatz von Licht.

I new then ist der Titel des ersten Stückes, das der Schwede Johan Inger choreografiert hat. Begleitet von Van Morrisons Country-Musik (Madame George, The way young lovers do, I’ll be your lover too und crazy love) sind die Tänzer auf der Suche nach ihrer Identität und ihrem Weg, der irgendwo im Wilden Westen beginnt. Prüde, gewagt und sich vortastend finden sich Paare, um aus der vorherrschenden Langeweile auszubrechen ohne sich zu verraten. Manchmal wird auch gesprochen und das, was sich hinter den Lichtpfosten abspielt, kritisiert. Die Tänzer tragen alle Straßenkleidung und sind keiner gewissen Schicht zuzuordnen.

NDT2Kurzer Umbau bis zum Vier-Minuten-Stück  Shutters Shut (2003), auf das wir schon sehr gespannt waren. Die Kunst- und Literaturikone Gertrude Stein hat dieses surrealistisch-kubistische Gedicht If I told him: a completed portrait of Picasso 1923 geschrieben und damit die Poesie neu erfunden. Sol León und Paul Lightfoot haben die Choreografie hierzu entworfen. Ein Pas de deux im Dominoanzug (ein Tänzer in weiß/schwarz, der andere in schwarz/weiß). Der Originalton von Gertrude Stein begleitet die Bewegungen oder umgekehrt? Und wer dem englischen Text nicht folgen konnte, hat ihn von der Gestik der beiden fantastischen Solisten ablesen können. Mit elf Jahren ist das Stück fast schon ein Klassiker, der immer aktuell bleiben wird – so wie #Gertrude Steins Gedicht.

Anschließend wird ein quadratischer, ca. 50 qm großer roter Teppich, hereingerollt. Er ist die wichtigste Requisite für  Subject to change. Wieder eine Choreografie von Sol León und Paul Lightfoot (was für ein perfekter Name für einen Choreografen!).  Zu Schuberts  Der Tod und das Mädchen in der Orchesterversion von Gustav Mahler (1894), rollen vier schwarz gekleidete geschlechterlose Personen vor einem fünften Tänzer den roten Teppich aus, springen drüber und lassen ihn liegen. Ein Mädchen, das ein weißes Toten-Spitzenhemd trägt, tanzt sich über den Teppich, wird mit ihm gedreht, der Mann kommt dazu, sie tanzen gemeinsam, sie flieht, sie kommt wieder. Voller Emotionen und Eleganz diese beiden, immer eingerahmt von den vier schwarzen Personen. Es ist ein geniales Werk und besser könnten Musik, Choreografie und Optik nicht zusammen arbeiten. 2003 hat dieses Stück den Zwaan Award für die beste Produktion gewonnen.

monduebervillaadriana Während der kurzen Pause können wir einem zweiten Spektakel folgen. Als  Effekt des Fast-Vollmondes und der Beleuchtung rund um die Bühne beobachten wir auf der Mauer hinter der offenen Bühne wie riesige gespensterhafte Schatten tragen etwas von links nach rechts oder umgekehrt tragen. Später lernen wird, dass es Kakteen in unterschiedlichen Größen und Formen waren, die zum Einsatz kamen.   Alexander Ekman hat hier die Choreografie, das Bühnenbild und die Kostüme für Cacti entwickelt. Hier kommen die vorher erwähnten weißen ca. 2 qm großen Podeste und alle 16 Tänzer zum Einsatz. Jeder steht in einer anderen Pose auf seinem Podest. Der erste Eindruck versetzt uns direkt in die Centrale Montemartini, ein Skulpturenmuseum in einem alten E-Werk in Rom. Cacti ist viel mehr als nur Tanz. Es ist auch Theater, Slapstick und Kino (die letzte Sequenz hat mich an die fotografischen Bewegungsabläufe von  Eadweard Muybridge erinnert). Irgendwann werden die Legobausteine zu einer Art Bauhaus- oder Stummfilm-Konstruktion zusammengestellt.  Vor diesem Bau nun fängt ein Pärchen an, die schwierigen Bewegungen und Posen für Cacti nochmals zu proben. Sie animieren sich gegenseitig und analysieren  Schwachstellen, machen sich aber auch ein wenig lustig über sich selber und das Stück.  Ein geniales Zwischenspiel, bis dann wieder alle tanzen und die Kakteen auf die Bühne bringen, die in der Folge in den Ablauf mit einbezogen werden. Ekman will uns wohl davon überzeugen, dass Tanz auf keinen Fall trocken und stachelig sein muss. 2010 wurde er für den Zwaan Award nominiert. Die Musik zu dieser Kreation ist von Haydn, Beethoven und wieder Schubert. Mit ihrer hautfarbenen Oberkörperbekleidung wirken sie auf den ersten Blick nackt und wie kleine flinke Aliens – befremdend und faszinierend-betörend. Vollkommen sind sie, unverwechselbar-anmutig und natürlich-perfekt.

