23 décembre 2020 0 Commentaire

Volkszählung zu Bethlehem – Pieter Bruegel d.Ä.

für KULTURA EXTRA

Peter Bruegel d.A. –  Die Volkszählung zu Bethlehem

So ein Gedrängel, wie es gerade vor dem Gebäude links im Bild herrscht, passt im Moment gar nicht in unser von Distanz geprägtes Weltbild. Pieter Bruegel d.Ä. (1528-1569) selber scheint – schön distanziert – auf einem Baum gesessen zu haben, denn er lässt uns das Bild „Die Volkszählung zu Bethlehem“ aus der Vogelperspektive betrachten. Gemalt hat er es mitten in der „kleinen Eiszeit“, die ab dem 15. Jahrhundert vor allem in den Niederlanden für zugefrorene Kanäle und Grachten sorgte und den Bewohnern finanzielle Einbußen bescherte, da Fließgewässer wichtige Verkehrswege waren. Wie es dort zuging, wissen wir aus den Gemälden dieser Zeit. Vor allem Pieter Bruegel d.Ä. war ein genialer Erzähler von Bildergeschichten.

Auf dem Marktplatz in dem verschneiten Ort passieren mehrere Handlungen parallel. Der Schnee ist mittlerweile gefroren und die schmutzig-braunen Stellen im Grauweiß verraten, dass er schon ein paar Tage alt ist! Vorne in der Mitte, kommen gerade die beiden Hauptpersonen Maria und Joseph an. Sie wirken gehetzt und steuern direkt auf das Eckhaus links zu, vor dem sich eine Menschenmenge angesammelt hat. Maria trägt einen verschlissenen, blauen Mantel und sitzt auf einem Esel. Joseph, im Laufschritt vorneweg, führt Esel und Ochse. Der Zimmermann ist mit Säge und Bohrer ausgerüstet. Ob die Geburt von Jesus schon stattgefunden hat, weiß man nicht. Einen Säugling hält Maria jedenfalls nicht im Arm, aber er könnte natürlich in dem Korb vor ihr liegen. Das Evangelium macht keine Aussage darüber, ob Jesus bei der Volkszählung bereits auf der Welt war. Bruegel bringt das Bethlehem-Thema trotzdem ins Spiel, in dem er ein weiteres Paar mit einem Kleinkind über das Eis rechts ankommen lässt. Von einem Fenster im ersten Stock des Wirtshauses betrachtet eine Person das wuselige Treiben. Einer der Männer im Gedränge trägt einen orangefarben-schwarz gestreiften Mantel und scheint nicht aus dem Ort zu kommen. Vielleicht ein Hinweis von Bruegel auf Wilhelm von Oranien. Vor dem Gebäude und direkt neben der Menschenmenge wird gerade ziemlich brutal das obligatorische Dezember-Schwein geschlachtet. Der Mann kniet auf dem Hals des Tieres während die Frau mit einer Pfanne das Schweineblut auffängt. Man sieht ihnen an, dass sie das nicht zum ersten Mal tun. Das Stroh daneben dient zum Absengen der Schweineborsten. Dazwischen laufen Hühner frei herum. Hinter der Gaststätte schichtet ein Mann Reisig auf einen Karren. Auf den anderen Fuhrwerken davor liegen schneebedeckte, riesige Holzfässer. Links hinten, zwischen zwei Häusergruppen überqueren gebückte Männer mit Stöcken und mit schweren Säcken beladen einen zugefrorenen Fluss. Die Barke daneben scheint festgefroren und nicht benutzbar zu sein. Von einem Wagen ragen nur noch zwei Räder aus dem Schnee. Die katholische Kirche weitab hinten links – nicht wie üblich in der Mitte des Ortes – kann sich nicht über besonders viel Zulauf freuen, aber der Katholizismus war ja auch die Religion der spanischen Unterdrücker. Auf der Baumspitze einer Baumkneipe hinten Mitte-Rechts sitzt eine Krähe. Davor tummeln sich die Gäste und links daneben scheint es ein wärmendes Feuer zu geben, vielleicht ist es auch eine Backstube, um die sich ebenfalls Menschen gruppieren. Vor der Burgruine hinten rechts wird gerade eine Hütte gebaut. Auffällig ist, wie sie Alle ihrer eigenen Beschäftigung nachgehen, ohne sich um den Rest der Welt zu kümmern. Sie schützen sich mit einer Kopfbedeckung vor der Kälte, die aber nicht wirklich jemanden zu stören scheint. Kinder amüsieren sich mit einer Schnellbachschlacht, fahren Schlitten auf dem Eis oder spielen mit Eiskreiseln. Angezogen wird unser Blick von einer untergehenden, impressionistisch-orangen Sonne hinter der linken Häusergruppe, die sich durch den filigranen Baum kämpft, bevor sie gleich untergeht und der Dunkelheit weicht. Bruegels manieristische Perspektivenbehandlung in dem Bild ist durch vertikale und diagonale Linien, die von Szene zu Szene führen, organisiert.

