Archives pour la catégorie Art



Romantik und Moderne

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Das Kupferstichkabinett besitzt knapp 12000 Arbeiten (Zeichnungen, Ölskizzen, Zeichnungen, Radierungen) darunter unglaubliche Schätze von allen bedeutenden Malern, die natürlich nicht permanent gezeigt werden können.

Abwechselnd werden deshalb Themenausstellungen organisiert, wie zur Zeit die Ausstellung « Romantik und Moderne » Zeichnung als Kunstform von Caspar David Friedrich bis Vincent van Gogh.

Viel ist passiert im 19. Jahrhundert. Die Industrialisierung und die Fotografie, Entdeckungs- und Forschungsreisen und Erfindungen haben auch die Kunst ganz entschieden beeinflusst und beschäftigt. Die Welt ist schneller geworden dadurch.

Die Ausstellung, die noch bis Mitte Januar 2017 zu sehen ist, zeigt knapp 130 Werke die allesamt aus der eigenen Sammlung stammen. Werke von Caspar David Friedrich, Carl Blechen, Schnorr von Carolsfeld, Menzel, Overbeck, Karl Friedrich Schinkel auf der einen Seite und die französischen Symbolisten wie Odilon Redon oder Vincent Van Gogh aber auch die Pointilisten auf der anderen.

Beeindruckend Werk und Leben von Eduard Hildebrandt. Ausgestellt ist seine « Reise um die Erde ». Ein Bilder-Tagebuch seiner Forschungs-Weltreisen, ganz im Sinne von Alexander von Humboldt.

Der in Danzig geborene Hildebrandt (1818 – 1868) kam als 20jähriger nach Berlin und lernte verschiedene Ateliers und Maler kennen. Seine erste Studienreise ging auf die Insel Rügen; zwei Jahre später bereiste er England und Schottland – fasziniert vor allem von der Küste. 1841 reiste er nach Paris und bekam Unterricht bei Eugène Isabey. Zwei Jahre später durfte er sich mit einem Bild beim Pariser Salon beteiligen und gewann den ersten Preis. Wieder zurück in Berlin unterstützte ihn Alexander von Humboldt bzw. der preußische König Friedrich Wilhelm IV  um nach Brasilien und Nordamerika reisen zu können. See- und Landschaftsbilder und Lichtstudien waren sein Haupt-Interessensgebiet. Nach seiner Rückkehr nach Berlin kaufte der königliche Hof einen Großteil seiner Bilder und Hildebrandt wurde Königlich Preußischer Hofmaler. In dieser Funktion ging er wieder auf Reisen. Zuerst nach London, weiter nach Madeira, auf die Kanarischen Inseln, Spanien und Portugal. 200 Aquarelle konnte er nach dieser Reise vorweisen, die wieder alle der preußische König erwarb. Für die Bilder Ein Blick ins Meer und Abend auf Madeira wurde er 1850 mit einer weiteren Goldmetaille geehrt. Seine vierte Reise führte ihn über Italien nach Ägypten, Syrien, Palästina, Türkei und Griechenland und auch diese Ausbeute ging nach seiner Rückkehr nach Berlin größtenteils an den preußischen Königshof. Allerdings kauften diesmal auch Zar Nikolaus I und die Fürstin zu Sayn Wittgenstein Werke von ihm. Ein paar Jahre später trat er seine fünfte Reise an, wieder vom Hof gefördert,  die in diesmal in die Schweiz und nach Österreich führte. Bei seiner Rückkehr wurde er Mitglied der Akademie und bekam einen Lehrauftrag der es ihm erlaubte, 1856 bis zum Nordkap zu reisen.

Hildebrandts letzte Kunstreise 1862 wurde  wieder eine Weltreise von der er 300 Aquarelle und Zeichnungen mitbrachte. In der Ausstellung sind vor allem Ölskizzen und Zeichnungen die in Ägypten und Asien entstanden sind zu sehen.

Allein schon, um diesen heute doch recht unbekannten Maler kennen zu lernen, lohnt sich ein kurzer Besuch im Kupferstichkabinett.

Auch die anderen ausgestellten Maler reisten, aber meistens kamen sie nur bei Italien und ließen sich dort verzaubern und wandelten auf den Spuren der Renaissance wie Overbeck z.B. oder die Nazarener in Olevano Romano.

Christa Blenk

 

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Kontraklang: Nach Kagel

Sprechmusik, Peinlichkeit, Heilkräuter und ein heiserer Wanderer

Kontraklang hat am 15.12.2016 das Konzert „Nach Kagel“ im Heimathafen Neukölln organisiert. Ein Konzert, das dem Publikum viel mehr als nur Interesse oder Freude an der zeitgenössischen Musik abverlangte.

 

Kontraklang: Nach Kagel
Dorrit Bauerecker spielt Viscum album -
 © »mutesouvenir | kb«

 

Der deutsch-argentinische Komponist Maurizio Kagel (1931-2008) war einer der zeitgenössischen Komponisten, die das 20. und 21. Jahrhundert entscheidend mitgeprägt haben.  Ab den 1950er Jahren nahm er regelmäßig an den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik teil, 1957 ließ er sich in Deutschland nieder und war ab 1960 Dozent in Darmstadt.  Mit einem anderen borderliner, Wolf Vostell, organisierte er ab 1968 akustische und visuelle Happenings. 1969 folgte er Stockhausen in Köln nach. Kagel dirigierte viele seiner Werke selber oder war sonst irgendwie beteiligt und das war auch gestern Abend bei seinen Schülern und den Schülern von seinen Schülern so.

Diese stellten im Heimathafen einige ihrer Werke, die dem Genre Instrumentaltheater, Sprechgesang und Experimentalmusik angehören, vor.  Mimik, Gestik, Aktionen, Bewegungen, Noten, Wörter, Töne und natürlich auch Musikinstrumente kamen zum Einsatz.  Polizeischutz wie 1971 vor der Hamburger Staatsoper bei der Uraufführung von Kagels Staatstheater brauchten dessen Schüler gestern natürlich nicht, aber das 3 ½ Stunden-Happening haben nicht alle Zuhörer bis zum Ende erlebt.

Vor allem die endlosen Piano Sonaten Nr. 17 und 18 von Chris Newman, die Mikhail Mordvinov interpretiert, bringen uns an unsere Grenzen. Dabei hört es sich ganz und gar nicht zeitgenössisch an oder gerade deswegen. Beethoven ist herauszuhören und alte Songs von den Kinks wie Lola. Newman will einfach nicht, dass der Zuhörer sich wohl fühlt, deshalb gibt er ihm einen Beethoven, dessen Noten er vorher zerstückelt hat und die beim Zusammenbauen ihre Seele einbüßen mussten.

Zwischendurch hat die großartige Akkordeonistin Dorrit Bauerecker sehr expressiv immer ein paar Takte aus Viscum Album, das ihr Lehrer Manos Tsangaris komponierte, gespielt und einmal auch unzählige Heilkräuter heruntergesagt oder vielleicht das Zauberrezept einer Hexe verraten!? Viscum album ist die Weiße oder Weißbeerige Mistel. Davon hätten wir auch gern ein paar Takte mehr gehört.

Witzig und originell Neele Hülcker, sie gehört zur zweiten Nach-Kagel-Generation. Copy myself #2 für Stimme, Elektronik und Projektion heißt ihre Arbeit und dafür hat sie  umgekehrt, d.h. rückwärts abgespielte Tonbandaufnahmen aus ihrer Kindheit nachgeplappert und wieder aufgenommen. Dann vor dem Publikum den Grad der Peinlichkeit und der Nervosität, inklusive Temperatur, Puls und Blutdruck gemessen und dies auf einem online-Formular festgehalten. Die Peinlichkeit ist, verrät sie uns, von Mal zu Mal bedeutungsloser. Sie hat ihr Kunstwerk schon in der U5, unter einer Brücke, am Meer oder im Museum aufgeführt. Kagel wäre sicher stolz auf sie gewesen.

 

Kontraklang: Nach Kagel
Neele Hülcker – copy myself #2
©»mutesouvenir | kb«

 

Ähm Me, Hm (I) And M – Versuchsanordnung für vier Sprechende von Barblina Meierhans, ebenfalls eine Schülerin von Tsangaris, war ein Gespräch zwischen vier Personen, die sich – trotz Einsatz von Gesten und Gebärden – einfach nicht finden wollen und abgegrenzt von einander bleiben.

Von Manos Tsangaris hat der Klarinettist Theo Nabicht ein Stück für Kontrabassklarinette (und zwei Bierflaschen)„So Slow“ aufgeführt. Hierzu gehören insistenter Stimmeinsatz und Meckern aus dem Zuschauerraum, das erstmal sehr echt wirkt und der Störer sich böse Blicke einfängt – auch vom Klarinettisten. Tsangaris (*1956) ist ein echter Kagel-Schüler und Teilnehmer auf den einschlägegen zeitgenössischen Musikfestivals. 2016 hat er die künstlerische Leitung der Münchner Biennale als Nachfolger von Peter Ruzicka übernommen. 2015 war er Gast in der renommierten Villa Massimo in Rom.

Nicolas Kuhn (1989) war Schüler von Tsangaris in Dresden; arbeitet aber auch mit Helmut Lachenmann und anderen zeitgenössischen Größen zusammen. Er interpretiert und dirigiert oft seine eigenen Werke. Gestern  hat er das aufregende und sehr virtuoses Klavierstück „4“ vorgetragen und im Anschluss mit Stellenwort für Plattenglocke ein regelrechtes Studium von Klängen und Tönen durchgeführt. Mit einem Wattepad, einem Pulli, einer Kuhglocke, einem Stift oder weitere auf einem Tisch bereit stehende Gegenstände kreiert er auf der Plattenglocke alle möglichen Klänge, Un- oder Nichtklänge. 2014 entstand auf seine Initiative das Gegenklang-Orchester für seltenes Repertoire.

 

Kontraklang: Nach Kagel
Nicolas Kuhn  mit der Plattenglocke 
© »mutesouvenir | kb«

 

Der erste und letzte Beitrag war je ein Lied von Chris Newman (*1958). Ist das Sprechgesang oder Musiksprechen oder  irgendetwas dazwischen ?

Chris Newman ist ein experimenteller Grenzgänger und Tausendsassa und eigentlich mit Niemandem zu vergleichen. Dichter, Schauspieler, Künstler, Komponist, Performer und Provokateur natürlich. So wie er Leinwände zerschneidet und sie wieder irgendwie zusammenschustert hört sich auch sein Gesang an. Schlurfend kommt er auf die Bühne, zieht  zuerst seine Jacke und dann seine Schuhe aus und bring das Publikum genau dorthin wo er es haben will – nämlich raus aus dem Raum (gefühlt). Seine Darbietung ist eher ein konzeptionelles Kunstwert als Musik,  das erste Lied  Tree Tops,  hat irgendwie an Schubert denken lassen und der Abschiedssong « Wizzes » könnte auch aus den drunken songs seines Landmannes Purcell stammen. Er wirkt wie ein ganz müder und verbrauchter Wanderer, obwohl er noch keine 60 ist. Aber auch das gehört zu seiner Kunst und was soll man denn nach Kagel sonst machen?

Kontraklang hat hier eine Truppe von Komponisten und Protagonisten auf die Bühne gebracht, die uns auf jeden Fall sehr beschäftigt hat.

