Archives pour la catégorie Musique

Jeanne d’Arc au Bûcher

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Ida Rubinstein von Cristina Crespo 

 

Jeanne d’Arc au Bûcher von Arthur Honegger in der Brüsseler Oper La Monnaie   für KULTURA EXTRA

Ida Rubinstein, die russische Tänzerin und Schauspielerin, unterstützte oder produzierte des Öfteren Aufführungen, immer unter der Bedingung, dass sie selber auch eine Rolle darin übernehmen konnte. Angeregt durch die Aufführung eines Mysterienspiels an der Pariser Sorbonne gab sie 1934 bei  Arthur Honegger ein Musikwerk in Auftrag, das die Geschichte der Johanna von Orleans behandeln sollte. Als Librettisten hatte sie den gläubigen Katholiken und Poeten Paul Claudel ins Auge gefasst, der aber – aufgrund des heiklen Themas – erst einmal ablehnte. Claudel war zu der Zeit gerade französischer Botschafter in Brüssel. Im Zug von Paris nach Brüssel überkam ihn allerdings eine Vision und er nahm den Auftrag an. Es hat dann nur ein paar Wochen gedauert, bis das Libretto fertiggestellt war. 

Die Produktion von Castellucci, die bei der Uraufführung vor zwei Jahren in Lyon schon bei einigen Katholiken für Polemik sorge, wird gerade an der Brüsseler Monnaie Oper aufgeführt und hier haben religiöse Gruppen sogar gefordert, alle sechs – komplett ausverkauften Vorstellungen – abzusagen. Grund ist vor allem die Metamorphose des männlichen Hausmeisters zur Heiligen Johanna. Dass diese auch meist nackt auf der Bühne ist, hat sicher diese Forderung noch verstärkt.

Der italienische Regisseurs Romeo Castellucci verlegt die Handlung in ein Klassenzimmer der 1960er Jahre. Die Neonbeleuchtung flackert, die Wände sind angeschmuddelt, an der Wand die typischen Kleiderhaken und Landkarten. Es findet gerade eine Prüfung statt und die Mädchen lassen keine Gelegenheit aus, voneinander abzuschreiben oder sich gegenseitig Spickzettel zuzuwerfen. Es klingelt, die Zeit ist um, und Alle rennen aus dem Raum. Die Musik hat noch nicht eingesetzt. Dann humpelt der Hausmeister in den Raum und fängt an, die Stühle und Schulbänke aus dem Raum zu schaffen. Er arbeitet immer schneller, atmet heftig und die letzten Möbelstücke fliegen praktisch in den Gang, so als ob er einen Zeitplan einzuhalten hätte. Er nimmt dem Zimmer alles, was es als Unterrichtsraum identifizieren könnte und reißt sogar das Linoleum heraus, bis er auf Erde stößt und mit den Händen zu graben anfängt. Dann verriegelt er die Tür von innen. Immer noch herrscht Stille, sie dauert ca  10 Minuten, bis schließlich Musik und Chor einsetzen. Die Sänger und der Chor befinden sich in unterschiedlichen Logen und sind nicht zu sehen.

Kazushi Ono dirigiert mit einer unglaublichen Leichtigkeit in alle Richtungen. Das Publikum ist von Tönen eingeschlossen. Auf der Bühne passiert sonst nicht viel, nur dass das Loch im Boden immer größer wird. Mittlerweile will Jeannes Bruder Dominique mit Polizisten und der Lehrerschaft die Tür einreißen, schließlich soll es ja eine Verhandlung geben. Sie erkennt ihn, macht aber nicht auf.  Mit der Verwandlung des  Hausmeisters in eine langhaarige Jeanne d’Arc verändert sich auch die Stimme, sie wird kräftiger, determinierter. Zwischendurch reitet Jeanne auf einem Besen über die Bühne bis sie nicht mehr kann, dafür legt sie das große Schwert weg.

Paul Claudel hat den Vorsitz in diesem Tierprozess dem cochon (Schwein) übertragen.  Der Bischof von Beauvais, der seinerzeit den Vorsitz im Prozess gegen Jeanne d’Arc innehatte, hieß Pierre Cauchon (Cauchon und cochon haben die gleiche Aussprache!).  Die Geschworenen sind Schafe, der Schreiber ist ein Esel.

Jeanne, mittlerweile nackt, gräbt immer weiter, reißt Pflanzen und Wurzeln heraus und schaufelt sich ihr eigenes Grab. Der Tod, in Form einer weiteren, viel älteren nackten Frau,  unterstützt sie bis Jeanne zuckend das Zeitliche segnet und vom Tod in das selbst gegrabenen Loch befördert wird. Feuer gibt es keines, allerdings scheint es nach Feuer zu riechen. Als alles vorbei ist, bekommen die Polizisten und Dominique endlich auch die Tür auf und finden nur noch Verwüstung vor.

Kazushi Ono, der auch vor zwei Jahren in Lyon dirigierte, hat am Pult vor einem großen Orchester de la Monnaie Wunderbares vollbracht. Unter den Instrumenten sind auch die Ondes Martenot, ein elektronisches Tasteninstrument, das zu Honeggers Zeit erfunden wurde. Die Ondes begleiten den Aufritt der Höllenhunde. Ono hat jede einzelne Stilart von Honeggers Musik – und das sind viele -  herausgearbeitet und ihr einen Platz gegeben. Gregorianische Chöre, Hofmusik aus der Renaissance bis hin zu Bach, Jazzfragmenten und Volksmusik. Letztere begleitet die Tiergerichts-Verhandlung.

Der Schweizer Komponist Arthur Honegger (1892 – 1955) gehörte zur „Groupe de Six“. Sein  szenisches Oratorium in 11 Bildern  „Johanna auf dem Scheiterhaufen“ wurde konzertant kurz vor dem Zweiten Weltkrieg 1938 – mit Ida Rubinstein als Jeanne -  in Basel  mit großem Erfolg uraufgeführt. Diese Komposition ist eine perfekte Fusion von Schauspiel und Oratorium. 1939 bei der französischen Premiere in Orléans musste Ida Rubinstein sich vom reaktionären Publikum beschimpfen lassen. Als Jüdin hätte sie nicht das Recht, die Rolle einer französischen Katholikin und Nationalheldin zu spielen.  Zwei Jahr später machte Frankreich dies aber mit 40 erfolgreichen Auftritten durch das „Ensemble Chantier Orchestral „ landesweit wieder wett.

Audrey Bonnet ist eine umwerfende Jeanne d’Arc. Sie gibt alles und ist sichtlich am Ende physisch erschöpft. Bonnet hat – wie ihr Bruder Dominique (Sébastian Dutrieux) – eine Sprechrolle. Beide sind auch in Lyon aufgetreten.

Viel Applaus und Zustimmung.

Weitere Aufführungen finden am 10. Und 12. November statt.

Christa Blenk

 

 

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Opern – und Festivalführer Merian

für KULTURA EXTRA

williamchristie
« Dans le jardin de William Christie »

Opernfestspiele & Klassikfestivals – 50 musikalische Erlebnisse, die eine Reise wert sind.

Von Musikoasen, großen Stimmen, ungewöhnlichen Orten, Industriehallen, Trüffelsuchern und Festspielromantik

Spritzig wie eine Opernarie und informativ wie ein Opernführer. Anekdoten, Geschichten und Gründungsideen  schicken den Leser schon beim ersten Durchblättern auf eine Reise an  50 unterschiedlichen „Musik“-Orte, die mit  der Prüfung des Terminkalenders 2020 beginnt. Eine gedämpfte Nervosität und eine Art Festivalfieber gesellen sich dazu.  Das Tableau auf der letzten Seite des Buches zeigt, dass die kommenden Winter-Monate eine eher festivallose Zeit und die langen Abende perfekt sind, um ins nächste Festival-Jahr hineinzuträumen.

Der Musikreiseführer ist in Kapitel unterteilt und unterscheidet etwa zwischen monothematischen Festspielen, neuer oder alter Musik, Operettenfestivals oder Festivals, die von  Musikpersönlichkeiten initiiert wurden. Es endet mit dem Kapitel  „Meeresstille und glückliche Philharmonikerfahrt“ – Musikkreuzfahrten.

Nach der Reise ist vor der Reise. Der Stewart in der VIP-Lounge der „Mein Schiff 3“ öffnet unbeeindruckt die nächste Flasche Champagner. Längst sind neue Gäste an Bord. Nach der mit 2500 Mitfahrern ausverkauften Udo Lindenberg-Rockliner-Cruise stehen jetzt merkwürdige Kisten im Laderaum, auf der Passagierliste befindet sich ein Klavierstimmer, und das Publikum ist internationaler: Man startet für zehn Tage zur Kreuzfahrt „Meer & Musik“. Mit dabei ein Starorchester, das teuer ist, als launisch gilt und eigentlich nie Zeit für eine Ferienreise hat: die Wiener Philharmoniker. ….  Nur ein Gast nimmt Anfassen wörtlich und reißt dem Dirigenten Zubin Mehta bei der Autogrammstunde – Schwups! – mit der Pinzette ein Haar aus! „ (Fortsetzung auf Seite 222)

Abgesehen von den Klassikern wie Salzburg, Bayreuth oder Verona werden hier lebhaft, witzig und informativ auch weniger bekannte Festivals vom  finnischen Savonlinna bis hin ins andalusische Granada besprochen.  Sitzt man bei dem 1912 von einer Opernsängerin gegründeten Festival im Innenhof der mittelalterlichen Wasserburg Olavinlinna, kann der Musikenthusiast und Glückspliz in Granada den Aufführungen mitten in der Weltkulturerbestätte Alhambra, umgeben von Jasmin-Duft, folgen. Dieser Ort gilt als einer der schönsten Open-Air-Plätze für Kammermusik und kann nur 350 Personen aufnehmen.  Ganz im Gegenteil zum antiken Amphitheater in Verona, das über 20.000 Zuschauer unterbringen kann und somit zum Massentourismus-Festival wird.

Um moderne und zeitgenössische Musik geht es „in Englands sprödem Osten“,  in Aldeburgh. Der „British Orpheus“, Benjamin Britten, liegt dort begraben. Neben ihm sein langjähriger Partner, der Tenor Peter Pears, für seine Stimme hat Brittan viele Opern-Rollen und Lieder geschrieben. 1947 hat Britten das Aldeburgh Festival gegründet, war es doch der Ort, der ihn auch oft zu seiner Musik inspiriert hat, dort am Fluss Alde.

Wie sich ein Luxushotel in eine Klassikfestival Oase verwandeln kann, beschreibt das Kapitel über das Al Bustan Festival in Beirut. 1994 wurde es von der libanesischen Millionärin Myrna Bustani gegründet;  seitdem finden jedes  Jahr im Februar/März ca. 20 Konzerte statt.

Aber auch Operetten-Liebhaber kommen nicht zu kurz. „Kaiserschmarrn und Operettenzauber“ heißt der Artikel über das Lehár Festival Bad Ischl. Ganz weit weg vom K+K-Pomp findet die  Ruhrtriennale statt. Hochofenkultur vom Feinsten, gegründet von  Gerard Mortier.