taenzerndt1 Ob die Tänzer absichtlich anonym blieben oder das Programm nur schlampig gemacht war, habe ich nicht herausgefunden. Den Solisten wurde jedenfalls kein Name zugeordnet; nicht mal beim Pas de Deux von Shutters Shut. Ist auch nicht unbedingt tragisch, weil sie alle genial waren und eine große Tanzzukunft vor sich haben werden. Zur Zeit besteht aus Ensemble jedenfalls  aus :  David Ledger, Dévi Selly, Clara Villalba, Olivier Coeffard,  Chuck Jones, Fernando Troya, Spencer Dickhaus, Clement Haenen, Imre van Opstal, Casia Vengoechea, Richel Wieles, Xanthe van Opstal, Violet Broersma, Daan van der Laar, Luke Cinque-White, Gregory Lau, Luna Mertens, Yukino Takaura, Katarina van den Wouwer.

Standig ovations und nicht enden wollender rasender Applaus für diese einzigartigen und außergewöhnlichen Tänzer, die federleicht, elegant und mit spielerischer, stressfreier und hochkonzentrierter Perfektion über die Bühne huschten. Permanent und immer wieder aufs Neue überrascht folgten wir ihnen, wie sie sich faltend, rollend, auf das Podest trommelnd, von einer Ecke in die andere schmissen.

Das Nederlands Dans Theater wurde schon 1959 gegründet, u.a. von Hans van Manen, der lange Jahre dessen Leiter war bis 1975 Jiri Kilián für 20 Jahre die Regie übernahm. Das NDT 2 entstand 1978 als Sprungbrett auf das Welt-Tanzparkett für besonders junge und begabte Tänzer und Hochschulabsolventen (die jüngsten sind 17 Jahre, die ältesten 22).  John Lightfoot und Sol Léon haben 2001 die künstlerische Leitung des NDT 2 übernommen.

Das Nederlands Dans Theater wird übrigens die Internationalen Tanzwochen in Neuss 2014/15 eröffnen.

Christa Blenk

 

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

Martha Graham Dance Company in Kaiser Hadrians Sommerresidenz

Villa Adriana Villa Adriana

 

2011 stand das damals gerade mal fünf Jahre junge Festival Internazionale di Villa Adriana schon wieder vor dem Aus – zum großen Bedauern Aller. Dann taten sich aber die Fondazione Musica per Roma und die Regione Lazio zusammen und eröffneten am 18. Juni 2014 die 6. Ausgabe dieses Festivals. Und: Das auf zeitgenössischen Tanz ausgerichtete Programm kann sich wirklich sehen lassen.

Den gestrigen, vierten Abend also gestaltete die Martha Graham Dance Company, die mit drei Klassikern und einem Stück von Nacho Duato das Publikum in den Ruinen der großen Therme der Hadrian Villa bei Tivoli begeisterte.

Diversion of Angels“ ist eine Choreografie von Martha Graham aus dem Jahre 1948 und es geht hier um Liebe: um romantische, jugendliche und reife Liebe. Ein fast schwereloses malerisch-pittoreskes Stück zu einer Musik von Norman Dello Joio. Drei Paare stellen verschieden Epochen im Leben einer Frau dar (das rote Paar steht für Ekstase, das Weiße für reife, gewachsene Liebe und das gelbe Paar für Flirt und Teenager-Verliebtheit). Ein Bild von Wassily Kandinsky hat sie dazu inspiriert und die rote Frau (Mariya Dashina Maddux) die knisternd über die Bühne wirbelt und ihr kurzes Stolpern so elegant meisterte, dass man es fast nicht bemerkte, tanzt direkt aus dem Gemälde heraus!

