Archives pour la catégorie Tanz

Satyagraha

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nach der Vorstellung

 

Geduldige Offenheit

Die dritte Oper von Philipp Glass, Satyagraha, wurde 1980 als Auftragswerk der Oper Rotterdam dort uraufgeführt. Das war vor der Zeit seiner bekannten und eher kommerzielleren Filmmusikkompositionen wie Koyaanisqatsi (1983) und Pawaqqatsi (1988). Ursprünglich  nicht als Tanzstück geschrieben, erzählt es Szenen aus den jungen Jahren von Gandhi, vor allem aus seiner Zeit als Rechtsanwalt und Friedenskämpfer in Südafrika. Satyagraha ist ein Paradebeispiel der Minimal Music. Der Text ist aus der Bhagavad Gita, einer fundamentalen Schrift des Hinduismus. Das Libretto hat der Komponist zusammen mit Constance DeJong geschrieben.

Gandhi selber hat den Begriff Satyagraha gefunden, um seine Strategie der Gewaltlosigkeit zu manifestieren. Satyagraha ist der Inbegriff der geistigen Stärke und der friedlichen Konfliktlösung. Ein „beharrliches Festhalten an der Wahrheit“. Beharrlich, das passt auch auf die Musik von Glass.

Das Werk entfaltet sich wie ein Leporello und klappt immer wieder eine andere Seite aus Gandhis Leben auf. Wobei es nicht chronologisch zugeht oder irgendeiner Ordnung folgt. Die Szenen hängen auch nicht zusammen, jede Geschichte kann alleine so stehen bleiben und ist unabhängig.

Der erste und zweite Akt besteht je aus drei Teilen, wobei der erste Akt Tolstoi und der zweite dem Dichter und Nobelpreisträger Tagore gewidmet ist. Beim dritten Akt hat Gandhi an Martin Luther King gedacht, dessen Konzept teilweise auf Gandhis Ideen beruhte. Hier geht es um die Aufstände der Minenarbeiter in Newcastle. Die Tänzer bewegen sich systematisch über die Bühne und verteilen spiralförmig-endlos Kreidestaub auf der Bühne. Großartig das Kapitel der Indian Opinion oder die Identitätspapier-Verbrennungsszene.

Auf der Bühne gibt es nur Stahlseile, die von oben nach unten führen, manchmal die Plattform in eine beunruhigende Schräglage bringt oder sie in Ober- und Unterwelt trennt aus der die sich windenden Hände und Beine unterdrückter Arbeiter oder Menschen ausbrechen wollen. Sehr starke, schöne und bewegende Bilder.

Sidi Larbi Charkaoui lässt die Tänzer und Tänzerinnen des Eastman Ensemble Geschichten durch Bewegung erzählen und Handlungen beschreiben. Aggressiv, harmonisch und  religiös – ein permanenter Wechsel zwischen Sieg und Niederlage und Gandhi  (Stefan Cifolelli, sehr lyrisch-religiös und überzeugend) ist immer mittendrin. Die Kostüme sind kolonial-indisch, so trägt Miss Schleser weite Hosen, Cottonshirt und einen Tropenhut, während die anderen in weißen Saris rumlaufen. Der Chor musste sich in Tai-Chi-ähnlichen Bewegungen üben, die große Ruhe und Harmonie verbreiteten.

Die Bühne wirkt manchmal fast zu klein für den Massenandrang. Dieses Gewusel geht nicht mit Minimal Music möchte man meinen. Das ist aber nicht der Fall: Musik, Sänger und Tänzer bewegten sich nahezu gleichberechtigt durch unterschiedliche Lebensphasen und Geschehnisse in Gandhis Wirken. Die Tänzer erklären was die Solisten singen. Mehr noch, fast kann man sich nicht vorstellen, diese Oper ohne Cherkaouis Regie zu erleben. Kontrolliert-ruhig, dynamisch und sehr rhythmisch sind die Bewegungsabläufe, auch wenn sich im Verlauf des Abends vieles wiederholt, aber das trifft auch auf die Texte und auf die Musik sowieso zu. Eine religiöse und kontrastreiche, mikroskopisch sich voran bewegende Hypnose liegt über allem.

Cherkaouis Choreografien setzen sich eigentlich immer aus Elementen verschiedenen Kulturen oder Religionen zusammen. Das haben wir schon bei dem Stück Sutra gesehen, wofür er vor ein paar Jahren einen Balletpreis bekommen hat.

Die Solisten Cathrin Lange (Miss Schlesen), Mirka Wagner (Mrs. Naidoo), Karolina Gumos (Kasturbai), Tom Erik Lie (Mr. Kallenbach) waren durch die Bank sehr überzeugend und haben sich in der Rolle wohl gefühlt.

Philipp Glass kam durch den Schallplattenladen seines Vaters in Baltimore zur Musik. Dieser brachte immer Platten aus seinem Laden  mit nach Hause brachte, die sich nicht gut verkauften, darunter waren Werke von Schönberg oder Hindemith. Glass ist eine Art Wunderkind, das schon mit 10 Jahren in einem lokalen Orchester spielte. Er studierte aber dann trotzdem erstmals Mathematik und Philosophie in Chicago und befasste sich durchaus und intensiv mit der Zwölftontechnik, die er aber für seine Musik ablehnt. 1965 begegnete er in Paris dem indischen Komponisten und Musiker Ravi Shankar, machte einige Transkriptionen für ihn und kam so in Kontakt mit dem asiatischen Rhythmus- und Zeitverständnis.

Jonathan Stockhammer am Pult hat der Monotonie Odem und Rhythmus eingehaucht und trotzdem Glass‘ langsamen, ruhigen Fluss respektiert.  Die Eastman-Tänzer nahmen persönlich an Gandhis Aufmärschen und Protesten teil und die standing ovations zum Schluss gehörten gleichermaßen dem Orchester, den Solisten, Tänzern und Chor, die großartig zusammen agierten.  Und trotz obsessiven Wiederholungen und gesungenen Endlosschleifen vergingen die 3 ¼ Stunden wie im Flug .

« Geduldige Offenheit » verlangte die Dramaturgie-Assistentin vom Publikum nach der Einführung. Es hat funktioniert, denn auch bei der Aufführung am 5.11. gab es fast nur begeistertes Publikum.

Satyagraha entstand als Koproduktion des Theater Basel, der Komischen Oper Berlin und der Vlaamse Opera in Antworten und Gent.

Christa Blenk

 

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La BETTLEROPERa

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Balletto Civile nach der Aufführung von La BETTLEROPERa
 

La BETTLEROPERa

„Der Räuber als perfekter Bürger und der Bürger als perfekter Räuber“

John Greys Beggar’s Opera  wurde 1728 in einem Londoner Theater uraufgeführt – als Persiflage auf Händels Opern, die sich an die gebildete Oberschicht, zu der Grey allerdings auch gehörte, richteten. Ein anderes Publikum  ins Theater zu holen war auch der Wunsch von Kurt Weil und da das neue Theater am Schiffbauerdamm ein knackiges Stück für die Eröffnungspremiere brauchte, schrieb Berthold Brecht die Texte auf der Basis von denen von Grey.

Die Dreigroschenoper wurde zum größten Theatererfolg in den 1920er Jahren. Die Idee zu diesem Titel kam übrigens von Lion Feuchtwanger.

Das Stück spielt im Räuber- Hehler-, Falschspieler und Prostituiertenmilieu. Die Tochter des Hehlers Peachum, Polly, hat heimlich den Don Juan, Banditen und Widersacher von Peacham, Macheath, geheiratet. Man beschliesst, ihn zu hängen. Polly verhilft ihm zur Flucht, aber Mrs Trapes, die bei Brecht/Weil Spelunken-Jenny heisst, verrät ihn. Lucy, die Tochter des Gefängniswärters und auch verliebt in Macheath streitet sich mit Polly, die darauf besteht, seine Frau zu sein. Das lieto fine  bei Grey und Brecht wird hier nicht wiederholt. In der Produktion der Neuköllner Oper landet  Macheath kunstvoll durch la Sig.ra Trappola drapiert, am Galgen. Der Bettlertanz am Ende ist großartig.

Das bis heute bei Brecht aufgeführte Vorspiel, die Moritat von Macheath alisas Mackie Messer, ist bei der BETTLEROPERa der Auftritt der Bordellbesitzerin, Mrs Trappola, die einen umwerfenden und akrobatischen Vortrag über das Leben und die Bedeutung von allgemein Huren hält.

Moritz Eggert hat 28 Songs geschrieben, die aber keine zusammenhängende Oper bilden und das auch noch in Deutsch, Englisch und Italienisch. Die Musik durch das 4-köpfige Ensemble Freiraum Syndikat, besteht aus zwei Blockflöten, einer E-Gitarre und einem Cello, die zwei Stunden lang kuriose und schroffe, kratzende und dann wieder ganz harmonische oder streitsüchtige Töne hervorbringen,  schließlich spielt es ja auch in einem deftigen Gangster-Milieu. Sehr abwechslungsreich geht das von romantisch-moralischen Balladen bis zu flotten Tanzszenen. Eggert hat sich auch nicht gescheut, einige bekannte Melodien aus der Musikgeschichte wie „Diamonds are a whore’s best Friend“ oder „We are the Chamions oft he Underworld“ mit einzubeziehen. Auf jeden Fall gab es meistens viel (un) kontrollierten Lärm aber durchaus Assoziationen mit Weils schräger und zum Teil disharmonischer Musik.

Zeitweise hat man Schwierigkeiten, diesem „brownschen“, konfusen Musik-, Tanz- und Theaterstück zu folgen, denn es passieren permanent zur gleichen Zeit mehrere Handlungen. Und obwohl es wie gesagt kein Happy End gibt, ist die Stimmung großartig auf der Bühne und im Zuschauerraum!

Für Eckert ist dies schon die zweite Produktion für die Neuköllner Oper. Man hat sich dazu das ausgezeichnet, italienische Balletto Civile ins Boot geholt, die Pasolini und Fellini im geistigen Gepäck mitbrachten. Dafür hat Sabrina Rossetto mit einem minimalen Bühnenbild und wenig Farben für optische Ruhe gesorgt. Ab und zu wurden die Aufzugskabinen für die Freier erhellt oder das fahrbare Gefängnis über die Bühne gerollt, meistens mit Macheath drin. Regie und Choreografie stammen von der Pina Bausch-Schülerin Michela Lucenti und von Maurzio Camilli sowie Bernhard Glocksin. Lucenti und Camilli spielen auch das Ehepaar Peachum. Nicole Kehrberger als Mrs. Trappola ist einzigartig und umwerfend gut. Christopher „Crsto“ Ciraulo ist ein großartiger, sich drehend und wendender und doch sanftmütiger Macheath. Polly (Emanuela Serra) ein unschuldiges Dummerchen und Lucy (Sophia Euskichen) eine rachsüchtige Betrogene. Die Kleinverbrecher und die Prostituierten kommen aus der Freien Theaterszene Berlins. Richtig singen kann eigentlich keiner von ihnen, aber es ist ja auch eine Oper für Alle!

Dieses brillante Stück, mit dem die Neuköllner Oper ihr 40-jähriges Bestehen feiert, könnte durchaus ein Kult-Stück wie die Rocky Horror Picture Show werden. 

Christa Blenk

 

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Luther dancing with the gods

 
2017-10-04 15.29.45

 

Bewegte“ Musik

« Ich weiß ein Wort, das hat ein L; wer das sieht, der begehrt es schnell. Wenn aber das L weg und fort ist, Nichts Bessres im Himmel und auf Erden ist. Hast Du nun einen weisen Geist, so sage mir, wie das Wörtlein heißt ». (Ein Rätsel: Gemeint ist « Gold » – « God » für « Gott » – aus einer Luther Tischrede)

Anläßlich des 500. Jahrestages der Reformation hat der New Yorker Regisseur Robert Wilson gemeinsam mit dem Rundfunkchor Berlin das Projekt Luther dancing with the gods entwickelt. Eine Schöpfung aus Text und Musik, Klang, Bewegung, Licht und Bild. Das Team inszeniert damit gleichzeitig die erste szenische Produktion für den Pierre Boulez Saal.

Motetten von Johann Sebastian Bach bilden den musikalischen Drehpunkt dieser Aufführung. Angereichert ist die Performance mit „Immortal Bach“ einer Improvisation  zu Bachs Lied “Komm, süßer Tod” von Knut Nystedt und einer großartigen Präsentation von Steve Reichs „Clapping Music“ auf der einen Seite und mit Texten von Luther, Übersetzungen, Bibelextrakten, Streitgesprächen, Rätseln sowie einem Text des amerikanischen Dichters William Carlos Williams auf der anderen.

Zwischen den Bach-Motetten hat Wilson seine bekannten Kneeplays eingebaut. Theatralische Mittel als Verbindungsstelle zwischen den Hauptakten: Luther als Kind, als Streitender, als Sterbender und irgendwie auch als beweinter Abwesender.

Alles fließt: Der ausgezeichnete, in strenge Mönchskluft gekleidete Chor, hat hier Ballett- und Schauspielaufgaben zu übernehmen. Sie waren ständig auf Pilgerschaft durch den Raum und über die Treppen; der Musik hat das gut getan und das Publikum hatte einen Chor „zum Anfassen“, ja man fühlte sich als Teil davon.

Es geht hier um Zeit und Kunst in und um Luthers Epoche und danach. Aber auch der Dreißigjährige Krieg wird zitiert, wenn sich der in einem Boschschen Heuwagen sitzende Teufel gestikulierend auf die Bühne kutschieren lässt und sich zu Luthers Tanz mit den Göttern gesellt. Keiner hat die Übel und Plagen der Menschheit besser gemalt als Bosch oder Bruegel! Wilson zitiert den Krieg mit weißen Speeren, inspiriert durch das Holbein-Bild „Schweizerschlacht“; es entstand 1524, in dieser Zeit arbeitete Luther an der ersten Bibelübersetzung. Überhaupt haben Wilson und sein Team der Kunst eine Hauptrolle in dieser Aufführung zugedacht. Der rote Vogelmensch spaziert direkt aus Hieronymos Boschs „Garten der Lüste“ auf die Bühne und bricht die schwarz-weiße Ästhetik und mit Pieter Bruegels „Triumpf des Todes“ stürzen die Weißgekleideten zu Boden. Die Sänger tragen Kopfbedeckungen, wie wir sie auf Cranachs „Jungbrunnen“ Gemälde wiederfinden oder wie Lucas Cranach Luther und seine Familie portraitierte. Die Steinigungsszene basiert auf einer Radierung von Girolamo da Treviso.