 

“If they can take it for ten minutes, then we play it for fifteen,” I’d explain. “That’s our policy. Always leave them wanting less.” (Warhol and Hackett, Popism, 193).

 

Christa Blenk

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Lutherstadt Wittenberg

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Martin Luther (Auszug aus dem Cranach Gemälde Der Reformationsaltar – Predella) um 1548

 

 

Vor 500 Jahren, 1517, hat Martin Luther (1463-1546 in Eisleben), Mönch und Theologieprofessor  seine 95 Thesen zum Ablasswesen an die Schlosskirche zu Wittenberg genagelt. Dort, im Wittenberger Kloster, kam ihm auch die Erleuchtung. Sein Turnerlebnis sollte die Welt, nicht nur die gläubige, verändern und die Reformation auslösen.  Ein Jahr später ist er dann auch gleich nach Rom vorgeladen worden. Schon  1516 hatte Luther öffentlich gegen die Ablasspraxis gepredigt.

Im 16. Jahrhundert war die kleine Stadt Wittenberg, die seit 1938 offiziell Lutherstadt Wittenberg heißt, kulturelles, geistiges und politisches Zentrum. Martin Luther, Philipp Melanchthon, Lucas Cranach d.Ä. waren alle Drei nicht aus Wittenberg, sollten aber zum Ruhm dieser Stadt einen entscheidenden Beitrag leisten.

Im Jahre 1502 wurde auf Betreiben von Friedrich dem Weisen die Universität Wittenberg gebaut, die sich sehr schnell zum Anziehungspunkt für Künstler und Intellektuelle entwickelte. Cranach kam 1505 in die Stadt, Luther 1508. Angetrieben u.a. auch durch die Buchdruckerkunst  erlebte die Stadt einen schnellen wirtschaftlichen und intellektuellen Aufschwung. Luthers Thesenanschlag 1517 und die Konsequenzen daraus zogen noch mehr Gelehrte und Studenten an und die Universität wurde zu einer der fortschrittlichsten überhaupt.  1518 kam Philipp Melanchthon in die Stadt.  Das Rom der Protestanten wurde Wittenberg auch genannt.

Gemälde von beiden Cranach (dem Älteren und dem Jüngeren) oder aus deren Werkstatt hängen in der Stadtkirche St. Marien, im Lutherhaus oder im Melanchthon Haus. Fast alle bekannten Portraits von Luther oder Melanchthon hat Cranach d.Ä. gemalt.

 

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Reformationsaltar von Crananch d.Ä. um 1548

 

Die bedeutendsten Werke sind wohl in der Stadtkirche zu finden. Darunter Cranachs großes Reformations-Triptychon : Der Reformationsaltar. Es beschreibt auf dem linken Seitenflügel eine Taufe, die Melanchthon gerade ausführt und bei der ihm der Maler Cranach assistiert. Auf dem rechten Flügel nimmt  der Stadtpfarrer und Beichtvater von Luther,  Johannes Bugenhagen, ihm gerade die Beichte ab, zu seinen Füßen ein Büßender. Der Mittelteil  zeigt die Sakramente, Taufe, Beichte und Abendmahl. Luther sitzt als Junker Jörg mit am Tisch und bekommt gerade einen Becher Wein gereicht. Auch weitere Personen sind identifiziert wie der Lutherbibel Verleger und Drucker Lufft. Neben Christus links im Bild sieht man Judas in Gelb. Burg und Baum im Hintergrund. Der schönste und künstlerisch wichtigste Teil ist die Predella.  Man sieht rechts einen predigenden Luther  mit erhobener Hand. Er sieht jung aus, obwohl er bei Fertigstellung des Bildes schon nicht mehr lebte.

Man weiß nicht genau wann es entstand, wahrscheinlich um 1548; Luther ist 1546 verstorben.

Das Melanchthon Haus gehört ebenfalls zum UNESCO-Welterbe. Sein tägliches Leben ist dort zu sehen, sein Arbeitszimmer und die Unterkünfte für Studenten. Er lebte dort mit seiner Frau und seinen Kindern. Viele seiner Bücher liegen dort und wieder Portraits, die Cranach und Holbein gemalt haben.

 

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Melanchthon Haus
 

Lutherstadt Wittenberg muss sich nun allerdings beeilen, denn gerade jetzt ist das Lutherhaus wegen Renovierungsarbeiten  geschlossen.

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Schlosskirche (Thesen)

 

Christa Blenk

 

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Zarzuela – el mundo comedia es!

zarzuela

 

In der Bibliothek des Ibero-Amerikanischen Instituts in Berlin fand heute Abend die Eröffnung der Ausstellung über die Geschichte der Zarzuela statt.

Zarzuela ist spanisches Musiktheater vom Feinsten. Spitzbubenhafte Komödie, Folklore und populäre Romanzen verbunden mit spritziger Musik, opernähnlichen Arien, Temperament und guten Geschichten. Sie entstand im 19. Jahrhundert und wurde sowohl in Spanien als auch in Südamerika, vor allem in Argentinien, Mexiko aber auch in Kuba mit großem Publikumserfolg aufgeführt.

Über 1600 Exemplare – die zur Zeit digitalisiert werden -  besitzt das Ibero-Amerikanische Institut und hat damit eine einzigartige und einmalige Sammlung über die Zarzuela in Spanien und Übersee. Auf Hör- und Videostationen sind Fragmente von früheren aber auch neueren Produktionen zu hören, gesungen von internationalen Star wie Placido Domingo und Teresa Berganza.

 

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Plakate in der Ausstellung

 

Die Zarzuela entstand im Siglo de Oro, also im 17. Jahrhundert, als höfisches Singspiel in der Nähe von Madrid, im Pardo, wo sich König Philipp IV seinen Palacio de la Zarzuela, ein Jagdschloss, hat errichten lassen. Zarza bedeutet übrigens Dornenbusch. In diesem Schloß also wurden zur Unterhaltung nach der Jagd Komödien aufgeführt. Einer der Schöpfer war der Dichter Calderón de la Barca. Im 19. Jahrhundert entstand das Teatro de la Zarzuela in Madrid. Der Unterhaltungswert und die Popularität waren enorm, bis die italienische Opera buffa und der Film sie ein wenig in den Hintergrund drängten. Chapí, Chueca oder Arrieta sind einige der bekanntesten Komponisten. Im 20. Jahrhundert kehrte die Zarzuela zurück und ihre Wiederentdecker hießen Federico Moreno Torroba, Pablo Luna, Rafael Milán aber auch Granados oder Manuel de Falla waren sich nicht zu schade, sich diesem Musikgendre zu widmen. Der Bürgerkrieg war keine Zeit für Musik und es trat eine zweite Zarzuela-Flaute ein. Allerdings fanden  noch in den 80er und 90er Jahren in Madrid jeden Sommer in der La Corrala im Zentrum von Madrid Aufführungen der bekanntesten Zarzuelas statt. Man saß an Tischen mit Tortilla de Patata und Corizo und Apfelwein. Anlässlich der 500 Jahrfeiern der Entdeckung Amerikas boomte die Zarzuela ein zweites Mal.

 

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Carmen Celada – La Gran Via und La Revoltosa begleitet von Nikos Tsiachris

 

Bis zum 31. Januar können die informativen und originellen Plakate und die Zarzuela-Geschichte noch im IAI besucht werden; allerdings ohne den schönen Gesang der hinreißenden Sängerin, Carmen Celada, una castiza de Madrid, die am Eröffnungsabend, begleitet auf der Gitarre von Nikos Tsiachris, Kostproben ihrer Lieblingszarzuelas zum Besten ab:  « La Gran Via » oder « La Revoltosa ». Diese beiden Zarzuelas habe ich in den 80er Jahren in Madrid in den Sommeraufführungen der « Corrala » gesehen. Carmen Celada erzählte nach der Aufführung, dass sie als Kind zum ersten Mal in Madrid in « La Revoltosa » aufgetreten ist. Vielleicht haben wir sie ja bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal gesehen.

Carmen Celada ist Spanierin und hat bei ihrem Vater, dem Dirigenten Luis Celada, wie gesagt schon als Kind Zarzuela-Partien gesungen. Sie ist eine Vertreterin des spanischen und deutschen Kunstliedes und war Mitglied im Chor Capilla matritense. Seit sieben Jahren lebt sich in Berlin. Zu ihrem Repertoire gehören auch Jazz und Klassik.

Nikos Tsiachris ist in Griechenland geboren. Er wohnt seit 2005 in Berlin spielt Flamenco, Fado, Klezmer. Seine Diplomarbeit hat den schönen Titel „Die Traditionellen Lieder des Flamenco, Registrierung und Kommentare von 23 Liedern“. 2012 hat er die Flamenco-Jazz Quartett Rasgueo gegründet.

 

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Organisiert wurde die Ausstellung durch das Ibero-Amerikanische Institut – Preußischer Kulturbesitz. Kuratiert hat sie Stephanie von Schmädel, die auch eine kleine Einführung in die Geschichte der Zarzuela gab.

 

Christa Blenk

 

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Surreale Sachlichkeit

 

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Ausstellungsraum (Schad, Dix, Querner)

 

Solange die Neue Nationalgalerie noch geschlossen ist, werden an unterschiedlichen Orten in Berlin themenbezogen Bilder aus dieser gezeigt.

Im Hamburger Bahnhof ist gerade Kirchner zu sehen und im Scharf-Gerstenberg Museum noch bis zum 23. April 2017 die Ausstellung « Surreale Sachlichkeit » Werke der 1920er- und 1930er Jahre aus der Nationalgalerie.

 

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 Ausstellungsraum (re Otto Dix, Kinderbildnis)

 

Surreale Sachlichkeit scheint erstmal paradox. Geht es um Surrealismus oder um die Neue Sachlichkeit. Oder um den Surrealismus in den Bildern der Neuen Sachlichkeit?

Die in den 20 Jahre entstandene Bewegung Neue Sachlichkeit suchte eine Übertreibung der Realität, im Surrealismus wird die Realität verzerrt oder anders ausgelegt. Jedenfalls geht es um die Zeit zwischen den zwei Weltkriegen. Beide Bewegungen entstanden nach dem ersten Weltkrieg, zum Teil um den Horror dieses Krieges zu verarbeiten und beide Bewegungen waren Antworten auf die avantgardistische Moderne, wie auf den  revolutionären Kubismus, den beunruhigenden Futurismus oder den irrationalen Expressionismus, die in den ironisch-aggressiven 1920er Jahren schon wieder anachronistisch erschienen, eine Verleumdung des Expressionismus aufgrund eines Wunsches nach Ruhe und Ordnung, wie das Ernst Bloch nannte.

 

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 Die schwebende Mauer (Edgar Ende, 1933)

 

Und obwohl die Musik nicht mehr nur in Paris spielte (viele französische Künstler stellten in Berlin, München oder Köln aus) produzierten die Franzosen das erste surrealistische Manifest 1924; 1925 wurden in der Mannheimer Kunsthalle die ersten Werke mit dem Titel Neue Sachlichkeit vorgestellt. Die Psyche und eine Art verkappte oder zweideutige Realität hatten die Führung übernommen. In der Ausstellung werden sie nebeneinander oder nacheinander präsentiert und man erkennt, wie ähnlich sie sich sind oder wie gut sie sich ergänzen. Otto Dix oder Christian Schad sind dabei, aber auch viele weniger bekannte Künstler wie Fritz Burmann oder Alexander Kanoldt.

