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Blog Highlights 2016 : Musik und Kunst im Rückblick

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Labyrinthe, Geburtstage, unheimliche Träume und Alpträume, eine Kirche in der Toscana, eine bretonische Insel, ein Atlantis in der Nordsee, eine Rhein-Reise, schräge Musik und andere, Tim Burton und Torten, Theater unterm Dach und Off Off, mexikanische Totentänze und römische Geschichte, zwar nicht postfaktische aber postidentische Zustände, ein Elch-Blues und ein Umzug …… und um noch viel mehr geht es in den Highlights 2016!

Aber sehen Sie selber.

 

Enzo Fililetti Mit einem außergewöhnlichen Konzert zum 111. Geburtstag von Giacinto Scelsi hat der Januar das neue Jahr eingeleitet. Das wunderbare kammermusikalische Hauskonzert in Anwesenheit der vier zeitgenössischen italienischen Komponisten, Giorgio Nottoli, Mauro Cardi, Giuseppe Silvi  und Michelangelo Lupone  fand in der  Scelsi Villa in Rom statt. Wir sind eher durch einen glücklichen Zufall darauf aufmerksam geworden. Der Saxophonist Enzo Filippetti (Foto) spielte u.a. Werke von Scelsi, aber auch von anderen zeitgenössischen Italienern. Was für ein Abend!

helenaerklärt Zerebrale Geoden, Pentagramme, Labyrinthe und primordiale Fruchtbarkeitssymbole stellte Helena Aikin im  Januar 2016 im Museum für populäre Kunst im Madrider Altstadtviertel La Latina in einer ehemaligen Corrala (dort wo vor 100 Jahren die Zarzuelas aufgeführt wurden) aus. Die Sammlung dieser faszinierenden Labyrinthe, die sie in den letzten Jahren gesammelt, konzipiert und nachgebaut hat wurde übrigens  später  im Jahr – ebenfalls mit großem Erfolg -  in der UNO in Genf gezeigt.

Abgesehen davon, dass sich Madrid schon deswegen lohnt weil dort die Künstler Cesar Borja, Gerardo Aparicio und Guillermo Lledo wohnen und es immer ein Vergnügen ist, ihre letzten Areiten zu entdecken, war er Ausflug in der Welt der Labyrinthe sehr spannend. Die Königin der Radierungen, Natividad Gutierrez, ist leider dieses Jahr verstorben. In Natis Werken vereinen sich auf der einen Seite die Vegetation ihrer Heimat, der Karibik, sowie ein Licht, das es nur in Madrid gibt.

In der Serie My Virtual Gallery gibt es außerdem Kurzportraits von vielen anderen Künstlern.

IngresEin Besuch im Prado darf natürlich bei einem Madrid-Aufenthalt nicht fehlen. Dort fand gerade eine sehr umfangreiche und sehenswerte Ausstellung von Ingres Gemälden statt.. Gegenüber auf der Madrider Museumsmeile, im Thyssen Museum, gab es eine umfangreiche Expo mit Gemälden von  Munch zu sehen.

P1280537Emma Dante, die wir im letzten Jahr mit Henzes Kurzoper Gisela in Palermo erlebt haben,  inszenierte eine Cenerentola und wie immer bei ihr ist man vollkommen perplex und überrascht. Diesmal waren die Kleider der Darsteller  mit kleinen Sahneschnittchen zu verwechseln.  Die Oper Rom hat Rossini aber noch ein zweites Mal  gehuldigt mit  einem sehr gewöhnungsbedürftigen Barbier von Sevilla in Form von Grusel-Ideen à la Tim Burton. Ausgezeichnete Sänger und viel Applaus. Vor 200 Jahren wurde Rossinis Barbier im Teatro Argentina in Rom uraufgeführt.

Die Oper Bonn hingegen glänzte mit einer witzigen Cosi fan tutte.

Traviata-Dorothée Lorthiois Auch mit großer Oper beschäftigte sich das französische Ensemble Opera Coté Choer in Paris. La Traviata, mutig und ganz anders. Brechend voll der Espace Pierre Cardin und es gab viele Vorhänge. Die Übersetzung von Jean-Noel Pettit folgt hier: La Traviata (version française).

 P1280710 Auch in Paris gab es eine Mammutausstellung von Anselm Kiefer im Centre Pompidou. Allein schon wegen dieser Schau hätte sich die Reise nach Paris gelohnt. Einfach großartig! Kiefer ist ein großartiger und einzigartiger Künstler, der immer ein wenig weiter geht als die anderen!

Ostia teatro Beeinflusst von Jean Cocteaus Antigone (so gesehen die Fortsetzung der Geschichte nach dem Ende von Ödipus), befasste sich der  große Igor Strawinsky zehn Jahre nach dem Sacre du Printemps-Skandal ebenfalls mit der griechischen Tragödie und arbeitete ab 1925 am Oedipus Rex.  Arien, Duette und Choreinlagen wechseln sich ab. Die Texte sind in Latein und die erklärenden Passagen wurden von einem Sprecher vorgetragen.

goethe-josefstiehler1828 Die Italienreise von Goethe ist vor 200 Jahren zum ersten Mal veröffentlicht worden (30 Jahre nach seiner Reise!). Die Casa di Goethe hat aus diesem Anlass eine Veranstaltung der Serie Incontri romani dem Geheimrat vom Corso gewidmet. Mario Fortunato und Jan Koneffke haben dazu aus ihren Geschichten über und für Goethe vorgelegen.  Unter diesem Motto haben noch viele andere interessante Abende dort stattgefunden.

Mit Rom und Italien beschäftigt sich auch die  Künstlerin Schirin Fatami. Sie lebt in Rom und in Hannover und man sieht es ihren Arbeiten an, wo sie entstanden sind.

image001 Der kolumbianische Maler Botero ist sehr bekannt aber längst  nicht Jedermanns Sache – auch meine nicht! Vor ein paar Jahren hat er sich nun den Kreuzweg Christi vorgenommen. Dieser war im Frühjahr im Palazzo delle Esposizione in Rom zu sehen. Botero via crucis

Paula Modersohn-Becker wurde im Frühjahr im Pariser Museum für Moderne Kunst gezeigt. Die ausgezeichnete Schau mit über 120 Bildern und Zeichnungen dokumentiert acht oder neun sehr intensive Jahre auf einem (vorzeitigen und rasenden) Weg in die Moderne. Die Briefe aus Paris an die Familie, an Ottos Eltern oder an ihren Mann Otto Modersohn, sind eine einzige Liebeserklärung an Paris.

P1300056 Einen Geburtstagswalzer, einen Tango und noch mehr gab es im österreichischen Kulturinstitut in Rom, welches schon einmal Hans-Werner Henzes 90. Geburtstag am 1. Juli vorfeierte. Das  Cimarrón Ensemble Duo , Christina Schorn und Ivan Mancinelli,  interpretierten u.a. Werke von Hans-Werner Henze (1926-2012), Luca Lombardi  (*1945) und Astor Piazzola (1921-1992).  Miriam Meghnagi hat im selben Kulturinstitut ein paar Wochen später  sehr bewegende Lieder aus Theresienstadt vorgetragen.

La sete di Christo
La sete di Christo ist eine CD des römischen Ensemble Concerto Romano und hat  Anfang Februar 2016 den klassischen Musikmarkt erneut um ein vor-barockes und seltenes Schmankerl bereicherte. Außerdem gab es später im Jahr eine glanzvolle Aufführung von Stradellas San Giovanni Battista, eine wunderbare barocke Preziose, die Stradella selbst wohl als sein bestes Werk bezeichnete. Kein Wunder also, dass Händel und die späteren Zeitgenossen stark beeindruckt waren und in diesem Stil weiter machten. Aber auch das Luther Reformationsjubiläum haben sie sich zum Thema gemacht und eine interessante CD herausgebracht. Klang der ewigen Stadt zu Luthers Zeiten.

Giovanni Battista Pergolesis (1710-1736) Stabat Mater gehört sicher zu den meist gespielten Kirchenmusikstücken überhaupt. Viele große Stars und Musikensembles haben es gesungen und gespielt und die Erwartungshaltung des Publikums ist dementsprechend groß. Concerto Italiano hat es im März aufgeführt und es gab keine Enttäuschung!

Symbolismus Anfang März hat es in Mailand zwei Tage ohne Unterbrechung geregnet und wir haben viel Zeit in Museen verbracht. Mit dabei natürlich das letzte Abendmahl (Cenacolo) und die Pieta Rondanini sowie eine  umfangreiche Ausstellung über den Symbolismus. Für die Ausstellung Alphonse Mucha war die Schlange zu lang, diese konnten wir aber ein paar Wochen später in Rom sehen.

Im April hat der große Pappano Tschaikowskys Fünfte und Strawinskys Psalmensymphonie im Auditorium dirigiert; sowie eine überarbeitete Fassung von Riccardo Panfilis l’Aurora probabilmente. Panfili hat dieses kurze, aber sehr heftige und aufregende Opus posthum dem großen deutschen Komponisten Hans-Werner Henze (1926-2012) gewidmet.

P1300463 Paola Romoli Venturi ist eine außergewöhnliche römische Künstlerin. Ihre happenings haben wir nie verpasst! Im April in Trastevere hat sie ihre neuesten Arbeiten präsentiert. Ad pineam - Licht und Wind kamen wie bestellt und ließen ihre zarten Tücher tanzen. Auch auf eine weitere Veranstaltung mit ihr und weiteren italienischen Künstlern möchte ich gerne hinweisen.  TraNsfusioni#4 (das ist die italienische Version)

P1300712 Der grüne Traum ist ein deutsch-italienisches Wanderprojekt, an dem sich Künstler, Musiker und Dichter beteiligen. Dieses Jahr waren das u.a. Silvia Stucky, Beate von Essen, Lello Torchia, Maria Semmer  und  viele andere  die in der bezaubernden Villa Gregoriana bei Tivoli ihre Arbeiten zwischen Ruinen und Vegetation installierten, die man bei einem Spaziergang durch den Park entdecken konnte.

Mit Natur befasste sich auch eine Ausstellung im Archäologischen Museum in Neapel. Mito e Natura behandelte Mensch und Natur anhand von umwerfenden Fresken von Lustgärten oder Episoden aus der griechischen Mythologie.

P1320594 Ein anderer Entdeckungspaziergang führte uns zum Lungotevere, wo sich William Kentrich mit seinen Mammutfresken  “Triumphs and Laments” verewigte.  In sechs Monaten hat der südafrikanische Künstler und Theatermann William Kentridge auf über 500 Meter am Tiberufer zwischen Ponte Sisto und Ponte Mazzini (Piazza Tevere) die Geschichte Roms in 80 übergroßen Figuren wild durch die Jahrhunderte portraitiert. Später, im Sommer in Berlin, gab es passend dazu die Ausstellung No it is im Gropius Bau.

Mit dem Rhein hat sich sich eine Ausstellung in Bonn beschäftigt. Eine europäische Flußbiografie hat die Bundeskunsthalle aufgezeichnet und der Besucher  reist von der Quelle bis zur Nordseemündung dieses stolzes Stromes.

fff Das Fast Fortward Festival fand dieses Jahr zum ersten Mal statt. Zeitgenössische Musik wurde hier zwei Wochen lang aufs intensivste aufgeführt und präsentiert – in allen bedeutenden Theatern Roms. Eröffnet wurde es mit Heiner Goebbels Schwarz auf Weiß  das  er vor über 20 Jahren für und mit dem Ensemble Modern konzipierte. Deshalb kann es auch nur von diesem Orchester aufgeführt werden.  Bis jetzt kam es ca. 100 Mal zur Aufführung u.a. in Berlin, Brüssel. Dresden, Paris, Sevilla, Luzern, Taipeh, Moskau, Wien, Prag, München und Salzburg und fast alle Beteiligten sind schon seit der Uraufführung 1996 im Frankfurter Bockenheimer Depot mit dabei. Es ist Nacht und die Sieben sitzen in einem hohen Saale in der Stadt Ptolemais. Es wird zwar nicht extra erwähnt, aber wir wissen es trotzdem: sie können nicht entkommen, sie sind isoliert. Einer von ihnen, der junge Zoilus, ist schon tot.

