Archives pour la catégorie Reisen

Villa Schöningen

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Ein Blick hinter die Bayreuther Kulissen

Die Farbe Blau muss für sehr viel herhalten: Das Eis ist blau, kalt, still, ruhig und hart. To feel blue bedeutet sich schlecht zu fühlen und blau sein ist eine Umschreibung für zuviel getrunken zu haben. Es gibt Blaulicht und Blauhelme und wer nicht zur Arbeit geht ohne krank zu sein, macht blau. Blau ist die Farbe des Himmels und des Meeres. Das Kleid der Muttergottes ist blau und die Romantik ebenso.

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Blau ist auch die Farbe, die das  Künstlerpaar Rosa Loy & Neo Rauch  für den Bayreuther Lohengrin 2018 ausgesucht haben und so wird dieser zu einer Rhapsody in Blue.

Bayreuth ist schon wieder vorbei, aber die Vorbereitungen, Konzepte und Ideen dieser Inszenierung, für die es nicht nur Lob gegeben hat, sind seit dem 3. Oktober 2018 in der Villa Schöningen, gleich hinter der Glienitzer Brücke,  zu sehen.  Eine Traum- und Märchenwelt im ersten Stock der Villa. Im Erdgeschoss wird die Bedeutung der Brücke von Berlin nach Potsdam beim Austausch von Agenten während des Kalten Krieges beschrieben. Auf dem Todesstreifen stand sie damals, die schöne Villa mit dem traumhaften Garten.

An die 100 Exponate sind hier der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, darunter Kostüme, Zeichnungen, Maschinen, Lichtprojekte und viel Pappe. Ergänzend kann man Wagners Musik lauschen und einer Diskussionsrunde des Künstlerteams und dem Dirigenten Thielemann zuhören,   Neo Rauch, der Expressionist, der Surrealist, der Symbolist, der Hauptvertreter der Leipziger Schule, dessen Bilder von Horror vacui geprägt sind, hat sich einen Traum erfüllt, laut einem Zeitungsinterview arbeitet er angeblich an „der Wiederverzauberung der Welt“.

Und wenn man vom Fenster der Villa auf den Wannsee blickt, würde es gar nicht verwundern, wenn da plötzlich ein blauer Schwan auf dem blauen See unter blauen Wolken herangesegelt käme.

 

cmb

 

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Beelitzer Heilstätten

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Um 1900 profitierten nur wenige Berliner Einwohner von den ersten Kraftdroschken, vom elektrischen Licht oder der Errungenschaft einer Kanalisation. Fortschritt bedeutete für viele Landflucht, Armut, stinkende Rinnsteine, Wohnungsknappheit, Krankheit und Misere oder mangelnde Hygiene (Haushalte vermieteten z.B. ihr Bett tagsüber an Schlafburschen, während sie bei der Arbeit waren, um die Miete leichter bezahlen zu können). In Berlin gab es  unzählige Lungenkranke, die nicht mehr arbeitsfähig waren. Erst der Arzt Robert Koch (1843-1911) entdeckte 1892 den Erreger der Tuberkulose, wofür er 1905 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. In Verbindung mit Medikamenten und gutem Essen konnte viel frische Luft  wahre Wunder wirken und zur Heilung beitragen.

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Ende des 19. Jahrhunderts entschied die Landesversicherungsanstalt Berlin, sich nachhaltig um die vielen schwindsüchtigen Arbeiter zu kümmern und ließ einen der größten und beeindruckendsten Krankenhauskomplex in Brandenburg und Deutschland – knapp 40 km von Berlin entfernt – bauen. 60 Gebäude wurden auf knapp 200 Hektar mitten im Wald errichtet, um die Kranken in gesunder und sauberer Waldluft genesen zu lassen.  Aber um einen Platz in dieser Einrichtung zu bekommen, durfte man nicht älter als 40 Jahre alt sein und als heilbar eingestuft werden. War die Krankheit schon zu weit fortgeschritten, hatte man keine Chance, auf einen der sonnigen und geschützten Liegeplätze im Grünen. Die LVA übernahm die teure Behandlung, wollte aber die Arbeiter später wieder ins Berufsleben zurückholen.

Auf der einen Seite der Bahnlinie waren die Frauen untergebracht, auf der anderen die Männer. Treffen waren strikt verboten. Am Sonntag durfte die Familie aus Berlin zu Besuch kommen.

1898 begannen also die Architekten Heiner Schmieden und Julius Boethke mit der ersten Bauphase, die 600 Betten vorsah. 1908 wurde erstmals weiter ausgebaut und um 1910 gab es dort 1200 Betten. Ein riesiger Hotelbetrieb, der sich fast als Selbstversorger tragen konnte. Der Architekt Fritz Schulz übernahm ab 1925 die dritte Bauphase. Der Berliner Paul Stanke baute ein sensationelles Heizkraftwerk, das mit Kraft-Wärme Kopplung betrieben wurde

Der Besuch in den Beelitzer Heilstätten kommt einer Reise in die Vergangenheit gleich.  Thomas Mann hat sein Lungensanatorium in die Schweizer Berger verlegt, aber diese Frischluftkur war auch hier im Flachland von Berlin möglich und erfolgreich. Gebaut wurde im Ziegellandhausstil in Grün und Braun, sympathische Erker oder Jugendstilelemente schafften Gemütlichkeit und positives Wohlfühlambiente. Das Essen war umfangreich und gut, sicher besser als es die Kranken von zuhause gewohnt waren. Eine Truppe von Gemüseputzfrauen schälte den ganzen Tag Kartoffel oder Steckrüben, die zu Fleisch und Wurst serviert wurden, damit die Kranken schnell an Gewicht zunahmen, denn Gewichtszunahme war die erste Voraussetzung, um bleiben zu können. Trotzdem versuchten vor allem die kranken Frauen immer wieder, etwas von dem Essen abzuzweigen, um es der Familie am Sonntag mit nach Hause zu geben. Damit dies nicht überhand nahm, gab es die Aufpasserinnen, die von Balkonen während der Mahlzeiten die Frauen überwachten.

Während der beiden Weltkriege dienten die Beelitzer-Heilstätten als Lazarett für verwundete Soldaten. 17500 Kranke wurden während des 1. Weltkrieges dort gesund gepflegt.

Die im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigten Heilstätten wurden 1945 von der Roten Armee übernommen und dienten bis in die 1990er Jahre als Militärhospital der sowjetisch-russischen Armee im Ausland. Aus dieser Zeit stammt die riesige Dunstabzugshaube in der Küche, einer der wenigen Gegenstände, die noch erhalten sind.

Aber die wirklich bedeutenden Schäden und Plünderungen fanden erst ab dem Jahre 2001 statt. Durch die Insolvenz der Eigentümergesellschaft blieb das Gelände verlassen und schutzlos zurück, dem Verfall und Vandalismus  frei gegeben.

Seit ein paar Jahren geht es aber aufwärts und das Gelände ist wieder für Besucher geöffnet. Besichtigungen sind allerdings nur mit Führung und Helm möglich.

In den letzten Jahren fanden komplexe Umbau- und Sanierungsarbeiten statt und es entstand eine neurologische Rehabilitationsklinik, ein Parkinson-Fachkrankenhaus sowie eine Rehabilitationsklinik für Kinder. Einige Gebäude in der Nähe des Bahnhofs wurden und werden zu Wohnraum umfunktioniert.

Dann und wann stößt man noch auf einen verrotteten Liegestuhl, kaputte Reagenzgläser, alte Stiefel oder verrostete Badewannen. Das ursprüngliche Waschhaus wurde in den 1920 Jahren in einen Hörsaal  mit Labor umfunktioniert. Auch dort sieht es aus, als ob eine Bombe eingeschlagen hätte, aber ein paar kaputte Hörsaalbänke katapultieren den Besucher zurück in eine andere Zeit, die von Staub und Schmutz überzogen ist. Graffitis an fast allen Wänden sprechen von Vandalismus und Zerstörungswut.

Die Geschichte ist sehr interessant und man wundert sich, wie durchdacht und modern das Konzept war. In den 1920er Jahren wurden die Essen-Transportbehälter sogar mit Elektroautos transportiert, um die Luft sauber zu halten.

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2015 wurde über dem Alpenhaus, der ehemaligen Frauen-Lungenheilstätte, ein Baumkronenpfad errichtet. Über 300 Meter geht man an den Gipfeln entlang und kann beobachten, wie die Natur wieder um sich greift und Bäume und Gestrüpp aus Häuserdächern wachsen.

Die interessante Architektur, die etwas spukhaft in diesem verwunschenen Wald steht und mit der Natur um die Vorherrschaft kämpft, ruft immer wieder großes Interesse bei Filmemachern hervor, so wurden z.B. Filme wie « Der Pianist » oder « Operation Walküre » dort gedreht.

Die Ausstellung « Berliner Realismus », die im Frühjahr im Bröhan Museum zu sehen war, beschrieb die Zustände im Berlin um das 1900 Jahrhundert anhand von Gemälden und Fotos  ausgezeichnet.

Christa Blenk

 

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Von Feen und Zauberern

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Die Bretagne ist die größte Halbinsel Frankreichs und der westlichste Ausläufer des europäischen Festlands, nördlich der Iberischen Halbinsel. Armorica haben die Gallier dieses Land genannt, was so viel wie Land am Meer bedeutet. Vor allem wegen ihrer faszinierenden und wunderschönen Küsten ist die Bretagne beliebt und bekannt, sei es die Côte de Granit Rose im Norden der Bretagne, seien es die Glenan Inseln oder die wilde Pointe du Raz im Südwesten oder sei es das milde, fast tropische Klima am Golf von Morbihan. Traumhafte Sandstrände die eher an die Karibik als an den Atlantik erinnern zwischen steilen Kliffen.

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Quelle von Barenton, Hotie de Viviane

 Nicht weit weg von Rennes, im Innern der Bretagne, im Wald von Brocéliande, hat angeblich  der Zauberer Merlin sein Unwesen getrieben. Sein Grab jedenfalls kann man dort besuchen und überall wo man hinkommt, trifft man auf ihn. Sein Konterfei ziert Kaffeetassen oder T-Shirts und manche Besucher verkleiden sich sogar als Merlin und spazieren mit Bart und Spitzhut durch den Wald. An der Quelle von Barenton, die man sehr gut zu Fuß erreichen kann, hat er sich in die schillernde Fee Viviane verliebt und ihr gleich ein Glasschloss am See von Comper errichtet. Nur geladene Besucher von Viviane sollen es sehen können. Die Quelle hat aber noch viele andere Qualitäten, sie heilt Krankheiten, kann sogar Regen hervorrufen und jungen Mädchen zu einem Ehemann verhelfen, man muss nur die richtige Formel kennen.