 

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Paar auf der Straße (Rudolf Bergander, 1931)

 

Max Ernst, Salvador Dali oder René Magritte ergänzen auf der Surrealistenseite die Wahrnehmungen, die nach dem ersten Weltkrieg bis zum Aufkommen der Nationalsozialisten die Geschichte von einem anderen Standpunkt aus erzählen. Die gesuchte oder vermeintliche Ruhe in den Bildern war trügerisch; der Witz der Surrealisten zweideutig!

 

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Grauer Tag (George Grosz, 1924)
 

Die Gemälde sind Bestände der Staatlichen Mussen zu Berlin, Nationalgalerie

Christa Blenk

 

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Reden ist nicht immer die Lösung – Omer Fast

Reden ist nicht immer die Lösung.

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Vorhersehbare Überraschung

Im Rahmen des Programms „Immersion. Analoge Künste im digitalen Zeitalter“ sind zur Zeit im Martin-Gropius Bau sieben Filmprojekte von Omer Fast zu sehen. Der israelisch-amerikanische Videokünstler verarbeitet in seinen Projekten Krieg, Gewalt, Sex, Erziehung und Zusammenleben.

Continuity entstand 2012, wurde auf der dOCUMENTA 13 gezeigt und dauert 40 geheimnisvolle, paradoxale Minuten. Ist der aus Afghanistan Heimgekehrte wirklich der Sohn, ober beginnt hier schon das kranke Ritual der immer wieder wechselnden Söhne (oder Liebhaber), die eigentlich bezahlte callboys sind und nach dem Auftrag verschwinden? Eine Bäckerei spielt eine bedeutende Rolle und ein tödlicher Unfall mit Unfallflucht (mit dem Auto der Eltern) verwirrt alles noch ein wenig mehr. Und dann fahren sie wieder die lange Waldstraße entlang bis zum Bahnhof, wo der nächste in den Wagen steigt. Irgendwie will man begreifen, was Sache ist und hofft auf den Schluss, der aber keine Klärung bringt.

Iris Böhm und André Hennicke spielen auch bei Spring die Eltern. Auf fünf  miteinander verbundenen Monitoren läuft der 44 Minuten-Thriller, bei dem sich die Geschehnisse mit Continuity vermischen. Ist es die Vorgeschichte, oder die Fortsetzung, der Film springt durch die Zeit. Omer Fast manipuliert uns hier und treibt den Zuschauer zu Vermutungen, die nicht bestätigt werden. Trotz brutalen Szenen ist es ein Film, der den beunruhigenden Frieden herbeisehnen soll.

Verlässliche Informationen gibt er uns – bewusst –  nicht, lockt aber den Besucher ständig auf falsche Fährten, um sich dann doch anders zu entscheiden. Es kommt eigentlich nie so wie man es erwartet und deshalb sind die Filme wieder vorhersehbar. Omer Fast ist sehr viel mehr Filmemacher als Videokünstler, jedenfalls in dieser Ausstellung.

Im Wartezimmer der Ausländerbehörde verarbeitet er Eigenerfahrungen und Selbsterlebtes. Vor den typischen Stühlen der deutschen öffentlichen Verwaltung und einem Getränkeautomat der außer Betrieb ist, laufen die Nachrichten über den Bildschirm. Den Sinn holt man aber nicht heraus, da es sich um zusammengestückelte Collagen aus Reportagen nach dem 9/11 handelt. Ein verwirrender „Information Overflow“ ohne Zusammenhang, der den Betrachter zur Konzentration zwingt, um nichts zu verpassen. CNN Concatenated entstand 2002 und dauert 18 Minuten.

Zwischen den Filmsequenzen je ein Warteraum, heller und erholsamer. In der Abflughalle steht ein verlorener Koffer in der Ecke, zu groß eigentlich für Handgepäck, geht uns durch den Kopf. Auf den Stühlen liegen verstreut zurückgelassene Zeitungen und das Journal des Martin-Gropius-Bau über die Ausstellung. Die Anzeigentafel informiert, dass der Flug nach Rom schon wieder gestrichen ist! Dafür läuft hier zur Unterhaltung der wartenden Passagiere der Film „5000 Fuß ist am besten“. Ein US Drohnenpilot wird über seinen Middle East Einsatz interviewt. Er hat Probleme damit, am Tod von Menschen schuld zu sein und muss auch wohl deshalb gleich zu seinem Arzttermin.

August ist sein neuestes Werk. Er hat den Film für diese Ausstellung im Gropius-Bau gedreht. Hier erzählt Omer Fast vom Leben des Kölner Fotografen August Sander, der von 1876 bis 1964 arbeitete und dessen Sohn in einem KZ ums Leben kam. Für diesen 3D-Film stehen Brillen zur Verfügung, die surreal durch Sanders Fotografen-Leben führen. Ein alter einsamer, fast blinder Mann tastet sich auf Schnüren mit Glöckchen durch seine Wohnung ins Freie. Nachts im Wald holt ihn immer wieder die Erinnerung ein. Unser Mitleidspotenzial wird hier strapaziert. Angeblich ist sein Sohn an einer Blinddarmentzündung gestorben, sagt ihm der Nazi-Offizier, den er portraitieren soll und der ihm versichert, wie sehr er sein Talent bewundere.  „In einer perfekten Gesellschaft würden wir sie alle herausschneiden, bevor sie aufmüpfig werden können“.  Er meint wohl die Blinddärme! Trost spendet ihm dieser Satz aber trotzdem nicht. Dieser Film ist seine poetischste und auch seine romantischste Arbeit; leidende Schubert-Musik begleitet die Szenen einer tristen Biografie.

Eine gut berechnete Gratwanderung zwischen Kunst und Kino, zwischen Fiktion und Realität, zwischen Dokumentation und Unterhaltungsfilm mit permanenten Zitaten der alten und neueren Kinogeschichte. Situationen wie sie Lars van Trier oder Pasolini hätten erfinden können, die uns aufgewühlt aus dem Saal entlassen. Momente der Erinnerung dringen in die Gegenwart ein, werden von verschiedenen Seiten dokumentiert und präsentiert und was letztendlich Wirklichkeit ist und was nicht, vermag man nicht zu unterscheiden, obwohl man instinktiv überzeugt ist, dass es wichtig wäre.

Die Filme laufen im loop und es ist ziemlich egal ob man sie von der Mitte oder aber irgendeiner Minute sieht.

Ach ja, der Titel ist der Ausstellung ist ein Satz aus einem der Filme; die Interpretation bleibt jedem selber überlassen – aber Reden ist nicht immer die Lösung!

 Omer Fast ist 1972 in Jerusalem geboren und in New York aufgewachsen. Auf der dOCUMENTA 13 und auf der 54. Biennale von Venedig wurden Arbeiten vom ihm gezeigt. Nach Einzelausstellungen  in New York, Amsterdam, in Stockholm, Montreal oder Barcelona ist dies seine erste große Schau in Berlin.

Omer Fast ist zusammen mit Clemens von Wedemeyer, der zur Zeit in Hamburg zu sehen ist, sicher einer der interessantesten, aktuellen Video- und Installationskünstler, wobei Fast noch einen Schritt weiter geht!

Christa Blenk

 

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Orte und Einfluß – Clemens von Wedemeyer

Orte und Einfluss

 

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Ausstellungsplakat

Erst beim zweiten Hinsehen bemerkt man, dass das, was man sieht, kein Foto ist.  100 Meter Entfernung machen aus den über einen Platz gehenden oder hetzenden Menschen wuselnde Lebewesen. Ene Drohne hat das fotografiert. Die nicht identifizierbaren Menschen bewegen sich, bleiben stehen, gehen weiter, warten auf Jemanden, versammeln sich. Wir wissen nicht woher sie kommen oder wohin sie gehen und es interessiert uns auch nicht. Handlungsort ist der Verbindungsplatz zwischen Alt- und Neubau der Hamburger Kunsthalle. Square heißt dieser Film von Clemens von Wedemeyer im ersten Saal der Hamburger Kunsthalle, wo seit dem 30. September seine wichtigsten und neuesten Film-Videoarbeiten aus den Jahren 2002-2016 zu sehen sind. Sie alle lösen auf ihre Weise eine Beklemmung aus und ersticken jedes Wohlfühlgefühl. Zukunftsvisionen oder Anlehnungen an Science Fiction Verfilmungen von Philipp K. Dick. Einsamkeit und Überwachung, Totalkontrolle in Grautönen.

Von Wedemeyer beschreibt in Filmen mit unterschiedlicher Länge die Geschichten von reellen Orten in der Gegenwart, Vergangenheit und in der Zukunft.  Esiod dauert 38 Minuten und ist eine Vision der Zukunft, genauer gesagt man schreibt das Jahr 2051. Eine junge Frau kommt nach vielen Jahren von irgendwo her zurück. Eine Computerstimme heißt sie Willkommen. Sie scheint verloren und erkennt ihr Umfeld wohl nicht mehr, kann sich nicht an alles erinnern. Aus einer Art U-Bahn kommend überquert sie einen Platz, der schon mal bessere Zeiten gekannt hatte. Sie wird von maskentragenden Polizisten kontrolliert und gelangt schließlich zu ihrer ehemaligen Bank. Dort findet sie nicht gleich den Eingang und zeigt – zum Glück – eine menschliche Regung: Ärger! Die Tür ist verschlossen. Aber kurz darauf trifft sie auf den Manager. Sie will ihre Identität und ihre Erinnerung zurück haben, ihr Persönlichkeitskonto auflösen, dazu muss sie sich anhand eines choreografischen Bewegungscodes – wie viele andere Bankkunden auch – identifizieren. Es geht also nicht nur um Geld, es geht vor allem um persönliche Daten, die sie der Bank anvertraute. Wie es scheint, hat die Digitalisierung sie hinter sich gelassen, sie war zu lange weg. Ein Space-Soundtrack unterstützt eine dumpfe Mahr, aber eher beim Zuschauer. Sie scheint relativ ruhig und gedopt den Problemen und Machtgefilden gegenüber zu stehen. Der Identifizierungsprozess endet in ihrer Defragmentation. Sie löst sich in staubähnliche Hologrammpartikel auf.

Eine Wiener Bank hat den Film in Auftrag gegeben und deshalb spielt er auch in Wien, allerdings ist der Wiener Schmäh nicht mehr auszumachen und blauer, nicht greifbarer Kälte gewichen.

 

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Esiod 2015 (2016)

Für Clemens von Wedemeyer (*1974)  ist es seine erste bedeutende und umfassende Ausstellung. Man muss viel Zeit mitbringen, denn die Filme sind alle relativ lang. Sun Cinema Projekt entstand 2010 und dauert eine knappe Stunde. Wedemeyers Beitrag für die  dOCUMENTA XIII, Muster, mit dem er 2012 international bekannt wurde läuft 3 x 27 Minuten und zeigt in drei Sequenzen Geschichte und Nutzung in den Jahren  1945, 1970 und 1994 des  ehemaligen Breitenau-Kloster bei Kassel. Die filmische Installation Basel Podest (2006) spielt in einem Fernsehstudio, in dem so einiges schief gelaufen sein dürfte. Umgefallene Möbel und Blutstropfen – aber alles ist Fake, wie bei der Truman Show.

