Archives pour la catégorie Art

Ost-Berlin – Die halbe Hautpstadt

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In einer gemeinsamen Ausstellung widmen sich das Stadtmuseum Berlin und das Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam der Geschichte der „Hauptstadt der DDR“ – von den 1960er Jahren bis zum Mauerfall 1989.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen das urbane Leben und der städtische Alltag in Ost-Berlin. Sie zeigt die Stadt als Lebenswelt im Spannungsfeld zwischen ihrer Funktion als Machtzentrum des SED-Regimes und der sozialen und kulturellen Diversität. Mit einem gesellschaftsgeschichtlichen Portrait von Ost-Berlin werden die mit der Entwicklung der Stadt zur sozialistischen Metropole verbundenen lebensgeschichtlichen Erfahrungsräume der dort lebenden Menschen sichtbar gemacht. (Quelle: Ephraim-Palais)

ephraim Palais

Sehenswerte Ausstellung die im Ephraim-Palais noch bis zum 09.11.2019 zu sehen ist.

Das Ephraim-Palais ist ein in den 1980er Jahren rekonstruiertes Rokokogebäude am Rande des Nikolaiviertels im Berliner Ortsteil Mitte. Es ist denkmalgeschützt und gilt als eines der schönsten historischen Bürgerhäuser der Stadt. Als Museum Ephraim-Palais gehört es heute zur Stiftung Stadtmuseum Berlin. (Wikipedia)

 

cmb

 

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Reaching out for the future

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Im dritten Stock des Bröhan Museum geht es um das Zukunftsbild oder die Zukunftssehnsucht  zu Beginn des 20. Jahrhunderts!

Der Beginn des Modernismus, des Maschinenzeitalters, die Industrialisierung und ein Vormarsch der Technik haben nicht nur den Mond sondern auch die Unterwelt von Jules Verne näher gebracht.  Plötzlich waren Expeditionen zum Mond, die Erforschung der Ozeane oder das Wohnen auf einem anderen Planeten nicht mehr so unvorstellbar. Von Zeitschriften und von der Filmwelt wurde diese Thema voll ausgeschlachtet. Georges Méliès « Le voyage dans la lune » kam 1902 in die Kinos. Zeichner und Karikaturisten folgten mit futuristischen Zeichnungen und Sammelbildern in Zigaretten – oder Schokoladenpackungen aber auch Plakate zu Fritz Langs Film « Frau im Mond » sind zu sehen.

Und wie wir sehen können, war auch Frau Bärs Flugtaxi damals schon Gesprächsthema.

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Ausstellungsplakat Bröhan Museum
« Une excursion à Rouen » um 1909 Postkarte Lederer & Popper, Prag Sammlung Peter Weiss, www.www.postcard-museum

Die kleine aber interessante Ausstellung geht noch bis 27. Oktober 2019.

Christa Blenk

 

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Skandal! Mythos! Moderne! Die Vereinigung der XI in Berlin

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1892 entstand in Berlin der Vereinigung der XI, eine Künstlergruppe nach dem Vorbild der Münchner Sezession, der französischen Gruppe Nabis – die schon seit 1888 gegen die Historienmalerei rebellierte – und der Brüsseler Gruppe Les Vingt. Die Gruppe hielt sich nur ein paar Jahre und wurde 1898 von der Berliner Secession abgelöst. Ihre Mitglieder waren:  Jacob Alberts (1860–1941), Hans Herrmann (1858–1942), Ludwig von Hofmann (1861–1945), Walter Leistikow (1865–1908), George Mosson (1851–1933), Konrad Müller-Kurzwelly (1855–1914), Hugo Schnars-Alquist (1855–1939), Friedrich Stahl (1863–1940), Hugo Vogel (1855–1934) und Max Liebermann (1847–1935) sowie Franz Skarbina (1849–1910). Ein paar Jahre später nach Ausscheiden von drei Mitgliedern schlossen sich kurzfristig Max Klinger (1857–1920), Dora Hitz (1856–1924) und  Martin Brandenburg (1870–1919) an. Aber die Zahl XI wurde nie überschritten. Böcklin war Ehrenmitglied.

Auslöser dafür war vor allem die Ablehnung einer Kunstentwicklung von Kaiser Wilhelm II, der über den Historismus nicht hinaus kommen wollte. Die meisten der Maler sind heute so gut wie unbekannt.

„Freie Vereinigung zur Veranstaltung von künstlerischen Ausstellungen“ nannte sich diese Gruppierung zuerst und Ziel war es, nicht etablierte Kunstwerke der Öffentlichkeit zu präsentieren und die Berliner Kunstwelt zu revolutionieren. Im April 1892 fand die erste Ausstellung im Kunstsalon von Eduard Schulte in Berlin statt. Später sollte Walter Leistikow darüber sagen:„Was uns zusammenführte, war allein der Wunsch, eine kleine gemeinsame Ausstellung zu arrangieren, in der jeder frei und ungeniert, ohne Rücksicht auf Wünsche und Liebhabereien des kaufenden Publikums, ohne ängstliches Schielen auf Paragraphen der Ausstellungsprogramme sich geben konnte. … Von dieser Idee versprachen wir uns Vergnügen und der Kunst der Hauptstadt … nun ja, vielleicht ein bisschen Erfrischung, ein bisschen Erregung – und damit: Leben.“ Auch die heftige Ablehnung des norwegischen Malers Munch spielte hier eine Rolle. Much stellte 1892 im Verein Berliner Künstler aus. Die Ausstellung, die insgesamt 55 Werke umfasste, musste aber nach nur sieben Tagen unter großem Protest wieder geschlossen werden.

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Ausstellungsplakat Bröhan Museum

Verschwörerisch und geheimnisvoll hört sich der Name der Gruppe „Vereinigung der XI“ an. Dem Impressionismus und dem Symbolismus wurden so die Berliner Türen geöffnet und die des Naturalismus teilweise geschlossen.  Schon ein Jahr nach der Gründung bewies ein Kommentar der Berliner Zeitung, dass das Berliner Publikum reif war für eine Veränderung: „ Zum dritten Male treten diese Künstler, die anfänglich als der Ausbund naturalistischer  Geschmacklosigkeit und dekadenter  Modernität verschrien wurden, vor das Publikum, das in der Ausstellung der „Elf“ ein Hauptereignis der jährlichen Berliner Kunstbewegung zu sehen begonnen hat. Es ist chic geworden, der Eröffnung dieser Ausstellung beizuwohnen, bei der es so Ungeheuerliches zu erwarten gib.“

Ein Leserbrief an „Das Atelier“ von 1894 beinhaltete folgendes: „Die Ausstellung der „Elf“ hat gerade begonnen. Das Publikum strömt mit ziemlich verdutzten Gesichtern durch die Räume, es sind noch keine Kritiken veröffentlicht und man weiß noch nicht, was man schön und was man lächerlich finden soll„. (Schon 1872 hat Monets sein  „Impression soleil levant“ gemalt.) Hodlers Symbolismus-Bilder entstanden um 1900.  Vor allem der Symbolist Ludwig von Hoffmann war Vorreiter der Neuen Sachlichkeit. Sehr interessant die Farb- und Flächengebung von Walter Leistikow. Sein Gemälde „Grunewaldsee“ wurde von der Jury der Großen Berliner Kunstausstellung zurückgewiesen.

Im Bröhan Museum sind noch bis 15. September an die 100 Exponate ausgestellt, die in dieser Zeit durch diese Gruppe entstanden sind.  Teilweise werden historische Ausstellungen rekonstruiert. Alte Pressemeldungen berichten von dieser Stimmung und den Schwierigkeiten, sich durchzusetzen.

Christa Blenk

 

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Local Histories

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Bruce Naumann (Corridor Installation – 1970), George Segal (Man installing Pepsi Sign – 1973, Donald Judd (Intiteled – 1987)

 

Basieren tut diese Ausstellung auf eine Aussage des US Künstlers und Kunstkritikers Donald Judd. Er schrieb 1964 in einem Artikel über die Kunstszene in New York « The history of art and art’s condition at any time are pretty messy ». Neue Verhältnisse zum Raum sollten entstehen und die traditionellen Unterscheidungen von Stilen und Gattungen  anders betrachtet werden.

Entstanden ist eine sehenswerte Ausstellung mit Momentaufnahmen zwischen New York und Düsseldorf oder Köln, Berlin oder Los Angeles mit Klassikern von 1960 bis ins 21. Jahrhundert. Werke aus der Friedrich Christian Flick Collection und der Sammlung der Nationalgalerie ergänzen sich mit ausgewählten Leihgaben. Es wird so ein roter Faden gezogen zwischen Don Judd, Sigmar Polke, Gerhard Richter, George Segal, Bruce Naumann, Jenny Holzer, Carl Andre, Cindy Sherman, Walter De Maria, Robert Morris, Rosemarie Trockel oder Hanne Darboven. Fotos des Künstlerehepaares Bernd und Hilla Becher werden Arbeiten von Robert Smithson gegenübergestellt und Frank Stella misst sich mit Josef Albers.

 

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Raumansicht mit Frank Stella und Josef Albers, Konrad Lueg (ohne Titel – 1968), Gerhard Richter (Vorhang III – 1965)
 

Gerhard Richter, Sigmar Polke, Konrad Lueg und Manfred Kuttner gründen 1962 in der Düsseldorfer Kunstakademie eine Gruppe oder ein Zweckbündnis, wie sie es nannten, um angesichts nicht vorhandener finanzieller Mittel oder Ausstellungs- bzw. Publikationsmöglichkeiten sich doch eine gewisse Präsenz zu ergattern.  Sie organisierten Ausstellungen, um den konsumorientierten westdeutschen Kapitalisten mit Humor entgegen zu treten. Die Pop Art war in Deutschland angekommen. Die erste Ausstellung fand 1963 in Düsseldorf, in einer ehemaligen Metzgerei, statt. Aber nur Polke und Richter gehen den Weg als Künstler weiter. Lueg gründet eine Galerie und Kuttner wird  Grafiker.

Im Hamburger Bahnhof – noch bis zum 29. September 2019 zu sehen. In de Riekhallen ist es außerdem herrlich kühl!

cmb

 

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Gustave Caillebotte Maler und Mäzen des Impressionismus

Gustave Caillebotte (1848–1894) war Maler und Mäzen – bei uns eher weniger bekannter französischer Impressionist.

Die Alte Nationalgalerie Berlin zeigt in einer Ausstellung sein Wirken anhand seines Hauptwerkes, das dafür extra vom Art Institute of Chicago angereist kam. Dafür ist Manets « Im Wintergarten » zur Zeit in Chicago zu sehen.

1877 entstand das Gemälde « Straße in Paris, Regenwetter » („Rue de Paris, temps de pluie“). Das Gemälde ist zum ersten Mal in Berlin zu sehen.  Erklärend zu diesem Werk sind Caillebottes Zeichnungen und Studien für dieses große Werke dort  zu sehen. Zugleich wird ein  aktives Mäzenatentum ins Licht gerückt. Der Künstler war ziemlich wohlhabend und hat nicht nur eine stattliche Sammlung von impressionistischen Bildern von Cezanne, Monet, Manet, Degas und Renoir zusammen gekauft, die er alle dem französischen Staat vermacht hatte, sondern Künstlerkollegen bei Bedarf unterstützt, deren Miete bezahlt und Gruppenausstellungen organisiert.

Bis zum 15. September 2019 ist die kleine, aber interessante Ausstellung noch in der Neuen Nationalgalerie zu sehen.

 caillebotte - Regen in ParisCaillebotte - AusschnittCaillebotte - vorbereitende Zeichnungen
Gustave Caillebotte - Straße in Paris, Regenwetter, Art Institute of Chicago -
zur Zeit Alte Nationalgalerie – Ausschnitt – vorbereitende Zeichnungen

cmb

 

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Lynn Chadwick im Kolbe Museum

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Dance V , 1955 (Eisen, Gips und Eisenspäne) – Folkwang Museum Essen

   

Biester der Zeit und zeitlose hybride Kreaturen! (für KULTURA EXTRA)

Seit den 1950er Jahren gestaltet Lynn Chadwick (1914-2003) diese herrlichen und unverdorbenen, braven Biester. Sie sind allesamt Zufallskreationen, entstanden ursprünglich aus Mobile, wie wir sie von Alexander Calder kennen. Nach und nach hat er diese zarten Metallgeflechte aus- und aufgefüllt. Hierfür benutzte er „Stolit“, ein eisenhaltiges Zementgemisch. Seine so entstandenen,  aleatorischen Wesen wurden alsdann in die Welt geschickt – manche vielleicht auch auf den Mond. Mit ein wenig Phantasie  erinnern sie an ein Raumfahrzeug wie das LEM, das bei der Apollo-Mondlandung  eingesetzt wurde.  Wieder andere gelangten in die Hände von Franz Kafka, der dann sogleich eine Geschichte über sie schrieb und die restlichen scheinen beim Science Fiction Film einen Job gefunden zu haben. Chadwick hat seine eigene Verkleidungs- und Verschweiß-Technik entwickelt und so sind seine Arbeiten unverwechselbar und originell.

Lynn Chadwick war ursprünglich Architekt  und im Zweiten Weltkrieg als Pilot eingesetzt. Auf der einen Seite erinnern seine Kreaturen an auch schon mal an Bauwerke aus einer anderen Zeit und auf der anderen an Leonardo da Vincis Flugmaschinen  – in 3-D. Über 40 Jahre hat ihn diese lustig-schwebend und kriechende Tierwelt beschäftigt. Ein besonderes Exemplar der Biest- Skulpturen-Serie hat ich ins Haus am Waldsee verirrt und steht in einem Raum mit einem filigranen Vogelwesen seines fast-Zeitgenossen Hans Uhlmann (1900-1975) und so verstehen wir, warum gerade er ihm an die Seite gestellt wurde.  Chadwicks „Beast“  hat zwei riesige Alien-Kristallaugen!   Uhlmann teilte seine Vorliebe für Flügelwesen und die Freiheit, die damit einhergeht.

