Archives pour la catégorie Musique



Licht und Power_Game1 – Aufführung des CRM

Und immer lockt das Weib!

Artikel für KULTURA EXTRA

Elektronische Musik trifft auf zeitgenössische Choreografie 

 musikskulptur-crm CRM Musikinstallation

Das Centro Ricerche Musicale (Musikentwicklungszentrum – CRM) ließ das Sommerprogramm am 17.9. (und 18.9.) mit einem sehr außergewöhnlichen und spannenden Musik-Happening ausklingen. Eine ganze frische Kooperation (2014 entstanden) zwischen dem italienischen CRM (Musikentwicklungszentrum) und der Tanzkompanie Excursus unter Leitung von Ricky Bonavita.

Es darf sich einer nur für frei erklären, so fühlt er sich den Augenblick als bedingt. Wagt er es, sich für bedingt zu erklären, so fühlt er sich frei. Oder:„Niemand ist mehr Sklave, als der sich für frei hält, ohne es zu sein.“ (aus Goethes Wahlverwandtschaften Teil 2, Kap. 5) – das Motto des Abends.

Power_game 1 ist viel mehr als nur ein Dialog zwischen Körper, Körpersprache und Bewegung. Es ist ein akrobatischer und überirdischer Hexentanz, der Himmel und Hölle und Macht und Ohnmacht behandelt. Immer wieder sind Parallelen zu Stockhausens „Licht“ festzustellen. Die zwischenmenschlichen Beziehungen, die Huldigung der Macht und die dazu gehörenden Kniebeugen, symbolische Kämpfe und Mann-Frau-Mann Konflikte sowie die Auseinandersetzung damit bis hin zu Reue und Versöhnung und zur einsamen Meditation. Ricky Bonavita hat selber die Rolle von Ironie und Dramatik, vielleicht die des Luzifers, getanzt und sich dazu ein bös-zynisches Gesicht gemalt.

Vier Tänzer in zum Teil abgerissenen oder zerrissenen Straßenkleidern stürmen nacheinander auf die Bühne und beschnuppern sich – es ist ein Abtasten der Dominanzmöglichkeiten. In einem Hin- und Her versuchen sie sich kennen zu lernen. Bis plötzlich zwei Frauen auftauchen (vielleicht Charlotte und Ottilie), verführerisch, abweisend, schön, aus einer anderen Welt, stehen sie im krassen Gegensatz zu den herunter gekommenen Männern, die sie verachten und verstoßen und von denen sie sich dann wieder umgarnen lassen, um gleich darauf wieder auseinander zu gehen und sich dem Nächsten anbieten. Zum Schluss ist nicht mehr ganz klar, wer über wen Macht ausübt und wer wen verführen will oder kann. So geht das Spiel ca 40 harte Minuten lang – auch für uns faszinierte Zuschauer war es anstrengend, die Musik fordert viel und lässt einen immer wieder von Neuem die Geschichte erfinden. Irgendwann haucht sie aus bis nur noch das gewollte Knistern der Lautsprecher übrig ist und die Tänzer nacheinander und allein die Bühne verlassen. Eine bemerkenswerte Darbietung. Michelangelo Lupone hat eigenhändig seine Musik von der ersten Reihe aus geregelt und kontrolliert, was der Aufführung eine ganz persönliche Note gab.

crmpercussionVorbereitet darauf wurden wir durch « sound scenes » aus Stockhausens Licht-Zyklus (Freitag).Vibra Elufa, Perkussions-Zyklus und Tierkreis. Jonathan Faralli stand in einem Gefängnis aus Schlagzeugen, Vibraphonen und sonstigen Gegenständen, auf die man schlagen kann. Und über dieses Instrumenten-Lärm-Gefängnis war eine Art dicker Lüftungsschlauch drapiert (vielleicht eine Anspielung an das unendlich-Zeichen von „arte-e-scienca – segnoinfinito“), das auch zum Einsatz kam. Der Florentiner Faralli ist ein Meister, der sonst mit Berio oder Cage arbeitet, er war bis zum Äußersten gespannt, dynamisch, überlegen und ruhig – kurz: großartig. Das Eva-Versuchungs-Epos aus Freitag (wohlweislich an einem Mittwoch aufgeführt, um den Verfechtern des unglückbringenden Freitag gerecht zu werden) war die perfekte Einleitung zu power_game 1. Stefano Pirandello hat das Lichtdesign entworfen und die einzelnen Stücke abwechselnd in grünes, rotes, blaues oder gelbes Licht getaucht. Um etwas Passenderes zu finden, müsste man sicher lange suchen.

Zuerst fanden wir es schade, dass wir nicht mehr von der Freitags-Geschichte hören durften; das Elektromusik-Balletstück hat uns dann aber komplett entschädigt.

Karlheinz Stockhausen (1928-2007) hat fast 30 Jahre an „Licht“ gearbeitet. Die Aufführungspraxis in Deutschland oder in der Welt wird dem nicht gerecht. Es gibt Aufführungen von einzelnen Tagen wie Samstag in München vor nicht all zu langer Zeit oder Freitag in Leipzig 1996 (damals hat die Presse geschrieben, dass sich die Opernhäuser von Licht distanzierten – viel hat sich ja wohl nicht geändert). Köln hat sich vor zwei Jahren an den Sonntag gewagt. Ich weiß nicht, ob es schon mal irgendwo komplett aufgeführt wurde.

Der italienische Komponist Michelangelo Lupone (*1953) entwickelt elektronische Musik, die fast immer mit Kunst-Installationen kombiniert wird, so hat er z.B. mit Pistoletto, Uecker oder Paladino und vor kurzem mit Livia Galizia Projekte entwickelt (letzteres wurde im Frühjahr im MACRO ausgestellt). Außerdem kooperiert er mit verschiedenen Balletgruppen wie mit dem Tanzhaus in Düsseldorf. 1988 hat er mit der Komponistin Laura Bianchini, die auch diese Aufführungen koordinierte, das Musikentwicklungszentrum, CRM gegründet. Er ist z.Zt. der künstlerische Leiter der Abteilung für Musik und neue Technologien der Santa Cecilia.

Die Tänzer Enrica Felici, Francesca Schipani, Valerio De Vita, Yari Molinari, Emiliano Perazzini und wie gesagt der Chef der Gruppe, Ricky Bonavita waren sehr überzeugend, mit Kraft, leidenschaftlichem Können und kalter Anmut sind sie dieser ansprechenden Choreografie gerecht geworden. Ricky Bonavita hat mit den Großen der Balletwelt wie Martha Graham getanzt und gearbeitet und 1988 angefangen, sich auch mit Choreografie zu befassen bis er dann 1994 mit Theodor Rawyler seine eigene Gruppe Excursus gründete.

Wir sind schon sehr auf die heutige Produktion (eine Hommage an Jiri Kylián) gespannt, die ebenfalls wieder aus Tanz und neuen Kompositionen des CRM bestehen soll. Mehr wurde aber nicht verraten. Bedauernswert allerdings, dass nur ca 90 Personen diesen kleinen highlights der zeitgenössischen Musikszene folgen können, aber mehr Zuhörer passen nicht in das Teatro Ruskaja, das seinen Sitz in der Nationalen Tanzakademie auf dem Aventin hat.

Ein bemerkenswerter Abend!

Christa Blenk

http://www.crm-music.it/

 

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Cavalleria Rusticana

cavalleria2 Zum dritten Mal findet zur Zeit in Albano das „Anfiteatro Festival“ statt. Gestern Abend wurde Mascagnis Cavalleria Rusticana aufgeführt. Diese Verismus Oper würde man heute eine „soap opera“ nennen, auch wenn sie nur eine knappe Stunde dauert. Aber man weiß, dass wir nur eine Szene zu sehen bekommen aus dieser leidenschaftlichen Sizilianischen Bauernehre Geschichte. Sie erzählt die nie sterbende Posse von Ehre und Stolz, Vertrauen und Verrat, flammender Liebe und glühendem Hass, bohrendem Neid und galliger Missgunst und zu viel Wein und das alles eingebettet in religiös-rituell-pagane südländische Ostersonntags-Tragik.

Das Libretto erinnert an Garcia Lorca Tragödien und Ford Coppolas Sizilien Epos und stammt vom naturalistischen Dichter Giovanni Vega, basierend auf einer der Sizilianischen Novellen. 1890 wurde das Werk in Rom uraufgeführt.

Abstecher in das Sizilien des 19. Jahrhunderts. Die Frauen sind alle schwarz aber sonntäglich gekleidet und tragen ein Tuch oder einen Umhang mit Spitzen, bis auf Lola, sie darf kokett in Rot singend auf die Bühne kommen, passend zu Turiddus rotem kecken Halstüchlein. Auf der Bühne ist mit Pappe sehr gelungen ein sizilianisches Dorf nachgebaut. Mit Barockkirche und mittelalterlichen Häusern, einem Marktplatz auf dem ein großes Kreuz mit einem weißen Tuch (wie auf einer flämischen Kreuzabnahme) befindet. Links auf der Bühne Mamma Lucias Haus mit einem Tisch davor, auf dem Weinflaschen und Gläser stehen. Santuzza läuft leidend auf die Bühne und fragt sorgenvoll Mamma Lucia nach Turiddu. Sie vermutet, dass ihr Liebster nach seiner Rückkehr vom Militärdienst sich wieder von leichtfertigen Lola, mit der er früher mal zusammen war, hat verführen lassen. Lola allerdings ist nun mit Alfio verheiratet, der als fliegender Händler durch die Gegend zieht. Alfio kommt von seiner Tour zurück und erzählt, wie schön sein Leben auf der Straße und mit seiner treuen Frau ist. Alle, außer Santuzza, die exkommuniziert ist, gehen sie in die Kirche zur Ostermesse. Als letzte tänzelt Lola singend auf den Platz und dann hinein in Allerheiligste. Turiddu hinter hier her aber Santuzza hält ihn auf, um ihn zur Rede zu stellen. Er wirft sie zu Boden und aus Rache über die verschmähte Liebe erzählt sie alles Alfio. Das Drama nimmt seinen Lauf und nach dem lustigen Liedchen von Alfio wird es nun dramatisch, unterbrochen nur noch einmal von einem friedlichen Ostersonntag intermezzo sinfonico und dem sehr gelungen Trinklied, bei dem dann aber alles eskaliert. Turiddo lädt die Kirchgänger nach der Messe zum Umtrunk, aber Alfio lehnt den Becher ab und fordert ihn heraus. Herzzerreißende Abschiedsszene von Turiddu mit seiner Mutter, in der er sie anfleht, Santuzza – sollte er nicht zurückkommen – wie eine Tochter zu behandeln. Und dann hört man nur noch „Sie haben Gevatter Turiddu umgebracht!.

cavalleria1 Musikalisch ging es gerade noch so. Das Orchester hat nicht gemeinsam angefangen und die Lautsprecher waren viel zu stark eingestellt, was einen Eindruck von Harfenplayback vermittelte. Irgendwann ist es dann ein wenig unter Kontrolle geraten und im Lauf der Vorstellung sind sie alle sehr viel besser geworden. Der Chor, der wunderbar, wichtige und schwierige Partien hat, war manchmal ziemlich gut, aber ein oder zwei Proben mehr hätten geholfen. Santuzza, (Paola Di Gregorio) hat sich gut geschlagen. Sie muss den Hauptteil leisten und es war dann ab 22.00 Uhr sehr frisch und sehr feucht. Turiddu war Gianluca Zampieri, Mamma Lucia Stefania Scolastici. Alfio Stefano Meo und Lola Monica Cucca. Korrekt waren sie alle. Mamma Lucia hat mir gefallen, sie hatte etwas herbes, abweisendes in der Stimme – perfekt für die Rolle. Den Chor leitete Renzo Reni, der auch das Festival mitorganisiert. Am Pult vor dem Orchestra Sinfonica Europa Musica stand Stefano Seghedoni.