Heute lebt und arbeitet von Wedemeyer in Berlin und Leipzig als Professor für Medienkunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst. 2013/2014 war er Stipendiat der Villa Massimo in Rom und hat dort im MAXXI „The Cast“, eine Reise durch das italienische Kino und Cinecittà präsentiert. Die alten Kinoklassiker werden immer wieder zitiert in seinen Arbeiten.

Der Übergang von der Besucherrolle zur aktiven Beteiligung kann ganz schnell passieren. Oft reicht nur der Schritt über die Schwelle und man vergißt die Jahreszahl!.

Christa Blenk

 

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Canova und der Tanz

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Ausstellungsplakat am Bode Museum
 

Alles schwebt

Terpsichore, Liebesgötter und kalte Schönheiten

Der italienische neoklassizistische Künstler Antonio Canova (1757-1822) zählt zusammen mit dem Dänen Thorvaldsen zu den bedeutendsten Bildhauern seiner Zeit.

Das Bode-Museum hat ihm anlässlich ihrer Wiedereröffnung vor 10 Jahren diese Ausstellung, die den Fokus auf Canovas Passion, den Tanz, richtet, organisiert.

Aus Canovas Reisetagebüchern weiß man, wie sehr er von Tanz und Theater angezogen wurde und wie sehr ihn Bewegung an sich faszinierte. Mit seinem Künstlerfreund Antonio D’Este hat er so einige Sommernachmittage im damals populären Trastevere-Viertel in Rom verbracht, um die Mädchen bei den Volkstänzen zu beobachten und sich ihre fliegenden, leichten Bewegungen einzuprägen, die er in Zeichnungen festhielt und später in Marmor einfror. Der Bleistift sei mit dem Meißel gleichzustellen, beides Werkzeuge, die zur Unsterblichkeit führen, schrieb sein Freund Missirini in einer Künstlerbiographie.

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Hauptsaal der Ausstellung

Canovas Arbeiten sind aber auch beeinflusst von griechischen Vasen und von den Fresken in Herculaneum, die er immer und immer wieder aufsuchte. 1749 wurde die Villa des Cicero in Pompeij entdeckt und auch diese antiken Wandmalereien waren wie eine Revelation für ihn.

Die Tänzerin mit dem Finger am Kinn ist nur als Gipsmodell (mit Bronzenägel) zu sehen. Seine Heimatstadt Possagno hat sie glücklicherweise ausgeliehen. Die Bronzemarkierungen  sollten dafür sorgen, das Original in Marmor maßstabsgetreu nachzubilden. Wo sich das Original heute befindet, weiß man nicht.

 

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Gipsmodell aus Possagno

 

Josephine de Beauharnais, Napoleons erste Frau, hat eine der bekanntesten Tänzerinnen, die mit den Händen in den Hüften, in Auftrag gegeben. 1815 landete sie mit zwei anderen Skulpturen von Canova  in der St. Peterburger Hermitage.

Eines der highlights in der Schau ist das Fries Markt der Putten; es entstand 1799, vierzig Jahre nachdem in Stabiae (Nähe Pompeij) ein Fresko freigelegt werden konnte, das den vielseitigen Gott Merkur als Amorino-Händler repräsentiert. Er übergibt ledigen und nicht-verliebten Mädchen einen Amorino, den sie solange behalten, bis der Liebespfeil sie trifft und der Liebesbote  muss bis zum nächsten Einsatz wieder  in den Käfig zurück.  Goethes Gedicht Die Liebesgötter auf dem Markte basiert übrigens auf dieser Geschichte. Das Fries von Canova lässt auf den ersten Blick an ein Ballet denken, alles fliegt und tanzt amüsiert durch die Geschichte. Das Exponat ist ebenfalls eine Leihgabe aus Possagno.

Die Kälte, die der deutsche Archäologe und geistige Erfinder des Klassizismus  Winckelmann, suchte oder diktierte verschwindet, wenn man sich mit dem tanzenden, reinen und makellosem Marmor konfrontiert. Canovas Tänzerinnen berühren den Boden fast nicht, sie schweben schwerelos wie Hebe, deren Fußspitze nur andeutungsweise den Boden berührt. Sie ist 1796 entstanden und eines seiner Meisterwerke. König Friedrich Wilhelm III erwarb die Skulptur 1825 für die Berliner Museen.

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fünf Tänzerinnen, Mischtechnik auf Leinwand aus Bassano del Grappa,
 

Als Kooperationsprojekt der Staatlichen Museen zu Berlin mit dem Museo Canova in Possagno und dem Museo Civico in Bassano del Grappa ist diese Ausstellung entstanden. Sie ist noch bis zum 22. Januar 2017 im Bode Museum zu sehen und darf nicht verpasst werden.

Christa Blenk

 

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Kontraklang – Maulwerker und Rühm

Onomatopoesie-Abend

 

maulwerk
« Maulwerker » nach der Veranstaltung

 

Kontraklang: Lautdichtungen und Sprechduette

Gerhard Rühm, der bei der gestrigen Performance im Heimathafen Neukölln persönlich anwesend war, ist einer der bedeutendsten Künstler, ein Tausendsassa oder Wunderwurzi wie die Österreicher sagen. Er ist Schriftsteller, Lyriker, Schauspieler, Komponist, Performancekünstler, Maler und Poet. Gestern Abend hat er Gedichte oder Lautdichtungen aus seinem Repertoire vorgetragen – allein und Sprechduette er mit seiner Frau, der Musikpublizistin Monika Lichtenfeld. Dass er 86 Jahre alt ist würde man nicht vermuten. Temperamentvoll und witzig, ein einfallsreicher Sprachkünstler und Grenzgänger zwischen Noten, Buchstaben und Sprachexperimenten.

Das Programm begann mit der Kurzoper „Die Schwester“ (2016) von Christian Kesten (er gehört, wie auch Steffi Weismann, zu den Maulwerkern) nach einem Libretto von Gerhard Rühm und vorgetragen von dem Ensemble „Maulwerker“. Spannend, hauchend, schreiend, gestikulierend und Gegenstände verrückend hielt diese Performance das Publikum in Atem, wenn  man sich überhaupt traute zu atmen.

Die Künstler erzählen die Geschichte einer Person, die sich mit einer zweiten Person über eine Dritte unterhält. Sie spielt weit weg, vielleicht auf einem anderen Planeten. Die Sprache, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr; aber es gibt noch eine Wohlfühl-Verbindung zu früher, zum Bekannten. Das Radio, die unzähligen Frequenzstörungen lassen dann und wann ein Wort durch das wir verstehen und kennen, Musik  (von Ravel) ist zu hören und allgemeine Störgeräusche. Aber immerhin hat das ausgereicht, um am Ende zwei Sätze zustande zu bringen. „Es war schönes Wetter heute“.

Dann kam Rühm auf die Bühne und las vier Soli (Seufzerprozession (2009), Lautgedicht (2000), Verlautbarung, eine Sprechstunde in Amtsdeutsch (2006) und Josephslegende (2007). Weiter ging es mit den Sprechduetten und dazu kam kam Monika Lichtenfeld zu ihm auf die Bühne und es wurde sehr lustig. Anschließend  wissen wir also, dass ein Mann den Rekord an gesprochenen Wörtern innehat und Frauen erst ab 30 Jahren mehr reden, um ihren vor ihnen sterbenden Männern auch alles noch mitteilen zu können. Köstlich die Beiden!

Nach der Pause wieder die Maulwerker mit einem frühen, sehr minimalem, Werk von Rühm aus 1962 sowie einem Beitrag von Sven-Ake Johannson (Stereo für 8 aus 2005). Johannson war übrigens auch persönlich anwesend.

Antje Vowinckel lebt als  Radio – und Klangkünstlerin, Performerin und Regisseurin in Berlin. Sie ließ Amy Walker in 21 Dialekten oder Akzenten ihren Kurz-CV auf Video herunterplattern  (das Video 21 accents gibt es auf Youtube) – es lohnt sich!

Steffi Weismanns „folie (2016) hat uns sehr berührt und mit Panik überschüttet. Fünf Maulwerker befanden sich auf der dunklen Bühne und hatten Plastikfolien auf dem Gesicht. Wir konnten die Atembewegungen und angsterfüllte Atemveränderungen  hören und sehen. Ein weiteres Mitglied hat diesen Schauer-Prozess mit einer lauten und monotonen Ratsche begleitet.

Rühms Väter sind u.a. auch die Dadaisten und wie er zerlegt er Sprachmaterial und baut Buchstabenmusik oder Gedichte daraus. Hugo Ball und Emmy Hennings praktizierten dies zum ersten Mal im Februar 1916, im Jahr der Erfindung der Dada-Bewegung als sie im Cabaret Voltaire in Zürich Unsinnsgedichte vortrugen und viel Erfolg verzeichnen konnten. Der Österreicher Rühm lebt seit den 60er Jahren in Berlin und Köln, in Wien hat man ihn nicht verstanden und es gab sogar ein Publikationsverbot.

Die Maulwerker haben sich in der jetzigen Formation 1988 gegründet und sind aus musiktheatralen Werken unseres Jahrhunderts nicht wegzudenken. Zu Ihnen gehören  Michael  Hirsch, Ariane Jeßulat, Henrik Kairies, Christan Kesten, Katarina Rasinksi, Tilmann Walzer, Steffi  Weismann. Sie sind Sänger, Performer, Künstler, Schauspieler oder Komponisten  und dementsprechend auch ihre Spannbreite als experimentelles Vokalensemble oder Musik-Raum-Klang-Architekten die sich mit Cage und Fluxus befassen.

Interessanter Abend!

Das nächste Konzert organisiert durch Kontraklang „Nach Kagel“ findet am 15. Dezember 2016  auch wieder im Heimathafen Neukölln statt.

Christa Blenk

 

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Deutschland – Erinnerungen einer Nation – Ausstellung

Deutschland – Erinnerungen einer Nation

 

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 Ausstellungsplakat

 

Der Britische Blick: Deutschland – Erinnerungen einer Nation

Deutschland? Aber wo liegt es? Ich weiß das Land nicht zu finden(Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller, Xenien, 1796)

Seit dem 9. Oktober 2016 ist im Martin Gropius-Bau eine Ausstellung zu sehen, die das Deutschlandbild beschreiben soll – aus Sicht der Briten wohlgemerkt. Der Historiker Neil McGregor, Intendant des sich gerade im Aufbau befindenden Humboldt-Forums und ehemaliger Direktor des British Museum, hat sie 2014/2015 für eben dieses Londoner Museum organisiert. Ziel sollte sein, das vor allem vom 20. Jahrhundert geprägte Deutschlandbild der Briten auf die Vergangenheit auszudehnen und deren Geschichtshorizont zu erweitern. Das Interesse war groß, denn rund 115000 Besucher konnte die Schau in dieses kulturgeschichtlich außerordentlich bedeutende Museum locken.

Mit 200 Exponaten, von denen sehr viele aus dem British Museum kommen, werden 600 sehr bewegte Jahre unseres Landes dokumentiert. Ein Land, das sich immer wieder neu erfinden musste, ein Land, das permanent seine Grenzposten verrückte und seine Zollschranken versetzte, ein Land, das mit unzähligen unterschiedlichen Währungen und Sprachen umzugehen hatte. Ganz anders als bei unseren britischen Nachbarn. Londinium wurde bereits im Jahre 50 n.C. von den Römern gegründet und ist seit 1066 Hauptstadt des Königreichs England; das englische Pfund Sterling wird schon im 11. Jahrhundert zum ersten Mal erwähnt.Eine Informationstafel aus dem 17. Jahrhundert gleich in den ersten Räumen dokumentiert das sehr er- und einleuchtend.