Die Artikel über die einzelnen Spielorte sind nie länger als 1-3 Seiten und werden von Kunstfotos ergänzt. Manchmal gibt es auch noch touristische und kulinarische Informationen oder Vorschläge, wo man übernachten könnte.

Dieses gerade frisch erschienene Festival-Buch, das ein gutes Kilo auf die Waage bringt, ist nicht für die Handtasche gedacht. Es dient dem Vorstudium und vor allem der Vorfreude. Es will den Musik-Festival-Horizont der Musik-Melomanen erweitern, aber ihn auch für zukünftige Festivalbesucher öffnen.

Die Autoren (Franz Willnauer, Manuel Brug, Georg Etscheit, Franziska Stürz, Klaus Kalchschmid, Beate Kuhn-Delestre, Stefan Frey, Stefan Fricke, Sabine Radermacher) sind selber Opern- und Festival-Besucher, Musikjournalisten oder Musiker.

Herausgeberin des Merian-Buches „Opernfestspiele & Klassikfestivals – 50 musikalische Erlebnisse, die eine Reise wert sind“ ist Birgit Chlupacek.

Christa Blenk

 

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Italienische zeitgenössische Komponisten im italienischen Kulturinstitut in Brüssel

ICI Bruxelles -

Im Rahmen einer Reihe von zeitgenössischen Konzerten traten am 16. Oktober – im italienischen Kulturinstitut Brüssel – das Duo Dubois mit Werken von Maura Capuzzo, Alessandro Milia, Andreas Nicoli, Maurizio Azzan und Ivan Cancialosi statt.

Von Cancialosi stammt auch die Überarbeitung der Piano Variationen op  27 von Anton Webern, die Jacqueline Berndt mit großer Hingabe gespielt hat.  Sie macht zur Zeit ihren Master am Königlichen Konservatorium in Brüssel. 2016 hat sie bei Jürgen Franz in Hamburg studiert. Berndt war vielfach Finalistin bei Wettbewerben und Teilnehmerin an unterschiedlichen Festivals in Europa, USA und Kanada.

Das Duo Duboi (Alberto Cavallaro, Saxophon; Federico Tramontana, Perkussion)  hat sich ihren Namen vom französischen Komponisten Pierre-Max Dubois ausgeliehen, dieser hatte in den 1980er Jahren zum ersten Mal eine Oper für Saxophone und Perkussion geschrieben.  

Die Komponisten Maura Capuzzo und Ivan Cangialosi waren anwesend.   

weitere Konzerte

cmb

 

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Peter Eötvös dirigiert in Brügge Herzog Blaubarts Burg und Senza Sangue

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Concertgebouw Brügge

 

Der ungarische Komponist Peter Eötvös (*1944) dirigierte letzten Samstag im Concertgebouw Brugge die Brüsseler Philharmoniker. Auf dem Programm standen Béla Bartoks Herzog Blaubarts Burg und Eötvös’ Einakter Senza sangue. Die beiden Werke sind perfekt für einen Abend, sie passen so gut zusammen, dass sie auch aus einer Feder stammen könnten. 

Senza Sangue (Ohne Blut) basiert auf einem Libretto von Mari Mezei nach der gleichnamigen Novelle von Alessandro Baricco. Eötvös dachte schon bei der Komposition von dieser, schon seiner zehnten, Oper an eine Art Ergänzungswerk für Bartóks Herzog Blaubart und natürlich an eine gemeinsame Aufführung. Er hat die Kurzoper als Auftragswerk der KölnMusic und der New Yorker Philharmoniker komponiert. Bariccos  Novelle wurde 2002 veröffentlicht;  Mari Mezei hat den Text ziemlich wortgetreu übernommen. Die Uraufführung fand 2015 in der Kölner Philharmonie statt. 2016 kam die Kurzoper mit großem Erfolg beim Festival von Avignon zur Aufführung.

Die Geschichte basiert auf einem Ereignis, das sich in einem Bürgerkrieg in einem Lande zugetragen hat – vor langer Zeit! Viele Jahre später trifft Nina, die damals – noch Kind – als einzige das Massaker, bei dem ihre komplette Familie ausgelöscht worden war, auf einen älteren Herren. Sie trinken Kaffee zusammen und kommen ins Gespräch. Im Verlauf der Zeit stellt sich heraus, dass der Mann einer der damaligen Täter ist.  Ihn haben seine damaligen Greueltaten ebenfalls ein Leben lang begleitet. Seiner Unruhe fügte sich eine unbestimmbare Angst hinzu, als im Laufe der Jahre alle Mittäter nacheinander auf merkwürdige Weise ums Leben kamen. Nina erinnert sich sogar, dass er damals den ersten Schuss abgegeben hätte. Sie diskutieren über Krieg, seine Folgen, über Rachsucht und Grausamkeit. „Wir waren Soldaten“ erklärt er.  Nach einer drastischen Stimmungsänderung, scheinen sie Frieden gefunden zu haben und gehen in ein Hotel.

Eötvös hat bei seiner Musik die sich ständige ändernde Beziehungen der Beiden voller Spannung mit schneidenden Kontrasten hervorgehoben. Ein Thriller in schwarz-weiß, ähnlich wie  Herzog Blaubarts Burg, nur dass Bartóks Oper nicht gut ausgeht.  Wie Blaubarts Burg ist auch Senza sangue für zwei Singstimmen geschrieben.

Peter Eötvös ist der Bartok-Experte schlechthin. Mehr als er kann niemand aus dessen Werk herausholen. Herzog Blaubarts Burg basiert auf einem Libbretto von Béla Balazs – aufbauend auf Charloes Perraults Märchen „Das Schloss des Prinzen Blaubart“. Die Uraufführung dieses Werkes fand 1918 in Budapest statt. 

Es wird die Sage über eine alte Burg erzählt.

Die junge, hübsche Judith folgt dem Herzog festentschlossen auf seine Burg. Für ihn hat sie ihre Familie und ihren Verlobten verlassen. Als die Tür hinter ihr ins Schloss fällt, wird sie von klammer Kälte und modriger Feuchtigkeit  eingefangen. Sie will die Pforten öffnen, um Tag, Licht und Wärme herein zu lassen. Insgesamt sind es sieben verschlossenen Türen vor denen sie steht und für die sie immer fordernder die Schlüssel verlangt. Nach und nach ringt sie dem Herzog diese ab. Es tun sich Folterkammer, Waffenkammer, Schatzkammer vor ihr auf. Überall kleben Blutreste und ihre Panik steigt, aber die Angst ist geringer als ihre Neugierde. Der Herzog wiederholt immer wieder, sie möge doch keine Fragen zu stellen. Hinter der vierten Tür verbirgt sich ein Garten mit Blut-Rosen. Die nächste Tür zeigt die Ländereien des Herzogs, dahinter ein Tränensee. Nun steht sie vor der letzten Tür. Blaubart will sie nicht öffnen und fleht sie an, dies nicht zu verlangen. Er küsst sie, aber sie lässt nicht nach. Als die Tür aufgeht, stehen die drei ehemaligen Frauen von Blaubart vor ihr, geschmückt mit Juwelen und edlen Stoffen. Blaubart legt nun Judith den Schmuck und Mantel um, denn sie muss mit ihren Gefährtinnen hinter der Tür bleiben.

Die Oper ist ein Dialog mit musikalischen Wagnerschen Leitmotiven, obwohl sich Bartók eher an die französischen Impressionisten als an Wagner gehalten hat.

Beide Werke sind psychische Abenteuer für zwei Singstimmen mit unterschiedlichem Ausgang.

Peter Eötvös hat selber die Brüsseler Philharmonie dirigiert, unnachgiebig, streng und minimal. Großer, verdienter Applaus auch für die ausgezeichneten Sänger:  Viktoria Vizin (Mezzo)  Nina und Judith; Jordan Shanahan (Bariton)  der Soldate in Senza sangue und Gábor Bretz (Bass-Bariton) ist Herzog Blaubert.

 

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(PS Bei der  konzertanten Aufführung wurde  Ungarisch gesungen – UT nur in Flämisch! Der Musik hat das  gut getan)

 

Blaubart in der Berliner Komischen Oper

Peter Eötvös  im Pariser Louvre

Herzog Blaubart

Christa Blenk

 

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Macbeth Underworld

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„Ein Märchen, das ein Dummkopf erzählt, voll Schall und Bombast, aber ohne Sinn.“

 

Hecates beginnt die Vorstellung mit ihrem Prolog „You make fool understand …“ “Oh yes, something has to be done again”, bevor der Geist sich fragt, welch blutiger Mann das wohl sein mag.

Alle sind tot!

Die Drehbühne bringt auf der einen Seite einen enormen, verknöcherten, eher blätterlosen Baum auf die Bühne.  Dahinter befindet sich der Tummelplatz der Hexen und der Wald, jener, der Macbeth (Georg Nigl) am Ende des Stückes einschließen und besiegen wird, um der Vorsehung „wenn der Wald von Birnam nach Dunsinane geht“  gerecht zu werden. Sie dreht sich weiter und wir sehen das Schlafgemach von Lady Macbeth (Magdalena Kožená). Ihr Bett ist eingerahmt von blutroten Laserstrahlen. Sie will das sichere Bett  mit schwarzen Laken schon nach der Hälfte der Zeit gar nicht verlassen. Der Verrat an Banquo, der Mord am König, dessen Frau und Kindern rufen bei ihr progressiv albtraumhafte Visionen hervor. Shakespeares Lady Macbeth ist eine eiskalte, berechnende Arrivistin, die Ihren Antrieb aus  Machtgedanken und Ambition holt. Diese Lady hier wirkt eher verletzlich und die bösen Taten verfolgen sie, machen ihr Angst. Magdalena Koženás weicher Mezzosopran unterstützt diesen Eindruck.  Zwischen den Ästen ist ein verwunschenes, gothisches Schloss auszumachen. Die Dunkelheit, die nur von den weißen, blutbefleckten Kostümen der Protagonisten erhellt wird, ist hier die Unterwelt. Eine gelungene Lichtregie von Antoine Travert zaubert unterschiedliche Stimmungen in die aufwendige und beeindruckende Inszenierung von Thomas Jolly.

Dusapin und der Librettist Frédéric Boyer haben sich weniger an Verdis Oper als an die Polanski-Verfilmung gehalten. Wort- und werkgetreue Wiedergaben sind deshalb zweitrangig. Dusapin hat Musikfragmente eingebaut, die an Purcell  und an die Elisabethan Era mit Lauten, Theorben, Tamburinen erinnern. Die Musik besteht aus luftigen und komplizierten Arien, Sprechgesang, Seufzen, Lachen, Sprechen, Urlaute. Die Sänger bekommen so viel gestalterische Freiheit und die Naturmächte rücken weg von den Menschen. Die Musik ist – mit Ausnahme des Requiems – eher dunkel und mysteriös, aus der Unterwelt kommend halt, aber trumpft gleichzeitig mit Harmonie auf, was das Orchester unter Alain Altinoglu glänzen und die Bäume ächzen lässt. Oper neu erfinden will Dusapin nicht, sie weiterentwickeln oder hoch halten schon.  Sehr gelungen das Requiem der Hexen mit dem Frauenchor  im vierten Bild „Nox Perpetua“. Die Stimmen gehen hier in himmlische Höhen, ein kurzer Hoffnungslichtblick, denn es ist auch die Krönungsszene des Mörderpaares.

