Archives pour la catégorie Musique

Göteborger Symphoniker mit Alice Sara Ott

Das Schwedische Nationalorchester gab am vergangenen Dienstag (19.02.2019)  in der Philharmonie ein Gastkonzert.

Auf dem Programm stand eine neue und sehr wuchtige Komposition von Daniel Nelsen « Steampunk Blizzard ». Das Orchesterstück dauert sieben Minuten und ist rhythmisch auf jeden Fall eine große Herausforderung. 5er und 7er Takte wechseln sich ab. Spannend und mitreißend entstand Steampunk Blizzard als Auftragswerk für das Orchestre National d’île de France. Es wurde im Januar 2017 in Paris uraufgeführt.  Er vereinigt hier zwei Begriffe, die die Industrialisierung beschreiben, vor allem die Erfindung der Elektrizität und so hört es sich auch an. Eine Mischung aus Vergangenheit und Science Fiction und wie die Räder bei großen Maschinen ineinander greifen sind es hier unterschiedliche melodisch-rhythmische Muster, die sich komplex verzahnen.

Nach einem kurzen Umbau schwebt die junge Pianistin Alice Sara Ott in einem langen Traumkleid auf die Bühne. Sie spielt (barfuß) Maurice Ravels (1875-1937) Klavierkonzert G-Dur. Hinreißend und mit großer Perfektion, sehr sensibel und luftanhaltend. Pianisten lieben es, dieses virtuose und schöne 20-Minuten-Stück, mit dem herausragende Musiker immer gerne brillieren und Alica Sara Ott hat bewiesen, dass sie das kann. Die melodisch-satten Pianissimi im langsamen zweiten Satz spielt sie so, dass man sie gerade noch hören kann. Der Stück beginnt und endet mit einem Knall, wird fröhlich und sehr unterhaltsam, fordert  besonders die Bläser heraus und bringt außer Jazz-Elementen und Musikstile der 1920er Jahre auch Klänge aus seiner baskischen Heimat hervor. Vor allem aber erinnert es an Gershwins ein paar Jahre vorher entstandene bahnbrechende  Rhapsody in Blue. Dieses Klavierkonzert in G-Dur gehört zu Ravels letzten Kompositionen, über zwei Jahre hat er daran herumgefeilt – gleichzeitig war er mit der Komposition für sein Klavierkonzert für die linke Hand beschäftigt. Der einarmige Pianist Paul Wittgenstein hatte es bei ihm in Auftrag gegeben.  Ravel konnte allerdings sein Klavierkonzert G-Dur nicht mehr selber am Klavier vortragen, da er unter einen langsam fortschreitenden Lähmung seiner Hände litt. Er dirigierte aber die Pariser Uraufführung 1932 (am Klavier Marguerite Long).

Das Publikum hat ihr dann noch eine Zugabe von Eric Satie abgerungen.

Nach der Pause schließlich Jean Sibelius (1865-1957) Sinfonie Nr. 5 Es Dur. Dirigiert vom finnischen Pultstar Santtu-Matias Rouvali. Der junge Dirigent bringt zu jedem Konzert eine Botschaft aus seiner skandinavischen Heimat mit. Für ihn steckt die Musik von Sibelius voller Geschichten, über die Natur, das Klima und die Politik. In einem Interview in München hat er die Verzweiflung seines Volkes zu Zeiten von Sibelius erwähnt  und bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen, dass die UN 2018 die Finnen zum glücklichsten Volk der Welt erklärt hat.

Viel Applaus!

cmb

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

 

Franz Trio zu Gast in Zehlendorf

Seemannsgarn und Landabenteuer oder Winkelmesser und Metronom

Vor knapp einem Jahr war das fabelhafte Franz Trio schon einmal zu Gast bei den Zehlendorfer Hauskonzerten. Damals spielten sie Werke von  Zoltán Kodály, Jean Françaix  und Franz Schubert.  Auch für das gestrige Konzert haben die Drei wieder ein ganz besonderes Schmankerl ausgegraben und nach der sehr frei interpretierten heiter-verwegenen Serenade op 8 von Beethoven aus dem Jahre 1797 ein eindrucksvolles und sehr aufregendes Werk von Jean Cras (1879-1932) im Wohnzimmer zur Aufführung gebracht.

Jean Cras ist bei uns eher unbekannt und seine Werke werden leider so gut wie nie aufgeführt. Dabei ist das Trio für Streicher ein kurioses Ereignis. Der Komponist gab sich außer seiner Leidenschaft zur Musik, die er von seiner Mutter hatte, einer zweiten Leidenschaft hin: der See. Sein Vater war Marinearzt und so machte auch der Sohn bei der Marine Karriere, was ja für einen Bretonen nicht gerade unüblich ist!  Als 13-Jähriger trug er öffentlich seine erste Komposition am Klavier vor; mit 17 trat er in die Marineschule ein. Um 1900 befasste er sich – auf Rat seines Komponistenfreundes Henri Duparc – mit der Analyse von Beethovens Streichquartetten. Er bekam sogar eine Auszeichnung, weil er wohl im Ersten Weltkrieg ein U-Boot versenkt hat.

Jean Cras hat ein Navigationsinstrument erfunden und bei ruhigem Seegang Musik komponiert. Zu diesem Zwecke befand sich immer ein Klavier an Bord. Dieses Trio ist eine großartige Mischung aus Heimat und Ferne, Land und Wasser, Traum und Wirklichkeit. Stilvielfalt und Freiheit zeichnen es aus, geprägt von Einfällen und Ideen, die bei seiner Rückkehr an Land aus seinem salzigen Gepäck sprudelten. Brest, seine Heimatstadt, hat ihm dafür ein Denkmal errichtet.

Das Streichertrio entstand 1926 und will weder die Spätromantik noch Debussys Hauptwerk „La Mer“  verbergen. Aber nicht nur Jean Françaix hat Music pour le plaisir komponiert! Bei Jean Cras spürt man sie auch, die lautmalerische Leidenschaft mit Tönen von Riesenkraken oder tausend-armigen Seeungeheuern zu erzählen. Die Freude von Jean Cras am Komponieren und die Begeisterung der ausgezeichneten Solisten des Franz Trio Avigail Bushakevitz (Geige), Ernst-Martin Schmidt (Bratsche) und Constance Ricard (Cello) am Interpretieren dieses fabelhaften Werkes ist direkt auf die Zuhörer übergesprungen.

Das Streichertrio besteht aus vier Sätzen, die eigentlich nicht zusammen hängen und ein originelles Eigenleben haben. Während man im ersten Satz die Bretagne zu hören vermeint, das Rauschen, die drohenden, rauhen Winde, die Wellen, die sich an den Felsen brechen und das plötzlich zur Ruhe kommende Meer, das sanft glitzernde Karibikfarben hervorbringt, lässt Cras im zweiten Satz sein Heimweh durch das Cello ausdrücken. Hier geht er an Land, in Nordafrika oder Asien vielleicht und erfreut sich an geometrisch plätschernden Springbrunnen und Arabesken. Die hitzigen Pizzicati klirren wie die Segelmasten im Wind und rufen ihn wieder an Bord zurück, vielleicht erzählen sie aber auch von einer aufgeregten Vorfreude, bald wieder heim zu kehren. Im dritten Satz, Animé, legt er einen Zahn zu und schickt galoppierende Pferde durch sonnige Jazzelemente in den Wilden Westen, wo sein schwermütiges Banjo zur sehnsüchtigen Balalaika wird, um gleich darauf im vierten Satz, très animé, vollkommen auszurasten. Kältere, irisch-bretonische Klänge werden zu einem ausgelassenen  Square Dance bis das Abenteuer mit dampfendem Rauch zu Ende geht. 

Das ausgezeichnete Franz Trio hat sich sehr wohl mit dieser flammend-dynamischen See-Land-Weltreise gefühlt und tiefe, eleusinische und unerklärliche  Klänge aus den Instrumenten und Noten hervorgeholt, die man gar nicht vermuten konnte.

Avigail Bushakevitz hat mit ihrem Ehemann, dem Bratschisten Ernst-Martin Schmidt und der Cellistin Constance Ricard vor ein paar Jahren das Franz-Trio gegründet. Das Musikerehepaar lebt seit ein paar Jahren in Berlin und ist u.a. Mitglied des Konzerthausorchesters Berlin. Constance Ricard wurde in Paris geboren und lebt ebenfalls seit 2012 in Berlin, wo sie ihre Zeit zwischen dem Orchesterspiel und verschiedenen Kammermusikgruppen aufteilt. Sie wird demnächst in Zehlendorf ein Solo-Cellokonzert geben.

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

Hochschule für Musik – Hanns Eisler

 

P1070702

 

Kammermusikkonzert im Krönungskutschensaal Marstall, Berlin

Auf dem Programm standen am 16. Februar 2019  folgende Werke – allesamt meisterhaft interpretiert von Studenten der Hanns Eisler Musikhochschule

Ludwig van Beethoven Klaviertrio B-Dur op. 11 “Gassenhauer”

Emma Portier (Flöte), Wen-Teng Chang (Violoncello), Jianing Zhao (Klavier) interpretierten dieses « Gassenhauer » Trio von Beethoven. Es besteht aus drei Sätzen: Beethoven hat hier so etwas wie Unterhaltungsmusik komponiert, ein wenig deftig und einen wirklichen Gassenhauer vom damals beliebtesten Wiener Opernkomponisten Joseph Weigl als Musikthema ausgewählt. Angeblich hat er dies später bereut, hat ihm und seinen klassischen Zeitgenossen doch dieser Weigl viel Konkurrenz gemacht mit seiner seichten Musik. Ein leichter Dialog zwischen Cello, Klavier und Flöte.

Dem Berion gehören  Trio Sihyun Lee (Violine), Hye Jun Byun (Violoncello), Chul Kyu Jung (Klavier) an. Sie interpretierten Friedrich Smetanas Klaviertrio g-Moll op. 15 mit viel Hingabe und Sensibilität.

Dieses bewegende aber doch temperamentvolle Stück ist im Moment großer Trauer entstanden. Smetana selber, durch eine Syphillis-Infektion taub geworden, musste im Herbst 1855 seine zwei Tochter zu Grabe tragen. Barock-farbiger Lamentobass und spätromantische Rhythmen wechseln sich im ersten Satz ab. Das Klavier begleitet und treibt an. Smetanas Tränen sind zu Noten gefroren. Der zweite Satz wird auch scherzo doloroso genannt und soll ein Portrait von Friederike sein. Das Finale ist ein wilder und kompromissloser Totentanz oder Trauermarsch.

