Archives pour la catégorie Poesie

Winter in Berlin

2017 – Januar

 

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Sinfoniekonzert mit Michael Francis und Ian Bostridge

Traum, Nacht, Alptraum

Von Kriegen, Nachteulen und Meeresungeheuern

 

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Midnight’s bell goes ting, ting, ting – …. but the nightingale, and she cries twit, twit, twit  …. and the cats cry mew, mew mew… (Thomas Middleton)

Der Brite Michael Francis gehört zur jungen Dirigenten-Generation: er dirigiert seit 2015 das Florida Orchestra.

In dieser Spielzeit ist er u.a. auch Gast beim Orchester der Komischen Oper Berlin und hat gestern Abend dort das erste Sinfoniekonzert dirigiert. Dazu hat er sich einen anderen Briten, den herrlichen Sänger Ian Bostridge, nach Berlin geholt. Bostridge ist einer der ganz Großen  und auf den bedeutenden Bühnen der Welt zu erleben. 2015 machte er obendrein noch von sich hören, als er über Schuberts Winterreise, die er nicht nur eigenwillig und genial singt, auch ein launiges und sehr originelles Buch herausbrachte.

Die Musik von Benjamin Britten (1913-1946) gehört auch zu seinem Repertoire und von ihm hat er gestern Abend in einem ausgezeichneten Zusammenspiel mit den Musikern Brittens Liederzyklus Nocture Op 60 vorgetragen. Britten hat den Liederzyklus 1958 für sieben obligate Instrumente und Streichorchester und für den britischen Tenor Peter Pears geschrieben. Nocturne liegt eine Reihe von Gedichten englischer Poeten der letzten 500 Jahre zugrunde. Flöte, Englischhorn, Klarinette, Fagott, Horn Harfe und Pauken leiten jeweils ein neues Gedichte/Lied ein. Wie ein Staffellauf, in dem ein Instrument an das andere übergibt.  Am Ende vereinen sich alle Instrumente zu einem concertino. Es geht hier um Träume, Alpträume, um Erinnerungen und Prophezeiungen und um das, was Bostridge daraus macht und das ist sehr viel!

On a Poet’s Lips I slept, nach einem Gedicht von Shelley (aus Prometheus Unbound -1820) macht den Anfang und figuriert in den folgenden 30 Minuten als Bindeglied. Die Streicher geben anschließend an das Fagott ab. In The Kraken, beschreibt Tennyson (1809-1892) ein auf dem Meeresgrund lebendes aber schlafendes Seeungeheuer. Der Einsatz der Harfe markiert den dritten Teil Encinctured with a Twine of leaves, ein Gedicht von  Colerdige (1797). Es ist Mitternacht, die Glocken schlagen. Das ist die Zeit der nächtlich streunenden Katzen. Midnight Bell ist wie ein Weck- oder Lockruf. Keiner mimt wie Bostride Nachtigallen, Eulen und Katzensprache so komisch, dramatisch und treffend nach, das  Horn unterstützt und unterstreicht. Thomas Middleton hat es um 1570 geschrieben.  Mit den Pauken ändert sich die Stimmung. But that Night when on my Bed I Lay von William Wordsworth (1770-1850) wird das September-Massaker in der Französischen Revolution erzählt; Britten Musik ist aber auch Musik, die nach dem zweiten Weltkrieg entstanden ist. Sleep no more! Das Englischhorn trauert zu The Kind Ghost nach einem Gedicht von Owen (1893-1918). Der Dichter erzählt seine Erlebnisse als Soldat im ersten Weltkrieg kurz bevor er an der Front fiel. Brittens War Requiem das er 1962 komponierte, geht ebenfalls auf Texte von Owen zurück. Flöte und Klarinette gehört der folgende Passus. Sleep and Poetry vom Romantiker Keats (1795-1821). Britten zieht hier ganz kurz den Hut vor Wagners Götterdämmerung. Natürlich darf bei so einer Zusammenstellung der britischen Dichter der allergrößte, William Shakespeare, nicht fehlen. Das Sonnet XLIII bildet den Schluss von Nocturne und die bisher nur sporadisch als Solisten eingesetzten Instrumente vereinen sich mit den Streichern.  Britten hat es, nicht nur musikalisch, der Mahler-Witwe Alma Mahler-Werfel gewidmet, die er in den USA zwischen 1939 und 1942, kennen gelernt hatte.

Bostridge ist ein moderner Manierist. Sehr beeindruckend wie der lange und schlaksige Sänger sich darauf einlässt, wie er in die Musik kriecht und wie sein Körper mitsingt, wie er leidet, sich erinnert, träumt und aufwacht. Von ganz unten nach ganz oben, begleitet aber nie übertönt von den Musikern. Einfach großartig!

Nach der Pause gab es aus der Oper Peter Grimes die Four Sea Interludes op 33 für großes Orchester.  Peter Grimes basiert auf einer Dichtung von 1810 des Schriftstellers und Pfarrers George Crabbe (1754-1832) und ist die Geschichte eines Fischers der beschuldigt wird, am Tod von zwei jungen Lehrlingen schuld zu sein und der von der  bigotten und grausamen Dorfgemeinschaft in den Tod getrieben wird. Peter Grimes wurde für Benjamin Britten und den Tenor Peter Pears, der die Titelrolle sang, schnell zu einem großen Erfolg. Britten selber hat einige Instrumentalpassagen für Konzertaufführungen umgearbeitet, darunter eben die Four Sea Interludes.

Eingebettet wurde die Britten Musik von zweimal Robert Schumann (1810-1956). Zu Beginn die Manfred-Ouvertüre op 115 und am Ende Schumanns glückliche und den Neubeginn ankündigende Rheinische.

Christa Blenk

 

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TraNsfusioni #4

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Der italienische Kunstkritiker Filiberto Menna steht vor einer Arbeit von Michelangelo Pistoletto. Das Foto daneben ist von Diane Arbus, zwei kleine Mädchen sind darauf abgebildet. Die italienische Body Art und Language-Künstlerin Ketty La Rocca (1938-1976) hat es fotografiert und daraus ein weiteres, neues Kunstobjekt geschaffen und ab hier geht es um die gestern eröffnete Ausstellung mit Arbeiten von Tomaso Binga, Paola Romoli Venturi und Silvia Stucky;  ein konzeptueller doppelter Dreiakter à la DaDa. Bei diesem happening geht es um Beziehungen zwischen Menschen, um Trauer, um Phantome, um Verlust, um Träume (verlorene, gewesene und zukünftige)  und um Migration und den unterschiedlichen, falschen oder richtigen Umgang damit.

Akt 1: Silvia Stucky

Sie baut eine Brücke vom Diane Arbus-Foto zu ihrer Mutter Maria, die als Zwilling geboren wurde. Der andere Zwilling, Magdalena, ist noch während der Geburt verstorben. In der Kunst hat Stucky die beiden Mädchen nun wieder aufleben lassen. Sie sind auf dem Foto zu sehen, als 2-3 jährige. Im Bild daneben die beiden im Siebdruck-look. Vor dieser Wand stehen zwei Kindergartenstühle und irgendwann setzt sich Stucky auf einen dieser Stühle; neben ihr nimmt ihr  Zwilling Platz. So harren sie, reglos, vereint im Kummer und mit  Würde, um die tote Tante oder um Irgendjemanden, andächtig, wartend. Je est une autre – dieser Satz von Rimbaud begleitet die Installation.

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Silvia Stucky

 

Akt 2: Tommaso Binga

Noch während Stucky und ihr Zwilling sich bewegungslos und stumm in bewegender Trauer gegenüber sitzen, tritt Binga hinter den durchsichtigen Stoffvorhang von Paola Romolis Installation und trägt ihr eigens für die Veranstaltung komponiertes DaDa-Gedicht You – tu sei tu vor. Hier geht es ebenfalls um Verbindungen und um die Bestätigung, dass Du Du bis. Ihre hier ausgestellte Arbeit stammt aus 1973 und beschreibt die sorgfältige Hoffnungslosigkeit von Wörtern und Geschriebenem. Der Text ihrer Briefe, die an aufgereihte Grabsteine denken lassen,  ist unleserlich. Er gibt nur vor, aus Buchstaben zu bestehen und ist auf der Außenseite des Umschlags geschrieben, birgt also keine Geheimnisse. Die unüberwindliche Bürokratie wird mit einem Stempel dargestellt.

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Tommaso Binga

 

Akt 3: Paola Romoli Venturi

We (have a dream):  Auf einen transparenten  Vorhang hat sie in runden Formen fortlaufend das Wort We geschrieben. Auf dem Boden sehen wir einen Kreis, dessen Einfang mit zwei Füßen gekennzeichnet ist. Er verläuft so, wie in der Zeichensprache das Wort Wir  gestikuliert würde. Romolis Installation basiert auf einer Rede von Papst Franciscus, die er vor ca 1 Jahr gehalten hat. Wir befinden uns alle im selben Boot – schau was passiert – Männer, Frauen, Kinder – Völker gehen auf Wanderschaft – An den Grenzen stehen Soldaten mit Gewehren – Ich kann nicht glauben was ich sehe – Wir haben einen Traum. Mit dem leicht abgewandelten Zitat von Martin Luther King endet ihr Text. Romolis Performance besteht darin, dass sie in Gebärdensprache den Text spielt und anschließend interaktiv das Publikum mit einbezieht.  Schließlich bittet sie alle Vernissage-Besucher hinter den Vorhang; sie holt Alle ins gleiche Boot und auf dasselbe Foto!

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Paola Romoli Venturi

 

Silvia Stucky, Tommaso Binga und Paola Romoli stehen – jede auf ihre Weise – im Dialog mit Ketty La Roca, Filiberto Menna und Pistoletto, in dem sie ein schon vorhandenes Kunstwerk interpretieren, damit experimentieren,  darüber reflektieren und als Synthese ihre Seele, ihre Wünsche und ihre Träume vor dem Publikum freilegen.

Die Ausstellung, kuratiert von Anna D’Elia, verbleibt noch bis Ende April im Archivio Menna/Binga und ist unbedingt sehens- und erlebenswert.

Und nun fragt mich sich ernsthaft, warum diese Ausstellung nicht im MAXXI oder im MACRO Testaccio stattfindet!

Testo in lingua italiana

Christa Blenk

Fotos: JNP

 

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Il Sogno Verde (der grüne Traum) – Giornate FAI di Primavera a Villa Gregoriana

Mensch und Natur

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in der Villa Gregoriana

 

Der grüne Traum – Il sogno Verde

Der grüne Traum ist ein deutsch-italienisches Wanderprojekt, an dem sich Künstler, Musiker und Dichter beteiligen.  Dieses Jahr sind das u.a. Silvia Stucky, Beate von Essen, Lello Torchia, Maria Semmer, Claudia Muratori, Federica Luzzi, Ennio Alfani, Franca Bernardi, Marcello Rossetti und Daniele Alef Grillo, aber auch  Alberto Burri, Jannis Kounellls, Mario Schifano, Toti Sicaloja und viele andere waren schon an diesem Projekt beteiligt.

Im Frühjahr beginnt die Ausstellung traditionsgemäß in Italien und wandert dann weiter in den Norden. 2015 im Herbst war sie u.a. in Rothenburg ob der Tauber, an zwei Orten in der Altstadt zu sehen. Die Künstler setzen sich mit dem vorgegebenen Ort auseinander, deshalb ist die Schau auch an jedem Ort unterschiedlich.

Dieses Wochenende vor Ostern findet die Ausstellung – nicht zum ersten Mal – anlässlich der Giornate FAI di Primavera in der Villa Gregoriana/Tivoli statt. Bei strahlendem Sonnenschein machten unzählige Besucher diesen Kunstspaziergang durch den faszinierenden Park der Villa, dominiert von zwei römischen Tempeln aus dem II Jahrhundert v.C. und begleitet vom Rauschen des großen Wasserfalls der Aniene. Franca Bernardi hat z.B. eine ihrer Arbeiten, Nest,  in den Ruinen installiert; früher diente gerade dieser Raum als Fischtisch und die Installation von Silvia Stucky Come l’acqua che scorre steht im Dialog mit dem großen Wasserfall. Ennio Alfani hat einen Freskenteppich gelegt und Marcello Rossettis Riesenschmetterling Farfallone fliegt auf Daniele Alef Grillos Equilibrio – alberi zu. Lello Torchias senza titolo wacht, dass das Wasser nicht zu schnell steigt. Poetisch die Installation Fusion von Maria Semmer. Ihre Protagonistin muss sich aus dem Schlamm befreien, nach der großen Flut, vielleicht!

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Daniele Alef Grillo, Maria Semmer, Silviy Stucky (Villa Gregoriana – il sogno verde, 2016)

1977 ist diese Bewegung Der grüne Traum als eine Initiative der Cooperativa Agricoltura Nuova (eine traditionelle römische Landwirtschaftskooperation) entstanden. Eien Gruppe von Hilfsarbeitern und Landwirten gründeten sie mit der Absicht, den biologischen Ackeranbau zu fördern. Nach Rom kam der Grüne Traum 2011. Die erste und die darauf folgende Ausstellung fanden in eben dieser Kooperative statt.

Teufelstal heißt die Schlucht, in der sich eine weitläufige Parkanlage, die Villa Gregoriana, befindet. Direkt unterhalb der Akropolis von Tivoli. 120 Meter stürzt der Fluss Aniene hier in die Tiefe.  Römische Fragmente, Umbauten durch Papst Gregor XVI im 19. Jahrhundert und die Hinterlassenschaft bedeutender Flutkatastrophen treffen auf eine romantische Gartenanlage.

