Archives pour la catégorie Musique



« Impressionen »-Highlights in 2013

Favoriten – Ausstellungen – Konzerte – Lesungen und Entdeckungen!

Hier also ein kunst-musikalisches Pot-Pourri! Hinter jedem Foto liegt der Text bzw. im Begleittext sind verweisende links eingebaut.

Blicke  auf Rom, vom Big Bamboo,  ins Mittelmeer (Ravello), von den Wolken (Cerro), auf den Atlantik (Gois), auf die Antike (Montemartini)

bigbamboo3P1120803Ravello 028nubeP1110863P1090926

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Der große Maestro Hans-Werner Henze ist am 27. Oktober 2012 in Dresden verstorben. Dort hielt er sich gerade auf, um bei der Aufführung von „Wir erreichen den Fluss“ dabei zu sein. Sein letztes Werk „Ouvertüre zu einem Theater“ wurde am 20.10.2012 in Berlin uraufgeführt! Pappano hat diese kleine Komposition dem Publikum  im Auditorium vor kurzem vor der Aufführung der  „Petite Messe“ seines Requieums im Auditorium in Rom am 10. März 2013 geschenkt.

Auch Geburtstag feierte Benjamin Britten mit Curlew River und in Florenz mit der Schändung der Lukrezia. Und natürlich Verdi und Wagner. Eine große Cellistin und Expertin für Zeitgenössische Musik ist Ulrike Brand.

Auditorium 007 Henze Requien im AuditoriumVersione italiana

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Projektkünstler Hannsjörg Voth hat in der Wüste von Marokko (Marha Ebene) drei faszinierende Großwerke in 20 Jahren errichtet. (Text Portrait Christa Blenk). Der Katalogtext von Emanuel Borja existiert in 5 Spachen.

Pace Barón ist ein landart-Künstler der anderen Art. Ein weiterer « hors série » Künstler war Marcel Duchamps – seine ready mades sind immer noch in der GNAM zu bewundern.

voth  Hannsjörg Voth und drei Projekte in der Marha Ebenetexte francaisversion españolaEnglish version of text –   Versione italiana

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QNG ist keine Abkürzung einer neuen internationalen Organisation oder ein Tippfehler, sondern steht für « Quartet New Generation » und so originell wie ihr Titel ist auch ihre Musik. Heide Schwarz, Susanne Fröhlich, Petra Wurz und Inga Klaucke kamen auf Einladung des Goethe Instituts nach Italien und nach einem Auftritt in Palermo und Neapel, standen sie am Samstag Abend in Rom in der Via Savoia auf der Bühne. Auch mit Flöte befasste sich ein Happening im Auditorium.

Flöte 006QNG Flötenkonzert – Phantasie und Symmetrie

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You can’t, you won’t, you don’t stop. Immer höher! Vor diesem Kunstwerk steht kein « bitte nicht anfassen »-Schild! Im Gegenteil: man soll dieses leicht transparente Geflecht sogar berühren und wenn man sich traut, darf man das hohe kolossale Monster – nach Unterschrift eines Haftungsausschlusses – sogar erklimmen. Wir haben den Berg, trotz Anfangszweifel, bis ganz oben bezwungen! Im MACRO wirden außerdem jedes Jahr der « Artist of the Year » der Deutschen Bank präsentiert. Um nicht mehr entkommen können geht es auch bei Blaubarts Burg.

bigbamboo2 025Big Bambou im MACRO Testaccio

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Die US-schweizerische Installationskünstlerin June Papineau, verbringt seit 2004 viel Zeit mit ihren Bäumen im Etournel. Umgeben von Elfen und Baumgeistern arbeitet sie an ihren « tree skins » bis sie abtransportiert und ausgestellt werden. Der nächste – great goyesco – wir 2014 in Lausanne zu sehen sein. Ein Besuch mit ihr in diesem Moor-Biotop war ein Abenteuer der ganz besonderen Art. Und Paola Romoli befasst sich mit den Mägen der großen Meeresbewohner.

Auch mit einer Nase hat sich Schostakowitsch beschäftigt. Seine Oper wurde in Rom – Regie Peter Stein – aufgeführt. Eine weitere starke Amerikanerin war Louise Nevelson.

etournel 043 Great Goyesco – Zwischen Moorgeistern und Laubfrauen

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Helena Aikin ist fasziniert von Labyrinthen und ihren Geschichten und baut sie in verschiedenen Größen und Plätzen der Welt nach. Eines ihrer Werke ist im Kunst- und Naturpark Cerro Gallinero in der Nähe von Avila in Spanien zu begehen.

evora1Walkable Labyrinths

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Faszinierende Ausstellung der Werke von Pierre Soulages in der Villa Medici in Rom. Die französische Akademie organisiert ausserdem Konzerte meistens mit zeitgenössischer Musik wie dieses Portrait des XXI Jahrhundets z.B. Das Romaeuropa Festival hat auch in der Villa Medici stattgefunden. Ein Abend für Stockhausen.

Theatermässig war das Festival ebenfalls sehr aktiv u.a.mit den Wohlgesinnten, Hedda und dem Kulturquizz  The power of theatrical madness. Mit Theater befasst sich auch Isabelle Huchet

Soulages2 002Soulages in der Villa Medici

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Der italienische Tenor Marcello Nardis singt die Wesendonck Lieder in Ravello und verzaubert in Klingsors Garten das Publikum – am Klavier wunderbar Laura de Fusco.Vor kurzem hat er hier in Rom die « Winterreise » vorgetragen. Hier gibt es mehr Infos über Marcello Nardis.

Pina Bausch in Neapel rundete die Ravello Reise ab.

Ravello 067 Marcello Nardis a Ravello

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Eugen Ruge schreibt ein Buch über Cabo de Gata und hat damit alte Erinnerungen geweckt. César Borja hat zum Cabo auch eine besondere Beziehung. Eine andere Lieblingsecke von mir ist am Atlantik – der Gois und dort gibt es eine Besonderheit: die Barrieren in der Vendée.

SAN2 Cabo de Gata -  Buchbesprechung Eugen Ruge

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Tizian ist der Größte, die Ausstellung in den Scuderien del Quirinale in Rom hat das wieder einmal gezeigt. Samson und Dalila hat er auch einmal gemalt. Aber hier geht es um Musik.

Zur Zeit zeigen die Scuderien die Ausstellung über Augustus und Cleopatra. Dazu passt dann ein Besuch beim Centrale Montemartini.

Tizian in den Scuderien – Großausstellung in Rom

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Sibylle Lewitscharoff las in der Casa di Goethe aus ihrem Buch « Blumenberg » vor und alle wünschten sich anschließend auch einen Löwen! Sie ist 2013 Stipendiatin der Villa Massimo – die Musikstipendiaten dieses Jahr waren ebenfalls sehr aktiv und Casa di Goethe hat nun eine Reihe mit Dichterlesungen begonnen. Giuliana Morandini lebt zwar nicht über Berlin – schreibt aber am liebsten über Mitteleuropa. Und die wunderbaren Holzskulpturen sind Werke von Emanuel Borja.

borjaprimordial 011Blumenberg – Lesung Casa Goethe

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The Cast im MAXXI. Clemens von Wedemeyer befasst sich mit dem italienischen Kino und entführt uns ins besetzte Teatro Valle und nach EUR. Dort hat schon des öfteren Tiziana Morganti ausgestellt. Von Wedemeyer  ist dieses Jahr ebenfalls Stipendiat der Villa Massimo. Ebenfalls im MAXXI die Ego-Reise Stigmata.

P1120848The Cast im MAXXIversione italiana

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Der russische Pianist Mikhail Rudy hat in der Aula Magna die  Originalversion von 1928  für Piano und synchronisierter Videoinstallation vorgetragen. Ein akkustisches und visuelles Erlebnis. Das Programm der Aula Magna ist aber auch sonst immer aufregend und speziell, so gab es eine Reise mit Steve Reich, ein  Konzert zu Ehren Luciano Berio und Paul Angus mit Zauberei und Mythos.

Kandinsky Musorgsky con pianoforteInspirationen: Hartmann – Mussorgsky – Kandinsky

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Entdeckung

Spurensuche Wohin 2013 KopieDie Entdeckung in der Künstlerszene ist die Fotokünstlerin  Christa Linossi und ihre Spuren kann sie ab jetzt nicht mehr verwischen. Auch entdeckt haben wir die Sammlung Netter und natürlich die DVD der neuen Oper von Elzbieta SikoraMadame Curie!

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und als Special

Vernissage-Tiziana 075natürlich die Vernissage Tiziana Morganti im Juni

Portrait für KULTURA EXTRA

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Aber nicht nur über Veranstaltungen in Rom und Italien wurde berichtet. In Paris gibt es  eine Ausstellung über Poliakoff, über den flämischen Maler Jordanes und über die wunderbare Ausstellung Renaissance und der Traum.

In München wurde die Neue Pinakothek wieder eröffnet,

Paris 1900 André Boudreaux

Ende der Highlights

Vielen Dank an Brigitte Mayer, Jean Noel Pettit, Irmi und Dan Feldman, sie haben an den verschiedenen Übersetzungen gearbeitet.

Kommentare über Ihre persönlichen Highlights sind herzlich willkommen!

Christa Blenk

Luigi Campoccia – On the way to Damaskus

IMG_0971kleinCesar Borja – Detail der Arbeit « Trieste »  – der Orientalist Richard F. Burton (s. auch die beiden nächsten Ausschnitte)

CD Beschreibung

IMG_0975Auf dem Weg nach Damaskus.IMG_0970

Von der Insel Elba bis nach Smirna. Der Pianist und Komponist Luigi Campoccia hat sich mit Önder Focan und Senol Filiz zusammen getan; eine Reise mit dem Orient-Express ist dabei herausgekommen.

Es beginnt mit sehnsüchtigen Soufi-Jazz-Tönen. Dann mischt sich diskret das Saxofon ein und es wird klassischer. Charlie Parker ist der Vater von Daniele Malvisi. Jazz-Standards werden ganz leicht angedeutet. Die Reise hat begonnen, schnell schnell zum Bahnhof (denn sie wird natürlich nicht mit dem Flieger zurückgelegt – das ginge ja zu schnell). So flugs wollen wir nicht am östlichen Mittelmeer ankommen. Das Piano übernimmt ganz ungeduldig. Die Landschaft rast an uns vorbei – immer noch in Italien. Breathing Shell ruhig und sehnsüchtig – es wird Nacht. So geht es weiter – immer ein Hin – und Her zwischen Orient und Occident. Der Weg ist das Ziel. Oasis, Cici Kiz, Middle Way heissen die nächsten Abschnitte. East meets West mit allen obligatorischen Unvereinbarkeiten, die dann doch keine sind – wie sich herausstellen wird. Westliche und östliche Ästhetik und Rhythmen wechseln sich ab und der Sahara Wind weht dazu. Soft Jazz und Hintergrundmusik dann wieder zum Ausruhen bevor der Trip weiter geht. Kacsam Birakip, Over the Carpet, Dawn, Belly Dance. Ein romantischer Einstieg, der dann gleich wieder von Soufi Flüstern begleitet wird. Schöne Piano-Stelle und ich höre immer eine Flöte, die es aber gar nicht gibt. Wir sind wohl angekommen und Orient-Zauber kommt ins Spiel. Jetzt wird noch die richtige Bleibe gesucht; dann geht es schwungvoll und sehr rhythmisch über den Teppich und bevor uns die Luft ausgeht gleich ins Restaurant mit Animation! Dort erwarten uns nach dem Aperitif und westlichen Standardtänzen die Derwische und wirbeln über das Parkett. Fantasievoll und originell die CD.