Johannes Brahms Streichquartett B-Dur op.67  interpretierten die Musiker Seiji Okamoto, Issei Kobayashi (Violine), Tomohiro Arita (Viola), Jonas Palm (Violoncello)

Es hat vier Sätze (Vivace -  Andante -  Agitato (Allegretto non troppo) – Poco Allegretto con Variazioni). Robert Schumann hat Brahms Streichquartette als « verschleierte Sinfonien » bezeichnet. Brahms hat wiederholt Streichquartette geschrieben, die direkt in die Tonne wanderten. Dieses Opus widmete er dem Arzt Dr. Engelmann, Er hat es ganz im Stil von Vater Haydn geschrieben. Interessant der Stellenwert der Bratsche im dritten Satz; keck und lässig-wienerisch geht es zu Ende.

Das letzte Stück auf dem Programm entstand 1900, direkt zu Beginn einer neuen Zeit: George Enescus Oktett C-Dur op. 7 -  großartig interpretiert von Louisa Staples, Anne Maria Wehrmeyer, Lily Higson-Spence, Inga Gaustad (Violine), Albin Uusijärvi, Jungahn Shin (Viola), Grace Sohn, Alexander Wollheim (Violoncello).

Der Altersgenosse von Bartok, Geroge Enescu (1881-1955),  wurde in Rumänien geboren und ging mit knapp 15 Jahren nach Paris, wo er Kompositionsschüler von Fauré und Massenet wurde.  Bevor er sich als Komponist einen Namen machen konnte, war er als Geiger sehr erfolgreich; Enescu war u.a.  der Lehrer von Yehudi Menuhin. In seiner Musik vereint er Melodien des Balkans mit den Einflüssen, denen er in Paris um die Jahrhundertwende ausgesetzt war, hinzu kam seine Wiener Prägung.

Enesco  war 19 Jahre alt, als er dieses Oktett komponierte. Es dauert 40 Minuten und verlangt nach so viel Klassik und Romantik so einiges vom Zuhörer. Hier wird die neue Welt beschrieben, eine moderne, industrialisierte. Paris um 1900,  die großen, lebendigen Boulevards, Eile und Hektik einer Weltmetropole, die Weltauststellung, der Konkurrenzkampf in Kunst und Musik – gemütliches Flanieren war gestern.

Vier Sätze, die ineinander übergehen, königlich beginnen, einen wilden, chaotischen Verlauf nehmen, kurz dem Impressionismus verfallen und walzerisch aufhören. Enesco selber sagte dazu:: “Man sollte bei der Aufführung nicht allzu sehr auf gewissen kontrapunktischen Kunstgriffen beharren, um den wesentlichen thematischen und melodischen Elementen Raum zur Entfaltung zu lassen.”

 

Vielen Dank!

cmb

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

Gäste der Berliner Philharmoniker

Yannik Nézet-Séguin

Am 13./14. und 15. Februar 2019 ist der kanadische Dirigent  Yannick Nézet-Séguin zu Gast in der Philharmonie und besticht mit einen russisch-französischen Programm. Dazu bringt er Werke von Ravel, Debussy und Prokofjew auf die Bühne.

Yannik Nézet-Séguin ist zurzeit Musikdirektor des Philadelphia Orchestra und der Metropolitan Opera in New York sowie Künstlerischer Direktor und Chefdirigent des Orchestra Metropolitan de Montreal. Außerdem hat er diverse Verpflichtungen als Ehrendirektor. Dies alles kann nur ein leidenschaftliches Energiebündel wie er miteinander vereinigen. Der Kanadier Nézet-Séguin ist erst knapp über 40 und gehört schon zu den Stars am Dirigentenhimmel.  2008 wurde die Musikwelt anlässlich seines Gounod Debütkonzerts Roméo et Juliette während der Salzburger Festspiele auf ihn aufmerksam. Seitdem gastiert er an allen großen Konzerthäusern, von London, Mailand oder Berlin bis New York. Musik von Messiaen, Berlioz und Prokofjew hat der Maestro auch bei seinem ersten Konzert mit den Berliner Philharmonikern 2010 gespielt und wurde dafür umjubelt – so wie auch am vergangenen Mittwoch.

Federnd, temperamentvoll und dynamisch tritt er auf und so dirigiert er auch die Philharmoniker. Claude Debussys impressionistischem Schlüsselwerk La Mer gibt er ein komplett anders Gesicht. Er lockt diesem symphonischen Triptychon Urelemente hervor und man versteht mehr als sonst Paul Dukas Worte über die Brust des Ozeans und den Atem der Wellen. Hier hört man nicht das gewohnte Ebbe-und-Flut-Spiel, hier kommen existentielle, pastellfarbene und schwarze Sinneseindrücke und bedrohlich heranrollende Wellenbrecher, die einen Tsunami mit sich bringen könnten, ins Spiel.

Das zweite Stück vor der Pause ist Maurice Ravels kurzes und gefälliges Menuet Antique. Es entstand bereits 1895 als Klavierstück und Ravel selber hat es 1929 für  Orchester umgeschrieben. Uraufgeführt wurde dieses im Jahre 1930.

Nach der Pause dann der Höhepunkt dieses Konzertabends. Sergej Prokofjews Fünfte Symphonie. Die Uraufführung in Moskau 1945 – die wegen Artilleriesalben unterbrochen werden musste – wurde zu einem großen Erfolg:  auch im Ausland.
Für Prokofjew ist sie auch deshalb so bahnbrechend, weil er nach 15 Jahren Symphonie-Abstinenz gleich so einen Volltreffen landen konnte. Ein »Lied auf den freien und glücklichen Menschen anstimmen, seine schöpferischen ­Kräfte, seinen Adel, seine innere Reinheit« wollte er mit ihr anstimmen.

Nézet-Séguin hat das ambivalente und mehrdeutige dieser Komposition immer wieder hervorgehoben – man weiß nie, in welche Richtung sich die Musik entwickelt oder wo sie hinschielt. Die viersätzige Symphonie gilt als Meisterstück der Symphonik. Sie beginnt mit einem schüchternen, fast schwermütigen Andante und wird im ersten Satz immer schneller. Der zweite Satz ist ein Frage- und Antwortspiel zwischen verschiedenen Instrumentalgruppen und artet in einem Konkurrenzkampf der Bläser aus bis das Stück mit einer brillanten, wilden Jagd dem Ende entgegenstürmt und alles umreißt.

Großartiger Konzertabend!

cmb

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

Don Giovanni in der Staatsoper

Winter

 

Wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht …

Claus Guth hat diesen Giovanni schon 2008 für die Salzburger Festspiele inszeniert und steckt alle Beteiligten von Anfang bis Ende in den Wald und weil man sich nach einiger Zeit auf keine neuen Inszenierungsabenteuer mehr einstellen muss, kann man sich mit Muse den Protagonisten widmen. Guth ist es gelungen, aus jeder Rolle eine Hauptrolle zu machen.  Nebenrollen hat dieser Giovanni nicht. Allerdings kommen dann schon mal Sonntag-Abend-Tatort-Gefühle auf, denn gewalttätig ist er, dieser Don Giovanni.

Donna Anna ist dem feinfühligen aber etwas weltfremd-langweiligen Don Ottavio versprochen und das geht ganz gut, bis die Schöne das Pech hat, auf den Draufgänger und Frauenheld Don Giovanni zu treffen. Und natürlich kann sie ihm nicht widerstehen und selbstverständlich wird auch sie gleich wieder fallen gelassen, wie all die anderen ca. 2000 Frauen vor ihr. Das erklärt später Leporello der ebenfalls verlassenen und verletzten Donna Elvira. Aber zuerst muss Don Giovanni Annas Vater töten, wobei er selber auch verletzt wird und den Rest der Vorstellung mit einem blutenden Bauchschuss rumläuft.

Leporello ist nicht nur der Diener von Don Giovanni, er scheint auch zu dealen, vielleicht um seine Zukunft zu sichern, denn er will den Aristokraten und Egoisten Don Giovanni so bald wie möglich verlassen. Er ist es leid, nach ihm immer die Scherben aufsammeln zu müssen und tröstet sich mit einer Dose Bier und einem Schuss. Leporello trägt einen langen schwarzen Stoffmantel, eine dunkle Brille und eine schwarze Mütze. Wir befinden uns definitiv im Heute und im Funkloch Brandenburg. Das begreifen wir spätestens, als Don Ottavio nach der Ermordung des Komtur Hilfe per Handy rufen will, aber kein Netz bekommt – wir sind ja schließlich im tiefsten Wald.  Die Bühne dreht sich ständig, und ab und zu erscheint zwischen den dunklen Kiefern eine Bushaltestelle, aber auch der Bus kommt natürlich nicht pünktlich und Donna Elvira muss warten, bis sie endlich wegkommt bzw. ankommt, denn sie ist auf der Suche nach dem Schurken Don Giovanni. Somit wären es schon Drei mit Rachegedanken, die sich auf eine Art roadmovie durch den Wald begeben: Donna Anna, Don Ottavio und nun auch noch Donna Elvira. Der verletzte Don Giovanni schafft es aber trotzdem immer wieder zu entkommen und aufs Dach zu klettern, zu flirten und gleich wieder mit der jungen Braut Zerlina anzubandeln. Die ist gar nicht so abgeneigt und schickt ihren Bräutigam Masetto erst mal weg. Wer kann auch schon einem reichen, aristokratischen Schönling widerstehen, der einem die Welt verspricht.  Alle Personen treffen sich permanent irgendwo im Wald und manchmal verliert man den Überblick und weiß nicht genau wer was jetzt tun soll. Als Donna Anna und Don Ottavio eine Autopanne haben, versucht Don Giovanni sogar, dieses zu reparieren, um bei  ihr Eindruck zu schinden.  Claus Guth nimmt diesem Don Giovanni die Hierarchie der Personen.

Der Wald scheint wohl Don Giovannis Jagdrevier zu symbolisieren. Im Wald hat man Angst, ist unsicher, dort kann man sich verlaufen und schnell auf den falschen Weg geraten, aber man kann sich auch gut verstecken in ihm. Der Wald steckt außerdem voller Gefahren, unserer hier beherbergt sogar einen Wolf. So passen sie alle irgendwie dorthin, denn jeder einzelne hat etwas zu verbergen oder zu vertuschen.

Wenn zum Schluss ein Baumstamm auf einer Lichtung zum Abendmahltisch wird, dann passt das plötzlich doch. Die Schlussdramatik ist bewegend und berührend. Don Giovanni zeigt keine Reue und lässt sich lieber vom Teufel holen, als dass er sich ändert.

Der junge Lahav Shani am Pult bekommt viel Applaus. Er holt dunkle und geheimnisvolle Wärme aus der Staatskapelle heraus und geht es ziemlich langsam an. Er ist sicher ein upcoming Star am Dirigentenhimmel. In Berlin hat er an der Hanns Eisler Hochschule für Musik studiert und sich von Barenboim coachen lassen. Viele große Orchester wie das Israel Philharmonic Orchestra oder das Los Angeles Philharmonic Orchestra hat er bereits dirigiert, darunter auch die Staatskapelle Berlin in die Wiener Philharmoniker.  Als designierter Nachfolger von Zubin Mehta wird er ab 2020 die Israel Philharmonic Orchestra übernehmen. Seit einem Jahr lebt er in Berlin.