Proserpina von Wolfgang Rihms war ebenfalls Teil dieses Festivals. Rihm kam extra dafür nach Rom und begleitete diesen großartigen Ausklang des ersten aber schon recht erfolgreichen Festivals. Hoffentlich wird es weitergehen.

P1320737 Die Stipendiatin der Casa Baldi in Olevano Romano, Antonia Low, präsentierte im Frühjahr im Palazzo Altemps in Rom ihre Installation « Status of Lost Imagery ». Hierbei ging es um die Bombardierung des Palmyra-Museum. Low hat ein Zeitungsfoto von der Verwüstung des archäologischen Museums vergrößert und dieses gepixelte Bild auf Stoff gedruckt.  Mit Schutzschuhen durfte  man die Ruinen betreten, das heisst sich über und in  ihnen bewegen. Spannende Ruinenbegehung!

Isabella Ambrosini hat mit dem Orchestra Roma Tre im Mai die  Cavalleria Rusticana im Palladium aufgeführt. Dieser Artikel ist in italienischer Sprache. 

P1000187 Dido und Aeneas in Montepulciano  war eines der großen Ereignisse oder vielleicht sogar das Hauptereignis dieses Jahr beim Cantiere in Montepulciano. Regie führte  Michael Kerstan. Mit wenig Mitteln und ausgezeichneten Solisten, unterstützt von einem perfekten Chor und dem diskreten Modus Ensemble Roma unter Mauro Marchetti, haben die Protagonisten das Publikum im Tempio di San Biagio – der übrigens auf einen Bauplan von Bramante zurückgeht und ein perfektes Beispiel einer römischen Basilika ist – regelrecht verzaubert.

Und dann hieß es:

Addio Roma (hinter den links verbergen sich drei Rom-Spaziergänge)

mauer in Rombernini-vierstromebrunnen11201171_448806971964877_8353486730606813120_n

und Hallo Berlin

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Hier hat  uns nicht nur italienische Sonne empfangen sondern auch eine  Velazquez Ausstellung!

 

csm_42_ESDO_Katalog_b88a2f60afEl Siglo de Oro. Die Ära Velázquez – Dunkel und furchterregend ist sie, die Malerei dieses Goldenen Zeitalters in dem herrschsüchtigen, strengen und selbstsicheren Spanien, wo es nicht viel zu lachen gab. Die Protagonisten auf den Bildern dieses kulturell so starken Jahrhunderts strahlen keine Freude oder Leichtigkeit aus. Direkt aus dem Manierismus herausgerissen, überbetont, streng ist sie noch lauernd vorhanden, la Santa Inquisición(die heilige Inquisition).

blick in den GartenDer August hat sich von seiner besten Seite gezeigt und das Einleben in Berlin recht leicht gemacht. Ein  Ausflug an den Wannsee, wo sich der Maler Liebermann einen Sommersitz errichtet hatte, war gerade richtig: Max Liebermann (1847-1935) gehört zu den wichtigsten deutschen Wegbereitern der Moderne. Von Anfang an hat er gegen die Akademiker gekämpft und mit der Gründung der Berliner Secession, bei der er eine wichtige Rolle gespielt hat, die Hauptstadt in den künsterlischen und kulturellen Vordergrund gerückt – er selber ist dann aber irgendwo auch zwischen Biergärten und Portraits stecken geblieben. Geboren im Zentrum von Berlin wo heute das Liebermann-Haus steht (in dem eine Ausstellung über Harry Graf Kessler zu sehen war) hat er sich 1909 ein Sommerhaus am Wannsee bauen lassen. Sein „Schloss am See“, wie er es nannte. Mit Anfang 60 hat er sich gerne hierher in die Ruhe zurück gezogen und über 200 Gemälde sind dort entstanden. Ab 1914 bis zu seinem einsamen Tod 1935 verbrachte er viele Monate dort. Von den Nationalsozialisten verfemt, zwangen diese seine Witwe Martha 1940 zum Verkauf des Hauses. Sie entzog sich 1943 durch Selbstmord einer Deportation. Nach dem Krieg allerdings ging das Haus an die Erben zurück, die es an die Stadt Berlin verkauften.

P1000285Emil Nolde – Der Maler  – Aufdringliche Farben und Nordlicht. Emil Nolde (1867 – 1956) malte mit den Fingern und Händen, ein Pinsel reichte nicht, um diese grelle Leidenschaft auf die Leinwand zu bringen. Ein krasser Gegensatz zu der weiten und unendlichen nicht immer farbigen Welt an der Frieslandküste. Naturgewalt, Einsamkeit, Legenden und gruselige, übertriebene Bauern- und Seemanns-Geschichten, die man sich nach Sonnenuntergang mit Gänsehaut zu erzählen pflegte, hat Nolde auf die Leinwand gebracht und uns ins Gesicht geschleudert.

P1000585 Wolfgang Rihm hatten wir ja beim FFF in Rom mit Proserpina gehört und erlebt. Da war es natürlich klar, dass wir uns Tutuguri nicht entgehen lassen würden. Das Berliner Musikfest wurde damit eröffnet.  Alles muss haargenau in eine tobende Ordnung gebracht werden (Antonin Artaud 1947) . Französischer Surrealist trifft auf mexikanische Totentänze und Rihm macht die Musik dazu. Das klang gut und verheißungsvoll: aber es ist noch viel viel mehr! Es ist ein Erdbeben, ein musikalischer Horror-Tsunami, ein götterdämmernder Phönix-Weltuntergang!

P1010069 Die Kantorin der Kirche zur frohen Botschaft in Berlin-Karlshorst, Beate Kruppke, dachte sich zum 150. Geburstag von Eric Satie und zum 25. Todestag von Olivier Messiaen etwas ganz besonderes aus. Sie stellte ein ungewöhnliches Orgelprogramm zur Ehren der französischen Freigeister und  zur Aufführung auf der Amalienorgel in Karlshorst zusammen. Der Dritte im Bunde war ein weiterer Franzose, der Komponist César Franck (1822-1890).

postidentischeslebenGroßartig der erste Besuch in der Neuköllner Oper . EINE SPEKULATION ÜBER DIE FREIHEIT. Welcome to the office for postidentical living - Shape – edit – customize: Der Erfolgreiche muss sich optimieren, sich abgrenzen, besser sein, fit sein, digital sein, angepasst-unangepasst sein, seine personelle Identität pflegen und diese ausbauen, um vielleicht in einer kollektiven Identität heimlich Unterschlupf zu finden. Unsere Identität unterscheidet uns von den anderen, macht uns einmalig. Aber wozu brauchen wir das? Was brauchen wir überhaupt? Wissen wir was wir wollen? Stylen, shapen, bloggen, sich selfen, bewundert werden. Wie anstrengend, diese permanente Überforderung dem uns gebotenen information overflow gerecht zu werden: Nur wer das alles nicht (mit)machen muss, kann frei sein.

P1000693Das Büro für postidentisches Leben hat also die Antworten und Lösungen. Aber KAP HOORN, eine witzige Aufführung im Theaterdiscounter, vermittelt den  Jahrmarkt der Wünsche und Träume .  Aber was hat Napoleon mit Aschenputtel zu tun? Sehen Sie selber!

Ausstellungsplakat Der Golem, diese berühmteste Legendenfigur der Kabbala, ist ein seelenloses Wesen aus Lehm oder Sand. Er wird durch Rituale oder geheime Buchstabenkombinationen von einem Menschen zum Leben erweckt und ist mit übermenschlicher Kraft ausgestattet. Das Jüdische Museum hat ihm eine sehr interessante Ausstellung gewidmet.

P1010005Die Stadt Weimar war 1999 Europäische Kulturhauptstadt. Das war für den derzeitigen Chef des Berliner Staatsballetts, Nacho Duato, die Gelegenheit, Johann Sebastian Bach zu huldigen. Mit Vielfältigkeit. Formen von Stille und Leere hat er auf ganz besondere Weise Person und Werk dieses einzigartigen Komponisten gewürdigt. Er hat Bach auf die Bühne und ins Zentrum des Geschehens geholt.

P1000911 Siegfried Lenz ist 1926 als  Sohn eines Zollbeamten in Ostpreußen geboren. Mit 42 Jahren hat er seinen wichtigsten und einen der bedeutendsten deutschen Nachkriegsromane, Deutschstunde, veröffentlicht. Bei Deutschstunde geht es um Pflicht, Schuld, Macht, Freundschaft und Verlust und um das Nichtentkommen der Geschichte. Das Ensemble hat es aufgeführt. Aber auch die traditionelle Peymannsche Mutter Courage und ihre Kinder hat uns sehr gut gefallen.

Mauer-cmb-klein Traum, Nacht, Alptraum – Ian Bostridge erzählt von  Kriegen, Nachteulen und Meeresungeheuern. Mit Träumen, Natur und Illusionen hat sich in diesem Jahr auch die österreichische Künstlerin Christa Linossi beschäftigt.

100 Stuehle (1)Am 1. November 2016 feiert der Hamburger Bahnhof seinen 20. Geburtstag. Er entstand als  weiteres Haus der Nationalgalerie und dort werden während der Umbauarbeiten der Neuen Nationalgalerie abwechselnd Werke des deutschen Expressionismus – wie zurzeit Ernst Ludwig Kirchner HIEROGLYPHEN  – gezeigt.   Eine der besten Ausstellungen überhaupt mit Arbeiten von Carl André war 2016 im Hamburger Bahnhof zu sehen. Aber auch das Thema Kapital hat das Museum beschäftigt. Hier der Bericht.
AusstellungsplakatUnheimlich war der Titel der Ausstellung im Kunstmuseum in Bonn, die zur Zeit noch in Bonn zu sehen ist (bis Januar 2017). Unheimlich bedeutet schauerlich, gruselig oder furchterregend. Der Titel ist deshalb nicht sehr aussagekräftig, denn hier geht es auch viel um Angst und Einsamkeit, um Unwohlsein, um Hinweise auf Gewalt, versteckte und offensichtliche und um Traum und Wirklichkeit. Kein Entkommen, Dinge, Totenhaus, Alpträume, Einsamkeit, die Anderen,  Verschwinden, Tatorte sind die Schlagwörter und in diese ist die Ausstellung unterteilt.

P1040281 Bei der Geisterbraut ging es auch unheimlich zu. Diese  opernhafte und selten aufgeführte spätromantisch-wagnerianische Ballade von Antonín Dvořák (1841-1904) wurde  aus Anlass des 175. Geburtstags  dieses böhmischen Komponisten von der Berliner Singakademie und dem Konzerthausorchester unter Achim Zimmermann im Konzerthaus in Berlin aufgeführt. Isabelle Faust hat mit Werken von Luigi Nono  in der Philharmonie ebenfalls bella figura gemacht.