Luigi Campoccia, piano; Paolo Corsi, Schlagzeug und Percussion; Rossano Gasperini Bass; Daiele Malvisi, Saxophon; Aziz Senol Filiz, Ney Önder Focan, Guitarre.

Johann Wolfgang von  Goethe  hat sich  in seiner umfangreichen Gedichtesammlung West-östlicher Divan,  1819 – inspiriert durch den persischen Dichter Hafis – , mit diesem Thema auf eine sehr vorausschauende, romantische und sehnsüchtige Weise auseinander gesetzt.

Wer sich selbst und andere kennt,
Wird auch hier erkennen:
Orient und Okzident
Sind nicht mehr zu trennen. … (Goethe)

 

Fouad Bellamine Artist: Fouad Bellamine

Christa Blenk

VERSIONE ITALIANA

 

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Antonio Pappano im Auditorium

Antonio Pappano und Radu Lupu:

Am 17.12.2013 begeisterten die Beiden den vollen Saal Santa Cecilia.

Pappano beginnt jedes Konzert mit ein paar Worten. So hat auch das Publikum noch eine Galgenfrist, sich zu beruhigen und alle Telefone auszuschalten und um die letzten Bonbons auszuwickeln. Dieses Mal erklärte er dem Publikum, dass sie zuerst Britten hören müssen, um dann Mozart und Brahms zu bekommen. Und dass doch bitte niemand auf die Idee käme, das Orchester würde falsch spielen. Das wirkte! Aufmerksam und fast andächtig hörten sie 20 Minuten die « Sinfonietta da Requiem op.20 für Orchester ». Ein sehr schönes Stück!

Kurzer Umbau und Auftritt von Radu Lupu für das Klavierkonzert Nr. 23 von Mozart. Lupu kommt jedes Jahr nach Rom und wird gefeiert. Nach einer kurzen Zugabe eine kleine Pause bis dann die Erste von Brahms gespielt wurde.

Pappano, den das Publikum genauso liebt wie ihn seine Musiker verehren verabschiedete einen von ihnen nach 38 Jahren Zugehörigkeit. Typisch für Pappano! Immer gibt er etwas Ruhm an Jemanden ab. Sei es weil er das Konzert jemanden widmet (das letzte Mal war es Henze) oder weil er jemanden anderes in den Mittelpunkt stellt. Er ist großartig!

Christa Blenk

Auditorium 001

 

Villa Massimo zu Gast im Auditorium Parco della Musica

Auditorium 001

If this word « music » is sacred and reserved for eighteenth and nineteenth century instruments, we can substitute a more meaningful term:  organization of sound.  (John Cage)

Alle Jahre wieder: Das schon traditionelle und immer originelle Abschlusskonzert der Musikstipendiaten der Villa Massimo im Auditorium Parco della Musica fand dieses Jahr zum 7. Mal am 10. Dezember im großen Saal statt.

Orchester und Publikum saßen – auch wie immer – auf der Bühne. Die zahlreichen Galerien um dieses doch sehr großflächige Podium wurden durch Holz-Paravents abgeschirmt. Dieses zauberte eine Art intim-mysteriösen Musik-Insel-Kammersaal und brachte die Zuhörerschaft sehr nah an die Musiker heran. Man bedenke, dass der Saal ansonsten 2800 Zuhörer aufnehmen kann. Die ca. 150 vorgesehen Plätze auf der Bühne waren auch alle so gut wie besetzt.

Auch Tradition ist mittlerweile die Teilnahme des Ensemble Modern aus Frankfurt. Am Pult dieses Jahr der Amerikaner Erik Nielsen. Der Oboe-Solist war Christian Hommel. Maestro Nicola Sani hat das Programm zusammen gestellt. Da konnte ja eigentlich gar nichts mehr schiefgehen. 

Vier Komponisten wurden uns gestern Abend präsentiert: Die beiden begnadeten Stipendiaten der Villa Massimo Birke J. Bertelsmeier (*1981) und Stefan Johannes Hanke (*1984), kennen wir ja schon vom Hauskonzert in der Villa Massimo im Oktober, hinzu « gesellten » sich dann noch Luca Lombardi und Bernd Alois Zimmermann.

Die 11-minütige Uraufführung von Birke Bertelsmeier heißt „Giromaniaco“. Leider hat sie uns im Dunkeln gelassen, warum das Stück so heißt: kommt es von der Manie alles umzudrehen? Das würde dann erklären, warum der 1. Geiger ganz hinten stand, d.h. neben mir! Oder ist es vielleicht schon das aufkommende Reisefieber, weil sie ja im Januar die Villa Massimo verlassen muss? Das Abschiedsständchen hat sie jedenfalls in Form von „Arrivedeci Roma“ zwischen trauriger Zirkusmusik und einem weinenden Clown eingebaut – ich könnte jedenfalls schwören, dass ich es rausgehört habe! Ansonsten war es ein Dialog zwischen dem neben mir stehenden Geiger und dem Orchester sowie zwischen Querflöte und Geige. Gelungen! Sie hat schon mit 8 Jahren zu komponieren begonnen und sagt dazu: „Die Stücke, die ich spielen sollte, haben mir aber nicht immer gefallen. Deshalb begann ich, meine eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Also habe ich komponiert. Es reizte mich einfach, Musik zu erfinden und sie dann zu spielen“.

Stefan Hanke mag Tiere (das haben wir schon beim Hauskonzert gelernt). Seine Uraufführung „About happy animals (not in the score), war Hatari pur. Genial und wunderbar wie er all die Dschungel-Tiere erst mal vorstellt und sie dann sich unterhaltend und sich bestens verstehend und sich gegenseitig von Buschtrommeln und Ritualtänzen begleitend, durch die Wildnis zum Wasserloch promenieren lässt (da ist die Welt noch in Ordnung, und aufgefressen haben sie sich auch nicht).

Beide Kompositionen stammen aus 2013 und sind damit Kreationen, die während ihres erfolgreichen Aufenthaltes in Rom entstanden sind.

Nach einem Musiktheater für alle ab 7 Jahren mit dem schönen Titel  « Teufel mit den drei goldenen Haaren », wird Hanke ab 2014 im Auftrag der Staatsoper Hannover an einer Oper nach dem Janosch Kinderbuch « Oh wie schön is Panama » arbeiten.

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Der italienisch-israelische Komponist Luca Lombardi ist 1945 geboren und damit trennt ihn mehr als eine Generation von Bertelsmeier und Hanke. Er hat u.a. auch in Wien, Köln und Berlin Klavier und Komposition studiert. Zur Zeit lebt er zwischen Rom – ganz in der Nähe wo Hans Werner Henze lebte – und in Tel Aviv. Von ihm gab es zwei Stück zu hören.

Psalmus VI di für neun Instrumente“ – eine nur 5 Minuten dauernde delikate aber nicht nostalgische Renaissance-Motette, bearbeitet hat er sie 1991 nach einem Stück des französisch-flämischen Renaissance Komponisten Josquin Desprez. Das andere Werk nennt er Infra, und so hat es sich auch angehört. 15 drohend- pathetische mit schüchtern orientalischen Referenzen versetzte Minuten lang schwankten elf Musiker – viel Blech und Holz und wenig Streicher – Hin- und Her zwischen Freund und Leid, zwischen Alt und Neu. Auch deshalb passte es so gut ins Programm und zu Zimmermann, der übrigens einer seiner Lehrer war!  Typisch für Lombardi, dieser krasse Gegensatz. Ursprünglich gehörte er der musikalischen Avantgarde der 70er Jahre an bis er sich für einen politisch-sozialen Weg entschloss, u.a. auch nach einen Begegnung mit Paul Dessau in Berlin 1973.

Mit dem 1952 komponierten Konzert für Oboe und kleines Orchester von Bernd Alois Zimmermann (1918-1970) ging das Konzert zu Ende und somit war auch die musikalische Avantgarde von Anfang/Mitte des 20. Jahrhunderts vertreten. Zimmermann musste kriegsbedingt sein Musikstudium vor dem Krieg abbrechen und konnte es erst 1947 vollenden.

Bernd Alois Zimmermanns Oboenkonzert für kleines Orchester pendelt zwischen der Spätromantik und dem 20. Jahrhundert hin und her. Der erste Satz hört mit einer Beethoven-Referenz auf, zwischendurch eine Hommage an Hindemith, Strawinsky und den Expressionismus, ständige Stimmungsschwankungen, technisch sehr schwierig und anspruchsvoll, aber ein sehr ästhetisches Stück (das ich noch nie vorher gehört hatte). Hommel hat sich ausgezeichnet geschlagen. Elegant, klar, energisch und geschmeidig hat er die öfteren Soli nur so hingeschmettert. Serielle Musik und die Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik, die er ab 1948 besuchte, haben allerdings auch Spuren in diesem spannenden Werk hinterlassen. Ein sehr virtuoser Solo-Triller fast zum Schluss bis dann das dynamische und immer schneller werdende und reiche Finale eingeleitet wird und Orchester und Solist wieder vereint sind. 15 schöne Minuten! Zimmermann selber hat sich als der «Älteste unter den jungen Komponisten» gesehen. Die Idee zu seinem Oboenkonzert stammte seinerzeit von Lothar Faber. Mit einem Augenzwinkern vereint er die Rivalen Schönberg und Strawinsky und konstatierte “ein Gräuel für superorthodoxe Dodekaphonisten”.

Bei diesem wunderbaren Konzert für Oboe war das ausgezeichnete und renomierte Ensemble Modern dann schließlich richtig gefordert. Zimmermann war übrigens auch einmal Stipendiat der Villa Massimo und zwar im Jahre 1957. Und somit schließt sich dann der Kreis.

Christian Hommel ist 1963 geboren und hat in Freiburg bei Heinz Holliger Oboe studiert und sich auf zeitgenössische Musik spezialisiert, oder jedenfalls spielt sie eine große Rolle in seinem Wirken. Als Oboist und Dirigent tritt er in ganz Europa, in den USA und in Asien auf. Einige Jahre war er beim Kölner Kammerorchester Oboist. Zur Zeit ist er Professor an der Hochschule für Künste in Bremen und dirigiert das deutsche Jugendsymphonie Orchester. Seit 2008 gehört er zum Ensemble Modern und hat im letzten Jahr als Oboist hier in Rom mitgespielt.

Viel verdienter Applaus für die Musiker und die Komponisten die, bis auf Zimmermann natürlich, alle anwesend waren!

