Archives pour la catégorie Musique



Zehlendorfer Hauskonzerte – Franz Trio und mehr

CELLO
Zeichnung: Emanuel Borja

 

Gestern Abend haben die ausgezeichneten Streicher Avigail Bushakevitz (Violine), Melanie Richter (Violine), Ernst-Martin Schmidt (Viola), Taneli Turunen (Violoncello) und Alexander Kahl (Violoncello) bei einem kurzfristig organisierten Hauskonzert ein geradezu brillant zusammen gestelltes Programm  im  gerammelt vollen Wohnzimmer in Zehlendorf vorgetragen und damit an die 50 Musikliebhaber an einer großartigen Vorpremiere teilhaben lassen. Avigail Bushakevitz ist – zusammen mit ihrem Ehemann, dem Bratschisten Ernst-Martin Schmidt und  der Cellistin Constance Ricard – Mitbegründerin des Franz-Trios.

Das Konzert eröffnet mit einem Werk des ungarischen Komponisten Zoltán Kodály (1882-1967).  Kodály hat die Serenade für zwei Violinen und Viola 1920 komponiert – in  einer für ihn persönlich und politisch schwierigen Zeit. Bekannt geworden ist diese Preziose dann 1922 anlässlich einer Aufführung in Salzburg im Rahmen eines Kammermusikfestivals durch das Amar-Hindemith Quartett mit Paul Hindemith persönlich an der Viola. Ungarische Musikelemente, Pustawind und verrückte Rhythmen zeichnen es aus und dauert 25 spannende Minuten.

Weiter geht es mit dem Trio à Cordes (Streichtrio) von Jean Françaix  (1912-1997). Hier kommt ein bezauberndes Jugendwerk pour faire plaisir, wie Jean Françaix seine Musik definierte. Filigran und zart hüpft die Komposition von tänzerischen Walzer- zu Tangorhythmen, weiter  zu einem neoklassischen und spätromantischen Expressionismus bis plötzlich barocke Lully-Tambourine anklopfen, Elemente, die puren Bonheur in die Gesichter der glücklichen Zuhörer (und der Musiker) zaubern. Denen sieht man es an, wie sehr es sie amüsiert, dies zu spielen. Wahrscheinlich hat Françaix  es auch mit einem Lächeln im Gesicht komponiert. 

Jean Françaix entstammte einer Musikerfamilie und hat bei Nadia Boulanger in Paris studiert. Damals kannte man das Wort  crossover in der Musik noch nicht, er hat es aber praktiziert,  sich ohne Berührungsängste mit allen Musikstilen und Gattungen befasst und eine Brücke vom Oratorium zur Filmmusik gebaut.  Den größten Ruhm hat er dann aber doch mit der Kammermusik erreicht.  Seine Werke verbinden Scherz und Humor mit schlagfertiger Freude.  Françaix hat das Stück 1933 für das Brüder-Trio Pasquier komponiert. Die Interpreten haben ihn sehr gut verstanden!

 

QNG

 

Jetzt hängt die Latte hoch! Kurze Pause zum Lüften und konzentrierte Vorfreude auf eines seiner Großwerke: Das  Streichquintett C-Dur op. post 163 D 965 von Franz Schubert (1797-1828). Obwohl Schubert er nur zwei Monate vor seinem Tod komponiert hat, tut man sich schwer es Spät- oder Alterswerk zu nennen, denn er war ja nur 30 Jahre alt!  Das haben die Musiker auch so gesehen und es sehr temperamentvoll-innig vorgetragen. Schubert griff hier auf eine eher ungewöhnliche Kombination von zwei Geigen, zwei Celli und einer Bratsche zurück. Fast 50 Minuten dauert es, ein Drittel davon gehört dem ersten Satz. Tragisch-schön, pendelt es sich zwischen verlorener Zuversicht und unerfüllter Hoffnungen. Es beginnt mit einer nostalgisch-tragischen Endlosschleife, wütet durch finstere Gewitterwolken und aufreißende Himmel und plötzlich verstehen wir, warum Kodálys Serenade dieses Konzert eröffnet hat: hier sind sie, die ungarischen Tanzrhythmen in Schuberts Rondo

Die Uraufführung dieses kammermusikalischen Schwanengesangs hat der Komponist allerdings nicht mehr erlebt, denn dazu hätte er noch 22 Jahre leben müssen. So lange hat es nämlich gedauert, bis es im Jahre 1850 endlich in Wien aufgeführt wurde. Das lag zu allererst an der Resistenz dem Stück gegenüber von Musikwelt und Verleger.

Am 25. März findet dieses schöne Konzert im Berliner Konzerthaus (Matinee) statt, allerdings ist es schon lange ausverkauft. Glücklich diejenigen, die eine Karte haben!

 

Christa Blenk

 

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Stabat Mater – Dvorak

La Pietà Rondanini - Michelangelo
Pietà Rondanini (Michelangelos letztes Werk / Mailand)

 

1875 begann Antonin Dvorak mit der Arbeit an seinem Stabat Mater. In dieser Zeit verstarb seine Tochter Josefa gleich nach der Geburt.  Damit war aber die Familientragödie noch nicht beendet, denn bis zur Fertigstellung zwei Jahre später hat verlor die Familie Dvorak noch weitere zwei Kinder. Seinem Stabat Mater merkt man das nicht wirklich an. Es kommt ganz positiv und symphonisch daher und lässt hin und wieder ganz kurz an Verdi oder an Belcanto denken. Mehr noch, die  ersten Minuten würde man nicht mal an ein religiös geprägten Werk denken.  Es ist ser gesanglich, samtig, harmonisch und rund!  

Die Aufführung gestern Abend in der Philharmonie – es sang der Philharmonische Chor Berlin begleitet von der Staatskapelle Halle unter Leitung von Jörg-Peter Weigle – war korrekt und würdig, die Solisten gut.  Nicht ganz sauber gleich zu Beginn, haben sie alle im Verlauf der knapp 90 Minuten immer mehr zusammen gefunden. Hervorzuheben vor allem die Altistin Ingeborg Danz und Andreas Bauer (Bass).  Simone Schneider (Sopran) und Tomasz Zagorski brachten ihre Arien sehr lyrisch und das Orchester brachte einen satten Klang hervor.

Heute hat das Stabat Mater große und majestätische Chorwerk einen festen Platz in der Passionszeit und unzählige Komponisten von Pergolesi, über Rossini bis Rihm haben sich damit befasst. Während bei Pergolesi alle schöne Arien den Solisten gehören, sind es hier vor allem die Chorpartien und eine ausgewogene Instrumentalisierung des großen Orchesters, die die erste Geige spielen. Die Solisten ergänzen hier eher den Chor! Weigle hat aber durchaus eine Ausgewogenheit herstellen können.

1880 wurde das Werk in Prag uraufgeführt und kam zwei Jahre später in Brünn und Budapest zur Aufführung. Den internationalen Durchbruch erfuhr es allerdings nochmals zwei Jahre später in London als ein Chor bestehend aus 800 Sängerinnen und Sänger mit einem Riesenorchester es in der Royal Albert Hall vor 8000 Zuhörern aufführte.

 

cmb

 

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Zehlendorfer Hauskonzerte – Noga Quartett im Quintett

Entdeckung

Zerrissene Töne im Winter

Der gestrige Abend war dem polnischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg (1919-1996) gewidmet. Hierzu kam das großartige Noga-Quartett ins Wohnzimmer nach Zehlendorf mit Weinbergs Klavierquintett f-Moll op. 18 im Gepäck. Am Klavier die wunderbare Pianistin und Weinberg-Expertin Katarzyna Wasiak. Im Entstehungsjahr 1944 lebte Mieczyslaw Weinberg schon in der Sowjetunion.

Das Klavierquintett besteht aus fünf Sätzen, die permanent auf der Suche sind, Chaos in Ordnung zu verwandeln, ein brillanter Schlagabtausch zwischen Klavier und Streicher.  Einmal spielt das Klavier die erste Geige, gibt aber gleich wieder den Stab ab und lässt die Streicher wüten. 

Eine Reise im Trauerflor in der kalten Jahreszeit.

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Die erklärenden Worte der Musiker zu Beginn des Konzertes – für die die gestrige Aufführung eine Premiere war und die selber noch dabei sind, zu Stück zu entdecken bzw zu verstehen  – haben dazu beigetragen, dem Stück ein wenig mehr als sonst näher zu kommen. Eine Flucht, ein unfreiwilliger Aufbruch ins Ungewisse. Dramatisch-wütende Verfolgungsszenen gleiten in melancholisch, samtige Tristesse ab, um dann gleich wieder zu  Donner- und Kanonenhall des Pianos und krampfhaftem Weinen der Geigen über zu gehen, bereit, die Zuhörer in große Emotionen zu stürzen. Immer wieder rappelt es sich auf und kommt dann plötzlich ganz tänzerisch daher, von (Trauer)Marschtakten, pastoralen Walzertönen über dumpfen Rock n’Roll des Klaviers zu einem  « irischen » Squaredance der Streicher. Im Laufschritt von hoffnungslosen Monologen hin zu  hoffnungsvollen Fragezeichen, von wolkenaufreißender, hektischer Helligkeit bis es langsam im Dunkeln aushaucht. 

Stille!

Einfach umwerfend, die Musik und die Interpretation. Jetzt bitte ein da capo, um all das zu hören, was aufgrund der großen Klangfarben- und Fülle unterging oder zu schnell verflog.

Weinberg war Sohn eines jüdischen Musikers und studierte Klavier am Warschauer Konservatorium, floh 1939 nach dem deutschen Überfall auf Polen über Minsk und Taschkent, wo er seine Studien fortsetzte. Er verlor seine komplette Familie im KZ, richtig bewusst wurde ihm das allerdings erst 30 Jahre nach dem Krieg.  Schon 1943 nahm er Kontakt zu Schostakowitsch auf, der ihn nach Moskau einlud, wo er bis zu seinem Tod bleiben sollte. Die beiden standen in permanentem Austausch über die jeweilige Musik.

In der Oper „Die Passagierin“, die als sein Hauptwerk gilt, arbeitet Weinberg das Thema Auschwitz auf. Sie wurde vor ein paar Jahren – viel zu spät – als Weltpremiere bei den Bregenzer Festspielen aufgeführt.

Weinberg hinterließ ein umfassendes Werk, das einen Bogen von Filmmusik zu Symphonien spannt und man kann schon sagen, von Bela Bartok und Schostakowitsch beeinflusst ist.

Das Noga Quartett gründete sich  2008: Simon Roturier, Lauriane Vernhes (Violine), Avishai Chameides (Viola) und Joan Bachs (Cello) gehören ihm an.  Die Musiker sind in verschiedenen großen Berliner Orchestern tätig. 2015 hat dieses ausgezeichnete Berliner Quartett übrigens die 7. Melbourne Chamber Music Competition gewonnen.

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Die polnische Pianistin Katarzyna Wasiak stammt aus einer Musikerfamilie und begann schon mit sieben Jahre ihre musikalische Ausbildung in Breslau. In Wien hat sie Musik und Darstellende Kunst studiert und setzte ihre Studium 2006 in Berlin fort (Hochschule für Musik Hans Eisler).  Sie scheint verwachsen mit ihrem Klavier zu sein und zeigt durch ihre Körpersprache eine große gleichberechtigte Auseinandersetzung mit jedem Anschlag oder Ton.

Eine Sternstunde am Berliner Konzerthimmel war dieser Abend! Bis Juli soll das Quintett noch weitere Male aufgeführt werden – und wir werden uns das nicht entgehen lassen; eine CD-Einspielung wird es auch geben.