Luther war, im Gegensatz zu Zwingli oder Calvin, nicht gegen die Malerei. Bilder konnten dem einfachen Menschen die Bibel-Lektüre erleichtern. Das hat aber auch mit seiner Freundschaft zum Maler der Reformation, Lucas Cranach, zu tun. Cranach war sein Trauzeuge und Taufpate eines seiner Kinder und die Portraits von Luther, die fast alle in Cranachs Werkstatt entstanden sind, haben unser Lutherbild geprägt. Wilsons Luther trägt so auch den Cranach-Look! Mutig geht er bis ins 20. Jahrhundert und gibt Luthers Witwe Man Rays surrealistische Idealisierung des Banalen, das Nagelbügeleisen „Gift“ in die Hand wenn Fiona Shaw über „The Widow‘s Lament in Springtime“ von William Carlos Williams spricht.

Himmelsleiter, Totenbett und verbotene Äpfel

Die anfängliche Überraschung ist dann aber irgendwann keine mehr und das Geschehen nicht immer nachvollziehbar, aber das wäre ja auch zu einfach! Eine sehr bilder- und szenenreiche Aufführung mit viel Bewegung auf der Bühne. So schafft es Wilson, mit relativ wenig Darstellern großes, streitendes Chaos zu versinnbildlichen. Eine Geschichte, die vor allem durch Licht und Kostüme unter einem minimalistischen Deckmantel, gespickt mit Zitaten und der Kunstgeschichte im 16. Jahrhundert, lebt. Oft makaber, kommt die Regie aber dann doch an die Grenze der ertragbaren Symbolik und man wünschte sich mehr protestantische Demut!

Ausgezeichnet der Rundfunk Chor Berlin unter brillanter Leitung und Leistung der beiden jungen Dirigenten Gijs Leenaars und Benjamin Goodson, die Stereo operieren und auch immer in Bewegung sind; denn alles findet im Kreis statt und die Sänger blicken, singen und schauspielern in alle Richtungen!

Musikalisch begleitet von Aleke Alpermann (Violoncello); Mirjam Wittulski (Kontrabass) und Arno Schneider an der Orgel. Jürgen Holtz ist Luther, Serafin Mishiev spielt das Kind und den roten Vogelmenschen.

Ende September und Anfang Oktober gab es Voraufführungen; die Premiere ist am 6. Oktober 2017.

 

Christa Blenk

Gerardo Aparicio
Gerardo Aparicio – Himmelstreppe und Heuwagen
 
und hier geht es zum Luther Oratorium – « Wir sind Bettler »
 

 

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The Future is f*e*m*a*l*e – Recovery – Florentina Holzinger

Im Rahmen des Festivals THE FUTURE IS F*E*M*A*L*E* in den Sophiensälen wurde am 23. September Florentina Holzingers „Recovery“ aufgeführt.

Florentina Holzinger liegt in einem Sarg, links singt jemand am Klavier, rechts malt  eine wenig bekleidete Person ein expressionistisch-gruseliges Portrait. Die Moderatorin begrüßt das Publikum und teilt mit, dass Florentina leider verstorben sei. Im Hintergrund hört man Requiem-Musik und es herrscht eine Trauergottesdienststimmung. Plötzlich springt sie aus dem Sarg und verschwindet, wird aber von zwei Tänzerinnen gezwungen, wieder auf die Bühne zu kommen. Dann sitzen sie Wasserpfeifen-rauchend in einer Art Oase. Eine Priesterin, unterstützt von zwei Klagefrauen aus der griechischen Tragödie, zelebriert einen fanatischen Gottesdienst. Ein Scheinwerfer fällt auf die Bühne und ein wenig später eine Votivgabe in Form einer Madonna hinterher. Kurz darauf wird Florentina von der Priesterin für einen Kickbox-Nahkampf trainiert und geht in den Ring. Jetzt singt Britney Spears „Baby, one more time“

Florentina Holzinger hat „Recovery“ inszeniert, um einen schweren Unfall, der sie lange ans Bett fesselte, aufzuarbeiten. Der Heilungsprozess wird als Boxkampf wieder gegeben, den Florentina – aber nur mit Hilfe von außen in Form einer Pistole – gewinnt. Sie beginnt die traurige Niederlage zu beerdigen und hält anschließend eine konfus-surrealistische Rede. Im Hintergrund trainiert eine klassische Balletttänzerin für ihre nächste Rolle als „schwarzer Schwan“. Beide tanzen sie anschließend ins Finale.

Eine explosiv-aggressive, sehr physische und starke Performance. Holzinger besticht mit ihrer Personalität und mit ihrem Mut. Zeitweilig vermittelt die Aufführung den Eindruck, dass etwas aus dem Ruder gelaufen sein muss, irgendwie herrscht Chaos und die Mikrophone sind ausgeschaltet, so dass die Darsteller nur untereinander kommunizieren können, ohne das Publikum zu beteiligen. Einmal stand wie vielleicht wirklich kurz vor dem k.o. !

Das Konzept stammt von Florentina Holzinger. 

PERFORMANCE: Florentina Holzinger, Btissame Amadour, Clara Saito, Eva Susova, Lenneke Vos, Orinta van der Zee; SOUND DESIGN Stefan Schneider; DRAMATURGIE, BERATUNG Vincent Riebeek, Renée Copraij, Sara Ostertag 

Eine Produktion von Frascati Producties in Koproduktion mit brut Wien. Gefördert durch Creative Europe, Life Long Burning, die Kulturabteilung der Stadt Wien und dem Performing Arts Fund NL.

Christa Blenk

 

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Duato / Shechter in der Komischen Oper

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Doppelballetabend

Shechter / Duato

Bei beiden Choreografien geht es um Verlust: Einen persönlichen und einen universellen. Bei beiden ist der Mensch der Verursacher.

Shechters Stück ist hart, trocken, unromantisch und hektisch. Die gnadenlose Aufarbeitung einer nicht sehr freudigen Jugend. So kündigt er auch gleich zu Anfang an, dass seine Mutter ihn mit zwei Jahren verlassen habe. Die sechs Frauen mühen sich kräftig ab, um ein aerobic-haftes Kalorienverbrauchen zu demonstrieren. So als ob sie mit dem Schweiß auch die Vergangenheit abschütteln könnten. Wirklich schön war es nicht, aber das wollte er auch nicht. Shechter verlangt von seinen Tänzerinnen dass sie mit Luft gefüllte Muskeln tanzen, die dann wieder in sich zusammen fallen und nur Leere übrig lassen. Meistens fehlt es an Leichtigkeit, dafür ist viel Kraft vorhanden. Man denkt an primitive und polternde Volkstänze.

Duato hingegen schafft schöne Bilder, fast zu schön, um die Zerstörung der Erde zu begleiten. Die erste Hälfte spielt sich unter einer Plastikhülle ab, man sieht nur sehr wenig und ahnt oft nur, was die Tänzer erzählen. Die Luft scheint total verpestet und es wird immer schlimmer bis die Welt in sich zusammensackt. Metamorphosen, Androiden-Tänze, Insektensurren und Pelz tragende Männer präsentieren zu harter catwalk Musik eine Modenschau mit staksigem Gang und Frau Mutter Erde lässt sich grün-fischschuppig über die Bühne gleiten während Kirchenglocken Wellenbewegungen begleiten in dieser Welt im Anthropozän. Ein Lasergefängnis übernimmt für einen Moment die Regie und erstreckt sich über Bühne und Zuschauerraum bis sich alles beruhigt und ein grüner, frischer Wald hoffnungsvoll auf uns zukommt und Eva sich unter einen Baum legt. Eine Hommage an die Science Fiction Welt wie Blade Runner oder Soylent Green.

Beide Aufführungen sind eine körperliche Auseinandersetzung mit der Zerstörung, Verlust und Verlassen werden. Hilflosigkeit breitet sich aus. Selbstzerstörung übernimmt. Die unkontrollierte Komfortzone ist bei Duato „Erde“ weniger ausgeprägt als bei Shechters „The Art of not looking back“.  .

Hofesh Shechters „The Art of not looking back“ wurde schon 2009 in Brighton uraufgeführt; die Musik und das Gesprochene stammen von ihm. Nacho Duatos „Erde“ entstand 2017. Die Musik dazu ist von Pedro Alcaldo, Sergio Cabellero, Richie Hawtin, Alva Noto und Mika Vainio.

Die Premiere hat am 21. April stattgefunden.  

Christa Blenk

 

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Theater-Collage in der Schauspielschule

Auf dem Sofa

SanLorenzo-Figuratif 017
Street Art San Lorenzo

 

Am 9. April fand das Frühlingsfest der Schüler Schauspieltraining-Berlin in deren Räumen in Charlottenburg statt.

Die Studenten aller Altersklassen spielten, tanzten und sangen und die Schülerinnen der orientalischen Tanzklassen präsentierten ihre Bauchtanzeinstudierungen. Die Leiterin Christine Kostropetsch stellte ein umfangreiches und abwechslungsreiches Programm zusammen, das Christian Miebach großartig musikalisch begleitete.

U.a. spielten die Studenten Ausschnitte aus bekannten Theaterstücken wie „Fräulein Julie“ von August Strindberg, « Das Kalkwerk » von Thomas Bernhard (sehr gut Paul, der später noch bei « Interview mit fiesen Männern  » von David Foster Wallace auffallen sollte) „Die Heirat“ von Gogol (großartig Wanda, die schon bei einem anderen Stück von Sathyan Ramesh auf sich aufmerksam machte) oder Sketsche von Loriot („Maskenbildner“ mit Colin, Christian und Kerstin war eines der highlights); Nina sang – ziemlich gut – „Roxanne“ von The Police. Am schwierigsten wohl ein kurzer Auszug aus „Herrinnen“ von Theresia Walser bei dem Carlotta, Kamilla, Mara, Sandy und Simone erfolgreich versuchten, den Spannungs-Pegel nicht absinken zu lassen.

Das Bühnenbild bestand aus einem Sofa – das vor allem beim Maskenbildner zum Einsatz kam und ansonsten die Wartezone war – sowie einer  Flasche Wein, ein paar verstellbaren Tischen und natürlich schrägen Kostümen!

Wir verlassen diese kurzweilige Veranstaltung mit einem Lächeln auf dem Gesicht! Was will man mehr?  Und wer weiß – vielleicht sehen wir die Eine oder den Anderen demnächst in einem großen Theater!

 

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Christa Blenk

 

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Unerhörte Musik – Korpus

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Korpus (Ulrike Brand und Ingo Reulecke)

 

Unerhörte Musik – Korpus

Jeden Dienstag finden im BKA-Theatersaal Konzerte von Solisten und Ensembles statt, die zeitgenössische Musik des 21. und ausgehenden 20. Jahrhunderts spielen. Gestern Abend trafen dort die Violoncellistin und Performering Ulrike Brand und der Tänzer Ingo Reulecke mit Korpus aufeinander.

Kompositionen für Klang, Gesten und Bewegung im Raum.

Zwei Personen liegen auf dem Boden und schlafen. Sie sind durch ein Cello getrennt. Viele Minuten lang passiert nichts und man nimmt nur ein leises, stilles Atmen wahr. Das leichte Erwachen fängt in den Händen an. Beide tasten sich an das Instrument heran, nehmen von ihm Besitz. Der Bogen liegt noch auf der Seite der Frau. Mit den Händen wird das Instrument abgeklopft, manchmal stiehlt sich ein leiser Ton hervor, der aber gleich wieder Klopf- und Suchgeräuschen weichen muss. Die Inbesitznahme des Cellos wird aktiver und ein wenig aggressiver bis das Cell0 ein wenig später auf der Cellistin liegt. Der Mann beginnt nun seinen Tanz, d.h. er versucht sich irgendwie herauszuwinden oder will irgendwo hin, wo er keinen Zutritt bekommt. Er schlängelt sich über die Bühne bis hin zum Publikum und obwohl man nicht richtig sieht, dass er sich fortbewegt, kriecht er plötzlich am anderen Ende der Bühne oder dahinter. Er robbt und gleitet mit langen Armen und Beinen. Man denkt an Kafka und an die Anstrengungen von Gregor Samsa etwas anderes werden zu wollen oder zu müssen. Die Cellistin bringt sich peu à peu über eine kniende in eine stehende Position und fängt an, den Tänzer zu bedrängen oder ihn von der Bühne zu drängen oder umgekehrt. Der sanfte Kampf geht aber unentschieden aus, denn zum Schluss verlassen Beide das Paradies – oder werden sie von einer dritten Person vertrieben? Korpus entstand 2016.

Großartige Leistung auch von Ingo Reulecke (Tanz).

Bei Charlotte Seithers Werk Echoes of O’s (2005) passiert ganz wenig. Was hier geschieht, geschieht in absoluter Stille (was das Publikum auch verstanden hat). Seither stellt die Wahl der Interpretations-Mittel frei und Ulrike Brand hat stumme Gesten gewählt, die sie auf dem Stuhl sitzend vormacht.

Das nächste Stück haben die Komponisten Cheng-Wen Chen und Tobias Klich 2015 Ulrike Brand zum Geburtstag geschenkt; es basiert auf den Buchstaben ihres Namens. Dazu ist im Programm eine Kurzgeschichte „Laptop-Hund“ von Ulrike Brand zu lesen, bei der sie sich auf den Hund in Jean-Luc Godards Film „Adieu au langage“ bezieht. Die Geschichte hat nichts mit der Musik zu tun, lediglich sieht man auf der Leinwand hinter der Interpretin kurz mal einen Hund, der auf dem Kopf steht.

The map of tenderness (Wojtek Blechard, 2012) ist ein Cello-Geflüsterstück, bei dem sich die Cellistin mit dem Cello in einen körperlichen Dialog begibt.

Die in Berlin lebende russische Musikerin Alexandra Filonenko hat das Werk Obsession für Cello solo und Zuspiel 2015 komponiert. Hier wird die Stille des Abends total durchbrochen und temperamentvoller Körpereinsatz ist gefragt. Die Solistin ist hier auch die Rock-Interpretin, wozu sie extra Stiefel angezogen hat (bis dahin war sie barfuß).

Das letzte Stück an diesem Abend heißt hésiter. Ulrike Brand hat es 2016 für eine gehende Cellistin geschrieben. Nach vielen zögernden Vor- und Rückschritten steht am Ende der Satz „Et moi je n’existe pas“ und sie verlässt die Bühne. Sehr sensibel und beeindruckend, die Bewegungen und Schritte im Einklang mit den abgehackten Wörtern.

