Archives pour la catégorie Art

Das Diptychon von Melun

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In Ermangelung einer « echten » Sonderausstellung auf dem Kulturforum gibt es seit Mitte September dort das Diptychon von Melun von Jean Fouquet samt Nebenwerken zu sehen.

Es handelt sich hier um eines der Hauptwerke der französischen Malerei – und so ist es auch in allen französischen Lehrbüchern abgebildet. Jean Fouquet hat es in der Mitte des 15. Jahrhundert gemalt.

Der linke Flügel, der den Stifter Etienne Chevalier und den Hl. Stephanus zeigt, gehört schon seit 1896 der Gemäldegalerie. Der rechte Teil hingegen, die Madonna – man sagt, dass sie die Züge von Agnès Sorel, der Geliebten des französischen Königs, trägt. Sie ist umgeben von roten Cherubinen auf blauem Hintergrund und hängt normalerweise im Museum für Schöne Künste in Antwerpen. Aus dem Louvre kam das Emailmedaillon mit dem Selbstbildnis des Künstlers, das einst den Rahmen des Diptychons zierte. 80 Jahre haben sich diese drei Teile nicht mehr getroffen.

Weitere bedeutende und begleitende Werke im Ausstellungsraum sind ein Portrait des Narren Gonella aus Wien, das man ebenfalls Jean Fouquet zuschreibt. Großartige Portraits von Jan van Eyck, Petrus Christus und Rogier van der Weyden sowie eine Zeichnung von Benozzo Gozzoli, die u.a. die Grundlage für Fouquet Portraitmalerei bilden.

cmb

 

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Havelländische Malerkolonie

Carl Schuch - der Maler Karl Hagemeister (1876)
 Karl Hagemeister (1876 gemalt von  Carl Schuch)

 

Havelländische Malerkolonie

Rund um den Schwielowsee hat sich zum Ende des 19. Jahrhundert, ab den 1880er Jahren, eine Malerkolonie angesiedelt, die nie wirklich bedeutend war, aber noch bis in die 1930er Jahre Künstler angezogen hat. Die Stadt Ferch hat 2008 ein Museum für diese Maler eröffnet.

Nicht weit weg von Berlin und Potsdam und umgeben von schönster, unberührter und friedlicher Landschaft, bot das Havelland den Künstlern alle Motive für Landschaften oder Stillleben. Hauptakteure dieser Havelländische Malerkolonie waren die Maler  Carl Schuch und Karl Hagemeister, die sich zeitweise in Ferch niedergelassen hatten.  1908 gab es erstmals eine Eisenbahn, die von der brodelnden und ruhelosen Metropole Richtung Caputh und Ferch fuhr.  Bis zum Zweiten Weltkrieg zog es immer wieder Maler oder bildende Künstler an den Schwielowsee, für einige war es ein einmaliger Aufenthalt, andere kamen regelmäßig an diesen Ort. Die Stadt Ferch hat sich so ein wenig in die norddeutsche Route der Künstlerkolonien zwischen Hiddensee und Worpswede eingeordnet.

 

Zur Zeit läuft dort noch bis Ende Oktober die Ausstellung: « Ferch in der Malerei – Blütezeit der Künstlerkolonie »

Karl Hagemeister, märkische Landschaft (1880)Carl Schuch - Stilleben mit Äpfel, 1876
Karl Hagemeister, märkische Landschaft (1880)/Stillleben mit Äpfel (1876) von Carl Schuch
 

Und hier einige der Maler, die zeitweise in Ferch gewirkt haben:

Carl Schuch:  Der 1846 in Wien geborene Maler des Realismus sollte später den Wiener Weg in die Moderne weisen. Finanziell unabhängig,  reiste er 1872 nach München, Venedig und Rom, wo er kurz zur Malerkolonie von Olevano Romano gehörte.  Im Berchtesgadener Land lernte er Karl Hagemeister kennen und reiste gemeinsam mit ihm nach Dresden,  Brüssel und Amsterdam. 1878 kam er nach Ferch und fand dort am Schwielowsee einfache, beruhigende und unverbrauchte Motive, anschließend reiste er für ein paar Jahre nach Paris wo er sich sehr mit Cezanne und dem Stillleben befasste – sein Malstil ist von dieser Zeit an auch sehr von Cezanne geprägt.  Schuch, ein gebildeter und lebenslustiger Kosmopolit –  dessen Werk Zeit seines Lebens nicht einmal ausgestellt war – starb in einer Nervenheilanstalt mit 57 Jahren.

 

Carl Schuch - Häuser in Ferch am Schwielow-See (1878)
Carl Schuch – Häuser in Ferch am Schwielower-See (1878)

 

Karl Hagemeister (1848 – 1933)   lebte mehrere Jahre in Ferch und kommt aus Werder an der Havel. Auch er machte Studienreisen nach Rügen und München und lernte auf seinen Reisen den Maler Schuch kennen, mit dem er eine Zeitlang herumreiste. Hagemeister, der vom Land stammte, lebte als Jäger, Fischer und Maler an der Havel, stellte seine Farben selbst her und malte sogar im Winter im Freien. In den Jahren  1891 und 1893 stellte er bei der Berliner Secession aus. Karl Hagemeister starb im Alter von 85 Jahren in Werder an der Havel.

Theo von Brockhusen (1882 -1919) verbrachte ab 1907 die Sommermonate am Schwielowsee, ähnlich wie Liebermann – der ihn sehr beeinflusste – dies am Wannsee tat.  Sein Werk besteht überwiegend aus Landschaftsbilder.

Hans Wacker (1858-1958) kam aus Düsseldorf und hielt sich 1916 in Ferch auf, da lebte Schuch schon nicht mehr.

Hans Otto Gehrcke (1896 – 1988) kam 1911 durch einen Zufall  nach Ferch. Er wollte mit seinem Vater einen Dampferausflug nach Werder machen, das Schiff ging aber nur nach Ferch. Sein Vater kaufte später ein Grundstück dort und Gehrcke ließ sich in einem Fachwerkhaus nieder. Das war 1927 – also ebenfalls nach Schuch oder Brockhusen. Gehrcke ist in Ferch verstorben.

Außerdem sind im Museum Werke von Theodor Schinkel, Carl Kayser-Eichberg oder Hans von Stegmann zu sehen.

Ein weiterer erwähnenswerter Maler  ist Magnus Zeller (1888 – 1972). Expressionist und Grafiker. Er studierte u.a. bei Lovis Corinth. Nach dem Ersten Weltkrieg lebte er zwar nicht in Ferch aber ab 1937 – nach einem Rom Aufenthalt in der Villa Massimo – in Caputh, ein paar Kilometer weg von der Künstlerkolonie.  Ab 1933 galten seine Werke als entartet. Nach dem Zweiten Weltkrieg übersiedelte seine  Familie nach Hamburg, während er mit seiner Tochter in Caputh blieb. Zeller, der der zweiten Generation der Expressionisten zugeordnet werden kann, malte Antikriegsbilder (die zum Teil versteckt werden mussten), gesellschafts- und sozialkritische Werke aber auch viel ländliche Idylle. Er ist Ehrenbürger von Caputh.

Diese hier gezeigten Gemälde hängen in der Berliner Neuen Nationalgalerie.

Christa Blenk

 

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David Hockney – Centre Pompidou Paris

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Artikel für KULTURA EXTRA David Hockney – Retrospektive im Centre Pompidou

Bukolischer Dandyismus

Der 80. Geburtstag des britischen Künstlers David Hockney fällt auf den 40. des Pariser Centre Pompidou. Dieses Zusammentreffen feiert das Museum mit einer beeindruckenden Retrospektive. Damit setzt das Museum die umfangreiche Schau von Mammutausstellungen (siehe Anselm Kiefer oder Cy Twombly) der letzten Jahre fort.

David Hockney, 1937 in Yorkshire geboren, zählt heute zu den bedeutendsten, lebenden britischen Künstlern. Der Parcours durch die 15 Säle im oberen Stockwerk des Museums beschreibt anhand von 160 Exponaten aus wichtigen Museen und Privatsammlungen seine permanente Stiländerung und zeigt das Fehlen jeglicher Berührungsangst auch wenn es sie um die neuesten Technologie-errungenschaften handelt.  Die Schau führt den Besucher von Hockneys kleinformatigen und figurativen, Dix oder Hopper zitierenden Anfangswerken aus den 1950er Jahren hin zu einem krachend, grell-bunten und großformatigen post-Matisse Alterswerk oder iPad Zeichnungen. Hockney erzählt vom nordenglischen Licht und vom Einfluss  der freien, kalifornischen Sonne auf ihn und seine Kunst.  Mit den ironisch-minimalen „Love Paintings“ kokettiert der überzeugte Pazifist und Wehrdienstverweigerer Hockney mit seiner Homosexualität.

Ein Eigenportrait aus 1954 zeigt den gerade mal 17 Jahre alten Hockney schon als zukünftigen Dandy. Große Sorgfalt, was seine äußere Erscheinung angeht: Blaue Jacke, roter Schal, gelbe Krawatte, lediglich die runde Intellektuellenbrille fehlt auf diesem knapp 42 x 30 cm großen Bild.

Schon während seines Studiums 1959 lernt er die amerikanischen, abstrakten Expressionisten kennen. In diese Zeit fällt auch die Begegnung mit Picassos Werken, als Hockney eine große Picasso Retrospektive in London besucht, die ihn ausgesprochen prägt und seinen Kunsthorizont in alle Richtungen öffnet. 1961 darf er mit eigenen Arbeiten an der Ausstellung „Young Contemporaries“ teilnehmen. Hin – und hergerissen zwischen  zwischen Jasper Johns Pop Art und Morris Louis oder Elsworth Kellys colour field painting, zitiert er immer wieder Francis Bacon, die italienische Renaissance und natürlich Picasso. Seine Farbpalette gleicht immer mehr dem Fauvismus eines Matisses.

1964, mit Mitte zwanzig, unternimmt Hockney seine erste Reise in die USA und kommt nach New York. Die Verlockungen und Versuchungen dieser Stadt vergleicht er mit denen eines Tom Rakewell in London. Es entsteht das Projekt  einer Serie von Zeichnungen von The Rake’s Progress – frei nach William Hogarths Kupferstichen. Später reist er weiter in das amerikanische Elysium, nach Kalifornien, dort kann er als bekennender Homosexueller ungestört leben, arbeiten und berühmt werden. Kalifornien und Hockney sind für den Kunstbetrachter direkt miteinander verbunden; obwohl er seine Yorkshire Wurzeln nie vergisst.

Stressfreies, sonniges Klima, türkiesfarbiges Poolwasser,  Matisse-grüne Palmen vor Fra Angelico blauem Himmel wirken auf den ersten Blick banal und oberflächlich, frivol, wie ein kitschiges Postkartenmotiv oder eine Werbung für einen Schwimmbadhersteller – aber genau das stellt Hockney in eine post-Pop-Ecke, wo er sich selber eigentlich nie sehen will. Um das Licht besser einfangen zu können, wechselt er zu Acryl-Farben. Generationsübergreifend liebt das  Publikum seine  Malerei. Diese Swimming Pool Bilder haben ihn berühmt gemacht und „the Bigger Splash“ ist zum Kultbild geworden.

Geschichten erzählt er in den Doppelportraits, die ab den 1970er Jahren entstehen. Beim Betrachtern dieser Serie  fällt auf, dass die beiden Protagonisten sich so gut wie nie ansehen, eine Person ist immer im Profil, die andere in Frontalansicht.  Wie auch bei dem 213,5 x 304 cm großen Bild „Henry Geldzahler and Christopher Scott“. Es entstand 1969 und gehört der Collection Barney A. Elsworth. Geldzahler sitzt formell gekleidet in der Mitte eines rosaroten Sofas vor einem rosaroten Fenster, links und rechts nur lindgrüne Wand. Scott steht rechts auf dem Bild im Profil. Er trägt einen Trenchcoat und hat eher eine bittstellerische Haltung. Auf dem Plexiglastisch vor dem Sofa steht ein Blumenstrauß. Auf der anderen Seite des Sofas eine Stehlampe. Hier könnte man an Hopper denken, der sich an der metaphysischen Kälte von de Chirico versuchen wollte.

Immer öfter verzichtet er auf die Zentralperspektive bis seine Bilder perspektivlosen, glatten und schattenlosen Farbflächen gleichen. Die Sonne steht immer im Zenit und taucht alles in die himmelblaue, sorgenlose Welt der sonnengebräunten Reichen und Schönen. Die amerikanische Moderne der Westküste wird mit Hockneys Bildern lebendig.

In den 1970er Jahren beginnt er mit Arbeiten für das Theater und entwirft u.a. das Bühnenbild von Strawinskys A Rake’s Progress auf der Basis seiner früheren Zeichnungen. Aber auch für die Mailänder Scala und für die Metropolitan Oper in New York fertigt er Bühnenbilder.

Hockney experimentiert auf der einen Seite mit den Technical Pictures  und malt auf der anderen die Extremely Dramatic Pictures, die Geschichten erzählen. Aber auch vor der Geometrie macht er nicht halt, das zeigen die geometrischen Hausfassaden von Los Angeles. Die Kritik nimmt diesen drastischen Wechsel nicht immer positiv auf.

Nach dem Kauf einer Polaroid-Kamera tritt das Foto als Kunstmedium in seine Arbeit ein. Abwechslungsreich und vielseitig, voller Passion  die multiperspektivischen Collagen oder „Joiners“,  Polaroid-Fotocollagen, mit denen er den Kubismus neu erfindet, in dem er ähnliche Bilder mit unterschiedlicher Perspektive und Tageszeit aneinanderreiht. Durch Defragmentierung entsteht ein neues Raum- und Zeitgefühl. Die Welt soll kubistisch denken – und das nicht nur künstlerisch! Diese Arbeiten  animieren dazu, selber zum Künstler zu werden. Mitte der 1980er Jahre fertigte er seine ersten Home Prints anhand eines Fernkopierers, später zirkulierte er seine Arbeiten via Fax. Es folgen PC Grafikarbeiten bis schließlich das iPad zum Pinsel wird.

