Archives pour la catégorie Musique



Romaeuropa Special – Stockhausen in der Villa Medici

Die dritte Stunde

Karlheinz Stockhausen – Klang

Romaeuropa Special - Stockhausen in der Villa Medici dans Art glledo.-egam-09-5-150x150 Guillermo Lledóglledo.-egam-09-4-150x150 dans Musique

Am 6. Oktober 2013 fand in der Villa Medici in Rom im Rahmen des Romaeuropa Festival  die italienische Premiere von « Natürliche Dauern » von Karlheinz Stockhausen (1928-2007) statt. „Natürliche Dauern“ steht für  die dritte Stunde seines letzten – unvollendeten – Werkes « Klang – die 24 Stunden des Tages ».
Der italienische Pianist und Komponist Carlo Boccadoro (1963)  hat uns  auf diesen musikalisch-virtuellen Spaziergang durch die Nacht geschickt und uns aufs Meisterlichste begleitet. Es war ein Flanieren durch eine nicht greifbare klingende obwohl nicht wahrnehmbare Landschaft, mit den entsprechenden Pausen und Unterbrechungen, Hören, Betrachten, Sehen. Und konform zu den durch das Wahrgenommene ausgelösten Gefühlen,  geht die Musik.

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Vor Beginn des Konzertes gab Carlos Boccadoro dem Publikum eine „carte blanche“ , während der über zwei Stunden dauernden Aufführung ohne Pause den Raum (leise) zu verlassen, in die Cafeteria zu gehen, einen Kaffee (oder etwas anderes) zu trinken, kurz Abzuschalten, wieder reinzukommen (immer lautlos). Ich werde hier weitermachen und bin immer da und freue mich, wenn ihr wieder zurückkommt, sagte er. Das wirkte wie eine Geheimwaffe! kaum erlebt man in Rom ein Konzert mit so wenig Störungen. Kein Husten, kein Rascheln. Das ca 100 Personen-Publikum in der Loggia der Villa Medici war unglaublich.
Es ist  die dritte Stunde, 3 Uhr morgens, 2005: Stockhausen befindet sich in seinem Haus im Wald, steht auf und komponiert die Zeit von 3 – 4 Uhr morgens (sicherlich noch dunkel) – nur dauert seine Stunde  über 2 Stunden. Die Komposition beginnt mit einem langen hohen Ton,  dieser klingt langsam aus – « Natürliche Dauern“ und erst dann  kann weiterexperimentiert werden. Wir könnten uns  also jetzt einbilden,  all das zu hören, was man um drei morgens hört oder nicht hört, wie Stille z.B.  Je weiter die dritte Stunde jedoch fortschreitet, desto mehr verliert der Komponist den Respekt vor dieser  und es wird dann und wann  laut bis wuchtiger. Die Tasten atmen Ein und Aus. Dann schlägt die Uhr irgendwann. Stockhausens Musik ist vor allem ein Konzept! Vogelgezwitscher, eine kurze Triole trotzdem. Wieder auf der Suche nach dem nächsten Ton. Eine kurze Bach-Referenz, später eine Hommage an Wagner und irgendwann (wenn die Fliegen erwachen)  noch ein Summen wie bei Rimsky Korsakov – immer nur ganz kurz angedeutet. Wir hören es aber trotzdem. So in der Mitte ungefähr bindet sich der Pianist ein kleines Band mit Glöckchen an die Finger. Der Klang verändert sich und definiert das Ausdauern, er wird zur romantischen Schlittenfahrt und die kleinen Glöckchen geben für eine Weile den Ton und den Takt an. Kurz darauf zieht der Pianist Handschuhe an, um sich bei den kommenden Glissandi nicht zu verletzen, wie der Pianist uns später erzählen wird (das hat Stockhausen auch so gemacht). Ein bisschen Free Jazz und wieder ganz ruhig und viel Ausklingen. Plötzlich ist wohl noch jemand erwacht und leistet ihm Gesellschaft. Wir sind Zeugen eines Dialogs, der wieder in Zen übergeht bis dann die sechs  kleinen japanischen Schalen (er hat sie Din genannt und in Kyoto erworben) zum Zuge kommen, die schon seit Beginn des Konzertes neben seinem Klavier stehen. Irgendwann ist die Stunde drei, die 140 Minuten  gedauert hat, zu Ende. Unsere Reise auch, plötzliches Erwachen und zurück in die Wirklichkeit. Jetzt würde „Himmelstür“ beginnen.

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Tosender Applaus bricht aus und Carlo Boccadoro zeigt uns voller Stolz die von Stockhausen signierte Partitur. Wir, das Publikum, umringen ihn noch mindestens 20 Minuten lang und stellen Fragen über Fragen; einige Tifosi fahren andächtig mit dem Finger über die Signatur auf dem Cover. Ein  fantastischer Abend!
Die Gesamtaufführung fand in der von Stockhausen vorgesehenen Form am 8. und 9. Mai 2010 im Rahmen der Musiktriennale Köln statt. Gelegentliche Aufführungen von Auszügen und einzelnen Stunden, gab es allerdings schon vorher.
Hier seien noch kurz die schön klingenden Namen der anderen Stunden erwähnt: Himmelfahrt, Freude, Natürliche Dauern, Himmesltür, Harmonien, Schönheit, Balance, Glück, Hoffnung, Glanz, Treue, Erwachen, Cosmic Pulses, Havona, Orvonton, Uversa, Nebadon, Jerusem, Urantia, Edentia, Paradies.

Paradoxerweise hört seine Komposition mit Paradis auf – der Tod kam dazwischen und Stockhausen konnte die letzten drei Stunden nicht mehr  vollenden. Komponiert hat er Natürliche Dauern zwischen 2005 und 2006. Es ist mit 140 Minuten die längste Stunde von Klang. Das Atmen des Pianisten ist in der Partitur festgehalten wie auch die Betätigung des Pedals. Stockhausen wollte so „Melodien, Harmonien und mehrstimmige Momente als Ergebnisse der natürlichen Dauern“ sichtbar machen.

Christa Blenk

Fotos: Christa Blenk

Illustration: Guillermo Lledó

 

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Hans Werner Henze

Am 28.09.2013 wird in der Tischlerei der Deutschen Oper die wohl letzte Uraufführung « Nebelheim und Sonnenland » – eine Suite für Orchester aus der Oper Gisela – von Hans Werner Henze aufgeführt.

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Requiem     und     diverse Stücke

 

 

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Im Garten von William Christie

Festival von Thiré – Ende August 2013

Im Garten von William Christie dans Musique garten-terrasse-150x150William Christie ist ein Musikpionier. 1971 kam der Amerikaner von der Ostküste nach Frankreich und hat als einer der ersten überhaupt begonnen, die französische (und nicht nur) Barockmusik wieder auszugraben. Bereits 1979 hat er sein Ensemble Les Arts Florissants ins Leben gerufen. Er siedelte sich in der Normandie an gründete dort eine Akademie für junge Sänger. Die Oper in Caen hat er zu einer Provinz-Vorzeigeoper gemacht. Ihre Produktionen werden fast immer auch in Paris (Opéra Comique) aufgeführt. Mit den beiden Lully-Opern Cadmus und Hermione und Atys hat er in den letzten Jahren Riesenerfolge erzielt, z.T. auch wegen der originellen Regie von Benjamin Lazar.

williamchristie-150x150 dans MusiqueMittlerweile ist William Christie Franzose geworden und wird nicht müde, neuen Projekten nachzugehen. Seit letztem Jahr öffnet er im Sommer seinen Garten (das ist das Understatement des Jahres wenn man den Garten gesehen hat!) für Blumen- und Musikliebhaber.

Dans les Jardins de William Christie“ (Im Garten von William Christie) heißt sein Barock-Festival, das dieses Jahr vom 24. bis 31. August 2013 zum zweiten Mal in Thiré, einem kleinen Ort in der sonst eher als kulturelle Wüste bekannten Süd-Vendée stattfindet. In Zusammenarbeit mit Paul Agnew und Jonathan Cohen hat er auch dieses Jahr wieder wunderbare Stimmen und Musiker in diesen kleinen Ort geholt.

Die Nachmittage sind so organisiert, dass an jeweils verschiedenen Stellen in seinem Zaubergarten parallel Mini-Konzerte stattfinden. Sie dauern nur ca 15 Minuten, dann hat man weitere 15 Minuten Zeit, um sich zum nächsten Ort zu begeben.

p1110935-150x150Während an der Mauer des Zyklopen eine Sonate für Flöte, Bass und Kontrabass von Johann Sebastian Bach vorgetragen wird, haben wir uns für eine Rundreise in Europa in Zeiten von François 1er entschieden. Auf den Terrassen singen Daniela Skorka, Emilie Renard, Zachary Wilder und Victor Sicard schelmisch und makellos kleine Arien von Adrian Willaert, Henry VIII (jawohl, der grausame König hat auch Musik komponiert), Adriano Banchieri, Thomas Tomkins, Pierre Passereau und Joaquin Desprez. Adriano Banchieris Il contrappunto bestiali hat sicherlich Rossini zu seiner Katzenarie inspiriert. Köstlich! Weiter zum Innenhof (Le Cloître), um dort die einzigartigen Lieder von John Dowland zu hören. Wir mussten uns beeilen, denn in diesen blumigen Innenhof passen nur 80 Personen! Ganz intim und inmitten der Zuhörer hat sie Reinoud van Mechelen nur für uns vorgetragen, Thomas Dunford hat ihn auf der Theorbe begleitet. Abgesehen davon, dass John Dowlands Musik sowie zum Schönsten gehört, was der englische Frühbarock hervorgebracht hat, in diesem Umfeld, bei warmer Nachmittagssonne, dem leichten Plätschern des Brunnens und mit diesen beiden Musikern war das ein Hochgenuss. Die nächste Station ist der Rote Garten, dort soll gleich Paul Agnew mit einer englischen Händel-Kantate zu hören sein Look down harmonious saint, ihn wird Maestro Christie höchstpersönlich am Cembalo begleiten, dementsprechend voll ist es auch. Gemütlich und doch entschieden lustwandeln die z.B. mit Picknickkorb ausgestatteten Gäste, die in ihrer Freizeitkleidung manchmal sogar auf dem Kieselsteinboden sitzen. Wir spazieren weiter durch den Gemüsegarten zur Mauer des Zyklopen, hier ging gerade das Konzert Barockimprovisationen für Sopran, Flöte, Geige und Kontrabass zu ende, das wohl sehr gelungen war, denn die Zuhörer scherzen noch mit den Musikern bevor diese die grüne Bühne an Priscilla Smith, Brandon Labadie und Clyton E. Zoller (Oboe und Bass) übergeben. Sie spielen – im Kampf mit dem Wind, der ihnen die Noten durcheinander wirbelt, was die drei Juilliard Schüler aus New York aber nicht aus der Ruhe bringt – Auszüge aus Telemanns Tafelmusik und eine Sonate von Corelli. Die nächste Etappe führt uns in den Gemüsegarten, dort wird Anna Reinhold gleich Arien von Lully singen, begleitet – wie vorhin schon van Mechelen – von Thomas Dunford auf der Theorbe.