Der Wanderweg durch den Laubwald, vorbei an plätschernden Quellen und Rinnsalen, über Stock und Stein, begleitet vom singenden Wind, ist wirklich zauberhaft. Hier soll der sagenumwobene König Artus mit seinen Rittern zahlreiche Abenteuer geplant haben und natürlich wurde auch hier nach dem Heiligen Gral gesucht, der sich wohl immer noch in den Wäldern der Bretagne versteckt hält. Dieses Zaubergefäß soll die Form einer Schale oder eines Kelches, vielleicht aus Stein, haben und wird in einer unwirtlichen und unzugänglichen Burg von Gralsrittern bewacht. Ewige Jugend und Wohlstand soll er bringen, aber das haben wir ja alles schon bei Indiana Jones gelernt.

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Ein weiterer, nicht zu missender Ausflug, führt in das Tal ohne Wiederkehr (Val sans Retour). Hier wütete eine andere Fee, Morgane. Ihren untreuen Liebhaber entkamen dem Tal nicht, davor sorge ein Drache. Erst der Tafelritter Sir Lancelot besiegte den Drachen und verhalf so unzähligen eingeschlossenen Männern zur Freiheit. Über diesen berühmtesten Ritter der Tafelrunde, der als Kind schon von der Fee Viviane im Schloss am See behütet wurde, gibt es auch ganz unterschiedliche Geschichten. Vor allem bekannt ist uns seine Liebe zu Guinevere oder Gwenhwyfer, Königs Artus Gattin. Diese Liebe macht ihn dann aber unwürdig, weiter nach dem Gral zu suchen.

Auch Parzival, der reine Tor, der sein Zuhause verlässt um Ritter am Hof von König Artus zu werden, gehört zu den Gral-Suchern. Über ihn und sein Umfeld gibt es so viele Varianten wie es Kelche gibt und die Literatur und Musik greift immer wieder auf dieses Thema zurück. Am bekanntesten ist hier Wagners Bühnenweihfestspiel von 1882  oder die Rolle des Grals im Lohengrin.

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Der französische Dichter Chrétien de Troyes hat schon im 12. Jahrhundert darüber berichtet. Bei uns war es Wolfram von Eschenbach, der um 1200 Chrétens Roman übersetzte und mit anderen Quellen ausgeweitet hat.

Am besten schlägt man sein Quartier in Paimpol auf, dieser Ort liegt mitten im Wald, dort befindet sich auch die Pforte der Geheimnisse (La Porte des Secrets) in der man sich über alles bestens informieren  und den Wald schon mal virtuell erforschen kann. Es ist ein wenig kitschig, aber durchaus unterhaltsam. Später kann man dann mit organisierten Touren auf einer vierstündigen Wanderung alle bedeutenden Plätze besuchen. Wenn man einen guten Conteur (Erzähler) erwischt, erfährt man auch unzählige Bretagne-Mythen und Legenden.

Feste Schuhe und eine Flasche Wasser sind unbedingte Voraussetzung.

PS die US-Schweizerische Künstlerin June Papineau würde sich hier in ihrem Element finden.

Christa Blenk

Fotos: (c) Christa Blenk

 

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Chili und Schokolade

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Ausstellung im Botanischen Museum Berlin

Bis zum 25. Februar 2018 konnte man sich im Botanischen Museum und in den Gewächshäusern über Mexikos wichtigste Produkte und Pflanzen informieren. Dazu gehören die unterschiedlichsten Chili-Pflanzen.

 

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Auf der kleinen Ausstellung konnte man erfahren wie man  « Hühnchen in Schokosaucee » oder einen « Mais-Schokoladen-Trunk »  zubereitet und lernen, wie Mais oder Bohnen zu uns kamen. Rund 30 000 Pflanzenarten gibt es in Mexiko, damit ist das Land eines der artenreichsten Länder der Erde. 

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cmb

 

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Blog Highlights 2017

Liebe Leserinnen und Leser,

Hier sind nochmals die kulturellen Highlights der letzten 12 Monate nachzulesen, Verbindungen werden hergestellt und Brücken gebaut – wie es nur Musik und Kunst fertig bringen. Dieses Jahr wird der Übergang von einem Kulturevent zum anderen über eine venezianische Brücke von statten gehen. Es geht deshalb auch nicht immer chronologisch zu auf dieser Reise durch 2017!

P1060051 Avanti Avanti. Mit einem spritzigen Silvesterkonzert in der Komischen Oper fing das kulturelle Jahr 2017 an. Max Hopp rollte Volare Volare singend (und tanzend) mit der Vespa (aber nicht mit dieser – diese habe ich auf der Biennale in Venedig entdeckt) auf die Bühne – jedenfalls hatte er das vor … aber lesen Sie selber.

Brücke ohne Geländer Tanzend ging es auch gleich weiter mit den Tanztagen in Berlin . Surrealistisch und perfekt. Duato Shechter gab es in der Komischen Oper. Großartig war auch eine Aufführung des Nederlands Dans Theaters Anfang Dezember.

venezia3  Die Kriminellen der Frau A   war ein ausgesprochen packendes Erlebnis zwischen Theater, Kunst und Musik. Die Oper Ovartaci crazy, queer & loveable ist ein work in progress und erzählt Abschnitte aus Ovartacis Leben. Wir freuen uns schon auf den nächsten Teil!

P1050886 Viel klassische und konventionelle Oper gab es natürlich auch. Hervorzuheben  Salomé in der Deutschen Oper, eine großartige Aufführung von Purcells King Arthur. Abwechselnd zwischen Staatsoper, Komischer Oper und Deutscher Oper gibt es Berichte über  Petruschka, Hoffmanns Erzählungen, Don Giovanni, Der fliegende Holländer, Jacob Lenz, Elektra , La damnation de Faust oder Lohengrin. Sehr zu empfehlen hier Philipp Glass’ Satyagraha  in der Komischen Oper und L’Invisible von Aribert Reimann in der DO. Nicht sehr überzeugend und ein wenig langweilig war Tod in Venedig.

P1050884 Das Georg Kolbe Museum hat gleich drei großartige Ausstellungen in den eher armen Berliner Ausstellungshimmel geschossen. Georg Kolbe im Netzwerk der Moderne , eine umfassende Recherche über Flechtheim und kurz vor Jahresende Emil Cimiotti. Dazu passte perfekt die Ausstellung über Rudolf Belling.

P1050881 Hannover  hat außer einer ziemlich guten Oper auch noch viel Kunst zu bieten. Auf der Skulpturenmeile trifft man auf viele Bildhauer des 20. Jahrhunderts aber natürlich hat sich die Reise schon gelohnt, um dort Hans Werner Henzes « Englische Katze »  zu sehen. Später im Jahr wurde dann auch die Oper LOT  von Giorgio Battistelli dort aufgeführt. In der Ausstellung Manifesto spielt Cate Blanchet 13 verschiedene Rollen. Diese Ausstellung ging durch alle wichtigen europäischen Museen.

1 Das Pariser Centre Pompidou ist immer einen Abstecher wert. Die jeweiligen Restrospektiven über Cy Twombly und David Hockney haben das wieder bewiesen. Jean Noel Pettit hat Cy Twombly ins Französische  übersetzt.

P1050882  Und wieder über eine Brücke und es geht ins Theater. Davon hat Berlin auch genug. Jeanne d’Arc in einem weißen Würfel im Gorki Theater, Wut  am Deutschen Theater, der gefräßige und feige König Ubu, eine enttäuschende Phädra und Caligula  am Berliner Ensemble mit Kettensägen und Wahnsinn.  Sehr gut The Situation im Gorki Theater und weniger gelungen Michel Houellebecq  Unterwerfung. Highlight war sicher die FAUST  Aufführung in der Volksbühne und der damit verbundene Abschied vom Theater-Wüterich Castorf. Kurz vor Jahresende war er dann Gast im Berliner Ensemble mit einer sehr freien Interpretation von Hugos Les Misérables.

P1050924 das wunderbare Ensemble Concerto Romano kennen wir schon aus Rom. 2017 konnten wir sie gleich zweimal in und um Berlin erleben. Einmal mit der herausragenden Aufführung Ad Arma Fideles beim Äquinox Festival und ein zweites Mal beim Göttinger Musikfestival.

P1050875 Aber jetzt wieder ein wenig Kunst. In der Biennale von Venedig hat mich am meisten die side show von Michelangelo Pistoletto interessiert. Er installierte seine Arbeiten in der Palladio-Umgebung.

Gut die Schau über Friedrich Kiesler im Gropius Bau oder die Präsentation von Jeanne Mammen in der Berlinischen Galerie. Im Hamburger Bahnhof war Hanne Darboven zu sehen und eine Entdeckung war  Jan Toorop. Ansonsten hat sich die Kunst in Berlin eher zurückgehalten.

P1050873 Jetzt mit einem großen Sprung über diese Brücke zur zeitgenössischen Musik. Hier ist das Festival Hofklang Anfang September hervorzuheben. Unerhörte Musik gibt es meistens am Dienstag im BKA. Korpus  oder e-werk waren u.a. zu Gast.  Ulrike Brand war auch in einer Performance Walls and Waves  in einer Kirche zu erleben.

P1050870 Überraschend eine Aufführung in der Ahlbecker Kirche auf Usedom von Pergolesis Stabat Mater. Usedom war sonst eher enttäuschend, aber gelohnt hat sich auf jeden Fall ein Besuch im Museum von Otto Niemeyer-Holstein. In dem Artikel zwischen Ostsee und Achterwasser  ist es beschrieben.

P1050850 Und über diese Brücke kommen wir zur Orgel und zu der Orgel-Ikone Matthias Eisenberg. Später im Jahr – zu Luthers Geburtstag – reisten wir ihm nach Leipzig nach und daraus wurde ein musikalisches Leipzig-Wochenende. 

P1050826 Aber auch Robert Wilson beschäftigte sich mit Luther und seinem Jubiläum mit der etwas konfusen Aufführung « Luther dancing with the Gods«  im Pierre Boulez Saal. Kammermusik mit und ohne Worte und ein Auftritt des großartigen Klarinettisten Jörg Widmann sind ebenso beschrieben.

