9 avril 2020 0 Commentaire

Zum Karfreitag – Der Isenheimer Altar

Christus der Armen und Kranken – der Isenheimer Altar

Isenheim liegt in einer Elsässer Weingegend, etwa 20 Kilometer vom französischen Colmar entfernt. Dort, im Museum Unterlinden, steht eines der bedeutendsten Kunstwerke des 15. Jahrhunderts. Seinerzeit mit 2,69 x 3,07 Meter die größte Kreuzigung in Europa, bis Tiepolo ein halbes Jahrhundert später eine noch größere malte. Der aufwendige Wandelaltar mit doppelten, bemalten Flügeln und Schnitzfiguren wurde im Auftrag von Guy Guers zwischen 1512 und 1516 vom Bildschnitzer Niklaus von Hagenau und vom Maler Matthias Grünewald für den Krankenpflegeorden Antoniter in Isenheim geschaffen. Ankündigung, Geburt, Menschwerdung, Tod und Auferstehung Christi werden farbenprächtig, flammend und eindringlich dargestellt.

Das  erste Wandelbild des Altars, die Außenseite, repräsentiert in der Mitte die Kreuzigung Christi. Rot-Golden setzen sich Grünewalds Personen vor dem schwarzen Hintergrund ab. Flankiert wird der Mittelteil  links vom Heiligen Sebastian und rechts vom Heiligen Antonius, dem Schutzheiligen des Ordens.

„Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ 

Manieristisch verkrampfte Hände am Kreuz, ungewöhnlich groß die Nägel, von den Zehen tropft Blut. Die Dornenkrone ist riesengroß und drückt das Haupt zur Seite, die Lippen blau, der Körper übersät mit kleinen, blutverkrusteten  Wunden, sein Brustkorb eingefallen,  der offene Mund macht seine Zähne sichtbar. Schwer hängt der gelblich-grüne Körper mit dem zerfetzten Lendenschutz am Kreuz, der Querbalken biegt sich unter dem schwer durchhängenden Körper, der Spuren von Folter und Geißelung zeigt. Von „leichengrünen Blutfüßen“ schreibt Wilhelm Niemeyer 1921. Hier blieb Grünewald nicht unbedingt bibeltreu. Er malte den Gekreuzigten mit den typischen Symptomen von Ergotismus (auch Antoniusfeuer genannt) um den Erkrankten im Isenheimer Spital  Trost und Erleichterung zu spenden nach dem Motto auch Christus am Kreuz hatte eure Krankheitsmerkmale. Links von ihm die weißgekleidete, blasse Maria, die gerade leblos in die Arme seines schmerzverzerrten Lieblingsapostel Johannes sinkt. Er blickt als Einziger nicht zum Gekreuzigten. Kniend vor dem Kreuz Maria Magdalena mit offenen Haaren und farbigem Gewand.  Sie ist mit dem Salbgefäß dargestellt, auf dem auch das Entstehungsjahr 1515  geschrieben steht. Auf der anderen Seite steht der letzte Prophet des Alten Testaments, Johannes der Täufer. Er ist in rotes Manteltuch gehüllt und zeigt mit erhobenem Zeigefinger auf den Leib. Das Alte Testament hält er in der linken  Hand.  Zu seinen Füßen ein Lamm, dessen Blut gerade in einen Kelch fließt und hiermit die Erlösung des Menschen symbolisiert. Johannes war zu diesem Zeitpunkt allerdings schon tot.

Auf der Predelle darunter ist die Beweinung oder Grablegung Christie dargestellt. Johannes beugt sich über den auf einem weißen Leintuch gebetteten Leichnam; die Dornenkrone liegt hier zu seinen Füßen.  Daneben kauert in tiefer Trauer eine verschleierte, betende Maria und  wieder Maria Magdalena.  Im Hintergrund ist eine Flusslandschaft mit Berg zu sehen.

Auf dem linken Innen-Seitenflügel findet in einer gotischen Kapelle die Verkündigung statt. Maria schlicht und schwarz gekleidet links im Bild mit dem Engel Gabriel in einem wallend roten Gewand. Ganz oben links an der Wand der prophezeiende Jeremias. Links unter einem ausladenden Renaissance- Baldachin ein musizierender Engelschor und daneben Maria mit Kind in einer hellen Aureole. Sehr interessant rechts im Mittelbild über einer in sich gekehrten Maria im roten Kleid ein impressionistischer Lichtfleck, den sich später Turner auf die Palette geholt hat. In ihm thront Gott Vater im Kreis der Engel. Die Lichtstrahlen fallen direkt auf Marias Haupt. Am rechten Rand ist ein Rosenstrauch ohne Dornen zu sehen, ein  Symbol der Jungfräulichkeit. Der rechte Flügel zeigt Christus wie er gerade in den Himmel fährt oder wie übermächtige Kräfte ihm hinaufhelfen. Darunter  stürzt ein Wächter vor dem offenen Sarg zu Boden.

