5 novembre 2020 0 Commentaire

American Gothic – Grant Wood

für KULTURA EXTRA

Das Gebäude im Carpenter Gothic Stil hat dem Bild den Titel gegeben. Grant Wood (1891-1942) hat es mitten in der Wirtschaftskrise 1930 -die auch die Landbevölkerung hart getroffen hat – gemalt. „American Gothic“ ist eines der berühmtesten Gemälde in den USA und bekannter als der Maler selber. Es ist auch eines der Hauptwerke des amerikanischen Regionalismus.

Im Vordergrund steht ein puritanisch-borniert aussehender Mann. Er will nichts von Veränderungen hören und ist bereit, seine Werte mit allen Mitteln zu verteidigen. Neben ihm steht eine jüngere, abgestumpfte Frau. Defensiv und verbissen blickt er auf den Betrachter, während die müden Augen der Frau, die wahrscheinlich seine Tochter ist, woanders hingehen. Er trägt eine Sonntagsjacke über der Arbeitskleidung. Vielleicht sind die Beiden auf dem Weg zur Kirche. Den Kragen des hoch geschlossenen, kolonialen Kleides der Frau schmückt eine Kamee-Brosche. Ihre hellen, fahlen Haare sind streng zurückgekämmt. Warum der Farmer die Heugabel mit den Zinken nach oben hält, ist Gegenstand vieler Interpretationen geworden. Ist die Mistgabel eine Waffe, mit der er die Unschuld seiner unverheirateten Tochter und sein Haus verteidigen will oder symbolisiert der Dreizack die teuflische Versuchung, Sexualität, die im puritanisch-religiösen Westen direkt zur Verdammnis führen wird. Betrachtet man seinen verwaschenen Overall unter der Sonntagsjacke etwas näher, erkennt man dort ebenfalls eine Forke, deren Zacken sich im Muster des Hemdes weiter nach oben ziehen. Direkt hinter ihm, wiederholt sich diese Form nochmals im Fensterkreuz des Hauses. Auf dem linken Fenstersims trauern zwei vertrocknete Pflanzen vor sich hin und obwohl es helllichter Tag ist, sind die Vorhänge zugezogen. Diese Familie hat eindeutig etwas zu verbergen. Das Gemälde, das auf den ersten Blick abgestorben und blutleer wirkt, bekommt durch diese Details eine gewisse Dynamik. Das fotoähnliche Bild zitiert die Gepflogenheit im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert, sich von durchs Hinterland reisenden Fotografen vor seinem Haus fotografieren zu lassen.

Ob Grant Wood mit diesem Bild moralische Wertvorstellungen im Mittleren Westen/Iowa malen wollte, ist nicht dokumentiert. Die Landbevölkerung protestierte über die Darstellung und das Werk und schrieb wütende Leserbriefe. Wood nahm dies mit Humor und meinte, dass  im Allgemeinen gerade Diejenigen das Bild ablehnen, die sich darauf wieder erkennen. Grant hatte die Idee dazu, als er auf Motivsuche zufällig aus seinem Autofenster blickte. Die moralistischen, religiös-konservativen Landbewohner, die in dieses Umfeld passen würden, hat er entworfen. Die Modelle für das Paar, seine Schwester Nan und sein Zahnarzt, waren bei Betrachtung des Bildes ebenfalls sehr verärgert.

Wood kannte und liebte die europäische, vor allem aber die niederländische Renaissance Malerei. Bei der Natur im Hintergrund dürfte er auch an Henri Rousseau gedacht haben. Noch im Entstehungsjahr 1930 wurde American Gothic  im Chicago im Art Institute ausgestellt. Wood gewann bei dem Wettbewerb 300 Dollar und kam auf den dritten Platz. Das Bild misst 76 x 63 cm und wurde von einem Mitglied des Ausstellungs-Komitees für das Museum gekauft, wo es heute noch hängt. Gertrude Stein betrachtete es als Satire auf das amerikanische Kleinstadtleben. Immer wieder wird und wurde das Gemälde zitiert und abgewandelt. Es diente u.a. als Vorspann in den Fernsehserien Desperate Housewives und Dexter.

Grant Wood (1891-1942) wuchs als Sohn einer Quäkerfamilie auf dem Lande auf. Sein Maltalent brachte ihm die Aufgabe ein, im ersten Weltkrieg die Militärfahrzeuge mit Tarnfarben zu bemalen. In den 1920er Jahren reiste er nach Europa. Wieder zurück in seiner Heimat, in Cedar Rapids, malte er als Auftragswerk ein Glasfenster für das Veterans Memorial Gebäude, das an sechs amerikanische Kriege erinnert und gründete während der großen Depression 1933 die Stone City Art Colony. Mit dem Bild American Gothic wurde er auf einen Schlag berühmt.

Grant Wood starb mit 50 Jahren 1942 in Iowa City.

Christa Blenk

 

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