Der französische Komponist Pascal Dusapin (*1955) hat sich auch bei der neuesten Uraufführung an der Brüsseler Monnaie wieder eines historischen Themas bedient. 2015 brachte er an der Monnaie seine Penthesilea zur Uraufführung.  Dusapin, seines Zeichens Student von Olivier Messiaen, hat Seminare von Iannis Xenakis besucht und bezeichnet Edgar Varèse als seinen musikalischen Großvater.  Die große Literatur hat es ihm angetan. Er verwandelt sie gerne in komplizierte, vielschichtige, rhythmisch- mathematische Partituren.

Bezaubernd und Sommernachtstraum leicht die Weird Sisters (Ekaternia Lekhina, Lilly Jostad, Christel Loetsch). Kristinn Sigmundsson ist ein glaubwürdiger Geist. Beeindruckend Naomi Tapiola als Kind. Graham Clark ist Hecate und der Porter und Christian Rivet Archlute. 

Macbeth Underworld ist ein Auftragswerk der Monnaie in Koproduktion mit der Oper Comique Paris und der Opéra de Rouen Normandie. Auch bei der sechsten Vorstellung war das Haus ausverkauft. Weitere Vorstellungen folgen am 3. und 5. Oktober 2019.

Die Brüsseler Oper La Monnaie hat mit Macbeth Underworld und Le silance des ombres gleich zwei Welturaufführungen von jungen französischen Komponisten an den Saisonbeginn gestellt.

baum-berlin

 

Christa Blenk

 

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Le silence des ombres – Benjamin Attahir

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Nach der Sommerpause konnte die Brüsseler Oper La Monnaie gleich mit zwei Welturaufführungen auftrumpfen. Nach Pascal Dusapins „Macbeth Underworld“ fand am 26.9. die Premiere von „Le Silence des ombres“ statt. Sie ist die erste Oper des 30-jährigen Franzosen Benjamin Attahir, ein Auftragswerk der Brüsseler Monnaie. Aufgeführt wird sie im Partnerhaus, dem KVS (Königlich Flämisches Theater).

Regisseur Olivier Lexa, ein Verehrer von Maurice Maeterlinck (1862-1949), hatte schon längere Zeit die Idee, ein Werk des belgischen Symbolisten und Nobelpreisträgers auf die Bühne zu bringen. 2017 traf Olivier Lexa in der römischen Villa Medici auf den jungen Komponisten Benjamin Attahir. Lexa war schnell davon überzeugt, mit Attahir den Richtigen für sein Projekt gefunden zu haben. Für den jungen Franzosen eine großartige Chance und Herausforderung. Seine dunkle, mysteriöse Musik erzählt von Angst, Hoffnungslosigkeit, dunklen Emotionen und Mut – er verbindet surrealistisches Theater und schwarzes, expressionistisches Kino à la Lang oder Murnau mit der griechischen Tragödie und großer, französischer Oper, die immer wieder Debussy, Ravel oder Chausson zitiert und – obwohl er das tunlich vermeiden wollte – nicht an Pelleas et Melisande vorbeikommt.

« Le Silence des ombres » ist ein Triptychon basierend auf Maeterlincks Marionettentheater „Trois petits drames pour marionnettes“ (Drei kleine Dramen für Marionetten) und bringt das Dunkle, verschleierte, das Unerklärbare und Unsagbare mit Noten und Gesten auf die Bühne. Die drei Musikstunden beginnen mit  „Le mort de Tintangiles“, gefolgt von „Interieur“ . Nach der Pause folgt « Alladine und Palomides“ mit langen 90 Musikminuten. Alle drei Stücke verbindet eine Ohnmacht, das jeweilige Drama nicht verhindern zu können.

Bei „Le Mort de Tintagiles“ (Der Tod des Tintagiles) sind es die Schwestern Ygraine und Bellangère (Clémence Poussin), die vergeblich versuchen, ihren kleinen Bruder Tintagiles (Julia Szproch) vor der bösen, alten und unsichtbaren Königin zu retten. Die Protagonisten befinden sich in einem gruseligen Ambiente, bestimmt durch ein  Piranesi-Verlies und ins Leere laufende Escher-Treppen.  Stimme und Bewegungen von Raquel Camarinha (Ygraine) lassen den Zuhörer nicht aus der Gänsehaut entkommen.

„Invisible“ beginnt mit einer ruhigen und friedlichen Szene. Die geniale Beleuchtung von Alexander Koppelmann hat uns hier in ein Museum katapultiert, vielleicht vor ein Bild von George de la Tour oder in die italienische chiaroscuro Abteilung.  Vater, Mutter und drei Kinder in rot-braunen Gewändern und erhellt von Kerzenschein sitzen in einem Raum und warten, bis die Zeit ins Bett zu gehen, gekommen ist. Draußen vor der Tür versuchen zwei Männer, der Alte und der Fremde, einen sanften und erträglichen Weg zu finden, um die Familie über den Tod der Tochter zu informieren. Sie wollen das vermeintliche Glück, das sich ihnen bietet, nicht zerstören. Aber schon nahen die Menschen, die die Tote nach Hause bringen und die Zeit drängt. In diesem kurzen Stück vor der Pause werden via Videoprojektion Szenen aus dem ersten Teil wiederholt und welche aus dem kommenden dritten Teil vorweggenommen. Hier wird die Oper zum Theater und die Musik begleitet die gesprochenen Texte.

„Alladine und Palomide“ ist eine klassische Liebes- und Eifersuchtsgeschichte. Es gibt den alten König Ablamore (Renaud Delaigue), der in die junge Sklavin Alladine (Julia Szporch – sie trägt als einzige ein orientalisches Kleid) verliebt ist, sie wiederum ist dem Verlobten Palomides (sehr überzeugend Pierre Derhet) von Ablamores Tochter Astolaine (wieder großartig Raquel Camarinha) verfallen, der ihre Liebe erwidert. Das kann natürlich nicht gut ausgehen. Nach langem Hin- und Her finden sich die Beiden in einer Schlucht oder tiefen Grotte wieder, ohne zu wissen, wie sie dort hingekommen sind. Sie müssen lange singen, aber ein Entkommen gibt es nicht, auch nicht als sie plötzlich in unterschiedlichen Räumen liegen und sich unterhalten. Im dritten Teil baut Attahir immer wieder orientalische Musikfragmente ein.

Attahir Musik ist geschmeidig. Er hat den jeweiligen Personen beschreibende Leitmotive zugewiesen.  Die Stimmen sind das Hauptinstrument. Auf helle Geigen hat er so gut wie verzichtet. 19 (dunkle) Instrumente kommen zum Einsatz, darunter das  „Serpent“, es ist wunderschön und sieht wirklich wie eine Schlange aus Tausend und einer Nacht aus.

Die Inszenierung scheint perfekt und minimal, kein Schatten, kein Lichtstrahl zu viel. Das Verlies, die Treppen, die verschlossenen Türen bleiben immer und fangen mit der Beleuchtung an zu leben und zu leiden. Lexa hat immer wieder auf unterschiedliche Kunstwerke zurückgegriffen und mit Jan van Eyck,  Füssli oder mit de Chirico Stimmungen und Metaphern erzeugt und beschrieben.

Zwei Jahre hat es gedauert, bis die Oper fertig war, aber richtig intensiv hat der Komponist die letzten acht Monate daran gearbeitet. Attahir selber dirigiert die sechs Aufführungen. Die letzte findet am 6. Oktober um 15.00 Uhr statt.

Diese Uraufführung ist eine Koproduktion der La Monnaie Oper (und dem KVS) mit der Queen Elisabeth Music Chapel (Waterloo), Les Théâtres de la ville de Luxembourg, und dem Theatr Wilke – der polnischen Nationaloper Warschau, was schon für eine weiterführende Aufführung sorgen sollte.

Beeindruckender Opernabend!

Christa Blenk

 

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Italienische Zeitgenössische Komponisten in Brüssel

 Italienische Zeitgenössische Komponisten in Brüssel dans Musique

 Am 17. September fand im italienischen Kulturinstitut in Brüssel ein Konzert  mit Werken von fünf zeitgenössischen italienischen Komponisten statt, von denen zwei auch persönlich anwesend waren.

Das belgische Ensemble Fractales spielte und interpretierte Werke von Maurizio Azzan, Francesco Filidei, Fauste Sebastiani, Fausto Romitelli und Salvatore Sciarrino (*1947). Fast alle haben am Pariser IRCAM studiert und gearbeitet. Mit Sciarrinos Komposition „Arioso a cinque“ (rev. 2019) begann das Konzert. 

Fausto Sebastiani hat sein Werk „Kinnara (2016) vor dem Konzert erklärt und erzählt, dass er es dem italienischen Kulturinstitut gewidmet hat. Ein sehr ruhiges, poetisches Werk. Kinnara ist ein Mischwesen aus Mensch und Vogel aus der indischen Mythologie. Diese Wesen leben am Berg Meru und werden oft als göttliche Musiker dargestellt. Das Saiteninstrument Kinnari kommt daher. 

Texture“ von Francesco Filidei entstand 1995. Es ist eine Komposition für drei Instrumente (Klavier, Klarinette und Querflöre) aber ohne Instrumente. Diese werden für das Stück zweckentfremdet. Die Klaviertasten spielen zwar eine Rolle, werden aber nicht ein einziges Mal angeschlagen, nur berührt. Filidei Komposition « L’inondation » wird Ende September an der Pariser Opera Comique uraufgeführt. Er hat es zusammen mit Joël Pommerat  geschaffen. Filidei, 1973 in Pisa geboren, zählt heute zu den bedeutendsten italienischen, zeitgenössischen Komponisten. 

Das vierte Stück „Domeniche alla periferia dell’imperio“  hat Fausto Romitelli (1963-2004) zwischen 1996 und 2000 komponiert. Romitellis war der Überzeugung, dass Klang eine Materie ist und bearbeitet werden kann und sichtbar ist. Er besteht aus Struktur, Dicke, Glanz und Beweglichkeit, die verstärkt durch elektroaktustische Behandlung zum Werk werden. 

Das letzte Stück an diesem interessanten Musikabend stammt vom jüngsten Komponisten an diesem Abend: Maurizio Azzan  (*1987). „Of other spaces“ entstand 2017 und dauert 19 Minuten. Es bringt die Zuhörer in eine andere, eher unbekannte, unheimliche Welt,. Sei es der tiefste Urwald mit all seinen beunruhigenden Geräuschen, sei es irgendwo im Universum. Geräusche aus dem Off, die Raum und Zeit verbinden und  die zum Ende hin langsam auströpfeln.

Das Ensemble Fractales (Renata Kambarova, Flöte; Marion Borgel, Violine; Benjamin Maneyrol, Klarinette; Diego Couthinho, Violoncello; Gian Ponte, Klavier) spielt seit 2012 zusammen. Kennengelernt haben sie sich am Brüsseler Konservatorium. Sie widmen sich vor allem zeitgenössischer Musik – und das sehr erfolgreich.