Christa Blenk

Fotos: Am Schlachtensee (März 2018)

 

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Konzert im Großen Sendesall – Haus des Rundfunks

Konzert im Großen Sendesaal Haus des Rundfunks am 10. März 2018 mit dem Abonnentenorchester des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin unter Leitung von Heinz Radzischewski und der Humboldt Big Band (Leitung Armando Carillo Zanuy)

Sänger der Big Band: Kristina Svensson und Johannes Held.

Außer Verdis Ouvertüre zu „Macht des Schicksals“ und Schostakowitschs « Ballet Suite No. 1″ traute sich das Orchester an Philip Glass  Konzert für Violine, Violoncello und Orchester mit den sehr guten Solistinnen Kamila Glass (Violine) und Lesli Riva Ruppert (Violonvello).

Philip Glass gilt neben Steve Reich als der wichtigste Vertreter der Minimal Music. Vor allem die Begegnung mit Ravi Shankar hat Glass zu seinem repetitiven und hypnotischen Musikstil inspiriert. Peter Sellars sagte einmal:  „Bei Phil ist es ein bisschen wie bei einer Zugfahrt einmal quer durch Amerika: Wenn Sie aus dem Fenster sehen, scheint sich stundenlang nichts zu verändern, doch wenn Sie genau hinsehen, bemerken Sie, dass sich die Landschaft sehr wohl verändert – langsam, fast unmerklich.“ Immer wieder komponierte Philip Glass Musik fürs Kino oder Fernsehen (hervorzuheben hier der Film Koyaanisqatsi (1983) mit dem Glass’ Musik große Popularität außerhalb der Klassikgemeinde erreichte und ihn der  New-Age-Bewegung zuordnete. Glass erarbeitete einige seiner wichtigsten Projekte mit Robert Wilson (« Einstein on the Beach »). Von ihm stammt auch die Überarbeitung der  Eröffnungsmusik der Olympischen Sommerspiele 1984 in Los Angeles.

Das originelle und einzigartige Doppelkonzert für Violine, Cello und Orchester ist ein Dialog zwischen den Soloinstrumenten und dem Orchester; es entstand 2010 im Auftrag des Netherlands Dance Theater als Choreografie für Sol Léon und Paul Lightfoot.

Großzügige Zugaben mit Werken von Lecuona, Piazzola und Soundtracks von bekannten Westernserien.

 

cmb

 

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Französisches Opern Pasticcio

Les beaux jours de l’amour (die schönen Tage der Liebe)

Der französische Dirigent Raphael Pichon stellte ein Programm aus Opern von Rameau und Gluck zusammen, eine Art Pasticcio à la française mit Prolog, drei Akten und Apotheose.

Die Leistung der französischen Sopranistin Julie Fuchs ist noch bedeutender wenn man bedenkt, dass sie erst zwei Stunden vor Konzertbeginn aus Paris eintraf. Sie war kurzfristig für die erkrankte Sabine Devieilhe (für die das Programm eigens zusammen gestellt worden war) eingesprungen. Zarte  Arien, wunderbare Flöteneinsätze,  Orchesterstücke, Tambourins, Ritornelles, Chaconnes oder Rondeaus aus Jean-Philippe Rameau (1683-1764) Opern wie  “les Indes Galantes, Les Boréades, Castor et Pollux und Christoph Willibald (Ritter von) Gluck (1714-1787) Orfreo ed Euridice  strebten an diesem ungewöhnlichen Abend einem fulminanten und furiosen Finale entgegen und Julie Fuchs legte die zuerst gezeigte schüchterne Leichtigkeit gänzlich zur Seite als sie umwerfend und witzig-graziös die Arie der Folie aus Platée hinschmetterte und mit großer Komik den Dirigenten vom Pult stieß und mit Musikern und Publikum kokettierte.

Beide, Rameau, der erst mit 50 Jahren seine erste Oper komponierte, und Gluck sahen sich gefordert, den Opernstil zu reformieren als sie beide im Spätbarock in Paris agierten.

Großartiger französischer Pasticcio-Opernabend am 28.02.2018!

cristina crespo
Cristina Crespo

cmb

 

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La Serva Padrona

Das ausgezeichnete Freiburger Barockorchester zu Gast im Kammermusiksaal der Philharmonie mit einem fast ausschließlich Pergolesi gewidmeten Programm.

Von geistlicher Musik zur Opera-Buffa. 

Den Anfang machte ein kleines Ensemble mit dem Concerto armonico Nr. 5 f-Mol von Unico Wilhelm Graf van Wassenaer (1692-1766). Man hat diese kleine Preziose oft Pergolesi zuordnen wollen, der in nur 26 Lebensjahren ein großartiges Werk hinterlassen hat. Gleich darauf dann aber ein echter Pergolesi, das  Concerto B-Dur, angeführt vom Konzertmeister Gottfried von der Goltz. Zum dritten Teil vor der Pause kam die Sopranistin Sunhae Im in cremefarbener Spitze auf die Bühne und hat Pergolesis Salve Regina c-Moll eher enttäuschend vorgetragen. Viel zu unbeteiligt und kalt gesungen,  nicht die kleinste Emotion konnte entstehen und man hat sie immer nur ein wenig von der Seite gehört.

Das hat sie dann nach der Pause aber gleich wieder wett gemacht als Serpina in Pergolesis Intermezzo „la serva padrona“. Zwei Personen und eine Pantomime verzaubern 40 Minuten lang das Publikum mit Witz, Charme, Slapstick und schöner Musik. Hier geht es eigentlich nur darum, ob der patrone seine Schokolade bekommt oder nicht. Der junge Theaterregisseur und Geiger Tristan  Braun hat in diese halbszenische Aufführung die Musiker mit eingebunden, die dann auch abwechselnd eine kurze Rolle übernehmen, und trat selber als tätowierter Halbstarker und Pseudo-Bräutigam von Serpina auf. Commedia dell’Arte pur!  

Sunhae Im trägt hier nun ein freches Spitzenkleid und ist ganz Herrin ihrer Ideen und Pläne und schäkert mit Braun durch den ganzen Saal. Uberto wird von Furio Zanasi, großartiger Bariton, schnell und sicher,  gesungen und gespielt und man weiß von der ersten Minute an, dass er gegen Serpina einfach keine Chance hat und als Verlierer aus dieser Geschichte hervorgehen wird. 

Hier zu einer anderen Aufführung in Rom

Christa Blenk

 

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Akademiekonzert im Pierre Boulez Saal

Instrumente

 

Akademiekonzert im Pierre Boulez Saal am 30. Januar 2018

Der Franzose Jean Françaix (1912-1997) stammt aus seiner Musikerfamilie und studierte bei Nadia Boulanger. Schon mit 20 Jahren errang er seinen ersten Erfolg mit einem Concertino für Klavier.

Blasinstrumente mochte er besonders und es gibt keinen anderen Komponisten des 20. Jahrhunderts, der so viel für Bläser komponierte wie Francaix. Außer Opern stammt auch auch Filmmusik (Musique pour faire plaisir) von ihm.

Die drei jungen Musiker des Akademiekonzertes am 30. Januar Estelle Akta, Parisa Saeednezhad und Nur Meisler eröffneten das Konzert mit Jean Francaix‘ Divertissement für Oboe, Klarinette und Fagott. Es entstand 1947 und kommt leicht und elegant daher. Meisterhaft, unterhaltend und humorig-geistreich, voller rhythmischer Einfälle und Eigentümlichkeiten baute er eine seiner Brücken vom französischen Barock  über Mozart direkt ins 20. Jahrhundert und flirtet mit der Filmmusik. Francaix kommt aus Le Mans und dort hat ihn nicht das 24-Stunden-Rennen inspiriert, sondern die großartige Kathedrale. Die drei Solisten haben sein Werk auch mit der nötigen Hingabe und voller Humor gespielt.

Der zweite Teil des knapp einstündigen Konzerts war dann Brahms gewidmet. Die Studierenden der Barenboim-Said-Akademie David Moreau, Hisham Khoury, Benjamin Voce und Teresa Beldi interpretierten Johannes Brahms Streichquartett a-moll op 51.Nr. 2, das Brahms 1873 komponierte.

Viel Applaus von einem sehr aufmerksamen Publikum.

Das nächste Akademiekonzert findet am 2. Februar 2018 statt.

cmb

 

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Gastveranstaltung Estonian Festival Orchestra in der Philharmonie

kammermusiksaal mit Notenständern

 

Gestern abend war das Estonian Festival Orchestra mit Paavo Järvi am Pult zu Gast in der Philharmonie. Paavo Järvi ist zurzeit einer der populärsten Dirigenten. Er gründete sowohl das Pärnu Music Festival in Estland als auch das dazu gehörige Estonian Festival Orchestra, bei dem die hoffnungsvollsten Nachwuchsmusiker Estlands große Solisten aus anderen Orchestern treffen. Gestern begleitete  die russische, talentierte Geigerin  Victoria Mullova das Orchester, das zum ersten Mal auf großer Tournee unterwegs war.

Viktoria Mullova verzauberte das Publikum mit Ihrer Darbietung bei Jean Sibelius’ « Konzert für Violine und Orchester d-Moll, op 47″ und mit einer großartigen Zugabe von Arvo Pärts Passacaglia für Violine und Klavier, die 2003 als Auftragswerk des Internationalen Violinwettbewerb Hannover entstand.

In Estland ist Arvo Pärt geboren und von ihm wurden noch die zwei anderen Werke  „Cantus in memory of Benjamin Britten“, und „Fratres für Streichorchester und Schlagzeug“ aufgeführt. Cantus in Memoriam Benjamin Britten entstand 1977 und ist wohl eines der bekanntesten Werke von Arvo Pärt (*1935, Estland). Es ist von dem von ihm entwickelten Tintinnabuli-Stil geprägt. Ein fast religiöses Werk, das über den Tod philosophiert. Das Stück braucht viel Stille und Järvi lässt seine Hand lange nicht sinken bevor das Publikum endlich applaudieren darf. Schöner wäre es noch ganz ohne Applaus gewesen. Gerne wird diese Komposition auch als background-Musik bei Filmen oder Serien eingesetzt. 

Fratres entstand ebenfalls 1977, Pärt hat diese Mitternachtsprozession der Mönche mittlerweile für unterschiedliche Instrumentalkombinationen verarbeitet.  Dem liturgisch-asketisch-minimalen Psalmenwerk merkt man an, dass sich Pärt in der Entstehungszeit  viel mit mittelalterlicher Musik befasst hat,

Nach der Pause gab es dann noch  Dmitri Schostakowitsch instrumentale Sinfonie Nr. 6. Sie entstand  im September 1939. Von nachdenklich -lyrisch im ersten Satz sprint sie zu einem gewaltig-pompösen Finale. Stimmungen von Frühling, Freude und Jugend wollte Schostakowitsch damit vermitteln. Das Orchester hat sich gut geschlagen und bekam sehr viel Applaus.

Viktoria Mullova tritt mit fast allen großen und bedeutenden Orchestern auf. Die Russin lebt in London und ist mit dem Cellisten Matthew Barley verheiratet. Sie studierte an der Moskauer Zentralschule für Musik im Hauptinstrument Violine und später bei Leonid Kogan am Moskauer Konservatorium fort. Schon seit 1980, als sie den Sibelius Wettbewerb in Helsinki gewann, ist sie auch international bekannt. Dann folgten Preise über Preise.

