Archives pour la catégorie Musique

Eine spanische und italienische (musikalische) Nacht

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Das Sommerkonzert 2019 des Abonnentenorchesters – DSO Berlin fand am 22. Juni 2019 im Militärhistorischen Museum, Flughafen Berlin-Gatow statt. Auf dem Programm standen Ouvertüren, Operetten-Arien, Märsche und Walzer von George Bizet, Chopin, Augustin Lara, Carl Zeller, Julius Fučík, Johann Strauss, Manuel de Falla und anderen. Der mexikanische Tenor Enrique Ambrosio schmetterte Arien wie « Erinnerung an Sorrento », « O sole mio » oder « Granada« . Ambrosio gastierte an vielen deutschen und europäischen Opernhäusern und war erster Tenor am Landestheater Linz. Die vorzügliche Sopranistin und Studentin der Hanns-Eisler Hochschule für Musik, Birgit Pehnert wurde in Caputh/Potsdam geboren und sang   »Frühling in San Remo » oder « Meine Lippen, sie küssen so heiß ».  Birgit Pehnert hat auch die Rollen der Pamina, Gilda, Susanna oder Adele im Repertoire und tritt u.a.  an der Oper Leipzig, an der Prager Staatsoper und am Aalto Theater in Essen auf. Mit der Arie von Carl Zeller « Schenkt man sich Rosen in Tirol » sangen sich die beiden Vokalsolisten im Duett in die Herzen der Konzertbesucher. Am Pult mit viel Energie Heinz Radzischewski, der mit dem Orchester die schwierige Akustik des Militärhistorischen Museums Berlin-Gatow vorzüglich meisterte.

Die Mitglieder dieses Orchester sind keine Berufsmusiker und haben ganz unterschiedliche Berufe. Jeden Montagabend treffen sie sich im Probensaal des DSO, um gemeinsam zu musizieren und die drei jährlichen Konzerte einzustudieren. Der stellvertretende Solo-Trompeter des DSO, Heinz Radzischewski, leitet dieses von hohem Niveau geprägte Amateur-Ensemble.

Das Weihnachtskonzert wird mit Werken von Bach, Humperdinck und Tschaikowsky am 30. November in der Jesus-Christus-Kirche in Dahlem stattfinden; das Frühjahrskonzert am 7. März im Großen Sendesaal des Haus des Rundfunks mit Werken von Beethoven und Wagner.

Großartige Stimmung und wunderbares Ambiente an diesem heißen Sommerabend in Kladow.

Christa Blenk

 

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Zehlendorfer Hauskonzerte

Cesar Borja - Virtual Gallery - N°4

Cesar Borja – Virtual Gallery – N°4

Musik kennt keine Grenzen, braucht kein Visa – sagt der indische Sänger ARKO MUKHAERJEE und nimmt das Publikum im Zehlendorfer Wohnzimmer auf eine Reise von Indien bis nach Afrika und von Bangladesch bis zum Mississippi mit. Von sanftem free-Jazz oder folkloristischer Romantik zu jahrhundertealten Texten aus seiner Heimat wird er im Laufe des Abends auch zum modernen Minnesänger, zum Griot, einem westafrikanischen Dichter, Sänger und Musiker, der in epischer Manier Geschichten von der Vergangenheit und der Gegenwart erzählt, sich darum kümmert, Informationen und Bräuche zu bewahren, zu verbreiten und vorm Aussterben schützen. Auch Arko erzählt zwischendurch Geschichten und philosophiert über das Leben und die Musik. Obwohl er dann und wann auch laut wird, bleibt es ein ruhiges, entspannendes Konzert. Sein Handwerkszeug sind Instrumente wie die Mandoline oder die Dotara, ein folkloristisches, bengalisches Streichinstrument.

Begleitet wird er vom Gitarristen NISHAD PANDEY.  Die beiden Musiker sind ein echtes « dream team » und es ist uns nicht immer ersichtlich, wer wen kontrolliert oder wer die Richtung vorgibt, wo die Reise hingehen soll. Denn abgesprochen wird ganz wenig. Nishad liebt die Überraschung, sagt Arko. Letzterer hat eine schöne, für den klassischen Gesang geschulte, Stimme. Die Liebe zum Gesang hat er von seinen Eltern, die bei jeder Gelegenheit gesungen haben, erzählt er uns in der Pause.  Arko ist 1983 in Kalkutta geboren, war 2008 Musikdirektor und Songwriter in der Bollywood Film Industrie und lebt seit ein paar Jahren in Frankreich, daher kommt wohl auch der westafrikanische Einfluss in seiner Musik. Als einer der wenigen indischen Künstler hat er in Frankreich auch an « Blues Festivals » teilgenommen.

Nishad Pandey wurde ebenfalls in Indien geboren, lebte in Japan, Großbritannien, den USA und in Australien. Von überall hat er Klänge und Techniken im Gepäck mitgebracht. Er ist Mitglied der experimentellen Weltpop-Band Hatchlings, des Jazz-Klavier-Gitarrenduos Tinctures, der indischen Klassik-Fusion-Band Calcutta Chronicles und der Band von Bengal nach Bayern, einem akustischen Trio, in dem Volksrepertoire aus Indien und Deutschland ein Vehikel für zeitgenössische Improvisation bietet. Außerdem hat er einen Bachelor in Jazz Performance. Heute lebt Nishad  in Berlin, wo er als freischaffender Gitarrist, Komponist und Lehrer arbeitet.

Dieses ungewöhnliche und brückenschlagende Konzert war das letzte vor den Sommerferien. Auch die laue Sommerluft im Garten während der Pause hat dies angekündigt.

Wir freuen uns auf den Herbst und die kommenden musikalischen Delikatessen in Zehlendorf!

Christa Blenk

 

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Pelléas und Mélisande

pelleas und melisande
Pelléas et Mélisande
Dominic Barberi (Arzt, Hirte), Marianne Crebassa (Mélisande), Michael Volle (Golaud) und Wolfgang Schöne (Arkel)
Credits: Tatjana Dachsel

 

Claude Debussys (1862-1918) Meisterwerk „Pélleas et Mélisande“ wurde 1902 in Paris an der Opéra Comique uraufgeführt. Der Text basiert auf einem Schauspiel von Maurice Maeterlinck (1862-1949). Debussy hatte schon nach einem Theaterbesuch 1893 (bei dem Sarah Bernhardt die Mélisande spielte) ein Auge auf dieses Stück geworfen. Damals gab Maeterlinck aber sein Einverständnis (noch) nicht, es zu einer Oper zu verarbeiten. Dieses kam ein paar Jahre später und  Debussy konnte sein Projekt aufnehmen.

In fünf Akten und zwölf Bildern durchkomponiert entstanden die nachdenklichen Orchesterzwischenspiele – auf Wunsch des Intendanten der Pariser Oper – erst später. Bis zu seinem Tod hat der Komponist an dieser Oper herum gefeilt. Arien im Sinne von herkömmlich Gewohntem gibt es darin nicht. Meist sind es gesungene Dialoge. Die neuen, unbekannten Rhythmen und Takte stießen vielerorts auf Unverständnis und Kritik. Und als Mélisande sang „Ich bin nicht glücklich“ konterte das Publikum „Wir auch nicht“. Nur dank des Durchhaltevermögens des Dirigenten wurde die Generalprobe nicht abgebrochen, aber ständig unterbrochen von Tumulten, Pfiffen und Buh-Ruhen – allerdings darf man nicht vergessen, dass hier vor allem Maeterlinck-Freunde saßen. Die Premiere hatte es dann etwas leichter.  Zumal das Publikum Debussy Musik durch andere Werke kannte, wie z.B. „l’apres-midi d’un faune“ – welches acht Jahre vorher uraufgeführt worden war.

Maeterlinck selber, der übrigens 1911 den Nobelpreis für Literatur erhielt, hatte sich zwischendurch mit Debussy überworfen, weil der belgische Schriftsteller die Hauptrolle der Primadonna Georgette Leblanc, seiner frisch angetrauten Frau,  übertragen wollte. Die Rolle der Mélisande bekam aber schließlich die Engländerin Mary Garden. Das war auch der Grund, war Maeterlinck die Aufführung erst 1920 – nach dem Tode von Debussy – zu sehen bekam. Anschließend war er allerdings mehr als begeistert, bei so einem Schlüsselwerk der zeitgenössischen Musik mit an Bord gewesen zu sein. 

1889 fand in Paris die Weltausstellung statt. Dort stieß Debussy auf ein japanisches Gamelan-Ensemble und war fasziniert davon. Immer wieder sollten diese asiatischen Fragmente auch in seine Musik Eingang finden. Weitere Einflüsse kamen von Mussorgsky oder auch Wagner. Bei Pelléas und Mélisande spielte diese transparent, zarte Tonsprache eine große Rolle.

Ruth Berghaus hat das Werk 1991 für die Staatsoper inszeniert und gestern wurde es zum 40. Mal vor vollem und begeistertem Haus aufgeführt. Kein Wunder, denn das hier ist ein Rund-um-Meisterwerk, eine Sternstunde des Musiktheaters. Die Optik scheint aus den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts entliehen zu sein. Choreografie und  Kostüme erinnern an Oskar Schlemmers Triadisches Ballett. Das Bühnenbild kommt direkt aus dem deutschen expressionistischen Film, begleitet von Lionel Feiningers synthetisch-kubistischen Architekturbildern. Die manieristisch-symbolischen Bewegungen sind Rolando Villazón auf den Leib geschrieben. Impressionistische Turner-Farben an den Wänden, die Halbkugel in der Mitte und dann die großartige, steile Himmelstreppe, gelb ausgeleuchtet, bei der man das Ende nicht sieht. Mehr kann man sich von einem Opernabend nicht wünschen.

Zum Schluss sind außer dem Großvater und dem Neugeborenen so gut wie alle tot.  Mélisande schreitet langsam die Treppe hinauf in ein besseres Leben und die schwarz-gekleidete Trauergemeinde installiert sich schräg und gefährlich auf unsicheren Stühlen auf der Halbkugel-Bühne bereit, den griechischen Trauergesang einzuleiten.

Niemand soll es bequem haben in dieser Inszenierung. Kein Rückzug in Wohlfühloasen ist möglich. Beklemmung und die Sorge, nicht zu fallen. Trotzdem sind die Bilder herausragend schön, die Dialoge berührend und brillant begleitet von der Staatskapelle. Weichheit und Gewalt liegen nah beieinander und alles ist umgeben von unlogisch dunklen, unsicheren und beklemmenden, bedrohlichen Gefühlen. Niederschmetternd, traurig-schöne Nebelschleier durchstreifen das von Eifersucht und Tod geprägte Werk.