 

Das Konzert am 17.9. leitete diesen « zeitgenössischen » Zyklus ein. Weitere Konzerte finden statt am:

02.10. – Concerto Nox in memoria di Luciano Berio

10.10. – In my life – Parco della musica Contemporanea Ensemble

16.10. – Duo Dubois et Jacquline Berndt

 

Christa Blenk

 

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Dans les jardins de William Christie

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Thirè, August 2019

Mittlerweile zum 8. Mal fand in der letzten August-Woche wieder das Barock-Festival im « Garten im William Christie » statt.

Ein absolutes Highlight war die Aufführung der Händel-Kantate « Aminta e Fillide » in der Kirche in dem kleinen Ort Thiré. Diese italienische Kantate  ist ein Meisterwerk, welches der 22 jährige Georg Friedrich Händel (1685-1759)  in seiner Italien-Zeit ab 1707 komponierte. Dort, in Rom, hielt der Komponist sich ein paar Jahre auf Einladung des italienischen Adels auf, vor allem um die angesagten italienischen Opernstile zu erlernen und zu studieren. « Der schöne Sachse » kam in bella Roma  sehr gut an, vor allem als Orgelspieler in San Giovanni di Laterano wurde er hofiert und gefeiert. In Rom tummelte sich in dieser Zeit die musikalische Elite, die trotz Einschränkungen, die das Opernverbot anlässlich des Heiligen Jahren 1700 mit sich brachte, die Musik- und Kompositionswelt florieren ließ.

Graf Ruspoli, seines Zeichens Leiter der Arkadischen Akademie, hatte dem Komponisten und Musiker den Auftrag erteilt, eine ländliche Kantate zu komponieren. Entstanden ist die arkadische Schäferkantate « Aminta e Fillide ». Hier geht es um eine Nymphe, die auf einen jungen Bauern trifft, der sich in sie verliebt. Die abwechslungsreiche Kantate beschreibt die Schwierigkeiten der Beiden, zueinander zu finden und wir verfolgen andächtig und gespannt wie Aminta Fillides Herz in 60 Minuten in dem finalen Duett « O felice in amor dolce tormento » zum Schmelzen bringt.

Händel hat das Werk als eine Art Liebesjagd für für zwei Sopran-Stimmen, Streicher und Clavecin geschrieben. Jessica Niles (Aminta) und Shakèd Bat (Fillide) interpretierten und sangen auf mit- und hinreissendeWeise diese beiden Rollen. Begleitet wurden sie von Solisten der Juillard School of New York. Diese Aufführung ist so schnell nicht zu übertreffen.

Vor dem Kirchenkonzert fanden – wie jedes Jahr in dieser Musikwoche – die kleinen Konzerte an unterschiedlichen Plätzen im Garten seines Anwesens im Süden der Vendée statt. Mitglieder von Christies ausgezeichnetem Ensemble « Les Arts Florissants » bestritten diese delikaten Konzerte, bei denen sich der Meister selber manchmal auch ans Clavecin setzt.

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 cmb

 

Thiré 2018

Thiré 2017

Thiré 2015

 

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Orgelkonzert auf der neuen Vleugels-Orgel in Deggendorf

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Seit Pfingsten 2019 hat die älteste Kirche in Deggendorf, die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, eine neue Orgel. Teile der Kirche wurden im 15. Jahrhundert an das alte romanische Kirchenschiff angebaut.  Mitte des 17. Jahrhunderts entstand das barocke Langhaus und Ende des 19. Jahrhunderts erhielt die Kirche ihren Vorbau.

Fünf Jahre hat es gedauert, bis aus den Plänen der Kirchenverwaltung eine neue Orgel zu erwerben, Realität wurde. Im Mai 2019 schließlich konnte die Vleugels-Orgel durch Bischof Dr. Rudolf Voderholzer eingeweiht werden. Die Hauptorgel verbirgt sich hinter dem bereits vorhandenen, ausgesprochen schönen, barocken Brandenstein-Gehäuse aus dem Jahre 1749 und hat 41 Register auf drei Manualwerken und Pedal. Dazu kommt eine elektrisch angesteuerte Chororgel, die mit 18 klingenden Registern und drei Extensionen den klangstilistischen Radius der Hauptorgel erweitert und trotzdem als eigenständiges Instrument sehr gut daher kommt. Finanziert wurde dieses neue Instrument durch Spenden, Zuschüsse, Patenschaften und einer Erbschaft.

Der Kirchenmusiker und Orgelprofessor Norbert Düchtel hat am 21. Juli 2019 ein sehr exquisites und fein abgestimmtes Konzert gegeben. Auf dem Programm stand eine Bearbeitung von Norbert Düchtel und Alexandre Guilmant der Sinfonia aus der Bach-Kantate „Wir danken Dir, Gott, wir danken Dir“. Weiter ging es mit antante sostenuto aus Consolation op. 65 Nr. 4 von Max Reger (1873-1916). Reger hat das interessante Werk 1902 komponiert. In diese Zeit fällt seine Heirat mit der geschiedenen Protestantin Elsa von Bercken, die seine unmittelbare Exkommunikation zur Folge hatte. Dem Stück merkt man eine gewisse Zerrissen- und Hin- und Hergerissenheit an. Reger wurde vor allem durch Orgel-Kompositionen bekannt und war ein großer Anhänger von protestantischen Chorälen und von den Werken von Johann Sebastian Bach. Consolation trägt den Fin de siècle in sich und erinnert an Debussy, Mahler und Strawinski. Düchtel kann hier perfekt die dynamischen und klangfarbigen Vorgaben des Komponisten zum Ausdruck bringen und alle Erwartungen mehr als erfüllen. Interpret und Instrument verschmelzen geradezu miteinander. Neue Hörspektren erklangen aber auch beim anschließenden allegro moderatio aus der 1. Sonate G-Moll op 29. Ein spätromantisch anmutendes und sehr melodiöses Werk von Josef Renner jun. (1868-1934). Renners kirchenmusikalische Werke wurden zu seiner Zeit viel gespielt, und nicht nur in in seiner Heimat. Der gebürtige Regensburger war ab 1894 im Regensburger Dom Organist, dort wirkte übrigens auch Norbert Düchtel von 1979-2015.

Als letztes Orgelsolostück hat sich Düchtel für Improvisation“ Des-Dur op 174 aus „Miscellaneen“ op. 174 von Josef G. Rheinberger (1839-1901) entschieden. Auch Rheinberger war vor allem durch seine Orgelwerke bekannt geworden, obwohl sie nur ein Viertel seines Gesamtwerkes ausmachen. Seine Orgelsonaten nach dem Vorbild derer von Mendelssohn – geplant waren 24 in allen Tonarten, allerdings kam bei der 20. leider der Tod dazwischen -  stellen einen wichtigen Teil in der Orgelmusikgeschichte dar. Der gebürtige Liechtensteiner kam mit 12 Jahren nach München, um eine seinem Talent gerechte Ausbildung zu bekommen. Dort sollte er auch sein Leben lang bleiben. Rheinberger war schon sehr jung ein gefragter Lehrer. Zu seinen Schülern zählen u.a. Engelbert Humberdinck, Richard Strauss, Max Bruch oder Josef Renner.

Ergänzt wurde diese anspruchsvolle Konzertstunde durch zwei Vokalwerke gesungen von der Chorgemeinschaft Mariä Himmelfahrt und der Novacappella Regensburg unter Leitung von KMD Hermann Wellner. Das Ensemble hat das ansprechende „Gloria“ aus der Missa in C für Chor und konzertante Orgel von Franz X. Schnizer (1740-1785) mitgebracht. Ein ganz besonderes Schmankerl, da Schnizers Werke zum Teil nur fragmentarisch erhalten und ein wenig in Vergessenheit geraten sind. Von Schnizer gibt es immer noch nicht veröffentlichte Kompositionen. Den Abschluss bildete das „Te Deum Landamus“ op 50 für Chor und Orgel vom Rheinberger-Schüler Josef Renner (1868-1934).

Vorzügliches Konzert!

Christa Blenk

 

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Der Rosenkavalier

QNG

 

Komödie für Musik in drei Aufzügen

Die Wiederaufnahme dieser wunderbaren Produktion des „Rosenkavaliers“ hat im Juni die Saison der Komischen Oper abgeschlossen. Andreas Homoki hat dieses Meisterwerk der Operngeschichte 2006 entwickelt. 2013 wurde es erneut auf den Spielplan genommen und dieses Frühjahr nochmals viermal aufgeführt.  Bei der 42. Aufführung seit der Premiere am 8. Juni war das Haus fast voll.

Das eher kahle, weiße Bühnenbild verwandelt sich im Verlauf der über vier Stunden in eine Art Kriegsschauplatz in Schieflage, Kriegs-Bomben Donnerlärm eingeschlossen. Nichts ist mehr so wie es war: die guten alten Zeiten sind endgültig vorbeigezogen, wie es auch das Leben tun! « Philosophier Er nicht, Herr Schatz, und komm’ Er her. Jetzt wird gefrühstückt. Jedes Ding hat seine Zeit. » – singt die Marschallin im ersten Akt.
Dies betrifft nicht nur die Puderperücke, auch mit der Aristokratie scheint es zu Ende zu gehen. Das Geld liegt nun bei den Neureichen und was dem Adel bleibt ist der Titel! Dies ist der Beginn und das Ende der Geschichte. Der nicht enden wollende Walzer im dritten Akt erzählt davon. Ochs muss klein beigeben, nimmt das aber sportlich.

Das Bühnenbild von Frank Philipp Schlößmann im ersten Akt besteht – abgesehen von einem zerwühlten Bett – nur aus Kostümen. Die Marschallin und Chinquin alias Octavian sind glücklich, wälzen sich in jugendlicher Unbeschwertheit auf dem Boden. Dann ist Besuch im Anmarsch. Es ist aber nicht der Mann der Marschallin, der früher von der Jagd zurück kommt, sondern ein Verwandter von Marie Theres, der verarmte Baron Ochs von Lerchenau, der sich mit seinen ungezogenen Hofstab fast gewaltsam Eintritt verschafft. Chinquin (außergewöhnlich Karolina Gumos)  versteckt sich in Cherubino-Manier hinter oder vor einem Sofa und verwandelt sich später in das tollpatschige Mariandl.  Ochs will, dass die Marschallin ihm einen Rosenkavalier empfiehlt, denn er möchte um die Hand der reichen, aber titellosen Sophie Faninal anhalten. Zuvor aber noch kurz das Mariandl verführen, was ihm später zum Strick werden sollte. Die Rolle des Octavian ist großartig. Sie wird von einer Frau gesungen, der einen Mann spielt, der sich zweimal als Frau verkleidet!

Anfangs verweisen nur die gepuderte Perücke der Marschallin auf das 18. Jahrhundert, denn in diesem Jahrhundert lassen Strauss und Hofmannsthal die Geschichte spielen. Der Walzer spielt darin eine nicht unbedeutende Rolle – obwohl es ihn in dieser Zeit noch gar nicht gab! Genauso wenig gab es den Brauch des Rosenkavaliers oder die seltsame, wienerische Sprache. Alles Erfindungen von Hugo von Hofmannsthal.