Der Dirigent und Schlagzeuger Paavo Järvi kommt aus einer Musikerfamilie. 1980 reiste er in die USA, um dort seine Ausbildung bei Leonard Bernstein zu vervollständigen. Die Dirigenten-Karriere begann 2001. Ab 2019 wird er Chefdirigent und künstlerischer Leiter des Tonhalle-Orchesters Zürich.

 Sehr schönes Konzert!

Christa Blenk

 

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Die Zauberflöte – von 1927

Artikel über die Premiere 2012 auf KULTURA EXTRA

 giardini notturno
Bild: Cristina Crespo (hat nichts mit der Inszenierung zu tun)

 

Mozarts Zauberflöte im infantilen Animationswald

Papageno, der ja – außer Essen und Trinken – nichts so gerne tut wie Reden, wird hier in einen Stummfilm verbannt und muss sich plötzlich in den Filmwelten von Metropolis oder Modern Times durchsetzen. Prinz Tamino ist ein Abklatsch von Buster Keaton.  Pamina sieht aus, als ob sie gerade aus einem 20er Jahre Kabarett entwischt wäre und zum Charleston geht, Monostatos ist ein Abbild von Nosferato, die Königin der Nacht schürt die Araknaphobie und lässt viele kleine gruselige Spinnen auf Pamina purzeln und Sarastro gleicht Abraham Lincoln, der einen Flohzirkus dirigiert.

Außer viel Animation, die mit der Zeit sehr ermüdend wird, gibt es eine weiße Wand und Podeste an der Wand, auf denen die Protagonisten dann und wann erscheinen, wenn sie nicht gerade vor irgendetwas weglaufen, bedroht werden oder von über die Leinwand huschenden Bikini-tragenden rosa Elefanten abgelenkt werden, die auf dem Weg zu einer Hühnerlegestation sind und den hungrigen Papageno  gebratene Hähnchen vorspiegeln, die dann aber doch an ihm vorbeiziehen. Die Bühne ist so gesehen inexistent und lebt durch eine Zwei- und Dreidimensionalität.

Suzanne Andrade und Paul Barritt zitieren die russischen Konstruktivisten, den Maler Hieronymus Bosch und Luis Buñuels Augen sind omnipräsent. Alles ist wahr und doch nicht, wenn die Sänger nur mit den Beinen rennen, virtuelle Katzen streicheln oder die Abgesandten der Königin pochende rote Herzen schmachtend auf Tamino werfen.

Alles was in dieser Oper sonst gesprochen wird, muss man, wie beim echten Stummfilm, lesen, begleitet von einem Hammerklavier aus dem 18. Jahrhundert.

Technisch sicher eine Meisterleistung, voller Codes, damit die Musik nicht zu den Bildern laufen muss. Aber es reicht nicht, das Pulver ist sehr schnell verschossen und eine gähnende Langeweile stellt sich ein, wenn zum dritten oder vierten Mal der gleiche Effekt präsentiert wird.

Der Hausherr der Komischen Oper Barrie Kosky hat sich diese Zauberflöte zusammen mit der Gruppe „1927“ ausgedacht. Die Premiere im November 2012 war ein riesiger Erfolg. Seitdem wird diese ganz andere Zauberflöte ein paarmal im Jahr wieder aus der Opernkiste geholt.

Jordan de Souza stand am 5. Januar am Pult. Adela Zaharia war eine schöne Pamina, spritzig und sauber; Adrian Strooper war Tamino. Aleksandra Olczyk hat sich als „Spinnen“-Königin der Nacht gut geschlagen. Papageno war Tom Erik Lie und wurde um viele schöne Stellen oder Szenen beraubt und die Musik kommt entschieden zu kurz.

Na ja, dann doch lieber die alte Everding-Inszenierung der Staatsoper!

Christa Blenk

 

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Blog Highlights 2017

Liebe Leserinnen und Leser,

Hier sind nochmals die kulturellen Highlights der letzten 12 Monate nachzulesen, Verbindungen werden hergestellt und Brücken gebaut – wie es nur Musik und Kunst fertig bringen. Dieses Jahr wird der Übergang von einem Kulturevent zum anderen über eine venezianische Brücke von statten gehen. Es geht deshalb auch nicht immer chronologisch zu auf dieser Reise durch 2017!

P1060051 Avanti Avanti. Mit einem spritzigen Silvesterkonzert in der Komischen Oper fing das kulturelle Jahr 2017 an. Max Hopp rollte Volare Volare singend (und tanzend) mit der Vespa (aber nicht mit dieser – diese habe ich auf der Biennale in Venedig entdeckt) auf die Bühne – jedenfalls hatte er das vor … aber lesen Sie selber.

Brücke ohne Geländer Tanzend ging es auch gleich weiter mit den Tanztagen in Berlin . Surrealistisch und perfekt. Duato Shechter gab es in der Komischen Oper. Großartig war auch eine Aufführung des Nederlands Dans Theaters Anfang Dezember.

venezia3  Die Kriminellen der Frau A   war ein ausgesprochen packendes Erlebnis zwischen Theater, Kunst und Musik. Die Oper Ovartaci crazy, queer & loveable ist ein work in progress und erzählt Abschnitte aus Ovartacis Leben. Wir freuen uns schon auf den nächsten Teil!

P1050886 Viel klassische und konventionelle Oper gab es natürlich auch. Hervorzuheben  Salomé in der Deutschen Oper, eine großartige Aufführung von Purcells King Arthur. Abwechselnd zwischen Staatsoper, Komischer Oper und Deutscher Oper gibt es Berichte über  Petruschka, Hoffmanns Erzählungen, Don Giovanni, Der fliegende Holländer, Jacob Lenz, Elektra , La damnation de Faust oder Lohengrin. Sehr zu empfehlen hier Philipp Glass’ Satyagraha  in der Komischen Oper und L’Invisible von Aribert Reimann in der DO. Nicht sehr überzeugend und ein wenig langweilig war Tod in Venedig.

P1050884 Das Georg Kolbe Museum hat gleich drei großartige Ausstellungen in den eher armen Berliner Ausstellungshimmel geschossen. Georg Kolbe im Netzwerk der Moderne , eine umfassende Recherche über Flechtheim und kurz vor Jahresende Emil Cimiotti. Dazu passte perfekt die Ausstellung über Rudolf Belling.

P1050881 Hannover  hat außer einer ziemlich guten Oper auch noch viel Kunst zu bieten. Auf der Skulpturenmeile trifft man auf viele Bildhauer des 20. Jahrhunderts aber natürlich hat sich die Reise schon gelohnt, um dort Hans Werner Henzes « Englische Katze »  zu sehen. Später im Jahr wurde dann auch die Oper LOT  von Giorgio Battistelli dort aufgeführt. In der Ausstellung Manifesto spielt Cate Blanchet 13 verschiedene Rollen. Diese Ausstellung ging durch alle wichtigen europäischen Museen.

1 Das Pariser Centre Pompidou ist immer einen Abstecher wert. Die jeweiligen Restrospektiven über Cy Twombly und David Hockney haben das wieder bewiesen. Jean Noel Pettit hat Cy Twombly ins Französische  übersetzt.

P1050882  Und wieder über eine Brücke und es geht ins Theater. Davon hat Berlin auch genug. Jeanne d’Arc in einem weißen Würfel im Gorki Theater, Wut  am Deutschen Theater, der gefräßige und feige König Ubu, eine enttäuschende Phädra und Caligula  am Berliner Ensemble mit Kettensägen und Wahnsinn.  Sehr gut The Situation im Gorki Theater und weniger gelungen Michel Houellebecq  Unterwerfung. Highlight war sicher die FAUST  Aufführung in der Volksbühne und der damit verbundene Abschied vom Theater-Wüterich Castorf. Kurz vor Jahresende war er dann Gast im Berliner Ensemble mit einer sehr freien Interpretation von Hugos Les Misérables.

P1050924 das wunderbare Ensemble Concerto Romano kennen wir schon aus Rom. 2017 konnten wir sie gleich zweimal in und um Berlin erleben. Einmal mit der herausragenden Aufführung Ad Arma Fideles beim Äquinox Festival und ein zweites Mal beim Göttinger Musikfestival.

P1050875 Aber jetzt wieder ein wenig Kunst. In der Biennale von Venedig hat mich am meisten die side show von Michelangelo Pistoletto interessiert. Er installierte seine Arbeiten in der Palladio-Umgebung.

Gut die Schau über Friedrich Kiesler im Gropius Bau oder die Präsentation von Jeanne Mammen in der Berlinischen Galerie. Im Hamburger Bahnhof war Hanne Darboven zu sehen und eine Entdeckung war  Jan Toorop. Ansonsten hat sich die Kunst in Berlin eher zurückgehalten.

P1050873 Jetzt mit einem großen Sprung über diese Brücke zur zeitgenössischen Musik. Hier ist das Festival Hofklang Anfang September hervorzuheben. Unerhörte Musik gibt es meistens am Dienstag im BKA. Korpus  oder e-werk waren u.a. zu Gast.  Ulrike Brand war auch in einer Performance Walls and Waves  in einer Kirche zu erleben.

P1050870 Überraschend eine Aufführung in der Ahlbecker Kirche auf Usedom von Pergolesis Stabat Mater. Usedom war sonst eher enttäuschend, aber gelohnt hat sich auf jeden Fall ein Besuch im Museum von Otto Niemeyer-Holstein. In dem Artikel zwischen Ostsee und Achterwasser  ist es beschrieben.

P1050850 Und über diese Brücke kommen wir zur Orgel und zu der Orgel-Ikone Matthias Eisenberg. Später im Jahr – zu Luthers Geburtstag – reisten wir ihm nach Leipzig nach und daraus wurde ein musikalisches Leipzig-Wochenende. 

P1050826 Aber auch Robert Wilson beschäftigte sich mit Luther und seinem Jubiläum mit der etwas konfusen Aufführung « Luther dancing with the Gods«  im Pierre Boulez Saal. Kammermusik mit und ohne Worte und ein Auftritt des großartigen Klarinettisten Jörg Widmann sind ebenso beschrieben.

2 Auch der argentinische Komponist und Bandeonist mit italienischen Wurzeln Daniel Pacitti befasste sich mit Luther. Im Juli wurde in der Philharmonie sein Oratorium « Wir sind Bettler » uraufgeführt mit Roman Trekel in der Hauptrolle. Kennen gelernt allerdings haben wir Pacitti bei einer ganz anderen Gelegenheit, nämlich bei einem kreolischen Tangoabend in den Räumen der Freien Volksbühne.

P1050816 Bei einem wunderbaren Hauskonzert in Zehlendorf hat Pacitti seine dritte Seite präsentiert. Das zeitgenössische Stück mit Einflüssen aus seiner Heimat. La Cruz del Sur wurde von zwei virtuosen jungen Solisten (Klavier und Querflöte) vorgetragen. Ausgeklungen sind die Zehlendorfer Hauskonzerte mit Werken von  Franz Schubert.

P1050920 In der Kunst und Ausstellungshalle in Bonn gab es eine sehr gut zusammen gestellte Ausstellung von Ferdinand Hodler  und München befasste sich mit dem 19. Jahrhundert in der Ausstellung GUT WAHR SCHÖN . Diese beiden Artikel sind u.a. auch auf KULTURA EXTRA  erschienen.

P1050894 Der Sommer in der Vendee besteht nicht nur aus Palourdes sammeln oder Strandspaziergängen. In Thiré findet jedes Jahr das Festival « Dans le Jardin de William Christie » statt. Dieses Jahr Monteverdi  gewidmet. William Christie war auch im Dezember zu Gast in der Philharmonie mit einer fantastischen Aufführung von Monteverdis  « Selva spirituale e morale ». Aber auch die Staatsoper feierte den großen Monteverdi mit einer sehr schönen Aufführung von L’incoronazione di Poppea.