Neben Werken von Uhlmann sind auch Plastiken der jungen Berliner Künstlerin  Katja Blomberg (*1970) im Haus am Waldsee ausgestellt. Schwerelose Borkenkäfer, Insekten,  gefallende Ikarusse, Totems oder Flugmaschinen stehen hier in Konkurrenz zu den technischeren, glatten und zeitlosen Arbeiten von Uhlmann und Blomberg. Letzteren fehlt die faltige, lebendige und humorvolle Poesie und der gemächliche, aleatorische Entstehungsprozess.  Katja Strunz  große Plastik Enthüllung (2008) aus Baustahl, Pulverbeschichtung und patinierter Bronze ist ein Riesenflügel, der auch  Chadwicks Viecher in die Luft bringen könnte.

In den 1960er Jahren entsteht eine Serie aus Zeichnungen und Skulpturen, die Chadwick  „Moon of Alabama“ tauft. Ein Sammelsurium von Kokons, Larven oder zackigen Hüllen. Vielleicht hat er sie ja auch Kurt Weill und Berthold Brecht gewidmet. Beweise dafür gibt es allerdings nicht. Figurative Skulpturen baut er ab den 1970er Jahren. Meist Paare, stehend auf  erschreckend, unsicheren, dünnen Beinen und oft nebeneinander, im Dialog, sich festhaltend. Eine Gratwanderung der Schwerkraft zwischen Raum und Zeit. Ab 1980 arbeitet er mit geschweißten Edelstahlplatten. Diese glatten, sauberen Tafeln allerdings lassen seine gewohnte Lyrik ein wenig vermissen, dafür rufen sie Assoziationen mit den  präzisen  japanischen Origami -Spielen hervor. „Beast Alerted I » (1990) dominiert im Garten im Haus am Waldsee, eine Leihgabe des Estate of Lynn Chadwick and Blain|Southern.

1958 kauft Chadwick ein Anwesen in Gloucestershire und renoviert es, baut es  nach und nach um, bis es Wohnhaus und Atelier unter einem Dach vereint. Bemerkenswert  vor allem ist der Skulpturengarten. Lypiatt Park beherbergt heute den Nachlass des Künstlers und wird von Eva und Sarah Chadwick verwaltet.

Lynn Chadwick arbeitete als Zeichner in verschiedenen Londoner Architekturbüros und erst nach dem Zweiten Weltkrieg fing er an, als selbstständiger Designer Möbel und Textilien zu entwerfen, bis er später von der Plastik in Bann gezogen wird. Schon 1952 stellte er im britischen Pavillon der Biennale in Venedig aus und erhielt 1956 den „Biennale Grand Prix für Bildhauerei“.  Auch auf der documenta Kassel war es des Öfteren vertreten.

Neben Henry Moore und Barbara Hepworth zählt Lynn Chadwick  heute zu den bedeutendsten britischen Bildhauer des 20. Jahrhunderts.

Die Schau  „Biester der Zeit“ Lynn Chadwick, Katja Strunz, Hans Uhlmann ist seit Mitte Mai im Haus am Waldsee und im Georg Kolbe Museum zu sehen. Man kann die elf Kilometer, die zwischen beiden Häusern liegen, mit dem Fahrrad zurücklegen, das man an beiden Orten ausleihen und zurückgeben kann. Es empfiehlt sich, beim Kolbe Museum anzufangen und dann ca. 40 Minuten durch den Grunewald zu radeln!

Eine großartige Ausstellung haben die beiden Häuser hier auf die Beine gestellt. An die 70 Exponate, Plastiken, Zeichnungen und Lithografien, beherbergt diese einmalige Retrospektive von Chadwick. Im Georg Kolbe Museum beschreibt die Schau seine Werkentwicklung, während im Haus am Waldsee die Arbeiten der drei Künstler Lynn Chadwick (1914 – 2003), Hans Uhlmann (1900 – 1975) und Katja Strunz (*1970) gegenübergestellt und Parallelen gesucht und gefunden werden. Die Ausstellung läuft noch bis zum 25. August 2019.

 

 

P1080333P1080291P1080316P1080306katja StrunzChadwick und Uhlmann
Moon of Alabama, Raumansicht, Biester, « Enthüllung » von Katja Strunz, ganz rechts Chadwicks « Biest » mit zwei Kristallaugen im Hintergrund, vorne  Hans Uhlmann « Vogelwesen » von 1952 

 Christa Blenk

 

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Flucht in die Bilder ? – Brücke Museum

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Flucht in die Bilder? – Die Künstler der Brücke im Nationalsozialismus

Die Ausstellung im Brücke Museum Berlin  „Flucht in die Bilder?“  befasst sich mit den Brücke-Künstlern in der Zeitspanne zwischen 1905 – Gründungsjahr der Künstlergruppe Die Brücke  – , der Zeit vor und während des Nationalsozialismus bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Sie zeigt, wie sich die Kunst der Brücke-Gründer aufgrund politischer Gegebenheiten angepasst, verändert oder deren Leben beeinflusst hat.

Als sich Anfang des 20. Jahrhunderts, im Jahre 1905, die angehenden Künstler und Architekturstudenten Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff  (1906 kamen Max Pechstein und Emil Nolde hinzu) in Dresden in der Künstlergruppe „Die Brücke“ zusammenschlossen um die Malerei zu revolutionieren, haben sie damit einen wichtigen, wegbereitenden Schritt in die klassische Moderne getan. Der deutsche Expressionismus war geboren. Die Bezeichnung « Die Brücke » nicht nur eine solche in Dresden, sollte auch eine Metapher dafür sein, wie Konventionen zu überwinden waren, um einen Weg ans andere Kunst-Ufer zu finden. Die Künstler wussten, wovon sie weg wollten, hatten aber ansonsten kein klares Ziel vor Augen. Das Programm von Kirchner wurde 1906 auf einem seiner Holzschnitte präsentiert. Kontrastreich und farbig sollte diese Kunst sein, auf Details verzichten, kantig und mutig, angelehnt an den französischen Fauvismus, aber aussagekräftiger, mutiger, waghalsiger und psychologischer. Nach und nach zog es die Künstler zwischen 1906 und 1912 nach Berlin, auch um näher an Galerien, die ihre Kunst annehmen würden, zu sein. Die bevorzugten Motive waren Mensch, Natur, Vergnügen und Großstadt. Aufgenommen von der Bevölkerung wurde diese neue Kunst mit viel Polemik und Geschrei.

Schon 1912 kriselte es aber in der Gruppe, u.a. auch weil Pechstein – entgegen der ungeschriebenen Vorschriften nicht individuell sondern nur in der Gruppe auszustellen – dies trotzdem tat, und an der Berliner Secession teilnahm. Emil Nolde hatte die Künstlergruppe ebenfalls aufgrund von Streitigkeiten mit den anderen bereits vorher wieder verlassen. Als 1913  als „Die Brücke“  auseinander fiel, stand der Erste Weltkrieg schon vor der Tür.  Nolde, der immer wieder bei den Nazis « bella figura » machen wollte, sollte später seinen ehemaligen Brücke-Kollegen Pechstein als „Juden“ anzeigen, so dass dieser schon 1933 den Arier-Nachweis vorweisen musste.

Bevor die Maler sich aber nach der Auflösung der Brücke neuen Projekten widmeten, trennten sich erstmals auch physisch ihre Wege. Der eine ging in den Süden, der andere nach Ostpreußen. Pechstein reiste durch Italien und Heckel an die Flensburger Förde. Kirchner ging auf die Ostseeinsel Fehrmann und besucht den Sommer über seinen Freund Otto Mueller. Wieder zurück in Berlin entstanden seine bekannten Straßen- und Barszenen.

Viele der Bilder haben eine interessante Geschichte, wie Kirchners bekanntes Bild « Artistin ». Es hing von 1917-1937 im Kunstverein Jena, wurde dort 1937 beschlagnahmt und ab Sommer 1938 im Schloss Schönhausen gelagert. 1940 erwarb es Ferdinand Möller vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda im Rahmen eines Tauschvertrages. Bis 1997 blieb es im Besitz des Galeristen und seiner Erben und wurde im selben Jahr durch Mittel der Deutschen Klassenlotterie Berlin für das Brücke Museum erworben.  

Die Schau im Brücke Museum nimmt nun die Maler Kirchner, Heckel, Pechstein, Schmitt-Rottluff  unter die Lupe. Bis jetzt waren diese Künstler vor allem als  „entartet“ bekannt und gingen so in die Kunstgeschichte ein. Nach dem Besuch dieser Ausstellung stimmt das zwar immer noch, aber die Ausstellung zeigt, wie sie sich an die Vorgaben des Regimes in den 1930er Jahren anpassten und wie aus den knallbunten, verzerrten Menschen bravere Bilder wurden. Hier geht es nicht unbedingt um Antisemitismus wie bei Nolde, eher um Anpassung, Bequemlichkeit und vielleicht Verrat an der Kunst. Pechstein malte seinen Sohn mit kurzen Hosen und strammen Haarschnitt. Da tauchte schon mal ein Hakenkreuz auf einem Bild auf, Heckel, der als einziger kein Malverbot erhielt, malte ein Triptychon mit blonden, deutschen Jungen beim Sport und unterschrieb außerdem 1934 – zusammen mit anderen Intellektuellen oder Künstlern wie Ernst Barlach, Mies van der Rohe, Richard Strauß und Wilhelm Furtwängler – das Treuegelöbnis zu Adolf Hitler. Schmidt-Rottluff durfte  – wie Nolde – bis 1941 arbeiten. Alle Brücke-Künstler waren bei der Münchner Ausstellung über entartete Kunst trotzdem prominent und mit vielen Werken vertreten, wurden aber mehr oder weniger geduldet und verbleiben – ohne größeren Belästigungen ausgesetzt gewesen zu sein – die komplette Vorkriegs- und Kriegszeit in Deutschland und malten Landschaften oder kitschige Stillleben. Mit Ausnahme von Ernst Ludwig Kirchner, der schon früh in die Schweiz ging und sich dort 1938 das Leben nahm.  

Flucht in die Bilder? wird von Prof. Dr. Aya Soika (Bard College Berlin), Dr. Meike Hoffmann (Freie Universität Forschungsstelle Entartete Kunst) und Lisa Marei Schmidt (Brücke-Museum) kuratiert. Ein umfassender Katalog erscheint im Hirmer Verlag in deutscher und englischer Sprache.

Bis zum 11. August 2019 ist diese Ausstellung noch im Brücke Museum zu sehen.

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 Impressionen aus der Austellung

 

Christa Blenk

 

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Emil Nolde – Eine deutsche Legende

Nolde im Hamburger Bahnhof

 

Die Freuden der Pflicht

Schon der Schrifttyp des Ausstellungsplakats zeigt, worum es hier eigentlich geht.

Dass der Maler Emil Nolde nicht zum Widerstand gehörte, war immer klar. Klar war auch, dass er in der Partei war und nie mit dem Gedanken spielte, Nazi-Deutschland zu verlassen.  Auch seine Sympathie für das Regime war bekannt, obwohl er zu den Künstlern gehörte, die am meisten den Stempel „entartet“ aufgedruckt bekamen und er mit einem sogenannten Malverbot belegt wurde.  All diese Informationen wurden in der letzten Zeit  verstärkt und gefestigt, da seit dem Jahre 2013  ein Archiv in Seebüll den Zugang zu knapp 30.000 Dokumenten aus dem Nolde Nachlass ermöglichte, was eine intensive Auswertung seiner Person und Kunst und eine Änderung seiner Biografie mit sich brachte.  Einer der größten deutschen Expressionisten war ein Antisemit und ein Vorkämpfer gegen die angebliche jüdische Dominanz in der deutschen Kunst.

Die Ausstellung im Hamburger Bahnhof zeigt nicht nur viele weniger bekannte Werke, zum Teil als Reproduktionen, sie dokumentiert auch anhand von Briefen und Fotos einen verbissenen, unsympathischen und opportunistischen Nolde und wirft die Frage auf , wie  das Nazi-Deutschland seine Kunst veränderte bzw. beeinflusste.

 

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Das Bild in der Münchner Ausstellung (Foto in der Ausstellung)

 

Im ersten Saal hängt das Gemälde „Verlorenes Paradies„. Es entstand 1921, misst 106 x 157 cm und gehört der Nolde Stiftung Seebüll. Ein großartiges Hauptwerk. Farbenprächtig, primitiv, ironisch und dümmlich blicken Adam und Eva aus der « nackten » Wäsche. Sie sitzen – wohl vor dem Paradies – links und rechts einer grün-lila züngelnden Schlange und verbreiten eine „no future“ Stimmung.  Im Hintergrund ein fletschender Löwe. Das Bild ist ein Paradebeispiel für Entartung in der Kunst. Auch das heftige Gemälde „Die Sünderin“ (1926) ist zu sehen. Es zeigt seinen harten, sehr eigenwilligen Expressionismus. Dieses umwerfende, biblische, Bild gehört der Berliner Nationalgalerie. In dieser Zeit malte Nolde mehrere religiöse Bilder und griff immer wieder auf Bibelmotive zurück. Dies änderte sich schlagartig 1934. Ab dieser Zeit malte er primitive Wikinger und blonde Krieger aus altdeutschen Legenden oder mythische Opferszenen, auch um den Nazis zu gefallen. Dass die Nazis diese primitiven, blonden Anti-Helden nicht mochten, hätte er eigentlich erkennen oder wissen  müssen. Dass er sie trotzdem gemalt hat zeigt, dass er eben doch, dass er ein großartiger Künstler war, der wenigstens seinen künstlerischen Werdegang nicht verleugnen konnte. Das Aquarell „Gaut der Rote“ entstand in der Zeit des Malverbots und wird mit anderen Werken aus der Serie in der Ausstellung gezeigt. Aus Seebüll kam auch das Aquarell „Altes Bauernpaar“ (1942). Es misst nur knapp 22 x 16,5 cm und strahlt Armut und hartes Landleben aus. Das Aquarell „Herrin und Fremdling“  diente ihm wohl als Vorlage für das Gemälde  „Nordische Menschen“.