Die Fotocollage “4 Pearlblossom Hwy 11-18th April 1986” misst 119 x 163 cm. Hockney organisiert die Fotos derart, dass der sonst ätzend langweilige und dahin dösende Highway belebt und voller Abwechslung erscheint. Verkehrsschilder, Palmen auf verdorrtem Gras, Grünflächen,  weggeworfene Getränkedosen, Telefonmasten und verschneite Berge im Hintergrund sind auf einen Blick wahrnehmbar. Ein gelber Streifen in der Mitte lässt die Straße in die Unendlichkeit fahren. Das Werk ist umwerfend und man will sofort auch so eine Kollage erstellen.

Hockney, der leidenschaftliche und durchaus rücksichtslose Raucher, fühlt sich in Kalifornien aufgrund des Rundum-Rauchverbots nicht mehr frei und kehrt – aber nicht nur deshalb – 1997 in seine englische Heimat zurück. Rauchverbote zerstören die Boheme, meint er.
In Yorkshire entstehen großartige Landschaftsbilder, die mit der Zeit die kalifornische Sonne verlieren und „englisch“ werden. Hockneys panoramaartige Mammutlandschaften konfrontieren den Betrachter mit einer umgekehrten Perspektive, d.h. der Fluchtpunkt ist hinter der Person vor der Leinwand platziert. Mit dem Alter werden seine Bilder immer größer und der Gesellschaftsmensch Hockney wird nun ein zurückgezogener Landschaftsmaler à la Constable und aus den jungen, duschenden und am Pool liegenden kalifornischen Jünglingen werden Bäume; seine Liebe gehört jetzt der Natur. Die großen Leinwände transportiert er mit dem Lastwagen in den Wald – aber deren Realisierung hält ihn fit, denn er muss ständig hin und herlaufen. Dazu steht er zeitig auf, denn morgens ganz früh ist das Licht am schönsten.  Schnelle Malerei , jeder Strich muss sitzen, Hockney korrigiert nicht an seinen Bildern herum, das gibt ihnen eine gewisse charmant-frische Naivität.

Fast täglich beginnt er seine Arbeit mit einem Selbstportrait. Viele davon sind in der Schau zu sehen zusammen mit Portraits von Freunden, seinen Eltern und vor allem anderen Künstlern zu sehen. Da hängt Warhol neben Kitaj und Burroughs oder Auden.

Hockneys Befassung mit der Zeit ist ein Meisterwerk, das 2010/11 entsteht. „The Fours Seasons, Woldgate Woods“ hängt in einem separaten Raum und ist immer dasselbe Stück Wald im Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Eine Multi-Screen Projektion bei der die 36 digitalen Videos auf 36 Bildschirmen gleichzeitig ablaufen. Alles ist in Bewegung und bleibt doch gleich; verlieren möchte man sich in dieser Arbeit.

Didier Ottinger hat die hervorragende Ausstellung von Meisterwerken in Zusammenarbeit mit der Tate London und New York kuratiert. In Paris bleibt sie noch bis zum 23. Oktober 2017und geht dann weiter ins New Yorker Museum of Modern Art, wo sie bis Februar 2018 zu sehen sein wird.

Christa Blenk

 

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Nestor Boscoscuro – Portrait

Portrait von Nestor Boscoscuro für KULTURA EXTRA 

 

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Von polynesischen Fischen, Mandalas und Gullydeckeln

Nestor Boscoscuro erzählt Geschichten: vom täglichen Leben, von früher, erfundene oder erlebte, idealisierte und realistische. Geschichten, die je nach dem Land oder Kontinent, in oder auf dem  er gerade lebt,  anders gehen, anders beginnen oder anders enden. Naturverbunden und beunruhigend, lebendig  und einfühlsam sind sie, aber immer mit einem Augenzwinkern erzählt.

Der gebürtige Argentinier mit italienischen Wurzeln hat mit 25 Jahren sein Land verlassen und ist über Umwege auf den Polynesischen Inseln (Tahiti, Bora Bora, Moorea und Raiatea) gelandet. Dort, zwischen Mythen, Legenden und Voudou lässt sich der gelernte Grafiker, Kunstmaler und Bildhauer nieder, taucht ein in die bunte und metaphernreiche Farbenwelt und verkauft in der ersten Zeit bedruckte T-Shirts und Pareos, die er selber entwirft und später Ölbilder in einigen individuellen Ausstellungen.  Anfang der 1980er Jahre setzt er sich in München intensiv mit Radierungstechniken auseinander. Seine Bilder nehmen nun expressionistischen Charakter an und verlieren die Leichtigkeit oder Sorglosigkeit der Südseeinsel. Arbeiten aus dieser Zeit erinnern an die Künstlergruppe Die Brücke.

 

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Arbeit aus der Münchner Zeit

 

In den 1990er Jahren zieht er nach Recife/Brasilien und ein paar Jahre später verschlägt es ihn nach Indien, wo er  die Welt der Mandalas entdeckt, die ihn nicht mehr loslassen soll.

Seine größte Arbeit entsteht allerdings in Brasilien:  0 + 0 (Acryl auf Leinwand) ist 390 x 205 cm groß und entstand 1993. Hier knallen Universum, Himmel, Erde und Unterwelt aufeinander und ertrinken im Meer. Eine Hommage an die Dämonenwelt von Hieronymus Bosch oder Max Ernst.

Später, schon in Bolivien, inszeniert er seine kleine,  ironische Welt in Holzkisten unterschiedlicher Größe. Er arrangiert darin gesammelte Objekte, Papierschnipsel , Aufkleber oder Gebrauchsgegenstände und erzählt anhand von diesen entsorgten Artefakten das Leben einer Gesellschaft. Ein  Fenster ohne Blick. Alles passiert innerhalb der Holzwände und Nestor Boscoscuro ist der Theater-Regisseur.

Bei Nestor Boscoscuro kann man sich nicht auf eine Beständigkeit seiner Arbeit verlassen, es gibt keinen Boscoscuro-Stil, sein Stil  ist, dass er eben keinen hat und aus jedem Ort das Versteckte und Hintergründige oder nicht gleich Offensichtliche sucht und hervorholt.  Er ist ein Seelenritter und damit sind wir auch schon bei seinen  Escudos Urbanos  (Urban shields).

2001 kommt er zum ersten Mal nach Berlin und legt den Grundstein für sein Lebenswerk. Dieses work in progress wächst sozusagen mit jeder Reise.  Der Grund sind Gullydeckel!

 

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Nestor – Urban shield Griechenland

Auf einem seiner Spaziergänge durch die Stadt steht er eines Tages auf einem besonders schönen Exemplar und beschließt, diese Abwasserdeckel, die man generell gedankenlos überquert ohne ihnen einen zweiten Blick zu widmen, zu seinem nächsten Kunstprojekt zu machen. Nestor Boscoscuro hat uns die Schönheit eines Gullydeckels erklärt. Der erste Abdruck entsteht auf dem Gendarmenmarkt. Boscoscuro reist nun, mit den Augen auf den Boden gerichtet, durch die Welt immer auf der Suche nach besonderen Exemplaren und sammelt sie alle ein, aber nicht so, wie das die Minimalisten oder Hyperrealisten in den 1970er Jahren gemacht haben, in dem sie das Objekt maßstabgetreu nachbilden. Auf den ersten Blick kokettieren diese Einfälle auch mit dem Minimalismus. Er verlässt den Weg aber gleich wieder,  trägt dick abwaschbare Farbe auf und nimmt  einen Abdruck. Diese Abzüge haben viel mitzuteilen: sie wissen in welcher Stadt, ja sogar in welchem Bezirk man sich befindet und wer alles darüber gegangen ist. Sie erzählen von der unbekannten Welt unterhalb des Gullydeckels und von der bekannten darüber.  Manche Gullydeckel sind nach der Fertigstellung nicht mehr als solche zu erkennen. Sie nehmen ein Eigenleben an, andere mutieren zu Labyrinthen oder Spiralen.  Wenn man die unterschiedlichen Abdrücke betrachtet, sieht man erst, wie ausgefallen und einmalig einige sind. Seine Escudos Urbanos (urban shields) mutieren zu Mandalas, sie werden geometrische Bilder mit symbolischer oder religiöser Bedeutung, die Himmel, Erde, Unterwelt und Universum verkörpern.  Die rote Farbe gibt ihnen etwas Primordiales, etwas Archaisches.

Aber die Gullydeckel sind beständig und geduldig, es gibt sie an jedem Ort  der Welt und sie warten auf ihn. In seiner bisherigen Sammlung ist z.B. einer aus der italienischen Höhlenstadt Matera, dann gibt es welche aus Meissen, Bamberg, Ingolstadt, Augsburg und Potsdam. Aber auch die Städte Peking, Sao Paulo  Pyräus, La Paz, Buenos Aires, Madrid , Asunción oder Rom gehören zur  Mandala-Gullydeckel-Sammlung. Eine ganz besonders schöne Arbeit kommt aus Athen. Hier vermutet man eher, dass der Abdruck von einer antiken griechischen Vase gemacht wurde und nicht von der Straße: ein  Kämpfer, vielleicht Hektor, der große Trojaner in einer Ruhephase thront darauf. Boscoscuro hat die Arbeit „Nestor“ genannt, nach dem weisen, griechischen Herrscher von Pylos.

Dieses öffentliche action painting wird immer von einem jungen Filmemacher aus dem jeweiligen Land festgehalten. Einmal hat sogar ein junger Musiker die Musik dazu komponiert. In seinen Ausstellungen läuft meistens diese Gullydeckel-Odyssee als Filmprojektion an einer Wand und es ist sehr interessant, wie die jeweiligen Passanten  damit umgehen. Einige bleiben fasziniert stehen, stellen Fragen, andere schütteln den Kopf und einmal hat sogar jemand die Polizei gerufen.

 

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im Atelier

 

Zwischen 2007 und 2011 lebt Boscoscuro in Rom und verliebt sich in die Welt der Römischen Mosaike. In workshops, geleitet von italienischen Künstlern, entstehen Werke und Arbeiten, die man auch im Archäologischen Museum in Neapel finden kann. Unglaublich die Energie, die er immer wieder aufbringt, sich total auf seine Umwelt einzulassen und in ihr einzutauchen.

Mittlerweile lebt der Künstler erneut in Berlin – bis auf die harten Wintermonate, die verbringt er lieber  in seiner Heimatstadt Buenos Aires. Das urban shield -Projekt geht weiter und Nestor hat noch viele Reisen vor sich, obwohl er zwischendurch immer wieder mit der Realisierung von  neuen Einfällen und Projekten beschäftigt ist. So arbeitet er zur Zeit mit Holz und fabriziert ironische Holzskulpturen-Landschaften.

Die Welt ist rund und groß – wie ein Mandala.

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Ansonsten ist der Künstler ein begeisterter Musiker/Trommler und hat sich Instrumente aus vielen Teilen der Welt mitgebracht. Aber am liebsten trommelt er auf einer Säule, die in seinem Atelier steht; dazu muss er aber vorher eine Büste herunternehmen. Und wenn er nicht mit Kunst oder Musik beschäftigt ist, dann kocht er und auch hier hat er Rezepte aus der ganzen Welt gesammelt.

Christa Blenk

Fotos: (c)

Christa Blenk

 

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Lucien Freud – Closer

 Lucian Freud: Closer  Radierungen aus der UBS Art Collection

Lucien Freuds (1922-2011) Radierungen, Zeichnungen oder Bilder könnte man auf die Neo-Neue Sachlichkeit-Schiene stellen. Sie erinnern an Arbeiten von Dix oder Beckmann, die unter dem Einfluss des Ersten Weltkrieges entstanden sind. In den 1980 Jahren sind viele seiner Radierungen entstanden – fast schon ein Alterswerk!

Man fühlt sich nicht wirklich wohl bei der Betrachtung dieser schonungslosen und kruden Darstellung von Körpern, Köpfen oder Gesichtern,  die irgendwie auf dem Blatt schweben, sie sind nicht verankert und hängen perspektivlos da herum. Manchmal hat man den Eindruck, dass der Köper gerne das Blatt verlassen möchte. Es gibt keine Stühle oder Blumentöpfe und wenn jemand liegt, dann sieht man weder Bett noch Boden. Freud hat die Hässlichkeit gesucht, sie in den Mittelpunkt gestellt. Jede Art von Idealisierung lag ihm fern. Massige Körper wie primordiale Fruchtbarkeitssymbole mit Tattoo oder schwulstige Lippen, Ideale interessierten ihn nicht. 51 Exponate insgesamt werden in der Ausstellung gezeigt, darunter sein Hund Pluto und sein Lieblingsmodell Susanna. Sie wirkt sehr androgyn, männlich, eckig und herb. Gleich am Eingang ein sehr beeindruckendes Selbstportrait, ein Aquarell, feurig-blass, das einen Mann im besten Alter zeigt.

Freud arbeitete im Stehen, langsam, damit kein Fehler passiert, der auf der Kupferplatte nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.  Autobiografisch und kompromisslos sollte sein Werk sein, das betonte er immer wieder. Irgendwie hat er sich immer selber gemalt, vor allem an den Lippen mag man das erkennen. Die Radierungen werden nicht als vorbereitende Arbeiten seiner Bilder oder Portraits gesehen.