Die genialste Szene ist sicher die Begegnung von Sophie und Octavian. Hier fällt die komplette Gesellschaft auf der Bühne in eine Art Gefrierstarre, die nur ein paar Momente dauert. Hofmannstahl  selber sagte dazu „Mich dünkt, es ist nicht die Umarmung, sondern die Begegnung die eigentliche entscheidende erotische Pantomime. Es ist in keinem Augenblick das Sinnliche so seelenhaft, das Seelenhafte so sinnlich als in der Begegnung. Hier ist alles möglich, alles in Bewegung, alles aufgelöst“.

Im letzten Akt gehört der Marschallin wieder die volle Aufmerksamkeit, sie verändert sich optisch nicht – obwohl das in der Oper ihr Hauptproblem ist – und steht immer noch in ihrem Reifen-Kleid auf der Bühne, über das Vergehen der Zeit philosophierend, während Sophie und Octavian aus dem Off singen.

Liebe und Vergänglichkeit – ein Spiel zwischen einer älteren Liebenden, einem Rabauken und zwei jung verliebten. Karolina Gumos bringt ihre verzweifelte Entscheidungsunfähigkeit so großartig herüber und schließlich ist es die Marschallin, die sich für das junge Glück und gegen ihre eigene Liebe entscheidet und bestimmt, wie es weiter zu gehen hat. Viel Würde ist hier im Spiel und Mitleid kommt nicht auf – eher Bewunderung.

Der neue Generalmusikdirektor der Komischen Opern,  Ainārs Rubiķis am Pult (bei der Premiere 2006 war es Kirill Petrenko) einfühlsam und rücksichtsvoll. Sängerisch kann es besser nicht sein. Karoline Gumos ist der perfekte Octavian. Optisch wirkt sie wie ein frecher junger Bursche, mal unsicher, mal verwegen und immer so sympathisch. Seine „siebzehn“ Jahr“ bezweifelt niemand. Ihr wunderbarer, warmer und sicherer, zu großen Höhen fähiger, Mezzosopran unterstreicht das. Sie ist der Star des Abends ohne Zweifel. Neben ihr die Feldmarschallin Fürstin Werdenberg. Johanni van Oostrum verwandelt sich von der jungen Frau, die mit Quinquin im ersten Akt verliebt über die Bühne rollt oder um das Frühstückskipferl kämpft zu einem würdigen Vorbild und wenn sie sagt „Mein lieber Hippolyte, heut’ haben Sie ein altes Weib aus mir gemacht!“, dann fühlt man mit ihr. Sie ist der Rolle der gedemütigten, aber alles verzeihenden, großzügigen Dame unbedingt gewachsen.

Vera-Lotte Böcker ist eine großartige Sophie. Mit ihrem hellen und klaren lyrischen Sopran leuchtet sie über die Bühne und leistet – wie die anderen – auch schauspielerisch großartiges. Jeans Larsen ist der Baron Ochs von Lerchenau. Seine Manieren sich grobschlächtig und ungezogen-unverschämt. Er ist ein arroganter has been, der sich nur noch durch die Heirat mit einer titellosen aber reichen Frau retten kann. In seinem Fahrwasser ständig sein besoffener und unschicklicher Hofstaat. Einen mächtigen Bass hat er und gibt auch physisch alles her, was diese Rolle braucht.

Christoph Spätz und Michaela Selinger spielen und singen das italienische Paar Valzacchi und Annina. Adrian Strooper ist der Wirt und Tom Erik Lee der Herr von Faninal.

Christa Blenk

 

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Abonnementkonzert in der Staatsoper

waldherz

Lise Davidson begeistert mit Richard Strauss « Vier letzte Lieder » – Am Pult Zubin Mehta.

Eigentlich sollte Krassimira Stoyanova die großartigen Strauss-Lieder singen, diese hat aber kurzfristig abgesagt. So sprang die junge Norwegerin kurzerhand ein und überraschte mit ihrer Präsenz und Stimmgewalt. Auch die Textverständlichkeit kam bei ihr nicht zu kurz. Ihre Landsfrau Kirsten Flagstad hat übrigens vor knapp 70 Jahren diese Lieder bei der Uraufführung gesungen.

Lise Davidson hat mit ihrem großen Sopran ansonsten vor allem Wagner in ihrem Repertoire, hat einige Preise erhalten und singt in Bayreuth dieses Jahr die Elisabeth aus dem Tannhäuser.  Kommende Rollen sind dann vielleicht Brünnhilde, Isolde oder Elektra.

Ergänzt wurde das Konzert durch die Sinfonia Domestica op.53.

cmb

 

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Young Euro Classic – 2019

Young Euro Classic – 2019

29.06.2019: San Francisco Symphony Youth Orchestra unter Leitung von Christian Reif. Solistin: Nicola Benedetti.

Auf dem Programm stand das sechs-minütige Präludium Nr. 1 aus « Three American Preludes » (2014) von Detlev Glanert. Er wurde übrigens gerade mit seiner  « Oceane » in der Deutschen Oper Berlin gefeiert.

Im Anschluss Tschaikowskis einziges Geigenkonzert, das „Violinkonzert D-Dur op. 35“ (1878). Hier zeigte die Solistin Nicola Benedetti ihre Virtuosität und wurde vom Publikum sehr gefeiert. Nach der Pause spielte das Ensemble Gustav Mahlers „Symphonie Nr. 1 D-Dur“.

Dieses sympathische Orchester zählt zu den besten Jugendorchester der Welt und schenkte dem Publikum anschließend noch drei Zugaben, darunter ein gesungener Choral von Bach.

Ein paar Tage vorher zeigte sich das Festival von einer ganz anderen Seite mit der Baltic Sea Philharmonic.  Mit dem Programm Midnight Sun nahm es uns auf eine zeitgenössische Endlosschleifen-Reise mit zu Werken von Arvo Pärt (*1935), Mick Pedaja (*1993), Einojuhani Rautavaara (1928-2016), Max Richter (*1966) , Peteris Vasks, Igos Strawinsky (1882-1981) und dem Dirigenten Kristjan Järvi (*1972) selber mit. Zwei volle Stunden ohne Unterbrechung und ohne Noten!

Während das San Francisco Symphony Youth Orchester ganz auf Tradition schwört, zeigt sich die Baltic Sea Philharmonic von einer individuellen Seite, das geht beim Betreten der Bühne los und hört bei den Kleidern oder dem Umgang mit dem Publikum auf. Von allen Seiten kommen sie Musiker langsam gehend und spielend auf die Bühne und erst als alle dort versammelt sind, erscheint eher unauffällig der Leiter de Ensembles und gibt dem Publikum keine Chance, zwei Stunden lang in störenden Zwischenapplausen dazwischen zu funken. Das holt er allerdings nach dem Konzert (leider) nach, was aber beim Publikum gut ankommt. Kristjan Järvi spring und huscht über die Bühne und zieht mit seiner Show auch viele junge Leute in die Konzerthäuser. Seine Programme sind ein crossover von Klassik, Jazz und Pop. Bewundernswert, diese notenlosen Konzerte.

Das Festival geht noch den ganzen Juli bis in den August hinein mit Orchestern und Ensembles aus Griechenland, der Türkei, Schweden, Rumänien, Russland, Chile oder dem « European Union Youth Orchestra » am 2. August im Konzerthaus.

cmb

 

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Sacre – Sascha Waltz

2013 feierte Paris den 100. Geburtstag von Strawinskys „Sacre du printemps“.  Ein Auftragswerk aus Paris ursprünglich mit dem St. Petersburger Mariinsky Ballett für Sasha Waltz. Später hat sie es mit ihrem eigenen Ensemble Sasha Waltz & Guests einstudiert.

Geladen, erschreckend, kriegerisch, primitiv kommt diese Fassung daher. Waltz lehnt sich bei ihrer neuen Sacre-Version an die unschlagbare Pina Bausch an, kleidet die Tänzer und Tänzerinnen in erdfarbene Kleider. Dunkler, aschiger Staub fliegt durch die Gegend. Bei Pina Bausch mussten sich die Tänzer durch Erdhaufen auf der Bühne kämpfen, was den Eindruck des Primordialen verstärkte.  Auch bei den Gewändern hat Waltz sich an Bauschs Garderobe gehalten. Es gibt eben Ideen und Projekte, die nicht zu übertreffen sind und es ist intelligent, dies gar nicht zu versuchen. Das Aufeinanderkleben und die abwechselnde Paarbildung der Körper, das Stampfen der Turner gab es auch schon bei der bahnbrechenden Béjart-Aufführung von 1959. Erotik und Trieb spielen  bei Waltz eine größere Rolle als in vergleichbaren Vorversionen. Gruppenorgien und reglose Körper machen diese Sacre-Version viel brutaler. Immer wieder Unterbrechungen in Bewegungen und Handlungen, die Strawinskys genialen Rhythmus verstärken und hervorheben. Großartige Leistung der Tänzer – und die Staatskapelle unter Leitung von Alexander Soddy war wieder mal genial!

Bei der Premiere 1913 im Pariser Théâtre des Champs Elysées geriet das Publikum in aggressive Aufregung, aber nicht, weil es so begeistert war, sondern weil es das Stück komplett ablehnte. Das Balllet Russes mit dem Starzeigechoreografen Vaclav Nijinsky viel mit Pauken und Trompeten durch. Harry Graf Kessler, der mit dabei war, beschrieb die Entrüstung als heidnischen, stampfenden Höllenlärm, der alles bisher gekannte bedeckte, das Akademische komplett vermissen ließ. Sacre wurde somit zu einem der größten Skandale in der Tanzgeschichte. Aber geschadet hat es diesem Schlüsselwerk des modernen Tanztheaters nicht – denn das ist gar nicht möglich.

Vor der Pause gab es einen braven pas de deux „Scène d’amour“ nach einer Musik von Berlioz Musik aus Romeo et Juliette und eine eher laue Fassung des  L’après-mini d’un Faune zu Musik von Claude Debussy. Die Tänzer bewegten sich alle wie Tiere, langsam, schleichend, bukolisch.

cmb

und hier zu einer Aufführung von Pina Bausch in Neapel

Sacre du printemps

 

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Eine spanische und italienische (musikalische) Nacht

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Das Sommerkonzert 2019 des Abonnentenorchesters – DSO Berlin fand am 22. Juni 2019 im Militärhistorischen Museum, Flughafen Berlin-Gatow statt. Auf dem Programm standen Ouvertüren, Operetten-Arien, Märsche und Walzer von George Bizet, Chopin, Augustin Lara, Carl Zeller, Julius Fučík, Johann Strauss, Manuel de Falla und anderen. Der mexikanische Tenor Enrique Ambrosio schmetterte Arien wie « Erinnerung an Sorrento », « O sole mio » oder « Granada« . Ambrosio gastierte an vielen deutschen und europäischen Opernhäusern und war erster Tenor am Landestheater Linz. Die vorzügliche Sopranistin und Studentin der Hanns-Eisler Hochschule für Musik, Birgit Pehnert wurde in Caputh/Potsdam geboren und sang   »Frühling in San Remo » oder « Meine Lippen, sie küssen so heiß ».  Birgit Pehnert hat auch die Rollen der Pamina, Gilda, Susanna oder Adele im Repertoire und tritt u.a.  an der Oper Leipzig, an der Prager Staatsoper und am Aalto Theater in Essen auf. Mit der Arie von Carl Zeller « Schenkt man sich Rosen in Tirol » sangen sich die beiden Vokalsolisten im Duett in die Herzen der Konzertbesucher. Am Pult mit viel Energie Heinz Radzischewski, der mit dem Orchester die schwierige Akustik des Militärhistorischen Museums Berlin-Gatow vorzüglich meisterte.

