Thomas Kern   (1963), Berlin

Turnianer und Neo-Impressionist?. Großflächige, poetische und individualistisch-abstrakte Malerei. Thomas Kern setzt sich mit Farbe, Raum und Licht auseinander, konfrontiert dann diese Elemente miteinander und lässt Pastell spielen. Seine Farbräume sind gegenstandslos.

Hier gezeigte Arbeiten stammen aus der Zeit in Brasilien, Porto und Berlin.

Thomas Kern bild3.vignettebild1.vignette Coulour field paintings

tom1-150x150tom2-150x150 Ariadne à Chartres

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Luminosité

vom Maler Thomas Kern

  Das Gleiche im Verschiedenen

Von den Wahlverwandtschaften in Leben und Werk Thomas Kerns

Er empfängt mich an einem Mittag im Dezember in seinem Haus, das ihm auch als Atelier dient. Er sitzt bequem auf der lichtdurchfluteten Terrasse, die von einer üppig umwucherten Pergola überdeckt ist, der Blick geht in den verwilderten kleinen Garten. Entfernt im Hintergrund spiel Glenn Gould Bach. “Vielleicht ist die ununterbrochenen Vegetationsphase der Grund dafür, dass es hier bisher noch keine grüne Phase gab,” sagt der Maler mit ironischem Lächeln. In welcher Phase er sich gerade befindet, sagen dem aufmerksamen Betrachter die Pigmentreste an seine Händen, derzeit Orange- und Rottöne.

bild3.vignette tempête sur Venus

Das Leben des Thomas Kern spielte sich an vielen Orten dieser Welt ab. Der Ort seiner Herkunft wurde im Verlaufe der Jahrzehnte und der starken Einflüsse der Kulturen und Kontinente, vor allem aber des Lichts, Schicht um Schicht überlagert. Wie seine Maltechnik, könnte man beinahe meinen. Und wirklich: alles fing an mit kleinen Aquarellen, oft unbeholfen in ihrem Versuch, das Motiv gerecht abbilden zu wollen, aber dann – vor allem in den Ergebnissen vieler Studienreisen – blitzt bereits die Meisterschaft auf, die wir heute in seinen Werken bewundern, seine Fähigkeit, quasi das Licht einzufangen, zu bannen auf die Leinwand. “Luminosité” ist für ihn der Gral seiner Kunst geworden.

Bereits während der einjährigen Stage, die er Mitte der achtziger Jahre in Marseille absolvierte, befand er sich in der Tradition der ewigen Suche der europäischen Malerei nach dem Licht des Mittelmeers. Aus dieser Zeit stammt das Triptychon “Méditerranée I – III”, heute im Privatbesitz. Viele wunderbare Aquarelle weisen beeindruckend seinen Weg zur Meisterschaft. Vielleicht war es die Auseinandersetzung mit dem Genius loci der Montagne Sainte-Victoire eines Cézanne, die in ihm – sozusagen avant-la lettre – das Bewusstsein für die technische Sorgfalt in der Malerei entwickeln ließ. Die Verpflichtung des Künstlers zur Schönheit in seinem Werk, der ethische Auftrag, machte ihn von Beginn an seines Schaffens zu einem “altmodischen” Künstler. Gerade in den Zeiten des nervösen Spekulationsmarkts, dem Krebsgeschwür der zeitgenössischen Kunst, strahlt dieses scheinbar Rückständige eine heitere Zeitlosigkeit aus, fern aller Moden und Geschmäcker will sie nie mehr scheinen als das, was ihr Wesen zu uns spricht.

Sein Weg ging weiter in eine Welt der Herausforderungen, die sich gezwungenermaßen auch auf seine Kunst auswirken mussten. Im ostafrikanischen Somalia der Endachtziger wurde er Zeuge des Sturzes eines afrikanischen Despoten und der sich anschließenden Anarchie des Bürgerkriegs. Diese traumatischen Erfahrungen ließen sich nicht sublimieren, eine lange Periode des künstlerischen Verstummens war die Folge. Einige frühe Werke sind dennoch erhalten geblieben, zumeist leuchtende Seestücke, Reflexionen der Erfahrungen mit dem Indischen Ozean, dem gleißenden Äquatorlicht Afrikas, der Jahrtausende alten Kultur der Swahiliküste, der Ostküste des afrikanischen Kontinents, an der arabische Händler eine Perlenschur weißer Handelsstädte hinterließen, die mit den Einflüssen portugiesischer und schließlich italienischer Kolonisatoren eine einzigartige Kultur prägten, so wie Schicht um Schicht seiner Bilder ein einzigartiges Werk ergibt. Sicherlich besteht das heute zerstörte Mogadischu im künstlerischen Unterbewusstsein Thomas Kerns fort, bis heute an der Beschäftigung mit dem Orientalismus, dem Pittoresken und Vedutenhaften erkennbar. Die Wurzeln dieses ewigen Suchens nach dem unerreichbar Fremden legte Punt, das sagenhafte Land des Weihrauchs der Königin von Saba.