p1110902-150x150Mittlerweile ist es 18.30 Uhr, die Sonne steht nicht mehr sehr hoch, aber es ist noch warm. Aus allen Ecken, Hecken und Konzertorten des Parkes stürmen nun die Zuhörer auf die Terrasse, denn dort wird es gleich das Abschlusskonzert geben mit Les Arts Florissants und allen Solisten, dirigiert und begleitet am Cembalo durch William Christie. Der Maestro steht aber noch mitten im Publikum und unterhält sich. Sie haben sich für Auszüge aus Purcells Ode für Königin MaryCome, ye sons of art“ entschieden. Wenn dann Reinoud van Mechelen Sound the trumpets singt, frohlockt die gesamte Zuhörerschaft. Um 19.00 Uhr ist der Zauber vorbei und man sieht den Schade-Blick auf den Gesichtern des sich zögernd zum Parkplatz begebenden Publikums.

Das Festival endet mit zwei Aufführungen von Henry Purcells „Dido und Äneas mit Les Arts Florissants unter Leitung von William Christie. Bei gutem Wetter wieder im Park am „Miroir d’eau“ und bei Regen in der mittelalterlichen Kirche von Thiré, die laut Aussage von Christie eine ausgezeichnete Akkustik haben soll.

 Christa Blenk

gekürzt in KULTURA EXTRA erschienen

 

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Fara Music Festival 2013

Fara Music Festival 2013 dans Musique farasabina-022-150x150Die Sabiner Berge werden im allgemeinen mit der Gründung von Rom durch Romulus und Remus und mit dem Raub der Sabinerinnen in Verbindung gebracht. Um den Frauenmangel im von Händlern, Kriegern und Abenteurer überfüllten Rom auszugleichen, organisierte der listige Romulus einen großen Wettkampf zu Ehren des Neptuns und lud alle Bewohner aus den benachbarten Städten ein und alle sind gekommen. Somit war es ein Leichtes, die unverheirateten Mädchen zu ergreifen und sie nach Rom zu schleppen, wo sie mehr oder weniger freiwillig heirateten und Familien mit den Nachkommen des Äneas gründeten. Einen Rachefeldzug der Väter und Brüder verhinderten die klugen Frauen, in dem sie sich auf das Schlachtfeld begaben und sich vor die Krieger stellten. Somit vermieten sie ein Gemetzel und den Verlust von Brüder, Vätern, Männern und Kindern. Der Sabiner Titus Tatius und Romulus verbrüderten sich und  so entstand die Doppelherrschaft.

farasabina-023-150x150 dans MusiqueFara in Sabina liegt ca 50 km nördlich von Rom zwischen Umbrien und Lazio und hat nicht nur eines der besten Olivenöle im Lazio sondern seit 2007 auch ein Jazz-Festival, mit allem was dazu gehört. Sommerkurse für Solisten und Instrumentalisten, vom 22. – 28. Juli  jeden Abend Jazzkonzerte mit jungen Musikern aus ganz Europa und einen sehr ansprechenden Kunsthandwerk-Markt.  Vor, während und nach den Konzerten kann man die Köstlichkeiten der Region probieren und genießen. Untergebracht werden die Schüler im riesigen Kloster ganz oben auf dem Berg. Musiker wie John Scofield, Yellow Jackets, Tuck & Patti, Stochelo Rosenberg, George Garzone, Enrico Rava, Danilo Rea, Roberto Gatto, Rick Margitza, Bill Stewart, Scott Colley, Mulgrew Miller, Jim Campilongo etc. sind in den letzten Jahren dort aufgetreten.
Dieses Jahr gibt es zum ersten Mal auch eine Ausstellung im kleinen aber feinen Archäologischen Museum mit Werken von Tiziana Morganti, Rita Maza und Patrizia Ciuffo. Ihre Bilder sind wie aus der Landschaft geschnitten.

farasabina-010-150x150 Patrizia Ciuffo farasabina-009-150x150 Haus in Fara

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Laue Sommernacht, leichte Brise auf ca. 500 Höhe und  22 Grad, lokale Spezialitäten und richtig guter Jazz u.a. vom  Fabio Giachini Trio, die im letzten Jahr sogar den Fara Musik Jazz Live Preis gewonnen haben entschädigten für die doch lange Anreise aus Rom gestern Abend. Nicht umsonst steht das Festival unter dem Motto « Sapori e Artigianato ».  Alles was man zum Wohlfühlen braucht, ist hier geballt zu bekommen!

Christa Blenk

 

 

 

 

Pina Bausch im Teatro San Carlo

Unvergessliche Pina Bausch

Hier meine Besprechung auf KULTURA Extra :

40 Jahre Pina Bausch Tanztheater

Pina Bausch im Teatro San Carlo dans Musique ravello-129-150x150ravello-143-150x150 dans Musiqueravello-144-150x150hier wird gerade die Erde für das Frühlingsopfer ausgebreitet! Sogar diese Aktion, in der Pause, war ein Erlebnis und Teil der Inszenierung!

40 Jahre Pina Bausch Tanztheater – das Ensemble feiert dieses Jubiläum in Bari und Neapel – weit weg von Wuppertal und Solingen.
Vier Jahre nach Pina Bauschs plötzlichem Tod und nach einer anfänglich sehr spürbaren Unsicherheit wie es ohne Pina weitergehen sollte, ist das Ensemble nun auf eine kleine Süditalien-Tournee gegangen. Nach vier erfolgreichen und umjubelten  Aufführungen in Bari (dort war Sweet Mambo zu sehen), traten die Tänzer vom 11.7. – 15.7. im Teatro di San Carlo in Neapel auf.  Es war umwerfend perfekt und faszinierend. Pina war im Geiste dabei und hat den Einsatz gegeben.
Den ersten Anstoß zur Weiterführung dieses sagenhaften Ballett-Ensembles hat sicher der Film von Wim Wenders gegeben. Er hat mit  Bewunderung und Zärtlichkeit für die große revolutionäre Choreografin die Schockstarre gelöst.
Café Müller: Pina Bausch ist in der Nähe dieses Cafés in Solingen aufgewachsen und hat so manches süße Teilchen dort gekauft. Dabei hat sich ihr Unterbewusstsein mit Szenen und Dramen gefüllt, die sie 1978  als Ballett verarbeitete. Seitdem zählt Café Müller zu den  Klassikern des modernen Tanztheaters, ähnlich wie Béjarts Bolero.
Ruhrgebiet in den70er Jahren: Ein großer eher nüchtern-seelenloser Raum, der durch eine Drehtür betreten wird, links und rechts jeweils eine weitere transparente große Tür. Kaffeehausähnlich stehen überall einfache Holzstühle und Tische.  Helena Pikon tanzt perfekt Pinas Rolle der großen schmalen weißen Frau, die sich 45 Minuten vorsichtig durch den Raum tastet,  in der Drehtür hängen bleibt und den Absprung nicht findet, Stühle umrennt, an Tische stößt und erschrocken zurückweicht, auf der Suche nach etwas, was es in dem Raum nicht gibt. Eine rothaarige  Frau  mit Mantel taucht auf, sie trippelt ziellos auf Stöckelschuhen durch das Café ohne wirklich etwas zu tun. Es erscheint eine weitere blinde Frau, auch weiß gekleidet. Ihr voraus rennt ein Mann und versucht hektisch und mit viel Lärm die Stühle und Tische aus dem Weg zu räumen. Ständig fällt jemand oder etwas auf den Boden, wird wieder aufgesammelt und fällt wieder runter. Das Stück handelt von Hoffnungslosigkeit, vom erfolglosen Suchen, vom Versuch, Hindernisse zu überwinden und von der Perfektion durch Wiederholung. Begleitet werden diese Szenen durch Henry Purcells wunderbare Musik.
Nicht enden wollender Applaus. 25 Minuten Pause um die Bühne für « Le Sacre du Printemps » vorzubereiten. Dazu werden großen Mülltonnen voller Erde auf die Bühne verbracht und von ca. 20 Männer über die ganze Bühne verteilt. Die Zuschauer wagen es nicht, an der Bar ein Glas Prosecco zu trinken aus Angst, etwas von dieser Show zu verpassen, die fast Teil der Inszenierung ist.
Dann geht es weiter – allerdings erst nach 35 Minuten, weil sich das Publikum nicht beruhigen will! 1975 hat sie dieses Frühlingsopfers konzipiert, es war (und ist) Pinas Paradestück und bis heute unerreicht, niemand hat Strawinskys Musik besser zu verstanden  oder umgesetzt. Man möchte meinen, er hat diese Musik komponiert, damit Pina Bausch daraus ein Ballett machen kann. Es ist ein archaisch-ritueller Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Mann und Frau. Die Bühne ist leer – bis auf die Erde – die Tänzer sind alle hell-schlammig gekleidet, ein roter Umhang liegt auf der Bühne. In Ekstase wirbeln die männlichen und weiblichen Tänzer über die Bühne, wälzen sich  auf dem Boden, fliegen von einer Ecke in die andere, man hört ihr erschöpftes Atmen. Paare formieren sich, trennen sich wieder, finden einen anderen Partner, bis zu dem Moment, in dem das Oper ausgesucht wird, ein endlos scheinender Kampf, keine will den roten Fetzen anziehen. Sie schieben sich gegenseitig in die Mitte der Bühne. Mittlerweile sind alle Tänzer mit Erde beschmutzt und braun-dreckig (die  Anmut geht aber nicht verloren), sie haben fast die Grenze des Machbaren erreicht. Ditta Miranda ist das Opfer und man fragt sich, woher die kleine Person die Kraft nimmt, immer weiter zu machen, wieder aufzustehen, bis sie schließlich endgültig am Boden liegen bleibt. Ein paar Sekunden noch Stille, so gepackt ist das Publikum und dann bricht ein Tsunami  an Beifall los.
Die Tänzer von Pina Bausch sind alle ein wenig besser, perfekter und stärker als die anderen. Jede/r ist auch Solist und so tanzen sie auch. Jede Bewegung stimmt immer 100% und trotz unterschiedlicher Körpergröße, vermitteln sie eine Harmonie, die durch nichts gestört wird.
Die Nijinsky Inszenierung im Théâtre des Champs-Elysées in Paris 1913 wurde seinerzeit ausgepfiffen und er und Strawinsky zur persona non grata der Theaterwelt erklärt, dabei war diese im Vergleich zu Pina Bauschs Werk richtig brav und Nijinsky ging viel weniger auf diese aufrüttelnde und ausgesprochen beunruhigende Musik, die schon den 1. Weltkrieg ankündigte, ein oder besser, die Zeit war noch nicht reif für Strawinskys Musik.
Bis 2015 will das Ensemble erstmals keine Neuinszenierungen angehen. Die  Latte hängt sehr hoch und die Fußstapfen müssen ausgefüllt werden. Es wird sich zeigen, wie es weiter geht, aber solange die von Pina ausgesuchten Tänzer auftreten, brauchen wir keine Angst zu haben.
Christa Blenk