Spannender Unerhörter Musik-Abend im BKA.

mehr:

 unerhörte Musik

Christa Blenk

 

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Combattimento x 2

combattimento Chiaroscuro Consort Ensemble
Chiaroscuro  Consort Ensemble

Zwischen Gebet und Tod oder: was hat eine Wrestler-Arena mit Monteverdi zu tun?

Nach dem ersten Regieprojekt von HfM Hanns Eisler Berlin und der Neuköllner Oper im Februar 2016, bei dem sich drei Regisseurinnen in je unterschiedlichen Produktionen mit der Zauberin Armida befasst hatten, fand an diesem Wochenende die zweite Nacht der Talente in der Neuköllner Oper statt. Auch dieses Jahr nach einem Epos von Torquato Tasso.

Combattimento x 2 ist das diesjährige Projekt von Tristan Braun (Trauma) und Marielle Sterra (Catch3000), beide aus dem Masterstudiengang Musiktheaterregie der HfM. Braun und Sterra setzen sich auf ganz unterschiedliche Weise mit Claudio Monteverdis dramatischen, achtenMadrigal nachTorquato Tassos Epos “das befreite Jerusalem“auseinander, das wiederum als Grundlage für Monteverdis bahnbrechendes und richtungsweisendes Kriegsdrama“Ilcombattimento di Tancredi e Clorinda“herhielt. Das Madrigal-Drama wurde im Jahre 1624 während des Karnevals im Palast von GirolamoMocenigo in Venedig uraufgeführt.

I: Trauma

Der traumatisierte, christliche Kreuzfahrer Tancredi (Georg Drake) wirft achtlos den leblosen Körper von Clorinda (Isabel Reinhard) auf die Bühne. Er kann es nicht glauben, dass er im Zweikampf seine als Krieger verkleidete Geliebte, die Sarazenin Clorinda, getötet hat. Er dreht, wendet und faltet sie zu Monteverdis schön-rasender Musik, er versucht sie wiederzubeleben, aber ohne Erfolg natürlich. Denn die Geschichte will ja, dass sie stirbt. Verzweifelt wickelt er sie in einen durchsichtigen Plastiksack, den schwarze Hände hinter den Vorhangziehen, dieser öffnet sich und ein minimales Feldlager kommt zum Vorschein.

Um sein Trauma zu verarbeiten, muss er in der Zeit zurückgehen und das Vorher und Nachher beleuchten. Clorinda steht nun einem Heer von wütenden Christen in Springerstiefeln, die ihr Christentum mit vor der Brust gekreuzten Hosenträgern zur Schau stellen, gegenüber, verliert den Kampf, will aber wenigstens das Paradies gewinnen und lässt sich – jedenfalls bei Tasso – kurz vor ihrem Tode noch schnell taufen.

Monteverdis Combattimentodauert nur knapp zwanzig sehr intensive Minuten. Braun hat deshalb weitere Monteverdi-Madrigale und eine Passacaille von Luigi Rossi eingebaut und verlegt die Geschichte kurzerhand ins Paradies, wo eine wütende Clorinda mindestens 1 kg Äpfel zum Tremolo und Pizzicato der MontevediMusik zerquetscht.

Musikalisch ausgezeichnet begleitet vom ChiaroscuroConsort Ensemble.

Trauma
Trauma

 

II: Catch3000

„Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie Shawn im Matsch zu ihm „I’msorry, I loveyou, sagte und ihn dann unter Tränen pinnte.“(Peter NastkeSpecial Guest)

Der Zeremonienmeister und Schiedsrichter verteilt beim Betretender Arena Namensschilder. Wir nehmen unseren Platz ein und sehen uns nun gegenüber auf der Leinwand sitzen und werden somit zu Zuschauern der Zuschauer.

Beim Wrestling geht es um Schmerz, um Niederlage, um Mut und um Gerechtigkeit, offenbart die Managerin von TancrediThe Tankvor dem entscheidenden Match an. Die Bühne ist nun eine Kampfarena, und dort spielt sich Marielle SterrasCombattimentoab. Hier geht es nicht nur um den Kampf zwischen Christen und Muslimen oder Griechen und Trojanern, hier geht es um den Kampf zwischen den Geschlechtern. Eine Kamera ist live dabei, begleitet Kämpfer und Aktion. Der Zeremonienmeister, Schiedsrichter und Erzähler Testo(Aciel Pol)brieft uns vor dem Gefecht und übt mit uns die Ahs, Ohs und Buhs! Unter christlicher Beweihräucherung und aufgestachelt von den Managern Schrappe (Dennis Depta) und Katchy(Kara Schröder) ziehen die Krieger Quicksilver (Eva Hüster) und The Tank (Felix Witzlau) mit furchterregenden Masken in die Manege und wir halten euphorisch und jubelnd unsere Anfeuerungsplakate hoch. Der Kampf beginnt. Als TancrediThe Tankallerdings feststellt, dass es sich bei seinem Gegenüber um Clorinda Quicksilverhandelt, gibt er auf und verlässt die Arena. Er will kein Trauma, wie wir es im ersten Teil erleben mussten.

Das darauf folgende Match wird von Achill und der Amazonenkönigin Penthesilea ausgetragen und wird eher ein Verbales. Die Managerin tritt frustriert ab und der Schiedsrichter bedankt sich beim Publikum fürs Kommen. Hier wird es kein Blut mehr geben, aber dafür wohnen wir einem waschechtes Waterbording (stellvertretend für die Taufe) bei, aus dem schließlich Clorinda / Penthesilea als Siegerin hervortritt. Eine Glanzleistung von Felix Witzlau und Eva Hüster, die zwischen den kurzen Momenten wo sie den Kopf gerade nicht im Wasser haben aber den Kopf des Antagonisten dafür gerade reindrücken, immer noch schön singen oder rezitieren können.

Musikalisch begleitet durch La Flute (MarinelleDell’Eva) am Cembalo.

Catch3000 (1)
Catch3000

 

Brillante Ideen die großartig umgesetzt und interpretiert wurden. Beide Abende waren übrigens ausverkauft!

Die HfM Hanns Eisler Berlin gehört zu den bedeutendsten Musikhochschulen in Europa. Aus ihr kamen u.a. bekannte Absolventen wie Sol Gabetta, Isabelle Faust, Vladimir Jurowski oder Roman Trekel.

Christa Blenk

 

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Kreolischer Konzertabend

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Schwarz-Rot sind die Tango-Farben und so ist auch die kleine Bühne an diesem Tango-Abend.

Unter dem neuen Logo  « Kulturvolk » (Freie Volksbühne) treffen an diesem Montagskulturabend eine finnische Pianistin und eine chinesische Bratschistin aufeinander die das Concierto Criollo para Viola y Piano vor: Culto y Zamba – Plegaria – Malambo des argentinischen Komponisten Daniel Pacitti spielen und  damit diese südamerikanische Reise einleiten. Pacitti hat das Werk 2016 komponiert, eine spannende und sehr interessante Fusion melancholisch-leidenschaftlicher Tangothemen, Jazzrhythmen und der Musik seiner französischen Musik-Vorbilder, der Impressionisten wie Cesar Franck oder Debussy.
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Pacitti erklärt zwischendurch die drei Sätze des Concierto Criollo und wir erfahren, dass Malambo eigentlich ein Männertanz ist, monoton und stoisch wie die endlose Pampa der argentinischen Gauchos oder dass der Culto de Zamba spirituellen Ursprungs ist und auf die Inkakultur zurückgeht. Seine „monotone“ Vielseitigkeit wird brillant vorgetragen von Anni Laukkanen am Klavier und Qiyun Zhao an der Bratsche.
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Nach der Pause kommt schließlich der Tango-Teil und dafür nimmt  Maestro Pacitti selber das Bandoneon auf den Schoß. Zusammen mit dem Pianisten Ludger Ferreiro und Qiyun Zhano spielen sie hingebungsvoll vier unterschiedliche Tangovarianten: Berretín (Tango von Pedro Laurenz), Pablo ( von José Martínez), La Yumba (von Osvaldo Pugliese und La Bordona (von Emilio Balcarse).
Glänzende Performance!
Der zweite Teil dieser musikalischen Reise wird Ende Mai stattfinden.
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Criollos nannten die spanischen Kolonialisten die Nachkommen von Europäern (nicht nur spanischen Ursprungs), um sich von den Peninsulares (den aus dem Mutterland kommenden) und den Mestizen abzugrenzen.
Die Criollos bildeten im Verlauf der Zeit die Mittelschicht, wurden als Verwalter eingesetzt oder führten Handwerksberufe aus. Die höheren Posten in Verwaltung und Kirche gehörten aber generell den Spaniern aus Spanien!  Aber schon ab dem 18. Jahrhundert stellten die Criollos die Mehrheit und spielten eine wichtige Rolle in den Befreiungskämpfen der südamerikanischen Unabhängigkeitskriege.
Durch Einflüsse der Musik aus Spanien, die selber wiederum von arabischen Musikfragmenten geprägt war, der kubanischen Habanera, afrikanischen Perkussionrhythmen und den Flötentönen der südamerikanischen Indios entwickelte sich die kreolische Musik (Merengue, Salsa, Mambo oder Tango) in der Mitte des 19. Jahrhunderts.
« Ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann“ bezeichnete der argentinische Komponist und Bühnenautor Enrique Santos Discépolo den Tango
Genauso verrucht wie das Hafenviertel von Buenos Aires, war dieser melancholisch-fröhlich-temperamentvolle und leidenschaftliche Tanz, der Tango. Matrosen brachten das Bandoneon, das übrigens der deutsche Heinrich Band entwickelte,  nach Buenos Aires, wo es zum Parademusikinstrument für den Tango wurde und bald Klavier und Geige in die zweite Reihe drängte.

Bevor er aber ein vornehmer Gesellschaftstanz werden durfte, war der Tango vor allem in den ärmeren und hoffnungslosen Emigranten-Unterhaltungsvierteln und in den anrüchigen Vororten beliebt. Mit Flöte und Gitarre oder Kontrabass tingelten die Trios und Quartettos durch die Bars. Noch wollte die argentinische Oberschicht von dieser Musik aus den barrios bajos (Armenvierteln) nichts wissen. In Buenos Aires war der Tango offiziell bis 1911 verboten. Erst Paris machte Anfang des 20. Jahrhunderts den Tango salonfähig. Seitdem gehört er zu den Gesellschaftstänzen und ist aus Wettbewerben und Tanzschulen nicht mehr wegzudenken.

Und so ist einer der bekanntesten Tangosänger und Bandoneonspieler ein Franzose aus Toulouse. Carlos Gardel kam 1935 bei einem Flugzeugunglück ums Leben und sein Grab wird immer noch täglich mit Blumen geschmückt.

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Der argentinisch Komponist, Dirigent und Bandoneonist Daniel Pacitti studierte in Buenos Aires, Paris, Mailand, Wien und Berlin. Hier hat er sich mit Musik für Solostimme und Bandoneon beschäftigt, um dieses Instrument auch der klassischen- und Kirchenmusik näher zu bringen. Zum Luther-Reformationsjahr hat er das Oratorium „Wir sind Bettler“ komponiert, welches am 28. Juni 2017 in der Philharmonie in Berlin uraufgeführt wird – mit Roman Trekel als Luther! Wir sind schon sehr gespannt, wie er diese Zeit interpretiert – Tango-Rhythmen sollen jedenfalls nicht darin vorkommen – sagt er uns zum Schluss dieses originellen und schönen Abends.
Christa Blenk
Fotos: Christa Blenk

 

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Petruschka / L’Enfant et les Sortilèges :1927

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Als die Bilder laufen lernten:

Doppelabend über Freiheit und Trotz, über Erwachsenwerden und Moral, über Glück und Verlust

2012 inszenierte das Künstlerkollektiv 1927 für die Komische Oper eine sehr erfolgreiche Zauberflöte, die es mit viel Applaus um die ganze Welt schaffte. 2017 versuchen sie nun, an diesen Erfolg anzuknüpfen und haben sich zwei Einakter dafür ausgesucht, die die Komische Oper seit Ende Januar 2017 zeigt.

Einmal das Ballet Petruschka, ursprünglich entworfen als Konzert für Orchester und Klavier, das Igor Strawinsky (1882-1971) 1911 in Paris mit dem Ballet Russe zur Uraufführung brachte und nach der Pause Ravels Märchenfantasie Das Kind und der Zauberspuk.

 

Petruschka hat Strawinsky nach der Geburt seines Sohnes komponiert; es steckt genau zwischen dem Feuervogel (1910) und dem Sacre-Skandal von 1913.

1927 hat ihr Augenmerk auf das Klavier gelegt und daraus eine Art Stummfilm mit Musikbegleitung, Text zum Lesen und Charly Chaplin Hut gemacht. Eine digitale Revolution in der Zeit der russischen Konstruktivisten und im Futurismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Jahrmarktstimmung, Zuckerwatte, Geisterbahn, Hau-den-Lukas und Karussell natürlich. Der traurige Clown, die Gliederpuppe Petruschka (Tiago Alexandre Fonseca), ist auf der Flucht vor seinem brutalen Puppenspieler und beginnt eine turbulente Reise über den schrillen Jahrmarkt, was ihn in alle möglichen Abenteuer und Probleme stürzt. Er versucht – vergeblich – sein Glück mit der Akrobatin Ptitschka (Pauliina Räsänen) immer wieder behindert durch einen anderen Leidensgenossen, den  Muskelmann Patap (Slava Volkov) und kreist schließlich frei und tod als fliegender Sputnit durch den Orbit. Nur die drei Puppen, Petruschka, Patap und Ptitschka sind Menschen mit Gefühlen und Ängsten. Die Jahrmarktbesucher sind animierte und schrill-bunte, unsensible und vergnügungssüchtige Puppen. Ausgezeichnete Darbietung der drei Akrobaten. Strawinskys traditionell-volkstümlich Musik passt wunderbar in dieses ohrenbetäubende Kirmes Geschrei und dieser Teil ist sehr gelungen. Wunderbare Schattenspiele sorgen für eine berauschende und mitreißende Ästhetik.

Aber nach der Pause Ravels Kurzoper L’Enfant et les sortilèges (Das Kind und der Zauberspuk).