Pieter Bruegels Bild basiert zwar auf dem Thema der Volkszählung, die seinerzeit der römische Kaiser Augustus angeordnet hatte und die im Lukasevangelium (Lk 2,1 ELB) festhalten ist, aber das war es dann auch schon. Er verlegt die Szene in die Zeit der flämischen Renaissance, ins 16. Jahrhundert und macht aus dem Gemeindebüro eine Steuereintreibstelle der spanischen Unterdrücker. Die Menschen wollen sich also nicht einschreiben, sondern müssen ihren Tribut blechen. Der Habsburger Doppeladler mit der Kaiserkrone sowie der Orden vom Goldenen Vlies am Wirtshaus verraten das. So sind die angeblichen Vergnügungen auf dem Bild nur Garni und machen aus dem religiösen Winterbild ein politisches Gemälde. „Die Volkszählung von Bethlehem“ entstand 1566 und ist eine Anprangerung der spanischen Unterdrücker und ihre Taten in Flandern. Das Bild misst 115,5 x 164,5 cm und hängt in den Königlichen Museen der Schönen Künste in Brüssel.

Dreizehn Kopien gibt es von diesem Werk. Sie unterscheiden sich leicht in der Farbgebung oder an fehlenden bzw. hinzugefügten Motiven. Entstanden sind sie in der Werkstatt seines Sohnes Pieter Bruegel der Jüngere. Vorbild war eine vorbereitende Zeichnung des Malers.

Pieter Bruegel d.Ä. lässt sich nach einem Italien-Aufenthalt in Brüssel nieder, wo er 1563 in der Kapellenkirche die Tochter seines ehemaligen Lehrmeisters heiratet. In dieser Zeit kommt der spanische „Blutherzog“ Alba in Brüssel an, um alle Ketzer, Lutheraner, Nicht-Katholiken und alles was sich der Oberherrschaft widersetzt, auszurotten. In Brüssel findet 1568 ein Massaker statt, bei dem u.a. auch die Grafen Egmont und Hoorn hingerichtet werden. Viele bekannte und typische Bruegel-Bilder wie „Die Bauernhochzeit“ oder „Der Blindensturz“ entstehen in diesem Jahr, bevor der bedeutende Künstler ein paar Monate später, 40-jährig, stirbt. Der Bauernbruegel, wie er genannt wird, hat die Renaissance auf den Bauernhof verlegt und umwerfende Geschichten erzählt, die er in dem Bild „Die Niederländischen Sprichwörter“ vereint.

Sein größter Förderer, Kardinal Antoine Perrenot de Granvelle, scheint die Kritik an den Spaniern in seinen Bildern nicht erkannt zu haben oder sie war ihm egal. Die Habsburger haben einen Großteil der Hauptwerke erstanden und wer heute Bruegel wirklich kennen lernen möchte, muss nach Wien reisen.

Christa Blenk

 

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