 

 

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Marcello Nardis singt in Ravello

Marcello Nardis singt in Ravello dans Musique getbildtext2-150x150 Marcello Nardis singt die Wesendonck Lieder in Ravello – am Klavier wunderbar Laura de Fusco

In Ravello dreht sich alles um Richard Wagner: sei es das Graal Hotel, die Klingsor Bar, das Parsifal Restaurant – aber vor allem die Villa Rufolo. In dieser Villa war Richard Wagner 1880 zu Gast und hat dort endlich Klingsors Garten gefunden (in diesem Garten mit Blick auf Amalfi finden den Sommer über jährlich  viele Openair-Konzerte statt). 1953 hat die kleine Stadt oberhalb von Amalfi mit einem himmlischen Blick auf die Costa Amalfitana das Wagner Festival ins Leben gerufen. Wagner-Werke werden dort zwar eher weniger aufgeführt, aber zu spüren ist der Komponist immer noch überall. In den verschiedenen Veranstaltungsorten werden zwischen Frühjahr und Herbst jedes Jahr die unterschiedlichsten Konzerte dargeboten.

2010 wurde mit viel Aufwand das Oscar Niemeyer Auditorium eröffnet. Es ragt direkt ins Meer, passt sich aber vollkommen der bergigen Landschaft und der dortigen,  zum Teil arabisch beeinflussten Architektur an. Allerdings gibt es – trotz bereits vieler Nachbesserungen – noch Akustikprobleme. Für das besprochene Konzert mussten beispielsweise um das Klavier Plexiglaswände aufgebaut werden. Ansonsten ist der 500 Plätze passende Saal beeindruckend, und tagsüber sieht man von der Bühne das Meer über ein riesiges Auge.

Kurz nach der Einweihung dieses spektakulären Konzertsaales hat der italienische Tenor und Schubert-Experte Marcello Nardis einen Schubert-Liederzyklus für das Festival begonnen. Im ersten Jahr sang er die Winterreise, dann Die Schöne Müllerin, und dieses Jahr hat er sich Schuberts letzte große Liedersammlung, den 1828 vom Komponisten fertig gestellten sog. Schwanengesang, mit Vertonungen von Rellstab, Heine und Seidl vorgenommen.

Der Sänger hat diesen dritten Zyklus-Abend mit Richard Wagners Wesendonck-Liedern komplettiert - in Italien eine Premiere, da sie hier noch nie von einem Mann gesungen wurden. Die Wesendonck-Lieder, die Wagner für seine Melpomene Mathilde Wesendonck nach Gedichten von ihr komponiert hat, waren ursprünglich für Frauenstimme und Klavier gedacht, obwohl zu Wagners Zeiten dann und wann auch mal ein Mann eines der Lieder vorgetragen hatte. Wenn Marcello Nardis sie singt, bekommen die Lieder einen ganz anderen Sinn, wir hören sie nun aus der Sicht und mit der Sehnsucht eines Mannes; « sie sind sehr männlich », sagt Nardis auf die Frage, warum er sich dafür entschieden hat. Er trägt sie wie ein Gott vor, sehr textverständlich (die harte Schule von Peter Schreier?), jede Note und jeder Buchstabe gefühlt und betont. Mit seinen über drei Oktaven gibt er uns zuweilen den Eindruck, dass mehrere Sänger auf der Bühne stehen. Seine Körpersprache und sein Gesicht ersetzen eine Inszenierung – Freude, Leid, Kraft, Abschied, Sehnsucht, Schmerz!

Am Klavier begleitet hat ihn die Napolitanerin Laura de Fusco – sehr sensibel, sympathisch und energisch; und trotz Lichtproblemen am Anfang haben Beide ganz schnell zueinander gefunden und eine super Performance hingelegt. Kein Husten oder Rascheln im Raum und beim « Atlas » haben alle den Atem angehalten.

 

ravello-067-150x150 dans Musiqueravello-004-150x150ravello-068-150x150 Mimmo Paladinos 19 Skulpturen vor dem Eingang zum Auditorium

ravello-028-150x150 Villa Rufolo – Tribüne über der Amalfi Küste

Portrait-Reihe

Portrait Marcelo Nardis

 

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Diana Krall in Rom

Diana Krall in Rom dans Musique auditorium-004-150x150juli2013-052-150x150 dans Musique

Diana Krall hat gestern in Rom ein eher enttäuschendes Konzert gegeben.

Trotz heftigen Regengüssen bis ca 19.00 Uhr konnte das Konzert letztendich doch – wie geplant – in der Cavea des Auditoriums, d.h. unter freiem Himmel,  abgehalten werden. Beginnen konnte es zwar dann erst um 21.30 Uhr – weil bis dahin immer noch jemand die Sitze trocken wischen musste.

Von der Diana Krall, die Woody Allen verehrt, war nicht sehr viel zu sehen bzw zu hören. Sie trat mit einer Band auf und bis auf 2 oder 3 Klassiker (« Letter to myself » und « it’s wonderful ») die sie in der Mitte des Konzertes ohne die Lärmer sang, war es eher ein Rock und Pop Konzert. Ansonsten hat sie vor allem viel geredet und immer wieder gesagt « I talk too much! » und mit ihren Jugendsünden (« too much wine and smoke ») kokettiert. Wir haben erfahren, dass sie aus British Colomiba kommt und deshalb Regen sowieso liebt, ihr Großvater Unter-Tage arbeitete, dann eine Bar aufmachte und alles bei Pferdewetten verlor, gerne mit ihren  6-jährigen Zwillingen spielt, eine bessere Köchin ist als wir (das Publikum) denken und nach einem anstrengenden Tag Gin in die Badewanne laufen lässt und darin dann Ukulele spielt und dass sie mit dem Absinken des Gin-Spiegels  auf dem Instrument besser wird. Lieber hätten wir ein paar Jazz Klassiker gehört, aber dazu hatte sie wohl keine Lust, vielleicht war sie auch nich in  Form! Wir haben das Konzert dann um 23.00 verlassen, als die noch ca 2000 verbleibenden  Zuschauer anfingen mitzuklatschen und man von ihr nichts mehr hörte.

borjaprimordial-013-150x150 Emanuel Borja « Album Primordial »

Für alle diejenigen,  die wegen der intelligenten Jazzsängerin mit der rauhen Stimme gekommen sind,  war dieses doch sehr kommerzielle Konzert eine große Enttäuschung.

Christa Blenk

 

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« Curlew River » in der Basilica di Santa Maria in Ara Coeli

Benjamin Britten (1913 – 1976) unternahm 1955/1956 zusammen mit seinem Partner Peter Pears eine Fernostreise. In Japan wurde er erstmals  mit Kabuki und vor allem mit dem  Nô Theater konfrontiert. Tief beeindruckt davon schreibt er 8 Jahre später seine Kirchenparabel  « Parable for Church Performance ». »Das Erlebnis beeindruckte mich zutiefst, die einfache, ergreifende Handlung, der sparsame Stil, die starke Verlangsamung der Aktionen, das große technische Können und die Körperbeherrschung der Darsteller, die wunderbaren Kostüme, die Mischung aus Sprechgesang, Rezitation und Singen, die zusammen mit den drei Instrumenten die Musik ausmachte, all das bot eine völlig neue » Opern-Erfahrung », schreibt er in einem seiner vielen Briefe. Das Libretto hat William Plomer nach einem mittelalterlichen japanischen nô-Drama geschrieben.

Britten hat erfolgreich versucht, den Osten mit dem Westen zu verlinken. Ganz natürlich nehmen wir den ständigen musikalischen Wechsel an und gehen mit. Die aus 12 Bildern bestehende Oper beginnt und endet mit gregorianischen Gesängen. In ihr kommen – ähnlich wie bei Bernsteins MASS – fast alle Musikrichtungen vor: Japanisches Nô Theater, Gregorianische Gesänge, Südsee–Trommel-Klänge, britisch-keltische Volksmusik, Tudor-Musik, Einflüsse von Purcell  und christliche Liturgie geben sich am englischen Styx ein Stelldichein. Verkleidete Mönche führen das Musiktheater in einer Kirche auf. In der Mitte des Kirchenschiffes ist die Fähre, angedeutet nur durch das lange Ruder des Fährmanns. Während der Aufführung  entfernt sie sich vom Ufer.

