20 décembre 2019 0 Commentaire

Die Wand

etournel 076
Skulptur im Wald von June Papineau

 

Marlen Haushofer beschreibt in ihrem dritten (und erfolgreichsten) Roman „Die Wand“ den Traum oder Alptraum einer 40jährigen Frau, die mit Verwandten auf eine abgelegene Hütte in Österreich fährt. Das mit ihr reisende Ehepaar geht abends noch ins Dorf und sie ins Bett. Am nächsten Morgen ist die Welt nicht mehr das was sie war. Das Paar kehrte nicht vom Wirtshausbesuch im Dorf zurück und die Welt scheint irgendwie stehen geblieben zu sein.  Die Frau macht sich mit dem Hund Luchs auf die Suche und stößt an eine unsichtbare Wand, die anscheinend das ganze Gebiet umschließt. Durch die Wand hindurch sieht sie Personen, in ihrer letzten Handlung erstarrt. Ein Meteorit? Eine Geheimwaffe? Ein Virus? Sie weiß es nicht. Eine Situation, die sie nicht herbeigeführt hat und für die sie nichts kann.  

Die Ich-Erzählerin stellt sich überraschend schnell auf diese neue Situation ein und steckt noch am selben Tag kleine Zweige vor die Wand, damit vor allem Luchs sich keine blutige Nase holt. Sie wird sich von nun an als Robinson Crusoe neu erfinden. Hugo, der Besitzer der Hütte, war ein leidenschaftlicher Vorsorger, ganz im Stil der 1960er Angst-von-Nuklear-Bedrohung Situation. So gibt es Munition, Salz, Mehl, Streichhölzer etc. zwar nicht im Überfluss, aber jedenfalls genug für einige Zeit. Sie wird lernen wie man überlebt, wie man Gemüse sät und erntet, wie man eine Kuh melkt und ein Kalb zur Welt bringt und wie man Butter herstellt und mit der Einsamkeit zurecht kommt. Die meisten Weisheiten holt sie aus einem Kalender im Jagdhaus. Er ist ihr Lehrbuch zum Überleben. Ein Kartenspiel ihre einzige Zerstreuung.

Die Frau wird mit dem Gewehr für frisches Fleisch sorgen und versuchen, ohne Zucker Früchte haltbar zu machen und  trotz Höhenangst das Dach ausbessern. Während ihre bis dahin gelebten Werte nichts mehr wert sind, baut sie eine immer engere Beziehung zu den Tieren, ihrer Ersatz-Familie (Hund, Katz, Kuh), vor allem zu Luchs, dem Hund, auf. Er wird ihr Begleiter, er heitert sie auf und zwingt sie, sich wieder zusammen zu reißen.

Obwohl vor allem die feministische Öko Bewegung das Buch nach Haushofers Tod für sich entdeckt hat, hat die Handlung damit eigentlich gar nichts zu tun. Es geht zu aller erst darum, die ersten Stunden zu überleben und dann darum, Vorräte für den Winter anzuhäufen und sich um die Tiere zu kümmern. Sie schüttelt ihr ehemaliges langweiliges aber sehr bequemes Leben immer mehr ab, gerät in Depressionen, aus denen sich vor allem die Verantwortung für die Tiere wieder herausholt.  Die Glücksmomente sind frische Himbeeren oder der Fund eines Mehlsackes auf der Alm und natürlich die Geburt der kleinen Kätzchen. Das Fernglas, mit dem sie die Welt hinter der Wand betrachtet, nimmt sie immer weniger zur Hand.

Das Buch hat existenzialistische Ansätze und passiert einfach. Der Hund Luchs ist der rote Faden, es gibt die Zeit mit Luchs und nach Luchs. So springt sie manchmal durch die Zeit und spricht im ersten Jahr vom zweiten Jahr und davon „als Luchs noch lebte“.

Erst im dritten Winter fängt sie an zu schreiben, über das was passiert oder nicht passiert ist. Die Distanz zu ihrem früheren Leben wird immer größer und dann geht das Papier aus.  

Der Leser erfährt nicht, wie die Frau heißt. Sie selber hingegen gibt aber all ihren Tieren Namen, die kleinen Kätzchen heißen Tiger und Perle. Das Kalb von Bella der Kuh tauft sie Stier.

Im Verlauf der Lektüre kündigt sie immer wieder das Drama an, wenn sie den Tod von Luchs erwähnt.  Das Buch endet mit dem Erscheinen eines Mannes auf der Alm, wo sie mit den Tieren den Sommer verbringt. Er tötet Stier und Luchs und sie tötet ihn. Dann macht sie sich schnell mit Bella auf den Weg ins Tal zur Jagdhütte, wo  – so hofft man für sie – die Katze, die den Sommer nicht auf der Alm verbracht hat, auf die wartet. Sie weiß nun, dass Bella wieder ein Kalb haben wird und das bedeutet für Sie auf jeden Fall erstmals weiterleben zu können oder zu müssen. Die Kartoffel- und Bohnenernte sieht gut aus und Winteräpfel wird es auch wieder geben.

Man mag das Buch gar nicht mehr weglegen. Mit vielen Wiederholungen und trotzdem wenig Handlung,  hat sie mit schlichten Worten eine große Spannung konstruiert.  Es ist auch nicht wirklich eine Zivilisationskritik. Man ist versucht zu glauben, dass man ihre Aufzeichnungen liest, das würde aber bedeuten, dass sie irgendwann doch den Weg in die sogenannte Zivilisation zurück gefunden hat.

Wer aber jetzt einen Science Fiction Roman erwarte, wird enttäuscht sein. Das Buch hat philosophische Ansätze und deshalb endet es so wie es endet, nämlich gar nicht.

Zitat aus dem Buch: „Einer, der rennt, kann nicht schauen. Seit ich langsamer geworden bin, ist der Wald um mich lebendig geworden. Früher war ich immer irgendwohin unterwegs, immer in großer Eile und erfüllt von einer rasenden Ungeduld, denn überall, wo ich anlangte, musste ich erst einmal lange warten. Manchmal erkannte ich den Zustand unserer Welt ganz klar, aber ich war nicht fähig, aus diesem unguten Leben auszubrechen. Mein bisheriges Leben erscheint mir, wie durch eine unsichtbare Wand, von den anderen getrennt“.
Christa Blenk

 

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