Luca Pisaroni ist Golaud. Schleichend installiert sich Misstrauen in seiner Seele und es bringt ihn soweit, sogar seinen Sohn Yniold  (ein Solist des Tölzer Knabenchors) zum Spion und Komplizen zu machen, wenn er über seine Augen seinem Voyeurismus frönt. Die Szene auf der gelben, steilen Treppe ist umwerfend.

Die Französin Marianne Crebassa ist Mélisande. Zart, kindlich, klar, sehr sicher tritt sie auf, auch schauspielerisch hat sie Großes geleistet.

Rolando Villazón ist Pelleas. Es ist keine 20 mehr, kein Fast-Kind, wie die Oper das verlangt und trotzdem nimmt man ihm das Kindliche ab. Seine Bewegungen sind jung und frisch, manchmal wirkt er wie ein unbekümmerter Clown, um gleich darauf wieder in Gedanken und Weggehplänen zu versinken.  Er hält Mélisande fest, als sie fast komplett im Brunnen der Blinden verschwindet, um den Ring wieder herauszufischen, der ihr beim kindlichen Spiel mit verbundenen Augen dort hineingefallen war. Es war Golauds Ring, der seinerseits nicht kapiert was er anstellt, indem er sie wegschickt, um – mit Hilfe von Pelleas – den Ring zu suchen. Ab hier ist das Drama nicht mehr aufzuhalten. Die langen Haare, die in dem Stück eine wichtige Rolle spielen, sind bei Berghaus nur eine Kurzhaarperücke. Mélisande nimmt sie ab und spielt mit ihr, sobald das Thema Haare aufs Parkett kommt. Surreal und komisch diese Szene.

Arkel ist Wolfgang Schöne, Geneviève Katharina Kammerloher. David Ostrek ist der Arzt und Hirt.

Am Pult vor der wunderbaren Staatskapelle Maxime Pascal. Die Kostüme sind von Hartmut Meyer. Die Choreinstudierung ist von Anna Milukowa.

Der einzige Wermutstropfen vielleicht: Textverständlichkeit war nicht eine herausragende Qualität der Aufführung. Die Untertitel gab es in englischer und deutscher Sprache. Nur französisch-sprechende Zuhörer haben dementsprechend wenig verstanden.

Bei der Premiere 1991 war Simon Rattle am Pult und Magdalena Kózená sang die Mélisande – zwei Weltstar-Debüts an der Staatsoper unter den Linden.

Wenn das Stück in der nächsten Spielzeit wieder aufgenommen wird, dann nichts wie hin!

Christa Blenk

 

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Der Jahrmarkt von Sorotschinzi

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Trinklieder, Tänze, eine Kochstunde, der Teufel und viel Aberglauben sind die Zutaten für Mussorgskis Oper « Der Jahrmarkt von Sorotschinzi ». Eine Oper für Berlin – für die ewige Party-Stadt. Die Sänger müssen fast immer betrunken über die Bühne fallen. Der Komponist selber ist nur 42 Jahre alt geworden und Schuld an seinem frühen Tod war exzessiver Alkoholgenuss – so sagt man.

Modest Mussorgsky (1839 -1881) hat die Oper unvollendet hinterlassen. 1948 wurde sie in Berlin zum letzten Mal aufgeführt. Nun hat sich Barrie Kosky dem Werk angenommen und hat es – entgegen der Philosophie der Komischen Oper – in russischer Sprache zur Aufführung gebracht. Das Libretto hat der Komponist selber nach der Erzählung von Nikolai W. Gogol geschrieben.

Der Teufel liebt den Alkohol und hat im Rausch seinen roten Kittel versetzen müssen. Ein Jahr sollte der Wirt ihn für ihn aufheben – das tat dieser aber nicht. Als der Teufel ihn vorzeitig wieder abholen will, hatte der ad interims-Besitzer den Kittel  schon weiterverkauft. Von da an war das ukrainische kleine Dorf vom Teufel nicht mehr sicher – jedenfalls nicht in den Köpfen der Bewohner!

Die Oper beginnt mit einer ausgelassenen Jahrmarktsszene. Grizko trifft auf die schöne Parasja, die sich von ihrem Vater bunte Bänder für ihre Haare wünscht. Ein Zigeuner warnt das Dorf vor dem roten Kittel und dem Teufel in Form von Schweinerüsseln.

Später, zuhause, kocht die Bäuerin Chiwrja, die in die Hochzweit von Grizko und Parasja nicht einwilligen will – aus welchem Grund auch immer – ein Festmahl. Aber nicht für ihren ewig betrunkenen Ehemann! Nein, sie ist in den Popen Afanassi verliebt und hofft, ihn mit ihrer Kochkunst zu bezirzen. Die Küchen-Szene, bei der sie eine Riesenpute rupft, Quarkpiroggen und andere Köstlichkeiten zubereitet, ist sehr gelungen,  die beste im ganzen Stück. Hier wird die gerupfte Pute zum Versteck für den Pope, als der Ehemann plötzlich nach hause kommt. Aber der ist eh betrunken und begreift gar nichts. In einer weiteren Panik werden Kochtöpfe über Köpfe gestülpt und ist wird immer lauter.

Im dritten Akt halten sich der Gevatter und Tscherewik, Chiwrjas Ehemann, gegenseitig für den Teufel. Grizko verkauft den Ochsen an den Zigeuner zu einem Sonderpreis, weil schließlich die Heirat mit seiner Liebsten doch zustande kommen kann. Alle gehen weg. Der Alptraum von Grizsko wird wieder vom Chor begleitet, Morgenglocken und Kirchengesänge beenden aber schließlich den Hexenspuk und es kann lautstark und feucht-fröhlich Hochzeit gefeiert werden.

Eine richtige Handlung, die weitergesponnen werden kann, gibt es in dem Stück eigentlich nicht. Es sind Fragmente, die voraussetzen, dass man die Geschichte kennt. Eigentlich ganz charmant!

Am Pult ausgezeichnet Henrik Nánási, er holt die seltsamsten Töne aus dem Orchester heraus. Der Chor leistet ebenso fantastische Arbeit. Die Bühne ist leicht schräg und ziemlich leer, dafür gibt es umso mehr Kostüme.

Die letzte Aufführung in dieser Saison wird am 12. Juni stattfinden.

cmb

 

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Händel – Festspiele Halle 2019 – Eröffnungsabend

Händel Festspiele 2019

 

Eröffnung der Händel-Festspiele in Halle 2019  für KULTURA EXTRA

Julius Cäsar in Ägypten

« Die Kunst erzieht uns » sagt Peter Konwitschny, der für die diesjährige Premiere der Händel Festspiele den „Julius Caesar“ inszeniert hat. Am 31. Mai war Premiere in der Oper von Halle mit viel Hurra aber auch heftigen Buh-Rufen! „Das Theater müsse etwas in der Gesellschaft bewirken“, hätte Konwitschny von Bertholt Brecht gelernt. „Reifer und klüger und empfindungsfähiger soll sie uns machen, die Kunst“. Aber warum macht er dann aus Händels Giulio Cesare in Egitto eine deutsche Slapstick-Komödie? Macht es uns wirklich empfindungsfähiger, wenn er uns zum Lachen bringt, weil die Vorkoster vergiftet zu Tode stürzen – auch wenn sie sich wie Figuren aus der „Als die Bilder laufen lernten-Zeit“ benehmen? Gerade Konwitschny kritisiert zuweilen die Oberflächlichkeit des Publikums, dessen Ignoranz und Arroganz. War diese Produktion dann ein Racheakt von ihm? Man hat sich entschieden, die Oper in deutscher Sprache aufzuführen, um sie dem Publikum näher zu bringen, um sie verständlicher zu machen!

Das diesjährige Festival steht unter dem Motto „Händels starke Frauen“. Das sind Cleopatra und Cornelia auf jeden Fall. Konwitschny hat aber aus der edlen, tragisch-trauernden Pompeo-Witwe Cornelia ein blondes Marylin Monroe Gift gemacht. Ihre wunderschönen Arien oder das berührende Lamento im Duett mit Sesto „Son nata a lagrimar“ sind hinter den Pyramiden verschwunden. Oder die facettenreiche Cleopatra, die mit ihren acht Arien die ganze Gefühlspalette abdecken soll, wirkt wie eine junge, zu Streichen aufgelegte Schülerin. Dabei muss sie bangen, leiden, lieben, siegen und verlieren. Sie  muss ständig im Bikini um die Papp-Palmen und Pyramiden rennen. Dabei hat Vanessa Waldhart das ganz großartig gemacht! Sextus, eine Kastratenrolle, wird durch das Kind Benjamin Schrade ersetzt, das ständig „Mutti“  rufend und Schwert fuchtelnd über die Bühne rennt (auch er war sehr gut). Im Verlauf des Abends ist er zum mutigen Mörder und Rächer geworden und durfte deshalb im U-Boot mit nach Rom fahren. Das freut das Publikum und selbst beim zehnten „Mutti“-Ruf gibt es noch Lacher. Den genusssüchtigen, unberechenbaren, kaltblütigen und opportunistischen Ptolomeo, der nur ein paar Arien hat, mochte Händel wohl schon beim Komponieren nicht. Diese Figur ist Konwitschny aber noch am besten gelungen und die Harems-Szene mit der Marylin-Cornelia als Racheengel im Hintergrund ist gelungen. Die neue deutsche Textfassung von Werner Hintze verhindert, dass die Sänger mit ihren Arien brillieren. Caesar (Grga Peros) schwächelt ziemlich am Anfang, wird mit der Zeit aber besser. Großartig Jake Arditti als singender Kopf des Pompejus, er hat auch einige der Sextus-Arien gesungen. Komik als Brücke zur Tragik oder: auch Macht vermag es nicht, die Protagonisten davor zu bewahren, Leid und Niederlage zu erfahren.

Aber die giftgrünen Palmen, das lächerliche Pyramidenlaufen, Cäsars Wiederauferstehen im Plisseerock und Algengirlanden wären alle hinnehmbar gewesen: nur die Sprache hätte man beibehalten sollen. Halle ist so stolz auf seinen Händel. Es grenzt an Verrat an ihm, wenn man diese Oper, die für die italienische Sprache geschrieben wurde, in deutscher Sprache aufführt. Der schwere deutsche Text war gar nicht zu bewältigen und hat alle Verzierungen vor vorneherein ausgeschlossen. Das Erfolgsteam Konwitschny/Brade hat hier einfach zu viel über die Stränge geschlagen. Wer eine lustige Operette sehen will, geht nicht in Händels markantestes Meisterwerk einer Heldenoper. Aber leichte Kost war es dann schon!
Nach der Pause blieben einige Sessel im Parkett trotzdem leer.

Das Händel-Festspielorchester unter Gastdirigent und Händel-Spezialist Michael Hofstetter hat Großartiges geleistet und viel Applaus bekommen. Farbenprächtig und feinfühlig haben sie das nuancenreiche Meisterwerk interpretiert.