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Ein Abt ruft seine Mönche zusammen und kündigt in der Kirche ein mystheriöses Theaterspiel an, in dem es drei Hauptrollen geben wird: eine wahnsinnig Frau (madwoman), den Fährmann und den Reisenden. Man befindet sich am Möwen-Fluss. Der Fährmann muss Pilger auf die andere Seite bringen, die dort einen heiligen Ort aufsuchen wollen.  Madwoman mit Rasta-Haaren und einem Einkaufswagen stürzt aufgeregt und singend in die Kirche. Der Fährman erzählt  von einem Fremden, der vor ca einem Jahr in Begleitung eines kranken Jungen mit ihm übersetzte, er wurde am Heiligtum begraben. Madwoman erkennt, dass es sich um ihren entführten Sohn handeln muss und will sich der Pilgergruppe anschliessen, so auch ein weiterer nicht identifizierter Reisender (ob er der Reisende vom Vorjahr ist bleibt uns überlassen).  Angekommen am Grabe des Sohnes erscheint dessen Geist und vertröstet seine Mutter auf ein Wiedersehen am Jüngsten Tag. Alle Reisenden schließen sich der Trauer an. Das Kind segnet die wahnsinnige Mutter, die dadurch geheilt wird und verschwindet wieder im Grab. Damit ist die Geschichte auch schon zu Ende. Die Pilger fahren zurück und nehmen  – auf der anderen Seite in der Kirche angekommen – wieder ihr Mönchtum auf.

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Britten hat zwei musikalische Parabeln geschrieben:  Curlew River und The Prodigal Son. Einmal wird der Verlust aus der Sicht einer Mutter und das andere Mal aus der eines Vaters, der seinen Sohn scheinbar verloren hat und wieder findet, aufgezeigt. Die Trauer über einen verstorbenen Sohn zum einen und die Freude über einen wiedergefundenen zum anderen beschreibt er mit sparsam-minimalen aber rituell theatralischen Klangfarben. Es ist eine Meditation über Verlust, Hoffnung, Trauer, Glaube und Liebe, die unter die Haut geht.

James Conlon am Pult auf der rechten Seite. Links Roberto Gabbiani und der Mini-Chor. Benjamin Hulett war eine umwerfende und angsteinflössend-verzweifelte « madwoman », sehr intensiv und dunkel  der Fährmann Anthony Michales-Moore, Philipp Addisen war der mysteröse Reisende im Trenchcoat.

Die Aufführung wurde in Zusamenarbeit mit der Oper Rom organisiert, von ihr kamen auch Chor- und Orchestermitglieder. Eine Glanzleistung, gestört allerdings durch das  sehr laute und sich ständig in Bewegung befindliche Publikum – immer auf der Suche nach einem besseren Platz. Aber schließlich waren wir in einer Kirche und nicht im Opernhaus.

Christa Blenk

Illustrationen: Emanuel Borja « Primordial » Skulpturen

 

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« Orphée d’Or » für « Madame Curie »

Elzbieta Sikora hat für « Madame Curie » gerade zwei Preise gewonnen:

ACADÉMIE DU DISQUE LYRIQUE
GRAND PRIX INTERNATIONAL DU DISQUE LYRIQUE
ORPHÉES D’OR 2013
25 juin 2013, Théâtre du Châtelet

dsc_0401-150x150 dans Musique  MEHR

 Portrait d’Elzbieta Sikora

meine DVD Besprechung

Weltpremiere in der UNESCO 

 

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DVD Besprechung Madame Curie

Madame Curie von Elzbieta Sikora

 

 

Mussorgsky und Kandinsky: als die Bilder laufen lernten

Mussorgsky und Kandinsky: als die Bilder laufen lernten dans Art kandiskij-mussorgsky-150x150 Foto: ©IUC

Inspirationen: Hartmann – Mussorgsky – Kandinsky

Piano mit Video-Rekonstruktion in der Aula Magna in Rom am 28. Mai 2013

1874 organisierte die Akademie der Künste in St. Petersburg eine Ausstellung von 400 Bildern des 1873 (nur 39jährig) verstorbenen Architekten Viktor Hartmann. Sein Freund Modest Mussorgsky besuchte diese und wird zu dem Klavier-Zyklus  « Bilder einer Ausstellung » inspiriert.

1928, also 54 Jahre später, hört Wassily Kandinsky in Dessau die Musik und schafft diese geniale konstruktivistisch-bewegliche Bühnenkomposition. Kandinsky hatte sich schon früher – noch in München um die Jahrhundertwende – für Farben, Musik und Bewegung interessiert (« Der gelbe Klang »), aber nicht zu Ende gebracht. Die zehn noch erhaltenen farbigen Aquarell-Entwürfe  dienten als Grundlage für die Konstruktion der Elemente. Eine eigene Welt von Farben, Licht, Formen, ständig in Bewegung, eine Sezierung und Wiederherstellung der Bilder.  Die Realisierung des Videos übernahm seinerzeit Arthur Spirk.

Gestern abend hat der russische Pianist Mikhail Rudy die  Originalversion von 1928  für Piano und synchronisierter Videoinstallation vorgetragen.

2013-05-29-10.20.04-150x150 dans Musique Street Art (Foto: cb)

In den 16 Bildern seines Musik-Universums gibt Mussorsgky seine Eindrücke der Ausstellung wieder; sie sehen und hören sich ungefähr so an:

Promenade I und II: der Komponist geht durch die Ausstellung. Die Musik wird von  zwei roten Kreisen und einem Rechteckt begleitet. Dieses Thema taucht insgesamt 5 x – immer leicht variiert – auf.

Gnomus: Ein krummer linkischer  Zwerg hüpft herum – Lamento, Schmerz, Qual, Stolpern, Schreikrmäpfe – spieltechnisch eine große Herausforderung

Das alte Schloß: Ein Troubador singt vor einem alten Schloß – eine ruhige Romanze

Die Tuilerien: Kinder streiten sich während sie in den Tuilerien spazieren gehen

Bydlo (der Ochsenkarren): Ein alter Wagen mit großen  Rädern. Viel Bass und etwas schwerfällig bis die Musik immer weniger wird, je weitr sich der Karren entfernt

Ballett der Küchlein in ihren Eierschalen: Hartmanns Skizze für eine Szene im Ballet Trilby, das 1871 inSt. Petersburg aufgeführt wurde. Hüpfende und trillernde Musik

Samuel BGolden und Smuyle: Bleistiftskizzen zweier Juden – einer reich der andere arm – die sich miteinander unterhalten. Jammern, Gezeter, Bass – einne Hand spielt Goldenberg, die andere Schmuyle – nach dem Disput werden sie dann zusammengeführt.

Der Marktplatz von Limoges: Französische streitende Marktfrauen – die Musik führt direkt hinab in die ..

Römischen Katakomben mit Totensprache: Hartmann untersucht die Katakomben von Paris. Düstere Stimmung beim Anblick all der Totenschädel und Knochen. Es wird als Requiem für Hartmann bezeichnet.

Die Hütte der Baba-Yaga: Dichter Wald, Grauen und mörderischer Hexenritt der Baba Yaga. Die Hütte auf Hühnerfüssen

Das Heldentor in Kiew: Skizze für ein Stadttor im altrussischen Stil, die Kuppel hat die Gestalt eines slawischen Helms. Russisch-orthodoxer Gesang und Glocken. Zum Schluß nochmals das Promenaden-Thema.

kandinsky-musorgsky-con-pianoforte-150x150Mikhail Rudy (Foto: IUC)

Ein aussergewöhnliches Erlebnis! Rudy hat mit viel Kreativität, Unabhängigkeit und Leidenschaft diese laufenden Bilder begleitet. Studiert hat er am Moskauer Konservatorium, seit 1975 lebt er allerdings in Frankreich. In der Cité de la Musique wurde dieses Projekt mit großem Erfolg im Jahre 2010 aufgeführt, ging dann weiter nach Metz, Rouen, Wimbledon, St. Petersurg, Mailand und Sevilla und gestern durften wir es hier in Rom genießen.

Christa Blenk

s.a.

http://www.bilderbuehne.de/index.php?option=com_content&view=article&id=6&Itemid=44

 

The Rape of Lucrezia von Benjamin Britten beim Maggio Musicale Fiorentino

The Rape of Lucrezia von Benjamin Britten beim Maggio Musicale Fiorentino dans Musique firenze-073-150x150 Teil des Bühnesbildes

Das Maggio Musicale Fiorentino  ist das älteste Musikfestival in Italien. Gegründet  1933 von dem Dirigenten Vittorio Gui mit der Idee, zeitgenössische und vergessene Opern von Mascagni bis Stravinsky  aufzuführen. Im Laufe der Zeit ist der « Florentinische Mai »  immer hochkarätiger geworden und hat viele berühmte Sänger und Dirigenten, wie Bruno Walter, Wilhelm Furtwängler, Zubin Mehta und Herbert von Karajan nach Florenz gelockt.  Das Repertoire  hat sich mittlerweile erweitert. Dieses Jahr reichte das Programm von Vivaldi über Mozart, Wagner und Verdi bis hin zu Britten, zu Konzerten und Balletaufführungen. Zubin Mehta ist derzeit der Chefdirigent und Paolo Arcà der künstlerische Direktor.

Ich war im bezaubernden kleinen Teatro Goldoni bei Benjamin Brittens (1913-1976) erster Kammeroper  für nur 13 Musiker  - « The Rape of Lucretia ».  Das Libretto stammt von Ronald Duncan nach einem Schauspiel von André Obey « Le Viol de Lucrete » der sich seinerseits an ein Shakespeare-Gedicht anlehnte.