Maurizio Marchini hat Regie geführt. Das Bühnenbild war genau so, wie es diese Oper braucht und wie es das Publikum mochte!

Pierro Mascagni wurde 1863 in Livorno geboren und starb 1945 in Rom. Er war einer der Hauptvertreter des Verismo. Obwohl er noch mehrere Opern geschrieben hat, wird eigentlich meistens nur die Cavalleria aufgeführt und die auch nicht sehr oft. Sein lebenslanger Neid auf Puccini plagte ihn enorm, obwohl er von der Cavalleria sehr gut leben konnte.

Das Amphitheater Albano stammt aus dem Jahre 202 n.C. – aber abgesehen von ein paar Seitenmauern (allerdings sehr beeindruckende) ist nicht mehr viel davon übrig. Nur die Form erinnert noch an ein Theater.

Ein gelungener Bauernabend – obwohl sich die Zuhörer fast wie bei einem Picknick benahmen, kamen und gingen wann es ihnen passte und ständig sehr laut redeten – allemal.

Wir kommen wieder.

ruinestromboli Sizilianisches Dorf

Christa Blenk

 

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Anfiteatro Festival di Albano

p1170567 Vom 27.7. bis 16.8.2014 findet zum dritten Mal das Anfiteatro Festival di Albano im Amphitheater von Albano Laziale (Nähe Rom) unter der künstlerischen Leitung von Maestro Renzo Renzi statt. Das Festival ist dieses Jahr sehr vielseitig und hat von Klassik, Jazz, Latino-Musik und Theater alles auf dem Programm.

Die Solisti Veneti eröffneten unter Maestro Claudio Scimone mit einem Programm, das von Vivaldi über Paganini zu Rossini ging. Das meist erwartete Spektakel dürfte allerdings am 14.8. stattfinden. Dann ist die italienische Theater-Ikone und der Shakespeare Start Giorgio Albertazi mit dem Kaufmann von Venedig zu erleben – und er wird Shylock sein.

Wir haben uns auch noch für eine Aufführung der Cavalleria Rusticana zwei Tage vorher, am 12.8., entschieden. Gianluca Zampiere, Paola Di Gregorio, Stefano Meo und Stefania Scolastici werden das einstündige Hauptwerk von Pietro Mascagni aufführen.

Wer aber viel Zeit und Lust hat kann sich auch die Gruppe con Compay Segundo mit einem Programm aus dem Film „Buena Vista Social Club“ anhören oder La Bohème (die in Caracalla musste ja leider ausfallen), den Pianisten Michele Campanella oder das Tanzspektakel Carmen und Carmina Burana bis dann am 16.8. ein Konzert mit den Sorelle Marinetti das Festival beendet.

Über die Aufführungen Cavalleria Rusticana und Den Kaufmann von Venedig wird es dann extra-Berichte geben.

#Mehr über den netten Ort

Christa Blenk

 

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Buena Vista Social Club – Gastspiel in Rom

auditoriumkleinCavea vor dem Konzert

1999 hat Wim Wenders einen Dokumentarfilm über das Musikprojekt « Buena Vista Social Club » gedreht, der mit vielen Preisen ausgezeichnet wurde. Hierbei konnte das Publikum auf einer Reise durch ein charmantes aber dem Verfall preis gegebenes Havana den kubanischen Musikern folgen, wie sie über ihre Musik und über ihr Leben erzählen. Mit einem Auftritt in der Carnegie Hall in New York endete diese wunderbare Werk.

Ry Cooder, der ursprünglich ein Soloalbum mit Ibrahim Ferrer aufnehmen wollte, reise nach dem Erfolg einer ersten CD mit Wim Windres und dem Doku-Team nach Havana, um diesen Film zu drehen. Allerdings ist die schrecklich penetrante elektrische Gitarre und Omnipräsenz in dem Film von Ry Cooder eher störend. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich ihn mir weggewünscht habe. Aber gut, immerhin hat er die ganze Realisierung in Gang gebracht und wollte dann eben auch im Mittelpunkt stehen.

buenavistaOmara Portuondo, Eliades Ochoa, Guajiro Mirabal, Barbarito Torres und Jesus « Aguaje » Ramos sind praktisch seit 16 Jahren auf Tournee und gaben hier in Rom eine bewegende Abschiedsvorstellung in der Cavea (die Freilichtbühne) von Renzo Pianos Auditorium im Parco della Musica. Omara ist die einzige, die im Film mitgewirkt hat, der auch für den Durchbruch dieses « Orchesters » verantwortlich war. Als sie am Donnerstag abend, 84jährig, einen Cha Cha Cha singend die Bühne trat, gerieten die knapp 3000 Zuhörer fast in Extase und feierten stehend und tanzend die kubanische Sängerin.

buenavista2Ansonsten hätten wir uns gewünscht, einige Klassiker eben aus dieser Zeit zu hören. Das Orchester hat sich aber entschieden, ältere Dauerbrenner wie Quiza Quiza oder Dos Gardenias para ti ins Programm zu nehmen – auch wieder verständlich, denn die großen Stars wie Ibrahim Ferrer, Rubén Gonzalez oder Compay Segundo wären eh nicht zu überrreffen gewesen. Sie durften wie dann in Form von Filmen oder Fotos auf der Leinwand im Hintergrund  der Bühne sehen. Obwohl es ein schönes Konzert war, blieb es doch nur ein Abschlatsch eines fantastischen Momentes der Entdeckung dieser kubanischen Musiker, die alle erst mit ca. 60 Jahren gekannt wurden. Ibrahim Ferrer ist 2005 vertorben, Compay Segundo und Rubén Gonzalez 2003.
Christa Blenk

 

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Javier Moreno – Aire

P1170074Der  Tempietto di Bramante ist einer der schönsten und interessantesten Zeugen der Renaissance in Rom. Fast keinen Platz hat er zwischen der Kirche San Pietro in Montorio und der Spanischen Akademie auf dem Gianicolo und das Tor ist fast immer verschlossen.

Um den Tempel herum konnten wir letzten Samstag auf Einladung der Spanischen Akademie Javier Moreno und seine Gruppe mit dem neuen Projekt « Aire » hören und sehen. Ein happening zwischen Musik, Video und Poesie. Es kamen viel mehr Besucher als geplant und da die Dunkelheit abgewartet werden musste, wurden die Musik- und Kunstfreunde auf eine Sangria auf die  wunderbare Terrasse der Akademie eingeladen. Das war genial!

Javier Moreno kommt aus Madrid, pendelt aber seit Jahren zwischen Paris, Buenos Aires und New York, dort hat er auch sein Ensemble gegründet. Er ist Komponist und Kontrabassist. In Rom hat er sein neuestes Projekt « Aire » aufgeführt, eine Fusion von zeitgenössischer Musik,  improvisiertem Jazz, Tanz, Posie und Visueller Kunst.

Die Musiker kommen langsam auf die Bühne, das Leitmotiv summend, nehmen ihren Platz ein, während auf den Bramante-Tempel Bilder, Fotos und Geschichten projiziiert werden, konform (manchmal) mit den Geschichten der Vorleserin. Eine Reise durch die Welt und das Universum auf der Suche nach dem Leben und der Liebe. Interessant, ein wenig zu lang und ein wenig zu mysthisch die Präsentation, erstklassig die Musiker, vor allem der Saxophonist Marcello Allulli. Isabel Cadenas hat vorgetragen, in sehr verständlichem Spanisch aber auch mit diesem alles verzeihenden Honigkuchenpferdlächeln, das uns zum Schluss ein wenig ermüdete. Der Tempel allerdings, ist schöner ohne bunte Bilder und Phantom-Schneeflocken.

P1170067

Christa Blenk

 

 

 

Swing Symphony

Auditorium 001 Auditorium Parco della Musica

Das letzte Konzert der Saison im Auditorium Parco della Musica fand gestern Abend (17.6.2014) im großen Saal Santa Cecilia statt. Wayne Marshall dirigierte die Swing Symphomie von Wyton Marsalis. Was für ein Erlebnis!

Der geniale Trompeter Wyton Marsalis, er gilt als einer der besten der Welt, hat diese Jazz-Swing-Blue-Classic-Kreation 2010 geschaffen. 1961 ist er in eine New Orleaner Jazz-Familie hineingeboren worden. Mit 12 Jahren begann er das Trompetenspiel und studierte später an der Juillirad School of Musik in New York. Ab 1980 gehörte er zu den Art Blakey’s Jazz Messengers. Seit 1982 tritt Marsalis als Solist auf und unterrichtet am New Yorker Lincoln Center, dort ist er auch der Muscal Director der Jazz-Abteilung.

Als Musiker und Komponist steht der Jazz-Pulitzerpreis Preisträger eher auf der konservativen Seite und lehnt ziemlich kategorisch stilistische Jazz Entwicklungen der letzten Jahrzehnte, darunter auch Free Jazz ab. Seine Vorbilder sind Bernstein, Gershwin und Ellington und genauso hört sich die Symphonie auch an.

Zwei Orchester spielen auf der Bühne – insgesamt sicher an die 90 Musiker – die Jazzer sind ganz in Schwarz gekleidet während die Symphoniker mit weißem Hemd und Fliege da sitzen. 5 fantastische Perkussionisten sind über 50 Minuten lang stark gefragt. Links und rechts Geiger und in der Mitte viel Blech.

Mit dem anderen Experten für Gershwin,Bernstein und Ellington war die Wahl des englischen Dirigenten und Komponisten Wayne Marshal eine gute. Er wird übrigens ab Herbst 2014 der neue Chefdirigent des Kölner WDR Rundfunkorchesters. Sichtlich zufrieden mit den Römern stand er gestern Abend am Pult und legte sogar seine vornehme britischen Steife ein wenig ab.

Kentridge 015Marsalis Symphonie ist ein Jazz-Blues-Klassik–Rausch und eine Hommage an alle Jazzkompositionen des 20. Jahrhunderts. Hier hat er die Musikenzyklopädie abgearbeitet und von allem ein wenig in den Topf geworfen. Von „An American in Paris“ über einen kurz angedeuteten Wiener Walzer zu Pink Panther direkt ins Kino zu Annie Hall und Woody Allen. Die Buschtrommel wird dann gleich abgelöst durch einen New Orleans Trauermarsch, die dann direkt Einzug in ein amerikanisches Ballhaus der 40er Jahre halten, wo die Militär-Sonntagskapelle aufspielt und Frauen mit langen Kleidern und Glitter zu Slow und Swing über das Parkett schweben, abgelöst von Charleston Elementen und ganz kurzen melancholischen Blue Notes bis dann Fred Astaire und Ginger Rogers über die Bühne steppen und von I am in the army now abgelöst werden. Klarinette, Flöte, Trompete und Percussion übertrumpfen sich gegenseitig und die Geigen versuchen, Ihren Platz zu behalten. Als einzige Konzession an die Musik des 21. Jahrhunderts hat er hauchzart und fast schüchtern ein paar Klarinetten und Kontrabasseinlagen – leicht orientalisiert – zugelassen. Mehr Potpourri geht nicht.