2 Auch der argentinische Komponist und Bandeonist mit italienischen Wurzeln Daniel Pacitti befasste sich mit Luther. Im Juli wurde in der Philharmonie sein Oratorium « Wir sind Bettler » uraufgeführt mit Roman Trekel in der Hauptrolle. Kennen gelernt allerdings haben wir Pacitti bei einer ganz anderen Gelegenheit, nämlich bei einem kreolischen Tangoabend in den Räumen der Freien Volksbühne.

P1050816 Bei einem wunderbaren Hauskonzert in Zehlendorf hat Pacitti seine dritte Seite präsentiert. Das zeitgenössische Stück mit Einflüssen aus seiner Heimat. La Cruz del Sur wurde von zwei virtuosen jungen Solisten (Klavier und Querflöte) vorgetragen. Ausgeklungen sind die Zehlendorfer Hauskonzerte mit Werken von  Franz Schubert.

P1050920 In der Kunst und Ausstellungshalle in Bonn gab es eine sehr gut zusammen gestellte Ausstellung von Ferdinand Hodler  und München befasste sich mit dem 19. Jahrhundert in der Ausstellung GUT WAHR SCHÖN . Diese beiden Artikel sind u.a. auch auf KULTURA EXTRA  erschienen.

P1050894 Der Sommer in der Vendee besteht nicht nur aus Palourdes sammeln oder Strandspaziergängen. In Thiré findet jedes Jahr das Festival « Dans le Jardin de William Christie » statt. Dieses Jahr Monteverdi  gewidmet. William Christie war auch im Dezember zu Gast in der Philharmonie mit einer fantastischen Aufführung von Monteverdis  « Selva spirituale e morale ». Aber auch die Staatsoper feierte den großen Monteverdi mit einer sehr schönen Aufführung von L’incoronazione di Poppea.

Auch die Neuköllner Oper widmete Monteverdi einen Abend – bei Combattimento x 2 geht es in den Wrestler Ring!

P1050850 In einen anderen Garten – nämlich in den von Guillermo Lledó - führte die diesjährige Madrid-Reise. « Plaza para un hombre solo » ist eine Skulptur und die Eröffnung dieser wurde ganz groß in seinem Garten in einem Madrider Vorort gefeiert mit Künstlern und Madrider Kunstwelt. Madrid ist eine Kunst-Stadt, ein wenig davon ist hier auch beschrieben: Mateo Mate, Rosa Barba, Franz Erhard Walter. Das Museo Reina Sofia hatte eine umfangreiche Ausstellung zu Picasso und Guernica organisiert. Piedad y terror en Picasso.

P1050892 der argentinische Künstler Nestor Boscoscuro lebt in Berlin und in Buenos Aires. Mit ihm wurde die Portrait-Serie für KULTURA EXTRA erweitert.

P1050877 Die Aufführungen der Neuköllner Oper lohnen sich ebenfalls immer und sind jedesmal überraschend und erfrischend. Unter anderem gab es dort Combattimento x 2, Fuck the Facts und eine sehr freie Interpretation der Bettleropera.

P1050948 Pellworm – wo ist das denn? Aber eine Reise dorthin lohnt schon deshalb, weil diese Ecke in der Nordsee eine Art Atlantis ist – umgeben von Mythen und Sagen.

P1050818 The future is female war der Titel einer Reihe von Aufführungen  in den Sophiensälen. HUMBUG  wurde durch OPERALAB aufgeführt, war sehr amüsant und führte in die Zirkuswelt. In Norway Today  waren die zukünftigen Sophies Rois oder Wuttkes dieser Welt zu sehen.

P1060047 Das Colombian Youth Orchestra erfand Strawinsky neu und das auch noch im Konzerthaus am Gendarmenmarkt  und Josep Pons dirigierte Ravel, Falla und ebenfalls Strawinsky.

P1050928Bei dem Buch « Eine Sinfonie der Welt » geht es auch um Musik. Hier beschreibt Alexander Bertsch das Leben eines Komponisten in der Nazi-Zeit.  Ein schönes Buch!

Brücke ohne Geländer Hoch im Norden lebt der Dorfpoet  und macht sich über sich selber und die Welt lustig -  aber lesen Sie selber.

 

Einen Guten Rutsch mit Trauben, Linsen oder anderen Bräuchen  wünsche ich allen Leserinnen und Leser und ich freue mich auf Ihren Besuch im nächsten Jahr!

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Christa Blenk

 

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Matschkes Krippen-Welt

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Die Edelholzkrippe

 

Im Dezember sind im Gemeindehaus neben der Schlosskirche von Buch Angelika und Peter Matschkes Krippen ausgestellt. Figuren, Figurengruppen, Tiere und Sänger aus  aller Welt, die alle irgendetwas mit Weihnachten und Krippen zu tun haben, sind zu bewundern. Die beiden stolzen Besitzer dieser kleinen Kunstwerke haben selber viele Jahre im Ausland gelebt und auf jedem Posten ihre Sammlung vergrößert.

Aber so eine Sammlung entsteht ja nicht von selber, in so etwas wird man hineingeboren: Als Pfarrerskind war Angelika Matschke näher als andere Kinder an Weihnachten und Weihnachtsgeschichten oder Krippenspielen. Der Weihnachtsberg in Brünlos im Erzgebirge hat sie als Kind sehr beeindruckt und die Mechanik, die die Figuren zum Leben erwachten, hat sie verzaubert. Und wenn andere kleine Mädchen sich Puppen wünschten, wollte sie Krippenkinder haben oder Papier-Ausschneide-Figuren und Gehäuse. Aber das Schönste war natürlich die Edelholzkrippe ihres Vaters, mit der sie allerdings als Kind nicht spielen durfte und das nicht nur, weil die Figuren in der Bodenplatte verankert waren. Spielen mit den Krippenhelden durfte sie aber mit den Schätzen Ihrer Großeltern.

 

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Die  Figuren aus anderen Kulturkreisen  kamen auf Posten wie Kairo, Lima, Caracas oder Bangkok  dazu und so wurde aus einer Souvenir-Sammlung eine internationale Krippensammlung.  Freunde wussten von diesem Zeitpunkt an auch immer, was sie den Matschkes schenken konnten: einen Engel, eine Krippe oder ein Krippentier.

Aber mindestens genau so spannend wie die unterschiedlichen Krippenfiguren sind die Geschichten dazu, die Angelika Matschke im Begleitkatalog zur Ausstellung erzählt.

Die Edelholzkrippe ihres Vaters kam zu ihr, als sie während ihres Kirchenmusikstudiums in Görlitz über die Weihnachts-Feiertage  nicht nach Hause kommen konnte. Sie ist aus unterschiedlichen Hölzern gearbeitet und eines der schönsten Arrangements in der Sammlung. Von den Großeltern stammen die größeren Holzengel, diejenigen, mit denen sie als Kind spielen durfte.

Beeindruckend ist das Krippenorchester, die „Grünhainichener“ Engel, die ebenfalls alle zusammen in einer anderen Vitrine musizieren. Die koptische Krippe bekam sie von einer Kollegin geschenkt, weil der Umzug von Bonn nach Kairo nicht pünktlich zu Weihnachten ankam. Die Figuren aus Bangkok sind die farbenfrohesten und die Playmobil Figur, die ihre Tochter zum ersten Weihnachten in Lima bekam, legte den Grundstein für eine  Playmobil-Sammlung.  In Peru kam auch eine ganz typische Krippe der Andenbewohner dazu und hier ist der Esel ein Lama geworden. In Venezuela hat sie später auf dem Weihnachtsmarkt der deutschen evangelischen Gemeinde eine  Krippe aus Bronze gekauft. Der dafür eigentlich etwas zu groß geratene Engel war das Abschiedsgeschenk der Kirchgemeinde Lima.

 

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Aber auch ein  Notenschlüssel aus Assisi, den ihr die Tochter von der  Konfirmandenfahrt nach Italien mitbrachte, gehört zur Sammlung sowie unzählige individuelle Engel- und Tierfiguren.

Und wenn Sie dann schon mal in Buch sind, werfen Sie unbedingt einen Blick in die Kirche, denn das lohnt sich auch. Sie zählt zu den schönsten Barock-Sakralbauten in Berlin-Brandenburg und wurde um 1730 nach Plänen des Architekten Friedrich Wilhelm Diterichs im Auftrag von Adam Otto von Viereck erbaut.  Theodor Fontane bewunderte bei seinem Besuch in Buch die Stattlichkeit und den malerischen Reiz dieses ziemlich auffälligen Bauwerks. Historische Fotos erzählen, wie sie vor der Bombardierung 1943 ausgesehen hat. Besonders originell und schön ist das Epitaph für Adam Otto von Viereck in der Rundbogennische an der Ostwand. Der Berliner Bildhauer Johann Georg Glume hat es 1763 geschaffen.  Die spätbarocke oder Rokoko-Skulptur füllt die komplette Nische aus und erzählt in einem  asymmetrischen Aufbau das Leben von Viereck.

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Epitaph in der Bucher Schlosskirche
 

Christa  Blenk

 

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In den Rheinauen – während COP23

Während der COP23 waren in den Bonner Rheinauen Installationen und Skulpturen des dänischen Künstlers Jens Galschiot (*1954) zu sehen.  Seine Arbeiten befassen sich generell mit dem Thema Humanismus, Menschenrechte und mit der Verteidigung von ethischen Werten der Gesellschaft – weg von politischen, religiösen oder wirtschaftlichen Interessen. Meist stellt er seine Arbeiten an öffentlichen Plätzen aus, die dann gerne in eine Performance übergehen.

Die schwimmende Installation The Refugee Ship zeigt Klimaflüchtlinge in Kupfer und wurde bis jetzt in 30 deutschen Städten gezeigt sowie in weiten Teilen in Skandinavien

Anläßlich des Mauerfalls im Herbst 1989 entstand eine Skulptur mit Mauerfragmenten, dazu erhielt er von der Stadt Berlin zwei Mauerstücke, aufgestellt wurde die Skulptur in Berlin jedoch nicht (allerdings wurde das Modell am Checkpoint Charlie gezeigt). Das Original steht in seinem Skulpturengarten in Odense.  