Und hier passt plötzlich nichts mehr. Ist es der zweite Akt von Petruschka? Ein Déjà-vu-Erlebnis nach dem anderen und Langeweile stellt sich ein. Auch hier reden und singen die Puppen oder die als solche verkleidete. Die Sterne aus Petruschka hageln auf die Bühne und es animiert sich so vor sich hin. Die Musik kommt dadurch sehr ins Hintertreffen und ist irgendwann gar nicht mehr richtig vorhanden. Hier springt der Zauber der Animation nicht auf uns über. „Ich bin böse und frei!“ sagt das dickliche Kind (Nadja Mchantaf) und wird von der Mutter (Ezgi Kutlu)  in sein Zimmer verbannt, weil es die Hausaufgaben wieder nicht gemacht hat. Es zerstört aus Wut sein Umfeld, quält Tiere und Bäume. Möbel, Uhr, Tasse, Teekanne, Tee, Feuer, Fee aus dem Märchenbuch, Kaminfeuer, Mathematiklehrer, Baum, Libellen und Katzen klagen das Kind  an und stürzen es von einem Alptraum in den anderen. Bis es sich besinnt und einem Eichhörnchen die Pfote verbindet. Dann wird alles gut und der Alptraum ist vorbei. Ravels Stück endet mit Maman!

Maurice Ravels (1875-1937) Märchenmusik ist eine subtile Fantaisie lyrique unterschiedlicher musikalischer Stilrichtungen und gehört zu den schönsten Kompositionen von ihm, allein schon deshalb kann sie die viele Video-Animation nicht gut verkraften. Sie ist eine Abfolge von unterschiedlichen Szenen.  Menschen, Tiere und Gegenstände treten auf, singen, agieren, genial eine zauberhafte Ragtime-Szene zwischen Teekanne und chinesischer Tasse, die gestern irgendwie unterging. Schade!

Ravels Oper kam 1925 in Monte Carlo zur Uraufführung. Das Libretto schrieb die Dichterin Colette, allerdings schon 1915. Erst nach Verdun und dem Tod seiner Mutter näherte sich Ravel wieder diesem Stoff an.

Der Dirigent Markus Poschner mit dem Orchester der Komischen Oper bekam viel Applaus, die Sänger konnten nicht wirklich wahrgenommen werden.

Die Inszenierung, Bühnenbild und Kostüme haben des Künstlerkollektiv 1927 (Suzanne Andrade, Esem Appleton, Pauzl Barritt, Pia Leong, Katrin Kath) entwickelt. Die Ideen sind interessant und die Künstler kennen natürlich die Filme und Arbeiten von William Kentridge oder Monthy Python, aber auch der expressionistische Film wird zitiert.

Christa Blenk

 

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Tanztage Berlin : What a Thought is not

Ceci n’est pas une pipe! Heisst eines der berühmtesten Gemälde von Magritte. Es zeigt wirklich eine Pfeife, aber er behauptet das Gegenteil.

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nach der Veranstaltung Maria Walser und Emma Tricard

 

Gestern Abend bei der Premiere der Tanztage Berlin war das genau umgekehrt:

Zwei Pinguine – einer mit einem Schweinekopf, der andere als Ratte – bewegen sich schwerfällig von der hinteren Tür der Bühne Richtung Publikum und Licht und beginnen einen philosophischen Dialog über das was nicht ist. Der Besen ist die Bedeutung; der Stuhl der Sinn und der Boden? darüber wird mich sich nicht so recht einig. Beides, Bedeutung und Sinn, werden zu Beginn der Performance ausgesperrt, hinter die Bühne geschickt. Der Sinn ging also verloren « I sense you lost the sense ….. »

Und dann beginnt ein Dialog über eine Vision auf die Welt, die anders ist, die umbenannt werden sollte oder könnte wenn man es möchte.  Wahrheit und Illusion wechseln sich ab und wenn man etwas oft genug sagt, dann wird es wahr? ´« Still und Leise » singt das Tonbandgerät und Emma gibt vor, die Arie der Königin der Nacht zu trällern; a lie is a lie is a lie wird Gertrude Stein zitiert und so hüpft man durch DaDa und die Surrealisten.  Der Stuhl, der kein Kaffee mit oder ohne Milch ist, ist also der Sinn, der verbannt wird, so dass es gleichgültig ist, ob man Milch oder Sahne in ihm möchte, weil es eh keinen mehr gibt.

Nach 40 köstlichen Minuten Schlagabtausch zwischen Maria Walser (Choreografie) und Emma Tricard (Performance) müssen Bedeutung und Sinn wieder hereingeholt werden, weil Maria gerne mit Emma das Perlenfischerduett singen möchte.

 

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nach der Veranstaltung und nach der Befreiung von Sinn und Bedeutung

 

Alles geht in Rauch auf! Großartige Performance!

 

Die Französin Emma Tricard arbeitet als Performerin und Choreografin in Berlin. Maria Walser ist freiberufliche Tänzerin, Schauspielerin und Choreografin.

Das 21. Tanztage Berlin Festival geht noch bis zum 15. Januar. 2017 und ist mittlerweile eine fest Institution in der Berliner Tanzlandschaft geworden.

Christa Blenk

 

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Blog Highlights 2016 : Musik und Kunst im Rückblick

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Labyrinthe, Geburtstage, unheimliche Träume und Alpträume, eine Kirche in der Toscana, eine bretonische Insel, ein Atlantis in der Nordsee, eine Rhein-Reise, schräge Musik und andere, Tim Burton und Torten, Theater unterm Dach und Off Off, mexikanische Totentänze und römische Geschichte, zwar nicht postfaktische aber postidentische Zustände, ein Elch-Blues und ein Umzug …… und um noch viel mehr geht es in den Highlights 2016!

Aber sehen Sie selber.

 

Enzo Fililetti Mit einem außergewöhnlichen Konzert zum 111. Geburtstag von Giacinto Scelsi hat der Januar das neue Jahr eingeleitet. Das wunderbare kammermusikalische Hauskonzert in Anwesenheit der vier zeitgenössischen italienischen Komponisten, Giorgio Nottoli, Mauro Cardi, Giuseppe Silvi  und Michelangelo Lupone  fand in der  Scelsi Villa in Rom statt. Wir sind eher durch einen glücklichen Zufall darauf aufmerksam geworden. Der Saxophonist Enzo Filippetti (Foto) spielte u.a. Werke von Scelsi, aber auch von anderen zeitgenössischen Italienern. Was für ein Abend!

helenaerklärt Zerebrale Geoden, Pentagramme, Labyrinthe und primordiale Fruchtbarkeitssymbole stellte Helena Aikin im  Januar 2016 im Museum für populäre Kunst im Madrider Altstadtviertel La Latina in einer ehemaligen Corrala (dort wo vor 100 Jahren die Zarzuelas aufgeführt wurden) aus. Die Sammlung dieser faszinierenden Labyrinthe, die sie in den letzten Jahren gesammelt, konzipiert und nachgebaut hat wurde übrigens  später  im Jahr – ebenfalls mit großem Erfolg -  in der UNO in Genf gezeigt.

Abgesehen davon, dass sich Madrid schon deswegen lohnt weil dort die Künstler Cesar Borja, Gerardo Aparicio und Guillermo Lledo wohnen und es immer ein Vergnügen ist, ihre letzten Areiten zu entdecken, war er Ausflug in der Welt der Labyrinthe sehr spannend. Die Königin der Radierungen, Natividad Gutierrez, ist leider dieses Jahr verstorben. In Natis Werken vereinen sich auf der einen Seite die Vegetation ihrer Heimat, der Karibik, sowie ein Licht, das es nur in Madrid gibt.

In der Serie My Virtual Gallery gibt es außerdem Kurzportraits von vielen anderen Künstlern.

IngresEin Besuch im Prado darf natürlich bei einem Madrid-Aufenthalt nicht fehlen. Dort fand gerade eine sehr umfangreiche und sehenswerte Ausstellung von Ingres Gemälden statt.. Gegenüber auf der Madrider Museumsmeile, im Thyssen Museum, gab es eine umfangreiche Expo mit Gemälden von  Munch zu sehen.

P1280537Emma Dante, die wir im letzten Jahr mit Henzes Kurzoper Gisela in Palermo erlebt haben,  inszenierte eine Cenerentola und wie immer bei ihr ist man vollkommen perplex und überrascht. Diesmal waren die Kleider der Darsteller  mit kleinen Sahneschnittchen zu verwechseln.  Die Oper Rom hat Rossini aber noch ein zweites Mal  gehuldigt mit  einem sehr gewöhnungsbedürftigen Barbier von Sevilla in Form von Grusel-Ideen à la Tim Burton. Ausgezeichnete Sänger und viel Applaus. Vor 200 Jahren wurde Rossinis Barbier im Teatro Argentina in Rom uraufgeführt.

Die Oper Bonn hingegen glänzte mit einer witzigen Cosi fan tutte.

Traviata-Dorothée Lorthiois Auch mit großer Oper beschäftigte sich das französische Ensemble Opera Coté Choer in Paris. La Traviata, mutig und ganz anders. Brechend voll der Espace Pierre Cardin und es gab viele Vorhänge. Die Übersetzung von Jean-Noel Pettit folgt hier: La Traviata (version française).

 P1280710 Auch in Paris gab es eine Mammutausstellung von Anselm Kiefer im Centre Pompidou. Allein schon wegen dieser Schau hätte sich die Reise nach Paris gelohnt. Einfach großartig! Kiefer ist ein großartiger und einzigartiger Künstler, der immer ein wenig weiter geht als die anderen!

Ostia teatro Beeinflusst von Jean Cocteaus Antigone (so gesehen die Fortsetzung der Geschichte nach dem Ende von Ödipus), befasste sich der  große Igor Strawinsky zehn Jahre nach dem Sacre du Printemps-Skandal ebenfalls mit der griechischen Tragödie und arbeitete ab 1925 am Oedipus Rex.  Arien, Duette und Choreinlagen wechseln sich ab. Die Texte sind in Latein und die erklärenden Passagen wurden von einem Sprecher vorgetragen.

goethe-josefstiehler1828 Die Italienreise von Goethe ist vor 200 Jahren zum ersten Mal veröffentlicht worden (30 Jahre nach seiner Reise!). Die Casa di Goethe hat aus diesem Anlass eine Veranstaltung der Serie Incontri romani dem Geheimrat vom Corso gewidmet. Mario Fortunato und Jan Koneffke haben dazu aus ihren Geschichten über und für Goethe vorgelegen.  Unter diesem Motto haben noch viele andere interessante Abende dort stattgefunden.

Mit Rom und Italien beschäftigt sich auch die  Künstlerin Schirin Fatami. Sie lebt in Rom und in Hannover und man sieht es ihren Arbeiten an, wo sie entstanden sind.

image001 Der kolumbianische Maler Botero ist sehr bekannt aber längst  nicht Jedermanns Sache – auch meine nicht! Vor ein paar Jahren hat er sich nun den Kreuzweg Christi vorgenommen. Dieser war im Frühjahr im Palazzo delle Esposizione in Rom zu sehen. Botero via crucis

Paula Modersohn-Becker wurde im Frühjahr im Pariser Museum für Moderne Kunst gezeigt. Die ausgezeichnete Schau mit über 120 Bildern und Zeichnungen dokumentiert acht oder neun sehr intensive Jahre auf einem (vorzeitigen und rasenden) Weg in die Moderne. Die Briefe aus Paris an die Familie, an Ottos Eltern oder an ihren Mann Otto Modersohn, sind eine einzige Liebeserklärung an Paris.

P1300056 Einen Geburtstagswalzer, einen Tango und noch mehr gab es im österreichischen Kulturinstitut in Rom, welches schon einmal Hans-Werner Henzes 90. Geburtstag am 1. Juli vorfeierte. Das  Cimarrón Ensemble Duo , Christina Schorn und Ivan Mancinelli,  interpretierten u.a. Werke von Hans-Werner Henze (1926-2012), Luca Lombardi  (*1945) und Astor Piazzola (1921-1992).  Miriam Meghnagi hat im selben Kulturinstitut ein paar Wochen später  sehr bewegende Lieder aus Theresienstadt vorgetragen.

La sete di Christo
La sete di Christo ist eine CD des römischen Ensemble Concerto Romano und hat  Anfang Februar 2016 den klassischen Musikmarkt erneut um ein vor-barockes und seltenes Schmankerl bereicherte. Außerdem gab es später im Jahr eine glanzvolle Aufführung von Stradellas San Giovanni Battista, eine wunderbare barocke Preziose, die Stradella selbst wohl als sein bestes Werk bezeichnete. Kein Wunder also, dass Händel und die späteren Zeitgenossen stark beeindruckt waren und in diesem Stil weiter machten. Aber auch das Luther Reformationsjubiläum haben sie sich zum Thema gemacht und eine interessante CD herausgebracht. Klang der ewigen Stadt zu Luthers Zeiten.

Giovanni Battista Pergolesis (1710-1736) Stabat Mater gehört sicher zu den meist gespielten Kirchenmusikstücken überhaupt. Viele große Stars und Musikensembles haben es gesungen und gespielt und die Erwartungshaltung des Publikums ist dementsprechend groß. Concerto Italiano hat es im März aufgeführt und es gab keine Enttäuschung!

Symbolismus Anfang März hat es in Mailand zwei Tage ohne Unterbrechung geregnet und wir haben viel Zeit in Museen verbracht. Mit dabei natürlich das letzte Abendmahl (Cenacolo) und die Pieta Rondanini sowie eine  umfangreiche Ausstellung über den Symbolismus. Für die Ausstellung Alphonse Mucha war die Schlange zu lang, diese konnten wir aber ein paar Wochen später in Rom sehen.

Im April hat der große Pappano Tschaikowskys Fünfte und Strawinskys Psalmensymphonie im Auditorium dirigiert; sowie eine überarbeitete Fassung von Riccardo Panfilis l’Aurora probabilmente. Panfili hat dieses kurze, aber sehr heftige und aufregende Opus posthum dem großen deutschen Komponisten Hans-Werner Henze (1926-2012) gewidmet.

P1300463 Paola Romoli Venturi ist eine außergewöhnliche römische Künstlerin. Ihre happenings haben wir nie verpasst! Im April in Trastevere hat sie ihre neuesten Arbeiten präsentiert. Ad pineam - Licht und Wind kamen wie bestellt und ließen ihre zarten Tücher tanzen. Auch auf eine weitere Veranstaltung mit ihr und weiteren italienischen Künstlern möchte ich gerne hinweisen.  TraNsfusioni#4 (das ist die italienische Version)

P1300712 Der grüne Traum ist ein deutsch-italienisches Wanderprojekt, an dem sich Künstler, Musiker und Dichter beteiligen. Dieses Jahr waren das u.a. Silvia Stucky, Beate von Essen, Lello Torchia, Maria Semmer  und  viele andere  die in der bezaubernden Villa Gregoriana bei Tivoli ihre Arbeiten zwischen Ruinen und Vegetation installierten, die man bei einem Spaziergang durch den Park entdecken konnte.