Der Musikschriftsteller Charles Burney hat  Händels Oper „Giulio Cesare in Egitto“ als „eine Oper, die Schönheit aller Art im Überfluss bietet“ bezeichnet. In Halle stand die Musik eindeutig nicht an erster Stelle. Darüber konnte auch das gelungene Duett von Cornelia und Cleopatra „Da uns das Glück belog, ist alle Hoffnung tot, sie kehrt nie mehr zurück“ (!!) schon vor geschlossenem Vorhang gesungen nicht hinwegtrösten. Der Trost kam dann am Samstag gleich zweimal: einmal bei der Verleihung des Händel-Preises der Stadt Halle an Prof. Dr. Silke Leopold mit Musikeinlagen durch die Sopranistin Margriet Buchberger und dem Ensemble Il Giratempo und abends beim Festkonzert mit der großartigen Vivica Genaux im Duett mit Lawrence Zazzo begleitet von der Lautten Compagney Berlin in der Händel-Halle!

Christa Blenk

***
Textfassung von Werner Hintze in deutscher Sprache. Musikalische Leitung: Michael Hofstetter / Inszenierung: Peter Konwitschny / Ausstattung: Helmut Brade / Dramaturgie: Bettina Bartz / Solisten: Grga Peroš (Julius Cäsar), Vanessa Waldhart (Cleopatra), Svitlana Slyvia (Cornelia), Jake Arditti (Kopf des Pompejus – Partie des Sesto), Michael Zehe (Tolomeo), David Pichlmaier / Ki-Hyun Park (Achilla), Maik Gruchenberg (Nirenus), Benjamin Schrade / Fabian Waclawchzyk (Sesto). Chor und Statisterie der Oper Halle / Händel-Festspielorchester Halle

 

 

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Oceane – Deutsche Oper Berlin

Vendée2013-März 112
La Vendee – Atlantik

 

Grau-schwarze Melancholie, Hoffnungslosigkeit, dekadente Vergänglichkeit – Fin de Siècle-Stimmung und tosendes Meer, Liegestühle im Gegenlicht.

Die neue Oper „Oceane“ von Detlev Glanert, ein Auftragswerk der Deutschen Oper Berlin, hatte Ende April 2019 eine gefeierte Premiere. Alle weiteren Abende waren ausverkauft.

Oceane von Parceval ist eine Novelle von Theodor Fontane, die um 1880 entstand – mehr oder weniger pünktlich zur Belle Epoque. Hans-Ulrich Treichel hat daraus das Libretto geschrieben. Ein Sommerstück für Musik in zwei Akten ist dabei herausgekommen. Dabei geht es hier eigentlich eher um eine Spätsommer-Stimmung, um das Absinken der Sonne, die schon deutlich zu spürende Verkürzung der Tage, die frischen Abende kurz vor dem Herbsteinfall.

Die Geschichte spielt an der Ostsee, in einem Hotel, das schon bessere Tage gesehen hat. Die Besitzerin Madame Louise und ihr treuer Diener George (Doris Soffel und Stephen Bronk) singen davon mehrere Lieder und bedauern das langsame Dahinsiechen des einst eleganten Hotels. Man braucht einen Privatkredit und den soll Oceane von Parceval gewähren, die dort gerade logiert, aber eigentlich nicht wirklich mitspielt, sie bleibt am Rande, unberührt, reich, schön – aber der junge Baron Martin von Dircksen (Nikolai Schukoff), der in Begleitung seines Freundes Felgentreu (Christoph Pohl) ebenfalls dort einquartiert ist, verliebt sich trotzdem in die attraktive, seltsame Melusine. Während Felgentreu und Oceanes Kammerfräulein Kristina (Nicole Haslett) recht schnell zusammen finden, gestaltet sich die Beziehung von Oceane und Martin sehr schwierig.

Gefühle kann Oceane trotz Anstrengung nicht zeigen und ihre Indifferenz anlässlich der Konfrontation mit einem toten Fischer am Strand macht sie zum Opfer des barbarischen, religiösen Mobs, der – vor Allem was fremd und unverständlich ist – Angst hat. Angeführt und aufgestachelt von Pfarrer Baltzer (großartig der eindringliche Bass von Albert Pesendorfer) wird sie praktisch verstoßen. Die Doppelverlobung kommt nicht zustande. Maria Bengstsson als Oceane ist hell, schön und unterkühlt, immer weit entfernt, weltfremd und irgendwie teilnahmslos. Zum Schluss geht sie einfach weg – allerdings nicht ins Wasser. Sie ist die Traumbesetzung für diese Rolle. 

Die Musik von Detlef Glanert (*1960) ist nicht gerade zeitgenössisch oder revolutionär und erinnert an Henze-Opern, Glanert war auch sein Schüler. Klangmässig bringt das Werk nichts Neues und die Musik ist nachvollziehbar, verständlich und beschreibend, schön. Auch Henze hat mit seiner Ballett-Gestalt Udine ein Wesen aus dem Meer beschrieben und mit der Oper Elegie für junge Liebende auch eine Naturoper geschrieben, nur waren bei letzterer die Berge die Protagonisten und nicht das Meer.  

Robert Carsons Inszenierung ist mehr als gelungen. Er hat diese dekadente Endzeitstimmung perfekt und einfühlsam auf die Bühne gebracht. Das omnipräsente und nie ruhende Meeresvideo tut das ihre dazu. Am Pult bei der letzten 5. Vorstellung in dieser Saison Stephan Zillas. Großes Lob an den Chor und seinen Leiter Jeremy Bines.  

am Atlantik

Christa Blenk

 

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Zehlendorfer Hauskonzerte – Noga Quartett

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Noga Quartett im Quintett mit Eve Wickert

 

Das großartige Noga-Quartett ist regelmäßig zu Gast im Zehlendorfer Wohnzimmer. Gestern Abend hat es dort, im Musikhaus, wie der Bratschist so treffend sagte, seinen 10. Geburtstag gefeiert. Mit einem außergewöhnlichen und sehr langen Hauskonzert wurde hier natürlich vor allem das Publikum beschenkt.

Seit 10 Jahren spielen die vier Musiker Simon Roturier und Lauriane Vernhes (Violine), Avishai Chameides (Bratsche) und Joan Bachs (Cello) miteinander und das sieht und spürt man. Sie sind perfekt aufeinander eingespielt und oft braucht es nur ein Blinzeln, um sich zu verstehen.

Das Programm eröffnet an diesem (Wahlsonntag)-Abend mit dem Streichquartett Nr. 2 in F Dur von Reynaldo Hahn (1874-1947). Hahn hat insgesamt zwei Streichquartette geschrieben und ist bei uns eher unbekannt. Sein Gesamtwerk besteht hauptsächlich aus Musik zum Singen. Entstanden ist das Quartett ungefähr gegen Ende des Zweiten Weltkrieges in Südfrankreich, wohin sich Reynaldo Hahn kriegsbedingt zurückgezogen hatte. Hahns Musik ist eigentlich konservativ und hat die Moderne nicht wirklich erreicht. Diese Komposition ist wie ein zauberhafter Frühlings-Spaziergang, ein Flanieren, durch Paris.

Das Streichquartett besteht aus vier Sätzen und beginnt mit einem temperamentvollen und leidenschaftlichen Allegro, geht über in einen nervös summenden Satz, der von einem besinnlich, samtigen und dialogisierenden Andante  lento abgelöst wird um dann in ein hektisch stürmisches Finale überzugehen. Man mag sich gerne hier einen Tanz über die großen Boulevards vorstellen.

Hahns Familie kam aus Venezuela. Spanisch-baskischer Abstammung seine Mutter, ein jüdischer Kaufmann aus Hamburg sein Vater. Schon vor seiner Geburt allerdings siedelte die Familie 1878 von Venezuela nach Paris um, wo Reynaldo 1885 im Conservatoire de Paris aufgenommen wurde. Schüler von Jules Massenet und Mitschüler von Maurice Ravel. Hahn war bekannt dafür, dass er in den Pariser Salons seine eigenen Melodien sang und sich selber am Klavier begleitete. Im Salon von Madeleine Lemaire lernte er 1894 auch Marcel Proust kennen, mit dem er bis zu seinem Tode zusammen bleiben sollte. Hahns Opern waren um die Jahrhundertwende durchaus bekannt und wurden gerne aufgeführt, zum Teil in der Opéra Comique de Paris. Anlässlich einer Bildungsreise besuchte er Hamburg, die Heimtstadt seines Vaters, kam nach Bukarest, Rom und London. Hahn schrieb Musik für Diaghilev und sein Ballet russe, wurde 1912 Franzose und nahm freiwillig am Ersten Weltkrieg teil. Nach dem Krieg bekam er eine Professur an der Ecole Nationale de Musique de Paris. Dort traf er auf Pablo Casals und Nadia Boulanger und es begann eine Operetten-Zeit. Erst viel später sollte er sich der Kammermusik widmen. In den 1930er Jahren war er ebenfalls als Musikkritiker tätig. Seine jüdische Herkunft brachte ihn 1930 zuerst nach Cannes und dann nach Monte-Carlo. 1945, wieder zurück in Paris, wurde er Direktor der Pariser Oper.

Nach einer kurzen Instrumenten-Pause geht es weiter mit dem Streichquartett Nr. 5 von Bela Bartok (1881-1945). Es entstand ungefähr 10 Jahre vor dem Hahn-Quartett, ist aber wesentlich moderner und revolutionärer. Bartok hat hier folkloristische Tradition mit Natur und Rhythmus verbunden. Sein Streichquartett besteht aus fünf Sätzen, wobei der erste und der fünfte Satz dissonant, finster und ärgerlich daherkommen und sich immer wieder neu erfinden, während der zweite Satz wie eine schmerzhafte trillernde Symphonie klingt und parallel dazu im vierten Satz versucht, das Durcheinander vom Scherzo mit viel Humanismus zu zerpflücken, dabei aber immer wieder ins Jammerthema mit gezupften Halbtönen abfällt. In der Mitte thront – wie gesagt – das Scherzo, verrückt, rasend und durchgeschnallt stürmt es auf einem bulgarischen, unregelmäßigen Rhythmus mitten ins unentwirrbare Chaos, um dann mit ein paar melodischen Noten zu enden. Hier ist vor allem die Bratsche gefragt, und so hat der Bratschist vor dem Stück einiges darüber erzählt.

Bartok hat dieses wunderbare 30-minütige Werk 1934 komponiert, als Auftragswerk einer amerikanischen Pianistin und Mäzenin, die sich für zeitgenössische Kammermusik interessierte. Es wurde – gemeinsam mit neuen Werken von Schoenberg, Webern und Britten -  in Washington im Coolidge Auditorium uraufgeführt.