 

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In den Rheinauen während der COP23 – u.a. mit Skulpturen von Jens Galschiot

cmb

 

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Venezianische Brücken

In Venedig gibt es keine Autos, keine Motorräder, keine Fahrräder – dafür viele Boote, Gondeln, Vaporetti, Motorboote, Ruderboote und Taxi-Boote. Über den Canale Grande, die Hauptverkehrsstraße sozusagen,  führen nicht viele Brücken; deshalb fährt das Vaporetto (vor allem die Linie 1) im Zig-Zag von einer Seite zur anderen oder man setzt mit Gondeln über auf die andere Seite. Aber hinter dieser Wasser-Avenue gibt es unzählige Brücken, in allen möglichen Varianten – Holz oder Stein. 

Eine Statistik besagt, dass es im Zeitraum zwischen 1088 und 1362 an die 258 Brücken in Venedig gab. Am Ende des 16. Jahrhunderts waren es mehr als 400 Brücken. Die meisten sind gar nichts besonders und verbinden einfach nur zwei Straßen oder führen zu einer Wohnungstür. Tatsache ist jedenfalls, dass man in Venedig permanent irgendwelche Treppen geht oder über Brücken muss. Ein paar davon habe ich festgehalten auf dem Weg von der Piazzale Roma bis zum Arsenale. (Norbert Huse hat ein wunderbares Buch darüber geschrieben).

Die Brücken haben so schöne Namen wie  Ponte del Tolentini, Ponte de le Sechere, Ponte Canal, Ponte Ca Dona, Ponte de la Madoneta, Ponte Bernardo,   Ponte de la Bande, Ponte dei Carmini, Ponte S. Isepo, Ponte Picolo. Zwei Fotos sind die Brücken beim Hotel de la Fenice etc. 

 

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Fotos: cmb und Gisela Lech

 

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Trouvaillen, Petitessen und Sottisen

Dorfpoet
So sieht sich der (Dorf)Poet Rudi Faßbender auch

 

Der verkanntete Dorfpoet Rudi Faßbender philosophiert in den kleinen gelben Heften über Café-Häuser, Reisen und bekannte Persönlichkeiten. Die Broschüren gibt er im Selbstverlag heraus.

Die – auch gelbe – Broschüre Ein Parforce-Ritt durch die Geschichte der Caféhäuser  unter besonderer Berücksichtigung der sie häufiger frequentiert habenden Pinsel, Feder- und / oder Wortführer « Das int’ressiert mich, nicht die Bohne » führt durch die großen Cafés in Europa mit Zitaten oder Reimen der prominenten Besucher/innen (vielleicht hat er sie ihnen aber auch in den Mund gelegt!). 

Die Ausgabe Nr. 102 der Trouvaillen, Petitessen und Sottisen ist eine Art Bretagne und Vendée-Sonderheft und hat uns allein schon deshalb ganz besonders interessiert. Entstanden ist es im August 2017, als wir uns auch gerade dort aufgehalten haben. Er reist um die Inseln Noirmoutier und Yeu  genau wie wir und überquert den Gois bei Ebbe, wo wir uns immer die Palourdes holen.

Eine surrealistische Reise in Wortspielereien, Reimen und Ironie an der Atlantikküste entlang – von der Normandie nach Saint Malo mit Abstechern auf die Inseln bis Saint Gilles Croix de Vie. Man muss oft zweimal hinsehen oder hinlesen, um die feine Ironie auch zu entschlüsseln und vor allem muss man natürlich die Geografie dort kennen, denn sonst versteht man nicht wenn er aus Croix de Vie « Schnaps » macht oder diese Anekdote erzählt: „Gilles, der Chef des Hotels du Marché in Beauvoir-sur-mer, dem Flecken, von dem Simone de Beauvoir damals aufbrach, um trockenen Fußes die Passage du Gois zur Insel Noirmoutier zu bezwingen, sagte lachend, wir sollten uns da mal nichts vormachen lassen vom einfachen, gemächlichen und entschleunigten Leben auf der Insel, die Einwohner hätten samt und sonders ihre Mercedes, BMW und Porsches auf dem Festland – sie sagen: auf dem Continent – stehen » (Zitat)

(Anmerkung meinerseits: wenn man allerdings an einem Freitag auf die Insel will und die Brücke nehmen muss, weil gerade Flut ist, kann man durchaus lange Zeit im Stau mit eben diesen Autos stehen, denn dann fahren sie alle dort hin!)

Zwischendurch zitiert er immer wieder Georges Brassens und andere Poeten und macht Exkurse in unterschiedliche Gegenden Man mag blättert darin mit einem Schmunzeln auf dem Gesicht und mag das kleine Heftchen gar nicht mehr weglegen, so kurzweilig ist es, darin zu schmökern.

Und wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und Frankreich mag, kann sodann das Sonderheft  (XVI) Provence zur Hand nehmen. Hier erklärt der Poet gleich auf der ersten Seite, worüber in diesem Heft leider nicht berichtet wird.

„Wenn Du meinst es geht nicht mehr, geht noch ein Stück Camembert“ (französische Essensregel)

Rudi Faßbender lebt und dichtet in Prasdorf und ihn kann man auch als « Trouvaille » bezeichnen!

 

Und hier ein paar Fotos von den beschriebenen Orten, die wir gemacht haben:

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Von Saint Malo bis zum Gois von Noirmoutier 
 
Festival de Lanvellec
Der Gois
Dans le Jardin de William Christie
Am Atlantik
 
Christa Blenk

 

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Kloster Chorin

Die ehemalige Zisterzienserabtei Chorin liegt in der Nähe des Ortes Chorin im Landkreis Barnim. Im 13. Jahrhundert erbaut im Stil der norddeutschen Ziegelbaugotik. war es schon 300 Jahre später dem Verfall preisgegeben. Erst Karl-Friedrich Schinkel entdeckte es auf seinen Reisen und hat sich dafür eingesetzt, dass der Preussische Staat sich um den Wiederaufbau kümmert. Eine zeitlang wurde die Klosterruine auch als Stall benutzt, wovon immer noch Tränken im linken Teil des Baues sprechen.

Das Kloster liegt an einem See, der früher Choriner See hieß und heute den Namen Amtssee hat. Chorin kommt vom slawischen Wort « chory » was « krank » bedeutet. Der See war fischarm und sumpfig und entstand, als die Mönche mit dem Bau des Klosters das Wasser um knapp zwei Meter absenkten.

Heute gibt es dort schöne Wanderwege und sympathische Restaurants. Das Kloster, das nicht mehr als solches benutzt wird, ist ein Ausflugs- und Ausstellungsort. Im Kloster selber werden im Sommer Konzerte abgehalten.

Mit dem Regionalzug Richtung Stralsund ist Chorin in einer guten Stunde zu erreichen.

 

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cmb

 

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Palourdes vom Gois

 
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Palourdesuchen am Gois

Dieses Jahr, Ende August ist der Koeffizient nur 38. Wir machen uns aber trotzdem auf den Weg zum Gois, um Palourdes zu holen. Im Vergleich zu vor einer Woche (s. Foto)  sind nur wenige Palourdesucher unterwegs, was auch am leichten Regen liegen koennte.  Da die Ebbe noch nicht total angekommen ist, lassen wir dieses Mal unser Auto nicht  mitten im Meer im festen Schlick stehen, sondern parken schon 500 Meter vor dem Wasser, auf der Insel und machen uns mit unserem kleinen, geflochtenen Metallkorb und mit der kleinen Harke und Gummistiefel  - vorbei an wartenden Autos, die über den Gois wollen – auf den Weg ins schlickige Meer.

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Nach einer guten Stunde graben im feuchten Lehm, unterbrochen nur von einem Griff in die Jackentasche zur Schlüsselkontrolle (in zwei Stunden kommt die Flut und hier würde man nie und nimmer einern verlorenen Schlüssel finden), aber auch um den Rücken durchzubiegen,  haben wir ca 1 Kilo schöne große Muscheln -  laut Vorschrift sollen sie nicht kleiner als 4 cm sein – gesammelt.  die Kleinen werfen wir wieder ins Meer zurück und beschliessen, sie beim nâchsten Mal mitzunehmen. Voller Vorfreude auf den Leckerbissen zum Abendessen treten wir den Rückzug an.

Die Palourdes müssen nun mindestens drei Stunden gewässert werden, um den Sand auszuscheiden.

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Dazu holen wir uns Meerwasser (es geht aber auch mit Süßwasser in das man sehr viel grobes Salz schüttet). Ich wechsle das Wasser dreimal und gegen 20 Uhr sind sie  dann verzehrfähig und ich überlege, wie ich daraus  ein schönes Abendessen zaubern könnte. Zuerst brate ich Zwiebeln, Knoblauch,Tomaten, Pili Pili (wenig) und Lauch an und lösche das mit Roséwein aus der Gegend. In diesen Sud rühre ich einen Teelöffel Dijon Senf; dann schneide ich die Karotten und die Noirmoutier Kartoffel in ca. 2-3 cm Scheiben und lege alles in die Brühe, zum Schluss füge ich  das mittlerweile zweimal aufgekochte Salikorngemuese von William (dem Salzbauern) samt Wasser dazu, das nun erheblich an Salz verloren hat. Auch ein wenig frischer  Ingwer wird dazu gerieben. Dann lasse ich es eine halbe Stunde zugedeckt köcheln. Als nächstes schichte ich unsere Venusmuscheln auf diese (Gemüse)Bouillabaisse, gebe nochmals ein wenig Wein und viel frische Petersilie hinzu. Dann decke ich alles wieder ab bis nach ca. 5-6 Minuten sich nacheinander mit einem Klacken alle Muscheln öffnen. Ich gebe noch einen Spritzer Zitronensaft darauf und serviere es mit getoastetem Brot das ich mit Olivenöl; Knoblauch und Tomaten abgerieben habe: Es ist köstlich und wir nennen es Casserole Noirmoutière.

Sie dürfen es gerne nachkochen – geht auch sicher mit ganz normalen Miesmuscheln, aber ich weiß nicht, ob es ohne salicorne so gut schmeckt.

Guten Appetit

cmb

 

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Das Salz von Noirmoutier

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Auf der Insel Noirmoutier in der Vendée wird das beste und weisseste fleur de sel hergestellt. Die meisten Salzbauern sind noch unabhängig und jeder hat seine eigene Marke. Wir kaufen immer bei einem Salzbauern in Epine, bei Willy:

Karge Lehmböden, Meerwasser, Sonne und Wind, Flut und Ebbe sind die Werkzeuge, die zur Salzgewinnung notwendig sind.

