15 avril 2020 0 Commentaire

Daniel in der Löwengrube – Monsu Desiderio

für KULTURA EXTRA

Daniel in der Löwengrube

Ob die beiden Maler aus Metz, François de Nomé und Didier Barra, im Wege einer Bildungsreise nach Italien kamen, weiß man nicht so genau. Sicher aber ist, dass sie Anfang des 17. Jahrhunderts in Rom und  Neapel  unter dem Namen „Monsù Desiderio“ bekannt waren und ihre Bilder mit „Desiderio“ signierten. Die geistreichen Napolitani haben dem ein Monsù (Monsieur) hinzugefügt und schon war das Pseudonym geboren. Monsù Desiderio setzte sich über die realistische Tenebrismus-Technik oder das chiaroscuro von Caravaggio hinweg und malte überschwängliche, hochbarock-verrückte Bilder. Der belgische Psychiater Felix Sluys hat die These von dem Malerduo aufgeworfen und Sluys meinte auch, in den Bildern definitiv Anzeichen von Schizophrenie zu erkennen. Wobei es ja an Ruinen aus der Antike weder in  Rom noch in Neapel mangelte! De Nomé  starb noch sehr jung im Jahre 1620 und da „Daniel in der Löwengrube“ als Entstehungsdatum 1624 trägt, dürfte es von Barra alleine stammen. Es soll allerdings noch einen dritten Künstler gegeben haben, der für die Personen im Bild zuständig war. Barra verstarb wahrscheinlich 1656. In diesem Jahr wurde die Stadt am Vesuv  von einer Pestepidemie heimgesucht, die viele Künstler hinwegraffte.

„Daniel in der Löwengrube“ bringt alle Requisiten mit, die Desiderios Gemälde verlangen: Ruinen- oder Traumlandschaften die in Chaos versinken, versteinerte Häuser, Weltuntergangsstimmungen, Katastrophen und phantastische Architektur im mythologischen Umfeld oder auf der Basis von Bibelgeschichten. Menschen spielen in den Bildern von Monsú Desiderio generell eine untergeordnete Rolle. Klein, gesichtslos und unbedeutend  muss man sie darin suchen. Das Bild geht auf eine Geschichte aus dem Danielbuch (ca. 160 c.Chr) zurück und misst nur 36,5 x 46 cm. Was alles darin passiert, müsste so ein kleinformatiges Werk aus allen Nähten platzen lassen. Heute hängt es im Madrider Museo Thyssen Bornemisza.

Der Traumdeuter Daniel, der es nach seiner Verschleppung aus Jerusalem ins babylonische Reich unter König  Nebukadnezar und seinem Nachfolger Belsasar zu einem hohen Beamten gebracht hatte, landet schließlich unter Meder Darios aufgrund einer listigen Intrige – und weil die Geschichte es so will – doch noch in der Löwengrube. Desiderio beschreibt darin gleich mehrere Zeitabschnitte. Rechts unten in einer Art Kerker versteckt er die Löwengeschichte. Im Hintergrund dringt Licht durch eine kaputte Tür und macht die Szene sichtbar. Ruhig und entspannt sitzt Daniel in trauter Harmonie mit den Löwen um einen Tisch in seinem Kellerverließ. Angst vor den Biestern braucht er ja dank seines Glaubens nicht zu haben. Er scheint noch nicht gemerkt zu haben, dass die Erfüllung seiner Prophezeiungen schon in vollem Gange und von Babylon nicht mehr viel übrig ist. Der Mann am Galgen links über der Löwenszene scheint Belsazar zu sein. Neben ihm fällt das marmorne Standbild von Nebukadnezar in sich zusammen, teilt das Verließ in zwei Räume und schafft durch den hellen Marmor eine weitere Lichtquelle. Wasser stürzt in den den anderen dunklen Kellerteil, in dem es außer Spinnweben nichts zu geben schein. Die an eine Wand schreibende Geisterhand aus dem Danielbuch sieht man auf dem Bild nicht, aber diese Wand ist vielleicht schon eingestürzt.

Im oberen Stockwerk zieht sich eine barocke Diagonale in Form eines Aquädukts von rechts nach links durch das Bild. Wie eine einstürzende Autobahnbrücke knickt es vorne ein. Die Säulen, die die römische Wasserleitung im Hintergrund tragen, sind (noch) intakt. Links im Bild ist die Verwüstung bereits größer. Hier liegen Götzenstatuen oder Menschenkörper unter den Ruinen eines Torbogens. Die Säulen, die noch aufrecht stehen, erzählen von der glanzvollen Vergangenheit des babylonischen Reiches unter König Nebukadnezar und seinen Nachfolgern. Feinstaubige Vibrationen hüllen das Geschehen in geheimnisvollem Licht.  Die Hauptfarben sind gelb-gold und marmor-weiß, schwarz-braun im Keller. Desiderio deutet mit nervösen Pinselstrichen, Farbwahl  und gnadenloser Asymmetrie die kommende Rokoko-Zeit bereits an und malt, was das Danielbuch angekündigt hat: den Weltuntergang. Hier ist eine gewisse Ähnlichkeit mit der Johannes Offenbarung nicht von der Hand zu weisen. Ob Escher Monsù Desiderio kannte weiß man nicht. Piranesi kannte ihn sicher und hat bei ihm gelernt, wie ein gruseliger Kerker geht.

Viele Künstler, darunter Rubens, haben sich mit dem  Daniel-Thema beschäftigt. Der Mittelpunkt ist aber sonst meist die Löwengrube.  Den Weltuntergang muss man sich dazu denken.

Nach dem Tod von Monsù Desiderio geriet der Künstler in Vergessenheit und wurde erst im 20. Jahrhundert wieder ausgegraben. Die Surrealisten haben ihn oder das Malerduo für sich entdeckt und direkt ihre Vorgänger in ihnen erkannt. Künstler wie Andre Breton oder Max Ernst ließen sich inspirieren;  die Grattage-Technik von Ernst findet sich in Bildern von Desiderio wieder.

Da die meisten Werke in Privatsammlungen hängen und die bekannten Museen weltweit so gut wie keine Bilder von Monsù Desiderio besitzen, ist er auch heute noch ziemlich unbekannt.

Der französische Philosoph Michel Onfray hat sich mit dem Buch „Métaphysique des ruines: La Peinture de Monsú Desiderio“ mit Werk und Leben des Malerduos intensiv auseinander gesetzt.

Christa Blenk

 
Löwe

 

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