P1010413Der Britische Blick: Deutschland – Erinnerungen einer Nation. Mit dem Deutschlandbild der Briten hat sich diese Ausstellung beschäftigt, die auch uns so einiges über uns beigebracht hat. Deutschland? Aber wo liegt es? Ich weiß das Land nicht zu finden(Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller, Xenien, 1796)

maulwerk Maulwerker -  Lautdichtungen und Sprechduette hat sich in einer Veranstaltung organisiert durch KONTRAKLANG im Heimathafen präsentiert. Gerhard Rühm, der bei der gestrigen Performance im Heimathafen Neukölln persönlich anwesend war, ist einer der bedeutendsten Künstler, ein Tausendsassa oder Wunderwurzi wie die Österreicher sagen. Er ist Schriftsteller, Lyriker, Schauspieler, Komponist, Performancekünstler, Maler und Poet. Er Gedichte oder Lautdichtungen aus seinem Repertoire vorgetragen – allein und Sprechduette er mit seiner Frau, der Musikpublizistin Monika Lichtenfeld. Dass er 86 Jahre alt ist würde man nicht vermuten. Temperamentvoll und witzig, ein einfallsreicher Sprachkünstler und Grenzgänger zwischen Noten, Buchstaben und Sprachexperimenten.   Kontraklang hab ein paar Wochen später das anstrengende aber sehr interessante Konzerthappening « Nach Kagel » - auch wieder im Heimathafen Neukölln organisiert. Und hier ging es um Sprechmusik, Peinlichkeit, Heilkräuter und um einen heiseren Wanderer! Lesen Sie selber!

P1010457Terpsichore, Liebesgötter und kalte Schönheiten. Der italienische neoklassizistische Künstler Antonio Canova (1757-1822) zählt zusammen mit dem Dänen Thorvaldsen zu den bedeutendsten Bildhauern seiner Zeit. Das Bode-Museum hat ihm diese Ausstellung über den Tanz ausgerichtet – mit dem schönen Titel:  Canova und der Tanz!

P1010502 Il Triunfo dem Tempo e del disinganno von Georg-Friedrich Händel zählt schon seit langem zu meinen Lieblings-Händel-Kompositionen. In diesem Stück hat er sich auch eine Rolle gegeben und deshalb wird er zur Sonata im ersten Teil er als anmutiger Jüngling an der Orgel (Thomas Guggeis) begleitet von Corelli an der Geige (Wolfram Brandl) ins Restaurant geschoben. Wunderbare Aufführung im Schillertheater! Viel Applaus für alle aber vor allem für das Vergnügen!

P1010637 Reden ist nicht immer die Lösung - meint Omer Fast in seiner im Rahmen des Programms „Immersion. Analoge Künste im digitalen Zeitalter“ im Martin-Gropius Bau organisierten Ausstellung, bei der sieben Filmprojekte von ihm gezeigt wurden. Der israelisch-amerikanische Videokünstler verarbeitet in seinen Projekten Krieg, Gewalt, Sex, Erziehung und Zusammenleben.  Und hier erwähnte ich Clemens von  Wedemeyer ; der  so ähnliche Geschichten in Hamburg erzählte.

P1010662 Die Europäische Akademie für Musik und Darstellende Kunst Palazzo Ricci ist ein bedeutendes deutsches Kulturprojekt in Italien, das sich vor allem der Musik widmet.  Seit dem Jahre 2000 sitzt die Hochschule für Musik und Tanz Köln in diesem Palast, der nach umfangreichen Renovierungsarbeiten im Jahre 2001 als Europäische Akademie wieder eröffnet wurde. Und damit sind wir auch schon beim Anlass des gestrigen Abends: das 15-jährige Jubiläum. Die Akademie feierte ihren Geburtstag mit einem Konzert, das  mit einem ganz besonders sorgfältig ausgesuchten Programm am Gendarmenmarkt im Berliner Konzerthaus bestach.

P1010682 Good Bait (guter Köder) ist das aktuelle und neuestes Standard-Programm der Quartett-Jazzband die den Beinamen … die flexible Einsatztruppe  bestehend aus dem Saxophonisten und Gründer der Truppe Markus Ehrlich, dem gerade aus New York zurückgekehrten Pianisten Johannes von Ballestrem, dem Bassisten Tom Berkmann und dem Schlagzeuger Philipp Schaeper. Dann haben wir noch den Piano Salon Christophori entdeckt – hier kann man alles hören – meist klassisch, aber es steht durchaus auch mal dann und wann ein Jazzabend an. Im Jazzclub Zig Zag in Berlin ist die Gruppe Subtone aufgetreten, die vor allem eigene Kompositionen gespielt haben. Schöner Club!   Der bekannte schwedische Posaunist und Sänger  Nils Landgren, alias Mr Redhorn, trifft beim diesjährigen Young Euro Classic Festival auf das junge Ensemble Olivinn, das die türkische Komponistin und Pianistin gegründet hat. Hier wurde Jazz mit Klassik verbunden und formell in einem Konzerthaus aufgeführt. 

P1010522 Die Stadt“ hat Theodor Storm sie ganz schlicht genannt. Zu seiner Zeit hat er wohl auch noch  durch die Stille las Meer brausen gehört. Das ist jetzt nicht mehr so, aber die Möwen, die Luft, das Salz darin, das Ebbe und Flut Spiel, das den Hafen hebt und senkt, ist immer noch so.   Jan Christophersen hat über diese so ganze andere Welt den Roman « Schneetage » geschrieben. Hier die Rezension!

Eine andere ganz besondere Reise ging in die Bretagne. Fünfzehn Kilometer vom Festland entfernt liegt sie, eine der größeren bretonischen Atlantikinseln: Belle-Île-en-Mer. 45 Minuten dauert die Überfahrt mit der Fähre von Quiberon nach Le Palais, der Hauptstadt von Belle-Île mit ungefähr 2600 Einwohnern. Hier verbrachte die Schauspielerin Sarah Bernhardt viel Zeit zwischen Felsen, Wind und Einsamkeit.

George Grosz - Grauer Tag Die Neue Nationalgalerie ist noch immer wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Deshalb zeigen die anderen « Filialen » abwechselnd Werke aus dieser umwerfenden Sammlung der Kunst Anfang des 20. Jahrhunderts. Im Hamburger Bahnhof ist immer noch  Kirchner zu sehen und im Scharf-Gerstenberg Museum noch bis zum 23. April 2017 die Ausstellung « Surreale Sachlichkeit » Werke der 1920er- und 1930er Jahre aus der Nationalgalerie.

P1010830 Zarzuela ist spanisches Musiktheater vom Feinsten. Spitzbubenhafte Komödie, Folklore und populäre Romanzen verbunden mit spritziger Musik, opernähnlichen Arien, Temperament und guten Geschichten. Sie entstand im 19. Jahrhundert und wurde sowohl in Spanien als auch in Südamerika, vor allem in Argentinien, Mexiko aber auch in Kuba mit großem Publikumserfolg aufgeführt. In der Berliner Bibliothek des lateinamerikanischen Institut gegenüber der Gemäldegalerie wurde im Dezember eine Ausstellung über die Zarzuela eröffnet. Zur Eröffnung haben  zwei glänzende Interpreten Kostproben vorgetargen.

P1010868 Vor 500 Jahren, 1517, hat Martin Luther (1463-1546 in Eisleben), Mönch und Theologieprofessor  seine 95 Thesen zum Ablasswesen an die Schlosskirche zu Wittenberg genagelt. Dort, im Wittenberger Kloster, kam ihm auch die Erleuchtung. Sein Turmerlebnis sollte die Welt, nicht nur die gläubige, verändern und die Reformation auslösen.  Ein Jahr später ist er dann auch gleich nach Rom vorgeladen worden. Schon  1516 hatte Luther öffentlich gegen die Ablasspraxis gepredigt. Über Musik in der Zeit Luther in Rom hat Concerto Romano im letzten Jahr eine wunderbare CD herausgebraucht.

P1020013  Zauberwald, Pemplum und Kuschel-Riesenplüschtiere. Die Premiere dieser Inszenierung von August Everding mit einem Bühnenbild von Fred Berndt nach den herausragenden Entwürfen der grandiosen Sternenkuppel (die Tassen und Geschirrtücher ziert) oder den ersten Auftritt der Königin der Nacht auf der Mondsichel vom Berliner Architekten und Baumeister Karl Friedrich Schinkel für die Berliner Königlichen Schauspiele 1816 fand schon 1994 statt. Sie gehört heute zu den am meisten gespielten Zauberflöten in Berlin und sorgt jedes Jahr wieder für ein volles Haus.

P1020021 Kindl ist vor allem Biertrinkern ein Begriff. Die ehemalige Brauerei in Neukölln wurde vor ein paar Wochen als neues zeitgenössisches Kulturzentrum in Berlin eröffnet. Ein Besuch ist hier beschrieben. Zur Zeit sind zwei Künstler dort ausgestellt.

 

Ein frohes, glückliches, beschwingtes, kulturelles und gesundes Jahr 2017 wünsche ich allen blog Besucher/innen.

Christa Blenk

 

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Street Art in Berlin

 

 

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Lutherstadt Wittenberg

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Martin Luther (Auszug aus dem Cranach Gemälde Der Reformationsaltar – Predella) um 1548

 

 

Vor 500 Jahren, 1517, hat Martin Luther (1463-1546 in Eisleben), Mönch und Theologieprofessor  seine 95 Thesen zum Ablasswesen an die Schlosskirche zu Wittenberg genagelt. Dort, im Wittenberger Kloster, kam ihm auch die Erleuchtung. Sein Turnerlebnis sollte die Welt, nicht nur die gläubige, verändern und die Reformation auslösen.  Ein Jahr später ist er dann auch gleich nach Rom vorgeladen worden. Schon  1516 hatte Luther öffentlich gegen die Ablasspraxis gepredigt.

Im 16. Jahrhundert war die kleine Stadt Wittenberg, die seit 1938 offiziell Lutherstadt Wittenberg heißt, kulturelles, geistiges und politisches Zentrum. Martin Luther, Philipp Melanchthon, Lucas Cranach d.Ä. waren alle Drei nicht aus Wittenberg, sollten aber zum Ruhm dieser Stadt einen entscheidenden Beitrag leisten.

Im Jahre 1502 wurde auf Betreiben von Friedrich dem Weisen die Universität Wittenberg gebaut, die sich sehr schnell zum Anziehungspunkt für Künstler und Intellektuelle entwickelte. Cranach kam 1505 in die Stadt, Luther 1508. Angetrieben u.a. auch durch die Buchdruckerkunst  erlebte die Stadt einen schnellen wirtschaftlichen und intellektuellen Aufschwung. Luthers Thesenanschlag 1517 und die Konsequenzen daraus zogen noch mehr Gelehrte und Studenten an und die Universität wurde zu einer der fortschrittlichsten überhaupt.  1518 kam Philipp Melanchthon in die Stadt.  Das Rom der Protestanten wurde Wittenberg auch genannt.

Gemälde von beiden Cranach (dem Älteren und dem Jüngeren) oder aus deren Werkstatt hängen in der Stadtkirche St. Marien, im Lutherhaus oder im Melanchthon Haus. Fast alle bekannten Portraits von Luther oder Melanchthon hat Cranach d.Ä. gemalt.

 

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Reformationsaltar von Crananch d.Ä. um 1548

 

Die bedeutendsten Werke sind wohl in der Stadtkirche zu finden. Darunter Cranachs großes Reformations-Triptychon : Der Reformationsaltar. Es beschreibt auf dem linken Seitenflügel eine Taufe, die Melanchthon gerade ausführt und bei der ihm der Maler Cranach assistiert. Auf dem rechten Flügel nimmt  der Stadtpfarrer und Beichtvater von Luther,  Johannes Bugenhagen, ihm gerade die Beichte ab, zu seinen Füßen ein Büßender. Der Mittelteil  zeigt die Sakramente, Taufe, Beichte und Abendmahl. Luther sitzt als Junker Jörg mit am Tisch und bekommt gerade einen Becher Wein gereicht. Auch weitere Personen sind identifiziert wie der Lutherbibel Verleger und Drucker Lufft. Neben Christus links im Bild sieht man Judas in Gelb. Burg und Baum im Hintergrund. Der schönste und künstlerisch wichtigste Teil ist die Predella.  Man sieht rechts einen predigenden Luther  mit erhobener Hand. Er sieht jung aus, obwohl er bei Fertigstellung des Bildes schon nicht mehr lebte.