Daniele Abbado hat die Geschichte als griechische Tragödie in den Farben blau, grau und weiß inszeniert. Die Bühne ist unterteilt: im unteren Teil spielt sich die Handlung ab und darüber – luftig und durchsichtig nur mit Leitern und Brettern verbunden -  der Chor, der sich ab und zu in die Handlung einmischt und dann nach unten klettert. Vor der Bühne hängt eine durchsichtige Leinwand auf der Bilder und Filme vorüberlaufen.

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Etruskersiedlung in Cerveteri/Tarquinia (Foto: © Christa Blenk)

Während die 13 Musiker, glänzend dirigiert von Jonathan Webb, die Ouvertüre spielen, werden auf eben dieser Leinwand Fotos von etruskischen Statuen eingeblendet, im Hintergrund sieht man schon die beiden – weiß-geschminkten – Erzähler in dunkelblauen Tuniken (Chorus Tenor und Chorus Sopran) – ausgezeichnet John Bellemer und Cristina Zavalloni. Sie erklären dem  Publikum die korrupten Zustände im Rom unter der Führung des Etrusker Prinzen Tarquinius   ca. 500 v.C. und beklagen sich über den Sittenverfall.

 

In einem Feldlager vor den Toren Roms zechen die römischen Generäle Collatinus und Junius mit Prinz Tarquinus, dem verwöhnten und kaltschnäuzigen Sohn eines etruskischen Tyrannen. Sie philosophieren über die Untreue der Frauen. (Witzige Passage, als sie erzählen wo welche Dame ihren Gatten betrogen hat). Einzig Lukretia, die Frau von Collatinus, ist züchtig und treu. Sie steht für die Aufrechterhaltung der Sittlichkeit!  Der Frauenheld und Junggeselle Tarquinius – er steht für den Verfall jener – verspottet Junius, dessen Frau ebenfalls untreu war, dieser fühlt sich provoziert und schlägt Tarquinius eine Wette vor. Er soll Lukretias Treue auf die Probe zu stellen. Tarquinius willigt ein und stürmt nach Rom. Chorus Tenor beschreibt den Ritt, begleitet von wilden sehr ästhetichen Reiterbildern. Musikalisch ist diese Szene ein Hochgenuss. Tarquinius kommt mitten in der Nacht im Hause der Lukrezia an, wo diese mit ihren Begleiterinnen  Bianca  und Lucia am Spinnrad sitzt und von der Liebe zu ihren Manne Collatinus spricht. Diese Arien, vor allem die von Lucia, hat Britten ganz klar seinem Vorbild und Meister Purcell gewidmet. Unter dem Vorwand, dass sein Pferd verletzt ist wird er reingelassen und darf seinem Wunsche entsprechend über Nacht bleiben. Der erste Akte geht mit einer umwerfenden Arie der Frauen zu Ende.

Photos-pomp-003-150x150 Street Art (Foto: © Christa Blenk)

Chorus Tenor und Chorus Sopran (sie sind die einzig hellen Stimmen in dem Stück) beschwören einen bevorstehenden Aufstand der Römer gegen die Etrusker.  Lukretia liegt auf ihrem weißen Nachtlager während Tarquinius sich zu ihr schleicht, und obwohl sie sich mit allen Kräften wehrt, wird sie  zum Schluss von ihm vergewaltigt (sein Eindringen ins Schlafgemach wird von Trommeln begleitet, später wird es dann die weinende Harfe sein). Daniele Abbado vergleicht diese Schändung mit den Greueltaten der Nazis und vor uns laufen nun  Filmaufnahmen vor und während des 2. Weltkrieges ab: SA und  SS-Symbolik, Stiefel, Marschieren, Konzentrationslager.  Die Musik rastet aus. Am nächsten Morgen schickt Lukretia ihre Dienerin Lucia weg um ihren Mann zu holen. Er eilt – nichts Gutes ahnend – nach Rom und kommt gerade an,  als sie sich das Leben nimmt, weil sie mit der Schande und der Demütigung  nicht weiterleben kann und will. Dazu ist sie auf die Ebene des Chors geklettert und wickelt sich – während sie ein unheimlich berührendes Lamento singt – in dicke Seile und stirbt vor den entsetzten Augen Aller.

Die  Handlung wird von der Musik perfekt begleitet und wir spüren und hören das Entsetzen und das sich zuspitzende Drama. Die Musik von Britten ist eher traditionell, aber perfekt aufgebaut und ein echtes kammermusikalisches Meisterwerk. So war es auch gleich ein riesiger Erfolg bei der Premiere in Glyndebourne 1946. Es hat keine einzige langweilige Szene oder Note und jedes Instrument und jeder Ton ist perfekt auf die Handlung abgestimmt. Das Libretto ist ausgezeichnet und sehr anspruchsvoll, hat  manchmal sogar witzige Passagen.

Der Kriegsverweigerer und religiöse Pazifist Britten stellt hier sämtliche Ideale und Vorstellungen von Sitten, Ethik und Menschlichkeit an den Pranger und in Frage. Für die nur 13 Instrumente hat er eine dramatische, klare und subtile Sprache gefunden. Arien und Rezitative verbindet er miteinander und baut immer wieder Brücken zur Barockoper (Purcell) so auch u.a. mit der Passacaglia zum Schluss und mit Lukretias Lamento.

Die aufsteigende Mezzo Kirstin Chavez (sie ist zur Zeit die Vorzeige-Carmen)  ist eine sehr authentische und perfekte (zurückhaltende und trotzdem sehr verführerische) Lukretia. Sie hat uns mit ihren Darbietungen fast zum Weinen gebracht, zuerst mit ihrer Liebe zu Collatinus und dann mit ihrem Schmerz. Der kroatische Bariton Miljenko Turkist ein sehr überzeugender agressiver und zynischer Tarquinius.  Sehr gut in der Rolle des seriösen und würdigen Collatinus ist Roberto Abbondanza (Bass), Gabriella Sborgi ist die Zofe Bianca und Laura Catrani die frisch-fröhliche junge Lucia.   Philip Smith ist der neidische und mißgünstige Junius. Die Vorstellung war einfach nur perfekt und obwohl sie alle sehr textverständlich gesungen haben, gab es die Untertitel in englischer und italienischer Sprache.

Ein hinreissendes Werk in einem wunderbaren Umfeld, musikalisch ausgezeichnet – Sänger wie Musiker – nochmals hervorzuheben die beiden « Chöre »: Cristina Zavalloni und John Bellemer, die die Fäden immer wieder zusammen gebracht haben.  Großes Kompliment!

firenze-072-150x150 Teatro Goldini

Christa Blenk

 

 

Requiem di Hans Werner Henze – (articolo in italiano)

versione originale tedesco

Requiem di Hans Werner Henze - (articolo in italiano) dans Musique auditorium-002-150x150 Auditorium Sala Santa Cecilia

Meinst du, der alte Geiger,                            Tu credi, vecchio violino
Dem die Gestirne tanzen                                che fai danzare le stelle,
Zur starken Weltenfiedel,                               che la nostra vita terrena,
Wenn’s einmal abgespielt ist,                         una volta che sia finita
Noch einmal ‚runterspielen,                            diverrà nuovamente musica,
Nur höher, in der Quinte?                                Ma più alta, sulla quinta?
(Nikolaus Lenau, Der Steirertanz)                   (Nikolaus Lenau, Der Steirertanz)
 
(da Reiselieder und Böhmische Quinten)

Proprio quando Hans-Werner Henze all’inizio del 1990 riprendeva in mano una prima stesura del concerto per il Marigny per farne una rielaborazione, arrivò una telefonata da Londra, dalla Royal Opera House, Covent Garden. Si stava pianificando un concerto in memoria di Michael Vyner. Per tale iniziativa si chiese il contributo tra l’altro di Berio, Birtwistle, Górecke, Takemitus e anche il suo. Il concerto doveva essere eseguito dalla Sinfonietta London, dall’ensemble di Michael Vyner, che era deceduto due anni prima. Hans-Werner Henze decise di utilizzare il concerto per il Marigny come materiale di base per una composizione ciclica che occupa un’intera serata, cosa che aveva in mente da anni: il suo Requiem di 9 movimenti per pianoforte e solo di tromba e grande orchestra da camera per il ruolo drammaturgico. Una composizione per 33 strumenti, senza voci. Ciò che normalmente si canta viene trasmesso agli strumenti. Musica che parla di un’amicizia, della vita e della sofferenza, della speranza e dell’amore. Henze stesso la chiama “un’opera piena di immagini e di metafore di musica assoluta”.
Il primo movimento Introitus Requiem Henze aveva previsto come pianista Paul Crossely fu rappresentato in prima assoluta già il 6 maggio 1990, a Covent Garden.
Nel maggio 1990 Luigi Nono viene sepolto a Venezia Henze era presente muto e profondamente commosso. Dopo questa seconda perdita di un amico ritornò via Monaco di Baviera a Marino e scrisse un Triptichon per un quintetto di pianoforte. Più tardi questo pezzo avrebbe fatto parte del suo Requiem. Un Requiem senza canto.

Ora si passa all’opera
Il primo movimento Introitus per pianoforte e piccolo ensemble d’archi è una memoria di cose vissute insieme, è nostalgico e lento.
Dies irae il giorno dell’ira inizia con tamburi, quasi con allusioni al jazz, un giorno tremendo nella vita, o il più tremendo qualcosa d’ importante è andato perso. Un girarsi tra rabbia e impotenza.
L’ Ave verum parla dell’ammirazione di Henze per Hölderlin. Archi e pianoforte, nostalgici, romantici.
Con oboe, flauto e campanelli si prosegue per il Lux Eterna, un esplicito riferimento a Tristano. Henze pensa alla sua amata Marino con la luce del sole splendente e alla musica del pastore di pecore sull’Appia Antica.
Rex tremendae inizia con un assolo di tromba, si aggiungono i violoncelli e le percussioni. E’ uno Tsunami aggressivo e fanatico.
Un piccolo ensemble di archi introduce l’Agnus Dei. Henze ha ripreso il ritmo pastorale della missa solennis. Il suo Tubamirum è stato terminato, come ultima parte, nell’estate del 1992. E’ misto di marce, inni e canzonette, flash e fanfare. Musica da banda della peggior specie. Deve far venire i brividi (parole sue). Ottoni trombone temporale.
Un Lacrimosa pieno di dolore e piangente archi e piano ci riportano giù. Ma ci vuole un po’ prima che svanisca per noi la paura e il panico.
Il suo Sanctus per il quale i musicisti si distribuiscono nella sala, vuole squarciare il cielo di Tiepolo, per inondare un po’ il mondo triste con la luce perpetua. Nelle sue Reislieder mit böhmischen Quinten egli dice: “Il mio Requiem è laico, multiculturale e fraterno; è scritto in memoria di Michael Vyner. Questo nome rappresenta praticamente tutti coloro che sono scomparsi prematuramente nel mondo, e la mia musica lamenta le loro sofferenze e la loro morte.”