Mit Natur befasste sich auch eine Ausstellung im Archäologischen Museum in Neapel. Mito e Natura behandelte Mensch und Natur anhand von umwerfenden Fresken von Lustgärten oder Episoden aus der griechischen Mythologie.

P1320594 Ein anderer Entdeckungspaziergang führte uns zum Lungotevere, wo sich William Kentrich mit seinen Mammutfresken  “Triumphs and Laments” verewigte.  In sechs Monaten hat der südafrikanische Künstler und Theatermann William Kentridge auf über 500 Meter am Tiberufer zwischen Ponte Sisto und Ponte Mazzini (Piazza Tevere) die Geschichte Roms in 80 übergroßen Figuren wild durch die Jahrhunderte portraitiert. Später, im Sommer in Berlin, gab es passend dazu die Ausstellung No it is im Gropius Bau.

Mit dem Rhein hat sich sich eine Ausstellung in Bonn beschäftigt. Eine europäische Flußbiografie hat die Bundeskunsthalle aufgezeichnet und der Besucher  reist von der Quelle bis zur Nordseemündung dieses stolzes Stromes.

fff Das Fast Fortward Festival fand dieses Jahr zum ersten Mal statt. Zeitgenössische Musik wurde hier zwei Wochen lang aufs intensivste aufgeführt und präsentiert – in allen bedeutenden Theatern Roms. Eröffnet wurde es mit Heiner Goebbels Schwarz auf Weiß  das  er vor über 20 Jahren für und mit dem Ensemble Modern konzipierte. Deshalb kann es auch nur von diesem Orchester aufgeführt werden.  Bis jetzt kam es ca. 100 Mal zur Aufführung u.a. in Berlin, Brüssel. Dresden, Paris, Sevilla, Luzern, Taipeh, Moskau, Wien, Prag, München und Salzburg und fast alle Beteiligten sind schon seit der Uraufführung 1996 im Frankfurter Bockenheimer Depot mit dabei. Es ist Nacht und die Sieben sitzen in einem hohen Saale in der Stadt Ptolemais. Es wird zwar nicht extra erwähnt, aber wir wissen es trotzdem: sie können nicht entkommen, sie sind isoliert. Einer von ihnen, der junge Zoilus, ist schon tot.

Proserpina von Wolfgang Rihms war ebenfalls Teil dieses Festivals. Rihm kam extra dafür nach Rom und begleitete diesen großartigen Ausklang des ersten aber schon recht erfolgreichen Festivals. Hoffentlich wird es weitergehen.

P1320737 Die Stipendiatin der Casa Baldi in Olevano Romano, Antonia Low, präsentierte im Frühjahr im Palazzo Altemps in Rom ihre Installation « Status of Lost Imagery ». Hierbei ging es um die Bombardierung des Palmyra-Museum. Low hat ein Zeitungsfoto von der Verwüstung des archäologischen Museums vergrößert und dieses gepixelte Bild auf Stoff gedruckt.  Mit Schutzschuhen durfte  man die Ruinen betreten, das heisst sich über und in  ihnen bewegen. Spannende Ruinenbegehung!

Isabella Ambrosini hat mit dem Orchestra Roma Tre im Mai die  Cavalleria Rusticana im Palladium aufgeführt. Dieser Artikel ist in italienischer Sprache. 

P1000187 Dido und Aeneas in Montepulciano  war eines der großen Ereignisse oder vielleicht sogar das Hauptereignis dieses Jahr beim Cantiere in Montepulciano. Regie führte  Michael Kerstan. Mit wenig Mitteln und ausgezeichneten Solisten, unterstützt von einem perfekten Chor und dem diskreten Modus Ensemble Roma unter Mauro Marchetti, haben die Protagonisten das Publikum im Tempio di San Biagio – der übrigens auf einen Bauplan von Bramante zurückgeht und ein perfektes Beispiel einer römischen Basilika ist – regelrecht verzaubert.

Und dann hieß es:

Addio Roma (hinter den links verbergen sich drei Rom-Spaziergänge)

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und Hallo Berlin

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Hier hat  uns nicht nur italienische Sonne empfangen sondern auch eine  Velazquez Ausstellung!

 

csm_42_ESDO_Katalog_b88a2f60afEl Siglo de Oro. Die Ära Velázquez – Dunkel und furchterregend ist sie, die Malerei dieses Goldenen Zeitalters in dem herrschsüchtigen, strengen und selbstsicheren Spanien, wo es nicht viel zu lachen gab. Die Protagonisten auf den Bildern dieses kulturell so starken Jahrhunderts strahlen keine Freude oder Leichtigkeit aus. Direkt aus dem Manierismus herausgerissen, überbetont, streng ist sie noch lauernd vorhanden, la Santa Inquisición(die heilige Inquisition).

blick in den GartenDer August hat sich von seiner besten Seite gezeigt und das Einleben in Berlin recht leicht gemacht. Ein  Ausflug an den Wannsee, wo sich der Maler Liebermann einen Sommersitz errichtet hatte, war gerade richtig: Max Liebermann (1847-1935) gehört zu den wichtigsten deutschen Wegbereitern der Moderne. Von Anfang an hat er gegen die Akademiker gekämpft und mit der Gründung der Berliner Secession, bei der er eine wichtige Rolle gespielt hat, die Hauptstadt in den künsterlischen und kulturellen Vordergrund gerückt – er selber ist dann aber irgendwo auch zwischen Biergärten und Portraits stecken geblieben. Geboren im Zentrum von Berlin wo heute das Liebermann-Haus steht (in dem eine Ausstellung über Harry Graf Kessler zu sehen war) hat er sich 1909 ein Sommerhaus am Wannsee bauen lassen. Sein „Schloss am See“, wie er es nannte. Mit Anfang 60 hat er sich gerne hierher in die Ruhe zurück gezogen und über 200 Gemälde sind dort entstanden. Ab 1914 bis zu seinem einsamen Tod 1935 verbrachte er viele Monate dort. Von den Nationalsozialisten verfemt, zwangen diese seine Witwe Martha 1940 zum Verkauf des Hauses. Sie entzog sich 1943 durch Selbstmord einer Deportation. Nach dem Krieg allerdings ging das Haus an die Erben zurück, die es an die Stadt Berlin verkauften.

P1000285Emil Nolde – Der Maler  – Aufdringliche Farben und Nordlicht. Emil Nolde (1867 – 1956) malte mit den Fingern und Händen, ein Pinsel reichte nicht, um diese grelle Leidenschaft auf die Leinwand zu bringen. Ein krasser Gegensatz zu der weiten und unendlichen nicht immer farbigen Welt an der Frieslandküste. Naturgewalt, Einsamkeit, Legenden und gruselige, übertriebene Bauern- und Seemanns-Geschichten, die man sich nach Sonnenuntergang mit Gänsehaut zu erzählen pflegte, hat Nolde auf die Leinwand gebracht und uns ins Gesicht geschleudert.

P1000585 Wolfgang Rihm hatten wir ja beim FFF in Rom mit Proserpina gehört und erlebt. Da war es natürlich klar, dass wir uns Tutuguri nicht entgehen lassen würden. Das Berliner Musikfest wurde damit eröffnet.  Alles muss haargenau in eine tobende Ordnung gebracht werden (Antonin Artaud 1947) . Französischer Surrealist trifft auf mexikanische Totentänze und Rihm macht die Musik dazu. Das klang gut und verheißungsvoll: aber es ist noch viel viel mehr! Es ist ein Erdbeben, ein musikalischer Horror-Tsunami, ein götterdämmernder Phönix-Weltuntergang!

P1010069 Die Kantorin der Kirche zur frohen Botschaft in Berlin-Karlshorst, Beate Kruppke, dachte sich zum 150. Geburstag von Eric Satie und zum 25. Todestag von Olivier Messiaen etwas ganz besonderes aus. Sie stellte ein ungewöhnliches Orgelprogramm zur Ehren der französischen Freigeister und  zur Aufführung auf der Amalienorgel in Karlshorst zusammen. Der Dritte im Bunde war ein weiterer Franzose, der Komponist César Franck (1822-1890).

postidentischeslebenGroßartig der erste Besuch in der Neuköllner Oper . EINE SPEKULATION ÜBER DIE FREIHEIT. Welcome to the office for postidentical living - Shape – edit – customize: Der Erfolgreiche muss sich optimieren, sich abgrenzen, besser sein, fit sein, digital sein, angepasst-unangepasst sein, seine personelle Identität pflegen und diese ausbauen, um vielleicht in einer kollektiven Identität heimlich Unterschlupf zu finden. Unsere Identität unterscheidet uns von den anderen, macht uns einmalig. Aber wozu brauchen wir das? Was brauchen wir überhaupt? Wissen wir was wir wollen? Stylen, shapen, bloggen, sich selfen, bewundert werden. Wie anstrengend, diese permanente Überforderung dem uns gebotenen information overflow gerecht zu werden: Nur wer das alles nicht (mit)machen muss, kann frei sein.

P1000693Das Büro für postidentisches Leben hat also die Antworten und Lösungen. Aber KAP HOORN, eine witzige Aufführung im Theaterdiscounter, vermittelt den  Jahrmarkt der Wünsche und Träume .  Aber was hat Napoleon mit Aschenputtel zu tun? Sehen Sie selber!

Ausstellungsplakat Der Golem, diese berühmteste Legendenfigur der Kabbala, ist ein seelenloses Wesen aus Lehm oder Sand. Er wird durch Rituale oder geheime Buchstabenkombinationen von einem Menschen zum Leben erweckt und ist mit übermenschlicher Kraft ausgestattet. Das Jüdische Museum hat ihm eine sehr interessante Ausstellung gewidmet.

P1010005Die Stadt Weimar war 1999 Europäische Kulturhauptstadt. Das war für den derzeitigen Chef des Berliner Staatsballetts, Nacho Duato, die Gelegenheit, Johann Sebastian Bach zu huldigen. Mit Vielfältigkeit. Formen von Stille und Leere hat er auf ganz besondere Weise Person und Werk dieses einzigartigen Komponisten gewürdigt. Er hat Bach auf die Bühne und ins Zentrum des Geschehens geholt.

P1000911 Siegfried Lenz ist 1926 als  Sohn eines Zollbeamten in Ostpreußen geboren. Mit 42 Jahren hat er seinen wichtigsten und einen der bedeutendsten deutschen Nachkriegsromane, Deutschstunde, veröffentlicht. Bei Deutschstunde geht es um Pflicht, Schuld, Macht, Freundschaft und Verlust und um das Nichtentkommen der Geschichte. Das Ensemble hat es aufgeführt. Aber auch die traditionelle Peymannsche Mutter Courage und ihre Kinder hat uns sehr gut gefallen.

Mauer-cmb-klein Traum, Nacht, Alptraum – Ian Bostridge erzählt von  Kriegen, Nachteulen und Meeresungeheuern. Mit Träumen, Natur und Illusionen hat sich in diesem Jahr auch die österreichische Künstlerin Christa Linossi beschäftigt.

100 Stuehle (1)Am 1. November 2016 feiert der Hamburger Bahnhof seinen 20. Geburtstag. Er entstand als  weiteres Haus der Nationalgalerie und dort werden während der Umbauarbeiten der Neuen Nationalgalerie abwechselnd Werke des deutschen Expressionismus – wie zurzeit Ernst Ludwig Kirchner HIEROGLYPHEN  – gezeigt.   Eine der besten Ausstellungen überhaupt mit Arbeiten von Carl André war 2016 im Hamburger Bahnhof zu sehen. Aber auch das Thema Kapital hat das Museum beschäftigt. Hier der Bericht.
AusstellungsplakatUnheimlich war der Titel der Ausstellung im Kunstmuseum in Bonn, die zur Zeit noch in Bonn zu sehen ist (bis Januar 2017). Unheimlich bedeutet schauerlich, gruselig oder furchterregend. Der Titel ist deshalb nicht sehr aussagekräftig, denn hier geht es auch viel um Angst und Einsamkeit, um Unwohlsein, um Hinweise auf Gewalt, versteckte und offensichtliche und um Traum und Wirklichkeit. Kein Entkommen, Dinge, Totenhaus, Alpträume, Einsamkeit, die Anderen,  Verschwinden, Tatorte sind die Schlagwörter und in diese ist die Ausstellung unterteilt.

P1040281 Bei der Geisterbraut ging es auch unheimlich zu. Diese  opernhafte und selten aufgeführte spätromantisch-wagnerianische Ballade von Antonín Dvořák (1841-1904) wurde  aus Anlass des 175. Geburtstags  dieses böhmischen Komponisten von der Berliner Singakademie und dem Konzerthausorchester unter Achim Zimmermann im Konzerthaus in Berlin aufgeführt. Isabelle Faust hat mit Werken von Luigi Nono  in der Philharmonie ebenfalls bella figura gemacht.

P1010413Der Britische Blick: Deutschland – Erinnerungen einer Nation. Mit dem Deutschlandbild der Briten hat sich diese Ausstellung beschäftigt, die auch uns so einiges über uns beigebracht hat. Deutschland? Aber wo liegt es? Ich weiß das Land nicht zu finden(Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller, Xenien, 1796)

maulwerk Maulwerker -  Lautdichtungen und Sprechduette hat sich in einer Veranstaltung organisiert durch KONTRAKLANG im Heimathafen präsentiert. Gerhard Rühm, der bei der gestrigen Performance im Heimathafen Neukölln persönlich anwesend war, ist einer der bedeutendsten Künstler, ein Tausendsassa oder Wunderwurzi wie die Österreicher sagen. Er ist Schriftsteller, Lyriker, Schauspieler, Komponist, Performancekünstler, Maler und Poet. Er Gedichte oder Lautdichtungen aus seinem Repertoire vorgetragen – allein und Sprechduette er mit seiner Frau, der Musikpublizistin Monika Lichtenfeld. Dass er 86 Jahre alt ist würde man nicht vermuten. Temperamentvoll und witzig, ein einfallsreicher Sprachkünstler und Grenzgänger zwischen Noten, Buchstaben und Sprachexperimenten.   Kontraklang hab ein paar Wochen später das anstrengende aber sehr interessante Konzerthappening « Nach Kagel » - auch wieder im Heimathafen Neukölln organisiert. Und hier ging es um Sprechmusik, Peinlichkeit, Heilkräuter und um einen heiseren Wanderer! Lesen Sie selber!

P1010457Terpsichore, Liebesgötter und kalte Schönheiten. Der italienische neoklassizistische Künstler Antonio Canova (1757-1822) zählt zusammen mit dem Dänen Thorvaldsen zu den bedeutendsten Bildhauern seiner Zeit. Das Bode-Museum hat ihm diese Ausstellung über den Tanz ausgerichtet – mit dem schönen Titel:  Canova und der Tanz!