Seine ungemalten Bilder, kleinformatige Aquarelle, hat er angeblich nach dem Malverbot heimlich gemalt. So genau stimmte das aber nicht, denn schon vor 1934 entstanden große Gemälde auf der Basis von Aquarellen.

Am Schluss der Ausstellung hängt das Bild « Brecher“. Ein beeindruckendes, wildes, tosendes Wellenbild in grau-blau mit brennendem Nolde-Himmel.  Es hing bis vor kurzem im Bundeskanzleramt.

Seine persönliche Legendenbildung begann dann auch gleich nach dem Krieg. Nolde wurde zum Opfer und seine Ideologien heruntergespielt. Unterstützt hat dies der Roman von Siegfried Lenz‘ Roman „Deutschstunde“, der 1968 erschien und aus Nolde einen Dissidenten, einen Geschädigten machte, der nicht mehr malen durfte und dies vom Dorfpolizisten überwacht werden musste. Nolde selber frisierte seine Biografie und entfernte alles was « politisch nicht korrekt » war. Bemerkungen über den Galeristen Paul Cassirer oder mit Max Liebermann zeigten seinen Antisemitismus schon früh, lange bevor die Nazis an die Macht kamen.

Ein wichtiger Teil der Ausstellung ist die Nachbildung von Noldes Bilderzimmer in Seebüll. Die Werke hängen genau so, wie der Künstler sie 1941 selber angebracht hatte. In diesem Jahr wird Seebüll an der dänischen Grenze der Hauptwohnsitz der Noldes, auch weil in Berlin immer mehr Luftangriffe stattfinden. Viele religiöse Bilder aus den Jahren bis zum Ende des ersten Weltkrieges fehlen, dafür ist die nordische Thematik gut vertreten.

 

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Nachbildung seines Bilderraumes in Seebüll

 

Diese Werkschau setzt eine Reihe von Ausstellungen mit Werken der Neuen Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof fort. So wurden seit 2015 Werke von Kirchner, Belling und Mueller gezeigt, denn auf Grund der langwierigen Umbauarbeiten des Mies van der Rohe-Baus, liegen all diese Schätze im Keller.

Nolde trat 1906 der Künstlergruppe Brücke bei und lernte dort Kirchner, Heckel und Schmidt-Rottluff kennen und später auch Munch in Berlin. Ein Streit mit Schmidt-Rottluff ließ ihn ein Jahr später schon wieder austreten. Profitieren konnte er auch von seiner Mitgliedschaft in der Berliner Secession 1909. Kurz darauf entstanden die ersten religiösen Bilder und Nolde konnte schon früh Erfolge vorweisen. Als Zeichner durfte er in den Jahren 1913-1914 an der medizinisch-demographischen Deutsch-Neuguinea Expedition teilnehmen und erweiterte sein Farbenspektrum aber entdeckte auch seinen Rassismus, denn die „Wilden“ auf die er dort traf, hielt er für minderwertig. Ab 1926 verbrachte er die Sommermonate mit seiner Frau Ada in Seebüll.

Obwohl Goebbels und Speer ihn anfangs förderten wurde sein Gemälde Leben Christi in der Ausstellung Entartete Kunst 1937 präsentiert. Beschlagnahmungen und Zwangsverkäufe folgten. Nolde konnte das gar nicht fassen und fühlte sich missverstanden, ja versuchte sogar die Nationalsozialisten davon zu überzeugen, dass seine Kunst gegen die Überfremdung der deutschen Kunst eine wichtige Rolle spiele.

1956 ist Emil Nolde in Seebüll verstorben. Nach dem Krieg malte er noch über 100 Bilder, allerdings mehr und mehr eingeschränkt durch seine Parkinson-Krankheit. Nachdem er fast 20 Jahre auf biblische Themen verzichtet hatte, greift er 1951 mit « Jesus und die Schriftgelehrten » wieder darauf zurück. Dieses Bild gleich vom Aufbau her « Der Sünderin ».

1955 wurde er zur  documenta 1 eingeladen; posthum nahm nochmals 1959 und 1964 teil.

Die Ausstellung Emil Nolde – Eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus wurde durch die Freunde der Nationalgalerie ermöglicht unterstützt durch die Friede Springer Stiftung  in Zusammenarbeit mit der Nolde Stiftung Seebüll. Kuratiert haben sie Bernhard Fulda, Christian Ring und Aya Soika.

Die Ausstellung ist noch bis zum 15.09.2019 im Hamburger Bahnhof zu sehen. Sehenswert ist die Ausstellung auf jeden Fall, allerdings muss man eine lange Schlange in Kauf nehmen.

Christa Blenk

 

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Giacometti im Prado

ausstellung

 

Giacometti flaniert durch den Prado (Artikel für KULTURA EXTRA)

Der Madrider Prado ist einer der bedeutendsten und berühmtesten Kunsttempel weltweit. Dieses Jahr feiert das Museum seinen 200. Geburtstag. Ehrengast ist seit dem 2. April der Schweizer Künstler Alberto Giacometti (1901-1966). Die feingliedrigen Skulpturen mischen sich unter die Gemälde der alten Meister, die vor allem im  „Siglo de Oro“ (Spaniens Goldenes Jahrhundert) auf die Iberische Halbinsel gekommen bzw. dort entstanden sind: darunter sind Werke von Goya, Velázques, El Greco oder Bosch und Brueghel sowie viele Gemälde der italienischen Renaissance.

Raum und Zeit erfinden sich mit diesem Ehrengast hier neu.  Obwohl der Prado schon früher für Degas oder Picasso z.B. seine Türen für die Avantgarde öffnen ließ, blieben die modernen Eindringliche unter sich. Hier treten die nervösen Giacometti Figuren in direkten Dialog mit den permanenten Bewohnern, da sie um und in den wichtigsten Sälen des Museums aufgestellt wurden.

Die Kuratorin der Ausstellung, Carmen Giménez, schickt Giacometti auf eine Reise durch die Jahrhunderte – vom Mittelalter zur Moderne.  Zeiten und Epochen fusionieren, seine Figuren werden zu Zeitreisenden und jede Skulptur hat für ein paar Monate den passenden Gastgeber gefunden. Sie betrachten sich auf eine voyeuristische Art, begutachten sich und wägen ab, ja erkennen sich wieder, denn für den Schweizer Künstler sind sie – obwohl er nie in Spanien war – keine Unbekannten. Als Kind hat er die alten Meister leidenschaftlich kopiert oder reinterpretiert.  Seine Zeichenhefte beweisen das. Er bewunderte Tintorettos architektonische Farbenpracht genauso wie  er von Goyas  „Pintura negra“ (schwarze Bilder) fasziniert war.

Die jeweilige Platzierung der Skulpturen war sicher eine Herausforderung und ist exquisit und sehr sensibel umgesetzt.

So stehen auf einer Plattform („La Piazza“) die direkt vor Velázques‘ (1599-1660) „Las Meninas“ aufgestellt wurde, vier sich ansehende Skulpturen im Kreis, genau dort wo das Königspaar saß, als es sich vom Hofmaler portraitieren ließ. Zu sehen sind diese allerdings nur durch einen Spiegel im Bild. Dafür steht der Maler mitten in seinem gerade entstehenden Gemälde bei der Arbeit und blickt auf das Publikum bzw. auf die Vierergruppe. Wir sind versucht, auch die Giacometti-Skulpturen unter den Meninas und Hofnarren zu suchen.  Ein seltsames Gefühl das sich fortsetzt, wenn wir als nächstes vor „El Carro“ (der Wagen)  stehen. Die Kuratorin hat ihn vor einem großartigen Tizian aufstellen lassen. Das Portrait Karl V bei der Schlacht von Mühlberg. Der stolze König sitzt hoch zu Ross. Von der Schlacht zeugt außer einem dramatischen Feuerhimmel nichts. Doch sieht man dem Kaiser den Sieg an. Eine filigrane, überdünne Frau auf einem Sockel – eingefroren zwischen Bewegung und Stillstand – über zwei sehr großen Rädern. Die Skulptur wird hier zu Mutter Courage, zu einer Marketenderin im 30jährigen Krieg, die sich durch ihn ihren Lebensunterhalt verdient.  In der Schlacht von Mühlberg besiegte das Heer Kaiser Karls V die Truppen des Schmalkadischen Bundes. Der Führer der Protestanten, Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen, geriet in Gefangenschaft. Tizian hat dieses großartige Portrait genau 100 Jahre vor Ende dieses Krieges gemalt.

Einer der Lieblingsmaler von Giacometti war wie gesagt der Venezianer Tintoretto (1518-1594) und seitlich vor dessen großartigem Mammutwerk „Lavatorio“ warten die  „Sieben Frauen aus Venedig“. Giacometti hat sie 1956 für die Biennale von Venedig geformt, jede aus der gleichen Menge Lehm, in verschiedenen Größen und mit ähnlichen Gesichtern. So gebündelt sind sie überaus beeindruckend. Als Gruppe treten sie sonst eher nicht auf, da sie in unterschiedlichen Ländern zu Hause sind. Die Nr. I lebt in Madrid und gehört der Alicia Koplowitz-Grupo Omega Capital. Die Nr II und III,  V und VII sind aus  dem Lousiana Museum of Modern Art in Humblebaek (USA) angereist. Nr. VI gehört der Fundation Marguerite et Aimé Maeght und die Nr. VIII der Fondation Beyeler. Beyeler hat übrigens mehrere Exponate zu dieser Ausstellung geschickt. Die Frauen, so scheint es, kommen gerade aus dem Bild und haben sich vorher noch in der großartigen Architektur von Tintorettos Gemälde getummelt. Jetzt blicken sie neugierig gegenüber auf ihre Verwandten aus dem 16. Jahrhundert im El Greco Saal.  Denn die Heiligen auf El Grecos  (1541-1614) manieristischen Gemälden sehen den Venezianerinnen oder generell Giacomettis Spätwerken durchaus ähnlich.

Im Saal von Zurbarán hat „Das Bein“ seinen Platz gefunden. Es entstand 1958 und kommt aus der Baseler Alberto Giacometti Stiftung. Vor den wuchtigen Körpern auf Zurbaráns Herkules Serie ist das Bein wie ein Hieb und zeigt die Veränderungen, die Giacometti nach dem Zweiten Weltkrieg in seiner Kunst erfahren hat. Die streng-spartanisch, fast schnörkellose und kompakte  Form verträgt sich gut mit dem dunklen Mystiker Zurbarán (1598-1664),  der am liebsten Mönche oder Leute aus dem Volk malte.

Eli Lotar III gilt als Giacomettis letztes Werk, es entstand 1965. Man fand die Skulptur unvollendet in seinem Atelier. Der Fotograf Eli Lotar gehörte zu Giacomettis Freundeskreis. Große Frau I und II sind imposante primitive Göttinnen und scheinen die Ausstellung zu bewachen. Sie sind aus Houston und Zürich nach Madrid gekommen und ebenfalls 1960 entstanden.

Giacometti, der als 20jähriger nach Paris kam und sich um 1930 kurz dem Surrealismus zuwandte, kehrte schon während des zweiten Weltkrieges wieder zu Arbeiten mit Modellen zurück. Er kehrte der avantgardistischen Bewegung den Rücken, wurde irgendwie zeitlos und widmete sich fast komplett der menschlichen Gestalt. Seine rissig-schartigen, unebenen und schroff- langgezogenen Skulpturen könnten aus der Antike kommen oder Bewohner vergessener Kulturen sein.

Eröffnet wurde das Prado-Museum im November 1819 durch María Isabel de Braganza. Gebaut hat es  Juan de Villanueva, ursprünglich geplant als naturgeschichtliches Museum. Ein Großteil der königlichen Sammlungen sollte dort ausgestellt werden. Diese  Kollektion hat sich dann im Laufe der Zeit durch Schenkungen oder Zukäufe zu dem entwickelt, was der Prado heute ist. Zwischen 1936 und 1939, im spanischen Bürgerkrieg, wurden die Kunstwerke mit Sandsäcken vor den Bombardierungen geschützt. Einige Werke kamen später über Valencia nach Genf. Und dort in Genf, hat Giacometti einmal eine Ausstellung der alten Meister aus dem Prado gesehen. 2005 hat der spanische Architekt Rafael Moneo den beeindruckenden Erweiterungsbau konzipiert.

Die außergewöhnliche Ausstellung „Alberto Giacometti en el Museo del Prado“ ist noch bis zum 7. Juli 2019 in Madrid zu sehen und wird von einem spannenden Begleitprogramm flankiert.

Prado 200 Jahre

Christa Blenk

 

Zusatzinfo:

Das Prado Museum ist eigentlich schon genug Grund, um in die spanische Hauptstadt zu reisen. Wer aber mehr braucht, kann auf der Museumsmeile oder dem „Triangolo del Arte“, wie die Spanier sagen, gegenüber auf der einen Seite das Caixa Forum, einen schwebenden Sockelbau auf dem Gelände eines ehemaligen Elektrizitätswerk 2008 von den Schweizer Architekten Herzog und De Meuron erbaut hat sehen. Auf  der anderen befindet sich das Thyssen Museum mit der großartigen Sammlung von Thyssen Bornemisza, die 1992 in spanischen Besitz überging und natürlich das zeitgenössische Museo Reina Sofia, ein ehemaliges Krankenhaus aus dem 17. Jahrhundert, erbaut von Sabatini. Der Franzose Jean Nouvel wurde mit dem Erweiterungsbau beauftragt, der 2002 eröffnet werden konnte. Das Wochenende müsste allerdings ein Langes sein, um all das zu besichtigen.

 

 

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Mantegna und Bellini

mantegna Bellini Eingang

Mantegna und Bellini. Meister der Renaissance  (Artikel für KULTURA EXTRA)

 Renaissance-Ausstellungen sind anziehend, beliebt, füllen Museen und sorgen für Schlangen vor der Kasse. Es gibt sie in allen möglichen Konstellationen mit unterschiedlichen Konzepten, nach Künstlergruppen oder Umfeld organisiert. Eine Gegenüberstellung dieser beiden Meister der Renaissance hat es so noch nicht gegeben und war längst überfällig. „Komplementär und erhellend“ nennt der Direktor der National Gallery London, Gabriele Finaldi, die Konfrontation „des rigorosen Humanisten der italienischen Renaissance, Mantegna mit dem poetischen Interpreten menschlicher Emotionen, Bellini“.