Die Symphonie ist nicht wirklich genial und einfach doch eher 60 als 4 Jahre alt aber höchst amüsant und unterhaltsam. Das Publikum hat ziemlich begeistert applaudiert.

Der Chor von Santa Cecilia war wie immer ziemlich gut, so war das Orchester. Fabrizio Bosso an der Trompete bekam sehr viel Beifall.

Vor der Pause wurden die nicht so bekannten „Sacred Concerts“ von Duke Ellington aufgeführt. Hier hat man leider mit der Sängerin einen Fehlgriff getan. Petra Magoni hat sich zwar ganz gut durchgemogelt, aber halt gemogelt! Die hohen Töne hat sie nur falsch erwischt, was durch die starke Mikro-Verstärkung erst recht zur Geltung kam. Aber wir sind ja schließlich wegen der Swing Symphonie gekommen.

Christa Blenk

PS die RAI hat das Konzert übrigens aufgezeichnet!

 mercantino 002

Raum – Zeit – Kunst und Töne

Bitte nicht berühren – zählt hier nicht – man muss genau das Gegenteil tun!

Eine interessante, begeh- und berührbare Installation ist seit gestern im Museo Macro zu erforschen.

OASI ist das künstlerische Ergebnis des Forschungsprojektes ADAMO (Adaptive Art and Music Opera) und wurde in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Musikforschung (CRM – Centro Ricerche Musicali) entwickelt. Dieses Zentrum ist 1988 u.a. auf Initiative von Michelangelo Lupone entstanden und beschäftigt sich mit dem Zusammenwirken von Musik und Wissenschaft. 1953 ist dieser italienische Komponist in Solopaca/Kampanien geboren. Er hat schon mit Künstlern wie Pistoletto, Uecker oder Paladino zusammengearbeitet. 2005 hat Lupone ein ähnliches Projekt – auch mit Licia Galizia – über Musik und Wissenschaft für das Goethe Institut Rom entwickelt.

Bericht auf Artmore:

Skulptural-musikalische Installation im Macro

 

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Ars Ludi – Gegen die Zeit

P1150217Ars Ludi nach dem Konzert in der Aula Magna della Sapienza

Percussioni allo specchio: battiti per sconfiggere il tempo :  Schlagen um die Zeit zu durchbrechen

Das Ensemble Ars Ludi gibt es seit 1987. Gianluca Ruggeri und Antonio Caggiano haben es ins Leben gerufen und sind immer noch der Motor dieser Percussionisten-Spezialisten. Wenigstens einmal im Jahr treten sie  in der Aula Magna in Rom auf und das war gestern abend der Fall.  Antonio Caggiano, Rodolfo Rossi, Gianluca Ruggeri und Flavio Tanzi haben  knappe 90 Minuten ein echtes beeindruckendes Musik- Fitness-Programm auf die Bühne gebracht.

Der Kampf zwischen den römischen Orazi und der Curiazi-Sippe aus Alba von Giorgio Battistelli (*1953) eröffnete das Konzert: die beiden Musiker kommen in Kampfhaltung – jeder von einer anderen Seite – auf die Bühne und nähern sich ziemlich wütend und ernst an, springen aufeinander zu und das Trommeln, begleitet von Urschreiben,  geht los. Während der musikalischen Tätigkeit müssen sie obendrein permanent auf einem Kieselkreis von einem Bein auf das andere stampfen. Battistelli liebt Baumaterialien, das haben wir ja schon bei seinem Werk  Experimentum Mundi (uraufgeführt in Rom 1981) gelernt. Unter dem martialischen Gemälde von Sironi passte diese Geschichte ganz vorzüglich.

Von Philip Glass (*1937) eine typische sanfte, leichte und harmonische Komposition Music in similar motion für 2 Marimben und 2 Vibraphone. Unverwechselbar und erholsam nach dem Orazi und Curiazi-Kampf, aber weniger spannend. Das zweite Stück für zwei Marimben komponierte Steve Reich (*1936) und das war – wie so oft bei ihm – eine lange Reise durch den Mittleren Westen mit dem Zug, wir sehen aus dem Fenster und die nur ganz langsam sich verändernde Landschaft zieht vorbei. (s. Artikel über die  Music of 18 musicians). Beide Kompositionen sind in den 60er Jahren entstanden.

Von John Cage (1912-1992), dem einzig nicht mehr lebenden von den gestern abend gespielten Komponisten, führten alle Vier die Third Construction für 4 Percussionisten auf. Hier kam von der Kuhglocke bis zur Meeresmuschel und Sambarassel alles zum Einsatz. Das war schon fast nicht mehr minimal sondern höchst chaotisch und aufregend und Extremsport.

Die Überraschung des Abends war die Fughetta editoriale für drei Sprechende von Paolo Castaldi (*1930). Eine Performance-Komposition für drei Sprachsolisten: Opera Buffa à l’italiana, witzig und originell. Der Text besteht lediglich aus Namen von Musikverlegern- oder Verlagen weltweit.  Castaldi erklärte es selber natürlich am Besten:   “Occorre curare in sede di prova il registro delle altezze, seguendo la disposizione delle note sull’‘esagramma’ che non è un pentagramma, perché si vuole evitare l’emissione intonata o ‘cantata’”. Una parte di questo pezzo, eseguita più lentamente, è quella dedicata agli editori di musica sacra. Può accadere che l’esecuzione si risolva in uno spettacolo da vedere, oltre che un pezzo musicale da udire «   was ungefährt bedeutet:  (« Man muss sich bei den Proben um den Umfang der Tonhöhen kümmern, indem man die Anordnung der Noten auf dem « Hexagramm » befolgt – also sechs, nicht fünf Notenlinien, weil eine intonierte oder « gesungene » Ausdrucksform vermieden werden soll. Ein Teil dieses Stückes, das langsamer dargeboten wird, ist den Herausgebern von Kirchenmusik gewidmet. Es kann passieren, dass die Darbietung sich zu einem Theaterstück zum Anschauen entwickelt, über ein reines anhörbares Musikstück hinaus. »)

Fantastischer Abend – hoffentlich kommen sie bald wieder!

QNG

Christa Blenk

 

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Rossinis Maometto II in der Oper Rom

Die Oper Rom führt in diesen Tagen eine selten gespielte Oper von Gioachino Rossini (1792-1868) auf – Mohammed II.

Rossinis Mohammed II darf man noch zu den Jugendwerken rechnen, er hat es mit 28 Jahren stark beeinflusst und angetrieben von Spontinis Riesenerfolg Hernan Cortes komponiert. Vier Jahre später ging Rossini nach Paris und sollte dort die Lücke schließen, die durch Gaspare Spontinis Weggang entstanden war. Zusammen mit dem Theaterreformator Alexandre Soumet bearbeitete Rossini seinen Mohammed II und brachte das Opus 1826 erneut unter dem Namen La siège de Corinthe (Die Belagerung von Korinth) auf die Bühne.

Zwischen Spontinis Olimpie und Rossinis Maometto II gibt es eindeutige Parallelen: Bei beiden Opern ist die Haupthandung der Konflikt zwischen der Liebe zu einem fremden Eroberer und der Treue gegenüber der eigenen Patria. Die Heroine opfert sich jeweils für das Vaterland und ist bereit, den Feind zu ehelichen, um das eigene Land zu retten. Beide Male sind die Männer auch bereit, die Tochter/Frau für die Sache zu opfern.

Die Handlung findet in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in der Venezianischen Provinz Negroponte statt (Griechenland). Von den Türken bedroht, beschließt der Venezianer Paolo Erisso, unterstützt von seinem Kommandanten Calbo, der in seine Tochter Anna verliebt ist, den Türken zu widerstehen und zu kämpfen. Anna allerdings ist bereits in Uberti di Mitilene verliebt, den sie während Erissos Abwesenheit kennen gelernt hatte. Es stellt sich aber heraus, dass Uberti sich bei Anna unter falschem Namen vorgestellt hat und in Wahrheit der General der Türkischen Armee, Mohammed II, ist. Bevor Erisso sich aufmacht, den Felsen zu verteidigen, übergibt er der Tochter einen Dolch. Damit kann sie sich das Leben nehmen, sollte sie im Falle einer Niederlage den Feinden in die Hände fallen. Anna erkennt, dass Uberti Mohammed II ist und gerät in den ersten Gewissenskonflikt. Die Türken gewinnen und Erisso und Calbo werden gefangengenommen. Der (noch) stolze Erisso verweigert den Felsen aufzugeben und es entsteht ein Blutbad. Mohammed sowie der Vater sind hin- und hergerissen zwischen Vertrauen und Liebe.

Anna wird in das Lager der Türken verbracht und bekommt von Mohammed II einen Ring, der sie beschützen soll. Sie schafft es, ihren Vater und Calbo im Kerker aufzusuchen, gibt ihnen den Ring, vermählt sich noch kurz mit Calbo vor ihrer Mutter Grab und animiert die Männer zur Flucht. Das lassen sie sich auch nicht lange sagen und verschwinden. Anna muss zurückbleiben, da man sie im Lager kennt. Nach erfolgter Schlacht für die Venezianer wird sie von den Türken beschuldigt sie verraten zu haben und erdolcht sich auch wieder auf ihrer Mutter Asche. Mohammed II verzweifelt, hält sie in den Armen bis sie stirbt.

Überraschend gute Aufführung mit fast ausschließlich ausgezeichneten Solisten. Die Kostüme waren weniger originell und irreführend. Mohammed II sah wie ein Christus aus und alle trugen türkisch-arabische Kopfbedeckungen; Anna ein weißes griechisch-anheimelndes Kleid. Das Bühnenbild bestand aus grauem Fels und korinthischen Säulenruinen und Ziegelsteinen. Geschickt!

Wunderbare, an Mozart erinnernde, Arien und Choreinlagen. Der Chor spielt in diesem Stück sowieso eine sehr wichtige Rolle. Das Duo zwischen Anna (ausgezeichnet und immer präsent Marina Rebeka und Calbo (Alisa Kolosova – für mich war sie der heimliche Star mit ihrem wunderbar warmen Mezzo) am Grab der Mutter ist anrührend, ebenso der Trio gleich zu Beginn als Erisso (Giulio Pelligra in Vertretung von Juan Francesco Gatell) Anna mit Calbo vereinigen will. Mohammed II (Roberto Tagliavini) war am Anfang ein wenig wackelig, wurde dann ausgezeichnet. Das Orchester hatte wieder mal ein Problem gemeinsam anzufangen, waren aber ansonsten recht gut. Der Geiger und der Flötist sehr gut. Der Chor der Oper Rom unter Roberto Gabbiani blieb seinem guten Ruf wieder mal treu. Die öffentliche Meinung in Form eines Chores war fantastisch. 

cristina crespo artist: Cristina Crespocristina crespo

Am Pult Roberto Abbado, Regie führte wieder mal Pier Luigi Pizzi. Rundum eine schöne und gar nicht langweilige spritzig-tragische Aufführung. Die 180 Minuten Spielzeit sind im Nu vorbei gewesen.