P1010502 Il Triunfo dem Tempo e del disinganno von Georg-Friedrich Händel zählt schon seit langem zu meinen Lieblings-Händel-Kompositionen. In diesem Stück hat er sich auch eine Rolle gegeben und deshalb wird er zur Sonata im ersten Teil er als anmutiger Jüngling an der Orgel (Thomas Guggeis) begleitet von Corelli an der Geige (Wolfram Brandl) ins Restaurant geschoben. Wunderbare Aufführung im Schillertheater! Viel Applaus für alle aber vor allem für das Vergnügen!

P1010637 Reden ist nicht immer die Lösung - meint Omer Fast in seiner im Rahmen des Programms „Immersion. Analoge Künste im digitalen Zeitalter“ im Martin-Gropius Bau organisierten Ausstellung, bei der sieben Filmprojekte von ihm gezeigt wurden. Der israelisch-amerikanische Videokünstler verarbeitet in seinen Projekten Krieg, Gewalt, Sex, Erziehung und Zusammenleben.  Und hier erwähnte ich Clemens von  Wedemeyer ; der  so ähnliche Geschichten in Hamburg erzählte.

P1010662 Die Europäische Akademie für Musik und Darstellende Kunst Palazzo Ricci ist ein bedeutendes deutsches Kulturprojekt in Italien, das sich vor allem der Musik widmet.  Seit dem Jahre 2000 sitzt die Hochschule für Musik und Tanz Köln in diesem Palast, der nach umfangreichen Renovierungsarbeiten im Jahre 2001 als Europäische Akademie wieder eröffnet wurde. Und damit sind wir auch schon beim Anlass des gestrigen Abends: das 15-jährige Jubiläum. Die Akademie feierte ihren Geburtstag mit einem Konzert, das  mit einem ganz besonders sorgfältig ausgesuchten Programm am Gendarmenmarkt im Berliner Konzerthaus bestach.

P1010682 Good Bait (guter Köder) ist das aktuelle und neuestes Standard-Programm der Quartett-Jazzband die den Beinamen … die flexible Einsatztruppe  bestehend aus dem Saxophonisten und Gründer der Truppe Markus Ehrlich, dem gerade aus New York zurückgekehrten Pianisten Johannes von Ballestrem, dem Bassisten Tom Berkmann und dem Schlagzeuger Philipp Schaeper. Dann haben wir noch den Piano Salon Christophori entdeckt – hier kann man alles hören – meist klassisch, aber es steht durchaus auch mal dann und wann ein Jazzabend an. Im Jazzclub Zig Zag in Berlin ist die Gruppe Subtone aufgetreten, die vor allem eigene Kompositionen gespielt haben. Schöner Club!   Der bekannte schwedische Posaunist und Sänger  Nils Landgren, alias Mr Redhorn, trifft beim diesjährigen Young Euro Classic Festival auf das junge Ensemble Olivinn, das die türkische Komponistin und Pianistin gegründet hat. Hier wurde Jazz mit Klassik verbunden und formell in einem Konzerthaus aufgeführt. 

P1010522 Die Stadt“ hat Theodor Storm sie ganz schlicht genannt. Zu seiner Zeit hat er wohl auch noch  durch die Stille las Meer brausen gehört. Das ist jetzt nicht mehr so, aber die Möwen, die Luft, das Salz darin, das Ebbe und Flut Spiel, das den Hafen hebt und senkt, ist immer noch so.   Jan Christophersen hat über diese so ganze andere Welt den Roman « Schneetage » geschrieben. Hier die Rezension!

Eine andere ganz besondere Reise ging in die Bretagne. Fünfzehn Kilometer vom Festland entfernt liegt sie, eine der größeren bretonischen Atlantikinseln: Belle-Île-en-Mer. 45 Minuten dauert die Überfahrt mit der Fähre von Quiberon nach Le Palais, der Hauptstadt von Belle-Île mit ungefähr 2600 Einwohnern. Hier verbrachte die Schauspielerin Sarah Bernhardt viel Zeit zwischen Felsen, Wind und Einsamkeit.

George Grosz - Grauer Tag Die Neue Nationalgalerie ist noch immer wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Deshalb zeigen die anderen « Filialen » abwechselnd Werke aus dieser umwerfenden Sammlung der Kunst Anfang des 20. Jahrhunderts. Im Hamburger Bahnhof ist immer noch  Kirchner zu sehen und im Scharf-Gerstenberg Museum noch bis zum 23. April 2017 die Ausstellung « Surreale Sachlichkeit » Werke der 1920er- und 1930er Jahre aus der Nationalgalerie.

P1010830 Zarzuela ist spanisches Musiktheater vom Feinsten. Spitzbubenhafte Komödie, Folklore und populäre Romanzen verbunden mit spritziger Musik, opernähnlichen Arien, Temperament und guten Geschichten. Sie entstand im 19. Jahrhundert und wurde sowohl in Spanien als auch in Südamerika, vor allem in Argentinien, Mexiko aber auch in Kuba mit großem Publikumserfolg aufgeführt. In der Berliner Bibliothek des lateinamerikanischen Institut gegenüber der Gemäldegalerie wurde im Dezember eine Ausstellung über die Zarzuela eröffnet. Zur Eröffnung haben  zwei glänzende Interpreten Kostproben vorgetargen.

P1010868 Vor 500 Jahren, 1517, hat Martin Luther (1463-1546 in Eisleben), Mönch und Theologieprofessor  seine 95 Thesen zum Ablasswesen an die Schlosskirche zu Wittenberg genagelt. Dort, im Wittenberger Kloster, kam ihm auch die Erleuchtung. Sein Turmerlebnis sollte die Welt, nicht nur die gläubige, verändern und die Reformation auslösen.  Ein Jahr später ist er dann auch gleich nach Rom vorgeladen worden. Schon  1516 hatte Luther öffentlich gegen die Ablasspraxis gepredigt. Über Musik in der Zeit Luther in Rom hat Concerto Romano im letzten Jahr eine wunderbare CD herausgebraucht.

P1020013  Zauberwald, Pemplum und Kuschel-Riesenplüschtiere. Die Premiere dieser Inszenierung von August Everding mit einem Bühnenbild von Fred Berndt nach den herausragenden Entwürfen der grandiosen Sternenkuppel (die Tassen und Geschirrtücher ziert) oder den ersten Auftritt der Königin der Nacht auf der Mondsichel vom Berliner Architekten und Baumeister Karl Friedrich Schinkel für die Berliner Königlichen Schauspiele 1816 fand schon 1994 statt. Sie gehört heute zu den am meisten gespielten Zauberflöten in Berlin und sorgt jedes Jahr wieder für ein volles Haus.

P1020021 Kindl ist vor allem Biertrinkern ein Begriff. Die ehemalige Brauerei in Neukölln wurde vor ein paar Wochen als neues zeitgenössisches Kulturzentrum in Berlin eröffnet. Ein Besuch ist hier beschrieben. Zur Zeit sind zwei Künstler dort ausgestellt.

 

Ein frohes, glückliches, beschwingtes, kulturelles und gesundes Jahr 2017 wünsche ich allen blog Besucher/innen.

Christa Blenk

 

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Street Art in Berlin

 

 

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Vielfältigkeit, Formen von Stille und Leere

 

Die Stadt Weimar war 1999 Europäische Kulturhauptstadt. Das war für den derzeitigen Chef des Berliner Staatsballetts, Nacho Duato, die Gelegenheit, Johann Sebastian Bach zu huldigen. Mit Vielfältigkeit. Formen von Stille und Leere hat er auf ganz besondere Weise Person und Werk dieses einzigartigen Komponisten gewürdigt. Er hat Bach auf die Bühne und ins Zentrum des Geschehens geholt.

Im ersten Teil „Vielfältigkeit“ geht es um den arbeitenden Komponisten Bach, seine Wünsche und Träume, seine Inspiration, seine Ängste und Zweifel, sein Mitten-im-Leben-Stehen und sein unermüdliches Arbeiten. Auszüge aus 15 seiner Werke hat Duato zu einem abwechslungsreichen Pot-Pourri vereint und die Tänzer in Instrumente, Noten und Gefühle und die Musik in Tanz und Architektur umgewandelt. Bach voller Energie und Tatendrang im strengem Kostüm mit Zopf getanzt von Michael Banzhaf. Herrschsüchtig, zurechtweisend, vornehm und mathematisch-minimal dirigiert er gleich am Anfang seine Schüler. Hier kommt das komplette Ensemble zum Einsatz. Leidenschaftlich und verhalten sehen wir ihn mit Giuliana Bottino, die sich als Cello biegt und windet, sich streckt, sich hingibt, sich faltet und entfaltet. Wird sie gestreichelt oder eher gefoltert? Fast wie ein sich neckendes Liebespaar wirken die Beiden.

Und so geht es weiter. Es folgen abwechselnd Pass des Deus dann wieder Gruppentänze aus vier, fünf oder mehr Tänzern, die zu Bachs Menuetten oder Polonaisen über die Partitur-Bühne fliegen. Eine bildschöne und ästhetische Szene nach der anderen. Zum Allegro des Konzert No 3 G-Dur BMV 1048 2. Satz tanzen königliche, schön kostümierte Frauen, überheblich, spritzig und keck. Beim ersten Satz des Konzertes für vier Cembali, Streicher und Basso Continuo a -moll BMW 1065 werden aus den Streicherbögen Degen und es passiert ein spielerisch-ernstes Kriegsspiel. Nachdenkliches in schwarzen Gymnastikanzügen, wird von Witzigem in originellen Gewändern abgelöst, auch Anspielungen auf die Meninas seines Landmannes Velazquez bleiben nicht aus. Ausgezeichnet und überwältigend das Schattenspiel aus dem Notenbüchlein für Anna Magdalena.

Im zweiten Teil Formen von Stille und Leere geht es um Bachs Lebensende, seine beunruhigende und schleichende Blindheit, seine Sorgen, seine Trauer nach dem Tod seiner Frau und einiger seiner Kinder. Plötzlich liegt Nebel über der Bühne und erzeugt ein Gefühl, das man hat, wenn die Brille nicht schmutzig ist, sondern die Augen nachlassen. Hier wird die Welt schwarz und die Tänzer bewegen sich zur Kunst der Fuge und 6 anderen Musikfragmenten. Es herrscht Trauer, ein Gottesdienst wird abgehalten und der Todesengel lässt sich nicht mehr abschütteln und erscheint immer öfter auf der Suche nach seiner Beute. Licht und Schatten, Abschied und Tod, Leid und Trauer. In der letzten Szene gehen die Tänzer über das Gerüst nach oben was uns an den Besuch der Reichstagskuppel denken lässt. Dann fallen sie plötzlich in zuckende Bewegungen während der Todesengel den sträubenden und ringenden Bach an der Hand schräg über die Bühne führt. Memento mori.

So eine Übung hätte auch schief gehen können; es hätte in Kitsch abrutschen können – aber das tut es nach 17 Jahren und viel Neuem in der Tanzwelt immer noch nicht.

Es ist verständlich, dass Nacho Duato sich nach dieser Produktion schwer tut, etwas Neues oder Innovativeres zu schaffen. Mit Vielfältigkeit, Formen von Stille und Leere hat er alles gegeben.

Das minimale und einfache, aber sehr gelungene Bühnenbild hat der Architekt Jaffar Chalabi entworfen; die Kostüme sind zum Teil von Nacho Duato selber und von Ismael Aznar, Lichteffekte von Brad Fields.

Die Musik kam natürlich vom Tonträger, Duato hat aber sehr schöne und klassische Einspielungen wie von Nikolaus Harnoncourt, Gustav Leonhardt oder Ton Koopmann ausgesucht.

Christa Blenk

 

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Pina Bausch und das Tanztheater

P1310258
Detail Ausstellungsplakat
 
Work in Progress

In der Bundeskunsthalle in Bonn ist seit Anfang März eine Ausstellung über Pina Bausch und ihr Tanztheater zu sehen. Regieanweisungen, Fotos, Videos und Vorträge gruppieren sich um die sogenannte „Lichtburg“ im Zentrum der Ausstellung. Bei der Lichtburg handelt es sich um den Nachbau ihres Ateliers und gezeigt wird auf einer großen Leinwand das tägliche Leben einer Tanzgruppe, Pinas Anweisungen, Ideen, Kostümproben, Tanzschritte und Interviews, aber ganz anders als im Wim Wenders Film. Ansonsten hängen Kleider und Tanzschuhe an den Wänden und Tische stehen im Raum und die Anwesenden scheinen sich alle zu kennen.

Wir kamen gerade rechtzeitig zum 7 x 7 x 5 speed dating.

Sieben runde Bistrotische mit jeweils zwei Stühlen stehen in einer Linie schräg durch die Lichtburg (hier muss man gleich an Café Müller denken) und an jedem Tisch sitzt – mit glänzenden Augen – ein Mitarbeiter(in) oder eine Tänzerin der Truppe. Ein willkürlicher Besucher nimmt am Tisch Platz und stellt Fragen, nach fünf Minuten wechselt er den Tisch und das Gegenüber. Manchmal sind die Fragen vorgegeben, manchmal nicht. Die Besucher erfahren so aus erster Hand was sie immer schon über Pina Bausch und ihre Arbeit oder ihr Leben oder vom Verhältnis zu ihren Mitarbeitern wissen wollten.  So haben wir erfahren, dass zum Beispiel im letzten Jahr zum ersten Mal ein Gastchoreograf in Wuppertal mit dem Ensemble drei Stücke einstudierte, dass das Ensemble für eine Sacre du Printemps-Aufführung immer ihre eigene torfige Erde im Reisegepäck hat (außer nach Neuseeland, dort wurde die Einfuhr nicht gestattet, was große Probleme verursachte, weil sich bei der ersten Probe herausstellte, dass Glassplitter in der Erde waren und diese – es geht hier wohlgemerkt um Tonnen – vor der nächsten Probe gesiebt werden musste), dass Sacre immer mit Café Müller gemeinsam aufgeführt wird, dass Pina Bausch die Kostüme der 50er Jahre Fred Astaire und Ginger Roger Filme liebte, dass sich Pina Bausch immer  Fragen für die Tänzer(innen) ausdachte und jede(r) Ideen dazu ins Boot warf, dass bei ihr alles work in progress blieb und sie jede Vorstellung mit „das Stück ist noch nicht fertig“ einleitete und dass sie bei den Entscheidungskonferenzen bzw. Entstehungsprozessen von Neuproduktionen von unzähligen Zetteln umgeben war, die sie wie ein Puzzle ordnete.

