Dalí + Magritte

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Dalí + Magritte im Brüsseler Musée des Beaux Art

 

Ausstellungsbericht für KULTURA EXTRA

 

Dalí & Magritte

Flammen züngeln zwischen den glänzenden Ventilen und verschlungenen Röhren der Tuba, die auf einem Tisch steht. Prometheus‘  rot-braun-bronzenes Feuermeer wird zu Mund, Nase, Augen und Haaren. Magritte hat  „La découverte du feu“ („Die Entdeckung des Feuers“)  1934 gemalt. Man sagt, dass ihn eine Eisenschmiede in seinem Geburtsort Lessines  inspiriert haben soll, brennendes Metall zu malen.

Im Bild daneben sind es Giraffen, die mit ihren in Flammen stehenden Hälsen ein elegantes Gala-Abendessen in der Wüste beleuchten. Die Gäste sitzen in feinem Zwirn an einer langen Tafel. Im Hintergrund ein Tor, ein Sichelmond, Sterne und Zypressen. „Dîner dans le désert éclairé par des girafes en feu“ („Abendessen in der Wüste von brennenden Giraffen beleuchtet“) entstand drei Jahre nach Magrittes Werk. Salvador Dalí hat es mitten im spanischen Bürgerkrieg gemalt. Gedacht wohl ursprünglich als Illustration für ein Filmprojekt mit den Marx Brothers.  Die Idee wurde aber als zu surrealistisch wieder verworfen und nie realisiert.

Die Ausstellung in Brüssel hat noch mehrere Beispiele dieser Art zu bieten. Mit interessanten Recherchen, Leihgaben und  großer Fachkenntnis erklärt sie, wie die beiden so unterschiedlichen Künstler sich gegenseitig inspiriert haben.  Oft ist es Dalí, der ein Motiv von Magritte ein paar Jahre später aufgreift und ihm noch eins drauf setzt. Es gibt niemanden, der sich seinerzeit besser vermarkten konnte als der exaltierte und wortgewandte Katalane. Im Vergleich zu ihm wirkt Magritte wie ein strenger Ingenieur oder ein pflichtbewusster Beamter, der nach Uhr und Plan arbeitet und Genauigkeit am meisten schätzt.  Aber es ist Magritte, der einen bedeutenden Einfluss auf die Kunst-Generationen nach ihm ausüben soll, vor allem auf die Konzeptkunst (hier z.B. sein Landsmann Marcel Broodthaers) und natürlich Pop-Art-Künstler wie Warhol, Rauschenberg, Jasper Johns oder Arman.

Die Werkschau in Brüssel ist in Themen unterteilt. Eines heißt natürlich Traum/Halluzination. Hier vergleicht der Kurator Magrittes   „L joueur secret „ („der heimliche Spieler“,  1927) mit Dalís „Wilhelm Tell“ (1930). Beide Werke haben etwas surreal Theatrales, Onirisches,  fallen in eine imaginäre Szene des  19. Jahrhundert.  Das Kapitel Formen/Figuren zieht eine Linie zwischen Magrittes  „Les jours gigantesques“  (1928) und Dalís „Couple aux têtes pleines de nuages“  (1936). bemerkenswert die Verbindung zu Jean-François Millets „L’Angélus“  (1858). Ohne Zweifel kennt Salvador Dalí, der als Kind eines angesehenen Notars aus der Oberschicht eine ausgezeichnete Ausbildung und Kunstausbildung bekommt,  die alten Meister sehr gut und beherrscht ebenso die traditionellen Maltechniken. Magritte hingegen wird in eine dunkle, von Protesten belebte Roheisen- und Kohlenlandschaft hineingeboren, die ihre besten Tage schon fast hinter sich hat, und als er 13 Jahre alt ist, ertränkt sich seine Mutter im nahen Fluss.

1929 begegnen sich die beiden Surrealismus-Ikonen  Salvador Dalí (1904-1989) und René Magritte (1898-1967) zum ersten Mal in Paris, wo Dalí sich auf Empfehlung von Joan Miró aufhält. Im Sommer des gleichen Jahres reist  Magritte mit seiner Frau Georgette zu Dalí nach Cadaqués. Luis Buñuel, Joan Miró, Paul Éluard und Gala sind ebenfalls mit von der Partie. Gala wird nach diesem Sommer Éluard verlassen, um Dalís Muse, Geliebte und Managerin zu werden.  Auch mit ihrer Hilfe und Geschäftstüchtigkeit wird er sehr schnell zu einem der bekanntesten und reichsten Maler seiner Zeit.

Und Magritte: Ohne seinen Cadaquéz Aufenthalt hätte er nie einen so wolkenlosen, blauen Himmel wie in „Le temps menaçant“  malen können.  Über einem azurblauen Mittelmeer schweben  ein weiblicher Torso ähnlich der Venus von Milo, eine ebenso große Tuba und ein Stuhl, wie es scheint schwerelos und friedlich. Ist es das Wetter, das umschlägt oder sind es stürmische Zeiten, die sich annähern? Das französische Wort „temps“ kann beides bedeuten.  Das Bild gehört der schottischen Nationalgalerie.