Die Mitglieder dieses Orchester sind keine Berufsmusiker und haben ganz unterschiedliche Berufe. Jeden Montagabend treffen sie sich im Probensaal des DSO, um gemeinsam zu musizieren und die drei jährlichen Konzerte einzustudieren. Der stellvertretende Solo-Trompeter des DSO, Heinz Radzischewski, leitet dieses von hohem Niveau geprägte Amateur-Ensemble.

Das Weihnachtskonzert wird mit Werken von Bach, Humperdinck und Tschaikowsky am 30. November in der Jesus-Christus-Kirche in Dahlem stattfinden; das Frühjahrskonzert am 7. März im Großen Sendesaal des Haus des Rundfunks mit Werken von Beethoven und Wagner.

Großartige Stimmung und wunderbares Ambiente an diesem heißen Sommerabend in Kladow.

Christa Blenk

 

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Zehlendorfer Hauskonzerte

Cesar Borja - Virtual Gallery - N°4

Cesar Borja – Virtual Gallery – N°4

Musik kennt keine Grenzen, braucht kein Visa – sagt der indische Sänger ARKO MUKHAERJEE und nimmt das Publikum im Zehlendorfer Wohnzimmer auf eine Reise von Indien bis nach Afrika und von Bangladesch bis zum Mississippi mit. Von sanftem free-Jazz oder folkloristischer Romantik zu jahrhundertealten Texten aus seiner Heimat wird er im Laufe des Abends auch zum modernen Minnesänger, zum Griot, einem westafrikanischen Dichter, Sänger und Musiker, der in epischer Manier Geschichten von der Vergangenheit und der Gegenwart erzählt, sich darum kümmert, Informationen und Bräuche zu bewahren, zu verbreiten und vorm Aussterben schützen. Auch Arko erzählt zwischendurch Geschichten und philosophiert über das Leben und die Musik. Obwohl er dann und wann auch laut wird, bleibt es ein ruhiges, entspannendes Konzert. Sein Handwerkszeug sind Instrumente wie die Mandoline oder die Dotara, ein folkloristisches, bengalisches Streichinstrument.

Begleitet wird er vom Gitarristen NISHAD PANDEY.  Die beiden Musiker sind ein echtes « dream team » und es ist uns nicht immer ersichtlich, wer wen kontrolliert oder wer die Richtung vorgibt, wo die Reise hingehen soll. Denn abgesprochen wird ganz wenig. Nishad liebt die Überraschung, sagt Arko. Letzterer hat eine schöne, für den klassischen Gesang geschulte, Stimme. Die Liebe zum Gesang hat er von seinen Eltern, die bei jeder Gelegenheit gesungen haben, erzählt er uns in der Pause.  Arko ist 1983 in Kalkutta geboren, war 2008 Musikdirektor und Songwriter in der Bollywood Film Industrie und lebt seit ein paar Jahren in Frankreich, daher kommt wohl auch der westafrikanische Einfluss in seiner Musik. Als einer der wenigen indischen Künstler hat er in Frankreich auch an « Blues Festivals » teilgenommen.

Nishad Pandey wurde ebenfalls in Indien geboren, lebte in Japan, Großbritannien, den USA und in Australien. Von überall hat er Klänge und Techniken im Gepäck mitgebracht. Er ist Mitglied der experimentellen Weltpop-Band Hatchlings, des Jazz-Klavier-Gitarrenduos Tinctures, der indischen Klassik-Fusion-Band Calcutta Chronicles und der Band von Bengal nach Bayern, einem akustischen Trio, in dem Volksrepertoire aus Indien und Deutschland ein Vehikel für zeitgenössische Improvisation bietet. Außerdem hat er einen Bachelor in Jazz Performance. Heute lebt Nishad  in Berlin, wo er als freischaffender Gitarrist, Komponist und Lehrer arbeitet.

Dieses ungewöhnliche und brückenschlagende Konzert war das letzte vor den Sommerferien. Auch die laue Sommerluft im Garten während der Pause hat dies angekündigt.

Wir freuen uns auf den Herbst und die kommenden musikalischen Delikatessen in Zehlendorf!

Christa Blenk

 

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Pelléas und Mélisande

pelleas und melisande
Pelléas et Mélisande
Dominic Barberi (Arzt, Hirte), Marianne Crebassa (Mélisande), Michael Volle (Golaud) und Wolfgang Schöne (Arkel)
Credits: Tatjana Dachsel

 

Claude Debussys (1862-1918) Meisterwerk „Pélleas et Mélisande“ wurde 1902 in Paris an der Opéra Comique uraufgeführt. Der Text basiert auf einem Schauspiel von Maurice Maeterlinck (1862-1949). Debussy hatte schon nach einem Theaterbesuch 1893 (bei dem Sarah Bernhardt die Mélisande spielte) ein Auge auf dieses Stück geworfen. Damals gab Maeterlinck aber sein Einverständnis (noch) nicht, es zu einer Oper zu verarbeiten. Dieses kam ein paar Jahre später und  Debussy konnte sein Projekt aufnehmen.

In fünf Akten und zwölf Bildern durchkomponiert entstanden die nachdenklichen Orchesterzwischenspiele – auf Wunsch des Intendanten der Pariser Oper – erst später. Bis zu seinem Tod hat der Komponist an dieser Oper herum gefeilt. Arien im Sinne von herkömmlich Gewohntem gibt es darin nicht. Meist sind es gesungene Dialoge. Die neuen, unbekannten Rhythmen und Takte stießen vielerorts auf Unverständnis und Kritik. Und als Mélisande sang „Ich bin nicht glücklich“ konterte das Publikum „Wir auch nicht“. Nur dank des Durchhaltevermögens des Dirigenten wurde die Generalprobe nicht abgebrochen, aber ständig unterbrochen von Tumulten, Pfiffen und Buh-Ruhen – allerdings darf man nicht vergessen, dass hier vor allem Maeterlinck-Freunde saßen. Die Premiere hatte es dann etwas leichter.  Zumal das Publikum Debussy Musik durch andere Werke kannte, wie z.B. „l’apres-midi d’un faune“ – welches acht Jahre vorher uraufgeführt worden war.

Maeterlinck selber, der übrigens 1911 den Nobelpreis für Literatur erhielt, hatte sich zwischendurch mit Debussy überworfen, weil der belgische Schriftsteller die Hauptrolle der Primadonna Georgette Leblanc, seiner frisch angetrauten Frau,  übertragen wollte. Die Rolle der Mélisande bekam aber schließlich die Engländerin Mary Garden. Das war auch der Grund, war Maeterlinck die Aufführung erst 1920 – nach dem Tode von Debussy – zu sehen bekam. Anschließend war er allerdings mehr als begeistert, bei so einem Schlüsselwerk der zeitgenössischen Musik mit an Bord gewesen zu sein. 

1889 fand in Paris die Weltausstellung statt. Dort stieß Debussy auf ein japanisches Gamelan-Ensemble und war fasziniert davon. Immer wieder sollten diese asiatischen Fragmente auch in seine Musik Eingang finden. Weitere Einflüsse kamen von Mussorgsky oder auch Wagner. Bei Pelléas und Mélisande spielte diese transparent, zarte Tonsprache eine große Rolle.

Ruth Berghaus hat das Werk 1991 für die Staatsoper inszeniert und gestern wurde es zum 40. Mal vor vollem und begeistertem Haus aufgeführt. Kein Wunder, denn das hier ist ein Rund-um-Meisterwerk, eine Sternstunde des Musiktheaters. Die Optik scheint aus den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts entliehen zu sein. Choreografie und  Kostüme erinnern an Oskar Schlemmers Triadisches Ballett. Das Bühnenbild kommt direkt aus dem deutschen expressionistischen Film, begleitet von Lionel Feiningers synthetisch-kubistischen Architekturbildern. Die manieristisch-symbolischen Bewegungen sind Rolando Villazón auf den Leib geschrieben. Impressionistische Turner-Farben an den Wänden, die Halbkugel in der Mitte und dann die großartige, steile Himmelstreppe, gelb ausgeleuchtet, bei der man das Ende nicht sieht. Mehr kann man sich von einem Opernabend nicht wünschen.

Zum Schluss sind außer dem Großvater und dem Neugeborenen so gut wie alle tot.  Mélisande schreitet langsam die Treppe hinauf in ein besseres Leben und die schwarz-gekleidete Trauergemeinde installiert sich schräg und gefährlich auf unsicheren Stühlen auf der Halbkugel-Bühne bereit, den griechischen Trauergesang einzuleiten.

Niemand soll es bequem haben in dieser Inszenierung. Kein Rückzug in Wohlfühloasen ist möglich. Beklemmung und die Sorge, nicht zu fallen. Trotzdem sind die Bilder herausragend schön, die Dialoge berührend und brillant begleitet von der Staatskapelle. Weichheit und Gewalt liegen nah beieinander und alles ist umgeben von unlogisch dunklen, unsicheren und beklemmenden, bedrohlichen Gefühlen. Niederschmetternd, traurig-schöne Nebelschleier durchstreifen das von Eifersucht und Tod geprägte Werk.

Luca Pisaroni ist Golaud. Schleichend installiert sich Misstrauen in seiner Seele und es bringt ihn soweit, sogar seinen Sohn Yniold  (ein Solist des Tölzer Knabenchors) zum Spion und Komplizen zu machen, wenn er über seine Augen seinem Voyeurismus frönt. Die Szene auf der gelben, steilen Treppe ist umwerfend.

Die Französin Marianne Crebassa ist Mélisande. Zart, kindlich, klar, sehr sicher tritt sie auf, auch schauspielerisch hat sie Großes geleistet.

Rolando Villazón ist Pelleas. Es ist keine 20 mehr, kein Fast-Kind, wie die Oper das verlangt und trotzdem nimmt man ihm das Kindliche ab. Seine Bewegungen sind jung und frisch, manchmal wirkt er wie ein unbekümmerter Clown, um gleich darauf wieder in Gedanken und Weggehplänen zu versinken.  Er hält Mélisande fest, als sie fast komplett im Brunnen der Blinden verschwindet, um den Ring wieder herauszufischen, der ihr beim kindlichen Spiel mit verbundenen Augen dort hineingefallen war. Es war Golauds Ring, der seinerseits nicht kapiert was er anstellt, indem er sie wegschickt, um – mit Hilfe von Pelleas – den Ring zu suchen. Ab hier ist das Drama nicht mehr aufzuhalten. Die langen Haare, die in dem Stück eine wichtige Rolle spielen, sind bei Berghaus nur eine Kurzhaarperücke. Mélisande nimmt sie ab und spielt mit ihr, sobald das Thema Haare aufs Parkett kommt. Surreal und komisch diese Szene.