Der Geist von ihr schwebt eindeutig durch dieses nachgebaute Atelier und die an diesem Sonntag anwesenden ehemaligen Mitarbeiter oder Tänzer(innen) haben ihn von Tisch zu Tisch weitergetragen.

Pina Bausch ist ohne Zweifel eine Ikone, ein Mythos, eine Pionierin des Modernen Tanztheaters. Sie hat mitbestimmt, wie wir Ballet und Tanz seit dem 20. Jahrhundert  sehen und empfinden. Die Elemente Wasser, Erde, Luft verbindet sie mit Menschen und auf der Bühne erlebt ma, wie sie die Welt von draußen nach drinnen holt und wie sich Dinge  je nachdem wo sie stehen oder was für eine Funktion sie haben verändern.

Als ehemalige Schülerin von Kurt Joos am Essener Folkwang Theater, führte sie dieses später weiter. Die ersten Jahre arbeitete sie mit ihrem Partner Rolf Borzik und nach dessen Tod, 1980, übernahm Peter Pabst die Bühnengestaltung. 2007 wurde ihr der Kypto-Preis verliehen.

Eine sehr sensible, persönliche Ausstellung, die man mit dem Wunsch verlässt, alle 32 Stücke von ihr entwickelten und konzipierten Stücke nacheinander sehen zu können!  Pina Bausch starb 2009, nur ein paar Wochen nach der Uraufführung ihres letztes Werkes.

Die Ausstellung ist noch bis zum 24. Juli 2016 zu sehen und geht anschließend  weiter nach Berlin in den Martin-Gropius-Bau.

Christa Blenk

 

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Looking forward to FFF – Fast Forward Festival

fff

 

Die Oper Rom goes contemporary

Schon die Saisoneröffnung 2015/2016 mit Hans-Werner Henzes Bassariden kündigte eine Änderung der römischen Opern-Programmplanung an und es weht ein anderer, frischer, Wind.

Am 27. Mai ist es soweit und das Internationale Festival für Theater und Zeitgenössische Musik an der Oper Rom: FFF – Fast Forward Festival wird aus der Wiege gehoben.

Kurator Giorgio Battistelli, Römer und seines Zeichens künstlerischer Leiter an der Oper Rom sowie erfolgreicher italienischer Avantgarde-Komponist, hat ein Zehn-Tages-Programm zusammengestellt, das sich wirklich sehen lassen kann.

Vier Musiktheaterwerke, fünf Instrumental-Theaterstücke und ein Ballett werden an unterschiedlichen Orten u.a. an der Oper Rom selber, im Teatro Argentina, im Auditorium Parco della Musica oder in der Villa Medici aufgeführt. Der Intendant der Oper Rom will damit sein Haus und die ewige Stadt mit neuen Ideen und mehr Aufgeschlossenheit in den internationalen zeitgenössischen Musik-Mittelpunkt rücken und Rom in eine Reihe mit anderen europäischen Kulturzentren wie Berlin, Paris, Barcelona oder Wien stellen. Und wer könnte das besser als der künstlerischer Leiter der Oper, Giorgio Battistelli (*1953). Oper und Musiktheater sind Begriffe und Definitionen, die sich durch die Erfahrung der unterschiedlichen Möglichkeiten des Musiktheaters in unserer Zeit aufgelöst haben, sagt er über sein neues Festival-Projekt.

 
Schwarz auf Weiss_Composizione e regia di Heiner Goebbels_Credit Christian Schafferer
Schwarz auf Weiss_Composizione e regia di Heiner Goebbels_Credit Christian Schafferer

Mit Heiner Goebbels (*1952) Komposition Schwarz auf Weiss / Black on White (1996) wird das Festival am 27. Mai eröffnet. Dazu kommt das Ensemble Modern aus Frankfurt ins schöne Teatro Argentina. La Passion selon Sade hat der Italiener Sylvano Bussotti (*1931) im Jahre 1965 komponiert und es wird am Tag darauf im Auditorium Teatro Studio Borgna aufgeführt. Am 29. Mai tritt im Teatro India das Aleph Ensemble mit dem instrumentalen Theaterwerk Vie de Famille auf, das Georges Aperghis (*1945) 1999komponierte. Der darauf folgende Tag ist dem Ballett gewidmet. Angelin Preljocaj hat zu John Cages Tonkreation Empty Moves 1-2-3 die Choreografie entworfen. Am 31. Mai wird die Kammeroper des jungen Belgiers Michael van der Aa Blank Out (2016) im zur Oper gehörenden Teatro Nazionale aufgeführt. In der französischen Akademie, der Villa Medici, findet am 2. Juni gleich ein Doppelabend statt: Um 19.00 Uhr gastiert das Ensemble Dedalus mit dem elektronischen Musik-Spektakel Inevitable Music #5, das Sébastian Roux (*1977) nach Zeichnungen von Sol Lewitt in Töne umsetzte und im Anschluss, um 21.00 Uhr, spielt das ausgezeichnete italienische Ars Ludi Ensemble Werke von Maurizio Kagel, Francesco Filidei und John Cage. Jean Pierre Drouets One Man Show wird am 3. Juni im Teatro India mit Musik u.a. von Kagel, Aperghis und auch vom Kurator des Festivals, Giorgio Battistelli, zu hören und zu sehen sein. Francesco Prodes Miroirs / Ravel Projekthingegen findet im Teatro de Villa Torlonia am 4. Juni statt. Die letzten zwei Tage (am 7./8.6.) dieses noch ganz junge Festivals, betreitet Wolfgang Rihms (*1952) 8. Oper Proserpina. Rihm hat sie 2009 komponiert und Hans Neuenfels hat sie seinerzeit für Schwetzingen inszeniert.

 
bozzeto Proserpina - (c) Teatro dell'Opera di Roma
 Bozzeto Proserpina Regia Valentina Carrasco (c) Teatro dell’Opera di Roma

Neben den abwechslungsreichen Aufführungen sind Vorträge und Konferenzen mit den Komponisten sowie Meisterkurse geplant.

Die Programmgestaltung fand in Zusammenarbeit mit dem Goethe Institut Rom und der Villa Medici statt.

Der Kurator und Iniziator dieses Festivals, Giorgio Battistelli, war von 1993 bis 1996 künstlerischer Leiter des Cantiere Internazionale d’Arte in Montepulciano. 2002 hat er am Nationaltheater Mannheim Ernst Jüngers Auf den Marmorklippen musikalisch inszeniert und damit viel Aufmerksamkeit erregt. Aber vor allem bekannt wurde er mit dem Experimentum Mundi (Uraufführung in Rom 1981) – hier hat er die Alltagsgeräusche von Handwerker oder Bauarbeiten in die zeitgenössische Musik mit eingebunden.

Das lässt auf einen sehr spannenden musikalischen Frühsommer hoffen. Noch ein Grund mehr, Ende Mai/Anfang Juni nach Rom zu fahren!

Christa Blenk

 

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Carmen – mal anders – Orchestra Piazza Vittorio

Nicht für Puristen geeignet!

L’Orchestra di Piazza Vittorio interpretiert die Carmen als klamaukige Volksoper im Teatro Olimpico in Rom

Stellen Sie sich vor: Pedro Almodovar und Emir Kusturica entwickeln gemeinsam ein Projekt. Dazu sucht Eric Rohmer die Schauspieler aus, die Coen Brüder führen Regie, im Buena Vista Social Club in La Havana wird – mit Edith Piaf und Woody Allen in den Hauptrollen – eine Bollywood-Neuinszenierung von Tristan und Isolde gedreht, zu der Frank Castorf das Bühnenbild entwirft.

Die Oper Carmen gehört nicht zu meinen Lieblingsopern, mehr noch, ich finde sie abgesehen von  ein paar mittlerweile zum Gassenhauer gewordenen Arien am Anfang und zum Schluss unsäglich langweilig und langatmig; obendrein singt der Chor immer – wie vom Libretto vorgegeben natürlich  - Toreador (meistens auch noch ohne gerolltes R),  Torrero lässt sich halt nicht so leicht zu dieser Melodie singen.  Und seit einer entsetzlichen Carmen-Aufführung in Taormina im Sommer, wollte ich mir diese Oper nie wieder antun.

Aber dann kam das Orchester Piazza Vittorio. Wir sind mit gemischten Gefühlen in die vorletzte – komplett ausverkaufte – Vorstellung und haben uns – meistens – köstlich amüsiert.

Reduziert auf einige der bekanntesten Arien, dauert diese Carmen gerade mal 1 ½ Stunden.

Carmen ist Mama Marjas, sie ist ein Naturtalent, aufregend und aufreizend. Sie ist die einzige, die in französischer Sprache  singt und tut das  mit einem ganz tiefen Bariton; Marjas ist eigentlich eine Reggae-Tänzerin; Don José ist Evandro ist Don José, er ist Komponist und spielt viele Instrumente, singen kann er eher nicht, tut das aber, ein wenig schwächelnd, in portugiesischer Sprache. Er ist der vom Heimweh getriebene Looser, der sein Leben nicht in den Griff bekommt. Micaela ist Elsa Birgé, sie muss hier von weither anreisen, um Don José von der Mutter einen Brief zu bringen und ihn heimzuholen; aber sie kommt zu spät, denn er ist schon der Carmen verfallen; Birgé  ist frankophon und kommt aus einer Musikerfamilie, ist aber selber Trapezkünstlerin und sonst mit „le vrai-faux mariage de la caravane passe“ auf Tournée. Die Albanerin Hersjana Matmuja (sie hat übrigens ihr Land beim Eurovision Song Contest 2014 vertreten) und der Italiener Dario Ciotoli sind wohl die einzig ausgebildeten Sänger und spielen das einen einsamen Platz suchende Liebespaar, das permanent über dem Lillas  Pastias das Geschehen beobachtet. Der Torrero Escamillo ist Houcine Ataa, er singt seine Arien auf Arabisch. Dann haben wir noch den Gendarmen Zuniga, den Carlos Paz Duque auf Spanisch singt. Die beiden ausgesprochen genialen Tänzer, die gleich am Anfang eine Art Flamenco-Schuhplattler mit Salsa-Elementen hinlegen sind Ovidiu Toti und Adam Jozsef und Manuela ist Ashai Lombardo Arop.

Jetzt haben Sie hoffentlich eine Idee bekommen, wie sich das angehört hat. Witzig und genial, abgesehen von einer zu langen schwunglosen Stelle in der Mitte, bis gewaltige Perkussionsbasstöne Carmens Tod begleiten und einer nach dem anderen auf die Bühne tanzt wo  Elsa Birgé schon steht und  „The man I love“ singt.

Piazza Vittorio ist ein multiethnisches Ensemble das 2002 entstand. Der Italiener Mario Tronco hatte die Idee, unter den Bewohnern mit Migrationshintergrund  vom Senegal bis Argentinien die um die Piazza Vittorio Emanuele (Esquilin) wohnen – die Italiener sind dort in der Minderheit – nach Künstlern, Musikern, Tänzern oder Sängern zu suchen. Ihr erster Auftritt war beim Romaeuropa Festival 2002. Jeder ist auf seine Art ein Künstler oder Interpret aber er tut nicht unbedingt das, was er am besten kann. Die Idee ist wunderbar und das  Gesamtprojekt unbedingt gelungen.

Mal sehen was sie sich als Nächstes ausdenken.

Mario Tronco hat die künstlerische Leitung und Regie, zusammen mit Leandro Piccioni hat er auch die musikalischen Arrangement ausgearbeitet. Von Serge Valletti stammt das Libretto,  Lino Fiorito zeichnet für das Bühnenbild und Katia Marcanio für die  Kostüme.  Giorgio Rossi hat die wunderbare Choreografie entwickelt, er hat u.a. bei Kantor, Bausch und Brook gelernt und das sieht man. Die Choreografie war das Beste an der ganzen Carmen! Dann wirken noch die Musiker El Hadji “Pap” Yeri Samb aus dem Senegal (Djembe, DumDum), Ernesto “El Kiri” López Maturell aus Kuba (Batterie, Congas) der Italiener Pino Pecorelli (Konterbass, und elektronischer Bass) ,der Argentineir Raúl “Cuervo” Scebba (Marimba, Congas und Perkussion), der Tunesier Ziad Trabelsi (Laute) der italienische Gitarrist Emanuele Bultrini , die ausgezeichnete koreanische Cellistin  Kyung Mi Lee,  Marian Serban, und Saria Convertino mit und der Rumäne Ion Stanescu an der Geige sorgte für den Zigeuner Effekt .

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Text über dem Bühnenbild: Vor vielen tausend Jahren machten sich die Zigeuner aus Indien kommend auf einen legendären Weg durch Asien nach Europa. Innerhalb eines Jahrhunderts haben sie bei den meisten Europäern den Ruf bekommen Wahrsager, Nomaden, Musiker, Sänger, Tänzer, Bettler und Diebe zu sein.

Agostino Ferrente hat einen Dokumentarfilm über dieses Ensemble, dem zur Zeit 20 Künstler angehören, gedreht. Sie kommen aus 11 unterschiedlichen Ländern und sprechen neun verschiedene Sprachen. Einige Mitglieder des Orchesters gehen wieder weg, Neue kommen dazu. Sie machen eine Art nicht  einzuordnende Weltmusik die durch die ethnische Musik aus den jeweiligen Ländern in einer geglückten Fusion mit Rock, Pop, Reggae und Klassik entsteht. Abgesehen davon, besteht auch die richtige Carmen von Bizet zu einem Großteil aus Flamenco- oder Zigeunermusik-Elementen. Vielleicht auch die Oper der Zukunft.

Die Oper Carmen von Georges Bizet wurde 1875 in Paris in der Opera Comique  uraufgeführt. Carmen wird als eine Art Vorläufer-Oper des Verismus gehandelt.

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Piazza Vittorio nach der Carmen

Christa Blenk

 

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Romaeuropa Festival: Emma Dante – Io, Nessuno e Polifemo

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 Bühnenbild mit dem Schiff von Odysseus

Wie interviewt man einen Kyklopen?

Ich, Niemand und Polyphem

Darf man eintreten, fragt die Interviewerin Emma Dante vor Polyphems Felsen. Er reagiert erst gar nicht und dann sauer, er hat keine Lust gestört zu werden – nicht schon wieder, das hier ist Privatbesitz, verschwinden Sie, wirft er ihr an den Kopf.