Christa Blenk

Auditorium 004

Villa Massimo

P.S. der Artikel ist gekürzt auf die Uraufführungen in KULTURA EXTRA erschienen

Und wenn Sie jetzt noch mehr über die beiden Nachwuchskomponisten wissen wollen, dann finden sie die Beschreibung vom Hauskonzert hier: Hauskonzert

u.s. auch Konzert im Oratorio Gonfalone

 

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Flöten-Happening am 1. Advent

P1120820 vor dem Konzert im großen Saal Santa Cecilia im Auditorium

Die Flöte ist wahrscheinlich des älteste Instrument auf der Welt! Die ersten, aus Knochen hergestellten Blasinstrumente, sind vor ca. 35.000 Jahren entstanden.  Die Homo sapiens neandertalensis haben schon darauf gespielt – sagt man -  (und jeder der den Film Cave Man gesehen hat weiß, wie das Singen zur Musik kam!). Im Barock hatte die Blockflöte eine sehr wichtige Rolle, Bach hat ganze Stücke für sie geschrieben. Die Romantiker konnten mir ihr weniger anfangen, sie war ihnen nicht gewaltig und pathetisch genug! Der Impressionist Debussy hat sie dann wieder salonfähig gemacht.  Die Querflöte ist über China im Mittelalter nach Europa gekommen.

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Im Auditorium Parco della Musica fand am 1. Advent das Festival  » Flautissimo » statt. Über 200 jugendliche Querflötenspieler haben sich in Rom getroffen, um gemeinsam zu musizieren. Unterstützt wurden sie dabei von ausgezeichneten Flötensolisten aus ganz Italien wie Riccardo Ghiani, Laura Pontecorvo, Luisa Sello.  Sehr beeindruckt hat uns der Schweizer Matthias Ziegler, der auf verschiedenen Kontrabassflöten spielte und manchmal ein ganzes Orchester ersetzte. Die ausgewählten Musikstücke waren  u.a.  von Debussy, Saint-Saens und Vivaldi.

Eine schöne Idee, dem Publikum und den Jugendlichen (50% der Anwesenden waren Kinder) so ein Instrument nahe zu bringen. Die Moderation ist noch verbesserungsfähig und wir hätten uns gewünscht, die zukünftigen Flötengenies etwas mehr zu hören. Obwohl es eine Veranstaltung von Kindern für Kinder war, haben die Erwachsenen das Zepter nur schwer aus der Hand gegeben. Aber Bravo, den Vivaldi haben sie – trotz nur einer Hauptprobe -  gut hingekriegt.

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Christa Blenk

lesen Sie dazu auch auf diesem blog:

Flötenkonzert im Goethe Institut

 

 

I Turchini in der Aula Magna

Anna+ 034

Opera Buffa:Valentina Varriale, Giuseppe De Vittorio und Antonio Florio mit dem kleinen Streicherensemble I Turchini präsentierten neapolitanische Musik aus dem 18. Jahrhundert und begeisterten am Samstag Abend das Publikum.

cristina crespo  artista: Christina Crespo

Das Eröffnungskonzert in der Aula Magna, das vor drei Wochen aufgrund angekündigter Demonstrationen nicht stattfinden konnte, wurde am Samstag Abend in einer anderen Besetzung und leicht modifiziert nachgeholt. Die ursprünglich verpflichtete Sopranistin Roberta Invernizzi war allerdings verhindert, weswegen Valentina Varriale  kurzfristig einsprang, und sich als  absolut würdige Vertreterin herausstellte. Ihre stimmliche und theatrale Kompetenz hat sie vor allem bei der wunderbaren Arie des Arbace aus dem Ataserse von Leonardo Vinci (1689-1730) unter Beweis gestellt und mit ihrer warmen schönen Stimme den ganzen Saal mitgerissen. Ein weiteres highlight war ein Fandango für zwei Stimmen aus 1744 von José de Nebra. Tempestad grande amigo. Großartig und witzig, wir haben es zum Schluß nochmals als Zugabe geschenkt bekommen. Weiterhin wurden Arien, Musikstücke  und Sonaten von Micheangelo Faggioli (1666-1733), Nicola Fiorenza (1700-1741) Giovanni Paisiello (1741-1816), Pietro Marchitelli (1643-1729) vorgetragen. Das Intermezzo „Graziella und Nella von Giuseppe Petrini (EXVIII) beendete den hinreißenden Abend.

Antonio Florio hat das Ensemble, das sich vor allem auf Barockmusik spezialisiert hat, 1987 gegründet und Opern wie Dido und Äneas oder The Fairy Queen von Purcell oder La Partenope (so hieß Neapel in der Frühzeit) von Leonardo Vinci – eine Kostprobe von diesem fabelhaften Stück dieses neapolitanischen Komponisten haben wir gestern Abend ja zu hören bekommen – sind Teil ihres Repertoires. Regelmäßig tritt das Ensemble in Paris in der Cité de la Musique auf.

Valentina Varriale, sie ist wohl die Entdeckung dieses Abends, kommt aus Neapel (das hat geholfen, denn die meisten Stücke wurden im neapolitanischen Dialekt vorgetragen). Sie arbeitet u.a. mit Rinaldo Alessandrini zusammen, singt die Barbarina in Figaros Hochzeit,  Pergolesis Stabat Mater, aber auch Händelopern, Monteverdi und Scarlatti gehören zu ihrem Repertoire. Uns hat die Sopranistin endgültig überzeugt mit der Arie aus Vincis Oper.

Giuseppe De Vittorio kommt aus Taranto und gehört auch zu einer (Puppen)theatergruppe. Sein theatralisches Geschick und sein Temperament hat er vor allem beim köstlichen Intermezzo Graziello e Nella von Giuseppe Petrini bewiesen. Die Opera Buffa ist sein Hauptgebiet, aber mit Monteverdis Orfeo ist er beim Maggio Musicale Fiorentino aufgetreten.

Die beiden haben ein unwiderstehliches Duo abgegeben, komisch, spritzig, sehr charmant und beim einzigen in spanischer Sprache vorgetragenen Duo „Tempestad grande amigo“ vom neapolitanisch-spanischen Komponisten José De Nebra kamen sogar die Kastagnetten zum Einsatz.

Der neapolitanische Dialekt, der heute noch von einer großen Schicht gesprochen wird, hat sich in dieser Zeit – unter Beimischung von spanischen Sprachsegmenten – entwickelt. Dabei gibt es nicht nur die Canzone Napoletana, obwohl diese natürlich einen wichtigen Beitrag stellte. Mit der fast schon traditionellen Tarantella für zwei Stimmen und Streicher von Michelangelo Faggioli wurde das Konzert eröffnet.

Neapel gehörte im 17. und 18. Jahrhundert zu den größten Städten Europas. Eine auf langer Tradition basierende neapolitanische Volksmusik führe zur neapolitanischen Oper und brachte eine Reihe von  ausgezeichneten aber heute weniger gespielten Komponisten hervor. Die Oper San Carlo ist noch heute eine der besten in Italien und manche behaupten, sie hätte die perfekteste Akustik aller Opernhäuser überhaupt. Einer der wichtigsten Vertreter dieser neapolitanischen Schule der „opera seria“ war Leonardo Vinci, der u.a.  Nachfolger von Alessandro Scarlatti am Hof von Neapel wurde. Die in Neapel ausgebildeten Castrati waren sehr gesucht und europaweit die Besten. Enrico Caruso war z.B. auch ein Neapolitaner.

Wieder einmal hat die Aula Magna in der Sapienza in Rom ein wunderbares und sehr spezielles Konzert ausgerichtet. Sie sind Experten dafür, ohne die wirklich großen Namen zu Gast zu haben, ist eigentlich jedes Konzert ein Erlebnis.

Street Art Napoli Album Street Art Napoli (Foto: cb)

Christa Blenk

 

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Geburstagskonzert vom Feinsten – ein Liederabend in Rom

Geburstagskonzert vom Feinsten - ein Liederabend in Rom dans Musique villaadriana-klaus-und-luis-005-150x150 Teatro maritimo – Villa Adriana

Das klassische Klavierkonzert lebt immer noch.

Markus Hadulla, Urszula Kryger und Peter Schöne (der kurzfristig für den erkrankten Roman Trekel eingesprungen war und den er würdig vertreten hat) gaben sich am 29. Oktober ein großartiges und ungewöhnliches Stelldichein im Oratorio del Gonfalone.

Unter der faszinierenden Holzdecke aus dem 16. Jahrhundert und umgeben von einem einmaligen Freskenzyklus aus der Spätrenaissance kredenzten die drei fabelhaften Musiker Lieder aus dem 20. Jahrhundert. Man müsste wirklich lange überlegen und viel forschen, um dieses Programm zu toppen!. Wenn einer fehlte, dann der andere Meister des Liedes: Hans-Werner Henze.

Das kleine Kammermusiksaal-ähnliche Oratorium hat eine wunderbar natürlich-dezente Akustik und die wirklich genial ausgesuchten Stücke von Luciano Berio, Wolfgang Riehm, Witold Lutoslawski, Aribert Reimann und Benjamin Britten – alle diese Komponisten sind schon einmal Preisträger der Ernst von Siemens Stiftung gewesen, die dieses Jahr ihr 40jährigen Bestehen feiert – waren sicherlich für viele der Zuhörer eine (wichtige) Premiere  und kamen glänzend zur Geltung.

Urszula Kryger eröffnete mit « Quattro canzoni popolari“, die Luciano Berio (1925-2003) 1947 komponierte. Zu diesem Zeitpunkt hatte Berio gerade in Mailand sein Studium begonnen und war noch weit weg von Darmstadt und der elektronischen Musik. Seine Vorbilder waren Schönberg, Alban Berg, von Webern, Strawinsky und Darius Milhaud. Vielleicht hat man aber auch Referenzen auf Falla rausgehört! In den 60er Jahren würde er diese Lieder z.T. erneut in seinen Folk Songs wieder aufnehmen.

Sehr passend zum Konzertort die von Wolfgang Rihm (*1952) vertonten Verse von Michelangelo (von Rilke ins Deutsche übertragen). Michelangelo hat ungefähr in der Zeit gearbeitet, in der diese herrlichen Fresken um uns herum im Oratorium entstanden sind. Peter Schöne, der wie gesagt kurzfristig eingesprungen ist, hat diese drei anspruchsvollen und die Stimme fordernden Sonette mit einer tiefen, beeindruckenden und perfekt textverständlichen Leichtigkeit vorgetragen, meisterhaft unterstützt von Markus Hadulla. Rilke ging sehr streng mit der Übersetzung um, und Rihm hat das nicht weniger aufwendig durchkomponiert. Gerade deshalb aber sind sie so frei und bieten viel Raum für ungewöhnliche Klangfarben und Variationen. Urszula Kryger hat dann wieder den Stab übernommen und mit den fünf polnischen Lieder „Meer“ – „Wind“ – „Winter“ – „Ritter“ und „(russisch-orthodoxe) Kirchenglocken“ von Witold Lutoslawski (1913-1994) nach Gedichten von Kazimiera Illakowicz (1956) das Publikum regelrecht verzaubert. Alle hingen wir an ihren Lippen, um ja nichts zu verpassen. Lutoslawski wollte ursprünglich in Paris studieren, der zweite Weltkrieg kam aber dazwischen. Nach dem Krieg hielt er sich mit Auftritten in Cafés und mit Arrangements von konventioneller Gebrauchsmusik für Werbung und Radio sowie mit dem Komponieren von Kinderliedern über Wasser. Erst 1954 im Zuge einer kulturpolitischen Lockerung konnte er sich der neuen Musik hingeben, experimentierte mit serieller Musik und probierte auch andere neue Musiktechniken aus, reiste,  u.a. war er Jurymitglied in Donaueschingen.