Man weiß nicht genau wann es entstand, wahrscheinlich um 1548; Luther ist 1546 verstorben.

Das Melanchthon Haus gehört ebenfalls zum UNESCO-Welterbe. Sein tägliches Leben ist dort zu sehen, sein Arbeitszimmer und die Unterkünfte für Studenten. Er lebte dort mit seiner Frau und seinen Kindern. Viele seiner Bücher liegen dort und wieder Portraits, die Cranach und Holbein gemalt haben.

 

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Melanchthon Haus
 

Lutherstadt Wittenberg muss sich nun allerdings beeilen, denn gerade jetzt ist das Lutherhaus wegen Renovierungsarbeiten  geschlossen.

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Schlosskirche (Thesen)

 

Christa Blenk

 

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Buchbesprechung – Schneetage

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Funde aus Rungholt im Husumer Museum

« Heut bin ich über Rungholt gefahren, die Stadt ging unter vor sechshundert Jahren ». Dieser Satz aus einer bekannten Ballade von Detlev von Liliencron beschränkt die erste „Große Mandränke“, die Sturmflut, die 1362 die Insel Rungholt verschluckte. Die Rungholter sollen geld- und raffgierig gewesen sein und die Legende sagt, dass sie damit wohl bestraft werden sollten. Wenn ein Volk geschäftstüchtig ist, dann hat es auch Schätze.

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Das „Atlantis“ im Wattenmeer und die Schneekatastrophe in Schleswig-Holstein 1978/79 sind die Eckpfeiler von Jan Christophersens Debüt-Roman „Schneetage“. Paul Tamm ist der Wirt vom Grenzkrug, ein Gasthaus an der deutsch-dänischen Grenze. Kurz vor Silvester wird er mit einem Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert. In der Geborgenheit von Pauls Büro, konfrontiert mit Angst und aufziehenden Schneestürmen läuft Jannis’ Erinnerungsfilm ab. In Zeitsprüngen erzählt er, Pauls Ziehsohn, die Geschichte der Familie, die auch seine ist. Er denkt an Pauls wortkarge Besessenheit von der versunkenen Insel Rungholt, an die geheimnisvollen Funde im Watt, an Sensationsjournalisten und an die mysteriöse Okarina-Flöte, mit der alles begann. Er beschreibt die abenteuerlichen Wattausflüge mit Paul, bei denen er die alte Gräfin auf einer einsamen Hallig kennenlernt und die Beziehung zu Pauls Frau, die immer mehr die Rolle der ewig unzufriedenen Nörglerin bekommt. Sie muss den Grenzkrug zusammenhalten aber Paul gibt zuviel Geld für seine Leidenschaft, die Watt-Mission, und für teure Fund-Analysen aus. Das Wirtschaftswunder geht trotz Dauergast, in der Person einer teetrinkenden Maler-Hommage an Siegfried Lenz, am Grenzkrug vorbei. Als Jannis Paul schließlich im Krankenhaus besucht, weiß er plötzlich, was er tun muss. Er kauft sich ein Ticket nach England, um seinen Vater zu suchen.

Stoisch und bodenständig die Personen, emphatisch und reich die Sprache. Der faszinierende Ebbe- und Flutzauber bringt den Leser zwar nicht zum Lachen, erweckt aber den Archäologen in uns und den Wunsch, im Watt zu buddeln, um wenigstens die Scherbe einer Kirchglocke oder einen Auerochsenschädel zu finden.

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Christa Blenk

 

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Husum und Rungholt

Husum

 

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Am Hafen (Fotos: (c) Christa Blenk)

„Die Stadt“ hat Theodor Storm sie ganz schlicht genannt. Zu seiner Zeit hat er wohl auch noch  durch die Stille las Meer brausen gehört. Das ist jetzt nicht mehr so, aber die Möwen, die Luft, das Salz darin, das Ebbe und Flut Spiel, das den Hafen hebt und senkt, ist immer noch so.

„Doch hängt mein ganzes Herz an dir, du graue Stadt am Meer“.  (T.Storm)

Grau ist sie auch nicht; die Innenstadt ist farbenfroh und freundlich.

 

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 die ältete Straße von Husum (Fotos: (c) Christa Blenk)

Skandinavien, Schleswig und Friesland vermischen sich hier. Husum bedeutet „zu den Häusern“. 1597 ist die Stadt in einer Sage  beschrieben worden, aber schon 1409 wurde der Name zum ersten Mal erwähnt und 1640, nur sechs Jahre nach der zweiten großen Sturmflut, der Buchardiflut, entstand die „Chronica der Stadt Husum“. Händler und Seefahrer waren sie, die Bewohner, Vieh, Getreide und Salz waren ihre wichtigsten Güter.

Als die bedeutende Händlerhochburg Rungholt 1362 von einer Sturmflut  vernichtet wurde, begann der Aufstieg von Husum. Schon im Jahre 1603 erhielt der Ort Stadtrechte und die Stadt wuchs. Ende des 18. Jahrhunderts wohnten hier knapp 3500 Personen, im Deutschen Kaiserreicht stieg die Einwohnerzahl auf knapp 10 000, im ersten Weltkrieg waren es um die 15 000 Einwohner und nach dem zweiten Weltkrieg, aufgrund von Flüchtlingen und Vertriebenen die aus dem Osten kamen, wuchs Husum auf 25 000; heute sind es wieder ein paar weniger.

 

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 Im Museum – mit dem Buchhändler und Verleger Detlev Auvermann (Fotos: (c) Christa Blenk)

 

Prominent und stolz steht er dort, der Sturmflut-Pfahl am Binnenhafen und dominiert die Stadt; die Bewohner zeugen ihm Respekt, denn er zeigt die Wasserstände nach den wuchtigsten Fluten an, die den Ort maßgeblich prägten und prägen. Über die zwei großen Sturmfluten berichtet gerade eine sehr gut gemachte und informative Ausstellung im Museum.

»Heut bin ich über Rungholt gefahren, die Stadt ging unter vor sechshundert Jahren…« Der Satz ist vom Dichter Detlev von Liliencron, der  in seiner Ballade von 1883„Trutz, blanker Hans“? die große, alles mit sich reißende Sturmflut von 1634, die Grote Mandränke, beschreibt. Sie hat die vor Husum gelegene Insel Nordstrand verwüstete.

Rungholt ist das sagenumwobene und geheimnisvolle Atlantis der Nordsee. Irgendwo zwischen Pellworm und Nordstrand soll es ganz tief begraben liegen mit vielen Kirchtürmen und Gütern von wohlhabenden Händlern. Die Ebbe bringt dann und wann wieder etwas an die Oberfläche. Nach der Sturmflut von 1362 konnten sich die nordfriesischen Inseln und Halligen wieder etwas erholen und den Handel einigermaßen etablieren; die Große Mandränke 1634 vernichtete allerdings komplett und definitiv den Ort und seit dem sind  Forscher und Dichter, Künstler und Abenteurer gleichsam fasziniert und besessen, Zeitzeugen oder Schätze ans Tageslicht zu holen oder gerade am richtigen Ort zu sein, wenn das Meer wieder etwas zurückgibt. Über die Flut von 1634 gibt es Schilderungen von Augenzeugen, während man von der im 14. Jahrhunderts so gut wie nichts weiß. Über 8000 Menschen sind umgekommen. Von Brunsbüttel bis Tondern tobte die Flut und irgendwo da draußen im Watt hat es gelegen…. Rungholt!“

 

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 Schloss vor Husum (Fotos: (c) Christa Blenk)

 

In der gut gemachten und didaktischen Ausstellung über den Mythos Rungholt werden zum ersten Mal wichtige Neufunde und Forschungsergebnisse vorgestellt, darunter das Modell eines Rungholter Schädels, hergestellt an der Flensburger Universität. Der Forscher Andreas Busch hat ihn 1925 im Watt gefunden. Man erfährt über den Deichbau und über das Torfstechen, die Salz- und Landgewinnung und den Küstenschutz. Die Wohnkultur auf den nordfriesischen Halligen wird erklärt und die Tierwelt im dortigen Wattenmeer dokumentiert. Über Hörstationen kann sich der Besucher selber ein Bild machen und die Phantasie zum blühen bringen.

Das Museum besitzt aber auch sonst sehenswerte Gegenstände und Kunstwerke und erzählt über den Museumsstifter Ludwig Nissen, der in Amerika reich wurde.

Interessant ist auch ein Besuch im Schloss vor Husum; es ist das Kulturzentrum der Westküste Schleswig-Holsteins; hier ist auch das Puppentheater Museum untergebracht, in dem reichlich an Storms Pole Poppenspäler erinnert wird. Wunderbare Marionetten, Puppen und Theaterrequisiten sind dort zu sehen. Ein Traum für Groß und Klein. Es heißt vor Husum, weil es außerhalb der ehemaligen Stadtgrenzen lag und wurde im 16. Jahrhundert von Herzog Adolf von Schlwesig-Holstein-Gottorf erbaut. Im 17. Jahrhundert war es Witwensitz für die Herzoginnen Augusta und Maria Elisabeth. Im 18. Jahrhundert rettete es König Friedrich V von Dänemark vor dem Verfall.

Der Buchhändler und Verleger Detlev Auvermann, der seit 40 Jahren zwischen Husum und Pellworm lebt, hat dem Museum und dem Schloß so einige Leihgaben und Schenkungen überlassen.

 

Mehr über Rungholt und die Schatzsuche hier

Christa Blenk

 

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Der Rhein – eine europäische Flussbiografie

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 Der Rhein in Bonn (nicht in der Ausstellung)

 

Der Rhein – Eine europäische Flussbiografie

Der Rhein entspringt im Schweizer Kanton Graubünden und ist 1235 km lang, davon sind knapp 900 km für die Großschifffahrt nutzbar, was ihn zu einer der verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt macht bis er mächtig und stolz in Rotterdam in der Nordsee verschwindet. Der Rhein ist aber längst nicht der längste Fluss Europas. Die Donau zum Beispiel fließt knappe 3000 km durch Europa.

In der Ausstellung herrscht die Farbe Blau vor; dabei wird blau ja eher mit der langen Donau, siehe Donauwalzer, in Verbindung gebracht. Die letzten Jahrzehnte hat er sich von einer gift-gelblichen Kloake in den 70er Jahren wieder auf grün-graues Trinkwasserniveau hochgearbeitet. Hieran erinnert ein Werk von Joseph Beuys aus 1981 Rhein Water Polluted aus dem Kölner Stadtmuseum. Eine durchsichtige Flasche mit braun-gelblicher Flüssigkeit, ähnlich den heute so begehrten power drinks.

Aber außer einem Foto von Andreas Gursky (Der Rhein I) das gleich als Ouvertüre neben Moriz von Schwinds Vater Rhein Schinken aus 1848 hängt und einem Monumentalgemälde von Anselm Kiefer Vater, Heiliger Geist und Sohn, welches unter der Kategorie Europa am Rhein auftritt und aus einer Privatsammlung kommt sowie eine kurze Erinnerung an den 1. Weltkrieg in Form eines Fotos von Willy Römer (Französische Soldaten am Deutschen Eck in Koblenz, 1918/19) das an Caspar David Friedrichs Einsamkeit erinnert, stehen doch die drei Soldaten am Deutschen Eck mit dem Rücken zu uns und blicken auf den stolzen Rhein, ist das 20. Jahrhundert eher vernachlässigt in dieser Rheinbiografie.