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Hier arbeitet er gerade bevor die tägliche kleine Konferenz um 17 Uhr beginnt, in der er vor seinem weissen Gold über die faszinierende Arbeit eines Salzbauern erzählt:

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mehr über die Vendée und das Salz

Le Gois

Fotos: cmb

 

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San Antonio de la Florida

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Jedes Jahr im Juni feiert dieser Stadtteil am Manzanares im Zentrum von Madrid das Fest des Heiligen Antonius. Der Königshof von Karl IV hatte den Bau dieser kleinen Kapelle an einer Einsiedelei angeregt. Goyas Freund und Aufklärer, der Justizminister Gaspar Jovellanes, den Goya auch des Öfteren portraitierte, beauftragte den Maler mit den Fresken, die einerseits den Einfluss der Inquisition vermindern und andererseits vor Justizirrtümern warnen sollten. Das war 1798 und Goya brauchte sechs Monate um die Fresken zu vollenden.

Die Legende des Heiligen Antonius kam da gerade recht: Der Vater des Heiligen Antonius von Padua wurde in Lissabon des Mordes angeklagt. Antonius erfährt durch eine göttliche Botschaft davon und macht sich gleich auf den Weg dorthin. Im Gerichtssaal erweckte er den Ermordeten wieder zum Leben und sein Vater wurde freigesprochen.

Goyas Himmel ist voller realistischer Farben und Formen. Alle Beteiligten lehnen an einer Art Brüstung und betrachten die Welt von oben. Goya hat die gesamte Decke bemalt. Auf der einen Seite die Auferstehung des Ermordeten durch das Wirken von Antonius vor einer aufgewühlten Menschenmenge, die dem Wunder des Hl. Antonius zusieht. Weiter in der Mitte der neu zum Leben erwachte. Interessant ist, dass Goya seinen Personen das Schweben genommen hat. Man sieht, dass sie die Balustrade oder etwas anderes brauchen, um sich anzulehnen oder festzuhalten. Die Schwerkraft greift hier ein. Eine der vielen Revolutionen in Goyas Malerei. Groß ist der Unterschied von den Personen auf den Fresken und denen des Volksfestes am Manzanares nicht. Hier schweben keine himmelblau gekleideten engelhaften Menschen durch das Universum, Goyas Personen sind realistisch, sie schauen verdächtig, gleichgültig oder entsetzt auf uns herab. Hier ist das Heilige und das Irdische nicht mehr zu trennen, Goya malt verhärmte Alltagsgesichter.

Francisco de Goya malte diese Fresken in der zweiten Hälfte seines Lebens, mit 52 Jahren und bis zu seinem Tod 1828 sollte es noch viele Kunst-Eroberungen geben. Aber diese Fresken, die Sixtinische Kapelle von Madrid,  ist ein Meisterwerk.

Gebaut wurde die kleine Kapelle zwischen 1792 bis 1798 – noch im Barockstil – vom italienischen Architekten Filippo Fontana im Auftrag von Karl IV.  Der Grundriss ist ein griechisches Kreuz mit einer Kuppel im Zentrum.

Der große spanische Maler Goya zählt zu den Revolutionären der Malerei und schaffte es, auf der einen Seite Hofmaler oder Auftragsmaler zu sein und auf der anderen seine eigenen Bilder und Ideen zu verwirklichen.  Goya war ein Expressionist, ein Sozialkritiker, seiner Zeit weit voraus. Er dokumentiert auf sehr provokative Weise  Unruhe, Ungerechtigkeit und Unmut seiner Epoche wie sonst Keiner. Seine Zeit war die Romantik und der Klassizismus, seine Malerei hingegen ist vor allem ein sehr eigenwilliger Realismus.

Francisco de Goya ist in Bordeaux verstorben; 1901 wurde sein Leichnam allerdings nach Spanien überführt und seit 1919 hat er seine letzte Ruhestätte dort.

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Goya-Denkmal

 

Direkt nebenan kann man sich anschließend in einer typischen spanischen Bar stärken – Casa Mingo gehört zu den ältesten Restaurants in Madrid. Die Spezialitäten dort sind Chorizo, Tortilla, Empanadas und natürlich das Brathähnchen. Am besten schmeckt es mit Sidra de Asturias.

 

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Christa Blenk

 

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Pellworm

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Pellworm! – wo ist das denn?

Die Insel Pellworm gehört zu den Nordfriesischen Inseln und ist eigentlich nur ein Überbleibsel einer weiten Flur, die im achten Jahrhundert von Friesen besiedelt wurde. Erst um 1000 n.C. durchbrach die Nordsee diese Ebene und setzte das Land unter Wasser. Schon aus dieser Zeit stammen die ersten Deich- und Warftbauten und die Bewohner entwickelten Ideen und Pläne, um sich im Kampf gegen die Nordsee zu organisieren. Im Laufe der Jahrhunderte, wurden aber aus dieser Landfläche immer mehr Inseln und Hallige.

Die erste große bekannte Flut fand im 14. Jahrhundert statt und ab dem 17. Jahrhundert gab es immer wieder verheerende Fluten; die letzte, die Pellworm fast komplett überschwemmte, fand im Jahre 1825 statt.

Heute erreicht man diese grüne Insel in einer guten halben Stunde mit der Fähre von Nordstrand. Alles ist bestens organisiert, denn der Zug aus Husum wartet auf den Bus, der die Gäste nach Nordstrand bringt und dort wartet die Fähre. Bei Ebbe geht die Fahrt durch eine Furt, links und rechts sieht man den Grund der Nordsee.
Pellworm ist eingerahmt von sehr hohen Deichen auf denen sich die Schafe mit den Austernfischern tummeln. Hinter den Deichen ist auf der einen Seite das Meer und auf der anderen Häuser, Höfe und Wiesen. Pellworm hat viel Natur, Zeit und Platz und alles tickt ein wenig ruhiger.

»Heut bin ich über Rungholt gefahren, die Stadt ging unter vor sechshundert Jahren…«

Der deutsche Naturalist und Neuromantiker Detlev von Liliencron (1844-1909) hat ein Jahr dort verbracht und wurde Anfang 1882 sogar zum Hardesvogt ernannt, das ist eine Art Stellvertreteramt in der Gemeinde, die zu diesem Zeitpunkt schon zu Preußen gehörte.  Auf Pellworm entstand seine sicher berühmteste Ballade „Trutz, blanke Hans“. Er verarbeitete hier die Rungholtsage und die  große Sturmflut von 1634, die Grote Mandränke, die die vor Husum gelegene Insel Nordstrand seinerzeit verwüstete. Der Blanke Hans ist eine friesische Bezeichnung für die Nordsee. Rungholt ging das erste Mal in der Zweiten Marcellusflut im Januar 1362 unter. Dieses sagenumwobene Atlantis der Nordsee lag vor Pellworm, auf der heutigen Hallig Südfall, genau dort wo der Verfasser Hardesvogt war. In seinem Tagebuch schreibt er, wie er auf der Fähre von Husum nach Pellworm von dieser Sage höre.

Und wie immer wenn es keine echten Zeitzeugen gibt, blühen Sagen und Legenden. Zwei Geschichtsschreiber im 17. Jahrhundert erwähnten diese untergegangene Stadt mit den verborgenen Schätzen. Erst in den 1920 Jahren spülte das Meer nördlich von Südfall Überreste einer früheren Zivilisation ans Land und es begann ein systematische Aufarbeitung der Funde.  Auf einer Karte von 1636 die wohl auf einer anderen von 1240 basiert wird zum ersten Mal der Name Rungholt erwähnt. Das Datum liegt ca acht Monate vor der Marcellusflut. Ein wichter Rungholt Forscher war Andreas Busch (über ihn und seine Theorien und Aufzeichnungen kann man viel im Museum in Husum lesen und sehen).

 

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Im Rahmen der Christianisierung entstand im Jahre 1095 die Alte Kirche St. Salvator. Sie liegt auf einer Linie mit anderen vier Mutterkirchen der Christianisierung. Ca 150 Jahre später entstand der Gotische Turm, von dem heute noch eine 25 Meter hohe Ruine übrig ist. Der damals übliche und benutzte Tuffstein kam aus dem Rheinland. Spätgotisch ist der Flügelaltar; er zeigt die Passion Christ in sieben Szenen.

Aber der Hauptanziehungspunkt in der Kirche von  Pellworm ist ein Spätwerk des berühmten deutschen Orgelbauers Arp Schnitger. 1711 hat er sie aus unbehandeltem Eichenholz gebaut, sie hat 24 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Hälfte davon sind noch Originale. In Schleswig Holstein ist sie die einzig erhaltene Schnitger-Orgel und deshalb eine große Sehenswürdigkeit, auf die die Pellwormer sehr stolz sind, zumal im Sommer jeden Mittwoch regelmäßige Orgelkonzerte stattfinden – mit zum Teil recht bekannten Interpreten.

Einen Sandstrand wird man auf Pellworm hingegen nicht finden, da die Insel vor dem Meer mit hohen Dämmen geschützt werden muss. Dafür kann man wunderbare Wattwanderungen dort unternehmen. Ebbe und Flut wechseln sich alle sechs Stunden ab und geben dann für kurze Zeit den Meeresboden frei. Die ganz Mutigen können natürlich auch den Postboten auf seinem Fußmarsch durch das Watt begleiten – denn ein Ehepaar wohnt ganzjährig auf dieser Hallig. Allerdings muss man gut zu Fuß sein, denn  drei Stunden ist man mindestens unterwegs.

 

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der alte Turm

 Christa Blenk

 

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Zwischen Ostsee und Achterwasser

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Blick vom Garten auf Leiter, Boot und Achterwasser

 

Nur knapp 300 Meter Land, ein wenig mehr als ein Steinwurf, liegen dort Ostsee und Achterwasser. Auf dieser engsten Stelle der Insel Usedom steht ein S-Bahn-Wagen. Der Maler Otto Niemeyer-Holstein (1896-1984) hat ihn im Jahre 1932 für 60,50 Mark in Berlin-Rummelsburg gekauft und ihn 1933 (ohne Räder, denn diese hat jemand anderes gekauft) unter großem finanziellen und technischen Aufwand und mit viel Phantasie an diesen sandigen Fleck gebracht. 1932 legt er dort – aus Berlin kommend – mit seinem Segelboot Lütter an. Außer einem großen Schuppen, einem holprigen Pflastersteineeg, ein wenig Ried und krumme Weiden gibt es sonst dort nichts. Genau was er sucht, nur ein paar Meter zum Strand. „Hier will ich leben, hier will ich sterben“, ruft er und geht an Land. Niemeyer hat sein Paradies, sein Refugium, das ihm für den Rest seines Lebens Geborgenheit, Schutz und Inspiration werden sollte, gefunden. Sein Segler „Lütter“ sollte auch dem Ort Lüttenort den Namen geben.