Frammento dal Requiem
La prima assoluta di questa stesura completa è stata eseguita soltanto nel febbraio 1993, in un concerto organizzato dal Westdeutscher Rundfunk, nella Filarmonica di Colonia, con l’Ensemble Modern, sotto la direzione di Ingo Metzmacher, l’allora stella nascente nel firmamento musicale contemporaneo, con Hakan Hardenberg alla tromba e Ueli Weigt al pianoforte. Il 5 settembre, alla prima britannica, c’è stata poi un’ulteriore rappresentazione di Oliver Knussen, nelle Proms, con Paul Crossley al pianoforte.

Poi, una rappresentazione all’Accademia Nazionale di Santa Cecilia e del PMCE Parco della Musica, intenso e suonato con concentrazione sotto la direzione di Tonino Battisa. Al pianoforte Giovanni Bellucci e alla tromba Nello Salza. La sala, piena per ¾ , con un pubblico relativamente giovane, ha vissuto il Requiem in silenzio e raccoglimento e dopo 75 minuti senza intervallo, ha richiamato gli interpreti con entusiasmo tre volte sul palcoscenico. E’ stato un concerto di hommage a Hans-Werner Henze, commovente (benché il concerto fosse stato in programma già nel Settembre del 2012, prima della morte di Henze).

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Hans-Werner Henze, nato nel 1926, ha trascorso la maggior parte della sua vita in Italia, precisamente a Marino (una piccola località vicino a Roma). E’ stato uno dei compositori più importanti del ventesimo secolo. Non voleva fissarsi su un determinato stile o prediligere una tecnica particolare. Henze è stato un compositore molto politico e sociale (We come to the river). Ha preso i testi per le sue opere tra l’altro da Ingeborg Bachmann (Der junge Lord) con la quale ha vissuto anche un periodo a Napoli, Wyston Hugh Auden (The Bassarids), Christian Lehnert (Phaedra) e Hans-Ulrich Treichel (Das verratene Meer). Nel Prinz von Homburg (anche questo un testo di Ingeborg Bachmann) si è avvalso di un testo di Heinrich Kleist. Hans-Werner Henze ha creato dieci sinfonie, un gran numero di opere concertate per ensemble e grandi orchestre, musiche da camera o opere vocali per solo, duetto e coro. La lista non finisce mai. Ha scritto anche più di 20 opere liriche, spesso rielaborate e con nuova orchestrazione… come era solito fare (p. e. das verratene Meer oppure il Requiem).

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Il grande maestro Hans-Werner Henze è deceduto il 27 ottobre a Dresda. Vi si trovava per assistere alla rappresentazione di Wir erreichen den Fluß. La sua ultima opera, Overture zu einem Theater, è stata suonata in prima assoluta a Berlino il 20.10.2012. Poco fa Antonio Pappano ha offerto questa piccola composizione al pubblico all’Auditorium, prima della rappresentazione della Petite Messe.

Christa Blenk
tradotto da Brigitte Mayer

Opera de Elzbieta Sikora « Madame Curie » – articolo in italiano

 

 Madame Curie – DVD

 Madame Curie – critique en français

youtube-Madame Curie – Musik-Ausschnitt

Portrait Elzbieta Sikora

 

Opera de Elzbieta Sikora

La prima assoluta di Madame Curie nell’UNESCO (11/2011 Paris)

Alla fine dell’anno della chimica l’ UNESCO festeggiò ancora un trionfo: la prima mondiale assoluta dell’opera Madame Curie di Elzbieta Sikora. Nella grande sala dell’UNESCO, la sala I, ci sono delle manifestazioni di ogni tipo. Il tema è cultural diversity: i 195 stati membri dell’UNESCO tentano di presentare il loro mondo e la loro cultura agli altri. Si può vedere delle rappresentazioni di balli asiatici, conferenze riguardanti poeti latino-americani e rappresentazioni di musica europea. Madame Curie è stata – dopo la rappresentazione dell’anno scorso dell’opera/teatro Experimentum Mundi di Giorgio Battistelli – di gran lunga l’evento più interessante e affascinante. La grande sala I dell’edificio Fontenoy certamente non è un luogo ideale per concerti e opere; ma l’ensemble ha dato prova che è un luogo possibile.

Già due anni fa la compositrice polacca Elziebta Sikora – che è arrivata a Parigi negli anni 60 e tuttora ci vive e lavora – ha iniziato con il lavoro di Madame Curie. Forse era previsto che quest’opera potesse essere rappresentata in prima assoluta alla fine dell’”anno della chimica”, ma in ogni caso è stato una cosa molto positiva per l’UNESCO e gli spettatori. Il libretto è di Agata Miklaszeweska – che avendo studiato psicologia e ha messo in risalto i problemi umani di Marie Curie. E’ stato secondario, cosa avesse finalmente sviluppato o scoperto. Determinanti sono stati la morte di suo marito, la sua Affaire con Paul Langevin, il suo problema con la società francese (soprattutto con gli uomini), e la sua indecisione, di ritirare o meno il premio Nobel, le sue ambizioni, l’America ecc.

Gioie, dolori, invidia, morte, provvidenza: Teatro greco allo stato puro. Al podio stava Wojciech Michniewski e dirigeva l’Opera baltica di Danzica. Strumentisti, coro, pianoforte concertando (qualche volta), grandi arie per i solisti, visioni nella scena accompagnati da una musica che continuamente cambiava, raccontava…

 Nella Madame Curie Elzbieta Sikora si è anche avvalsa delle sue esperienze con la musica elettronica con Pierre Schaeffer – ma non ha escluso la classica. Appositamente, dice. Arie incantevoli, soprattutto per Marie Curie, soli interessanti come il solo per clarinetto che accompagna Loie Fuller, meravigliosi pezzi di coro – il coro del resto gioca un ruolo molto importante a partire da metà dell’opera, p. e. quando i rumori del coro che legge il giornale intervengono nella musica, o nel duo delle tazze (c’è un pezzo simile nelle Tre Sorelle di Peter Eötvös – ma il presente è quello che è riuscito meglio) delle due figlie di Marie Curie, che vogliono costringere i genitori a prestare loro attenzione. (Io spero molto che Bernard Jourdain voglia interessarsi di Madame Curie con la sua opera Côté Chour).

E’ piuttosto difficile catalogare la musica – Elzbieta Sikora lo conferma in un’intervista.

Si è molto occupata di Marie Curie, ha letto le sue biografie e si è occupata di chimica e fisica. Forse è proprio grazie a questo che la sua creazione è riuscita così compatta e avvincente – lirica e contemporanea, poetica. Non esistono molte donne compositrici. Se lei ha elaborato anche tratti autobiografici non è dato a sapere – ma certamente ha dovuto lottare nella sua vita. Ambedue le donne venivano dalla Polonia e hanno scelto Parigi come loro seconda patria. Nel 1981 Elzbieta Sikora nel concorso per compositrici della città di Mannheim ha ottenuto il primo premio. Chantal Cazeaux ha accennato nella sua critica francese alla Classe Morta di Kantor – forse non solo a causa dei coristi simili a bambole.

Teatro musicale o opera? 30 quadri raccontati. La scenografia praticamente non cambia mai. Nel centro – davanti all’orchestra – un grande tavolo, dietro il quale c’è Anna Mikolajeczyk, che rappresenta una meravigliosa Marie Curie, con il suo camice grigio di laboratorio, i cappelli leggermente spettinati – quasi trascurata. Ad ogni lato del palcoscenico c’è una tribuna per il coro. Lo stesso rappresenta il pubblico e da questa tribuna Marie viene ammirata, lodata, insultata, disprezzata. I suoni d’insieme hanno raccontato la storia che si poteva leggere sopra il palcoscenico (l’opera era in lingua polacca).

La gente va e viene – Marie c’è sempre. Sul tavolo giace prima suo marito Pierre dopo l’incidente mortale e dopo Loie Fuller, la danzatrice meravigliosa, che accede al palcoscenico quasi sospesa – innocente, fragile, con la camicia da notte bianca, poi balla con Marie, finisce sul tavolo e vi muore – anche una vittima del Radio? La danzatrice americana Loie Fuller venne a Parigi nella Belle Epoque e destò grande meraviglia con le sue coreografie magnifiche. Una volta chiese anche alla Curie un poco di Radio per uno dei suoi costumi. Ma non so, se lo ha ottenuto. Nel libretto della Signora Miklaszeweska la risposta è affermativa.

Le opere contemporanee spesso hanno una vita breve. Vengono create, c’è la prima assoluta, e poi scompaiano spesso negli archivi. Questo senz’altro non sarà il destino di Madame Curie.

 Quando è stata annunciata la rappresentazione, mi sono preparata a un pezzo udibile con difficoltà e ho aspettato con gioiosa trepidazione quest’evento. Poi la rappresentazione è stata del tutto differente – dovevo pensare alle rappresentazioni delle opere di Henze, ma non esattamente. Mi piacerebbe molto rivivere quest’emozione ancora una volta. Purtroppo non è stato possibile per me, essere presente alle rappresentazioni dell’ultima settimana a Danzica.

