7 février 2021 0 Commentaire

Die Heilige Rosalia rettet Palermo vor der Pest – Van Dyck

Die Heilige Rosalia rettet Palermo vor den Plagen der Pest – Anthonis van Dyck

Anthonis Van Dycks Bild „Die Heilige Rosalia rettet Palermo vor den Plagen der Pest“ war 1870 eine der ersten Anschaffungen des damals neu gegründeten Metropolitan Museum New York und hat bei der großen Jubiläumsausstellung 2020 Making the MET eine Hauptrolle gespielt (allerdings ging man beim Kauf des Bildes noch von einer Himmelfahrtsszene aus). Epidemie bedingt konnte die Schau aber nicht so wie geplant gezeigt werden und Rosalia musste in Quarantäne. Eine Wiedereröffnung soll geplant sein.

Ein Italien-Aufenthalt war für Künstler im 17. Jahrhundert mehr als eine Kür. So machte sich auch der junge Antwerpener Maler Anthonis Van Dyck (1599-1641) im Jahre 1621 auf ins norditalienische Genua. Von dort aus bereiste er die mythischen Orte wie Rom, Florenz, Venedig und Palermo. In Genua wurde der hoch begabte, junge, elegante Rubens-Schüler mit seinen vornehmen und raffinierten Portraits sehr schnell zum Star. Der Vizekönig von Sizilien wollte ebenfalls für diesen aufsteigenden Promi-Porträtmaler Modell sitzen und lud ihn kurzerhand nach Palermo ein. Diesen Auftrag konnte Van Dyck gerade noch erledigen, bevor die Pest ausbrach und er Palermo nicht mehr verlassen durfte. Ein Schiff aus Tunis soll im Mai 1624 den schwarzen Tod in die Stadt gebracht haben. Im 17. Jahrhundert war man pesterfahren und wusste, welche Maßnahmen zu treffen waren: man bildete einen Krankenausschuss, baute Not-Krankenhäuser, erließ eine allumfassende Quarantäne, verhängte Abstandsregeln und eine Meldepflicht für Kranke. Ohne « Gesundheitszeugnis » oder negativem Test kam man weder in die Stadt noch aus ihr heraus. Das kommt uns jetzt alles sehr bekannt vor. Trotz all dieser Schritte fielen im selben Jahr über 10 000 Menschen der Seuche zum Opfer. Unter den Toten war auch der Vizekönig Emanuele Filiberto von Savoyen, Van Dycks Auftraggeber. In der Quarantäne-Zeit malte der Flame mehrere Variationen der Heiligen Rosalia, die 1625 ein come back hatte und Palermo vor den Plagen der Pest befreite.

Über die Heilige Rosalia gibt es viele Geschichten und eine davon erzählt, dass sich ein Mann namens Vincenzo nach dem Pest-Tod seiner Frau vom Monte Pellegrino stürzen wollte und von der Vision einer jungen Frau namens Rosalia davon abgehalten wurde. Sie wusste, wie die Pest einzudämmen wäre. Dazu musste Vincenzo die Kirchenfürsten überzeugen, die sterblichen Überreste der Rosalia aus der Grotte zu holen und sie in einer Prozession durch die Stadt Palermo zu tragen – was natürlich komplett gegen die Auflagen des Social distancing verstieß! Van Dyck dürfte so eine Rosalia-Antipest-Prozession gesehen haben. Allerdings hat es -trotz einer erneuten Legitimation der Reliquien Verehrung beim Konzil von Trient 1563 – lange gedauert, bis das kirchliche Prozedere soweit war, der Erzbischof von Palermo die Authentizität der sterblichen Überreste prüfen ließ und diese im Februar 1625 als Reliquie anerkannte. Das Vorgehen dürfte einer Impfstoff-Anerkennung durch die EMA-Behörden gleichgekommen sein. Im August 1625 galt die Pest als eingedämmt und man ließ eine Kapelle auf dem Monte Pellegrino errichten, Rosalia wurde zur Schutzheiligen von Palermo und die Grotte im Hinterland ein Wallfahrtsort. Gelebt haben soll Rosalia allerdings schon im 12. Jahrhundert als Tochter eines Edelmannes am Hofe der sizilianischen Könige. Warum sie dem angenehmen Hofleben entsagte und sich als Braut Christi in die Einsamkeit zurückzog, weiß man nicht. Laut einer Legende soll sie vor einer ungewünschten Vermählung geflohen sein. Engel hätten sie auf dem 600 Meter hohen Monte Pellegrino versorgt, aber eine Quelle gab es natürlich auch. Unsere Reliquie heute ist der Impfstoff.

