1 février 2021 0 Commentaire

Andrea Mantegna – der Heilige Sebastian

für KULURA EXTRA

Der Heilige Sebastian ist der Schutzpatron der Töpfer, Gerber, Steinmetze, Gärtner, Eisenhändler, der Sterbenden und der Leichenträger. Er hilft bei der Pest und bei Seuchen überhaupt. Mit seinen Fürbitten soll er um 690 mitgeholfen haben, die Justinianische Pest einzudämmen, die jahrzehntelang im Mittelmeerraum wütete und die Spätantike beendete. Bei diesen vielen Aufgaben ist es kein Wunder, dass er schon ab dem 5. Jahrhundert immer wieder zu Rate gezogen wurde. Große Bedeutung erlangte der Heilige in der Renaissance, auch weil es in dieser Zeit immer wieder zu Pest-Ausbrüchen kam. Das Sebastian-Thema landete im 15. Jahrhundert sehr oft auf den Leinwänden großer Künstler. Eine der Darstellungsformen war die des Kriegers in glänzender Rüstung, aber meist trägt der Heilige nur ein Tuch um die Hüften, ist jung und schön und blickt, von Pfeilen durchbohrt, schmachtend nach oben.

Sebastian war ein Soldat aus Mailand, den Kaiser Diokletian nach Rom in seine Leibgarde holte.  Er war ein guter Soldat, bekannte sich aber immer mehr auch öffentlich zum Christentum. Dies missfiel dem Römer und so ließ er den religiösen Rebellen von numidischen Bogenschützen erschießen. Sebastian überlebte die Pfeilattacke und wurde von der Heiligen Irene, die ihn eigentlich für das Begräbnis hätte vorbereiten sollen, gesund gepflegt. Wieder auf den Beinen, hatte er nichts Besseres zu tun, als zu Diokletian zurück zu kehren und ihm erneut sein Bekenntnis zum Christentum um die Ohren zu hauen. Sebastian wurde erneut verurteilt, im Circus mit Keulen erschlagen und in die Cloaca Maxima, die römische Kanalisation am Tiber, geworfen. Christen haben ihn aus dem Wasser geborgen und zum Märtyrer gemacht. Die Sebastian Katakomben wurden im 4. Jahrhundert fuori le mura (außerhalb der römischen Stadtmauern) gebaut.

Der große italienische Künstler der Frührenaissance, Andrea Mantegna (1431-1506), war ein begeisterter Verehrter der Antike und hat drei bekannte Versionen dieses Themas gemalt. Um 1457 eine kleinformatige Tafel (hängt in Wien), ein Alterswerk um 1490, das in Venedig zu Hause ist und nur aus Körper und Pfeilen besteht und das hier beschriebene Bild. Es entstand um 1580, hängt im Pariser Louvre und misst ca 255 x 140 cm.

Sebastian ist mit dicken Stricken an Händen und Füßen an eine antike, korinthische Säule gefesselt, die direkt an eine Torbogen-Ruine anschließt. Das sich hochrankende Grünzeug kündigt ein baldiges Verschlucken dieser antiken Vermächtnisse an. Wie eine Skulptur steht er auf einem Sockel, nur mit einem kunstvoll um die Hüften geschlungenen Lendenschurz bekleidet. Unten rechts im Bild entfernen sich gerade die beiden Schergen nach getaner Arbeit. Obwohl unzählige Pfeile seinen Körper durchbohren, wirkt er unversehrt und sauber. Der vordere Henker hält noch drei unverschossene Pfeile in der Hand und hat den Bogen geschultert, nicht ahnend, dass Sebastian noch lebt. Mantegna hat die Schützen auf Brusthöhe mutig abgeschnitten. Mit der Ruinenlandschaft im Hintergrund zitiert er die Antike und seine humanistische Bildung. Aufschlussreich ist der Fuß in einer römischen Sandale ganz links unten als Zeichen des Sieges der christlichen Welt über das Heidnische, sprich die Römer. Meist wird Sebastian als Jüngling gemalt. Hier ist er älter, verklärter und blickt sehnsüchtig aber würdevoll gen Himmel. Typisch für Mantegna die Detailtreue bei den spätantiken Ruinen im Hintergrund, die anatomische Perfektion, die Zitate und Anspielungen und die überspitzte Perspektive. In seiner Jugend in Ferrara hat Mantegna Werke der alten Flamen gesehen. Im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen malt er nicht in Öl, sondern verwendet gerne Tempera auf Leinwand. Die matten, opaken Farben erinnern an Fresken oder mehr noch, an Skulpturen. Mantegna war ein Meister des Trompe l’oeil. Wenn man physisch vor dem Bild steht, sieht man die dünne Porphyr-Umrahmung. Der Künstler spielt hier auf Albertis Theorie, „wonach die Malerei ein offenes Fenster zur Realität ist“, an. Interessant ist, dass bei den meisten Reproduktionen diese bräunlich-rosa, feine Umrandung fehlt. Er hat den Fensterrahmen so perfekt gemalt, dass ihn nicht mal der Fotograf dem Gemälde zuordnet. Vasari weiß zu berichten, dass sein Lehrer Squarcione ihn deshalb rügte und meinte „Seine Gemälde sehen nicht wie lebende Modelle aus, sondern wie alte Statuen“.

Der Betrachter befindet sich auf Höhe der Bogenschützen. Der Fluchtpunkt ist niedrig, was den Heiligen überlegen und mächtig erscheinen lässt, der trotz aller Leiden die Oberhand in diesem grausamen Spiel  behält. Er weiß, dass er es überleben wird.

Das Gemälde war angeblich ein Hochzeitsgeschenk des Herzogs von Gonzaga an seine Tochter und den französischen Grafen von Montpensier. Mantegna war viele Jahre am Gonzaga-Hof von Mantua tätig und gab diese Aufgabe auch nicht während seiner Rom- und Florenzjahre auf.

 

Christa Blenk

 

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