Der österreichische Bariton Markus Werba ist ein spritziger und akrobatischer Don Giovanni, der seiner Rolle unbedingt gewachsen ist. Werba ist auch ein Mozartsänger und hat ebenso den Grafen Almaviva oder Guglielmo im Repertoire. Er singt an allen großen Opernhäusern weltweit – von den Salzburger Festspielen bis zur MET.

David OŠTREK ist Leporello. Er kam über südslawische Volksmusik und E-Gitarre zum Gesang. Dass er auch Jazz und Rock singt, hat ihm bei dieser Rolle viel geholfen, denn Leporello ist eigentlich ein rockender Drogendealer und Zeremonienmeister.  2015/16 hat er den Don Giovanni im Schlosstheater Schönbrunn gesungen.

Die kroatische Sopranistin Evelin Novak in eine ernste, sehr frische und mit viel Klangvolumen auftretende Donna Anna. Sie gehört seit 2011 zum Solisten-Ensemble der Staatsoper und singt u.a. auch die Pamina.

Don Ottavio singt Dovlet Nurgeldiyev. Er gehört dem Hamburger Ensemble an und hat noch andere Mozartrollen im Repertoire. Der sonst eher langweiligen Rolle des Don Ottavio hat er viel Farbe und Anmut gegeben.

Reinhard Hagen ist der Komtur.  Über 10 Jahre sang er zu Zeiten Götz Friedrichs an der Deutschen Oper Berlin. Seit 2011 gastiert er an großen Häusern mit bedeutenden Dirigenten. Hagen ist ein sehr feierlich-dramatischer Komtur, der unter die Haut geht.

Die irische Mezzosopran Tara Erraught ist eine schneidende Donna Elvira. Sie hat die richtige Mischung zwischen selbstsicherer Wut und schwindender, hysterischer Hoffnung, wenn sie versucht, über den Schuft hinwegzukommen, die beiden anderen zu warnen und selbst ihm wieder zu verfallen. Sie war lange an der Bayerischen Staatsoper, als Gastsängerin an der Wiener Staatsoper und an der MET, singt in Glyndebourne und in Salzburg und kann ein großes Mozart-Repertoire vorweisen.

Zum Schluss noch Grigory Shkarupy als Masetto und Narine Yeghiyan als Zerlina, die bei dieser Inszenierung auch Hauptrollen inne haben und viel Bühnen- und Stimmpräsenz beweisen. Shkarupy ist seit 2015 festes Ensemblemitglied der Staatsoper und Yeghiyan seit 2013. Zu ihrem Repertoire gehört u.a. die Rolle der Barbarina.

Rundherum ein großartiger Mozart-Abend mit jungen, beeindruckenden Solisten, die ständig über Stock und Stein krabbeln mussten, um wieder eine Lichtung im dunklen Wald zu finden.

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

Lied-Recital

P1060826

 

Lieder von Gustav Mahler, Johannes Brahms, Igor Strawinsky und Enrique Granados zum Thema Sehnsucht, Traum, Verlust  und Hoffnung waren die Protagonisten wines Liederabends im Apollo Saal der Staatsoper.

Die Mezzosopran Marina Prudenskaya, die seit 2013 zum Ensemble der Staatsoper gehört, wurde von Matthias Samuil am Piano begleitet. Sie sang in Deutsch, Russisch und Spanisch.

Gustav Mahler hat die Lieder eines Fahrenden Gesellen zwischen 1884 und 1885 geschrieben – als Reaktion auf eine unerwiderte Liebe zu der Sängerin Johanna Richter. Und so begibt er sich auf den Leidensweg, den auch Schubert durchmachen musste und aus der Die Winterreise und den Wanderer entstand. Mahler begibt sich in eine Traumwelt, um dem Leid zu entfliehen. Um Opfer  und Hoffnung geht es in den zwei Liedern von Igor Strawinsky (Deux Mélodies op. 6). Auch Johannes Brahms hat unerfüllte Liebe und optimistischer Hoffnung bis hin zu qualvoller Entmutigung beschrieben und hierfür Texte von Christoph Hölty, Robert Reinick und Friedrich Daumer als Vorlage benutzt.

Enrique Granados (1867 bis 1916)  Spanische Tänze für Klavier sind wohl ein Jugendwerk. Die Tonadillas en Estilo Antiguo entstanden hingegen um 1912 und gehören heute zu den wichtigen spanischen Lied-Zyklen, zu vergleichen mit Manuel de Fallas Siete canciones populares.  Granados hat sich in Goyas Malerei verliebt und dessen Farbpalette auf die Tonadillas übertragen und so wimmelt es von majos und majas (Schönlingen und Schönen) in diesen Liedern, bei denen er  zum Teil auch kein bereits existierendes Gedicht vertonte, sondern auf eigene Notizen zu majas und majos zurückgegriffen hatte.

Marina Prudenskaya hat sechs Lieder daraus gesungen (La maja dolorosa Nr. 1 und 3, El tra-la-la y el punteado, La maja de Goya, El mirar de la maja und El majo discreto.). Auch hier geht es wieder um Verlust, Liebe und Schmerz. Prudenskayas warmer Mezzosopran ist wie geschaffen für diesen leidvollen und intensiven Gesang. Als Zusage gab es eine  Carmen-Arie.

Der spanische Komponist Enrique Granados starb übrigens im Ärmelkanal, als ein deutsches U-Boot 1916 die französische Kanalfähre Sussex torpedierte. Granados selber, schon gerettet, stürzte sich nochmals in Meer, um seine Frau herauszuholen. Beide sind ertrunken. Auf Einladung des US Präsidenten Woodrow Wilson waren sie auf dem Weg in die USA, um im Weißen Haus einen Klavierabend zu geben.

 

cmb

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

Candide an der Komischen Oper

Lederhosen, Reifröcke, Rettungswesten, Federboas und eine Weltkugel

Auf der Suche nach der besten Welt!

Im 17./18. Jahrhundert war der Anspruch von Leibniz in der „Besten aller möglichen Welten“ zu leben Teil der philosophischen Diskussion. Dieser Lehrsatz geriet auch mit dem Erdbeben von Lissabon ins Wackeln und wurde von Voltaire heftig mit Gegenargumenten belegt, dazu gehörte eben auch sein scharfzüngiger Roman Candide oder der Optimismus. Ein Absurdum, das es zu zerlegen galt.

Hier lässt er den jungen, unschuldigen Westfalen Candide – einen reinen Tor – auf eine Initiations-Weltreise gehen, d.h. er wird vom Vater seiner Liebsten Kunigunde in die Welt gejagt, besteht unzählige Abenteuer, übersteht Todesurteile, Kriege, Seuchen und sogar die Inquisition. Begleitet wird er auf seiner wirren Reise von seinem ehemaligen Lehrer und unverbesserlichen Philosophen Dr. Pangloss, teilweise von einem Kapitän und einer alten Frau, die auch mal aus besseren Verhältnissen in die Armut abgerutscht ist. Manchmal reich, manchmal arm und mittellos, verliert Candide nie den Mut, zweifelt allerdings manchmal und immer öfter am Guten im Menschen und wird selbst zum Mörder des heuchlerischen Großinquisitors, der Kunigunde als Liebessklavin gefangen hält. Candide sucht unermüdlich nach Kunigunde, die ihrerseits verschleppt und verkauft von Montevideo, Surinam, Venedig über Holland und Bulgarien unterwegs ist und immer mehr dem Glamour zu verfallen scheint. Irgendwann nach vielen Irrungen und Wirrungen finden sie sich wieder, doch die Liebe ist nur noch Illusion, Kunigunde trachtet nach Geld und Gold, bleibt aber dann bei ihm, um gemeinsam den Garten zu bestellen und Brot zu backen.

Die neue Produktion von Bernsteins Comic Operetta „Candide oder der Optimismus“ ist vielseitig, schrill und einfallsreich, auch wenn Barry Kosky durchaus mal auf Einfälle oder Gags zurückgreift, die sich schon bei anderen, früheren  Produktionen als erfolgreich hervorgetan haben. Kosky hat für diese Produktion das Kostüme-Arsenal der Komischen Oper geplündert, dafür wenig sonstige Dekoration auf die Bühne gestellt.

Der bissige und zynische Voltaire schrieb die roadmovie-Aufklärungs-Satire Candide 1759 als Kritik an den deutschen, weltbejahenden Philosophen. Bernsteins Musik dazu nach einer Idee von Lillian Hellmann entstand fast gleichzeitig wie der Boadway-runner West Side Story, als eine Art  Hommage an die europäische Musikgeschichte.

Seit dem Jahre 2000 liegt nun endlich eine Fassung vor, die Voltaires Brillanz einigermaßen auffängt oder sich an ihr messen kann.

Das Böse existiert, mehr noch, es gehört zum Leben wie ein Vanilleeis oder ein Stück Butterkuchen. Bernstein brauchte ja nur jeden Tag die New York Times aufzuschlagen, um dies immer wieder bestätigt zu bekommen. Musste er doch selber zeitweise während der McCarthy Zeit auf seinen Pass verzichten. Musikalisch springt er auch hier von einem Stil zum anderen und kaum hat man sich an den schnulzigen Walzer gewöhnt, poppen Tango-Töne oder Jazz-Elemente hervor. Über 30 Jahre hat sich Bernstein mit dem Candide-Thema befasst. Die Uraufführung 1956 im New York City Theater war ein ziemlicher Reinfall, vor allem wegen Lillian Hellmanns Libretto, die es nicht schaffte, Voltaires satirisches Niveau aufleben zu lassen. Viele Jahre später wurde die Operette in ein Musical verwandelt. Dieses Mal konnte die Premiere am Broadway große Erfolge vorweisen mit dem neuen Libretto von Hugh Wheeler von 1982.
Musikalisch verlangt Candide so allerhand von den Sängern, vor allem Kunigundes Koloratursopran ist sehr anspruchsvoll. Bernstein hat seinerzeit die Rolle für Christa Ludwig geschrieben.

Voltaire selber begleitet die Reise und kommentiert die Geschehnisse – zwischendurch wird er immer mal zu Dr. Pangloss. Franz Hawlata, verfällt ins Österreichische sobald er die Voltaire Perücke abnimmt und ist sehr überzeugend. Nicole Chevalier ist eine großartige Kunigunde, leicht, tanzend und singend. Wunderbar auch Allan Clayton als Candide, der beeindruckende Tanzszenen aufs Parkett legt und sich zum Schluss bei Kosky über die körperliche Anstrengung beschwert.  Chor, Solisten und Ballett einwandfrei bei der Aufführung am 3.2.2019.

Die Deutsche Fassung von Martin G. Berger entstand 2017.

Christa Blenk

Siehe auch:

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

Violetter Schnee

Zeitgenössisches Opern-Highlight vor einem bruegelschen Meisterwerk

Fast hört es sich an wie der aktuelle Wetterbericht in Bayern und Österreich nach den Weihnachtsferien. Schnee und noch mehr Schnee und alle, die nicht in dieser Schneelandschaft wohnen, wollen hin, um diesen Ausnahmezustand mitzuerleben, wollen eingeschneit sein, um später darüber reden zu können.