Tivoli hieß in der Antike Tibur und war ein strategisch wichtiger Punkt für die Reisenden aus dem Osten auf dem Weg nach Rom. Goethe und viele andere der Bildungsreisenden aus dem 18. und 19. Jahrhundert waren dort und haben die Tempel gezeichnet oder bedichtet.

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Franca Bernardi installiert gerade ihr Kunstwerk in der Höhle

Für die Leute aus Rom ist morgen noch Zeit, hinzufahren!

Der Anio, vor seinem Sturze, bricht an der Seite durch die Stadt, und senkt mit sanftem Falle im weißen Silberglanze auf drei Stufen sich die Felsenwand hinunter, auf deren Rücken das alter Tibur steht …. Wie auf einer Tonleiter steigt sein süßes Rauschen nieder, Aug und Ohr verfolgt begierig die reizende Wiederkehr, und sieht und hört sich nimmer satt. (Karl Philipp Moritz  « Reisen eines Deutschen in Italien »)

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Wasserfall in der Villa Gregoriana

Christa Blenk

Fotos: Christa Blenk

 

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AD PINEAM – Paola Romoli Venturi

AD PINEAM

Vor der Kirche Santa Maria in Cappella in Trastevere – nicht weit von der Tiberinsel entfernt – ist zur Zeit die Site spezifische Hof-Licht-Raum-Installation von Paola Romoli Venturi zu sehen.

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Die Lichtinstallation von Paola Romoli Venturi zu unterschiedlichen Tages- und Abendzeiten

Anlässlich der Beendigung der Restaurierungsarbeiten im Vorhof, hat Paola Romoli Venturi eine Installation konzipiert, die sich mit der aufregenden Geschichte dieser Kirche aus dem 11. Jahrhundert befasst, die ursprünglich den Namen AD PINEAM hatte. Es gibt mehrere Theorien, warum sie jetzt Santa Maria in Cappella heißt, die schönste und wahrscheinlichste ist, dass dies durch einen Übertragungsfehler im Laufe der Jahrhunderte zustande kam. Eine Weihinschrift auf einer Marmorplatte aus dem 11. Jahrhundert bestätigt das. Es heißt dort in der zweiten Zeile QV(A)E APPELL(ATVR) AD PINEA(M) und aus dem E APPELL (sie trägt den Namen) entstand CAPPELLA

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Ausschnitte aus der Weihplakette die im Museum Santa Maria in Cappella zu sehen ist

Schon Ende des 14. Jahrhunderts gab es hier ein Armenhospiz und ein Hospital, errichtet und geführt von der heiligen Franziska von Rom und ihren Schwiegereltern. Sie war ab 1400 aktiv dort tätig. Im rechten Seitenschiff, wo zur Zeit Ausgrabungen und Arbeiten stattfinden, soll es den ersten Krankensaal gegeben haben. Nach Francescas Tod wurde das Hospiz von den von ihr gegründeten Oblatinnen des Klosters Tor de Specchi weitergeführt. Der Pamphilij Papst Innozenz X (das überragende Portrait von ihm vom spanischen Maler Velazquez hängt übrigens in der Galleria Pamphilij am Corso) übergab die Kirche 1653 seiner Schwägerin Olimpia Maidalchini, womit diese ihren Besitz in dieser Gegend vergrößerte und sich einen Lustgaren und eine Villa errichten ließ. Im 19. Jahrhundert übernahmen die Vinzentinerinnen Kirche und Kloster und beides wurde vollständig restauriert. Das Altersheim Santa Francesca Romana wurde 1971 eingerichtet. Zur Zeit befindet sich die Kirche wegen schwerer statischer Probleme in Restaurierung.

Bei Paola Romolis Installation handelt es sich um vier große, zart bemalte und transparente Stofftücher, die mit der im Verlauf des Tages einhergehenden Lichtveränderung andere Farben annehmen. Typisch für die Arbeiten von Paola Romoli diese durchsichtigen und lichtdurchlässigen, delikaten Stoffe, die erst beim zweiten Hinsehen existieren und einen ephemeren Eindruck vermitteln. Wenn die Sonne hoch steht, sind sie fast unsichtbar. Mit Einbruch der Dämmerung fangen die Tücher die langsam angehenden Lichter um die Kirche herum ein, unterstützt durch von ihr installierte Scheinwerfer. Das Licht- und Schattenspiel der im römischen Wind tanzenden Tücher erzählt Geschichten voller spiritueller Poesie von der Hl. Francesca Romana,  von den ankommenden Schiffen und den Danksagungen am damaligen Tiber-Hafen  Ripa di Grande oder von den zwei Pinien, die den Platz zierten und heute als Freske über dem Hauptportal Maria einrahmen und nimmt auch Bezug auf die Bedeutung von Tüchern für die katholische Kirche überhaupt. Ein vergänglicher und doch beständiger Traum!

AD PINEAM ist die erste einer geplanten site specific Reihe, kuratiert durch den Präsidenten der Stiftung Massimiliano Floridi. Der Platz soll auch in Zukunft zeitgenössische Kunst in ständigen Dialog mit der Kirche, dem Museum Santa Maria in Cappella und dem Altenheim Santa Francesca Romana bringen.

Diese Installation ist noch bis zum 2. April 2016 zu sehen.

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Der Eingang zum kleinen Museum führt an einem paradiesischen Kreuzgang aus dem 15. Jahrhundert vorbei – mit Blick auf den Aventin.

Paola Romoli Venturis Arbeiten haben meistens mit Geschichten zu tun, mit alten und neuen und lassen dem Betrachter viel Raum für persönliche Gedankengänge und Überlegungen. Mit ihren Projekten und Installationen zieht es sie gerne in Gärten (s. hier auch Genius Noci). Sogar ihre Walmägen (Pacific trash vortex), mit denen sie den Plastikabfall im Pazifik anprangert, sind transparent und versprühen Hoffnung.

Gesponsored wurde sowohl die Restaurierung des Vorhofes, wo die Installation zu sehen ist,  wie auch die Installation selber durch Rotary Club Roma Cassia.

Christa Blenk

Fotos: Christa Blenk

 

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Symbolismus

 
Symbolismus

Schlangen, Alp und Traum

We are such stuff as dreams are made of … (Shakespeare „the Tempest“)

Nach dem 1886 veröffentlichten „Symbolistischen Manifest“ des Franzosen Jean Moréas breitete sich der Symbolismus recht schnell in anderen Ländern Europas, vor allem in Belgien, Deutschland, in der Schweiz, in Polen, in Tschechien und in Italien aus, während in Österreich der Jugendstil unter Gustav Klimts Zepter wütete.

Verklärte Metaphern oder mystisch-helle Exotik, symbolistische Ambivalenz, verschleiertes Morgengrauen und romantisch-rötliche Dämmerung, Sein oder Schein, verführerisch-verträumte Liebe oder leidenschaftlich-ersehnter Tod, erlaubte oder verbotene Sünde und gigantische Naturereignisse waren Leitmotif und Triebkraft der Symbolisten. Pessimistische und mit dem Tod kokettierende Blicke in die Zukunft, animiert von einem erwachenden Realitätsverlust, um diese grau-schwarz harte Kohlenwelt, die ungemütliche politische und soziale Situation in träumerische, aber schön-totbringende Legenden zu kleiden. Entstanden sind dann diese zum Teil total absurden, anachronistischen aber auch berührenden und hilflosen Bilder.

So verstehen wir den Symbolismus, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts als Gegenbewegung zur Raison und als Bremse des Fortschritts durch die Industrialisierung entstand. Literatur und Bildende Kunst lagen nie näher beieinander. Poesie und Musik als Ausdrucksmittel. Kunst sollte nur Schöpfung oder Kreation und nur sich selbst verpflichtet sein. Als Muse wurde der französische Dichter Charles Baudelaire erkoren und aus seinen Werken wiederum „Die Blumen des Bösen“ (Les fleurs du Mal). Eine Idealisierung, frei von Moral oder Realität und von Bindungen,   Nietzsche hat das so erklärt: “Es gibt keine religiöse Bindung mehr, keinen übergeordneten Sin, man wertet alle Werte um. Der Nihilismus interessiert viele Menschen“.

Die 18 Sektionen der Ausstellung werden auch deshalb hauptsächlich mit Zitaten aus Baudelaires Werk eingeleitet. Im Endeffekt trennte sie wenig von den Romantikern, wenn nicht gar deren Fortsetzung darin zu sehen ist.

An die 150 zum Teil sehr hochwertige und außergewöhnliche Exponate, darunter Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen und grafische Arbeiten, aus vielen europäischen Museen wie Paris, Barcelona, Posen, Düsseldorf, Sofia, Florenz, Bologna, Brüssel  und natürlich aus Mailand selber geben einen Überblick über die enge Verbindung von Literatur, Kunst und Musik am Ende des 19. Jahrhunderts.

Gleich am Anfang hängt ein Foto von Nadar, das dieser um 1860 von Baudelaire gemacht hat. Man (schlaf)wandelt durch die geheimnisvoll anheimelnden schummrig-dunklen Räume, in denen nur die Exponate ein wenig Licht bekommen, vorbei an den dämonischen Bildern von Odilon Redon oder Alfred Böcklins plätschernden Nereiden, an Previatis sich mit einer Schlange räkelnden Kleopatra (1903), Albert von Kellers gekreuzigter Frau (Mondschein, 1894), Max Klingers finsteren Radierungen, oder der traumdeuterischen Malerei des Belgiers Fernand Khnopff. Sein etwas surrealistisches Bild L’arte zeigt einen jungen Mann mit einem Frauenkopf, der sein Haupt wiederum an das einer Frau lehnt, die abgesehen vom Kopf ein Leopard ist. Dieses Bild, das Khnopff 1896 gemalt hat, dient auch als Ausstellungsplakat. Weiter vorbei an Ferdinand Hodlers grell-grüner Vitalität oder an Franz von Stucks beunruhigenden und drohenden Gemälden wie Luzifer (1891) oder Die Sünde (1908). Felicien Rops provozierender Humor konfrontiert Gustave Moreaus verträumte Ästhetik.

Ein weiterer Raum ist der Verbindung zur Musik, vor allem der von Richard Wagner und dessen Gesamtkunstwerk, gewidmet und „still und leise“ im Tristan-Sound betrachten wir Leo Putz Gemälde Parzifal (155-138 cm, 1900). Es stammt aus der Privatsammlung von Friedrich Unterbergen. Hier sitzt ganz in der unteren linken Ecke ein kleiner, kaum auszumachender Parsifal auf seinem Pferd, er blickt nach oben, zur Burg-Brücke, von wo viele nackte Verlockungen rufen. Ein mentales Chaos.

In einem Raum ist Giulio Aristide Sartorios Monumental-Zyklus Il Poema della Vita Humanala Luce, le Tenebre, l‘Amore, La Morte (das Gedicht der Menschheit – Licht, Dämmerung, Liebe, Tod), den er für den Hauptpavillon der Biennale von Venedig fertige (1907), nachgebaut. Eine monochrome gigantisch-dramatische Synthese (jedes Gemälde hat an die 5×6 Meter) der verlorenen Existenz der Menschheit – schon von der Geburt an – mit einer Referenz an Nietzsches eterno ritorno.

Im letzten Saal wird die offensichtliche Nähe zum Jugendstil herausgestellt, mit Vittorio Zecchins oder Galileo Chinis an Klimt erinnernden Bilder. Ein weiterer Teil der Ausstellung ist der post-impressionistischen und 1888 gegründeten und den Symbolisten nahe stehenden Künstlergruppe Nabis gewidmet.

Der Palazzo Reale hat sich auf die Kunst im 19. Jahrhundert spezialisiert. Im anderen Teil des Palastes werden gerade Bilder des Jugendstil-Malers Alphonse Mucha gezeigt. Vorher war Egon Schiele zu sehen. Bahnt sich hier gerade eine Art Retro-Symbolismus an? Die Welt scheint ihn wieder nötig zu haben!

Die Kuratoren Fernando Mazzocca und Claudia Zevi haben diese Ausstellung unter den Deckmantel von Baudelaires „Fleur du Mal“ (Blumen des Bösen) gestellt, Wagner mit ins Boot geholt und sie ausgedehnt auf den Jugendstil, um das Ende der Belle Epoque und den herannahenden Großen Krieg zu beschreiben.

Charles Baudelaires (1821-1867) Gedichtband „Die Blumen des Bösen“, erschien 1857 und stieß in der Pariser Szene auf großes Unverständnis. In einer Zeit der Nüchternheit und des Fortschrittsgedankens war keine Platz für seine von zum Teil durch Rauschmittel, die er permanent zu sich nahm, erzeugte Ästhetik der unstillbaren Sehnsucht nach dem Unendlichen und einer höheren Schönheit. Baudelaire verbesserte seine permanente Geldknappheit mit gelungenen und fundierten Berichten über Ausstellungen und Salons und stand schon deshalb des Kunst sehr nahe.

Die Ausstellung, die von 24 Ore Cultura – Gruppo 24 Ore in Zusammenarbeit mit Arthemisia Group organisiert wurde, ist sehr interessant und noch bis 5. Juni 2016 im Palazzo Reale in Mailand – direkt neben dem Dom – zu sehen.