Auch die Neuköllner Oper widmete Monteverdi einen Abend – bei Combattimento x 2 geht es in den Wrestler Ring!

P1050850 In einen anderen Garten – nämlich in den von Guillermo Lledó - führte die diesjährige Madrid-Reise. « Plaza para un hombre solo » ist eine Skulptur und die Eröffnung dieser wurde ganz groß in seinem Garten in einem Madrider Vorort gefeiert mit Künstlern und Madrider Kunstwelt. Madrid ist eine Kunst-Stadt, ein wenig davon ist hier auch beschrieben: Mateo Mate, Rosa Barba, Franz Erhard Walter. Das Museo Reina Sofia hatte eine umfangreiche Ausstellung zu Picasso und Guernica organisiert. Piedad y terror en Picasso.

P1050892 der argentinische Künstler Nestor Boscoscuro lebt in Berlin und in Buenos Aires. Mit ihm wurde die Portrait-Serie für KULTURA EXTRA erweitert.

P1050877 Die Aufführungen der Neuköllner Oper lohnen sich ebenfalls immer und sind jedesmal überraschend und erfrischend. Unter anderem gab es dort Combattimento x 2, Fuck the Facts und eine sehr freie Interpretation der Bettleropera.

P1050948 Pellworm – wo ist das denn? Aber eine Reise dorthin lohnt schon deshalb, weil diese Ecke in der Nordsee eine Art Atlantis ist – umgeben von Mythen und Sagen.

P1050818 The future is female war der Titel einer Reihe von Aufführungen  in den Sophiensälen. HUMBUG  wurde durch OPERALAB aufgeführt, war sehr amüsant und führte in die Zirkuswelt. In Norway Today  waren die zukünftigen Sophies Rois oder Wuttkes dieser Welt zu sehen.

P1060047 Das Colombian Youth Orchestra erfand Strawinsky neu und das auch noch im Konzerthaus am Gendarmenmarkt  und Josep Pons dirigierte Ravel, Falla und ebenfalls Strawinsky.

P1050928Bei dem Buch « Eine Sinfonie der Welt » geht es auch um Musik. Hier beschreibt Alexander Bertsch das Leben eines Komponisten in der Nazi-Zeit.  Ein schönes Buch!

Brücke ohne Geländer Hoch im Norden lebt der Dorfpoet  und macht sich über sich selber und die Welt lustig -  aber lesen Sie selber.

 

Einen Guten Rutsch mit Trauben, Linsen oder anderen Bräuchen  wünsche ich allen Leserinnen und Leser und ich freue mich auf Ihren Besuch im nächsten Jahr!

P1030084

 

Christa Blenk

 

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Jahresausklang mit Franz Schubert in Zehlendorf

San Lorenzo

 

Zehlendorfer Hauskonzerte

Das letzte Zehlendorfer Hauskonzert 2017 fand am 20. Dezember statt. Dieses Mal spielte das junge und feine Arves Trio (Violine: David Khachatryan; Violoncello: Rahel Weymar; Klavier: Hratschya Gargaloyan) im Wohnzimmer des charmanten Holzhauses. Auf dem Programm stand Franz Schuberts Trio in Es-Dur, op. 100. Zwischen den Sätzen las der Schauspieler Martin Schnippa Geschichten, Zeitdokumente und Prosatexte von und über Franz Schubert.

Dieses großartige Meisterwerk  von Schubert ist im Jahre 1827 entstanden –  in der Winterreise-Kompositionszeit. Veröffentlicht wurde es allerdings erst in seinem Todesjahr 1828. Die Erstausgabe kam ein paar Wochen nach seinem Tode am 19. November in der österreichischen Hauptstadt an, wo Schubert in seinen  letzten Jahren lebte, obwohl er die Stelle des Vizekapellmeisters an der kaiserlichen Hofkapelle nicht bekommen hatte. Für einen anderen Komponisten, Robert Schumann, war es „wie eine zürnende Himmelserscheinung“  und blieb immer sein persönliches Lieblings-Trio : männlich, zornig-sehnsüchtig  und dramatisch. Einem prägnanten Hauptthema im ersten Satz steht ein im Nebel verhangenes Zweitthema gegenüber mit manchmal jazzigen und bebend bis rasenden Rhythmen. Der zweite Satz ist melancholischer Kummer mit klirrenden Klavier-Staccatoakkorden. Das Thema geht auf ein Lied der Winterreise zurück.  Der Kanon zwischen Klavier und Streichern ist dann wieder leicht-spielerisch.  Weiter geht es mit einem Tanz-Tremolo-Moll ins lange Finale und hier wird nochmals das Thema aus dem zweiten Satz aufgenommen.

Gut 40 Minuten dauert das Opus und schwedische Lieder sollen u.a. dort verarbeitet worden sein. Schubert hat den schwedischen Sänger Berg 1827 im Hause der Schwestern Fröhlich gehört.

Aus armen Verhältnissen kommend, dort wo Musik eher verpönt  oder etwas für die Reichen war, ist Schubert ein wichtiger und fester Bestandteil der Wiener Salons geworden. Leben oder Überleben mit dem was er mit seiner Musik verdiente, konnte Schubert nicht. Er war auf Freunde und Familie angewiesen. Schubert, der ewig einsame und leise Umstürzler und (unglücklich) Liebender starb mit 31 Jahren und hinterließ knapp 1000 katalogisierte Werke und von denen noch nicht alle bekannt sind.

Die drei jungen Musiker des Arves Trio, die in Berlin studieren, haben mit großer Begeisterung, viel Charme, Talent und Präzision die 2017er-Zehlendorfer-Hauskonzert-Saison ausklingen lassen.

zehlendorf
Arves Trio mit Martin Schnippa mit nach dem Konzert

 

Der Name  Arves Trio kommt aus dem Armenischen. „Arvest“ ist armenisch und bedeutet „Kunst“. Da der Geiger und der Pianist aus Armenien stammen und die Cellistin aus Deutschland, soll auf diese Weise auch ein Teil der armenischen Kultur im Ensemblenamen sichtbar werden. Der Begriff „Kunst“ wird zum einen auf die Musik, zum anderen aber hauptsächlich auf den Leitsatz „Musik ist Sprache“ bezogen und durch die Zusammenarbeit mit dem Schauspieler Martin Schnippa um eine textliche Ebene erweitert. (Anmerkung der Gastgeberin!)

Wir freuen uns schon auf das erste Konzert im Januar 2018.

Christa Blenk

 

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Lohengrin an der Deutschen Oper Berlin

Deutsche Oper Lohengrin

LOHENGRIN von Richard Wagner, Deutsche Oper Berlin,
Premiere am 15. April 2012, copyright: Marcus Lieberenz

 

Die größte Ehre, die man einem Menschen antun kann, ist die, dass man zu ihm Vertrauen hat. (Matthias Claudius)

Um Vertrauen und wodurch sich die Liebe definiert geht es auch bei Lohengrin.  Für die US Kolumnistin Joyce Brothers war es ganz klar denn sie meinte einmal „Der beste Beweis der Liebe ist Vertrauen“.  Aber wie wir ja alle wissen, hat Wagner dieses Zitat nicht gekannt und sich gegen das Vertrauen und für die Kenntnis entschieden. Dementsprechend lässt er dann auch Elsa die zerstörerische Frage nach Namen und Art fragen und wischt das „Nie sollst Du mich befragen“  einfach weg und damit auch Glück und Liebe.

Aber nur das reicht natürlich nicht für vier Stunden, da braucht es noch Kriege, Intrigen und Böses. Dieses durchkomponierte, musikalische Drama von Wagner kommt nur ab und zu noch auf die altbewährte Form der Soloarien zurück, wenn Elsa ihren Traum erzählt zum Beispiel oder Lohengrin sich als Gralsritter outet.

Die Geschichte spielt im frühen Mittelalter, genauer gesagt in der Mitte des 10. Jahrhunderts. Wagner hat die Handlung nach Antwerpen verlegt, weil er die Gestalt des Schwanenritter einbauen wollte, der ursprünglich vom Niederrheinischen kommt. Brabant gab es damals natürlich auch noch nicht.  Wagner hat den Streit der ostfränkischen Stämme in seine Zeit der liberal—demokratischen Nationalbewegung gelegt und wenn er Heinrich den deutschen König nennt, dann ist das seiner blühenden Phantasie entsprungen und durch ein Vermischen von Sagen, Mythen und geschichtlichen Ereignissen entstanden.  Das Scheitern der Hauptprotagonisten ist stellvertretend für das Scheitern politischer Utopien in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Die Ouvertüre bietet ein tristes after-war-Szenario. Die Bühne ist übersäht von leblosen Körpern, Kriegsopfer wohl, und Frauen suchen nach ihren Männern, finden sie tot danieder liegend und brechen zusammen. Dann fällt der Vorhang und der Name LOHENGRIN steht in großen Buchstaben auf dem schwarzen Vorhang.

Sehr martialisch und laut wird herum gedonnert bis das Erscheinen der reinen, zarten Elsa Musik und Bühne erhellt.  Der glänzende Schwanenritter kommt zwar ohne Schwan dafür aber mit Flügel daher, die ihn schon direkt als Beschützer von Brabant definieren, noch bevor er Telramund besiegen wird.  Die Brabanter sind ein opportunistischer Mob, der sofort sein Fähnchen in den Wind hängt und umgehend den geheimnisvollen Lohengrin verehrt. Die Frauen kommen sowieso nicht gut bei ihm weg. Sie sind unschuldig, dumm, neugierig oder  bösartige und heimtückische Personen, die permanent die falschen Entscheidungen treffen. Ortrud, die Hexe, schürt und intrigiert und schon der Hochzeitsmarsch am Anfang des dritten Aktes steht unter einem bösen Stern.

Die Premiere dieser Produktion fand im April 2012 statt. Nur Klaus Florian Vogt in seiner Paraderolle und Petra Lang sind bei der letzten Aufführung in dieser Saison noch mit dabei. Anja Harteros übernahm die Rolle der Elsa und das hat sie großartig gemacht. Textverständlich und sicher waren sie Alle. Am Pult stand nicht Donald Runnicles. Axel Kober dirigiert das gute Orchester der DOB  – übersichtlich und fast minimal lässt er den Sängern viel Raum, sich auszubreiten.

Die Inszenierung von Kasper Holten passt gut zur schnörkellosen Leitung von Kober. Die hochgestreckte Faust in politisch nicht ganz korrekter Manier hat uns kurz schlucken lassen, aber ansonsten eine Inszenierung wie man sie sich wünscht und die die Musik in die erste Reihe stellt. Der kleine Gottfried, den Elsa in ihren Armen hereinbringt und ihn auf das weiße Marmorgrab legt das gerade noch ihr blütenweißes Hochzeitsbett war,  ist nur ein blutiger Fetzen. Ortruds Zauberstab waren grüne LED-Fäden.

Steffen Aerfing hat die Kostüme entworfen. Die Lichteffekte waren von Jesper Kongshaug.

Richard Wagner selber war bei der Premiere im August 1850 in Weimar, die Franz Liszt dirigierte, gar nicht anwesend, da er sich zu dieser Zeit schon im Exil in der Schweiz aufhielt und steckbrieflich gesucht wurde.