Der Maler Niemeyer, der eigentlich Gärtner werden wollte, hat im Laufe der Zeit einen Skulpturen-Zaubergarten um den Wagen herum angelegt, wie ihn Klingsor nicht schöner hätte erträumen können. Jahrelang waren er und seine Familie Selbstversorger. Im Obstgarten lehnt immer noch die lange Leiter am Baum und lädt zur Ernte ein. Weiter weg entdeckt man eine leicht überwucherte Getreidemühle und eine große Schiffsglocke. In einer anderen Ecke – im japanischen Garten – gibt es China-Wacholder und allerlei Sträucher und ein wenig weiter liegt der  Kastanienhof sowie ein Quittengarten  und von fast allen Plätzen aus kann man auf eine Lagune des Peenestromes, das Achterwasser, blicken. Dort liegt noch ein Boot und der Wind streift leise über die Schilfgräser, vertreibt die Wolken und lässt die Konturen überdurchschnittlich scharf hervortreten. Alles ist sehr gepflegt und doch ist hier die Natur kein bisschen beschnitten.

 

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« Paar » Wolf-Eike Kuntsche; Waldemar Grzimek « Torso »; Wieland förster « Große Stehende »

 

31 Skulpturen von Künstlerfreunden wie Waldemar Grzimek, Sabina Grzimek, Sabine Teubner, Wolf-Eike Kuntsche, Werner Stötzer und viele mehr beleben den Garten, verstecken sich und stehen miteinander im Dialog. Niemeyer hat sie entweder geschenkt bekommen oder sie gegen seine Bilder eingetauscht. Auch die Kopie eines römischen Augustus‘ ist darunter. Zweige ringen sich um seinen Fuß, fast wie bei Berninis Daphne. Dieser Garten gehört sicher zu den schönsten Skulpturengärten, die ab den 1960er Jahren fast überall in Europa wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Ich denke da an das Kröller-Müller Museum/Otterlo, die Skulpturenmeile in Hannover oder die Museumsinsel Hombroich. Ein Tor aus alten Schiffsbalken führt auf der Rückseite zum Achterwasser. Eine Zeitlang ist auch allerlei Viehzeugs dort rumgelaufen, das dann später auf den Tisch kam. Die Not war oft groß, denn erst ab den 1960er Jahren hat Niemeyer-Holstein gut vom Verkauf seiner Bilder leben können. Unter der recht einfachen Einrichtung sticht das Kieler Zimmer besonders heraus. Niemeyer hat es aus seinem großbürgerlichen Elternhaus in Kiel auf die Insel transportieren lassen. Das einzige was ihm aus der Zeit geblieben ist.

 

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Griechische Skulptur mit Blick auf das Haus

 

Das was man heute dort sieht erinnert nur noch ganz entfernt an das unwirtliche, kleine Stück Moorland. Der Boden ist befestigt und der Garten gewachsen, wie dies auch die Bäume und Sträucher taten. Sogar der S-Bahn-Wagen bekommt nach und nach ein Obergeschoss mit Schlafräumen, die über eine ganz steile Hühnerleiter zu erreichen sind, und links und rechts gibt es jetzt kleine Anbauten. Von außen erkennt man den Wagen nur noch, wenn man weiß, dass er die Basis dieser originellen Behausung bildet. Tritt man aber ein, ist man überrascht, wie breit so ein öffentliches Transportmittel doch ist. Erst viele Jahre später kann Niemeyer sich ein gemütliches und sehr schönes Atelier in der Nähe des Wagen-Hauses errichten. Dorthin zieht er sich auch zurück, wenn ihm die Besucher einmal zu viel werden. Tabu steht an der Tür und daneben hat der ehemalige starke Raucher handschriftlich einen Hinweis auf das herrschende Rauchverbot angebracht.

 

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ONHs Weg zum Strand und Wellenbrecher

 

Hier ist die Zeit stehen geblieben. Es fehlt nur noch, dass plötzlich der Wasserkessel zu pfeifen anfängt und uns der Duft eines selbst gebackenen Marmorkuchens in die Nase steigt. Sogar der Fellmantel, den er immer trug, wenn er im Winter Bahn und Straße  überquerend zum Meer ging, hängt noch dort und macht ihn unsterblich.

1896 wird Niemeyer als Kind eines international bekannten und recht wohlhabenden Völkerrechtlers geboren. Schon mit knapp 10 Jahren schenken ihm seine Eltern das Segelboot Lütter, mit dem er 25 Jahre später Usedom erreichen sollte. 1914 meldet er sich freiwillig zu den Husaren und kehrt verletzt wieder nach Hause zurück. Um sich zu erholen, schicken ihn die Eltern in die Schweiz und dort fängt er an zu malen – aus Langeweile und als Autodidakt wie er selber sagte. Fundamental für seine Künstlerkarriere ist die Begegnung mit Alexej von Jawlensky und dessen Partnerin Marianne von Werefkin. Der Bohemien-Lebensstil der Beiden liegt ihm, dem gutbürgerlichen Kieler Kind zwar nicht, auch war ihm Jawlenskys schriller Expressionismus zu kompliziert und zu weit hergeholt aber Niemeyer lernt, wie wichtig es für einen Künstler ist, eine eigene Handschrift zu haben. Er weiß nun, was er will: nämlich malen, was sein Auge wahrnimmt, nicht mehr und nicht weniger. Mit 24 heiratet er Hertha Langwara, eine sensible und weltfremde Sängerin. Die beiden bekommen einen Sohn. Herthas Bildnis entsteht 1920; es lässt den Einfluss von Jawlensky erkennen. Das Portrait hängt im Museum in Lüttenort und ist sicher eine seiner interessantesten Arbeiten.

 

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 Tor zum Achterwasser

Lyonel Feininger lernt er 1923 kennen und gründet mit anderen Malern kurz darauf die Künstlergruppe Der Große Bär in Ascona/Italien. Es gibt ein Bild von ihm in Anzug und Weste in den Schweizer Bergen wo er eher wie ein Fremdkörper in der Landschaft steht und als Maler nicht zu identifizieren ist. Ein Jahr später lässt er sich von Hertha scheiden. Seine zweite Ehe mit der gebildeten Annelise Schmidt sollte sein Leben lang halten. Aber auch Begegnungen mit Otto Manigk oder Herbert Wegehaupt, der sich übrigens auch auf der Insel Usedom niederließ,  waren wichtige Ereignisse in seinem Leben.

« Der hat mir interessiert, aber ick hab’n noch ‘n kleen’ Stups jegebn. Aus dem wird wat, denn der klaut sich de Farben aus’m Meer » (der Berliner Maler Max Liebermann über Niemeyers Malversuche in den 1920er Jahren)

Hin und wieder macht Niemeyer einen Anlauf und schreibt sich in einer Kunstakademie als Student ein, muss aber nach kurzer Zeit feststellen, dass ihn der dort gepredigte Akademismus nicht weiter bringen wird und bricht ab. Otto Niemeyer-Holstein, der seine Bilder mit ONH signierte, war und blieb ein Autodidakt, geprägt von Menzel und Morandi, den großen Franzosen des 19. Jahrhunderts wie Cezanne oder Gauguin, aber auch von den Malern der Brücke, von Heckel oder Otto Müller. Paula Modersohn-Beckers Farben tauchen immer wieder auf und einige seiner Akte erinnern an Picassos blaue und rosa Periode. Mit der Zeit wird aber die Ostsee sein Modell. Tagein, tagaus besucht er sie und malt die täglichen Stimmungen, die Wasserveränderungen, die Wellenbrecher, Eisberge am Strand oder den Weg dorthin. Die permanente Suche, die Ostsee zu verstehen, sie festzuhalten,  hat ihn zum Künstler gemacht. Bildnisse nennt er seine Portraits. Sie sind neben Landschafts- und Naturbildern der Hauptbestandteil seines künstlerischen Werkes.

Die Niemeyers leben zwar zurückgezogen, aber nicht isoliert. Dafür hatten sie viel zu viele sehr interessante Freunde auch aus der wilden Berliner Zeit in den 1920er Jahren. Man führt ein offenes Haus und ständig kommen Freunde oder andere Künstler zu Besuch, es herrscht reger künstlerischer Austausch. Seefahrer aus dem Ort bringen ihm afrikanische Masken und Skulpturen von ihren Reisen mit und bekommen Bilder dafür.

Das Werkeverzeichnis des Museums ist ein unglaublicher Spaziergang durch die Moderne. Angezogen vom Expressionismus und von der Neuen Sachlichkeit, kümmern ihn Tendenzen oder Moden trotzdem eher weniger.

Anfangs waren es nur ausgedehnte Sommer, die die Familie auf Usedom verbringt. Ab 1939 wird das Refugium zum permanenten Wohnsitz. Peenemünde ist nur knapp 30 km von Lüttenort entfernt und der Krieg bringt so einige kritische Momente. Ab 1940 versteckt er aber trotzdem seine jüdische Schwiegermutter dort. Hin und wieder fallen Bomben in die angrenzenden Wiesen und in den letzten Kriegsmonaten wurde das Land um ihn herum vermint, aber die geplante Sprengung 1945, die diese engste Stelle auf der Insel, wo sein Haus steht, fluten sollte, wird nur ganz knapp verhindert, weil sowjetische Truppen die Insel besetzen.