Der König der Opera Buffa, Gioachino Antonio Rossini (1792-1868), ist diesen Titel nie mehr los geworden, obwohl er ab 1835 und nach 39 Opern den religiösen Mystizismus entdeckte und so originelle und geniale Werke wie La petite messe solennelle komponierte.

Und hier noch eine kleine Anekdote zur zweiten Passion vonRossini : Die Küche!

Als er einmal nicht weiterkam sperrte ihn der Direktor von San Carlo Neapel einfach ein und befahl zu komponieren. Rossini beschwerte sich mit den Worten „und der grausamste aller Direktoren der Opernhäuser der Welt sperrte mich – mit nur einem Teller Maccharoni pro Mahlzeit – einfach in mein Hotelzimmer und befahl zu komponieren“. Vielleicht hat er hierbei die „Tournedos Rossini“ erfunden (vor Hunger!)

Des weiteren soll Rossini gesagt haben: 

Ich gebe zu, dreimal in meinem Leben geweint zu haben: als meine erste Oper durchfiel, als ich Paganini die Violine spielen hörte und als bei einem Bootspicknick ein getrüffelter Truthahn über Bord fiel.“

Christa Blenk

Brundibár

P1150150-2 Plakat der Aufführung Rom

Entartete (schöne) Kinderoper

« Für uns war es etwas ganz Außerordentliches. Es war ein Ereignis, denn es war etwas, das uns an das normale Leben erinnerte » (Aussage einer Zeitzeugin über die Brundibár Aufführungen in Theresienstadt)

Das Licht geht aus und wir hören beunruhigt die Geräusche eines einfahrenden Zuges. Das Dröhnen und Zischen der Dampflokomotive wird immer lauter und langsamer, dann ein Pfeifen bis er schließlich zum Stehen kommt.

In der Ferne ein Kinderchor, die Tür auf der rechten Seite der Bühne öffnet sich und ca 30 Kinder zwischen 7 und 12 Jahren kommen langsam gehend und hell singend in den Raum. Sie tragen armselige verschlissene Kleidung, eine Kopfbedeckung und den Stern auf der linken Brust, Puppen oder anderes Spielzeug im Arm und einen kleine Pappkoffer. Der Vorhang hebt sich. Die Kinder sind in Theresienstadt angekommen.

Arbeit macht frei steht da in den bekannten ungemütlichen Schriftzügen über der Bühne. Graue Brettergestelle überall, aus denen sich die Kinder aber ganz schnell mit Farben und Bildern eine schöne heile Welt zaubern und dazu singen. Der Eisvorkäufer erscheint und bietet seine Köstlichkeiten feil, dann der Bäcker und schließlich der Milchverläufer; zuletzt der Polizist: und hier beginnt das Märchen:

Cesar Borja artist: Cesar Borja

Da der Milchmann den Geschwistern Pepícek und Aninka ohne Geld keine Milch für die kranke Mutter geben will, kommen die Kinder auf die Idee, es dem Leierkastenmann Brundibár gleich zu tun, der durch sein Singen recht viel Geld zugesteckt bekommt. Allerdings erregen sie nur die Aufmerksamkeit von Brundibár, der sie – Konkurrenz witternd – auf der Stelle vom Marktplatz verjagt, d.h. hier lässt er die Kinder vom Polizisten und er Masse verjagen. Erschrocken, ängstlich und verzweifelt legen sie sich schlafen. Die Geschichte nimmt eine positive Wendung als plötzlich ein Vogel, eine Katze und ein Hund (drei Tiere die sich ja sonst nicht unbedingt grün sind) erscheinen und Beistand in der Not und im Kampf gegen Brundibár anbieten. Die Kind-Tier-Gruppe organisiert sich und mit Unterstützung aller anwesenden Kinder vertreiben sie den niederträchtigen Brundibár. Die Geschwister, jetzt optimistisch und stark weil vereint, singen ihr Lieblingslied diesmal viel sicherer und besser und bekommen schließlich genug Geld für die Milch zusammen. Brundibár, der als Böser vom Dienst natürlich nicht so leicht aufgibt, versucht – erfrischend erfolglos – das Geld zu stehlen. Beim finalen Marsch herrscht nur noch Freude über den Triumph aufgrund der Solidarität und des Zusammenhaltes des Guten dem Bösen gegenüber. Vorhang!

Tschuff…… tschuff….tschuff…tschuf..tschufftschufffff .. der Zug rafft sich auf und setzt sich mit einem schneller werdenden und sich entfernenden Dröhnen und Zischen wieder in Bewegung – Richtung Auschwitz.

Krásas Oper ist eine Kinderoper und deshalb auf den ersten Blick eher unpolitisch. Überlebende aus Theresienstadt, die bei den Aufführungen mitwirkten, haben jedoch immer wieder hervorgehoben, dass Krása in der Person von Brundibár das Böse (die Nazis) veranschaulichen wollte (diese Idee hat z.B. die Kushner Inszenierung in Chicago Anfang 2000 aufgegriffen). Ein verdientes happy end nach Abenteuern und Angst macht aus der Geschichte ein Märchen. Der römische Brundibár trug zwar einen langen Soldatenmantel und eine Militärkappe, war aber weder böse noch stark, er ließ den Polizisten die schmutzige Arbeit des Verjagens erledigen. Er endet nur noch als Mantel auf dem Boden. Die beiden stärksten Szenen waren das Ein- und Ausfahren zu Zuges.

Die Musik ist einfach, melodiös und unsentimental, ohne Pathos oder moderne Experimente. Ohrwürmer, die man so schnell dann nicht mehr los wird. Leicht und ansprechend, manchmal an Gershwin erinnernd, fast ein Musical mit Jazz- und dann wieder Walzer-Elementen und tschechischem Lokalkolorit. Alles wird von 12 Instrumenten und 36 Sängern (alles Kinder) bestritten. Die Darsteller haben sich gut geschlagen, sie gehören allesamt zum Kinderchor der Oper Rom. Die ansprechenden und passenden Kostüme sind von Anna Biagiotti. Regie und Bühnenbild von Cesare Scarton und Michele Della Cioppa, am Pult José Maria Sciutto.

Hans Krása gehörte wie Victor Ullmann, Gideon Klein und Pavel Haas zu der verlorenen Generation der Komponisten (alle vier kamen mit dem gleichen Transport nach Auschwitz). Die Musik für diese kunterbunte und spitzbübisch-lustige Kinderoper ist Brecht/Weil Stil und vielleicht sogar als Lehrstück zu betrachten. Beide sollen lernen, die Spieler, die schlimme Zeit zu überstehen und die Zuschauer, das Böse nicht aufkommen zu lassen. Das Libretto hat der tschechische Maler, Bühnenbildner und Kunstkritiker Adolf Hoffmeister (1902-1973) kurz vor der Invasion geschrieben. Der Triumph über Angst und Panik und ein Hoch auf Kameradschaft, Zusammenhalt, Verbundenheit, Solidarität, Mut und Hoffnung sind die Hauptaussagen. Hoffmeister/Krása waren sicher inspiriert vom pädagogischen Erfolg des Brecht-Weill Schulstücks Der Jasager, das zu dieser Zeit schon über 200 mal in Weimarer Schulen aufgeführt worden war. Hoffmeister, nach dem Krieg schon in England sagte darüber „We have actually an opera as a Brechtian didactic drama“.  

Der Berliner Musikwissenschaftler Dr. Kurt Singer, schrieb über die Theresienstädter Aufführungen dass „Brundibár ein Beispiel wäre wie eine kurze Oper heutzutage auszusehen und zu klingen hätte, wie sie den höchsten künstlerischen Genuss mit konzeptioneller Originalität mit modernem Charakter mit brauchbaren Melodien verbinden könne  ..…..  man könne ein Werk nicht mehr loben„ .  Kurt Singer, der auch der Berliner Vorsitzende des jüdischen Kulturbundes war, ist 1944 mit 59 Jahren in Theresienstadt an Folge der Strapazen gestorben.

Hans Krása (1899-1944), der aus einer angesehenen und wohlhabenden Bürgerfamilie stammte, wollte mit Brundibár einen Kompositionswettbewerb gewinnen. Als der deutsch-tschechische Komponist die Oper Brundibár 1938 schließlich fertig gestellt hatte, befand sich sein Land schon im Kriegszustand und Krása musste aufgrund seiner deutsch-jüdischen Wurzeln aus der Öffentlichkeit zurückzutreten. 1942 wurde er in das „Vorzeigelager“ der Nazis, Theresienstadt, deportiert und durfte dort als Leiter der Musiksektion « Freizeitgestaltung » tätig sein. Nicht wissend, dass seine Oper Brundibár zwischenzeitlich – heimlich – und auf Initiative von Rudolf Freudenfeld im Prager Jüdischen Waisenhaus aufgeführt wurde. Freudenfeld kam 1943 ebenfalls nach Theresienstadt. Glücklicherweise gelang es Ihm unter den erlaubten 50 kg Gepäck einen Klavierauszug von Brundibár mit hinein zu schmuggeln. Auf dessen Basis, Krásas Gedächtnis und den zu Verfügung stehenden Instrumenten und Solisten im Lager schrieb Krása die Oper nach bzw. um. Er nahm auch Änderungen am links-gerichteten Text von Hoffmeister vor und die Botschaft lautete danach nur mehr, dass das Gute über das Böse siegen kann solange man nur zusammen hält. In Theresienstadt hielten sich damals unzählige Musiker, Künstler oder Sänger auf, und es sind im Laufe der darauf folgenden Tage und Wochen immer mehr von den in Prag mitwirkenden Kinder und Erwachsenen im Lager angekommen, was bis 1944 zu über 50 Aufführungen führte. Darunter eine Extra-Aufführung 1944 für eine Inspektion über die Lebensbedingungen in Theresienstadt des Rotes Kreuzes, die auf die « Show » reingefallen sind oder es nicht sehen wollten. Für die teilnehmenden und zuhörenden Kinder brachten diese Ereignisse ein Stück Normalität mit sich (vielleicht hat sich ja Benigni in « La vita e bella » daran inspiriert? ). Von Aufführung zu Aufführung waren die Rollen allerdings anders oder neu zu besetzen, da die eingespielten Darsteller immer wieder in Vernichtungslager deportiert wurden. Im Konzentrationslager Theresienstadt bestand zwar die Möglichkeit eines kulturelles Lebens – ein Vorzeigelager wie es die Nazis im Propagandafilm « TheresienstadtDer Führer schenkt den Juden eine Stadt » gerne zeigten (für den Film wurden sogar Auszüge aus der Oper verwendet) war es natürlich trotzdem nicht. Es war und blieb ein Zwischenstopp in die Gaskammern, die Vorhölle sozusagen. Dass Krásas Brundibár dort über 50 mal aufgeführt wurde half ihm persönlich nichts. Er und viele der Mitwirkenden wurden 1944 nach Auschwitz-Birkenau deportiert und kamen dort um.

