31 mars 2020 0 Commentaire

Die Moderne im Frankfurter Städelmuseum

Die Moderne im Frankfurter Städelmuseum – ein digitaler Museumsbesuch vom Allerfeinsten

Hinter dem Begriff „Moderne“ verbergen sich  die unterschiedlichen Kunststile des 19. und 20. Jahrhunderts wie Realismus, Klassik, Impressionismus, Expressionismus, Futurismus, Kubismus, Symbolismus und Neue Sachlichkeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird die Moderne zur Postmoderne.

Johann Friedrich Städel stiftete 1816 seine Gemäldesammlung und legte gleich noch die nötigen finanziellen Mittel für ein Ausstellungsgebäude obendrauf. Nach ein paar Umzügen ist die Sammlung seit 1878 am Museumsufer untergebracht. Mit über 3000 Werken vom Mittelalter bis zur Gegenwart zählt das Städel Museum zu den bedeutendsten Museen in Deutschland. Dazu kommen über 100000 Zeichnungen und Druckgrafiken, 4600 Fotografien, 660 Skulpturen. Eine Präsenzbibliothek mit 115000 Bänden gehört auch dazu.

Der erste Direktor sollte eigentlich der Vorzeige-Nazarener Friedrich Overbeck werden. Dieser verzichtete aber aus gesundheitlichen Gründen auf das Amt und so wurde sein Lukasbund-Kollege aus römischen Zeiten, Philipp Veit,  der erste Direktor des Städelmuseum in Frankfurt. Overbecks Beitrag kam 1840 in Form des großen historischen Gemäldes „Der Triumpf der Religion in den Künsten“. Als Vorbild diente ihm Raffaels „Schule von Athen“. Dieser knapp 4 x 4 Meter belehrende Propagandaschinken lässt gleich 100 Künstler der Gottesmutter Maria huldigen. Die aufgeklärten Frankfurter Bildungsbürger nahmen dieses Werk allerdings erstmals nicht sehr gut auf.

Goethe in Lebensgröße in der Campanga Romana, lässig auf einer Bank sitzend, mit weißem Reisemantel  und großem Hut. Im Hintergrund römische Ruinen in einer Arkadien-Landschaft. Diese sehr bekannte Bild hat sein  Freund, der Maler Tischbein (1751-1829), gemalt. Beide haben sich 1786 in Rom getroffen und in der heutigen Casa di Goethe auf dem Corso gewohnt. Goethe schreibt über sein Portrait ausführlich in seiner Italienreise.

Der Symbolist Arnold Böcklin (1827-1901) hat das Thema „Villa am Meer“ in den 1870er Jahren mehrmals aufgegriffen. Die Version im Städel  ist eine der ersten. Die blasse Frau in Trauerkleidung steht allein am Strand und blickt auf das Meer. Düstere Farbakzente und ein Turner-Himmel umfangen eine ungebändigte Natur. Vom Wind gebeutelte Zypressen verdecken nahezu eine herrschaftliche Villa. In späteren Versionen hat der Himmel an Dramatik verloren, die Frau lehnt eher romantisch am Felsen und trägt keine Trauerkleidung mehr.

Max Beckmanns Bild „ Die Synagoge in Frankfurt am Main“ entstand 1919. Beckmanns Welt war schon vorher in Schieflage geraten und das 90 x 140 cm Bild im Feininger-Stil hat trotz ihrer Farbenpracht etwas Beunruhigendes.  Im Vordergrund sieht man eine Katze auf einem Fenstervorsprung. Die bunten Hüte an einer Litfaßsäule deuten darauf hin, dass Fasching ist. Die kleine Menschengruppe, bestehend aus Beckmanns Freunden und dem Maler selber, betritt eine Gasse, sie sich scheinbar verengt oder sie verschlingen will. Sie sind nach einer durchzechten Karnevalsfeier auf dem Heimweg und gehen gerade an der beleuchteten Synagoge mit blauem Zwiebelturm vorbei. Beckmann gibt hier die bedrohliche Stimmung nach dem Ersten Weltkrieg wieder, den er als 30-jähriger als freiwilliger Sanitätshelfer an der Ostfront und in Flandern miterlebt hat, bis er sich 1915 nach einem Nervenzusammenbruch in Frankfurt niederließ. „Auf die Franzosen schieße ich nicht, von denen habe ich so viel gelernt. Auf die Russen auch nicht, Dostojewskij ist mein Freund“ soll er gesagt haben.

Die Künstlerin Lotte Laserstein (1898-1993) war eine bedeutende Malerin der Neuen Sachlichkeit in der Weimarer Republik. Sie emigrierte 1937 nach Schweden. Das kleinformatige Bild „Russisches Mädchen mit Puderdose“  entstand  1928 und zeigt eine moderne, junge, dunkelhaarige Frau der wilden 1920er Jahre mit Bubikopf-Frisur, die sich gerade die Nase pudert.  Der Betrachter sieht sie vor und im Spiegel. In der linken Hand hält sie einen Taschenspiegel, in der rechten eine Puderquaste. Ganz mit sich beschäftigt, scheint sie sich für ihr Umfeld nicht zu interessieren.

Die Plastik aus Steinguss „Sitzender Jüngling“ von Wilhelm Lehmbruck (1881-1919) entstand in den letzten Jahres des Ersten Weltkrieges und misst 104 x 50 x 109 cm. Man nennt die Skulptur auch den „trauernden Denker“. Schmal, verletzlich und zerbrechlich wie fast alle seine Werke, sitzt dieser hier in sich versunken auf seinem Sockel. Ein Bronzeguss davon ist zehn Jahre nach Lehmbrucks  Freitod in seiner Heimatstadt Duisburg aufgestellt worden.

Im Album „Moderne“ finden Sie u.a. Werke von Liebermann,  Monet, Cezanne,  Matisse, Cezanne, Munch und Ernst.

Dieser digitale Besuch im Frankfurter Städelmuseum ist großartig präsentiert. Mehr kann man von einem virtuellen Museumsbesuch nicht erwarten. Jede Epoche wird mit ca. 30 Werken genau beschrieben und interpretiert. Wer will, kann aber auch einfach nur durch die Räume blättern.

Städel Gegenwartskunst

Städel Alte Meister

Christa Blenk

 

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