 Christa Blenk

(tradotto da Brigitte Mayer)

 

Rienzi an der Oper in Rom

Rienzi an der Oper in Rom dans Musique anna-040-150x150 Ausschnitt Marc Aurel Säule an der Piazza Colonna

Rienzi kehrt nach Rom zurück
« Die Freiheit Roms sei das Gesetz, ihr untertan sei jeder Römer; bestraft sei streng Gewalt und Raub und jeder Räuber Roma Feind! » (1. Akt, 4. Auftritt)
Lug, Betrug, Verrat, Intrige, Untergang : und das 100 Jahre vor Machiavelli!
Im Wagner- und Verdi Jahr 2013 wurde zum ersten Mal „Rienzi – der letzte der Tribunen“ in Rom in deutscher Sprache aufgeführt – fast um die Hälfte gekürzt. Vor der Premiere entstand erst mal eine kurze Panik, da ein angekündigter Streik diese gefährdete. Aber Italien ist ja ein Land der Improvisation und so wurde die Premiere kurzerhand verschoben.

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Sacrum romanum imperium in der Mitte des 14. Jahrhunderts (Exkurs: Papstsitz war Avignon und der aus einfachen Verhältnissen stammende Notar und Gelehrte Cola di Rienzo war gerade wieder aus Avignon zurückgekehrt um – wie wir wissen vergeblich – den (französischen) Papst Clemens VI  dazu zu bewegen, nach Rom zurückzukehren):  Rienzi taucht auf, macht einen Versuch – mit Unterstützung des Klerus – Rom von der Gewaltherrschaft der Patrizierfamilien Colonna und Orsini zu befreien („Erstehe, hohe Roma, neu“)  und es den Römern zurückzugeben. Die wankelmütige Meute hält zuerst zu ihm, jubelt ihm zu, er zieht ins Kapitol, begnadigt auf Bitten seiner Schwester Irene und deren Geliebten Adrian (Sohn des Colonna), die Adeligen, die ihn ermorden wollten. Diese Tat verzeihen ihm die blutrünstigen Lumpen nicht und wenden sich von ihm ab, um sich einem anderen Schreier zuzuwenden. Adrian Colonna, liebt Irene aber mehr noch seinen Clan und muss ausserdem seinen von Rienzis Leuten getöteten Vater rächen. Irene zweifelt, bleibt beim geliebten Bruder, geht mit ihm in den Kerker und Rom brennt! Ob Rienzi ein idealistischer Befreier oder ein Tyrann war, bleibt unserer Fantasie überlassen?

Der 28-jährige Wagner hat sich gleich nach der Lektüre von Edward Bulwer Lytton’s Roman entschieden, aus dem Rienzi-Stoff eine „Grand Opéra“ zu komponieren – er brauchte einen Erfolg. Meyerbeer und Auber mussten übertroffen werden; ich denke er hat das geschafft. Wagners musikalische Dramaturgie ist perfekter und genialer durchkomponiert als die französische Oper des 19. Jahrhunderts – sie war nur viel zu lang und trotz Meyerbeer’s Fürsprache wurde sie in Paris abgelehnt. Die Uraufführung fand dann 1842 in Dresden statt.

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Vor vollem Haus triumphierte Richard Wagners dritte Oper Rienzi, eben weil sie gekürzt war, weil es kein Nibelungen-Thema war – wie die hiesige Presse vermerkte – , weil es in Rom spielt, weil es die römische Oper schlechthin sein könnte (wie Hugo de Ana erklärte) und weil die Musik so klingt wie eine Verdi-Oper. Dementsprechend wurde auch jedes Mal nach einer „belcanto Arie“ heftig applaudiert und somit sind dann aus den geplanten 3 ½  Stunden doch fast 4 geworden. Mit Rienzi hat Wagner zum ersten Mal Erfolg gehabt. Das Thema gibt Wagner viele Möglichkeiten zu bombastischen und wuchtigen Arien und Melodien, Märschen und Drohpartien – es ist fast immer laut, er haut auf die Pauke! (und wenn es mal zart und lieblich wird wie bei Adrians Arie „Gerechter Gott, so ist’s entschieden schon!“), dann wickelt garantiert ein Nachbar grad ein Hustenbonbon aus oder jemand geht raus oder ruft seine emails ab etc – das ist auch Rom).
Der Musikwissenschaftler Egon Voss sagte 1983 folgendes über den Rienzi: … So gelang Wagner mit dem „Rienzi“ erstmals ein Werk eigener Prägung … erstmals ist das spezifisch Wagnersche Idiom hörbar, das in Werken wie „Die Feen“ und „Das Liebesverbot“ weitgehend fehlt. Dennoch: Wagners Rienzi ist über weite Strecken eher eine italienische als eine deutsche Oper; Wagners Vorliebe und Begeisterung für Bellini hat sich keiner seiner Partituren so eingeprägt wie dem Rienzi …

Verständlich, dass die Oper in den 30er Jahren ständig aufgeführt wurde und zum Repertoire aller wichtigen Opernhäuser gehörte. Das hat sich nach dem Kriege geändert, Rienzi war als „profaschistisch verschrieen und wurde so gut wie nicht mehr aufgeführt. In Rom konnte man diesen „Jugendstreich“ von Wagner 1969 als „versione ritmica italiana“ mit Arrigo Boito unter Oliviero De Fabritiis sehen – seit dem nicht mehr.

Wagner selbst hat seinen Rienzi später vergessen wollen. Er nannte das Werk einen „Schreihals“. Während Eduard Hanslick, der ja Wagner kritisierte wo er nur konnte, den  Rienzi sehr positiv bewertete, vielleicht gerade deshalb! Auf Wunsch von Wagner wird sie in Bayreuth nicht aufgeführt.
Aber jetzt zur Aufführung:

Andreas Schlager ist der päpstliche Notar Cola di Rienzo, er ist – wie der Chor – ständig präsent und in rot-braunes Leder gewandet. Im ersten Akt schlicht, später dann mit einem pompösen kardinalroten Umhang – unter diesem deutet sich dann zum Schluss auch ganz dezent das „zweite“ Thema, der Inzest Rienzi-Irene an. Schlager übersteht diese sehr schwierige Rolle mit Auszeichnung. Die intensive und grandiose und sehr textverständlich singende Angela Denoke ist eine würdige Nachfolgerin von Wilhelmine Schröder-Devrient, die die Hosenrolle des Adrian bei der Uraufführung am 20. Oktober 1842 in Dresden inne hatte. Sie trägt  auch Leder, aber dunkelgrau. Gut auch Manuela Uhl die Rienzis Schwester und Adrians Geliebte Irene singt. Obwohl sie viel auf der Bühne ist, hat sie eher eine kleine Rolle. Roman Astakhov ist Stefano Colonna und Ljubomir Puskaric ist Paolo Orsini, Milcho Borovinhov übernimmt die Rolle des Rienzi-Vertrauten Raimondo.
Der Argentiner Hugo de Ana hat sich an die „Peplum“- Inszenierung von 1969 angelehnt: mit Säulen, Reiterdenkmäler à la Marc Aurel auf dem Kapitol, stehenden und umgestürzten Monumenten, z.T. aufwendigen Kostümen. Angereichert hat er seine Version – zu unserem (deutschen) Leidwesen – mit schwarzen Fahnen mit  Adler-Aufdruck, die Soldaten hatten Gewehre mit Bajonettenaufsatz und trugen Stahlhelme, die aufgestachelte Meute war grau. Diese Inszenierung war eine Mischung aus einem „Schwert- und Sandalen“ Schinken, einer Reportage aus dem Ersten Weltkrieg und einem Film von Leni Riefenstahl. Teilweise durchaus gelungen, aber nicht sehr originell. Cinecittà in der Oper. Minimal kann man dieses Werk ohnehin nicht inszenieren, weil die Bühne ständig voller Menschen sein muss.  Aber de Ana hat den einfachen Weg gewählt.
Am Pult Stefan Soltesz, er ist ein control freak und hat das ganz korrekte Orchester der Oper Rom sehr „belcantig“ dirigiert und es ausgezeichnet durch die komplexe Partitur gebracht. Großes Lob – auch für den omni-präsenten Chor unter Leitung von Roberto Gabbiani.
Christa Blenk
Zusatzinfo:
Im heutigen Rom kennt man Cola di Rienzo vor allem als lange schicke Einkaufsstraße in Prati auf der „Trastevere“-Seite von Rom, gleich hinterm Vatikan und die Palazzi von Colonna und Orsini öffnen am Samstag ihre Türen für Touristen und zeigen ihre Reichtümer und fantastischen Sammlungen.
Info zu Wagner-Aufführungen in Italien: Das großartige und imposante « Teatro Massimo » in Palermo  hat – leider – die für den Herbst geplanten Aufführungen von Siegfried und Götterdämmerung (Rheingold und Walküre waren dieses Frühjahr dran)  aus finanziellen Gründen « auf unbestimmte Zeit » verschieben müssen.

Wagner und Verdi

 

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Komponisten des XXI Jahrhunderts – Portrait einer Generation

Die Villa Medici in Rom, die seit 1666 als französische Akademie in Rom fungiert, hat dieses Frühjahr unserem Jahrhundert gewidmet.

Happening-Konzert in der Villa Medici

hier der link: Portrait einer Generation – XXI   —  Portrait d’une génération : version française

Komponisten des XXI Jahrhunderts - Portrait einer Generation dans Musique soulages-011-150x150 Foto © Christa Blenk – Loggia + Treppe Villa Medici soulages-004-150x150 dans Musique

Seit Ende März beherbergt die französische Akademie auf dem Pincio die Ausstellung « Soulages XXI »

 

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Portrait – Reihe

Schauspielerinnen / Sänger / Musikerin / Schriftstellerin / Komponistin

The man that hath no music in himself –    nor is not moved with concord of sweet sounds,  is fit for treasons  
 (Shakespeare – Merchant of Venice, V,I,83)

 

Portrait - Reihe dans Musique elzbieta-sikora-150x150 E. Sikora    2008.04-214x300-150x150 dans Musique U.  Brand

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marcello-nardis-portrait-150x150 M. Nardis morandini-150x150 G. Morandini

conc_st_germ_laye-150x150 Duo Pezzolo-Giosmon

 

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DVD Besprechung « Madame Curie » von Elzbieta Sikora

 

Eine Besprechung der ganz frischen DVD könnte Ihr auf Kultura-Extra lesen

Madame Curie – Besprechung

s.a.