Ein „schönes Frauenzimmer“ nannte Goethe die Santuzza von Palermo und der Monte Pellegrino erschien ihm als das „schönste Vorgebirge der Welt“. Nun ja, heute sieht es dort anders aus.

Die fünf unterschiedlichen Versionen des Bildes sind über die Welt verstreut, wobei sich die von London und Houston ähneln. Die Madrider Rosalia ist eleganter und schlichter. Darauf hat das Memento  mori einen prominenten Platz vorne unter Rosalias linker Hand, während in der hier beschriebenen New Yorker Version der Totenschädel gut versteckt links unten auszumachen ist. Die langen, welligen und rotblonden Haare, die roten Wangen und den nach oben gerichteten, verzückten Blick sowie die Rosen hat Van Dyck in allen Exemplaren untergebracht. Die MET Version ist heller und chaotischer. Rosalia ist umgeben von einer barocken Schar von Putten und Cherubinen mit tizianroten Schärpen, die sich durch das Bild tummeln. Sie schwebt voluminös und dominierend über dem Strand von Palermo in einen Wolkenschleier hinein. Im Hintergrund ist der Monte Pellegrino zu sehen. Licht bricht durch die Wolken und lässt blauen Himmel durchblicken, während ein Cherub ihr gerade einen rosarot-weißen Rosenkranz als Symbol für die Jungfräulichkeit auf den Kopf setzen will. Ihre Hände wirken plump, im Vergleich zu anderen Versionen. Das Bild entstand 1624 und misst knapp 100 x 74 cm.

18 Monate blieb Van Dyck in der Stadt und malte. Dabei hätte er noch vor der Pest die Stadt verlassen können, aber eine Flut auf Folgeaufträgen verführte ihn zum Bleiben. 1624 besuchte er außerdem die größte Malerin dieser Zeit: Sofonisba Anguissola lebte 92-jährig in Palermo. Aus den Skizzen in Van Dyck Italienischem Notizbuch,  die er während des Besuches anfertige, entstand später ein großartiges Portrait der Grande Dame im schwarzen Kleid mit weißem Schleier auf dem Kopf. Trotz ihres Alters war Sofonisba  geistig fit und ihre Hände zitterten nicht, allerdings konnte sie aufgrund ihrer Augen nicht mehr malen. Die beiden führten lange Gespräche, bei denen Van Dyck sehr viel lernte. In seinen Texten spürt man seine Bewunderung für die Malerin.

Van Dyck kehrt 1627 wieder nach Antwerpen zurück und eröffnet eine Werkstatt. Er ist ein Meister der Draperien, sein Pinsel locker und niemand malt den Glanz der Gewänder wie er. Nach wie vor ist Tizian sein großes Vorbild. Der englische König Karl I holt den eitlen und immer tadellos herausgeputzten Maler 1632 nach London an seinen Hof. Van Dycks gepflegten Spitzbart nennen die  Engländer „Vandyke“. In England definiert er den Typus des Adelsportraits neu, kann sich vor Aufträgen nicht retten und fertigt seine Kunden fast fließbandmäßig ab. Sein aufwendiger Lebensstil ist dafür verantwortlich, dass er ein paar Jahre später beinahe mittellos nach Antwerpen zurückkehrt. Van Dyck reist nach Paris in der Hoffnung, am Hof von Ludwig XIII und in der großen Galerie des Louvre malen zu können. Dieser Auftrag geht aber an Nicolas Poussin. 1641 zieht es ihn zurück nach London, wo er mit 42 Jahren verstirbt.

Christa Blenk

 

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