Die Reichen und Schönen wollten und sind von ihm portraitiert worden – und das nicht nur in England. Seine Portraits haben ihn weltbekannt gemacht.

Closer heißt die Ausstellung und in dieser Zusammensetzung waren Freuds Werke in Berlin noch nie zu sehen.

1922 ist Lucien Freud in Berlin geboren. Als Enkel des Psychoanalytiker Sigmund Freud musste er 1933 mit der Familie – sein Vater war der Architekt Ernst Ludwig Freud -  Berlin verlassen und ging nach London.

Die Ausstellung ist noch bis zum 22. Oktober im Martin-Gropius-Bau zu sehen und entstand in Zusammenarbeit mit der UBS Art Collection, Zürich/Berlin.

Christa Blenk

 

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Piedad y terror en Picasso

PICASSO-Guernica

 

Piedad y terror en Picasso – El camino a Guernica

Pablo Picassos größtes und wohl bedeutendstes Werk ist das Antikriegsbild Guernica. Ein verzweifelter Aufschrei auf knapp 30 Quadratmetern, ein Synonym für Kriegsgräuel und eine Parabel für Leid, Krieg, Zerstörung.

 1936 wird der in Paris lebende spanische Maler Picasso (1881-1973) von der republikanischen spanischen Regierung zum Direktor des Prado Museums ernannt und bekommt anschließend von ihr den Auftrag, ein repräsentatives Bild für den spanischen Pavillon anlässlich der Weltausstellung 1937 in Paris zu malen.

 Die baskische Kleinstadt Guernica (Gernika) wird im April 1937 von der Luftwaffeneinheit der deutschen Wehrmacht im spanischen Bürgerkrieg, der Legion Condor, bombardiert und komplett zerstört. Picasso erfährt durch die französisch-kommunistische Zeitung L‘Humanité von dieser brutalen Aktion, verwirft sein bereits konzipiertes, „unpolitisches“ Pavillon-Konzert Maler und Modell und macht sich an eine Arbeit, die einerseits Anklage und andererseits Aufarbeitung dieses Kriegsaktes sein wird. So entsteht eines der Schlüsselwerke der bildenden Kunst des 20. Jahrhunderts.

 Das Riesenformat des Gemäldes, es misst knapp 350 x 780 cm, wurde durch den katalanischen Architekten des Pavillons, Josep Luis Sert (1902-1983) vorgegeben. 27 Quadratmeter müssen erst einmal gefüllt werden. Ein schwieriges Unterfangen für Picasso, der am liebsten Portraits nach Modell (meist die Frau, mit der er gerade lebt) oder Stillleben malt, auf jeden Fall eher kleinformatige Innenraumszenen. Und dementsprechend passiert auch sein Guernica in einem geschlossenen Raum ohne Wälder, Wiesen, Berge und so gut wie ohne Farbe.

 Von rechts nach links geht die symbolträchtige Legende, konform des vorgegebenen Weges durch den Pavillon. Defragmentierte Figuren und Figurengruppen füllen das Bild fast komplett aus. Picasso hat hier einen Raum gemalt, dessen Wände nicht durchbrochen werden können und die Handlung nicht entkommen kann, so wie auch das Volk von Guernica nicht entkommen konnte. Frauen flüchten vor züngelnden Flammen, schreiende, weinende Gesichter, durcheinander liegende Gliedmaßen, Köpfe, Pferde schweben schwerelos dahin und stoßen permanent an eine Mauer. Auf der linken Seite eine Pietà. Ein Speer, der von oben in das Pferd eintritt, symbolisiert den Bombenfall. Das einzig hoffnungsvolle Detail in dem Bild ist ein Olivenzweig, der aus der Faust eines Kriegers wächst und baldigen Frieden vorhersagen möchte. Picassos Inspirationen sind die Triptychen von Dix oder Beckmann, aber auch Delacroix, Goya oder die Passionsikonografie der katalanischen Malerei sowie der Altar von Isenheim sind hier zitiert. Raserei, Aktion, Gewalt, Grausamkeit, Angst und Schmerz bestimmen das Bild, in dessen Zentrum nur noch ein unglücklicher Trümmerhaufen auszumachen ist. Fünf intensive Wochen arbeitet Picasso an dieser Schwarz-Graublau-Weiß-Sinfonie, dessen Figuren aufgrund fehlender Perspektive auf die Betrachter zu fallen scheinen. 46 Einzelstudien vorbereiten und begleiten das  Guernica-Epos. 

Der Kubismus ist allerdings in den 1930er Jahren längst obsolet und Picasso selber befindet sich nach der Begegnung mit André Breton in einer Surrealismusphase. Monströse Fratzen, Disharmonien oder Widrigkeiten, die die Begriffe Humanität und Zivilisation in Frage stellen sollten, sind durchaus schon in einigen Arbeiten der 1920er Jahre zu erkennen. Auch der Minotaurus erscheint schon lange vor Guernica. Picasso war ein begeisterter Stierkampfanhänger und hat 1935 – also zwei Jahre vor Guernica seine Minotauromachie frei nach Goya veröffentlicht. Auch hier geht es um Gewalt und Tod. Das Genie steht mitten in einer Krise, seine neue Freundin, die sehr junge Marie-Thérèse Walter bekommt ein Kind von ihm (Maya), er lernt Dora Maar kennen und seine Frau Olga verlangt die Scheidung (wozu Picasso – wohl  aus wirtschaftlichen Gründen – nie einwilligte und so war Olga bis zu ihrem Tod 1955 Mme Picasso).  

 1925 entsteht das Bild Drei Tänzerinnen – es gehört der Tate London. Picasso setzt sich darin schon mit der Figurenbildung und deren Zerstörung auseinander, wie er dies – mitten in seiner blauen und rosa Periode – vor allem bei seinem 1907 entstandenen Meisterwerk Les Demoiselles d’Avignon tut: In Guernica vereint er diese Technik mit einer kubistisch, surrealistischen Historienmalerei.

 Weitere bedeutende Exponate kommen aus dem Guggenheim Museum New York wie Mandoline und Gitarre (1924) oder die Sich kämmende Frau (1940) aus dem Pariser Picasso Museum, noch im Guernica Stil.  Das Stillleben mit Totenkopf, Lauch und Krug kommt aus San Francisco. Picasso hat es 1945 gemalt und es kündigt seine zukünftige Farbgebung an.

 In der Zeit der Guernica-Serie entstehen außerdem eine Reihe von Radierungen, die Picasso Traum und Lüge Francos nennt. Dem leidenschaftlichen Künstler, der zwar dann und wann von Paris aus mit den Kommunisten kokettiert aber dennoch eher unpolitisch vor sich hin malt und lebt, geht der Bürgerkrieg in seinem Heimatland dennoch sehr unter die Haut.

 Guernica ist ein Passionsweg, eine griechische Tragödie, die nach Ende der Weltausstellung eine lange Odyssee antreten sollte. Nach der Pariser Weltausstellung 1937 geht das Gemälde erstmals wieder in den Besitz von Picasso über. Im Rahmen einer Wanderausstellung kommt es 1938 nach Skandinavien und nach London bis es 1939 schließlich New York erreicht, wo es 47 Jahre auf seine Rückkehr nach Spanien warten sollte. Diese passierte erst 1981, denn Picasso hatte verfügt, dass Guernica erst in ein durch und durch demokratisches Spanien zurückkehren dürfe!

Picasso selber wendet sich nach dem zweiten Weltkrieg wieder seinen  Frauen-Portraits zu – eine Dramatik wie bei Guernica hat er hingegen nicht wiederholt.  

 Zum 80. Geburtstag der Entstehung von Guernica haben die Kuratoren Timothy James Clark und Anne M. Wagner für das Madrider Museo Reina Sofia die Ausstellung Erbarmen und Terror in Picassos Werk: Der Weg zu Guernica organisiert. 

 180 Exponate – wovon 150 permanent im Museum Reina Sofia zu sehen sind – werden miteinander in Verbindung gebracht und beschreiben Picassos Entwicklung und Stilveränderung ab den 1920er Jahren hin zu Guernica und die Zeit danach. Es ist eine Brücke von einer hoffnungsvollen Zeit bis nach dem Zweiten Weltkrieg mit Guernica in der Mitte.

 Die Ausstellung ist noch bis zum 4. September 2017 im Madrider Museo Reina Sofia zu sehen.

 Christa Blenk

 

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San Antonio de la Florida

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Jedes Jahr im Juni feiert dieser Stadtteil am Manzanares im Zentrum von Madrid das Fest des Heiligen Antonius. Der Königshof von Karl IV hatte den Bau dieser kleinen Kapelle an einer Einsiedelei angeregt. Goyas Freund und Aufklärer, der Justizminister Gaspar Jovellanes, den Goya auch des Öfteren portraitierte, beauftragte den Maler mit den Fresken, die einerseits den Einfluss der Inquisition vermindern und andererseits vor Justizirrtümern warnen sollten. Das war 1798 und Goya brauchte sechs Monate um die Fresken zu vollenden.

Die Legende des Heiligen Antonius kam da gerade recht: Der Vater des Heiligen Antonius von Padua wurde in Lissabon des Mordes angeklagt. Antonius erfährt durch eine göttliche Botschaft davon und macht sich gleich auf den Weg dorthin. Im Gerichtssaal erweckte er den Ermordeten wieder zum Leben und sein Vater wurde freigesprochen.

Goyas Himmel ist voller realistischer Farben und Formen. Alle Beteiligten lehnen an einer Art Brüstung und betrachten die Welt von oben. Goya hat die gesamte Decke bemalt. Auf der einen Seite die Auferstehung des Ermordeten durch das Wirken von Antonius vor einer aufgewühlten Menschenmenge, die dem Wunder des Hl. Antonius zusieht. Weiter in der Mitte der neu zum Leben erwachte. Interessant ist, dass Goya seinen Personen das Schweben genommen hat. Man sieht, dass sie die Balustrade oder etwas anderes brauchen, um sich anzulehnen oder festzuhalten. Die Schwerkraft greift hier ein. Eine der vielen Revolutionen in Goyas Malerei. Groß ist der Unterschied von den Personen auf den Fresken und denen des Volksfestes am Manzanares nicht. Hier schweben keine himmelblau gekleideten engelhaften Menschen durch das Universum, Goyas Personen sind realistisch, sie schauen verdächtig, gleichgültig oder entsetzt auf uns herab. Hier ist das Heilige und das Irdische nicht mehr zu trennen, Goya malt verhärmte Alltagsgesichter.

Francisco de Goya malte diese Fresken in der zweiten Hälfte seines Lebens, mit 52 Jahren und bis zu seinem Tod 1828 sollte es noch viele Kunst-Eroberungen geben. Aber diese Fresken, die Sixtinische Kapelle von Madrid,  ist ein Meisterwerk.

Gebaut wurde die kleine Kapelle zwischen 1792 bis 1798 – noch im Barockstil – vom italienischen Architekten Filippo Fontana im Auftrag von Karl IV.  Der Grundriss ist ein griechisches Kreuz mit einer Kuppel im Zentrum.

Der große spanische Maler Goya zählt zu den Revolutionären der Malerei und schaffte es, auf der einen Seite Hofmaler oder Auftragsmaler zu sein und auf der anderen seine eigenen Bilder und Ideen zu verwirklichen.  Goya war ein Expressionist, ein Sozialkritiker, seiner Zeit weit voraus. Er dokumentiert auf sehr provokative Weise  Unruhe, Ungerechtigkeit und Unmut seiner Epoche wie sonst Keiner. Seine Zeit war die Romantik und der Klassizismus, seine Malerei hingegen ist vor allem ein sehr eigenwilliger Realismus.

Francisco de Goya ist in Bordeaux verstorben; 1901 wurde sein Leichnam allerdings nach Spanien überführt und seit 1919 hat er seine letzte Ruhestätte dort.

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Goya-Denkmal

 

Direkt nebenan kann man sich anschließend in einer typischen spanischen Bar stärken – Casa Mingo gehört zu den ältesten Restaurants in Madrid. Die Spezialitäten dort sind Chorizo, Tortilla, Empanadas und natürlich das Brathähnchen. Am besten schmeckt es mit Sidra de Asturias.

 

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Christa Blenk

 

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Schätze der Hispanic Society of America im Madrider Prado

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Tesoros de la Hispanic Society of América

Zum ersten Mal werden im Madrider Prado Schätze aus der Hispanic Society Museum & Library (New York) gezeigt. Diese Gesellschaft verfügt – außerhalb Spaniens – über die bedeutendste Sammlung spanischer und lateinamerikanischer Kunst. Gegründet 1908 durch den Sammler und Kunstliebhaber Archer Milton Huntington (1870-1955). In knapp 50 Jahren hat er eine unglaubliche und komplette  Sammlung spanischer Kultur und Kunst aus fast 1000 Jahren zusammen getragen.

In der Ausstellung sind ca 220 Exponate zu sehen, darunter Gemälde, Skulpturen, Bücher, Keramik, Möbel, Textilien, Schmuck und kunsthandwerkliche Gegenstände sowie Zeichnungen. Ergänzt wird die Ausstellung durch Navigations- und Landkarten aus dem 15. Jahrhundert, die die „Neue Welt“ zeigen, wie man sie im 15. und 16. Jahrhundert gesehen hat

Allein schon um die Gemälde von Goya, Velazquez oder Zurbarán bis hin zu umwerfenden Werken von Sorolla oder Nonell zu sehen, lohnt sich ein Besucher dieser Ausstellung.

In der Schau läuft auch ein Film über die Entstehungsgeschichte dieser großartigen Sammlung, die noch bis zum 10. September 2017 zu sehen ist.

