26 janvier 2020 0 Commentaire

Les Pêcheurs de Perles – Oper Lille

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Perlenfischer im Altenheim  

 (Die Geschichte bei Bizet geht so: Im heutigen Sri Lanka (Ceylon) wird einem alten Ritual zu Folge der Taucher Zurga zum Vertreter der Perlenfischer gewählt. Die neue Tempelpriesterin ist Leila. Ähnlich einer römischen Vestalin  muss sie Tag und Nacht für das Glück der Perlenfischer beten und um Schutz vor Unwetter und Gefahren bei Brahma bitten. Sie muss schwören, verschleiert zu bleiben und auf Liebe etc. zu verzichten. Jetzt kommt der Jäger Nadir, ein Jugendfreund von Zurga und die beiden erneuern ebenfalls einen Schwur, denn beide waren sie in ihrer Jugend in Leila verliebt was fast ihre Freundschaft zerstört hätte.  Nadir erkennt hinter dem verrutschten Schleier seine Jugendliebe Leila und beide brechen den Treueschwur. Die Fischer und Zurga bemerken den doppelten Vertrauensbruch  und fordern den Feuertod. Kurz davor überreicht Leila dem Priester Nourabad eine Kette, um sie vor den Flammen zu retten. Zurga erkennt die Kette, die er ihr geschenkt hat weil sie ihm das Leben gerettet hatte. Nun will Zurga die beiden retten und denkt sich einen Plan aus. Er legt im Dorf Feuer und während die Perlenfischer dieses löschen, trennt er die Fesseln der Gefangenen. Zurga gesteht Nadir, dass er ebenfalls Leila damals schon liebte. Er bleibt allein zurück.)

Die Drehbühne bringt unterschiedliche Räume und Situationen zum Vorschein. Den Hauptteil nimmt der Aufenthaltsraum eines Altersheimes ein. Dort herrscht hoffnungslose Tristesse, wie sie Christoph Marthaler erzeugen könnte. Die Chormitglieder präsentieren sich am Rollator, im Rollstuhl, mit Krücken, apathisch Suppe sabbernd und teilnahmslos von der Ungerechtigkeit singend. Eine unwillige Krankenpflegerin reicht Kaffee. Der Tod ist überall zu spüren. Die Bühne dreht sich weiter und gibt ein Krankenzimmer frei, dann eine Kühlkammer (wohl die eines Leichenschauhauses, denn dort verschwinden immer diejenigen, die nach und nach auf der Bühne sterben). Die letzte Drehung bringt einen  kitschiger Kunststofffelsen zum Vorschein, auf dem sich eine ganz junge Leila räkelt und von zwei jungen Männern beobachtet wird. Dann gibt es noch eine Art Aquarium, in dem ein Mitarbeiter gerade Fische bemalt. Von asiatischer Insel- oder Perlenfischer Romantik ist erstmals nichts zu spüren. Niemand taucht ins Wasser zum Fischen und die große Gefahr, die die Perlenfischer vor der indischen Küste auf sich nehmen müssen, wird auch nicht erwähnt. Das ganze Elend der Perlentaucher findet bei BS Bergman im Altersheim statt. Bizets Poesie muss hier erstmals gesucht werden.

Wieder zurück im Spital wird der alte Zurga gerade zum Oberhaupt der Perlenfischer gewählt. Er soll bessere Bedingungen für die Taucher aushandeln, aber das geht auch verloren, weil man die alten Leute einfach nicht als mutige Taucher sehen kann. Den göttlichen Schutz soll Leila bringen, die ständig wieder den Treueschwur erneuern muss damit die Götter nicht böse werden. Hier wird sie als alternde Diva auf einer Rollstuhl-Sänfte auf die Bühne getragen und wie sich das so gehört, heftig fotografiert von einem als Krankenpfleger verkleideten Paparazzi.   Nadir, der gerade Zurga im Altenheim besucht, erkennt sie wieder („Je crois entendre encore“ ). Zurga lässt die Hollywood Diva das Gelübde erneuern, was sie auch tut, um dies dann gleich, als Nadir und sie sich erkennen, zu brechen. Und nun beginnt das echte Drama.