Arkel ist Wolfgang Schöne, Geneviève Katharina Kammerloher. David Ostrek ist der Arzt und Hirt.

Am Pult vor der wunderbaren Staatskapelle Maxime Pascal. Die Kostüme sind von Hartmut Meyer. Die Choreinstudierung ist von Anna Milukowa.

Der einzige Wermutstropfen vielleicht: Textverständlichkeit war nicht eine herausragende Qualität der Aufführung. Die Untertitel gab es in englischer und deutscher Sprache. Nur französisch-sprechende Zuhörer haben dementsprechend wenig verstanden.

Bei der Premiere 1991 war Simon Rattle am Pult und Magdalena Kózená sang die Mélisande – zwei Weltstar-Debüts an der Staatsoper unter den Linden.

Wenn das Stück in der nächsten Spielzeit wieder aufgenommen wird, dann nichts wie hin!

Christa Blenk

 

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Der Jahrmarkt von Sorotschinzi

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Trinklieder, Tänze, eine Kochstunde, der Teufel und viel Aberglauben sind die Zutaten für Mussorgskis Oper « Der Jahrmarkt von Sorotschinzi ». Eine Oper für Berlin – für die ewige Party-Stadt. Die Sänger müssen fast immer betrunken über die Bühne fallen. Der Komponist selber ist nur 42 Jahre alt geworden und Schuld an seinem frühen Tod war exzessiver Alkoholgenuss – so sagt man.

Modest Mussorgsky (1839 -1881) hat die Oper unvollendet hinterlassen. 1948 wurde sie in Berlin zum letzten Mal aufgeführt. Nun hat sich Barrie Kosky dem Werk angenommen und hat es – entgegen der Philosophie der Komischen Oper – in russischer Sprache zur Aufführung gebracht. Das Libretto hat der Komponist selber nach der Erzählung von Nikolai W. Gogol geschrieben.

Der Teufel liebt den Alkohol und hat im Rausch seinen roten Kittel versetzen müssen. Ein Jahr sollte der Wirt ihn für ihn aufheben – das tat dieser aber nicht. Als der Teufel ihn vorzeitig wieder abholen will, hatte der ad interims-Besitzer den Kittel  schon weiterverkauft. Von da an war das ukrainische kleine Dorf vom Teufel nicht mehr sicher – jedenfalls nicht in den Köpfen der Bewohner!

Die Oper beginnt mit einer ausgelassenen Jahrmarktsszene. Grizko trifft auf die schöne Parasja, die sich von ihrem Vater bunte Bänder für ihre Haare wünscht. Ein Zigeuner warnt das Dorf vor dem roten Kittel und dem Teufel in Form von Schweinerüsseln.

Später, zuhause, kocht die Bäuerin Chiwrja, die in die Hochzweit von Grizko und Parasja nicht einwilligen will – aus welchem Grund auch immer – ein Festmahl. Aber nicht für ihren ewig betrunkenen Ehemann! Nein, sie ist in den Popen Afanassi verliebt und hofft, ihn mit ihrer Kochkunst zu bezirzen. Die Küchen-Szene, bei der sie eine Riesenpute rupft, Quarkpiroggen und andere Köstlichkeiten zubereitet, ist sehr gelungen,  die beste im ganzen Stück. Hier wird die gerupfte Pute zum Versteck für den Pope, als der Ehemann plötzlich nach hause kommt. Aber der ist eh betrunken und begreift gar nichts. In einer weiteren Panik werden Kochtöpfe über Köpfe gestülpt und ist wird immer lauter.

Im dritten Akt halten sich der Gevatter und Tscherewik, Chiwrjas Ehemann, gegenseitig für den Teufel. Grizko verkauft den Ochsen an den Zigeuner zu einem Sonderpreis, weil schließlich die Heirat mit seiner Liebsten doch zustande kommen kann. Alle gehen weg. Der Alptraum von Grizsko wird wieder vom Chor begleitet, Morgenglocken und Kirchengesänge beenden aber schließlich den Hexenspuk und es kann lautstark und feucht-fröhlich Hochzeit gefeiert werden.

Eine richtige Handlung, die weitergesponnen werden kann, gibt es in dem Stück eigentlich nicht. Es sind Fragmente, die voraussetzen, dass man die Geschichte kennt. Eigentlich ganz charmant!

Am Pult ausgezeichnet Henrik Nánási, er holt die seltsamsten Töne aus dem Orchester heraus. Der Chor leistet ebenso fantastische Arbeit. Die Bühne ist leicht schräg und ziemlich leer, dafür gibt es umso mehr Kostüme.

Die letzte Aufführung in dieser Saison wird am 12. Juni stattfinden.

cmb

 

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Händel – Festspiele Halle 2019 – Eröffnungsabend

Händel Festspiele 2019

 

Eröffnung der Händel-Festspiele in Halle 2019  für KULTURA EXTRA

Julius Cäsar in Ägypten

« Die Kunst erzieht uns » sagt Peter Konwitschny, der für die diesjährige Premiere der Händel Festspiele den „Julius Caesar“ inszeniert hat. Am 31. Mai war Premiere in der Oper von Halle mit viel Hurra aber auch heftigen Buh-Rufen! „Das Theater müsse etwas in der Gesellschaft bewirken“, hätte Konwitschny von Bertholt Brecht gelernt. „Reifer und klüger und empfindungsfähiger soll sie uns machen, die Kunst“. Aber warum macht er dann aus Händels Giulio Cesare in Egitto eine deutsche Slapstick-Komödie? Macht es uns wirklich empfindungsfähiger, wenn er uns zum Lachen bringt, weil die Vorkoster vergiftet zu Tode stürzen – auch wenn sie sich wie Figuren aus der „Als die Bilder laufen lernten-Zeit“ benehmen? Gerade Konwitschny kritisiert zuweilen die Oberflächlichkeit des Publikums, dessen Ignoranz und Arroganz. War diese Produktion dann ein Racheakt von ihm? Man hat sich entschieden, die Oper in deutscher Sprache aufzuführen, um sie dem Publikum näher zu bringen, um sie verständlicher zu machen!

Das diesjährige Festival steht unter dem Motto „Händels starke Frauen“. Das sind Cleopatra und Cornelia auf jeden Fall. Konwitschny hat aber aus der edlen, tragisch-trauernden Pompeo-Witwe Cornelia ein blondes Marylin Monroe Gift gemacht. Ihre wunderschönen Arien oder das berührende Lamento im Duett mit Sesto „Son nata a lagrimar“ sind hinter den Pyramiden verschwunden. Oder die facettenreiche Cleopatra, die mit ihren acht Arien die ganze Gefühlspalette abdecken soll, wirkt wie eine junge, zu Streichen aufgelegte Schülerin. Dabei muss sie bangen, leiden, lieben, siegen und verlieren. Sie  muss ständig im Bikini um die Papp-Palmen und Pyramiden rennen. Dabei hat Vanessa Waldhart das ganz großartig gemacht! Sextus, eine Kastratenrolle, wird durch das Kind Benjamin Schrade ersetzt, das ständig „Mutti“  rufend und Schwert fuchtelnd über die Bühne rennt (auch er war sehr gut). Im Verlauf des Abends ist er zum mutigen Mörder und Rächer geworden und durfte deshalb im U-Boot mit nach Rom fahren. Das freut das Publikum und selbst beim zehnten „Mutti“-Ruf gibt es noch Lacher. Den genusssüchtigen, unberechenbaren, kaltblütigen und opportunistischen Ptolomeo, der nur ein paar Arien hat, mochte Händel wohl schon beim Komponieren nicht. Diese Figur ist Konwitschny aber noch am besten gelungen und die Harems-Szene mit der Marylin-Cornelia als Racheengel im Hintergrund ist gelungen. Die neue deutsche Textfassung von Werner Hintze verhindert, dass die Sänger mit ihren Arien brillieren. Caesar (Grga Peros) schwächelt ziemlich am Anfang, wird mit der Zeit aber besser. Großartig Jake Arditti als singender Kopf des Pompejus, er hat auch einige der Sextus-Arien gesungen. Komik als Brücke zur Tragik oder: auch Macht vermag es nicht, die Protagonisten davor zu bewahren, Leid und Niederlage zu erfahren.

Aber die giftgrünen Palmen, das lächerliche Pyramidenlaufen, Cäsars Wiederauferstehen im Plisseerock und Algengirlanden wären alle hinnehmbar gewesen: nur die Sprache hätte man beibehalten sollen. Halle ist so stolz auf seinen Händel. Es grenzt an Verrat an ihm, wenn man diese Oper, die für die italienische Sprache geschrieben wurde, in deutscher Sprache aufführt. Der schwere deutsche Text war gar nicht zu bewältigen und hat alle Verzierungen vor vorneherein ausgeschlossen. Das Erfolgsteam Konwitschny/Brade hat hier einfach zu viel über die Stränge geschlagen. Wer eine lustige Operette sehen will, geht nicht in Händels markantestes Meisterwerk einer Heldenoper. Aber leichte Kost war es dann schon!
Nach der Pause blieben einige Sessel im Parkett trotzdem leer.

Das Händel-Festspielorchester unter Gastdirigent und Händel-Spezialist Michael Hofstetter hat Großartiges geleistet und viel Applaus bekommen. Farbenprächtig und feinfühlig haben sie das nuancenreiche Meisterwerk interpretiert.

Der Musikschriftsteller Charles Burney hat  Händels Oper „Giulio Cesare in Egitto“ als „eine Oper, die Schönheit aller Art im Überfluss bietet“ bezeichnet. In Halle stand die Musik eindeutig nicht an erster Stelle. Darüber konnte auch das gelungene Duett von Cornelia und Cleopatra „Da uns das Glück belog, ist alle Hoffnung tot, sie kehrt nie mehr zurück“ (!!) schon vor geschlossenem Vorhang gesungen nicht hinwegtrösten. Der Trost kam dann am Samstag gleich zweimal: einmal bei der Verleihung des Händel-Preises der Stadt Halle an Prof. Dr. Silke Leopold mit Musikeinlagen durch die Sopranistin Margriet Buchberger und dem Ensemble Il Giratempo und abends beim Festkonzert mit der großartigen Vivica Genaux im Duett mit Lawrence Zazzo begleitet von der Lautten Compagney Berlin in der Händel-Halle!

Christa Blenk

***
Textfassung von Werner Hintze in deutscher Sprache. Musikalische Leitung: Michael Hofstetter / Inszenierung: Peter Konwitschny / Ausstattung: Helmut Brade / Dramaturgie: Bettina Bartz / Solisten: Grga Peroš (Julius Cäsar), Vanessa Waldhart (Cleopatra), Svitlana Slyvia (Cornelia), Jake Arditti (Kopf des Pompejus – Partie des Sesto), Michael Zehe (Tolomeo), David Pichlmaier / Ki-Hyun Park (Achilla), Maik Gruchenberg (Nirenus), Benjamin Schrade / Fabian Waclawchzyk (Sesto). Chor und Statisterie der Oper Halle / Händel-Festspielorchester Halle

 

 

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Oceane – Deutsche Oper Berlin

Vendée2013-März 112
La Vendee – Atlantik

 

Grau-schwarze Melancholie, Hoffnungslosigkeit, dekadente Vergänglichkeit – Fin de Siècle-Stimmung und tosendes Meer, Liegestühle im Gegenlicht.