Viel Schönes und Edles gibt es zu sehen und Victor Hugos Briefzitate begleiten die Ausstellung, Heinrich Heine kommt natürlich zu Wort aber ansonsten hängen einige mittelmäßige Landschaften und Portraits zwischen den Inselvitrinen, gefüllt mit Preziosen und Skulpturen aus allen Zeiten wie edle Manuskripte oder die Aeneide von Heinrich von Veldecke und allerlei Religiöses. Nicht umsonst hat Maximilian Maximilian I den Rhein als Pfaffengasse bezeichnet. Die Besucher schlängeln sich zwischen Flussgöttern und Allegorien vom Rheinfall von Schaffhausen durch das Siebengebirge vorbei an echten Golddukaten aus dem Rheinschatz und natürlich den Nibelungen. Marianne und Germania, Industrie, Achse der Kirche sind weitere Kategorien, in die diese Ausstellung unterteilt ist.

Wo bleibt die Reise ins Meer von Hannsjörg Voth (hier fuhr eine 20 Meter lange gefesselte Mumie auf einem Floß von Speyer bis in die Nordsee und stürzt sich dort brennend ins Meer. Die Fotografin Ingrid Amslinger hat tagelang die Reise auf dem Land begleitet und alles fotografisch dokumentiert?) und wo bleiben die rheinischen Dichter und Schriftsteller der Nachkriegsjahre wie Heinrich Böll? Da tröstet dann die Rheinische, die musikalisch begleitet, auch nicht mehr.

Die Kuratorin und Kulturhistorikerin Marie-Louise Gräfin von Plessen hat über 300 Exponate für die Ausstellung nach Bonn geholt und es ist nicht das erste Mal, dass sie sich einem Fluss widmet. In den 90er Jahren hat sie schon einmal eine Flußbiografie über die Elbe für die Deichtorhallen in Hamburg organisiert.

Die Ausstellung ist sehenswert aber nicht umwerfend und geht noch bis zum 22. Januar 2016.

Christa Blenk

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Blick vom Arp Museum auf dem Rhein

 

 

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Theaterscoutings Berlin

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In Berlin gibt es unzählige freie Theater und Spielorte (was früher etwa ein off-off Theater war). Ein unübersichtliches und geniales Theaterchaos, das neu Hierhergezogene erst einmal aufnehmen und verstehen müssen. Hier hilft Theaterscoutings. Von Theaterleuten organisierte Touren zu Theater hot spots und Spielstätten im Zentrum Berlins. Gestern Nachmittag fand so eine Tour statt.

Die Theaterregisseurin und Künsterlische Leiterin der Spreeagenten Berlin, Susanne Chrudina, führt unsere kleine Gruppe zu drei freien Berliner Theatern in Kreuzberg/Mitte und spricht über Theaterangelegenheiten, Bedürfnisse, Freuden und Sorgen der Freien Theater, Künstler und Regisseure überhaupt:

Auf dem Programm steht ein Besuch des TAK Theater im Aufbau Haus; des Theaterhaus Berlin Mitte und des Theaterdiscounters in der Klosterstraße. Treffpunkt ist vor dem Modulor in der Prinzenstr. 85, ein wichtiger Ort für alle Regisseure und Bühnenbildner, wie uns Susanne Chrudina versicherte.

Erste Station das TAK im Aufbauhaus, gleich um die Ecke. Wir werden von der Direktorin Nicole Otte begrüßt, die uns in den abgedunkelten Theatersaal führt und mit den Worten « Theaterleute mögen ja kein Tageslicht » die schwarzen licht-undurchlässigen Vorhänge zurückzieht. Das TAK ist ein Ort der Begegnung, offen für Initiativen, für neue Projekte, für Ideen und Visionen. Der Zuschauerraum fasst an die 110 Personen und die Bandbreite geht von Lesungen über Theater, Tanz und Konzertevents bis zur Vermietung des Theaters für Konferenzen oder andere Veranstaltungen. Brisantes und großes Thema ist Migration und Interkulturalität mit geografischem Schwerpunkt auf den Nahen Osten. Sie erzählt über das Theater, die Finanzierungsprobleme und die Freude, zu den Unabhängigen zu gehören.

 

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Wir ziehen über eine Art Niemandsland und bei großer Hitze weiter zum Theaterhaus Berlin Mitte. Ein Produktionszentrum für Freies Theater. Der Probenort und die Plattform für Schauspieler und Gruppen schlechthin sagt uns Susanne Chrudina auf dem Weg dort hin. Hier gibt es 23 bezahlbare und vielseitige Probenräume. Schon für drei Euro/Stunde kann man hier einen Raum mieten und bei offenen Proben Meinungen und Kritiken einsammeln. Über 2000 Künstler und ca. 300 verschiedene Theaterprojekte entstehen dort oder werden dort premierenreif geprobt. Susanne Chrudina bringt uns direkt in das kleine Café und es begrüßt uns der Direktor Christoff Bleidt, der über die Geschichte des Hauses und über die gegenwärtige Situation erzählt. 1992 vom Bezirksamt Berlin Mitte als Theaterprobenraum gegründet, damals noch in der Rosenthaler Straße, musste das Theater einige Male umziehen. Zuerst in ein Elektrowerk später in eine ehemalige Grundschule am Koppelplatz. Seit 2009 sind sie jetzt hoffentlich für länger in dieser ehemaligen DDR Schule an der Wallstraße untergebracht. Hier dürfen wir kurz bei zwei Proben anwesend sein. Barbara Stevenson gibt uns einen Vorgeschmack ihrer 20-Minuten- one-womon-show „Happiness“ das sie auf eine Stunde ausbauen will, wie sie später sagt. Anschließend machen wir noch einen kurzen Abstecher in einen anderen Raum zu den Proben von DIE TAUBE ZEITMASCHINE, eine Deaf-History, gespielt von Gehörlosen und Hörenden für Gehörlose und Hörende, in Gebärdensprache, Lautsprachbegleitenden Gebärden und Lautsprache. Das Stück kommt am 13. September in Hamburg zur Aufführung. Hier herrscht Anspannung und höchste Konzentration und wahrscheinlich stören wir.

Die letzte Station an diesem Samstag Nachmittag ist der Theaterdiscounter. Auch hier empfängt uns der Leiter der Einrichtung, Georg Scharegg. Im TD werden eigene Stücke produziert, er ist aber auch offen für andere Produktionen, deutsche und internationale, klassische und zeitgenössische oder Performances. Gegründet 2003 in der Oranienburger Straße, hat der TD seit 2009 seinen Sitz jetzt in den Räumen des ehemaligen Fernmeldeamtes, ganz in der Näher vom Alexanderplatz. Wir gehen in den vierten Stock, vorbei an Werkstätten und Bühnenbildnern, denn dort läuft gerade die Probe für die nächste Premiere am 16. September von KAP HOORN, eine szenische Konzertinstallation von KOIKATE. Das sah sehr vielversprechend und spannend aus. Aber leider ist uns an diesem Nachmittag die Zeit davon gelaufen und wir müssen auf die Probenteilnahme verzichten. Ein Grund mehr, bei der Premiere am 16.9. oder einer der darauf folgenden Veranstaltungen (17. 22., 23. und 24. September – jeweils um 20.00 Uhr) dabei zu sein.

 

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KAP HOORN – Premiere am 16.9.

Diese Theatertouren sind eine win-win situation. Die Teilnehmer lernen das Theaterleben hinter den Kulissen kennen und werden hoffentlich zukünftige Zuschauer und Besucher in den freien Theatern von Berlin und überall!

Wir wissen jetzt auf jeden Fall, was wir nächstes Wochenende machen werden!

Christa Blenk

 

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Die Liebermann Villa am Wannsee

blick in den Garten
Foto vom Garten am Wannsee

 

Ausflug an den Wannsee

Max Liebermann (1847-1935) gehört zu den wichtigsten deutschen Wegbereitern der Moderne. Von Anfang an hat er gegen die Akademiker gekämpft und mit der Gründung der Berliner Secession, bei der er eine wichtige Rolle gespielt hat, die Hauptstadt in den künsterlischen und kulturellen Vordergrund gerückt. Geboren im Zentrum von Berlin wo heute das Liebermann-Haus steht (in dem gerade eine Ausstellung über Harry Graf Kessler zu sehen ist) hat er sich 1909 ein Sommerhaus am Wannsee bauen lassen. Sein „Schloss am See“, wie er es nannte. Mit Anfang 60 hat er sich gerne hierher in die Ruhe zurück gezogen und über 200 Gemälde sind dort entstanden. Ab 1914 bis zu seinem einsamen Tod 1935 verbrachte er viele Monate dort. Von den Nationalsozialisten verfemt, zwangen diese seine Witwe Martha 1940 zum Verkauf des Hauses. Sie entzog sich 1943 durch Selbstmord einer Deportation. Nach dem Krieg allerdings ging das Haus an die Erben zurück, die es an die Stadt Berlin verkauften. Einmal Krankenhaus dann Tauchclub, erfuhr das Haus viele Veränderungen und der Garten wurde zerstört.

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Marta Liebermann (1922)  und Enkelin, Selbstportrait (1923), Raum in der Villa

Erst 1995 wurde die Max-Liebermann-Gesellschaft gegründet und die Villa unter Denkmalschutz gestellt. Spenden und Privatinitiativen brachten den Garten wieder in seinen ursprünglichen Zustand und das Gebäude konnte renoviert werden. Heute ist es ein Museum, in dem eine beeindruckende beeindruckenden Dauerausstellung, in der vor allem seine Wannsee- und Biergartenbildern zu sehen sind. Seit 1870, der Münchner Zeit, bis zu seinem Lebensende, waren das ohnehin seine Lieblingsmotive, die er immer wieder aufnahm. Sonnendurchflutete Baumlandschaften oder Ausflugslokale, die von leicht platzierten Personen besetzt sind. Winter oder graue Tage scheint es in seinem Wannsee-Leben nicht gegeben zu haben.

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Der Blick von der Terrasse auf den See ist traumhaft.

Christa Blenk

 

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BALD GEHT ES WEITER

Liebe Leserinnen und Leser

umzugs- und technikbedingt ist eine längere Publikationspause entstanden!

Aber bald geht es wieder weiter – mit Berichterstattung vor allem aus Berlin!

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William Kentridge – Triumphs and Laments – Rome project 2016

William Kentridge – “Triumphs and Laments”

Seit April 2016 präsentiert William Kentridge in Rom am Tiberufer, auf 500 Metern zwischen Ponte Sisto und Ponte Mazzini, seine persönliche Interpretation der Geschichte Roms. Aufstiege und Niederlagen, Krieg, Frieden, Flucht.

Die römische Wölfin oder der Tod von Remus stehen den Taten von Herkules gegenüber. Ciceros Kopf, der Engel auf der Trajansäule, Papst Gregor VII und der Antipapst gleich neben dem abtrünnigen Mönch Giordano Bruno, dem von der Inquisition zuerst die Zunge herausgerissen wurde, und der anschließend bei lebendigem Leibe verbrannt wurde. Die Vertreibung der jüdischen Bevölkerung und Garibaldis Soldaten neben Anita Ekberg und Marcello Mastroianni umarmt im Trevi Brunnen. Alle Ereignisse, ob dramatisch oder erfolgreich sind gleichberechtigt und trotzen der Zeit, sind weder vergessen noch verdrängt. Der Kopf von Berninis Heiliger Theresa in Ekstase und der tote Körper Pasolinis am Strand von Ostia in einem Atemzug mit Benito Mussolini als stolzer Reiter. Nicht fehlen darf natürlich die Bialetti Kaffeemaschine. Über 80 Figuren an der Zahl. Vom gegenüber liegenden Ufer hat man einen besseren Gesamteindruck, aber die Nähe zu den überdimensionalen Werken wenn man direkt darunter steht und nur schwer erkennen kann, worum es geht, ist fast gespenstig.  