 Nach einem Aufenthalt in London bis Anfang des Jahres, treffen die beiden großartigen Künstler Mantegna und Bellini nun in der Gemäldegalerie aufeinander. Ein Highlight in der Berliner Kunstszene, hat es doch seit längerem hier keine wirklich bedeutende Ausstellung gegeben. Bis zum Sommer können diese wunderbaren Bilder in der Berliner Galerie der Alten Meister bewundert werden.

 Wenn man von der Renaissance spricht, kommt man nicht umhin, auch Florenz zu erwähnen, denn dort wurde sie sozusagen „erfunden“. In der toskanischen Perle wirkten in der ersten Generation Genies wie Brunelleschi (1377-1446), Donatello (1386-1466), Botticelli (1445-1510) oder später Michelangelo (1475-1564). Der Baumeister der Hochrenaissance par  excellence, Donato Bramante (1444-1514) oder das Genie Raffael (1483-1520) kamen aus Urbino nach Florenz, während der Universalgelehrte und Künstler Leonardo Da Vinci (1452-1519) in Mailand wirkte. In Venedig malte die Bellini-Dynastie: Jacopo und seine beiden Söhne Gentile und Giovanni Bellini (ca 1437-1515). Letzterer traf in Venedig auf den talentierten Provinzkünstler Andrea Mantegna (1431-1506) und das war der Beginn einer wunderbaren und erfolgreichen Zusammenarbeit, ja Symbiose.

 La Serenissima oder die Stadt in der Lagune von Venedig war schon ab Mitte des 15. Jahrhunderts neben Konstantinopel eine der wohlhabendsten und mit über 160 000 Einwohnern auch eine der größten Städte in Europa. Hier wurden edle Stoffe, kostbares Salz, feines Glas und andere Preziosen verschifft oder umgeschifft und in die ganze Welt verbracht. Und wo Wohlstand herrscht kann Kunst entstehen, sich verbreiten und gedeihen. Eine angestrebte, erschöpfende Bildungsreform im Humanismus ermöglichte in Florenz mit den Medicis eine Blütezeit der Kunst, aber auch venezianische wohlhabende Bürger oder der Adel förderten Künstler und Bildhauer und sorgten dafür, dass die optimalen Fähigkeiten des Einzelnen unterstützt wurden.  Die Gewissheit einer neuen Zeit anzugehören brachte nicht nur die Entdeckung alter Schriften mit sich, auch die Welt dehnte sich aus, man durchquerte die Weltmeere und ergründete neues Land. Und obwohl die Auftraggeber meist das Motiv in Form von Bibelgeschichten vorgaben, malten Künstler immer häufiger außer religiösen Portraits Konterfeis von Adeligen und Kunstmäzenen. Ein Beispiel hierfür ist Bellinis großartiges Portrait vom Dogen Leonardo Loredan. Es entstand um 1501 und hängt normalerweise in der Londoner National Gallery.

 Der Sohn eines Tischlers und schon früh erfolgreiche Künstler aus dem Umland von Padua, Andrea Mantegna, entdeckt nach seinen Lehrjahren in Ferrara die Werke Rogier van der Weydens (1399-1464) und Piero della Francescas (1416-1492). In Mantua wird er geschätzter Hofmaler der Gonzagas, eröffnet eine Malschule und folgt dem Ruf von Papst Innozenz VIII nach Rom. Vorher heiratet er aber noch Nicolosia Bellini, ihres Zeichens Tochter des bekannten Malers Bellini. Mantegna hat Talent, Mut  und Selbstbewusstsein. Die Heirat ist ein Glücksfall, auch für beide Künstler, denn was eine Konkurrenz hätte werden können, sollte ein fruchtbarer und erfolgreicher Austausch zwischen Nicolosias Bruder Giovanni und ihrem Mann, Andrea werden. Vielleicht war dieses Arrangement aber auch durchdacht, um den Künstler aus der Provinz nicht zu groß werden zu lassen, ihn unter Kontrolle zu halten. Wie auch immer: eine echte win-win-Situation für beide.

 Mantegna pflegte das Florentiner Kunstideal. Seine Figuren sind streng und würdevoll, von großer Körperlichkeit und verfügen über die geforderte Bindung an die Antike, beachten die Perspektive, und seine aus der Luft gegriffenen und sehr von Architektur geprägten Landschaften oder Felsen sind eben deshalb idealisiert. Er gehörte zu den Künstlern, die gemeinsam mit Gelehrten und Humanisten eine Faszination für die Antike zeigten und die ihre Wiederentdeckung anstrebten.

 Mantegna, dessen Talent schon früh zum Vorschein kam und der als Elfjähriger in einer Kunstwerkstatt Unterricht bekam, war beeindruckt von Bellinis samt-seidigen, geschmeidigen Landschaften und dessen Begabung und Geschick, Licht und Stimmungen einzufangen.

 Bellini wiederum, der in eine angesehene Künstlerfamilie hineingeboren wurde, war fasziniert von Mantegnas antiken Portraitgruppen wie Samson und Delila oder David und Goliath, von seiner intellektuellen Kunsttheorie, seiner eigene Anatomie, dem harten und skulpturalen Manierismus und den geerdeten Gesichtern. Bellinis Madonnen sind idealisiert und tragen das Jesuskind wie einen Schatz, der gehütet werden muss oder wie eine Dekoration vor sich her. Mantegnas Madonnen hingegen sind Frauen, Mütter, die ihr Kind beschützen und eine persönliche Bindung zu ihm haben. Wenn Mantegna einen Toten malt, dann hat dieser vorher gelitten, Bellinis Tote scheinen unbesorgter zu sein, tragen weniger Elend mit sich. Ein Übergang von den Sterbenden zu den Toten. Bellini bekam den Erfolg in die Wiege gelegt, denn schon sein Vater Jacopo führte, wie gesagt, eine erfolgreiche Werkstatt in Venedig, Not dürfte er nicht gekannt haben.

 Die Ausstellung zeigt vor allem, wie unbefangen Bellini die Motive von Mantegna oft Jahre später aufgriff, ergänzte, erweiterte, erhellte. Bellinis Farben sind kompakter, glatter und gewaschener. Heutzutage hätte man ihn sicher des Plagiats beschuldigt.

Das Gemälde von Mantegna „Christus am Ölberg“ entstand um 1458. Ein betender Christus kniet auf einem Felsvorsprung und blickt nach links in Richtung einer Engelschar, im Hintergrund ist eine große Stadt zu sehen, die gleich wieder Mantegnas Faszination für die Architektur hervorhebt. Die römischen Soldaten befinden sich im Anmarsch, um Christi zu verhaften, was die im Vordergrund schlafenden Jünger aber noch nicht wissen. Am Himmel brauen sich Gewitterwolken zusammen. Giovanni Bellini hat ein ähnliches Bild ein paar Jahre (um 1465) später gemalt. Hier fehlt Mantegnas Dramatik. Das Bild ist heller, die Stadt kleiner und weiter weg. Sein Christus blickt nach rechts auf nur einen Engel.  Bellinis Szene ist hoffnungsvoller, die schlafenden Jünger unbeschwerter.

In dem Buch „Das Leben der Künstler“ beschrieb der  italienische Künstler und Biograph Giorgio Vasari (1511-1574), Leben und Werk  fast aller großen Künstler vor und zu seiner Zeit. Über Mantegna sagte er : „ ….als male er Stein und nicht lebendiges Fleisch. Mantegna malt wie ein Bildhauer, Bellini ist der Maler des „sfumato“. Die Bellinis prägen bis heute unser Bild der venezianischen Renaissance. Beispielhaft für den künstlerischen und sozialen Aufstieg, der sich neben Talent und Fleiß vorwiegend auf die moralische Integrität der Protagonisten gründet, während Mantegnas Vita ein Plädoyer für das Mäzenatentum ist“.

 Ein spannendes Beispiel für die Bedeutung dieser Ausstellung ist ein Vergleich zwischen Andrea Mantegna „Die Darbringung Christi im Tempel“ (ca. 1453). Mantegnas Version ist in Berlin zuhause und entstand kurz nach seiner Hochzeit mit Giovannis Schwester Nicolosia, die ganz links im Bild zu sehen ist. Der Maler selbst hat sich rechts ins Bild gebracht. Dieses Bild ist ruhig und dunkel, hat noch etwas vom Mittelalter und sehr wenig vom sonst Bildhauerischen Mantegnas. Die Personen in der Mitte ziert ein Heiligenschein, den Bellini zwanzig Jahre später weglässt. Dafür ergänzt er links und rechts eine (unbekannte) Person, macht aus dem Steinrahmen eine wuchtige Brüstung und hellt das Ganze farblich auf, vielleicht hat aber auch die Farbzusammenstellung einen Fortschritt gemacht. Bellinis Werk ist sonst in Venedig in der Fondazione Querini Stampalia zu bewundern.

 Der gelehrte Eremit Hieronymus, der sich in die Wüste zurückgezogen hat, um die Bibel aus dem Griechischen ins Lateinische zu übersetzen, war für die Maler in dieser Zeit ein Muss. „Der Heilige Hieronymus in der Wüste „  ist ein sehr frühes (um 1450) Meisterwerk von Mantegna, das aus Sao Paulo nach Berlin kam.  Der Asket Hieronymus sitzt vor seiner Höhle, den roten Kardinalshut neben sich, inmitten felsiger Architektur, vom Löwen ist nur der Kopf links von ihm zu sehen. Er scheint sich auszuruhen.  Bellinis Hieronymus ist ebenfalls ein Frühwerk und entstand ein paar Jahre später um 1454. Es ist ein interaktives Bild, möchte man meinen, denn der Heilige scheint hier mit dem Löwen im Dialog zu stehen, predigt ihm mit erhobenem Zeigefinger, im Hintergrund nur liebliche Landschaft. Er hat weder Sandalen noch Hut.

 Caroline Campbell (National Gallery, London), Dagmar Korbacher (Kupferstichkabinett – Staatliche Museen zu Berlin), Neville Rowley (Gemäldegalerie und Skulpturensammlung – Staatliche Museen zu Berlin) und Sarah Vowles (British Museum) haben diese Ausstellung kuratiert und sich auf  die Spuren der beiden Ausnahmemaler begeben, die mehr oder weniger gleichaltrig waren (Bellinis Geburtsdatum ist nicht bekannt). Man schätzt 1435, Mantegna wurde 1431 geboren. Sie faszinieren und bewundern sich gegenseitig. Knapp 100 Exponate, darunter Bilder, Grafiken, Skulpturen sind zu sehen. Dass gerade Berlin und London diese Ausstellung gemeinsam organisieren liegt daran, dass beide Museen mehr Werke in ihrem Besitz haben, als es sonst außerhalb Italiens der Fall ist.

 Sehr sehenswert und gut präsentiert ist diese Ausstellung, die noch bis zum 30. Juni 2019 in Berlin zu sehen ist und die man auf keinen Fall verpassen sollte. Zur Ausstellung erschien ein umfangreicher Katalog zum Preis von 39,90 Euro.

 Parallel zur Sonderausstellung „Mantegna und Bellini. Meister der Renaissance“ zeigt die Gemäldegalerie  Werke von Giovanni Bellini und seines Umkreises, die in Vorbereitung der Ausstellung untersucht und restauriert wurden. Texttafeln, Fotos und Kartierungen geben den Besucherinnen und Besuchern Einblick in die Untersuchungsergebnisse, die Restaurierungsgeschichte und die jüngst durchgeführten Restaurierungsmaßnahmen. (Quelle: Staatliche Museen zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz)

 Und wer jetzt noch nicht genug hat fährt am besten direkt nach Frankfurt zur Ausstellung „Tizian und die Renaissance in Venedig“. Allein 20 Exponate nur von Bellinis begabtestem Schüler Tizian (1488-1556) sind dort noch bis zum 26. Mai zu sehen.

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Dieser letzte Absatz ist nicht im KULTURA-EXTRA Artikel erschienen:

Das Bild « Festmahl der Götter »  hat Giovanni Bellini in den Jahren 1515-1529 gemalt. Umfangreiche Ergänzungen hat u.a. sein Schüler Tizian vorgenommen. Es ist Teil eines Gemälde-Zyklus für Alfonso I d‘Este, Herzog von Ferrara, für sein Schloss.  Bellinis Gemälde misst 170 x 180 cm und gehört der National Gallery in Washington.  Bellini, der selten mythologische Themen aufnahm, hat sich hier an ein Thema von Ovid gelehnt.

festmahl der Götter von Bellini
Festmahl der Götter, Bellini 1514 (fertiggestellt von Tizian um 1529)

Merkur sitzt oder liegt vorne in der Mitte. Er scheint schon ein wenig zu viel Wein getrunken zu haben und wirkt ein leicht lächerlich mit seinem Blechnapf auf dem Kopf. Links von ihm Bacchus als Kind im blauen Kleidchen füllt gerade Wein ab. Dahinter Silenius mit einem Esel. Jupiter auf der anderen Seite hinter Merkur. Den Weinbecher in der einen Hand und einen Adler in der anderen.  Rechts neben Merkur sitzen wohl Cybele und Neptun in trauter Verbundenheit. Daneben Ceres und Apollo, ebenfalls trinkend. Zwei stehende Nymphen im Hintergrund, ein Satyr mit einer Schüssel auf dem Kopf. Eine halbnackte Schöne schläft am rechten Rand, ein stehender Mann neben ihr hebt das Kleid noch mehr zur Seite.  Es sind wohl  Priapus, der gerade die Nymphe Lotis veführt. Bei Ovid gelingt es ihm nicht und er wird zum Gespött der Götter. Pan sitzt nackt und Flöte spielend hinter Cybele. Am linken Rand ein weiterer Satyr von hinten.

Bellini hat hier Erotik und Humor vereint. 85 Golddukaten hat der Künstler von Alfonso d’Este dafür bekommen. Es sollte in einem der schönsten Renaissance Räume überhaupt hängen: im Alabaster Zimmer in Ferrara. Eine große Wertschätzung von Alfonso für den Künstler.