IMG-20190204-WA0000
(c) Sebastian Blenk

Im Auftrag der Staatsoper Berlin hat der Schweizer Komponist Beat Furrer „Violetter Schnee“ nach einem Text von Händl Klaus basierend auf einer Vorlage von Vladimir Sorokin komponiert. Mitte Januar 2019 fand die Welturaufführung in der Staatsoper statt.

Die Welt befindet sich in einer Art Endzeit, die Apokalypse naht. Fünf Menschen, zwei sehr unterschiedliche Paare und Jacques, sind von ihr abgeschnitten, irgendwo in den Bergen vielleicht, und es hört einfach nicht auf zu schneien. Das Zeitgefühl geht verloren, die Flocken rieseln leise durch die ungemütliche Stille auf die Welt. Ein « Viaggio a Reims » im Schnee. Es geht um Schweigen, um Trennung, um Verlust, um Fremdsein und Fremdwerden – aber immer piano, nur die Musik tobt mit eisigen, klirrenden Klängen dazu, keine Wohlfühloase, obwohl durchaus leichter aufzunehmende Arien unterbrechen.

Die Geschichte passiert im und vor Bruegels Bild „Die Jäger im Schnee“,  es entstand 1565 und hängt im Wiener Kunsthistorischen Museum.  Am Anfang entsteht es im Großformat vor der Bühne, wird erkenntlich, dann langsam transparent, bis man hinter dem Bild Menschen im Museum vor dieser berühmten Schneelandschaft stehen sieht, die es gerade betrachten.

 IMG-20190204-WA0003IMG-20190204-WA0002
(c) Agi Blenk

Während Martina Gedeck fast hilflos einzelne Szenen auf dem Gemälde beschreibt, dabei nach Wörtern sucht, singen die fünf Darsteller in unterschiedlichen Gemütszuständen und  in 1950er Jahre Kostüme von Ursula Kudrna gewandet, vor sich hin. Das Gemälde ist viel mehr als eine Schneelandschaft. Die Farben Weiß und Grau dominieren, Wolken verdecken die Sonne, alles ist zu- oder eingefroren. Die Jäger kommen mit ihren Hunden und einer Beute nach Hause, eine alte Frau sammelt Reisig, Kinder laufen Schlittschuh. Claus  Guth hat das Bild fragmentiert und jede Szene zum Leben erweckt. So müssen sich immer wieder einzelne Personen aus dem Bild in das phlegmatische Geschehen mischen, ohne dass es jemand wahrnimmt. Unbeteiligt bewegen sie sich in Zeitlupe von einer Seite der Bühne zur anderen. Zwei Parallelgeschichten passieren hier. Dann bewegt sich die Bühne nach oben, ins Freie, dort hadert Jacques auf einer Bank, er erkennt die Sprecherin Tanja als seine verstorbene Ehefrau. Träume werden eingeblendet und wir erfahren, wie sich seine Frau am Rande einer fröhlichen Geburtstagsfeier das Leben nimmt.

Das Ende näher sich ganz langsam, sprachlos eigentlich und die Flocken wirken gar nicht bedrohlich, das bedrohliche ist die Stille, die Langsamkeit,  die Sprachlosigkeit. Zum Schluss eine kalte Sonne oder irgend ein anderer Planet – immer weiter weg, unerreichbar und verloren im Universum.

Großartige Solisten wie Anna Prohaska, Elsa Dreisig, Gyula Orendt, Georg Nigl und Otto Katzameier leisten übermenschliches. Bei dieser Musik gibt es kein Netz oder keine Melodie, an der sie sich orientieren können. Die letzte Vorstellung in dieser Spielsaison am 31. Januar hat Furrer selber dirigiert.

Rasender Applaus.

Schnee
(c) Philipp Blenk

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

Tannhäuser

Kirsten Harms hat diesen Tannhäuser für die Deutsche Oper inszeniert. Die Aufführung am 20. Januar 2019 war bereits die 45. seit der Premiere am 30.11.2008. Zu diesem Zeitpunkt war Harms noch Intendantin und Hausherrin der DOB.  Bei der  Aufführung am 20.1. war das Publikum eher wohlwollend und spendierte viel Applaus.

Wallendes Botticelli-Blondhaar, mal offen mal aufgesteckt, je nachdem ob Allison Oakes die lockend-lüsterne Venus oder die keusch-heilige Elisabeth singt und spielt. Sie bewerkstelligt diese anspruchsvolle und fordernde Doppelrolle ziemlich gut und textverständlich.  Stimmsicher trällert sie die Tonleiter rauf und runter. (Bei der Premiere hat Nadja Michael gesungen).

Die Ouvertüre wird von einem von oben auf die Bühne schwebenden Metallritter begleitet. Der Blechmann schwebt in eine Art Jungbrunnen mit geklonten, blonden Schönheiten, die immer wieder rheingoldmässig auf- und untertauchen. Eine komplette blaue, glitzernde  Blechritter-Armee soll von nun an die Vorstellung begleiten. Sie sind irgendwie immer präsent, auch wenn sie keine Rolle spielen und verbreiten kalten Anti-Minnesänger-Minimalismus. Passend dazu schwerfällige und kompakte  Pferde aus glitzerndem Stahl, die entweder nach Rom reisen oder zur Jagd gehen.

Der Lazarett-Saal, in dem die kranken Pilger vor sich hin sterben, erinnert an Herheims Bayreuth Parzifal. Elisabeth irrt zwischen den Betten hin und her, als suchte sie jemanden. Bis sie selber unter so einem weißen Laken endet, um sich kurz darauf als lockende Venus aus den weißen Linnen zu schälen.

Peter Seiffert, der an diesem Abend anstelle von Simon O’Neill den Tannhäuser sang, war ein Glückstreffer. Elegante, weiche Samtheit und mächtige Bühnenpräsenz zeichnen ihn aus. Seine Karriere hat eben mit Tannhäuser an der DOB begonnen. Ante Jerkunica ist Landgraf Hermann, Markus Brück singt Wolfram von Eschenbach und Attilio  Glaser Walther von der Vogelweide.

Der Chor wie immer großartig und perfekt. Am Pult mit dem Orchester der Deutschen Oper Berlin Sebastian Weigle.

Die Uraufführung der Dresdner Fassung fand am 19. Oktober 1845 in Dresden statt, nachdem Wagner in Paris mit seinem Tannhäuser bei der Premiere durchfiel und es deshalb nur zu 4 Vorstellungen kam. Dies hatte er u.a. seiner Eitelkeit zu verdanken, weil er sich weigerte den obligatorischen  Ballet-Akt um 22.00 Uhr einzubauen (im zweiten Akt – so gerade nach dem Abendessen, wenn dann die Mitglieder des bourgeoisen aber eher unkultivierten « Jockey Club » die Oper betreten um nette Balletmädchen zu sehen). Wagner trotzt,  bringt die Balleteinlage schon im ersten Akt und sorgt auch noch dafür, dass der Club davon erfährt.  Dies sollte sich als großer Fehler herausstellen, denn der Jockey Club rächte  sich bitterlich. Die Oper wird ausgepfiffen und als « Reinfall » abgestempelt, obwohl kultiviertere Kreise dies anders sahen.

Jacques-Gabriel Prod’homme weist in seinem Aufsatz « Le Wagnérisme en France » auf eine Erwähnung in der « Revue musicale de Paris » vom 25. Mai 1833 hin:  »Leipzick: Les nouveautés les plus importantes qui ont été entendues dans les concerts des souscription sont: …. et une symphonie par M. Richard Wagner, dans laquelle on a trouvé un mérite remarquable, quoique l’auteur soit à peine âgé de vingt ans » (sonst ist er auch schon mal Robert Wagner, M. Wagener  genannt worden). 

Trotz dieser Niederlage gilt das Jahr des Tannhäuser-Skandals, 1861, als die Geburtsstunde des französischen « Wagnérisme ». Auf der einen Seite wurden seine Aufführungen boykottiert, während auf der anderen die Wagner-Euphorie ständig wuchs.

Christa Blenk

s.a. Artikel über Wagner und Verdi

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

Highlights 2018

Liebe Leserinnen und Leser,

Wie schon in den vergangenen Jahren kommt hier ein Rückblick auf die kulturellen Highlights 2018 in Berlin und anderswo.

Begleitet und illustriert werden die Berichte dieses Mal von Fotos der französischen Atlantikküste.

 

vendee2 (1)
 Le Gois 

 

Mehr als 300.000 Menschen von Berlin bis Neuseeland haben Barrie Koskys amüsant-absurde und gewöhnungsbedürftige Produktion für die Komische Oper von Mozarts Zauberflöte in der Inszenierung der britischen Theatergruppe 1927 gesehen und diese Mischung  aus Zeichentrick- und Action-Stummfilm meist gemocht, obwohl sie Mozarts große Oper auch ein wenig verrät!   2017 war von dieser Gruppe Petruschka hier in Berlin auf der Bühne zu erleben.

Entdeckt hatten wir die Zehlerdorfer Hauskonzerte schon 2017. Aber auch im vergangenen Jahr brachte die Hausherrin von der Glasharfe bis zu Schubert ganz unterschiedliche Künstler zu sich in das musikalische Wohnzimmer und überraschte das Publikum mit ihrem Programm immer wieder.

 

Vendée2013-März 433

 

Bildhauerinnen der Moderne war der Titel  einer Ausstellung im Kolbe Museum, welches immer wieder die spannendsten Kombinationen in den schönen Ausstellungsräumen am Berliner Stadtrand zusammenstellt. Die  Ausstellung Zarte Männer in der Skulptur der Moderne läuft noch bis Februar 2019. Die Ausstellungsszene in Berlin ist ja sonst eher mager und das Angebot an Ausstellungen ist sehr verbesserungsfähig. Das Bröhan Museum brachte im ersten Halbjahr eine Sammelausstellung « Berliner Realismus » und nach dem Sommer eine Schau über  Georg Grosz  - beides durchaus erwähnenswert. Der Hamburger Bahnhof versuchte mit einer kleinen Ausstellung über Otto Müller  das Fehlen (Umbau immer noch nicht fertig) der Neuen Nationalgalerie aufzufangen. Diese Ausstellung läuft noch bis März 2019. Erwähnenswert auf jeden Fall die Ausstellung Leben ist Glühn mit Bildern des deutschen Expressionisten Fritz Ascher (1893-1970), die in der Berliner Villa Oppenheim und im Museum Potsdam zu sehen waren.

Ansonsten ist hier das Portrait über die Künstlerin Schirin Fatemi für KULTURA EXTRA zu lesen und ein langer Bericht über eine großartige Ausstellung im Grand Palais in Paris über Kupka.