Christa Blenk

KULTURA EXTRA hat zweimal darüber berichtet:

Premiere

und drei später später mit Waltraud Maier

 

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Selva espirituale e morale – Les Arts Florissants zu Gast in Berlin

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William Christie in Thiré
 

 

Himmlische Töne

Spiritueller und moralischer Urwald („SELVA MORALE E SPIRITUALE“) hat Claudio, il Divino – wie ihn seine Musikerkollegen zu nennen pflegten – sein 37-teiliges Kompendium bezeichnet, das 1641 erschien. Mit Auszügen aus dieser beeindruckenden Sammlung von geistiger und weltlicher Musik hat William Christie und sein hervorragendes Ensemble Les Art Florissants gestern Abend das Publikum im großen Saal der Philharmonie auf Wolke Sieben im barocken Musikhimmel gebeamt. Die Bäume in Monteverdis Wald sind so verschieden und einzigartig wie seine Rhythmen und Töne,  wie Christies filigrane und blumige Arbeit an Pult, Orgel und Cembalo und wie die unterschiedlichen Gattungen und Epochen es sind, in der die Noten auf Monteverdis Partitur kamen!

Vor 450 Jahren wurde Claudio Monteverdi (1567–1643) geboren und dieses nun zu Ende gehende Jahr hat ihn überall gebührend gefeiert.  Auch William Christie hat sein immer im August stattfindendes Barockmusikfestival in Thiré (Frankreich) „Dans les Jardin de William Christie“ (KULTURA EXTRA hat regelmäßig darüber berichtet) 2017 dem göttlichen Claudio gewidmet. In der Staatsoper fand gerade letzte Woche  die Premiere von Monteverdis letzter Oper „L’Incoronazione di Poppea“ statt.

Aussagekräftig, abwechslungsreich und  eindrucksvoll war das Programm, das Christie für sein Gastkonzert in der Philharmonie zusammengestellt hatte. Komplett kann dieses wunderbare (Alters)werk – das zwei Jahre vor seinem Tod und ein Jahr vor seiner letzten Oper veröffentlicht wurde und die Musikgeschichte entscheidend beeinflusste, ja veränderte –  an einem Abend gar nicht aufgeführt werden. Sein Umfang  hat dafür gesorgt, dass der venezianische Verleger Bartolomeo Magni ein paar Jahre brauchte, bis er damit den frühbarocken Musikmarkt verschönern konnte.

Die Sammlung besteht aus einer vierstimmigen Messe, Psalmenvertonungen, Hymnen für den Vespergottesdienst, Madrigalen und Motetten. Gewidmet hat es Monteverdi Herzogin Eleonora Gonzaga, der Witwe von Kaiser Ferdinand II – an dessen Hof in Mantua Monteverdi beschäftigt war bevor der begnadete Musiker nach Venedig ging, wo er 30 Jahre als Kapellmeister am Markusdom wirken und glänzen sollte. Entstanden ist dort aber nicht nur geistlich-spirituelle Musik, ganz im Gegenteil. Monteverdis Musik bewegt sich oft ganz weit weg von der traditionellen Kirchenmusik oder sie verschmilzt mit Vertonungen von Texten großer italienischer Dichte wie Petrarca, die meist moralisierenden Inhalt beherbergen wie beim  Madrigal „O ciechi, il tanto affaticas“ für fünf Stimmen und zwei Geigen. Monteverdis Marienvesper war hier schon 30 Jahre alt.  Confitebor (Nr. 16 aus Selva morale e spirituale) ist ein Rundgesang nach französischer Manier mit Vorsänger und Ensemble. Das Lamento „Pianto della Madonna“ gehört auf jeden Fall  zu einem der Highlights dieser Sammlung und erinnert an „Il combattimento di Tancredi e Clorinda“. „Beatus vir“ für sechs Stimmen und Streicher ist Swing pur und damit ging das viel zu kurze Konzert zu Ende. Ein Musterbeispiel für den Einsatz des Generalbasses, der einen weiteren musikalischen Meilenstein von Monteverdis Schaffen  darstellt.  Dieser  „walking bass“ führt Monteverdis  Musik direkt zum  Pop und Jazz.

Der Komponist selber bezeichnete seine Kompositionen, die oft einen radikalen Stimmungsumschwung vorstellen und eine extreme Stimmbeherrschung der Sänger fordern als « Geschöpfe », die sich in seinem « moralischen und geistlichen Wald » tummeln. Leicht wird das Gehörte  zum Ohrwurm, man will zu seiner Musik tanzen oder wenigstens den Rhythmus mit dem Fuß mitangeben.

Der gebürtige US-Amerikaner William Christie kam in den 1970er Jahren nach Paris und holte die französische Barockmusik aus der Schublade. Er war es, der Rameau und Lully wieder einen Platz im französischen Musikprogramm verschaffte. 1979 gründete dieser außerordentliche Cembalist und Dirigent das Ensemble Les Arts Florissants, das heute aus der Alten Musik weltweit nicht mehr wegzudenken ist.  Gespielt wird auf historischen Instrumenten und seine Musiker, Sänger und Tänzer haben eines gemein: Sie sind alle perfekt!  Seine eigenen Opern-Produktionen werden an allen französischen Opernhäusern aufgeführt und man muss sich sehr sputen, um einen Platz zu ergattern. William Christie und sein Ensemble gehören zur Weltspitze wenn es um individuelle Barockinterpretation geht.

Anmutig und graziös, affektgeladen und streng, leichtfüßig und tänzerisch kommen sie daher. Der Tutti-Einsatz ist immer astrein, die Klänge sinnlich und glasklar. Mit stilistischem Fingerspitzengefühl,  Orgel und Cembalo gleichzeitig spielend und dabei auch noch dirigierend und selber umblätternd kann man ihn einfach nur als genial bezeichnen. Gespickt mit farbigen Ornamenten und dann wieder cremig-dickflüssig, wie ein schüchternes, durchbrochenes aber prägnantes Leuchten am  öligen Canale Grande bei Abendlicht, wie es Monteverdi über viele Jahre hinweg erlebt haben könnte.

Mehr kann man von einem Konzert nicht erwarten. Das begeisterte Publikum rang dem Ensemble zwei lange und herrliche Zugaben ab.

Hoffentlich dauert es nicht wieder ein paar Jahre bis zum nächsten Gastspiel in Berlin!

Christa Blenk

 

Les Arts Florissants

William Christie Dirigent

Sänger : Emmanuelle de Negri, Sopran ; Lucía Martín-Cartón, Sopran; Carlo Vistoli, Countertenor; Cyril Auvity, Tenor; Reinoud Van Mechelen, Tenor; Cyril Costanzo, Bass ; John Taylor Ward, Bass ; Marc Mauillon, Bass

Musiker: Emmanuel Resche, Geige; Théotine Langlois de Swarte, Geige; Cyril Poulet, Violoncello; Nora Roll, Lyrone; Douglas Breedijk, Viola, Nanja Breedijk, Harfe; Thomas Dunford, Theorbe

 

 

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L’Incoronazione di Poppea

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nach der Vorstellung

 

Vernunft und Anstand versus  Macht und Liebe

Eine goldig-schimmernde venezianische Hofgesellschaft bewegt sich auf das Publikum zu. Sie tragen Kleider aus Velázques Medinas, Halskrausen oder fantasievolle Empirekleider. Kurz darauf ziehen sie sich wieder zurück und überlassen die Bühne Tugend, Glück und Liebe (Virtù, Fortuna und Amor), die sich um die Macht der Lüfte zanken. Amor geht als Sieger aus diesem Disput hervor und will beweisen, dass nur die Liebe das Leben und den Verlauf der Geschichte bestimmen kann. Damit ist die Götterpräsenz in Monteverdis letzter Oper „L’incoronazione di Poppea“ auch schon vorbei.

Ottone ist ein Soldat in Neros Rom. Er kehrt 62 n.C. von einem Feldzug nach Hause zurück und muss erfahren, dass seine Poppea (Anna Prohaska) Neros Geliebte geworden ist. Poppea will Kaiserin werden und teilt dies Ottone auch schonungslos mit. Nero (Max Emanuel Cencic) soll auf Poppeas Treiben seine Frau, die Kaiserin Oktavia, verstoßen. Poppeas Amme Arnalta (großartig Mark Milhofer) warnt sie vor der Macht und vor den Herrschern. Oktavia (Katharina Kammerloher) ist tief gekränkt und erniedrigt und wird von ihrer Amme (Jochen Kowalksi) bearbeitet, Nero mit einem Seitensprung zu bestrafen.  Das will Oktavia aber nicht, sie will mehr, nämlich Poppeas Tod. Auch der Philosoph Seneca (Franz-Josef Selig) kann die rasende Kaiserin  nicht besänftigen und rät ihr, auf jeden Fall ihre Tugend zu bewahren.  Der Page Valletto (brillant Lucia Cirillo) beschimpft Seneca und beschuldigt ihn, doch nur Binsenweisheiten von sich zu geben. Poppea traut Seneca nicht und verleumdet ihn bei Nero. Ottone schließlich gibt seiner früheren Geliebten Drusilla (Evelin Novak) nach und denkt sich besser sie als gar nichts. Der Todesbote Liberto unterbricht Senecas Philosophieren und Letzterer öffnet sich nicht die Pulsadern sondern schneidet sich selber die Kehle durch, zuckt noch ein paar Schritte über die Bühne und fällt zu Boden.

Im ersten Akt herrscht noch eine bestimmte Ordnung auf der Bühne. Diese wird nach der Pause von einem dekadenten Chaos abgelöst. Der tote Seneca liegt blutüberströmt auf einer Drehscheibe und fährt – umgeben von Kurtisanen mit ihren Freiern, abgelegten Kleidungsstücken, Halskrausen und sonstigen Zeichen des Verfalls  – im Kreis. Nero feiert mit dem Hofdichter Lucano eine ausschweifende Orgie  und besingt Poppeas Schönheit. Diese begibt sich schüchtern und immer noch in schwarzer Reizwäsche dazu – spätestens jetzt hätte sie merken müssen, dass ihr Nero nicht gut tun wird – jedenfalls kündigt ihr die Regie dies hiermit an. Der Untergang von Rom hat gerade begonnen.

Drusilla ist überglücklich und gibt Ottone ihren Reifrock, damit dieser  endlich – getarnt in Frauenkleider –  Poppea töten kann. Er schleicht sich heran, als Arnalta gerade ein Schlummerlied für die schlafende Poppea singt.  Und nun kommt die große Stunde von Amor, der in ein rotes Herz gebettet über der Bühne schwebt und den Mord verhindert. Arnalta sieht nur Drusillas Rock und alarmiert die Wachen. Poppea überlebt, Drusilla wird verhaftet und nimmt aus Liebe zu Ottone die Fast-Tat auf sich, wofür Nero sie begnadigt. Sie darf Ottone in die Verbannung begleiten. Nun kann endlich die Hochzeit bzw. Krönung stattfinden. Nero überträgt Oktavias rote Handschuhe an Poppea, die mittlerweile mit Senecas roten Umhang ihre Korsage bedeckt und Arnalta nimmt – ein Spottlied auf die Menschen singend – Oktavias Amme die Halskrause ab, um sie sich selber umzulegen. Sie, die geborene Dienerin, wird als Herrin sterben. Nun folgt eines der schönsten Liebesduette der Operngeschichte überhaupt und gleich nach  „Pur ti miro „ verlässt Nerone mit Lucano die Bühne und lässt Poppea alleine zurück! (Die Geschichte weiß, dass Nero nur knapp zwei Jahre mit Poppea verheiratet war, dann soll er sie getötet haben aus Liebe zu einer anderen oder zu einem Kastraten ist nicht ganz klar).