Die Schau beginnt mit der Presseberichterstattung zum Mauerfall 1989 und wandert durch die Themenbereiche „Deutschland – Erinnerungen einer Nation“, „Fließende Grenzen“, „Reicht und Nation“, „Made in Germany“, „Krise und Erinnerung“.

Didaktisch und abwechslungsreich werden Kultur, Wirtschaft und Politik von der Frührenaissance bis zum Mauerfall behandelt. Dichter, Philosophen, Künstler, Erfinder und Politiker kommen zu Wort. Maximilian I, ab 1508 Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, gab bei Dürer so Manches in Auftrag. Von Ihm sind einige Arbeiten ausgestellt, darunter die Rhinozeros-Radierung von 1515 (die er übrigens nur nach einer Beschreibung eines solchen fertigte); im selben Raum steht  das Porzellan-Pendant von Johann Gottlieb Kirchner. Tischbeins wandfüllendes Goethe-Portrait in der Römischen Campagna, die deutsche Landschaftsromantik repräsentiert u.a. durch  Caspar David Friedrich, filigrane astronomische Gerätschaften,  Gutenbergs Buchdruck, Luthers Bibel, Heinrich-Heine und ein Neoprenanzug.

Am Brezel-Käfer von 1952 vorbei hat sie uns eingeholt, unsere  finstere Geschichte des 20. Jahrhundert. Dort steht das Lagertor (eine Replik) von Buchenwald.  Das KZ Buchenwald wurde 1937 praktisch vor der Haustür der Bauhaus-Stadt Weimar, der Stadt, in der Goethe und Schiller wirkten, errichtet. Franz Ehrlich, Bauhaus-Schüler und Inhaftierter in Buchenwald hat es entworfen. Von innen lesbar steht dort in Bauhausschriftzügen „Jedem das Seine“. Daneben an der Wand springt uns der Satz von  Paul Celan.„Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“ ins Gesicht; Anselm Kiefer hat die Todesfuge in Kunst umgesetzt. Erschütternd die Skulptur « Schwebender“. Ernst Barlach hat sie 1927 für den Dom zu Güstrow gefertigt. Ein in der Luft hängender und in Ketten gelegter Engel mit gebieterischem Kinn, vor der Brust gekreuzten Armen und mit den Gesichtszügen seiner Künstlerkollegin Käthe Kollwitz scheint er wie eine Rakete auf uns zuzuschwingen. Barlach kam als Pazifist aus dem Krieg zurück und hat mit diesem Werk das Drama des Ersten Weltkrieges verarbeitet. Die Schau verabschiedet sich mit einem Offset-Druck einer der Meisterwerke von Gerhard Richters, Betty , sie hängt gegenüber einem  Modell des  neuen Reichstags, schaut ihn aber nicht an, da sie uns und ihm den Rücken zudreht.

« Die Ausstellung öffnet uns den Blick zurück und gibt uns unsere eigene Geschichte wieder“so der künstlerische Direktor und Intendant der Berliner Festspiele, Thomas Oberender.

Das Konzept ist seltsam und hatte natürlich auf der britischen Insel einen ganz anderen Stellenwert. Wir wissen ja, dass es außer Sauerkraut, Fußballhelden, dem Oktoberfest, den romantischen und  bei rieselndem Schnee Glühwein-schlürfenden Weihnachtsmarktbesuchern und der Kuckucksuhr noch Anderes – Schönes und Unschönes, Gutes und Schlechtes  – bei uns gibt.

Auf Interesse scheint die Ausstellung in Berlin aber trotzdem zu stoßen, wenn man die vollen Ausstellungsräume als Maßstab nimmt und beobachtet, wie andächtig die deutschen Gruppen den Ausführungen ihrer Museumsführer zuhören, wenn dieser ihnen Deutschland erklärt!

Sehenswert allemal!

Bis zum 9. Januar 2017 ist sie noch im Walter-Gropius-Bau zu sehen.

 

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Foto in der Casa di Goethe / Rom (Goethe von Tischbein in der Campagna Romana)

Christa Blenk

 

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Göttlich Golden Genial – Der Goldene Schnitt

Göttlich Golden Genial

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Weltformel – Goldener Schnitt?

Was ist Schönheit? Was ist Perfektion? Ist es mystischer Zauber? Wer oder was definiert es?

Das Museum für Kommunikation in Berlin setzt sich zur Zeit in einer Ausstellung mit diesem Thema auseinander.

Der Goldene Schnitt oder das perfekte Verhältnis. Sei es in der Natur, Mathematik, Architektur, Malerei oder Mode, der Goldene Schnitt ist überall versteckt und man braucht dazu in keiner Zaubewerkstatt verschwinden.  In der Fibonaccio-Folge, einer Stradivari-Geige, den Arbeiten der russischen Konstruktivisten, Rothkos Bildern, in Leonardos Zeichnungen und Intarsien, in der Goldenen Spirale vom deuschen Künstler Hansjörg Voth, die er in der marokkanischen Wüste gebaut hat oder in einem Gebäude von Le Corbusiers. Angeblich soll das Gesicht von Marilyn Monroe ein Beispiel davon sein, der wunderschön geformte Broccoli Romano fällt darunter oder eine Sonnenblume. Schon die Griechen haben sich mit diesem Wunder befasst und natürlich die Renaissance; aber erst im 19. Jahrhundert wurde der Goldene Schnitt bewusst zum Inbegriff des Harmonischen.

 

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Multimedial und interaktiv versucht die Ausstellung dieses Phänomen zu hinterfragen, bzw. es verständlich zu machen. Was in der Ausstellung leider nicht immer gelingt. Der Zuschauer steht vor wohlgeformten Muscheln, Früchten oder Häusern und sucht Erklärungen die fehlen, um der Sache wirklich auf den Grund gehen zu können. Der Besucher kann seine Gesichtszüge holografisch mit den goldenen Proportionen vergleichen oder auf der Gorschel-Orgel goldene Musik spielen.

Interessant ist die Ausstellung allemal!

Christa Blenk

 

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Unheimlich – Innenräume von Edvard Munch bis Max Beckmann

Ausstellungsplakat
Ausstellungsplakat zwischen Bonner Straßen

 

Unheimlich – Innenräume von Edvard Munch bis Max Beckmann

Gemütlicher Schauder

Unheimlich ist der Titel der Ausstellung im Kunstmuseum in Bonn, die seit 20. Oktober 2016 zu sehen ist. Unheimlich bedeutet schauerlich, gruselig oder furchtregend. Der Titel ist deshalb nicht sehr aussagekräftig, denn hier geht es auch viel um Angst und Einsamkeit, um Unwohlsein, um Hinweise auf Gewalt, versteckte und offensichtliche und um Traum und Wirklichkeit.

Kein Entkommen, Dinge, Totenhaus, Alpträume, Einsamkeit, die Anderen,  Verschwinden, Tatorte sind die Schlagwörter und in diese ist die Ausstellung unterteilt.

Der Impressionismus hat die Maler auf die Straße und in die Landschaft geschickt, um das Licht zu suchen, zu verstehen, zu kopieren und zu interpretieren. Die Sonne durchflutet Land und Leute und die Farbe Schwarz verschwindet fast gänzlich. Die Gegen- oder Folgebewegungen, angefangen mit den Nabis-Vertretern wie Edouard Vuillard, und Strömungen vor allem in den nordischen Ländern suchten wieder das Dunkle, das Unheimliche, das Zurückgezogene, das Abgeschlossene und damit sind wir auch schon bei der Ausstellung. Dänemark, Norwegen, Belgien, Frankreich und Deutschland sind die Protagonisten. Die im Winter sonnenarmen Gegenden, deren Bewohner verpflichtet sind, sich ins eigene Heim zurückzuziehen, was paradoxerweise aber nicht gleichbedeutend mit gemütlich ist. Und diese Stimmungen, die klammen, feuchten, finsteren, befremdlichen und unbehaglichen werden in der Ausstellung analysiert. Es spukt und es fremdelt und man friert.

Der Untertitel Innenräume von Edvard Munch bis Max Beckmann relativiert ein wenig den Ausstellungtitel Unheimlich. Aber das macht ihn dann auch wieder unheimlich! Und bei Auguste Chabrauds Hotelflur (1907) könnte man durchaus an Psycho denken.

Die Treppe vom Genter Maler Eugène Laermans  (1896) ruft Assoziationen an die Radierungen von Hugo Steiner-Prags Golem-Illustrationen hervor. Steiner-Prag fehlt leider in der Ausstellung. Höchstens Goya oder das Kino übertreffen ihn, wenn es darum geht, Angst in Räumen zu erzeugen. Athanasius Pernath kann ein Lied davon singen.

In der Zugluft hängende Kleider können zu Gespenstern werden und das Zwielicht Möbel in Bewegung setzen. Man ist diesen Geschehnissen hilflos ausgeliefert und kann sie nicht verhindern. Der dunkle Raum ist geschlossen und bekommt nur noch etwas Licht von draußen, von der leichten und gefahrfrei- hellen Freiheit.

James Ensors Pierrot und Skelett zeigt einen gedeckten Tisch; zwischen Weinkrug und Brotkorb thronen ein Totenkopf und der lustige Kasperl. James Ensor ist sowieso prominent vertreten in der Ausstellung, wie viele seiner belgischen Landsleute. Ensor war ein Meister des Versteckten und hat all das was man nicht sehen kann in seine Bilder gepackt.

Eine große Bereicherung für die Schau und eine Entdeckung überhaupt sind die Werke der belgisches Surrealisten Léon Spillaert (1881-1946). Das Selbstportrait 3, entstand 1908 und ist das Ausstellungsplakat. Es ist mit Aquarell, Farbkreide und Tinte gemalt, 50 x 65 cm groß und kommt aus einer Privatsammlung. Spillaert sitzt, irgendwie ertappt, in einem grau-braun-schwarzen Raum oder Vorraum blickt schräg auf uns und hat wohl eine blonde, auftoupierte Perücke oder ein Haarteil auf dem Kopf. Was er genau macht oder wo er genau ist kann man nicht feststellen. Von diesem Künstler hängen einige interessante Werke in der Ausstellung, darunter auch das Aquarell Allein (1909). Es zeigt ein kleines fast gesichtsloses Mädchen mit blauem Kleid und gelben Haaren in einem seltsam verwinkelten Raum. Sie schaut uns an und tut uns leid, aber wir wissen nicht warum. Der Stuhl auf dem sie sitzt kippt oder hat ein fehlendes Stuhlbein.

