Middelheimmuseum Antwerpen

Wei Wei
Wei Wei – No-named bridge

 

Einer der möglichen Wege in den Zauber-Skulpturengarten führt über die Brücke ohne Namen von Wei Wei. Schwierig ist sie zu überqueren, mit unregelmäßigen Erhebungen, schrägen Stufen und Fast-Grenzen. Aber sie führt dann doch in dieses Paradies, in dem sich zwischen alten und wuchtigen Bäumen immer wieder Skulpturen aus 100 Jahren verirrt haben – alleatorisch fast und auch nicht chronologisch nach Anschaffung oder Entstehung des Kunstwerkes. Diesen Eindruck hat man jedenfalls.

Die Bäume sind zwar nicht so alt wie der Ort Middelheim, aber manche bringen es sicher auch auf 100 Jahre. Middelheim wurde  schon 1342 in den Geschichtsbüchern erwähnt. Laureys Van Aerschot de Jonghe besaß 1399 diesen Hof samt Ländereien. Ab dem 16. Jahrhundert haben sich die wohlhabenden Antwerpener Familien dort ihre Sommerresidenzen bauen lassen. Das Schloss kam im 18. Jahrhundert dazu. Man geht davon aus, dass es nach Plänen des Pariser Architekten Barnabé Guimard im Stil Ludwigs XVI erbaut wurde.

 

Rodin - BalzacHenry MooreAlbert Szukalski - Dialoog 1974
 August Rodin „Balzac“ (1892-1897), Henry Moore „König und Königin“ (1952), Albert Szukalski, „Dialog“ (1974)

 

1910 hat die Stadt Antwerpen das Gelände aufgekauft, vor allem, um es vor einer geplanten Parzellierung zu bewahren. Somit wurde der Park öffentlich und Besuchern zugänglich gemacht. Auf einem Teil entstand ein Krankenhaus, aber auch die Universität von Antwerpen und das Pastorale Theologische Zentrum bekamen Gelände zur Verfügung gestellt.

Mit Kunst kam der ca 20 Hektar große Park 1950 zum ersten Mal in Berührung. Nach einer Idee der Stadt wurde im Park eine bedeutende internationale Ausstellung  organisiert, was später zu der Idee eines eines permanenten Freilichtsmuseums für Bildhauerkunst führte. Schon ein Jahr später, 1951, wurde die internationale Biennale für Bilderhauerkunst ins Leben gerufen, die alle zwei Jahr in den Sommermonaten Kunstliebhaber nach Antwerpen lockte, bis dieser Turnus 1998 eingestellt wurde.

1971 hat der belgische Architekt Renaat Braem einen Pavillon für den Park entworfen. Dort werden Sonderausstellungen oder delikatere Werke ausgestellt.Der Springbrunnen davor ist vom belgischen Künstler Philippe Van Snick.

1993 wurde Antwerpen Kulturhauptstadt. Dies hat man zum Anlass genommen, die Dauerausstellung um zehn zeitgenössische bedeutende Kunstwerke auszuweiten. So kamen Richard Deacon, Isa Genzken, Per Kirkeby, Panamarenko, Matt Mullican, Bern Lohaus, Harald Klingelhöller, Juan Muñoz und Thomas Schütte in den Park.
Bruce Naumann - Diamond shaped room with yellow light 1989Ulrich Rückriem - Constructe 1967Chris Burden - Beam Drop 2009
Bruce Naumann „Diamond Shaped Room with Yellos Light (1986-1990/2018) – Per Kirkeby – Chris Burden
Im Jahre 2000 wurde der Park um 7 Hektar  auf 27 erweitert, was eine komplette Umstrukturierung nach sich zog und Platz für mehr temporäre Ausstellungen schaffte. 2012 wurde des erneuerte Middelheimmuseum eröffnet.
Jedes einzelne Kunstwerk, jede Skulptur, verlangt vom Besucher eine immer wieder neue Betrachtungsweise. Die kompakten Broncen von Maillot oder Rodin werden hier mit licht- und luftdurchlässigen Konstruktionen von Kirkeby oder Soto kombiniert und vertragen sich ganz wunderbar. Dazwischen steht eine « Dreiklang-Skulptur » von Rudolf Belling auf der Wiese. Dan Graham hat 2004 das „Belgium Funhouse“ installiert. Eine transparente Installation, die den Betrachter zwischen Fiktion und Realität hin- und her reisst. Manche Arbeiten sind direkt für das Museum zugeschnitten. Einer der Höhepunkte ist der neue halboffene Pavillon „Het Huis“ von den Architketen Robberecht und Daem. Eine Konstruktion aus gefaltete und gebogenen Stahlplatten in grau-grün.
Zwischen den Kunstwerken wachsen 1500 Zierapfelbäume, die der Landschaftsarchitekt Michel Desvigne pflanzte. Jetzt, Anfang September, bilden die kleinen, roten Äpfel auf dem Boden einen Teppich, der  einem Kunstwerk gleicht. Die Hortiflora liegt im Westen der Middelheimlaan. Hier handelt es sich um den ehemaligen Blumengarten des Nachtegalenparks, der 2012 Bestandteil des Middelheimmusuems wurde.
Die belgische Künstlerin Ria Pacquée hat ihre diversen Projekte und Installationen unter dem Titel „They are looking at us, we are looking at them“ überall im Park verteilt. Sie verlangt vom Besucher ein absolutes „Sich Einlassen“ auf ihre Kunst – was durchaus auch zum Schmunzeln einladen kann. Diese Ausstellung läuft noch bis zum 22. September. Die kubanische Künstlerin Ana Mendieta stellt Ihre konzeptuellen Werke mit dem Obertitel „Earthbound“ im Pavillon Braem auch noch bis zum 22.9. aus.Louise Lawler Installation „Birdcalls“ ist im Het Huis zu erleben und auf ihr Kunstwerk antwortet Ria Pacquée mit ihrem Video „As long as I see birds flying I know I am alive“ (2015).

Die Idee, Objekte im Freien auszustellen, ist keine Erfindung des 20. Jahrhunderts. Schon im 18. Jahrhundert liebte es die Aristokratie, sich im Freien unter Kunstwerken zu bewegen. Der Schloßpark war wie geschaffen dafür. Die ersten Objekte waren Windmühlen oder Katen, die ein romantisches Landleben andeuten oder vortäuschen sollten.  Die Industrialisierung brachte dann eine Art „Heimatschutz“ ans Tageslicht, um die ländlichen Zeitzeugen vor den Maschinen zu retten, wie z.B. das idealisierte Darf « Hameau de la Reine » in Versailles.

1891 wurde schließlich in Schweden das erste europäische Freilichtmuseum gegründet. In Husum entstand 1899 das erste deutsche Freilichtmuseum und dann schossen sie wie Pilze aus dem Boden. In Barcelona wurde anlässlich der Weltausstellung 1929 ein typisches, spanisches Dorf „Poble Espanyol“ aufgebaut, das nach der Ausstellung stehen bleiben durfte und bis heute besichtigt werden kann.

Großartiger Kunstausflug an einen sonnigen Sonntag-Nachmittag.

cmb

 

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