Peter Schöne stand ihr aber ihn nichts nach. Er sang im folgenden zwei Verse von Michelangelo auf italienisch, eine Komposition, die der Liedspezialist Aribert Reimann (*1936) vertont hat. Schöne hat nur zwei der drei laut Programm vorgesehenen Stücke gesungen, das hat aber gereicht, um seine Expertise zu beweisen. Eine sehr minimale Komposition, beginnend nur mit Gesang bis dann die zweite Duo-Stimme in Form von Klavier sich hinzu schleicht.

Und endlich Benjamin Britten (1913-19756), das Highlight dieses schönen Abends. Hier treffen gleich mehrere Jubiläen und Premieren aufeinander: 1973 wurde die Ernst von Siemens Musikstiftung ins Leben gerufen, Britten war ihr erster Preisträger und der Liederzyklus „On this Island“ (op 11) war 1937 der erste Liederzyklus dieses englischen Komponisten, der übrigens dieses Jahr auch den 100. Geburtstag feiernt. Seine Stücke sind heute Abend die « ältesten » Werke. Britten vertonte hier Verse von W.H. Auden, ihn hatte er kurz vorher kennen gelernt und Auden sollte auch in Zukunft ein wichtiger Lieferant von Libretti für ihn werden. Nur ist dieser Zyklus ausnahmsweise mal nicht für einen Tenor bestimmt. Britten hat fast alle seine Lieder für seinen Lebenspartner, den Tenor Peter Pears geschrieben, den er witzigerweise auch 1937 kennen lernte. Die fünf sensiblen,teilweise witzigen und ansprechenden Lieder „Song“, „Now the leaves are falling fast“, „Seascape“ „Nocturne“ und „As it is, plenty“ sind nicht nur eine Hommage an Purcell, sein großes Vorbild, sie erinnern vom Thema her auch wieder an die fünf polnischen Lieder und komplettieren den Liederkreis. Als Urszula Kryger dann mit „..And final, final, das letzte Lied beendete, brach ein Begeisterungssturm los. Britten hat diese fünf Lieder vor dem Krieg komponiert, nach dem Tod seiner Eltern und schon mit dem Gedanken spielend, das strenge und konventionelle und – für ihn – musikgeschmack-verirrte England zu verlassen, was er dann 1939 auch getan hat.

Klänge und Noten schwebten vielschichtig, manchmal nur angehaucht von der Mezzo-Soprano Urszula Kryger – vielleicht sogar getragen von Engeln – durch den Raum bis in den letzten Winkel. Sie ist in Lodz geboren, hat dort und in Kopenhagen studiert. In den 90er Jahren hat sie viele internationale Wettbewerbe gewonnen, dementsprechend  weit umfassend und facettenreich ist ihr Repertoire das vom deutschen Barock zur italienischen Oper und vom Romantiklied zur Moderne geht. Bei den Berliner Festwochen ist sie z.B. ständig zu Gast.

Der mehrfache Preisträger und Berliner Bariton Peter Schöne, hat u.a. bei Thomas Hampson studiert. Für ihn war es musikalisch fast ein Heimspiel. Die Interpretation von moderner und zeitgenössischer Musik gehört zu seinem Hauptgebiet und Kompositionen von Aribert Reimann, Wolfgang Rihm und Moritz Eggert sind Teil seines täglichen Musiklebens.

Der Kölner Pianist Markus Hadulla kommt aus der Schule des Liedpianisten Hartmut Höll, der – nebenbei bemerkt – sehr oft mit Urszula Kryger arbeitet. Auch er ist auf allen wichtigen Parketts zu hause. Sein besonderes Interesse gilt dem Zusammenspiel von Literatur und Musik – dem eigentlichen Thema dieses Abends. Mit Peter Härtling und Walter Jens hat er diesbezüglich schon Projekte realisiert.

Markus Böggemann beschreibt die ausgewählten Stücke ganz wunderbar im Programm und wenn man sie vorher nicht kannte, will man sie spätestens nach Lektüre dieser kurzen Erläuterungen sofort kennen lernen. Die glänzende Darbietung tut dann den Rest. Bravo  und herzlichen Glückwunsch!

Christa Blenk

 

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Marcello Nardis singt die « Winterreise »

Musica fuori Centro heisst eine Konzertreihe im Auditorium del Seraphicum am Standrand von Rom. Am 27. Oktober präsentierte der italienische Tenor und Schubert-Experte Marcello Nardis dort die « Winterreise », begleitet hat ihn Maestro Bruno Canino. Es ist nicht das erste Mal, dass die beiden miteinander auftreten. Das sieht und hört man! Marcello Nardis – wie immer perfekt textverständlich gesungen – beeindruckt mit seinen Kapriolen von ganz tief bis ganz hoch.

Marcello Nardis singt die  Foto: jnp

Franz Schubert hat nur 31 Jahre gelebt (1797-1828). Er war das 13. von 16 Geschwistern, von denen nur fünf älter als ein Jahr geworden sind. Der Liederzyklus „Winterreise“ besteht aus 24 Liedern für Singstimme und Klavier und Franz Schubert hat ihn ein Jahr vor seinem Tod komponiert, nämlich 1827. Die Texte stammen von Wilhelm Müller (1794-1827), er ist mit 33 Jahren verstorben. Musik und Text ergänzen sich in dieser Tragik, auch wenn dann und wann ein wenig Licht erscheint, ist dieses Werk von Todessehnsucht geprägt.

 „Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh’ ich wieder aus“ – so beginnt die « Winterreise, ». Die Geliebte, oder besser das Liebchen, ist in den ersten Liedern noch sehr präsent. Eis und Tränen, viel Wasser fließt, Erinnerungen an den Lindenbaum, der Traum vom Winterende, Einsamkeit, Todesvorzeichen, Unwetter und Postgeräusche, Wegweiser und Todesacker, nochmals keimt Mut auf. Dann sind wir beim Leiermann angekommen. Mit der Frage  „Willst zu meinen Liedern deine Leier dreh’n?“ endet die „Winterreise“.

img_0405-150x150 dans Musique Foto: jnp

 Schubert erklärte damit perfekt den Grundschmerz der Menschheit in der Romantik. Der Wanderer nimmt uns als sein Sosia mit auf diese Winterreise oder besser auf die Flucht vor dem Liebesschmerz, oder ist es verratene Vaterlandsliebe? Immer wieder schüchtern durchwachsen von aufkeimender Hoffnung, Sensibilität und Schönheit  bewegen wir uns – begleitet von Marcello Nardis und Bruno Canino weiter.  Eine Doppel-Passion ohne durchgehende Handlung und nach dem Motto « himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt ». Der frequente Wechsel des Tongeschlechts, den Marcello Nardis mit Bravour meistert, demonstriert musikalisch diese Stimmung bis  sich schließlich Düsternis, Schwermut und Melancholie durchsetzen. Maestro Canino hat ihn auf dieser Odyssee exzellent begleitet.

der-felsen-in-der-brandung-kopie-150x150 Arbeit von Christa Linossi

Der großzügige Marcello Nardis hat dieses Konzert Maestro Hans-Werner Henze gewidmet, der letztes Jahr an diesem Tag (27.10.2012) verstorben ist. Vielen Dank!

Christa Blenk

 

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Quiz für Kulturbeflissene: The power of theatrical madness

 

Romaeuropa Festival Special

Jan Fabre

Text auf KULTURA EXTRA

The power of theatrical madness

 

Drei Minuten vor dem theoretischen Beginn dürfen wir in den Saal. Am Ende der Bühne stehen 11 Personen mit dem Rücken zu uns und schauen auf eine Art Klagemauer. Weiß-ziegelfarbig die Mauer, schiefer-schwarz der Fußboden. Die Akteure tragen weiße Hemden und schwarze Hosen sowie schwarze Schuhe. Von der Decke hängen kleine Lampen. Der Beginn vom Mininaltheater? Wir warten auf das was kommt. Eine Ewigkeit, verlegenes Hüsteln und Rascheln im Publikum. Schnell noch ein Bonbon auswickeln, bevor es losgeht. Plötzlich, leise von hinten oder aus dem Keller (ist es die Souffleuse?), hören wir eine Art Gebet, repetitiv und monoton in deutscher Sprache. Nach einem weiteren Weltalter fangen die Personen an, sich auf den vorderen Teil der Bühne zuzubewegen und rufen verschiedene Jahreszahlen in verschiedenen Sprachen in den Raum. Man weiß noch nicht, in welcher Sprache das Spektakel überhaupt gegeben wird, da es bis jetzt nur aus Zahlen und Namen besteht. Irgendwann kapieren wir dann, dass es um bahnbrechende und geschichtliche Theateraufführungen der letzten 150 Jahre geht. Brecht, Ibsen, Beckett, Reinhardt, Alfred Jarry etc. – alles was in der Theaterwelt Rang und Namen hat wird aufgerufen – immer und immer wieder – obsessiv und ermüdend. Plötzlich, da war wohl die Veranstaltung in Berlin, London und Antwerpen zeitgleich zu ende, rasender Applaus und begeistertes Getrampel der 11 Protagonisten. Kurz darauf entkleiden sich zwei Tänzer und nehmen  – immer noch mit dem Rücken zu uns – Renaissance-Posen ein. Alle ca 5 Minuten darf die Pose gewechselt werden. Wagner Musik, aus der Walküre, dem Tristan und ein Siegfried. Ich meine auch, Salomé gehört zu haben. Die beiden nackten Jungs, haben nun Kronen auf und tanzen miteinander in das Ende des dritten Aktes der Walküre. Ist es vielleicht Ludwig II in einer Doppelrolle?

In „The Power of Theatrical Madness“ lädt Fabre zum Fernseh-Kulturquiz. An die Wand projizierte Gemälde alter Meister wie Michaelangelo, Ingres oder David gehören wohl zum Spiel. „Wer ist der Maler?“ „Wo kommt die Musik gleich nochmals her?“ Was passierte „1876?“ Wer von den Mitspielern nicht gleich das Datum des Premierenjahrs von Wagners „Ring des Nibelungen“ erkennt, wird hart bestraft, d.h. von der Bühne geworfen. Einer ungebildeten Darstellerin ist das passiert und sie kämpft vergeblich, wieder in den Kreis der Illustren aufgenommen zu werden. Sie kapiert es einfach nicht, obwohl der Richter ihr die Zahl xmal vorbetet.