Nach dem Tod von Bellini 1516 haben zwei Künstler an dem Bild weitergearbeitet: Dosso Dossi und Tizian.

In der Ausstellung hängt das Bild neben einem Gemälde von Mantegna, in dem dieser sich ebenfalls mit Mythologie beschäftigt hat. « Minerva vertreibt die Laster aus dem Garten der Tugend ». Es entstand um 1500 und kam aus dem Pariser Louvre nach Berlin.

Die Metamorphosen (Verwandlungen) des römischen Dichters Ovid (um 1 n.C. bis ca. 30 – Ende der römischen Bürgerkriege) bestehen aus 15 Büchern von je ca. 800 Versen. Sie beschreiben die Entstehung der römischen und griechischen Mythologie auf der Basis von etwas 250 Sagen. Die Metamorphosen erfreuten sich immer großer Beliebtheit und wurden ab dem Mittelalter immer wieder von Dichtern und Malern als Inspirationsquelle benutzt. Das ging bis in die Barockzeit. Bei Ovids Geschichten geht es meist darum, dass ein Mensch oder ein Gott (kein wichtiger allerdings) in eine Pflanze oder in den Tier (auch Sternbild) verwandelt wird. Das Werk beginnt mit dem Paar Deukalion und Pyrrha, die einzig Überlebenden der großen Sintflut nach dem Chaos. Die Geschichten überschneiden sich auch schon mal. 

 

 

Christa Blenk

 

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Fernand Khnopff im Pariser Petit Palais

khnopff plakat
 Ausstellungsplakat vor dem Petit Palais

 

Le maître de l’énigme (Meister der Rätsel)

Der „Décadentisme“ oder die „Fin-de-siécle“-Bewegung entstand um 1880 als Widerstand gegen die nüchternen Errungenschaften der Wissenschaft und den technischen Fortschritt; beide raubten der Welt ihre Geheimnisse und Mysterien. Die impressionistische Malerei ging in die Natur, verließ intime Innenräume, die Musik erlebte um 1900 radikale, klangliche und rhythmische Erweiterungen  und die naturalistische Literatur besann sich darauf, die Leiden der nicht-privilegierten Gesellschaftsschichten zu beschreiben. Überall bewegte man sich auf Glatteis und Errungenschaften des Adels und gebildeten Bürgertums schienen nicht mehr zu gelten. Bewusster Realitätsverlust sollte verträumte, kitschige Stimmungen und die Vergangenheit wieder aufleben zu lassen. Es entstanden Gruppen wie die Präraffaeliten oder die Nabis.

1886 veröffentlichte der Franzose Jean Moréas das „Symbolistische Manifest“. Der Symbolismus breitete sich in Europa, vor allem aber in Belgien schnell aus, während in Österreich Klimts Jugendstil das Sagen hatte.  Kunst sollte nur Schöpfung oder Kreation und nur sich selbst verpflichtet sein. Als Muse wurde der französische Dichter Charles Baudelaire erkoren und dessen Werk  „Die Blumen des Bösen“ (Les fleurs du Mal) wurde zur Bibel. Weltschmerz und Zukunftseuphorie im ausgehenden 19. Jahrhundert waren nahe beieinander wie Tod und Leben. Der Mann wurde zum frivolen Dandy und die Frau zur dämonischen femme fatale.

Fernand Khnopff (1858-1921), Dandy, Snob, Abkömmling einer gut bürgerlichen Juristen-Familie aus Brügge, schwamm und träumte mittendrin. Bis zu Beginn des Ersten Weltkriegs der Traum wirklich zum Alptraum wurde.

Khnopff könnte durchaus im Frack an der Staffelei gestanden haben. In Brüssel hat er sich eine Art Heiligenschrein bauen lassen, seinen „Tempel des Ich“, wo er seinem Lieblingsgott, Hypnos, huldigen konnte.

Die Werkschau will die Atmosphäre der Villa Khnopff in Brüssel wiedergeben. So betritt der Besucher die Ausstellung durch das nachgebildete Portal dieses palastähnlichen, egozentrischen Hauses. Man weiß nicht sehr viel über ihn oder sein Leben – er hat es verstanden, auch daraus ein Geheimnis zu machen. Fasziniert war er von den Schriftstellern wie Mallarmé oder Rodenbach. Letzterer bekannt für das chef-d’oeuvre des Symbolismus: „Bruges-la-Morte“.  Auf Rodenbachs Wunsch hat Khnopff 1892 den Einband für das Buch entworfen. Er zeigt eine Ophelia mit langen, romantischen Haaren. Im Hintergrund ist eine Brücke über einen Kanal und Bürgerhäuser zu sehen. Der Komponist Erich Wolfgang Korngold hat über 25 Jahre später die Oper „Die tote Stadt“ aus diesem Stoff  komponiert.

Fasziniert sein Leben lang vom chthonischen, griechischen Schlafgott Hypnos, ist Khnopff der Meister der traumdeuterischen Malerei geworden. Für ihn war der Schlaf „das Perfekteste was unsere Existenz zu bieten hatte“. Es geht hier um den betörenden, geborgenen und behüteten Schlaf, jedenfalls auf den ersten Blick, ob daraus allerdings ein Nachtmahr voller Chimären werden sollte, bleibt dem Betrachter überlassen.

Khnopp, eigentlich Student der Rechtswissenschaften, kam in Brüssel über Galerie- und Salonbesuche zur Malerei. Weiterhin beeinflussten ihn Odilon Redon, Ingres, Delacroix oder James Ensor und natürlich Gustav Klimt. Mit ihm und Josef Hoffmann arbeitete er zu Beginn des 20. Jahrhunderts am Palais Stoclet in Brüssel im Stil der Wiener Secession. Seine großen Vorbilder waren allerdings die englischen Präraffaeliten Edward Burne-Jones und Dante Gabriel Rossetti, deren Arbeiten er auf der Pariser Weltausstellung 1878 entdeckte. Sicher kannte er die Arbeiten der deutschen Nazarener-Gruppe, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Wien und Rom die Renaissance-Vergangenheit heraufzubeschwören versuchte .

Um 1600 ist seine Familie von Wien in die südlichen Niederlande gekommen. Erst mit 20 Jahren schrieb sich Khnopff an der Brüsseler Kunstakademie ein. Die ersten Werke waren naturalistische Landschaften oder Portraits.  1884 nahm er zum ersten Mal auf dem Pariser Salon teil und wurde sofort zum Liebling der Bourgeoisie. In den Jahren bis 1890 malte er 34 Portraits, immer wieder stand ihm seine Schwester Modell, mit ihr wohnte er auch bis zu seiner Heirat zusammen.

Vor 40 Jahre waren Khnopffs Arbeiten zum letzten Mal in Paris zu sehen. In Deutschland so gut wie gar nicht.  2004 gab es eine umfangreiche Ausstellung in Brüssel und Salzburg. Viele seine Werke sind in Privatsammlungen und aufgrund der Empfindlichkeit dieser ist es schwierig, sie zu transportieren. Eines seiner Hauptwerke und überhaupt eines seiner größten Arbeiten, das Gemälde  „Memories“ ist aus diesem Grund nicht nach Paris gekommen, es wird aber umfangreich und hinlänglich besprochen und mit Skizzen, Zeichnungen und Fotos dokumentiert.  Hier ist der Einfluss der gerade um sich greifenden Fotografie erkennbar, obwohl Khnopp diesen bei seinen Werken gerne geleugnet hat.  „Memories“ entstand 1889. Sieben junge Frauen der besseren Gesellschaft haben wohl gerade ihr Tennisspiel beendet. Die Lichtverhältnisse vermitteln eine Spät- Nachmittags-Stimmung. Sie stehen teilnahmslos und unabhängig einfach nur so auf dem Rasen, mit dem Tennisschläger in der Hand. Sie kommunizieren nicht miteinander, besprechen nicht freudig den Tag im Freien, das Erlebte oder feiern die Gewinnerin. Nein, ihre großen, kantigen Gesichter blicken ins Leere, ihre Hände oder Körper berühren sich nicht. Sie stehen da, wie eine Ballettgruppe, die auf den Choreografen wartet, um zu erfahren in welche Richtung sie sehen oder gehen oder was sie tun sollen. Vielleicht warten sie aber auch, in Teams eingeteilt zu werden und fangen gerade erst an zu spielen. Ein Ball ist nicht zu sehen und die Schläger wirken wie Dekor. Nicht einmal besonders sportlich sehen sie aus und ähneln Puppen, die nur unterschiedlich gekleidet sind: kein Wunder, seine Schwester hat für alle Sieben Modell gestanden. Ferdinand Hodler hat auch solche Gruppenbilder gemalt, bei denen kein Zusammenhang zwischen den Personen zu vernehmen ist.

Memories hängt im Musées Royeux des Beaux-Arts in Brüssel  und ist eigentlich auch nur wieder das Portrait einer Person. Personen, allein und verloren  im Bild, waren seine Lieblingsmotive.

 „I lock my door upon myself“ (ich schließe mich in mich selbst ein) entstand 1891. Es gehört der Neuen Pinakothek München. Khnopff, der ein großer Bewunderer des Aesthetic movement war, hat es nach einem Gedicht von Cristina Rossetti – die Schwester des Mitbegründers der Gruppe gleichen Namens – gemalt. Das Bild ist eine Allegorie der Einsamkeit inmitten von verdorrten Blumen. Es hat etwas morbides, verdorbenes, unheimlich trauriges und beschreibt den feinfühligen Defätismus, der Khnopff umgab. Eine Untergangsstimmung, die in vielen seiner Werke zu finden ist. Das bekannteste Bild von ihm  „L’art ou Des caresses“ (Kunst oder Die Liebkosungen) entstand fünf Jahre später. Darauf umarmt ein liebliches, androgynes Mädchen einen hermaphroditischen Geoparden mit gelocktem Frauen-Rotschopf. Beide Köpfe ähneln sich. Das Bild hängt im Musée Royeux des Beaux Arts Brüssel und ist eines der wenigen großflächigen Bilder, bei dem Körperkontakt besteht und das Bild des Symbolismus schlechthin.

Ab 1890  war Khnopff regelmäßig in London und mit dem Aesthetic Movement in Berührung. Die neuen Kunsttendenzen zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind an ihm vorbeigelaufen. Er hat sich nicht wecken lassen, weder vom Kubismus noch vom Futurismus und auch nicht von den Expressionisten.

Wie hypnotisiert und vom Schlafgott Hypnos eingefangen  blicken die Frauen aus den Bildern mit großen Gesichtern. Man bekommt den Eindruck, dass er sich nie entscheiden konnte, ob er einen Mann oder eine Frau malen sollte.  Die Frauen oder Personen auf seinen Bildern blicken mit Nosferato-Augen wie durch eine Nebelschicht aus dem Bild heraus – frontal direkt auf den Betrachter gerichtet aber durch ihn hindurch.  Nebelschleier waren in Flandern sicher an der Tagesordnung und sorgen für diese entfernte Stimmung, oder das eingeschlossene der Gesichter, wie zu eng geratene Bilderrahmen. Bei Klimt oder von Stuck ist dies auch zu erkennen. Für Le Masque au rideau noir stand auch Schwester Marguerite Modell. Es ist 26,5 x 17 cm groß und aus einer Privatsammlung. Wie ein  Gespenst irrlichtet sie durch Khnopffs Werk. Auch nach seiner Hochzeit bleibt sie sein Gesicht. Er hat sie idealisiert. 1887 hat er von ihr ein Ganzkörperportrait erstellt. Dort steht sie wie eine weiße Karyatide, eingezwängt in einen Türrahmen mit verschobener Perspektive. Was wohl Freund hierzu gesagt hätte (der Wiener Tiefenpsychologe befasste sich in dieser Zeit vor allem mit der Hypnose)?

Das Triptychon Solitude besteht aus drei ca 150 x 45 cm großen Frauenkörpern: In der Mitte unnahbar, kalt, androgyn, schwarz gekleidet mit einem Schwert Solitude, flankiert von zwei Figuren aus dem Gedicht „The Faerie Queene“ von Edmund Spenser (1590). Auf der einen Seite Britomart, die keusche Kriegerin in einer Rüstung und auf der anderen Seite Acrasia, lockende, schöne Verführerin, nackt nur vom roten Haar oder einem transparenten Schleier entkleidet. Das Triptychon ist nur hier in der Ausstellung zusammen, ansonsten sind die Drei getrennt. Die Gemälde entstanden zwischen 1890 und 1892 und hängen im Musée Royaux des Beaux-Art de Belgique (Acrasia), in der Sammlung der Fondation Neumann, Gingins (Solitude) und in einer Privatsammlung (Britomart).

Auch aus der Mythologie bediente Khnopff sich gerne. „Sleeping Medusa“ (1896) zeigt den Kopf eine schlafenden Frau auf einem Adlerkörper; zwei Jahre später nahm er mit Le Sang de Médusedas Medusa-Thema nochmals auf. Diesmal sieht man nur Medusas Kopf mit Schlangenhaar, wieder sind ihre Augen geschlossen und ihr Kopf nimmt 2/3 des Bildes ein (21,2 x 13,4 cm). Die Gelb- und Grautöne werden nur von der goldenen Explosion unten rechts unterbrochen, als Pegasus aus dem Blut der Medusa entsteht.   

Khnopffs Landschaften erzählen von früher, sind Erinnerungen, vor allem an seine Ferien in Fosset oder die Kindheit in Brügge.  Auf ihnen erkennt man seine Bewunderung für die alten Flamen wie Memling, aber auch ein Einfluss von Vermeer kann nicht verleugnet werden.

Ein Bild heisst „Schumann hörend“ und zeigt den Schmerz und Kummer der in sich versunkenen Zuhörerin – dieses Mal war seine Mutter das Modell.  Es gibt ein ähnliches Bild von James Ensor „La musique russe“ das zwei Jahre vorher entstand und ihm wohl als Inspirationsquelle diente. Ensor war darüber nicht gerade beglückt und bezeichnete Khnopff als Plagiator, zumal die Bilder gleichzeitig im avantgardistischen Salon  XX – den beide mitbegründeten – gezeigt wurden. Die Beziehung der ehemaligen Freunde war für immer zerstört.