Minuaturmauer im Museum

Eine Ausstellung im Museum für Zeitgenössische Kunst in Rom (MACRO) bereitet den Zuschauer auf das ikonographische Mammutwerk vor. Zwei Projekträume bringen uns die Idee näher. Auf einem Film kann man Kentridge im Dialog mit seinem Alter Ego zuhören, wie er sein Projekt vorstellt oder mit ihm diskutiert. Die Idee zu dieser idiosynkratischen Präsentation ist schon vor ein paar Jahren entstanden. Zuerst zeichnete Kentridge mit Kohle und Tusche auf alte Bögen, die aus einer Buchhaltung stammen könnten, dann werden diese, aleatorisch scheint es, zerschnitten oder zerrissen und wenn die Schnipsel sich wieder finden oder auch nicht finden, kommt Bewegung in die Figuren und es entstehen Engel oder Pferde. In Miniatur- und Scherenschnitttechnik werden die 500 Meter auf 5 Meter reduziert gezeigt.

Schon Weihnachten 2015 hat er mit den Arbeiten am Mauerfresko begonnen. Mit Hilfe riesiger Schablonen, die mit Spezialmaschinen angefertigt wurden, ließ er die Farbe im Negativ auf die Mauer auftragen. Den Schmutz an der Ufermauer hat er gleich in sein monumental-schwarz-weiß-Fresko mit einbezogen. Ein weiterer Film in der Ausstellung dokumentiert die aufwendigen Arbeiten des Anbringens.

Die Zeit ist für Kentridge eine fundamentale Inspiration und immer wieder befasst er sich in seinen Werken damit. Zeitlos und aktuell ist auch dieses, sein letztes Werk und man versucht gar nicht, die Personen einer Epoche zuzuordnen. Sie verwischen sich oder gehen ineinander über. Eine Geschichte bringt uns zur nächsten.

Schwarz-weiß sind seine Arbeiten, Licht und Schatten, Scherenschnitte und Zeichenkohle. Schwarz-weiß ist er auch immer gekleidet, dieser große Kentridge.

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Die Fresken hat er nicht für die Ewigkeit gemalt. Wie lange sie halten werden Zeit und Wetter bestimmen – und natürlich die römischen Bürger. Vor ein paar Tagen hat nämlich der Aufbau von Markt- und Essständen direkt vor der Mauermalerei begonnen (zum großen Ärger von Kentridge), die den Sommer über die Besucher an das sonst eher nicht so belebte und beliebte Tiberufer locken sollen. Die römische Geschichte muss dann hinter Pizza, Bier, Zuckerwatte und Eis zurücktreten! Hier werden ganz klar Prioritäten gesetzt!

Der südafrikanische Künstler und Theatermann, William Kentridge, gehört ohne Zweifel zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Kunstwelt. 1955 in Johannisburg geboren, studierte er in Südafrika und Europa. Kentridge hat viele Preise gewonnen und ist Ehrendoktor der Yale University. Er ist außerdem Dauergast bei der Documenta und bei der Biennale von Venedig und das Welttheater reißt sich darum, mit ihm zusammen zu arbeiten.

Die Ausstellung ist noch bis 2. Oktober 2016 zu sehen (ob allerdings die Fresken so lange halten!). Die Ausstellung Projekt Room #1 und #2 hat Federica Pirani mit Unterstützung von Claudio Crescentini kuratiert und ist in Zusammenarbeit mit der Galleria Lia Romma Mailand entstanden.  

Mehr: triumphs and laments

Christa Blenk

Römische Wandmalereien im Palazzo Massimo

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Casa Farnesina

 

Die Villa Iulia oder Casa della Farnesina stand um 20 v.C. am Ufer des Tibers. Man sagt, sie sei der Wohnsitz des Marcus Vipsanius Agrippa gewesen. Sie wurde seinerzeit zu nahe am Tiberurfer gebau und war deshalb vor Überschwemmungen nicht sicher. Als am Ende des 19. Jahrhunderts die Dammarbeiten begannen, wurde sie in den Gärten der Renaissance-Villa Farnesina entdeckt. Vier Räume und zwei Gänge sind fast vollständig erhalten. Die Wände waren reicht verziert mit typischen frühaugustischen Motiven. Ähnlich den Fresken der Casa di Livia sind auch diese im 2. und 3. Stil der römischen Wandmalerei entstanden. Heute zählen sie zu den wichtigsten Zeugen dieser Zeit um die den Beginn des Christentums.

Direkt nach ihrer Entdeckung wurden die Fresken abgenommen und sind heute im Palazzo Massimo, am Bahnhof Termini, zu bestaunen, ebenso wie die Malereien der Casa di Livia, die ursprünglich an der Prima Porta hingen.

 

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Casa di Livia

 

 

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William Kentridge – “Triumphs and Laments”

William Kentridge – “Triumphs and Laments” am Lungotevere

In sechs Monaten hat der südafrikanische Künstler und Theatermann William Kentridge auf über 500 Meter am Tiberufer zwischen Ponte Sisto und Ponte Mazzini (Piazza Tevere) die Geschichte Roms in 80 übergroßen Figuren wild durch die Jahrhunderte portraitier.

Die römische Wölfin von Romulus und Remo aber mit zwei Milchkrügen, Äneas Ankunft per Schiff, Päpste, Giordano Bruno, die Bialetti Kaffeemaschine, das italienische Kino, die Bekehrung von Paulaus, Flucht, Krieg und Frieden, Triumpf und Niederlagen.

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Fotos: Christa Blenk

Den Schmutz an der Mauer hat er gleich in sein monumental-schwarz-weiß-Fresko mit einbezogen. Von weitem erinnert es an einen Scherenschnitt. Es soll nur ein paar Jahre halten.

Seit ein paar Tagen allerdings werden Stände direkt vor der Mauermalerei aufgebaut, die den Sommer über die Besucher an das sonst eher nicht so belebte Tiberufer rufen. Die römische Geschichte muss dann hinter Pizza, Bier, Zuckerwatte und Eis zurücktreten!

Christa Blenk

 

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Mito e Natura – Von Griechenland bis Pompeji

Mito e Natura – Von Griechenland bis Pompeji

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Fresken in Herculaneum

Wer in der nächsten Zeit eine Reise nach Pompeij oder Herculaneum plant sollte nicht versäumen, die Ausstellung „Mito e Natura“ im Archäologischen Museum in Neapel im Anschluss zu besuchen. Im Museum, das über eine ausgezeichnete Sammlung verfügt, sind zwar fast permanent die Hälfte der Räume geschlossen (wegen Personalmangel) aber es reicht schon ein kleiner Teil, um einen Besuch lohnenswert zu machen.

Demeter mit Getreide oder Athena mit dem Ölbaum zieren die Vasen die zwischen 600 vC bis 200 nC vertreten sind. Dionisos steht in Trauben gekleidet vor dem Vesuv, wahrscheinlich nur kurze Zeit vor dessen Ausbruch 79 n.C. jedenfalls soll diese Wandmalerei in den 70er Jahren nC entstanden sein. Er ahnte natürlich nicht, dass kurze Zeit später die komplette Stadt in Lava, Asche und Bimssteinregen für die nächsten Jahrhunderte verschwinden würde. Ca. 35 nC soll eines der schönes Exponate entstanden sein: Ein friedlicher Garten in Blautönen, Vögel fliegen durch die Luft oder trinken in einem kleinen Brunnen, der Hausherr und die Hausdame sind portraitiert und vom Himmel herab kommen Theatermasken. Es ist Sommer und auch hier die Welt noch in Ordnung.

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Dionisos vor dem Vesuv (und Detail) kurz vor dem Ausbruch 79nC

Die Ausstellung behandelt Mensch und Natur anhand von umwerfenden Fresken von Lustgärten oder Episoden aus der griechischen Mythologie.

Dass die Landschaft an sich eine Erfindung der Romantik ist, ist eine Legende. Neben der Darstellung von mythologischen Szenen waren Gästen, Bäume, Pflanzen das wichtigste Motiv, mit denen die Paläste der römischen Villen in Pompeji, Herculaneum oder Rom von oben bis unten mit den allerschönsten, romantischsten und mysteriösesten Landschaften bedeckt waren. In den Ruinen selber sieht man davon dann und wann ein wenig, die meisten sind allerdings im Archäologischen Museum in Neapel, in Paestum oder in Rom zu bewundern und man kann nur staunen, wie gut sie erhalten sind! Die Griechen und die Römer haben die Darstellung von Landschaften und Gärten erfunden, diese wurde dann im Barock und in der Romantik kräftig ausgebaut und ausdrucksstark mächtige Felsen, reißende Flüsse oder tobendes Meer gemalt.

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Wandmalerei in Pompeji – Garten

Neben Vasen und Trinkgefäßen, Tonkrügen, Glas oder Bronze sind Schmuckstücke, goldene Lorbeerkronen, Votive oder Tafeln und sogar exklusiven Nahrungsmitteln und eben diese unglaublichen Fresken zu sehen. Immer wieder wird die Faszination aber auch der Respekt vor dem Meer hervorgehoben und nicht selten ist der Vesus – der viele Jahre vor dem großen Ausbruch friedlich und ungefährlich einfach nur da stand, so dass die Gefahr, die von ihm ausging, nicht mehr wahrgenommen wurde  – im Mittelpunkt des Geschehens. Ein Frauenkopf umgeben von fliegenden Blättern ist von einer frappierenden Modernität was Raumaufteilung angeht  Das bekannteste Ausstellungsstück ist der Taucher aus Paestum. Mutig und elegant springt er ins ungewiss wogende Blau.

 
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 Der Springer – Paestum

Bis September ist diese Ausstellung noch zu sehen, die während der Expo Mailand dort gezeigt wurde. Nach Neapel passt sie entschieden besser, da die meisten Exponate aus den vom Vesuv 79 n.C. zerstörten Städten stammen.

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Jagd auf die Kinder der Niobe – Wandmalerei Pompeji
 

Gemma Sena Chiesa, Angela Pontrandolfo, Valeria Sampaolo haben zusammen mit dem Archäologischen Museum Neapel diese Ausstellung kuratiert.

Christa Blenk

 

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Il Sogno Verde (der grüne Traum) – Giornate FAI di Primavera a Villa Gregoriana

Mensch und Natur

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in der Villa Gregoriana

 

Der grüne Traum – Il sogno Verde

Der grüne Traum ist ein deutsch-italienisches Wanderprojekt, an dem sich Künstler, Musiker und Dichter beteiligen.  Dieses Jahr sind das u.a. Silvia Stucky, Beate von Essen, Lello Torchia, Maria Semmer, Claudia Muratori, Federica Luzzi, Ennio Alfani, Franca Bernardi, Marcello Rossetti und Daniele Alef Grillo, aber auch  Alberto Burri, Jannis Kounellls, Mario Schifano, Toti Sicaloja und viele andere waren schon an diesem Projekt beteiligt.

Im Frühjahr beginnt die Ausstellung traditionsgemäß in Italien und wandert dann weiter in den Norden. 2015 im Herbst war sie u.a. in Rothenburg ob der Tauber, an zwei Orten in der Altstadt zu sehen. Die Künstler setzen sich mit dem vorgegebenen Ort auseinander, deshalb ist die Schau auch an jedem Ort unterschiedlich.