Der diskrete Charme der Wiederholung, so nach dem Motto « Übung macht Meister! » Eine Stunde lang ist das noch ganz witzig, aber nach 80 Minuten – als déjà-vu für Fabre – verlassen die ersten Zuschauer verschämt den Saal, gelangweilt sind sie schon lange, dementsprechend ist der Lärmpegel hoch. Als die Tänzer dann plötzlich – sehr elegant muss man sagen – an die 300 Teller zerdeppern, aus denen sie grad vorher – diesmal bellend – gegessen hatten, gibt es spontan Applaus. Wishful Thinking! Die Pause kann nicht herbeiapplaudiert werden. Die obligatorische Telefonino-Abstell-Ansage vor dem Beginn der Veranstaltung kündigte das ganz klar an. Hat Fabre auch nicht vorgesehen. Das Publikum gönnt sich aber trotzdem eine Unterbrechung, man geht raus, nimmt einen Café und ein Sandwich, diese waren nämlich vor der Aufführung noch nicht fertig, man geht wieder rein, vielleicht. Ich weiß es, weil wir es auch so gemacht haben. Man konnte sicher sein, nichts zu verpassen, dann sah man eine Szene halt nur 5 x anstelle von 20 x. Allerdings : es gibt durchaus Nuancen bei der Expertise der auszuziehenden Socken. Fünf von den zehn auf der Bühne anwesenden Tänzer waren immer grad dabei sich aus- oder anzuziehen um dann umständlicherweise imaginäre zu enge Gewänder oder Roben anzulegen (frei nach Andersen und Des Kaisers neue Kleider). Das gesamte Pantheon der Theatermacher war präsent: von Konstantin Stanislawski, Heiner Müller über Peter Brook zu Bob Wilson und Bertold Brecht etc.

Der Flame und Theater-Wüterich Jan Fabre, Performancekünstler, Theatermacher, Choreograf und Durch-und-Durch-Artist ist 1958 in Antwerpen geboren. In den achtziger Jahren hat er das Theater beeinflusst, vielleicht sogar revolutioniert. Wahrscheinlich sieht er sich sogar als neuer Stanislawski, und hat ihm in der Aufführung prominente Erwähnungen gegeben. Fabres 1984 erarbeitete nur dritte Performance The power of theatrical madness bescherte damals der Biennale in Venedig viele Schlagzeilen. Knapp 5 Stunden hat es damals gedauert. Für die Aufführung beim Romaeuropa Festival wurde es bis auf – immer noch lange – 4 Stunden und 20 Minuten gekürzt.

30 Jahre später hat es an Witz und Pfiff eingebüßt und wirkt eher wie etwas künstlich zusammen Gebasteltes. Vielleicht sind wir, das Publikum, 2013 aber auch auf einem viel zu schnellen Trip. Eine überwältigend-originelle und respektvolle Hommage an das Theater ist es allemal!

Die Darsteller/Tänzer waren durch die Bank sensationell, mutig und durch trainierte Spitzensportler.

Das Festival dauert noch bis Ende November.

 

Christa Blenk

 

Quiz für Kulturbeflissene: The power of theatrical madness dans Musique p1120704-150x150 Foto: cmb

 

 

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Hauskonzert in der Villa Massimo

Hauskonzert in der Villa Massimo dans Musique portraitkonzert_b.j.bertelsmeier_s.j.hanke_asaselloquartettcfotovillamassimo13-150x150Foto: © Villa Massimo

Explosives Portraitkonzert im Mosaiksaal

Hauskonzerte waren im 19. Jahrhundert an der Tagesordnung und sind jetzt wieder in Mode. Mit diesen Worten leitete der Direktor der Villa Massimo in Rom seine kurze Begrüßung zum Portraitkonzert der diesjährigen Musik-Stipendiaten Stefan Johannes Hanke (1984) und Birke J. Bertelsmeier (1981) ein: Emotionen hat er uns versprochen und wir haben sie bekommen. Damit hat er aber auch schon anklingen lassen, dass wir keine atonale Musik hören würden.

Unterschiedlicher könnten die beiden jungen Komponisten gar nicht sein und deshalb war das Konzert gestern Abend auch etwas Außergewöhnliches, das sich so nicht wiederholen wird und kann. Ein hervorragend zusammengestelltes abwechslungsreiches und spannend-furchtloses Programm für Sopran, Quartett, Klavier und Kontrabass.

Die eine, Bertelsmeier, mathematisch, geheimnisvoll, intellektuell und fordernd. Der andere, Hanke, pastoral-naturverbunden, gefühlvoll, romantisch und witzig. Er ist ein Märchenerzähler und nimmt uns – mit Bartok-Referenzen und einem Augenzwinkern auf alte Werbeslogans – mit auf seine kleinen Ausflüge durch die Stadt.

Drei von den sieben 5 bis 10-minütigen Stücken waren Uraufführungen. Hankes Giardino Ornamentale (2013) eröffnet. Ein Spaziergang durch den von Haustieren besetzten „Ziergarten“. Eine „Animal Farm“, ein 10-minütiges Durcheinander von Stimmen, Bellen, Vogelgezwitscher und Schweinedialogen für Streichquartett. Beschwingt und amüsant auch sein Goldflinch Blues aus 2011. Am schönsten aber seine Nachmittagsträume. Wie hergebeamt, stehen wir ohne Vorankündigung plötzlich vor dem Pavillon der alternden Zirkustiere, Wut und Zorn ausgesondert zu werden bestehen gleichberechtigt neben der Freude, endlich in den Ruhestand gehen zu können; zwischendurch ein bisschen „no future“ Ambiente. Indessen wird mal kurz die Partition verwechselt und ein Notenständer fällt um – take me to the ball game (a night at the opera)!

Aber vorher kommt Birke Bertelsmeier. Sie begleitet die erste Arie des Seblon aus ihrem Letztwerk, der Oper Querelle (nach Jean Genet), selber am Klavier. Feierlich, poetisch und dramatisch, Yen-Chi Liang, die seit 2008 in Rom lebt und hier im Quirinal-Orchester mitspielt, am Kontrabass. Die Sopranistin Paola Ronchetti, sie gehört dem Ready Made Ensemble an und ist hier dann und wann mit neuer Musik zu hören, ist sehr gefordert und steht unter Strom. Abgesehen aber von einer manchmal etwas holprigen französischen Aussprache, jonglierte sie genial zwischen Sprachgesang und Arie. Die ausgeklügelte und gesuchte Schwierigkeit für die Sängerin – und dies würde gleich bei Notturna (Auszug aus der Oper Nachtigall und Rose nach Oscar Wilde) noch mehr hervortreten – hat Bertelsmeier ihrem Lehrer Rihm abgeguckt. Was so eine Stimme alles leisten muss! Aber wenigstens war der Text hier einfach. Es war ein sich Hinarbeiten von Nacht über Nachti auf Nachtigall, um dann noch schnell kurz vor Schluss das und Rose (das aber erst viel viel später in einem nächsten Konzert!) hinten dran zu hängen. Fünf Minuten spannende Verzweiflung, ob sie ankommen würde. Sublim, dynamisch und manieristisch, Bertelsmeier dirigiert selber – kontrolliert und sorglos – das kleine Ensemble. Mit zwei ausgesucht schönen Kurz-Stücken für Streichquartett aus 2008 und 2010 ging zu Konzert leider zu schnell zu Ende. Viel Applaus für die Musiker und Komponisten.

portraitkonzert_b.j.bertelsmeier_s.j.hankecfotovillamassimo13-150x150 dans MusiqueFoto: © Villa Massimo

Die wunderbare Belgierin Edna Stern am Klavier. Vortrefflich das Asasello Quartett, extra aus Köln angereist und sichtlich-gerne mitwirkend. Sie existieren seit 2000 und haben sich die intensive künstlerische Konfrontation der Tradition mit der Gegenwart zur Maxime gemacht. Wir lachen und weinen mit Hankes Musik und das Schmunzeln bleibt auf unseren Lippen, während uns Bertelsmeier Rätsel aufgibt.

Birke J. Bertelsmeier (1981)  studierte Musikwissenschaften und Komposition bei Wolfgang Rihm in Karlsruhe sowie Klavier bei Pavel Gililov an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln. Auf den Darmstädter Ferienkursen hat das Arditti Quartett Werke von ihr gespielt und durch das Ensemble Modern war sie bei den Festivals Young Euro Classic und Alpenklassik vertreten.

Stefan Johannes Hanke ist 1984 in Regensburg geboren. Er studierte bei Prof. Winbeck in Würzburg Komposition und ging nach 6 Monaten Studienaufenthalt in Paris (an der Cité des Arts) nach Düsseldorf zu Prof. Trojahn. Hanke komponierte für den Heidelberger Frühling und trat beim ADEvantgarde Festival 2007 und 2009 auf. Sein Opernmärchen « Der Teufel mit den drei goldenen Haaren », ein Auftragswerk der Staatsoper Hannover, wird 2013 im November an der Semperoper Dresden zu sehen sein. Also nichts wie hin!

portraitkonzert_b.j.bertelsmeier_s.j.hancfotovillamassimo13-150x150Foto: © Villa Massimo

Christa Blenk

Hier noch der französische Text der Arie

Querelle (1. Arie des Seblon – Text Jean Genet)

Dans un jardin arabe il a cueilli cinq ou six rameaux chargés de mandarines et il les a mis dans l’échancrure de sa veste blanche d’où ils surgissent. Ce feuillage est sans doute ce qu’il porte sur sa large poitrine à la place de pelage, et peut-être à chacune des branches intimes et précieuses, est-il accroché des couilles éclatantes, dures et douces à la fois. C’est des couilles de beaux gosses que devraient chiquer les vieux loups de mer. Avant de toucher le plancher du navire il me voit: „Vous voulez une mandarine, Lieutenant?! Alors qu’il porte sa main à un fruit je sors la mienne de la poche et la tends lentement vers le matelot qui, souriant, y dépose son cadeau. Ces deux gestes me troublent.

Les amours avec Querelle seront pures car notre premier geste d’union vient de s’accomplir selon les lois d’une harmonie parfaite.

 

www.birkebertelsmeier.com

www.stefan-johannes-hanke.de

Santa Cecilia in Trastevere

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Die Heilige Cecilia ist die Schutzheilige der Musik und der Musiker. Zu ihren Ehren gab es heute  ein exquisites Themen-Konzert mit sakraler französischer Musik des 19. Jahrhunderts. Unter Leitung von Alessandro d’Agostini präsentierte  « Il Gioco Delle Parti » Musik von Déodat de Séverac (1782-1924), Maurice Duruflé (1902-1986), Olivier Messiaen (1908-1992), Francis Poulenc (1899-1963) und vom Wahlfranzosen Igor Stravinsky Moteten und Cantaten auf hohem Niveau. Eine Entdeckung für uns war Poulencs « Motets pour un temps de Noel » aus 1952.

Alessandro d’Agostini hat in den letzten Jahren viele solcher Themenkonzerte organisiert, u.a. mit spanischer und italienischer Musik aus dem 14. und 15. Jahrhundert oder mit Musik aus dem deutschen Frühbarock. Seine kleine Gruppe (heute waren es nur 15 ) besteht aus 18 Sängern, von denen die meisten auch als Solisten auftreten.