Dagmar Lieblová, eine Überlebende und Mitwirkende bei der Premiere (sie war damals 13 Jahre alt) erinnerte sich später « Für uns war es etwas ganz Außerordentliches. Es war ein Ereignis, denn es war etwas, das uns an das normale Leben erinnerte ». Drei Monate nach der Premiere kam sie auch nach Auschwitz, wo außer ihr ihre ganze Familie ums Leben kam. « Ich habe darüber nachgedacht, ob es wirklich so sein wird, dass ich nie wieder etwas anderes sehe, als den Stacheldraht, die Blöcke und die Kamine ».

Bis Ende der 70er Jahre war es dann ganz still um Brundibár, bis die Benediktinerschwester Veronika Grüters im Zuge ihrer Familienforschung das Werk entdeckte es und anhand eines Klavierauszugs in tschechischer und hebräischer Sprache rekonstruierte. Der tschechische Violonist Joza Karas hat Mitte der 70er Jahre schon Brundibár nach USA und Kanada gebracht. Nach 1985 brach ein regelrechtes und fast weltweites Bundibár- Fieber aus. In Deutschland wurde es auch an vielen Schulen u.a. in Freiburg, Bielefeld, Görlitz, Berlin, Bonn aufgeführt, in Prag und Warschau sowieso. 1995 kam Brundibár schließlich auch nach Israel. Der Amerikaner Tony Kushner brachte Anfang 2000 eine sehr kontroverse und diskutierte Inszenierung für das Chicago Opera Theatre auf die Bühne, bei der Brundibár einen Hitler-Schnurbart trägt. Das von Maurice Sendak illustrierte Buch dazu war unter den Preisträgern „New York Times Book Review’s 10 Best Illustrated Books of 2003“.

Von den sechs Aufführungen waren vier den Schulen vorbehalten.

Christa Blenk

Street Art San Lorenzo Street Art (Foto© Christa Blenk)

The little Match Girl Passion de David Lang

Les contes de fées sont cruels !

SanLorenzo-Figuratif 014 Street Art

Ceux qui disent que la musique contemporaine ne déclenche pas d’émotions devraient se pencher sur cette pièce intense et ingénieuse. David Lang ( né en 1957) a mis en musique et adapté l’essentiel du texte du conte de fées « La petite fille aux allumettes » de Hans Christian Andersen .
Il en est résulté une sorte d’oratorio d’environ 40 minutes pour quatuor vocal et percussions que nous avons eu le privilège d’écouter la nuit dernière dans la salle Sinopoli de l’Auditorium Parco della Musica .

Come, daughter, help me daughter – Ainsi commence la première aria pour soprano. Une petite fille, délicate et fragile, essaye de vendre quelques allumettes afin de rapporter un peu d’argent à la maison pour acheter de la nourriture. Mais en ce dernier jour de l’année pas un seul passant compatissant ne lui achète quoi que ce soit. Dans ce froid mordant qui envahit peu à peu ses pauvres jambes nues, elle gratte une allumette, afin se réchauffer un peu, et se donner pendant quelques secondes l’illusion d’un monde lumineux et chaleureux. Lights were shining from every window, and there was a savory smell of roast goose, for it was Newyear’s eve – yes she remembered that …. L’allumette s’éteint déjà. Elle se persuade, pleine d’espoir, d’en allumer une autre , et puis vite encore une autre, parce que cela lui fait du bien , Ah, perhaps a burning match might be some good….. encore et encore .

L’aria Have mercy, God – my God have mercy est belle et envoûtante. Elle nous entraîne dans des sentiments de compassion que Bach n’aurait pas surpassés. Elle gratte une dernière allumette sur le mur de la maison (nous l’entendons craquer, cette allumette, cela se passe devant nous) et reconnaît sa vieille grand-mère. Avec elle, enfin heureuse dans son rêve, elle s’élève avec bonheur vers le ciel.

L’aria When its time for me to go est un frisson chanté. Nous resserrons frileusement nos cols et nos foulards et nous nous sentons également geler. « Les contes de fées sont cruels », traverse à nouveau mes pensées .
Le lendemain matin, elle est là, allongée, un sourire sur son pâle visage . Dans une main, les allumettes brûlées , dans l’autre celles qui n’ont pas encore servi.
Avec l’aria We sit and cry – Rest soft, daughter, rest soft l’œuvre touche à sa fin et la petite fille a enfin trouvé sa paix.
Le maestro Tonino Battista nous laisse longtemps aux prises avec nos émotions jusqu’à ce qu’il libère tout à coup les applaudissements. Nous ravalons la boule que nous avons dans la gorge et nous sentons peut-être un peu manipulés .
David Lang est un compositeur religieux – ce qu’était également Bach . La Passion selon saint Matthieu a été sa source d’inspiration – il le dit dans ses «Composer Notes« . Puisant dans les textes de Hans Christian Andersen , HP Pauli et Picander, Lang met en scène un conte de Noël pour enfants qui oscille en permanence entre peur et morale, souffrance et espoir, frayeur et beauté. Le froid est vaincu par les rêves de bonheur. Sans pathos, minimales et mélodiques, les voix se complètent par des répétitions et des analogies claires et insistantes, des changements rythmiques et mélodieux très subtils. La musique, archaïque et moderne à la fois, émotionnelle et belle veut faire de cette envoûtante histoire triste le discret témoignage d’une foi positive.

A certains moments, nous revivons ce mélange de panique et de compassion, mais aussi cette sensation étrange qui nous envahissait lorsque, à notre demande, notre mère nous lisait pour nous endormir ce récit impitoyable, cruel et triste.
La structure de cet oratorio est similaire à la Passion selon saint Matthieu, les airs répétitifs étant remplacés par des récitatifs qui racontent dans le détail cette tragédie, en 15 sections qui nous tiennent en haleine .
Maria Chiara Chizzoni , Patrizia Polia , Carlo Putelli , Giuliano Mazzini sont les solistes exceptionnels sur qui tout est construit. La remarquable coordination entre les voix permet à certains passages de sembler faciles, alors que la difficulté de la partition est réelle et la simplicité qui en résulte est la clé de notre plaisir.

L’Américain David Lang a remporté le Prix Pulitzer pour ce morceau de musique en 2008 . Il a également écrit une partie de la musique du film « La Grande Bellezza », Oscar du meilleur film étranger 2014.

Auditorium 007 Auditorium Parco della Musica

Christa Blenk 22 mars 2014

(Trad. JN Pettit)

Märchen sind grausam

SanLorenzo-Figuratif 014 Street Art (Foto: Christa Blenk)

Märchen sind grausam!

David Lang hat das Märchen von Hans Christian Andersen vertont:

The little Match Girl Passion von David Lang – Bericht auf KULTURA EXTRA

Wer sagt, dass zeitgenössische Musik keine Emotionen auslösen könne, sollte sich dieses ansprechende und ingeniöse Stück ansehen/anhören. David Lang (*1957) hat das Märchen „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“ von Hans Christian Andersen vertont und selbst den Großteil des vorhandenen Textes umgeschrieben.

Daraus entstand ein ca 40 Minuten Opus für Vokalquartett und Percussions-Instrumente. Gestern abend wurde es im Sinopolis-Saal des Auditoriums Parco della Musica aufgeführt.

Come, daughter, help me daughter – so beginnt die erste Arie für Sopran. Zart und zerbrechlich erscheint das kleine Mädchen, das im Verlauf der Geschichte versucht, ihre Zündhölzer zu verkaufen, um Geld für Essen nach Hause zu bringen. Da aber kein mitleidiger Passant an diesem letzten Tag im Jahr ihr etwas abkauft und die Kälte ihre barfüssigen Beine hochkriecht, fängt sie an, die Zündhölzer nach und nach anzuzünden, um für Sekunden die Illusion einer heilen warmen und leuchtenden Welt zu erleben. Lights were shining from every window, and there was a savory smell of roast goose, for it was Newyear’s eve – yes she remembered that ….Dann erlischt das Streichholz. Sie überredet sich und zündet hoffnungsvoll und schnell ein weiteres an Ah, perhaps a burning match might be some good ….. immer wieder.

SanLorenzo Street Art Street Art (Foto: Christa Blenk)

Die Arie Have mercy, God – my God have mercy hätte Bach nicht schöner, packender und einfühlsamer komponieren können. Nach der neunten Stunde zündet sie an der Hausmauer ein weiteres Streichholz an (wir hören es) und erkennt ihre alte Großmutter. Mir ihr steigt sie im Traum selig gen Himmel. Die Arie When its time for me to go ist gesungenes Bibbern. Wir ziehen unseren Schal enger und frieren auch. Märchen sind grausam, denke ich nochmals.

Am nächsten Morgen liegt sie da mit einem Lächeln auf ihrem bleichen Gesicht. In der einen Hand die abgebrannten Zündhölzer, in der anderen die noch nicht Verbrauchten.

Mit der Arie We sit and cry – Rest soft, daughter, rest soft geht es zu Ende und sie ist wohl erlöst.

Der Dirigent Tonino Battista lässt uns lange warten bis er den Applaus frei gibt, plötzlich bricht er aber dann los. Wir schlucken unseren Kloß im Hals hinunter und fühlen uns vielleicht doch ein wenig manipuliert.

David Lang ist ein religiöser Komponist – das war Bach auch. Die Matthäus-Passion war seine Inspiration dafür – das sagt er auch in seinen „Composer Notes“. Der Text ist von ihm nach Hans Christian Andersen, H.P. Pauli und Picander. Lang erzählt eine Kindergeschichte zur Weihnachtszeit die zwischen Gefahr und Moral, Leid und Hoffnung und Schrecken und Schönheit gleichberechtigt hin- und herpendelt. Die Kälte wird durch die schönen Träume verdrängt. Ohne Pathos, minimal und melodiös und mit klaren und eindringlichen Wiederholungen wechseln und ergänzen sich die Stimmen. Sehr subtile rhythmische und melodische Verschiebungen. Archaisch und modern, emotional, schön und bedrückend die Musik zu dieser ergreifend traurigen Parabel, die dann doch die positive Seite eines Glaubens verteidigt.

Für einen Moment fühlt man diese Panik und das Mitleid, aber auch den Reiz der uns als Kind überkam, wenn die Mutter auf unser Drängeln diese hartherzigen, grausamen und traurigen Märchen vorlas.

Der Aufbau dieser Minioper oder eher dieses Oratoriums  ist ähnlich der Matthäus-Passion. Die repetitiven Arien werden von langen aber nicht langweiligen Rezitativen abgelöst, in denen die Geschichte – in 15 Abschnitten – erzählt wird.

Die hervorragenden Solisten waren Maria Chiara Chizzoni, Patrizia Polia, Carlo Putelli, Giuliano Mazzini. Auch wenn es sich oberflächlich leicht anhörte, mussten die miteinander koordinierten Solisten sehr viel leisten, um dieses „Mühelose“ zustande zu bringen.

Der Amerikaner David Lang, der u.a. auch Schüler von Hans Werner Henze war, gewann für dieses Stück 2008 den Pulitzer Musikpreis. Außerdem hat er einen Teil der Musik für den Oskar-Preisträger „La Grande Bellezza“ geschrieben.

**

Den zweiten Teil des Konzertes bestritten Werke von Arvo Pärt. De Profundis für Männerchor, Orgel und Percussion. Das haben sie nicht genug geübt und der Chor hatte echte Probleme, dem etwas schwachen Organisten zu folgen, da konnte auch der ausgezeichnete Tonino Battista nichts mehr retten.