Vor dem Krieg waren seine Werke von den Nazis „nicht erwünscht“ (allerdings wird Niemeyer nur in wenig Museen vertreten und so konnte auch nur ganz wenig verschwinden) und nach dem Krieg, in den 1950er Jahren gerät ONH in den Kunststreit der DDR. Eine Ausstellung in Dresden findet ohne seine Bilder statt. ONH malt Lenin-Ikonen  für öffentliche Gebäude. Er darf dann aber doch 1954 in Mannheim ausstellen. In den 1960er Jahren reist Neumeyer nach China, Taschkent, Samarkand und Buchara und wird 1963 Präsident der internationalen Ostsee-Biennale in Rostock. Erst ab den 1970er Jahren häufen sich seine Ausstellungen, auch in Italien und Norwegen. 1981 wird sein Gesamtkunstwerk in Rostock gezeigt und der Fernsehfilm „Und der Strand ist meine Geliebte“ gedreht. Ein einfühlsamer, langsamer Film mit vielen Sprechpausen. Er läuft im Museum und ist wirklich sehenswert. ONH sagt ganz wichtige Dinge so en passant, als ganz persönliche Reflexion. Er hätte kein Talent, er müsse sich alles erarbeiten. Aber das sei gut so. Künstler mit viel Talent sind mit 25 Jahren fertig.. 86jährig lernt er immer noch täglich etwas hinzu. 1984 stirbt Otto Neumeyer-Holstein und ein paar Monate später folgt ihm seine Frau Annelise.

 

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 Eingang zu seinem Atelier

 

Schon ein Jahr nach seinem Tod, also 1985, wird Lüttenort Museum und Ort der Begegnung -ganz nach seinem Wunsch. Dort finden jetzt regelmäßig Konferenzen und Konzerte statt und abwechselnd auch Ausstellungen mit Werken von seinen Malerfreunden. Das Museum wird 2001 nahe am Atelier errichtet. Ein kleines Paradies, bei dem die vielen Bäume den Lärm der Schnellstraße fast komplett auffangen.

Otto Neumeyer-Holstein hat an die 5000 Arbeiten (Zeichnungen, Aquarelle, Ölgemälde oder Radierungen) hinterlassen. Ein Großteil gehört dem Museum. Die Bilder hängen aber auch in  Museen in Berlin, Leipzig, Rostock, Dresden, Ascona, Kiel, Oberhausen, Mannheim oder im Folkwang Essen zu sehen. An die 500 sind in Privatbesitz, die meisten dokumentiert und in einem sagenhaften Werkeverzeichnis aufgeführt.

Christa Blenk

Fotos Christa Blenk

 

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Wandteppich von Anger, Zyklus der Apokalypse

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Eingang ins Schloss

 

In der Ich-Form richtet sich der Verfasser der Apokalypse mit den sieben Sendschreiben an die sieben Gemeinden in Ephesus in Kleinasien. Die Offenbarung des Johannes ist das letzte Buch des Neuen Testamentes und gilt als prophetische Hoffnungsschrift für die unterdrückten Christen im Römischen Reich.

Sieben Schreiben, sieben Gemeinden, sieben Siegel, sieben Trompeten, sieben Reiter, sieben Plagen, sieben Engel und sieben Schlafende oder Tote. Visionär, spannend und theatral und mit dem Gedankengut des 14. Jahrhunderts vor dem Hintergrund des 100 jährigen Krieges, wird dieser umwerfende Zyklus erzählt. Er weiß von grausamen und moderne Geschichten zu berichten, dokumentiert die Anbetung des Teufels, die Umkehrung der Macht, die Verführung, die Vernichtung und die Zerstörung von Babylon bis zum Sieg des Guten und den Eintritt in das Paradies.

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Das  ausschließlich aus Wolle bestehende Teppich-Ensemble besteht aus 6 Teilen mit je 14 Bildern, wobei leider nicht mehr alle vorhanden sind. 84 Szenen auf einer Gesamtflache von 700 qm halten den Betrachter in Atem und erstaunen immer wieder durch die Modernität, aber auch künstlerisch erkennt man – noch im Mittelalter des 14. Jahrhunderts –  die ersten wackeligen Schritte der Renaissance Perspektive.

Jede Serie wird von einer Persönlichkeit eingeleitet und geht dann weiter in zwei übereinander liegenden Reihen, im Schachbrettmuster  angeordnet – je sieben himmlische und irdische Szenen.14 Szenen pro Teppich. Hintergrundfarbe ist abwechselnd rot und blau; jedes Bild hat auch eine Bildunterschrift.

 

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der siebenköpfige Drachen

Der Zyklus der Apokalypse misst 103 Meter und ist 4,5 Meter hoch. Er ist somit der größte Wandteppich der jemals in Europa hergestellt wurde. Er entstand zwischen 1373 und 1382 im Auftrag von Herzog Ludwig I. von Anjou, der Weber Nicolas Bataille kümmerte sich um Beides: Finanzierung und Fertigstellung in nur sieben Jahren! Die Entwürfe stammen vom Brügger Künstler Jean de Bruges und in der Pariser Werkstatt von Robert Poisson wurde der Teppich hergestellt.

Seit 1954 hat der Teppich einen extra für ihn gebauten Trakt im Schloss von Angers. Von dem ursprünglich 140 Meters sind heute noch 103 erhalten.

Wandteppichen kam im Mittelalter eine ganz wichtige Rolle zu. Sie bereicherten den Besitzer und begleiteten ihn oft auf seinen Reisen, sie verschönerten und wärmten und waren gern gesehene Gastgeschenke. Allerdings waren sie nie 140 Meter lang und höher als ein dreistöckiges Haus.

Aus welchem Anlass der Teppich von Anger gewebt wurde, weiß man nicht. Man rätselt, dass er vielleicht den Kreuzorden von Ludwig I, den dieser 1370 gegründet hatte, aufwerten sollte. 1782 wurde diese Preziose zum Verkauf angeboten und während der Französischen Revolution zerschnitten. Der Wandteppich wurde als Decke, Bettvorleger oder Schutz im Winter für die Orangenbäume zweckentfremdet. Erst 1843 ging der Bischof von Anger auf die Suche nach dem Verbleib und konnte relativ viel wieder zusammen holen. Aber einige Fragmente sind wohl für immer verloren, andere verblasst. Einige Serien sind aber glücklicherweise in ihren Komplettheit zu bestaunen, allerdings lässt sich nicht immer die richtige Reihenfolge oder auch die Bedeutung zuordnen. Der Audioguide ist gut gemacht und unbedingt erforderlich!

Hier kann man nur sagen: der Besuch lohnt einen Stopp in Angers, abgesehen davon ist die Stadt sehr interessant und schön.

Christa Blenk

Fotos: JNPettit

 

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Eisschmelze – Berlin im Februar

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Am 15. Februar 2017 kam plötzlich der Frühing nach Berlin.

Die Minustemperaturen verwandelten sich in +Grade und auf der Spree setzte sich die Eisblücke in Bewegung. Faszinierender Anblick, wie sie ähnlich einem Wasserfall, das kleine Stauwerk (Mitte – zwischen Unter den Linden und Leipziger Straße) herunterdonnerten, wie sich das Licht darin brach und die  Vögel auf der Spree entlang auf die transparenten Eisscheiben reisten.

 

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Fotos: (c) Christa Blenk

 

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Museum Barberini Potsdam

Museum Barberini
Museum Barberini Potsdam

 

Potsdam, nur einen Steinwurf von Berlin entfernt, entwickelte sich ab dem 17. Jahrhundert zu einer der schönsten Barockstädte in Deutschland. Kurfürst Friedrich Wilhelm kaufte einige, damals verpfändete, Stadtgebiete und machte Potsdam zu einer zweiten Residenz neben Berlin. Aber erst unter dem Aufklärer Friedrich II wurde die Stadt auch optisch eine Residenzstadt. Sie entstand praktisch neu, wurde komplett umstrukturiert und neu gestaltet und sogar die Bürgerhäuser bekamen aufwendige Barockfassaden. 1745 ließ er seinen Sommersitz, Schloss Sanssouci, sowie viele Parkanlagen bauen. Vor 250 Jahren, also 1772, ließ Friedrich der Große in Potsdam nicht weit vom Schloss entfernt vom Architekten Carl von Gontard das Palais Barberini errichten.  Vorbild war der Palazzo Barberini in Rom, den zwei große römische Barockkünstler, Bernini und Borromini errichteten.

Im Krieg wurde das Palais vollkommen zerstört und erst 2013 begann man mit dem Wiederaufbau. Der Kunstsammler und Mitbegründer des Museums Hasso Plattner hat sich dieses sozusagen selber zum Geburtstag geschenkt. Ende Januar 2017 konnte das Museum Barberini schließlich eröffnet werden – und dies gleich mit drei vorzüglichen Ausstellungen, zu denen Leihgaben u.a. aus Sankt Petersburg, aus Paris, aus Hamburg oder Washington anreisten, aber vor allem auch aus Privatsammlungen. Und so soll es laut Plan der Museumsdirektorin Ortrud Westheider auch weitergehen. Jährlich sollen drei Ausstellungen mit Leihgaben und Beständen aus der hochkarätigen Sammlung Plattner in Potsdam zu sehen sein.

 

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 Saalansicht Impressionisten, Monet « Pappeln in Giverny (1887) und Heuhaufen (1893)

 

Eine der Eröffnungsausstellungen ist dem Impressionismus gewidmet  - ein kluger Schachzug, denn diese Lichtbilder der großen Franzosen sorgen immer für ein volles Haus. Mit 93 Exponaten ist sie die größte Ausstellung der Drei. Es werden ausschließlich Landschaftsgemälde, die das Thema Wasser, Wald und Winter behandeln, gezeigt. Sie stammen aus Privatsammlungen oder aus großen und bedeutenden Museen. Gleich zu Anfang hängt ein Gemälde von Claude Monet, das der Kunstverein in Bremen zur Verfügung gestellt hat Boote.  Claude Monet hat es mit knapp 30 Jahren, 1869, gemalt. Drei Jahre vor seinem umkrempelnden Gemälde Impression – solei levant (1872), das dem Impressionismus seinen Namen geben sollte.

Sie tummeln sich alle hier, Alfred Sisley, Gustave Caillebotte, Pissarro und noch mehr Monets, die in London oder in Norditalien entstanden sind, eingerahmt von Themenbildern wie Heuhaufen. Monet hat sich gerne ausführlich mit einem Motiv auseinander gesetzt und es immer wieder bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen oder Tageszeiten gemalt, siehe die Seerosenbilder, die Rouen Kathedrale oder die Heuhaufen, von denen einige zu sehen sind.

Ergänzend sind eine Reihe von Rodin-Skulpturen, Leihgaben aus dem Musée Rodin, Paris, zu sehen, in Anlehnung an die gemeinsame Ausstellung 1889 in Paris von Rodin und Monet Bewegte Körper – im Dialog mit Monet. Vorarbeiten für die Bürger von Calais oder der Denker, eine Plastik, die Rodin ursprünglich für seine Höllentor-Skulptur anfertigte, inspiriert von und basierend auf Dantes Göttlicher Komödie.

