3 octobre 2020 0 Commentaire

Giorgio de Chirico

für KULTURA EXTRA 

Giorgio De Chirico – Piazza d‘Italia

Lange, harte Schatten, menschenleere Plätze, klassizistische Architektur, Züge, Fabrikschlote und Mythologie:  Der italienische Künstler Giorgio de Chirico (1888 – 1978) hat mit diesen Elementen Anfang des 20. Jahrhunderts die pittura metafisica erfunden. Seine Bilder sind klar, verstecken nichts und geben keine Rätsel auf und trotzdem sind sie undurchschaubar – wie der Künstler selber. De Chirico malt eine Archäologie der Zukunft. Widersprüchlich, sensibel, arrogant und von sich überzeugt, setzt sich der in Griechenland geborene Sohn eines italienischen Ingenieurs, der bei der Thessalischen Eisenbahn in Volos beschäftigt war, über sämtliche Kunsttendenzen hinweg und bleib seinem persönlichen Stil bis an sein Lebensende treu.

Der junge Giorgio de Chirico trifft 1906 zum Studium in München ein und verliebt sich direkt in die beiden Reiterstandbilder auf der Treppe der Akademie. Überhaupt fühlt er sich in der Münchner Architektur sofort zuhause und ist fasziniert von den Hofgartenarkaden. In seiner perfekten, metaphysischen Bilderwelt spielen sie eine wichtige Rolle. In München lernt er die Malerei von Böcklin, die Philosophie von Nietzsche und die Musik von Wagner kennen. Jahre später kehrt er über einen für ihn sehr prägenden Paris-Aufenthalt nach Italien zurück und gründet die Schule der metaphysischen Malerei. Plätze, die er in Paris malt, die er italienisch nennt basieren auf Skizzen der Münchner Hofgartenarkaden. Ein Beispiel ist die Serie der italienischen Plätze mit ihren rätselhaften, mysteriösen Visionen, den verstümmelten, griechischen Säulen, Statuen und Arkaden. Unzählige Male hat er dieses Thema immer wieder aufgegriffen. Ein Objekt mehr, eine Person oder ein Bogen weniger, ein längerer Schatten, ein Zug, kein Zug oder ein Vulkan. De Chiricos Platz ist meist ausgestorben, wie es in Italien – außer in der Corona-Zeit – sonst gar nicht möglich ist, denn Plätze sind dafür gedacht, andere zu treffen, zu feiern, zu flirten, zu diskutieren.

Unsere Piazza d’Italia ist aus dem Jahre 1913 und misst nur 35 x 25 cm. Das Bild hängt in der Art Gallery of Ontario/Toronto. Die erdfarbenen Beige- und Ockertöne werden von einem künstlichen neon-gelb-grün-giftigen  Explosions-Licht unterbrochen. Eine post-Atomkriegsphantasie oder eine Idee für Hitchcock. Die Arkadenbögen auf beiden Seiten werfen lange, trügerische Schatten und der Blickwinkel ist verzogen. Auf der vorderen, eckigen Säule erinnert der Maler an die Vergangenheit. Der Pfeiler wird mit einer vernagelten Eisenstange vor dem Einsturz bewahrt. Die Skulpturen in den Bogenhallen fehlen, vielleicht sind sie vor der Katastrophe in Sicherheit gebracht worden. Umso seltsamer mutet die Präsenz der beiden konventionell gekleideten Männer links hinten an, die die melancholische Einsamkeit eher verstärken. Hat der Maler sich hier selber ins Bild gebracht? Der Schatten der Männer läuft fast parallel zum Schatten der Skulptur auf dem Sockel in der Mitte und zu dem der rechten Arkaden. Fluchtpunkt in dieser perspektivischen Übung ist die Sonne außerhalb des Bildes. Der zweistöckige Tempel im Hintergrund ähnelt dem Herkules-Tempel am Tiber in Rom. Die beiden Flaggen auf dem unteren Dach verraten uns, dass der Wind von rechts kommt und von dort bewegt sich auch ein Zug auf den Tempel zu und wird gleich vor ihm vorbeifahren. Der Rauch über der Lokomotive wird allerdings von dem Vulkan direkt dahinter produziert. Die Seiten-Loggien haben einen zweiten Stock mit quadratischen, geschlossenen Fenstern. Rechts vorne im Schatten der Arkaden steht ein hellgrauer Marmorsockel ohne Skulptur. Seine Signatur hat er direkt ins Bild auf dem sandfarbenen-sonnigen Boden hinterlassen.

Inspiriert zu seinen Gegenwelten haben ihn vor allem die „provozierenden“ Kubisten und er – wie soll es anders sein – hat die Surrealisten entflammt.

Ich erwerbe mir den beständigen Ruf, immer auf der gesamte Erde besungen zu werden“. An Selbstbewusstsein hat es dem Hauptvertreter der metaphysischen Malerei, Giorgio de Chirico, jedenfalls nicht gemangelt. 90 Jahre ist er alt geworden und hat viele Tendenzen an ihm vorbeiziehen sehen, ohne sich beeindrucken zu lassen. Die Antike hat ihm immer Geborgenheit gegeben.

Christa Blenk

 

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