Beim großen Miserere-Finale lieft der Chor PMCE – Parco della Musica Contemporanea Ensemble unter Leitung von Ciro Visco dann aber – fast – wieder zur Hochform auf.

Christa Blenk

Auditorium 002 Auditorium Parco della Musica

 

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Riccardo Santoboni: Rot – Gelb – Grün – Blau

Musikinstrument = Form = Farbe   ODER: 

Ein Cello ist eine Tür und ist Rot

Der italienische Komponist Riccardo Santoboni (*1964) hat die Farb- und Formenstudie von Antonio Passa Il Ri-tratto di Antonio in Musik umgesetzt. Ein faszinierendes auditives wie visuelles Abenteuer für alle: Maler – Musiker – Publikum. Anlässlich der Vernissage in der Galerie Hybrida wurde das Werk durch das Nabla Ensemble uraufgeführt. Der Künstler Passa hat für sein Opus vier Farben (Rot-Gelb-Grün-Blau) benutzt. Sein Ri-tratto, bestehend aus sechzig Farbquadraten, hat er in der Folge in vier (geometrische) Formen verwandelt: Tür, T, Treppe, Dolmen. Alle Formen haben die Maße von ca. 2,5 x 2 Meter. (s. auch Artikel über das Kunstwerk):

„Resonanz der emotionalen Wahrnehmung oder Gleichartigkeitswahrnehmung„  – Santoboni hat jedem Instrument ein Bild zugeordnet, das anhand von Klangfarben dargestellt wird. Das melodieführende Instrument hat immer zweieinhalb Minuten das Sagen und wird von den Rhythmus- oder Support-instrumenten begleitet. Lichtspektren und Klangfarbendynamik holen Farbton und Form in den Vordergrund und suchen der Dichte und den Farbnuancen des Kunstwerkes gerecht zu werden, bis der ersehnte Balance-Zustand der jeweiligen Struktur erreicht ist. Die Vielfalt der angewandten Farben spiegelt sich in der Vielfältigkeit der Klangfarben sowie Licht- und Akustikspektren wieder. Die musikalische Sprache ist sehr klar und verständlich und erstreckt sich vom französischen Barock bis ins 20. Jahrhundert.

Und so sieht das Geflecht aus Farben, Formen und Instrumenten aus:

Cello = Rot = Tür
Geige = Gelb = T
Oboe = Grün = Treppe
Kontrabassklarinette = Blau = Dolmen

Tür – T – Treppe – Dolmen

Rot: Santoboni hat diese Farbe dem dunklen und sehnsuchtsvollen Cello zugewiesen. Es ist das Hauptinstrument und beschreibt Passas TÜR. Diese beinhaltet die Quadrate und Linien in den Rot- und Rosafarben. Hierzu gehört auch die Synthese – das Bild Nr. 60. Rot, der Hauptprotagonist hier, steht auch für die tiefste Note dieses Lichtspektrums und wird mit der Textur des Cellos assoziiert. Sie insinuiert mysteriös den Umbruch und die Erneuerung und bereitet auf das was kommt vor. Das Cello ist konstant im Hintergrund, unterbrochen von kleinen Farbkleksen der Geige und langen Strichen. Eine Hommage an Blaubarts Burg.

Gelb: Diese Farbe hat er der Geige zugeteilt, die mit Tönen einen griechischen Tempel bauen soll. Antonio Passa nennt es „T-förmiger Grundriss des griechischen Baus“. Hier treten die gelben Diagonalen auf. Als Symbol für Stabilität und Balance generiert die gut gelaunte Geige durchdringend-schrille Akustikspektren und darf in den höchsten Tönen brillieren. Kapriolen schlagend wirbelt sie hell und dynamisch und barock-französisch tanzend durch das „T“ und wird von den anderen Instrumenten daran gehindert, durch die einzige Öffnung ins Freie zu entwischen. Gut gelaunt verneigen sich alle am Ende vor dem Sonnenkönig.

Grün: Die intensive und durchdringende Oboe ist das Hauptinstrument bei dem Bild TREPPE . Schüchtern erklimmt sie die chromatische Tonleiter, sammelt sich und purzelt dann leicht und geschmeidig die gesamte Tonleiter hoch. Passa hat für die Treppe nur die Diagonalen der für das menschliche Auge am sensibelsten wahrnehmbaren mediterranen Grüntöne benutzt. Die Mentalität und Oasen-Vegetation des östlichen Mittelmeerraumes mit all seinen monoton-beruhigenden Klängen und Wiederholungsstrukturen sind hier die hervorstechenden Merkmale.

Blau: Kalt, sideral und rigide geht es in die letzte, vierte Runde und die seltene Kontrabassklarinette ist für knapp drei Minuten der Held auf dem Parkett und beschreibt den unbeweglichen und zuverlässigen DOLMEN.  Die Musik kommt aus weiter Ferne. Seit fast 3000 Jahren steht der mysteriöse Dolmen in Carnac oder Stonehenge. Blaue und lila Töne sowie die dazugehörigen Diagonalen und Farbmarkierungen repräsentieren ihn. Das angestrebte Equilibrium über die Phasen Rot, Gelb, Grün zu Blau ist erreicht und das Stück pendelt sich in einen harmonischen Zustand. Blau ist das prominenteste Fragment (sagt Santoboni) und stützt den kompletten Aufbau. Die Intervention der Nebeninstrumente ist minimal, streng durch-konstruiert und hilft, die tiefen, vom monotonem Dröhnen dominierten, Töne der dunklen Klarinette oder des düsteren Cellos hervorzuheben.

Die vier Kompositionen sind so verschiedenartig und facettenreich wie es die zur Debatte stehenden vier Farben sind. Jede Komposition hat eine eigene Klang-Philosophie und einen alternativen Aufbau, bis sie sich zum Schluss zu einem 10-minütigen Gesamtwerk vereinen, deren Reinheit nur durch die kleinen Pausen gestört wird.

Riccardo Santoboni ist ein Experte für Computer- und elektronische Musik und widmet sein Leben der Musikrecherche (Human Computer Interaction). In Rom kooperiert er bisweilen mit der Accademia Musicale de Santa Cecilia und ist regelmäßig Gast bei der Accademia Musicale Chigiana. Er ist Professor für Harmonie, Kontrapunkt, Fuge und Komposition an den Konservatorien in Bari und Pescara. Außerdem unterrichtet er Akustik und Psychoakustik an der Universität Tor Vergaga in Rom. Im Jahre 2000 gründete er das Nabla Ensemble, das sich vor allem auf zeitgenössische Musik spezialisiert hat. Seit 2010 ist er Professor für Computermusik am Konservatorium für Musik in Rom Santa Cecilia. Er hat unzählige Diplome u.a. in Elektronik, Orchesterleitung, Chorleitung und Klangwissenschaft sowie einen Master als Klangingenieur. Am Pult stand er u.a. in Rom, Neapel und New York  vor den Orchestern von Neapel und Pescara. Der Musikwissenschaftlicher hat außerdem an vielen internationalen Wettbewerben teilgenommen und etliche Preise gewonnen.

P1140612 Il Ri-tratto di Antonio – Komplett

Christa Blenk

Musik von Riccardo Santoboni

Infos zum Komponisten Riccardo Santoboni

Infos zur Ausstellung von Antonio Passa

 

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MAXXI LIVE MUSIC

maxxi 027

Im MAXXI (das zeitgenössische Museum in Rom im Norden der Flaminia) werden zur Zeit am Samstag abend Konzerte abgehalten – zeitgnössische Musik oder Jazz.

Gestern abend fand in der Galeria 1 – vor der großen « widow » von Anis Kapoor ein Konzert – fast ausschließlich für  Saxophon – statt.

Eingeleitet wurde es  mit einem Projekt von Massimo Massimi aus 2014 – preludio acusmatico « Superfici ».

Im Anschluss spielten die Saxofonisten Marco Pace, Mattia Catarinozzi und Valerio Gianferro Stücke von Giacinto Scelsi « Tre pezzi per sax soprano aus 1956; Luciano Berio « Sequenza IX b per sax contralto » aus 1981; Ryo Noda « Improvvissazione 1, 2, 3″, per sax contralto (1972); zwischendurch überraschte die Flötistin Dafne Cavaliere mit einem Stück von Salvatore Sciarrino « Come vengono prodotti gli incantesimi ».

Den Abschluss bildeten die Geigenschüler unter Maestro Giuseppe Crosta mit « 11 Duetti per due violini » von Luciano Berio  (1979-1983) - Bela – Shlomit – Yossi – Maja – Valerio – DAniela – Leonardo – Fiamma – Alfredo – Igor – Eduoardo.

Interessant und spannend – jedenfalls! Unglaublich laut leider das Publikum, da man mit der Eintrittskarte auch das Konzert hören konnte, gab es sehr viel Laufkundschaft.

maxxi 059

Infos zum MAXXI – Portrait auf KULTURA EXTRA

Christa Blenk

 

Passa, Pythagoras und Santoboni

P1140612 Il Ri-tratto di Antonio, 2008 (240 x 430 cm)

 Passa, Pythagoras und Santoboni

Der italienische Künstler und Kunstanalytiker Antonio Passa befasst sich seit über 40 Jahren mit dem Zusammenspiel von Malerei und Mathematik. Sein Auftragswerk « Il Ri-tratto di Antonio » wurde sogar in Musik umgesetzt.

Der Titel ist ein Wortspiel und bedeutet einmal Selbstportrait (ritratto) aber auch die Wörter Gerade-Linie sowie Abhandlung sind darin versteckt.

Der erste Schritt war das Ausmessen des zur Verfügung stehenden Raumes in der Galerie Hybrida. Diese qm-Zahl hat er durch 60 geteilt und in der Folge seine Studie mit den vier Farben Gelb, Rot, Blau, Grün (in verschiedenen Farbnuancen) realisiert. Die Quadrate sind auf den ersten Blick ohne bestimmte Ordnung angeordnet.

Il Ri-Tratto di Antonio misst 240 x 430 cm und besteht aus 60 Fast-Quadraten (40 x 43 cm). 10 Farbflächen sind horizontal aneinander gereiht; sechs Reihen liegen übereinander. Die Komposition beginnt links oben und endet rechts unten. Die Ursprungsfarbe auf jedem Quadrat ist ein Rosa-Ton. Die Farbe der jeweiligen Fläche ergibt sich durch das Vermischen mit den Grundfarben Gelb, Rot, Blau, Grün. Sie ist – im Uhrzeigersinn – auf jedem Einzelbild als Balken vermerkt und wächst jeweils um einen cm. Das erste Bild heißt „Giallo A 1“, dann « Rosso A 2« , « Blue A 3 » und « Verde A 4 » etc. Ab Bild Nr 41 werden die Farbbalken aus Platzgründen diagonal gesetzt. Bild Nr. 60 ist ein rotes Carré im rosa Carré – sein Ursprungsrosa! Die 60 Bilder haben alle eine verwandtschaftliche DNA . Er hat seine Farb-Familie auf die Leinwand geholt!

Im Laufe der vierwöchigen Ausstellung mutierte ri-tratto dann zu neuen Kreationen: Einmal hat er die Farbquadrate chromatisch angeordnet, dann nach Formen und zum Schluss neue Gemälde gebildet, in dem er z.B. alle Diagonalen entfernte oder alles was Rot ist weg ließ.