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Palazzo Reale Milano (links Dom)

Christa Blenk

 

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La voix humaine

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Cristina Zavalloni und Andrea Rebaudengo nach der Vorstellung

 Französische Preziosen

La voix humaine“ (die menschliche Stimme) ist Francis Poulencs letzte Oper. Eine ironisch-tragische Monooper, die 1958 nach einem Theaterstück, das Jean Cocteau 1930 schrieb, entstand. Man braucht eine Sängerin, die auch schauspielern kann, einen Klavierspieler, ein (rotes) Sofa, ein kleines Tischchen, eine unschönes Licht verbreitende Lampe und ein Telefon.

Paris Ende der 50er Jahre: Wie überall, war man auch hier beim Telefonieren auf den Operator angewiesen. Dieser, hier die Mademoiselle, stellte die Verbindung her und es kam durchaus vor, dass andere Gesprächspartner plötzlich im Gespräch oder in der Leitung waren. Diese Situation muss man sich also hier vorstellen.

Jean Cocteau hat genau beschrieben, wie die Frau sein oder sich bewegen sollte. Elegant musste sie auch sein, er wollte keine durch Kummer des Verlassenwordenseins geprägte, vernachlässigte Frau.

Es ist dunkel im Raum und sie liegt zusammengerollt auf dem Sofa, nimmt den Hörer in die Hand und versucht mit ihrer verflossenen Liebe zu telefonieren, was aber durch andere sich in der Leitung befindliche Personen erschwert wird. Das Klingeln des Telefons spielt der Pianist.

Zavallonis „Allô, Madmoiselle“, ist herzzerreißend und nervös-verzweifelt, wütend manchmal, wenn es nicht so tragisch wäre, könnte man es komisch finden! Die Gesprächsfetzen und ihre Antworten lassen erkennen, dass die Beziehung vorbei ist, jedenfalls von Seiten des Mannes.  Er hat eine Andere. Aufkeimende Hoffnung wird in der nächsten Sekunde von zu Tode betrübten Selbstmordgedanken abgelöst.

Ihre zuerst gezeigte Beherrschung oder den gespielten Optimismus verliert sie in dem 40-Minuten Telefonat immer mehr. Sie beschwört verzweifelt Erinnerungen hervor, erzählt von ihrem geplanten aber dann gescheiterten Selbstmord mit Schlaftabletten, versucht Verständnis aufzubringen, erniedrigt sich und beschwichtigt ihn aber gleich darauf, sich keine Sorgen zu machen, wohl wissend, dass er das eh nicht mehr tun würde. „Über das Telefon kann man sich nicht mehr ansehen, dabei könnte ein Blick eventuell nochmals alles ändern.“ Das Gespräch bricht ab, sie lässt sich neu verbinden, aber es geht nur Joseph, der Diener, ans Telefon „Ich bin es, Madame, Joseph“. Aber er ist nicht zuhause, denn er hat vom Restaurant aus angerufen. Peinlich-schmerzlich und zerrüttet versucht sie es abzutun, so als hätte sie es gewusst und der Mademoiselle nur die falsche Nummer – aus Gewohnheit – gegeben. Sie krümmt sich vor Seelenschmerz und fleht das Telefon an, doch wieder zu klingeln. Es klingelt erneut und sie teilt souverän mit, dass er den Koffer wann immer er möchte abholen könnte und und sie bittet img leichen Atemzug inständig, in Marseille nicht in ihr Hotel zu gehen. Wir hören heraus, dass er mit einer anderen Frau dort hinfahren will. Beschwichtigend versucht sie zu lächeln. Stimmungen und Emotionen wechseln sich ab, wobei die Waage immer mehr auf die depressive, die verzweifelt Seite fällt. Sie hängt sich die Telefonschnur um den Hals und singt mit versagender Stimme ein letztes „je t’aime“ (ich liebe Dich). „Weil die Dinge, die ich mir nicht vorstelle nicht existieren“. Hat sie sich mit der Telefonschnur erdrosselt, so wie es Cocteaus Stück vorsieht? Das was in dem Stück nicht gesagt wird, ist mindestens so wichtig als das Gesagte.

Niederschmetternd, dieses Monotragödie. Die Jazz-Sängerin aus Bologna, Cristina Zavalloni war grandios und überzeugend. Diese stimmliche und emotional-darstellerische Herausforderung hat sie ausgezeichnet gemeistert. Unterstützt wurde sie dabei vom italienische Pianisten Andrea Rebaudengo. Francis Poulenc (1899-1963) hat ja in seinen Notizen dem Klavierspieler die Freiheiten über die tempi gelassen, je nach Inszenierung und in Absprache mit der Sängerin. Zu Zavallonis Repertoire gehören nach Schönbergs Pierrot Lunaire oder Brittens Rape of Lucrezia auch Bizets Carmen. Sie kann unglaublich viel mit ihrer Stimme machen.

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Cristina Zavalloni – La voix humaine

Poulenc hatte für die Premiere 1959 in der Komischen Oper in Paris nicht die Callas verpflichtet, sondern die Französin Denise Duval singen und spielen lassen.

Heute ist das Thema aktueller denn je, wenn man an die Bedeutung des smartphones für das Individuum denkt;  die all inclusive Verträge lassen 40-Minuten Gespräche und längere ja auch zu. Pedro Almodovar hat sich wohl hier für seinen Film « Frauen am Rande eines Nervenzusammenbruchs » orientiert ».

Im zweiten Teil des Konzertes sang sie Arien von Satie und Poulenc.

Christa Blenk

Fotos: Christa Blenk

 

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Top-blog-highlights im Februar 2016

Fünf Top-blogs im Februar

 

P1280710 Die großartige Ausstellung von Anselm Kiefer findet immer noch im Centre Pompidou in Paris statt. Sie ist ein « must »! Eine umfangreiche Retrospektive über das Mamutoeuvre dieses in Frankreich lebenden deutschen Künstlers

P1290731 Die Oper Rom hat nach der Cenerentola zum zweiten Mal Rossini gehuldigt und mit dem #Barbier von Sevilla eine etwas gruselige Tim Burton Inszenierung auf die Bühne gebracht, mit ausgezeichneten Sängern und viel Applaus. Vor 200 Jahren wurde Rossinis Barbier im Teatro Argentina in Rom uraufgeführt.

goethe-josefstiehler1828 Die Italienreise von Goethe ist vor genau 200 Jahren zum ersten Mal veröffentlicht worden (30 Jahren nach der Reise!). Die Casa di Goethe hat aus diesem Anlass eine Veranstaltung der Serie Incontri romani dem Geheimrat vom Corso gewidmet. Mario Fortunato und Jan Koneffke haben dazu aus ihren Geschichten über und für Goethe vorgelegen. #Rom trifft Berlin!

image001 Der kolumbianische Maler Botero ist sehr bekannt aber auch gewöhnungsbedürftig. Er gefällt eigentlich nicht aber trotzdem sehen sich alle seine Bilder und Skulpturen an. Vor ein paar Jahren hat er sich nun den Kreuzweg Christi vorgenommen. Dieser ist seit zwei Wochen im Palazzo delle Esposizione zu sehen. #Botero via crucis

Traviata-Dorothée Lorthiois Die Traviata von Opera Côté Choeur – aufgeführt im Espace Cardin in Paris, hat zwar schon am 30. und 31.  Januar stattgefunden. Die Übersetzung von Jean-Noel Pettit gibt es aber erst seit Anfang Februar. #La Traviata (version française). Die #deutsche Version ist hier zu lesen.

 

P1300056Das österreichische Kulturinstitut in Rom vor-feierte schon Hans-Werner Henzes 90. Geburtstag am 1. Juli mit Walzer, Tango und dem El Cimarrón Ensemble Duo sowie vielen neuen Kompositionen.

Vielen Dank für Ihren Besuch.

Christa Blenk

 

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Anselm Kiefer – Varus
 

Strawinsky – Oedipus Rex

 Ostiagriechisches TheaterSarcofago Ostia
Teatro Ostia Antica; griechisches Theater in Catania, Teil eines Sarkophages

 

Ödipus – König – hilf uns

Die griechische Tragödie entstand zu Ehren der Feierlichkeiten von Dionysos. 534 v.C. wurde die erste Tragödie des Dichters Thespis aufgeführt. Er stellte zum ersten Mal dem singenden und tanzenden Chor eine schauspielernde Person gegenüber. Aischylos führe den zweiten Schauspieler in die Tragödie ein und mit Sophokles kam schließlich der Dritte hinzu.

Beeinflusst von Jean Cocteaus Antigone (so gesehen die Fortsetzung der Geschichte nach dem Ende von Ödipus), befasste sich der schon neoklassizistische Igor Strawinsky zehn Jahre nach dem großen Sacre du Printemps-Skandal ebenfalls mit der griechischen Tragödie und arbeitete ab 1925 am Oedipus Rex. Arien, Duette und Choreinladen wechseln sich ab. Die Texte sind in Latein und die erklärenden Passagen werden von einem Sprecher vorgetragen (gestern Abend in Rom auf Italienisch).

Strukturiert, klar, lateinisch, archaisch, requiemhaft und abstinenzlerisch kühl-objektiv sollte es werden, eine karge Messe, ein crossover von slawischer Kirchenmusik, Klassik zu Jazz. Allerdings hat Strawinsky das so nicht komplett durchziehen können, wie Iokastes bewusst berauschende Arien beweisen; sie sind, vor allem die Eingangsarie, lyrisch und warm, durchaus an Belcanto erinnernd. Jedenfalls hat der Finne Sakari Oramo dieses gestern in der Sala Santa Cecilia herausgeholt. Großartig hat den konzertanten Oedipus Rex dirigiert, mitgelitten, mitgesungen und mitgelebt, begleitet vom ausgezeichneten (Männer)Chor der Santa Cecilia und vom hiesigen Orchester. Oedipus (Mati Turi) hat anfangs ein wenig geschwächelt, wurde aber immer besser. Iokaste, warnend, bittend, hoffend und verzweifelt, war die italienische Mezzo Sonia Ganassi. Erstklassig Alfred Muff (Bass) in einer Doppelrolle (Kreon und Bote). Teiresias war Marco Spotti und der Pastor war Simone Ponziani. Der einzige, der nicht überzeugt hat, war der Sprecher Massimo De Francovich, er hatte etwas von einem  20.00 Uhr Nachrichtensprecher, zu schnell und zu unbeteiligt, nicht dramatisch genug, aber vielleicht war das ja gewollt.

Die wuchtigen und mächtigen Chorpassagen vor allem dürften Carl Orff zehn Jahre später bei seiner Carmina Burana inspiriert haben. Dafür hat Strawinsky für dieses Messe-Oratorium sicherlich Rossinis Petit Messe Solennelle gehört, was gleich am Anfang bei Oedipus’Arie kurz zu hören ist. Kreons einzige Arie war der Klarinette gewidmet und würde auch im Belcanto bestehen können.

Igor Strawinsky hat den Zweiakter Oedipus Rex gemeinsam mit dem Dichter Jean Cocteau geschrieben. Das Werk geht zurück auf die Tragödie von Sophokles. Die konzertante Uraufführung fand zusammen mit dem 20-jährigen Bühnenjubiläum von Sergei Diaghilev statt. Die Sänger trugen Masken und konnten nur Kopf und Arme bewegen. Ein Erfolg wurde es aber nicht, auch die Aufführungen 1928 in Wien und Berlin rissen das Publikum nicht zu Begeisterungsstürmen hin. Traditionsgemäß war Strawinsky der Musikwelt wieder mal voraus. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg befasste man sich intensiver und weltweit mit diesem Werk.  1952 wurde es in Paris aufgeführt mit Jean Cocteau persönlich als Sprecher und erreichte erst 30 Jahre nach seiner Entstehung die Welttheater. Peter Sellars und Robert Wilson haben u.a. mit diesen Werk inszeniert.

Zur Handlung: Oedipus hat die Stadt von der grausamen Sphinx befreit, wird deshalb von den Thebanern zum König gewählt und darf Iokaste, die Witwe von Lais heiraten. Die Pest herrscht und Oedipus schickt Kreon, seinen Schwager, nach Delphi um das Orakel zu befragen. Als dieser mit der Aussage zurückkommt, dass zuerst der Mord an Oedipus Vorgänger Laios gerächt werden müsse, bevor die Pest verschwinde, wird der Seher Teiresias befragt, der sich aber in Schweigen hüllt. Iokaste macht die schmerzhafte Entdeckung, dass es ihr Sohn (und Mann) war, der die Tat begann und im Verlauf der Erzählung fällt es auch Oedipus wie Schuppen von den Augen, dass er selber der Mörder seines Vaters gewesen sei. Oedipus zieht die Konsequenzen, blendet sich und endet als Bettler in Theben. Die Pest endet.

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Foto: Eric Rivière

Christa Blenk

 

 

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Schlag nach bei Goethe: Incontri Romani

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Schlag’ nach bei Goethe

Glücklich – deutsch ernst – in Terracina

Die Reihe der Römischen Begegnungen in der Casa di Goethe in Rom wurde gestern Abend unter dem Motto Berlin trifft Rom fortgesetzt. Der italienische Schriftsteller Mario Fortunato und der deutsche Schriftsteller und Übersetzer Jan Koneffke haben dazu jeweils aus ihren Aufsätzen, die ihre persönliche Begegnung mit Goethes Italienreise zum Thema hatte, vorgelesen.