 

Raum der Einsamkeit
Raum der Einsamkeit – E.Munch (Foto: jnp)

 

Und natürlich immer wieder Munch, der Traurigste von Allen. Seine Bilder sind nicht unbedingt unheimlich, sie berühren durch Einsamkeit und soviel Gram, dass man wegsehen muss. Munch hatte keinen Schutzengel, nichts Helles in seinem Umfeld.  In dem Bild Leichengeruch malt er den Geruch des Todes. Munchs Familie ist fast komplett der Tuberkulose zum Opfer gefallen und immer liegt irgendjemand im Bett und stirbt gerade, so auch bei Tod im Krankenzimmer (1893) aus dem Munch Museum in Oslo. Befremdend dafür am Ende der Ausstellung unter dem Thema Tatorte Munchs Mord (1906) Hier scheint keine Trauer zu herrschen. Die Wände um den Toten sind Van Gogh-Gelb und fast fröhlich und nur der rote Fleck auf dem Hemd des Darniederliegenden spricht von Tod. Sonst könnte man auch einen Siesta-haltenden Mann vermuten. In der Ausstellung geht es jedenfalls der Gemütlichkeit und des Geborgenheitsgefühls im eigenen Heime kräftig an den Kragen, was sicher von Allen nachvollzogen werden kann! Denn wer kennt nicht die plötzliche Panik wenn ein Luftzug die Vorhänge bewegt, man früher eine finstere Kellertreppe runter gehen musste oder ungewohnte Geräusche sich nachts in den Halbschlaf mischen. Der deutsche expressionistische Film oder natürlich Alfred Hitchcock haben solche Ideen und Situationen bis zum Letzten ausgeschöpft.

Über 100 Gemälde, Zeichnungen und Drucke von u.a. Munch, Beckmann, Ensor, Spilleart,  Vuillard, Redon, Hammershoi, Kubin, Heckel, Hofer aus zahlreichen internationalen und nationalen Museen oder Privatsammlungen zwischen Ende des 19. bis in die Hälfte das 20. Jahrhunderts sind zu sehen. Die Künstler gehörten zu den Metaphysikern, dem Symbolismus oder dem Expressionsmus oder der Nabis-Gruppe an.

Bis zum 29. Januar 2017 ist die Ausstellung noch zu sehen. Sie wird gefördert durch die Hans-Fries-Stiftung, das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW, den Landschaftsverband Rheinland und Jürgen Hall.

Christa Blenk

 

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Ernst Ludwig Kirchner – Hieroglyphen

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Ausstellungsplakat

 

Seit dem 23. September sind im Hamburger Bahnhof sämtliche Werke des wichtigsten deutschen Expressionisten um die Jahrhundertwende aus dem Bestand der Neuen Nationalgalerie ausgestellt.

Ernst Ludwig Kirchner – Hieroglyphen

 

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Skizze eines Briefes an Erich Heckel mit Skizze nach afrikanischer Skulptur
- 1910 – Stiftung Historische Museen Hamburg

 

„Hieroglyphen“ ist eine Kirchnersche Art und Weise sich auszudrücken. Überbleibsel aus seinem Architekturstudium vielleicht. Die Ekstase der nervösen Großstadt, das Treiben, Gehen, Laufen, Hetzen, und das Umsetzten in Striche, Formen und Farben hat er damit verbunden. Die Großstadtbilder sind schlanker und filigraner als die Produktion seiner Bergland-Aufenthalte. Oft ist nur Zeit,  ein paar Linien oder Farbklekse aufs Papier zu bringen, weil ein Eindruck den nächsten jagt und der Adrenalinspiegel ganz hoch ist.

Die eleganten Damen am „Potsdamer Platz“ mit ihren Hüten, Federn, spitzen Schuhen und Ellenbogen oder « Rheinbrücke in Köln »  (1914) sind Symbole in Kirchners überfüllten und schnellen Tabletten-Welt. Lange hat er die Stadt auch nicht ausgehalten, aber ohne sie ging es auch nicht. Der Nachhall hielt an.

Man muss ein paar mal um die Ecke denken und sich selber viel Spielraum geben um das Hieroglyphen-Konzept zu verstehen. Aber wenn man seine Bilder mit zugekniffenen Augen betrachtet, dann kann man sie sehen!

18 Werke aus der Sammlung werden präsentiert, repräsentativ genug, um den Maler, Zeichner und Bildhauer Kirchner zu verstehen und wieder zu erkennen. “Die Badenden am Strand (Fehmarn)“ und „Sitzender Akt“sind Bilder, die seine Nähe zu den Fauvisten und auch zum Orientalismus beschreiben, aber auch Fratzen und grelle Paare oder seine Befassung mit Max Liebermann sind zu sehen.

 

wiesenblume und kathe
in der Ausstellung/re: Wiesenblume und Katze

 

Fotos, Bücher, Zeichnungen ergänzen die kleine, aber komplette, Ausstellung.

Zwei Werke von zeitgenössischen Künstlern begleiten die Schau. Einmal der Film „Hidden Conference“ von Rosa Barba und eine Serie von Rudolf Stingel, der Kirchners Fotos der „Stafelalp“ aufarbeitete und hiermit die Vergangenheit in die Gegenwart holt.

Bis zum 26. Februar 2017 ist die Ausstellung noch in den Räumen des Hamburger Bahnhofs in Berlin zu sehen.

 

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In der Ausstellung

 

Den Expressionismus gab es schon lange vor den Kirchners und Noldes dieser Welt, es gibt ihn, seit die Menschheit sich ausdrückt und das war schon bei den Höhlenmalern in Lascaux oder Altamira so. Er steht stellvertretend für das Primordiale im Menschen, das Dunkle, das Verzerrte und Geheimnisvolle, das nicht Erklärbare.

Wir verbinden den Expressionismus mit einer Kunstbewegung die Ende des 19. Jahrhunderts anfing. Wilhelm Worringer hat 1911 in der Zeitung Der Sturm den Begriff zum ersten Mal verwabenutztndt,  vor allem um die „reaktionären“ Impressionisten zu kritisieren.  Expressionismus wurde zum Schlagwort von spirituellen Schriftstellern und Drogen nehmenden Malern und – unterstrichen durch die Grausamkeiten des ersten Weltkrieges – der Inbegriff des 20. Jahrhunderts. Egal ob es um die schwarzen Zeichnungen von Goya,  Dr. Calgari, Den Dritten Mann,  um Noldes verzerrte Frazzen, Kirchners Sicht von Max Liebermann oder Lüpertz’ grobschlächtige Holzskulpturen geht.

Christa Blenk

 

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20 Jahre Hamburger Bahnhof

20 Jahre Hamburger Bahnhof

 

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Christoph Büchel Installation Hamburger Bahnhof

 

Am 1. November 2016 feiert der Hamburger Bahnhof seinen 20. Geburtstag. Er entstand als  weiteres Haus der Nationalgalerie und dort werden während der Umbauarbeiten der Neuen Nationalgalerie abwechselnd Werke des deutschen Expressionismus – wie zurzeit Ernst Ludwig Kirchner HIEROGLYPHEN  – gezeigt.

Die Installation Training Ground for Training Ground for Democracy von Christoph Büchel in der Haupthalle ist extra für dieses kleine Jubiläum aufgebaut worden. Es ist Teil der Schenkung von Friedrich Christian Flick. Seit seiner Entstehung 2007 für die Art Basel Miami Beach ist sie nicht wieder gezeigt worden. Ein weiterer Grund dafür, diese Installation gerade jetzt aufzustellen, ist die bevorstehende Wahl in Amerika im November. Wir sehen also ein weihnachtlich geschmücktes, glitzernd-kitschiges Wellblech-Wahllokal, das vielleicht ein Jugendheim oder Kindergarten ist, umgeben von einem Gitterzaun und angefüllt mit dem Müll, den eine Konsumgesellschaft produziert oder die Habseligkeiten von Menschen, die auf der Straße leben. Diese politische „Skulptur“ von Büchel geht auf sein jahreslanges Sich-Auseinandersetzten mit der Politik zurück. Wahlkabinen inklusive Überwachungskameras zeigen die Wahlen im Jahre 2000; vom Dach aus kann Propagandamaterial in die Welt gestreut werden. 

Christoph Büchel (*1966) ist ein Schweizer Konzept – und Aktionskünstler, der sich vor allem mit Rauminstallationen beschäftigt und in der Vergangenheit öfter schon mal für Schlagzeilen gesorgt hat.

 

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Franz West – 100 Stühle

 

Ein krasser Gegensatz zu dieser « messie-Ansammlung » ist die Rauminstallation 100 Stühle des österreichischen Künstler Franz West (1947-2012) aufgestellt; auf diesen kann man wohl warten, bis man das Wahllokal – immer nur ein Person – betreten kann.  Der Performance- und Installationskünstler Franz West  war Biennale und Documenta-Teilnehmer und zählt zu den bedeutenden zeitgenössischen Künstlern Österreichs. West hat schon 1992 für die documenta IX Stühle installiert.

In den Rieckhallen wird ab 28. Oktober das Ausstellungs- und Konzertprojekt Scores zu sehen/hören sein. Hierbei geht es um Musikwerke Bildender Künstler, deren Partituren – meist Auftragsarbeiten – ausgestellt bzw. an drei Abenden Ende Oktober aufgeführt werden.  Die Arbeiten sind von Saâdane Afif (Frankreich, *1970), Christian Marcley (Schweiz, *1955) Ari Benjamin Meyers (USA, *1972) und Jorinde Voigt (Deutschland *1977).

Christa Blenk

 

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Labyrinths of the World

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Vom 13. bis zum 21. Oktober werden im Palais des Nations in Genf die  Skulpturen-Labyrinthe von Helena Aikin präsentiert.

 

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Helena Aikin

Einen besseren Platz als die Vereinten Nationen hätte sie nicht finden können. Die Labyrinthe von Helena Aikin kommen aus der ganzen Welt wie die Menschen, die dort arbeiten. 

Der Völkerbundpalast wirde zwischen 1929 und 1938 in Genf erbaut und ist seit 1946 Teil der UNO und seit 1966 der europäische Hauptsitz der Vereinten Nationen. Über 100000 Menschen geben sich dort jahraus, jahrein die Tür in die Hand.

Die Ausstellung wird im öffentlichen Bereich des Palais des Nations gezeigt.

 

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 während der Ausstellungseröffnung

mehr über die Künstlerin

Christa Blenk

 

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Caravaggio-Spaziergang in Rom

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Die Bekehrung von Paulus – Zeichnung von Emanuel Borja

 

Michelangelo Merisi da Caravaggio (1571-1610)

Wer Caravaggio entdecken und kennenlernen will, muss nach Rom. Im Centro storico befinden sich die drei Kirchen mit seinen Hauptwerken sowie  das Phamphilij und Barberini Museum und die Kapitolonischen Museen. Nur für die Galeria Borghese muss man kurz durch den Park. Aber es lohnt sich!

Allein schon die Fresken in der Französischen Kirche – Berufung des Hl. Matthäus Vocazione di San Matteo (1599 – 1600);  Martytium des Hl. Matthäus  Martirio di San Matteo (1600 – 1601) und Hl. Matthäus mit Engel San Matteo e l’angelo (1602) – und die Madonna dei Pellegrini ca 1604 in der Kirche Sant‘ Agostino oder in der Santa Maria del Popolo die Bekehrung von Paulus (1600 – 1601) und Kreuzigung des Petrus (1600 – 1601)) sind eine Reise wert. Diese Fresken gehen natürlich nie auf Reisen, so dass eine Caravaggio Ausstellung außerhalb Roms immer unvollendet bleiben wird. Ohne diese Werke ist Caravaggio nicht zu verstehen.