„Banned Art“ sollte die Ausstellung, die 1938 in London als Antwort auf die Ausstellung „Entartete Kunst“ in München organisiert wurde, ursprünglich heißen. Um ihr aber das Politische zu nehmen, nannte man sie schließlich nur  « Twentieth Century German Art« . Angeblich sollen über 300 Exponate für diese Schau nach London geschickt worden sein. Gezeigt werden konnten  – aus Platzgründen – schließlich nur 270 Werke. Eine so große und bedeutende Ausstellung deutscher moderner Kunst  hatte es bis dahin in England noch nicht gegeben. Die Villa Liebermann am Wannsee hat mit sehr viel weniger Werken aber guten Texten, die Ausstellung nochmals aufleben lassen.

 

Vendée2013-März 430

 

Mit Das Wunder der Heliane und Die tote Stadt  gab es von dem in Österreich geborenen Komponisten Erich Wolfgang Korngold  gleich zwei sehenswerte Produktionen in Berlin. Korngold ist aber heutzutage vor allem wegen seiner vielen Preise für Filmmusik in Hollywood bekannt.

Aus der Begegnung im Jahre 2009 von Robert Wilson und Arvo Pärt im päpstlichen Wartesaal in Rom ist Adams Passion entstanden. Nacho Duato war 2018 schon auf dem Sprung das Staatsballett vorzeitig zu verlassen. In der Komischen Oper wurde nochmals eine seiner besten Produktionen « Herrumbre » aufgeführt.

Abgelöst wurde er im Sommer 2018 von Johannes Öhmann. Sasha Waltz wird in diesem Jahr die Ko-Direktion übernehmen. Öhmann Einstieg hätte besser nicht sein können mit der Doppelproduktion Celis – Eyal. Rauschender Applaus und viel Vorfreude auf Zukünftiges – vor allem von Eyal!

 

Vendée2013-März 145

 

Die Premiere von Benjamin Britten « The turn of the screw  fand schon vor fünf Jahren in der Staatsoper statt und kann seitdem immer wieder das Haus füllen. Britten komponierte die Oper 1954  nach einer Erzählung von Henry James. Hans Werner Henze fühlte sich ein wenig als kleiner Bruder von Britten. Ein großartiges Erlebnis im Herbst war die Aufführung von Hans Werner Henzes  Werk « El Cimarron » in Gelsenkirchen in einer Produktion von Michael Kerstan, das im Rahmen der Konzertreihe „Musik erzählt von Freiheit“  im Kulturraum Die Flora in Gelsenkirchen aufgeführt wurde. Diese Reise von Berlin ins Ruhrgebiet hat sich allemal gelohnt.

Im März verzauberte das Freiburger Barockorchester mit Pergolesis Intermezzo la serva padrona“ das Berliner Publikum. Passend dazu gab es in der Fenice in Venedig « I tre Gobbi » - Commedia dell’arte pur. Auch Rossini liebte es, sich bei der Commedia dell’arte zu bedienen und das hat Katharina Thalbach mit dem Barbier von Sevilla sehr ernst genommen.  Der Theaterregisseur Jan Bosse legte mit Rossinis « Il viaggio a Reims » in der Deutschen Oper eine Punktlandung, bei der fast alles stimmte, hin. Eine geniale Interpretation des Wartens!

 

Vendée2013-März 653
 Austernsteg in der Vendee

Aber um Warten ging es auch bei Salvatore Sciarrinos neuer Oper « Ti vedo ti sento mi perdo » . Harrte man aber in Reims geduldig aus, um endlich von einem Ort wegzukommen, so lässt Sciarrino die Künstler während der Generalprobe einer Stradella-Oper im Palazzo Colonna  auf den Maestro selber warten.

Auf eine eine Heimweh-Reise schickte uns der argentinische Komponist und Bandeonist Daniel Pacitti mit einem gelungenen Konzert in der Philharmonie « Viaggio in Argentina ». Im Vorjahr brachte er das Luther Oratorium « Wir sind Bettler » als Auftragsarbeit auf die Bühne.

Die Neuköllner Oper enttäuscht eigentlich nie. Mit  « Welcome to Hell »  hat sie den umstrittenen G 20 Gipfel von Hamburg aufgearbeitet und mit Wolfskinder  das Humperdinck Märchen Hänsel und Gretel neu erzählt. Das Original dieser Kinder-Erwachsenen Oper wurde im pünktlich zur Weihnachtszeit und alle Jahre wieder in der Staatsoper aufgeführt. Eine weitere beeindruckende Produktion war Kreneks Oper Der Diktator.

 

Vendée2013-März 112

 

Olafur Eliasson ließ erboste Götter und nachtragende Frauen über einen Star Wars Himmel donnern und zauberte so ein modernes Versailles für Rameaus Hippolythe et Aricie. Ein französisches Opern Pasticcio präsentierte mit « Les beaux jours de l’amour » (die schönen Tage der Liebe) der französische Dirigent Raphael Pichon mit einem Programm aus Opern von Rameau und Gluck .

Den 200. Geburtstag von Jacques Offenbach (1819 – 1880) feierte die Komische Oper mit einer neuen Produktion der Oper „Blaubart“ . Stefan Herheim führte Regie und versuchte, die Kult-Inszenierung von Felsensteins wieder aufleben zu lassen, die  zwischen 1963 und 1992 knapp 400 Mal zur Aufführung kam.

 

vendee2 (6)
 Salzland

Marie Bäumer spielt Romy Schneider bei einem Kurzaufenthalt in der Bretagne. Drei Tage in Quiberon heisst das Opus. Auch der Film Transit spielt in Frankreich, aber während des Krieges, und diese Zeit ist auch Protagonist bei dem sehr gelungenen Film Der Trafikant.  Ballon basiert auf einer wahren Begebenheit und kam Ende September 2018 in die deutschen Kinos. Sechs Jahre hat der Regisseur und Produzent Michael Herbig daran gearbeitet und mit einzelnen Familienmitgliedern oder Hauptprotagonisten gesprochen. Der Film beschreibt die Flucht 1979  in einem selbst gebauten Heißluftballon von  der DDR in den Westen: an Bord die Familien Strelzyk und Wetzel.

Die Beelitzer Heilstätten animieren dazu, erneut den Zauberberg zu lesen. Ein Besuch über die Glienicker Brücke zur Villa Schöningen hingegen bringt den Spion der aus der Kälte kam wieder auf den Nachttisch. Wer Thomas Mann und John le Carre aber nicht mehr lesen mag, kann sich mit der Hauptstadt  von Robert Menasse vergnügen, hier wird die Europa-Hauptstadt Brüssel aufs Korn genommen.

In der Villa Schönigen waren 2018 übrigens auch die Kostüme für den Bayreuther Lohengrin zu sehen, die das Künstlerpaar Rosa Loy & Neo Rauch entworfen hatte.

Leo Janácek hat sich mit seinem Spätwerk „Die Sache Makropulosmit dem Thema « Alt werden oder Jung bleiben müssen » befasst, beeindruckt und inspiriert von einem damals ganz neuen Theaterstück von Karel Capek

Michael Thalheimer hat Brechts „Kaukasischen Kreidekreis“ am Berliner Ensemble, mit großartigen Darstellern  inszeniert und minimalisiert. So ganz ohne Bühnenbild und viel Elektro-Guitarre.  Beeindruckend auch Karin Henkels  geschlechterlose Interpretation der Drei Schwestern.

Zum Dezember gehört auch das Weihnachtsoratorium  und besinnliche Kirchenkonzerte wie sie sie zum Beispiel die  Gemeinde der Sophienkirche organisiert.

 

vendee2 (16)

 

Dies ist nur eine Auswahl unter vielen anderen Artikeln und Beobachtungen! Und jetzt kann das neue Jahr mit vielen neuen Ausstellungen und Musikveranstaltungen beginnen.

Alles Gute!

cmb

Fotos (c) Christa Blenk

hier die links zu den blog-Highlights der vergangenen Jahre

Highlights 2017

Highlights 2016

Highlights 2015

Highlights 2014

 

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

 

Concerto Italiano im Pierre Boulez Saal

Am 6. Januar 2019 gab das Concerto Italiano unter Leitung von Rinaldo Alessandrini ein Gastkonzert im Pierre Boulez Saal.

Thema war das « Vielstimmige Liebeslied » und auf dem Programm  standen italienische Madrigale zwischen Marenzio und Monteverdi.

Die Solisten Monica Piccinini und Sonia Tedla (Sopran), Andres Montilla (Alt), Luca Cervoni und Raffaele Giordani (Tenor) und Gabriele Lombardi (Bass) und die Instrumentalisten  Craig Marchitelli und Udo di Giovanni (Theorbe) spielten und sangen  in gewohnter Perfektion und Einfühlsamkeit Werke von norditalienischen Komponisten, die um 1600 fast ausschließlich in Mantua und Ferrara gewirkt hatten. Denn dort saßen die großen Herrscherfamilien Gonzaga und Ferrara, deren Ehrgeiz es war, Dichter, Musiker und Philosophen an ihren Hof zu holen und zu fördern. Sie alle übten sich in der hohen Kunst der Madrigale. Neben dem großen Claudio Monteverdi (1567-1643) wurden Werke von hier nicht so bekannten Komponisten und Musikern wie  Luca Marenzi, Giaches de Wert, Pomponio Nenna, Luzzasco Luzzaschi und Sigismondo d’India aufgeführt.

Giaches de Wert hebt sich hervor, denn er  kam nicht wie die anderen aus Italien sondern aus Flandern und gelangte über Rom und Mailand nach Mantua an den Hof der Gonzaga. Dort wirkte er 30 Jahre als Kapellmeister. 230 fünfstimmige Madrigale liegen von ihm vor.

Den Schluss dieses ruhigen und so schönen Konzertes bildete Claudio Monteverdi, er kompononierte geistliche und weltliche Musik und eine der ersten Opern « L’Orfeo » überhaupt.

Rinaldo Alessandrini gründete den Ensemble Concerto Romano 1984 und bei der Interpretation von alter Musik und historischer Aufführungspraxis steht das Ensemble ganz vorne in der Rangliste. Unzählige Werke aus der Renaissance- und Barockmusik hat Alessandrini ausgegraben und  zur Aufführung gebracht. Die Musikwelt verdankt ihm vieles!

cmb

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

Orgelkonzert zum Jahresausklang

Musik.in.Sophien

Beim traditionellen Silvester-Orgelkonzert in der Sophienkirche am 31.12.2018 spielte dieses Jahr der junge Organist Daniel Tappe und kam mit einem anspruchsvollen und abwechslungsreichen Programm daher.

Mit einer Chaconne von Raymond Davelay (1926-2016) bis hin zum Capriccio sopra la bassa Fiamenga von Girolamo Fresocbaldi (1583-1643) stellte er seine große Bandbreite und Virtuosität unter Beweis. Von Max Reger (1873-1916) spielte er das Ave Maria op. 80, Nr. 5. Zwei Werke von J.S. Bach,  Präludium und Fuge GDur BMV 550 und Kommst Du nun, Jesu, vom Himmel herunter, BWV 650 gehörten natürlich auch zum nachweihnachtlichen Konzertprogramm. Weiterhin standen zwei Werke des Franzosen Jean Langlais (1907-1991), Thème et Variations sur un thème par Frescobaldi und Fête auf dem Programm sowie ein wunderbares Stück vom Olivier Messiaen (1908-1992) Prière après la communion.