Mario Fortunatos Goethe-Hommage beginnt mit einer Verbeugung vor einem anderen ganz Großen. Mit den Wörtern Viele Jahre später, fängt auch Garcia Marquez  seinen grandiosen Roman 100 Jahre Einsamkeit an. Mario Fortunato liest also aus seiner autobiografischen Erzählung  Goethe in Terracina  vor und versetzt die Zuhörer für kurze Zeit in die Welt der 70er Jahre nach Cirò in Kalabrien, wo er 1958 geboren wurde und aufwuchs und wo er sich in einem Sommer, vielleicht 15-jährig, in den jungen Norweger Karl, der für einen langen Sommer dort im südlichsten Süden aufschlug, verliebte. M. erzählt, wie er seine Sichtweise immer mehr dem Fremden aus Oslo (also vom Mond, wie er augenzwinkernd hinzufügt) aneignet und die italienisch-kalabresische Welt mit den Blicken von Karl sieht. Um M.‘s  romantisches Schmachten nach Karls Abreise zu mildern und sicher noch mit anderen Hintergedanken, schenkte ihm sein Vater Goethes Italienreise zum Geburtstag. M. hatte sich zwar eigentlich Prousts  Auf der Suche nach der verlorenen Zeit gewünscht, versinkt aber dann mit seiner Teenager-Romantik voll in Goethes Reiseaufzeichnungen, die dieser von vor fast 200 Jahren machte. Gerade die selbstbewusste Unvollständigkeit und das Fehlen von Wichtigem, hatten es ihm besonders angetan.

« Hatte der von M. angebetete Karl nicht dasselbe gemacht, als er, von Oslo kommend, Italien mit einem Interrailticket durchquerte, ohne sich im Norden und in der Landesmitte aufzuhalten, um glücklich und frei von Gewissensbissen im ersehnten Süden zu landen, wo der noch ahnungslose M. Schon bereits war, ihn zu empfangen.? » (Mario Fortunato – Goethe in Terracina)

Eine wunderbare Geschichte, die auf vier Ebenen hin- und her tanzt. Magisch spinnt Fortunato die Fäden zwischen seiner Begegnung mit einem norwegischen Jugendlichen, der sich in den Süden verliebt, einem Goethe, der in Assisi nicht mal Giottos Fresken besucht weil es ihm nicht schnell genug gehen kann, endlich in Rom anzukommen und M., der eigentlich lieber Proust lesen wollte oder wenigstens den Faust, aber keine Reisegeschichten und Betrachtungen über Geologie und wie sich das alles Viele Jahre später in Terracina zu dieser bezaubernden Geschichte fügt, die er uns gestern Abend teilweile vorgelesen hat.

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Fotos: Christa Blenk

Jan Koneffke Goethe-Entdeckung ist ganz anders passiert. Seine Erzählung trägt den Titel eines Goethe-Zitates:  « So denkt an mich als einen Glücklichen. » Jan Koneffke ist 1960 in Darmstadt, in Büchners Stadt, das ist für ihn wichtig, geboren. In Koneffkes Kinder- oder Jugendwelt existierte Goethe nicht, seine links-stehende Familie akzeptierte die russische Literatur und vielleicht noch die Französische, erzählt er uns später, aber Goethe stand nicht auf dem Literaturprogramm. Koneffke las das Kapitel  Die Reise des Lesers vor. Er hat sich mit der Italienischen Reise weder literarisch noch wissenschaftlich auseinandergesetzt, sondern als ganz normaler Leser, gewissermaßen als Hinz und Kunz, fügt er hinzu und hat dementsprechend seine Erfahrungen in Italien, als Stipendiat der Villa Massimo, an denen von Goethe gemessen. Auch Koneffke hat sich, wie Goethe und wie Karl, in Italien verliebt, ist nach dem Jahr bei der Villa Massimo noch sieben weitere Jahre geblieben und ist  von der schick-abgeschirmen Villa Massimo in das Studenten- und Arbeiterviertel  San Lorenzo gezogen.  Koneffke hat italienisch gedacht, italienisch gesprochen (auch mit seiner Frau, die er hier kennen lernte), italienisch gelebt, italienisch gegessen und italienisch fern gesehen. Das einzige, was der auf Deutsch (ernst) tat, war schreiben!

« Was uns verband, meinen prominenten Vorgänger und mich: Wir waren beide Mitte Dreißig. Was uns trennte: Er sprach bereits Italienisch, ich musste es erst lernen. Goethe stieß sich wiederholt an den Einheimischen: « Was allen Fremden auffällt und was heute wieder die ganze Stadt reden, aber auch nur reden macht, sind die Totschläge, die gewöhnlich vorkommen » . Mir wiederum missfiel das politische Leben, von der Herrschaft des Partikularinteressens und dem fehlenden Gemeinsinn bis zum billigsten Propulismus und der grassierenden Korruption. In meinen deutsch ernsten Fantasien hätte ich mich gern als  « Polizeisoldat des Himmels  » (Georg Büchner) in die Verhältnisse eingemischt, um sie « in Ordnung  » zu bringen. » (Jan Koneffke – So denkt an mich als einen Glücklichen)

Jan Koneffkes Erzählung hat eine ganz andere Annäherung an Goethe, endet war dennoch mit dem gleichen Gedanken:  Auch ich war in Arcadien!

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Erste Ausgabe Italienreise (Casa di Goethe) 1816

In der anschließenden Diskussion ging es dann hauptsächlich um das Herabschauen des Nordens auf den Süden – aber nicht nur um das von Mailand auf Rom – , um Vorurteile und Allgemeinplätze und Fortunato sprach einen Rat an die Politiker in Europa aus: Lest Euren Goethe vor den großen Europäischen Räten und sonstigen Besprechungen. Da steht schon die Gebrauchsanleitung für Europa und alles andere drin!

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Auszug Portrait Josef Stiehler (neue Pinakothek München)

Interessanter Abend, der am 1. März in Berlin im Italienischen Kulturinstitut wiederholt werden wird.

Christa Blenk

Und hier noch mehr Berichte über Veranstaltungen in der Casa di Goethe:

Durs Grünbein

Lewitscharoff

zwei Dichter zu Gast bei Goethe

Deus in macchina

Lady Hamilton

Frido Mann

Kalkutta ist so schön wie Rom

Büchner und Chagall

von Erdmannsdorff

Isolde Ohlbau

Barbara Klemm

 

 

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Mark Polscher – The Pomegranate Tree

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Grabmalerei in Paestum

 

 Mark Polscher – The Pomegranate Tree

Klangwanderung des Phönix durch  Zeit und Töne

Der Phönix ist ein Vogel aus der altägyptischen Mythologie, der am Ende seines Lebens verbrennt, stirbt und sich im selben (Todes) Moment wieder aus der Asche herauswühlt, um neu zum Leben zu erblühen.

13 Lieder für 13 Kammern

Elektronisch-konkrete und konventionelle Musikfragmente oder Töne unterstützen gesprochene, manchmal verzerrt gesungene auch verfremdete Wörter und Textpassagen  aus einem  altägyptischen Totenbuch.

Jazziges zweistimmiges Summen – Peitsche – Zymbal -  »Steigere Dein Wohlbefinden »  - Eisenbahnschienengeräusch – monotones Summen - über Lautsprecher -  »Feiere einen schönen Tag! »Bedenke: Niemandem ist es gegeben, seine Habe mit sich zu nehmen! Und Keiner, der fortging, ist jemals wiedergekommen.“ – Rascheln – kristalline Töne – Türen quietschen - Klopfen und Würfeln -  »Wie groß ist der Herr für seine Stadt! » – mehrstimmige oder übergeordnete Melodien – helle klirrende Töne  – Steinquader werden verschoben – Aufzuggeräusche – säuselnder Wind – « hat ein Vater jemals seinen Sohn vergessen » – Wasser fließt (vielleicht) – Kastanien fallen vom Tisch – mechanische Geräusche - Triangel - Windgesang – ein Vogel schnarcht und streift über trockenes Laub -  »Habe ich ohne Dein Wissen etwas getan? » « Was sind diese Asiaten für Dich, Oh amun, die Elenden, die den Gott nicht kennen » - Flüstern -  »Ich bin rein, ich bin rein ! » – Steinquader schließen das Licht aus – Peitsche – Stimmen und  Canon -  »Nicht sieht einer seinen Nächsten » – Drohungen und Mahnungen werden ausgesprochen – Holzspaltgeräusche – Druckergeräusche – elektronische Funkgeräusche – Echo  – Funken sprühen -  Windgesäusel – « Komm’ heraus! Du übler Wind » – Kommunikation mit Außerirdischen - jazzige Orgelmusik - Sklaven-Kettengeräusche – Klopfen auf Metall - eine Tür wird zugeschlagen – Konstruktionsgeräusche - Lachen - Stöhnen -   »Möge sie verkehren mit keinem anderen Mann außer mir.… jetzt, jetzt, schnell… »- Liebeszauber – Sprechen über Mikrophon – « Ich öffne meinen Mund gegenüber meiner Seele, heute ist alles viel zu viel für mich » klares Sprechen – « dieses Land wird zugrunde gerichtet und niemand kümmert sich darum oder spricht darüber » Türen öffnen sich - ein Auto fährt weg - Radiosprecher - Gong - krankes Stöhnen - Triangel - Gähnen - Windspiel und melodisches friedliches Summen - monotone Klänge - Baulärm in der hinteren Grabkammer -  « man wird Pfeile aus Kupfer machen »  - Flüstern – Sprechen mit verstellter Stimme -  »ich zeige Dir das Land in schwerer Krankheit » – Stereogeräusche – « denn ein jeder ist nur mehr mit sich selbst beschäftigt » - Bahnhofgaststättengeräusche – «  aber ein König aus dem Süden wird kommen »  -  Harke - autistische Geräusche – hoher Gesang, dumpfes lautes Schlagen – Sprech-Polyphonie – « es gibt keinen Beruf ohne einen Vorgesetzten, außer dem des Schreibers » – « aber ein König aus dem Süden wird kommen – dem Haus der Finsternis » – Streifen – Kehren – Schritte – « von wo die, die hineingehen, nicht mehr zurückkehren. »

So  hören sich (für mich) diese 64 Minuten an; gefühlt sind es nur spannende fünf Minuten!

13 Gedichte für 13  Räume. Polschers Installation schlägt einen Bogen zwischen Architektur und Musik mit dem Ziel, das Verständnis der Exponate im Münchner Museum für Ägyptische Kunst zu fördern. Die dreizehn Ausstellungsräume sind als Klangzonen unterschiedlich, manchmal treffen sich Töne und Wörter an der gefühlten Grenze zum nächsten Raum und überlagern das, was war, in das, was kommt. Das Echo in den Pyramiden oder in den Museumshallen lässt aus den zwei Stimmen (fantastisch und so vielseitig die Stimmen von Sibylle Canonica und Stefan Hunstein) eine große Menschenansammlung oder einen Chor werden, bis die Stimmen und Töne wieder abklingen und sich in Luft auflösen, weil der Betrachter stehen bleibt und sich konzentriert, um dann wieder mit voller Wucht aufzutauchen.

Die Klänge kommen von ganz weit her oder gehen weg, manche verharren und halten aus. Alles fliest…. die Töne sind konkret, zart, energisch, zurückhaltend, eindringlich,  nüchtern, schwarz-weiß mit Grautönen, manche lassen die verblassten Farben auf den Sarkophagen erahnen, die vor 3000 Jahren bemalt wurden. Zitternd und schüchtern schälen sie sich zwischen den gesprochenen Wörtern hervor, durchbrechen dieses Universum der Töne und Klänge und treffen auf die versteckten und verängstigten oder beobachtenden Blicken der ewigen (gefangenen)Bewohner der alten Grabkammern, wenn die Steinquader langsam vor die Öffnung geschoben werden und das Licht entschwindet. Die verschiedenen Geräusche passieren immer oder fast immer gleichzeitig oder leicht versetzt, Reden wird von Tönen begleitet, Klänge von Wörtern und undefinierbaren Geräuschen. Polscher hat die Insistenz des zum Teil 3000 Jahre alten Gedichtes mit einer parallelen Insistenz von  alten und neuen Geräuschen umgesetzt. Hier ist die Zeit im Flug des Phönix verflogen, verbrannt, abgestürzt.

Mark Polscher hat die Klanginstallation „The Pomegranate Tree“ als Auftragswerk  für das neue Ägyptische Museum in München komponiert, das 2013 eingeweiht wurde. Die ersten zwei Jahre wurde diese eher interaktive Installation im leeren Museum vorgeführt. Sie verändert sich mit den Bewegungen der Besucher. Die Komposition dauert 63 Minuten und ist für 64 Zuspielkanäle mit unterschiedlichen Klängen in verschiedenen Zonen konzipiert

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Mark Polscher während der Installation im Museum
photo©Maayane Haussmann

 

Die CD bespricht die Aktivitäten und Handlungen der Klanginstallation, die immer noch bis auf Weiteres jeden ersten Dienstag des Monats um 18.30 Uhr im Ägyptischen Museum aufgeführt wird. Polscher hat das sich Wiederholende, das Unsterbliche und das sich nie Ändernde dargestellt und eine Brücke komponiert zwischen dem Alten Ägypten und dem Bau des Museums in München. 3000 Jahre die nebeneinander, vor- oder hintereinander und übereinander herlaufen und geschehen. Zugrunde liegt der Aufnahme der Text des Altägyptischen Totenbuchs, das sich mit dem Kreislauf des immer wieder neu geborenen Vogels Phönix befasst. Tod und Geburt stehen zueinander wie Vergangenheit und Gegenwart oder Zukunft. Phönix ist die permanent sich verändernde Konstante: er lebt, er verbrennt, er ist tot, er wird neu geboren, er lebt, er verbrennt ……

Keiner kommt von dort, dass er erzähle …. wie es um sie steht (aus dem Harfnerlied des Antef)

Mark Polscher (*1961 in Dortmund) war ursprünglich Solist und spielte Klavier, Querflöte, Fagott und Saxophon und tournierte mit seiner Jazz- und Rockband  in ganz Europa. In den 80er Jahren schrieb er zum ersten Mal eigene Stücke, die er mit seiner Band aufführte. Seit Anfang der 90er Jahre komponiert er Musik für Theater und Film, darunter auch den Soundtrack für eine lang laufende TV Show. Studiert hat er bei Joe Mubare und Karlheinz Stockhausen. 120 Kompositionen, Orchester, Chorwerke, Musiktheater und Kammermusikstücke hat er bis jetzt komponiert, darunter viele elektroakustische Stücke. Ein wichtiger Bestandteil seines Werkes sind Theater- und Filmmusiken, 90 an der Zahl hat er geschaffen – meist als Auftragswerke. Heute lebt und arbeitet Mark Polscher in München.