 

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 Portrait von Marguerite (hier steht sie als Karyatide in der Eingangshalle des Petit Palais),
 Ausstellungsraum und Eingang zur Ausstellung

 

Fernand Khnopff kannte keine Berührungsängste, arbeitete auch als Journalist und Dichter, Bilderhauer und Bühnenbildner.  1903 entwarf er die Kulissen für das Rodenbach Stück Le Mirage im Auftrag des Deutschen Theaters Berlin unter der Regie von Max Reinhardt.

Khnopff zählt zu den belgischen und europäischen Hauptvertretern des Symbolismus. Zu sehen sind meist zarte Arbeiten, ruhige, melancholische Landschaften, einsame Portraits, Traumwelten seiner Jugend oder Urlaubserinnerungen. Er selber wohnte lange bei seiner Mutter und seine Schwester Marguerite war sein Lieblingsmodell. Er hat bis zu seiner späten Heirat mit ihr gelebt, hat sie verkleidet, drapiert und idealisiert.  Ob die Beziehung der Beiden inzestuös war, weiß man nicht.  

Mit dem Pariser Petit Palais hat man einen perfekten Ort für diese Ausstellung mit ca. 150 Exponaten gefunden. Bis zum 17. März ist sie noch zu sehen. 

Die Schau entstand in Kooperation mit den Königlichen Museen der Schönen Künste in Brüssel. Michel Draguet, Direktor des Musées royaux des Beaux-Arts de Belgique, Christophe Leribault, Direktor des Petit Palais und Dominique Morel vom Petit Palais haben diese sehr informative und umfangreiche Werkschau über Leben und Wirken des Künstlers zusammen gestellt. Die Exponate kommen aus Brüssel, anderen europäischen Museen oder (belgischen) Privatsammlungen. Sehenswert auf jeden Fall!.

Christa Blenk

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Symbolismus-Ausstellung in Mailand

Präraffaeliten

 

 

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Foodcolour and Art – Nadine Ajsin

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Nadine Ajsin in der Galerie Makowski bei ihrer ersten Einzelausstellung
mit dem Bild „The Guitar“  - © Christa Blenk
 

Artikel für KULTURA EXTRA

Himbeer-Regenbogen in der Labor-Küche

„Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende“ (Demokrit um 400 v.C. )

Nadine Ajsin hat vor zwei Jahren ihr Leben und Künstlerleben komplett umstellen müssen, als sie nach einer schwerwiegenden Kohlenmonoxid-Vergiftung chronische Allergien auf  Acryl- und Ölfarben, Duftstoffe oder sonstige Chemikalien, die eine Künstlerin für ihre Arbeit braucht, entwickelte. Die zweifache Mutter, die mit ihrer Familie in der Nähe von Mannheim lebt und in Heidelberg Kunst studiert, kann nur mit Atemmaske am öffentlichen Leben teilnehmen. Aber: Not macht erfinderisch!  So entstand die Idee, mit Lebensmittelfarben zu malen. Da diese aber recht schnell vergammeln oder Schimmel ansetzen, musste sie eine Lösung finden, ihre Arbeiten haltbar zu machen. Jetzt kommt ihre Spiegelreflex ins Spiel. Die Künstlerin fotografiert also ihre essbaren Kunstwerke und lässt sie anschließend großformatig als Echtfotoabzug in Ultra HD auf Alu Dibond drucken. Allerdings legt sie großen Wert darauf, dass jedes Bild – trotz dieser Technik –  ein Unikat ist; auf dem Computer bessert sie höchstens mal einen Farbton nach oder korrigiert die Schärfe.

Das alles hat vor weniger als einem Jahr begonnen. Die Kunstwelt hat auf ihre mutige und einfallsreiche Idee recht positiv reagiert und Ajsin ist seitdem zu verschiedenen internationalen Kunstmessen eingeladen worden. So waren ihre Werke auf der Art Fair Zürich oder auf der Kunstmesse Leipzig zu sehen. Auf der Red Dot in Miami war sie mit zwei großen Werken vertreten.    

Ihre Küche wird zum Labor-Atelier und die Zaubersprüche findet sie auf einem Marmeladenbrot, Wassereis oder im Nudelwasser. Denn wenn dieses übersprudelt, entstehen individuelle, aleatorische und nicht reproduzierbare, flüchtige Formen die entschwinden, sobald der Wischlappen zum Einsatz kommt. Aber die Künstleraugen haben die Formen registriert und so entstehen knallige, gegenstandslose Arbeiten. Diese spontane und zufällige Formauflösung lässt nur noch Farben zu. Ajsin ist ein action painter mit einem Hauch Art brut und muss sich weder an Regeln, vorherrschende Stile oder Protokolle halten, wie das auch schon die Maler zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht getan haben.  Ein leeres Blatt erobert sie sich, in dem sie persönliche Stimmungen oder Gefühle einfach aus sich heraus sprudeln lässt. Erst wenn sie entscheidet, dass das Werk fertig ist,  kann sie aus dem Raum gehen und sich anderen Dingen zuwenden. Deshalb fühlt sie sich auch zu Künstlern wie Dietmar Brixy oder dem Künstlerduo Herakut hingezogen aber auch Branskys provokative Schredder-Aktion fasziniert sie.

Ihre Farbpalette riecht nicht nach Ölfarben oder Spiritus sondern nach Himbeeren, Zitronen oder Pflaumen. Die Zutaten für ihre Gemälde holt sie sich nicht aus einem Künstlerzubehörgeschäft sondern aus dem Bioladen oder aus dem Supermarkt. . Lebensmittelfarben sind unkompliziert und lassen sich ganz leicht mischen. Mit Pinsel unterschiedlicher Größen oder auch mit ihren Fingern trägt sie die Azo-freien Lebensmittelfarben auf große Geschirrplatten, Obstteller oder andere glatte Oberflächen auf. Die meisten Werke sind gegenstandslos. Das Bild The Guitar (150 cx 100 cm) hingegen ist eines ihrer wenigen Bilder im Längsformat; sie hat es  für einen Musikerfreund entworfen.

Nadine Ajsin ist naturverbunden und sieht und riecht überall bunte Blumen. Ihre Allergien verhindern praktisch größere Reisen. Sie lernt die Welt durch ihre Arbeiten kennen und wenn ein Bild von ihr in Miami ausgestellt wird, dann ist sie in Gedanken mit dabei. Natur, Freiheit, Ursprung, Unendlichkeit sind ihre Maxime. Sie ist eine lebensbejahende Optimistin und drückt das mit den Knallfarben aus, obwohl die leidenschaftlichen Blüten nicht nur an Georgia O’Keefes nahsichtige Blumenmotive sondern auch an fleischfressende Gewächse denken lassen, die sie paradoxerweise mit essbaren Farben malt. Das Begehen von unbekannten Wegen bedeutet für Ajsin auch eine Reise ins Vertrauen. Nadine Ajsin ist eine Frau, die – um mit Fontanes Worten zu sprechen – ein Dutzend Austern bestellt, in der Hoffnung, sie mit der Perle, die sie darin findet, bezahlen zu können.

Manche ihrer Arbeiten bewegen sich weg von der berauschenden, farbenprächtigen karibischen oder asiatischen Flora und Fauna. Einige ihrer Werke wirken wir Riesen-Vergrößerungen eines Mikroorganismus, den man  durch ein Reagenzglas in Vergrößerung betrachtet. Es sind ungehemmte Farbkombinationen und Klekse unter dem Mikroskop. Vielleicht spielt ihr hier das Unterbewusstsein einen Streich, denn bedingt durch ihre Allergien, hat sie so einige Krankenhausaufenthalte hinter sich. Aber auch diese Bilder vermitteln keine dramatischen Situationen, es sind eher fröhlich tanzende und sich amüsierende Einzeller, bunte Organismen.   Ahmt hier die Kunst das Leben nach oder das Leben die Kunst. Diese Frage hat sich Oscar Wilde schon gestellt.

Wenn man ihre Kunstwerke einem Stil zuordnen möchte dann wäre das ein individueller, abstrakter, informeller Neo-Expressionismus. Die Farben fließen wie zarte Rinnsale ineinander, trennen sich und vereinen sich schließlich zu wuchtigen, kompakten Farbflächen. Sie fängt den Zauber mit ihrer Farbpalette ein und wer weiß – ihre Kinder essen himbeerfarbenen Spinat vielleicht genauso gerne wie Eis am Stiel.

Nadine Ajsins Kunst ist noch ganz am Anfang, aber das Potential, den Mut und die Kraft einer originellen Künstlerin hat sie allemal.

Beyond The Horizon titelt ihre erste Solo-Show in Berlin, zu der sie mit ihrer Familie im Zug angereist ist. Die Schau ist noch bis zum 7. März 2019  in  der Galerie Makowski in der Friedrichstraße zu sehen. Anschließend werden einige ihrer Bilder zur Art Fair nach Bath reisen, dann nach New York und schließlich von dort zur Asia Contemporary Art Show nach Hong Kong. Nadine Ajsin wird  in Gedanken mit dabei sein.

 

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Besucher in der Galerie Makowski am Tag der Vernissage

 

Christa Blenk

 

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Bunte Steine – Kolbe Museum

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Garten im Kolbe Museum

Seit dem 23. Februar 2019 stellt das Kolbe Museum drei lebende Künstler aus drei Generationen vor, die sich mit dem Konzept « Stein » befassen. Der britische Bildhauer William Tucker (*1935) formt Bronzekörper, die wie riesige Steine oder Felsbrocken aussehen. Sie heißen « Ikarus », « Golem » oder « Homage to Rodin » und sind in den 1990er Jahren entstanden.

William Tucker wurde in Kairo geboren und lebt und arbeitet  heute in New York. In den 1970er Jahren gehörte er der Gruppe „New Generation“ an, die eine wichtige Wegbereiter-Rolle bei der abstrakten Skulptur inne hatte. 1968 war er Teilnehmer an der documenta IV. Seine Arbeiten sind wuchtig-poetisch und lassen Figuration auf jeden Fall erahnen. Als Ganzes sind die Werke abstrakt aber voller Ecken und Kurven, die die Phantasie ankurbeln.  Tuckers Steinbrocken sehen aus, als ob die Natur so geschaffen hätte, die Namensgebung spricht aber von seiner Intervention. Naturverbundene Figuration, menschliche Torso- oder Kopf-Formen.

Mit Glas arbeitet der Berliner Künstler Kai Schiemenz (*1966). Er experimentiert mit farbigem Glas. Die hier gezeigten  Arbeiten erinnern an die transparenten Fenster in Treppenhäusern oder in modernen Kirchen. Während er früher  Skulpturen schuf, die begehbar waren, haben seine bunten Glassteine  etwas körperlich-architektonisches. Diese eher ready mades wirken trotzdem kalt und stehen im krassen Gegensatz zu den natürlichen, anfassbaren Skulpturen von Tucker.

Der Dritte im Bunde ist der in der Schweiz geborene und in Leipzig arbeitende Maler Stefan Guggisberg (*1980). Guggisberg befasst sich in seinen Bildern mit Mauern, Menschen oder Steinen. Die Formen auf seinen hier ausgestellten blauen (Meeres)Bildern sehen aus wie Muscheln oder Meerestiere aus Kapitän Nemos « Nautilus ».

Es ist nicht leicht, die Verbindung zwischen den Skulpturen und den Bildern herzustellen und Tuckers Werke verlieren an Kraft in Verbindung mit den anderen gezeigten Arbeiten.

 

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Ausstellungsräume (Schiemenz, Guggisberg und Tucker)

 

Die beiden Kuratorinnen der Ausstellung, Katherina Perlongo und Dr. Elisa Tamaschke, haben sich bei diesem Konzept an die Steinsammlung von Adalbert Stifter angelehnt. 1853 erschien sein Geschichtenband « Bunte Steine »; in ihm tauft er seine Erzählungen mit Steinnamen wie Granit, Bergkristall oder Turmalin. 30 Arbeiten sind zu sehen und die Ausstellung läuft noch bis zum 1. Mai 2019.

Im Keller des Museums sind derzeit Kolbes Köpfe zu sehen.

Das Café K lohnt ebenfalls immer einen  Ausflug ins Westend.

cmb

 

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Farbe und Licht – Henri-Edmond Cross

Im Museum Barberini sind noch bis zum 17. Februar 2019 Gemälde des Neoimpressionisten Henri-Edmond Cross zu sehen.

Henri-Edmond  Cross (1856-1910) zählt zu den bekanntesten französischen Neo-Impressionistsen, eine Bewegung, die  ab 1890 mit anderen Maltechniken experimentierte. Wichtige Komponente hierfür war das Licht und davon gibt es in Südfrankreich viel. Der Kritiker Félix Féneón prägte den Begriff Neo-Impressionismus 1886 , um die Bilder von Seurat oder Signac von den Impressionisten zu unterscheiden. Wir kennen diese Stilrichtung auch als Pointillismus oder Post-Impressionismus.

Bei Cross’ Bildern tauchen  die Farben des Fauvismus auf und einige Bilder zeigen  in einen naiven Symbolismus wie das Bild « Das Haar » von 1892 oder ein Bild aus der National Gallery Washington « Calanque des Antibois ».

100 Bilder, zum Teil aus Privatsammlungen, sind zu sehen.

Die Ausstellung wurde vom Musée des Impressionnismes Giverny in Zusammenarbeit mit dem Museum Barberini organisiert – unterstützt vom Musée d’Orsay, Paris und ist durchaus sehenswert.

cmb

 

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Highlights 2018

Liebe Leserinnen und Leser,

Wie schon in den vergangenen Jahren kommt hier ein Rückblick auf die kulturellen Highlights 2018 in Berlin und anderswo.

Begleitet und illustriert werden die Berichte dieses Mal von Fotos der französischen Atlantikküste.