Daniel Tappe studierte zunächst in Lübeck Kirchenmusik und Orgel bei Martin Haselböck, anschließend am renommierten Oberlin Conservatory of Music in Ohio/USA Orgel bei James David Christie, historische Tasteninstrumente, historische Aufführungspraxis und Musikgeschichte. Seine Studien schloss er 2007 mit dem Bachelor und Master of Music ab. Im gleichen Jahr erhielt er den Selby Harlan Houston Prize für besondere Leistungen in den Fächern Orgel und Musiktheorie. Während des Studiums wirkte Daniel Tappe als Organist und Chorleiter an der Christ Church in Oberlin und trat regelmäßig als Organist und Cembalist mit diversen Ensembles auf.  Nach Deutschland zurückgekehrt,  legte 2009 das Konzertexamen für Orgel bei Pier Damiano Peretti ab. 2007 und 2008 erlangte Daniel Tappe erste Preise bei internationalen Orgelwettbewerben in Biarritz (Grand Prix André Marchal) und Bad Homburg vor der Höhe (FUGATO Festival).   Zahlreiche Meisterkurse bei den großen Namen der Orgelwelt, wie zum Beispiel Olivier Latry, Marie-Louise Langlais und Harald Vogel, runden seine Ausbildung ab. Quelle: Konzertprogramm

cmb

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

Der Barbier von Sevilla in der Deutschen Oper

Sommer, Sonne und ein Theaterwagen

Die Premiere dieser Produktion der Deutschen Oper Berlin von Gioacchino Rossinis Oper „Der Barbier von Sevilla“ fand schon 2009 statt und wurde kurz vor Jahresende 2018 zum 65. Male aufgeführt. Katharina Thalbachs Inszenierung hat nichts an Frische und Genialität verloren.

Gioachino Rossini (1792-1868) hat im Jahre 1805 seine erste und 1839 seine letzte Oper geschrieben. Dazwischen entstanden 39 Opern im Schnellverfahren. Rossini war eine Produktionsmaschine und sah sich nicht als genialen Komponisten sondern als Kunsthandwerker. Die einen schnitzten Kochlöffel oder Möbel und er komponierte eben Opern. Dieser Zustand war aber bis Anfang des 20. Jahrhundert  gar nicht unüblich und der Grund, warum immer wieder Musikpartien, Ouvertüren oder Arien, die sich schon mal bewährt hatten, erneut in andere Werke aufgenommen wurden. So reaktivierte er die Ouvertüre für den Barbier zum dritten Mal, nachdem sie sowohl bei „Aureliano in Palmira“ und bei  „Elisabetta, Regina d’Inghilterra“, dem Publikum gefielen. Er hatte außerdem nur ein paar Wochen Zeit, die Oper fertig zu stellen. Das Teatro Argentina in Rom erteilte dem 23-jährigen Rossini diesen Auftrag. Im Dezember unterschrieb er den Vertrag, mit dem er sich verpflichtete,  für die kommende Karnevalsaison eine komische Oper zu liefern. Weder gab es zu dieser Zeit ein  Libretto noch hatte man sich über die Sänger Gedanken gemacht. Den geplanten und vertraglich festgelegten Uraufführungstag am  5. Februar 1816 schaffte Rossini zwar nicht, aber am 20. Februar war es dann soweit!  Rossini selber stand am Pult und musste miterleben, wie diese Aufführung in einem Fiasko ausartete. Das Publikum, lachte, applaudierte, spottete, einer der Sänger fiel während der Vorstellung  aufs Gesicht, eine Katze lief zwischen den Sängern herum und jemand ging unter eine Leiter durch. Professionelle, bezahlte Störer unterbrachen die Sänger und randalierten. Katharina Thalbach hat auch diese Anekdote mit aufgenommen und lässt einen Demonstranten mit einem Schild über die Bühne laufen, auf dem dieser anbietet, schon  für 19 Euro stören zu können.

„Il barbiere di Siviglia“ oder „Der Barbier von Sevilla“ heißt im Originaltitel „Almaviva oder die nutzlose Vorsicht“. Das Libretto hat Cesare Sterbini auf der Grundlage des gleichnamigen Schauspiels von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais geschrieben. Für den Musikkritiker Charles Osborne ist das Werk eines der besten komischen Opern überhaupt.

Die Commedia dell’Arte war immer ein beliebter und umfangreicher Ideengeber für die Opera buffa, bei der es ebenfalls meist drei Kategorien von Protagonisten gab:

Da waren zum einem die « innamorati » (die Verliebten) – diese trugen generell keine Masken. Dann die « vecchi » (die Alten) – hierzu gehörten der dottore oder der capitano. Letztere waren dazu verdonnert, von den « zanni » (den schlauen Dienstboten – in der Commedia dell’Arte wären das Colombina oder Harlekin) betrogen und ausgenutzt zu werden, um den „innamorati“ zu helfen.  Die „vecchi“ und die „zanni“  trugen traditionell Masken.  Erst Carlo Goldoni wollte dieser Art Theater entgegentreten und seriöse, richtige Stücke zu schreiben. Sein Gegenspeiler war Gozzi.

Der rasante Musik- und Handlungsaufbau, großartige Belcanto-Verzierungen und schwierige Koloraturen verlangen viel von den Sängern und dem Orchester. Wunderbar Jana Kurucová (Rosina), Noel Bouley (Bartolo), umwerfend Samuel Dale Johnson (Figaro), Mathew Newlin (Graf Almavia), Flurina Stucki (Berta) und James Platt (Basilio). Sie brachten großartige Stimmen, schauspielerisches Talent, Witz und Temperament und die nötige Situationskomik mit und haben sich mindestens so wie das Publikum amüsiert. Guido Maria Kretschmer hat sie allesamt in wunderbare, zum Teil auch an die Commedia dell’Arte angelehnte, Kleider gewandet.

Katharina Thalbach hat die Handlung an einen spanischen Badeort verlegt. An den Nebenschauplätzen tummeln sich Touristen in den Cafés und sonnen sich im Bikini auf Strandtüchern. Der obligatorische Esel samt Bauer torkelt über die Bühne. Im Hintergrund werden gerade die Café-Tische im Freien aufgebaut, Souvenirläden öffnen ihre Läden und bieten Zeitungen oder Schwimmflügel zum Kauf an.  Ein Luxusauto fährt auf die Bühne und blockiert den Traktor, der von der anderen Seite kommt und den Handlungsort, Bartolos Haus, auf die Bühne bringt. Und dort wird sich dann auch fast alles abspielen. Die Bewohner der Häuser im Hintergrund beschweren sich manchmal über den Lärm, als Graf Almaviva  in Begleitung einer zwielichten Gruppe von Straßenmusikanten sein Leid über seine unerfüllte Liebe zu Rosina klagt. Bartolo ist Rosinas Vormund. Er will sie bald heiraten und lässt sie deshalb nicht auf die Straße. Der einzige Mann, der ins Haus darf ist Basilio, denn bei ihm bekommt Rosina, sie scheint auch Schauspielerin zu sein, Gesangsunterricht. Mit Hilfe von Figaro, dem Barbier, überlistet Graf Almaviva  den Alten und dann passieren bis zum lieto fine eine Reihe von lustigen Verwirrungen und genialen Entwirrungen, die mit originellen und witzigen Einfällen sängerisch, tänzerisch und schauspielerisch präsentiert werden.

Katharina Thalbach hat diese Produktion voll im Geist der Commedia dell’Arte inszeniert und daraus eine moderne SITCOM gemacht, angefüllt mit einfallsreicher Situationskomik, feinem Witz und zahlreichen Überraschungen.

Dieser Abend verspricht Spaß und gute Laune pur.

cmb

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

Hänsel und Gretel

Märchen sind grausam

Eigentlich sollte es nur Musik für ein Puppenspiel als Geschenk für seine Schwester werden. Heute zählt Engelbert Humperdincks Werk zu den beliebtesten Opern, die vor allem um die Weihnachtszeit jedes Jahr unzählige Kinder mit der Musik bekannt macht. Die Uraufführung fand 1893 in Weimar statt.

Spielerisch leicht hört es sich an, zumal wir alle diese samtig-geistreichen Ohrwürmer  auch schon im Kindergarten gehört und gesungen haben, dann wird es aber wieder theatralisch-grüblerisch und phantasiereich.  Eine Mischung aus einfachem Kinder-Sing-Sang und pastoraler Sinfonie-Romantik. Farbenfroh und angsteinflößend. Immer wieder lehnt er sich an Wagners Musik an, zitiert ihn. Er selber hat sein Werk ein Kinderstuben-Weihfestival genannt, welches Humperdinck den Opern-Durchbruch möglich machte.

Es funkelt und leuchtet, spiegelt und glitzert. Am Ende der Bühne lassen verschiebbare Bäume den Dirigenten sehen, der sich dankend verbeugt. Achim Freyer hat Elemente aus der Staatsopern-Zauberflöte und Katharina Wagners Meistersinger-Inszenierung vereint, und Hänsel und Gretel mit Pappmaché Köpfen ausgestattet. Hier zollt Humberdinck über Freyer seinem Lehrer Wagner eine hommage. So winken und nicken sich die beiden mit ihren übergroßen Köpfen über die Bühne, tanzen, spielen und singen.

Die naschende Katze wie auch der Hunger-Koch, der als große, weiße Gestalt mit Augen- und Bauchloch herumläuft, sind sehr gelungen. Die Hexe ist ein Mann, nicht buckelig und hat einen wurstigen Mund und Kuchenaugen, eine Kaffeetasse auf dem Kopf und eine geschmacklos lange Salami-Nase. Das Hexenhaus ist viel zu klein und der stibitzte Lebkuchen darf auch kein rotes Herz sein. Ansonsten tummeln sich witzige Fantasiefiguren über die Bühne. Aber warum steht da Revolution am Ende?

Das Märchenspiel in drei Bildern von Engelbert Humperdinck entstand 1893 nach einer Dichtung von Adelheid Wette, basierend auf dem Märchen der Gebrüder Grimm. Bei Original setzen die armen Eltern ihre Kinder Hänsel und Gretel im Wald aus, weil es nicht genug Essen zu hause gibt.