Nach einer größeren Pause, die wir im launigen Garten und Gesprächen mit den Musikern verbringen dürfen, geht es weiter mit dem Streichquintett Op. 87 von Felix Mendelssohn (1809-1847). Hierzu kommt die Bratschistin Eve Wickert mit auf die Bühne.

Dieses Streichquintett entstand 1845 im Taunus, wo Mendelssohn mit seiner Frau Cécile Jeanrenaud den Sommer verbrachte. Erschienen ist das Werk allerdings erst posthum, da Mendelssohn immer wieder noch am Finale arbeiten wollte, bis es dann zu spät war.

Gefüllt mit Energie startet der erste Satz, wird überschattet von dunklen Gedanken, Triolen und Tremoli wechseln sich ab, bis das Hauptthema wieder zum Reden kommt. Es ist ein großartiges Kammermusikwerk, ein Hin- und her zwischen eleganter Bedrohung, blankem Argwohn der letzten Lebensjahre und einem optimistischen Aufblitzen. Ein abwechslungsreiches, rhythmisches Zurückfallen ins Moll und Großeinsatz für die zweite Bratsche. Dieses unruhige Einmischen findet in einem hektischen Finale dann doch noch eine harmonische Auflösung, in die alle Instrumente nach und nach eingebunden werden.  Mendelssohn hat es übrigens 19 Jahre nach seinem 1. Streichquintett komponiert.

Einwandfrei und zauberhaft die Interpretation!

Alles Gute zum Geburtstag, liebes Noga-Quartett and many happy returns!

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Das Berliner Noga-Quartett hat übrigens schon so einige Preise gewonnen, darunter die Melbourne Chamber Music Competition 2015. Ihr Repertoire geht u.a. von Haydn und Mozart über Beethoven, Brahms, Schumann hin zu Ligety und Schönberg etc.

Noga Quartett 2018 in Zehlendorf

Zehlendorfer Hauskonzert - Gesang

Zehlendorfer Hauskonzerte – Klavier

Zehlendorfer Hauskonzerte - Franz Trio

u.v.m.

Christa Blenk

 

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Dido und Aeneas

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Henry Purcells (1659-1695) einzige komplette Oper „Dido und Aeneas“ ist nicht nur eine der kürzesten Opern sie hat auch – vielleicht sogar – das schönste Lamento („Thy hand, Belinda“) überhaupt. Es bringt damit schon mal komplette Konzerthallen zum Weinen.

Am 19. Mai hat sich das Barockorchester „Aris et Aulis“ an dieses wunderbare Werk herangewagt und es mit großem Erfolg in der Auenkirche in Wilmersdorf aufgeführt. Begleitet vom Madiba Chor unter Leitung von Ulrich Paetzholdt.

Ausgezeichnet, klar und eindringlich die Solistinnen und Solisten Stephanie Lesch (Dido), Anna Hofmann (Belinda), Saskia Klumpp (Zauberin), Anna Schors (zweite Frau, Hexe, Geist) und Björn Werner (Aeneas).

Anna Hofmann hat in der ersten Hälfte des Konzertes Claudio Monteverdis « Dolcissimo uscignolo » gezwitschert und hat hier schon Gutes ahnen lassen.

Das Orchester Aris et Aulis und der Madiba Chor brachten einige kurze und zum Teil unbekannte Werke von Orlando di Lasso, Josquin des Prez, Hans Leo Hassler, John Dowland, Thomas Campion und Francis Pilkington – alles Komponisten vor der Zeit von Purcell -  auf die Bühne.

Ulrich Paetzholdt hat den Madiba Chor im Jahre 2014 gegründet.

Vorzügliches Konzert!

cmb

 

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Der Tod: Zeitlos

jn und zeitlos

 

Death Comedy vom Feinsten:

Seit ein paar Jahren sind sie ein Team: der Tod und seine Praktikantin Exitussi. Er hat eine Sense, sie eine rosarote Kutte und absolutes Redeverbot. Das ist aber nicht so schlimm, denn mit Gesten, Turnübungen und intelligent-reaktiver Kreativität und Flexibilität bringt sie alles an den Tod, was man so wissen muss. Seit kurzem sind sie mit ihrem neuen Programm auf Tournee und waren am 22. und 23.6.2019 zu Gast im Berliner BKA Theater. Wie in den ersten beiden Programm geht es auch hier wieder darum, das Image des Gevatter Todes aufzubrezeln. 

Das neue Programm heisst „ZEITLOS“ und sprudelt nur so von Ideen, Politik und Gags. Der Sensenmann hat gleich zu Beginn des Abends Lose unters Publikum geworfen (was man allerdings gewinnen – oder nicht gewinnen – konnte, verriet er uns nicht). An diesem Abend musste Exitussi auf einen Vorschlag vom Publikum einen Vortrag über das Leben in der Steinzeit in Nordkorea „übersetzen“ und man glaubt gar nicht, was sie dazu alles aus der Kutte geholt hat. Der prall gefüllte Saal hat sich buchstäblich zu Tode gelacht.

Exitussi fliegt zu Beginn des Programms als Eintagsfliege und philosophierend im Kreis über die Bühne und tritt zum Schluss nochmals mit Rollator auf – ihre drei verstorbenen Ehemänner bedauernd.

Also zu Tode langweilen ist nicht – was dem Tod dann natürlich wieder leid tun dürfte, er schlägt sich damit sozusagen selber ein Schnippchen.

Hier heißt es nur: bloß nicht verpassen. Wenn Ihr wieder mal über Stunden so richtig lachen wollt, dann geht es hier zum Zeitplan für die nächsten Wochen:

Vier abendfüllende Programme hat der Tod bis jetzt (« Mein Leben als Tod », « Tödliche Weihnacht », « Happy Endstation » und nun « Zeitlos ») hat DER TOD. In der Mitternachtsshow  « Die Geisterstunde » lädt er sich Gäste, die beruflich für ihn interessant sind. Hier baut er sich ein professionelles Netzwerk auf.

Exitussi ist nicht nur eine begabte Praktikantin, sie illustriert seit 2018 regelmäßig Cartoons, die aus ihrer beruflichen Zusammenarbeit mit dem Tod entstehen. Ihre Bilder sind mittlerweile zum Kult geworden und werden in Ausstellungen gezeigt oder in Zeitschriften abgedruckt. Das Programm « Tödliche Weihnacht » hat Exitussi illustriert und für das Programm « ZEITLOS » entwarf sie die Ampel-Tödchen, sowie die Höhlen-Malereien.

Die beiden sind ein höllisch-gutes Team!

Webseite Endlich-Tod.de

cmb

 

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A Sea Symphonie – Ralph Vaughan Williams

Strandsport car surf

 

Britannia war und ist eine dem Meer verbundene Nation. Das Meer hat die Insel zur Weltmacht gemacht.

Der englische Komponist  Ralph Vaughan Williams (1872-1958)  hat zu Anfang des 20. Jahrhunderts mit der über 70 Minuten dauernden « Sea Symphonie » das Meer zum Hauptprotagonisten dieser Komposition gemacht. Nach Purcell und Elgar hatte England dann wieder einmal einen Komponisten, von dem die Musikwelt sprechen konnte.

Sechs Jahre hat  Vaughan William an seiner Choralsinfonie gearbeitet. 1909 war sie endlich fertig und konnte ein Jahr später beim Leeds Festival unter Leitung des 38-jährigen Komponisten selber uraufgeführt werden. Der Chor hat eine bedeutende Rolle in diesem Werk – dies hat es gemein mit Mahlers 8. Sinfonie, die ungefähr zur gleichen Zeit entstand. Die Sea Symphonie ist seine erste und längste Sinfonie. Sie folgt dem klassischen sinfonischen Aufbau mit einer schnellen Einleitung, einem langsamen Satz, einem Scherzo und dem Finale. Die vier Sätze heissen:  A Song for All Seas, All ShipsEin Lied für alle Meere und alle Schiffe (Bariton, Sopran und Chor); On the Beach at Night, AloneAllein nachts am Strand (Bariton und Chor); Scherzo: The WavesDie Wellen (Chor); The ExplorersDie Entdecker (Bariton, Sopran und Chor). Satz 1 und 4 sind die längsten mit 20 bzw. 30 Minuten.

Drei Wochen hat Vaughan Williams 1908 bei Maurice Ravel in Paris verbracht, bei ihm studiert und mit ihm gearbeitet und so zeigt das Werk auch Einflüsse der französischen zeitgenössischen Musik. Ravel war zufrieden mit seinem Schüler und meinte: „Vaughan Williams ist der einzige meiner Studenten, der nicht so komponiert wie ich“.

Den Text hat er sich bei dem Amerikaner Walt Whitman (1819-1892) geholt, genauer gesagt aus dessen Hauptwerk « Grashalme » (Leaves of Grass). Whitman wird als Mitbegründer der modernen US-amerikanischen Dichtung angesehen und zählt zu den bekanntesten Lyrikern des 19. Jahrhunderts.  Vaughan Williams Hauptwerk ist in die Musikgeschichte eingegangen.

Aufgeführt wurde das anspruchsvolle Werk durch den Philharmonischen Chor Berlin und dem Konzerthausorchester Berlin unter Leitung von Jörg Peter Weigle. Ergänzt wurde das Programm durch Frederick Delius’ « Songs of Farewell für Chor und Orchester.

Interessantes Konzert!

cmb

 

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M – Eine Stadt sucht einen Mörder – Oper

Römische Nacht
 das Foto hat mit der Inszenierung nichts zu tun

 

Warte, warte nur ein Weilchen …

Deutschland ist das Land der Krimis. Wahrscheinlich werden nirgendwo sonst auf der Welt so viele Krimiserien produziert, Krimis gelesen oder gedruckt wie bei uns. Die einen spielen in Frankreich, die anderen in Italien, wieder andere im hohen Norden. Jede größere Stadt hat außerdem ein Tatort-Team oder eine Soko und es wimmelt von Kommissaren und Hilfskommissaren und klugen Assistentinnen.

Der Regisseur Fritz Lang hat 1931 seinen ersten Tonfilm  « M – eine Stadt sucht einen Mörder »  gedreht. Inspiriert dazu haben ihn unterschiedliche Serienmörder, die in der Weimarer Republik im Land ihr Unwesen trieben und schließlich gefasst werden konnten. Sogar unregelmäßigen Kinogängern ist der Streifen ein Begriff und man braucht kein Liebhaber des deutschen expressionistischen Films zu sein, um ihn schon einmal gesehen zu haben.