 

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Christa Blenk

 

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Guillermo Lledó – expofiesta en la Noche de San Juan

Noche deliciosa de dialogos y paseos en el jardin de esculturas en los alrededores de Madrid

 

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Guillermo Lledó explicando su obra

 

Para celebrar la Noche de San Juan, el 24 de junio, el escultor español Guillermo Lledó organizó una Expofiesta e invitó a sus amistades del mundo artístico a su casa cerca de Madrid. El motivo principal de la fiesta era la presentación de su nueva obra-escultura de grandes dimensiones «Plaza para un hombre sólo », que ahora domina su jardín, sin que eso suponga aplastar las otras esculturas. La aparente soledad de su título no pudo, sin embargo, frenar la magnética seducción que producía y los invitados declararon rápidamente este pabellón octagonal de hierro zona común de dialogo y bienestar y pasaron por sus diversas aberturas al interior.

Entre los algo más de 60 invitados se contaban artistas como Gerardo Aparicio, Alfredo Alcaín, Curro Ulzurrun o Cesar Borja y  personalidades del arte como María Corral, Fernando Huici y Javier Maderuelo junto a otros amigos y familiares. Hasta el tiempo se puso a favor del arte, porque las temperaturas demasiadas altas durante toda la semana bajaron lo justo para estar bien esta noche del sábado.

 

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alrededor de la « Plaza para un hombre sólo »

 

Las obras de Guillermo Lledó, de tipo minimalista, se parecen a objetos o formas con los que tropezamos en cada momento de la vida cotidiana sin darnos cuenta. El artista muestra ciertos aspectos de la ciudad y nos enseña la belleza de una cabina telefónica, una puerta de garaje o un muro gris. Recientemente jubilado como docente y con más tiempo para su trabajo artístico, ha podido restaurar otras esculturas suyas que tiene expuestas en su jardín.

 

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otras obras restauradas en el jardin de escultura de Lledó

 

Guillermo Lledó (Madrid, 1946) –reconocido artista del panorama artístico español – estudió Pintura en la Escuela Superior de Bellas Artes de San Fernando y es doctor en Bellas Artes por la Universidad Complutense de Madrid. Vive y trabaja en una casa tipo Bauhaus, concebida por él mismo, cerca de Madrid. Con una larga trayectoria, pasó en los años 80 de hacer una  pintura realista con tema urbano a realizar construcciones escultóricas basadas en el mismo tema. Y realiza una reinterpretando de los mismos para reflexionar sobre ciertos aspectos de la vida cotidiana, como podíamos ver en su reciente exposición en el Museo Salvador Victoria (Rubielos de Mora, Teruel) que se tituló Materia de silencio,’ y en la que el artista madrileño mostró 25 obras realizadas con diversos medios.

Guillermo Lledó trabaja el dibujo, la pintura y la escultura que realiza, principalmente, con materiales industriales como la madera preparada, el hierro o el vidrio, entre otros.

 

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Guillermo Lledó explicando su obra, invitados, artistas 

 

« El artista nos enseña siempre a mirar con calma: « Ocurríame, y sigue ocurriéndome – escribe Goethe – , que a la primera ojeada me desagrade una obra de arte plástica, por no estar yo a su altura; pero cuando adivino en ella algún mérito, hago por atinar con él, y entonces me encuentro infaliblemente con los más satisfactorios descubrimientos, advierto en las cosas nuevas cualidades, y en mí nuevas aptidudes ».

La de Guillermo es una calma de mínimos, de la insinuación apenas perceptible. No necesita de muchos colores, de muchas formas par ir directamente al misterio de su impronta – que es el misterio del arte. (Emanuel Borja - la impronta mínima – April 1987) »

 

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Foto: (c) Ana Angoloti
 

más infos sobre Guillermo Lledó

Christa Blenk

 

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Franz Erhard Walther

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Der deutsche Konzept-  und Installationskünstler Franz Erhard Walther (*1939) befasst sich mit seit Jahren mit textilen Materialien, Stoffen oder Bändern. Das Centro de Arte Reina Sofia widmet ihm zurzeit eine umfangreiche Retrospektive im Palacio de Velazquez in Madrid, die seinen Werdegang sehr gut dokumentiert und beschreibt.

 

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Un lugar para el cuerpo (Ein Platz für den Körper) besteht aus Skulpturen, Zeichnungen, Bildern und fotografischem Archivmaterial, das großzügig in drei Räumen verteilt Walthers Arbeiten zeigt. Manchmal grenzen die gezeigten Arbeiten aus Zahlen und Buchstaben oder rigorosen Anordnungen an den Minimalismus um dann im nächsten Saal wieder ein horror vacui Gefühl  hervorzurufen. Manche Stoffkonstruktionen erinnern an Buchstaben oder an ungemütliche Sofas, die aber durch die Weichheit des Materials nicht unwirtlich wirken und den Eindruck vermitteln, durchaus den Körper aufnehmen zu können.

 

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Seit den 1960er Jahren arbeitet er an den Werksätzen. Hierbei handelt es sich um Objekte aus Baumwolle, Schaumstoff oder Holz, die den Betrachten einladen, die Objekte zu benutzen.

1971 ging Walther als Professor an die Hochschule für bildende Künste Hamburg wo er bis 2005 tätig war. Dort hat er auch eines seiner Hauptwerke „Sieben Orte für Hamburg“ (1989) hinterlassen. An sieben unterschiedlichen Standorten sind dort Platten in Beton eingelassen die mit den Begriffen ORT, RICHTUNG, KOERPER, INNEN AUSSEN, BEWEGUNG, RAUM und ZEIT gekennzeichnet sind.

 

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Walther Kunst kommt einer Gegenposition zum Minimalismus gleich.

Erst seit ein paar Jahren ist er auch international bekannt und so kommt es, dass der 77jährige Künstler dieses Jahr zum ersten Mal an der Biennale von Venedig teilnimmt. « Es war für mich äußerst ehrenvoll in meinem Alter, dass ich dazu gebeten worden bin und um mich rum nur junge Leute sind », sagte der Fuldaer Konzeptkünstler der Presse gegenüber.

Christa Blenk

 

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Rosa Barba

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Palacio de Cristal en el Retiro de Madrid

 

Die italienische Künstlerin Rosa Barba (*1972) zeigt zur Zeit im Madrider Palacio de Cristal eine ortsspezifische Ausstellung mit dem Titel Registros de tránsito solar (Aufzeichnung des Sonnenflusses).

 

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Ein Zusammenspiel von Architektur und Lichteinfall, das sich mit dem Wandern der Sonne verändert. Um das zu demonstrieren, hat sie an unterschiedlichen Stellen farbige Metallplatten angebracht, die das Licht je nach Tageszeit und Sonneneinfall verändern.  Der sowieso schon lichtdurchflutete Palacio de Cristal bekommt hier eine erweiterte Dimension und erstrahl je nach Tageszeit in unterschiedlichen Farben. Eine sehr poetische Installation, die – wenn es nicht gerade 50 Grad im Innenraum hat – den Besucher auf eine Reise durch das Universum schicken kann.

Rosa Barba lebt in Berlin und befasst sich ansonsten viel mit Filminstallationen oder konzeptuelle Bildprojektionen; sie lehnt sich dabei an den Avantgardefilm und die phantastische Literatur an. Barba ist außerdem regelmäßige Teilnehmerin an der Biennale di Venezia und bereits in vielen zeitgenössischen Museen vertreten.
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Christa Blenk

 

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Mateo Mate

 

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Canon – Beziehung zwischen Arbeiten – tituliert der spanische  Konzeptkünstler Mateo Maté (*1964) seine Ausstellung, die zur Zeit in der Sala Alcalá 31 in Madrid zu sehen ist.

Matés Arbeiten basieren auf klassischen römischen oder griechischen Skulpturen, die er leicht modifiziert nachgegossen hat. Der Besucher muss sich diese Arbeiten in einem Labyrinth ergehen. Diese  site specific Installation im Erdgeschoss der Sala Alcalá 31, mitten im Madrider Zentrum, ist eine Art ironische Reflexion über die Schönheit und deren Variationen bzw. Vergänglichkeit. Manchmal sind die Veränderungen nur zu erkennen, wenn man direkt davor steht, manchmal schreien sie uns schon von weitem an.

 

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Hipocéfalo (s. Abbildung) entstand 2016. Die nachgegossene Gipsskulptur misst 202 x 90 x 83,5 cm. Hier standen der Torso de Belvedere, de Apolonio de Atenas, s.I.a.C. aus den Vatikanischen Museen Pate und der Protomo de Caballo aus der antiken Stadt Lavinio (British Museum London) Pate.

Die Reproduktionen entstanden nach Original-Modellen der Real Academia de Bellas Artes.

Christa Blenk

 

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Hanne Darboven – Korrespondenzen

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 Saal mit Arbeit von Richard Long

 

Korrespondenz für die Öffentlichkeit
… und die Zeit fließt

Die Hamburgerin Hanne Darboven (1941-2009) war eine barocke Konzeptkünstlerin, was so gesehen ja schon einmal eine Unmöglichkeit darstellt. Sie war eine extravagante Einzelgängerin, eine unermüdliche und kompromisslose Sammlerin und Jägerin von Buchstaben, Wörtern, Zahlen, Daten, Noten,  Gegenständen! Kurz: nicht einzuordnen.

Susanne und Michael Liebelt haben der Nationalgalerie Werke aus allen Schaffensphasen der Künstlerin überlassen. Diese Zeichnungen, Zahlenkonstruktionen oder seriellen Bildfolgen, die sich mit der Minimal und Konzeptkunst auseinandersetzen, werden seit Mitte Mai im Hamburger Bahnhof gezeigt; begleitet von ca 1100 Briefen und Postkarten von und an die Künstlerin zwischen den Jahren 1967 bis 1975, die ein dichtes Netzwerk von Künstlern, Kunstschaffenden, Freunden oder Galeristen preisgeben, die Hanne Darboven vor ihrem Tod der Öffentlichkeit vermachte. Diese Korrespondenz für die Öffentlichkeit bestärkt ihren obsessionellen und enormen Schreibzwang ein weiteres Mal. Postkarten, Briefe, Zettel, Botschaften an ihre Mutter etc. Zum Teil ganz banale, alltägliche Kommunikation. Die Postkarten bilden eine Art Reigen. Sie erhält I Got Up Postkarten und I am Still Alive-Nachrichten und kommuniziert selber ihre Ideen und Projekte oder ihren Alltag (also genau das, was man heute Freunden über Facebook mitteilt wie „Hanne am Flughafen“ mit dem dazugehörigen Selfie). Diese Karten wurden, sortiert nach Briefpartner und Eingangsdatum, eingerahmt und der Maxi-Wunderkammer, spricht ihrer Wohnung, einverleibt. Eine Art musikalische Komposition, die im Verlauf der Zeit rhythmischer und strukturierter wird, unterbrochen von Wiederholungen und Variationen bis zum unvermeidlichen da capo. Sie verschickt  ihre Postkarten von New York aus, alle anderen Orchestermitglieder, sprich Künstlerfreunde oder Kuratoren, versenden ihrerseits Botschaften nach Hamburg.

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Darboven hat Briefe abgeschrieben oder kopiert. Hauptzielt immer wieder, das Chaos (der Welt oder ihres) zu ordnen.  Dabei geht es nicht um Inhalte sondern um die Bewegung der Karten an sich, wie lange sie brauchen, bis sie ihren Bestimmungsort erreichen, wie der Empfänger sie aufnimmt, ob er sie aufhebt und was er sonst damit macht. Ein von ihr entwickeltes System der Quersummenberechnungen von Tagesdaten in den 1960er Jahren – nach einem Aufenthalt in New York – sollte von diesem Zeitpunkt an den Grundstock ihres Künstlerdaseins bilden.

Die Zeit einfangen, sie verändern, stoppen oder sie anders laufen lassen. Begriffe wie Arbeits- und Freizeit kamen in ihrem Vokabular eher nicht vor. Es zählte nur das Ganze (Leben heißt Schaffen) als Kunstwerk an sich.

Überraschend und informativ ist der in der Ausstellung gezeigte knapp 50 Minuten-Film vom Michael Liebelt und Elke Bippus. Er zeigt eine Hanne Darboven, der man den sauberen und rigorosen Minimalismus und den Kampf, Ordnung in das Weltchaos zu bringen, nicht glauben kann. Hier ist sie wieder, die Sammlerleidenschaft, aber es sind keine geschriebenen Worte oder Buchstaben sondern Gegenstände, Puppen, Stofftiere, Muscheln, Musikinstrumente etc. Ein Zimmer voller als das andere. Der Film ist fast tonlos, nur ab und zu gibt sie, kettenrauchend den Filmemacher durch ihr Horror vacui Kuriositätenkabinett begleitend, ein paar Anweisungen, was gefilmt werden soll oder erklärt kurz einen Gegenstand.

Das Korrespondenzen-Projekt kommt dem Zustand ihres Ateliers am nächsten. Hier werden Emotionen und Gefühle freigelegt wie sie jeder andere auch ausdrücken könnte. Der mechanisch und gefühllos schreibende Android-Roboter-Mensch entfernt sich irgendwo im Universum. Ihre Handschrift ist nicht immer gleichmäßig, der Name von Beuys ist sogar einmal falsch geschrieben,  Wörter oder Buchstaben einfach durchgestrichen. Aber dann kommt der Control Freak wieder hervor. Bei den Namen stehen Haken in grün oder rot, Striche, Hinweise für sie. So nach dem Motto „Herr B bekam eine Karte zu Weihnachten auf die aber noch keine Antwort einging“ – also ist diese Position noch als offen gebucht.

Der Rückzug 1975 in ihr Elternhaus am Burgberg (Nähe Hamburg) beschloss die Korrespondenz-Serie und war gleichzeitig die Geburtsstunde der Schreibzeit, die auch wieder einige Jahre dauern sollte.