Kurzer Umbau für „Errand into the Maze“. Graham hat diesen Pas de Deux 1947 zu einer Musik von Gian Carlo Menotti entwickelt. Hier – wie auch beim ersten Stück – zeichnete Isamu Noguchi für die Originalfassung in der Martha Graham mit Mark Ryder tanzte. Ihr Interesse für griechische Mythologie hat sie hier wieder mal ausgelebt. Es ist die Geschichte von Theseus und dem Minotaurus. Theseus und Ariadne sind eine (weibliche) Person. Sie tanzt sich leicht, hänselnd und sich vortastend in das Labyrinth, und gewinnt nach langem Hin und Her den Kampf gegen das böse Mensch-Stier-Geschöpf, der auf geniale Weise mit nur einem Stock zwischen den über dem Kopf gekreuzten Armen an Picassos Minotauren erinnert. Geniale Choreografie und Blakeley White-McGuire und Ben Schultz waren fantastisch und unschlagbar.

 Als letztes Stück vor der Pause präsentierte die Company eine ganz frische Choreografie vom derzeitigen Leiter des Berliner Staatsballetts, Nacho Duato. Er hat es für die Graham Company entwickelt und vor drei Monaten wurde es in New Tork uraufgeführt. Wir sind erst das dritte Publikum, das dieses Werk zu Sehen bekommt, sagt uns die künstlerische Leiterin ganz zu Anfang der Vorstellung. Sie verrät auch, dass Duato für „Depak Ine“ von Darwins Evolutionstheorie angeregt wurde. Die Musik, genauso mystheriös und gespensterhaft wie die Choreografie, ist von Arenije Jovanovic und John Talabot. Ein rituelles, primordiales Erlebnis, furchterregendes und Funken sprühendes schnelles Stück, das unsere ganze Aufmerksamkeit erforderte, um nichts zu verpassen. Halbunkel, ein wahrscheinlich totes, sehr junges Mädchen liegt dekorativ am Rande der Bühne, bekleidet nur mit einem fleischfarbenen Body. Nacheinander kommen die Mitglieder diverser Stämme oder Gemeinschaften auf die Bühne und versuchen miteinander zurecht zu kommen. Irgendwann sieht man dann wie sich diese Arme, Beine, Rücken zu einem Knäuel fusionieren und die tot Geglaubte langsam ins Leben zurückholen. Stille, die Musik verändert sich, Vögel singen. Sie wird von drei Männern hin- und hergeschoben oder geworfen bis sie böse und agressiv. Zum Schluss nimmt sie wieder ihren Platz als Tote am Boden ein. Die erste Szene wird dann wiederholt, aber diesmal zieht sich der Guru eine Mütze über den Kopf und verschwindet in der Dunkelheit.

 Beeindruckend, kraftvoll, schön und eine perfekte Vorbereitung für das „Frühlingsopfer“, bei dem sich ein Mädchen zu Tode tanzen soll, um den Frühling hervorzulocken. PeiJu Chien-Pott ist sagenhaft; aber auch die anderen Tänzer dieser bunten Truppe wie Tadej Brdnik, Natasha Diamond-Walker, Abdiel Jacobson, Lorenzo Pagano, Ben Schultz, Ying Xin und Blakeley White McGuire – ich konnte sie leider nicht identifizieren – waren umwerfend, wie sie sich knochenlos und kraftvoll miteinander verbanden.