Das dritte Wandelbild ist der Altarschrein mit Schnitzfiguren. Hier fehlt die Farbe Rot.  Es ist von zwei gemalten Flügeln eingebunden, die es auch in sich haben.  Auf der einen Seite wird ruhig und leise vor einer gewaltigen Landschaft der Besuch des Paulus von Theben bei Antonius beschrieben, während auf der anderen bei der „Versuchung des Einsiedlers Antonius“ die Hölle ausbricht. Diese Szene ist von Expressionismus nicht zu übertreffen. Grünewald  hält sich dabei weitgehend an die Vita Antonii (um 360). Dämonen greifen an, testen, bedrängen, schlagen ihn, werfen ihn zu Boden. Die fantastischen, hässlichen Mischwesen, gehörnten Teufeln,  verstümmelten Finger die ihn umgeben, wollen ihm den Mantel entreißen. Wer beißt hier wen in die Hand und wer hält den Rosenkranz? Das Chaos ist unglaublich. Ein hässliches Wesen mit Schwimmhäuten will sich hinter Antonius verstecken. Der Kapuzenmann mit einem Buchbeutel trägt übrigens die gleichen Merkmale des Antoniusfeuers wie Christi im ersten Wandelbild. Diese Fabelwesen würden jedem Sience fiction Film Ehre machen und könnten auch aus einem Bild von Hieronymus Bosch stammen, der ca. 50 Jahre vorher seine ausufernden Geschichten gemalt hat. Wollte der Maler hier den Kranken im Isenheimer Spital die Dämonen als Krankeitsüberbringer verkaufen? Hat  Grünewald das unter Trost verstanden? So wie es aber aussieht, können die Dämonen Antonius nichts anhaben. Er scheint zwar in Panik, ist aber unverletzt. Im Hintergrund brennt eine Hütte und man sieht eine sehr spitzbergige Landschaft und eine bewaffnete Engelschar, die ihm nach langem Flehen zu Hilfe eilt.

Generell wurden diese aufwendigen Wandelaltäre nur zu hohen Festen wie Ostern geöffnet. Die unglaublich prachtvollen und polychromen Visionen und Bilder verstärkten und erneuerten den Glauben der Kirchgänger und versetzten sie gleichzeitig in Angst und Schrecken.

Der süddeutsche Maler Matthias Grünewald (1475-1528) zählt neben Dürer zu den wichtigsten Künstlern seiner Zeit. Hofmaler des Erzbischofs von Aschaffenburg trat er 1516 in den Dienst des Kardinals Albrecht von Brandenburg und ging später nach Frankfurt und anschließend nach Halle. Grünewald war durchaus vertraut mit der italienischen Renaissancekunst,  bleibt aber der deutschen mittelalterlichen Tradition verbunden. Farbenpracht, Leidenschaft und Licht geben seinen Werken, von denen nicht mehr viele vorhanden sind, ein anderes, ganz persönliches Grünewald-Gesicht. Die Dramatik in dieser Malerei hat viele Künstler und Schriftsteller im 20. Jahrhundert berührt. Elias Canetti blieb gleich einen ganzen Tag lang vor ihm stehen.

Das Polyptychon von Isenheim ist ein Meisterwerk  der deutschen und europäischen Tafelmalerei. Der Retabel besteht aus elf gemalten Tafeln mit geschnitzten Figuren. Sie werden, frei im Raum stehend, in drei Gruppierungen auf je einem Sockel präsentiert.

Paul Hindemith hat in seiner Oper Mathis der Maler das Leben des Matthias Grünewald,  der wahrscheinlich Mathis Gothart-Nithart hieß, in der umstürzlerischen Zeit von Humanismus,  sozialen Unruhen, Religionskonflikten und Bauernkriegen beschrieben.

Der spanische Kunstkritiker Emanuel Borja schreibt in seinen Diarios nach seinem Besuch 1996 über diesen Altar folgendes:  „Fastuoso de inventividad sorprendente, moderno, barroco y manierista. Toda la historia de la pintura. No creí que pudiera impresionarme tanto. Grünewald tuvo aqui su revelación. En pocas obras se ve tan claro como en esta las telas, los fondos las cabezas, los retratos. Todo es significativo – la grandeza de Grünewald está en la superación de sus limitaciones como pintor de llegar a tocas algo que está más alla de la pintura.” (Verschwenderisch und überraschend sein Erfindungsreichtum, modern, barock und manieristisch zitiert er hier die komplette Geschichte der Malerei. Ich hätte nicht gedacht, dass es mich so beeindrucken würde. Grünewald erlebte hier seine Offenbarung. In wenigen Kunstwerken sind Stoffe, Hintergründe, Köpfe oder Portraits so deutlich herausgehoben. Alles ist wichtig. Grünewalds Größe besteht darin, seine Grenzen als Maler zu sprengen, um nach etwas zu greifen, was jenseits der Malerei liegt. )

 Christa Blenk

P1240021

 

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