Christa Blenk

Die 13 Gedichte heissen:
1. Harfnerlied des Antef (19. Dynastie):
2. Hymne an den König (12. Dynastie)
3. Gebet an Amun (19. Dynastie)
4. Das Totengericht „Negatives Sündenbekenntnis“ (18. Dynastie) Ich bin rein.
5. Der Sonnengeasng des Echanton (18. Dynastie)
6. Der Wandelgeist – Magischer Papyrus (Ptolemäische Zeit, 3. Jh. V.Chr.
7. Die Inschriften auf dem Obelist des Antonoos (Römische Zeit, Hadrian)
8. Liebeszauber aus der Spätantike (Koptische Zeit, 4.-5. Jh. n.C.
9. Die Lehre des Ptahhotep (12. Dynastie)
10, Die Lehre des Cheti (18. Dynastie)
11. Der Ba-Vogel (18. Dynastie)
12. Die Prophezeihung des Neferti (1. Dynastie)
13. Ischtars Höllenfahrt (Altassyrisches Reich)

 

 

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An die Musik – Frido Mann ließt in der Casa di Goethe

 
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 Incontri Romani – Frido Mann und Dr. Maria Gazzetti (Foto: Casa di Goethe)

« Hast mich in eine bess’re Welt entrückt! »

Diese Zeile aus einem Gedicht von Franz von Schober war und ist Frido Manns Leitmotiv für sein erst vor kurzem erschienenes Buch  An die Musik. Einen  autobiografischen Essay nennt er es,  und es geht um Musik, um das Schöne, das Erhabene, das Religiöse, das epochal Begleitende, das Verführerische aber  auch um das Gefährliche in ihr.

Gestern Abend also hat er sein noch lauwarmes Buch in der Casa di Goethe in Rom vorgestellt und drei Stellen daraus vorgelesen. Eine abwechslungsreiche Reise durch die Musikgeschichte, voll mit persönlichen Erfahrungen, Impressionen, Erinnerungen, Bekanntschaften und Anekdoten.

Warum war Bach für ihn als junger Musik- und Theologiestudent so wichtig? Was hat des  Großvaters genialer  Weltliteratur-Musik-Roman  Doktor Faustus bei ihm ausgelöst oder wie erinnert er ein Treffen 1955 auf Ischia mit Hans-Werner Henze. Da ist die Geschichte in der  kleinen romanischen Klosterkirche in Nikolausberg, wo er Orgelunterricht erhielt und – bewaffnet mit  Bachs Orgelbüchlein und Pastorella – zu spielen anfängt, die Zeit vergisst und beim eigenen Spiel in eine Art Trance verfällt.  Oder die Auseinandersetzungen mit dem abschreckenden Bild der Neuen Musik durch den Tonsetzer Leverkühn und dem Teufelspakt mit einer nachhaltig zum Ausdruck gebrachten „Hoffnung jenseits der Hoffnungslosigkeit“ . Frido erinnert sich an die heruntergekommene Restaurant-Terrasse und an den eine bezaubernde Buch erhellenden Vollmond, während er Hans-Werner Henze und Michael Manns Gespräche mit anderen Intellektuellen auf Ischia in den Sommerferien mit verfolgen durfte.

Je nach Lebensabschnitt sind Eindrücke von Gehörtem, Gespieltem oder Komponiertem geblieben, immer andächtig und auf der Suche, den Ansprüchen oder Erwartungen eines Mann-Clan-Abkömmling gerecht zu werden. Mit einem Crossover von der Klassik zur Pop-, Rock- und Jazzmusik  kommt er zur Metapher und Coda.

Dazwischen befasst er sich mit den frühen Säkularisierungsbestrebungen in Italien und Frankreich und der Wiener Klassik. Schubert, ganz wichtig,  und die Sprache in der deutschen Romantik.   Von der  Moderne, von Strawinsky oder Arnold Schönberg baut er eine Brücke nach Darmstadt zu den politischen Musikern wie Hans-Werner Henze und Luigi Nono.

Bach ist der Größte, aber Schubert steht ihm viel näher,  mit Wagner wird er nicht so recht warm. Henze mag und respektiert er sehr, während er  Stockhausen lieber weiter weg sieht und bei Pierre Boulez liebt er sein Weiterkommen nach dem Ausbrechen aus dem seriellen Gefängnis!

Wenn aber stimmt dass Bach, der Gläubige, die Noten direkt von Gott diktiert bekamt, wo hat dann Henze, der Atheist, seine Eingebungen herbekommen?

Durch seinen Vater, den Bratschisten Michael Mann,  kam er schon von klein auf mit der Musik in Berührung, ganz natürlich nahm sie einen immer größeren Stellenwert in seinem Leben ein.

Anspruch auf Vollständigkeit erhebt – ganz bescheiden – diese Musikgeschichte nicht. Ein sehr persönliches und intimes Buch, in dem er viel von sich offenbart, das soll auch so sein, sagt er! Einen konventionellen Lebenslauf braucht es dann nicht mehr!

Das Buch ist interessant, abwechslungs- und so kenntnisreich, besinnlich und auch wieder kurzweilig-humoristisch und – vor allem – für Musikliebhaber ein gefundenes Nachttischschmankerl.

Seine Geburt in Kalifornien 1940 hat ihn – auf Wunsch von Thomas Mann – in eine Art Quäker Religionsgemeinschaft hineingeboren, wovon er aber als Kind nichts merkte und sich auch an nichts erinnert. Richtig konfrontiert mit der Religion wurde er erst dann, als er als 8-jähriger in die Schweiz kam. Während seines Studiums konvertierte er zum Katholizismus. Vor sieben Jahren allerdings,  anlässlich der Pius-Brüder-Affaire, trat er – auch angeregt durch seinen Sohn – wieder aus der katholischen Kirche aus und gibt sich nun seiner eigenen Religion,  einer ganz persönlichen Religion hin, die mit Kunst, Literatur, Musik und Natur zu tun hat. Auf eine Frage, wie man es als Enkel eines großen Schriftstellers schafft, meint er – vielleicht mit einem Augenzwinkern - dass hier wohl dann doch etwas religiös- mystisches gefragt sei.

Frido Mann hat Musik, Psychologie und Theologie studiert und sogar einen Jahresdirigentenkurs gemacht – in Rom übrigens! Außerdem hat er jahrelang als Psychiater gearbeitet!

Die Leiterin der Casa di Goethe, Maria Gazzetti, hat dieses « incontro romano » wieder mal locker und genial moderiert und zwischendurch immer auch noch hin und her übersetzt.

Christa Blenk

 

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Romaeuropa Festival – Stimmung von Stockhausen

 
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Voxnova Italia Ensemble mit Mary Bauermeister

 

Was hat erotische Poesie mit Quetzalcoatl, Obertongesang, Wochentagen und Hot Dogs zu tun?

Im Rahmen des Romaeuropa Festival wurde gestern Abend im ehemaligen Schlachthof am Testaccio, Macro,  la Pelanda,  Karlheinz Stockhausens Fluxus-Werk „Stimmung“ aufgeführt.

6 Sänger sitzen auf Stühlen im Kreis. Drei Männer (Tenor I, Tenor II, Bass) und drei Frauen (Sopran I, Sopran II, Alt). Bis auf eine Lampe gibt es kein Licht im Raum. Sie haben keine „richtige“ Partitur vor sich, sondern ein Formschema und Wörter. Jeder hat ein Mikrophon und einen Sender; der Klangregisseur sitzt im hinteren Bereich des Saales in der Mitte.

Stimmung ist meditativer zeitloser difonischer Gesang, und wird in einem rituell-mythologischen Kreis aufgeführt. Die sechs Sänger sitzen am Tisch und versuchen eine Unterhaltung in Gang zu bekommen, sprechen aber nicht die gleiche Sprache, eine Art Babel-Tisch. Nach einigen Mühen schaffen sie es aber immer wieder, sich doch zu verständigen, bis jemand ein neues Thema aufwirft und die Arbeit wieder von vorne anfängt. Böse Geister oder Zauberer, die Zeit oder poetische Einwürfe, erschweren und unterbrechen immer wieder diese Unterhaltung. Der Bass beginnt mit dem Grundton b- Moll, schrittweise stimmen die anderen Sänger mit ein, bis sie den Akkord, der  aus einem Grundton und seinen Obertönen besteht, gefunden haben. Der Ton kann, je nach Stimmlage der Sänger noch oben oder unten variieren, aber nie mehr als einen halben Ton betragen. Jetzt müssen die Sänger gezielt Schwingungen und Variationen suchen, die den Akkord – auch rhythmisch – verändern, um sich dann wieder  zusammen zu finden.  Der jeweilige Stimmführer für ca 1 Minute gibt den Stab an den nächsten weiter, ob diese Reihenfolge allerdings aleatorisch ist oder vorgegeben, konnte man nicht erkennen. Zwischendurch werden die Namen von Wochentagen in den Raum geworfen,  Zauberer oder Götter angerufen und Poesie rezitiert. 51 Mal wiederholt sich das und jeder Sänger hatte sich unterschiedliche Notizen oder Anmerkungen notiert (wie wir am Ende der Veranstaltung sehen konnten).

TeilPartiturmit Bemerkung - Applaus (vielleicht)
Auszug Partitur Tenor mit der Bemerkung des Solisten (Ende — Applaus – vielleicht)

Stimmung ist eine polyphone Komposition und erinnert durchaus an die gregorianischen Gesänge. In einem Einführungsvortrag hat der Musikologe Francesco Antonioni das  Miserere von Allegri laufen lassen. Und sehr weit weg war das Gesamtergebnis von Stimmung dann auch nicht!

Stimmung ist eine absolute Komposition mit dem Grundton b-Moll und seinen Obertönen. Diese Musik ist, wie der gregorianische Gesang, nicht zum Hören sondern zum Singen geschrieben. Was vorher war und nachher sein wird, spielt in diesem Fall keine Rolle.

Stimmung entstand 1968, ein Jahr nachdem Karlheinz Stockhausen (1928-2007) die Künstlerin Mary Bauermeister kennen lernte und heiratete; sie war übrigens auch gestern Abend bei der knapp 1-stündigen Aufführung anwesend.  (Wir haben sie vor der Aufführung beim Bohnensuppen-Essen im Freien gesehen.)

Stimmung besteht aus Auszügen aus den Skizzenbüchern aus 1960 von Mary Bauermeister. Dort schreibt sie „Wenn die Musiker malen, die Architekten tanzen, die Maler Musik machen und komponieren passiert oft oder fast immer etwas unerwartetes“.  Stockhausen hat ihr Stimmung gewidmet, für die er persönlich diese hier vorgetragenen erotischen Verse geschrieben hat. Obwohl Stockhausen die Übersetzung der Gedichte in die jeweilige Landessprache als nicht durchführbar erklärte, wurden gestern die Gedichte in italienischer Sprache rezitiert.

Allelujah ist das letzte Wort!

Ein sehr anspruchsvolles und anstrengendes intimes Unterfangen, aufgeführt durch das ausgezeichnete Ensemble Voxnova Italia.

Das hingerissene Publikum hat das Ensemble viermal auf die Bühne geholt.

Organisiert wurde dieses Konzert-Happening im Rahmen des Romaeuropa Festivals durch das Goethe Institut Rom unter Schirmherrschaft der Deutschen Botschaft Rom.

Christa Blenk

 

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Deus in machina – Rom

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Licht- und Musikinstallation von Laura Bianchini und Michelangelo Lupone Anfang Januar 2015 an den Trajans Märkten
 

Ewige Theaterbühne Rom

« Die  Welt  eine Bühne » (und hier in Rom wird der Satz von Shakespeare noch ergänzt mit : “und der Papst ist der Hauptdarsteller”)

Die Ewige Stadt im Gepäck: Wie Goethe, Humboldt und andere das Italienbild der Deutschen prägten.

Arnold Esch und Roberto Zapperi haben sich gestern Abend im Rahmen der Internationalen Begegnungen der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung – zum ersten Mal gestern im Ausland – in der Casa di Goethe über die ewige Stadt, über deren Renaissancen und über das Phänomen eines Nachlebens der Antike, wie es dazu kam und wie man damit umgegangen ist und immer noch umgehen soll/kann oder muss, ausgetauscht.

Während der Rom-Kenner und ehemalige Direktor der DHI, Arnold Esch, über europäische Gemeinsamkeiten und Rom-Erwartungen referierte und Erfahrungen bzw. Aufzeichnungen von z.B. von Niebuhr und von Bonstetten von Anfang des 19. Jahrhunderts  und vor allem vom Historiker  Gregorovius Mitte des 19. Jahrhundert weitergab –  er zitierte z.B. aus einer Vorlesung an der Uni Göttingen über praktische Hinweise für Rom-Reisende (im 19.Jahrhundert) – widmete sich der italienische Kunsthistoriker und Dichter Roberto Zapperi hauptsächlich Goethes Italienreise und vor allem Karl Philipp Moritz’  „Reisen eines Deutschen in Italien“.

