15 janvier 2021 0 Commentaire

Tracey Emin und Edvard Munch in London

für KULTURA EXTRA

Tracey Emin/Edvard Munch: The Loneliness of the Soul        (virtueller Besuch)

 2017 besucht die britische Starkünstlerin Tracey Emin (*1963)das Munch Museum in Oslo. Edvard Munch (1863-1944) gehört – wie Egon Schiele (1890-1918) – zu ihren Vorbildern. Dort entstand der Gedanke, in einer Ausstellung ihre und Munchs Seelenzustände zusammen zu bringen. Neu war die Idee nicht, denn 2015 hat sich Emin mit Egon Schieles Zeichnungen einem erfolgreichen, künstlerischen Schlagabtausch mit 80 Arbeiten in Wien gestellt. In London bringt sie 25 Werke – einige davon waren noch nie ausgestellt – mit 18 zum Teil sehr bedeutenden Gemälden von Munch zusammen. Nach langem Hin- und Her im Corona-Jahr 2020 konnte die Schau schließlich am 7. Dezember 2020 in der Londoner Royal Academy eröffnet werden, um ein paar Wochen später ihre Türen wieder zu schließen.

Während Mitte 2020 Emins und Munchs Arbeiten darauf warten, der Öffentlichkeit präsentiert zu werden, muss Tracey Emin sich einer schweren Operation unterziehen. Ihre letzten Bilder scheinen das schon gewusst zu haben. Die unsicheren Striche und chaotischen Farblinien, die wie Graffiti daher kommen, schreien, sind blutrot und lassen auf den ersten Blick eher an Cy Twombly oder Schiele denken. Die dargestellten Frauen krümmen sich zwischen frenetischer Erotik und versteckter Scham.

Die Ausstellung in London Tracey Emin/Edvard Munch: The Loneliness of the Soul konzentriert sich auf Werke die von Schmerz, Verlust oder Verlangen erzählen. Die aussagekräftigen Titel wie “Because You Left and This Is Life Without You”, “You Made Me Feel Like This”, “Because You Kept Touching Me”it – didnt stop – I didnt stop“ verraten die Bildgeschichten schon vorher. Diesen Exponaten stehen Munchs female nudes (sitzende oder liegende Frauenakte) gegenüber. Munchs „Marats Tod“, auf dem er Tulla Larson zur Mörderin Charlotte Corday macht und sich selbst als Toten präsentiert, um vier grausame Jahre mit ihr zu verarbeiten, stellt Emin das Bild „I am The Last of my Kind” von 2019 gegenüber. Darauf steht Charlotte-Tulla vor einer weinenden Buchstabenwand.

Während Munch seine Probleme und Seelenzustände mit meist warmen, leidenschaftlichen und expressiven Farben auf die Leinwand bringt, greift  Emin bei ihren Offenbarungen auf handwerkliche, bildhauerische, malerische und filmische Instrumente zurück. In der gnadenlosen Hilflosigkeit hat sie den roten Faden in Munchs Bildern gefunden und ihn zu sich herübergezogen. Sie hat Munchs Werke für die Schau selber ausgesucht und so sprechen diese auch von Verlusten, von Tod – Munchs Mutter ist verstorben als er fünf Jahre alt war, seine Lieblingsschwester ein paar Jahre später -, von seinem Alkoholproblem, seinen Nervenzusammenbrüchen und seinen komplizierten Beziehungen zu Frauen. Emins 2019 entstandene Arbeiten haben das Augenzwinkern verloren, sie sind ein Aufschrei, ein schmerzhafter Dauerzustand, sie gönnt sich und dem Betrachter keine Pause.

Genau 100 Jahre nach Munch ist Tracey Emin geboren und während der Norweger Briefe an seinen Freund Jappe schrieb bezieht sie jeden Betrachter in ihr Leben ein – und das seit 25 Jahren. Sie spricht von Vergewaltigung, Abtreibungen, Trauerarbeit und ihren Liebhabern und auch vom Tod ihrer Mutter. Manchmal schockiert sie, kommt banal daher, einmal ist es peinlich, dann berührt uns ihre Offenheit oder die inexistente Trennlinie zwischen Kunst und Leben: provozierend ist sie immer. Sie selber ist der zentrale Punkt in ihren Werken und treibt die brutale Ehrlichkeit, Pathos, große Emotionen und Angst auf die Spitze. Ihr Tagebuch ist ein Enthüllungsbuch ohne Geheimversteck, ohne Schlüssel, zu dem jeder das Codewort bekommt. Erfolge, Erniedrigungen, Einsamkeit, Erotik, Begehren und Vergänglichkeit sind rot angestrichen sind und es ist ihr gleichgültig, ob wir das alles überhaupt so genau wissen wollen. Phantasie wird überschätzt und der nicht alles verhüllende Schleier ist zerrissen. Ihre Bildersprache ruft andere Gefühle hervor, als es die von Munch tun. Emin haut uns alle Klischee um die Ohren: fehlende Schulbildung, Kindheit am Meer,  #MeToo-Debatten, Drogen, Vergewaltigung, Misshandlung, Tod.

 Es ist nicht das erste Mal, dass sie sich mit Munch befasst. 1998, am Anfang ihrer Karriere, hat sie das Publikum mit dem provozierenden Film „Hommage to Edvard Munch and all my dead children“ schockiert. Darin filmt sie sich in fötaler Haltung auf einem Holzsteg in Norwegen, dort wo Munch oft gemalt hat.

 „Borrowed Light“ heißt die Installation für den britischen Biennale-Pavillon  2007, die noch zum Teil von ihrem erotischen Exhibitionismus der 1990er Jahre bestimmt ist, nur flüchtiger, schüchterner, erwachsener. Die in London gezeigten neueren, dramatischeren Arbeiten haben das Augenzwinkern verloren.

 2008 war Liverpool Kulturhauptstadt Europas. Emin hat dazu am Westfenster der anglikanischen Domkirche von Hand in Neonschrift  “I felt you and then I knew you loved megeschrieben.

Tracey Emin, sie sich selber als Feministin aber nicht als feministische Künstlerin bezeichnet, kommt  im Londoner Großraum zur Welt. Sie gehört – wie Damien Hirst – zur Gruppe der Young British Artists (YBA), die gemeinsam arbeiten, ausstellen und Erfolg haben. Emin ist nach Hirst die bekannteste Künstlerin aus der Gruppe. Ähnlich der Kristiana-Bohème, zu der Munch gehörte, war auch bei YBA unbedingte Ehrlichkeit die Maxime. Emins frühere Installationen wie  „My Bed“ (1998) schockierten. „Everyone I have Slept with“  ist eine Zelt-Installation, mit der sie 1995 bekannt wird. Darin hat sie alle diesbezüglich in Frage kommenden Namen mühsam eingestickt. Das Zelt wurde 2004 bei einem Feuer zerstört und nicht nachgebaut.

Organisiert wurde die intime, mutige Ausstellung vom Munch Museum Oslo und der Royal Academy of Arts. Kari Brandtzæg und Edith Devaney haben sie kuratiert. Geplant war sie ursprünglich bis Ende Februar 2021. Die Organisatoren hoffen aber, die Türen nochmals zu öffnen und  auch die leidenden Bilder aus dem lockdown zu holen.

Christa Blenk

und dieses Bild hätte der Ausstellung auch gut gestanden!

 

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