Nun hat Moritz Eggert im Auftrag der Komischen Oper Berlin aus diesem schwierigen Stoff einen Opernkrimi gemacht. Die Oper, oder vielleicht sollte man eher das Musical sagen, löst sich zwar ein wenig vom Film, hält sich aber an die Zugaben oder Eckpfeiler, darunter der gepfiffene Ohrwurm aus Peer Gynt, Elsie Beckmann, der dicke Lohmann, der Luftballon und der blinde Verkäufer oder die Bonbon-Tüte. Auch die Texte in Dialekt gesprochen sind übernommen. Deshalb erwartet man auch hier Spannung oder Nervenkitzel: beides vermag der alte schwarz-weiß-Film immer noch hervorzurufen.  Es passiert aber nicht und man bleibt immer neben der Handlung stehen. Erschwerend für die Oper kommt hinzu, dass die Hauptperson, der Mörder, in der ersten Hälfte des Films so gut wie nicht auftaucht und vor allem nicht spricht. Der Mörder wird im Film anfangs nur in kurzen Einblendungen wahrgenommen, erscheint in Zeitungsberichten und Steckbriefen was eine aufkommende Massenhysterie nach sich zieht. Alle sprechen über ihn und die Greueltaten, aber keiner kennt ihn. Das Misstrauen unten der Bevölkerung wächst. Der verschlagene Bösewicht erscheint erst aktiv auf der Bildfläche, als die zweigeteilte Jagd beginnt. Auf der einen Seite ist dies die mit Hochdruck allen Spuren folgende Polizei und  auf der anderen eine großartig organisierte Mobilisierung der gesammelten Gauner- und Bettlerschaft, die es leid ist, nicht mehr in Ruhe „arbeiten“ zu können und die wegen einem Außenseiter ihren „guten Ruf“ verlieren wird.

Der im Film so großartig gelungene Prozess der Unterwelt in der alten Fabrik, das Plädoyer der Verteidigung gegen die Todesstrafe oder das Verlangen von Verständnis für den psychisch Kranken wird in der Oper nur angedeutet. Die Rolle des Triebmörders, der den Stimmen in seinem Kopf folgen muss und am Schluss zum Opfer wird oder die Frage der Schuldfähigkeit werden in Eggerts Werk nicht gut genug herausgestellt. Das « Kann nicht, muss » von Peter Lorre, sein Augenaufschlag, sein über die Schulter schauen und seine großen, vor Schreck geweiteten Augen, sind nicht reproduzierbar.

In der Oper ist der Mörder immer auf der Bühne, singt, ist verzweifelt und springt dann fröhlich wie ein Kind durch das an den Film angelehnte schwarz-weiße Schatten-Bühnenbild. Er verteilt eigenhändig Flugblätter auf denen  « Wer ist der Mörder » steht und die 10 000 Mark Belohnung versprechen. Das Publikum beobachtet durch seine Augen, wie man ihm auf die Sprünge kommt, wie er gefasst wird. Manchmal vermittelt er den Eindruck, dass er selber nicht weiß, wie es nun weiter gehen soll.

Eggerts Musik ist hauptsächlich elektronisch verstärktes Orchester, Akkordeon und E-Gitarre. Die unterschiedlich eingesetzten Geräusche schaffen es nur leidlich, Verzweiflung, Trostlosigkeit oder Panik zu erzeugen. Eggert vertonte für sein Werk Gedichte des Berliner Satirikers und expressionistischen Dichters Walter Mehring, kombiniert und vervollständigt mit Kinderliedern aus den 1920er Jahren. Der Mörder ist der einzige Erwachsene,  die Polizei, die Bevölkerung, die Lumpen und Schurken sind klein, es sind Kinder, die mit großen Papp-Köpfen zu Erwachsenen gemacht werden. Was die jugendlichen, in schwarz gekleideten, Darsteller für eine Rolle hatten, hat sich mir nicht erschlossen.

Scott Hendricks spielt und singt den Mörder. Er meistert seine schwierige Rolle sehr gut und hat es nicht leicht, muss immer präsent sein. Alle anderen Darsteller gehören dem Kinderchor und dem Kinderkomparserie der Komischen Oper Berlin an. Sie machen ihre Sache sehr gut und amüsieren sich sorglos und angstfrei bei Hüpfspielen wie Paradiesspiel, Himmel und Hölle oder Reise zum Mond, wie man sie früher in der Hofeinfahrt oder auf dem Schulhof während der Pause spielen durfte. Hierfür zeichnen sie gleich zu Beginn mit Kreide Kästchen auf den Boden.

Das Libretto haben Barrie Kosky und Ulrich Lenz geschrieben. Am Pult vor dem Orchester der Komischen Oper Berlin ist Ainārs Rubiķis.  Tobias Barthel und Anne Kuhn sind für die gelungenen Masken verantwortlich

Jetzt muss man unbedingt den Film nochmals sehen.

Christa Blenk

 

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Zehlendorfer Hauskonzerte – Pierre Chastel und Daniel Gerzenberg

Linossi - Fels in der Brandung 
Fotoarbeit (c) Christa Linossi

 

Das Zehlendorfer Hauskonzert am 10. Mai war zu einem großen Teil Heinrich Heine gewidmet. Dafür haben der Bassbariton Pierre Chastel und der Pianist Daniel Gerzenberg  ein anspruchsvolles und sehr unterhaltsames Programm zusammengestellt und auch bewiesen, dass sie Berührungsängste nicht kennen.

Das Konzert beginnt mit Robert Schumanns (1810-1856) „Dichterliebe“ . Von den 16 Liedern dieser Serie haben die Beiden fünf Lieder vorgetragen, u.a. „Im wunderschönen Monat Mai“, „Ich grolle nicht“ oder „Die Alten, bösen Lieder“. Dieser Zyklus entstand 1840 nach Gedichten von Heinrich Heine und  zählt zu Schumanns Lied-Hauptwerken.

„Wer sich der Einsamkeit ergibt, Ach! Der ist bald allein“ ist der Beginn von Hugo Wolfs’ (1860-1903) Lied „Der Harfenspieler I, II und III“.  Wolf in ein paar Monaten zwischen Oktober 1888 und Februar 1889 an die 50 Gedichte von Goethe vertont. Mit  Unterstützung einer amerikanischen Mäzenin, die Wolf in Bayreuth kennengelernt hatte, konnten sie 1890 gedruckt werden. Wolf war sonst immer bemüht Gedichte zu verarbeiten, die noch nicht von anderen Komponisten vertont worden waren. Mit Wilhelm Meister haben sich auch Schubert und Schumann auseinandergesetzt.  Harfenspieler I bis III steht zusammen mit Mignon am Anfang seiner Sammlung. Klagen, Armut, Elend, Einsamkeit und Erlösung sind Inhalt des Gedichtes und Harfner muss sie erleiden oder ertragen. Wolf hat hier alles was er an profunder Ausdruckskraft, verhaltener Anklage und geballter Eindringlichkeit  geben konnte gegeben und das hat Pierre Chastel mit seinem ruhigen, fast bewegungslosen Auftritt ebenfalls getan.

Weiter geht es Franz Schuberts (1797-1828) Schwanengesang. Schubert hat den Zyklus im Sommer/Herbst 1828 nach Gedichten u.a. von Heinrich Heine komponiert. Schwanengesang  heißt es, weil es sich hier um Schuberts letzte Werke handelt, die postum veröffentlicht wurden. „Atlas“  wird im Zehlendorfer Wohnzimmer einmal ganz anders vorgetragen. Der Pianist Gerzenberg, der seit 2016 an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin studiert,  hat außer dem  Klavierstudium auch Theater,  Schauspiel und Dramaturgieunterricht genommen. Dies kommt bei der großartigen, originellen, gesprochenen und gezupften Improvisation von  « Atlas » zur Geltung. Mit « Ihr Bild » finden die beiden Interpreten gleich wieder zum klassischen Kunstlied-Vortrag zurück. Der immer wieder schauernde Doppelgänger schließt den Schubert-Teils ab. Der Doppelgänger kommt aus dem Buch der Lieder „Die Heimkehr“ und heißt dort « Still ist die Nacht“.

Zwei kleine Leider von  Maurice Ravel  « Kaddish – Deux mélodies hébraïques » schließen und runden das Konzert ab.  Es handelt sich bei Kaddish um die  Textvertonung eines jüdischen Freitags-Liedes, aber auch um einen Totengesang, der am Grab  – in aramäischer Sprache – vorgetragen wird. Minimal die Klavierbegleitung. Ravel, der sich Inspirationsquellen gerne bei anderen Kulturen suchte, hat die Stücke 1914 in Saint-Jean-de-Luz geschrieben und in diesem Jahr wurden sie auch noch uraufgeführt, gesungen von Alvina Alvi, Ravel selber am Piano. 1919 hat er eine Orchesterfassung erstellt. Yehudi Menuhin hat die zwei miteinander verbundenen Lieder für die Geige verweigt. Auch die  Version von Daniel Hope, Menuhin gewidmet, ist sehr bekannt.

Mit der „Ständchen“-Zugabe ging dieses bezaubernde Konzert und musikalische Ereignis zu Ende.

Pierre Chastel war als Schlagzeuger schon öfters zu Gast in Zehlendorf. Als Sänger war dies am Freitag Abend seine Premiere. Seit 2016 studiert er an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Gesang bei Professor Scot Weir, nachdem ihm jemand sagte, dass er mit so einer Stimme eigentlich singen müsse.  Jazz hat er in Deutschland und Frankreich studiert. Seit 2018 tritt er als Sänger auf, u.a. war er Solist bei Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium in der Berliner Sophienkirche. Sein Bassbariton ist ein kräftiger, warmer, cremiger. Mit diesem Potenzial könnte er durchaus einmal ein Heldenbariton für Wagner-, Rossini- oder Puccini-Rollen werden. Sein ruhiger Liedvortrag ist feierlich und natürlich, gestenlos, gelöst vom Zwang, die Wörter mit seinen Händen zu unterstützen. Alle Emotionen – und es gibt  viele -  überlässt er seiner schönen Stimme.  Das offene Klavier bewältigt er ohne die geringsten Probleme. Mit dem Hamburger Pianisten Daniel Gerzenberg hat er die perfekte Begleitung gefunden. Souverän und sicher geht Gerzenberg auf jede Stimmung ein, folgt und leitet, ruhig und verlässlich, so wie man Lieblingsstücke spielt! Nicht umsonst ist er ein viel gefragter Liedbegleiter.

