12 juillet 2020 0 Commentaire

August Macke – Abschied

für KULTURA EXTRA

Abschied  von August Macke

Im Januar 1914 bekommt August Macke Besuch in Hilterfingen von seinen Malerfreunden Paul Klee und Louis Moillet. Sie feiern seinen Geburtstag und beschließen, noch im Frühjahr nach Tunesien zu reisen. Am 7. April 1914 kommen sie in Tunis an. „Die Farbe hat mich“ notiert Klee in seinem Tagebuch und für August Macke öffnen sich Palasttüren. Er fühlt sich sofort zuhause in diesem grellen und sonnigen, nordafrikanischen Farbenrausch. „Es geht wie der Teufel“ schreibt er nach Hause und meint damit die Skizzenproduktion – bis zu 50 davon fertigt er pro Tag, überrumpelt von den überall lauernden Motiven. Zwei Wochen bleiben die Künstler und wenn man heute von der Tunesienreise spricht, denkt man an Macke und Marc.

Bei seiner Rückkehr liegt schon der Krieg in der Luft. Macke geht mit seiner Familie nach Bonn zurück und wird in einem euphorischen Arbeitsrausch die Tunesienreise verarbeiten, bevor ihn die Gegenwart einholt. Er spürt, dass ihm die Zeit davon rennt und malt knapp 40 Bilder in ein paar Wochen, darunter seine besten Aquarelle. Er scheint das tunesische Licht gebunkert zu haben und bringt dieses Flimmern, das nur entsteht wenn es zu heiß und zu grell ist, aufs Papier. Macke, der sich schwer tut mit neuen Kunsttendenzen,  irgendwo zwischen Expressionismus und Orphismus hängenbleibt und am liebsten die Farbpalette der Impressionisten benutzt, wird durch den Tunis-Aufenthalt endgültig zum Künstler. Für Macke kommt diese Reise genau zum richtigen Zeitpunkt.

Am 8. August wird er eingezogen und soll nun gegen sein Lieblingsland, das Land seiner Freunde  Delauney, Apollinaire oder Matisse kämpfen. Auf der Staffelei  in seinem Bonner Atelier hinterlässt er ein Bild, auf das es das tunesische Licht nicht mehr geschafft hat. Im Oktober 1914 erfährt seine Frau Elisabeth, dass er Ende September in einem Schützengraben in der französischen Champagne durch einen Kopfschuss gefallen ist. Vorher erhält sie einen pessimistischen Brief von ihm in dem er bezweifelt, heil aus diesem Krieg zurückzukehren. Das Eiserne Kreuz, das er am 20.9. bekommt, schickt er noch mit dem Wunsch nach warmen Socken und Schokolade nach Hause. Sechs Tage später ist der 27-jährige Macke tot. Elisabeth tauft das Bild auf der Staffelei „Abschied“.

 Wahrscheinlich ist es eine Straßenszene. Die zwölf Personen auf dem Gemälde stehen in fünf Gruppen beieinander. Etwas ist passiert, sie unterbrechen ihren Spaziergang, stehen bewegungslos da, lauschen oder kommentieren. Vielleicht wird gerade der Krieg ausgerufen. Ein paar Monate früher hätte Macke die Personen in dem Bild bei Sonnenlicht flanieren oder einkaufen lassen.

Links im Gemälde stehen zwei Frauen. Obwohl ihre Gesichter nur ovale Farbflächen sind, kann man erkennen, dass sie sich unterhalten. Die Frau im Vollprofil hält ein kleines Mädchen an der Hand. Die andere im Seitenprofil  blickt auf einen weißen Zettel oder Brief. Ihr langer, bis zum Boden reichender rot-brauner Schal scheint sie zu erdrücken. Vielleicht hält sie den Marschbefehl für ihren Mann oder Sohn in der Hand. Macke dürfte zu diesem Zeitpunkt schon gewusst haben, dass er Anfang August einrücken wird. Das größere Mädchen und der Hund in der Mitte könnten zusammen gehören, obwohl das Tier weder Leine noch Halsband trägt. Der Hund ist eine Hommage an Franz Marc. Die beiden Männer rechts im Bild sind nur von hinten zu sehen. Sie scheinen sich über ein Geländer zu beugen und nach unten zu blicken oder etwas zu unterschrieben. Hinter ihnen befindet sich eine Gruppe von drei Männern ohne Kopfbedeckung. Die drei Personen im Bild hinten in der Mitte könnten Soldaten mit Helm sein. Macke hat das Bild ja wahrscheinlich nicht fertig malen können.  Köpfe ohne Gesichter sind bei ihm nicht unüblich. Er hat sich auch auf anderen Bildern nicht darum gekümmert und die Stimmung mit Farben, Formen und Licht ausgedrückt. Die Personen auf diesem Bild sind bedrückt,  hoffnungslos- anonym, die Farben kraftlos. Sein berühmtes Sonnengelb bleibt im Status eines gedämpften, kraft- und energielosen Hellbeige hängen. Die triste Harmonie im Bild ist seiner farblichen Ausgeglichenheit geschuldet. Im Hintergrund sieht man eine nicht identifizierbare, chaotische Feininger-Architektur, es könnten aber auch große, bemalte Kirchenfenster sein. Abschied ist eine Farbstudie ohne Hell.

Mackes Wohnhaus im Bonner Norden kann man immer noch besichtigen. Der Blick vom Atelier zeigt das  Bild „Unsere Straße in Grau“. Und dort, im Atelier, malt er 1912 gemeinsam mit seinem Freund Franz Marc das knapp 4 x 2 Meter große Wandbild „Paradies“. Im hellgrünen Marc-Macke Paradies gibt es weder ein Schlange noch Äpfel. Franz Marc hat den Krieg zuerst – wie viele andere Künstler – befürwortet und wird  ihn – wie viele andere Künstler – auch nicht überleben. Mackes Tod hat er flammend kommentiert:  „Mit seinem Tod wird der Kultur eines Volkes eine Hand abgeschlagen, ein Auge blind gemacht. Mit seinem Tod knickt eine der schönsten und kühnsten Kurven unserer deutschen künstlerischen Entwicklung jäh ab; keiner von uns ist imstande sie fortzuführen. Der gierige Krieg ist um einen Heldentod reicher, aber die deutsche Kunst um einen Helden ärmer geworden.“

Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs endet nicht nur die Bewegung „Der Blaue Reiter“.

August Macke hat seine besten und künstlerisch wertvollsten Bilder im Kriegsjahr und im Jahr davor gemalt. Sein künstlerisches Schaffen dauerte nur 10 Jahre und dafür hat er mit über 500 Gemälden, unzähligen Aquarellen und Zeichnungen ein großes Legat hinterlassen.

Bei mir ist Arbeiten ein Durchfreuden der Natur“ – dieser Satz von ihm trifft auf sein letztes Bild „Abschied“  nicht mehr zu. Es ist nicht sein bestes Bild, aber sein Intensivstes. Es misst 101 x 130,5 cm und hängt in Köln.

Christa Blenk

 

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