Die neue Oper „Oceane“ von Detlev Glanert, ein Auftragswerk der Deutschen Oper Berlin, hatte Ende April 2019 eine gefeierte Premiere. Alle weiteren Abende waren ausverkauft.

Oceane von Parceval ist eine Novelle von Theodor Fontane, die um 1880 entstand – mehr oder weniger pünktlich zur Belle Epoque. Hans-Ulrich Treichel hat daraus das Libretto geschrieben. Ein Sommerstück für Musik in zwei Akten ist dabei herausgekommen. Dabei geht es hier eigentlich eher um eine Spätsommer-Stimmung, um das Absinken der Sonne, die schon deutlich zu spürende Verkürzung der Tage, die frischen Abende kurz vor dem Herbsteinfall.

Die Geschichte spielt an der Ostsee, in einem Hotel, das schon bessere Tage gesehen hat. Die Besitzerin Madame Louise und ihr treuer Diener George (Doris Soffel und Stephen Bronk) singen davon mehrere Lieder und bedauern das langsame Dahinsiechen des einst eleganten Hotels. Man braucht einen Privatkredit und den soll Oceane von Parceval gewähren, die dort gerade logiert, aber eigentlich nicht wirklich mitspielt, sie bleibt am Rande, unberührt, reich, schön – aber der junge Baron Martin von Dircksen (Nikolai Schukoff), der in Begleitung seines Freundes Felgentreu (Christoph Pohl) ebenfalls dort einquartiert ist, verliebt sich trotzdem in die attraktive, seltsame Melusine. Während Felgentreu und Oceanes Kammerfräulein Kristina (Nicole Haslett) recht schnell zusammen finden, gestaltet sich die Beziehung von Oceane und Martin sehr schwierig.

Gefühle kann Oceane trotz Anstrengung nicht zeigen und ihre Indifferenz anlässlich der Konfrontation mit einem toten Fischer am Strand macht sie zum Opfer des barbarischen, religiösen Mobs, der – vor Allem was fremd und unverständlich ist – Angst hat. Angeführt und aufgestachelt von Pfarrer Baltzer (großartig der eindringliche Bass von Albert Pesendorfer) wird sie praktisch verstoßen. Die Doppelverlobung kommt nicht zustande. Maria Bengstsson als Oceane ist hell, schön und unterkühlt, immer weit entfernt, weltfremd und irgendwie teilnahmslos. Zum Schluss geht sie einfach weg – allerdings nicht ins Wasser. Sie ist die Traumbesetzung für diese Rolle. 

Die Musik von Detlef Glanert (*1960) ist nicht gerade zeitgenössisch oder revolutionär und erinnert an Henze-Opern, Glanert war auch sein Schüler. Klangmässig bringt das Werk nichts Neues und die Musik ist nachvollziehbar, verständlich und beschreibend, schön. Auch Henze hat mit seiner Ballett-Gestalt Udine ein Wesen aus dem Meer beschrieben und mit der Oper Elegie für junge Liebende auch eine Naturoper geschrieben, nur waren bei letzterer die Berge die Protagonisten und nicht das Meer.  

Robert Carsons Inszenierung ist mehr als gelungen. Er hat diese dekadente Endzeitstimmung perfekt und einfühlsam auf die Bühne gebracht. Das omnipräsente und nie ruhende Meeresvideo tut das ihre dazu. Am Pult bei der letzten 5. Vorstellung in dieser Saison Stephan Zillas. Großes Lob an den Chor und seinen Leiter Jeremy Bines.  

am Atlantik

Christa Blenk

 

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Zehlendorfer Hauskonzerte – Noga Quartett

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Noga Quartett im Quintett mit Eve Wickert

 

Das großartige Noga-Quartett ist regelmäßig zu Gast im Zehlendorfer Wohnzimmer. Gestern Abend hat es dort, im Musikhaus, wie der Bratschist so treffend sagte, seinen 10. Geburtstag gefeiert. Mit einem außergewöhnlichen und sehr langen Hauskonzert wurde hier natürlich vor allem das Publikum beschenkt.

Seit 10 Jahren spielen die vier Musiker Simon Roturier und Lauriane Vernhes (Violine), Avishai Chameides (Bratsche) und Joan Bachs (Cello) miteinander und das sieht und spürt man. Sie sind perfekt aufeinander eingespielt und oft braucht es nur ein Blinzeln, um sich zu verstehen.

Das Programm eröffnet an diesem (Wahlsonntag)-Abend mit dem Streichquartett Nr. 2 in F Dur von Reynaldo Hahn (1874-1947). Hahn hat insgesamt zwei Streichquartette geschrieben und ist bei uns eher unbekannt. Sein Gesamtwerk besteht hauptsächlich aus Musik zum Singen. Entstanden ist das Quartett ungefähr gegen Ende des Zweiten Weltkrieges in Südfrankreich, wohin sich Reynaldo Hahn kriegsbedingt zurückgezogen hatte. Hahns Musik ist eigentlich konservativ und hat die Moderne nicht wirklich erreicht. Diese Komposition ist wie ein zauberhafter Frühlings-Spaziergang, ein Flanieren, durch Paris.

Das Streichquartett besteht aus vier Sätzen und beginnt mit einem temperamentvollen und leidenschaftlichen Allegro, geht über in einen nervös summenden Satz, der von einem besinnlich, samtigen und dialogisierenden Andante  lento abgelöst wird um dann in ein hektisch stürmisches Finale überzugehen. Man mag sich gerne hier einen Tanz über die großen Boulevards vorstellen.

Hahns Familie kam aus Venezuela. Spanisch-baskischer Abstammung seine Mutter, ein jüdischer Kaufmann aus Hamburg sein Vater. Schon vor seiner Geburt allerdings siedelte die Familie 1878 von Venezuela nach Paris um, wo Reynaldo 1885 im Conservatoire de Paris aufgenommen wurde. Schüler von Jules Massenet und Mitschüler von Maurice Ravel. Hahn war bekannt dafür, dass er in den Pariser Salons seine eigenen Melodien sang und sich selber am Klavier begleitete. Im Salon von Madeleine Lemaire lernte er 1894 auch Marcel Proust kennen, mit dem er bis zu seinem Tode zusammen bleiben sollte. Hahns Opern waren um die Jahrhundertwende durchaus bekannt und wurden gerne aufgeführt, zum Teil in der Opéra Comique de Paris. Anlässlich einer Bildungsreise besuchte er Hamburg, die Heimtstadt seines Vaters, kam nach Bukarest, Rom und London. Hahn schrieb Musik für Diaghilev und sein Ballet russe, wurde 1912 Franzose und nahm freiwillig am Ersten Weltkrieg teil. Nach dem Krieg bekam er eine Professur an der Ecole Nationale de Musique de Paris. Dort traf er auf Pablo Casals und Nadia Boulanger und es begann eine Operetten-Zeit. Erst viel später sollte er sich der Kammermusik widmen. In den 1930er Jahren war er ebenfalls als Musikkritiker tätig. Seine jüdische Herkunft brachte ihn 1930 zuerst nach Cannes und dann nach Monte-Carlo. 1945, wieder zurück in Paris, wurde er Direktor der Pariser Oper.

Nach einer kurzen Instrumenten-Pause geht es weiter mit dem Streichquartett Nr. 5 von Bela Bartok (1881-1945). Es entstand ungefähr 10 Jahre vor dem Hahn-Quartett, ist aber wesentlich moderner und revolutionärer. Bartok hat hier folkloristische Tradition mit Natur und Rhythmus verbunden. Sein Streichquartett besteht aus fünf Sätzen, wobei der erste und der fünfte Satz dissonant, finster und ärgerlich daherkommen und sich immer wieder neu erfinden, während der zweite Satz wie eine schmerzhafte trillernde Symphonie klingt und parallel dazu im vierten Satz versucht, das Durcheinander vom Scherzo mit viel Humanismus zu zerpflücken, dabei aber immer wieder ins Jammerthema mit gezupften Halbtönen abfällt. In der Mitte thront – wie gesagt – das Scherzo, verrückt, rasend und durchgeschnallt stürmt es auf einem bulgarischen, unregelmäßigen Rhythmus mitten ins unentwirrbare Chaos, um dann mit ein paar melodischen Noten zu enden. Hier ist vor allem die Bratsche gefragt, und so hat der Bratschist vor dem Stück einiges darüber erzählt.

Bartok hat dieses wunderbare 30-minütige Werk 1934 komponiert, als Auftragswerk einer amerikanischen Pianistin und Mäzenin, die sich für zeitgenössische Kammermusik interessierte. Es wurde – gemeinsam mit neuen Werken von Schoenberg, Webern und Britten -  in Washington im Coolidge Auditorium uraufgeführt.

Nach einer größeren Pause, die wir im launigen Garten und Gesprächen mit den Musikern verbringen dürfen, geht es weiter mit dem Streichquintett Op. 87 von Felix Mendelssohn (1809-1847). Hierzu kommt die Bratschistin Eve Wickert mit auf die Bühne.

Dieses Streichquintett entstand 1845 im Taunus, wo Mendelssohn mit seiner Frau Cécile Jeanrenaud den Sommer verbrachte. Erschienen ist das Werk allerdings erst posthum, da Mendelssohn immer wieder noch am Finale arbeiten wollte, bis es dann zu spät war.

Gefüllt mit Energie startet der erste Satz, wird überschattet von dunklen Gedanken, Triolen und Tremoli wechseln sich ab, bis das Hauptthema wieder zum Reden kommt. Es ist ein großartiges Kammermusikwerk, ein Hin- und her zwischen eleganter Bedrohung, blankem Argwohn der letzten Lebensjahre und einem optimistischen Aufblitzen. Ein abwechslungsreiches, rhythmisches Zurückfallen ins Moll und Großeinsatz für die zweite Bratsche. Dieses unruhige Einmischen findet in einem hektischen Finale dann doch noch eine harmonische Auflösung, in die alle Instrumente nach und nach eingebunden werden.  Mendelssohn hat es übrigens 19 Jahre nach seinem 1. Streichquintett komponiert.

Einwandfrei und zauberhaft die Interpretation!

Alles Gute zum Geburtstag, liebes Noga-Quartett and many happy returns!

noga

 

Das Berliner Noga-Quartett hat übrigens schon so einige Preise gewonnen, darunter die Melbourne Chamber Music Competition 2015. Ihr Repertoire geht u.a. von Haydn und Mozart über Beethoven, Brahms, Schumann hin zu Ligety und Schönberg etc.

Noga Quartett 2018 in Zehlendorf

Zehlendorfer Hauskonzert - Gesang

Zehlendorfer Hauskonzerte – Klavier

Zehlendorfer Hauskonzerte - Franz Trio

u.v.m.

Christa Blenk

 

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