Nach der Pause also dann Igor Strawinskys Skandalwerk „Le Sacre du Printemps“. Martha Graham hat es 1984 aus einem Frühwerk von 1930 entwickelt, als sie sicherlich schon die Skandalaufführung aus Paris kannte. Hier hat natürlich Pina Bausch die Latte sehr hoch gehängt mit ihrer in den 70er Jahren entstandenen und eigentlich nicht zu übertreffenden Choreografie. Diese hier, ein wenig schwerfälligere, hat zeitweise eher an die Diaghilev Inszenierung erinnert. Der Einzug der Mädchen und der Jünglinge ist überrumpelnd, hämmernd und genial, die Auswahl des Opfers trifft bei Graham nur ein Hohepriester (Ben Schultz) und sie geht schnell von statten (bei Pina Bausch ist das eine der wichtigsten Szenen, da man bis zum Schluss in Atem gehalten wird, wer wohl das Opfer werden wird). Nach ein paar kleinen Längen und ein wenig hoffnungsloser Unsicherheit, wohin denn das Opfer nun tanzen soll, kam aber das Rituelle und das Pagane mit voller Kraft wieder zurück. PeiJu Chien-Pott, die auch schon das tote Mädchen beim Nacho Duato Stück tanzte, hat uns sehr beeindruckt.

Faszinierend und aufregend, eine so ganz andere Version vom Frühlingsopfer zu erleben.

 Viele Déjà-vu-Erlebnisse gab es an diesem Abend und man erkannte immer wieder die Bewegungsabläufe und Körperformationen, die Martha Graham ihren unzähligen Schülern, die auch fast alle Weltrang erlangten, wie Merce Cunningham,z.B., mitgegeben hat. Alles, was der moderne und zeitgenössische Tanz heutzutage noch zu bieten hat, hat Graham irgendwann schon mal gebracht oder wenigstens angeregt. Interessant auch die Programmauswahl, zwischen diesen doch zum Teil älteren Choreografien (immerhin sind zwei davon fast 70 Jahre alt) eine so Aktuelle zu sehen. Sie bewegten sich manchmal weit voneinander weg, gehörten aber trotzdem zusammen – und die Frische in den Graham-Stücken hat durch die Konfrontation mit der aktuellen genialen Choreografie von Nacho Duato nicht gelitten, im Gegenteil!

 Dance is the hidden language of the Soul (Tanz ist die verborgene Sprache der Seele) – das sagte Martha Graham 1985; da war sie 90 Jahre alt und leitete immer noch die von ihr Ende der 20er Jahre gegründete Martha Graham Dance Company. Fünf Jahre später, im Alter von 96, ist sie an einer Lungenentzündung verstorben als sie gerade über ein Projekt für die Barcelona-Olympiade reflexierte.

 Spät für eine Tänzerin, erst mit 18 Jahren, hat die 1894 in Pennsylvania geborene Tochter eines Psychiaters zu Tanzen angefangen. Mit 75 Jahren gab sie ihre letzte Vorstellung. Vom Time Magazine wurde sie zur Künstlerin des Jahrhunderts erkoren. Martha Graham spielte in der gleichen Liga wie die anderen Pioniere des 20. Jahrhundert: Picasso, Strawinski oder James Joyce.

 Die Ikone, Tänzerin, Choreografin und Tanzpädagogin Graham ging 1926 von Los Angelos, wo sie ihre Ausbildung absolvierte, nach Manhattan zurück und gründete die Martha Graham School of Contemporary Dance. Sie hat das Ballet vom Krinolinen-Korsett befreit und in den trotz „Prohibition“ vergnügungssüchtigen und vom Charleston und Foxtrott tanzenden „Roaring Twenties“ den Modern Dance erfunden. Mit ihren revolutionären und innovativen Choreografien hat sie ihr Publikum ziemlich oft überfordert. Die künstlerische Leiterin Janet Eilber sagte einmal, dass es Martha Graham genügte, wenn nur eine Person im Publik ihre Choreografie verstand. Bei Martha Graham flossen Malerei und Literatur genauso in ihre Arbeit ein wie monotheistische und pagane Kulte, indianische Erzählungen und griechische Mythologie. Die Bewegungsabläufe wecheln von kernig-bodenständigen zu dyamisch-rythmischen Bewegungen. Ihre Kreationen sind kraftvoll, einfühlsam oder gefühlsbetont, ruckartig, unerwartet, aufgebracht und rasend, angriffslustig und manchmal auch unschön, wie griechisches Theater. Graham war fasziniert von der griechischen Tragödie und der Mythologie. Immer wieder griff sie auf die alten Griechen zurück: Wie Errand of the Maze, Klytemnestra 1958, was für sie den endgültigen Durchbruch brachte oder Phaedra 1962, ihr Beitrag zur sexuellen Revolution (es wurde sogar vom Kongress beinahe verboten). Eine Landschaft des Herzens (ihre Worte) wollte sie zeichnen. Die Musik zu ihren Stücken hat sie sich m meisten von ihren Zeitgenossen geholt, aber zuweilen auch von Händel oder Bartok.