Dieses Wochenende vor Ostern findet die Ausstellung – nicht zum ersten Mal – anlässlich der Giornate FAI di Primavera in der Villa Gregoriana/Tivoli statt. Bei strahlendem Sonnenschein machten unzählige Besucher diesen Kunstspaziergang durch den faszinierenden Park der Villa, dominiert von zwei römischen Tempeln aus dem II Jahrhundert v.C. und begleitet vom Rauschen des großen Wasserfalls der Aniene. Franca Bernardi hat z.B. eine ihrer Arbeiten, Nest,  in den Ruinen installiert; früher diente gerade dieser Raum als Fischtisch und die Installation von Silvia Stucky Come l’acqua che scorre steht im Dialog mit dem großen Wasserfall. Ennio Alfani hat einen Freskenteppich gelegt und Marcello Rossettis Riesenschmetterling Farfallone fliegt auf Daniele Alef Grillos Equilibrio – alberi zu. Lello Torchias senza titolo wacht, dass das Wasser nicht zu schnell steigt. Poetisch die Installation Fusion von Maria Semmer. Ihre Protagonistin muss sich aus dem Schlamm befreien, nach der großen Flut, vielleicht!

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Daniele Alef Grillo, Maria Semmer, Silviy Stucky (Villa Gregoriana – il sogno verde, 2016)

1977 ist diese Bewegung Der grüne Traum als eine Initiative der Cooperativa Agricoltura Nuova (eine traditionelle römische Landwirtschaftskooperation) entstanden. Eien Gruppe von Hilfsarbeitern und Landwirten gründeten sie mit der Absicht, den biologischen Ackeranbau zu fördern. Nach Rom kam der Grüne Traum 2011. Die erste und die darauf folgende Ausstellung fanden in eben dieser Kooperative statt.

Teufelstal heißt die Schlucht, in der sich eine weitläufige Parkanlage, die Villa Gregoriana, befindet. Direkt unterhalb der Akropolis von Tivoli. 120 Meter stürzt der Fluss Aniene hier in die Tiefe.  Römische Fragmente, Umbauten durch Papst Gregor XVI im 19. Jahrhundert und die Hinterlassenschaft bedeutender Flutkatastrophen treffen auf eine romantische Gartenanlage.

Tivoli hieß in der Antike Tibur und war ein strategisch wichtiger Punkt für die Reisenden aus dem Osten auf dem Weg nach Rom. Goethe und viele andere der Bildungsreisenden aus dem 18. und 19. Jahrhundert waren dort und haben die Tempel gezeichnet oder bedichtet.

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Franca Bernardi installiert gerade ihr Kunstwerk in der Höhle

Für die Leute aus Rom ist morgen noch Zeit, hinzufahren!

Der Anio, vor seinem Sturze, bricht an der Seite durch die Stadt, und senkt mit sanftem Falle im weißen Silberglanze auf drei Stufen sich die Felsenwand hinunter, auf deren Rücken das alter Tibur steht …. Wie auf einer Tonleiter steigt sein süßes Rauschen nieder, Aug und Ohr verfolgt begierig die reizende Wiederkehr, und sieht und hört sich nimmer satt. (Karl Philipp Moritz  « Reisen eines Deutschen in Italien »)

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Wasserfall in der Villa Gregoriana

Christa Blenk

Fotos: Christa Blenk

 

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Das Abendmahl – il cenacolo vinciano

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cenacolo – Milano – Leonardo di Vinci

Il cenacolo – das in Seccotechnik gefertige Abendmahl und Höhepunkt der Karriere von Leonardo da Vinci ist sicher eines der bekanntesten und wichtigsten Wandgemälde weltweit. Zwischen 1494 und 1498 ist es im Auftrag des Mailänder Herzogs Ludovico Sforzafü r die Nordwand des Refektoriums des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazia in Mailand entstanden.

Es ist 422 x 904 cm groß und zeigt Jesus in der Mitte der zwölf Apostel genau unmittelbar nach dem entscheidenen Satz: « Einer von euch wird mich verraten ». Dieses Hauptwerk der Renaissance ist vor allem wegen seiner perfekten Perspektive ein Meilenstein der Malerei in der westlichen Welt geworden. Die 13 Personen sitzen am Tisch und scheinen das Refektorium zu beobachten. Jeweils vier Dreiergruppen, Jesus sitzt ohne Ansprechpartner in der Mitte. Das Licht kommt schräg von links, so als ob es wirklich durch das Fenster an der linken Wand käme. Das Gemälde ist voller Hände in Bewegung, nur die von Jesus liegen still.

In einer Notiz beschreibt Leonardo die unterschiedliche Haltung der Jünger:„Einer, der gerade trinken wollte, aber den Becher auf seinem Platz stehen ließ und den Kopf dem Erzählenden zuwandte. Ein andrer, die Finger seiner Hände verschränkend und die Stirn runzelnd, wendet sich seinem Nachbarn zu. Ein andrer, mit offenen Händen, zeigt die Handflächen, hebt die Schultern gegen die Ohren und öffnet den Mund vor Erstaunen. Ein andrer sagt seinem Nächsten etwas ins Ohr, und dieser, der lauscht, dreht sich ihm zu und schenkt ihm Gehör, in einer Hand ein Messer, in der andern das mit diesem Messer durchgeschnittene Brot. Ein andrer, mit einem Messer in der Hand, wirft beim Umdrehen mit dieser Hand einen Becher auf dem Tisch um. Ein andrer legt die Hände auf den Tisch und starrt vor sich hin. Ein andrer bläst auf seinen Bissen. Ein andrer beugt sich vor, um den Erzählenden zu sehen, und beschattet dabei mit der Hand seine Augen. Ein andrer tritt hinter den zurück, der sich vorbeugt, und schaut zwischen der Wand und dem Vorgebeugten auf den Erzählenden.“ (Quelle Wikipedia)

Das Gemälde hat eine lange und aufregende Leidensgeschichte hinter sich. Der französische König Franz I wollte es sogar ablösen lassen und nach Paris mitnehmen, was ihm dann aber doch zu kompliziert erschien. Unter Napoleon war das Refektorium sogar zum Reitstall umfunktioniert worden. 1943 überstand es einen Bombenangriff, der die Südwand zum Einsturz brachte, Mönche schützten es aber mit Sandsäcken. Es wurde mehrfach restauriert, u.a. 1726, 1770, 1819 und 1978-1999.  Seit 1980 gehört es zum UNESCO Weltkulturerbe.

Das Kapitel über Leonardo in seinem wunderbaren Werk Lebensläufe der berühmtesten Maler und Architekten beginnt Giorgio Vasari so: « Dank dem Einfluss der Gestirne überschüttet die Natur die Sterblichen oft mit den reichsten Gaben: doch manchmal sehen wir in einem einzigen Menschen Schönheit und Talent und hohe Fähigkeiten in dermassen verschwenderischer, schier übernatürlicher Fülle vereint, dass er auf jedem Gebiet, dem er sich zuwendet, Außerordentliches leistet und alle anderen weit übertrifft, so dass seine Werke nicht menschlicher Kunstfertigkeit, sondern einer unmittelbaren göttlichen Eingebung zu entspringen scheinen ». (Giorgio Vasari)

Voranmeldung empfohlen, wir hatten keine gemacht und Glück gehabt und konnten diese Preziose am eintrittsfreien Sonntag sogar umsonst sehen.

Christa Blenk

 

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Napoleon-Museum in Rom

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Museum Napoleon in Rom

Ein Wohnhaus-Museum direkt am Tiber

100 Jahre Geschichte werden in diesem Museum dokumentiert. Portraits von Napoleon und seiner Familie, zum Teil von eher unbekannten Malern, die sich ja zu dieser Zeit zuhauff in Rom aufhielten,  Möbel, Gegenstände, Kleider und Schuhe, Schmuck und Porzellan. Die Liege von Paolina, auf der – oder auf einer ähnlichen – sie gelegen hat,als Canova die Skulptur von ihr machte, die heute in der Villa Borghese steht bzw. liegt oder Alltagsleben, Gebrauchsgegenstände und Persönliches. Offizielle Portraits und Carlotta als Landmädchen, Napoleons Mutter Letizia, Josephine und seine Geschwister. Es ist von allem etwas da.

Drei Zeitabschnitte sind dokumentiert: da ist einmal die Zeit Napoleons, dann die « römische » Periode, die vom Fall Napoleons bis zum Aufstieg von Napoleon III geht und die Zeit danach. Stiländerungen sind erkennbar und der Beginn einer neuen Zeit.

Die Einrichtung bzw. Organisation beruht fast ausschießlich auf Giuseppe Primolis Angaben, dessen Familie im 19. Jahrhundert diesen  Palazzo übernahm.

Ein schöner Spaziergang durch eine Zeit, als man in Rom Französisch sprach (jedenfalls in diesem Palazzo). Der Eintritt ist  gratis!

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Christa Blenk

 

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Vom Golf von Biskaya an die Oder

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Atlantikfrische

 

Vom Golf von Biskaya an die Oder

San Sebastian und Breslau sind die europäischen Kulturhauptstädte 2016.

Mit Energiewellen der Bürger wirbt San Sebastian. „Olas de energía ciudadana“  ist auch gleich das Motto der Stadt für dieses Kulturjahr das alle Bewohner auffordert, sich an den Bewegungen und Aktivitäten zu beteiligen. Kultur, Ausstellungen, Musik, daran fehlt es in dieser ehemaligen Kurstadt der  Reichen und Schönen auch sonst nicht. Aber mit unzähligen Projekten, darunter Theater- und Musikfestivals, soll das noch übertroffen werden und wer weiß, was von den Bürgervorschlägen alles noch an attraktiven Ideen eingebracht wird. Energie und Wellen gibt es ja genug dort am Golf von Biskaya und der Wind ist immer frisch! Schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts zählte San Sebastian zum kosmopolitischen Zentrum Europas; das Casino war weltbekannt. Dort trafen sich Maurice Ravel und Leo Trotzki zum Tee mit Mata Hari. Später war es die Sommerresidenz von Franco  und der spanischen Königsfamilie. Donostia, wie San Sebastian auf Baskisch heißt, ist eine oder vielleicht die Hochburg der spanisch-baskischen Küche mit mehr Michelin-Sternen als  anderswo und Sterneköche wie Juan Mari Arzak, Martín Berasategui, Pedro Subijana wurden  dort geboren. 119 Männerkochklubs gibt es in der Stadt! Pio Baroja und Eduardo Chillida kommen ebenfalls aus San Sebastian.

Die Stadt hat viel mitgemacht in den letzten Jahren und unter dem ETA-Terror sehr gelitten. Schrecken, Angst und Groll sollen überwunden werden; dies  war eines der Hauptmotive überhaupt, sich um den Titel der Kulturhauptstadt zu bewerben.

Die Kulturstädtereisenden werden dort sicher auf ihre kulinarischen und kulturellen Kosten kommen.

Dann muss man vom westlichen Atlantik  an die östliche Oder  und trifft mit Breslau auf die zweite Kulturhauptstadt 2016. Auch Breslau hat viel mitgemacht in der neueren Geschichte. Viertgrößte Stadt in Polen ist auch sie eine Kulturverwöhnte. Theater, Museen und Hochschulen definieren das kulturelle und wissenschaftliche Zentrum Niederschlesiens. Der Marktplatz, der im Kulturhauptstadtjahr des Öfteren zur Bühne wird, ist einer der schönsten in Polen. Gleich am 17.1. soll es losgehen mit einer Installation des Briten Chris Baldwin, der auf die vergangenen Hochwasser- und andere Katastrophen Bezug nimmt.