Als gemeinsamer Nenner Aller  ist auf jeden Fall, die Liebe zur Antike festzuhalten. All diese Reisenden haben sich absolut nicht für das neue Rom interessiert. Alles was Rom in der Renaissance oder im Barock errungen hat, war viel zu neu und schon deshalb uninteressant oder nicht beachtenswert. Wilhelm von Humboldt war zum Beispiel ein großer Verfechter der Erhaltung der römischen Anarchie. Hier war all  das erlaubt, ja erwünscht, was er zu Hause in Berlin auf das Heftigste verurteilt hätte.

Keine Stadt macht so hochmütig als Königsberg, keine Stadt macht so demütig als Rom“ das sagte der ostpreußische Protestant Ferdinand Gregorovius, der sich nach dem Scheitern der Revolution von 1848 ins Exil nach Rom begab und hier unter anderem die wichtigste Geschichte des mittelalterlichen Roms schrieb.

Die Welt eine Bühne. Das Leben ein Auftritt. Du kommst, siehst, gehst (ab).

Die Entdeckung für mich persönlich waren die Aufzeichnungen von Moritz. Ich habe daraufhin das Buch sofort bestellt, allein die Erzählungen von einer Hinrichtung eines 20jährigen, sehr schönen Maler-Modells (vor allem der deutschen Maler), der einen Mord begangen hatte, hörte sich wie griechisches Theater pur an. Der bedauernde Henker und der mitfühlende und eine Maske tragende Tröster! Auch oder vor allem seine juristischen Beobachtungen sind genial und wenn ich  den Unterton von Zapperi richtig interpretiert habe, dann darf man  Moritz mit Goethe – jedenfalls wenn es um die Italien-Berichte geht, ruhig  in eine Reihe stellen.

Am Tiber

Am 20. November 1787 schrieb  also Carl Philipp Moritz an Philipp Seidel:

Wer aus einer Stadt hicher kömmt, wo eine strenge Polizei beobachtet wird, dem fällt es sehr sonderbar auf, daß man hier am hellen Tage mitten in der Stadt ein Pi~stol aus dem Fenster abfeuern darf.

Von Polizei findet hier nun wirklich gar keine Idee statt; ein jeder tut auf öffentlicher Straße, was ihm beliebt; und durch Zwang und Ordnung ist man wohl nicht leicht an einem Orte weniger eingeschränkt als hier.

Die unzähligen Bettler bedienen sich denn auch insbe­sondere dieser Freiheit, die öffentlichen Straßen auf alle Weise zu ihrer Bequemlichkeit zu brauchen; welches denn freilich für die feine Welt keinen angenehmen Anblick gibt und für feine Nasen kein Weihrauch ist.

Man duldet dies aber und gewöhnt sich daran, weil man es nicht wagt, dem Armen, dem man alles genommen hat, auch noch die öffentlichen Straßen zu verweigern, die er ,sich zu seiner Behausung und zu seiner Lagerstatt wählt und also auch dasjenige hier verrichten muß, was man sonst nur in seiner Wohnung tut. „

Nur bei Kardinal Ratzinger hat es nicht funktioniert, war so etwas wie der Schlußsatz, dieser, sagte Zapperi, wird von den Römern vor allem dafür bewundert, dass er zurück getreten ist.

Moderiert hat Heinrich Detering, der Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Sant' Andrea della Valle Radierung: Schirin Fatemi

Christa Blenk

Fotos: Christa Blenk

 

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Impressionen Highlights 2014

Musik-Theater-Kunst-Highlights in Rom und anderswo - 2014

 

Isadora DuncanmercierPoseidon-TempelsalzP1140617Andante 2008- Óleo-lienzo 40×47 cm.bigbamboo3cellist-palazzo farneseTrabi goes MarcellomonduebervillaadrianathermepicknickKlagemauer

Cristina Crespo hat sich die tanzenden Musen vorgenommen, die Ausstellung dazu wird Anfang April in der Casa della Civetta stattfinden, während JN gleich selber die  zeitgenössische Topf-Symphonie dirigiert und dabei eine wirklich « bella figura » macht. In Paestum wird im Sommer 2015 zum ersten Mal ein Musik-Festival stattfinden (mehr wird noch nicht verraten). Ein Aufenthalt im bretonischen Salzland war genauso interessant wie der Besuch im Studio von Antonio Passa. Während « Andante » ihren Kopf nach unten steckt (oder in den Sand) steht der Big Bamboo immer noch und lädt ein, die Höhen zu erklimmen. Der italienische Cellist spielte die Bach Suite, die Rostropovic vor 25 Jahren an der Mauer spielte und der Trabi fuhr direkt durch das Teatro Marcello. In der Villa Adriana konnten wir unter unglaublichem Vollmond und vor alten Mauern das NDT mit erleben. Die Mauer der durch häusliche Gewalt getöteten Frauen steht auch noch, obwohl sie ihre Reinheit durch unschöne Schmierereien verloren hat. JN hat für eines seiner Fotos von der Mauer sogar einen Preis beim Goethe Institut Wettbewerb « Helden wie wir » gewonnen ……..

aber sehen Sie selber!

P1130230 2014 habe ich mich intensiver mit dem #neuen Rom beschäftigt und dazu EUR einen Besuch abgestattet. Im Laufe der ersten Monate 2014 ist daraus dann ein langer Artikel über die #zeitgenössische Architekturin Rom geworden, was mich später zu einer Serie Rom-Spaziergänge und im einzelnen über #Bernini, #Borromini und die #Renaissance in Rom animiert hat. Weitere werden folgen. Die meisten Bernini Skulpturen in Rom stehen in der Galleria Borghese und diese hatte ihnen für eine Zeitlang #Giacometti gegenüber gestellt. 2014 bekam Rom außerdem zwei neue #Stolpersteine .

GG_nb_06 Das Wagner- Jahr ging zwar 2013 zu Ende; die Oper Regensburg hat aber trotzdem oder deswegen im Januar 2014 eine sehr spektakuläre und witzige #Aufführung der Feen inszeniert. Mit Feen und Waldgeistern hatte sich 2013 auch #June Papineau befasst. Im Frühjahr 2014 zivilisierte sie ihre Laubfrauen und Moorgeister und brachte den #Great Goyesque nach Lausanne in eine Galerie. #Jean-Noel Pettit ha fait une traduction de cet article.

ex_passa Eine Entdeckung 2014 war der italienische Künstler  #Antonio Passa. Sein Ri-tratto di Antonio wurde von #Riccardo Santoboni vertont und daraus entstand eine Art mathematisch-malerische Symphonie, die er bei der Aufführung der Vernissage auch mit vier Musikern aufführte. Überhaupt gab es in diesem zu Ende gehenden Jahr viele Konzerte und Veranstaltungen, die sich mit zeitgenössischer oder elektronischer Musik auseinandersetzten, wie z.B. das #Controtempo Festival in der Villa Medici. Auch die Veranstaltungen des #CRM (Centro Ricerche Musicali) waren immer sehr spannend und anregend. Eine Ausstellung im Macro, #OASI,  brachte elektonische Musik und Kunst zusammen, bei #Feed Drum war es elektronische Musik und Tanz.

P1150956 Ein Expositions-highlight in 2014 war natürlich die lang erwartete #Frida Kahlo Ausstellung in den Scuderien. #Rodin war in den Diokletian-Thermen zu sehen. Aber auch die anderen Museen oder Galerien konnte durchaus mithalten. Es gab im ersten Halbjahr die #Impressionisten aus Washington in Ara Pacis, #Andy Warhol auf dem Corso, #Simon Hantai in der Villa Medici, Rodin in den Diokletian-Thermen und dann #Alma Tadema und die ästhetische Bewegung.

phantabrass-mit Schiaffini und Schiavoni Etwas ganz besonders und außergewöhnlich interessant war die Anwesenheit bei einer Live-Übertragung im Radio RAI3  Gebäude in Prati  die #Performance einer Anti-Kriegs-Kantate, gesungen und vorgetragen von #Silvia Schiavoni zur Musik von Giancarlo Schiaffini mit dem Orchester Phantabrass. Auch interessant war das Abschlusskonzert der Villa Massimo im Auditorium mit zwei Uraufführungen. Ein anderes « barockes » Highlight war Scarlattis  #La Giuditta » durch das Concerto Romano.

Parajes nuncios de Infinito (1999-2009) Nube von Carlos de Gredos – Foto Christa Blenk Im Frühjahr und Sommer  standen auch einige Reisen auf dem Programm. Die eine führte uns auf die Spuren von Jean Luc Bannalec auf die #Glenan Inseln und später dann in das Salzland der #Bretagneund der Vendee. Leider sind die beiden Fernsehfilme über diese Krimi-Geschichten total unansehbar und billig. Madrid stand im Mai auf dem Programm und damit verbunden ein aussergewöhnlicher Besuch bei #Carlos de Gredos in seinem Cerro Gallinero und eine dritte – sehr persönliche – Reise der Erinnerung ging nach San José und zum #Cabo de Gata. In Madrid habe ich außerdem die Künstler #Gerardo Aparicio und #Guillermo Lledó näher betrachtet. Im umgebauten Reina Sofia Museum fand gerade eine Ausstellung von Hanne Darboven statt, die mir die Künstlerin dann doch ein wenig näher gebracht hat.

vulkan4 Im   Sommer hat es uns außerdem auf den #Stromboli getrieben. Der Aufstieg sowie das Zurückkommen um Mitternacht war ein ziemlich unvergessliches Erlebnis und auf jeden Fall eines der Italien-Höhepunkte. Daraufhin haben wir uns dann gleich für das nächste Jahr die Ätna-Besteigung vorgenommen.

P1190873  Musikmässig war auch ganz schön was los im Frühjahr. Die Oper Rom traute sich an zwei #Ravel-Stücke, und es gab zwei sehenswerte Aufführungen von #Little Match Girl Passion und von #Brundibàr. Die #Ars Ludi beeindruckten uns wieder gegen die Zeit in einem der schönen #Aula Magna Konzerte. Die Saison im Auditorium Parco della Musica ging #swingend zu Ende. Darunter fällt auch ein Glanzauftritt der Mexikaner und wir haben gelernt, dass der Danzón mindestens so aufregend wie ein Tango sein kann. Brasilien hat auch zwei seiner besten Musiker nach Rom kommen lassen zu einem #bezaubernden Barockkonzert für Cembalo und Querflöte kurz vor Weihnachten.

P1200125  #Paola Romoli Venturi, die wir schon im letzten Jahr im #MAAM kennen gelernt haben, wir hier genauer betrachtet. Weitere neue Künstlerinnen auf dem blog sind #Christa Linossi und #Schirin Fatemi. Cristina Crespo arbeitet gerade an einer langen Geschichte über #Musen und Tanz, die hier genauer beleuchtet wird.

P1170074 Im Sommer fand wieder der Festival in der Villa Adriana statt. Wir haben uns Vorstellungen von #Martha Graham und dem #NDT angesehen. Auch in der Nähe von Rom, in Albano, fand dieses Jahr zum ersten Mal ein kleineres Festival statt, bei dem wir zwar ziemlich gefroren aber uns sehr gut bei der Cavalleria Rusticana unterhalten haben.  Auch open air war eine Veranstaltung in der spanischen Akademie vor dem bezaubernden Bramante Tempel. #Aire von Javier Moreno.

Unsicker-Chorus Assisi hat eine sehr umfangreiche Ausstellung über die Mauer-Kunst # »no more walls » organisiert. Wir sind hingefahren, um sie uns anzusehen. Auf dem Rückweg sind wir dann ein wenig durch Umbrien und  haben, Spoleto, Spell0, Perugia und  Gubbio besichtigt. Ansonsten haben wir viele kleine Orte in der Nähe von Rom besucht, meistens Tagesausflüge und alle sehr sehenswert wie #Calcata, Civitta di Bagnoreggio oder Grottaferrata und natürlich unser #Viertel San Lorenzo richtig kennen gelernt. Und dann kam im #November Paestum!

P1180729 Nach der Sommerpause wurden dann nach und nach viele interessante Ausstellungen eröffnet wie z.B. #Escher, Mario Sironi, Sander und Lerski in der Villa Massimo, ein Besuch in der Villa Medici lohnte sich auch wieder, #Memling ist noch bis zum 18. Januar 2015 in den Scuderien zu sehen so ist #Normann Rockwell. Die GNAM macht einen Rundumschlag zwischen Sezession und Avantgarde und:

jamieMcdermottinRom Das Romaeuropa Festival begann mit einer fantastischen Aufführung in der Villa Medici # »Il ballo delle Ingrate ».Wir haben auch einen Liederabend mitgemacht, der #Benjamin Britten gewürdigt hat sowie eine weniger gute Aufführung von King Arthur. Der Höhepunkt war die #Carmen mit Dada Masilo.