 

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 Ohne Titel 1970/2002

 

Auf den ersten Blick denkt man an eine mathematische Formel. 1+1+7+4 = 13K (K steht für Konstruktion). Sie nahm sich die Freiheit, Mathematik zu verleugnen „Zahlen sind nicht Mathematik‘“. Vielleicht war sie als Kind fasziniert von den Kaffeebohnen des elterlichen Handels, vielleicht wollte sie hier schon Ordnung in die Säcke bringen?

In Zusammenarbeit mit Musikern hat sie bei ihren eigenen musikalischen Kompositionen Zahlensysteme in Notenfolgen umgewandelt, die ihr fiktives, enzyklopädisches und ideell-imaginäres Universum erweitern.

Schreiben, solange es Papier gibt

Man kämpft sich durch die Räume und kann durchaus versinken in ihrer unerschöpflichen und langweiligen Universalität, die Rätsel aufgibt und uns einfach nur sagt, dass wir sie nicht verstanden haben. Darboven mutet dem Betrachter viel zu. Man muss sich entscheiden, wie viel von der Zeit, an die sie andauernd erinnert, man selber vergeuden oder verbrauchen möchte, um sich mit ihrem persönlichen Werk,  ihren Zeit-Dominanz-Zwängen auseinander zu setzen. Stundenlang soll man lesen, was sie dazu aufgeschrieben oder abgezählt hat, wie viele Hefte sie mit wie vielen Schlingen gefüllt und wie viele Texte sie einfach nur abgeschrieben hat. Ihre Kunst ist eine Rund-um-die-Uhr-Beschäftigung,  aber vergeht die Zeit dadurch nicht noch schneller! Wenn man sie sozusagen begleitet und mit jedem Strich bestärkt. Wie lange dauert es, ein Gedicht abzuschreiben oder einen Brief zu kopieren? Ist sie da nicht einem Trugschluss erlegen, ist der Zeitstoppversuch zur grandiosen Zeitfalle geworden. Aber ab und zu hat sie auch nicht ganze Bücher abgeschrieben! Es existieren Postkarten oder Zettel auf denen sie ihre Mutter bittet, Lichtpausen zu erstellen.  

Begleitet wird sie auf dieser Ausstellung von ihren Freunden Carl Andre, Daniel Buren, Bern und Hella Becher, Gilbert & George, Jan Dibbets, On Kawara, Sol Lewitt oder Panamarenko. Auch vom britischen Land-Art-Künstler Richard Long (*1945) ist eine Arbeit dieser Ausstellung integriert.  Der Düsseldorfer Galeristen Konrad Discher hat die beiden schon sehr früh zusammen ausgestellt.  Auf der documenta  5 (1972) war sie gemeinsam mit Long, Sol LeWitt und Agnes Martin vertreten. 

„I am making Maximal Art“ hat sie einmal gesagt und erklärt, ganz unbescheiden, ihre Wohnstätte zu einem ubiquitären Ort, der überall und nirgendwo ist – sondern utopisch!

2009 ist Hanno Darboven im Alter von 68 Jahren zurückgezogen auf ihrer Burg verstorben.

Bis zum 27. August  ist die Ausstellung noch zu sehen. Gabriele Knapstein, Petra Lange-Berndt & Dietmar Rübel haben sie kuratiert.

Bericht über eine Ausstellung in Madrid

Christa Blenk

 

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Alfred Flechtheim im Museum Kolbe

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Ausstellungsplakat

 

Kunsthändler, Sammler und Verleger Alfred Flechtheim (1878-1937)

Alfred Flechtheim lebte für die Kunst. Er war ein Mensch, die mit einem Blick erkannte, was gut und ausstellungs- bzw. sammelnswert war. Er gehörte einer heute ausgestorbenen Kategorie von Kunsthändlern an (wie auch der Stuttgarter Daniel-Henry Kahnweiler), die viel, viel mehr waren als nur Galeristen. Sie entdeckten und förderten die Künstler, in die sie Vertrauen hatten, zahlten ihnen Gehälter, damit diese arbeiten konnten. Heutzutage ist das eher der Einzelfall! Ohne Persönlichkeiten wie Flechtheim, wären Kunst und Künstler um die Jahrhundertwende bis in die 1920 Jahre einen ganz anderen Weg gegangen!  Für den Münsteraner Sammler, Mäzen, Verleger und Weltmann Flechtheim war der Kunsthandel nicht nur ein Geschäft: Kunst war sein Lebenswerk! Flechtheim diktierte praktisch was Wert hatte und was nicht. Weltoffen und weltgewandt bewegte er sich fließend vier Sprachen sprechend sicher auf jedem Parkett.

Schon während seiner Hochzeitsreise gab der selber nicht Unvermögende so viel Geld (seiner Frau) für Kunst aus, dass sein Schwiegervater gleich eine Gütertrennung vereinbarte. Flechtheim besaß zu Kriegsbeginn 1914 bereits unzählige  Frühwerke von Picasso, Jawlensky, Kandinsky, van Gogh,  Léger, Cézanne, Matisse oder Munch und vieler anderer Avantgardefranzosen. Der Sammler und Kaufmann in ihm widmete sich so manches Duell. Seine erste Galerie eröffnete er in Düsseldorf. 1921 kam er nach Berlin  und gründete mit dem Bruder des Galeristen Kahnweiler, Gustav Kahnweiler, die Galerie Flechtheim am Lützowufer, dort entstanden auch die Kunstzeitschriften Querschnitt und Omnibus

Flechtheim war eine schillernde Figur im Berliner Leben. Man wollte in seinem Umfeld sein, dazu zu gehören! Flechtheims Veranstaltungen waren bald stadtberühmt und seine Soirées the place to be! Die Vernissagen oder Kostümfeste in den Berliner Galerieräumen waren legendär und Treffpunkt von Kultur, Gesellschaft und Politik. Er war Teil der  roaring twenties!  

Aber es gab auch kritische Stimmen über ihn wie z.-B. das der Dichterin Else Lasker-Schüler. Für sie war Flechtheim ein ehrgeiziger Kunsthändler, dem es egal sei ob er mit Kunst oder Pelzen handeln

Die Ausstellung im Georg Kolbe Museum zeigt einige Werke, die er entweder sammelte oder an Privatpersonen oder Museen vermittelte. Eine kleine Ausstellung, aber sehr aussagekräftig und vielsagend. Alles was Rang und Namen hatte in der Zeit zwischen den zwei Kriegen stellte irgendwann bei Flechtheim aus. Barlach, Belling, Lehmbruck, Breker, Degas, Sintenis, de Fiori, Maillol und natürlich Kolbe, der ursprünglich von Cassirer vertreten wurde und erst nach Cassirers Selbstmord 1926 sich Flechtheim anvertraute.

 

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Flechtheim 1927 – Rudolf Belling

 

Rudolf Belling hat 1927 ein Portrait von ihm in Bronze gegossen, das wohl als eines der originellsten angesehen werden kann. Das Gesicht ist auf Nase, Mund, Stirn reduziert, Felchtheim ist aber ohne Zweifel – auch aufgrund seiner unverkennbaren Nase – sofort zu erkennen. Vom russisch-jüdischen Bildhauser Moissey Kogan, mit dem Flechtheim auch privat  befreundet war und den er des Öfteren ausstellte, ist ein Torso aus Lübeck ausgestellt.  Flechtheim hat so einige seiner Arbeiten an deutsche Museen vermitteln können. Kogan kam 1943 in Auschwitz ums Leben. Auch Bellings Dreiklang ist ausgestellt und das Kolbe Museum baut hier eine Brücke zum Hamburger Bahnhof, wo gerade eine sehr umfangreiche Belling-Ausstellung zu sehen ist.

Zwei Arbeiten von Degas – eine Tänzerin aus 1888 vom Städel Museum und eine Tänzerin in Ruhestellung um 1920 aus der Kunsthalle Bremen sind zu bewundern. Flechtheim stellte 1926 in seiner Berliner Galerie 73 Skulpturen des Franzosen Degas aus, was einer kunsthistorischen Sensation gleich kam, denn Degas selber versteckte seine Skulpturen vor der Welt und war deshalb als Bildhauer komplett unbekannt. Erst nach Degas Tod fand man an die 150 recht gut erhaltene Wachsmodelle von kleinen Plastiken, vor allem Tänzerinnen und Pferde. Auch Aristide Maillol gehörte zu Flechtheims Lieblingen und ist in der Ausstellung mit zwei Werken vertreten. Die Hockende (1926) aus der Hamburger Kunsthalle und eine Badende (1898) aus einem Privatbesitz. Der Pariser Kunsthändler Ambroise Vollard übertrag in den 1920er Jahren die Gußrechte einiger Skulpturen Maillols an Flechtheim und auch aus diesem Grund, sind viele seiner Werke in deutschen Museen zu sehen.

Wilhelm Lehmbruch gehörte schon vor dem Ersten Weltkrieg zu den bekannteren Künstlern. Die Kniende entstand 1911 und wurde 1913 auf der berühmten Armory Show in New York gezeigt. 1955 wurde übrigens gerade diese Skulptur in der ersten documenta in Kassel präsentiert. Flechtheim und Lehmbruck lernten sich bereits 1906 in Paris kennen. In der Ausstellung ist ein Torso von 1914 zu sehen, er gehört dem Kolbe Museum.

Ernst Barlach zählt heute zu den größten deutschen Bildhauern um die Jahrhundertwende. Paul Cassirer hatte ihn schon vertreten. In der Ausstellung ist der Zweifler von 1930 zu sehen. Barlach verstarb 1937.

Viele der hier gezeigten Exponate hat Flechtheim in den 1920 er Jahren an die unterschiedlichen Museen verkauft, so kommt die Bronze von Ernst Barlach aus dem Städel Museum Frankfurt. Auch der junge und vielversprechende Arno Breker gehörte zu Flechtheims Künstlern und fertigte u.a. auch ein Portrait von seinem Künstlerkollegen Moissey Kogan. Er wurde später der Lieblingskünstler der Nazis und ab 1936 auch durch die Olympischen Spiele zum sogenannten Staatskünstler des Dritten Reiches.  Seine Bronze Skulptur Kniende entstand 1927 in Frankreich und zeigt Brekers Bewunderung für die Franzosen.

Ein weiterer Schützling Flechtheims war der Österreicher Ernesto de Fiori. Die beiden lernten sich 1910 bei Thea Sternheim kennen. Auch De Fiori folgte ihm von Düsseldorf nach Berlin und gehörte zu Flechtheims engeren Kreis; die Verbindung dauerte bis zu Flechtheim Flucht nach England 1933. In der Ausstellung sind die Werke Männliche und Weibliche Karyatide zu betrachten. De Fiori bekam 1924 den Auftrag von Max Reinhardt für sein Theater am Kurfürstendamm für sechs Karyatiden, die er aber später wieder entfernen ließ, weil sie zu sehr die Aufmerksamkeit es Publikums auf sich zogen. Er verkaufte zwei davon an das Düsseldorfer Kunstmuseum und zwei weitere an den Sammler Hermann Lange, der diese für sein Haus wollte, das Mies van der Rohe in Krefeld entwerfen sollte.

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Ernst Barlach, Renée Sintenis, Wilhelm Lehmbruch

 

Ein Kapitel der Ausstellung ist dem Thema Kunst und Sport gewidmet. Bewegung und Ausdruckstanz nahmen eine feste Rolle in den 1920er Jahren ein. Flechtheim selber war ein begeisterte Sportanhänger und Mitglied in mehreren Sportvereinen. In seinen Zeitschriften Querschnitt und Omnibus erschienen Artikel über Sportveranstaltungen neben Kunstkritiken und sehr profunden Artikeln von ihm selber, Sportfotografien oder neuer Poesie. Der Boxkampf faszinierte ihn sehr, aber nicht nur ihn. In den 1920 gehörte es zum Zeitgeist, Boxkämpfe zu besuchen. Intellektuelle, Künstler und die höhere, finanzstarke Gesellschaft versammelten sich mit den Boxfans um den Ring. Max Schmeling, der zwischen 1930 und 1932 Weltmeister im Schwergewicht war gehörte zu Flechtheims Freundeskreis. In der Ausstellung ist die Bronze von 1929 von Max Schmeling zu sehen, die der Berlinischen Galerie gehört. Ernesto de Fiori hat 1923 den amerikanischen Boxweltmeister im Schwergewicht Jack Dempsey in Bronze gegossen. Marlene Dietrich saß de Fiori ebenfalls Model, bevor sie endgültig in die USA ausreiste.  Renée Sintenis spielte auch gesellschaftlich in Berlin eine wichtige Rolle und war ebenfalls eine Anhängering des Sports. Von ihr sind vier Skulpturen aus den 1920 er Jahren zu sehen, darunter der finnische Mittelstreckenläufer Paavo Nurmo, der als der schnellste Mann seiner Zeit galt.

 

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Aus Querschnitt

1929 im Oktober, am schwarzen Freitag, ging auch der Kunsthandel – vor allem der entartete und verfemte – unter und für Flechtheim begann der persönliche Zusammenbruch und Verfall. Der beliebte und prominente Jude sah sich Diffamierungen ausgesetzt und seine Berliner Galerie geriet 1933 in Konkurs. Den Nazis war dieser offene, jüdische Galerist und Weltmann natürlich ein Dorn im Auge, unbeugsam, wollte er von seiner Kunstpolitik nicht ablassen. „Ich habe gestern  Berlin und zwar für immer verlassen. Meine Galerien da und in Düsseldorf werden geschlossen. Kein Platz mehr für mich (…) Hätte ich mich nicht mit Hofer, Kolbe, Renée (Sintenis) Klee, mit den Franzosen beschäftigt kümmerte man sich nicht um mich, ja , man hat mir angedeutet, dass, wenn ich auf diese Künstler verzichtete, ich ruhig weiter Kunsthändler sein dürfte!!! Dann lieber richtig arm im Ausland als Verräter“  - schrieb er im Oktober 1933 .