Mit Rückblenden erfahren wir, dass sich die beiden damals wohl schon nicht an den Schwur gehalten haben. Die beiden jungen Tänzer Félicité Guillo und Yohann Baran hüpfen und tanzen nackt, leicht und glücklich und sehr elegant über die Bühne. Leila streift irgendwann ihre Altershaut ab und wird zu einer jungen attraktiven Frau. Gabrielle Philiponet hat das ganz gut im Griff. Sie singt die alternde Leila zittriger und faltiger und wird eindringlich, hell und farbenfroh, sobald sie sich gehäutet hat. Die Rolle des Priesters und die von Zurga wird von Stefano Antonucci (der kurzfristig für den erkrankten André Heyboer eingesprungen ist) gesungen. Marc Laho als Nadir muss sich nicht verändern. Er bleibt der alte Mann an der Seite der nun jungen Leila. Mit den Höhen tut er sich schwer – aber er ist ja auch schließlich, jeden falls für FS Bergman, ein Greis im Altersheim und darf oder muss deshalb stimmlich zittern. Für alles ist es eigentlich zu spät. Der Priester bestimmt den Tod der Liebenden, aber Zurga, der auf seine Rechte als Chef pocht, verzeiht und gesteht, als er merkt, dass es sich hier um Leila handelt, in die er früher auch verliebt war. Leila und Nadir finden sich trotz verbundener Augen nach einer Klettertour auf dem Felsen wieder und als sie wahrscheinlich gerade in den Tod springen wollen, verkündet Zurga, sich für sie zu opfern. Dazu lässt er sich bis auf die Unterwäsche entkleiden und legt sich im Leichenschauhaus in eine Kühlkammer.

Die delikate Musik wird ständig mit dem Alter und dem Tod konfrontiert. Alles vermeintlich Exotische wird ausgeklinkt und weicht Siechtum und Sterben.

Bizets Musik der Perlenfischer hat sie zu aller erst fasziniert, vor allem auch die Chorpartien, sagt das Mitglied der Theatergruppe FS Bergman Marie Vinck. Sie hätten gleich den großen Spielraum erkannt, den dieses Jugendwerk von Georges Bizet zu bieten hat. Was daraus entstanden ist, konnten wir gestern in der Oper Lille sehen. (Die Premiere hatte schon 2018 in Antwerpen stattgefunden).  

Die flämische Künstlergruppe FS Bergmann wurde 2008 von Stef Aerts, Marie Vinck, Thomas Verstraeten und Joé Agemans gegründet. Ihr Hauptaugenmerk liegt sonst eher auf dem Theater. U.a. waren sie vor ein paar Jahren zu Gast in  Avignon. Die Perlenfischer ist ihre erste Opernproduktion. Die Idee mit dem Altersheim ist hart und beinhaltet viel unnötiges Beiwerk, worauf man verzichten könnte. Die Idee mit Rückblenden und jede Hauptrolle doppelt zu besetzen ist allerdings originell, schlüssig umgesetzt und interessant. Eine Reflektion über den Tod sollte diese Produktion sein, über den Tod, dem die jungen Perlenfischer immer wieder ins Auge sehen, wenn sie in abenteuerliche Tiefen tauchen, um die Perlen für die Reichen ans Licht zu holen. Aber eigentlich ist alles nur traurig und ein wenig pathetisch.

Am Pult vor dem Orchestre de Picardie Guillaime Tourniaire. Schmelzige, liebliche Töne, kompakte Holzbläser und elegante Harfen. Die  schnörkellose Musik begleitet den sehr guten Chor der Oper Lille. Nadir hat schwierige Höhenlagen, während Zurga ein bodenständiger Bariton ist. Hier fehlt ihm das Energische, das Kämpferische, auf das ein Gewerkschaftschef nicht verzichten kann. Zurga ist bei FC Bergman ein alter gebrochener Mann, der angekommen ist und keine Lust mehr hat zu Kämpfen. Leilas Sopran ist locker und tanzend. Sie hat es nicht leicht, denn muss einmal eine ganze alte wackelige Stimme hervorbringen und dann im nächsten Moment jung und frisch sein.

 Sein Jugendwerk „Die Perlenfischer“ hat George Bizet, der nur 36 Jahre alt geworden ist, als 24jähriger komponiert. Gut 10 Jahre vor der Carmen. Während Carmen der Kassenschlager schlechthin geworden ist, werden die Perlenfischer eher selten aufgeführt. Schade eigentlich, denn man könnte dieses Werk auch gut und gern konzertant aufführen und mit ein paar Videos den Zuschauern die Chance geben, sich ihr eigenes Bild von der Mythologie um die Perlenfischerei zu machen. 

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Christa Blenk

26.01.2020

 

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