Der italienische Komponist, Musiker und Priester Claudio Monteverdi lebte von 1567 bis 1643,  er war der erste Musikpionier und brachte die Renaissance-Musik in den Barock. Seine Affinität zu hohen Stimmen kommt auch bei der Krönung der Poppea wieder zum Vorschein. Hier treffen strenge Renaissance-Rhythmen auf sinnlich-greifbaren Frühbarock.

Uraufgeführt wurde diese Oper von Monteverdi 1642, da war er 72 Jahre alt, und zwar in Venedig in der Karnevalszeit. Das Werk gilt als Baustein für die zukünftige Operngeschichte und machte spätere Cherubinos oder Octavians erst möglich. Da die Oper im Karneval spielt, hat sie auch komische Einlagen, wie z.B. Vallettos Auftritt oder die Arien der beiden Ammen.

Ganz schön viel Leidenschaft für einen katholischen Priester, die Monteverdi hier auf die Bühne bringt.  Gefühle werden zu Noten. Unterhaltsam und kurzweilig geht es hier um Liebe (echte und käufliche), Eifersucht, Mord und Macht aber auch um Humor.

Die durchkomponierten Rezitative sind genauso unterhaltsam und schön wie die Arien. Hosenrollen, Rockrollen, Contertenöre und eine Bassrolle (Seneca) . Poppea ist Monteverdis  radikalste und letzte Oper, in der Rom nicht sehr gut weg kommt. Harnoncourt hat einmal gesagt, dass es in dieser Geschichte keine sympathischen Personen gibt, dass Alle amoralisch wären. Abgesehen von Drusilla, die immerhin aus Liebe den Tod hingenommen hätte, stimmt das auch. Das Libretto stammt vom italienischen Anwalt Giovanni Francesco Busenello. Eva- Maria Höckmayer (Inszenierung) und Julia Rösler (Kostüme) haben sich amüsiert und die Protagonisten ganz unterschiedliche Stile – wie beim Karneval üblich – verpasst. Licht und Bühnenbild sind von Olaf Fresse, Irene Selka und Jens Kilian. Die vier mussten zum Schluss auch ein wenig Kritik einstecken!

Der italienische Monteverdi-Kenner Diego Fasolis dirigierte die Akademie für Alte Musik Berlin an dem gestrigen Premierenabend und erntete viel Applaus.

Cencic und Prohaska sind ein perfektes Paar, sängerisch, tänzerisch und schauspielerisch.  Und wie oft im Barock, sind die schönen Arien ganz demokratisch auf alle verteilt, deshalb sind auch die Nebenrollen von Bedeutung. So ist Mark Milhofer in der  Rockrolle von Arnalta, Poppeas Amme grandios und Lucia Cirillo als Valletto bringt das Publikum zum Schmunzeln mit ihrem verbalen und körperlichen Angriff auf Seneca, der ebenfalls mit Franz-Josef Selig großartig besetzt ist. Anna Prohaska strahlt und spielt die ehrgeizige und zum Schluss ein wenig unsichere Poppea hervorragend. Max Emanuel Cencic steht ihr aber in nichts hinterher. Mühelos und scheinbar spielerisch nimmt er die sehr hohen Töne. Monteverdi hatte seine Rolle für einen  Soprankastraten geschrieben.  Seneca hat nicht Monteverdis Respekt, sondern kommt unsympathisch herüber, Oktavia ist rachsüchtig-grausam, die Ammen opportunistisch, Ottone verletzt und beleidigt, Nero zeitgenössisch, animalisch- größenwahnsinnig und sich über Alles stellend und Poppea eine ehrgeizige Arrivistin.

Das Bühnenbild tragen die Sänger am Körper. Die Lichteffekte auf der Bühne erinnern manchmal an das Licht in Venedig, wenn sich die Abendsonne im Canale Grande wiederspiegelt und die maskierten Venezianer ihre Samt und Seidenroben durch die Stadt tragen und wenn man bei den Liebesspielen mal etwas diskreter sein will, dann wird einfach ein großes Tuch vor das Paar gespannt und die Träger halten sich verschämt die Hand vor die Augen. Ansonsten befindet sich am Ende der Bühne eine große Wand, die Ottone (Xavier Sabata) vor Wut immer wieder hochrennen will (was ihm schon erstaunlich gut gelingt).

 

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Große Textverständlichkeit bei fast allen Sängern!

Eine sehr gelungene, kurzweilige Aufführung dieser menschlichen Oper bei der die Prophezeiung im Prolog bestätigt wird: Vernunft und Moral haben keine Chance gegen Macht und Liebe.

Christa Blenk

 

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Le Prophèthe – Giacomo Meyerbeer

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« Le Prophète » von Giacomo Meyerbeer, Premiere am 26. November 2017
in der Deutschen Oper Berlin, copyright: Bettina Stöß
 

Im Jahre 1849, in den Nachwehen der bürgerlich-demokratischen Februarrevolution in Frankreich, brachte Giacomo Meyerbeer (1791-1865)  seine Oper Le Prophète in Paris zur Uraufführung. Bei dieser Gelegenheit wurde übrigens zum ersten Mal elektrisches Licht für die Inszenierung eingesetzt. Frankreich pendelte zwischen Industrialisierung, Tradition und Historienmalerei und war bereit zum Sprung in die Moderne, für Debussy, Ravel oder Cezanne und Monet.  Die Aufführung wurde ein Riesenerfolg und zog unzählige Aufführungen in ganz Europa nach sich.

Meyerbeer zählte 1849  zu den bedeutendsten Opernkomponisten. Als gut 30-Jähriger ging er auf Anraten von Rossini nach einem produktiven Italienaufenthalt nach Paris. Le Prophète ist eine Revolutionsoper ohne happy-end. Sie spielt im 16. Jahrhundert und der Held oder Antiheld ist kein französischer Demokrat sondern ein holländischer Religionsfanatiker. Diese Blockbuster-Oper greift die Frage auf, wie sich jemand radikalisiert. Es geht um Gewalt, Macht und dessen Missbrauch.

Berthe kann ihrem Peiniger Oberthal, der sie nicht freigeben will um Johann zu heiraten, entfliehen und such Schutz bei ihrem zukünftigen Mann, dem braven und langweilige Wirt Johann von Leyden. Letzterer allerdings  liefert sie – um seine Mutter zu retten -  wieder dem brutalen Grafen aus. Der Stress um diesen Gewissenskonflikt und der Verrat an seiner Liebsten wirft den Labilen so aus der Bahn, dass er sich von den radikalen und opportunistischen Wiedertäufern zum Propheten küren lässt, das Unheil nimmt seinen Lauf und lässt  Massenaufstände und Großbrände zurück.

Die lautmalerischen Ohrwurmmelodien um Exotisches, Religiöses, Politisches, Fremdes und trotzdem Greifbares, waren die Zutaten für diesen Erfolg. Wirklich gut und gläubig ist eigentlich nur Fidés (das ist sie ja schon ihrem Namen schuldig). Alle anderen sind nicht mal ansatzweise religiös oder verfügen über eine gewisse Moral. Die drei Wiedertäufer sind  zwielichtige Gestalten und drehen sich nach dem Wind. Johann interessiert sich eigentlich für gar nichts außer für seine Eitelkeit und der Graf Oberthal ist sowieso ein grausamer Schurke.

Für die Sänger ist diese Oper, die heutzutage aus gutem Grund eher selten aufgeführt wird, eine langatmige Herausforderung und wird im Verlauf von vier langen Stunden eher schwieriger.

Unglücklich und unerträglich die 15 Ballettminuten zu Beginn des 3. Aktes. Aber Olivier Py hat auch sonst alles getan, dass man froh ist, wenn man endlich gehen darf. Zwischen halbnackter Soldatenerotik rennen die Protagonisten konzeptionslos und unordentlich herum und die Szenen wiederholen sich sowie der Eimer Wasser für das Waterboarding  immer bereit steht. Und täglich grüßt das Murmeltier! Ständig wird jemand misshandelt oder missbraucht und dazu weht dann im Andenken an Jeanne d’Arc die französische Fahne im Takt. Und natürlich war auch wieder der obligatorische Hund auf der Bühne, aber wenigstens hat er uns dieses Mal vor den Panzern verschont. Auf der grauen Plattenbauten-Drehbühne wird die Intimissimi-Werbung im Verlauf der Freiheitsreduzierung von Postern des Felsendoms und Fotos der Milchstraße abgelöst. Dann hüpft ab und zu ein Engel mit Pappflügel über die Bühne und verkündet die Wahrheit. Viel déjà-vu!

Der Italiener und belcanto-Experte Enrique Mazzola hat das Orchester der Deutschen Oper Berlin dirigiert. Farbenfroh und laut ging es zu und die Solisten kamen permanent an ihre Grenzen und waren zum Schreien verurteilt. Der Chor der Deutschen Oper Berlin war ausgezeichnet. Gregory Kunde sang und schrie leidenschaftslos den beeinflussbaren Jean de Leyde, Clémentine Margaine war Fidés. Sie hat schwierige Arien aber sogar als Französin sang sie total textunverständlich – wie alle anderen übrigens.  Elena Tsallagova war Berthe, Seth Carico war Graf Oberthal. Die drei Wiedertäufer Derek Welton, Andrew Dickinson, Noel Bouley waren recht gut.

Enttäuschende Produktion.

Christa Blenk

 

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Hauskonzert in Zehlendorf

 
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 Man-Yi Guo, Daniel Pacitti, Shih-Cheng Liu

 

Das kleine Sternbild Kreuz des Südens (Cruz del Sur) war schon in der Antike von großer Bedeutung  und wohl im Alten Griechenland noch vom Mittelmeer aus zu sehen. Die europäischen Seefahrer und Eroberer nannten es das Kreuz des christlichen Glaubens, und weil man in der südlichen Hemisphäre den Polarstern nicht sehen kann war das Cruz del Sur ein unverzichtbares Instrument, um sich am Südhimmel zu orientieren.  

Am Rio de la Plata, wo die Flüsse Rio Paraná und Rio Uruguay in den Atlantik fließen gibt es sehr heiße Sommer und wenn man es drinnen gar nicht mehr aushalten kann, verbringt man die Nacht einfach im Freien – unter den Sternen. Und dort hat Daniel Pacitti als Fünfjähriger zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem Kreuz des Südens gemacht. Seitdem begleitet ihn dieses Sternbild des Südhimmels und hat jetzt mit der originellen Komposition La Cruz del Sur auch Einzug in seine Musik gefunden. Gestern Abend wurde es zum zweiten Mal aufgeführt.

Das Stück La Cruz del Sur entstand 2016 und ist eine Suite für Flöte und Klavier, eine Bearbeitung wiederum von Pacittis Werk gleichen Namens für Stimme, Chor und Ensemble. Die Suite besteht aus sechs Sätzen: Copla-Baguala beginnt mit viel temperamentvoller Landschaft und unterschiedlichen Rhythmen, ein Dialog, der immer wieder auf einen Punkt zurückkommt. Er wird abgelöst von dem leicht jazzigen Saya. Der dritte Satz ist ein verführerischer Tanz auf einer Kirmes und heißt Bailecito y Rito. Er beginnt mit Walzertakten und geht dann über zu Tangorhythmen. Die Querflöte von Shih-Cheng Liu bringt plötzlich Trompetentöne hervor und man wartet gespannt bis die Karusselmusik einsetzt oder Jemand auf den  „Hau den Lukas“ hinweist. Aber es endet wohl mit einer Hochzeit!