Flechtheim reiste zuerst nach Paris und London wo er sich langsam wieder etwas aufbaute, verstarb aber 1937 an einer Blutvergiftung;  seine Witwe, Betty begann 1941 Selbstmord, und die Werke, die er nicht vorher schon ins Ausland bringen konnte, wurden praktisch verschleudert, aufgelöst und gelangten unter ungeklärten Umständen in fremden Besitz bzw. wurde von der Gestapo beschlagnahmt.  Die Kuratorin Julia Wallner hat bei der Schau darauf geachtet, nur Werke klarer Herkunft auszustellen.

Bis zum 17. September 2017 ist die Ausstellung  Alfred Flechtheim. Kunsthändler der Moderne noch im Berliner Kolbemuseum zu sehen und unbedingt sehenswert!

Christa Blenk

 

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Lowis Corinth und der Akt um 1900

 

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Ausstellungsplakat

 

Nackt und bloß ist der Titel einer Ausstellung im Landesmuseum Hannover, die Lovis Corinth und dem Akt um 1900 gewidmet ist, einer Epoche zwischen Prüderie und Moderne. Es ist die erste Ausstellung die sich mit Corinths Akten beschäftigt und einige noch nie gezeigte Arbeiten sind zu sehen. Provozierend, expressionistisch, robust, krude und aggressiv sind die Bilder, die sich viel mit der Antike beschäftigen, aber weit davon entfernt sind, idealisierend zu sein. Der Akt war zentrales Motiv von Corinths Arbeiten. Manchmal blickt uns die Abgebildete direkt an, wie in dem lebensnahen Gemälde Die Nacktheit. Eine ruhende, müde Venus mit Amorknaben.

In Hannover werden seine Bilder welchen von  Degas, Renoir, Slevogt oder Modersohn-Becker gegenüber gestellt. Die meisten Arbeiten stammen aus den Beständen des Museums und werden durch Leihgaben ergänzt. Insgesamt sind 11 Gemälde, 55 Grafiken, 3 Skulpturen zu sehen.

Das Ausstellungsplakat ist ein Stehender Akt. Man bekommt den Eindruck, dass die Sitzung wohl beendet ist. Das Modell hat ihre Pose aufgegeben, nur noch ein Arm bleibt in der Höhe. Will sie sich den Schweiß nach stundenlangem Sitzen von der Stirn wischen oder denkt sie „endlich vorbei“? Sie steht auf einem Teppich und ist noch oder schon halb in einen schützenden Mantel gehüllt. Die Kunstgeschichte sagt dazu, dass vorbereitende Bilder zu diesem Akt beweisen, dass Corinth die Szene gestellt hat.

Lovis Corinth (1858-1925) gehört zu den bedeutendsten deutschen Malern – mit Max Slevogt und Max Liebermann – der Transition zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert. Seine Werke sind  Übergang vom späten Impressionismus zum Expressionismus. 1880 besuchte er die Kunstakademie München; München war damals neben Paris ein wichtigstes Zentrum für Kunst und Maler. Schon damals interessierte er sich sehr für die Aktmalerei. Wie alle Maler vor und nach ihm, ging auch er nach Italien, nach Paris und nach Flandern und holte sich Inspiration, später arbeitete Corinth in Berlin. Er wurde beim Pariser Salon ausgezeichnet, ließ sich aber schließlich in München Schwabing nieder und malte im Freien bis er mit den Schlachthausszenen wieder in die Münchner Kunstszene aufgenommen wurde. 1895 verkaufte er sein erstes Bild – eine Kreuzabnahme, aber seine Salome, in der er so große Hoffnung gesetzt hatte, wurde 1900 von der Münchner Sezession abgelehnt und schaffte es erst in der Berliner Sezession zum Erfolg. Später, immer noch in Berlin, arbeitete er mit Max Reinhardt zusammen und schuf das Bühnenbild für eine Salome Inszenierung von Oscar Wilde und für   Pellésas et Mélisande con Maeterlinck. Ab 1910 gehörte er zusammen mit Liebermann und Slevogt zu dem beliebtesten Maler in Berlin und hatte durchaus Verkaufswert. Schon 1913 erschien seine erste Monographie. Nach dem Krieg und aus Anlass seines 60. Geburtstages veranstaltet die Berliner Secession eine Ausstellung mit 140 Werken von ihm. Und zu seinem 65. eine weitere in der Nationalgalerie mit 170 Arbeiten. Die Nazis lehnten seine Arbeiten ab und im Zuge der Reinigung wurden 296 Bilder beschlagnahmt bzw. in der Münchner Ausstellung Entartete Kunst gezeigt. Ein Großteil seiner Gemälde ging anschließend in die Schweiz oder ins andere Ausland. 1925 wurde er zum Ehrenmitglied der Bayerischen Akademie der Künste ernannt. Kurz vor seinem Tod machte er noch eine Reise nach Amsterdam, um die Bilder von Frans Hals und Rembrandt zu studieren, während dieser Reise erkrankte Corinth und starb an einer Lungenentzündung.  Er wurde allerdings überführt und  in Berlin auf dem Südwestfriedhof Stahnsdorf beigesetzt.

Christa Blenk

Max Liebermann

 

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Zwischen Ostsee und Achterwasser

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Blick vom Garten auf Leiter, Boot und Achterwasser

 

Nur knapp 300 Meter Land, ein wenig mehr als ein Steinwurf, liegen dort Ostsee und Achterwasser. Auf dieser engsten Stelle der Insel Usedom steht ein S-Bahn-Wagen. Der Maler Otto Niemeyer-Holstein (1896-1984) hat ihn im Jahre 1932 für 60,50 Mark in Berlin-Rummelsburg gekauft und ihn 1933 (ohne Räder, denn diese hat jemand anderes gekauft) unter großem finanziellen und technischen Aufwand und mit viel Phantasie an diesen sandigen Fleck gebracht. 1932 legt er dort – aus Berlin kommend – mit seinem Segelboot Lütter an. Außer einem großen Schuppen, einem holprigen Pflastersteineeg, ein wenig Ried und krumme Weiden gibt es sonst dort nichts. Genau was er sucht, nur ein paar Meter zum Strand. „Hier will ich leben, hier will ich sterben“, ruft er und geht an Land. Niemeyer hat sein Paradies, sein Refugium, das ihm für den Rest seines Lebens Geborgenheit, Schutz und Inspiration werden sollte, gefunden. Sein Segler „Lütter“ sollte auch dem Ort Lüttenort den Namen geben.

Der Maler Niemeyer, der eigentlich Gärtner werden wollte, hat im Laufe der Zeit einen Skulpturen-Zaubergarten um den Wagen herum angelegt, wie ihn Klingsor nicht schöner hätte erträumen können. Jahrelang waren er und seine Familie Selbstversorger. Im Obstgarten lehnt immer noch die lange Leiter am Baum und lädt zur Ernte ein. Weiter weg entdeckt man eine leicht überwucherte Getreidemühle und eine große Schiffsglocke. In einer anderen Ecke – im japanischen Garten – gibt es China-Wacholder und allerlei Sträucher und ein wenig weiter liegt der  Kastanienhof sowie ein Quittengarten  und von fast allen Plätzen aus kann man auf eine Lagune des Peenestromes, das Achterwasser, blicken. Dort liegt noch ein Boot und der Wind streift leise über die Schilfgräser, vertreibt die Wolken und lässt die Konturen überdurchschnittlich scharf hervortreten. Alles ist sehr gepflegt und doch ist hier die Natur kein bisschen beschnitten.

 

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« Paar » Wolf-Eike Kuntsche; Waldemar Grzimek « Torso »; Wieland förster « Große Stehende »

 

31 Skulpturen von Künstlerfreunden wie Waldemar Grzimek, Sabina Grzimek, Sabine Teubner, Wolf-Eike Kuntsche, Werner Stötzer und viele mehr beleben den Garten, verstecken sich und stehen miteinander im Dialog. Niemeyer hat sie entweder geschenkt bekommen oder sie gegen seine Bilder eingetauscht. Auch die Kopie eines römischen Augustus‘ ist darunter. Zweige ringen sich um seinen Fuß, fast wie bei Berninis Daphne. Dieser Garten gehört sicher zu den schönsten Skulpturengärten, die ab den 1960er Jahren fast überall in Europa wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Ich denke da an das Kröller-Müller Museum/Otterlo, die Skulpturenmeile in Hannover oder die Museumsinsel Hombroich. Ein Tor aus alten Schiffsbalken führt auf der Rückseite zum Achterwasser. Eine Zeitlang ist auch allerlei Viehzeugs dort rumgelaufen, das dann später auf den Tisch kam. Die Not war oft groß, denn erst ab den 1960er Jahren hat Niemeyer-Holstein gut vom Verkauf seiner Bilder leben können. Unter der recht einfachen Einrichtung sticht das Kieler Zimmer besonders heraus. Niemeyer hat es aus seinem großbürgerlichen Elternhaus in Kiel auf die Insel transportieren lassen. Das einzige was ihm aus der Zeit geblieben ist.

 

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Griechische Skulptur mit Blick auf das Haus

 

Das was man heute dort sieht erinnert nur noch ganz entfernt an das unwirtliche, kleine Stück Moorland. Der Boden ist befestigt und der Garten gewachsen, wie dies auch die Bäume und Sträucher taten. Sogar der S-Bahn-Wagen bekommt nach und nach ein Obergeschoss mit Schlafräumen, die über eine ganz steile Hühnerleiter zu erreichen sind, und links und rechts gibt es jetzt kleine Anbauten. Von außen erkennt man den Wagen nur noch, wenn man weiß, dass er die Basis dieser originellen Behausung bildet. Tritt man aber ein, ist man überrascht, wie breit so ein öffentliches Transportmittel doch ist. Erst viele Jahre später kann Niemeyer sich ein gemütliches und sehr schönes Atelier in der Nähe des Wagen-Hauses errichten. Dorthin zieht er sich auch zurück, wenn ihm die Besucher einmal zu viel werden. Tabu steht an der Tür und daneben hat der ehemalige starke Raucher handschriftlich einen Hinweis auf das herrschende Rauchverbot angebracht.

 

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ONHs Weg zum Strand und Wellenbrecher

 

Hier ist die Zeit stehen geblieben. Es fehlt nur noch, dass plötzlich der Wasserkessel zu pfeifen anfängt und uns der Duft eines selbst gebackenen Marmorkuchens in die Nase steigt. Sogar der Fellmantel, den er immer trug, wenn er im Winter Bahn und Straße  überquerend zum Meer ging, hängt noch dort und macht ihn unsterblich.

1896 wird Niemeyer als Kind eines international bekannten und recht wohlhabenden Völkerrechtlers geboren. Schon mit knapp 10 Jahren schenken ihm seine Eltern das Segelboot Lütter, mit dem er 25 Jahre später Usedom erreichen sollte. 1914 meldet er sich freiwillig zu den Husaren und kehrt verletzt wieder nach Hause zurück. Um sich zu erholen, schicken ihn die Eltern in die Schweiz und dort fängt er an zu malen – aus Langeweile und als Autodidakt wie er selber sagte. Fundamental für seine Künstlerkarriere ist die Begegnung mit Alexej von Jawlensky und dessen Partnerin Marianne von Werefkin. Der Bohemien-Lebensstil der Beiden liegt ihm, dem gutbürgerlichen Kieler Kind zwar nicht, auch war ihm Jawlenskys schriller Expressionismus zu kompliziert und zu weit hergeholt aber Niemeyer lernt, wie wichtig es für einen Künstler ist, eine eigene Handschrift zu haben. Er weiß nun, was er will: nämlich malen, was sein Auge wahrnimmt, nicht mehr und nicht weniger. Mit 24 heiratet er Hertha Langwara, eine sensible und weltfremde Sängerin. Die beiden bekommen einen Sohn. Herthas Bildnis entsteht 1920; es lässt den Einfluss von Jawlensky erkennen. Das Portrait hängt im Museum in Lüttenort und ist sicher eine seiner interessantesten Arbeiten.

 

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 Tor zum Achterwasser

Lyonel Feininger lernt er 1923 kennen und gründet mit anderen Malern kurz darauf die Künstlergruppe Der Große Bär in Ascona/Italien. Es gibt ein Bild von ihm in Anzug und Weste in den Schweizer Bergen wo er eher wie ein Fremdkörper in der Landschaft steht und als Maler nicht zu identifizieren ist. Ein Jahr später lässt er sich von Hertha scheiden. Seine zweite Ehe mit der gebildeten Annelise Schmidt sollte sein Leben lang halten. Aber auch Begegnungen mit Otto Manigk oder Herbert Wegehaupt, der sich übrigens auch auf der Insel Usedom niederließ,  waren wichtige Ereignisse in seinem Leben.