Pierre Chastel wird in diesem Monat noch im Bröhan Museum auftreten und im November im Kammermusiksaal der Philharmonie mit dem Weihnachtsoratorium von J.S.Bach.

mehr:

Dichterliebe

Karfreitagskonzert

Christa Blenk

 

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Der Barbier von Sevilla in der Staatsoper

Dottore Bartolo hat ein Mündel und die ist reich. Deshalb will er sie schnellstmöglich heiraten, vor allem als er merkt, dass der  Graf Almaviva in die Schöne verliebt ist. Hier ist guter Rat teuer, zumal der böse Bartolo die arme Rosina sozusagen hinter Schloss und Riegel versteckt. Jetzt muss Figaro, seines Zeichens Barbier und Stadt-Faktotum, her. Denn überall weiß man, dass er immer eine Lösung findet. Seine List besteht also aus diversen Verkleidungen. Einmal schleust er Almaviva als betrunkenen Soldat in das Haus ein und als dies schief geht, kommt Almaviva aka Lindoro als gläubiger Musiklehrer für den angeblich erkrankten Basilio ins behütete Musikzimmer. Nach viel Hin- und her, slapstick und Gags, gibt es natürlich ein lieto fine und einen Hochzeitsvertrag,

Das Bühnenbild fördert das Stehgreiftheater, bei dem die Schauspieler « aus dem Stegreif » spielen sollten. Entwickelt hat sich diese Aufführungsart aus der Commedia dell’arte in der italienischen Renaissance, wo die Kostümen eine Hauptrolle zugewiesen wird. Ruth Berghaus hat deshalb nur ein paar Vorhänge – alles in weiß-beige – auf die Bühne gebracht, diese werden dann auf und zugezogen und dienen als Versteckt, wenn es sein muss. Dafür sind die Kostüme umso prächtiger. So gibt es praktisch nichts, was vom Singen und Hören ablenkt.

Björn Bürger hat den Figaro schon 2016/2017 beim Glyndebourne Festival gesungen. Er versprühte auch gestern viel  Charme und Witz und bewies schauspielerisches Talent. Er könnte sich mehr bewegen und sitzt für einen Figaro zu viel auf dem Boden. Aber sein Bariton ist sehr beweglich, verlässlich und warm und voller List.

Graf Almaviva ist der russische Tenor und Rossini-Sänger Maxim Mironov. Er posiert – obwohl unglücklich verliebt -  in Siegermanier vor dem Publikum und wird  im Verlauf des Abends immer besser. Als verkleideter Musiklehrer ist er unschlagbar.

Die Französin Marianne Crebassa ist wunderbar als Rosina und wurde vom Publikum zu recht sehr verehrt. Temperamentvoll und frech schwebt sie – gar nicht üppig, wie im Libretto vorgesehen – ganz leicht über die Bühne. 

Bartolo ist Bruno de Simone, der im ersten Akt manchmal etwas schwach herüber kommt, aber die Rolle als böser Vormund, der sich immer wieder lächerlich macht, meistert er großartig.

Der Musiklehrer und etwas gierig-bigotte Basilio ist Grigory Shkarupa. Er besticht mit seinem dunklen, starken Bass.

Adriane Queiroz singt eine etwas trampelhafte Berta, die ihren schönen Sopran über die Bühne strahlen lässt.  

Vom Staatsopernchor sind hier ja nur die Männer gefragt, die einmal eine Bande von geldgierigen Musikanten spielen und dann eine Truppe von Soldaten.

Julien Salemkour am Pult vor der Staatskapelle bekommt zu Recht viel Applaus.

Wenn man bedenkt, dass diese Inszenierung schon über 50 Jahre alt ist – die Premiere hat am 21. November 1968 stattgefunden – und schon 378 Mal gespielt wurde, kann man nur noch staunen, wie gut sie sich gehalten hat und wie zeitlos sie ist.

Der Barbier von Sevilla oder die nutzlose Vernunft entstand 1816  und ist ein geniales Verwechslungs- und Verwandlungs pasticcio. Gioachino Rossini hat diese Opera buffa nach einem Libretto von Cesare Sterbini nach Pierre Augustin Caron de Beaumarchais als Auftragsarbeit für das Teatro Argentina in Rom komponiert. Die Oper sollte in der Karnevalssaison 1816 aufgeführt werden. Nur 23  Jahre war Rossini zu diesem Zeitpunkt alt und 400 Scudi hat er dafür bekommen. Alles musste sehr schnell gehen, es gab Probleme mit den Sängern, den Verträgen und dem Budget für das Ballett.

Gestern war die letzte Vorstellung in dieser Saison und das Haus war voll.

Christa BLenk

hier geht es zu einem Bericht über die Barbiere in der Deutschen Oper

 

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Die Verlobung im Kloster

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Verlobung im Kloster oder eine Therapie für Opernjunkies

Willkommen in der « Gemeinschaft anonymer Opernabhängiger (Opera Addicts Anonymous): 

Acht Personen treffen sich in einem Therapieraum, ausgestattet nur mit Opernsitzen und einer Schiefertafel. Sie hoffen, ihrer Sucht nach der Oper Herr zu werden. Im Therapieplan steht, dass eine Oper erfunden werden soll. Der Moderator schreibt gerade die Namen der Teilnehmer an die Tafel, als sich der Vorhang hebt.

Zuerst werden die Seminar-Teilnehmer aber vorgestellt. Stefan z.B. geht jeden Abend in die Oper und seine Ehe steht auf dem Spiel, dabei zugrunde zu gehen, während Aida versucht, ihre Verliebtheit in Jonas Kaufmann unter Kontrolle zu bekommen. Der Dritte hält sich für den besten Bariton der Welt und nervt alle mit seinem Gesang, während ein anderer Teilnehmer die Kleider einer ehemaligen Starsängerin ersteigert, die selber auch am Seminar teilnimmt, weil sie mit dem langsamen Abstieg nicht zurecht kommt.

Eines haben alle Teilnehmer jedoch gemeinsam: Musik und vor allem Oper sind die Ursache ihrer Leiden und man will sich davon heilen.

Der Moderator beginnt mit der Rollenverteilung und dann kann es losgehen mit der „Verlobung im Kloster“. Die Teilnehmer legen nun ihre echten Namen ab und schlüpfen in die jeweilige Rolle. Während der drei Stunden Spielzeit halten sich immer alle  Opernkranken im Raum auf. Zuerst läuft es nicht so gut an und der Lehrer es eher unzufrieden, ja verlässt sogar die Gruppe. Aber die Teilnehmer nehmen ihr Glück oder ihren Erfolg selber in die Hand und sie fangen an, sich zu amüsieren. Das Happy-End ist eine dreifache Hochzeit, zu der alle wichtigen Opernfiguren in großen Kostümen – sei es Carmen oder Brunhilde, die Königin der Nacht, der Vogelhändler oder Madame Butterfly geladen sind. Gelungener Gag!

Prokofjew hat das Libretto einer 200 Jahre alten Geschichte selber geschrieben und dann eine lyrische Oper voller Verwechslungen in neun Bildern daraus gemacht. Auf die Idee gebracht dazu hat ihn seinerzeit Mira Mendelsohn, die seine zukünftige Frau werden sollte. Die Oper ist etwas langatmig – vor allem im ersten Akt – hat aber durchaus komische Momente. Der Regisseur Tscherniakov hat mit der Verlegung der Geschichte in einen Therapieraum das Publikum herausgefordert und so mancher Zuhörer hätte sich einen etwas konventionelleren Umgang mit dem Stoff aus der Mozart-Zeit gewünscht.

Die ausgezeichneten Sänger und die fast leichte, stilistisch überhaupt nicht in der Mitte des 20. Jahrhunderts passende Musik, haben dies Langatmigkeit und den Anachronismus aber wett gemacht.  

Entstanden ist das Werk 1940 und wurde zum letzten Mal vor 60 Jahren an der Staatsoper aufgeführt. Die Uraufführung fand 1946 statt.

Ausgezeichnet Stephan Rügamer in der Rolle des Don Jerome. Er ist der Zeremonienmeister, unterstützt wird er von Violeta Urmana als Duenna. Die Tochter Luisa ist die wunderbare Aida Garifullina. Anna Goryachovachs ist Clara und ein interessantes, stimmliches Gegenüber zu Luisa mit Ihrem runden Mezzosopran.

Daniel Barenboim am Pult vor der ausgezeichneten Staatskapelle lässt sich nach der Aufführung feiern.

Christa Blenk

 

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Händels Kammeroper Poros in der Komischen Oper

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Bild von Nestor Boscoscuro

 

Mogli im Dschungelbuch

2002 hat der frühere Chefregisseur der Komischen Oper Berlin, Harry Kupfer, das letzte Mal für die Oper gewirkt. In knapp 20 Jahren hat er über 30 Produktionen hinterlassen. Nun ist er nach vielen Jahren  auf Einladung von Berry Kosky als Gast zurückgekehrt und hat sich einen Jugendwunsch erfüllt, nämlich: Händels Oper „Poros“ auf die Bühne zu bringen. 1956 hat er als junger Regieassistent  diese Oper für das Halle Festival mit inszeniert. Mit ins Boot dafür hat er sich Hans Schavernoch, seinen langjährigen Bühnenbildner, sowie den Kostümbildner Yan Tax geholt.  Entstanden ist ein Peplum-Urwald-Produkt bestehend aus Skulpturen, Bildern und virtuellen Tempelanlagen, aufgelockert von britischen Kolonialuniformen, Tropenhelmen und herrlichen indischen Gewändern sowie einem großen Buddha, und um ihn herum passieren die Haupthandlungen. Farbenprächtig allemal aber einfach nicht genug Abwechslung für drei Stunden.

Die Geschichte des Librettisten Pietro Metastasio hat Kupfer ins 18. Jahrhundert,  in die englische Kolonialzeit verlegt – in die Zeit der „East India Company“. Es gibt keinen Chor in der Oper und keine Balletteinlagen. Die Bühne dreht sich langsam und nötigt die Protagonisten, damit Schritt zu halten.

Auch die Stimmlagen hat Kupfer leider geändert. Im Original werden die Inder Poros und Gandharta mit Altisten (Kastraten) besetzt und Alexander der Große musste ein Tenor sein. Bei der neuen Produktion der Komischen Oper haben die Inder die dunklen, männlichen Stimmen und Sir Alexander, so heißt Alexander der Große bei Kupfer, ist ein schüchterner, zarter Countertenor, dem man den Frauenverführer gar nicht so recht abnimmt und weshalb man auch Poros heißblütige und ihn auffressende  Eifersucht gar nicht nachvollziehen kann.

Der junge Dirigent und Experte für Alte Musik Jörg Halubek geht flott an die Musik heran und lässt keine Applauspausen zu, in dem er immer schnell von den rezitativi zu den Arien überleitet  – dies ist eine gute Sache ist. Ganz leicht führt er das Orchester der Komischen Oper, selber am Cembalo. Er bekommt dafür viel Applaus.

Die Aufführung in deutscher Sprache nimmt der Oper die musikalische Leichtigkeit und lässt Verzierungen nur sehr schwer zu. Die Arien sind viel zu textlastig und obwohl die Nachdichtung von Felicitas Wolf die Geschichte verständlicher macht, ist dies schade.