 

Romaeuropa Special – Stockhausen in der Villa Medici

Die dritte Stunde

Karlheinz Stockhausen – Klang

Romaeuropa Special - Stockhausen in der Villa Medici dans Art glledo.-egam-09-5-150x150 Guillermo Lledóglledo.-egam-09-4-150x150 dans Musique

Am 6. Oktober 2013 fand in der Villa Medici in Rom im Rahmen des Romaeuropa Festival  die italienische Premiere von « Natürliche Dauern » von Karlheinz Stockhausen (1928-2007) statt. „Natürliche Dauern“ steht für  die dritte Stunde seines letzten – unvollendeten – Werkes « Klang – die 24 Stunden des Tages ».
Der italienische Pianist und Komponist Carlo Boccadoro (1963)  hat uns  auf diesen musikalisch-virtuellen Spaziergang durch die Nacht geschickt und uns aufs Meisterlichste begleitet. Es war ein Flanieren durch eine nicht greifbare klingende obwohl nicht wahrnehmbare Landschaft, mit den entsprechenden Pausen und Unterbrechungen, Hören, Betrachten, Sehen. Und konform zu den durch das Wahrgenommene ausgelösten Gefühlen,  geht die Musik.

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Vor Beginn des Konzertes gab Carlos Boccadoro dem Publikum eine „carte blanche“ , während der über zwei Stunden dauernden Aufführung ohne Pause den Raum (leise) zu verlassen, in die Cafeteria zu gehen, einen Kaffee (oder etwas anderes) zu trinken, kurz Abzuschalten, wieder reinzukommen (immer lautlos). Ich werde hier weitermachen und bin immer da und freue mich, wenn ihr wieder zurückkommt, sagte er. Das wirkte wie eine Geheimwaffe! kaum erlebt man in Rom ein Konzert mit so wenig Störungen. Kein Husten, kein Rascheln. Das ca 100 Personen-Publikum in der Loggia der Villa Medici war unglaublich.
Es ist  die dritte Stunde, 3 Uhr morgens, 2005: Stockhausen befindet sich in seinem Haus im Wald, steht auf und komponiert die Zeit von 3 – 4 Uhr morgens (sicherlich noch dunkel) – nur dauert seine Stunde  über 2 Stunden. Die Komposition beginnt mit einem langen hohen Ton,  dieser klingt langsam aus – « Natürliche Dauern“ und erst dann  kann weiterexperimentiert werden. Wir könnten uns  also jetzt einbilden,  all das zu hören, was man um drei morgens hört oder nicht hört, wie Stille z.B.  Je weiter die dritte Stunde jedoch fortschreitet, desto mehr verliert der Komponist den Respekt vor dieser  und es wird dann und wann  laut bis wuchtiger. Die Tasten atmen Ein und Aus. Dann schlägt die Uhr irgendwann. Stockhausens Musik ist vor allem ein Konzept! Vogelgezwitscher, eine kurze Triole trotzdem. Wieder auf der Suche nach dem nächsten Ton. Eine kurze Bach-Referenz, später eine Hommage an Wagner und irgendwann (wenn die Fliegen erwachen)  noch ein Summen wie bei Rimsky Korsakov – immer nur ganz kurz angedeutet. Wir hören es aber trotzdem. So in der Mitte ungefähr bindet sich der Pianist ein kleines Band mit Glöckchen an die Finger. Der Klang verändert sich und definiert das Ausdauern, er wird zur romantischen Schlittenfahrt und die kleinen Glöckchen geben für eine Weile den Ton und den Takt an. Kurz darauf zieht der Pianist Handschuhe an, um sich bei den kommenden Glissandi nicht zu verletzen, wie der Pianist uns später erzählen wird (das hat Stockhausen auch so gemacht). Ein bisschen Free Jazz und wieder ganz ruhig und viel Ausklingen. Plötzlich ist wohl noch jemand erwacht und leistet ihm Gesellschaft. Wir sind Zeugen eines Dialogs, der wieder in Zen übergeht bis dann die sechs  kleinen japanischen Schalen (er hat sie Din genannt und in Kyoto erworben) zum Zuge kommen, die schon seit Beginn des Konzertes neben seinem Klavier stehen. Irgendwann ist die Stunde drei, die 140 Minuten  gedauert hat, zu Ende. Unsere Reise auch, plötzliches Erwachen und zurück in die Wirklichkeit. Jetzt würde „Himmelstür“ beginnen.

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Tosender Applaus bricht aus und Carlo Boccadoro zeigt uns voller Stolz die von Stockhausen signierte Partitur. Wir, das Publikum, umringen ihn noch mindestens 20 Minuten lang und stellen Fragen über Fragen; einige Tifosi fahren andächtig mit dem Finger über die Signatur auf dem Cover. Ein  fantastischer Abend!
Die Gesamtaufführung fand in der von Stockhausen vorgesehenen Form am 8. und 9. Mai 2010 im Rahmen der Musiktriennale Köln statt. Gelegentliche Aufführungen von Auszügen und einzelnen Stunden, gab es allerdings schon vorher.
Hier seien noch kurz die schön klingenden Namen der anderen Stunden erwähnt: Himmelfahrt, Freude, Natürliche Dauern, Himmesltür, Harmonien, Schönheit, Balance, Glück, Hoffnung, Glanz, Treue, Erwachen, Cosmic Pulses, Havona, Orvonton, Uversa, Nebadon, Jerusem, Urantia, Edentia, Paradies.

Paradoxerweise hört seine Komposition mit Paradis auf – der Tod kam dazwischen und Stockhausen konnte die letzten drei Stunden nicht mehr  vollenden. Komponiert hat er Natürliche Dauern zwischen 2005 und 2006. Es ist mit 140 Minuten die längste Stunde von Klang. Das Atmen des Pianisten ist in der Partitur festgehalten wie auch die Betätigung des Pedals. Stockhausen wollte so „Melodien, Harmonien und mehrstimmige Momente als Ergebnisse der natürlichen Dauern“ sichtbar machen.

Christa Blenk

Fotos: Christa Blenk

Illustration: Guillermo Lledó

 

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Hans Werner Henze

Am 28.09.2013 wird in der Tischlerei der Deutschen Oper die wohl letzte Uraufführung « Nebelheim und Sonnenland » – eine Suite für Orchester aus der Oper Gisela – von Hans Werner Henze aufgeführt.

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Requiem     und     diverse Stücke

 

 

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Im Garten von William Christie

Festival von Thiré – Ende August 2013

Im Garten von William Christie dans Musique garten-terrasse-150x150William Christie ist ein Musikpionier. 1971 kam der Amerikaner von der Ostküste nach Frankreich und hat als einer der ersten überhaupt begonnen, die französische (und nicht nur) Barockmusik wieder auszugraben. Bereits 1979 hat er sein Ensemble Les Arts Florissants ins Leben gerufen. Er siedelte sich in der Normandie an gründete dort eine Akademie für junge Sänger. Die Oper in Caen hat er zu einer Provinz-Vorzeigeoper gemacht. Ihre Produktionen werden fast immer auch in Paris (Opéra Comique) aufgeführt. Mit den beiden Lully-Opern Cadmus und Hermione und Atys hat er in den letzten Jahren Riesenerfolge erzielt, z.T. auch wegen der originellen Regie von Benjamin Lazar.

williamchristie-150x150 dans MusiqueMittlerweile ist William Christie Franzose geworden und wird nicht müde, neuen Projekten nachzugehen. Seit letztem Jahr öffnet er im Sommer seinen Garten (das ist das Understatement des Jahres wenn man den Garten gesehen hat!) für Blumen- und Musikliebhaber.

Dans les Jardins de William Christie“ (Im Garten von William Christie) heißt sein Barock-Festival, das dieses Jahr vom 24. bis 31. August 2013 zum zweiten Mal in Thiré, einem kleinen Ort in der sonst eher als kulturelle Wüste bekannten Süd-Vendée stattfindet. In Zusammenarbeit mit Paul Agnew und Jonathan Cohen hat er auch dieses Jahr wieder wunderbare Stimmen und Musiker in diesen kleinen Ort geholt.

Die Nachmittage sind so organisiert, dass an jeweils verschiedenen Stellen in seinem Zaubergarten parallel Mini-Konzerte stattfinden. Sie dauern nur ca 15 Minuten, dann hat man weitere 15 Minuten Zeit, um sich zum nächsten Ort zu begeben.

p1110935-150x150Während an der Mauer des Zyklopen eine Sonate für Flöte, Bass und Kontrabass von Johann Sebastian Bach vorgetragen wird, haben wir uns für eine Rundreise in Europa in Zeiten von François 1er entschieden. Auf den Terrassen singen Daniela Skorka, Emilie Renard, Zachary Wilder und Victor Sicard schelmisch und makellos kleine Arien von Adrian Willaert, Henry VIII (jawohl, der grausame König hat auch Musik komponiert), Adriano Banchieri, Thomas Tomkins, Pierre Passereau und Joaquin Desprez. Adriano Banchieris Il contrappunto bestiali hat sicherlich Rossini zu seiner Katzenarie inspiriert. Köstlich! Weiter zum Innenhof (Le Cloître), um dort die einzigartigen Lieder von John Dowland zu hören. Wir mussten uns beeilen, denn in diesen blumigen Innenhof passen nur 80 Personen! Ganz intim und inmitten der Zuhörer hat sie Reinoud van Mechelen nur für uns vorgetragen, Thomas Dunford hat ihn auf der Theorbe begleitet. Abgesehen davon, dass John Dowlands Musik sowie zum Schönsten gehört, was der englische Frühbarock hervorgebracht hat, in diesem Umfeld, bei warmer Nachmittagssonne, dem leichten Plätschern des Brunnens und mit diesen beiden Musikern war das ein Hochgenuss. Die nächste Station ist der Rote Garten, dort soll gleich Paul Agnew mit einer englischen Händel-Kantate zu hören sein Look down harmonious saint, ihn wird Maestro Christie höchstpersönlich am Cembalo begleiten, dementsprechend voll ist es auch. Gemütlich und doch entschieden lustwandeln die z.B. mit Picknickkorb ausgestatteten Gäste, die in ihrer Freizeitkleidung manchmal sogar auf dem Kieselsteinboden sitzen. Wir spazieren weiter durch den Gemüsegarten zur Mauer des Zyklopen, hier ging gerade das Konzert Barockimprovisationen für Sopran, Flöte, Geige und Kontrabass zu ende, das wohl sehr gelungen war, denn die Zuhörer scherzen noch mit den Musikern bevor diese die grüne Bühne an Priscilla Smith, Brandon Labadie und Clyton E. Zoller (Oboe und Bass) übergeben. Sie spielen – im Kampf mit dem Wind, der ihnen die Noten durcheinander wirbelt, was die drei Juilliard Schüler aus New York aber nicht aus der Ruhe bringt – Auszüge aus Telemanns Tafelmusik und eine Sonate von Corelli. Die nächste Etappe führt uns in den Gemüsegarten, dort wird Anna Reinhold gleich Arien von Lully singen, begleitet – wie vorhin schon van Mechelen – von Thomas Dunford auf der Theorbe.

p1110902-150x150Mittlerweile ist es 18.30 Uhr, die Sonne steht nicht mehr sehr hoch, aber es ist noch warm. Aus allen Ecken, Hecken und Konzertorten des Parkes stürmen nun die Zuhörer auf die Terrasse, denn dort wird es gleich das Abschlusskonzert geben mit Les Arts Florissants und allen Solisten, dirigiert und begleitet am Cembalo durch William Christie. Der Maestro steht aber noch mitten im Publikum und unterhält sich. Sie haben sich für Auszüge aus Purcells Ode für Königin MaryCome, ye sons of art“ entschieden. Wenn dann Reinoud van Mechelen Sound the trumpets singt, frohlockt die gesamte Zuhörerschaft. Um 19.00 Uhr ist der Zauber vorbei und man sieht den Schade-Blick auf den Gesichtern des sich zögernd zum Parkplatz begebenden Publikums.