Nach der Pause geht es weiter mit Malambo, hier tanzt die Querflöte mit den Händen der Pianistin um die Wette. Vidalista wird sentimental und ein wenig melancholisch und mit Zamba und Culto geht die Reise temperamentvoll und delikat zu Ende. Die Rhythmen verändern sich wie sich der Sternenhimmel im Verlauf der Nacht verschiebt und immer ein anderer Stern oder Rhythmus die erste Geie spielen darf. Manchmal meinen wir sogar Töne der Peking-Oper heraus zu hören.

Pacitti ist ein Gratwanderer und hat mit La Cruz del Sur den kompletten südamerikanischen Kontinent eingefangen. Ein fröhlich-melancholisches Leben, Tanzen, Träumen, Spielen und Verführen. Die Musik erzählt von der Begegnung mit den Sternen, kommt aber immer wieder zurück zu der Erdverbundenheit der südamerikanischen Rhythmen, von denen es so unglaublich viele gibt. Plötzlich donnert der Iguazú herunter, es rauscht und poltert bis es leise in das Flötenspiel des Schäfers Pan mündet. Dann und wann deutet Pacitti die Musik des 20. Jahrhunderts an, kommt aber gleich wieder zurück zu den traditionellen argentinischen und südamerikanischen Tönen.

Eingeleitet wurden die beiden Konzertteile jeweils mit den bezaubernden Querflötenstücken Andinas para Flauta Nr. 1 und Nr. 2. Shih-Cheng Liu begibt sich hier direkt unter das Firmament!

Der Komponist und Dirigent Daniel Pacitti ist in Argentinien von italienischen Eltern geboren. Studierte in Buenos Aires, Mailand und Paris. Er verehrt Ravel und Bach und baut ständig Brücken zur Musik seiner Heimat. Pacitti  spielt selber ganz wunderbar eigene und traditionelle Tangos am Bandoneon. Vor ein paar Monaten wurde hier in Berlin sein Luther-Oratorium „Wie sind Bettler“ in der Philharmonie uraufgeführt.

Die beeindruckenden und virtuosen Interpreten Shih-Cheng Liu (Querflöte) und Man-Yi Guo (Piano) kommen beide aus Taiwan, leben und arbeiten aber zurzeit in Berlin und Chemnitz.  Shih-Cheng-Liu verwächst mit seiner werbenden Querflöte, wird zum betörenden Ton und verzaubert das Publikum mit seiner Interpretation der argentinischen Musik. Vielleicht spielt hier Jungs kollektives Unbewusste eine Rolle, schließlich kamen Shih-Cheng Lius Cousins vor vielen Jahren über die Beringstraße an den Rio de la Plata und haben vielleicht – wie Daniel Pacitti – das Kreuz des Südens in heißen Sommernächten gesehen.

Ein wunderbares Geschenk dieser Konzertabend im kleinen Kreis. 

 Daniel Pacitti
Daniel Pacitti und sein Bandoneon

Mehr: Kreolischer Tangoabend

Mehr: Wir sind Bettler

Christa Blenk

 

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Humbug – OPERALAB Berlin

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„Wer will nochmal, wer hat noch nicht“

Humbug

Der US Zirkuspionier, Kulturmanager und Marketing-Genie  P.T. Barnum alias Prince of Humbugs (wie er sich selber nannte) kaufte 1841 das Amerikanische Museum in New York. Dort präsentierte er seine Wunderkammer und allerlei seltsame Lebewesen – wobei es nicht immer ohne Tricks zuging. Im Laufe seines Direktorendaseins füllte er jedenfalls die Kassen und lockte 38 Millionen Besucher mit seiner Mischung aus Völkerkunde, seltsamen Lebewesen, kleinen Schwindeleien und exotischen Gegenständen in das Museum.

Bei dem Stück Humbug geht es um den Mythos der Meerjungfrau und Barnums größten Coup. Wir zahlen unseren Obolus und treten ein in die Freak-Show. In der Mitte auf einer Bühne liegt das Fabelwesen und redet auf eine Büste ein, sie wartet auf ihre Erlösung. Die drei Frauenstimmen sind dreimal die Person von Barnum (Gina May Walter und  Nina Guo, Sopran) und Luise Lein, Mezzo – manchmal übernimmt eine der Protagonisten in eine andere Rolle, so wird z.B. Luise Lein kurzfristig zum Seefahrer Odysseus, der sich von Barnum Nr. 1 fesseln lässt, um den Verlockungen der Sirene zu entkommen. Singen kann diese Fischfrau allerdings nicht, denn man hat ihr vorher die Stimmbänder aus dem Mund gezogen.  Ab und an wird sie mit Plastik gefüttert.

Aber zu diesem Kuriositätenkabinett gehören auch auf die Musiker, die sich vor ihrem Einsatz dem Publikum präsentieren. Da ist die bärtige Frau (Evdoxia Fillipou, Schlagzeug), der Mann mit Brüsten (Pedro Pablo Camara Toldos, Saxophon) und Mia Bodet am Keyboard, die eine Art rosaroter Menschenaffe sein könnte. Die drei Zirkusdirektoren tragen bunte Jacken mit Kordeln und Zylinderhut. Irgendwann wird unsere Meerjungfrau sehr gekonnt aus der schwarzen Plastikmülltütenhülle geschält und scheint erlöst. Unsicher und mühsam versucht sie immer wieder auf die Beine zu kommen bzw. zu flüchten, was die Direktoren natürlich nicht zulassen wollen, denn sie sorgt ja schon für gute Einnahmen.

Zum Schluss sitzt das Fabelwesen, eine Mischung aus Sirene, Udine und Andersens kleiner Meerjungfrau, auf einem Hocker. Sie hat nun Beine, aber immer noch keine Stimmbänder und zerlegt ganz kunstvoll eine Dorade, während die drei Sängerinnen im minimalen Loop-Stil und beeindruckenden Stimmen ihre Verse singen.  Dann hält sie uns die Fischgräte hin, die wie eine Meerjungfrau  aussieht.

Großartige Leistung der Meerjungfrau (Margaux Marielle-Tréhouart). Sie entwarf auch die Choreografie.

Opera Lab Berlin im Ackerstadtpalast hat aus einem fünfteiligen Liedzyklus des österreichischen Komponisten Bernhard Lang (*1957) eine Musiktheater-Kurzoper für Frauenstimme und drei Instrumente arrangiert. „Songbook I“ für Frauenstimme, Saxophon, Keyboards und Schlagzeug entstand schon im Jahre 2004. 2017 hat er sie überarbeitet und diese Version im Ackerstadtpalast nun zur Uraufführung gebracht. Die Lieder „Watchtower“, „Ophelia“, „Count 2 4“, „Burning Sister“ und „Another Door … for Jenny“ sind der Sängerin Jenny Renate Wicke gewidmet, die 2007 verstarb.

Regie führte Michael Höppner, die fantasievollen Kostüme entwarf Aurel Lenfert. Musikalische Leitung hatte David Eggert.

Auf jeden Fall haben wir uns köstlich amüsiert, obwohl die Musik durch das aufregende Geschehen in der Zirkus-Freak-Show zu kurz kam. 

Das Ensemble für zeitgenössisches Musiktheater, Opera Lab Berlin, gibt es seit 2013.  Humbug ist die neunte Produktion (IM FELD#9).

Nicht ganz zu verstehen war, warum die Hocker an das Publikum erst dann verteilt wurden, als es sich alle schon auf dem Boden bequem gemachten hatten. Aber das gehörte sicher auch zur Inszenierung …..  ….

Christa Blenk

 

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Satyagraha

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nach der Vorstellung

 

Geduldige Offenheit

Die dritte Oper von Philipp Glass, Satyagraha, wurde 1980 als Auftragswerk der Oper Rotterdam dort uraufgeführt. Das war vor der Zeit seiner bekannten und eher kommerzielleren Filmmusikkompositionen wie Koyaanisqatsi (1983) und Pawaqqatsi (1988). Ursprünglich  nicht als Tanzstück geschrieben, erzählt es Szenen aus den jungen Jahren von Gandhi, vor allem aus seiner Zeit als Rechtsanwalt und Friedenskämpfer in Südafrika. Satyagraha ist ein Paradebeispiel der Minimal Music. Der Text ist aus der Bhagavad Gita, einer fundamentalen Schrift des Hinduismus. Das Libretto hat der Komponist zusammen mit Constance DeJong geschrieben.

Gandhi selber hat den Begriff Satyagraha gefunden, um seine Strategie der Gewaltlosigkeit zu manifestieren. Satyagraha ist der Inbegriff der geistigen Stärke und der friedlichen Konfliktlösung. Ein „beharrliches Festhalten an der Wahrheit“. Beharrlich, das passt auch auf die Musik von Glass.

Das Werk entfaltet sich wie ein Leporello und klappt immer wieder eine andere Seite aus Gandhis Leben auf. Wobei es nicht chronologisch zugeht oder irgendeiner Ordnung folgt. Die Szenen hängen auch nicht zusammen, jede Geschichte kann alleine so stehen bleiben und ist unabhängig.

Der erste und zweite Akt besteht je aus drei Teilen, wobei der erste Akt Tolstoi und der zweite dem Dichter und Nobelpreisträger Tagore gewidmet ist. Beim dritten Akt hat Gandhi an Martin Luther King gedacht, dessen Konzept teilweise auf Gandhis Ideen beruhte. Hier geht es um die Aufstände der Minenarbeiter in Newcastle. Die Tänzer bewegen sich systematisch über die Bühne und verteilen spiralförmig-endlos Kreidestaub auf der Bühne. Großartig das Kapitel der Indian Opinion oder die Identitätspapier-Verbrennungsszene.

Auf der Bühne gibt es nur Stahlseile, die von oben nach unten führen, manchmal die Plattform in eine beunruhigende Schräglage bringt oder sie in Ober- und Unterwelt trennt aus der die sich windenden Hände und Beine unterdrückter Arbeiter oder Menschen ausbrechen wollen. Sehr starke, schöne und bewegende Bilder.

Sidi Larbi Charkaoui lässt die Tänzer und Tänzerinnen des Eastman Ensemble Geschichten durch Bewegung erzählen und Handlungen beschreiben. Aggressiv, harmonisch und  religiös – ein permanenter Wechsel zwischen Sieg und Niederlage und Gandhi  (Stefan Cifolelli, sehr lyrisch-religiös und überzeugend) ist immer mittendrin. Die Kostüme sind kolonial-indisch, so trägt Miss Schleser weite Hosen, Cottonshirt und einen Tropenhut, während die anderen in weißen Saris rumlaufen. Der Chor musste sich in Tai-Chi-ähnlichen Bewegungen üben, die große Ruhe und Harmonie verbreiteten.

Die Bühne wirkt manchmal fast zu klein für den Massenandrang. Dieses Gewusel geht nicht mit Minimal Music möchte man meinen. Das ist aber nicht der Fall: Musik, Sänger und Tänzer bewegten sich nahezu gleichberechtigt durch unterschiedliche Lebensphasen und Geschehnisse in Gandhis Wirken. Die Tänzer erklären was die Solisten singen. Mehr noch, fast kann man sich nicht vorstellen, diese Oper ohne Cherkaouis Regie zu erleben. Kontrolliert-ruhig, dynamisch und sehr rhythmisch sind die Bewegungsabläufe, auch wenn sich im Verlauf des Abends vieles wiederholt, aber das trifft auch auf die Texte und auf die Musik sowieso zu. Eine religiöse und kontrastreiche, mikroskopisch sich voran bewegende Hypnose liegt über allem.