« Poros » ist eine Kammeroper für nur sechs Solisten und es geht gar nicht um Krieg oder Kolonialismus, sondern eigentlich nur um Liebe und Eifersucht, Vertrauen und Misstrauen und religiöses Vergeben. König Poros hat deshalb auch viel mehr Angst vor dem Verführer Alexander als vor dem Eroberer. Er fürchtet, dass der Brite ihm seine schöne Braut ausspannen will. Alle gefährlichen oder kriegerischen Situationen entstehen deshalb aus falsch interpretierter Eifersucht.

 Der Countertenor Eric Jurena singt den Allen verzeihenden und Alles verstehenden Sir Alexander, sein Vertrauter und Verräter, der Grieche Timagenes,  ist Joao Fernandes. Philipp Meierhöfer singt den treuen Gandharta, Poros Schwester Nimbavati ist Idunnu Münch mit ihrer warmen Alt-Stimme, die vielleicht nicht leicht genug für Händel-Arien ist. Ruzan Mantashyan ist die schöne Königin und Geliebte Mahamaya, die im Original Cleofide heißt, strahlend und floral versucht sie die ganze Zeit über Poros davon zu überzeugen, dass sie nur ihn liebt.  Sie ist im Verlauf des Abends immer besser geworden. Poros ist der Bariton Dominik Köninger, der sich gleich zu Anfang auf einer Liane, kräftig und viril, auf die Bühne herunterlässt. Aufbrausend und extrem eifersüchtig, temperamentvoll und jugendlich unkontrolliert meistert er die Titelpartie und den ewig zweifelnden König, der ständig seine Rolle als Vorbild vergisst.

Eine Spannung zwischen den beiden so unterschiedlichen Kulturen allerdings entsteht an diesem Abend zu keinem Zeitpunkt, die Briten bleiben blass und langweilig und die Inder gleichgültig und undifferenziert. Schade auch, dass hier die Stimmrollen ausgetauscht wurden. Ein Countertenor passt nicht zu Alexander. Und alle guten Vorsätze, dass man nur Gutes hier tun will, werden widerlegt, wenn zum Schluss Waffenkisten der „East India Company“ auf die Bühne gehievt werden und die Männer darauf Platz nehmen.  Und um dem Ganzen noch eins Drauf zu setzen, wird anstelle eines Vorhangs der Union Jack von oben auf die Bühne gelassen und man denkt natürlich „Brexit“ – manchen rutscht es sogar über die Lippen!

Aber ein wenig enttäuschend (und langweilig) war der Opernabend dann doch!

 Christa Blenk

 

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MUSIK.IN.SOPHIEN

SanLorenzo Street Art
Street Art Rom

 

Karfreitagskonzert in der Sophienkirche

Der Organist und Leiter des Ensembles Maximilian Schnaus beginnt den Konzertnachmittag mit einem Auszug aus dem Orgelwerk „Zeichen“, das Dominik Susteck (*1977) 2016 komponierte.  Das komplette Werk dauert 31 Minuten und ist eine Auftragskomposition des Bistums Essen für die Bischöfliche Kirchenmusikschule. Zeichen besteht aus den Sätzen:  Morse – Funkfeuer – Schatten – Echos – Signal – Geister. Schnaus hat die Teile Schatten und Echos daraus gespielt.  

Der Komponist selber sagt darüber:
Der „Schatten“ ist mehrdeutig. Huschende Töne, Tonballungen oder hängende Töne bilden sich. Nach den tiefen, geräuschhaften Tönen zu Beginn entwickelt sich die Musik zu einem strahlenden, insistierenden Akkord.
Die „Echos“ stellen eine Suche nach einem Gegenüber dar. Es entsteht ein motivischer Dialog zwischen Hauptwerk und Schwellwerk. Manchmal verhalten sich die Töne in freier Variation zueinander. An anderer Stelle ordnen sie sich als Wiederholung ein.

Dann verlässt Schnaus seinen Platz an der Orgel und übernimmt die Leitung für Arvo Pärts großartige Komposition „Stabat Mater“. Es ist ein delikates, sehr zartes und sehr hohes Werk, tiefgründig, transzendent und religiös. Manchmal mutet Pärts Musik wie aus dem Mittelalter kommend an, in dieser Epoche entstand auch das anonyme Gedicht „Stabat Mater“. Es beschreibt den Schmerz, den die Mutter Jesu um den gekreuzigten Sohn empfindet. Es gibt unterschiedliche Versionen des Textes und unzählige Vertonungen dieses Werkes. Eines des bekanntesten und meist gespielten ist das Stabat Mater von Pergolesi.

Das ausgezeichnete Amateur-Streicherensemble „Cappella am Weinberg“  geht in Pärts spiritueller Musik auf, lässt ihn sprechen und als dann die Sopranistin plötzlich einsetzt, gleicht das einem überraschenden Ur-Schrei, der lange zurückgehalten worden war und nun endlich raus darf. Jetzt kann sich niemand mehr dem Bann entziehen. Das Stück verlangt viel Einfühlungsvermögen der Musiker und der Solisten (Rachel Fenlon, Sopran; Corinna Scheurle, Mezzo; Joseph Schnurr, Tenor). Sie haben das vorzüglich gemeistert.

Der Text des Stabat Mater besteht aus zehn Strophen. Vier Textgruppen des liturgischen Gedichtes werden durch instrumentale Zwischenspiele von einander abgesetzt. Umrahmt ist das Werk von einem langen Amen am Anfang und am Ende des Stückes.  Mehr kann man nicht geben, als die Interpreten dies gestern getan haben. Man wird mitgerissen, taucht ein in diese Pärt-Karfreitags-Welt. Gänsehaut überall. Schnaus hält am Ende die Stille sehr, sehr lange und das Publikum wartet geduldig. Dann Applaus!

1985 entstand Pärts Stabat Mater als Auftragswerk der Alban Berg Stiftung. Diese gab aus Anlass des 100. Geburts- und 50. Todesjahres Alban Bergs zehn Streichtrios in Auftrag. Pärt schlug eine Vokalkomposition für drei Vokalisten und Streichtrio vor und konnte es umsetzen. Am 30. Oktober 1985 wurde das Werk in Wien uraufgeführt. Es dauert knapp 25 Minuten. Würdig, tief und erschütternd kommt es wie ein Dialog zwischen Sängern und Streichern daher. 2008 hat Pärt eine weitere Version für gemischten Chor und Orchester erstellt.

Der Este Arvo Pärt (*1935) ist ein Vertreter der neuen Einfachheit. Pärts musikalische Erziehung begann bereits mit sieben Jahren. Mit 14 schrieb er seine erste Komposition. Nach seinem Musikstudium arbeitete er als Tonmeister beim estnischen Rundfunk. Anschließend lebte er als freischaffender Komponist in Tallinn. Sein Frühwerk ist von der russischen Musiktradition geprägt, später sollte er sich davon aber absetzen, Pärt erste Zwölftontechnik-Musik entstand 1961 und stieß – ebenso wie seine stark religiös geprägten Werke, auf Kritik, vor allem bei den Musikverantwortlichen in der früheren Sowjetunion. Nach einer Pause Ende der 1960er Jahre begann er, sich für die Musik des Mittelalters zu interessieren. Ein paar Jahre später konvertierte der ehemalige Lutheraner zur russisch-orthodoxen Kirche. 1980 ging er ins Ausland, nach Wien, und wurde Österreicher, später nach Berlin. Die Spirituelle, geistlicher Musik der Gegenwart ist ohne ihn gar nicht denkbar.

Die junge Sopranistin, Pianistin und Komponistin  Rachel Fenlon ist Absolventin des Young Artist-Programm der Vancouver Opera und des Rossini Opera Festivals in Pesaro und gastiert an vielen Opernhäusern. Bei Liederabenden begleitet sie sich gerne selber am Klavier.

Die Mezzosopranistin Corinna Scheurle ist Mitglied im Opernstudio der Staatsoper unter den Linden und wechselt in der kommenden Spielzeit zum Ensembles der Bayerischen Staatsoper. 2017 war sie Preisträgerin des Gasteig Musikpreises.

Der Tenor Joseph Schnurr studierte u.a. an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“. Er tritt auf verschiedenen Bühnen weltweit und als Evangelist im Weihnachtsoratorium und den großen Passionen Bachs auf.

Die Cappella am Weinberg wurde 2015 gegründet. Ihr Repertoire besteht vor allem aus Kirchenmusik aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die Leitung haben Anne Sommer-Bloch und Maximilian Schnaus.

Christa Blenk

 

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Tag und Nachtstücke – Deutsches Symphonieorchester mit Robin Ticciati

Am 13. und 14. April gastierte das Deutsche Symphonie Orchester in der Philharmonie mit einem ausgesprochen interessanten Programm.

Mit der Tondichtung von Richard Strauss (1864-1949) « Don Juan » begann der Konzertabend. Das Werk entstand 1888 nach Nikolaus Lenau für großes Orchester. Die Uraufführung fand 1889 durch das Orchester des Weimarer Hoftheaters unter der Leitung des Komponisten selber statt.

Anschließend kam die Pianistin Mitsuko Uchida auf die Bühne. Die großartige Musikerin spielte – hauchzart und sensibel – Maurice Ravels (1875-1937) Konzert für Klavier und Orchester G-Dur. Es entstand um 1930 und wurde 1932 in Paris uraufgeführt. Auch hier dirigierte der Komponist selber. Die Solistin war damals Marguerite Long.

Nach der Pause gab es ein Stück von Sir Harrison Birthwistle (*1934) « Night’s Black Bird  » aus 2004. Im selben Jahr wurde es im Rahmen des Lucerne Festivals uraufführt. Bei dieser Komposition geht es um Melancholie. Birthwistle hat dabei an eine gleichnamige Radierung von Dürer gedacht. Der übergewichtige Engel auf der Radierung versucht die ganze Zeit, sich in die Lüfte zu erheben, schafft es aber nicht. Es ist ein dunkles Stück, gewitterträchtig, melancholisch-traurig. Eine Art stehende Musik, die an eine Sisiphus Arbeit erinnert. John Dowlands « In darkness let me dwell » hat hier Pate gestanden. Darüber und über die Schaffensprozesse eines Komponisten spricht Birthwistle auch in der Einführung.

Birthwistle gehört zu den bekanntesten britischen Komponisten und folgt mit seiner Musik Varese, Strawisnky und Messianen. Er hat zahlreiche Auszeichnungen bekommen, darunter 1995 den Siemens Musikpreis.

Abgelöst wurde dieses 12-Minuten-Stück von Anton Weberns (1883-1945) Sechs Orchesterstücken für Orchester op. 6 (1909-1928).

Abgerundet wurde das Konzert mit einer ausgezeichneten Interpreation von « Isoldes Liebestod ». Robin Tricciati hat entschieden, es direkt in Fortsetzung an die sechs Orchesterstücke zu spielen – ohne Pause und deshalb auch ohne Applaus. Sehr gute Idee.