 

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 Le Gois 

 

Mehr als 300.000 Menschen von Berlin bis Neuseeland haben Barrie Koskys amüsant-absurde und gewöhnungsbedürftige Produktion für die Komische Oper von Mozarts Zauberflöte in der Inszenierung der britischen Theatergruppe 1927 gesehen und diese Mischung  aus Zeichentrick- und Action-Stummfilm meist gemocht, obwohl sie Mozarts große Oper auch ein wenig verrät!   2017 war von dieser Gruppe Petruschka hier in Berlin auf der Bühne zu erleben.

Entdeckt hatten wir die Zehlerdorfer Hauskonzerte schon 2017. Aber auch im vergangenen Jahr brachte die Hausherrin von der Glasharfe bis zu Schubert ganz unterschiedliche Künstler zu sich in das musikalische Wohnzimmer und überraschte das Publikum mit ihrem Programm immer wieder.

 

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Bildhauerinnen der Moderne war der Titel  einer Ausstellung im Kolbe Museum, welches immer wieder die spannendsten Kombinationen in den schönen Ausstellungsräumen am Berliner Stadtrand zusammenstellt. Die  Ausstellung Zarte Männer in der Skulptur der Moderne läuft noch bis Februar 2019. Die Ausstellungsszene in Berlin ist ja sonst eher mager und das Angebot an Ausstellungen ist sehr verbesserungsfähig. Das Bröhan Museum brachte im ersten Halbjahr eine Sammelausstellung « Berliner Realismus » und nach dem Sommer eine Schau über  Georg Grosz  - beides durchaus erwähnenswert. Der Hamburger Bahnhof versuchte mit einer kleinen Ausstellung über Otto Müller  das Fehlen (Umbau immer noch nicht fertig) der Neuen Nationalgalerie aufzufangen. Diese Ausstellung läuft noch bis März 2019. Erwähnenswert auf jeden Fall die Ausstellung Leben ist Glühn mit Bildern des deutschen Expressionisten Fritz Ascher (1893-1970), die in der Berliner Villa Oppenheim und im Museum Potsdam zu sehen waren.

Ansonsten ist hier das Portrait über die Künstlerin Schirin Fatemi für KULTURA EXTRA zu lesen und ein langer Bericht über eine großartige Ausstellung im Grand Palais in Paris über Kupka.

„Banned Art“ sollte die Ausstellung, die 1938 in London als Antwort auf die Ausstellung „Entartete Kunst“ in München organisiert wurde, ursprünglich heißen. Um ihr aber das Politische zu nehmen, nannte man sie schließlich nur  « Twentieth Century German Art« . Angeblich sollen über 300 Exponate für diese Schau nach London geschickt worden sein. Gezeigt werden konnten  – aus Platzgründen – schließlich nur 270 Werke. Eine so große und bedeutende Ausstellung deutscher moderner Kunst  hatte es bis dahin in England noch nicht gegeben. Die Villa Liebermann am Wannsee hat mit sehr viel weniger Werken aber guten Texten, die Ausstellung nochmals aufleben lassen.

 

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Mit Das Wunder der Heliane und Die tote Stadt  gab es von dem in Österreich geborenen Komponisten Erich Wolfgang Korngold  gleich zwei sehenswerte Produktionen in Berlin. Korngold ist aber heutzutage vor allem wegen seiner vielen Preise für Filmmusik in Hollywood bekannt.

Aus der Begegnung im Jahre 2009 von Robert Wilson und Arvo Pärt im päpstlichen Wartesaal in Rom ist Adams Passion entstanden. Nacho Duato war 2018 schon auf dem Sprung das Staatsballett vorzeitig zu verlassen. In der Komischen Oper wurde nochmals eine seiner besten Produktionen « Herrumbre » aufgeführt.

Abgelöst wurde er im Sommer 2018 von Johannes Öhmann. Sasha Waltz wird in diesem Jahr die Ko-Direktion übernehmen. Öhmann Einstieg hätte besser nicht sein können mit der Doppelproduktion Celis – Eyal. Rauschender Applaus und viel Vorfreude auf Zukünftiges – vor allem von Eyal!

 

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Die Premiere von Benjamin Britten « The turn of the screw  fand schon vor fünf Jahren in der Staatsoper statt und kann seitdem immer wieder das Haus füllen. Britten komponierte die Oper 1954  nach einer Erzählung von Henry James. Hans Werner Henze fühlte sich ein wenig als kleiner Bruder von Britten. Ein großartiges Erlebnis im Herbst war die Aufführung von Hans Werner Henzes  Werk « El Cimarron » in Gelsenkirchen in einer Produktion von Michael Kerstan, das im Rahmen der Konzertreihe „Musik erzählt von Freiheit“  im Kulturraum Die Flora in Gelsenkirchen aufgeführt wurde. Diese Reise von Berlin ins Ruhrgebiet hat sich allemal gelohnt.

Im März verzauberte das Freiburger Barockorchester mit Pergolesis Intermezzo la serva padrona“ das Berliner Publikum. Passend dazu gab es in der Fenice in Venedig « I tre Gobbi » - Commedia dell’arte pur. Auch Rossini liebte es, sich bei der Commedia dell’arte zu bedienen und das hat Katharina Thalbach mit dem Barbier von Sevilla sehr ernst genommen.  Der Theaterregisseur Jan Bosse legte mit Rossinis « Il viaggio a Reims » in der Deutschen Oper eine Punktlandung, bei der fast alles stimmte, hin. Eine geniale Interpretation des Wartens!

 

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 Austernsteg in der Vendee

Aber um Warten ging es auch bei Salvatore Sciarrinos neuer Oper « Ti vedo ti sento mi perdo » . Harrte man aber in Reims geduldig aus, um endlich von einem Ort wegzukommen, so lässt Sciarrino die Künstler während der Generalprobe einer Stradella-Oper im Palazzo Colonna  auf den Maestro selber warten.

Auf eine eine Heimweh-Reise schickte uns der argentinische Komponist und Bandeonist Daniel Pacitti mit einem gelungenen Konzert in der Philharmonie « Viaggio in Argentina ». Im Vorjahr brachte er das Luther Oratorium « Wir sind Bettler » als Auftragsarbeit auf die Bühne.

Die Neuköllner Oper enttäuscht eigentlich nie. Mit  « Welcome to Hell »  hat sie den umstrittenen G 20 Gipfel von Hamburg aufgearbeitet und mit Wolfskinder  das Humperdinck Märchen Hänsel und Gretel neu erzählt. Das Original dieser Kinder-Erwachsenen Oper wurde im pünktlich zur Weihnachtszeit und alle Jahre wieder in der Staatsoper aufgeführt. Eine weitere beeindruckende Produktion war Kreneks Oper Der Diktator.

 

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Olafur Eliasson ließ erboste Götter und nachtragende Frauen über einen Star Wars Himmel donnern und zauberte so ein modernes Versailles für Rameaus Hippolythe et Aricie. Ein französisches Opern Pasticcio präsentierte mit « Les beaux jours de l’amour » (die schönen Tage der Liebe) der französische Dirigent Raphael Pichon mit einem Programm aus Opern von Rameau und Gluck .

Den 200. Geburtstag von Jacques Offenbach (1819 – 1880) feierte die Komische Oper mit einer neuen Produktion der Oper „Blaubart“ . Stefan Herheim führte Regie und versuchte, die Kult-Inszenierung von Felsensteins wieder aufleben zu lassen, die  zwischen 1963 und 1992 knapp 400 Mal zur Aufführung kam.

 

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 Salzland

Marie Bäumer spielt Romy Schneider bei einem Kurzaufenthalt in der Bretagne. Drei Tage in Quiberon heisst das Opus. Auch der Film Transit spielt in Frankreich, aber während des Krieges, und diese Zeit ist auch Protagonist bei dem sehr gelungenen Film Der Trafikant.  Ballon basiert auf einer wahren Begebenheit und kam Ende September 2018 in die deutschen Kinos. Sechs Jahre hat der Regisseur und Produzent Michael Herbig daran gearbeitet und mit einzelnen Familienmitgliedern oder Hauptprotagonisten gesprochen. Der Film beschreibt die Flucht 1979  in einem selbst gebauten Heißluftballon von  der DDR in den Westen: an Bord die Familien Strelzyk und Wetzel.

Die Beelitzer Heilstätten animieren dazu, erneut den Zauberberg zu lesen. Ein Besuch über die Glienicker Brücke zur Villa Schöningen hingegen bringt den Spion der aus der Kälte kam wieder auf den Nachttisch. Wer Thomas Mann und John le Carre aber nicht mehr lesen mag, kann sich mit der Hauptstadt  von Robert Menasse vergnügen, hier wird die Europa-Hauptstadt Brüssel aufs Korn genommen.

In der Villa Schönigen waren 2018 übrigens auch die Kostüme für den Bayreuther Lohengrin zu sehen, die das Künstlerpaar Rosa Loy & Neo Rauch entworfen hatte.

Leo Janácek hat sich mit seinem Spätwerk „Die Sache Makropulosmit dem Thema « Alt werden oder Jung bleiben müssen » befasst, beeindruckt und inspiriert von einem damals ganz neuen Theaterstück von Karel Capek

Michael Thalheimer hat Brechts „Kaukasischen Kreidekreis“ am Berliner Ensemble, mit großartigen Darstellern  inszeniert und minimalisiert. So ganz ohne Bühnenbild und viel Elektro-Guitarre.  Beeindruckend auch Karin Henkels  geschlechterlose Interpretation der Drei Schwestern.

Zum Dezember gehört auch das Weihnachtsoratorium  und besinnliche Kirchenkonzerte wie sie sie zum Beispiel die  Gemeinde der Sophienkirche organisiert.

 

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Dies ist nur eine Auswahl unter vielen anderen Artikeln und Beobachtungen! Und jetzt kann das neue Jahr mit vielen neuen Ausstellungen und Musikveranstaltungen beginnen.

Alles Gute!

cmb

Fotos (c) Christa Blenk

hier die links zu den blog-Highlights der vergangenen Jahre

Highlights 2017

Highlights 2016

Highlights 2015

Highlights 2014

 

 

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GUTEN RUTSCH – Bonne Année – Happy New Year

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Allen Leserinnen und Lesern ein gesundes und frohes 2019!

 

London 1938 – Mit Kandinsky, Liebermann und Nolde gegen Hitler

„Banned Art“ sollte die Ausstellung, die 1938 in London als Antwort auf die Ausstellung „Entartete Kunst“ in München organisiert wurde, ursprünglich heißen. Um ihr aber das Politische zu nehmen, nannte man sie schließlich nur  « Twentieth Century German Art« . Angeblich sollen über 300 Exponate für diese Schau nach London geschickt worden sein. Gezeigt werden konnten – aus Platzgründen – schließlich nur 270 Werke. Eine so große und bedeutende Ausstellung deutscher moderner Kunst  hatte es bis dahin in England noch nicht gegeben.

In kurzer Zeit wurde diese spektakuläre Schau von den Galeristen Noel „Peter“ Norton aus London und der Züricherin Irmgard Burchard auf die Beine gestellt, unterstützt von verschiedenen Sammlern und Galeristen, deutsch-jüdischen Unternehmen, liberalen Politikern und Künstlern im Exil wie Beckmann oder Klee. Auch der in Paris im Exil lebende Kunstkritiker Paul Westheim wirkte mit, schied allerdings wieder aus dem Projekt aus, als man den Titel Banned Art durch Twentieth Century German Art ersetzte, sie wurde  ihm dadurch zu unpolitisch. Schirmherren waren u.a. Picasso und Virginia Woolf und obwohl die Ausstellung viele Besucher verzeichnen konnte, wurden nur wenig Bilder verkauft, zum Teil war das Publikum auch mit diesen starken und modernen Bildern überfordert.

Allein von Max Liebermann waren 22 Arbeiten in der Londoner Ausstellung zu sehen, dafür sorgte schon seine Witwe Martha Liebermann. Sie schickte das Porträt von Albert Einstein nach London, dies war auch eines der wenigen Werke, die verkauft werden konnten.

Zu sehen sind in der Berliner Ausstellung vor allem Werke von Max Liebermann, aber auch Bilder von Max Slevogt, Lovis Corinth, Emil Nolde, Paul Klee, Paula Modersohn-Becker, und Wassili Kandinsky. Oskar Kokoschkas „Selbstbildnis eines entarteten Künstlers“ ist ebenfalls ausgestellt (allein von ihm wurden im Jahre 1937 an die 400 Werke aus deutschen Museen verbannt oder beschlagnahmt). Die Werke sind aus unterschiedlichen Museen und Privathäusern in die Villa Liebermann an den Wannsee gekommen und sind Zeugnis für die Vielfältigkeit der damaligen Kunst, die vor 80 Jahren in London gezeigt wurde.  Fast alle dort vertretenen Künstler waren sie auch in München bei der Ausstellung „Entartete Kunst“ vertreten.

Diese kleine aber feine Ausstellung in der Liebermann-Villa entstand in Zusammenarbeit mit der Wiener Library in London und wird von der Kulturstiftung des Bundes gefördert. Sie versucht mit nur 30 Werken die Londoner Ausstellung zu rekonstruieren und ist mit viel Hintergrundinformationsmaterial zu den Leihgebern der Werke eine interessante und sehenswerte Ausstellung, die noch bis  zum 14. Januar 2019 in der Villa Liebermann zu sehen sein wird.

cmb

 

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Pergamon virtuell

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Seit dem 17. November 2018 ist die  Ausstellung « Pergamon. Meisterwerke der antiken Metropole und 360° Panorama » gegenüber vom Bode-Museum zu sehen. Der Künstler Yadegar Asisi hat sie konzipiert und sein bereits 2011 präsentiertes Projekt  mit dem aktuellen Stand der Forschungen ergänzt.

Ausgestellt sind 80 Objekte aus den Beständen der Antikensammlung. Vor allem Frauen-Statuen, unterschiedlich angeleuchtet,  oder hochwertige Portraitköpfe. Die  Prometheus-Gruppe aus dem Athena-Heiligtum hat er auf eine abstrakte Gold-Landschaft montiert. Ausgestellt ist auch das Papageienmosaik aus dem Palast und das Telephos-Fries des Pergamonaltars. Der Fries der Giganten ist als grandiose Multimedia-Installation in diesen Bau gekommen,  denn es durfte das Museum aus konservatorischen Gründen nicht verlassen.  Entwickelt wurde dieses nüchtern wirkende, faszinierende  Modell des Pergamon-Alters von an der BTU Cottbus unter Dominik Lengyel.