Vieles geht uns durch den Kopf: Goethes Farbenlehre, die Farblichtmusik von Mussorskys Bilder einer Ausstellung, die Experimente von Gerhard Richter und Boetti, Yves Klein und seine Symphonie monotone, die amerikanischen Minimalisten Sol Lewitt und Frank Stella und computergesteuerte DNA Berechnungen die zu Noten werden. Der Verfasser von GEB, Douglas R. Hofstadter hätte seine wahre Freude an dieser Studie!

P1140633P1140635 Passa mit Bild Nr 40 und 60 

1939 ist Antonio Passa am Tyrrhenischen Meer geboren. In Neapel hat er Kunst studiert und in Bologna seine Doktorarbeit über « Poesia Visiva » fertig gestellt. 1970 kam er nach Rom und setzt sich seitdem mit dem konzeptuellen Dialog in der Kunst auseinander, unterlegt hat er dieses Konzept 1973 mit der Serie Quadro Quadrato.1986 war der Teilnehmer bei der Biennale di Venezia; zweimal war er bei der Quadrienale in Rom vertreten.

Der ehemalige Direktor der Akademie der Schönen Künste in Rom lebt heute eher zurückgezogen. Wir haben ihn besucht und uns die faszinierende Geschichte seiner Kunstphilosophie erzählen lassen. Kunst existiert nicht, sagt er, sie ist immer der Spiegel unseres derzeitigen Daseins. Bei unserem Ankommen war er gerade dabei, eine auf einen runden Holzrahmen gespannte Leinwand zum zehnten Mal zu überpinseln – das wird eine Hommage an Pythagoras, informierte er uns und schickte hinterher, dass wir doch die Mäntel anlassen sollen, da wir zuerst einen Caffè in der Bar trinken würden. Dort erzählt er dann von Pythagoras und dass dieser vorsokratische Philosoph, Mathematiker und Miterfinder der mathematischen Analyse der Musik einen Großteil seines Lebens in Süditalien verbracht hätte.

P1140627 Werk aus den 80er Jahren

Rahmen – Leinwand – Farbe

Obwohl das – für ihr – die Zutaten für ein Bild sind, geht es erstmal nur um Zirkel, Lineal, Gerade, Winkel, Axiom, Dreieck, Quadrat, Kegel etc. – sind wir wirklich bei einem Künstler oder haben wir uns in der Tür geirrt und einen Mathematiker vor uns? Ein Blick auf die uns umgebenden Bilder, Farbtöpfe und Pinsel strafen unseren Blitzgedanken allerdings Lüge. Farben gibt es für ihn nur vier – allerdings in unzähligen Schattierungen, aber davon spricht er erst beim zweiten Ansatz. Wir lernen auch, dass man, um einen runden Rahmen zu bespannen, die Leinwand in 16 Teile zerschneiden muss, sonst klafft sie immer irgendwo auseinander. Seine Bilder sind von beiden Seiten zu betrachten und perfekt finalisiert (nichts wird auf der Rückseite versteckt!). Er stellt sie am liebsten als Objekt/Skulptur aus.

Mathematisch, rationell und analytisch konfrontiert sich der leidenschaftliche Zigarrenraucher mit den aktuellen Kunst-Richtungen. Heißblütig verteidigt er die « zurückgelassenen » zeitgenössischen italienischen Künstler. In Rom werden sie seiner Meinung nach zu wenig wahrgenommen – er hat recht!

Antonio Passa ist ein strenger Konversationspartner, der nichts durchgehen lässt. Am Ende einer Unterhaltung mit ihm, ist man dafür immer ein wenig schlauer und 30 Minuten werden im Flug zu zwei Stunden!

Der kommerzielle Erfolg ist sekundär für ihn. Wichtig und fundamental ist das Konzept und dessen perfekteste Realisierung. Er produziert wenig. Zwei Jahre hat er an seinem Ri-tratto gearbeitet. Für uns hat er sein „Familienfoto“ aufgebaut, anschließend mussten die 60 Farbflächen auch gleich wieder in ihre Kartons zurück. Er braucht den Platz jetzt für seine Pythagoras-hommage, mit der er sich schon seit fast zwei Jahren beschäftigt. Und natürlich sind wieder geometrische Formen seine Protagonisten: das Dreieck und ein Pentagramm. Wisst Ihr wie schwierig ein Pentagramm zu zeichnen ist? Er musste dafür sogar einen Mathematiker zu Rate ziehen.

2009 wurde „Il Ri-tratto di Antonio“ in der Galleria Hybrida Contemporanea in Rom zum ersten Mal dem Publikum vorgestellt. Das Nabla Ensemble untermalte musikalisch die Vernissage mit dem von Ricardo Santoboni eigens dafür komponierten 15-Minuten Stück (spettacolo multimediale-sinestetico).

Beeindruckt verlassen wir ihn.

Christa Blenk

 

 

Zusatz: Goethe während seiner Italienreise (1786-88) machte ähnliche Beobachtungen und begann selber, Aquarelle zu malen. Ein Blick durch ein Prisma entfachte sein Interesse dann definitif an der Farbenlehre. Seine Annäherung war aber romantischer als die analytisch-mathematische von Passa!

1810 veröffentlichte er « Beiträge zur Chromatik ».

« Der Mensch an sich selbst, insofern er sich seiner gesunden Sinne bedient, ist der größte und genaueste physikalisch Apparat, den es geben kann, und das ist eben das größte Unheil der neueren Physik, daß man die Experimente gleichsam vom Menschen abgesondert hat und bloß in dem, was künstliche Instrumente zeigen, die Natur erkennen, ja, was sie leisten kann, dadurch beschränken und beweisen will. » (Maximen und Reflexionen, in: Karl Otto Conrady: Goethe – Leben und Werk, Band 2, S. 265)

The enchanted Island – nicht für Puristen geeignet!

P1130722-1Unübertreffliches « Pasticcio » was sich die MET hier geleistet hat.

Im 18. Jahrhundert war es an der Tagesordnung – das « Pasticcio », was soviel heisst wie « die Arien aus verschiedenen Opern werden in einen Topf geworfen,  angereichert wird das Ganze mit einem neuen Text, mit viel Humor, witzigen Kostümen und mit William Christie am Pult. Die Zutaten werden dann solange gerührt, bis eine  (nicht) homogene Masse entstanden ist. Voila: das Publikum verzaubernde und hinwegspülende  pasticcio ist fertig ». Puristen dürften allerdings anderer Meinung sein – aber sie irren sich!.

Händel, Purcell, Rameau und Vivaldi – Opern, Kantaten und Oratorien haben dafür hergehalten und als Vorlage für das Libretto hat sich  Jeremy Sams an Shakespeares « Midsummernights Dream » und an « The Tempest » gehalten.

2011 wurde dieses geniale Arragement zum ersten Mal in der MET aufgeführt mit Stars wie David Daniels, Joyce di Donato, Luca Pisaroni, Placido Domingo und Danielle  de Niese. Jede Arie, die uns aus dem normalen Barockopernleben bekannt ist, hat natürlich einen anderen – der Handlung angepassten – Text bekommen.

William Christie – wer auch sonst – kommt ans Pult, der Vorhang hebt sich und es geht los mit Händels Alcina. Ein Zauberwald, das Meer im Hintergrund!

Prospero sitzt also auf seiner Insel und hält Ariel, der vorher der Hexe Sykorax gehörte – gefangen (“My Ariel »  – “Ah, if you would earn your freedom” Antonio Vivaldi: Cessate, omai cessate, cantata, RV 684, “Ah, ch’infelice sempre”.) Ariel (“My master, generous master – I can conjure you fire” aus Handel: Il trionfo del Tempo e del Disinganno, oratorio, HWV 46a, Part I, “Un pensiero nemico di pace”) will unbedingt weg von der Insel und frei sein, muss aber noch eine letzte Aufgabe erfüllen, nämlich: Ferdinand auf die Insel zu holen, damit Prosperos Tochter Miranda einen Mann bekommt. Zwischendurch vertauscht Caliban, der Quasimodo-Sohn von Sykorax (“There are times when the dark side – Maybe soon, maybe now”  aus Händel: Teseo, HWV 9, Act V, Scene 1, “Morirò, ma vendicata”) , das Drachenblut mit den Echsenblut.  ( “The blood of a dragon – Stolen by treachery” aus Händel: La Resurrezione, oratorio, HWV 47, Part I, Scene 1, “O voi, dell’Erebo”) . Miranda träumt von ihrem noch zu kommenden Liebsten. (“Miranda! My Miranda!” Miranda) – “I have no words for this feeling” aus Händel: Notte placida e cheta, cantata, HWV 142, « Che non si dà”).

Der fatale Tausch lässt Ariels Zauber jedoch fehlschlagen (“My master’s books” – “Take salt and stones” aus Jean-Philippe Rameau: Les fêtes d’Hébé, Deuxième entrée:  La Musique, Scene 7, “Aimez, aimez d’une ardeur mutuelle”) und anstatt Ferdinands Schiff landen Helena, Lysander, Hermia und Demetrio  auf der Insel und werden nacheinander an Land gespült. (Quartet: “Days of pleasure, nights of love” aus Händen: Semele, HWV 58, Act I, Scene 4, “Endless pleasure, endless love”.)

Hiermit sind alle Zutaten in der Schüssel und die Voraussetzungen für das Chaos gelegt (Chaos, confusion, madness, delusion singt dann Prospero). Ariel, der zu spät merkt, dass weder Lysander noch Demetrio Ferdinand sind, verstreut einen Zauber über die beiden, die sich dann prompt nacheinander in Miranda verlieben (sie sing dann jedesmal wenn eine neue Liebe beginnt « wonderful, wonderful »  ( « Wonderful, wonderful” aus Händel: Ariodante, HWV 33, Act I, Scene 5, “Prendi, prendi”) . Das ist einfach genial. Als Ariel aber merkt was er angerichtet hat, bleibt ihm nur noch die Möglichkeit, Plácido Domingo also Neptun um Hilfe zu bitten. Ferdinands Schiff muss auf die Insel, sonst droht Gefängnis! (Arise! Arise, great Neptune”  Henry Purcell: The Tempest, or, The Enchanted Island, Z. 631, Act II, no. 3, “Arise, ye subterranean winds”.) Sie schreibt ihm also und endet ihren wundervollen Brief mit « love Ariel ». Neptuno taucht verärgert, weil in seiner Ruhe gestört, auf und jammert, sieht aber dann gleich eine Chance durch diese wichtige Aufgabe aus seiner Altersdepression herauszukommen und eilt zur Hilfe. Nach viel hin und her und einem kurzen Intermezzo zwischen Helena und Caliban (dem Monster – we walked and talked for hours) bleibt dieser wieder allein und traurig (“Mother, why not? – Mother, my blood is freezing” aus Vivaldi: Il Farnace, RV 711, Act II, Scene 5 & 6, “Gelido in ogni vena”). Dann treten alle nacheinander auf und verfluchen ihr Schicksal. (“Curse you, Neptune” aus Vivaldi: Griselda, RV 718, Act III, Scene 6, “Dopo un’orrida procella” und “My God, what’s this? – Where are you now?” aus Händel: Hercules, oratorio, HWV 60, Act III, Scene 3, “Where shall I fly?” ) . Hermia und Helena verstehen die Welt nicht mehr, weil ihr Angetrauter nichts mehr – nach nur 12 Stunden Ehe – von ihnen wissen will und jeder/e läuft jedem/er hinterher. (“Oh, my darling, my sister – Men are fickle” aus Händen: Atalanta, HWV 35, Act II, Scene 3 – “Amarilli? – O dei!” ). Geniale Szene.