Die Applaus-Freaks haben ihm und uns dies aber nicht gegönnt und ihm nach Isoldes Tod nicht die notwendigen  Sekunden zum Runterkommen gegeben.

Großartiges Konzert.

cmb

 

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Der Prinz von Homburg

handschuh
 Cover Programm Staatsoper Stuttgart

 

Der Antiheld ist  ein Träumer, vielleicht auch ein moderner Weltverbesserer. Er sitzt auf einer Leiter und ist nicht ansprechbar, er ist woanders. Seine rote Sommerhose passt nicht in den Krieg. Aber auch mit den anderen Protagonisten tut man sich schwer, sie sich im Kampf oder in einer Schlacht vorzustellen. Sie üben an der Ballettstange und man vermutet, das sie wenigstens mit den Tanzeinlagen „bella figura“ zu machen hoffen. Tanzt hier der Kongress oder haben sich die preußischen Tugenden in der Tür geirrt?  Den  Ballettsaal,  den Ort der Handlung, hat Katja Haß eiskalt, blitz-blank und blütenweiß eingerichtet. Hier könnte es sich aber auch um eine Industrie-Schlachterei handeln. Farbe kommt erst dann ins Spiel, wenn sich die Kämpfer selber mit Blut beschmieren. So sprechen wenigsten ihre Kleider von heftigen Kämpfen und es fällt nicht gleich auf, dass sie eigentlich träumen und nicht kämpfen. Oder ist das jetzt wieder Traum?

Die Oper « Der Prinz von Homburg » von Hans Werner Henze wird nicht sehr oft gespielt. Stephan Kimmig hat sie nun für Stuttgart neu inszeniert. Sie hat nichts an Zeitgeist eingebüßt und wirkt frisch und aktuell.

Der Handschuh ist das wichtigste Relikt im Stück. Er stellt die Verbindung zwischen Traum und Realität her und ist das einzige – außer seiner Erinnerung – was der Prinz vom Traum in die Wirklichkeit mitnimmt. Beim Erwachen hält er einen Boxhandschuh in der Hand.  Den zweiten entdecken wir später bei seiner Verlobten, der Prinzessin Natalie von Oranien. Das verunsichert ihn, denn es zeigt ja wohl, dass sein Traum Realität war oder die Realität ein Traum? Jedenfalls macht ihn dies stark und er erteilt Befehl zum Angriff, ohne auf die Order des Kurfürsten zu warten. Obwohl er die Schlacht gewinnt, kommt er ins Gefängnis, denn ohne Befehl von oben zählt der beste Gewinn halt nichts. Das war früher auch schon so.

Die militärische Kriegsmaschinerie kommt nicht sehr gut weg und der einzige Disziplinierungs-Drill  passiert an den Ballettstangen. Eine Art midlife-fitness-Programm.  Die Uniformen hat man deshalb auch gleich ganz weg gelassen, mehr noch: die Soldaten und Generäle, auch der Kurfürst,  müssen die Hosen herunterlassen oder stehen – peinlich und pathetisch  –  in Unterhosen da.  Das Gefängnis ist ein Glaskäfig, transparent und begehbar und auch des Prinzen Todesangst ist nicht wirklich echt. Zum Schluss siegt dann doch die Freiheit und das kann man auf den  T-Shirt der Anwesenden lesen.

Dann werden die Türen schon kurz vor Ende geöffnet. Soll hier frische Luft ins Geschehen oder nochmal eine zweideutige Illusion hervorgerufen werden?

Gespielt wird die überarbeitete, kürzere Fassung von 1991, große Chor- und Orchesterpassagen fallen weg.  Die Premiere hat der neue Generalmusikdirektor Cornelius Meister dirigiert. Die zweite Vorstellung am 6.4. der junge  Dirigent Thomas Guggeis.

Robin Adams mit seinem kantigen Bariton ist ein großartiger Prinz. Man kauft ihm das Hin- und Her zwischen Traum und Wirklichkeit jederzeit ab. Für die erkrankte Vera-Lote Böcker sang Vida Mikneviciute aus Litauen an der Seite die Rolle der Natalie; gespielt hat die Rolle die Stuttgarter Regieassistentin Anika Rutkofsky. Eine großartig umgesetzte Notlösung! Helene Schneidermann sang die Kurfürstin, Stefan Margita den Kurfürsten.

Luchino Visconti hatte Hans Werner Henze seinerzeit auf den Stoff von Kleist als mögliche Opernvorlage hingewiesen und Ingeborg Bachmann als Librettistin vorgeschlagen. Hans Werner Henze, der sich nach Italien zurückgezogen und dem Darmstädter Serialismus den Rücken zugekehrt hatte, hat sich mit dieser Oper über vieles hinweggesetzt und wandelt zwischen Zwölfton-Sequenzen und Belcanto-Arien hin und her. Die Jazz-Elemente, die zwischendurch ertönen, erhellen das Ganze.

Sehr gute Aufführung, ausgezeichnet und sehr textverständlich gesungen und musikalisch einwandfrei!

Christa Blenk

 

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Der Zwerg – Alexander von Zemlinsky

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DER ZWERG von Alexander von Zemlinsky, Deutsche Oper Berlin,
Premiere am 24. März 2019, copyright: Monika Ritterhaus

 „Der Zwerg“ von Alexander von Zemlinsky an der Deutschen Oper Berlin

Am 25. März 2019 fand die Premiere der neuen „Zwerg-Inszenierung“  der Deutschen Oper Berlin statt. Viele Jahre wurde diese Oper nicht mehr aufgeführt, dabei kam sie in Berlin, in der Krolloper, schon 4 Jahre, also 1926, nach der Uraufführung in Köln zur Aufführung. Dann verschwand sie erstmals von allen Opernhausspielplänen und kam erst wieder Ende der 1970er Jahre in Mode.

Um aus dem nur 80 Minuten dauernden Einakter einen vollständigen Opernabend zu präsentieren, wird das Stück oft mit einem anderen Einakter zusammen aufgeführt. Dieses Mal hat man sich entschieden, die 10-minütige Komposition von Arnold Schönberg „Begleitmusik zu einer Lichtspielszene“  vorneweg zu spielen – und dies inszeniert als Lehrer-Schüler oder Mann-Frau-Stück bzw. « Alma Schindler bekommt Klavierunterricht bei Alexander von Zemlinsky ». Daraus ist sodann eine Liebelei erblüht (klein auf Seiten von Alma, groß auf der von Zemlinsky). Diese wurde aber sofort und schnell beendet als Alma Schindler, Gustav Mahlers Heiratsantrag annahm. Für Zemlinsky, der vom Schicksal zwar mit Talent aber nicht mit Größe oder Schönheit beschenkt worden war, ein schlimmer Schlag. Man sagt sogar, dass er mit dem Zwerg autobiografisch und Freud-Couch-mäßig etwas verarbeitet hat.

Sehr passende Idee, die den Abend gleich schwungvoll und rhythmisch einleitet. Mehr braucht diese Oper auch gar nicht. Musikalisch ist sie irgendwo zwischen Spätromantik und Wagner angesiedelt, kommt immer wieder mal an die Grenzen der Tonalität, geht aber nicht darüber hinaus.

Georg Klaren hat das Libretto nach einer Geschichte von Oscar Wilde geschrieben.  Es geht um Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung, um Schein und Sein und um versäumte Empathie. Eine Punktlandung für die Deutsche Oper Berlin und für das Regie-Duo Tobias Kratzer und Rainer Sellmaier (welches übrigens bald in Bayreuth tätig werden wird).

Tobias Kratzer hat die Rolle des Zwergen zweimal besetzt, einmal mit dem großartigen Sänger David Butt Philip, der wie ein Abendeinspringer seine Rolle meist am Rande der Bühne singt, während der Schauspieler Mick Morris Mehnert großartig und berührend die Rolle des Zwerges spielt. Elena Tsallagova singt die herzlose, frivole  Prinzessin. 1960er Jahre Teenager umgarnen die schöne Infantin, die ihren 18. Geburtstag feiert. Die Geschenke kommen an und die Prinzessin Donna Clara kann es kaum erwarten, sie auszupacken. Das Geschenk des Sultans sticht dadurch hervor, dass eslebt. Er schenkt ihr einen Zwerg der wunderbar singen kann,  weltfremd und unschuldig ist und gar nicht weiß, wie er aussieht, da er noch nie einen Spiegel zu Gesicht bekommen hatte.  Donna Clara freut sich an diesem „Spielzeug“, schenkt ihm zum Spaß eine weiße Rose, tanzt mit ihm, küsst ihn und sieht ihn doch nur als niedliches Haustier.

Tobias Kratzer lässt die Geburtstagsparty in einem Konzerthaus stattfinden, und so stehen dort Stühle, Notenständer und Instrumente, die einmal kurz großer Wut zum Opfer fallen. Bühne und Kostüme sind schwarz-weiß gehalten bis auf die schillernde Prinzessin und ihr Stab der bunten Meninas. Die Doppelbesetzung zeigt noch mehr das Zwiespältige der Rolle des Zwerges, seine Dramatik, als er – genötigt durch die Infanta – von Ghita (Emily Magee) einen Spiegel hingehalten bekommt und daran zerbricht.  Die Szene, wenn der  Zwerg hinterm Spiegel und der Sänger davor die Wahrheit entdecken, ist großartig gelungen und eine Opernsternstunde. 

Wenn Donna Clara den Sänger ansieht, vergisst sie die Hässlichkeit des Zwerges. Elena Tsallagova ist perfekt für diese unschuldig-kalte Kind-Frau-Rolle und man nimmt es ihr sofort ab, wenn sie nach dem Tod ihres „Spielzeuges“ weitertanzen will aber vorher noch schnell ihren Luftballon zum Platzen bringt.

Donald Runnicles hat das Orchester der Deutschen Oper wieder in Hochform leuchten lassen und viele Zwischen- und Randstimmungen herausgeholt.  Auch der Chor zeigte sich von seiner besten Seite. Großartige Sänger rundeten den gelungenen Opernabend ab.

Christa Blenk

 

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Abonnementkonzert

Mehr konnte man an diesem Konzertabend fast nicht mehr ändern!

Zuerst musste der Dirigent Paavo Järvi wegen Krankheit absagen. Waltraud Meier machte es ihm nach und konnte aus gesundheitlichen Gründen ebenfalls nicht auftreten. Eingesprungen sind Ocka von der Damerau für die Kindertotenlieder und Thomas Guggeis am Pult  (die Geheimwaffe für Berlin, wenn ein Dirigent nicht auftreten kann oder will – denken wir an Salome in der Staatsoper). Dies brachte wiederum eine einschneidende Programmänderung mit sich und anstelle von Schostakowitsch gab es Sibelius rauf und runter („Der Schwan von Tuonela“ op. 22 Nr. 2 und  Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 43).

Musik Philharmonie

cmb

 

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