Bei Humperdinck werden die egoistischen Kinder von der Mutter zum Erdbeerenpflücken geschickt, weil sie wieder mal böse waren und beim Spiel den Kochtopf zerbrochen haben. Nachdem sie den selbt-gepfückten Erdbeeren für die Mutter nicht widerstehen können und sie allesamt vertilgen, ist es Nacht und sie finden den Weg nicht mehr nach Hause. Der Sandmann kommt und singt sie in den Schlaf. Die Kinder träumen vom Zirkus und von Akrobaten und anderen schönen Dingen bis sie aufwachen und vor dem Lebkuchen-Haus der Hexe vom Ilsenstein stehen. « Knusper, Knusper, Knäuschen, wer knappert an meinem Häuschen » ? « Der Wind, der Wind, das himmlische Kind ». Zuerst fällt die Hexe darauf herein aber schließlich landen die beiden  doch hinter Gittern und werden von der Hexe gemästet, damit sich diese bald ein Festmahl gönnen kann. Das ist Kannibalismus pur. Aber Hänsel ist schlau, und streckt der Hexe immer ein Holzstäbchen anstatt seinem Finger hin, denn er will einfach nicht zunehmen.

Zum Schluss gibt es ein Happy End. Die Kinder töten die böse, gefräßige Hexe und finden nach Hause, wo sie von glücklichen Eltern empfangen werden.

Sängerisch und musikalisch sehr schön und einwandfrei.  Am Pult am 27. Dezember 2018 Christopher Moulds. Katrin Wundsam sing Hänsel und Adriane Queiroz Gretel. Arttu Kataja und Marina Prudenskaya sind die Eltern und Jürger Sacher die Knsuperhexe.

cmb

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

Die tote Stadt

Erich Wolfgang Korngold (1897-1957)  galt als Wunderkind und für den großen Puccini war er die neue Hoffnung am europäischen Musikhimmel. Schon mit 11 Jahren komponierte der das pantomimische Ballett „Der Schneemann“. Irgendwo zwischen Spätromantik und moderner Klassik, brachte ihm seine Hauptoper „Die tote Stadt“ 1920 viel Ruhm ein. 1934 ging er aus politischen Gründen und auf Einladung von Max Reinhardt nach Hollywood und komponierte von dieser Zeit an vor allem sehr erfolgreich Filmmusik. In Los Angelos starb er dann auch im Alter von 60 Jahren und konnte zu dieser Zeit mehrere Oscars und Nominierungen für Filmmusik vorweisen.

Im Dezember hatte die  Komische Oper Berlin sein frühes Meisterwerk Die tote Stadt auf dem Spielplan. Entstanden ist dieses Werk nach dem Roman von George Rodenbach „Bruge la morte“.

Der Kanadier Robert Carson hat das Werk als  psychologisches Hollywood Epos inszeniert und zitiert den amerikanischen Glamour der Tanzmusicals mit Ginger Rogers oder Rita Hayworth der 40er und 50er Jahre aber auch Alfred Hitchcock. Durchaus nachvollziehbar, wenn man an Korngolds Hollywood-Karriere denkt.

Im Pult feierte der neue GMD Ainārs Rubiķis seinen Einstand und ging mit dieser heftigen Musik gut um, obwohl die Sänger sich dann und wann die Bühne vom groß besetzten Orchester zurückerobern mussten. Celesta und Harfe kamen aus den oberen Seitenlogen dazu.

Paul hat sich nach Brügge zurückgezogen, um sich dort nach dem Tod seiner geliebten Frau nur noch ihrem Andenken zu widmen. Seine  »Kirche des Gewesenen« ist ein Schrein der Erinnerung. Er lebt in einer unrealistischen Vergangenheit, umsorgt nur von seiner Magd Brigitta. Eines Tages begegnet  er auf der Straße der Tänzerin Marietta. Sie sieht seiner Frau zum Verwechseln ähnlich und Paul verfällt ihr sofort. Er erkennt die Chance, die tote Geliebte ins  Leben zurück zu holen. In der Folge vermischen sich Traum und Wirklichkeit. Gequält von Eifersucht nach einem Hollywood-Auftritt Mariettas mit ihren Kollegen-Verehren – darunter auch sein Freund Frank – erwürgt er Marietta mit  den Haaren der Verstorbenen.

Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Warum ist seine Frau verstorben und hat er Marietta wirklich getötet?

Carson hat die Anfangsszene in ein gut bürgerliches, mit kostbaren Möbeln ausgestattetes Schlafzimmer verlegt, dort befinden sich auch der Schrein, unzählige Fotos der Toten und deren Haare.  Für die Beerdigung mit schwarzen Regenschirmen öffnet sich der Raum nach draußen. Dann schwebt Marietta von oben auf einem Leuchter sitzend auf die Bühne herab und vermischt sich mit einer glitzernden Tanzgruppe. Sehr schöne Choreografie von Rebecca Howell, vor allem die Probe des dritten Aktes von Meyerbeers „Robert der Teufel“ , die in das Werk eingebaut ist. Beeindruckend die Prozession im dritten Akt mit zehn Madonnenfiguren, die das Blau von Maries/Mariettas Schal aufnehmen. Im letzten Akt erdrosselt Paul die sehr provozierende Marietta, aber auch dies nur ein Traum?

In der Schlussszene kommen Pauls Freund Frank und Brigitta in weißen Ärztekitteln in den Raum und fordern ihn auf, sie doch zu begleiten und die Stadt zu verlassen. Vielleicht begleiten sie  ihn aber auch in eine psychiatrische Einrichtung!

Textverständliches Singen hat man etwas vermisst. Marietta/Marie (Sara Jakubiak) war großartig in der Rolle einer femme fatale und hat das schauspielerische mit dem sängerischen mit großer Natürlichkeit vereint. Sehr sauber Aleš Briscei (Tenor) als Paul. Marie Fiselier singt Brigitta und Günter Papendell ist Frank.

cmb

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

Weihnachtskonzert in der Sophienkirche

Am 23. Dezember 2018 organisierte die Akademie für Alte Musik Berlin ein Konzert in der Sophienkirche in Berlin. Konzertmeister Bernhard Forck präsentierte ein ansprechenden Programm mit wunderbaren Musikern.

Von Georg Friedrich Händel (1685-1759) spielte das ausgezeichnete Ensemble zwei Concerti grossi (Nr. 6,3 und 6,11), zwei Concerti (von Antonio Vivaldi (1678-1741)  und das Concerto grosso f-Moll von Pietro Antonio Locatelli (1695-1764).

Händel komponierte zwei Serien von concerti grossi. Opus 6 besteht aus zwölf Konzerten. Sie entstanden im Herbst 1739 in Windeseile, geprägt von neuartigen Stilelemente und Vorbereiter der ankommenden Klassik. Hermann Hesse hat in seinem Steppenwolf das Concerto grosso in F-dur übrigens als Göttermusik bezeichnet.

cmb

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

Weihnachtsoratorium 2018

Zwischen 1734 und 1735 in der Weihnachtszeit wurde das Weihnachtsoratorium (BWV 248) abwechselnd  in der Nikolaikirche und der Thomaskirche  in Leipzig zum ersten Mal aufgeführt. Sechsteilig für Soli, gemischten Chor und Orchester wird es seitdem in der Weihnachtszeit – oft in Teilen – gespielt und gesungen.  Es beruht auf der Geburt Jesu Christi in Bethlehem, die Anbetung der Hirten und dem Besuch der drei Weisen. Eine Kantate pro Weihnachtsfeiertag, eine für Neujahr und für Epiphanie.

Bach hat sich für sein Oratorium selbst kopiert und schon vorhandene Musik dafür erneut bearbeitet und benutzt. Dies war aber in der damaligen Zeit durchaus üblich und nicht verpönt. Oft hatte es auch den Hintergrund, schöne Partien nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, aufnehmen konnte man die Musik ja nicht.

Am 22.12. führte die Berliner Bach Akademie unter Leitung von Heribert Breuer Teil I und II im Kammermusiksaal der Philharmonie auf. Ergänzt durch die Echo-Arie aus dem Weihnachtsoratorium Teil IV – Flösst mein Heiland und einer Streicher Fantasie in G-Dur. Die ausgezeichneten Solisten waren Catalina Bertucci (Sopran), Britta Schwarz (Alt), Daniel Johannes (Tenor) und Philipp Jekal (Bass).

 

 

cmb

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

Hippolyte et Aricie – in der Staatsoper

Erboste Götter und nachtragende Frauen im Star Wars Himmel

Es funkelt, glitzert und Spiegel vervielfältigen jedes Bild. Während Laserstrahlen das Theater durchqueren, breitet sich Rauch über den Zuschauern aus, der von Groll und Blitzen begleitet wird.  Im Versailles zu Zeiten der Könige Ludwig XIV und XV gehörten Spezialeffekte unbedingt dazu und die verwöhnten französischen Barockkönige hätten die Inszenierung dieser Rameau Aufführung sicher befürwortet, denn extravagant und außergewöhnlich mussten die Unterhaltungen der Herrscher sein.

Die Gefangenen im Hades tragen vergitterte Laserkugeln auf den Häuptern und Diana hat sich einfach eine  Satellistenschüssel auf den Rücken gebunden, um ihre Köcher aufzubewahren während Phädra als Prisma über die Bühne schreitet.

Eine Spätfassung von Jean Philippe Rameaus erster Oper „Hippolite et Aricie“ , die 1757 entstand (Urfassung ist aus dem Jahre 1733) war der Höhepunkt der Barocktage Berlin. Die Oper zählt zu den Klassikern der französischen Barockmusik  und brachte hier hohes musikalisches Niveau auf die Bühne. Am Pult Simon Rattle mit dem Freiburger Barockorchester. Der Konzept-Künstler Olafur Elliasson entwarf die Lichtinstallation; Aletta Collins Regie und Choreographie. Reinoud Van Mechelen (Hippolyte), Anna Prohaska (Aricie), Magdalena Kožená (Phèdre), Elsa Dreisig (Diane), Roman Trekel (Tisiphone) .

Diese Spätfassung ist ein wenig stringenter und  kürzer und verzichtet auf  langweiliges Beiwerk. Die  im französischen Barock sehr wichtigen Tanzeinlagen kamen aber auch hier nicht zu kurz, wobei Collins das Niveau nicht bis zum Schluss durchhalten konnte und es an Ideen mangelte. Die Premiere fand am 25.11.2018 statt.

Magdalena Kožená war eine rachsüchtige und bösartige  Phädra, Anna Prohaska – leicht erkältet am 2.12. – als Aricie stilsicher und kuschelig warm, Reinoud Van Merchelen als Hippolite überzeugend und als einziger textverständlich singend.  Und das Freiburger Barockorchester ist bei der Alten Musik in Deutschland eh nicht zu übertreffen.

Nur ein Teil des Publikums konnte mit der Uraufführung 1733 etwas anfangen. Für die konservativen „Lully-Liebhaber“ war Rameau einfach zu modern. Außerdem war die Oper zu lang  und schwer verständlich für weite Teile der damaligen Gesellschaft. Das  Libretto hat Abbé Simon-Joseph Pellegrin verfasst und sich vor allem auf die Liebesgeschichte von Hippolytos und Arikia aus der griechischen Mythologie konzentriert. Racine hat das Thema nach Euripides später behandelt.