Warum sprechen Sie eigentlich Neapolitanisch, Herr Polyphem, und nicht Sizilianisch. Ich komme mir hier vor wie in einer Komödie von Eduardo. Schließlich liegt die Höhle von Polyphem ja in Sizilien, genauer gesagt vor der Küste des Ätna. Das war das Stichwort für die Ein-Frau-Band wieder mit schrecklichen Geräuschen auf sich aufmerksam zu machen. Was ist das, fragt die Interviewerin. Der Ätna rumort, kommt lapidarisch die Antwort des Kyklopen.

Im Hintergrund sitzen die drei Sirenen-Rheintöchter, die vorher – sozusagen stereo – noch einen wilden Marionettentanz mit genauso aussehenden Holzpuppen aufgeführt haben. Später werden sie zu einer Art Dreifaltigkeits-Penelope, die einen nicht enden wollenden Ballen transparent-gewebten Stoffes über sich hinweg bewegen müssen und davon völlig erschöpft niedersinken. Leider setzt dann wieder die viel zu laute und einfach nicht interessante Musik ein und man hat schon wieder das Gefühl, dass es nicht genug zu sagen gibt in diesen 60 Minuten ( „If they can take it for 10 minutes, then we play  it for 15. That’s our policy. Always leave them wanting less“, soll Andy Warhol 1967 gesagt haben, als er unverdauliche Musik schrieb oder schreckliche Filme drehte).  Irgendwann werden die Rheintöchter dann zu glitzernden vampigen Discoqueens die mit Odysseus um die Wette tanzen; das Wachs scheint er diesmal vergessen zu haben, aber eigentlich verfallen sie eher ihm als umgekehrt. Der unsympathische Polyphem gewährt Odysseus‘ Gefährten kein Gastrecht, verständlich, schließlich sind sie bei ihm eingedrungen und haben seinen Käse gegessen. Die Szene in der Polyphem ganz nach Voodoo-Art die Puppen zerbricht, was die Sirenen-Marionetten zucken und zappeln und wahrscheinlich dahinscheiden lässt,  ist originell. Aber Odysseus‘ Rache ist bitter, wie wir wissen sticht er ihm das Auge aus, denn Kyklopen haben von der Geburt an nur eines. Ohne Erinnerung sind wir niemand, sagt „Niemand“-Polyphem als Antwort auf die Frage, warum er das Angebot auf Unsterblichkeit der bezaubernd-lockenhaarige Calypsos verschmähte. Aber Odysseus will endlich heim zu Penelope..

Früher habe ich Männer bevorzugt, als Mahlzeit natürlich, sagt Polyphem und blickt zu der ihn interviewenden Emma hin, aber seit Odysseus in meinen Kopf ist, geht das nicht mehr.

Und was sie ihr denn zum Abschied noch mitgeben könnten, was sonst keiner hätte. Nun ja, ein Rezept, ein originelles neapolitanisches Rezept.

Das Thema ist durchaus originell und die Darsteller, vor allem die drei Tänzerinnen (Federica Aloisio, Viola Carinci, Giusi Vicari, Choreographie Sandro Maria Campagna)  sind nicht zu kritisieren. Aber warum Emma Dante gerade diese viel zu laute Diskomusik (Serena Ganci hat sich wirklich voll verausgabt) ausgewählt hat, kann man sich nur dadurch erklären, dass Odysseus ja auch von dem Geschrei der Sirenen fast wahnsinnig geworden ist.

Emma Dante selber war die Interviewerin und Salvatore D’Onofrio und Carmine Maringola waren Polyphem und Odysseus.

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Interviewerin mit Odysseus und Polyphem

Christa Blenk

 

Mehr zu Emma Dante – Operetta Burlesca und Gisela

 

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Romaeuropa Festival – Emma Dante – Operetta burlesca

emmadante
vor der Aufführung

 

Vom 20.10. bis 1.11-2015 wird im Teatro Vittoria Emma Dantes « Opera Burlesca » aufgeführt. Wieder mal hat sich Emma Dante hier mit dem Thema Homosexualität und Transvestiten befasst.

Auf der Bühne hängen vier elegant und pompös bekleidete große Plastikpuppen; den Bühnenrand zieren diverse Stöckelschuhe und Accessoirs. Alles Dinge die man braucht, um eine schöne Frau zu werden. Musik aus der Konserve begleitet die vier Protagonisten, die Vater, Mutter, Pietro, Pietro als Frau und Pietros Schwarm interpretieren. Die Darsteller schaffen es nicht, sich zu identifizieren oder sich zu finden. Sie sind verloren. Eine Mischung aus Dragi-Komödie und Boulevard-Theater.

Pietro ist der erwachsene Sohn eines sizilianischen Tankstellenbesitzers, der mit seinen Eltern nach Neapel zieht. Pietro (Roberto Galbo) merkt, dass er eigentlich eine Frau sein will. Im Stück wird sie von Viola Carinci dargestellt. Er muss die Schule unterbrechen und an der Zapfstelle arbeiten.  Dann geht es 50 Minuten darum, wer welche Kleider anzieht und dass Pietro sich verliebt, von seiner Mutter (oder Vater) gewarnt wird, weggeht und wieder kommt, als sein neuer Partner ihm gesteht, dass er eigentlich eine Frau und zwei Kinder hat. Die letzte Szene zeigt ihn / sie dann als glückliche und tanzende Frau. Alle Puppen sind ausgezogen und die Personen tanzen nackt und eng über die Bühne. Die Kleider liegen verstreut herum.

Emma Dante ist so eine Art Botschafterin der italienischen Homo-Ehe. Sie setzt sich permanent für die  gleichgeschlechtliche Partnerschaft ein und nimmt dieses Thema auch immer wieder in ihren Produktionen auf. Das letzte Mal 2010 mit « Le pulle ». Sie ist definitiv ein Schuh-Fetischist.

Die Opera Burlesca war aber letztendlich dann nur lautes und eher flaches Boulevard-Theater; bekam aber viel Applaus.

Da meistens Sizilianisch gesprochen wurde, haben wir allerdings wenig verstanden und deshalb kein Recht, eine echte Kritik anzubringen.

Christa Blenk

 

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Romaeuropa

 

Vortex Temporum

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nach der Vorstellung – Tänzer und Solisten

Vortex Temporum –Strudel der Zeit – ist einer der Beiträge der belgischen Choreografin Anne Teresa de Keersmaekers beim diesjährigen Romaeuropa Festival.

Sechs Instrumentalsolisten, Klavier, Klarinette, Flöte, Violine, Viola, Violoncello,  kommen auf eine mit unterschiedlichen weißen Kreisen markierte Bühne und beginnen mit dem Vortrag dieses spannenden und chromatischen Spätwerk des 1998 mit 52 Jahren verstorbenen französischen Komponisten Gérard Grisey. Das Werk für Klavier und fünf Instrumente an sich dauert ca. 35 Minuten und ist zwei Jahre vor seinen Tod entstanden.  Einzelne Teiltöne werden um einen Viertelton nach oben oder nach unten verschoben und verfremden so die Gesamtharmonie.

Der erste Satz findet  ohne Tänzer statt und endet mit einem Klaviersolo. Die Musiker verlassen die Bühne und die 6 Tänzer übernehmen, d.h. sie stehen erstmals (gefühlt)  nur einfach da.  Nach ein paar Minuten hat sich ihre Position aber doch verändert und dann beginnen sie einer nach dem anderen ihre Bewegungsabläufe. Es beginnt ein unruhiges und nervöses Herumirren, eine Suche, ein Kreisen, irgendetwas das wohl von einem anderen Stern kommen soll? Zeit oder besser gesagt das Vergehen und das Ausweiten dieser, spielt eine zentrale Rolle und eine Art Vortänzer oder Tonangeber schreit in unregelmäßigen Abständen Zahlen. Die nun sieben Tänzer bewegen sich ohne Töne, bis dann nach und nach die Musiker wieder hereinkommen und mit dem zweiten Satz beginnen, dieser ist sehr klavierlastig und endet aggressiv, in dem der letzte Tänzer den Pianisten vom Hocker stößt.

Im dritten Satz sind schließlich Musiker und Tänzer gleichzeitig aktiv und vereinen sich immer mehr zu einer schrägen Harmonie. Ein gefühlt (sicher bewusst) unorganisiertes und zum Himmel betendes perfektes Herumgerenne setzt ein. Manchmal tauchen die tanzenden Bilder von Matisse flüchtig auf, aber die unsichere Suche – jeder auf seine Art – nach dem Ausweg oder dem Schild „Exit“  aus diesem Strudel geht weiter. Immer wenn die Musik stoppt, müssen auch die Tänzer abrupt innehalten und in der Position verbleiben, die sie gerade eingenommen hatten. Und so wie es scheint, haben sie es am Ende auch gefunden. Die komplette Aufführung dauert 65 Minuten – 30 davon ohne Musik. Ein wenig zu lange!

Griseys interessante spektrale Musik wurde von den wirklich hervorragenden Instrumentalisten Jean-Luc Plouvier (Klavier); Chryssi Dimitriou (Flöte); Dirk Descheemaeker (Klarinette); Igor Semenoff (Violine); Jeroen Robbrecht (Viola); Geert De Bièvre Disegno (Cello) des Ensemble Ictus vorgetragen. Die musikalische Leitung hatte Georges-Elie Octors.

1960 ist Anne Teresa De Keersmaeker in Mechelen (Belgien) geboren und gehört schon seit den 90erJahren zu den bedeutungsvollsten und innovativsten Choreografinnen. Sie nimmt sich  immer wieder der zeitgenössischen Musik an. Bei Maurice Béjart in Brüssel und in New York hat sie studiert und 1983 ihre eigene Kompanie „Rosas“ gegründet. Die ausgezeichneten Tänzer  in Rom waren Boštjan Antoncic, Carlos Garbin, Marie Goudot, Cynthia Loemij, Julien Monty, Michaël Pomero, Igor Shyshko.

Die Uraufführung von Vortex Temporum fand 2013 bei der Ruhrtriennale stand.

Am 4. Oktober ist Keersmaekers mit „Verklärte Nacht“ nochmal dabei.

plakat-Keersmaekers

Christa Blenk

 

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Terra e Motus

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Nando Citarella und seine Gruppe « I Tamburi del Vesuvio » im Auditorium Paco della Musica am 21.02.2015

Die meisten Mitglieder seiner großen Musik-Familie gehören  sicher schon seit 1994, seit der Gründung seines Ensembles, mit dazu. Jedenfalls vermitteln sie den Eindruck, dass sie Ihr Leben und Ihre Kunst miteinander verbringen.

1959 ist Nando Citarella in der Provinz von Salerno geboren, in Kampanien, und dort beginnt auch die Reise, auf die er uns einlädt, ihn zu begleiten. Es geht von Neapel  durch Kampanien, Kalabrien, Sizilien, Italien und Sardinien, über das Meer nach Afrika und in die ganze Welt – vielleicht sogar ins Universum! Er hat keine Berührungsängste die unterschiedlichsten Rhythmen und Klänge zu fusionieren und: sie passen immer zusammen.

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Antike Lieder und neue Einflüsse gehen ineinander über. Der Sound der südafrikanischen Djembe passt genau so gut zum Klang eines Dudelsackes wie die Geige zum Klavier. Die Tänzerinnen (wunderbar und beeindruckend Anna Cirigliano) wurden vom Klang der Instrumente und vom Rhythmus getrieben und wenn es nicht so perfekt gewesen wären, hätte man es als pure Improvisation ansehen können, so frei und gelöst und glücklich schienen sie.

Neapel, Kalabrien und Sizilien haben eine italienisch-französisch-spanisch-arabische Vergangenheit  (nicht nur musikalisch gesehen) und dementsprechend ist die Volksmusik in Süditalien geprägt. Sehr beeinflusst vom spanischen Flamenco, der gewisse arabische Wurzeln nicht verleugnen kann, von der Musik aus der „Neuen Welt“ wie Brasilien,  Kuba oder Indien und natürlich von den genialen afrikanischen Trommeln. In diese religiös-pagane und rituelle Mittelmeerraum-Welt schleicht sich noch die Musik der Renaissance ein und wenn dieser explosive und rauschende Cocktail dann um den Vesuv herum mit seinen beunruhigenden Eruptionsgeräuschen und Pulsationen gemischt wird, reicht das Wort Enthusiasmus nicht mehr aus um zu beschreiben, was gestern Abend im Auditoirum Parco della Musica veranstaltet wurde.

Diese Großfamilie, mit Nando Citarella als Motor, ist auf der permanenten Suche nach neuen und alten Musik-Tendenzen und Rhythmen, sammelt und saugt  Melodien auf und verbindet diese mit modernen Klängen und Experimenten. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, die populäre Musik zu erhalten, zu erneuern und zu verbreiten. Gestern Abend jedenfalls mit einem riesigen Erfolg. Trommeln und Perkussion in allen Varianten, ein Dudelsack, eine Laute, eine Maultrommel, klassische Instrumente, Sänger und Tänzer und ein Zeremonienmeister, der eine sehr eigenwillige Art zu dirigieren hatte.  Dabei sah alles so leicht aus und aus diesem Grunde hat das Publikum auch ohne Probleme mitgespielt (ich bin aber sicher, dass die meisten der Anwesenden aus Süditalien kamen und diese Tänze schon einmal selber getanzt oder wenigstens gesehen hatten).  Irgendwann hat sich das Publikum nicht mehr halten können und hat ebenfalls angefangen zu tanzen. Es war unglaublich  natürlich und so sympathisch!

Gestern  mit von der Partie waren: Nando Citarella – Gabriella Aiello – Valerio Perla – Carlo »Olaf »Cossu, Pietro Cernuto – Claudio Monteleoni – Pietro Pisano, Raffaella Coppola – Nathalie Leclerc als Sänger und Tänzer und außerdem  Badù ‘Ndiaje – Massimo Carrano, Giovanni Imparato, Arnaldo Vacca, Umberto Vitiello, Valerio Perla, Raniero Bassano, Andrea Caroselli, Ernesto ‘o duttore,  Roberto Giummarra, Gabriele Gagliarini, Simone Pulvano, U Papadia, Micaela Bernardini, Paolo Modugno, Maurizio Trippitelli, Les Cymbaluse und viele mehr.

Der Musiker, Schauspieler und Fachmann für traditionelle und populäre Musik  Nando Citarella hat u.a. auch bei Linsday Kemp und Dario Fo gelernt und mit ihnen zusammen gearbeitet.  Aber was er hat, kann man nicht lernen – so wird man geboren!

Fast drei Stunden Rhythmus, Energie und Lebensfreunde. Zum Schluss artete das Ganze in ein Gemeinschaftsprodukt mit dem tobenden Publikum aus! Wir haben uns selten so amüsiert.

P1210667 das Publikum tanzt mit

Christa Blenk

 

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