Mit Caravaggio verbinden wir Leidenschaft, unkontrollierbares Temperament, Talent, Mut und auch Verschlagenheit, Anderssein. Caravaggio heisst er, weil er in einem Ort im Norden Italiens  mit diesem Namen geboren wurde. 1592 kam er – knapp zwanzig-jährig – nach Rom und schlug bzw. malte sich durch unterschiedliche Ateliers. Unterstützt vom frommen und religiösen  Papst Clemens VIII und bei Meister Cesari lernte er, wie man Blumen und Früchte malt und es entstand eines seiner bekanntesten Früchte- und Blumenbilder Fanciullo con canestro di frutta (es ist in der Galleria Borghese zuhause,entstand 1594 und hängt im gleichen Raum wie der Kranke Bacchus). Später sollte er immer wieder auf diese Motive zurückkommen und der Betrachter kann den Duft dieser Früchte fast riechen. Das Chiaroscuro entstand ebenfalls schon in dieser Zeit, wird eine Epoche definieren und immer wieder nachgeahmt werden. Dieses edlen und prall-bunten  Früchte paart er mit einer knallharten hiperrealistisch-manieristischen Dramatik, wie die schwarzen Fingernägel auf dem Eidechsenbild zeigen.

 

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Die Pilgermadonna in der Kirche Sant’Agostino

 

In Rom entstanden fast alle seine Bilder und hier ist auch ein Großteil zu sehen. Im Palazzo Barberini hängen u.a.  Judith und Holofernes (1599); Narciso (1599), und  Franziskus in Medidation (1605). Der Johannes der Täufer (1602) hängt in den Kapitonilischen Mussen und die büßende Magdalena (1585) in der Galleria Doria Pamphilij. Auch die Ruhe während der Flucht nach Ägypten (1595) finden wir dort. Drei Bilder, die kurz vor seiner Flucht nach Neapel entstanden sind hängen ebenfalls in der Galleria Borghese, und zwar Madonna mit der Schlange (1605 – 1606, und  Heiliger Hieronymus  (1605 – 1606) sowie David mit dem Kopf von Goliath (1609 – 1610).

Caravaggio entfernte sich ganz schnell wieder von der Renaissance-Perspektive und seine Bilder vermitteln den Eindruck, dass es nur eine erste Reihe gibt. Seine Protagonisten treten aus dem Bild heraus und blicken uns zum Teil direkt an. Ein Realismus mit verfälschten Farben und hier macht er keinen Unterschied zwischen religiös und weltlich. Herrlich ist ihm dieses Verwischen bei der Madonna dei Pellegrini gelungen. Sie hängt in Sant’ Agostino und hat die Kirchenfürsten zuerst so schockiert, dass es gleich wieder aus den heiligen Häusern verbannt wurde. Die Pilger zeigen uns nämlich ihre schmutzigen Fußsohlen, die Madonna hat einen tiefen Ausschnitt und schwebt irgendwie zwischen Treppe, Luft und Flur.

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Galleria Borghese

 

14 Jahre nach seiner Ankunft in Rom, 1606, kam er ernsthaft mit dem Gesetz in Konflikt. Caravaggio verletzte Jemanden tödlich und musste bei Nacht und Nebel und in einer Kutsche der noblen Colonna Familien fliehen. Er wurde für vogelfrei erklärt und landete im damals spanischen Neapel. 

Mehrfach kontaktierte er in den darauf folgenden Jahren den seinerzeitigen Papst Paul V aber erst 1610 wurde das Todesurteil aufgehoben. Vorher aber fuhr er schon per Schiff von Neapel nach Palo in der Toscana um dort an Land zu gehen; Costanza Colonna hatte ihn eingeladen bei ihr zu wohnen bis er den Weg nach Rom antreten konnte. In Palo konnte er Kontrollen gerade noch entgehen, in dem er sich hinter einem Bild versteckte und musste weiter bis Porto Ercole fahren. Krank und geschwächt starb er dort 1610 und wurde in einem Massengrab beigesetzt.

Seine Spätwerke sprechen von der dunklen Zeit, sie sind unruhiger und dramatischer, schwärzer und verraucht. Caravaggio wurde zu einer Legende, vielfach kopiert und trendsetter und gab Stoff für unzählige Filme und Bücher.

Christa Blenk

 

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Emil Nolde – der Maler

 

Nolde

 

Emil Nolde – Der Maler

Aufdringliche Farben und Nordlicht.

Emil Nolde (1867 – 1956) malte mit den Fingern und Händen, ein Pinsel reichte nicht, um diese grelle Leidenschaft auf die Leinwand zu bringen. Ein krasser Gegensatz zu der weiten und unendlichen nicht immer farbigen Welt an der Frieslandküste. Naturgewalt, Einsamkeit, Legenden und gruselige, übertriebene Bauern- und Seemanns-Geschichten, die man sich nach Sonnenuntergang mit Gänsehaut zu erzählen pflegte, hat Nolde auf die Leinwand gebracht und uns ins Gesicht geschleudert.

Schrill, aufdringlich, furchterregend und individuell. Die Welt musste auf den Expressionismus warten, um diese Knallfarben aus der Botanik oder aus einem nordischen Himmel herauszuholen. Zu den kunterbunten, schreienden Anemonen und sonstigen Gewächsen in von ihm selbst angelegten Garten summierten sich die Entdeckung von Van Gogh, Erlebnisse und Verführungen von Großstädten wie Berlin und Paris und die Eindrücke einer Weltreise, an der Nolde 1914 als Mitglied der medizinischen „Deutsch-Neuguinea Expedition“ teilnahm. Manchmal hat man den Eindruck, dass er die Hässlichkeit in den Gesichtern förmlich sucht und dass die Masken vor allem dazu dienen, böse Geister zu vertreiben. Während Picasso sich seine afrikanischen Masken aus dem Musée de Paume organisierte, malte Nolde im Berliner Völkerkundemuseum.

Referenzen aus allen Epochen der Kunstgeschichte und immer wieder diese distanzierte aber bekannte Kluft zwischen wohlfühlendem Kennen oder Erkennen und ängstlich-vorsichtiger Fremdheit machen die Ausstellung selber zu einer Weltreise durch Noldes Kopf. Bilder wie Die Slowenen entstanden in den Berliner Jahren vor dem 1. Weltkrieg. Es hängt in der Ausstellung. Traurigkeit, Einsamkeit und Verderben strahlt es aus. Klare Farbflecken, rote Münder ohne Konturen, immer Negatives ausstrahlend. Noldes Autoportrait in Grau-Weiß-Tönen mit hervorstehenden panischen blauen Augen oder eine Grablegung die unter die Haut geht. Masken, Fratzen, Himmel und Hölle und ein lieblicher Turner-Sonnenuntergang. Herbstmeere, Kerzentänzerinnen und Wajangfigur und Blumen (1928). Dazu einige Aquarelle aus der Zeit des Malverbots, die ungemalten Bilder.

Eigentlich ist Nolde verbraucht!  Viele Male sind seine Bilder in hochwertigen, teuren Kalendern, die das Thema Die Brücke oder der Expressionismus zum Thema hatten –  oft in Originalgröße – durch die Wohnzimmer oder Büros gezogen und blieben als Wanddekoration noch Jahre lang hängen. Diese lodernden und bösartig aussehenden Menschen mit verzerrten Gesichtern, ja Karikaturen der fauna humana, glühende Blumen, brennende Himmel oder tosendes vielfarbiges Meer, Nolde hat alles noch ein wenig weiter getrieben. Er war durchaus Vorreiter des amerikanischen action painting! Noldes Bilder schreien und singen!

Mit 70 Exponaten ist es keine Großausstellung; aber es sind 70 Meisterwerke, aufs sorgfältigste ausgesucht. So eine Ausstellung hat Berlin Nolde bis jetzt noch nicht geboten und damit steht die Hauptstadt fast alleine da. Paris hatte 2008 eine umfangreich (die erste in Paris) Retrospektive im Grand Palais gezeigt. Hamburg, München, Bremen, Frankfurt haben ihm wichtige Einzelausstellungen gewidmet.

Noldes Streit mit Liebermann war wohl der Auslöser, dass schon die 200-Exponate umfassende Ausstellung in fünf deutschen Städten im Jahre 1927 anlässlich Noldes 60. Geburtstages an Berlin vorbei ging. Liebermann, Ende des 19. Jahrhunderts selber Vorreiter der Moderne und Mitbegründer der Berliner Sezession, kam sein Leben lang nicht von Biergärtenmotiven weg und verurteilte die Expressionisten, Kubisten und sonstige Avantgarde aufs Härteste. Erst 1988 wurde eine Auswahl von Nolde-Bildern in der Brücke Museen gezeigt und später zwischen 2007 und 2014 widmete die Berliner Dependance der Nolde-Stiftung dem Künstler thematisch ausgerichtete Ausstellungen.

Zusammen mit der Nolde Stiftung Seebüll, von der auch die meister Exponate stammen, hat das Brücke-Museum Berlin die Schau organisiert. Ab 1926 lebte Nolde in Seebüll, wo bis zu seinem Lebensende über 1900 Bilder entstanden. Aufschlussreich und umfassend zeigt diese Ausstellung Noldes Entwicklung und sine knallrot-gelb-bunte Fantasiewelt.

Das Brücke Museum entstand 1964 als Karl Schmidt-Rottluff anlässlich seines 80. Geburtstags viele hochkarätige Werke dem Land Berlin schenkte. Die Lage mitten in der Natur ist bewusst gewählt und so geht man in den Grunewald. Eher ein Bungalow umgeben von Birken und Kiefern.

Zur Ausstellung, die noch bis zum 23. Oktober zu sehen ist,  ist ein umfassender Katalog entstanden (Magdalena M. Moeller – 39,90 Euro)

Christa Blenk

 

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Golem

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Golem

Der Golem, diese berühmteste Legendenfigur der Kabbala, ist ein seelenloses Wesen aus Lehm oder Sand. Er wird durch Rituale oder geheime Buchstabenkombinationen von einem Menschen zum Leben erweckt und ist mit übermenschlicher Kraft ausgestattet.

Der Golem lebt. Übermenschen, Comic-Figuren, Androiden und Roboter sind die Golems unserer Zeit. Kleine Souvenir-Golems aus Prag oder chinesische Grusel-Monster werfen riesige Schatten an die Wand und werden zu angsteinflößenden Riesen. Direkt daneben – aktueller geht es kaum noch – Donald Trumps Wahlkampagne-Baseball-Kappe „Make America great again“. Der kanadische CBC Journalist Neil Macdonald vergleicht hier Donald Trump mit dem Golem, der – ähnlich dem immer mehr Macht bekommenden Golem aus der jüdischen Legende – seinem Erschaffer (den Republikanern) entgleitet und sich selbständig macht. Hier geht es um den akuten Kontrollverlust über die Geister die man rief!

 

Jorge Gil Crisálidas - 2009, Mischtechnik, Kunstharz, Nylon, PlüschAnselm Kiefer P1000757
Jorge Gil, Anselm Kiefer und Eingang des Jüdischen Museums (Foto: Christa Blenk)

 

 

Für den Berliner Arzt Fritz Kahn war der Mensch vor allem eine leistungsfähige Maschine. Das zeigt seine Informationsgrafik Der Mensch als Industriepalast; hier geht er konform mit dem Freigeist und Bretonen Julien Offrey de la Mettrie, der im 17. Jahrhundert am Hof vom alten Fritz im toleranten Preußen sein Werk   L’homme Machine (1748 – Die Maschine Mensch), veröffentlichen durfte.

