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- Hannsjörg Voth und seine Projekte in der Marha Ebene vothaquarell-150x97 Aquarell Hannsjörg Voth

Geträumte Ordnung, utopische Architektur – eine Kunst, die sich enthüllt und entsteht in Folge der unerwarteten Begegnung des deutschen Künstlers mit der grenzenlosen Inspiration der Wüste, im Süden Marokkos.

Unendliche Horizonte, unermessliche Himmel: Die Wüste ist seit jeher der Ort, der isoliert  von der Welt zugleich nach deren Sehnsüchten dürstet. Dort existieren  nur Auflösung und Wahnsinn oder mythische Einsamkeit und orakelhafte Offenbarung.

Etwas tief im Inneren von Voth – seine Nachdenklichkeit gepaart mit heidnisch-religiösen Visionen – treibt ihn mit Kraft in diese karge Landschaft. Es scheint, als habe er dort die prophetischen und zeremoniellen Quellen seiner Architektur und Kunst gefunden.

So entstand in den vergangenen 17 Jahren, während derer er sich wiederholt in die rigorose Abgeschiedenheit des Südens zurückzog, die drei großen marokkanischen Projekte: Die Himmelstreppe, die Goldene Spirale und die Stadt im Orion. Im Unterschied zu früheren — vielleicht technischeren — Arbeiten scheinen die realisierten Wüsten-Projekte eine eigene  Interpretation zu bieten, sie sind unvermutete Botschaften, die von den Spuren einer früheren Berber-Zivilsation zeugen, unter dem Sand begraben seit Jahrhunderten. Einzig die Augen, Ohren oder ein gewisser künstlerischer siebter Sinn wie der von Voth vermögen sie zu erfassen und wieder zu gegeben  – im Klang der Unendlichkeit einer unbekannten Melodie, die die Wüste in alle Richtungen durchzieht, begleitet von dem zarten, kaum wahrnehmbaren Atem  der Dschinns.

Wüstensand, Arbeit und Schweiß, Archäologie der Zukunft: Schwer und hart ist die Arbeit des Künstlers, in dieser unwirtlichen Gegend nach traditioneller Technik der Vorfahren Grundsteine zu errichten und Lehmwände hochzuziehen. Wie die Fotos von Ingrid Amslinger zeigen, bewegen sich Voths Kunstwerke mit einer Entschlossenheit und unerwarteten Schönheit innerhalb geheimer Grenzen; sie wandeln zwischen Kunst und Architektur und wehren sich in ihrer hermetischen Mehrdeutigkeit beständig dagegen, eingeordnet zu werden.

Schönheit ist schwierig, sagte Platon. Die Mehrheit der als groß geltenden Künstler war und ist platonisch in dem Maße, in dem sie immer die Tendenz haben und hatten, mit ihren Werken, Bildern und Symbolen das perfekte Ideal der Ordnung zu schaffen, der Symmetrie und der Schönheit — wie schon im Kosmos zum Zeitpunkt der Welterschaffung angelegt. Viele erheben Anspruch auf dieses Ideal, doch nur wenige erreichen das Ziel: Sie verlieren sich im Dickicht der Banalität  und zeigen sich unfähig, zum richtigen Zeitpunk die Tür ins geheime Labyrinth menschlicher Kreativität zu öffnen.

Viel wurde spekuliert über die Beziehung zwischen Voths Werk und der sogenannten „Land Art“ der 60er und 70er Jahre. Dieser Rückschluss liegt nahe; allerdings kann ich in der Art und Weise, wie Voth auf die Landschaften einwirkt, nichts davon erkennen auch keine Merkmale oder Spuren eines Landart-Künstlers. Er behandelt Landschaften vielmehr wie eine riesige Leinwand. Allein der Vergleich der Goldenen Spirale mit der von Smithson in Salt Lake zeigt auf überzeugende Weise, dass beiden Arbeiten nur das Konzept der Spirale gemein ist.

Hervorheben möchte ich, dass just zu dem Zeitpunkt, da  kollektive Utopien nach dem Mauerfall in Berlin im Mark getroffen sind und das Gespinst des Chaos erneut die ganze Welt überschattet, der Künstler Voth gleich den alten Asketen in der Wüste verwurzelt zu sein scheint. Um eine edle, klare und dauerhafte Beständigkeit seiner persönlichen Mythologie zu hinterlassen.

Mögen auch die Illusionen, die uns heute antreiben, seine Werke in den kommenden Jahrhunderten unter Wüstensand begraben; eines Tages gelingt es vielleicht einem visionären und hartnäckigen Archäologen, sie wiederaufzubauen. Zum Staunen aller wird er dann dieses großartige und rätselhafte Erbe freilegen, das uns der Künstler in Marokkos Süden hinterlassen hat.

Emanuel Borja (übersetzt mit Hilfe von Irmi Feldman, Alexandra Dupé und Katrin Fohmann)

Casablanca 2004

 

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