Nach einer kurzen Traum-Einlage à la Ludwig XIV mit Tänzen aus Rameau-Werken, die Caliban aufmuntern, kommt schließlich Ferdinand auf die Insel und Miranda verliebt sich zum dritten Mal – diesmal in den richtigen. Ariel macht jeglichen falschen Zauber rückgängig und die Paare finden sich schließlich. (Sextet: “Follow hither, thither, follow me” aus Händel: Il trionfo del Tempo e del Disinganno, oratorio, HWV 46a, Part II, Quartet: “Voglio tempo”). Neptuno ermahnt Prospero sich zu bessern und alles wird gut. (“This my hope for the future »  – “Can you feel the heavens are reeling” Vivaldi: Griselda, RV 718, Act II, scene 2, “Agitata da due venti”).

Mit “Now a bright new day is dawning” gesungen von Alle aus Händels  Judas Maccabaeus, oratorio, HWV 63, Part III, “Hallelujah” geht es fröhlich zu Ende.

Herrliche Choreinlagen, fantastische Arien, wunderbare Regie. David Daniels ist ein trauriger und zugleich böser Prospero, Sykorax die verschlagene Hexe, wird mit jedem Auftritt schöner und menschlicher. Caliban ein fantastisch-scheussliches und witzig-trauriges Monster und Ariel-Danielle De Niese ist der heimlich Star. Sie ist sängerisch wie schauspielerisch unschlagbar und bringt das Publikum zum Lachen und zum Weinen.

Mehr kann man von einem Opernabend nicht erwarten! Am Ende hat man das Gefühl 4 Opern und 2 Theaterstücke gesehen zu haben!

Christa Blenk

cristina crespo Cristina Crespo (artist)

Informationen über Arien und Herkunft Quelle: MET

 

 

 

Controtempo geht weiter

Donnerstag, 6. Februar. Heute in der Accademia Filarmonica Romana – in der Nähe der Piazza del Popolo -

Intertreten: Quartett Diotima

Controtempo suite  Besprechung auf artmore

Controtempo

und hier der highlight-Freitag in der Villa Medici

 

Villa Medici

Christa Blenk

 

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Oper: Die spanische Stunde – Das Kind und der Zauberspuk

AUSGEZEICHNET UND WUNDERBAR!

Uhren Alles tickt! (Senlis)

Zweimal Ravel in der Oper Rom

Die Oper Rom hat das Jahr 2014 mit Ravel begonnen und seine zwei Kursopern „Die spanische Stunde“ und „Das Kind und der Zauberspuk“ aufgeführt. Eine Produktion des Glyndebounre Festivals. Eine erholsame Unterbrechung zwischen Belcanto und Belcanto (Verdi, Puccini, Rossini, Donizetti)!

Bericht auf KULTURA EXTRA

Die Oper Rom hat das Jahr 2014 mit Ravel eingeleitet und führt seine Kurzopern L’heure espagnole (Die spanische Stunde) und L’enfant et les sortilèges (Das Kind und der Zauberspuk) auf. Eine erholsame Unterbrechung zwischen den sonst üblichen Verismo- und Belcanto-Aufführungen!
Der chinesische Vorhang schiebt sich langsam zur Seite und bringt nach und nach ein überdimensionales Wohnzimmer-Kuriositätenkabinett zu Tage. Alles tickt: Wanduhren, Standuhren und Kuckucksuhren: überall… Fahrräder, eine Waschmaschine, ein Bügelbrett mit Bügeleisen, ein Stier, eine Gitarre, Kleidung hängt und liegt herum. Bevor Charles Dutoit also das „go“ gibt, ticken schon die Uhren im Fünf- und Dreiviertaltakt desorganisiert und chaotisch durcheinander, und keine Uhr geht richtig! 45, 90, 180 Schläge pro Minute – jede Uhr wie sie will!
Diese moralische oder amoralische Geschichte könnte immer und überall passieren – die Protagonisten sind: ein eitler und dicklicher Bankier mit Weste; ein verträumter Studenten-Poet in orangefarbener Kleidung mit langer Hippie-Mähne; ein pflichtbewusster, gehörnter aber nicht so dummer Ehemann (der witzigerweise den Namen des grausamsten spanischen Inquisitor Torquemada trägt); eine untreu-frivole und berechnend-schöne Ehefrau (genial: Stéphanie d’Oustrac); ein einfacher und gut aussehender Maultier-Postbote-Möbelpacker mit Tatoo auf der Brust und viel Muskeln sowie zwei große Standuhren…
Pfiffig und großartig die Ideen von Regisseur Laurent Pelly und Ausstatterin Caroline Ginet. Stéphanie d’Oustrac war eine lebendige und sehr sexy Ehefrau und sang alle vier Männer buchstäblich aufs Sofa. Benjamin Hulett (Gonzalvo), François Piolino (Torquemada), Jean Luc Ballestra (Ramiro) und Andrea Concetti (Don Inigo) waren korrekt, aber nicht umwerfend – es sind allerdings kleine Rollen!
Franc Nohaim schrieb das Libretto für diese musikalische Komödie. Bei der Pariser Uraufführung im Mai 1911 kombinierte man „die spanische Stunde“ mit Massenets veristischer Spanientragödie Therèse“ – vielleicht war es deshalb ein großer Reinfall! Die konventionellen Musikkritiker bezeichneten das Stück jedenfalls als musikalische Pornografie. Alfred Jarry war an der Erarbeitung des Libretto beteiligt, dessen Ursprung eine Geschichte von Boccaccio ist.
In Rom blieb uns dann Massenet gottlob erspart, und es ging nach der Pause weiter mit dem „Zauberspuk“:
Ravel sah für diese lyrische Fantasie 21 Sopran-, Mezzosopran-, Tenor- und Bass-Stimmen sowie Chor vor. Colette hat den Text geschrieben (eigentlich ein Kinderbuch für ihre Tochter) an deren musikalischer Umsetzung Ravel über sechs Jahre gearbeitet hat (1919 und 1924). Die Uraufführung fand 1925 in Montecarlo statt. Eine gewisse Antipathie zwischen Colette und Ravel beim ersten Treffen 1900 legte sich, als 1914 der Pariser Operndirektor Ravel das Opernprojekt vorschlug. Bevor er aber 1917 den Antrag annahm, musste er vorher noch in den Krieg ziehen und seine Mutter begraben. Die Oper ist ein impressionistisches Meisterwerk, vollkommen durchkomponiert und mit Zwischenspielen verbunden.
Alles singt! Ein präpubertärer bösartiger Trotzkopf (Khakistoff Gadilia) sitzt an einem riesigen Tisch auf einem sehr hohen Stuhl und will nicht lernen. Er will frei sein, ist frech und wird mit Tee ohne Zucker in sein Zimmer verbannt. Vor Ärger und Langeweile schlägt er alles kurz und klein bis er vor Erschöpfung einschläft. Traum oder Wirklichkeit? Jedenfalls erwachen die Gegenstände um ihn herum zum Leben und werden zu seinen Feinden…

Charles Dutoit stand wieder am Pult und holte aus dem hiesigen Orchester nur Gutes heraus; Robert Gabbiano ist der altbewährte Chorleiter an der Oper Rom. Regie führte (bei beiden Stücken) Laurent Pelly. Barbara de Limburg stattete Das Kind und der Zauberspuk und Caroline Ginet (zuvor) Die spanische Stunde aus. Die Sänger hatten fast alle Doppel- bzw. Dreifachrollen. So sang die fantastische Stéphanie d’Oustrac die Katze und das Eichhörnchen. Kathleen Kim war das Feuer, die Prinzessin und die Nachtigall. Jean-Luc Ballestra (unser Ramiro von vor der Pause) sang die große Uhr und war ein herrlicher Kater; Francois Piolino gab eine überzeugende Teekanne mit Boxhandschuhen, einen Alten und den grüne Forsch. Als Uhrmacher war er längst nicht so gut.
Diese Koproduktion mit dem Glyndebourne Festivals darf man einfach nicht verpassen. Also nichts wie hin, wer die Gelegenheit hat!

Christa Blenk

 

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Controtempo

Villa Medici

Zum fünften Mal findet vom 1. – 15. Februar 2014 das Festival für Zeitgenössische Musik « Controtempo » in der Villa Medici in Rom statt. Dieses Jahr wird es von den Streichern « bestritten ».

Für das Eröffnungskonzert kam Bruno Mantovani nach Rom und mit einer Uraufführung von ihm aus 2011 ging es los.

« Wenn man eine Schaffenskrise hat, muss man den Fernseher einschalten », sagte Montevani zu Beginn. Die 25 Minuten seines Quintetts waren geprägt von Katastrophen, schlechten Nachrichten, Kriegen… nur ab und zu gönnte er uns Zuschauern ein wenig « Werbung » oder « Rosamunde Pilcher ». Unheimlich spannend und aggressiv sein Stück!. Das « Quartetto Tana » hat geschwitzt und die Saiten der Geigen sind nur so weggeflogen.

Mit den « Métamorphoses nocturnes » von György Ligeti ging es weiter. Bei ihm gab es ein wenig ungarische Volksmusik, Walzer und Jazz-Referenzen – aber an Intensität und Originalität konnte er auf jeden Fall mit dem vorherigen Stück (das immerhin 55 Jahre später komponiert wurde) mithalten. Ligeti ist wirklich einer der ganz Großen!

Für das Ligeti- und das darauffolgende Stück gab es keine echten Noten sondern ein i-pad, das per Fußschalter umblätterte. Uns lenkte es ein wenig ab, da wir am Anfang herausfinden wollten, wie das Umblättern gehen sollte.

Das « wütende » Konzert ging weiter mit einem Stück von Alberto Posadas (1967) aus 2010. « Del reflejo de la sombra » (vom Reflex des Schattens) für Quartett und Bassklarinette. Die Musik dieses spanischen Komponisten, der in Paris lebt aber überall zu hause ist, ruft schon bei den ersten Noten eine Gänsehaut hervor und die angeschlagenen Geigen verlieren nun im 10-Sekundentakt die Saiten. Zum Schluss ist der « Pferdeschwanz » der kaputten größer als der noch intakte Teil (insgeheim hatte ich Angst sie würden alle reißen und man müsste unterbrechen). Zumal schon gleich am Anfang der Bassklarinett Alain Billard das Konzert anhielt, da er ein Problem mit den Noten auf dem i-pad hatte. Die Fünf gingen aber sehr professionell damit um, dass man hätte glauben können, es gehöre zur Komposition. Aber: Ende gut alles gut. Was für ein Superkonzert! Ab nächster Woche gibt es fast täglich ein ähnliches Erlebnis in dieser schönen französischen Akademie.

Ein großes Bravo für Antoine Maisonhaute, Chikako Hosada, Maxime Desert, Jeanne Maisonhaute und Garth Knox und natürlich den Klarinettisten Alain Billard.

Christa Blenk

Villa Medici Garten

Foto: Christa Blenk

 

 

 

ARTMORE – Rom aktuell

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