Das Musikforum ist einer der neu geschaffenen kulturellen Mittelpunkte der Stadt. Sieben Stockwerke Musik, einige Säle liegen 15 Meter unter der Erde und sind  vollkommen geräuschfrei. Eröffnet wurde es vor 3 Monaten und unter den 700 angekündigten Konzerten sind auch die Wiener und die Londoner Symphoniker. Das Kulturmekka an der Oder organisiert u.a. schon seit Jahren eine ausgesprochen interessante Musik-Biennale Festival  Musica Electronica. Die polnisch-französische Komponistin Elzbieta Sikora ist die künstlerische Leiterin dieses Festivals.

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Christa Blenk

 

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Silvester und Neujahr in Rom

Bonne Année

Feuerwerk vom Kapitol bis zum Circo Massimo und der Tag danach! Am 1. Janaur um 12.00 Uhr springen die ganz mutigen von der Cavour-Brücke in den Tiber !

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Fotos: Christa Blenk

Und hier noch die Highlights aus 2015 .

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2015 in Bildern

2015 : Highlights in Bildern

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Fotos: Christa Blenk; Casa di Goethe (Bild 43), Silvia Stucky (performance – Bild 27); JNP

 

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Entdeckung: Festival de Lanvellec et du Trégor

Festival de Lanvellec et du Trégor

 
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Iestyn Davies und Elisabeth Kenny – Foto: © Marie-Honorine BUISSET

Konzert in der Kirche von Trégastel am 10. Oktober 2015: Orpheus am englischen Hof

Zum 29. Mal findet zurzeit im Westen von Frankreich, in der Bretagne, dieses außergewöhnliche Festival für Alte Musik statt.

Weltschmerz, Zauber und Austern

Die Idee dazu entstand schon in den 80er Jahren, als die derzeitige Präsidentin des Festivals, Geneviève de Louarne, im französischen Kulturministerium für Orgeln in Frankreich  zuständig war. Insgesamt wurden während ihres Mandates an die 300 Orgeln restauriert,  darunter auch  die einzigartige Orgel  in der Stadt Lanvellec.

Der englische Orgelbauer Robert Dallam kam im Jahre 1642  auf der Flucht vor Oliver Cromwell, den englischen Puristen und einem musikalischen Interpretationsverbot  in die Bretagne und schaffte dieses Meisterwerk für die Kirche von Lanvellec, heute die einzige Orgel die noch im Originalzustand erhalten ist, was sie einzigartig auf der Welt macht.  Nach den umfangreichen Restaurierungsarbeiten gründete Madame de Louarne das Festival, um dieses  Prachtstück  auch dem Rest der Welt vorzuführen.

Das erste Konzert fand 1986 in Lanvellec statt und der Organist war der große Gustav Leonhardt (1928-2012); er war später noch fünfmal zu Gast beim Festival.

Die ersten Jahre fanden die Konzerte nur an einem Wochenende in Lanvellec statt. Die positive Aufnahme der Besucher und animiert durch ein Angebot von faszinierenden und für Alte Musik perfekten Aufführungsorten an der Côtes d’Armor,  wurde das Festival de Lanvellec et du Trégor eines der wichtigsten Insider-Festivals in Europa. Neun Konzerte an drei Wochenenden und an verschiedenen Austragungsorten stehen dieses Jahr auf dem Programm. Wer sich für Alte Musik interessiert,  will und darf es nicht missen. Wir haben das Konzert am 10. Oktober in der  mittelalterlichen Kirche aus dem 12. Jahrhundert in Trégastel besucht in, ein kleiner Ort an der stürmischen und rosa-granitigen Atlantikküste.

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Kirche von Tregastel – Foto: Christa Blenk

150 Jahre Lautensongs für die britische Krone.

Orphée des cours anglaises (Orpheus am englischen Hof) war das Thema dieses Abends und Musik von John Dowland,  Henry Purcell und Georg Friedrich Händel stand auf dem Programm. Gewonnen hierfür hatte man den grandiosen britischen Countertenor Iestyn Davies und seine Landsmännin, die begnadete Lautistin Elizabeth Kenny. Die beiden Solisten sind per Schiff von Plymouth nach St. Malo (Bretagne) gereist,  genauso wie ihre keltischen Ur-Ur-Vorfahren vor fast 2000 Jahren.

Mit Henry Purcells (1659-1695) Music for a while und sweeter than roses begann das sonst eher Dowland-lastige Programm. Kenny begleitete Davies abwechselnd auf der noblen Laute und der  eleganten Theorbe. Zwischendurch konnten wir uns bei einigen Solostücken, darunter  natürlich das Paradestück  Semper Dowland semper dolens (der stets traurige Dowland), und Prélude und Chaconne für Theorbe von Robert de Visée (1650-1725) von ihrer zarten Virtuosität überzeugen. Kenny  hat genau den richtigen Mittelweg zwischen Sanftheit und Energie gefunden, die John Dowlands (1563-1626) Musik so einmalig und  betörend schön erklingen lässt.  Dowland  kokettierte gerne mit weltfremder dunkler Melancholie, die zu Beginn des 17. Jahrhunderts durchaus in Mode war, komponierte aber ebenso fröhliche oder scherzhafte (Trink)Lieder, um die Aristokratie am Hofe bei Laune zu halten.

Dowlands Wirkungsfeld war vor allem auf Lied und Tanz ausgerichtet und er hat sein Handwerk brilliant verstanden, Der wohl größte englische Liedkomponist blieb aber trotzdem ein wenig im « dem Tod verbündet, wie Kinder seiner schwarzgesichtigen Nacht » , d.h. im Schatten. Im Laufe der letzten ca 400 Jahre sind seine Lieder immer wieder verschwunden und aufgetaucht.

Dowland hat lange Jahre erfolglos versucht, am englischen Königshaus eine Anstellung zu finden; es klappte schließlich 1612, als König Jakob I  ihn holte. Seltsamerweise hat Dowland aber ab diesem Zeitpunkt nichts Bemerkenswertes mehr komponiert. Vielleicht war Weltschmerz für ihn die Triebfeder zur Kreativität. In der Shakespeare-Zeit gehörte er zu den gefragtesten Lautisten und war öfters zu Gast bei  kultivierten deutschen Fürsten und lebte zeitweise in Frankreich; seine schönsten Lieder wie In darkness let me dwell oder Flow my tears die  Iestyn Davies in Tregastel so farbenreich (Dowlands Come again hat er uns leicht barockisiert gegeben) und doch schlicht und unprätentiös vorgetragen hat, sind 1610 am Hof von König Christian von Dänemark von einem von Heimweh, Weltschmerz und Todessehnsucht oder Liebeskummer  getriebenen Dowland entstanden. Davies hat all diese songs auf seiner letzten CD „The Art of Melancholy“ zusammengetragen, ein wahrer Hochgenuss! Dowland wird einfach am überzeugendsten von einem Engländer gesungen!

Von Georg Friedrich Händel (1685-1759), der hier als dritter „englischer“  Hofkomponist vertreten  war, interpretierten die Solisten eine Arie aus dem Oratorium Saul und – mit einem Augenzwinkern zu seinen italienischen Lehrjahre – eine köstliche Cantata nach einem Libretto von Kardinal Pamphilij „Hendel, non può mia musa“.

Der Countertenor Iestyn Davies hat ursprünglich Archäologie und Anthropologie studiert und kam erst später zum Gesang. Mittlerweile hat er einen Platz in allen großen Opern und Konzerthäusern wie der MET oder der Scala, aber auch aus Glyndebourne ist er nicht mehr wegzudenken. Davies war 2009 schon einmal zu Gast beim Lanvellec-Festival. Bevor Elisabeth Kenny 2013 ihr eigenes Ensemble gründete,  das sich hauptsächlich der Vokalmusik des 17. Jahrhunderts widmet, gehörte sie u.a.  William Christies Ensemble Les Arts Florissant an und unterrichtete zwei Jahre an der Hochschule der Künste in Berlin. Sie zählt zu den besten Lautistinnen in Europa.

Mit einer Arie aus Händels Rinaldo als Zugabe hat dieses dream-team den nicht enden wollenden Applaus eines ausgesprochen aufmerksamen Publikums, das zum Teil von weit herreiste,  unterbrochen. Ohne Zweifel eines der schönsten Konzerte in der letzten Zeit!

Erlesen und mit viel Expertise wurde das Festival-Programm auch in 2015 wieder zusammen gestellt. Man hat sich sogar an eine Welturaufführung gewagt. Am 24. Oktober wird in Plouaret durch das Ensemble Soave unter Leitung von Jean Marc Aymes das Oratorium „la lingua profetica del traumaturo di Paola, san Francesco“ uraufgeführt, das der Italiener Giacomo Antonio Perti (1661-1756) um 1700 komponiert haben soll. Am 17. Oktober hat man Gelegenheit, die Orgel von Lanvellec zu hören. Die vier Hände von Yasuko und Michel Bovard  gehen zu Ehren vom Erbauer Robert Dallam – auf eine Reise durch die europäischen Höfe von England, Spanien, Frankreich und Deutschland mit Werken von Erasmus Widmann, Louis Couperin und Michelangelo  Rossi. Am 18. Oktober tritt in der Kathedrale von Tréguer das Ensemble Le Banquet Céleste und Damien Guillon mit Zelenka-Kompositionen für den Dresdner Hof auf und am 23. Oktober werden in  Guincamp Johann Jakob Frobergers mysteriöse Reisen geboten.  Auch das Abschlusskonzert am 25. Oktober in Lanvellec L’Incoronazione del Doge durch das Ensemble der Jean Tubéry dürfte nochmals ein highlight werden.

Come again!  um mit John Dowland zu enden. I sit, I sigh, I weep, I faint, I die.

Man braucht wirklich keinen zweiten Grund, um im nächsten goldenen Oktober wieder einen Abstecher in diesen schönsten und mysteriösesten Teil von Frankreich, in das Land der Legenden und der Fantasien, zu machen.  Hier tummeln sich zwischen Zauberwäldern und  kliffigen Küsten immer noch Merlin und Viviane oder Tristan und Isolde; nicht zu vergessen König Arthurs Tafelrunde inklusive Wagners Parsifal und die Graal-Geschichten! Und dass der realistische Fantast Jules Verne aus der Bretagne kommt, ist verständlich.

Hier, im Finisterre, am Ende der Welt, ist alles ein wenig intensiver, sei es das Wetter, das ständig wechselnde Licht, der Austernkult, die gesalzene Butter oder eben ein Musikfestival. Die Druiden und guten Feen, die von den Monts d’Arrée schnell mal zu den Veranstaltungsorten ins nördliche Finisterre fliegen und mithelfen die Töne und Klänge der Interpreten auch noch in den letzen Winkel dieser alten Kirchen oder Klöster zu transportieren, gehören genauso dazu wie die Gallette oder der Cidre.

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Austern-Picknick – Foto: Christa Blenk

Das Festival geht noch bis zum 25. Oktober 2015. Bemerkenswert war, dass über die Hälfte der Plätze von Melomanen belegt waren, die sich auf alle 9 Konzerte abonniert hatten.

Christa Blenk

Artikel auch (gekürzt) auf KULTURA EXTRA

 

 

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Apulien und Basilikata über Ostern

 

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100% Regen in Matera, 80% Regen in Bari.

Das waren die Wettervorhersagen bei unserer Abreise am Karsamstag nach Apulien. Sollen wir vielleicht doch lieber hier bleiben? Matera, das vor ein paar Wochen zur Kulturhauptstadt 2019 ernannt wurde, war der Hauptgrund unserer Reise. Nach kurzem Zögern siegte dann die Überlegung, dass ja die Wettervorhersagen hier eh meistens nicht zuträfen und so war es dann auch, Regen gab es wenig, aber dafür umso mehr Kälte….und viele neue Erkenntnisse

Fortsetzung des Reiseberichts über die Apulienreise auf Artmore

Christa Blenk

 

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