Artikel nach der Premiere

DVD Besprechung Helena Aikin       petri_june-papineau-150x150 dans Musique June Papineau

 

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Music for 18 musicians – in der Sapienza

 

MUSIC FOR 18 MUSICIANS

Das gestrige Konzert in der Aula Magna der Sapienza (in San Lorenzo Rom) hat wieder mal die berührungsangstlose Programmgestaltung des IUC bestätigt. Vor zwei Tagen gab es noch lieblichen Mozart vor einem konventionellen älteren Publikum und am 9. 4. abends dann das Großwerk von Steve Reich, Music for 18 musicians – interpretiert von Ars Ludi Lab und dem Ready Made Ensemble unter Leitung von Gianluca Ruggeri. Musikstudenten aus Rom, Salerno, Benevento, l’Aquila und Latina haben mitgewirkt.

Zu Beginn Nagoya Marimbas für zwei Marimbaspieler. Steve Reich (1936)  hat es 1994 komponiert und damit nochmals auf seine Music for 18 Musicians aus 1976 hingewiesen. Aber dazu später. L. Bloise und F. Cuozzo interpretierten das kurze Stück – repetitiv und ruhig – wie ein kleine Reise auf der nichts passiert, oder wir merken nicht, wenn etwas passiert. Gleich im Anschluss ein Stück von David Lang (geb. 1957) I lie für 4 Frauenstimmen. Lang hat es 2001 komponiert, und wunderbar vorgetragen wurde es von Ilaria Severo, Paola Ronchetti, Antonella Marotta und Marta Zanazzi – sie gehören zum Ready Made Ensemble. Dieses hat sich 2002 gegründet und auf Musik des 20. und 21. Jahrhunderts spezialisiert. I lie ist wie ein gregorianischer Gesang, der sich ganz langsam dem Jazz zuwendet. Die Komposition ist harmonisch und zeitlos, beruhigend und schön. Das dritte kurze Stück Out of Zaleski’s Gazebo für 2 Klaviere und 8 Hände! Gavin Bryars (geb. 1943) hat es 1977 komponiert. Es ist obsessiv-repetitiv und schön insistent. Man stelle sich 12 Minuten vor, in der ein Privatdetektiv einen Auftrag erhält und dann heimlich und versteckt immer die gleiche Person beobachtet. Wieder passiert fast nichts und doch ist am Ende alles anders. Alle paar Minuten denkt Bryars an Wagners Holländer, und es fließen ein paar Takte seiner Musik in das Stück ein, dann geht es aber gleich wieder weiter mit dem langweiligen Beobachten. Aufhören tut es fast romantisch, Chopin-mäßig, aber nur ein paar Sekunden. Herrlich und sehr amüsant. Das Publikum – sehr jung und sicher viele davon Freunde der Musiker – war sehr aufmerksam und ganz ruhig. Kein Husten oder Schwätzen oder Bonbon entwickeln.

Ganz kurze Pause, um die Bühne für Steve Reichs Music for 18 Musicans vorzubereiten. Dazu wird es dunkel (schreiben kann ich nun nicht mehr und muss mir alles merken). Nur auf der Bühne werden drei gelblich-weiße Scheinwerfer angebracht, die die Bühne und einen Teil der Musiker (18 natürlich  und 4 Sängerinnen) und die darüber den Saal dominierende – ziemlich schreckliche – Wandmalerei aus den 30er Jahren ausleuchten.

Zwischen 1939 und 1942 hat der 1936 in  New York geborene Steve Reich die meiste Zeit auf Reisen zwischen Ost- und Westküste verbracht, um jeweils einen Elternteil (sie haben sich sehr früh getrennt) zu besuchen. Diese Eindrücke bzw. Nicht-Eindrücke kommen in seiner Musik immer wieder raus. Seine Minimalkompositionen sind wie eine lange Zugreise, bei der man ab und zu mal ein Auto oder eine Kuh sieht und die Lokomotive pfeift. Music for 18 Musicians ist eine einstündige Reise, die aber genauso gut 3 Tage dauern könnte. Besser als Steve Reich es tat, kann man Weite und positive Langeweile nicht ausdrücken. Wie alle großen Musiker in dieser Zeit besuchte er die Juilliad School, war Schüler bei Luciano Berio und Darius Milhaud.  Er ist immer noch einer der wichtigsten lebenden amerikanischen Komponisten, Wegbereiter der Minimalmusik und Vorbild. Als er vor zwei Jahren seinen 75. Geburtstag feierte, gab es Konzerte rund um den Globus.

Das 60 Minuten-Werk ist nun « the big trip » – die Reise in ein neues Leben – es ist für die Musiker sehr fordernd und anspruchsvoll und hat die Bühne der Aula fast gesprengt. Links und rechts jeweils 2 Pianos, in der Mitte die beiden Marimbas und das Xylophon, vorne links die Klarinetten und Saxophone (die wechseln ständig ihre Instrumente), rechts die Streicher, jeweils am Rande die Sopran- und Alt-Sängerinnen. Sie haben sich allesamt glänzend geschlagen und wurden dafür vom Publik sehr belohnt. Für uns Zuhörer war es ein Genuss, man reist mit der Musik und freut sich über jede kleine Abwechslung und jedes kleine Abenteuer. Bravi!

Christa Blenk

 

 Steve Reich – music for 18 musicians

 

 

Minimal Art : Guillermo Lledó (der erste von links)

Music for 18 musicians - in der Sapienza dans Musique 3D-0D-+3D_3-150x97glledoegam091.vignette dans Musique

 

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Die Solisten der Berliner Philharmoniker

6. April 2013

Die Solisten der Berliner Philharmoniker am Samstag Nachmittag in der Aula Magna der Sapienza in Rom

1999 haben sie sich auf Initiative des Oboisten Christoph Hartmann zusammengetan und das kleine Ensemble gegründet. Nach Rom kamen die Geiger Eva Tomasi, Christoph von Nahmer und Walter Küssner, der Cellist Clemens Weigel und Christoph Hartmann mit der Oboe. Allesamt sind sie
technisch perfekt und sympathisch.

Die Solisten der Berliner Philharmoniker dans Musique berlin-017-150x150 Street Art Berlin

Nach einem etwas chaotischen Einlass, der Computer der Kasse hat nicht funktioniert, weshalb man keine Kontrolle mehr hatte über die verkauften nummerierten und freien Plätze. Was dazu führte, dass die Schlange an der Nachmittagskasse nicht kleiner wurde, weil jedes Ticket von Hand ausgestellt werden musste. Deshalb konnte das Konzert natürlich auch nicht pünktlich anfangen, sondern erst ca . 20 Minuten später. Wir hatten Glück und haben alle einen guten Platz ergattert – obwohl wir zu 7. waren (darunter drei musikalische Kinder bzw. Jugendliche: Lucia, Silvia und Amélie, die sich weit weg von uns gesetzt haben – um ihre Ruhe zu haben).

Der Saal der 30er Jahre der Aula Magna eignet sich sehr gut für ein sogenanntes Kammerkonzert, er ist zwar groß, hat aber - wie in Bayreuth – Holzstühle und deshalb eine gute Akustik.

Als erstes kamen alle fünf Musiker auf die Bühne und spielten ein nicht sehr bekanntes klassisches vor-romantisches „Divertimento in do maggiore, op 9“ von Bernhard Crusell (1775-1838). Es ist 1822 entstanden und sehr schön anzuhören. Wunderbare Oboen-Partien, die Christoph Hartmann mit
viel Humor und Talent dargebracht hat. Crusell ist nach Sibelius der wichtigste finnische Komponist des 19. Jahrhunderts. Er selber war ein Klarinettenspieler. Gleich im Anschluss hat dann Eva Tomasi unter viel Applaus die Bühne verlassen und es ging weiter mit einem Quartett „Phantasy Quartet, op. 2.“ Von Benjamin Britten (1913-1976). Er hat es 1932 komponiert und die Musiker haben damit seinen 100. Geburtstag gefeiert. Ein wunderbares Stück. Die Oboe darf wieder glänzen. Britten war grade mal 20 Jahre alt als er es komponierte und wollte unbedingt alles anders machen als die Klassiker des letzten Jahrhunderts. Sein Stück ist einfallsreich, spritzig, abwechslungsreich und unterhaltsam.

Das letzte Stück vor der Pause war dann endlich Mozart’s „Quartetto con oboe in fa maggiore, K 370“. Mozart hat es um 1781 – also 40 Jahre vor Crusell – komponiert. Er war grad mal 17 Jahre alt! Viel Applaus und Pause!

berlin-020-150x150 dans Musique Street Art Berlin

Wir tauschen uns mit den drei jugendlichen Musikerinnen aus und alle drei waren sich einig dass sie Crusell und Mozart den Vorzug geben. Interessant! Wir  Alten favorisierten ganz klar den Britten.

Nach der Pause kommen dann wieder alle 5 Musiker zum Zuge und spielen die „Serenata in si bemolle maggiore, – Gran Partita K 361“. Die kennen wir nun alle, aber die Berliner haben wirklich eine Glanzleistung hingelegt. Es gab nicht die komplette Serenade – obwohl es im Programm so stand – aber Christoph Hartmann hat dann in sehr schönem Italienisch dem Publikum mitgeteilt, dass sie die Version von Franz Joseph Rosinack, ebenfalls Komponist, Oboist und Freund von Mozart, spielen werden. Dieser, Rosinack, hat in Donaueschingen eine große Zahl von Werken arrangiert und neu bearbeitet, das war so was wie ein Hobby von ihm, d.h. wir hören nur 4 von den ursprünglich 7 Sätzen für 13 Instrumente. Rosinack hat sogar größere Werke bearbeitet und war sehr erfolgreich darin.

Ein rundum gelungenes Konzert – wie eigentlich immer in der Sapienza – und wir sind alle gut gelaunt zum Pizza-Essen gegangen.

 

Christa Blenk

 

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