Palabras Die Casa di Goethe hat die Serie der Aktivitäten fortgesetzt und nach Grünbein und Lewitscharoff ging es mit Dichterlesungen , incontro Romani und Ausstellungen wie zB. mit der  Sammlung von Erdmannsdorff oder Portraits von Isolde Ohlbaum weiter. Ein Abend war Tischbein gewidmet. Und hier mache ich mal einen kleinen Exkurs ins Kino und stelle den besten Film in 2014 vor: nämlich #Grand Hotel Budapest.

cellist-palazzo farnese Und natürlich wurde auch der Mauerfall vor 25 Jahren hier gefeiert. Einmal mit einem #zeitgenössischen Konzert in der französischen Botschaft mit dem Titel « Jenseits der Grenzen ». Ein italiensicher Cellist spielte die Bach Suite wie dies  Rostropovic an der Mauer 1989 tat. P1190162-sepia-  petiteUnd zweimal war eine ganze Nacht lang der Trabi am Teatro Marcello antreffen.

imageEs gab auch wieder Gästebeiträge in 2014. Birgit Käppeler hat über ein deutsch-Italienisches Theaterprojekt in Zusammenarbeit mit dem St. Pauli Theater  in San Guzné in der Toskana berichtet. Blutige Aprikosen hieß das Stück, das in dem kleinen Ort mit Laiendarstellern auf die Bühne gebracht wurde.  Das Fenster in die Toskana ist vom lokalen Künstler Lorenzo Vanni.

Jean Noël Pettit hat den Artikel über « The Little Match Girl Passion » ins Französische und Brigitte Meyer hat das Portrait über Tiziana Morganti ins Italienische übersetzt.  Außerdem hat Brigitte Meyer das Portrait von Antonio Passa und die Musikbeschreibung von Riccardo Santoboni dazu ins Italienisch übertragen .

Vielen Dank!

borjaprimordial 011Als Zugabe gibt es dieses Jahr die Projekte, Aquarelle und Zeichnungen von Emanuel Borja, dessen Seite dieses Jahr ein wenig zu kurz kam. Was sich aber ändern soll. Die kleinen Holzskulpturen

proyectos realizados
Album : proyectos realizados
esculturas primordiales de los años 80 (gracias a Peter Jäger - que ha hecho el trabajo de scanear los diapositivas)
23 images
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 waren Modelle für sehr große Holzarbeiten, die aber – bis auf eine – beim Umzug von Rabat nach Rom leider zerstört wurden. Die Aquarelle
Acuarelas y naturaleza
Album : Acuarelas y naturaleza
Aquarelas de recuperación © Emanuel Borja/Christa Blenk
20 images
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 hingegen sind in Bonn entstanden, als er sich von seiner ersten Operation erholte; die Zeichnungen
dibujos
Album : dibujos
dibujos de E.Borja en su diario © Emanuel Borja/Christa Blenk
20 images
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 immer wieder zwischen durch. Ich habe sie aus seinen Tagebüchern eingescannt. So auch die Primordial-Projekte
Primordial
Album : Primordial
trabajos de los años 70 y 90 © Emanuel Borja/Christa Blenk
28 images
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P1190162-sepia-  petite Wer über die Feiertage einen kleinen Ausflug in Rom-Nähe machen möchten. Auf Artmore gibt es viele Vorschläge für Tagesausflüge. Gute Fahrt im Neuen Jahr 2015 wünsche ich und freue mich wieder auf Euren Besuch hier auf den blog mit Geschichten und Berichten aus Italien und mehr.

Vielen Dank an die treuen Leser, die interessanten Kommentare und das positive Feedback! Vielleicht möchte Jemand ja auch seine persönlichen Highlights mitteilen!

Bilderreise 2014

Christa Blenk

 

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Das Bücher-Mädchen mit den tanzenden Milchkannen

Winter

Eine Weihnachtsgeschichte (für Kinder)

Vor vielen Jahren gab es im Dorf  nur ein paar Familien, die einen Fernseher hatten. Die Kinder hatten keine Videospiele und keine Smartphones und haben sehr viele Bücher gelesen und Radio gehört. Abends spielte man « Mensch ärgere Dich nicht », oder « Dame » oder « Stadt, Land, Fluss », das mochte Anna besonders gerne. Manchmal spielte man auch Versandkatalog und man konnte alles bestellen was man wollte. Das war auch sehr schön. Und ganz oft spielte Anna auch auf dem Akkordeon, vor allem wenn ein Konzert mit dem kleinen Orchester bevorstand.

Dreimal in der Woche ging die 11jährige Anna um vier Uhr nachmittags  zum Bauern, um die Milch für sich und ihre Geschwister zu holen. Bis vor kurzem durfte sie die Mutter immer begleitet beim Milchholen, aber nach dem letzten Geburtstag hat die Mutter gesagt „Anna, Du bist jetzt schon ein großes Mädchen, und kannst die Milch alleine holen“. Anna war sehr stolz darauf und Nichts und Niemand hätte ihr dieses Vergnügen nehmen können. Schließlich war sie ja die Älteste von 5 Geschwistern. Seitdem durfte sie auch bein Anzünden der Sternwerfer am Heilig Abend dabei sein.

Auf dem Hinweg zum Bauern waren die grauen Blechmilchkannen leer und sie konnte die Strecke schnell laufen und musste keine Angst haben, etwas  von der kostbaren Milch zu verschütten. Auf dem Rückweg waren die Kannen voll und Anna, das durfte die Mutter aber nicht wissen, ließ die Milchkannen tanzen. Sie kreiste den Arm mit der vollen Kanne wie eine Schaukel die sich überschlägt und die Milch in der Kanne stand für 1 winzige Sekunde auf dem Kopf ohne herauszufallen, bis sie gleich wieder unten war und sie den nächsten Arm mit der anderen Kanne kreisen ließ. Sie liebte dieses Spiel und ließ abwechseln die linke und dann wieder die rechte Kanne in den Himmel steigen.

Ab November wurden die Tage immer kürzer und Anna gruselte sich auf dem Rückweg ein wenig, weil sie ja wegen der vollen Kannen nicht Laufen konnte. Manchmal erzählte sich Anna Geschichten oder führte im Geiste Dialoge mit anderen Personen. Aber vor allem dachte sie über seltsame Wörter für das « Stadt – Land – Fluss » –Spiel nach. Der Buchstabe X war besonders schwierig. „Xanten, Xavier, aber ein Land mit X „- sehr schwer. Anna wollte gleich zuhause im Atlas nachsehen, ob es ein Land mit X gab.

Seit dem Sommer durfte sie in der Leihbücherei mithelfen, deshalb ging sie nach der Messe immer über die Straße ins Jugendzentrum, wo der Pfarrer eine kleine Leihbibliothek eingerichtet hatte. Es gab dort Bücher für Erwachsene, Romane aber auch viele Kinderbücher – für Große und Kleine. Anna hatte alle Kinderbücher gelesen, um Auskunft erteilen zu können. Manchmal empfahl sie auch Bücher und fragte die Kinder nach ihrem Alter, um das richtige zu wählen. Sie fühlte sich sehr erwachsen dabei und würde den Pfarrer gerne bitte, neue Bücher zu bestellen, traute sich aber nicht. Anna hatte in den letzten Wochen eine Wunschliste für den Weihnachtsmann zusammengestellt mit neuen Büchern, die immer auf den letzten Seiten der Bücher empfohlen wurden.  Am nächsten Sonntag würde sie die Liste, die sie immer bei sich trug,  einfach dort liegen lassen. Man kann ja nie wissen!

Am 16. Dezember um vier Uhr nachmittags ging sie auch wieder zum Bauern mit den beiden Milchkannen und schon auf dem Weg dorthin, fing es ganz leise zu rieseln an. Die großen Schneeflocken bedeckten schnell ihre Winterjacke und blieben ganz lang dort liegen. Anna konnte sie wegpusten und dann schwebten sie ein wenig vor ihr her. Anna hatte an diesem Tage ihre Handschuhe vergessen und als die Milch in den schweren Kannen war, wurden ihre Hände ganz steif. „Der Schnee ist genauso weiß wie die Milch“ sagte sie laut zu sich selber, um die Stille zu unterbrechen  und schwenkte die Kanne im großen Bogen und mit viel Schwung einmal herum. Wie bei einer Schiffschaukel, die sich überschlägt. Bei der Schiffschaukel wurde ihr immer schlecht und sie fragte die Milch „wird es dir auch nicht übel vom Schaukeln, liebe Milch“, „nein, nein, liebe Anna, mit gefällt das gut“, sagte die Milch und wutsch nochmal herumgeschleudert. Sie folgte mit den Augen der Kanne und sah plötzlich am Himmel etwas vorbeihuschen. War das vielleicht der Weihnachtsmann, „der ist aber früh dran“, sagte Anna zu sich selber und bemerkte nicht, dass die Bücherwunschliste bei dem schnellen Schleudern aus der Jacke gerutscht war. Es schneite immer  heftiger  und als sie zuhause ankam, war der Boden ganz weiß – so wie die Milch, dachte sie. Anna zog ihre Jacke aus und machte ihre Hausaufgaben. Die Mutter brachte die Milch zum Aufkochen und verwahrte sie dann in der Speisekammer.

Beim Aufwachen am nächsten Morgen lagen mindestens 20 cm Schnee und alles war friedlich und weiß, es war Sonntag und Anna freute sich schon auf ihre Arbeit in der Leihbücherei nach der Messe. Plötzlich bemerkte sie, dass ihre Liste weg war und Tränen liefen ihr über das Gesicht. So schnell konnte sie keine neue Liste erstellen und nun würde es zu spät für den Weihnachtsmann werden. Das ist bestimmt die Strafe für das Milchschaukeln, dachte Anna.

Traurig ging sie nach der Messe an ihre Arbeit, trug Bücher aus der Kartei aus und andere ein. „Warum bist Du denn heute so still, Anna“ fragten die Leute. Anna sagte aber nichts.
Dann kamen die Ferien und Weihnachten und Anna und ihre Geschwister freuten sich über die Geschenke und sie vergaß darüber die verloren gegangene Liste. Am Sonntag nach Weihnachten ging sie wieder in ihre Bücherei und fand einen großen Karton auf dem Büchertisch vor. Darauf lag ein Zettel „Für Annas Bücherei“. Ganz schnell und voller Ungeduld  riss sie den Karton auf und was fand sie? All die Bücher ihrer Wunschliste lagen da vor ihr. Vor Freude tanzte Anna um den Tisch als der Pfarrer herein kam. „Was ist denn so schön, Anna“. „Der Weihnachtsmann, er hat meinen Zettel gefunden, den ich beim Milchholen verloren habe“. „Dann war er es, den ich gesehen habe »!. Anna nahm langsam jedes Buch aus der Kiste und strich über den brandneuen glänzenden Einband. „Ich werde sie alle heute noch in die Karteikarten eintragen“, sagte sie. Dann kamen die ersten Kinder und drängelten sich um die neuen Bücher. „Wir werden jetzt eine Liste erstellen, wer zuerst dran kommt, damit es keinen Streit gibt“, sagte Anna zu den anderen. Und alle stellten sich in die Reihe bis sie dran kamen.

Draußen rieselte schon wieder der Schnee herunter und die Sonne wollte unbedingt heraus und Anna dachte, dass der Dezember halt doch der schönste Monat im ganzen Jahr wäre!

monduebervillaadriana

Text und Fotos: Christa Blenk

 

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Febbraro, Italiano, Grünbein, Krüger und die italienischen Dichter

 Incontri Romani

RON1

Die Erschließung des Lichts – Italienische Gedichte der Gegenwart

Michael Krüger und Federico Italiano haben eine Anthologie der Italienischen Poesie des 20. Jahrhunderts zusammengestellt und herausgebracht: gestern Abend wurden sie in der Casa di Goethe vorgestellt. Präsentiert und kommentiert (das Fehlen von einigen wichtigen Dichtern kritisiert) wurde sie vom italienischen Literaturkritiker Paolo Febbraro.

Üppig, vielseitig und vielströmig ist sie, die Poesie im 20. Jahrhunderts in Italien. Symbolismus, Expressionismus, Futurismus, Neorealismus, Existenzialismus, Moderne, Avantgarde und Neoavantgarde sind die verzweifelten Versuche, sie in Schubladen und Tendenzen unterzubringen. Aber das sind nur Wörter und Dichter sind eben Dichter weil sie sich nicht an solche Vorgaben oder Zwänge halten wollen. Wenig bekannt und gelesen sind die meisten dieser Poeten in Deutschland. Das wird sich jetzt ändern.

Palabras Gerardo Aparicio

Größen wie Ungaretti, Sanguineti oder Montale sind natürlich darunter, aber auch Randdichter, Dialektdichter und weniger bekannte wie Sereni, Fortini, Magrelli, Caproni oder Cavalli kann man ebenfalls in der Anthologie entdecken.

Nach einem Schnelldurchlauf durch die Poesie im Allgemeinen und einem Versuch, die Dichter in gewisse Ecken zu stellen (wie z.B.  Benn, Celan auf der einen Seite und Brecht, Enzensberger auf der anderen Seite  oder Heine oder Hölderlin und Brecht der Mörike, ging es lange Zeit darum, die Unmöglichkeit Poesie zu übersetzen zu diskutieren. Wir hören dass Ingeborg Bachmann als erste Ungaretti übersetzt hat (1963) oder dass Enzensberger wichtige Arbeit geleistet hat und dass Max Hellwig einer der wichtigsten Übersetzer aus dem Italienischen ist. Einige Dichter haben immer noch keine Chance auf Übersetzung, weil es einfach im Moment niemanden gibt, der ihr Werk neu erfinden kann. Als Dichter muss man eine eigene Stimme finden, sagte Krüger.