Cherkaouis Choreografien setzen sich eigentlich immer aus Elementen verschiedenen Kulturen oder Religionen zusammen. Das haben wir schon bei dem Stück Sutra gesehen, wofür er vor ein paar Jahren einen Balletpreis bekommen hat.

Die Solisten Cathrin Lange (Miss Schlesen), Mirka Wagner (Mrs. Naidoo), Karolina Gumos (Kasturbai), Tom Erik Lie (Mr. Kallenbach) waren durch die Bank sehr überzeugend und haben sich in der Rolle wohl gefühlt.

Philipp Glass kam durch den Schallplattenladen seines Vaters in Baltimore zur Musik. Dieser brachte immer Platten aus seinem Laden  mit nach Hause brachte, die sich nicht gut verkauften, darunter waren Werke von Schönberg oder Hindemith. Glass ist eine Art Wunderkind, das schon mit 10 Jahren in einem lokalen Orchester spielte. Er studierte aber dann trotzdem erstmals Mathematik und Philosophie in Chicago und befasste sich durchaus und intensiv mit der Zwölftontechnik, die er aber für seine Musik ablehnt. 1965 begegnete er in Paris dem indischen Komponisten und Musiker Ravi Shankar, machte einige Transkriptionen für ihn und kam so in Kontakt mit dem asiatischen Rhythmus- und Zeitverständnis.

Jonathan Stockhammer am Pult hat der Monotonie Odem und Rhythmus eingehaucht und trotzdem Glass‘ langsamen, ruhigen Fluss respektiert.  Die Eastman-Tänzer nahmen persönlich an Gandhis Aufmärschen und Protesten teil und die standing ovations zum Schluss gehörten gleichermaßen dem Orchester, den Solisten, Tänzern und Chor, die großartig zusammen agierten.  Und trotz obsessiven Wiederholungen und gesungenen Endlosschleifen vergingen die 3 ¼ Stunden wie im Flug .

« Geduldige Offenheit » verlangte die Dramaturgie-Assistentin vom Publikum nach der Einführung. Es hat funktioniert, denn auch bei der Aufführung am 5.11. gab es fast nur begeistertes Publikum.

Satyagraha entstand als Koproduktion des Theater Basel, der Komischen Oper Berlin und der Vlaamse Opera in Antworten und Gent.

Christa Blenk

 

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La BETTLEROPERa

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Balletto Civile nach der Aufführung von La BETTLEROPERa
 

La BETTLEROPERa

„Der Räuber als perfekter Bürger und der Bürger als perfekter Räuber“

John Greys Beggar’s Opera  wurde 1728 in einem Londoner Theater uraufgeführt – als Persiflage auf Händels Opern, die sich an die gebildete Oberschicht, zu der Grey allerdings auch gehörte, richteten. Ein anderes Publikum  ins Theater zu holen war auch der Wunsch von Kurt Weil und da das neue Theater am Schiffbauerdamm ein knackiges Stück für die Eröffnungspremiere brauchte, schrieb Berthold Brecht die Texte auf der Basis von denen von Grey.

Die Dreigroschenoper wurde zum größten Theatererfolg in den 1920er Jahren. Die Idee zu diesem Titel kam übrigens von Lion Feuchtwanger.

Das Stück spielt im Räuber- Hehler-, Falschspieler und Prostituiertenmilieu. Die Tochter des Hehlers Peachum, Polly, hat heimlich den Don Juan, Banditen und Widersacher von Peacham, Macheath, geheiratet. Man beschliesst, ihn zu hängen. Polly verhilft ihm zur Flucht, aber Mrs Trapes, die bei Brecht/Weil Spelunken-Jenny heisst, verrät ihn. Lucy, die Tochter des Gefängniswärters und auch verliebt in Macheath streitet sich mit Polly, die darauf besteht, seine Frau zu sein. Das lieto fine  bei Grey und Brecht wird hier nicht wiederholt. In der Produktion der Neuköllner Oper landet  Macheath kunstvoll durch la Sig.ra Trappola drapiert, am Galgen. Der Bettlertanz am Ende ist großartig.

Das bis heute bei Brecht aufgeführte Vorspiel, die Moritat von Macheath alisas Mackie Messer, ist bei der BETTLEROPERa der Auftritt der Bordellbesitzerin, Mrs Trappola, die einen umwerfenden und akrobatischen Vortrag über das Leben und die Bedeutung von allgemein Huren hält.

Moritz Eggert hat 28 Songs geschrieben, die aber keine zusammenhängende Oper bilden und das auch noch in Deutsch, Englisch und Italienisch. Die Musik durch das 4-köpfige Ensemble Freiraum Syndikat, besteht aus zwei Blockflöten, einer E-Gitarre und einem Cello, die zwei Stunden lang kuriose und schroffe, kratzende und dann wieder ganz harmonische oder streitsüchtige Töne hervorbringen,  schließlich spielt es ja auch in einem deftigen Gangster-Milieu. Sehr abwechslungsreich geht das von romantisch-moralischen Balladen bis zu flotten Tanzszenen. Eggert hat sich auch nicht gescheut, einige bekannte Melodien aus der Musikgeschichte wie „Diamonds are a whore’s best Friend“ oder „We are the Chamions oft he Underworld“ mit einzubeziehen. Auf jeden Fall gab es meistens viel (un) kontrollierten Lärm aber durchaus Assoziationen mit Weils schräger und zum Teil disharmonischer Musik.

Zeitweise hat man Schwierigkeiten, diesem „brownschen“, konfusen Musik-, Tanz- und Theaterstück zu folgen, denn es passieren permanent zur gleichen Zeit mehrere Handlungen. Und obwohl es wie gesagt kein Happy End gibt, ist die Stimmung großartig auf der Bühne und im Zuschauerraum!

Für Eckert ist dies schon die zweite Produktion für die Neuköllner Oper. Man hat sich dazu das ausgezeichnet, italienische Balletto Civile ins Boot geholt, die Pasolini und Fellini im geistigen Gepäck mitbrachten. Dafür hat Sabrina Rossetto mit einem minimalen Bühnenbild und wenig Farben für optische Ruhe gesorgt. Ab und zu wurden die Aufzugskabinen für die Freier erhellt oder das fahrbare Gefängnis über die Bühne gerollt, meistens mit Macheath drin. Regie und Choreografie stammen von der Pina Bausch-Schülerin Michela Lucenti und von Maurzio Camilli sowie Bernhard Glocksin. Lucenti und Camilli spielen auch das Ehepaar Peachum. Nicole Kehrberger als Mrs. Trappola ist einzigartig und umwerfend gut. Christopher „Crsto“ Ciraulo ist ein großartiger, sich drehend und wendender und doch sanftmütiger Macheath. Polly (Emanuela Serra) ein unschuldiges Dummerchen und Lucy (Sophia Euskichen) eine rachsüchtige Betrogene. Die Kleinverbrecher und die Prostituierten kommen aus der Freien Theaterszene Berlins. Richtig singen kann eigentlich keiner von ihnen, aber es ist ja auch eine Oper für Alle!

Dieses brillante Stück, mit dem die Neuköllner Oper ihr 40-jähriges Bestehen feiert, könnte durchaus ein Kult-Stück wie die Rocky Horror Picture Show werden. 

Christa Blenk

 

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L’Invisible – Aribert Reimann an der Deutschen Oper

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L’INVISIBLE von Aribert Reimann, Deutsche Oper Berlin,
Uraufführung: 8.10.2017, copyright: Bernd Uhlig

L’Invisible – Trilogie lyrique nach Maurice Maeterlinck
Unsichtbarer Tod
Am  8. Oktober fand die Uraufführung von Aribert Reimanns neuerster Oper L’invisible (Das Unsichtbare) in der Deutschen Oper statt. Am Pult Donald Runnicles. Für die Deutsche Oper – zu recht – der Triumph der Saison!Drei kurze Theaterstücke des symbolistischen, belgischen Dichters Maurice Maeterlinck ( 1862-1949) hat Aribert Reimann (*1936) zu einem nicht zusammengehörenden Werk , das durch das Thema Tod zusammen wächst, verbunden und somit für  90 spannende, beunruhigende  und nachdenkliche Minuten gesorgt.  Dreimal hat er hier ganz unterschiedlich lautmalerisch den Tod behandelt, immer anhand von Personen, die noch viel zu jung dafür waren.Im ersten Stück « L’Intruse » (Der Eindringling) sitzt die gut bürgerliche Familie beim Abendessen. Sie singen nervös durcheinander, um das sich ankündigende Drama zu vertuschen, denn die Mutter liegt im Nebenzimmer und hat sich noch nicht von der Geburt ihres Kindes erholt. Außer dem blinden Großvater wissen alle anderen, dass sie das auch nicht mehr tun wird.  Mit ihrem letzten Atemzug gibt das Neugeborene endlich einen Laut von sich und tritt ins Leben ein. Der Übergang zum nächsten Stück „Intérieur“ geht nahtlos; eine Tür geht auf und zwei Männer kommen herein, der eine noch ganz nass und wir erfahren erst später, dass er jemanden aus dem Wasser ziehen wollte. Im Hintergrund sehen wir ein Wohnzimmer, in dem eine glückliche Familie gerade den Weihnachtsbaum schmückt. Die beiden Männer  wissen nicht, wie sie der Familie den Selbstmord ihres Kindes beibringen sollen.

Teil drei „Tintagiles Tod“ – ist das komplizierteste und schönste Stück im Werk. Hier wird ein kleiner Junge zwischen Alptraumvisionen und Bilderbüchern vom Tod geholt, so wie es aussieht, durch einen Autounfall. Überall herrscht deprimierte Unausweichlichkeit und wütende Unvermeidbarkeit. Keine List kommt gegen den Tod an. Alle drei gehören sie ihm. Es ist eine Art unabwendbarer und symbolischer Existenzialismus, der die Bühne beherrscht. Die Hintergründe der Geschichten werden anhand von Scherenschnitten und Schattenspielen an den Wänden erzählt.

Manchmal rutschen die Geschichten ein wenig ins Pathetische ab, das nimmt ihnen  aber nichts weg, mehr, es kann gar nicht anders sein.

Aribert Reimann (*1936) hat jede Szene mit den passenden Tönen begleitet und auch hier wieder Weltliteratur ins Spiel gebracht, ähnlich wie er das bei Garcia Lorcas „Bernarda Albas Haus“ auch getan hat. Mit dem russischen Regisseur Vasily Barhkatov hat er sich einen neuen Regie-Star für die Inszenierung ausgesucht.

Großartig die Sänger, die in verschiedenen  Rollen und unterschiedlichen Instrumentationen auftraten. Einmal sind es die Streicher, die den anschleichenden Tod herbei holen;  im zweiten Teil begleiten die Holzbläser die Ankündigung des Selbstmordes. Und im dritten Teil verhindert das sich aufbauende komplette Orchester die Rettung des Kindes. Die Countertenöre Tim Severloh, Matthew Shaw und Martin Wölfel treten als unerbittliche  Todesboten auf. Die Sopranistin Rachel Harnisch singt dreimal die weibliche Hauptrolle. Sie hat schon öfter mit Reimann gearbeitet.   Auch Stephen Bronk hat unterschiedliche Rollen wie den blinden Großvater. Weiter dabei waren Seth Carico und  Thomas Blondelle sowei Ronnita Miller in der Rolle der Dienerin und die Mezzosopranistin Annika Schlicht als Marthe und als Bellangére, die ihren Bruder Tintagiles nicht retten kann.

L’invisible  ist Aribert Reimans neunte Oper. Vier davon hat er als Auftragswerk für die Deutsche Oper geschrieben.

Christa Blenk

 

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