Als sie Ende der 20er Jahre dann ihre Dance Campany gründete, waren erstmals nur Frauen dabei. Erst 1938 kam ein Mann, Erick Hawkins, in ihre Company. Ihn hat sie später auch geheiratet aber nach ein paar Jahren haben sich die beiden wieder getrennt. Knapp 200 Stücke hat diese politische Tanzpädagogin ausgearbeitet und aufgeführt und wurde dafür mit vielen Preisen ausgezeichnet. Aber nicht nur Balletttänzer zog es zu ihr: Madonna, Woody Allen und Gregory Peck z.B. liessen sich ebenfalls in ihren Schule ausbilden und lernten, wie man sich zu bewegen hat.

Die künstlerische Leiterin Janet Eilber hat die Regie über die Kompanie nach Grahams Tod übernommen und auch mit Vorsicht das Repertoire erneuert ohne Verrat an Martha Graham Geist und Philosophie zu begehen. Sie trainiert die Fortgeschrittenen und hält Sommerkurse über die Graham Technik, kurz: Die Verbindung von Körperlichkeit und Emotionalität, von Spannung und Entspannung. Sie war ein vollkommenes Theatergeschöpf. Es war ihr völlig bewusst, welchen Einfluss und welche Auswirkungen sie auf andere hatte. Das Einzigartige an ihr war, dass sie an der Körpersprache Gefühle und Gedanken ablesen konnte. Deshalb konnte sie jeden sehr leicht manipulieren. Martha Graham begriff den Tanz als pulsierenden Rhythmus des Lebens. Den natürlichen Atemfluss nutzte sie als Energie für ihre Choreografien (Eibars Worte).

Die Sommerresidenz von Kaiser Hadrian liegt kurz vor Tivoli, ca. 30 km von Rom entfernt. Er hat sie vor ca. 2000 Jahren erbauen lassen. Eine beeindruckende Anlage mit Bibliotheken, Thermen, Theatern und kleinen Seen, die auch einen Besuch lohnt, wenn es kein Festival gibt. An der Organisation krankt es wie immer ein wenig. Die Aufführung fing erst 45 Minuten später als geplant an, also kurz vor 22.00 Uhr, das hatte zur Folge, dass man den ca. 15 minütigen etwas matschigen Rückweg durch die Ruinen und alten Olivenhaine gegen Mitternacht nur unter den Sternen zurücklegen musste, weil die Kerzen durch die enorme Verspätung schon abgebrannt waren. Aber immerhin kam nach einem regnerischen Tag zwei Stunden vor Beginn der Aufführung die Sonne raus und wir saßen im Trockenen. Schade für alle Tanzfreunde, die das verpasst haben.

Als nächstes Highlight gibt es dann das Nederlands Dans Theater und Carolyn Carlson.

 Christa Blenk

VillaAdriana - klaus und Luis 010

 

12

Auteur

eborja

Aktuelles in Berlin

Berlinische Galerie - Kunst der Novembergruppe Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin MALER. MENTOR. MAGIER. Otto Mueller und sein Netzwerk in Breslau Kolbe Museum - Zarte Männer

letzte Artikel

Archives

Visiteurs

Il y a 2 visiteurs en ligne

Instagram

Suivez-nous

Besucher

Nebel am Bach

Nebel am Bach

(c) Agi Blenk


LES PEINTURES ACRYLIQUES DE... |
ma passion la peinture |
Tom et Louisa |
Unblog.fr | Créer un blog | Annuaire | Signaler un abus | L'oiseau jongleur et les oi...
| les tableaux de marie
| création