« Der hat mir interessiert, aber ick hab’n noch ‘n kleen’ Stups jegebn. Aus dem wird wat, denn der klaut sich de Farben aus’m Meer » (der Berliner Maler Max Liebermann über Niemeyers Malversuche in den 1920er Jahren)

Hin und wieder macht Niemeyer einen Anlauf und schreibt sich in einer Kunstakademie als Student ein, muss aber nach kurzer Zeit feststellen, dass ihn der dort gepredigte Akademismus nicht weiter bringen wird und bricht ab. Otto Niemeyer-Holstein, der seine Bilder mit ONH signierte, war und blieb ein Autodidakt, geprägt von Menzel und Morandi, den großen Franzosen des 19. Jahrhunderts wie Cezanne oder Gauguin, aber auch von den Malern der Brücke, von Heckel oder Otto Müller. Paula Modersohn-Beckers Farben tauchen immer wieder auf und einige seiner Akte erinnern an Picassos blaue und rosa Periode. Mit der Zeit wird aber die Ostsee sein Modell. Tagein, tagaus besucht er sie und malt die täglichen Stimmungen, die Wasserveränderungen, die Wellenbrecher, Eisberge am Strand oder den Weg dorthin. Die permanente Suche, die Ostsee zu verstehen, sie festzuhalten,  hat ihn zum Künstler gemacht. Bildnisse nennt er seine Portraits. Sie sind neben Landschafts- und Naturbildern der Hauptbestandteil seines künstlerischen Werkes.

Die Niemeyers leben zwar zurückgezogen, aber nicht isoliert. Dafür hatten sie viel zu viele sehr interessante Freunde auch aus der wilden Berliner Zeit in den 1920er Jahren. Man führt ein offenes Haus und ständig kommen Freunde oder andere Künstler zu Besuch, es herrscht reger künstlerischer Austausch. Seefahrer aus dem Ort bringen ihm afrikanische Masken und Skulpturen von ihren Reisen mit und bekommen Bilder dafür.

Das Werkeverzeichnis des Museums ist ein unglaublicher Spaziergang durch die Moderne. Angezogen vom Expressionismus und von der Neuen Sachlichkeit, kümmern ihn Tendenzen oder Moden trotzdem eher weniger.

Anfangs waren es nur ausgedehnte Sommer, die die Familie auf Usedom verbringt. Ab 1939 wird das Refugium zum permanenten Wohnsitz. Peenemünde ist nur knapp 30 km von Lüttenort entfernt und der Krieg bringt so einige kritische Momente. Ab 1940 versteckt er aber trotzdem seine jüdische Schwiegermutter dort. Hin und wieder fallen Bomben in die angrenzenden Wiesen und in den letzten Kriegsmonaten wurde das Land um ihn herum vermint, aber die geplante Sprengung 1945, die diese engste Stelle auf der Insel, wo sein Haus steht, fluten sollte, wird nur ganz knapp verhindert, weil sowjetische Truppen die Insel besetzen.

Vor dem Krieg waren seine Werke von den Nazis „nicht erwünscht“ (allerdings wird Niemeyer nur in wenig Museen vertreten und so konnte auch nur ganz wenig verschwinden) und nach dem Krieg, in den 1950er Jahren gerät ONH in den Kunststreit der DDR. Eine Ausstellung in Dresden findet ohne seine Bilder statt. ONH malt Lenin-Ikonen  für öffentliche Gebäude. Er darf dann aber doch 1954 in Mannheim ausstellen. In den 1960er Jahren reist Neumeyer nach China, Taschkent, Samarkand und Buchara und wird 1963 Präsident der internationalen Ostsee-Biennale in Rostock. Erst ab den 1970er Jahren häufen sich seine Ausstellungen, auch in Italien und Norwegen. 1981 wird sein Gesamtkunstwerk in Rostock gezeigt und der Fernsehfilm „Und der Strand ist meine Geliebte“ gedreht. Ein einfühlsamer, langsamer Film mit vielen Sprechpausen. Er läuft im Museum und ist wirklich sehenswert. ONH sagt ganz wichtige Dinge so en passant, als ganz persönliche Reflexion. Er hätte kein Talent, er müsse sich alles erarbeiten. Aber das sei gut so. Künstler mit viel Talent sind mit 25 Jahren fertig.. 86jährig lernt er immer noch täglich etwas hinzu. 1984 stirbt Otto Neumeyer-Holstein und ein paar Monate später folgt ihm seine Frau Annelise.

 

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 Eingang zu seinem Atelier

 

Schon ein Jahr nach seinem Tod, also 1985, wird Lüttenort Museum und Ort der Begegnung -ganz nach seinem Wunsch. Dort finden jetzt regelmäßig Konferenzen und Konzerte statt und abwechselnd auch Ausstellungen mit Werken von seinen Malerfreunden. Das Museum wird 2001 nahe am Atelier errichtet. Ein kleines Paradies, bei dem die vielen Bäume den Lärm der Schnellstraße fast komplett auffangen.

Otto Neumeyer-Holstein hat an die 5000 Arbeiten (Zeichnungen, Aquarelle, Ölgemälde oder Radierungen) hinterlassen. Ein Großteil gehört dem Museum. Die Bilder hängen aber auch in  Museen in Berlin, Leipzig, Rostock, Dresden, Ascona, Kiel, Oberhausen, Mannheim oder im Folkwang Essen zu sehen. An die 500 sind in Privatbesitz, die meisten dokumentiert und in einem sagenhaften Werkeverzeichnis aufgeführt.

Christa Blenk

Fotos Christa Blenk

 

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Rudolf Belling – Skulpturen und Architekturen

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 Styropor Modell der Reifenwerbung von AVUS

 

Kino, Autoreifen, Boxer und entartete Kunst

Berührungsängste kannte Rudolf Belling (1886-1972) nicht und trotzdem kennen wir ihn vor allem als Bildhauer. Die Ausstellung im Hamburger Bahnhof zeigt nun ein komplettes Repertoire und das geht vom Kinoausstatter über Reifenwerbung bis zum Hofbildhauer in der Türkei.

Schon 1924 hatte die Berliner Nationalgalerie Rudolf Belling eine erste Ausstellung gewidmet. Belling galt damals als Pionier der abstrakten Plastik und als mutiger und unabhängiger Tausendsassa.

Die erste umfangreiche Retrospektive stellt die Bedeutung Bellings für die Avantgarde in den Mittelpunkt. 11 Schlüsselwerke der 80 Exponate aus der Sammlung der Nationalgalerie bilden die Grundlage der Ausstellung, die Bellings Wirken zwischen den Jahren 1910 und 1972 dokumentiert. Er selber hat sich gerne als Handwerker bezeichnet. Neben Projektmodellen, architektonischen Ideen und Filmausschnitten gibt es Zeichnungen, Fotos und viele Skulpturen zu sehen. Die ausgestellten Arbeiten beleuchten das breitgefächerte und grenzüberschreitende Schaffen von Rudolf Belling.

Richtig zuzuordnen ist er eigentlich keinem Stil, aber das traf in den 1920er Jahren – wo sich die europäischen Kunsttendenzen hin und her kreuzten – auf viele Künstler zu.

Nach einer kaufmännischen Ausbildung macht Belling eine Lehre in einer kunstgewerblichen Werkstatt in Berlin. Er belegt Abendkurse im Zeichnen und Modellieren und eröffnet schon 1908 mit einem anderen Künstler ein Atelier für Dekoration und Kunstgewerbe. Bald schon spezialisiert sich das kleine Geschäft auf Theaterausstattungen vor allem für Max Reinhardt. Seine Arbeit als Bühnenausstatter bringt ihm den Expressionismus und den Ausdruckstanz nahe. Er selber war ein leidenschaftlicher Tänzer und wird in den 1920 Jahren die Tänzerin Freeden heiraten.

1914 entwirft er Kostüm und Maske der Golem Figur für drei Filme, die Paul Wegener über diesen Mythos dreht. Die Versionen der Golem-Filme von 1914 und 1917 sind leider verschollen, aber vom dritten Film „Der Golem, wie er in die Welt kam“, der 1920 entstand, werden in der Ausstellung Fragmente gezeigt. Seine androiden und zukunftsweisenden Roboter-Ideen finden sich im Golem-Kopf aber auch in Portraits wie Kopf in Messing (1925) oder Skulptur (1923) wieder, die direkt aus Star Wars zu kommen scheinen.

In seiner kubistisch-expressiven Phase, beeinflusst von den futuristischen Ideen der Italiener wie Boccioni oder Marinetti oder von seinem Künstlerfreund Alexander Archipenko entstehen viele Skulpturen wie 1919 die Rundplastik Dreiklang. Sie ist aus Birkenholz und Mahagoni und gehört der Nationalgalerie. Diese Skulptur zählt zu seinen wichtigsten Arbeiten. Im Gründungsjahr des Bauhauses liegt er mit diesem Formenverständnis von Raum und Plastik genau richtig Hier treffen Malerei, Bildhauerei, Musik und Architektur aufeinander. Eine Hauptansicht gibt es bei Dreiklang  nicht. Man kann um sie herumgehen und ist versucht, den besten Blickpunkt zu finden, die Entscheidung fällt schwer.

 

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Umberto Boccioni (links) rechts Dreiklang von Rudolf Belling

 

„Wenn ich eine Skulptur mache, so organisiere ich die Formen und lasse sie wachsen wie einen Baum oder Menschen.“

Dreiklang zeigt die gleiche Dynamik und Energie wie Umberto Boccionis bekannte Plastik Einzigartige Formen der Kontinuität im Raum (1913). Die italienische Futurismus-Ikone passt genau in Bellings Konzept dieser Epoche. Hier war er hin- und hergerissen zwischen dem Bergarbeiter, der an den sozialistischen Realismus denken lässt und dem Schrei der Auflehnung des futuristische Manifestes von Marinetti, der mit der alten (italienischen) und ranzigen Vergangenheit nun endlich abschließen wollte und den Mut zur Verrücktheit, zur Raserei, zu Schnelligkeit pries und verherrlichte. Belling hat sicher die futuristische Wanderausstellung gesehen, die mit großem Erfolg 1911 in Mailand gezeigt wurde und anschließend u.a. nach Paris, London, Wien, Brüssel, München und natürlich nach Berlin kam. Die Wirkung auf die lokale Kunstszene war enorm und die Besucher bekamen gar nicht genug von der Vielfältigkeit und dem Rausch des Neuen.

13 Futuristen kamen übrigens in dem Krieg – den sie so verherrlichten – um!

Nach dem ersten Weltkrieg, den Belling als Soldat erlebt, wird die Künstlervereinigung Novembergruppe gegründet, bei der Belling bis 1932 im Vorstand ist. Der Zulauf ist enorm und schon in den ersten Monaten zählt die Gruppe 170 Mitglieder, viele aus dem Umfang von Erwarth Walden, aber auch italienische Futuristen, DADA-Vertreter und Mitglieder des Bauhauses sind darunter. 1933 wird die Gruppe aufgelöst und aus dem Vereinsregister gestrichen. 

 

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Josef von Sternberg und Der Boxer

 

In der surrealen Neuen Sachlichkeit und beeinflusst vom futuristischen Manifest befasst er sich  in den 1920 Jahren auch mit dem Thema „Mensch-Technik-Maschine“ und experimentiert mit neuen Materialien. In dieser Zeit portraitiert er die Sozialdemokraten und entwirft 1926 die Kühlerfigur Horchtier für eine Autofirma. Das Konzept eines Gesamtkunstwerkes, der Leerraum als Gestaltungselement beschäftigt ihn und Belling entwirft zusammen mit anderen Architekten  visionäre Projekte für Innenräume, utopische Bauten oder Brunnen und erfindet die moderne Schaufensterpuppe.

Aus dieser  Zeit stammt auch die Werbung für den Reifenhersteller Pneumatik Harburg-Wien an der AVUS-Rennbahn. Das Original war ca. 7 Meter hoch. Ein Styropor Modell steht am Eingang.

Das  wandgroße Foto des « Futuristischen Carneval » von 1921 hängt im ersten Saal; Belling hat hier für eine  Eisrevue im Admiralspalast  jede Schlittschuh-Figur in einer anderen Stilrichtung gekleidet. Es erinnert an Oskar Schlemmers Triadisches Ballet.

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Futuristischer Carneval (1922)

1927 wird Max Schmeling Europameister im Halbschwergewicht. Zwei Jahre später hält der sportbegeisterte Belling Schmeling in Bronze fest. 1930 entsteht das Portrait von Joseph von Sternberg, der 1929 aus den USA nach Deutschland kommt, um mit Marlene Dietrich den „Blauen Engel„ zu drehen. Diese beiden so unterschiedlichen Bronzen sind ebenfalls zu sehen, sie gehören

1931 wird Belling noch zum Mitglied der Preußischen Akademie der Künste ernannt und nimmt mit der Plastik Der Boxer an den Kunstwettbewerben der Olympischen Sommerspiele in Los Angeles teil. Aber schon ein gutes Jahr später wird er zunehmend boykottiert und als entartet eingestuft. Er muss aus der Akademie austreten, geht 1935 nach New York und lässt sich scheiden. Ein Jahr später kommt er nach Deutschland zurück, um es kurz darauf erneut zu verlassen. Hans Poelzig verschafft ihm eine Anstellung in Istanbul am Hof von Ata Türk. Allerdings behindern die dort entstandenen, politischen Portraits von türkischen Generälen seine Karriere, als er 1966 nach Deutschland zurückkommt.

Als 1944 bei einem Bombenangriff sein Atelier in Berlin-Lichterfelde zerstört wird und viele Originalarbeiten und Pläne zerstört, ist er gar nicht in Deutschland.

 

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Schuttblume (Belling)

 

Achtzigjährig und nimmermüde fängt er in den 1960er Jahren nochmals in München an, wo er sich vor allem der abstrakten Plastik widmet. Belling entwirft im Auftrag der Stadt München und des Deutschen Gewerkschaftsbundes für das Olympiagelände 1969 die 6 Meter hohe Skulptur Schuttblume als Friedenssymbol, die auf dem Gipfel eines Berges aus Kriegstrümmern errichtet werden sollte. Die Münchner Lokalpolitik verhindert dies allerdings und so wird die Blume wo anders aufgestellt; Belling erlebt dies allerdings nicht mehr! Er stirbt 1972.