Das 360° Grad Panorama ist in einem Gasometer, der von außen eher wie ein Industrie-Silo aussieht, untergebracht und erinnert  an die Centrale Montemartini in Rom, dort sind in diesem ehemaligen Elektrowerk seit ein paar Jahren Skulpturen aus den Kapitolinischen Museen untergebracht.

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30 Meter ist die Rotunde hoch und der Besucher kann sich auf einem 15 Meter Aussichtsturm in der Mitte der Anlage auf vier Etagen  und  3100 gigantischen Quadratmetern aus der Vogelperspektive ein lebendiges Bild von Pergamon, seinen Theatern, Häusern, Märkten und der Gegend machen. Zu Ehren des Gottes Dionysos richtete man hier im Jahre 129 n.C. ein großes Fest aus, zu dem der römische Kaiser  Hadrian sein Kommen angekündigt  hatte. 40 000 Menschen sollen in Pergamon gelebt haben. Wie in einem Gemälde von Bosch, werden hier unzählige Geschichten erzählt. Es herrscht überwiegend Festtagsstimmung und gute Laune, Opfer werden gebracht, Feuer, Blut und Versammlungen. Asisi hat die einzelnen Situationen auf Zeichnungen vervollständigt und das 3D-Modell entwickelt.

Die Installation ist ein Son et Lumière-Spiel, die Beleuchtung manchmal übertrieben und gibt dem Ganzen eine kleine Kitsch-Note. Die Nachtansicht ist von Tierlauten und Wassergeräuschen begleitet, auf die Musik, die den Tag begleitet, könnte man verzichten.

Pergamon, das achte Weltwunder für viele,  war eine Stadt in der griechischen Antike (Bergama) und liegt in der heutigen Türkei, nicht weit weg von Izmir. Ca 200 Jahre v.C. war die auf einem Berg gelegene Stadt Pergamon die Hauptstadt des Pergamenischen Reichs, das sich über das westliche Kleinasien ausbreitete. Die Attaliden-Dynastie strebte ein neues Athen an. Angeblich wurde auch das Pergament dort erfunden. Die Gründung Pergamons geht auf Telephos zurück. Er war ein Sohn des Herakles. In den griechischen Mythen wird diese Geschichte so nicht erwähnt und angeblich soll sein Sohn im Trojanischen Krieg auf der Seite der Trojaner gekämpft haben. Die Attaliden machten ihn zum Gründer der Stadt – dies wird auf dem kleinen Fries des Pergamonaltars erzählt.

Entdeckt wurde Pergamon 1864 von dem deutschen Ingenieur Carl Humann. 1871 kam Ernst Curtius mit einer Expedition bei ihm vorbei und anschließend wurden die ersten Friese zur Begutachtung nach Berlin geschickt. Alexander Conze übernahm 1877 die Abteilung für antike Skulpturen der königlichen Museen zu Berlin und von da an wurden die Ausgrabenden intensiviert. Ab 1907 konnten die Reliefs in Berlin – mit Genehmigung des osmanischen Reichs – im neu eröffneten Pergamon Museum gezeigt werden.  Dann kam der erste Weltkrieg und die Grabungen mussten eingestellt werden, weiter ging es erst wieder 1927 bis der Zweite Weltkrieg eine zweite Unterbrechung forderte. Erst 1957 wurde wurden die Grabungsarbeiten wieder aufgenommen – bis jetzt.

Der österreichische Künstler und Architekt Yadegar Asisi lebt zurzeit in Berlin und baut die größten 360° Panoramen der Welt.

Bis das Pergamon-Museum wieder eröffnet werden kann, wird noch ein paar Jahre dauern.

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cmb

 

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Georg Grosz

Georg Grosz – Bröhan Museum

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Kunst der Apokalypse

Nach der gelungenen Ausstellung „Berliner Realismus“ hat das Bröhan Museum nun dem bedeutendsten und provokativsten Satiriker der 1920er Jahre, dem Maler Georg Grosz (1893-1959), eine umfassende Retrospektive gewidmet.

Mehr als 200 Exponate aus dem Berliner Nachlass, aus Berliner Museen sowie aus Privatsammlungen beschreiben diese belebte, wahnsinnige, dunkle, von Krieg und Ungerechtigkeit, Angst und wüsten Vorahnungen belastete Zeit, die in einen neuen Krieg münden sollte. Nichts war ihm heilig und seine Aufgabe sah Grosz darin, die Missstände in seinem Land anzuprangern und aufzudecken. So einige Anzeigen und Anklagen hat ihm das eingebracht. Weder Reichswehr noch Kirche waren vor seiner Kunst sicher. Grosz malte das Hässliche, so wie er es sah und voraussah und oft noch schrecklicher als die Realität. Er war so etwas wie eine Kassandra. Seine Bilder sprechen von einer prophezeienden, brutalen Sensibilität, wie zum Beispiel die Zeichnung „Siegfried Hitler“  von 1923. Eckig und zackig, hart sind seine Protagonisten. Dicke Männer mit gemeinen Gesichtern trinken und essen, während im Hintergrund rohe Gewalt regiert. Das Titelbild zeigt zwei undurchsichtige Gestalten, die sicher ein krummes Geschäft vorhaben. „Brillantenschieber“ entstand 1920.

Ein Nervenzusammenbruch 1917 war die Ursache, dass er aus dem Kriegsdienst entlassen wurde. Schonungslos und gnadenlos sezierte er in der Folge mit sarkastischem Spott Militär, Kirche, Justiz, Wohlstand, Bürgertum, Industrie oder Politiker. Seine Mittel waren Stift und beißender Hohn, Krimis und Western haben ihn zu allererst inspiriert und zu dieser Verrohung seiner Kunst beigetragen. Grosz war kurze Zeit Kommunist, trat aber nach einem Russland-Aufenthalt wieder aus der Partei aus und reagierte sich mit satirischem Sarkasmus an der Welt und am Establishment ab.

Seine produktivste Zeit war die Mappen-Zeit in den 1920er Jahren, während ihn Alfred Flechtheim in seine Galerie holte; der Publizist Wieland Herzfelde, Gründer des Malik-Verlages – brachte sämtliche Mappen von Grosz heraus. Einige, darunter „Die Räuber“, sind in der Ausstellung zu betrachten. Hier kritisiert er die Ausbeutung der Kapitalisten. Die Titel der Blätter sind Zitate aus Schillers „Räuber“. Für die Radierung Jesus am Kreuz mit Gasmaske und Militärstiefel wurde er angezeigt und musste eine Geldstrafe zahlen. Das war auch die Zeit, in der er für das Theater Bühnenbilder entwarf, die  Bühnenskizzen und Kostüme zu Erwin Piscators „Soldaten Schweijk“ sind ebenfalls in der Schau zu sehen.

1930 nahm Georg Grosz an der Biennale von Venedig teil und seine Präsenz dort brachte ihm direkt eine Einladung als Dozent nach New York ein. Ausgereist ist er 1932; gerade noch rechtzeitig, denn er stand schon seit längerer Zeit unter Beachtung der SA, die kurz nach seiner Abreise seine Wilmersdorfer Wohnung stürmte.

Trotz großem Bekanntheitsgrad konnte er in den USA nicht von seiner Kunst leben. Grosz konnte allerdings weiterhin als Dozent an der renommierten Art Students Leage of New York unterrichten. James Rosenquist und Jackson Pollock zählten übrigens zu seinen Schülern. Weitere bekannte Maler dieser Schule waren Robert Rauschenberg, Jasper Johns oder Robert Indiana.

1936 fand in Berlin die Olympiade statt. Grosz war zu dieser Zeit schon im amerikanischen Exil. Es entstanden apokalyptische Bilder wie  « The Last Bataillon » : ausgemergelte Soldaten in zerfetzten Uniformen versuchen sich mit seltsamen Waffen durchzuschlagen. Aber an ihren Beinen hängen schon die Ratten. Eines der letzten Bilder in der Schau ein weiteres Amerika-Zeit-Bild  « Kain oder Hitler in der Hölle« . Blutrot der Himmel, blutrot Dantes Höllenfeuer. Kain-Hitler in Übergröße wischt sich über die müde, heiße Stirn vor einem erschreckend großen Skeletthaufen, von denen einige an seinen Beinen hochklettern wollen. Während Abel auf dem Bauch im Maul eines Drachens liegt. Nun war die Gefahr für Grosz eine andere geworden: nämlich die nukleare Bedrohung.

Irgendwann kam er dann wieder darauf zurück, was er ganz früher sein wollte, nämlich Landschaftsmaler. Die Dünen von Cape Cod zeigen aber auch diesen beunruhigenden Grosz-Stil und beruhigen  nicht wirklich.

Seine Werke wurden von den Nationalsozialisten aus den Museen entfernt oder vernichtet. Kurz vor seinem Tod 1959 ist Grosz nach Berlin zurückgekehrt.

Dr. Tobias Hoffmann, Ralph Jentsch, Inga Remmers haben die sehr interessante Ausstellung kuratiert, die noch bis zum 6. Januar 2019 ist diese sehenswerte Ausstellung noch  im Museum Bröhan zu sehen ist.

Christa Blenk

 

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Otto Müller – Hamburger Bahnhof

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Als Sohn eines preußischen Leutnants wurde Otto Müller 1874 im schlesischen Liebau geboren. 1890 begann er eine Lehre in Lithografie und ab 1896 studierte er mit einer Sondergenehmigung an der Kunstakademie in Dresden. Kurz vor der Jahrhundertwende ging er nach München, wo ihm Franz von Stuck allerdings die Fortsetzung der Studien verweigerte. 1905 hat er sein Modell Maschka Mayerhofer geheiratet, mit der ihn sein Leben lang – auch nach der Trennung – großes Vertrauen verband.

1908 kam Otto Müller nach Berlin. Sein großes Vorbild war der Bildhauer Lehmbruch. Von ihm hat er die großen, schlanken Figuren – meist grün/braun und meist ohne Kleider –  die er sein Leben lang in eine meist grün-braune Natur stellte.  Erfolglos blieben seine Bemühungen, in der Berliner Secession aufgenommen zu werden, deshalb gründete er die Gruppe Neue Secession. So kam er zur Künstlergemeinschaft Brücke, der er von 1910 bis 1913 angehörte. 1915 musste er als Soldat nach Frankreich und Russland, wo ihn eine Lungenentzündung fast darnieder gerafft hätte. Diese Zeit ist durch Bilder in der Ausstellung dokumentiert.

Nach dem Krieg, 1919, wurde Müller  als Professor an die Staatliche Akademie für Kunst und Kunstgewerbe nach Breslau gerufen, wo er sich schnell dem Kreis der Breslauer Bohème anschloss. Seine Frau Maschka kam mit diesem ausufernden Leben nicht zurecht und ging Anfang der 1920 Jahre nach Berlin zurück.

Und um die Breslauer Zeit geht es in der Ausstellung Maler Mentor Magier: Otto Müller und sein Netzwerk in Breslau. Sie beschreibt sein Leben dort, sein Lieben und seine Zusammenarbeit mit den Studenten, die ihn allesamt verehrten.  Man trifft auf eher unbekannte polnische Künstler. Von Müller sind  nur eine handvoll seiner Hauptwerke zusehen, darunter das  großartige Eigenportrait von 1924. Müller mit Pfeife und Pentagram-Umhänger.  Verschmitzt und provozierend zeigt er sich selber vor einem grün-orangen Hintergrund, rauchend und mit einem umgekehrten Pentagramm blickt er auf den Betrachter. Ob das ausreicht, um ihn als Magier zu bezeichnen, bleibt dahingestellt.

Warum jetzt das Wort Magier im Ausstellungstitel steht, ist nicht ganz nachzuvollziehen wie überhaupt ein wenig der rote Faden fehlt. Viele Themen werden kurz angerissen und dann nicht weiterverfolgt. Ein wenig hilflos fühlt man sich dann und wann. Aber die Bedeutung von Müller, die vorherrschende Stilvielfalt vom Expressionismus zur Neuen Sachlichkeit überhaupt und das weltoffene und liberale Breslau kommen gut hervor. Der damalige Direktor der Breslauer Akademie, Oskar Moll, hat durch interessante Neuberufungen die Akademie zu einem zentralen Ort von Freiheit und Aufgeschlossenheit gemacht, wo sämtliche Strömungen aufgesaugt , verarbeitet  und weiterentwickelt werden konnten. So kam Oskar Schlemmer vom Dessauer Bauhaus 1929 als Professor nach Breslau,  wo er zusammen mit Georg Muche und Johannes Molzahn unterrichtete. Von ihnen sind sehr interessante Werke zu sehen. Viele Müller- Schüler haben anschließend in Berlin eine Künstlerkarriere gemacht.

Während Maler wie Kirchner das Berliner Leben dokumentierten, geht Müller immer wieder in die Natur und beschreibt  eine lehmige Verbindung Mensch und Natur. Flach und nahezu perspektivlos sind seine Bilder

Alexander Camaro war ein Schüler von ihm und auf  Anregung der Camaro Stiftung kam die von Dagmar Schmengler kuratierte Ausstellung zustande; sie ist eine Fortsetzung der Serie von kleineren Sonderausstellungen mit Bildern aus der Neuen Nationalgalerie, die ja immer noch nicht fertig ist.

Bis zum 3. März 2019 wird die Ausstellung noch in Berlin zu sehen sein, dann geht wie weiter nach Breslau/Wroclav.

Auf der documenta 1 1955 wurden einige seiner Werke von Müller in Kassel gezeigt. 1930 starb er und hat nicht mehr erlebt, wie 1937 die Nazis fast 400 seiner Werke beschlagnahmten

Zu sehen sind Arbeiten auf Papier und Lithografien, Zeitungsausschnitte und Werke von ihm und anderen Künstlern. Die Texte sind in deutscher und polnischer Sprache; es gibt aber ein sehr ausführliches Begleithaft in Englisch.

Christa Blenk

 

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