Phädra war die kleine Schwester der Ariadne, jene, die den König von Athen Theseus seinerzeit mit dem berühmten Faden ausstattete, damit er den Weg aus dem Labyrinth heraus wieder finden konnte, in welches er sich begab, um den Minotaurus zu töten.
Bei dieser Gelegenheit hat Theseus wohl Phädra kennen gelernt und sie zu seiner zweiten Frau gemacht. Dieser findet aber eher Gefallen an ihrem Stiefsohn. Als sich nun Theseus wieder auf ein Abendteuer begibt, um seinen Freund Peirithous aus der Unterwelt – dort wird dieser festgehalten, weil er Proserpina, die Frau des Hades, entführen wollte -  zu befreien, beschließt Phädra die Gelegenheit zu nutzen, und Hippolyte zu verführen. Hierbei stand ihr natürlich Aricie, die Tochter des getöteten Königs Pallas, im Wege und musste vom Hof verbannt werden. Aricie, die Hippolite liebt und er sie,  kommt in den Tempel der keuschen Diana-Priesterinnen.
Phädra liegt gerade mit Hippolite im Clinch als Theseus wider Erwarten aus der Hölle zurückkommt – er hat hierfür den zweiten Wunsch eingelöst (Neptun hatte ihm drei Wünsche zugesagt) – und ist entsetzt, versteht nun aber, warum Pluto ihm androhte, zurück aus der Hölle eine andere Hölle zu Hause vorzufinden. Da Theseus aber nicht seinen Sohn töten möchte, bittet er Neptun darum, dies zu übernehmen der prompt ein großes Seemonster schickt. Erschüttert durch das was sie getan hat, gesteht Phädra nun, dass nicht Hippolite sie verführen wollte sondern umgekehrt. Und nun tritt Diana wieder auf das Parkett. Sie, die Jagdgöttin, die Hippolite vor dem Tode bewahrt hatte,  macht ihn zum König der Wälder und gibt ihm seine geliebte Aricie zurück.

Christa Blenk

PS Auch Hans Werner Henze hat sich mit dem Thema beschäftigt. Seine Konzertoper « Phädra » wurde 2007 mit dem Ensemble Modern und einem großen Staraufgebot in der Staatsoper Berlin uraufgeführt. Auch hier übernahm Olafsur Eliason das Bühnenbild und die Spiegelgeschichte hat er 2018 wiederholt.

I Tre Gobbi – Teatro La Fenice

P1070534
Acqua Alta in Venedig

 

Der große italienische Komödienschreiber Carlo Goldoni (1707-1793) schrieb das Libretto zu Vincenzo Legrenzio Ciampis Intermezzo musicale „La favola de tre gobbi“ (Die Geschichte der drei Buckeligen). Das Werk entstand 1749 in Venedig.

Michele Modesto Casarin (der auch selber mitspielt) und Alberto Maron haben in einer gemeinsamen Produktion des Teatro La Fenice, der venezianischen Theaterkompagnie Pantakin Commedia und dem Woodstock Teatro eine Bearbeitung in Anlehnung an die Musik von Ciampi ausgearbeitet und diese mit Ilenia Tosatto (Sopran), Andrea Biscontin (Tenor) sowie dem Ensemble Harmonia Prattica im November 2018 in der Sale Apollinee aufgeführt. Kostüme und Masken sind von Licia Lucchese und Roberta Bianchini.

Alessia D’Anna, Claudio Colobmo, Davide Dolores, Michele Modesto Casarin haben hier die  Commedia dell’Arte wieder aufleben lassen und mit viel Witz, Humor, Slapstick, Begeisterung und schöner Musik ein permanentes Lächeln auf die Gesichter der glücklichen Zuschauer gezaubert, das noch ganz lange in den Abend hinein angehalten hat.  

Zur Geschichte: Carlo Goldoni ist nicht gut drauf. Leicht angetrunken torkelt er auf die Bühne, er hat eine Schaffenskrise und vor allem Schulden, die fällig werden. Die Geldeintreiber Beccaferro und Tagliacarne, zwei trottelige Gesellen, stehen vor seiner Tür und drohen damit, seine Fußsohlen abzuschneiden, wenn er nicht endlich die Schulden, die er beim venezianischen Edelmann Grimani hat, zu begleichen. Da er aber nicht bezahlen kann, verspricht er, etwas zu schreiben und schindet so noch drei Tage Aufschub heraus. Seine Dienerin, Catte (großartig Alessia D’Anna), rät ihm, das Theater doch endlich sein zu lassen,  versorgt ihn aber vor dem wichtigen Projekt noch mit Rosolio. Goldoni, voller Schaffenseifer, widmet sich aber mehr dem Alkohol als den Wörtern und schläft die drei Tage durch, spricht: er verschläft seine Chance. Catte weckt ihn, als die Zwei wieder auftauchen. Eine wilde und köstlich gespielte Jagd beginnt und schließlich bekommt er nochmals eine Galgenfrist bis zum Abend. Catte erzählt ihm die Geschichte der drei Buckeligen und er schreibt sie direkt den Darstellern (die beiden Geldeintreiber und er selber) auf den Leib. So wird sein Schreibzimmer zur Bühne und Catte zu der vornehmen Madame Vezzosa, in die sich die drei Buckeligen verlieben. Dichtung, Realität und Komödie vermischen sich und Catte träumt von einer Karriere als Schauspielerin. Zum Schluss schlägt Goldoni vor, die Musik von Ciampi komponieren zu lassen.

P1070591

Mehr kann man von Volkstheater nicht verlangen!
Bravi.

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

 

Die Sache Makropulos

Alt werden wollen oder jung bleiben müssen oder umgekehrt – das ist hier die Frage.

Die Unsterblichkeit samt ihrer Tücken ist und war für die Bühne immer ein dankbares Motiv. Leo Janácek hat sich mit seinem Spätwerk „Die Sache Makropulos“ auch damit befasst, beeindruckt und inspiriert von einem damals ganz neuen Theaterstück von Karel Capek.

Emilia Marty ist also 337 Jahre alt und macht immer noch alle Männer verrückt. Bei ihr waren es allerdings nicht die Errungenschaften der Medizin, die ihr das immer noch jugendliche Aussehen bescherten, sondern ein Zaubertrunk ihres Vaters Hieronymus Makropulos, seines Zeichens Leibarzt am Hof von Kaiser Rudolf II. Mitte des 16. Jahrhunderts. Für den sollte er nämlich eine Zaubertinktur entwickeln, die ihm ewiges Leben schenken würde. Da Rudolf aber nicht das Risiko einer Testperson eingehen wollte, wurde das Gebräu kurzerhand an des Zauberers 16-jähriger Tochter Elina Makropulos ausprobiert. Diese fiel direkt in eine längere Ohnmacht und der Doktorvater in den Kerker. Elina kommt aber nach einiger Zeit wieder zu sich und lebt seitdem, meist als gefeierte Sängerin und Femme fatale, durch die Jahrhunderte, bis sie 1922 in der Zeit der Neuen Sachlichkeit in Prag ankommt und dort wieder eine gefeierte Sängerin ist. Diese nicht alternde Heldin in Leos Janáceks Oper nimmt allerdings mit den Jahren einen kalten, menschenverachtenden Zynismus an, sie ist allein, denn alle ihre Freunde und Liebhaber sterben ständig weg und kann einfach von nichts mehr überrascht werden. Christof Hetzer hat Emilia Marty gekleidet, als ob sie gerade aus einem Bild von Georg Grosz oder Otto Dix gestiegen wäre. Die E.M.s aus früheren Jahren sind zeitweise auch gleichzeitig auf der Bühne anwesend, immer in ein prächtiges Kostüm der jeweiligen Epoche gewandet.

Aber eigentlich geht es mit einem fast 100-jährigen Prozess los, der in einem Büro stattfindet, das eher an eine Anstalt erinnert. Die Familien Prus und Gregor liegen in einem Rechtsstreit. Die Lebensgeschichte von E.M. (denn all ihre Pseudonyme über die Jahre hinweg hatten diese Initialen) kommt dabei so peu à peu ans Tageslicht. Es geht um einen Erbprozess, zu dem sie wichtige Insider-Informationen beitragen kann. E.M hat aber ein anderes Problem,  ihre Zeit läuft ab und sie braucht unbedingt die Notizen Ihres Vaters, um jung und fit weiter leben zu können. Dieses Geheimrepezt befindet sich aber in einer Kommode im Haus von Prus. Als sie es schließlich in den Händen hält, ist aber die Luft raus und sie will es nicht mehr und versucht, es – erfolglos – an die Nachwuchssängerin Krista weiter zu reichen. Die fünf anderen E.M.s verschlingen gierig das Papier mit der Formel und aus.

Umgeben ist Emilia – außer von Krista – die ganze Zeit nur von Männern, die alle etwas von ihr wollen:

Die großartige Evelyn Herlitzius singt die Emilia Marty der 1920er Jahre, glaubwürdig und überzeugend und ständig auf der Bühne. Die Kritiken nach der Premiere 2016 waren sich allesamt einig, dass ihr dieser Part auf den Leib geschneidert ist. In Sekundenschnelle schlüpft sie von der Rolle eines gefühllosen Ungeheuers zu einer gerissenen oder sentimentalen Lebedame. Wie in einer Kriminalgeschichte wird so ganz nebenbei ihr Inkognito gelüftet. Wichtigstes Beweisstück ist ein Autogramms, das sie der jungen Krista gibt. Und geistig springen und schnell lesen muss man auch, um nicht den Faden zu verlieren, wenn dann wieder von Elian MacGregor oder der Zigeunerin Eugenia die Rede ist. Die Oper hat sehr viel Text und gesungen wird in tschechischer Sprache

David Hermann und Christof Hetzer haben schlichte, kalte Bilder entworfen, die meist im Gegensatz zu den opulenten Kostümen der Renaissance und Barockzeit stehen. Ein wenig dekadenter Stuck, abblätternde Farbe an den Wänden oder kalte Bauhaus-Liegen bilden die Kulisse. Die Wände flimmern und signalisieren, dass die Zeit vergeht..

Am Pult vor dem Orchester der Deutschen Oper Berlin stand am 22.11.2018 Marko Letonja.

Uraufführung fand 1926 in Brünn statt.

cmb

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 
12345...17

Auteur

eborja

Aktuelles in Berlin

Berlinische Galerie - Kunst der Novembergruppe Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin MALER. MENTOR. MAGIER. Otto Mueller und sein Netzwerk in Breslau Kolbe Museum - Zarte Männer

letzte Artikel

Archives

Visiteurs

Il y a 1 visiteur en ligne

Instagram

Suivez-nous

Besucher

Nebel am Bach

Nebel am Bach

(c) Agi Blenk


LES PEINTURES ACRYLIQUES DE... |
ma passion la peinture |
Tom et Louisa |
Unblog.fr | Créer un blog | Annuaire | Signaler un abus | L'oiseau jongleur et les oi...
| les tableaux de marie
| création