2 avril 2020 0 Commentaire

Die « Alten Meister » im Städelmuseum

Digitaler Besucher bei den  Alten Meistern im Frankfurter Städelmuseum

Unsere bildbestimmte und Image-gesteuerte  Welt verlegt sich in Zeiten von Corona noch mehr auf virtuelle und digitale Museums- und Ausstellungsbesuche. Nach den Höhlenmalereien aus dem Jungpaläolithikum (Altamira), der Antike oder Byzanz war es im 13. Jahrhundert der italienische Maler und Mosaikmeister Cimabue (1240-1302) der eine Wende in der Wahrnehmbarkeit von Kunst im Abendland einleitete. Er wagte die ersten Versuche, der Byzantinischen Kunst und den damals üblichen Deformationen der mittelalterlichen Kirchenmalerei eine Dreidimensionalität und eine neue Plastizität zu verleihen. Zum Star wurde er  1280, als er für eine neue Kirche im gotischen Stil in Florenz eine knapp vier Meter große thronende Madonna malte. Umgeben von begeisterten Massen wurde das Kunstwerk nach Beendigung mit einer Prozession in die Kirche transportiert. Politiker, Künstler und andere Interessierte pilgerten aber schon vor der Fertigstellung in sein Atelier, um das Werk im Entstehungsprozess zu sehen. Das Viertel, in dem sein Atelier lag, sollte in der Folge den Namen  Borgo Allegre (fröhliche Vorstadt) erhalten.

Die Stilvielfalt der Alten Meister änderte sich vom Mittelalter bis in die Moderne erheblich. Die flache (Kirchen)Malerei der Gotik und des Mittelalters wurde in der Renaissance schon allein durch die Erfindung der Perspektive komplett revolutioniert. Die Reformation und der damit einhergehende Humanismus verringerte die Bedeutung der Kirchenmalerei und schaffte es ins private Wohnzimmer. Kaufleute, Sponsoren oder Wissenschaftler ließen sich portraitieren und ab dem 17. Jahrhundert erfahren wir durch die Malerei, wie es im Inneren der Wohnungen ausgesehen hat oder wie das Kneipenleben in den Niederlanden von sich ging. Im Barock und Rokoko schlug die pure Lust am Leben und am Malen um sich.

Ein oberrheinischer Meister malte um 1410 die kleinformatige Andachtstafel  Paradiesgärtlein. In diesem  spätgotischen Meisterwerk sitzen eine gekrönte Maria, das Christuskind mit Zupfinstrument und andere Heilige auf einer Wiese im Paradies. Eine weiße Mauer umrundet den Garten und beschützt sie. Blau-rot-grün sind die Hauptfarben in diesem fröhlichen Bild, das genauso gut einen profanen Garten darstellen könnte.  Es wird gesungen, geredet, musiziert. 24 Pflanzen, darunter  Lilien für die Jungfräulichkeit, Maiglöckchen als Symbol der Liebe, oder Demut symbolisierende Veilchen und 12 Vogelarten sind auf dem Bild identifiziert. Der unbekannte Maler hat sich hier noch nicht der geometrisch konstruierbaren Perspektive  bedient, obwohl ihr  Entdecker Filippo Brunelleschi seine erste perspektivische Tafel im selben Jahr gemalt hat. 

Über 100 Jahre später, im Jahre 1532, malt Lucas Cranach d.Ä.  1472-1553) die Venus. Jayne Mansfield hat erzählt, dass ihr Nachthemd aus zwei Tupfern Chanel Nr. 5 bestand. Auch diese Venus von Cranach hat außer ihrem Schmuck keine Kleider an. Der durchsichtige Schleier, mit dem sie eine Art Tanz aufführt, entblößt mehr als er bedeckt.  Diese Schöne war sicher versteckt in einer Privatsammler-Wunderkammer und nicht zur alltäglichen Betrachtung gedacht. Im Vergleich zu einem anderen Venus-Bild, wo sie mit Amor in einer Waldlandschaft steht, ist sie hier nur vor einem schwarzen Hintergrund zu sehen. Personen aus der Mythologie boten den Malern früher die einzige Möglichkeit, nackte Frauenkörper zu malen. Der Hofmaler am sächsischen Hof Cranach und seine Werkstatt haben sich nach der Reformation immer mehr von der religiösen Altar-Malerei wegbewegt und sich auf private Portraits der Wohlhabenden im Schönheitsidol der Frührenaissance spezialisiert. Von Cranach gibt es unglaublich beeindruckende Portraits seiner Zeitgenossen.

Wieder 100 Jahre später lebt Jan Vermeer (1632-1675). Von ihm kennen wir weltweit nur 35 ihm zugeschriebene Bilder. Ein besonders schönes Exemplar hängt im Frankfurter Städelmuseum. 1669 hat der Delfter Maler des Goldenen Zeitalters das kleinformatige Bild Der Geograf gemalt. Sein Gesicht wird beleuchtet durch Licht, das links durch ein Fenster fällt, an dem der Geograf leicht gebeugt steht und sich über eine Karte beugt. Mit einem Zirkel in der Hand wird die neue Welt vermessen. Die Niederlande waren sehr aktiv in der noch ganz jungen Wissenschaft  der Kartografie. Landkarten waren damals Luxusgüter. In seinem Arbeitszimmer gibt es gleich mehrere. Eine hängt an der Wand und einige zusammengerollte Karten liegen hinter ihm auf dem Boden. Der Wissenschaftler trägt einen blauen Hausmantel und seine Haare sind nicht bedeckt. Vermeer hat hier versucht, die enorme Bedeutung der Arbeit des Kartografen zu vermitteln. Der Globus, der beim Geografen auf einem Schrank steht, nimmt im anderen wissenschaftlichen Bild von Vermeer, Der Astronom, eine zentrale Stelle ein.  

Der französische Rokoko-Maler Jean-Antoine Watteau war der Maler der „fêtes galantes“. Die Einschiffung nach Kythera entstand 1710. Die festlich gekleidete junge Gesellschaft hat sich am Ufer versammelt und will wohl gleich die Gondel besteigen, um auf die Liebesinsel Kythera,  die im Hintergrund zu erkennen ist, zu pilgern. Am Ufer weiter unten und auf der Insel tummeln sich Amoretten, oben schwebt der Hochzeitsgott Hymenaios mit einer Fackel in der Hand. Watteau hat dieses Thema dreimal gemalt. Die Version von 1717 hängt im Pariser Louvre und wird seine Eintrittskarte in die Pariser Königliche Akademie werden.  Die Bilder von Watteau erinnern oft an Theaterbühnen und seine Gesellschaftsbilder im Freien sollten prägend für die Impressionisten werden.

Unter vielen anderen beeindruckenden Werken werden in der digitalen Galerie Bilder von Rembrandt, Botticelli, Van Eyck, Bosch, Mantegna und Rubens besprochen.

Hier geht es zur Gegenwartskunst

Hier geht es zur Moderne im Städel

Ein Besuch lohnt sich!

Christa Blenk

02.04.2019

 

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