 

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 August Rodin, Der Denker (1881) – Guss (1967)

 

Die zweite Ausstellung befasst sich mit dem weiten Begriff der Klassiker der Moderne. Anhand von 60 Exponaten wird hier eine Brücke gebaut zwischen den Biergarten-  und Lichtbildern von Max Liebermann, bis hin zu den klatschigen und expressionistischen Bildern von seinem Gegenspieler Emil Nolde oder Max Slevogt. Hier werden die beiden menschlich und künsterlisch so gegensätzlichen Maler  Liebermann und Nolde miteinander konfrontiert. Beide schwimmen im Licht, aber Nolde sehr viel weiter!  Ausgezeichnet zusammengesucht und keine Überschwemmung an Werken. Sogar ein ungewöhnlicher Gustav Klimt Seeufer mit Birken (1901)  hat sich dazwischengedrängt – ebenfalls aus einer Privatsammlung. Um die Jahrhundertwende malte Klimt eine Reihe von dekorativen Landschaftsbildern.

Edvard Munch (1863-1944) kennen wir vor allem als Maler der Dramatik und der inneren Zerrissenheit. Von ihm sind einige sehr lohnenswerte und aus Privatsammlungen kommende Exponate ausgestellt. Munch hat um die Jahrhundertwende im norwegischen Badeort Åsgårdstrand eine Serie von Strand- und Lichtbildern gemalt. Darunter das lichte und leichte Gemälde Sommernacht am Strand (1902/03).

 

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 Emil Nolde « Frischer Tag am Meere (1906) und Max Liebermann « Biergarten in Laren (1903) ,Edvard Munch « Sommernacht am Strand »

 

Die dritte Eröffnungsausstellung befasst sich mit Kunst aus der DDR, besser gesagt der Kunst der Leipziger Schule – Plessner hat sich hier eine bemerkenswerte Sammlung zusammengekauft.

„Aus der Sammlung des Museum Barberini“ wird in zwei  Räumen gezeigt – aber das soll nur ein Vorgeschmack sein. U.a. sind Werke von  Rolf Händler (1938), Willi Sitte (1921-2013), Werner Tübke (1929-2004) , Harald Hetzkes (1929), Bernhard Heisig (1925-2011), Wolfgang Mattheuer (1927-2004) zu sehen mit Schwerpunkt auf den Leipziger Maler Wolfgang Mattheuer. Von ihm ist auch die Bronzeskulptur im Garten des Museums „Jahrhundertschritt“, eine Art Abrechnung der politischen und gesellschaftlichen Widersprüche im 20. Jahrhundert und die Auseinandersetzung mit Faschismus und Sozialismus. Diese Plastik wird dort dauerhaft stehen bleiben. Mattheuer hat 1984 an der 41. Biennale in Venedig teilgenommen und war 1977 Teilnehmer an der in Kassel. Die documenta6 hatte stand unter dem Thema Neue realistische Kunst.  Mattheuer war der Vertreter des Sozialistischen Realismus.

 

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 Saalansicht Bernhard Heisig « Die Straße der Kommune » (1989), Willi Sitte « Selbstbildnis mit Tube und Schutzhelm » (1984)

 

Im Herbst geht es dann weiter, Mit mit der Ausstellung Hinter der Maske. Künstler aus der DDR sollen weitere Werken aus der Barberini-Sammlung Leihgaben gegenüber gestellt werden.

Insgesamt 2800 qm Ausstellungsfläche gibt es in dem Palais und es war wohl ein Glück, dass Plattner nicht seine erste Wahl – das DDR Hotel Mercure – dafür zur Vergügung gestellt bekam. Denn dieses wollten die Potsdamer nicht abreißen lassen!

Die beiden Haupt-Ausstellungen sind noch bis Ende Mai zu sehen – Die DDR Kunst bis zum 3. Oktober.

Seit 1990 gehört Potsdam übrigens zum UNESCO Welterbe. Die Babelsberg Filmstudios wurden dort 1912 als erste große Filmstudien weltweit eingerichtet

 

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Christa Blenk

 

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Skulpturenmeile Hannover

Straßenkunstprogramm in Hannover

Besuch der Skulpturenmeile

Die Landeshauptstadt Hannover  finanzierte das Projekt der Skulpturenmeile schon in den 70er Jahren und nach den Nanas  von Nicki de Saint Phalle wurden die ersten Werke in den 80er Jahren dort permanent installiert – entlang der Brühlstraße und dem Leibnizufer bis hin zum Sprengelmuseum.  Knapp 1 ½ km Fußweg legt man zurück, um an den ganz unterschiedlichen Arbeiten entlang zu schlendern.

Die erste Skulptur auf dem Parcours  Kreisteilung – Quadratanordnung – Kegel von Alf Lechner 1987) steht am Königsworther Platz direkt am Eingang zum Georgengarten. Man sieht sie fast nicht, weil sie sich perfekt in die Landschaft einbindet.

 

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« Kreisteilung – Quadratanordnung – Kugel » (1987) – Alf Lechner (*1925)

 

Das Bildhauer-Ehepaar Martin Matschinsky (*1921) und Brigitte Matschinsky-Denninghoff (1923-2011) installierte die Skulptur « Genesis » (1983-1985). Auch diese bildet eine Fusion an diesem grauen Vormittag mit dem Himmel und den Häusern von Hannover.

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Genesis (1985)

 

Anders hingegen die Skulptur von  John Henry (*1943)  Symphonie in Red – sie dominiert komplett die Mitte der vielspurigen Straße und hätte sehr gut noch mehr Licht vertragen können. Spitz und aggressiv greift sie in die Wolken.

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Symphony in Red (2000)

 

Auf der anderen Seite der Straße, leicht versteckt zwischen Bäumen, hat der belgisch-französische  Bildhauer Eugène Dodeigne (*1923) die Skulpturengruppe Etude 1-5 (1982) aufgestellt. Die einzige figurative Arbeit, die auf der Meile zu finden ist. Dodeignes Steinskulpturen  gehören zu den bedeutenden modernen Kunstwerken, die nach nach dem zweiten Weltkrieg entstanden. Er hat in der Entwicklung der Skulptur eine wichtige Rolle gespielt. Hier denkt man unweigerlich an Carnac.

 

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Etude 1-5 (1982)

 

Deus Ex Machina (1985) vom Berliner Bildhauer Bernhard Heiliger (1915-1995) heisst die nächste Skulptur. Heiliger nahm in den 50er Jahren an der documenta I und II teil und war Gast auf der Biennale von Venedig. Außerdem wurde er mit  dem Figurenbaum für den Deutschen Pavillon der Expo 58 betraut.

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Deus Ex Machina

 

Die klatschig-kitschigen, dralligen und selbstbewussten Nanas (Charlotte, Sophie und Caroline) der französischen Künstlerin Niki de Saint Phalle (1930-2002) waren die Vorreiter dieser Meile. Nicki de Saint Phalle hat mit ihren Arbeiten immer Aufsehen erregt und wurde mit ihren Nanas international bekannt und ist aus der europäischen Kunstszene nicht wegzudenken.  Die Nanas (Mädchen) kamen schon 1974 nach Hannover und wurden am Leineufer aufgestellt.  Am heutigen Samstag war Flohmarkttag und die Drei haben sich unter die Besucher oder umgekehrt gemischt.

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Nanas von Nicki di Saint Phalle

 

Kenneth Snelson (1927) hat die große Skulptur Avenue K (1958) gebaut; wie bei fast all seinen Arbeiten stehen auch bei dieser die physikalischen Kräfte im Mittelpunkt.

Erich Hauser (1930 – 2004) Stahl 17/87.  Hauser hat in vielen deutschen Städten Plastiken aufgestellt; er  war Mitglied der Akademie der Künste in Berlin und hat in seiner Heimat (Rottweil) einen eigenen Skulpturenpark errichtet, den man an mehreren Tagen auch besuchen kann.  Seit 2008 wird übrigens von der Kunststiftung Erich Hauser, Rottweil der Erich-Hauser-Preis vergeben.

Auch diese beiden Werke sind perfekt in das Straßenleben von Hannover eingebunden und – obwohl sie sehr groß sind – dominieren sie weder Platz noch Straße.

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« Avenue K »   und daneben « Stahl 17/87″ von Erich Hauser

 

Dann geht es nach rechts weiter Richtung Sprengel Museum, aber auch hier wird vman von Skulpturen begleitet. Nicht alle sind ausgezeichnet oder beschildert.

Vor dem Museum steht eine große Skulptur von Alice Aycock  und daneben eine von Alexander Calder; auf der anderen Seite Richtung stadteinwärts stößt man auf eine kleinere, ganz typische Arbeit  von Horst Antes.

Sogar die Bushaltestelle trägt zeitgenössische Züge und könnte glatt mit einer weiteren Skulptur verwechselt werden.

 

P1020705P1020897P1020682P1020699P1020895P1020681Karl Hartung - Grosse Kugelform, 1956Hans wolf Lingemann, Drehbare Schrauben 1971Hans Breder - In between, 2001,
Alice Aycock « Another Twister », Horst Antes « Figur 1. September », Berto Lardera „Île de France“, Hans-Jürgen Breuste « Derry » und die Göttinger Bürger, Hans Hartung « große Kugelform », Hans Wolf Lingemann « Drehbare Schrauben »,  Hans Breder « In Between », 

 

Auf dem Weg zum Museum kommt man an einer Skulpturengruppe vorbei, die aus der Reihe fällt, weil sie figurativ ist. Floriano Bodini das Straßendenkmal zu Ehren der Göttinger Sieben von 1837 gebaut. Es erinnert an die Zivilcourage von Bürgern, die einem Verfassungsbruch entgegentragen und dafür Amt und Würde vorloren haben und aus der Stadt gejagt wurden. !!

Diese Meile macht Hannover zu einem Vorreiter abstrakter Plastiken und zu der  Skulptur-Hauptstadt in Deutschland schlechthin.  Die monumentalen und avantgardistischen Skulpturen  holte der Galerist Robert Simon nach Hannover.

Christa Blenk

Foto: (c) Christa Blenk

 

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Winter in Berlin

2017 – Januar

 

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cortado al sol

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