Das Festival endet mit zwei Aufführungen von Henry Purcells „Dido und Äneas mit Les Arts Florissants unter Leitung von William Christie. Bei gutem Wetter wieder im Park am „Miroir d’eau“ und bei Regen in der mittelalterlichen Kirche von Thiré, die laut Aussage von Christie eine ausgezeichnete Akkustik haben soll.

 Christa Blenk

gekürzt in KULTURA EXTRA erschienen

 

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Fara Music Festival 2013

Fara Music Festival 2013 dans Musique farasabina-022-150x150Die Sabiner Berge werden im allgemeinen mit der Gründung von Rom durch Romulus und Remus und mit dem Raub der Sabinerinnen in Verbindung gebracht. Um den Frauenmangel im von Händlern, Kriegern und Abenteurer überfüllten Rom auszugleichen, organisierte der listige Romulus einen großen Wettkampf zu Ehren des Neptuns und lud alle Bewohner aus den benachbarten Städten ein und alle sind gekommen. Somit war es ein Leichtes, die unverheirateten Mädchen zu ergreifen und sie nach Rom zu schleppen, wo sie mehr oder weniger freiwillig heirateten und Familien mit den Nachkommen des Äneas gründeten. Einen Rachefeldzug der Väter und Brüder verhinderten die klugen Frauen, in dem sie sich auf das Schlachtfeld begaben und sich vor die Krieger stellten. Somit vermieten sie ein Gemetzel und den Verlust von Brüder, Vätern, Männern und Kindern. Der Sabiner Titus Tatius und Romulus verbrüderten sich und  so entstand die Doppelherrschaft.

farasabina-023-150x150 dans MusiqueFara in Sabina liegt ca 50 km nördlich von Rom zwischen Umbrien und Lazio und hat nicht nur eines der besten Olivenöle im Lazio sondern seit 2007 auch ein Jazz-Festival, mit allem was dazu gehört. Sommerkurse für Solisten und Instrumentalisten, vom 22. – 28. Juli  jeden Abend Jazzkonzerte mit jungen Musikern aus ganz Europa und einen sehr ansprechenden Kunsthandwerk-Markt.  Vor, während und nach den Konzerten kann man die Köstlichkeiten der Region probieren und genießen. Untergebracht werden die Schüler im riesigen Kloster ganz oben auf dem Berg. Musiker wie John Scofield, Yellow Jackets, Tuck & Patti, Stochelo Rosenberg, George Garzone, Enrico Rava, Danilo Rea, Roberto Gatto, Rick Margitza, Bill Stewart, Scott Colley, Mulgrew Miller, Jim Campilongo etc. sind in den letzten Jahren dort aufgetreten.
Dieses Jahr gibt es zum ersten Mal auch eine Ausstellung im kleinen aber feinen Archäologischen Museum mit Werken von Tiziana Morganti, Rita Maza und Patrizia Ciuffo. Ihre Bilder sind wie aus der Landschaft geschnitten.

farasabina-010-150x150 Patrizia Ciuffo farasabina-009-150x150 Haus in Fara

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Laue Sommernacht, leichte Brise auf ca. 500 Höhe und  22 Grad, lokale Spezialitäten und richtig guter Jazz u.a. vom  Fabio Giachini Trio, die im letzten Jahr sogar den Fara Musik Jazz Live Preis gewonnen haben entschädigten für die doch lange Anreise aus Rom gestern Abend. Nicht umsonst steht das Festival unter dem Motto « Sapori e Artigianato ».  Alles was man zum Wohlfühlen braucht, ist hier geballt zu bekommen!

Christa Blenk

 

 

 

 

Pina Bausch im Teatro San Carlo

Unvergessliche Pina Bausch

Hier meine Besprechung auf KULTURA Extra :

40 Jahre Pina Bausch Tanztheater

Pina Bausch im Teatro San Carlo dans Musique ravello-129-150x150ravello-143-150x150 dans Musiqueravello-144-150x150hier wird gerade die Erde für das Frühlingsopfer ausgebreitet! Sogar diese Aktion, in der Pause, war ein Erlebnis und Teil der Inszenierung!

40 Jahre Pina Bausch Tanztheater – das Ensemble feiert dieses Jubiläum in Bari und Neapel – weit weg von Wuppertal und Solingen.
Vier Jahre nach Pina Bauschs plötzlichem Tod und nach einer anfänglich sehr spürbaren Unsicherheit wie es ohne Pina weitergehen sollte, ist das Ensemble nun auf eine kleine Süditalien-Tournee gegangen. Nach vier erfolgreichen und umjubelten  Aufführungen in Bari (dort war Sweet Mambo zu sehen), traten die Tänzer vom 11.7. – 15.7. im Teatro di San Carlo in Neapel auf.  Es war umwerfend perfekt und faszinierend. Pina war im Geiste dabei und hat den Einsatz gegeben.
Den ersten Anstoß zur Weiterführung dieses sagenhaften Ballett-Ensembles hat sicher der Film von Wim Wenders gegeben. Er hat mit  Bewunderung und Zärtlichkeit für die große revolutionäre Choreografin die Schockstarre gelöst.
Café Müller: Pina Bausch ist in der Nähe dieses Cafés in Solingen aufgewachsen und hat so manches süße Teilchen dort gekauft. Dabei hat sich ihr Unterbewusstsein mit Szenen und Dramen gefüllt, die sie 1978  als Ballett verarbeitete. Seitdem zählt Café Müller zu den  Klassikern des modernen Tanztheaters, ähnlich wie Béjarts Bolero.
Ruhrgebiet in den70er Jahren: Ein großer eher nüchtern-seelenloser Raum, der durch eine Drehtür betreten wird, links und rechts jeweils eine weitere transparente große Tür. Kaffeehausähnlich stehen überall einfache Holzstühle und Tische.  Helena Pikon tanzt perfekt Pinas Rolle der großen schmalen weißen Frau, die sich 45 Minuten vorsichtig durch den Raum tastet,  in der Drehtür hängen bleibt und den Absprung nicht findet, Stühle umrennt, an Tische stößt und erschrocken zurückweicht, auf der Suche nach etwas, was es in dem Raum nicht gibt. Eine rothaarige  Frau  mit Mantel taucht auf, sie trippelt ziellos auf Stöckelschuhen durch das Café ohne wirklich etwas zu tun. Es erscheint eine weitere blinde Frau, auch weiß gekleidet. Ihr voraus rennt ein Mann und versucht hektisch und mit viel Lärm die Stühle und Tische aus dem Weg zu räumen. Ständig fällt jemand oder etwas auf den Boden, wird wieder aufgesammelt und fällt wieder runter. Das Stück handelt von Hoffnungslosigkeit, vom erfolglosen Suchen, vom Versuch, Hindernisse zu überwinden und von der Perfektion durch Wiederholung. Begleitet werden diese Szenen durch Henry Purcells wunderbare Musik.
Nicht enden wollender Applaus. 25 Minuten Pause um die Bühne für « Le Sacre du Printemps » vorzubereiten. Dazu werden großen Mülltonnen voller Erde auf die Bühne verbracht und von ca. 20 Männer über die ganze Bühne verteilt. Die Zuschauer wagen es nicht, an der Bar ein Glas Prosecco zu trinken aus Angst, etwas von dieser Show zu verpassen, die fast Teil der Inszenierung ist.
Dann geht es weiter – allerdings erst nach 35 Minuten, weil sich das Publikum nicht beruhigen will! 1975 hat sie dieses Frühlingsopfers konzipiert, es war (und ist) Pinas Paradestück und bis heute unerreicht, niemand hat Strawinskys Musik besser zu verstanden  oder umgesetzt. Man möchte meinen, er hat diese Musik komponiert, damit Pina Bausch daraus ein Ballett machen kann. Es ist ein archaisch-ritueller Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Mann und Frau. Die Bühne ist leer – bis auf die Erde – die Tänzer sind alle hell-schlammig gekleidet, ein roter Umhang liegt auf der Bühne. In Ekstase wirbeln die männlichen und weiblichen Tänzer über die Bühne, wälzen sich  auf dem Boden, fliegen von einer Ecke in die andere, man hört ihr erschöpftes Atmen. Paare formieren sich, trennen sich wieder, finden einen anderen Partner, bis zu dem Moment, in dem das Oper ausgesucht wird, ein endlos scheinender Kampf, keine will den roten Fetzen anziehen. Sie schieben sich gegenseitig in die Mitte der Bühne. Mittlerweile sind alle Tänzer mit Erde beschmutzt und braun-dreckig (die  Anmut geht aber nicht verloren), sie haben fast die Grenze des Machbaren erreicht. Ditta Miranda ist das Opfer und man fragt sich, woher die kleine Person die Kraft nimmt, immer weiter zu machen, wieder aufzustehen, bis sie schließlich endgültig am Boden liegen bleibt. Ein paar Sekunden noch Stille, so gepackt ist das Publikum und dann bricht ein Tsunami  an Beifall los.
Die Tänzer von Pina Bausch sind alle ein wenig besser, perfekter und stärker als die anderen. Jede/r ist auch Solist und so tanzen sie auch. Jede Bewegung stimmt immer 100% und trotz unterschiedlicher Körpergröße, vermitteln sie eine Harmonie, die durch nichts gestört wird.
Die Nijinsky Inszenierung im Théâtre des Champs-Elysées in Paris 1913 wurde seinerzeit ausgepfiffen und er und Strawinsky zur persona non grata der Theaterwelt erklärt, dabei war diese im Vergleich zu Pina Bauschs Werk richtig brav und Nijinsky ging viel weniger auf diese aufrüttelnde und ausgesprochen beunruhigende Musik, die schon den 1. Weltkrieg ankündigte, ein oder besser, die Zeit war noch nicht reif für Strawinskys Musik.
Bis 2015 will das Ensemble erstmals keine Neuinszenierungen angehen. Die  Latte hängt sehr hoch und die Fußstapfen müssen ausgefüllt werden. Es wird sich zeigen, wie es weiter geht, aber solange die von Pina ausgesuchten Tänzer auftreten, brauchen wir keine Angst zu haben.
Christa Blenk

 

 

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Marcello Nardis singt in Ravello

Marcello Nardis singt in Ravello dans Musique getbildtext2-150x150 Marcello Nardis singt die Wesendonck Lieder in Ravello – am Klavier wunderbar Laura de Fusco

In Ravello dreht sich alles um Richard Wagner: sei es das Graal Hotel, die Klingsor Bar, das Parsifal Restaurant – aber vor allem die Villa Rufolo. In dieser Villa war Richard Wagner 1880 zu Gast und hat dort endlich Klingsors Garten gefunden (in diesem Garten mit Blick auf Amalfi finden den Sommer über jährlich  viele Openair-Konzerte statt). 1953 hat die kleine Stadt oberhalb von Amalfi mit einem himmlischen Blick auf die Costa Amalfitana das Wagner Festival ins Leben gerufen. Wagner-Werke werden dort zwar eher weniger aufgeführt, aber zu spüren ist der Komponist immer noch überall. In den verschiedenen Veranstaltungsorten werden zwischen Frühjahr und Herbst jedes Jahr die unterschiedlichsten Konzerte dargeboten.

