4 juillet 2020 0 Commentaire

Georges de la Tour – Falschspieler mit dem Karo Ass

für KULTURA EXTRA

Georges de la TourDer Falschspieler mit dem Karo-Ass

Im 16./17. Jahrhundert wurde das Kartenspiel eine beliebte Beschäftigung in Europa. Man konnte diesem Vergnügen überall nachgehen und es war allen Gesellschaftsschichten zugänglich: Könige, Adelige, Bauern, Soldaten, Mönche und sogar Frauen spielten um nichts, um wenig oder um Alles. Manchmal steckte der Teufel in den Karten und die Sucht danach hat nicht Wenige in den Ruin getrieben.

Die Genre-Künstler erweiterten ab 1600 ihre Szenen-Palette um das Thema und es entstanden  dramatische, psychologische  und künstlerische Meisterwerke in denen gespielt, betrogen, geflirtet, geweint und gelacht und sich amüsiert wurde. Lucas van Leydens „Die Kartenspieler“ oder Caravaggios „Die Falschspieler“ sind Beispiele dafür, wie mit Augen, Händen oder Getränkewahl das Spiel beeinflusst, verloren oder gewonnen werden kann.  Stanley Kubricks Meisterwerk  „ Barry Lyndon“ ist ein einziges Kunstzitat. Eine sehr gelungene Szene in dem Film  ist das Kartenspiel, das mehr oder weniger den gesellschaftlichen Abstieg von Lyndon einleitet. Hier ist es die Wahl des Weines, die über die Kartenlage des Gegners informiert.  Aber nicht alle Kartenspielbilder sind Schelmenbilder oder erzählen von Betrug. Goya malt fröhliche und unschuldige Bilder beim Kartenspiel im Freien, bei John Mix Stanley sind es Indianer in Kriegsbemalung, die auf ihrem Wams sitzend sich dem Spiel hingeben und Degas malt die Künstlerin Mary Cassatt beim Kartenspiel.

Eines der bekanntesten und großartigsten Bilder dieser Art malt um 1620 der Lothringer Künstler Georges de la Tour (1592-1652). „ Der Falschspieler mit dem Karo-Ass „. Es gibt zwei Versionen dieses Bildes. Die hier besprochene hängt im Pariser Louvre und misst 106-146 cm.

Obwohl man weder Fenster noch Türen sieht, ist es ein Tagstück. Es fehlt die obligatorische de la Tour-Kerze, die sonst seine Nachtbilder zum Leuchten bringt. Vor schwarzem Hintergrund sehen wir  drei Personen am Tisch sitzend und eine Magd. Ob in einem geheimen Hinterzimmer, in einem Bordell oder in einem Salon gespielt wird, ist nicht zu erkennen und ist auch nicht wichtig. Glücksspiel war in Frankreich im 17. Jahrhundert verboten, aber geduldet. Jungen Adeligen wurde sogar geraten, sich daran zu beteiligen, denn einen anderen Weg in die besseren Kreise gab es nicht.

Die dekolletierte Kurtisane in der Mitte trägt ein prächtiges Gewand, Perlen  und einen rotbraunen Turban. Ihr Gesicht ist weiß. Sie zieht die ganze Aufmerksamkeit auf sich und lenkt von der eigentlichen Hauptperson, dem Falschspieler links im Bild, ab. Während  ihre Augen zu der Wein ausschenkenden Dienerin wandern die ihr etwas zuflüstert, zeigt sie mit dem ausgestreckten rechten Finger auf den weniger beleuchteten Schelm. Dieser zieht gerade mit der linken Hand ein Karo-Blatt aus dem Gürtel hinter seinem Rücken (in der Fort Worth Version ist es ein Ass). Er scheint mit dem Betrachter Augenkontakt zu suchen, auf jeden Fall lässt er uns in seine Karten blicken. Die anderen Spieler nehmen ihr Umfeld nicht wahr. Das gefüllte Weinglas scheint für den jungen Mann rechts, das Opfer, gedacht zu sein. Auf dem Tisch vor dem naiv-unschuldig blickenden Knaben mit Locken und Federhut liegen noch viele Goldmünzen. Seinen Kleidern nach ist er wohlhabend, vielleicht sogar adelig. Sicher ist, dass er gerade finanziell erleichtert wird, denn er ist so auf seine Karten konzentriert, dass er das subtile Augen- und Gestenspiel der anderen gar nicht bemerkt. Vielleicht ein moralisch erhobener Zeigefinger des zeitweilig religiösen de la Tour vor der Kombination Wein-Weib-Kartenspiel. Auf des Künstlers  Farbpalette befindet sich hartes Weiß, Rotbraun, Blau und ein schmutziges Beige. Die Konturen der Personen sind scharf gezeichnet, nur der Falschspieler bleibt im geheimnisvollen Zwielicht.

Georges de la Tour wird gern als Nachfolger der Caravaggisten bezeichnet. Das trifft nur bedingt zu. Er war ein Meister des leidenschaftslosen und stillen Kerzeneinsatzes. Niemand konnte eine Kerze so kalt flackern lassen wie er. Auch in seinen dunklen Bildern blieb nichts unentdeckt.

Viel weiß man nicht von ihm. Er hat reich geheiratet und die Nachbarn haben sich des Öfteren über seine lärmende Hundeschar beschwert.

Der Künstler verschwindet nach seinem Tod von der Bildfläche. Angeblich hatte sein Sohn hier die Hand im Spiel, weil er sich für den bürgerlichen Vater schämte. Manche Werke wurden anderen Künstlern zugeschrieben. Erst  der deutsche Hermann Voss identifizierte ab 1915 de la Tours Bilder, ein schwieriges Unterfangen, da sie meist weder signiert noch datiert waren. Als 1960 die „Wahrsagerin“ in die USA verkauft wurde, war das ein harter Schlag für den Louvre, denn dort gibt es nur vier Bilder von Georges de la Tour.

Christa Blenk

 

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