 „Was ist der Surrealismus? Das ist ein Kuckucksei, das unter Mitwissen von René Magritte ins Nest gelegt wird.“  ( André Breton)

Die Surrealismus-Bewegung entsteht gegen  Mitte der 1920er Jahre.  Die bahnbrechenden Bewegungen des frühen 20. Jahrhunderts wie Kubismus, Futurismus, Expressionismus und Dadaismus waren zu diesem Zeitpunkt schon erfunden und geben dem Surrealismus eine enorme Bandbreite an Tendenzen an die Hand. Um weitere, unbekannte oder verschlossene Türen zu öffnen, greift man auf Träume, Unbewusstes, Absurdes und auf die Psychoanalyse zurück.  Konventionelle Denkweisen  münden in eine Fusion von Realität und Illusion, Betrachter werden schockiert – man denke an  Dalís und Luis Buñuels surrealistischen Film „Ein andalusische Hund“ – und naturalistische Gegenstände entwaffnet, hier Magrittes Kommentar  „Ceci n’est pas une pipe“  („dies ist keine Pfeife“) auf dem kleinformatigen Gemälde „La trahison des images“ („der Verrat der Bilder“). Es handelt sich um eine seiner bekanntesten Arbeiten und  hängt heute im Los Angeles County Museum of Art. Leider ist das Bild, das 1929 entsteht und eine Pfeife zeigt, nicht nach Brüssel gekommen.  Magritte sagte darüber folgendes:    „Ein Bild ist nicht zu verwechseln mit einer Sache, die man berühren kann. Können Sie meine Pfeife stopfen? Natürlich nicht! Sie ist nur eine Darstellung. Hätte ich auf mein Bild geschrieben, dies ist eine Pfeife, so hätte ich gelogen. Das Abbild einer Marmeladenschnitte ist ganz gewiss nichts Essbares.“

Schon das Ausstellungsplakat spricht vom Unterschied zwischen dem minimalen Surrealismus von Magritte mit dem barocken von Dalí. Magritte malt denkend und denkt malend.  Sachlich und rationell glaubt er weder an das Unbewusste,  Symbole lehnt er ab. Der Belgier malt nur, was man unbedingt zum Verständnis braucht. Dalí hingegen stürzt sich und den Betrachter in ein Meer von Bildern, Andeutungen und Wirren.

Während Magritte als Redakteur bei unterschiedlichen Zeitschriften arbeitet, mit Kurzfilmen experimentiert,  in die Kommunistische Partei Belgiens eintritt und ein arbeitsames Leben führt, kokettiert der skandalumwitterte Dalí  mit der Psychoanalyse, lernt Freud kennen, zwirbelt provozierend seinen Schnurrbart durch die Medien und macht aus seiner Verehrung für den spanischen Diktator Franco kein Geheimnis . Ab 1950 verbringt der Künstler jedes Jahr mehrere Wochen in einem des ältesten Pariser Luxushotels in der Rue de Rivoli. Dort ließ er sich einmal  eine Herde Schafe in die Suite transportieren, um anschließend auf sie zu ballern oder beauftragte die Butler, im Park Fliegen zu fangen (Belohnung 5 Franc/Fliege).  Sympathisch macht ihn das nicht:  kommt genial vor gut? Interessant für die Medien allemal. Dem Personal schenkt der Meister zu Weihnachten signierte Lithografien. Der Designer Philippe Stark hat übrigens das Hotel Le Meurice 2008 im Dalí Stil ausstatten lassen.

Die Kunstverantwortlichen nehmen ihm seine dekadenten Ausschweifungen dann aber doch übel, denn zur ersten documenta  in Kassel 1955 – die das Mandat hat, die moderne Kunst der vergangenen Jahrzehnte zu erklären und zu zeigen – ist er nicht geladen. 130 000 Besucher lernen dort  zum Thema Surrealismus Werke von André Masson, Joan Miró und Max Ernst kennen.  Magritte gewinnt 1956 den Guggenheim-Preis für Belgien und nimmt vier Jahre später an der documenta II teil.

Zum 10. Geburtstag des Brüsseler Magritte Museum werden die beiden Meister des Surrealismus hier thematisch in Konfrontation gebracht.  Über 100 Exponate sind zu sehen, wichtige Leihgaben sind von weit her angereist. Die Arbeiten des Spaniers Salvador Dali und des Belgiers René Magritte sprechen meist nicht dieselbe Sprache, sie konkurrieren, wetteifern miteinander, bewundern und schätzen sich aber auch und nehmen jeweils Einfälle des anderen auf. Das Ausstellungs-Konzept ist sehr gelungen und die Sammlung des Musée Magritte wird mit wahren Meisterwerken aus Museen aus aller Welt ergänzt!

Die Schau « Dalí & Magritte » wurde gemeinsam von den Königlichen Museen für schöne Künste in Belgien (MRBAB)  in Zusammenarbeit mit dem Dalí Museum St. Petersburg/Florida, der Gala-Salvador Dali Stiftung und der Magritte Stiftung organisiert. Über 40 internationale Museen und Privatsammlungen haben Leihgaben zur Verfügung gestellt. Kurator ist der Direktor des MRBAB  Michel Draguet.

Bis 9. Februar 2020 ist diese interessante und gut zusammen gestellte Werkschau noch zu sehen.

Christa Blenk

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