Die Ausstellung in der sogenannten Außenstelle der Neuen Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof wurde von Dieter Scholz und Christina Thomson kuratiert und wurde durch die Freunde der Nationalgalerie ermöglicht. Sie geht noch bis zum 17. September 2017   und ist auf jeden Fall sehenswert.

mehr zu dem Thema italienischer Futurismus

Christa Blenk

 

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Guillermo Lledó – Ausstellung

Materia de silencio

 

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Bis 25. Juni sind im Museo Salvador Victoria in Rubielos de Mora, Teruel, die Arbeiten aus Holz des spanischen Minimalisten Guillermo Lledó aus den Jahren 1982 bis 2017 zu sehen.

 

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Material di silencio nennt er seine Ausstellung: Stille und vornehme Reflexion findet man in Lledo’s exquisiten Arbeiten. Sie beruhigen und regen zum Nachdenken an – über das « weniger ist mehr » und über flache und noble Farbflächen, die den Raum dominieren, die nicht schwätzen und doch so viel zu erzählen haben.

Mehr über diesen großartigen Künstler hier: Portrait Guillermo Lledó

 

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Fotos: (c) Guillermo Lledó

Christa Blenk

 

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Uli Richter

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Anlässlich seines 90. Geburtstag widmet das Berliner Kunstgewerbemuseum beim Berliner Modemacher und Lehrer Uli Richter eine Ausstellung in ihren Räumen.

40 Jahre lang hat Richter ab den 1950er Jahren die Mode in Berlin mit vorgegeben und geprägt. Von 1986 – 1994 hat er an der Berliner Hochschule für Künste viele zukünftige Modemacher inspiriert. In der Ausstellung sind Fotos, Zeichnungen und Kleider zu sehen, die in den letzten 70 Jahren entworfen und getragen worden sind und die dazu beigetragen haben, Berlin in den Kreis der internationalen Modemacher und Modezentren aufzunehmen.

 

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Im Kunst-Gewerbemuseum beim Kulturforum sind aber auch noch andere Kleider und Modelle zu sehen – die meisten aus dem 19. und 20. Jahrhudnert, die entschieden die Mode in den letzten 150 Jahren gemacht haben.

 

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cmb

 

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La beauté de l’ardoise – Cy Twombly au Centre Pompidou

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 Salle

 

Le Centre Pompidou à Paris célèbre son 40e anniversaire avec, entre autres, une grande et unique rétrospective de l’artiste américain Cy Twombly (1928-2011); L’exposition couvre 60 années de sa vie d’artiste.

Ce n’est pas la première fois qu’il est exposé à Paris: les parisiens purent déjà profiter d’une rétrospective Twombly au 20e anniversaire du musée, en 1988.

Le commissaire de l’exposition Jonas Storsve a réuni à Paris 140 œuvres dont la plupart ne s’étaient jamais confrontées et présente des peintures, des sculptures, des dessins et des photographies, qui sont montrées pour la première fois en Europe. L’idée de cette exposition est surtout pour lui de creuser les obsessions de Twombly: les cycles. Et c’est ainsi que ce superbe spectacle est basé sur trois cycles, qui à leur tour s’opposent à d’autres cycles, ainsi que sur d’autres œuvres précoces et plus tardives.

Twombly - Saalansicht; Bilder aus dem Zyklus  Nine Discourses on Commodus - Foto (c) JNPettit
Twombly – Vue Salle; Photos du cycle Nine Discourses on Commodus –
Photo (c) JNPettit

Nine Discourses on Commodus est créée en 1963 en réaction à l’assassinat du président John F. Kennedy qui bouleverse et marque l’artiste. Sur ces toiles de grande dimension, qui expriment le sang qui coule et qui poisse, il établit un parallèle entre l’attentat perpétré sur le président américain et le règne cruel et sanguinaire du tyran mégalomane romain Commodus (161-192) qui fut la victime d’un complot et fut étranglé par sa concubine Marcia et l’athlète Narcissus, le dernier jour de l’année 192. Ce fait a déterminé la fin de la dynastie des Antonins et fit place à une série d’empereurs qui régnèrent seulement quelques semaines avant de tomber à leur tour victimes d’assassinat. Jacky Kennedy portait à Dallas un costume rose, un chapeau rose et tenait un bouquet de roses rouges dans ses bras; Twombly peint rageusement une tragédie grecque en rose et en rouge sur des balafres discrètes au crayon, que l’on peut percevoir sous cette catharsis de couleurs. En 1964 ce travail fut exposé chez Leo Castelli à New York suscitant beaucoup de controverse et de rejet violent par la critique. Tout d’abord, parce que dans les années 60 les tendances de l’art minimaliste exigeaient une absence d’émotions, la réduction rationnelle vers les couleurs primaires et des formes géométriques simples et d’autre part parce que Twombly marquait ainsi la fin d’une époque. Ses tableaux ne se vendirent pas à cette occasion, mais furent plus tard acquis par un Italien et depuis 2007 ce cycle appartient au Musée Guggenheim de Bilbao.

Philadelphie a prêté exceptionnellement le cycle en 10-parties 50 Days at Iliam (50 jours à Troie). La série montrée ici a été produite au cours des étés 1977/78 et décrit dix chapitres de l’Illiade. Des feuilles de trèfle en forme de taches d’ombre de couleur identifient les protagonistes de la guerre de Troie: le gris pour Hector, le bleu-gris pour Patrocle et le rouge pour Achille, représentant le sang versé (Shades of Achilles, Patroclus and Hector, partie VI, 300 x 492 cm). En 1978, ces tableaux furent exposés à New York et furent ensuite rangés dans des boîtes jusqu’à leur acquisition en 1989 par le Museum of Art de Philadelphie.

La lecture d’Homère par Twombly fut constante tout au long de sa vie et se retrouve dans toutes les phases de sa peinture, et ainsi 14 ans avant 50 Days at Iliam les héros de Troie peuplaient-ils déjà ses pensées. Deux de ses chefs-d’œuvres des années 60 sont également exposés. Achilles Mourning the death of Patroclus (Achille pleurant la mort de Patrocle) mesure 259 x 302 cm, la moitié inférieure est vide de peinture. Au-dessus de la ligne de séparation (au crayon) s’envolent vers le ciel deux nuages de laine de tailles différentes, reliés par un fil ténu. Patrocle meurt et lâche le fil! Avec une passion contenue Twombly exprime la douleur d’Achille à la perte de son ami et compagnon d’armes Patrocle et son cri de vengeance. The vengeance of Achilles (1962, huile et crayon sur toile), prêté par le Kunsthaus de Zurich, est un A de trois mètres de haut (Achille!), une sorte de poignard aigu se dressant sous un capuchon éclaboussé de sang. À première vue, on pourrait penser à une installation d’arte povera par Mario Merz ou un rituel cruel et mystérieux.

Le troisième pilier de l’émission est le cycle Coronation of Sesotris  (2000) (Couronnement de Sesotris). C’est une fantaisie poétique sur le voyage du dieu soleil égyptien Ra dans son bateau solaire à travers le firmament. Ces œuvres sont lumineuses, transparentes, faciles et libérées. Et bien sûr, il y a aussi également une inspiration poétique antique: le poète de l’antiquité, Sappho et le poète contemporain Patricia Waters furent ici ses sources d’inspiration. Ces œuvres font partie de la collection Pinault.

 

Twombly - Coronation of Sesostris -Saalansicht Foto (c) JNPettit
Twombly – Couronnement de Sésostris – Vue de la salle
Photo (c) JNPettit

 

Cette série est accompagnée et complétée de nombreuses œuvres indépendantes telles que le groupe de quatre tableaux Quattro Stagioni (Quatre Saisons) de la Tate de Londres. Twombly les peint entre 1993 et 1995 après la lecture de John Keats « Ode sur une urne grecque ». Ici sont représentées la fugacité et la régénération de la Nature à chaque saison dans ce qu’elle a de caractéristique: timidité et plein d’espoir pour le printemps, jaune lumineux et joyeux pour l’été. Blanc et vert sapin de l’hiver, mais le plus fort est l’automne. La seule image des quatre dans laquelle il a écrit: l’Autunno (automne) est en gros caractères dans la partie supérieure de l’image: mélancolie et affirmation de la vie de ce grand cycle. Cy Twombly montre ici déjà se trouver sur la voie de ses œuvres suivantes, flamboyantes, colorées, autant de pistes énigmatiques minimalistes où alternent les coups de pinceau, les pictogrammes tellement calmes que l’on se sent subitement éclairé comme par le soleil.

Le calme et le petit format, plutôt atypique pour lui, des natures mortes Black Mountain College (environ 43 x 28 cm) en 1951 encore aux USA nous rappellent la poésie des bouteilles de Giorgio Morandi dans sa phase minimaliste des années 60. De grandes ardoises minimales, austères, spartiates gris / noir, conçues dans un processus d’apprentissage permanent, sont des pôles de paix.

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Blooming, 2001-2008

 

Twombly nous explique la beauté d’une ardoise négligemment essuyée. Ses tableaux sont des histoires tranquilles et passionnées et des poèmes, un équilibre entre d’une part des manifestations obsessionnelles timides discrètes, divines, inspirées par les hiéroglyphes et d’autre part des pictogrammes, gribouillis enfantins, de grandes compositions d’une autre grande inspiration: « Quand j’étais enfant je dessinais comme Rafael, mais il m’a fallu toute une vie pour apprendre à dessiner comme un enfant », a dit Picasso.

Peu de temps avant sa mort il créa les tableaux sur le thème de roses (sanglantes) d’après des poèmes de Ingeborg Bachmann et Rainer Maria Rilke – un hommage aux nénuphars de Monet (Blooming, 2001-2008). Blooming a été pris pour illustrer l’affiche de l’exposition et provient d’une collection privée!

Les sculptures de Twombly seraient presque invisibles. Couleur blanc sale, font-elles penser à Beuys? Ces objets rappellent des totems ou des ustensiles primitifs en bois ou en tissu, rapportés de ses voyages et réunis par des clous ou des fils. Tels qu’ils sont présentés ici dans le Musée Pompidou, ils ont un aspect très moderne, et semblent bien en ligne avec la structure de l’espace en face d’une vue imprenable sur Paris: La visite de l’exposition en vaudrait la peine rien que pour cette raison.

 

Cy Twombly Skulpturen im Panoramasaal des Centre Pompidou - Foto (c) JNPettit

 

Né en Virginie, il vient en Europe avec ses vingt ans et une bourse d’études. Tout ce qu’a connu Cy Twombly dirigera son chemin dans ses peintures, que ce soient les peintures rupestres vieilles 17.000 ans de Lascaux, qu’il étudia dans les années 50, ou un marabou dans le tableau Volubilis; Twombly avec son ami et camarade Robert Rauschenberg visitèrent des ruines romaines près de Fès au Maroc au cours d’un voyage en Afrique du Nord dans les années 1950. Ici éclate non seulement sur son tableau la rencontre de deux cultures; en dehors des tons beige noir et blanc cassé, il n’y a pas d’autres couleurs. Un mirage qu’on ne peut percevoir que les yeux plissés dans la chaleur miroitante.
 

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Volubilis et Ouarzazate

 

Dans le grand bain créatif des années 50 des action paintings de Franz Kline, des champs de couleur de Rothko ou les boucles de peinture Jackson Pollock, Barnett Newman, Willem de Kooning et Robert Motherwell, il apprend à nager. Sans bouée ni gilet de sauvetage, il plonge dans la fascination du vieux continent, la philosophie antique et fusionne avec les tendances américaines des années 1950; les gribouillis prétendument stupides, ses graffitis, parfois en conflit avec le dominant expressionnisme abstrait. En réalité, sans un investissement intellectuel personnel on n’arrive pas à le comprendre. Les mythes déconstruits et les héros de l’antiquité abandonnés errent sur des toiles toujours semées de textes griffonnés et saupoudrées de couleurs, où les fleurs rouges sont autant de gouttes de sang. Qui dirige ici son pinceau? Sa main ou sa mémoire de tout ce qui l’a un jour envoûté et qu’il a perfectionné de jour en jour? Des rêves, l’Histoire, la connaissance, la couleur et la lumière se combinent et se subliment.

Une photo de lui prise à Rome en 1961 est exposée à l’entrée de l’exposition. Twombly, un petit pinceau en main, se tient devant une grande toile, plutôt timidement, comme s’il n’osait pas ajouter à son cahier d’images un symbole cryptique ou une ligne calligraphique. Il donne l’impression d’être revenu sur son travail, simplement et très respectueusement parce qu’il sent qu’il y a ici encore quelque chose à compléter. Il pouvait parfois rester des jours entiers devant sa toile blanche avant qu’un premier geste timide lui permette de surmonter sa panique du vide.

Cy Twombly vécu de nombreuses années dans l’italienne Gaeta, située entre Rome et Naples et déjà citée par Virgile dans l’Enéide. Gaeta était une station thermale prisée par les Romains, où même Cicéron possédait une villa. Chaque pierre sur cette côte a des histoires de l’antiquité à raconter: Des tragédies archaïques, barbares ou éternellement jeunes.

Cette exposition unique et exclusive d’œuvres provenant de grands musées ou collections privées, qui honore un représentant considérable de l’expressionnisme abstrait et des individualistes intellectuels pourra être vue au Centre Pompidou à Paris jusqu’au 24 avril 2017. Organisée en collaboration avec la Fondation Cy Twombly et avec le soutien de son fils Alessandro, il faut savoir qu’elle n’est pas appelée à se déplacer vers d’autres musées.
 
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Salle – Camino Real RealCamino (2010)
 

Christa Blenk / traduit par Jean-Noel Pettit

Photos: JNPettit

 

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