2010 wurde mit viel Aufwand das Oscar Niemeyer Auditorium eröffnet. Es ragt direkt ins Meer, passt sich aber vollkommen der bergigen Landschaft und der dortigen,  zum Teil arabisch beeinflussten Architektur an. Allerdings gibt es – trotz bereits vieler Nachbesserungen – noch Akustikprobleme. Für das besprochene Konzert mussten beispielsweise um das Klavier Plexiglaswände aufgebaut werden. Ansonsten ist der 500 Plätze passende Saal beeindruckend, und tagsüber sieht man von der Bühne das Meer über ein riesiges Auge.

Kurz nach der Einweihung dieses spektakulären Konzertsaales hat der italienische Tenor und Schubert-Experte Marcello Nardis einen Schubert-Liederzyklus für das Festival begonnen. Im ersten Jahr sang er die Winterreise, dann Die Schöne Müllerin, und dieses Jahr hat er sich Schuberts letzte große Liedersammlung, den 1828 vom Komponisten fertig gestellten sog. Schwanengesang, mit Vertonungen von Rellstab, Heine und Seidl vorgenommen.

Der Sänger hat diesen dritten Zyklus-Abend mit Richard Wagners Wesendonck-Liedern komplettiert - in Italien eine Premiere, da sie hier noch nie von einem Mann gesungen wurden. Die Wesendonck-Lieder, die Wagner für seine Melpomene Mathilde Wesendonck nach Gedichten von ihr komponiert hat, waren ursprünglich für Frauenstimme und Klavier gedacht, obwohl zu Wagners Zeiten dann und wann auch mal ein Mann eines der Lieder vorgetragen hatte. Wenn Marcello Nardis sie singt, bekommen die Lieder einen ganz anderen Sinn, wir hören sie nun aus der Sicht und mit der Sehnsucht eines Mannes; « sie sind sehr männlich », sagt Nardis auf die Frage, warum er sich dafür entschieden hat. Er trägt sie wie ein Gott vor, sehr textverständlich (die harte Schule von Peter Schreier?), jede Note und jeder Buchstabe gefühlt und betont. Mit seinen über drei Oktaven gibt er uns zuweilen den Eindruck, dass mehrere Sänger auf der Bühne stehen. Seine Körpersprache und sein Gesicht ersetzen eine Inszenierung – Freude, Leid, Kraft, Abschied, Sehnsucht, Schmerz!

Am Klavier begleitet hat ihn die Napolitanerin Laura de Fusco – sehr sensibel, sympathisch und energisch; und trotz Lichtproblemen am Anfang haben Beide ganz schnell zueinander gefunden und eine super Performance hingelegt. Kein Husten oder Rascheln im Raum und beim « Atlas » haben alle den Atem angehalten.

 

ravello-067-150x150 dans Musiqueravello-004-150x150ravello-068-150x150 Mimmo Paladinos 19 Skulpturen vor dem Eingang zum Auditorium

ravello-028-150x150 Villa Rufolo – Tribüne über der Amalfi Küste

Portrait-Reihe

Portrait Marcelo Nardis

 

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Diana Krall in Rom

Diana Krall in Rom dans Musique auditorium-004-150x150juli2013-052-150x150 dans Musique

Diana Krall hat gestern in Rom ein eher enttäuschendes Konzert gegeben.

Trotz heftigen Regengüssen bis ca 19.00 Uhr konnte das Konzert letztendich doch – wie geplant – in der Cavea des Auditoriums, d.h. unter freiem Himmel,  abgehalten werden. Beginnen konnte es zwar dann erst um 21.30 Uhr – weil bis dahin immer noch jemand die Sitze trocken wischen musste.

Von der Diana Krall, die Woody Allen verehrt, war nicht sehr viel zu sehen bzw zu hören. Sie trat mit einer Band auf und bis auf 2 oder 3 Klassiker (« Letter to myself » und « it’s wonderful ») die sie in der Mitte des Konzertes ohne die Lärmer sang, war es eher ein Rock und Pop Konzert. Ansonsten hat sie vor allem viel geredet und immer wieder gesagt « I talk too much! » und mit ihren Jugendsünden (« too much wine and smoke ») kokettiert. Wir haben erfahren, dass sie aus British Colomiba kommt und deshalb Regen sowieso liebt, ihr Großvater Unter-Tage arbeitete, dann eine Bar aufmachte und alles bei Pferdewetten verlor, gerne mit ihren  6-jährigen Zwillingen spielt, eine bessere Köchin ist als wir (das Publikum) denken und nach einem anstrengenden Tag Gin in die Badewanne laufen lässt und darin dann Ukulele spielt und dass sie mit dem Absinken des Gin-Spiegels  auf dem Instrument besser wird. Lieber hätten wir ein paar Jazz Klassiker gehört, aber dazu hatte sie wohl keine Lust, vielleicht war sie auch nich in  Form! Wir haben das Konzert dann um 23.00 verlassen, als die noch ca 2000 verbleibenden  Zuschauer anfingen mitzuklatschen und man von ihr nichts mehr hörte.

borjaprimordial-013-150x150 Emanuel Borja « Album Primordial »

Für alle diejenigen,  die wegen der intelligenten Jazzsängerin mit der rauhen Stimme gekommen sind,  war dieses doch sehr kommerzielle Konzert eine große Enttäuschung.

Christa Blenk

 

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« Curlew River » in der Basilica di Santa Maria in Ara Coeli

Benjamin Britten (1913 – 1976) unternahm 1955/1956 zusammen mit seinem Partner Peter Pears eine Fernostreise. In Japan wurde er erstmals  mit Kabuki und vor allem mit dem  Nô Theater konfrontiert. Tief beeindruckt davon schreibt er 8 Jahre später seine Kirchenparabel  « Parable for Church Performance ». »Das Erlebnis beeindruckte mich zutiefst, die einfache, ergreifende Handlung, der sparsame Stil, die starke Verlangsamung der Aktionen, das große technische Können und die Körperbeherrschung der Darsteller, die wunderbaren Kostüme, die Mischung aus Sprechgesang, Rezitation und Singen, die zusammen mit den drei Instrumenten die Musik ausmachte, all das bot eine völlig neue » Opern-Erfahrung », schreibt er in einem seiner vielen Briefe. Das Libretto hat William Plomer nach einem mittelalterlichen japanischen nô-Drama geschrieben.

Britten hat erfolgreich versucht, den Osten mit dem Westen zu verlinken. Ganz natürlich nehmen wir den ständigen musikalischen Wechsel an und gehen mit. Die aus 12 Bildern bestehende Oper beginnt und endet mit gregorianischen Gesängen. In ihr kommen – ähnlich wie bei Bernsteins MASS – fast alle Musikrichtungen vor: Japanisches Nô Theater, Gregorianische Gesänge, Südsee–Trommel-Klänge, britisch-keltische Volksmusik, Tudor-Musik, Einflüsse von Purcell  und christliche Liturgie geben sich am englischen Styx ein Stelldichein. Verkleidete Mönche führen das Musiktheater in einer Kirche auf. In der Mitte des Kirchenschiffes ist die Fähre, angedeutet nur durch das lange Ruder des Fährmanns. Während der Aufführung  entfernt sie sich vom Ufer.

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Ein Abt ruft seine Mönche zusammen und kündigt in der Kirche ein mystheriöses Theaterspiel an, in dem es drei Hauptrollen geben wird: eine wahnsinnig Frau (madwoman), den Fährmann und den Reisenden. Man befindet sich am Möwen-Fluss. Der Fährmann muss Pilger auf die andere Seite bringen, die dort einen heiligen Ort aufsuchen wollen.  Madwoman mit Rasta-Haaren und einem Einkaufswagen stürzt aufgeregt und singend in die Kirche. Der Fährman erzählt  von einem Fremden, der vor ca einem Jahr in Begleitung eines kranken Jungen mit ihm übersetzte, er wurde am Heiligtum begraben. Madwoman erkennt, dass es sich um ihren entführten Sohn handeln muss und will sich der Pilgergruppe anschliessen, so auch ein weiterer nicht identifizierter Reisender (ob er der Reisende vom Vorjahr ist bleibt uns überlassen).  Angekommen am Grabe des Sohnes erscheint dessen Geist und vertröstet seine Mutter auf ein Wiedersehen am Jüngsten Tag. Alle Reisenden schließen sich der Trauer an. Das Kind segnet die wahnsinnige Mutter, die dadurch geheilt wird und verschwindet wieder im Grab. Damit ist die Geschichte auch schon zu Ende. Die Pilger fahren zurück und nehmen  – auf der anderen Seite in der Kirche angekommen – wieder ihr Mönchtum auf.

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Britten hat zwei musikalische Parabeln geschrieben:  Curlew River und The Prodigal Son. Einmal wird der Verlust aus der Sicht einer Mutter und das andere Mal aus der eines Vaters, der seinen Sohn scheinbar verloren hat und wieder findet, aufgezeigt. Die Trauer über einen verstorbenen Sohn zum einen und die Freude über einen wiedergefundenen zum anderen beschreibt er mit sparsam-minimalen aber rituell theatralischen Klangfarben. Es ist eine Meditation über Verlust, Hoffnung, Trauer, Glaube und Liebe, die unter die Haut geht.

James Conlon am Pult auf der rechten Seite. Links Roberto Gabbiani und der Mini-Chor. Benjamin Hulett war eine umwerfende und angsteinflössend-verzweifelte « madwoman », sehr intensiv und dunkel  der Fährmann Anthony Michales-Moore, Philipp Addisen war der mysteröse Reisende im Trenchcoat.

Die Aufführung wurde in Zusamenarbeit mit der Oper Rom organisiert, von ihr kamen auch Chor- und Orchestermitglieder. Eine Glanzleistung, gestört allerdings durch das  sehr laute und sich ständig in Bewegung befindliche Publikum – immer auf der Suche nach einem besseren Platz. Aber schließlich waren wir in einer Kirche und nicht im Opernhaus.

Christa Blenk

Illustrationen: Emanuel Borja « Primordial » Skulpturen

 

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« Orphée d’Or » für « Madame Curie »

Elzbieta Sikora hat für « Madame Curie » gerade zwei Preise gewonnen:

ACADÉMIE DU DISQUE LYRIQUE
GRAND PRIX INTERNATIONAL DU DISQUE LYRIQUE
ORPHÉES D’OR 2013
25 juin 2013, Théâtre du Châtelet

dsc_0401-150x150 dans Musique  MEHR

 Portrait d’Elzbieta Sikora

meine DVD Besprechung

Weltpremiere in der UNESCO 

 

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