Die Schatten der modernen Golems an der Wand

Die Schatten der modernen Golems an der Wand

Im nächsten Raum liegt Joshua Abarbanels Golem-Figur wehrlos und verletzlich mit ausgebreiteten Armen und Beinen am Boden. Sie befindet sich in einer Art Übergangszustand und man kann nicht wissen, ob die Buchstabenfigur gerade das Leben verloren hat oder kurz vor dem Belebt werden steht. Abardanel hat die Skulptur aus Holzbuchstaben extra für die Ausstellung konstruiert.

Crisálidas ist eine Installation des spanischen Künstlers Jorge Gils. Der Besucher begleitet den Moment des Ausschlüpfens der im Netz hängenden gelben Plüschlarven. Die Raupe befreit sich von der hässlichen Larve, wie dies der Golem tat, nachdem der Rabbi ihm den Lebensodem einhauchte. Golem bedeutet im Hebräischen auch Puppe oder Larve.

Das Video Birth, Body und die Serie Earth, Landscape-body dwelling des Der US-Amerikaners Charles Simonds gehören für mich zu den Geschenken in der Ausstellung. Simonds Werk ist keinem Stil zuzuordnen, bei ihm geht es um persönliche Rituale und intime Mythologie. Bekannt wurde er vor allem mit seinen little people Miniaturlandschaften aus Ton und Sand in einem Niemandsland.

Auch Anselm Kiefer liebt die Alchemie und hat sich viel mit der Kabbala beschäftigt. Seine Hommage an den Golem im Kapitel Mythos Prag ist die Skulptur Rabi Löw: der Golem (1988-2012) aus verschiedenen Materialien. Kiefers Arbeit nimmt die Legende aus dem 16. Jahrhundert um den Rabbi Judah Lowe auf, der, inspiriert von okkulter Magie und Alchemie einen Lehm-Golem formte und zum Leben erweckte, um das jüdische Ghetto zu beschützen. Wie wir aber wissen, hat sich dieser Golem abgenabelt und Prag terrorisiert.

Die Angst der Wissenschaftler und Forscher einer Kommandoübernahme durch Maschinen hat im 20. Jahrhundert das Kino enorm beschäftigt. Denken wir an Stanley Kubrick, der schon 1968 in seinem philosophischen opus 2001 Space Odysse die Computer oder Übermaschinen dem Menschen bedrohlich gleichstellte oder an Dr. Strangelove der selber zur Maschine wurde. Gleiches gilt für die Blockbuster-Produktionen Terminator oder Blade Runner.

Die alchemistische Tischglocke war das Kuriositätenkabinett von Kaiser Rudolph II und wird hier mit einer 3D-Brille zum Rummelplatzerlebnis. Der Kaiser liebte schwarze Magie, umgab sich mit Gelehrten und Künstlern und hatte im 16. Jahrhundert auf dem Hradschin sogar ein eigenes Labor, das jeden Alchemisten beglückt hätte. Ob er allerdings auch einen Menschen erschaffen wollte ist nicht dokumentiert; mit Gold hat er es jedenfalls – vergeblich – versucht.

Der Regisseur Paul Wegener hat den grau-plump-quadratischen Golem nach dem 1915 erschienen Roman von Gustav Meyrink erschaffen. Das Buch wurde schnell zum Bestseller und hat unser Bild vom Golem geprägt. Die beunruhigenden Radierungen, mit denen Hugo Steiner-Prag Meyrinks Meisterwerk illustrierte, sind ebenfalls in der Ausstellung zu sehen. Den unruhigen Schlaf, der den Gemmenschneider Athanasius Pernath in diese fantastische Geschichte stürzte, haben die Besucher vielleicht nach dem Buch der Ausstellung.

Wie auch immer, der 1920 entstandene Film Der Golem zählt zu den Meisterwerken des expressionistischen Stummfilms und hat später andere Klassiker wie Frankenstein beeinflusst das grüne Hulk-Monster geschaffen oder so Ekelkreaturen wie die Simpsons „you gotta know when to Golem“ (2006) beschäftigt. Die 3-Kanal-Filminstallation AE/MAETH von Stefan Hurtig und Detlev Weitz muss man sitzend – am besten zweimal hintereinander – ansehen. Die beiden haben hier in einer acht Minuten Sequenz an die 60 Filme aus der Filmgeschichtet zitiert.

Aber der Golem kann außer Zerstörer und Gegner durchaus auch Beschützer und Gefährte sein. In diesem Raum wird die Verantwortung der Schöpfer hinterfragt. Wo hört die Rettung auf und wann fängt die Macht an? Eine zentrale Frage an Wissenschaft und Politik. Die Multimedia-Spiegel-Rauminstallation von Daniel Laufer Redux (2014) erforscht Plätze, an denen der Golem eine (Beschützer-)Rolle spielte. Die Nationalsozialisten gingen davon aus, dass der jüdische Friedhof in Berlin Weißensee von einem Golem beschützt wurde, was ihn vor der kompletten Zerstörung bewahrte und für viele Verfolgte zum Zufluchtsort wurde. Jede Generation schafft sich den Golem, den sie braucht! (so der Künstler)

Im letzten Saal kann der Besucher mit Hilfe einer Gesichtsmorphing-software dem Golem seine eigene Mimik aufzwingen. Verabschiedet wird man von Kristof Kinteras menschlicher Lichtskulptur My light ist your life.

Die Ausstellung Golem ist noch bis zum 29. Januar 2017 im Jüdischen Museum zu sehen. Sie ist mit 120 Exponaten keine Großausstellung, aber sie ist ausführlich, umfangreich, sehr gut aufgebaut, spannend und unbedingt sehenswert!

Auch auf KULTURA EXTRA

Christa Blenk

 Cesar Borja
Cesar Borja  (entstanden nach der Lektüre von Der Golem

 

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Jüdischer Friedrich Weissensee

Der Rhein – eine europäische Flussbiografie

rheinbeibonn
 Der Rhein in Bonn (nicht in der Ausstellung)

 

Der Rhein – Eine europäische Flussbiografie

Der Rhein entspringt im Schweizer Kanton Graubünden und ist 1235 km lang, davon sind knapp 900 km für die Großschifffahrt nutzbar, was ihn zu einer der verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt macht bis er mächtig und stolz in Rotterdam in der Nordsee verschwindet. Der Rhein ist aber längst nicht der längste Fluss Europas. Die Donau zum Beispiel fließt knappe 3000 km durch Europa.

In der Ausstellung herrscht die Farbe Blau vor; dabei wird blau ja eher mit der langen Donau, siehe Donauwalzer, in Verbindung gebracht. Die letzten Jahrzehnte hat er sich von einer gift-gelblichen Kloake in den 70er Jahren wieder auf grün-graues Trinkwasserniveau hochgearbeitet. Hieran erinnert ein Werk von Joseph Beuys aus 1981 Rhein Water Polluted aus dem Kölner Stadtmuseum. Eine durchsichtige Flasche mit braun-gelblicher Flüssigkeit, ähnlich den heute so begehrten power drinks.

Aber außer einem Foto von Andreas Gursky (Der Rhein I) das gleich als Ouvertüre neben Moriz von Schwinds Vater Rhein Schinken aus 1848 hängt und einem Monumentalgemälde von Anselm Kiefer Vater, Heiliger Geist und Sohn, welches unter der Kategorie Europa am Rhein auftritt und aus einer Privatsammlung kommt sowie eine kurze Erinnerung an den 1. Weltkrieg in Form eines Fotos von Willy Römer (Französische Soldaten am Deutschen Eck in Koblenz, 1918/19) das an Caspar David Friedrichs Einsamkeit erinnert, stehen doch die drei Soldaten am Deutschen Eck mit dem Rücken zu uns und blicken auf den stolzen Rhein, ist das 20. Jahrhundert eher vernachlässigt in dieser Rheinbiografie.

Viel Schönes und Edles gibt es zu sehen und Victor Hugos Briefzitate begleiten die Ausstellung, Heinrich Heine kommt natürlich zu Wort aber ansonsten hängen einige mittelmäßige Landschaften und Portraits zwischen den Inselvitrinen, gefüllt mit Preziosen und Skulpturen aus allen Zeiten wie edle Manuskripte oder die Aeneide von Heinrich von Veldecke und allerlei Religiöses. Nicht umsonst hat Maximilian Maximilian I den Rhein als Pfaffengasse bezeichnet. Die Besucher schlängeln sich zwischen Flussgöttern und Allegorien vom Rheinfall von Schaffhausen durch das Siebengebirge vorbei an echten Golddukaten aus dem Rheinschatz und natürlich den Nibelungen. Marianne und Germania, Industrie, Achse der Kirche sind weitere Kategorien, in die diese Ausstellung unterteilt ist.

Wo bleibt die Reise ins Meer von Hannsjörg Voth (hier fuhr eine 20 Meter lange gefesselte Mumie auf einem Floß von Speyer bis in die Nordsee und stürzt sich dort brennend ins Meer. Die Fotografin Ingrid Amslinger hat tagelang die Reise auf dem Land begleitet und alles fotografisch dokumentiert?) und wo bleiben die rheinischen Dichter und Schriftsteller der Nachkriegsjahre wie Heinrich Böll? Da tröstet dann die Rheinische, die musikalisch begleitet, auch nicht mehr.

Die Kuratorin und Kulturhistorikerin Marie-Louise Gräfin von Plessen hat über 300 Exponate für die Ausstellung nach Bonn geholt und es ist nicht das erste Mal, dass sie sich einem Fluss widmet. In den 90er Jahren hat sie schon einmal eine Flußbiografie über die Elbe für die Deichtorhallen in Hamburg organisiert.

Die Ausstellung ist sehenswert aber nicht umwerfend und geht noch bis zum 22. Januar 2016.

Christa Blenk

arpund blick vom Museum auf den Rhein
Blick vom Arp Museum auf dem Rhein

 

 

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Berliner Liste 2016 im Kraftwerk Berlin

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Zeitgenössische Kunstmesse Berlin vom 15 bis 18. September 2016

Auf der 13. Berliner Liste präsentieren dieses Jahr 112 Aussteller aus 25 Nationen auf ca. 8000 qm ihre aktuellsten Arbeiten. 50% der Galeristen kommen aus Deutschland, die andere Hälfte aus Australien, Japan, Südafrika, Dänemark etc.

Kraftwerk ist ein ehemaliges Heizkraftwerk in Mitte Berlin, in der Köpenicker Strasse, das ungefähr zur gleichen Zeit wie die Mauer gebaut wurde um Berlins Mitte mit Wärme zu versorgen. Später stand das Gebäude lange Zeit leer,bis es für die Kunst entdeckt wurde.

 

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Nach dem Besuch der Messe Messe, bleibt dann aber doch der Eindruck zurück, dass der Ort das Interessanteste an der Schau ist.

Erwähnenswert waren die Stereoskopischen Landschaften von Robert Laatz, Fotomontagen von Peter Kagerer oder Kang MU-Xiang Path of Life Installationen. Ansonsten viel déjà vu und viele hommagen an den Kitsch!.

 

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Fotos: Christa Blenk

 

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Händel in Halle

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Händel-Festspiele im Juni in Halle

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Auszug aus dem Berliner Kunstleben und Musikleben - * MANTEGNA und BELLINI - Gemäldegalerie bis 30.06. - Lynn Chadwick im Kolbe Museum und Haus am Waldsee *** nicht verpassen und Fahrrad mieten ! - Hamburger Bahnhof - Emil Nolde - Brücke Museum - Beiwerk zu Nolde Ausstellung Angaben ohne Gewähr!

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