Der zweite Teil des Abends war dann der Lektüre von ausgewählten Werken gewidmet. Italiano und Febbraro lasen zuerst abwechselnd ein Gedicht auf Italienisch, Grünbein und Krüger die jeweilige Übersetzung. Eine metaphysische Sensation nannte Grünbein das Gedicht von Caproni « Der Teichläufer ». Uns Zuhörern fällt auf, dass die meisten vorgelesenen italienischen Gedichte in Deutschland spielen (Porta Westfalia), vor allem in Berlin – vor und nach dem Mauerfall! Zu Edoardo Sanguinetis dadaistischem Grenzübergangsszenen-Gedicht erinnert sich Michael Krüger an ein Treffen mit ihm in Berlin und erwähnte die Liebe von Sanguineti vor allem zu der geteilten Stadt! Sanguineti ist ohne Zweifel einer der Interessantesten in dem Buch, einige Werke von ihm wurden sogar von Luciano Berio vertont. Er jonglierte ohne Probleme zwischen Dante und Brecht hin und her.

Und dann fällt es den Vorlesern plötzlich auch auf, dass vor allem Deutschland das Thema des Gelesenen ist: Die Italiener haben Deutschland erfunden, sagte Krüger und schickte gleich hinterher, dass der Zufall all diese Berlin-Gedichte ausgesucht hätte. Wer weiß!

Christa Blenk

 

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Isolde Ohlbaum Portraits

Intelligenz und Simplizität

Sie blicken uns an, all diese schönen intelligenten Augen. Sitzend, stehend, spielend, vorlesend.

Seit Jahren fotografiert Isolde Ohlbaum (*1953) alles was Rang und Namen hat in der Literatur und im kulturellen Leben. Aber sie sucht nicht nur die Großen. Einige Gesichter hat sie auch fotografiert, bevor sie weltbekannt wurden. Jedes Portrait ist ein (einfaches) Kunstwerk und wie sie selber sagt « „So vieles hängt ab von den jeweiligen Umständen, welcher Kontakt, Dialog, welche Atmosphäre entstehen kann zwischen zwei Menschen, die sich vielleicht vorher noch nie begegnet sind.“

Der erste Raum ist den italienischen Schriftstellern gewidmet. Alberto Moravia, Natalia Ginzburg, Italo Calvino, Mario Fortunato, Fotos aus den 70er und 80er Jahren. Umberto Eco und Dacia Maraini (2012) sogar in Farbe.

Im nächsten Raum gehen wir vorbei an Peter Handke beim Fußballspiel. Winifred Wagner als ältere Damen 1976 in Bayreuth, die Kessler Zwillinge, Wim Wenders ganz jung, der wichtigste Vertreter der beat generation Allan Ginsburg mit seltsamer Kopfbedeckung und Jean Marias, der große Antonio Tabucchi, Hanna Schygulla und Fassbaender. Und das sind längst nicht Alle. Dur Grünbein zwischen römischen Köpfen, Harald Hartung und Sibylle Lewitscharoff (mit großer Handtasche) haben wir vor kurzem in der Casa die Goethe bei diversen Lesungen auch persönlich sehen können. Und natürlich Andy Warhol, er hat ja schließlich Goethe in Siebdruck verewigt.

Ein weiterer Teil der ausgestellten Fotos dokumentiert diverse Verleihungen des « Petrarca Preises für Poesie », man sieht die Dichter versammelt und sich vorlesend in der Natur. Zum ersten Mal wurde er wohl in der Provence auf dem ungemütlichen Mont Ventoux vergeben, hierüber berichtet ein Foto mit Bazon Broch und Matthias Krüger. Der Preis ging posthum an Rolf Dieter Brinkmann. In der Folge hat man immer wieder andere attraktive Orte in Italien gefunden – im Tusculum oder in Vincenza.

Ohlbaum schafft eine Stimmung, die Frieden in die Gesichter ihrer Gegenüber zaubert, die Portraits strahlen wohlfühlendes Schweigen aus  und die Augen erzählen langsame Geschichten. Vertrauen und Kennen sind die Voraussetzung für solche Portraits.

Bis Juni 2014 kann man noch an diesen Größen der Literatur-, Pop- und Kinoszene vorbeiflanieren. Durch das Betrachten der Fotos sehen wir dann auch die Radierungen von Piranesi und die Zeichnungen von Goethes mit einem anderen Auge.

Der Charakter ruht auf der Persönlichkeit, nicht auf den Talenten – hat Goethe gesagt!

Eine interessante Ausstellung; man sollte sie nicht verpassen!

Isolde Ohlbaum Fotos

P1120783 Durs Grünbein bei einer Lesung in der Casa di Goethe 2013.

Christa Blenk

 

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5 Tage am Atlantik

Notre Dame de Monts in der Vendée – 5 Tage mit Ausfluegen zum Gois, nach Noirmoutier, Beauvoir-sur-Mer, zum alten Hafen von Collet und zur Abtei des Hl Philibert – aus dem 9. Jahrhundert – der u.a. angefangen hat, diese Poldergegend (Marais) bewohnbar zu machen. Das Marais ist eine riesige Gegend zwischen Atlantik und Nantes.

Fotoreportagen auf Artmore

noirmoutier 067

- Le Gois

- Poetisches Marais

- die Venus vom Marais

- Belle Epoque

- Atlantik im Februar

- Wolken

- Hafen von Collet

- Abtei Hl. Philibertus

- Barrières

- Fischernetze

 

Fotos/ Christa Blenk

 

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Zwei Dichter zu Gast bei Goethe

Jeden Tag ein Gedicht!
roma-tiber 005

Christine Koschel (*1936) und Harald Hartung (*1932)  trafen sich gestern Abend (zum ersten Mal) in der Casa di Goethe und lasen jeweils aus ihren letzten Gedichtsbänden vor.

Die Eine (Koschel)  ist in Breslau geboren, floh mit ihrer Mutter 1944 in den Westen, lebt und arbeitet allerdings seit 1965 in Rom, der Andere (Hartung) ist in Herne geboren und lebt in Berlin. Beide sind Vorkriegskinder von Vatergenerationen, haben viel gemein und schreiben ganz unterschiedlich!

Christine Koschel stellte ihr letztes Werk Bis das Gedächtnis grünet vor. D.h. Eigentlich hat dies Harald Hartung anhand seiner schönen und lehrreichen Besprechung ihres Bandes in der FAZ im letzten Jahr übernommen.

Hartung verbindet ihr Erstlingswerk Den Windschädel (1961) mit dem letzten Band Bis das Gedächtnis grünet und kommt zu dem Ergebnis, dass Christine Koschel ihren Schreibstil nicht geändert habe in all der Zeit. Sie bliebe sich und ihren Worten treu „zeitbedingte Wandlungen“ mit eingerechnet. Ob das auch daran liegt, dass sie in Rom lebt und sich hier einfach nichts ändern darf, bleibt dahin gestellt. Er zitiert Nelly Sachs prophetischen Satz über ihren Debütband 1961, das „viele Blitze aus den Nächtigkeiten der Worte geschlagen“ würden.

Bachmann, Celan und Hölderlin sind ihre Vorbilder. Bachmann kann man bei vielen ihrer Gedichte förmlich spüren.

Bevor sie also ans Vorlesen geht, stellt uns Hartung noch typische Koschel-Wörter vor wie: OhrenscheinSchattenzukunftMorschrichtungStummeldasein und das berührte Zackern.

In der Schwebe; Zwitteralter; Hungerung; Exilant (Wenn ihm Heimat unter die Füße gerät – Spontan sagt Koschel bei der zweiten Lektüre auf Wunsch einer Zuhörerin „er glaubt nicht daran, er glaubt nicht an die Heimat“ – „ich sage sonst nie etwas über meine Gedichte“ fügt sie hinzu). Fast hat man das Eindruck, dass sie selber auch gerade diese Erkenntnis gemacht hat; Römischer Fluß – das hat mich z.B. sehr stark an Bachmanns Römisches Nachtbild erinnert. Sogar der Rhythmus!

Später erzählt sie dann eine Geschichte, sie sich auf der Flucht 1945 in der heutigen Tschechei zugetragen hat. „Urerlebnis mit Kind“ nennt sie es. Im Hof einer alten Bierbrauerei, wo sie sich mit ihrer Mutter versteckt hielt, standen drei große Busse (darin befanden sich zurückgelassene Waisenkinder – hat sie später gelernt). Koschel spielt im Hof und betritt einen der Busse. Was sie dort sah hat sie nie vergessen. Tote Kinder, kranke Kinder, traurig-verhungerte Kinder und vor allem blickende Kinder – „dem Blick muss ich treu bleiben“ sagt sie. Dem Blick und vielen anderen.

Am Tiber

Harald Hartung bezeichnete sich selber als „poeta privato“ und warnte gleich zu Anfang, dass seine Gedichte sehr einfach zu verstehen wären, konventionell, er liebe den Reim. Das Parkett der Lyriker hat er – schüchtern – 1970 mit dem Band Hase und Hegel betreten.

Er ist ein direkter und unverblühmter Dichter, während sich Koschel als indirekte Dichterin sieht. Sie umschreibt oder erklärt was sie sagen will, sie sagt z.B. „zackern“, wenn sie eigentlich vom sich Abrackern der Dichter auf ihrem schweren Weg reden will.

In ihrem Gedicht „Zackern“ greift sie auf ein Wort zurück, das Hölderlin während der Arbeit an seiner Pindar-Übersetzung benutzte und Paul Celan in einem späten Gedicht aufgriff. „Ein Zittern zackert dir im Leibe“. Es ist die Poesie, die so lautmalerisch „zackert“. Von ihr heißt es zuletzt, gleichsam erlösend: „im Einklang bist du frei / von Grund auf.“ Das ist die Utopie der Christine Koschel. Und so ist das, wenn das Gedächtnis grünet. (Quelle Harald Hartung, FAZ)

Hartung ist beides: Kritiker und Dichter und in beidem ist er gleichgut. Seit vielen Jahren schreibt der die allerschönsten Lyrik-Besprechungen in der FAZ. Er stellte gestern abend seinen letzten Band Der Tag vor dem Abend vor. 2003 bekam er den Würth Preis für Europäische Literatur.

Anlässlich seines 80. Geburtstag hat Felicitas von Lovenberg – ebenfalls in der FAZ – über ihn gesagt: „Wer Neues bewertet, braucht Kriterien, wer Neues schafft, braucht Freiheit. Man könnte auch sagen: „Ein Kritiker braucht Wurzeln, ein Dichter Flügel. Harald Hartung verfügt über beides:“ Sie bezeichnet ihn als „Kritiko-Poet“ in der Nachfolge von Baudelaire bis Benn.

Hartung beginnt mit dem Gedicht Drunten horcht ein Kind – Koschel wollte dann gleich wissen was für ein Kind? Ein Kind, 1935, im Ruhrgebiet, unter einem Tisch – aber auch das jetzige Kind, sagte er darauf. Seine Gedichte heißen: Gedicht mit Kontrabass (der Kontrabass muss geschrieen haben); Sommertag, 30er Jahre (Kindheitserinnerungen, Krieg); Unser Freund Anatol (es ist egal an welchen Anatol Sie denken wollen – an den von Frisch oder Schnitzler – ich denke an meinen Anatol, sagt er); Aus Sant’Angelo und Via del Corso (Rom Referenzen).

Er bewundert den italienischen Dichter Eugenio Montale, sagt er uns zum Schluss und zitiert ihn „Meine früheren Verse schrieb ich im Frack, meine späteren im Schlafanzug“. Er, Hartung, würde im Schlafanzug schreiben.

Beide Dichter fühlen sich nicht gebunden an Adornos Verdikt, dass nach Auschwitz Gedichte zu schreiben barbarisch sei. Damit gehören sie zum Bund von Celan, Nelly Sachs und auch Ingeborg Bachmann.

Gedicht mit Kontrabaß

 Mit zwei Koffern Vater und Mutter / und einem Kontrabaß / an einem Maiabend / auf einem Schützenpanzer
 über die gepanzerte / Wand auf den Platz schauen / der vom Geräusch der Flammen hallt / die aus dem Rathaus schlagen
 Am nächsten Vormittag dann / ohne Koffer und Kontrabaß / mit Vater und Mutter / in einem Straßengraben
 Das gab eine Art Haiku /  Der Panzer ist ausgebrannt / Mutter hält sich an der / geretteten Handtasche fest
 Und der Kontrabaß? Er muß geschrieen haben unter  / der MG-Garbe o Gott / er muß geschrieen haben (Harald Hartung)

Man sollte jeden Tag ein Gedicht lesen, auf diesen Satz von Goethe machte uns dann auch noch ein anderer Zuhörer aufmerksam. Das dürfte uns eigentlich bei diesen schönen Gedichten nicht schwer fallen.

Da ich den Band von Christine Koschel noch nicht habe und mir auch die Gedichte – leider – nicht merken konnte: hier das Römische Nachtbild von Ingeborg Bachmann, die ja indirekt mit diesem angenehmen Abend auch etwa zu tun hatte: Zusammen mit Inge von Weidenbaum kümmert sich Christine Koschel um den Nachlass von Ingeborg Bachmann.

Römisches Nachtbild
Wenn das Schaukelbrett die sieben Hügel / nach oben entführt, gleitet es auch,/ von uns beschwert und umschlungen,
ins finstere Wasser, / taucht in den Flußschlamm, bis in unsrem Schoß / die Fische sich sammeln.
Ist die Reihe an uns, / stoßen wir ab.
Es sinken die Hügel, / wir steigen und teilen / jeden Fisch mit der Nacht.
Keiner springt ab. / So gewiß ist’s, daß nur die Liebe / und einer den andern erhöht.  (Ingeborg Bachmann)

Am TiberAm Tiber für MK

Christa Blenk

Fotos: Serie « Am Tiber » ©Christa Blenk

 

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