Bemerkenswert in dieser Phase ist die erste Beschäftigung mit den “Papiers coupés”, im bedauerlicherweise wohl verschollenen Werk “Somaaliya”. Dabei sollte das großformatige Bild in postkartengroßen Ausschnitten während des gesamten Aufenthaltszeitraums an seine Empfängerin in Deutschland verschickt werden, die es Stück für Stück wieder rekonstruieren und als wiedergewonnenes Gesamtwerk rekonstruieren sollte.

Die nächste Station seines künstlerischen Lebens führte ihn das Ungarn des gerade eben geöffneten Eisernen Vorhangs. Das Fin-de-Siècle Budapests, die Spuren der untergegangenen K-u.-K-Monarchie, die Kulturlandschaft Mitteleuropas hinterließen ihre Prägungen. Im nahegelegenen Nagymaros fand er sein Atelier, den Blick gerichtet auf den europäischsten Strom, der Donau, und das Symbol des Magyarentums, der Feste Visegrád. Hier entstanden in der ländlichen Abgeschiedenheit der Villegiatura der heißen pannonischen Sommer wohl die heitersten seiner Werke. Die Budapester Jahre atmen zwar die Kleinteiligkeit des Binnenländischen, die danubische Weite verleiht ihnen jedoch in allen ihren vielgestaltigen Ausprägungen stets auch die gewohnte Anmut und Grandiosität. Die Gedankenwelt des Hölderlinschen Kaukasus ist ihnen ebenso wenig fremd wie konsequente Modernität eines Béla Bartok.

Entscheidend aber für die künstlerische Reife waren seine Jahre in Brasilien. Nur eine völlig neue Formsprache konnte die Antwort sein auf die grandiosen und unerhörten Eindrücke, die völlig unerwartet auf ihn hereinbrachen. In der Sinnlichkeit und Farbenfreude des “Tropicalismo” trat jeglicher intellektueller Ansatz zurück hinter die Unmittelbarkeit des Gefühls. Erkennbar in den Werken dieser Periode ist die Bereicherung der Farbpalette um bislang undenkbare Couleurs, die überlegte Technik weicht einer spontaneren Handhabung des Pinsels, die Struktur definiert sich durch eine geradezu tänzerische Flexibilität. Die besten Werke dieser Zeit atmen die Leichtigkeit des Bossa Nova. Erstaunlich ist dabei die geradezu manieristische Rückkehr zum überwunden geglaubten Topos der Landschaft, vielleicht in Reflexion des europäischen Einflusses im Schmelztiegel der Metropolis São Paulo. Die Serie der Ansicht auf die Bucht von Maresias darf dabei als unbestrittener Höhepunkt im gesamten Schaffen Kerns angesehen werden. Leider scheinen auch hier außer der monumentalen Darstellung im Besitz des Künstlers einige Fassungen verschollen bzw. sogar vernichtet zu sein. Ebenso erstaunlich sind mehrere Solitäre des Aquarellschaffens des Künstlers, die die Atmosphäre des Augenblicks ihres Entstehens geradezu körperlich fühlen lassen. Sie befinden sich in verstreutem Privatbesitz, vor allem auch des Künstlers selbst, was ihre Bedeutung für ihn zeigt. Trotz der umfassenden kreativen Befruchtung, die diese magische Zeit kennzeichnet, schrie die künstlerische Seele förmlich nach Erneuerung, im immerwährenden Treiben des Triebes vergingen autonomer künstlerischer Gestaltungswillen und wohl auch die damit korrespondierenden Stilansprüche. Doch wird Brasilien für Kern immer der Bezugspunkt in ästhetischer, emotionaler, geschmacklicher, vor allem menschlicher Hinsicht bleiben, ein Gefühl der Heimat und Zugehörigkeit. “Brasilien wird einmal die Menschheit erretten”, sagt er an diesem fernen Punkt, an diesem lichtdurchfluteten Dezembersonntag – wir nehmen es ihm ab.

Die Ernüchterung kam – klimatisch, künstlerisch und vor allem menschlich – mit der Rückkehr nach Deutschland nach elf Jahren des Nomadismus. Alleine die einzige deutsche Großstadt konnte den Erfahrungen Paroli bieten: das wiedervereinigte Berlin. Die Hoffnungen der Heimkehr wurden zwar enttäuscht, aber Berlin entschädigte Kern für die verlorene Ferne. Im Dickicht dieser Stadt sollte er heimisch werden, die Stämme, die Ferne, die Gegensätze, selbst sogar das Spießige lieben lernen, vor allem das weite Umland, dessen unfassbare Bezüge zu Kunst und Geschichte allen Ortes nationale Dimensionen ahnen lassen. Sein großzügiges Schöneberger Atelier, das später seine Hauptwohnung werden sollte, war für ihn der unveränderliche Fixpunkt seines Schaffens.

Frühwerk:  Bossa Nova Thomas Kern

 

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